8. Januar 2021

Sammelstelle in der Sturzflut des Gedruckten (1)

Benedikt Kaiser / 36 Kommentare

Der Vorläufer der Sezession, die Zeitschrift Criticón, war eine internationale Tribüne für die heterogene konservative Szene der 1970er und 1980er Jahre.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Der Herausgeber, Caspar von Schrenck-Notzing, hatte bei der Gründung 1970 lediglich an eine »Sammelstelle in der Sturzflut des Gedruckten« gedacht.

Die Autoren der »Sammelstelle« sollten für jene Leser des eigenen Milieus Pressematerial sichten und von klarem Standpunkte aus kommentieren, die selbst nicht oder nur unzureichend »quer« lesen könnten – etwa aus zeitlichen Gründen.

Nach wenigen Ausgaben war klar, daß Criticón mehr sein müßte als nur dies: Die Zeitschrift wuchs quantitativ wie qualitativ an, zu ihren prägenden Stammautoren zählten – neben weiteren – Armin Mohler, Gerd-Klaus Kaltenbrunner, Robert Hepp, Hans-Dietrich Sander, Alain de Benoist, Hans Werner Neulen und Günter Maschke. Die Spannbreite der Positionen war immens, der Blick auf das (und aus dem) Ausland obligatorisch, und fast jedes Heft versprach vielgestaltigen Lesegenuß.

Die Geschichte von Criticón endet – je nach Deutung – entweder im Jahr 1999, als von Schrenck-Notzing das mittlerweile ein wenig überlebte Projekt an mediokre Marktradikale übergab, oder aber erst im Jahr 2005, als

das Blatt den Gnadentod starb, ausgezehrt auch durch den Umstand, daß sich eine Neugründung unter dem Namen Sezession »am Markt« durchgesetzt hatte,

wie Martin Lichtmesz bilanzierte.

Das ursprüngliche Anliegen von Criticón, einen Anlaufpunkt in Gestalt präziser Presseauswertung und dergleichen zu bieten, bleibt jedoch zeitlos bestehen. Trotz Digitalisierung und dem wiederholt verkündeten »Ende der Zeitung« erweist sich die Medienwelt auch im Printbereich einstweilen als lebendig – was freilich nichts über die Qualität des Gedruckten aussagen mag.

In der Kolumne »Sammelstelle in der Sturzflut des Gedruckten« werde ich fortan in wöchentlichem Rhythmus auf Beiträge aus ganz unterschiedlichen Zeitungen, Zeitschriften, Magazinen und – erheblich seltener – virtuellen Formaten verweisen, indem ich diese kurz zusammenfasse und dort, wo nötig, kommentiere.

Eine Überschneidung mit den beliebten »Netzfundstücken« des Kollegen Jonas Schick wird vermieden – daher der Versuch einer Selbstbeschränkung auf Gedrucktes. Übrigens: In der Kommentarspalte des jeweiligen freitags veröffentlichten Beitrags können seitens der Leserschaft Artikelhinweise und Empfehlungen eingereicht werden – bis Donnerstagabend vor der nächsten Veröffentlichung. (Diese Kommentare gehen nicht online, sondern werden von mir gesichtet und auf mögliche Verwendung geprüft.)

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Der Debütbeitrag wird von Alexander Kissler eröffnet. Der pointiert schreibende Journalist, ehemals Cicero, arbeitet derzeit als Berliner Korrespondent für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ). Ist die Jubelarie, die im patriotischen Bereich ob der NZZ angeschlagen wird, oft übertrieben und gelegentlich auch bizarr, so birgt doch jede Ausgabe lesenswerte Berichte, Gespräche und Analysen.

Zu letzterem Segment zählt Kisslers Beitrag vom 5. Januar 2021 (zitiert wird bei der NZZ fortan stets nach der »Internationalen Ausgabe«). »Im Wahljahr 2021 kehren die Probleme zurück« versammelt sieben Grundannahmen zum Superwahljahr der Bundesrepublik Deutschland (Bundestagswahl, sechs Landtagswahlen, ferner Kommunales in Hessen und Niedersachsen).

Kisslers Thesen zusammengefaßt:

  1. Karten in Parteienlandschaft werden neu gemischt
  2. Die Verordnungspolitik kommt an ihr Ende
  3. Virologen sind wieder Virologen
  4. Die wirtschaftliche Krise spitzt sich zu
  5. Die Migrationsfrage kehrt zurück
  6. Der Niedergang der Kirchen beschleunigt sich
  7. Es bleibt turbulent

Fokussiert wird sich hier auf jene Belange, die für uns von besonderer Bedeutung sind. In vorliegendem Fall sind das die Thesen 4 und 5.

4. Die wirtschaftliche Krise spitzt sich zu

Der Spitzenkoch und selbständige Unternehmer Tim Raue erwartet, dass die Insolvenzen im neuen Jahr «rieseln werden wie Nadeln vom Weihnachtsbaum». Der Gastronom hat vor allem die eigene Branche im Blick, und da ist die Lage verheerend. Im Lockdown sind Hotels und Restaurants bis auf wenige Ausnahmesituationen geschlossen. Kein Hol-und-bring-Service kann die Verluste aus dem Weihnachtsgeschäft kompensieren.

(...)

Firmen ohne Kunden lassen sich nicht dauerhaft erhalten. Insolvenzen ohne Arbeitslosigkeit gibt es nicht. (...) Da ist es schwer, den Optimismus des Kanzlerkandidaten Scholz zu teilen: «Ich mache mir keine Sorgen um die Leistungsfähigkeit unserer Volkswirtschaft.»

Das Scholz-Zitat kann man recherchieren; es ist authentisch. Eines ausführlichen Kommentars bedarf es nicht, zeigt es doch auf, daß es sich Scholz und Konsorten längst in einem Paralleluniversum bequem gemacht haben, das durch jene Allgemeinheit finanziert (aber auch häufig: bewußt durch sie gewählt) wird, die mit Propagandafloskeln wie der obigen bei Laune gehalten wird.

Spannender wird es danach:

5. Die Migrationsfrage kehrt zurück

Die grösste Herausforderung der Jahre 2015 und 2016 wurde nicht gelöst. Sie wird mit Wucht wiederkehren: die Migrationsfrage. (...) Man wird sich in der deutschen Innenpolitik des Jahres 2021 wieder an die vertrauten Maximalpositionen zwischen einem Bleiberecht für alle und einem Aufnahmestopp für jeden erinnern. (...) Auf jeden Fall fände die Debatte unter verteilungsökonomischen Gesichtspunkten und deshalb in gereizter Atmosphäre statt.

Dies ist der entscheidende Unterschied zu 2015: Vor sechs Jahren traf die massive Zuwanderungsbewegung auf ein allem Anschein nach prosperierendes Land; die Migrationsfrage war tatsächlich primär eine migrationspolitische.

Sie schied Befürworter einer vollständig multikulturalisierten Gesellschaft (Grüne, Linke, teils SPD) von Anhängern einer etwas moderateren multikulturalisierten Gesellschaft (CDU/CSU, teils SPD) und einer nach Wohlstandsverträglichkeit optimierten multikulturalisierten Gesellschaft (FDP), während die Gegner einer multikulturalisierten Gesellschaft und Vertreter einer relativen ethnokulturellen Homogenität sich um die AfD scharten.

2021 wird dies anders sein, wie Kissler mit Recht vermerkt: Die »verteilungsökonomischen Gesichtspunkte« kontrastieren dann nicht nur Innen und Außen (vulgo: Einheimische und Fremde), sondern werfen in der anhaltenden und sich durch die Lockdownpolitik verschärfende Coronakrise auch die Frage nach dem »Wer profitiert?« und »Wer trägt die Last?« auf (vulgo: Oben und Mitte & Unten).

Denn profitieren werden, wie fast in jeder Krise, die Reichen und Superreichen (selbst Hans-Georg Maaßen monierte dies zuletzt), während das Rückgrat Deutschlands, der ehrwürdige Mittelstand, weiter erodiert und die Last in Form von erwartbaren Steuerbelastungen (offen oder verdeckt) zu zahlen hat.

Hier bedarf es einer unmißverständlichen Positionierung, die dem Wahlvolk verdeutlicht, daß mit einer patriotischen Kraft weder weitere Umverteilung von unten und der Mitte nach oben noch von Innen nach Außen geduldet würde. Politik für die Bevölkerungsmehrheit verknüpft fundierte Migrationskritik mit einer volkswirtschaftlichen Parteinahme für Arbeiter, Selbständige und standortgebundenen Mittelstand. Das wäre nicht nur inhaltlich korrekt, sondern ist auch das einzig mögliche Alleinstellungsmerkmal einer Alternative.

Denn fest steht: Wirtschafts- und Migrationspolitik, die Thesen 4 und 5 Kisslers, verschmelzen 2021 mehr denn je. Es ist dies eine gigantische Chance für die AfD im Superwahljahr. Jedenfalls wäre sie es dann, wenn ihre Basis – erstens – den Spaltungstendenzen »von oben« einen Riegel vorschiebt, und zweitens, wenn die Impulse vom Bundesparteitag 2020 aufgegriffen werden in Richtung eines sozialkonservativen Patriotismus für die Bevölkerungsmehrheit, nicht für die oberen Schichten und Klientel, um die sich Teile des Bundesvorstandes aus ideologischen wie habituellen Motiven scharen möchten.

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Die »Sammelstelle« soll keine parteipolitische Analysekategorie werden – aber angesichts des Auftakts zum Superwahljahr sei diese Ausnahme gewährt. Denn auch in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit (2/2021) vom 7. Januar beginnt man 2021 mit einem Thesenbeitrag zu ebenjenem Jahr der Urnengänge.

In der Rubrik »Zeit im Osten« äußern sich Jana Hensel und Martin Machowecz zum Thema. »Ein Abgang in Würde« bezieht sich dabei auf Angela Merkels Abschied von der Bundeskanzlerschaft, die so in Stein gemeißelt noch gar nicht erscheint. Vielleicht wird sie auch, gebeten vom loyalistischen Apparat, zu einer weiteren Amtszeit zur Verfügung stehen, wenn Merz, Spahn, Laschet und Co. sich als unfähig erweisen, parteiintegrierend zu wirken?

Aber zum Beitrag: Entsprechend der Rubrik fokussiert man sich auf den Osten. Im April wird – Stand jetzt – in Thüringen gewählt, im Juni in Sachsen-Anhalt, im frühen Herbst in Mecklenburg-Vorpommern und natürlich bundesweit.

Hensel und Machowecz treffen dabei zunächst einen Punkt, denn »die AfD wird nicht einschmelzen oder verschwinden«. Auch die beiden Zeit-Journalisten verweisen einerseits auf die Rolle der Migrationsfrage und andererseits auf die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise: Werden diese »dramatisch«, würde die Alternative erheblich profitieren.

Hinzu komme, daß die AfD im Osten all jene repräsentiere, die sich gegen die Coronamaßnahmen der Bundesregierung wie der Länder stelle. In der Tat sorgt dies für Sympathien und Zustimmung seitens der eigenen Wählerschaft. Dies ist eindeutig ein Ost-Spezifikum. Denn im Westen der Republik gibt es erheblich höhere Zustimmungswerte zu Lockdown, rigiden Maßnahmen usw. als im Osten – für die AfD ein widersprüchliches Feld.

Die Thesen 2 und 5 sind an dieser Stelle vernachlässigbar. Denn daß der nächste Kanzler nicht aus Ostdeutschland stammen wird, ist marginal: Was half Ostdeutschland die Ära Merkel? Welche Relevanz hat im Multikulti-Berlin, ob der Regierende Bürgermeister ostdeutsch sozialisiert worden wäre? Und auch These 3 – »Manuela Schwesig wird ein Star. Oder sie bekommt ein Problem« – ist subaltern.

Spannend ist demgegenüber These 4. Dort heißt es: »Der Druck auf den Osten wird steigen«. Viele Westdeutsche seien von der Überrepräsentation ostdeutscher Themen und Probleme »genervt«, und jedes ostdeutsche Insistieren auf Lösungsansätzen für dort aufgeworfene Fragen sei nun »mit dem Risiko behaftet, eine gereizte Reaktion, eine Watsche zu ernten«. Nun, dies würde der Rolle der AfD als Repräsentationskraft des ostdeutschen Sonderweges eher dienlich sein, zumal dort, wo 2021 gewählt wird, bereits jetzt Ergebnisse von 20 % + erwartet werden dürfen.

Das führt zu These 6 der Autoren: »Kenia liegt im Osten«, sprich: Dreierkoalitionen nach dem Farbschema Schwarz-Grün-Rot werden zur Normalität. Woran das liegt, verraten Hensel und Machowecz nicht: an der starken Ost-AfD in den einzelnen Ländern, die Mehrparteienregierungen – oder gar Allparteienbündnisse einschließlich der Linkspartei? (siehe These 7) – erfordern, solange der Cordon sanitaire standhält.

Sollte dieser neuerliche antifaschistische Schutzwall, eine Wiederholung der Geschichte als Farce, jemals erodieren, so meine These zur These, wäre Sachsen-Anhalt die naheliegende Dammbruchstelle, weil dort in Teilen (!) jene christdemokratische Restvernunft anzutreffen ist, die Meuthen und Co. wohl bei einer Bundes-CDU »ohne Merkel« wittern.

Das führt zur Annahme Nummer 8: »Die Debatte um CDU und AfD wird nicht enden«. Die Kernaussage paßt hervorragend zur Sachsen-Anhalt-These. Hensel und Machowecz fassen objektiv die »Regel« der »ostdeutschen CDU« gut zusammen, was sich aus subjektivem Erleben durchaus bestätigen ließe:

Je weiter man hierarchisch nach unten schaut, umso geringer sind die Berührungsängste mit der AfD.

Nur: Haben im – auch in Ostdeutschland gut geölten – Apparat der Christdemokratie wirklich Basisavancen eine Chance auf Verwirklichung? 2021 ff. wird es zeigen. Nur dann wäre es, wie in These 9, nachvollziehbar, von einem »massiven Rechtsruck in Teilen der Gesellschaft« zu sprechen, der dringend notwendig ist; nur dann wird der Osten, wie in These 10 als Option präsentiert, »das Land erschüttern«.

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Erschüttert ist man beim – für den Autoren obligatorischen – Blick nach links. Was ist nur aus der traditionsreichen konkret (Gründungsjahr 1957) geworden? Das linksradikale Magazin (Untertitel: Politik & Kultur), bundesweit flächendeckend am Kiosk präsent, verfügt zwar noch über eine geschätzte Auflage im Zwischenbereich von 30.000 bis 40.000, aber auch über ein handfestes Problem.

Denn nach dem Tod des politisch dauerhaft irrlichternden, aber stilistisch genialen Hermann L. Gremliza im Dezember 2019 – ein starkes Porträt verfaßte Siegfried Gerlich – siecht die Qualität vor sich hin. Das unterstreicht die aktuelle Ausgabe (1/2021) einmal mehr.

Es geht dabei gar nicht um die Beanstandung ihrer Themen. Daß eine Zeitschrift der äußersten »progressiven« Linken entsprechend das Augenmerk auf Abtreibungspropaganda, Geschichtsverdrehung oder einen negativen NS-Fetisch legt: geschenkt. Daß die Autoren, etwa Peer Heinelt, allerorten »Nazis« in der Bundeswehr oder gar im Militärischen Abschirmdienst diagnostizieren: ebenso.

Und doch gelang es dem Magazin noch unter Gremliza, »wider den Stachel zu löcken«, und das hieß in diesem Kontext: Stamm- und Gastautoren stießen kontroverse, die Zeiten überdauernde Diskussionen in der linken Szene an, verärgerten das eigene Publikum oder beschimpften schlichtweg interne Kontrahenten. Das ist vorbei: Konformistische Rebellion und organisierte Langeweile begegnen einem in (fast) jedem Beitrag.

Eine Ausnahme ist das ideologiekritische Brüderpaar Johannes und Paul Simon, deren Buch zur Capitol-Stunde – »Eine Welt voller Wut«. Donald Trump und das Ende der US-Hegemonie – in der 100. Sezession (Februar 2021) rezensiert wird. Naturgemäß sind auch sie dem antifaschistischen Denkgebäude verhaftet, aber für heutige konkret-Relationen liest man ihre Artikel – beide Simons sind regelmäßige Beiträger – als wohltuende Ausnahmen.

Johannes Simon widmet sich in der aktuellen Ausgabe dem »Kapital in Dosen« – der Problematik der Impfstoffbeschaffung durch die Nationalstaaten. Angelegt an den Rechtswissenschaftler Axel Metzger formuliert er die zugespitzte Einsicht:

Im Kapitalismus geschieht nur, was Profit bringt (beziehungsweise bringen soll) – diesem Kriterium sind auch lebensrettende Medikamente unterworfen.

Man wird zweifellos nicht jedem Argumentationsschritt Simons zustimmen können. Aber daß man die Position der Kritik des Profitstrebens sowie der Konkurrenz in bezug auf medizinische Produkte auch rechts wahrnimmt, kann so falsch nicht sein.

Ohnehin ist der Text ein lehrreiches Stück über machtpolitische Interessen zwischen den Impfgiganten China, USA und der EU einerseits und eben dem Grundproblem einer dem freien Markt anheimgestellten Preisbildung bei womöglich lebensrettenden Pharmazeutika. Daß unabhängig von der aktuellen Coronaimpfdebatte jeder Staat in der Lage sein sollte, seinen Staatsbürger eine effektive Versorgungssicherheit zu bieten, wäre Simons Sache wohl nicht – kann aber als ein Zwischenfazit aus seinem Artikel gezogen werden.

Paul Simon nimmt sich derweil den aktuellen Bestseller und Everybody's Darling der Buchwelt vor: den ersten Band der Autobiographie von Barack Obama: Ein verheißenes Land. »Nothing left« bietet einen Rückblick auf Obamas Präsidentschaft. Er zitiert Obama aus diesem Buch, der einräumt, bei Amtsantritt 2008 »eine leere Leinwand gewesen« zu sein, »auf die Unterstützer aus dem gesamten ideologischen Spektrum ihre Visionen von Veränderungen projizieren konnten«. Wer fühlt sich bei der Lektüre dieser Zeile nicht an den heutigen Kult um den »Anti-Trump« Joe Biden erinnert?

Simon klärt die Beweggründe für die »Verehrung«, die besonders in Deutschland auf ebenjene Leinwand projiziert wurde und zieht eine – recht desaströse – Bilanz der oftmals so verklärten Ära Obama. Daß Obama mehr Ausländer abschob als Donald Trump verwundert sicherlich sowohl konkret-Abonnenten als auch ihre rechten Gegner, aber sei nur am Rande vermerkt. Denn die schwerwiegenden Aspekte berührt Simon, wenn er Obamas moralisierende Kritik an den immanenten Fehler der US-Hegemonie und ihrer Folgen aufgreift und zeigt, daß der wohlfeilen Argumentation selten Handfestes folgte:

Obama beendete die CIA-Folterprogramme, stellte aber nie jemanden vor Gericht; er reduzierte Truppenstärken in aller Welt, verstärkte aber den bisweilen barbarischen Drohnenkrieg; er kritisierte die verhängnisvolle Nahostpolitik des Westens, reproduzierte diese aber (etwa in Syrien, was Simon unterschlägt) ... kurz: Auch Obama nahm keinen Abstand vom ewigen Ziel, »den amerikanischen Einfluss in der Welt zu vergrößern«.

In diesem Sinne kann die erste Folge der »Sammelstelle« mit einem sprechenden Bild US-amerikanischer Kontinuität abgeschlossen werden:


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (36)

Maiordomus

8. Januar 2021 17:29

@Criticon hatte zwar schon damals eine a u c h  nationalkonservative Ausrichtung, war aber nicht nur nationalkonservativ, eher schon international-konservativ; nicht unwesentlich war natürlich damals auch die Auseinandersetzung mit Solschenizyn und Amalrik, sowie Grundsatzfragen mit Schwerpunkt Konservatismus. Der junge Martin Rhonheimer schrieb einen brillanten Essay über die drei Arten der Legitimation: die traditionale, die pragmatische und die transzendentale, wobei nur die letztere, welche dann auch wieder nicht überzubewerten war, ins Prinzipielle ging. Bei den Debatten stand sehr im Vordergrund die Frage, was "immer gilt", jedoch durchaus in traditionaler und pragmatischer Brechung. Selber las ich mit einem engen Kollegen, der es abonniert hatte, Criticon seit 1970, wurde dann mit der Zeit selber Abonnent. Das Ende habe ich unguter Erinnerung, es ging in Richtung Opportunismus, wie später "Mut". 

Benedikt Kaiser

8. Januar 2021 17:35

@Maiordomus:

Criticon hatte zwar schon damals eine a u c h  nationalkonservative Ausrichtung, war aber nicht nur nationalkonservativ, eher schon international-konservativ

Das betone ich in der ersten Zeile direkt. 

Monika

8. Januar 2021 18:55

Die Idee „Sammelstelle in der Sturzflut des Gedruckten“ finde ich gut. Auch, dass Artikelhinweise der Leserschaft berücksichtigt werden. Den Hinweis, dass diese Hinweise zunächst ( offline) auf mögliche Verwendung überprüft werden, halte ich für etwas unglücklich. Sollte man nicht erst mal abwarten, welche Hinweise kommen ? Wenn man Zutaten liefern soll, will man vielleicht auch etwas mitköcheln oder wenigstens mal in den Topf gucken. Jetzt also mein Hinweis: Tumult/Winter 2020/21 Bettina Gruber, Suizidale Empathie, Einfühlung als Waffe im Globalisierungskampf . Kann der Beitrag verwendet werden ? Und wenn nicht, gibt es eine entsprechende Rückmeldung? 

Benedikt Kaiser

8. Januar 2021 19:03

@Monika: 

Niemand muß etwas beisteuern, aber wer möchte, der kann. Ihnen steht es beispielsweise frei, ebenso auf einem Blog oder einer Netzseite Fundstücke in einem eigenständigen Artikel aufzubereiten, wenn Ihnen meine Auswahl bei der ein oder anderen Gelegenheit nicht passen oder nicht sinnig erscheinen sollte. 

Der Text von der geschätzten Bettina Gruber ist sehr interessant, danke für den Hinweis. Bevorzugt werden aber Tageszeitungen und Wochenzeitungen, seltener Monatsmagazine, noch seltener Quartalshefte oder gar Halbjahresschriften. Es soll schon überwiegend aktuell sein. Wobei auch ein Essay wie derjenige von Gruber in der ein oder anderen Konstellation sicher vorgestellt wird. Wir werden sehen. 

Ansonsten bezog sich mein Hinweis auch darauf, daß mancher Kommentator vielleicht etwas beisteuern will, ohne selbst im Netz zu erscheinen. Auch daher erfolgte der Vermerk, daß es nicht veröffentlicht wird. 

Monika

8. Januar 2021 19:13

@ Benedikt Kaiser

Danke für die Präzisierung.

Nemo Obligatur

8. Januar 2021 20:05

In der Kolumne »Sammelstelle in der Sturzflut des Gedruckten« werde ich fortan in wöchentlichem Rhythmus auf Beiträge aus ganz unterschiedlichen Zeitungen, Zeitschriften, Magazinen und – erheblich seltener – virtuellen Formaten verweisen, indem ich diese kurz zusammenfasse und dort, wo nötig, kommentiere.

Lieber Herr Kaiser, inhaltlich stoße ich mich oft an ihren Beiträgen wie z.B. an Ihrem Buch zum SolPat. Aber auf die angekündigte "Sammelstelle" freue ich mich, denn selbst ihre ärgsten Kritiker werden Ihnen wohl nicht Originalität und Fleiß absprechen.

Imagine

8. Januar 2021 21:24

1/3

Bis zum Epochenumbruch ums Jahr 1970 besaßen Intellektuelle noch gesellschaftlichen Einfluss. Jeder Student der Sozialwissenschaften kannte beispielsweise Arnold Gehlen und musste, um sein Studium erfolgreich abschließen zu können, ihn gelesen haben. Ansonsten wäre es eine Bildungslücke gewesen.

Das gebildete Bürgertum war damals noch eine gesellschaftlich relevante Klasse mit erheblicher gesellschaftlicher Gestaltungsmacht. Zu dieser Klasse gehörten konservative wie progressive Intellektuelle. T.W. Adorno, A. Gehlen, G. Rohrmoser, R. Wassermann, R. Augstein et al., sie alle gehörten der Klasse des gebildeten Bürgertums an. Ihre Gemeinsamkeit bestand darin, die kulturellen Restbestände von Bürgerlichkeit bewahren zu wollten.

War Richard Löwenthal der Mitbegründer des konservativen „Bund Freiheit der Wissenschaft“ ein reaktionärer „Rechter“, weil er entschiedener Kritiker der revolutionären Studentenbewegung war?

Nein, er war konservativ und wollte etwas bewahren, dass sich damals im Prozess des Niederganges befand, nämlich der Einfluss des wissenschaftlich gebildeten Bürgertums auf die gesellschaftliche Gestaltung. Löwenthal war m. E. der einflussreichste Intellektuelle in der damaligen SPD.

Imagine

8. Januar 2021 21:25

2/3

Aber Löwenthal hatte nicht den unaufhaltsamen Umbruch zur postmodernen kapitalistischen Gesellschaft verstanden, sondern wollte die freiheitliche westliche Industriegesellschaft mit starker Arbeiterklasse und starken Gewerkschaften bewahren. In „Jenseits des Kapitalismus“ (Erstauflage 1.1.46 / Neuauflage 1.1.1977) hatte er die Theorie eines Dritten Wegs zwischen Kapitalismus und Kommunismus entwickelt, mit dem Ziel, eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft sowohl gegen die Kapitalistenklasse wie auch gegen den Sowjetkommunismus zu ermöglichen und zu bewahren.

Heute ist die Klasse des freiheitlichen, humanistisch gebildeten und wissenschaftlich aufgeklärten Bürgertums heute weitgehend untergegangen, marginalisiert und ohne relevanten Einfluss auf die gesellschaftliche Gestaltung der westlich-kapitalistischen Gesellschaften.

Jene „Einzigartigkeit des Westens“ mit Freiheit und Wohlstand für alle, die Löwenthal beschrieben hat und bewahren wollte, existiert heute nicht mehr.

Imagine

8. Januar 2021 21:26

3/3

Den Niedergang und die Marginalisierung des gebildeten Bürgertums analysiert und beschreibt Georg Bollenbeck in seinem Buch „Bildung und Kultur: Glanz und Elend eines deutschen Deutungsmusters“ (1996).

Heute gibt es war noch vereinzelt Intellektuelle, die man zur „Champions League“ zählen kann, wie z.B. Wolfgang Streeck, Richard Sennett, Paul Krugman et al. Aber anders als damals Adorno, Gehlen et al. führen sie keinen offenen Diskurs in Podiumsdiskussionen an den Universitäten und können ihre Positionen nicht in den TV-Massenmedien vertreten.

Sondern die Hochschulen sind heute zu geistlosen Ausbildungsinstitutionen zur Massenproduktion marktkonformer Arbeitskräfte geworden.

Wenn – wie von Benedikt Kaiser – die Zeitschrift „Criticón“ als der Vorläufer der „Sezession“ angesehen wird, dann verschwindet die entscheidende Differenz: Beim frühen „Criticón“ publizierte damals die Bundesliga der deutschen Intelligenz, während es heute Amateure sind.

Ähnlich verhält es sich mit der Zeitschrift „konkret“.

RMH

8. Januar 2021 22:11

"Beim frühen „Criticón“ publizierte damals die Bundesliga der deutschen Intelligenz, während es heute Amateure sind."

Tja, sowie die Bundesliga mittlerweile schon lange nicht mehr deutsch ist, so ist die deutsche Intelligenz schon lange keine Bundesliga mehr, da es keinen gemeinsamen Spielplan/ keine Liga mehr gibt. Und nach den Einzeltrainings wissen die anderen Mannschaften mittlerweile, dass sie besser gegen Sezession & Co nicht mehr antreten bzw. besser die Spiele verweigern.

Liebes Autorenkollektiv Imagine, kommen Sie bitte einmal im 21. Jhdt. an - es gibt keine deutsche Intelligenz mehr. Es gibt nur noch Fragmente und Fraktionen. Sezession ist ein Name dafür.

Maiordomus

8. Januar 2021 22:45

@RMH. Sie haben recht. Würde das damalige "Criticon"  als "anregend" bezeichnen, mit Autoren, die sich darüber hinaus dann einen Namen machten, wie zumal Kaltenbrunner, es aber dann doch auch nicht wieder überbewerten. Zumal beim gedruckten Heft Sezession gibt es Nummern, die sich gegenüber früheren in "Criticon" nicht verstecken müssen, selbst wenn jene mich zum Teil mitprägenden Autoren mir noch näher standen. Zumal muss man sich gegenüber den Feuilletons nicht verstecken, zumindest was die politisch und historische Literatur betrifft und die literarische Entdeckerfreude.  

Laurenz

9. Januar 2021 01:51

@BK

Hatte heute die Zeit gefunden, mir das neue Video von 1% mit Marie-Thérèse Kaiser anzusehen. Im Ansatz finde ich die Idee zwar gut, aber das kurz zusammengefaßte Thema "Migration" war nicht konkludent zu Ende gedacht. Und ein schönes Gesicht und schöne Gestalt sind zwar klasse, Sex sells, aber eben doch nicht alles. Zumindest nicht für inhaltlich Interessierte.

Ist es denn so, daß das geschriebene Wort noch diese Eminenz besitzt? Ist nicht auch die Sezession schon in die audiovisuelle Welt aufgebrochen?

Ist es finanzierbar und sinnvoll, TV-Dokus und Nachrichten zu sammeln, zu bewerten und Zusammengfaßtes zu veröffentlichen?

Maiordomus

9. Januar 2021 07:53

@Kaiser. Möchte Ihnen für diesen Artikel meine Achtung ausdrücken. Vgl. noch im vorigen Beitrag unter Martin Sellner mein Forumbeitrag über "De la démocratie en Amérique" nach Tocqueville und zumal das achte und neunte Buch von Platon über die Demokratie mit einer durchaus berechtigten Kritik, selbst wenn die selbe Karl Popper nicht passte. Dabei werden Platon immer wieder, analog zu Königin Marie Antoinette und Churchill,  Falschzitate unterschoben, so, als hätte er gesagt, die Jugend (seiner Zeit) sei noch nie so verderbt gewesen wie heute. Er hat in Wirklichkeit etwas sehr viel Aktuelleres gesagt, siehe den Kult der "Klimajugend"; wie kindisch es sei, wenn Ältere sich der Jugend einschmeicheln und unreifes Gebaren für sich selber zum imitierten Massstab erheben wollten, womit sich die Älteren überdies vor den Jungen und vor sich selber lächerlich machen würden. 

Heinrich Loewe

9. Januar 2021 09:49

Ich weiß nicht, ob dieses Format genügend austrägt oder vielmehr zu sehr Echokammer bleibt. Dringend erforderlich hielte ich etwas, was Lichtmesz eine zeitlang in Kärrnerarbeit gemacht hat: Die Dekonstruktion der meinungsbildenden Medien.

Der alles beherrschende Grundkonflikt ist: Das Große Erwachen (deplorables) versus Der Große Reset (globalistische Eliten).

 

Ersteres muß beständig genährt werden. Dazu muß man die Leute befähigen, die Art und Weise, wie Meinung gemacht wird zu erkennen: Framing, Narrativ, Unterscheidung von „Geräusch“ und „Signal“, dahinterstehende Interessen. Jeden Tag eine Stunde Presseschau.

Eine Zurechtweisung wie bei @Monika 19:03, ich möchte dies doch bitte selber auf eigenem Format machen, können Sie sich im Übrigen sparen. Überheblichkeit kommt garnicht gut an.

Eine Bitte gerade an Sie, Herr Kaiser, vom „linken Flügel“. Könnten Sie evtl. einmal etwas zu Saul Alinsky bringen, evtl. im Zusammenhang mit der Frankfurter Schule. Dessen Wirkungsmacht ist bis heute außerordentlich groß. Es muß verstanden werden, warum die progressive Linke wider jeglichen gesunden Menschenverstand fast immer gewinnt.

Der_Juergen

9. Januar 2021 10:57

Ich schätze Kaiser, dessen Ziel des "Solidarischen Patriotismus" ich als "linker Rechter" teile, sehr hoch und fand auch in diesem Beitrag viel für mich Neues und Interessantes ("Criticon" habe ich nicht gekannt, und auch "Sezession" stiess ich erst Ende 2014 oder Anfang 2015 kennen). Doch irritiert mich Kaisers Realitätsblindheit. Wie kann ein so gut informierter und kluger Mann wie er ernstlich daran glauben, das "Superwahljahr" 2021 werde in der BRD irgendwelche positiven Impulse aufgrund von Wahlergebnissen bringen? Was die Demokratie wert ist, sehen wir ja anschaulich am Beispiel der USA. Und selbst wenn die herrschende Bande nicht so dreist fälscht wie der Tiefe Staat in den USA, ja selbst wenn wider Erwarten ehrlich ausgezählt wird - wie kann man bloss der Illusion erliegen, die Drahtzieher des Great Reset liessen sich von einer AFD in die Suppe spucken (ganz abgesehen davon, dass die den Parteichef Meuthen von Anfang an in der Tasche hatten?). Man lese Klaus Schwabs "Covid-19. The Great Reset", und es wird einem, wenn man Schwabs Newspeak auf Deutsch übersetzen kann, kalt den Rücken hinablaufen. 

So wie es 1683 in Wien nur eine Frage geben konnte - "Wie verhindern wir die Einnahme der Stadt durch die Türken?" -, gibt es heute nur eine Frage. Sie lautet: "Wie stoppen wir den Great Reset?" Und verglichen mit den Folgen, die dessen Durchsetzung hätte, wäre die Eroberung Wiens durch die Türken nur eine kleine Fussnote im Buch der Geschichte gewesen. 

 

HerrLandei

9. Januar 2021 12:01

@Maiordomus (8. Januar 2021 22:45)

Werter Maiordomus,

ich hätte gute Lust, ausführlich und mäandernd auf Ihre bauchpinselnden Beiträge ad Criticon zu antworten – allein, die liebe Zeit fehlt: die Apfelbäume müssen geschnitten werden und beim Eicher spinnt die Hydraulik: Schwerpunkte setzen, nicht Schwerflächen, wie mein alter Taktiklehrer anmahnte.

„Würde das damalige "Criticon"  als "anregend" bezeichnen, mit Autoren, die sich darüber hinaus dann einen Namen machten, wie zumal Kaltenbrunner, es aber dann doch auch nicht wieder überbewerten.“

Uff, wo will man da anfangen? Vielleicht nur so viel: der überwiegende Teil der Autoren machte sich nicht „dann“ (also nach den Veröffentlichungen) einen Namen – es waren gestandene Professoren, die schon zuvor Renommee hatten. Ohne groß zu recherchieren nur einige, an die ich dabei denke: Arndt, Diwald, Motschmann, Hornung, Hepp, Rassem, Tommissen, Freund, Willms, Quaritsch. Bei aller Liebe zur „Sezession“ – Liebe kann auch blind machen und das ist in den wenigsten Fällen hilfreich: „Schönheit vergeht, Hektar besteht“ heißt es im Süden. Und Criticon hat viele Hektar fruchtbaren Grund hinterlassen, den zu pflügen es lohnt.

Imagine

9. Januar 2021 13:41

1/2

@RMH   8. Januar 2021 22:11
„Tja, sowie die Bundesliga mittlerweile schon lange nicht mehr deutsch ist, so ist die deutsche Intelligenz schon lange keine Bundesliga mehr, da es keinen gemeinsamen Spielplan/keine Liga mehr gibt. …Liebes Autorenkollektiv Imagine, kommen Sie bitte einmal im 21. Jhdt. an - es gibt keine deutsche Intelligenz mehr. Es gibt nur noch Fragmente und Fraktionen.“

Für Deutschland ist dies zutreffend. Die deutsche Intelligenz ist global weitgehend nicht mehr wettbewerbsfähig. Unfähig, einen automatischen Kollisionsschutz in ihre Magnetschwebebahn einzubauen, unfähig einen Flughafen in angemessener Zeit zu bauen, unfähig zu rationaler Bildungs- und Wirtschaftspolitik. Usw. usf.

Die Chinesen können inzwischen dies alles viel besser. Sie bauen die besten Eisenbahnen der Welt und in absehbarer Zeit werden sie die besten Autos, Flugzeuge etc. bauen. Sie haben ein viel effektiveres Bildungs- und Wirtschaftssystem.

Die chinesische wissenschaftlich-technische Intelligenz wird Weltspitze werden und auf dem Gebiet der Sozialwissenschaften und Ökonomie sind es die chinesischen Eliten bereits jetzt. An dieser Entwicklung haben zwei Deutsche entscheidenden Anteil.

Imagine

9. Januar 2021 13:42

2/2

Hingegen haben die Deutschen ihr zuvor erstklassiges System der Bildung von geistigen Eliten durch ihre „Bildungsreformen“ selbst zerstört. Ob die deutschen Politiker so blöd waren oder ob es auf Druck von „außen“ geschah, um Deutschland als Weltmarktkonkurrenten zu schwächen, darüber kann an Hypothesen bilden. Sicher ist nur, dass das zuvor erstklassige Bildungssystem zerstört wurde und Deutschlands Intelligenzschichten, sei es in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Medien etc. nur noch mittelmäßig sind. Über die konkrete Empirie der Bildungskatstrophe an den Schulen berichtet regelmäßig anschaulich Bosselmann.

Und auch die „Exzellenzinitiative“ löst das Problem des Mangels an geistigen Eliten und an qualifizierten Führungspersonen nicht, sondern in Deutschland wird es mit allgemeiner Verblödung immer weiter abwärts gehen, beschleunigt durch Feminismus, Ökologismus, Multikulturalismus, Umvolkung etc.

anatol broder

9. Januar 2021 14:55

@ laurenz 1:51

Ist es denn so, daß das geschriebene Wort noch diese Eminenz besitzt?

Ist es finanzierbar und sinnvoll, TV-Dokus und Nachrichten zu sammeln, zu bewerten und Zusammengfaßtes zu veröffentlichen?

das sind ausgezeichnete fragen.

solange lesen die schnellste aufnahme von wissen ermöglicht, bleibt das geschriebene wort eminent. vor dem hintergrund der allgegenwärtigen zensur ist es sinnvoll, eine dezentrale sammlung mit (urheberrechtsfreien) texten anzulegen. die moderne informatik bietet methoden für beliebig grosse arbeitskreise an.

die frage der finanzierung löst man hauptsächlich mit unbezahlten freiwilligen, die daten sammeln. die bewertung geschieht ausserhalb des projektes.

beispiel 

ein politiker sagt etwas in einem video. monika überträgt seine rede als text in die sammlung. kaiser bewertet die rede in einem artikel, verweist dabei auf die von monika beigesteuerten daten als quelle.

Maiordomus

9. Januar 2021 15:33

@Landei. Wollte Ihnen nicht zu nahe treten, aber es ging vor allem um diejenigen bei Sezession, die damals, unter dem Einfluss der 68er, als die relativ jüngeren unter den Prominenten in meiner eigenen Generation Massstäbe setzten. Dass unter denjenigen, die älter waren, noch ganz andere Grössen zu nennen sind, ist unbestritten; vgl. noch Epoche und Weltbühne etwa mit Helmut Schoeck, Herbert Eisenreich, Walter Hoeres, Rudolf von Habsburg, Erik von Kuehnelt-Leddihn und andere. Bin mir nicht sicher, ob sogar Gehlen noch dabei war. Und es geht nicht um das Bauchpinseln, sondern das Ermuntern. Über die Qualität zumindest der besseren gedruckten Hefte "Sezession" darf man als Allteser von Criticon durchaus im positiven Sinne erstaunt sein. Nichr zu unterschätzen der Rezensionsteil, den man auf diesem "Sektor" sonst nirgends findet. 

heinrichbrueck

9. Januar 2021 16:51

„Klimajugend“.

Mit Demokraten muß man in Kindersprache reden, anders geht es nicht. Sie verstehen die Masche nicht, sonst wäre doch klar, daß die Regierung den Mist nicht glaubt. Die Regierung macht sich nicht lächerlich, sie setzt Pläne durch. Ist eine Flüchtlingssteuer nicht umsetzbar, kommt eine Klimasteuer. Demokraten glauben fast jeden Mist, unterstellen dann der Regierung, die wäre ähnlich gestrickt. Die meisten Erklärungen, für irgendwelche Tatsachen, sind Erfindungen. Der Demokrat wird geführt, auch vorgeführt, verhöhnt, verachtet, denkt aber, seine Phantasieprodukte würden schon ausreichen.

Mit der Bildung ist es auch so eine Sache. Zwei Weltkriege konnten nicht verhindert werden; Hauptsache das Bildungsgedöns stimmt. Ob ein Volk sich teilen und beherrschen läßt, hängt auch vom Vertrauen ab. Wiederkehrende Propagandamuster, und immer wieder die grandiose Überschätzung der Politiker. Ein Volk in Geimpfte und Ungeimpfte markieren zu können, mobilisiert gleichzeitig Widerstand zur Durchführung dieses Prozesses. Die Motivation ist vorgegeben, seit Jahrzehnten ein Abwärtstrend gegen das Eigene. Ein demokratischer Prozeß.

Marc_Aurel

9. Januar 2021 17:13

"2. Die Verordnungspolitik kommt an ihr Ende"

Kann ich mir nur schwer vorstellen, "setzt vorübergehend aus" vielleicht...aber wir werden sehen.

 

Simplicius Teutsch

9. Januar 2021 18:52

@ RMH, danke für Ihren erhellenden Hinweis auf einen Sachverhalt, der mir ebenfalls aufgestoßen ist. Ich lese ja die langen, kenntnisreichen Kommentare von „Imagine“, geschöpft aus dem Arsenal dessen, was kritische Rechte ganz gerne hören oder sagen, oft gar nicht mehr, weil sie mir selbst bei weitgehender inhaltlicher Zustimmung irgendwie „verdächtig“ vorkommen. Ich kann es nicht anders sagen: verdächtig. Beim „Skeptiker“ ergeht es mir übrigens ähnlich. Es sind dann Bemerkungen wie diejenige, die Sie, @RMD, aufgespießt haben (8. Januar 2021 22:11):

„Criticon“ gegen „Sezession“, also die „alten“ Konservativen gegen die heute im überall verminten Zeitstrom kämpfenden rechten Intellektuellen ausspielen zu wollen, halte ich im Eigeninteresse der Rechten schon mal nicht für sehr intelligent. Ein Dank an @ Maiordomus für seine verbindenden Anmerkungen.

Der Spruch von @Imagine: „Wenn – wie von Benedikt Kaiser – die Zeitschrift „Criticón“ als der Vorläufer der „Sezession“ angesehen wird, dann verschwindet die entscheidende Differenz: Beim frühen „Criticón“ publizierte damals die Bundesliga der deutschen Intelligenz, während es heute Amateure sind“, ist, so wie es formuliert ist, eine verbale Watschn für das gesamte Sezessions-Projekt, vielleicht aber auch nur eine autistische Fehlleistung des Kommentators, oder die Maske ist kurzfristig verrutscht. Ich weiß es nicht. Ist aber auch nicht gar so wichtig.

Maiordomus

9. Januar 2021 20:45

@Landei. Es ging natürlich um "diejenigen bei Criticon", die zu meiner Zeit Massstäbe setzten, wobei die Jüngeren für uns damals Jüngere besonders wichtig waren. 

heinrichbrueck

9. Januar 2021 20:46

Na endlich: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2021-01/rechtsextremismus-globale-bewegung-angriff-us-kapitol-washington-faschismus?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE 

Marc_Aurel

9. Januar 2021 21:47

@heinrichbrueck

Besonders interessant an dem Zeitartikel, den Sie freundlicherweise verlinkt haben, ist das vor sich hin halluzinierende Kommentariat – darunter Zeitgenossen, die offenbar in einer kompletten Parallelwelt leben und längst jeden Realitätsbezug verloren haben. In einer Doku, die ich vor vielen Jahren gesehen habe, war ein Jude zu sehen, der sinngemäß sagte, dass er immer gern den „Stürmer“ gelesen habe, weil in dieser Zeitung die Juden immer als stark und mächtig beschrieben wurden, ohne jetzt das religöse Thema hochkochen zu wollen, mir geht es nur um die Anekdote. So ähnlich kommt man sich als Rechter/Patriot auch vor, wenn man solche Artikel liest: der Film den die dort schieben ist in Teilen schon fast angenehm, könnte man mit einem Schmunzeln vermerken, weil er die rechte Seite in ihrer momentanen Wirkmächtigkeit stark überzeichnet. Aber immerhin: es gibt auch einzelne Kommentare, die zumindest versuchen einigermaßen ausgeglichen zu argumentieren, soweit das der totalitären Meute dort zumutbar ist, ohne das sie die Kanthölzer aus dem Schrank holen.

Imagine

10. Januar 2021 14:10

1/4

Das herrschende demokratische System ist sowohl eine gigantische Illusionsmaschine wie auch Jobmaschine.

Beim Begriff der Demokratie sollte man allerdings unterscheiden können zwischen einer repräsentativen und einer direkten Demokratie.

Bei der repräsentativen Demokratie entscheiden Parteien und Parteifunktionäre über die Politik, ohne an das Votum ihrer Wähler oder die von ihn gemachten Wahlversprechen gebunden zu sein.

De Wähler haben noch nicht einmal die Möglichkeit jene „Volksvertreter“ abzuwählen, die nicht ihre Interessen vertreten oder sogar gegen diese handeln.

Daher war eine grundlegende Forderung der APO (Außerparlamentarische Opposition) in den 60-er Jahren zu einer echten Demokratie zu kommen, wo der politische Wille des Volkes tatsächlich in Politik umgesetzt werden kann.

Eine grundlegende Forderung war die Möglichkeit zur Abwahl der Repräsentanten („recall“) und deren Bindung an den Wählerauftrag („imperatives Mandat“). Zugleich wollte man durch ein durch ein Rätesystem eine stärkere Anbindung an die gesellschaftliche Realität und an relevanten gesellschaftlichen Gruppen erreichen.

Bei der direkten Demokratie kann das Volk direkt als Gesetzgeber fungieren, es kann vom Parlament verabschiedete Gesetze außer Kraft setzen oder neue Gesetze verabschieden.

Imagine

10. Januar 2021 14:11

2/4

Die direkte Demokratie ist aber kein Garant dafür, dass das Volk tatsächlich rational im Sinne seiner Interessen abstimmt. Es gibt in der Schweiz viele Beispiele dafür, wo bei Volksabstimmungen gegen das objektive Interesse der Mehrheit des Volkes gestimmt wurde. Da spielen die Deutungsmacht und Medienmacht der Plutokratie eine entscheidende Rolle.

Dass die repräsentative Demokratie eine riesige Manipulation und Betrug darstellt, ist eine uralte Kritik, die von Anfang an geäußert wurde.

Aber der große Vorteil dieses Systems ist, dass damit der soziale Frieden gewahrt werden kann. Man kann immer darauf verweisen, dass der Wähler die Regierung durch seine Wahl dieser Parteien und dieser Abgeordneten selbst so gewählt und damit legitimiert hat.

Regelmäßig wird dabei ignoriert, dass die „Partei der Nichtwähler“ den größten Anteil darstellt und dadurch die Legitimation der herrschenden Politik in Frage stellt.

Tatsächlich ist für das normale Volk die Möglichkeit, über Parteimitgliedschaft und Wahlen auf die politische Gestaltung des Gemeinwesens einwirken zu können, sehr gering.

Denn die Politik wird von den Reichen und Mächtigen auf mehreren Wegen bestimmt, nämlich durch Parteispenden, sei durch die Medienmacht, durch legale Korruption und auch durch Erpressung, Drohung und Mord. Nicht einmal ein amerikanischer Präsident ist seines Lebens sicher, wenn er eine Politik gegen die Interessen von herrschenden Machtgruppen machen will.

Imagine

10. Januar 2021 14:11

3/4

Insofern ist die Vorstellung, über Parteigründungen und Wahlen in dem System der repräsentativen Demokratie Politik gestalten zu können, als reichlich naiv anzusehen.

Aber die Magie der Demokratieillusion wirkt ununterbrochen weiter.

Einige politisch Gebildete kennen die bereits über 100 Jahre alte soziologische Analyse, Theorie und Kritik am Parteiwesen von Robert Michels.

Aber wissenschaftliche Erkenntnis hält nicht davon ab, Parteipolitik und Wahlkampf zum machen und Illusionen über die Relevanz von Wahlen zu verbreiten.

Tatsächlich sind Parteimitgliedschaft und Wahlen mit dem Ziel gesellschaftlicher Veränderung so irrelevant und unwirksam wie die Mitgliedschaft in einem Fußball- oder Karnickelzüchterverein.

Obwohl dies alles bei kritischer rationaler Betrachtung klar ist, gibt es dennoch über eine Million Menschen, die Mitglieder von Parteien sind und sich in der Parteipolitik engagieren. Warum?

Weil die Parteien Aufstiegs- und Versorgungschancen für Lohnabhängige eröffnen wie sonst nirgendwo in der Gesellschaft zu finden. Wer auf der Parteiliste – und sei es nur als Hinterbänkler – ins Parlament kommt, erhält ein Spitzeneinkommen eröffnen. So erhalten BT-Abgeordnete lt. BILD monatlich 10.083,47 Euro brutto als Diäten sowie eine steuerfreie Kostenpauschale von 4560,59 Euro. Berufspolitik ist mit hohem Einkommen, Macht, Status und Titeln verbunden.

Imagine

10. Januar 2021 14:14

4/4

Aber nicht nur Berufspolitiker profitieren von den Parteien. Parteien sind Job-Maschinen. Es gibt zig Tausende, die in und durch Parteien Jobs und Einkommen finden: Mitarbeiter von Abgeordneten, Parteiangestellte, Journalisten, PR- und Werbe-Leute, Reinigungs-, Catering-Unternehmen usw.

Parteistiftungen erhalten gigantische Finanzierungen. TE hat für 2021 fast 800 Millionen Euro berechnet..

Wenn so viel mit Politik verdient wird, dann ist klar, warum so viele Blender, Täuscher, Lügner und Betrüger, die mit bürgerlicher Berufstätigkeit nie derartige Einkommen und Altersversorgungen erreichen würden, in die Parteien drängen.

Obwohl das Wählen bei kritischer Betrachtung im Prinzip Selbstverarschung darstellt, wird Wählen von zig Millionen Menschen als etwas ganz Wichtiges und Unverzichtbares dargestellt und jedesmal fiebern sie der Bekanntgabe der Wahlergebnisse entgegen. Obwohl eigentlich klar ist, dass – egal welche Partei die Wahl gewinnt und welcher Politiclown an die Spitze gewählt wird, sich an der Politik nichts Grundlegendes ändern wird.

R. Oberlercher hat bereits in den 70-er Jahren in einem Artikel im „NEUEN FORVM“ darauf hingewiesen, dass die politischen Parteien die Funktion der Kirchen übernommen haben. Sie verbreiten Illusionen über den realen Zustand der Gesellschaft und die Möglichkeiten einer Veränderung, sie spenden Hoffnung und Trost. Wie die Kirchengläubigen immunisieren sie sich gegen rationale Aufklärung.

Der_Juergen

10. Januar 2021 20:34

@Imagine (Ihre vier Wortmeldungen ab 14.10)

Ich gehöre ja wirklich nicht zu Ihren Fans, aber wo Sie recht haben, haben Sie recht. Dem, was Sie über den Betrug mit der "Demokratie" schreiben, kann ich nur beipflichten.

Ich bin wohlverstanden nicht gegen Demokratie auf Gemeindeebene. Wenn die Bewohner eines Dorfs ihren Bürgermeister wählen, werden sie sich schwerlich für den Dorftrottel entscheiden, sondern für einen Mann, den sie aufgrund ihrer Erfahrung als ehrlich und kompetent einschätzen. Hier ist die Gefahr eines Fehlentscheids relativ gering und die Folgen eines solchen überschaubar. - Zur direkten Demokratie in der Schweiz folgendes: Aufgrund der totalen Gleichschaltung (nur die "Weltwoche" weicht in einigen Fragen noch von der offiziellen Linie ab; die NWO-kritische "Expresszeitung" bekommt man am Kiosk nicht) werden seit vielen Jahren fast keine Initiativen mehr angenommen, die bei der herrschenden Kaste auf Ablehnung stossen. Eine bemerkenswerte Ausnahme war die von Bern stark bekämpfte, aber vom Volk gutgeheissene Initiative für ein Verbot des Baus neuer Minarette. Und aufgrund der Briefwahl kommt es zweifellos auch zu Fälschungen. Auch unsere vielgelobte direkte Demokratie wird also immer mehr zur Farce.

Simplicius Teutsch

10. Januar 2021 23:24

@ Imagine, dem kann ich nur zustimmen, was Sie in den vier gut formulierten Kommentar-Abschnitten über die angewandte „Demokratie“ erörtern und präsentieren. Ich schließe mich @ Der Jürgen an: „Wo Sie recht haben, haben Sie recht.“

Gustav Grambauer

11. Januar 2021 08:32

"Sammelstelle in der Sturzflut des Gedruckten"

Möchte mal auf eine grundsätzliche Aufgabenstellung aufmerksam machen: gebraucht werden Chronisten, die nicht am Informationskrieg teilnehmen, mit ihm innerlich abgeschlossen haben, und stattdessen vollbewußt ausschließlich für die Nachwelt sammeln und aufbereiten, wofür Kempowski zu seiner Zeit die schönen Begriffe Echolot, Ortslinien und Plankton fand.

- G. G.

Imagine

11. Januar 2021 11:33

1/2

Parteipolitik ist – so meine These und Erfahrung – für Wissenschaftler und Intellektuelle, welche ihre Tätigkeit in den Dienst des Gemeinwohls und gesellschaftlichen Fortschritts stellen wollen, nicht nur Zeitverschwendung, sondern kontraproduktiv.

Denn in den Parteien dreht sich alles um Wahlen und wie man die meisten Stimmen bekommt. Beim Akquirieren der Stimmen geht es nur um Quantität. Da die Gebildeten und Intelligenten nur eine relativ kleine Minderheit bilden, ist die auf die Massen ausgerichtet Kommunikation und Propaganda der Parteien populistisch. Es finden Komplexitätsreduzierungen und Simplifizierungen statt, es wird gelogen, betrogen und manipuliert.

Als ein der Wahrheit und dem Gemeinwohl verpflichteter Wissenschaftler und Intellektueller ist man in der Parteipolitik ein Störfaktor oder überflüssig. Eben weil man kein stimmenbringender Influenzer ist. Oder mit den Interessen des Parteiestablishments in Konflikt gerät. Denn dann wird man isoliert, marginalisiert, kaltgestellt oder exkludiert.

Daher – so meine These – muss man sich entscheiden, ob man als Parteiideologe tätig sein will oder sich gegenüber der Parteipolitik eher distanziert verhält und einen Weg als Wissenschaftler und Intellektueller geht. Das kann eine Karriere als Dozent oder Hochschullehrer sein, man kann in der Forschung und Entwicklung tätig sein oder als Publizist, Journalist, Moderator etc.

Imagine

11. Januar 2021 11:33

2/2

Ein Intellektueller ist, wer neue Erkenntnisse entwickelt und vermittelt und seinen Theorien Zusammenhänge auf höchstem Bewusstseinsstand darstellt. Er ist - mit anderen Worten - ein Revolutionär im Bereich der Erkenntnis und Wissenschaft. Er ist kreativ, er führt neue Perspektiven ein und überwindet alte Paradigmen.

Allerdings ist dies ein steiniger Weg und es kann lange dauern, bis die neuen Ideen und Theorien dieser Revolutionäre von der etablierten Wissenschaft und dem allgemeinen Bewusstsein aufgenommen werden..

„Nichts ist praktischer als eine gute Theorie“ meinte Kurt Lewin. Denn eine gute Theorie ist ein Instrument, Zusammenhänge zu verstehen und damit eine grundlegende Voraussetzung für veränderndes und erfolgreiches Handeln.

Marx und Engels haben einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung Chinas. Denn auch dank ihrer Theorien verfügt China über modernste Sozialtechnologien.

Jene, welche die liberale bzw. libertäre Forderung nach einem „schlanken Staat“ vertreten, begreifen nicht, dass der Staat – wie in China – zu einer entscheidenden Produktivkraft werden kann.

Insofern sollte das Projekt „Marx von rechts“ fortgesetzt zu werden, um aufzuzeigen, wie die Marxsche Theorie die Gesellschaftswissenschaften (Soziologie, Ökonomie, Psychologie) paradigmatisch revolutioniert hat und welche weiteren Entwicklungen es danach gegeben hat.

Monika

11. Januar 2021 17:30

@ Heinrich Loewe

Danke für die Schützenhilfe:)

Es gibt möglicherweise ja auch sog. „Safe spaces“ bei einigen Rechten.😀 

https://www.emma.de/artikel/generation-beleidigt-338341

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