19. Januar 2021

Demos in Wien – System und Lebenswelt

Caroline Sommerfeld / 33 Kommentare

Ich war am Samstag und am Montag auf zwei grundverschiedenen Wiener Demonstrationen.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Die samstägliche wurde von Kollege Wessels bereits gewürdigt, ich kommentierte dazu ein paar Worte. Der Veranstaltung am Montag gegenübergestellt schält sich etwas Grundsätzliches heraus: das Geltendmachen der Lebenswelt gegen das System.

Den Titel meines Blogeintrags habe ich als bewußte Anspielung auf die Habermas-Luhmann-Kontroverse gewählt: Damals hielt Habermas es für geboten, der Unmenschlichkeit der luhmannschen Systemrationalität, in der "Menschen" nun einmal theoriebedingt nicht vorkommen, die "Lebenswelt" der Kommunikation unter vorsortierten Diskursbedingungen entgegenzuhalten.

Inzwischen ist Gras über die Sache gewachsen, und Edmund Husserls alter Lebensweltbegriff (aus Die Krisis der europäischen Wissenschaften, 1936), den dieser gegen die Herrschaft der Wissenschaft setzte, harrt einer Neuentdeckung. Hier kann nur angedeutet werden, was er meint:

In unserer Lebensnot – so hören wir – hat diese Wissenschaft uns nichts zu sagen. Gerade die Fragen schließt sie prinzipiell aus, die für den in unseren unseligen Zeiten den schicksalsvollsten Umwälzungen preisgegebenen Menschen die brennenden sind: die Fragen nach Sinn oder Sinnlosigkeit dieses ganzen menschlichen Daseins.

Wir haben es, so mein Fazit aus den zwei Demos, deren - zumeist winzige, bisweilen freakige - Vorgänger ich seit dem Sommer immer wieder besuchte, damit zu tun, daß die Leute ihre Lebenswelt gegen das System reklamieren.

Zuerst die große Demo, 20.0000 Teilnehmer waren wohl realistisch geschätzt. In meinem Kommentar notierte ich:

Das schwerste Verbrechen berichtete der KURIER: "Es wurde getanzt, Demonstranten umarmten sich und begrüßten einander mit Küssen". Aufgeräumte Atmosphäre, Friede, Freude, "Maskenlos durch die Stadt"-Geträller. Die Mischung aus Goa-Rasta-Szene und Trachtenjanker-Lederhose-Österreichflagge, dazwischen unsereiner.

Die Polizei versah pflichtmäßig ihren Dienst, was beispielsweise positiv vermerkt worden ist. Die mir bereits vertraute permanente Invention per Megaphon, Maskenpflicht und Abstände einzuhalten, unterblieb, wohl wegen der unüberschaubaren Größe und Undurchführbarkeit etwaiger Sanktionen.

Ich begrüßte auch eine Menge Leute - von früher. Denn die Waldorfschul-Szene ist genauso gespalten wie der Rest der Gesellschaft, diejenigen mit deutlichem Bekenntnis gegen die gegenwärtige Politik können gedanklich auf ihren Steiner zurückgreifen, wie kürzlich sogar in der Compact erwähnt wurde. Selbst mein damals erbittertster Gegner aus dem Schulvorstand verfügt nun über einen kritischen Telegram-Kanal.

Das Gemeinsame der Rastabezopften und der Trachtenträger, dazwischen eine Frau mit Calimero-Plakat (Lichtmesz ist fragen gegangen, was der wohl symbolisieren sollte - "Fragen'S Ihren Papa. Der Calimero war klein und tapfer, alle wollten ihn fertigmachen, aber er ließ sich niemals unterkriegen..." war die Antwort), und der unzähligen Durchschnittsbürger (viele mit überdurchschnittlich pfiffig dreinblickenden Augen) läßt sich auf den Nenner des Verlusts der "Lebenswelt" bringen.

Die Lebenswelt ist ihnen innerhalb eines Jahres abspenstig gemacht worden, und zwar in allen wesentlichen Bereichen: Gesten, Familie, Schule, Beruf, Kunst, Gesundheit, Religion. In die entstandenen Lücken drängte sich das System. Das Private ist auf eine Weise politisch geworden, die die alten Linken so nicht gemeint, aber mit ermöglicht haben. Die Lebenswelt umfaßt sowohl die großen Sinnfragen, die bei Husserl „für ein echtes Menschentum die entscheidenden sind“, als auch die elementarsten alltäglichen Existenzbedingungen, die man die anthropologischen Konstanten nennt.

In dieser Lage der Zerstörung der Lebenswelt sind Demonstrationen aus der Perspektive des Volkes eine naheliegende Ausdrucksform, zumal, wenn ihm alle sonstigen sozialen Formationen verboten werden (das ist historisch völlig neu). Unter diesen lebensfeindlichen Bedingungen kommen da plötzlich lauter Leute zusammen, die leise ahnen, daß sie, auch wenn alle tüchtig mitmachen, nicht den Great Reset stoppen oder zumindest Kanzler Kurz wegschaffen können, sondern einzig und allein: einander haben. Dieses Gefühl, in einer von einer Sekte übernommenen Welt das Fünkchen Restvernunft und Zusammengehörigkeit zu repräsentieren, vereinigt sie.

(Nachtrag: Das US-Narrativ läuft auch hierzulande, den klammheimlich geplanten "Parlamentssturm" medial zu lancieren, war nur eine Frage von Tagen.)

Die zweite Demo am Montag war völlig anders, aber auch hier: nichts als gefährdete "Lebenswelt". Angemeldet hatte sie Alexander Tschugguel, Leiter einer trational-katholischen Laienorganisation. Entsprechend war das Publikum "rechter" und bürgerlicher. Hier kamen am frühen Abend bei einem Grad über Null etwa 350 Leute zusammen am Ballhausplatz, direkt beim Bundeskanzleramt. Die Reden: wesentlich ernster, wirklich argumentierend und sehr konkret (Massenstimmung zu erzeugen war unnötig).

Zwei Beispiele von dieser Demo können den Gegensatz System vs. Lebenswelt veranschaulichen.

(Nachtrag 20.1.: Martin Sellner hat alles mitgefilmt, hier kann man die Reden hören).

Es sollte eine Wirtin aus Linz sprechen, die es gewagt hatte, ihr Café trotz "Lockdown" zu öffnen ("Sonst verhungern ich und mein Kind"; etwaige "Coronahilfen" in Höhe des Vorjahresmonats standen ihr nicht zu, weil sie ihr Lokal erst neu eröffnet hatte). Alle 45 Gäste wurden angezeigt, ihr drohen 30.000 Euro Strafe. Sie sagte sofort zu, als sie um einen Redebeitrag gebeten wurde. Dann aber zog sie zurück - ihr war von den zuständigen Behörden bedeutet worden, wenn sie so weitermache, wäre das Jugendamt womöglich zu informieren.

Vor Ort gab es eine engere Betreuungsrelation Polizei/Teilnehmer, sodaß Masken kontrolliert wurden (die meisten Leute waren sowieso in ihre Schals eingemummelt). Hinter mir spielte sich die Szene ab, daß ein Mann keine Maske trug. Er wurde aufgefordert, seine Personalien aufnehmen und sein Attest ablichten zu lassen (keine gute Idee, dann wären sie seinem Arzt rasch auf der Spur), damit er auf dem Verfahrenswege dagegen rückwirkend klagen könne, daß er hier und jetzt zum Maskentragen gezwungen worden sei.

Ich erlaubte mir, mich einzumischen und freundlich zu fragen, ob er wohl heimgehen dürfe (nein, die Amtshandlung sei eröffnet worden), und ob er jetzt hier also von seinem Attest praktisch keinen Gebrauch machen könne (nein, aber er könne ja den Rechtsweg beschreiten). Der Mann zündete sich erstmal eine Zigarette an (eine von der Marke "Beziehungsohr" hätte ihm längeren Aufschub ermöglicht, wer diesen Schmäh verstehen will, höre hier rein). Dann wurde er unter Protest abgeführt.

Später griff die Polizei (wohl auf Anordnung von oben, ein gewisses Maß an Anzeigen einzubringen) noch nach dem offiziellen Ende gezielt Teilnehmer heraus und setzte ihnen auf die nämliche Weise zu.

Der Veranstalter riet den Zuhörern in seiner Rede zu lebensweltlichem Widerstand angesichts des übermächtigen Systems. Erstens: die Familienbande zu festigen, sich aktiv bei seinen Angehörigen zu melden, sich nicht isolieren zu lassen. Zweitens: die Freunde, die nach diesem vergangenen Jahr noch immer mit uns befreundet sein wollen, zu treffen, zu halten, zu pflegen. Drittens: das Beten zu lernen. Denn ohne göttlichen Beistand ist vieles von dem, was wir derzeit erleben müssen, kaum auszuhalten.

Der Gegensatz spannt sich zwischen zwei äußeren Extrempolen auf: das einzelne Individuum in seiner Existenz auf der einen Seite – das globalistische System auf der anderen Seite. Ein vortragender Jurist erläuterte, daß die Abwehrrechte des Individuums gegen den Staat konzipiert gewesen seien, gegen überstaatliche Institutionen wie WHO, BigTech, IPCC oder NGOs versagten sie.

Die derzeit laufenden Demonstrationen sind also viel weniger Revolutionsvehikel, dazu müßten sie von oben anzettelt und nach bekanntem Schema systematisch durchgeführt werden, als sie Existenzäußerungen von Individuen sind. Jeder dieser in Wien ins Freie getretenen Leute ist dem System abhandengekommen. Und zwar in den seltensten Fällen durch Fakten und Argumente, sondern durch dessen Einschnitte in das eigene Leben.

Es steht uns meines Erachtens nicht zu, darüber zu fachsimpeln, wie man diese Abhandengekommenen politisch einplanen könnte. Das nämlich riecht für sie viel zu sehr nach "System". Einstweilen genügt es, daß sie einander haben, um den dunklen Winter zu überstehen.


Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.


Kommentare (33)

Ein gebuertiger Hesse

19. Januar 2021 12:26

Der letzte Absatz ist ein Zeugnis echten Anstands. Sehr schön, wenn Manieren es sind, die das Tun anleiten.

Laurenz

19. Januar 2021 13:21

@CS

Sie schreiben natürlich viel schöner als ich. Aber ist es nicht so, kurz gesagt, daß alle diejenigen demonstrieren gehen, die "betroffen" sind? Deutsche, damit schließe ich Ösis und Schweizer mit ein, gehen doch nur auf die Straße, wenn sie entweder betroffen sind oder gut sein wollen. Umso mehr Betroffenheit, umso mehr Revolution. 

Und desweiteren stelle ich Ihnen die Frage nach Ihrer Frage über den Sinn des Daseins. Stellen Sie, als Philosophin die Frage tatsächlich oder nur der Form halber?

Was bei den Ereignissen in den USA immer vergessen wird, ist der Ursprung der USA selbst. Formal richtete sich die amerikanische Revolution gegen König Schorsch, aber in Wirklichkeit natürlich gegen das Britische Parlament.

Kommentar Sommerfeld: Weder noch. Husserl verknüpft die alltägliche Lebenswelt eng mit der Sinnfrage, die der Mensch sich eben innerhalb seiner Lebenswelt ständig stellt (eben nicht bloß abstrakt-philosophisch, dagegen schreibt Husserl an) und meist durch Tätigsein und Umsorgen der anderen beantwortet. Daß allerdings hier und heute die "Betroffenen" allesamt am Rande ihrer Kräfte sind und sich somit die Sinnfrage für sie (nicht bloß für die ungezählten Lebensmüden) dringlich stellt, dürfte klar sein.

Maiordomus

19. Januar 2021 13:49

Philosophen, die demonstrieren gehen, verstärken damit ihre denkerische Funktion nicht, sondern schwächen diese eher ab. Gleichgesinnt genügt beim Denken erstens nicht, und zweitens spielt das Erhaltungsgesetzt der Dummheit nach Jacques Maritain. Das ändert nichts daran, dass Demonstrationen wichtig, sogar notwendig sein können. Aber das Geschäft Kants waren sie zum Beispiel bei der Französischen Revolution nicht. Er hat dieselbe trotzdem besser verstanden als Danton und Robespierre. 

Kommentar Sommerfeld:
Ich kann auch vom Schreibtisch aus den medialen "Infokrieg" betreuen, mach ich ja sonst immer. Hingehen, aber sich nicht hingeben, und vor allem: nichts erhoffen, halte ich derzeit für richtig. Die Grundfrage nach der ihrer Form innewohnenden Benutzbarkeit solcher Massenaufläufe ist dadurch allerdings nicht ausgesetzt, sondern brennt weiter ...

frdnkndr

19. Januar 2021 14:53

Vielen Dank für diesen Text, Frau Sommerfeld; er gehört mit zum Besten, was ich bis dato zu diesen vermaledeiten Entwicklungen lesen durfte.

Beim Gegenüber 'pfiffig dreinblickende Augen' auszumachen zu können erscheint mir aktuell wichtiger denn je - an dumpfen, stumpfen, groben, feigen, hinterhältigen hat es zwar noch nie gemangelt, momentan nimmt dies aber endgültig Überhand. 

Maiordomus

19. Januar 2021 14:53

@Danke, Frau Sommerfeld, natürlich müssen Sie sich nicht rechtfertigen. War  um Ostern 1968 nach dem Anschlag auf Dutschke in Berlin als Beobachter bei Demonstrationen;  alles andere als gleichgesinnt; sehe die damaligen Demonstrationen aber nicht mehr ganz so negativ wie damals als Anti-68er von Anfang an. Und es ist richtig, mal eine Demonstration, warum nicht sogar aus der Haltung der Solidarität heraus, miterlebt zu haben. Sehr bedenkenswert Ihr Bonmot von "Hingehen, aber nicht sich hingeben". Nebenbei gesagt merkte ich beim Papstbesuch in der Schweiz von 1984, aber erst, als ich zugegen war, dass ich hier wirklich nicht hingehöre. Es ist aber richtig, dass solche Erfahrungen nun mal vielleicht doch gemacht werden müssen. Selber habe ich zum Beispiel aber Haschisch und Marihuana nicht ausprobiert, die Lektüre von Jünger zu diesem Thema brachte mehr. Aber natürlich haben Demonstrationen auch etwas Opiathaftes.  

Solution

19. Januar 2021 14:54

Nein, man muß jetzt ständig prüfen, was politisch verwertet werden kann. So ist auch die Distanzierung und Beleidigung der Coronamaßnahmen-Kritiker durch die Meuthen-AfD ein Fehler, der sich rächen wird. Die Parteigründungen aus den Reihen der Kritiker mit bereits Tausenden Mitgliedern zeigen, wie falsch es ist, im entscheidenden Augenblick das Falsche oder nichts zu tun.

Die Coronamaßnahmen-Kritiker müssen jetzt unterstützt werden. Ihnen müssen Angbote von Rechts gemacht werden, sei es mündlich, schriftlich oder elektronisch. Hier entsteht eine Front, die es zu verstärken gilt.

Wer sich z.B. heute auf welt-online - einem typischen MSM-Portal - umsieht, wird viel Kritik an den Maßnahmen des Merkel-Regimes finden, angefangen von Zweifeln an der Verfassungskonformität bis hin zur offen ausgesprochenen totalitären Versuchung des Regimes.

Diese Kritik wird überall langsam lauter, im Establishment und in den Medien, aber auch im Mittelstand. Wenn die katastrophalen Folgen bei den Finanzen und der Wirtschaft noch sichtbarer werden, wie z.B. die Insolvenzen von Adler, Maredo und diversen Feinkostläden mit jetzt schon hunderten beroffenen Filialen, dann kommt der Kipp-Punkt für das noch herrschende Narrativ.

Wer jetzt, aus welch edlen Gründen auch immer, sich zurückhält, verpaßt eine Chance. Die Herrschenden liefern eine Steilvorlage nach der anderen, die nach Aktion förmlich schreit. 

tearjerker

19. Januar 2021 15:02

Calimero, mit Sombrero. Das sind die kulturellen Referenzen, die Leute erinnern, weniger Husserl oder Labermas. Der Fall der Gastronomin zeigt bestens das Problem auf. Wenn die gewachsenen Institutionen von Schule, Altenbetreuung, Gesundheitsindustrie, Wissenschaft, Wirtschafts-, Hotel- und Gaststätten-Verbänden und all den anderen nur dazu da sind als Stichwortgeber für eine inkompetente Führungsschicht herzuhalten, sind sie verzichtbar und müssen gehen. Wenn das Demo-Gelatsche und Redengeschwinge mal zu irgendwas gut sein soll, dann muss genau da angesetzt werden.

Gustav Grambauer

19. Januar 2021 15:13

Bin gespannt, ob die Junta den Kommunistenkitsch-Lebenskult ("Leben - Singen - Kämpfen") als luziferisches Kompensat der Massensuggestion wieder aus der Mottenkiste auskramen wird (womöglich auch die damals ebenso kaum zu ertragenden Arbeits-, Jugend-, Friedens-, Frohsinns-, Zukunfts-, Kosmonauten- und Heimatkulte).

Denn wir wissen: "Kunst ist Waffe" - Friedrich Wolf:

"Gegen den Tod, gegen die Not.
Für unser friedliches Leben!
Bei Tag und Nacht
haltet ihr Wacht,
die uns das Leben gegeben!" - "Solnyetschnii Krug"

"In den Kampf ziehen wir nicht um zu sterben.
Nur der Tod der Feinde ist gerecht.
Wer das Leben bedroht,
der zieht in den Tod.
Das Leben schickt uns ins Gefecht." - "Wolokolamsker Chaussee"

"Wer möchte nicht im Leben bleiben,
den Mensch` und Tieren zugesellt.
Wer ließe sich denn gern vertreiben
von dieser reichen, bunten Welt!" - aus: "Sie nannten ihn Amigo"

"Wir lieben das fröhliche Leben
Wach auf, Jugend! Voraus!
Wir wollen die Zukunft uns geben -
Wir tragen den Frieden in ein jedes Haus!"

Melodie, Text und Arrangement von unserem langjährigen Leninplatz-Nachbarn Klaus Schneider, wer so starke Nerven hat - voilá:

https://www.youtube.com/watch?v=U2TfEVRzf0Q

- G. G.

Augustinus

19. Januar 2021 16:38

Ich halte von den abwegigen Meinungen, z.B., dass Corona nie nachgewiesen wurde, gar nichts.

Jemand, der sich mit Erkenntnisphilosophie und Kant beschäftigt, müßte doch eigentlich wissen, dass man die Realität (das Ding an sich) nicht auf direktem Wege sieht, sondern auf umwegigen, indirekten  Messverfahren.

Die Atomphysiker haben beispielsweise in der praktischen Anwendung bewiesen, dass ihre Theorien keine Hirngespinste waren. Die Hiroshima-Bombe wurde vorher nie getestet, sie beruht auf reinem Gehirnschmalz. (Was nicht heißt, dass ich den Abwurf auf eine Großstadt befürworte - man hätte sie zur Abschreckung auf ein unbewohntes Gebiet abwerfen sollen.)

Corona ist real und kein Hirngespinst. Gegenmaßnahmen der Regierung, wie Abstandsregelungen, Masken und Impfungen halte ich für richtig.

MARCEL

19. Januar 2021 16:49

Kaum eine Revolution der Geschichte war geplant, d.h. punktgenau vorauszusehen, Marx und Lenin lagen oft falsch! Die, welche die Organisation, den Fanatismus und auch die Skrupellosigkeit besaßen (von Robespierre bis Khomeini), haben die Revolten dann stets (aus)genutzt.

Martin Sellner schrieb zurecht, dass das System offenbar die Mechanik von Revolutionen kenne und diese daher vorauseilend selbst in Gang setze. Der Protest hinkt dann immer hinterher, wirkt überrollt und hilflos.

Frontaler Angriff ist nutzlos. Der Reflex ist daher richtig: inoffizielle, persönliche Bande stärken, Wut anders organisieren, vom Radar verschwinden und neue Wege suchen. Weiter bestehen.

Nicht verlieren ist halb gewinnen!

 

 

 

micfra

19. Januar 2021 16:53

Ich mag Ihre Sicht auf die Dinge und wie Sie schreiben, Frau Sommerfeld. Finde Ihre Texte irgendwie tröstlich.

MARCEL

19. Januar 2021 16:59

P.S. Der französische Nietzscheaner Georges Palante (1862-1925) sprach einmal vom reaktiven Rebellen, der aus reinem Ressentiment heraus agiere, die typische Mentalität von Sklavenaufständen, so Palante. Dieser Verlockung zum "Sich-gehen-lassen" dürfe man nicht nachgeben.

Volksdeutscher

19. Januar 2021 17:20

"Ein vortragender Jurist erläuterte, daß die Abwehrrechte des Individuums gegen den Staat konzipiert gewesen seien, gegen überstaatliche Institutionen wie WHO, BigTech, IPCC oder NGOs versagten sie."

Das leuchtet selbst einem Nicht-Juristen wie mir ein. Da sollte man sich demnächst diesem Thema widmen, denn das ist ein äußerst wichtiger Sachverhalt! Das darin beschriebene Mißverhältnis kann nur solange existieren, solange solche Politiker an der Macht sind, die Recht und Gesetz ignorieren und aushebeln. Ohne diese gesetzesbrecherischen Handlungen könnten außerstaatliche Institutionen nichts gegen uns ausrichten. Sie kommen zu ihrem Recht durch unsere Entrechtung.

Ps.: Ich finde die Bezeichnung außerstaatlich treffender als die Bezeichnung überstaatlich, denn sie stehen nicht über dem Gesetz, sondern jenseits vom Gesetz.

Lotta Vorbeck

19. Januar 2021 18:23

@Augustinus - 19. Januar 2021 - 04:38 PM

"Ich halte von den abwegigen Meinungen, z.B., dass Corona nie nachgewiesen wurde, gar nichts.

...

Gegenmaßnahmen der Regierung, wie Abstandsregelungen, Masken und Impfungen halte ich für richtig."

---

Warum wohl @Augustinus, wundert mich das jetzt überhaupt nicht?

nom de guerre

19. Januar 2021 18:49

@ Augustinus

"Corona ist real und kein Hirngespinst. Gegenmaßnahmen der Regierung, wie Abstandsregelungen, Masken und Impfungen halte ich für richtig."

Firmenpleiten, Arbeislosigkeit, Vereinsamung, Suizide und Zwangsimpfungen auch?

Lumi

20. Januar 2021 00:04

@Augustinus um 16:38 - "Atomphysiker ... Theorien keine Hirngespinste ... Hiroshima-Bombe ... Corona ist real und kein Hirngespinst."

Anhand der Bilder von 1945 sieht man eindeutig, daß in Hiroshima keine Detonation in der behaupteten Dimension stattgefunden hat. Der Schaden ist extensiv, nicht intensiv. Hundert B-29 im Tiefflug, Teppichbombardement mit Napalm, Brandbekämpfung unmöglich. Geplättet wurden nur ärmliche Hütten. Die wenigen Steinbauten stehen noch, wenn auch mit Brandschäden oder Sprengbombeneinwirkung. Nicht einmal die Brücken im angeblichen Hypozentrum wurden in den Fluß gedrückt. Die Bäume sind verkohlt, haben aber im Frühjahr '46 wieder ausgeschlagen. Antennen nicht abgeschmolzen, Masten stehen noch. Schadensbild wie in Dutzenden anderen demokratisch niedergebrannten japanischen Städten. Alle gleich gebaut, alle gleich bombardiert.

Das sieht ein Blinder mit Krückstock.

Aber die meisten Menschen sehen noch weniger, weil sie nur zu glauben gelernt haben.

Die Atombombe ist ein Popanz der Lügenpropaganda - lächerlich, aber sehr erfolgreich.

Sie ist auch eine Grundlüge, mit der Menschen geängstigt, gegängelt und getrennt wurden.

Genau das gleiche ist Corona.

Gracchus

20. Januar 2021 00:38

Obwohl ich - und schon sehe ich Maiordomus' erhobenen Zeigefinger - noch keine Zeile Husserl gelesen habe, fühle ich mich als Phänomenologe, sozusagen intuitiv oder von Natur aus, vielleicht hat das aber wenig mit Husserl zu tun. 

System vs Lebenswelt - das scheint eine fruchtbare Gegenüberstellung. Ist kleinbürgerlich, wenn ich mit dem Begriff "Lebenswelt" ein Gewusel inmitten von kleinen Läden, Cafes, Restaurants verbinde - auf die die Hochäuser des Systems ihre Schatten werfen. 

Ist es, was alle Corona-Kritiker in ihrer weltanschaulichen und lebensweltlichen Unterschiedlichkeit eint, das Gefühl, dass ihre Lebenswelt total umgekrempelt wird - und dessen Stelle: nichts tritt? Oder eben die Konstrukte des Systems, die aber keine Wirklichkeit haben. 

Wie auch die mathematischen Modelle, auf die Merkels Berater wie Priesemann und Meyer-Hempel oder so ähnlich  setzen, Modelle sind - und eben keine Wirklichkeit. Die streben allen Ernstes eine ZeroCovid-Strategie an. Da wird sogar dem Mainstream flatterig: SPIEGEL: "Die bestellten Berater"; BILD: "Nicht nur bestellte Berater". Klaus Stöhr zum Beispiel, obwohl von SPD-Ministern vorgeschlagen, wurde nicht geladen.

Gracchus

20. Januar 2021 00:53

Das ist auch, was ich am heftigsten kritisiere und als skandalös empfinde: Die Bundesregierung bemüht sich nicht um Erkenntnis, betreibt keine Forschung, evaluiert ihre Massnahmen nicht, schaut nicht auf deren Folgen - sondern starrt auf Zahlen und folgt stur dem Impf-Imperativ, obwohl man kein fanatischer Impfgegner sein muss, ja die Impfstoffe sogar begrüssen kann, um dennoch Zweifel daran zu haben, zum Beispiel wenn man in der FAZ liest, dass in Norwegen unter alten Menschen bereits mehrere Todesfälle aufgetreten sind, die man auf die Impfung zurückführt).

Laurenz

20. Januar 2021 02:32

@ Augustinus/Imagine

Sie sehen, Sie werden als ein Zeuge Coronas hier publiziert. In den System-Medien, werden Corona-Zweifler diskreditiert. Aber, da Sie, Augustinus/Imagine, so sehr wert auf Zahlen legen, warum ziehen Sie dann die nicht vorhandene Übersterblichkeit nicht bei Ihrer Meinungsbildung in Betracht?

Volksdeutscher

20. Januar 2021 06:34

@Augustinus - "Ich halte von den abwegigen Meinungen, z.B. dass Corona nie nachgewiesen wurde, gar nichts."

Haben Sie die Beweise jemals vor sich gehabt und geprüft? Wenn nicht, wie können Sie dann diese abwegige Meinung vertreten?

Das Ding an sich existiert nicht. Nichts existiert an sich, nicht Sie nicht ich - wir alle existieren nich an uns, sondern immer durcheinander und in Abhängigkeit voneinander. Die Existenz eines Dinges, das an sich existieren könnte, wäre wie das Hereusscheren eines Motivs aus einem Mustergeflecht. Selbst die Existenz existiert nicht an sich, sondern mit dem Nicht-Existenten zusammen. Die Dualität der Welt kann die gedankliche Turnübung nicht auflösen.

Natürlich ist Corona real und kein Hirngespinst. Aber daraus ableiten, daß die verbrecherischen Maßnahmen der Regierung, die keine Maßnahmen gegen den Virus darstellen, sondern gegen unsere im Grundgesetz verankerten Freiheiten richten, ist pures Hirngespinst. Die Maßnahmen haben darüber hinaus die Zerstörung des natürlichen Vertrauens der Menschen untereinander und die Zerstörung unserer sozialer Existenz als Nation im Visier, kurz: sie stellen verdichtete und beschleunigte Atomisierung dar. Ihre Ahnungslosigkeit in der Sache, Ihre Untertanenmentalität, Ihre verlogene Rethorik legen nahe, daß Sie ein vom System geschickter Troll sein müssen. Sie stolzer Maskenträger!

 

Flaneur

20. Januar 2021 07:49

Die gegenwärtige Situation ist durch massive Kontaktbeschränkungen gekennzeichnet. Diese betreffen nicht nur das berufliche Umfeld, sondern gehen weit ins Private und Familiäre hinein. Sicher geglaubte Lebenswelten zerbröseln peau a peau, der Einzelne fühlt sich immer stärker auf sich selbst zurückgeworfen, isoliert und erlebt die fortschreitende Atomisierung der Gesellschaft.

Gleichzeitg greift eine Atmosphäre diffuser Unsicherheit und Angst um sich, die sich aus der Flut apokalyptischer medialer Dauerbeschallung über die Gefahren der Pandemie, der Masse unklarer und widersprüchlicher Informationen, der erlebten Isolation, der unsicheren Zukunftsperspektiven usw usf ergibt. 

Die Teilnahme an einer Demonstration gegen all dieses ist damit auch, vielleich sogar zuvorderst, ein psychologisches Mittel der Selbstvergewisserung nicht alleine zu sein. Insofern finde ich Sommerfelds Rekurs auf die Lebenswelt und System sehr treffend.

Caroline Sommerfeld

20. Januar 2021 09:28

Ich habe im Beitrag noch einen Link gesetzt zu Martin Sellners filmischem Mitschnitt der gesamten zweiten Demo am 18. Jänner.

RMH

20. Januar 2021 10:13

@Lumi,

erzählen sie ihre Weisheiten doch einfach einmal einem der noch lebenden Überlebenden bzw. einem Angehörigen eines an der Strahlung noch z.T. Jahre später Erkrankten. Fast alles, was wir zu Strahlenschäden beim Menschen wissen, haben wir den zynischen Feldversuchen an Menschen durch die Abwürfe der beiden Bomben zu verdanken, was wohl auch einer von vielen Gründen für ihren Einsatz war.

Manchmal nervt mich die sich breitmachende Neugescheitheit mancher. "Hab nie was einschlägiges studiert, nie mit Augenzeugen gesprochen, aber da gibt's ja was im Internet zu finden und daher kann ich ja kompetent überall mitreden und wenn ich auch keine Ahnung habe, habe ich zumindest Meinungsfreiheit."

Ist okay, aber ob man dann bei anderen Themen noch ernst genommen wird, sollte man sich ab und an schon vor dem Veröffentlichen eines Beitrags überlegen.

Franz Bettinger

20. Januar 2021 10:39

@Flaneur: „… peau à peau zerbröseln“.  Ich danke Ihnen für den köstlichen Verschreiber. Ich werde in Zukunft nun öfter „peu à peu“ durch ihr Bonmot „Haut an Haut“ ersetzen. Klasse. 

RWDS

20. Januar 2021 10:45

Eine Rückkehr zur Normalität wie 2018? Das heißt auch Ausländerhorden in den Innenstädten. Zumindest davor verschont der Lockdown. Ich glaube nicht mehr an das Heil durch Demonstrationen. Erst wenn sich die Exekutive nicht mehr zum Systembüttel macht, könnte sich was bewegen. Einfach zurück zum Status Quo ist kein nationales Erwachen.

Monika

20. Januar 2021 11:19

@ Frau Sommerfeld Das Geltendmachen der Lebenswelt gegen das System nennt Václav Havel den „VERSUCH, IN DER WAHRHEIT ZU LEBEN“. D.h. Zwischen den „Intentionen des Lebens“ und den „Intentionen des posttotalitären Systems“ klafft ein Abgrund. Das Leben in Wahrheit stellt sich dem System entgegen. Es hat im „posttotalitären System nicht nur eine existenzielle Dimension ( es bringt den Menschen zu sich selbst zurück), nicht nur eine noetische ( es enthüllt die Wirklichkeit wie sie ist) und nicht nur eine moralische ( es dient als Beispiel). Es hat dazu noch eine deutliche politische Dimension).“(Havel) Die politische Dimension der „Intentionen des Lebens“ hat die Neue Rechte allerdings (noch) nicht erkannt. Das zeigt sich in dem jüngsten Podcast (Gesprächsgräben) . Gegen die drei vernunftgeleiteten Herren ( d.i. hier kein Kompliment) hat selbst eine eloquente Frau Kositza keine Chance. Es gibt nicht nur Politik und Metapolitik, sondern auch eine Vorpolitik. In der ANTIORDNUNG von Frau Liebnitz gut beschrieben. Die Bedeutung des Vorpolitischen für die Politik zu ignorieren , wird die Neue Rechte in die Bedeutungslosigkeit führen. Die Linke ignoriert allerdings ebenfalls die Intentionen des Lebens. Das natürlich kein Trost. Die Lösung kommt dann halt von woanders her...

Franz Bettinger

20. Januar 2021 11:25

“Es ist schmerzhaft, aber nur zu eurem Besten,“ meinte die Inquisition zum Thema Folter. Das ist auch heute wieder die Rechtfertigung des Betrugs der aktuellen Politik. Hoffnung kommt von Goethe, Faust I, Mephistopheles: “Ich bin der Geist, der stets das Böse will und stets das Gute schafft.” 

Laurenz

20. Januar 2021 12:06

@Solution

Der mittlerweile stark entwickelte Widerstand der WELT-Leser befindet sich aber im wesentlichen hinter der "Bezahlt-Schranke" und ist damit weniger öffentlich.

Elsaesser

20. Januar 2021 12:09

Mensch Frau Sommerfeld, Sie schreiben ja 1:1 dasselbe wie ich im Editorial zu unserem "Die Querdenker. Liebe und Revolution" (außer, dass Sie sich besser ausdrücken :) – Lassen Sie mir Ihre Adresse zukommen, ich schenke Ihnen ein Exemplar!

Laurenz

20. Januar 2021 12:21

@CS

Ich danke Ihnen für Ihre Ausführungen bezüglich Husserl. Mir reicht es, wenn Sie den gelesen haben und uns erklären. Ein Volk von Philosophen wäre nicht existenzfähig.

Aber, was ich aus Ihren sehr verständlichen Erklärung gelesen habe, läßt mich zur wiederholten und intensivierten Schlußfolgerung kommen, daß es nicht genug "Betroffene" gibt.

Historisch hat die Linke grundsätzlich versucht, eine mehrheitliche materielle "Betroffenheit" herzustellen, weil sie in der Opposition war. Jetzt, an der Macht, versucht sie dies, solange sie kann, mit allen, auch schizophrenen Mitteln zu verhindern. Solange die Rechte hier nicht ihren konservativen Standpunkt verläßt und weiter denkt, also konstruktiv bleibt, statt destruktiv zu werden, kommen wir nicht weiter.

Mir persönlich geht Ihre Erklärung zum Dasein nach Husserl nicht weit genug. Castanedas abstrakte Erklärung des Menschen als universaler Bewußtseins-Träger bleibt bis dato die plausibelste und sie ist im Grunde so einfach.

Flaneur

20. Januar 2021 12:50

@ Franz Bettinger

hoppla, da hatte das Koffein des ersten Morgenkaffees wohl seine aufweckende Wirkung noch nicht entfaltet. Aber Haut an Haut, körperliche Nähe ist etwas, das vielen Menschen sicherlich fehlt: Die Umarmung zur Begrüßung, der Händeschütteln... Gerade im Umgang mit älteren Menschen merkt man das.

Maiordomus

20. Januar 2021 12:52

@Bettimger hat leider allzu recht, der Satz über das gutgemeinte Foltern wäre wohl noch von Joseph de Maistre unterschrieben worden, nichtsdestoweniger zynisch. Nicht aber der Satz von @Havel, bei dem wiederum sehr sicheren Wert namens @Monika zitiert. "Lebt nicht mit Lügen!" appellierte im gleichen Zusammenhang Solschenizyn. Wobei man trotzdem mit der Direktbeschimpfung "Lügner", eine schlichte Kriegserklärung, zurückhaltend bleiben sollte; viel wichtiger sind die strukturellen Lügen; es ist unglaublich, dass selbst ein so bedeutender Gelehrter wie etwa der Medienwissenschaftler wie Bernhard Poerksen heute dazu neigt, das Lügen statt der Regierung einseitig den alternativen Medien,  bei denen man jederzeit auch dümmere und übereifrige findet, zuzuschieben. Wer, wie heute Mainstream, bei Fake News immer nur an einstige Twitter von Trump denkt (die kein Kluger eins zu eins nehmen konnte), hat die Systematik des heutigen Lügens kaum oder gar nicht verstanden.

Götz Kubitschek

20. Januar 2021 16:07

badeschluß. ein paar leute sollten mal ins freie, gehirn lüften.

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