Sammelstelle für Gedrucktes (7)

Und erneut: Criticón als Einstieg. Weshalb? Weil sich die großartige Zeitschrift als »Sammelstelle« phasenweise insbesondere an einer Partei abarbeitete:

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

an der Christ­lich-Sozia­len Uni­on in Bay­ern, kurz CSU.

Der Anspruch an sich selbst war eini­ger­ma­ßen selbst­be­wußt: Ver­schie­de­ne Autoren des hete­ro­ge­nen Blat­tes, zum Teil selbst mit Uni­ons­hin­ter­grund, ver­such­ten mit­tels Stel­lung­nah­men und kri­tisch-wohl­wol­len­den Ana­ly­sen den Kurs der Schwes­ter­par­tei, der gro­ßen Christ­lich Demo­kra­ti­schen Uni­on Deutsch­lands (CDU), zu korrigieren.

Es ging Hans Ber­ger, Uwe Gre­ve, Han­nes Kasch­kat, Hans-Hel­mut Knüt­ter und Co. dar­um, die ab den 1960er Jah­ren nach links rücken­den gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen ein par­tei­po­li­ti­sches Auf­be­geh­ren ent­ge­gen­zu­set­zen. Man trau­te der CSU die­ses Auf­be­geh­ren zu. Das gilt nicht nur für die genann­ten Namen, die – bis auf Knüt­ter – heu­te über­wie­gend ver­ges­sen sind. Das betraf auch »einen der Väter der Neu­en Rech­ten« (Armin Moh­ler über Armin Moh­ler) – sprich: einen der geis­ti­gen Men­to­ren auch die­ser Zeit­schrift, der Sezes­si­on.

Zwi­schen 1966 und ’69 lag jene Pha­se, in der Moh­ler mit Franz Josef Strauß, dem CSU-Gigan­ten der Ver­gan­gen­heit, kor­re­spon­dier­te und ver­such­te, auf die Rich­tungs­po­li­tik der Uni­on Ein­fluß zu neh­men. Kern­an­lie­gen war, der »hei­mat­lo­sen Rech­ten« lang­fris­tig zumin­dest eine wahl­tech­ni­sche Hei­mat zu bieten.

Moh­ler streu­te hier­für den Ter­mi­nus »Vier­te Par­tei« als Nah­ziel. Damit war eine bun­des­weit ope­rie­ren­de CSU als mode­ra­ter Rechts­par­tei gemeint, die neben CDU, Frei­de­mo­kra­ten (FDP) und Sozi­al­de­mo­kra­ten (SPD) tre­ten wür­de, um die Repu­blik par­la­ments­po­li­tisch ein Stück weit mehr nach rechts aus­zu­rich­ten (was die Christ­de­mo­kra­ten prompt mit dem Koket­tie­ren ob der Grün­dung eines baye­ri­schen CDU-Lan­des­ver­ban­des konterten).

Mit Strauß, den Moh­ler seit der Spie­gel-Affä­re (1962) kann­te, hoff­te er, einen »deut­schen de Gaul­le« unter­stüt­zen zu kön­nen. Er fand, etwa in den Brü­dern Robert und Mar­cel Hepp, fas­zi­nie­ren­de Ver­bün­de­te. Aber die »gaul­lis­ti­sche Wel­le«, die Moh­ler vor­über­ge­hend zu erken­nen mein­te, glich eher einer Ansamm­lung gaul­lis­ti­scher Trop­fen, die der Strauß-Refe­rent Mar­cel Hepp im CSU-nahen Bay­ern­ku­rier und Moh­ler durch ver­faß­te Reden – die von Strauß inhalt­lich stark abge­schwächt gehal­ten wur­den – auf die poten­ti­ell inter­es­sier­ten Kon­ser­va­ti­ven träu­fel­ten, ohne aber grö­ße­re Reso­nanz fin­den zu können.

Es gab ver­schie­de­ne Fak­to­ren dafür, daß sich der stets pola­ri­sie­ren­de Strauß nicht zum deut­schen Charles de Gaul­le ent­wi­ckelt. Neben der fran­zö­si­schen Son­der­la­ge des Sta­tus de Gaulles als Ret­ter Frank­reichs 1944/45, war es unte­rem auch die apo­dik­ti­sche US-Ori­en­tie­rung Strauß’, die die­ser nicht able­gen woll­te, um einen eigen­stän­di­gen, authen­ti­schen »Drit­ten Weg« für die BRD zu ver­fol­gen – jen­seits von West- und Ost­block. Moh­lers sou­ve­rä­nis­ti­sche Auf­klä­rungs­ar­beit prall­te am pro­west­li­chen Macht­po­li­ti­ker ab.

Strauß erwies sich also unterm Strich weder innen- noch außen­po­li­tisch als ein deut­scher auto­ri­tä­rer Typ jen­seits des Par­tei­en­gezänks. Moh­ler gab die Hoff­nung auf eine in sei­nem Sin­ne kon­ser­va­ti­ve Par­tei­po­li­tik mit einem eher tech­no­kra­ti­schen Kopf an der Spit­ze des Appa­rats end­gül­tig auf. Er regis­trier­te über­dies die fina­le Zag­haf­tig­keit und unan­tast­ba­re CDU-Loya­li­tät von Strauß und sei­nen Kom­pa­gnons und zog ent­spre­chend ein­deu­tig sei­ne Konsequenzen.

Spä­tes­tens mit dem Abge­sang »Wir und die CDU« (Cri­ticón 26, Nov.-Dez. 1974) kann jed­we­der Flirt mit der Uni­on als been­det ange­se­hen wer­den. Moh­ler kon­zen­trier­te sich fort­an auf sei­ne tra­gen­de Rol­le in der Sie­mens-Stif­tung und sei­ne viel­fäl­ti­ge Publi­zis­tik, wäh­rend die Sehn­sucht nach der vier­ten Kraft wei­ter in klei­ne­re, rein staats­tra­gen­de Blät­ter wan­der­te – Wil­liam S. Schlamms Zeit­büh­ne wur­de eini­ge Zeit lang die Tri­bü­ne für die­ses Ansinnen.

War­um die­ser Rück­griff auf alte Debat­ten einer alten Zeit­schrift? Weil die Quint­essenz des dama­li­gen Lieb­äu­gelns mit der CSU als ver­meint­lich bes­se­rer, kon­ser­va­ti­ve­ren und patrio­ti­sche­ren CDU noch heu­te durch rechts­ori­en­tier­te Krei­se wabert. »Mit Strauß wür­de es das nicht geben«, »Wir bräuch­ten eine Strauß-CSU« oder auch »Strauß – und die AfD wäre über­flüs­sig« sind Stan­dard­flos­keln einer lern­re­sis­ten­ten Min­der­heit im betont bür­ger­li­chen Rechts­spek­trum. Ver­meint­li­che Weis­hei­ten, die selbst in der AfD, die ja als Oppo­si­ti­ons­kraft angeb­lich über­flüs­sig wür­de durch eine Strauß-arti­ge Uni­ons­po­li­tik, fröh­lich Urständ feiert.

Ein sinn­bild­li­ches Bei­spiel hier­für bie­tet ein klei­ner, aber viel­sa­gen­der Twit­ter-Dis­put, den sich der amtie­ren­de CSU-Chef Mar­kus Söder mit dem ehe­ma­li­gen CDU-Mit­glied und nun­meh­ri­gem AfD-MdB Joana Cotar lie­fer­te. Söder ätz­te am 17. Febru­ar gegen die Alternative:

Franz Josef Strauß hät­te zur AfD gesagt: Ein­mal Faschis­mus in Deutsch­land reicht.

Cotar erwi­der­te:

Franz Josef Strauß hät­te die jet­zi­ge CSU zum Teu­fel gejagt.

Man kommt nicht umhin fest­zu­stel­len: Söder liegt rich­tig, Cotar falsch.

Denn selbst­ver­ständ­lich hät­te Franz Josef Strauß, der anno dazu­mal die rechts­kon­ser­va­ti­ven Repu­bli­ka­ner unter Franz Schön­hu­ber wie kaum ein Zwei­ter atta­ckier­te und das Sei­ni­ge dazu bei­trug, die REPs als »Neo­fa­schis­ten« zu iso­lie­ren, alles AfD-Geg­ne­ri­sche wie Söder gemacht – nur, sei­nem For­mat ent­spre­chend, eben klü­ger, poin­tier­ter, unter­halt­sa­mer, cle­ve­rer, nach­hal­ti­ger, jovia­ler, wirkmächtiger.

Just von Strauß stammt ja fol­gen­des Zitat, das bis heu­te die Brand­mau­er »kon­ser­va­ti­ver« Uni­on­ler gegen rechts stabilisiert:

Rechts von der CSU darf es kei­ne demo­kra­tisch legi­ti­mier­te Par­tei geben.

Strauß ließ die­sem Axi­om immer wie­der ent­spre­chen­de Argu­men­te und Taten fol­gen, und auch der baye­ri­sche Ver­fas­sungs­schutz wur­de just unter ihm bereits zum – im dama­li­gen Bun­des­ver­gleich – beson­ders stren­gen Lan­des­ge­heim­dienst, der – ganz Strauß-kon­form – alles »rechts von der CSU« ins Visier nahm.

Man kann nun 2021 gewiß dar­über strei­ten, ob eine Strauß-geführ­te Bun­des-CSU die ein oder ande­re Migra­ti­ons­wel­le abge­schwächt hät­te. Man kann dar­über strei­ten, ob dadurch die ein oder ande­re gesamt­ge­sell­schaft­li­che, vor­po­li­ti­sche (d. h. meta­po­li­ti­sche) Akzent­ver­schie­bung nach links ein wenig ver­zö­gert wor­den wäre. Man kann auch dar­über strei­ten, ob Strauß jeden Non­sens der heu­ti­gen Mer­kel-Uni­on mit­ge­tra­gen hätte.

Dar­über hin­aus man kann wohl auch – wie der geschätz­te Mar­tin Licht­mesz – über die Fra­ge sin­nie­ren, ob die dama­li­gen Strauß-CSU­ler nach objek­ti­ven Kri­te­ri­en nicht sogar rech­ter waren als vie­le heu­ti­ge libe­ral­kon­ser­va­ti­ve AfD­ler. (Wobei mit einem Bon­mot des zeit­wei­li­gen Strauß’ Kor­re­spon­denz-Part­ner Mao zu ent­geg­nen wäre: »Letz­ten Endes aber haben sie sich in Papier­ti­ger, in tote Tiger, in but­ter­wei­che Tiger ver­wan­delt. Das sind his­to­ri­sche Tatsachen.«)

Wor­über man nicht strei­ten kann, und dies allein ist für Gegen­wart und Zukunft ent­schei­dend, blei­ben die Leh­ren aus der Geschich­te, die Moh­ler und Kol­le­gen bereits vor 50 Jah­ren für uns alle zogen: Mit die­ser CDU/CSU – ob mit oder ohne der blo­ßen Sym­bol­fi­gur Strauß als sym­pa­thi­schem Lan­des­va­ter in Mün­chen – ist kei­ne grund­le­gen­de Kurs­än­de­rung denk­bar, kei­ne grund­le­gen­de Erneue­rung Deutsch­lands, kei­ne grund­le­gen­de Offen­si­ve gegen libe­ra­le und lin­ke Politiken.

Just dies wäre aber seit Jahr­zehn­ten von­nö­ten, um Volk, Nati­on und Staat zu bewah­ren und bestän­dig für die Zukunft aus­zu­ge­stal­ten, was damals wie heu­te zwin­gend gesell­schaft­li­ches, poli­ti­sches und öko­no­mi­sches Umden­ken erfor­dert. Es han­delt sich dabei um Umdenk­pro­zes­se, die weit über die Inhal­te wohl­fei­ler Bier­zelt­re­den und poin­tiert anti­kom­mu­nis­ti­scher Rhe­to­rik eines Franz Josef Strauß hin­aus­ge­hen müß­ten, so sehr die­se auch das kon­ser­va­ti­ve Gemüt umschmei­chel­ten und als »Klein­bür­ger­stim­men­fän­ger« (Nils Weg­ner) wirkten.

Die­se Pro­zes­se zur Renais­sance unse­res Lan­des vor­zu­den­ken, zu ent­wi­ckeln, zu durch­den­ken und im par­la­men­ta­ri­schen Feld aus­zu­tes­ten bzw. suk­zes­si­ve zu erpro­ben, wäre im übri­gen die genui­ne Auf­ga­be einer Rechts­par­tei in Deutsch­land. Aus der Geschich­te rechts­al­ter­na­ti­ver Geh­ver­su­che gewon­ne­ne Erkennt­nis­se müs­sen hier zwin­gend einfließen.

Dafür aber bedarf es »orga­ni­scher Poli­ti­ker« von rechts mit ent­spre­chen­dem Bil­dungs- und Welt­an­schau­ungs­ho­ri­zont, die die ver­gan­ge­nen Pro­jek­te der eige­nen Milieus mit all ihren Beson­der­hei­ten und Fehl­schlä­gen ken­nen und die aus ihnen zu abs­tra­hie­ren­den zeit­lo­sen Leh­ren beher­zi­gen. Christ­de­mo­kra­ten ohne christ­de­mo­kra­ti­sches Par­tei­buch hel­fen hier kaum weiter.

Nur mit orga­ni­schen Poli­ti­kern könn­te der Fetisch einer »CSU 2.0«, einer »CSU mit Eiern«, end­lich zu Gra­be getra­gen wer­den. Den Tod die­ses Traums hat Cri­ticón schon in den 1970er Jah­ren anno­tiert – es gibt kei­nen Grund, die Lei­chen­ru­he zu stören.

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Hier­für ist gewiß auch der heu­ti­ge CSU-Motor Söder ver­ant­wort­lich (auch wenn Namen an der Spit­ze christ­so­zia­ler und christ­de­mo­kra­ti­scher For­ma­tio­nen über­wie­gend Schall und Rauch sind).

In der aktu­el­len Aus­ga­be der Blät­ter für deut­sche und inter­na­tio­na­le Poli­tik (2/2021) beschäf­tigt sich Albrecht von Lucke mit Söder, dem letz­ten Kon­tra­hen­ten des CDU-Vor­sit­zen­den Armin Laschet um die Kanz­ler­kan­di­da­tur der Uni­on. Es wird aus­ge­ru­fen: »Der Kampf ums Kanzleramt«.

Tat­säch­lich ist die Fra­ge, wer die bei­den Schwes­ter­par­tei­en ins Schwarz-Grü­ne führt, noch offen, auch wenn Söder zuletzt durch die Coro­na­tur­bu­len­zen Sym­pa­thie­wer­te ein­büß­te. Wer­te, die aber über­haupt erst so anstei­gen konn­ten vor­her, weil die

Coro­na­kri­se (…) zum his­to­ri­schen Glücks­fall für den Franken

wur­de. Albrecht von Lucke dia­gnos­ti­ziert näm­lich einen Coro­na-ver­ur­sach­ten »per­fek­ten Rol­len­tausch« Söders:

Vom lan­ge Zeit größ­ten Mer­kel-Kri­ti­ker avan­cier­te er förm­lich zu deren Stal­ker. Als Vor­sit­zen­der der Minis­ter­prä­si­den­ten­kon­fe­renz wich er, auch inhalt­lich, bei kei­ner Pres­se­kon­fe­renz von der Sei­te der Kanz­le­rin. So wur­de bin­nen eines Drei­vier­tel­jah­res aus einem hoch unbe­lieb­ten Scharf­ma­cher der belieb­tes­te (männ­li­che) Poli­ti­ker des Lan­des, ein in der Geschich­te der Bun­des­re­pu­blik ein­zig­ar­ti­ger Vorgang.

Man kann von Luckes »Scharfmacher«-Zuschreibung getrost als lin­ke Marot­te über­ge­hen und dem Blät­ter-Redak­teur zuge­ste­hen, daß er Söders »machia­vel­lis­ti­sches Meis­ter­stück« in vor­lie­gen­dem Bei­trag ange­mes­sen nachzeichnet.

Söders Vor­ge­hen war deut­lich berech­nen­der und wirk­mäch­ti­ger als es einst Strauß oder Edmund Stoi­ber leis­te­ten: Er spiel­te sei­ne Kon­kur­ren­ten Jens Spahn und Fried­rich Merz mal so, mal so gegen­ein­an­der aus, posi­tio­nier­te sich situa­ti­ons­spe­zi­fisch und gelang so in das nun­meh­ri­ge Kopf-an-Kopf-Duell mit Laschet um die Kanzlerschaft.

Man kann Albrecht von Luckes Dia­gno­se einer »bru­ta­len Här­te« Söders für über­spitzt und unan­ge­mes­sen hal­ten; aber daß Söder eini­ges von jenem »Wil­len zur Macht« (um der Macht wil­len) besitzt, der auch für Kon­rad Ade­nau­er oder Ange­la Mer­kel so stil­prä­gend war, ist schwer­lich von der Hand zu weisen.

Von Lucke sieht nun zwei unter­schied­li­che Poli­tik­sti­le im Rin­gen um die Füh­rung an der Spree auf­ein­an­der­tref­fen: Laschet wir­ke als ver­trau­ens­vol­ler »Team­play­er«, Söder insze­nie­re sich dage­gen als Füh­rungs­kraft, die auf Gefolg­schaft ange­wie­sen ist – und trifft dabei womög­lich jenen Ton, der in einer anhal­ten­den Kri­se der Coro­na-Lock­down-Zei­ten stär­ker nach­ge­fragt würde.

»Vie­les«, so weis­sagt es Albrecht von Lucke mit eini­ger Berechtigung,

spricht daher für einen Kanz­ler­kan­di­da­ten Söder – und damit für den ers­ten Kanz­ler der CSU.

Einer CSU wohl­ge­merkt, die damals, unter Strauß, wie heu­te, unter Söder, nicht die Ret­tung Deutsch­lands ver­hei­ßen kann. 50 Jah­re nach den lehr­rei­chen Epi­so­den Moh­lers und der Brü­der Hepp soll­te die­se Erkennt­nis end­lich auch im Umfeld der AfD final durchschlagen.

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Sind ver­gleich­ba­re Appel­le aus dem Dunst­kreis der »Neu­en Rech­ten« an die Lern­fä­hig­keit rechts­ori­en­tier­ter Par­tei­po­li­ti­ker »mora­li­scher« oder amo­ra­li­scher Natur? Ich wür­de sagen: weder noch, sie sind politisch-reflexiv.

Felix Hei­den­reich wür­de die zwei­te Vari­an­te prä­fe­rie­ren, denn er schreibt in sei­nem »Schlag­licht« mit dem Titel »Rech­te Hypo­mo­ral« in der genann­ten Aus­ga­be der Blät­ter:

Das eigent­lich Neue und Gefähr­li­che an der Neu­en Rech­ten ist näm­lich in der Tat gera­de nicht, dass sie mehr mora­li­siert, son­dern dass sie radi­kal ent­mo­ra­li­siert. (…) Es ist das kon­ser­va­ti­ve Lager, wel­ches die Ein­hal­tung der Spiel­re­geln auf­kün­digt, und nicht das pro­gres­si­ve Lager.

Unab­hän­gig ob des Sinn­ge­hal­tes der ers­ten Teil­aus­sa­ge kann man direkt zur zwei­ten über­ge­hen und fra­gen: Viel­leicht liegt die­se Auf­kün­di­gung der Spiel­re­geln ja auch dar­an, daß es schlicht­weg die fal­schen Regeln fal­scher Akteu­re sind? Aber dar­um geht es dem Frei­bur­ger Poli­tik­wis­sen­schaft­ler ja gera­de eben. Er will die Spiel­re­geln des »pro­gres­si­ven«, also kate­go­risch lin­ken Lagers per­p­etu­ie­ren und außer­halb jeder Kri­tik­wür­dig­keit stel­len, indem er die eige­nen Stroh­män­ner für bare Mün­ze nimmt:

Das neu­rech­te Ange­bot, alle Hem­mun­gen fal­len zu las­sen, das Über-Ich zum Teu­fel zu jagen und ganz­tä­gig »die Sau raus­zu­las­sen«, end­lich sein zu dür­fen, wie man sein will, (…) ist sehr viel gefähr­li­cher als jede denk­ba­re Arro­ganz ver­meint­li­cher Moralapostel.

Bei so ein­deu­ti­ger Anwen­dungs­re­le­vanz für das alt­be­kann­te Licht­mesz-Som­mer­feld-Gesetz rei­che ich ent­spre­chen­de Pas­sa­gen direkt an das genann­te Autoren­paar wei­ter – es fällt einem selbst nicht mehr viel ein bei die­ser Form der Realitätsumkehrung.

Der Bei­trag wird nicht bes­ser, wenn Hei­den­reich CDU/CSU ver­deckt lobt, indem deren »Kon­ser­va­ti­vis­mus« weiterhin

die Brand­mau­er zur AfD auf­recht­erhält – übri­gens auch und gera­de, indem er moralisiert.

(Wir erin­nern uns an das Strauß-Zitat.)

Hei­den­reich sieht die Uni­on dann gewis­ser­ma­ßen in der Pflicht, stär­ker mit Jesus als mit Dar­win, nach­hal­ti­ger mit Bene­dikt (dem Papst, nicht dem Kai­ser) als mit Nietz­sche zu argu­men­tie­ren. Das ist eine Ver­wechs­lung der (phi­lo­so­phi­schen und par­la­ments­po­li­ti­schen) Ebe­nen und wird ledig­lich noch über­trof­fen durch fol­gen­de Pas­sa­ge, die sich fal­schen Wei­chen­stel­lun­gen des Kon­ser­va­ti­vis­mus wid­men möchte:

Es mag dabei skur­ri­le Misch­for­men geben, etwa wenn Götz Kubit­schek Jesus Chris­tus als eine Art Kriegs­gott in Anspruch nimmt, der das Abend­land erret­ten soll.

Dazu ers­tens: Wel­che Sezes­si­on liest Felix Hei­den­reich? Dazu zwei­tens: Was sucht der­ar­ti­ges Schwa­dro­nie­ren in einem Appell für eine (Re-)Moralisierung des Poli­ti­schen? Das meint Hei­den­reich näm­lich ernst: Er ver­mißt heu­te mora­li­sche Argu­men­te und erkennt eine gras­sie­ren­de Absa­ge­kul­tur an Moralismen.

Hei­den­reich wen­det sich hier­bei direkt an Konservative:

Las­sen sich nicht auch – und viel­leicht sogar gera­de – mora­li­sche Argu­men­te fin­den gegen eine chao­ti­sche Migra­ti­ons­po­li­tik, eine unso­zia­le Kli­ma­po­li­tik, eine über­schie­ßen­de Gleich­stel­lungs­po­li­tik? Oder gegen was auch immer am links­li­be­ra­len Lager Unbe­ha­gen bereitet.

Sicher las­sen sich ent­spre­chen­de mora­li­sche Argu­men­te fin­den. Nur kann Moral­po­li­tik von rechts dort gar nicht erst ansatz­wei­se durch­drin­gen, wo macht­po­li­tisch – ob in Poli­tik, Medi­en oder Wis­sen­schaft – alle Zwei­fel aus­ge­räumt sind. Dar­über schweigt sich Hei­den­reich frei­lich aus.

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Wer nicht schweigt ist das »Netz­werk Wis­sen­schafts­frei­heit« (über das wir aus­führ­lich im neu­en Pod­cast debat­tie­ren). Einer der Akteu­re der Initia­ti­ve, der Alt­his­to­ri­ker Micha­el Som­mer, wird in der Süd­deut­schen Zei­tung vom 16. Febru­ar zum Vor­ha­ben interviewt.

Der Anlaß ist kurz erklärt: Ein Bünd­nis von 70 Pro­fes­so­ren hat sich zusam­men­ge­schlos­sen, um publi­kums­wirk­sam auf die Gefah­ren gras­sie­ren­der Unfrei­heit im aka­de­mi­schen Beritt hin­zu­wei­sen – die Fäl­le Lucke (Ham­burg), Sar­ra­zin (Sie­gen) oder Babe­row­ski (Ber­lin) mögen als aktu­el­le Auf­hän­ger dienen.

Som­mer wird nun von Johan Schlo­e­mann befragt – und Som­mer geht direkt in die Defen­si­ve. Erst nach eini­gen Fra­gen und Ant­wor­ten kommt er ein wenig aus sich heraus:

Erst ein­mal müs­sen wir klar unter­schei­den zwi­schen mei­ner eige­nen Mei­nungs­frei­heit und Posi­tio­nen, denen ich an der Uni­ver­si­tät einen Raum geben könn­te. Ers­te­res muss sich auf jeden Fall auf dem Boden des Grund­ge­set­zes bewe­gen. Aber sagen wir zum Zwe­cke des Argu­ments, des Gedan­ken­spiels ein­mal, ich wür­de so jeman­den wie Björn Höcke einladen.

Der Name des Teu­fels wur­de gedroppt. Schlo­e­mann ent­geg­net ob so viel Chuz­pe Som­mers nur:

Oha.

Som­mer, ausholend-relativierend:

Wenn er da Paro­len zum Bes­ten gäbe, die nicht vom Grund­ge­setz gedeckt sind, dann wür­de ich sagen: Ich habe ihn als Anschau­ungs­ma­te­ri­al ein­ge­la­den. Die Stu­den­ten sind erwach­se­ne Men­schen, die kön­nen sich dann dar­an machen und ana­ly­sie­ren: Was hat der Höcke da gesagt? A prio­ri wür­de ich sagen: Damit hät­te ich kein Pro­blem. Die Ein­la­dung kann ja auch der Bloß­stel­lung dienen.

Mit die­sem Nach­klapp des­avou­iert Som­mer sein urei­ge­nes Anlie­gen der ergeb­nis­of­fe­nen For­schung ein wenig – denn eine poten­ti­ell beab­sich­tig­te »Bloß­stel­lung« des Ein­ge­la­de­nen wäre kein offe­ner Dis­kurs, son­dern eine Begleit­erschei­nung eben­je­ner Ent­wick­lun­gen, die Som­mer et al. doch zu befeh­den ange­tre­ten sind.

Som­mer aber zieht das Schwim­men vor:

Ich wür­de ja nicht den Raum für Höcke öff­nen zum Zweck der Agi­ta­ti­on. Ja, es könn­te sein, dass er ihn dafür miss­braucht. Aber ich bin der­je­ni­ge, der die­sen Raum defi­niert, und das ist ein aka­de­mi­scher Raum. Es ist kein Pro­pa­gan­da-Raum. Auch wenn Höcke es wohl ver­su­chen wür­de, den Raum so zu besetzen…

Bei soviel selbst­ge­wähl­ter Was-Wäre-Wenn-Arti­ku­la­ti­on geht bei­na­he unter, daß Som­mer einen wich­ti­gen Punkt trifft. Denn wenn man Höcke per se nicht spre­chen las­sen darf, weil man fürch­tet, daß die Zuhö­rer auto­ma­tisch durch sei­ne Wirk­macht geblen­det sind,

dann ist das im Grun­de doch eine Miss­ach­tung des Ver­stan­des der Uni­ver­si­tät und der Stu­den­ten. Ich gehe dann davon aus, dass der Hör­saal so dumm ist, dass er für die etwai­ge Pro­pa­gan­da wirk­lich emp­fäng­lich ist.

Doch lei­der biegt Som­mer wie­der falsch ab:

Aber ich glau­be, das aka­de­mi­sche Audi­to­ri­um ist smart genug, das zu durch­schau­en, sei­ne Argu­men­ta­ti­ons­stra­te­gien zu ana­ly­sie­ren, und viel­leicht hät­te ich damit sogar etwas Gutes erreicht.

Ange­tre­ten, um den Dis­kurs vor den links­ra­di­ka­len Sit­ten­wäch­tern zu schüt­zen; geen­det, indem man ein Feind­bild eben­je­ner Krei­se vor­zu­füh­ren gedenkt. »Smart«, ver­steht sich.

Wobei: »Geen­det« ist der fal­sche Begriff, denn die Gedan­ken­spie­le fin­den ihr Ende ja noch nicht wirk­lich. Schlo­e­mann hat Lun­te gero­chen. Höcke … Da gibt’s doch mehr sol­cher Köpfe:

Wür­den Sie auch den revi­sio­nis­ti­schen His­to­ri­ker Karl­heinz Weiß­mann einladen?

Som­mer, ganz in sei­nem Abwägungselement:

Na ja, da käme es auch wie­der dar­auf an: in wel­cher Funk­ti­on? Wenn er als Refe­rent kom­men soll­te, der auto­ri­ta­tiv die Ergeb­nis­se sei­ner For­schung vor­stellt, wür­de ich davon sicher Abstand neh­men, aus dem Zwei­fel dar­an, dass er ein guter Wis­sen­schaft­ler ist. Wenn es aber dar­um gin­ge, bestimm­te Denk­struk­tu­ren und Argu­men­ta­ti­ons­mus­ter vor mei­nen Stu­den­ten expli­zit zu machen, könn­te ich mir das schon eher vor­stel­len; dies bräuch­te eine ent­spre­chen­de Vorbereitung.

Bei so viel Sub­or­di­na­ti­on unter den Stand­punkt des Ver­hö­ren­den, par­don: Fra­gen­den, geht bei­na­he schon wie­der eine wich­ti­ge Kern­aus­sa­ge unter:

Uni­ver­si­tät heißt auch, sich mit Posi­tio­nen zu beschäf­ti­gen, die nicht die eige­nen sind.

Zur Bloß­stel­lung, ver­steht sich? Man will doch in sei­nen For­de­run­gen nicht zu weit gehen. Am Ende wird man zu bestimm­ten Emp­fän­gen nicht mehr ein­ge­la­den. Der sanf­te Tota­li­ta­ris­mus kann immer­hin vie­le Gestal­ten anneh­men. Für die einen Qua­si-Berufs­ver­bot, Ver­dachts­be­richt­erstat­tung, sich suk­zes­si­ve ver­schär­fen­de Kri­mi­na­li­sie­rung und hors-la-loi-Set­zung, für die ande­ren … vor­ent­hal­te­ne Schnittchen?

Aber genug der Pole­mik: Womög­lich hilft das »Netz­werk Wis­sen­schafts­frei­heit« den tat­säch­lich vom Main­stream Gecan­cel­ten ja doch zu ihrem im Grund­ge­setz ver­brief­ten Recht der Wis­sen­schafts­frei­heit (mehr dazu: Lothar Frit­ze in der 83. Sezes­si­on) und Karl­heinz Weiß­mann wenn nicht zu einer Ein­la­dung zum ergeb­nis­of­fe­nen Uni­ver­si­täts­dis­kurs, dann doch zur regen Mit­ar­beit im Netzwerk?

Som­mer dazu:

Wir haben einen Schutz­me­cha­nis­mus ein­ge­baut, wenn auch schwe­ren Her­zens: Wer Mit­glied wer­den will, der braucht zwei „Paten“. Das klingt viel­leicht mafi­ös, aber es geht dar­um, dass man zwei Kol­le­gen braucht, die sich für den eige­nen Leu­mund ver­bür­gen; das ist ein Mecha­nis­mus, um eine etwai­ge Unter­wan­de­rung zu ver­hin­dern. Und wir haben uns auf Pro­mo­vier­te im Hoch­schul­dienst beschränkt, das sind fast alles Beam­tin­nen und Beam­te, die einen Eid aufs Grund­ge­setz abge­legt haben.

Das mit dem Eid bekommt Weiß­mann hin, das mit dem Hoch­schul­dienst nicht mehr – authen­ti­sche Kon­ser­va­ti­ve wie er wur­den näm­lich schon mit prä­ven­ti­ver Can­cel Cul­tu­re bedacht, als die 70 Erst­un­ter­zeich­ner des Mani­fests des »Netz­werks Wis­sen­schafts­frei­heit« ihre Stim­men noch schon­ten und der alt­ehr­wür­di­ge Bund Frei­heit der Wis­sen­schaft sei­ner 2015 dann erfolg­ten Auf­lö­sung ob zuneh­men­der Iso­la­ti­on und Macht­lo­sig­keit ent­ge­gen taumelte.

Viel­leicht wird dies­mal aber alles anders und aus Som­mers zag­haf­ten »Gedan­ken­spie­len« wer­den bald schon sou­ve­rä­ne Set­zun­gen samt unmiß­ver­ständ­li­cher Benen­nung der Ver­ant­wort­li­chen für die Ver­en­gung des Sag- und Trag­ba­ren im Wis­sen­schafts­be­trieb und dar­über hinaus.

Allein, mir fehlt der Glaube.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (61)

Laurenz

19. Februar 2021 12:35

@BK (1)

Empfinde Ihren Artikel wieder als brillant.

Aber diesmal entsteht Diskussionsbedarf, der vermutlich daher herrührt, daß ich FJS selbst noch erlebt habe (bin ca. 5 Jahre älter als der Chef).

1. Das heutige Partei-Programm der AfD ähnelt dem FJS - Programm oder ist links davon. 2. Als Strauß 1980 zur Bundestagswahl antrat, wurde FJS von der Antifa genauso organisiert bekämpft, wie wir heute. Habe das leibhaftig am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium in Ffm erlebt. Diese Erlebnisse sind es wohl, was viele mit FJS verbindet. 3. FJS wurde in jüngeren Jahren mit seinen Souveränität erzeugenden Ideen als BM für Atomfragen & BverteidigungsM (zB eigene Atomwaffen) gestoppt. Das war sicher prägend in der Haltung zur USA. 4. Auch FJS machte den Laschet-Söder-Wendehals. Kritisierte er bis auf's Blut die Ost-Politik Egon Bahrs, machte er nach der Niederlage des Schwätzers Schmidt dasselbe & rettete die DDR vor dem Bankrott (DDR-Kredit).

Hier muß man weiter ausholen. Die Sowjetunion wurde im 20. Jahrhundert nie wirklich mit der Maßnahme des Holodomors belegt, im Gegensatz zu Deutschland/Japan (2x/1x) und anderen kleinen Völkern. Kennedy, wie Brandt, sorgten mit ihrer Sozi-Politik, unter dem Deckmantel der Humanität, dafür, daß der Warschauer Pakt länger überleben konnte,  https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46172370.html

Laurenz

19. Februar 2021 12:37

@BK (2)

Erst Ronald Reagan machte dem ein Ende, weil der Warschauer Pakt endgültig nicht mehr als Teil des Globalismus angesehen wurde.

Zurück zu Söder, der alles bisher überlebt hat. Die CSU ist heute keine konservative Partei mehr, sie ist, wie die CDU, zur SED 2.0 mutiert. Von daher fallen Vergleiche zur FJS-Zeit im Grunde der Absurdität anheim, viele haben das einfach nur nicht wahrgenommen & leben mental noch in den 80ern.

Hier eine treffliche Söder-Liedersammlung vom Nockherberg zur Entwicklung Söders.  https://youtu.be/yNdAwR1IcdM & hier ab 10:01 Min. https://youtu.be/cLHMruhADGE

Imagine

19. Februar 2021 12:50

1/2

In der Strauß-Ära waren die politischen Verhältnisse kompliziert und widersprüchlich, zu kompliziert für die soziologisch Ungebildeten.

Strauß galt damals für die Mehrheit der Bevölkerung als rechts von der CDU stehend und als Faschist.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie auf dem Soziologentag 1974 in Kassel eine überraschende Analyse über die Politik der CSU vorgestellt wurde.

Damals wurde „rechts“ und „links“ gemäß der Parteinahme für die Interessen entweder der Klasse der Kapitalisten oder der Lohnarbeitenden differenziert.

Die SPD galt als links und die CDU als rechts und die CSU als rechts von der CDU stehend.

Aber dieses Bild/Schema entsprach nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Denn in Bayern vertrat die CSU durchaus die Interessen der arbeitenden Bevölkerung, und zwahr mehr ls die SPD. Das „sozial“ im Namen war durchaus nicht nur falscher Schein.

In Bayern stand die SPD - soziologisch-analytisch gemäß diesem Klassenschema betrachtet - rechts von der CSU, weil dort eher das Kleinbürgertum mit seinen Interessen organisiert war.

Imagine

19. Februar 2021 12:51

2/2

Das Kleinbürgertum ist mehr gegen die Interessen der Lohnarbeiter ausgerichtet als das Großkapital. Das weiß jeder, der die Löhne, Sozialleistungen und Mitbestimmung in einem Großbetrieb beispielsweise der Energiewirtschaft oder Automobilindustrie mit denen in KMUs vergleicht.‘

Die SPD hat auf Bundesebene immer sowohl die Interessen der gewerkschaftlich organisierten Lohnarbeiterschaft wie auch des Großkapitals vertreten.

Die SPD-Politik war von der Interessenkonstellation korporativistisch, aber vertrat weniger die Interessen der kleinbürgerlichen Mitte als die CDU.

Die Politik der CSU war im Vergleich zur CDU stärker korporativistisch, deswegen auch „linker“, aber zugleich auch „rechter“, weil mehr autoritär, mehr führerzentriert und weniger liberal. Das war korporativistische  Politik im Mussolini-Style.
 

Laurenz

19. Februar 2021 13:06

@BK (3)

"Es mag dabei skurrile Mischformen geben, etwa wenn Götz Kubitschek Jesus Christus als eine Art Kriegsgott in Anspruch nimmt, der das Abendland erretten soll."

Heidenreich lügt hier schlicht, nicht nur er, sondern, wenn man so will, auch die Kirchen oder treffender, einfach alle lügen, & zwar so sehr, daß sich nicht nur die Balken biegen.

GK befindet sich hier im "absoluten" Konsens mit über 1.000 Jahren europäischer Geschichte und ihrem Weltbild. (Und das schreibe ich als Heide.) 

Man könnte hier die Haltung GKs kritisieren, aber nicht den Fakt an sich verleugnen. Aber genau das macht Heidenreich nicht. Er kritisiert nicht einmal grundlegend die Haltung aus Schnellroda, aber er leugnet den Fakt.

------

Bei Prof. Sommer & Kollegen besteht das Problem, daß sie ihre Jobs behalten wollen, ein menschliches Anliegen.

Aber damit unterscheiden sich Sommer & Co. leider auch nicht von den hunderten Mio. von Mitläufern im Hitlerismus, Stalinismus, Maoismus, Dengismus oder Amerikanismus.

Gustav Grambauer

19. Februar 2021 14:00

I

Unser Anlaß, die Schlußfolgerung zu ziehen, daß Franz-Josef Strauß wohl als der Einflußagent Nr. 1 der CIA in der US-Zone von Westdeutschland angesehen werden mußte, war 1983 der Milliardenkredit.

Für die meisten damals war das Schicksal des allerdings bereits klinisch-toten Sozialismus der Popanz, an dem sie ihre Theorien hierzu aufgehängt haben. Ganz besonders Schlaue wollten die Hintergründe dieses Kredits in den Niederungen der Zerrüttung von CDU und CSU gesehen haben, oder gar in der Intimfeindschaft von Kohl und Strauß.

Im Kern ging es mit diesem Kredit aber darum, einen Keil zwischen Moskau und Ostberlin zu treiben (was von Breschnew und Honecker auch wie erwartet 1:1 pawlowiert wurde).

Dies muß weit erhaben über alle beliebig-austauschbaren "Gesellschaftsmodelle" bzw. kindergärtnerischen "Totalitarismusdoktrinen" unmittelbar-geostrategisch verstanden werden, mit dem Mackinderschen Seemachthegemoniestreben über das Herzland verstanden werden, aus Bismarck-Perspektive verstanden werden.

Es ging im Kern also auch nicht um "die Selbstschußanlagen an der Mauer", um "humanitäre Erleichterungen im Grenzverkehr" (wie das Zürcher Modell usw.) und ähnliches Futter für Kommentatoren, Choleriker des Kalten Krieges oder die damals gerade aufkommenden Gutmenschenkohorten.

- G. G.

Gustav Grambauer

19. Februar 2021 14:00

II

Es rundet sich das Mosaik, wenn man versteht, daß die BRD, die DDR sowieso, von den trotzkistischen Kreisen in KGB und CIA zum Beitritt (verbrämt als "Wiedervereinigung") wie der sprichwörtliche Hund zum Jagen getragen werden mußte: die Skrupel vor dem Ingangsetzen der Walze des Globalismus / Revanchismus ergo der Welt-Farbenrevolution ergo des Weltbürgerkrieges waren bei den meisten damals deutschen Verantwortlichen zu groß - in der DDR sowieso, aber ebenso in der Alt-BRD. (So ist es z. B. auch zu verstehen, daß sich Genscher geweigert hat, Ostpreußen von dem Trotzkisten Schewardnadse zurückzunehmen - denn er hat schon die Lunte an dem Pulverfaß gerochen!)

Damals war vielfach - und zumeist verwundert - zu vernehmen, daß sich, wie es hieß, Strauß vom Revanchisten zum "Partner" gewandelt habe wie der Saulus zum Paulus. Das kann sich heute, nachdem sich der Revanchismus in den 90ern so klar als global(istisch)es Phänomen offenbart hat (was er aber schon immer gewesen war), jeder selbst noch mal zum Nachdenken vorlegen ...

- G. G.

Waldgaenger aus Schwaben

19. Februar 2021 14:15

Die Politikergeneration von  de Gaulle, Adenauer bis Strauß hatte die Hauptaufgabe, Mitteleuropa das Schicksal Vietnams oder Koreas zu ersparen. Ihnen ist das gelungen. Vielleicht haben sie manchen Fehler gemacht, aber im Nachhinein gewinnt jeder Fähnrich die Schlacht. 

Die  CSU, was im Artikel  unerwähnt bleibt, war mit dem starke Drang nach bayerischer Eigenstaatlich, vertreten durch  den Hundhammer Flügel innerhalb der CSU und der Bayernpartei außerhalb konfrontiert.

Hundhammer war ein Mann von ausgeprägter katholischer Religiosität und moralischer Rigorosität bis hin zu fundamentalistischen Zügen. Er war bekennender Monarchist und bayerischer Patriot und mit seinem extremen Föderalismusverständnis ein Kämpfer für die bayerische Eigenstaatlichkeit. 

Die CSU wollte diesen Flügel integrieren und gleichzeitig für die Heimatvertriebenen und nicht-bayerische und protestantische Wähler attraktiv bleiben um sich gegen die SPD durchzusetzen.

Vielleicht wäre es aus heutiger Sicht sogar besser gewesen, Hundhammer in dern 1950iger und 60iger jahren hätte gegen Strauß, dessen erbitterter Gegner er war, gewonnen. Aber ein Bayern als immerwährendes Heimatmuseum hätte auch keinen Bestand gehabt. Doch vielleicht hätten uns begnadete Politiker dahin führen können, wo die Schweiz heute steht. Aber es ist anders gekommen und heute stellen sich andere Probleme.

Imagine

19. Februar 2021 14:16

1/3

Der soziologisch Ungebildete versteht nicht, worum es in der APO-Zeit bzw. in dem Epochenumbruch ums Jahr 1070 ging.

Die „Hauptkampflinie“ war nicht – wie traditionell - „links“ vs. „rechts“, sondern zwischen Systemerhalt vs. Systemüberwindung.

Der Sowjetkommunismus wurde von den Systemkritikern genauso abgelehnt wie der US-Imperialismus.

Weil beide menschen-, freiheits- und fortschrittsfeindliche Systeme waren.

 

Die damaligen Linksintellektuellen waren sowohl freiheitlich wie auch sozialistisch orientiert.

Maoistische und neo-bolschewistische Organisationen gab es damals noch nicht, die entstanden erst später im Niedergang der Emanzipationsbewegung.

Typisch für die damlage „Neue Linke“ war die Orientierung an Rosa Luxemburg und die von ihr propagierte Dialektik von „Reform und Revolution“.

Die Jusos wollten damals „systemsprengende Reformen“.

Von Jochen Steffen ist dies dargestellt in seinem Buch „Strukturelle Revolution. Von der Wertlosigkeit der Sachen.“

Imagine

19. Februar 2021 14:20

3/3

Anders als die traditionellen linken und rechten Parteien und Bewegungen, die sich analog der existierenden kapitalistischen Klassen organisierten, war die „68-er-Bewegung“ klassenübergreifend, ergriff in großem Umfang die fortschrittlichen Teile der Intelligenzschichten und strebte eine Systemtransformation in Richtung einer freiheitlicher und intelligenter organisierten Gesellschaft an.

Strauß war ein raffinierter Reaktionär und Systemerhalter, der ganz klar ein Parteigänger des US-Imperialismus war.

Strauß ist keineswegs mit seiner Kreditvergabe an die „DDR“ „umgekippt“. Ganz im Gegenteil. Die neue Ostpolitik war ein trojanisches Pferd. Wenn die Kommunisten sich von den Kapitalisten Geld in Form von Kredit leihen, dann begeben sie sich in die Hand der Kapitalisten. Und dies war der Anfang vom Ende des Ostblocks.

Das war eine ganz raffinierte Strategie. Zu intelligent für die damaligen kommunistischen Führungspersonen, zu intelligent, als dass sie selbst heute nach einem halben Jahrhundert von den soziologisch Ungebildeten begriffen wird.

Gustav Grambauer

19. Februar 2021 14:34

Berichtigung:

"... was von Breschnew und Honecker auch wie erwartet 1:1 pawlowiert wurde"

müßte heißen:

"... was von den Nachfolgern von B. ... pawlowiert wurde",

denken wir an die Opferung incl. Zwangspsychiatrisierung von Häber,

https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Häber

denken wir an die notorischen Verbote des so """liberalen""" Gorbi an Honecker, die BRD zu besuchen (über die sich H. erst 1987, als das Verhältnis bereits völlig zerrüttet war, hinweggesetzt hat), denken wir von Ostberlin her an den Starrsinn mit dem Verbot der Zeitschrift "Sputnik" usw.

- G. G.

Laurenz

19. Februar 2021 14:49

@Gustav Grambauer

Will nicht grundsätzlich gegen Ihren Beitrag argumentieren. Aber in den Details weißt der Beitrag Lücken auf. Es kann natürlich sein, daß Strauß deswegen, (mit seinem legendären Moskauflug im Schneesturm,)

https://www.welt.de/politik/deutschland/article151781518/Strauss-kam-beim-ersten-Mal-nur-bis-Stalingrad.html

von Gorbatschow eingeladen wurde, weil Gorbatschow, eingedenk seiner Niederlage im globalen Wettrüsten, einen "passenden" Verhandlungspartner brauchte. ZB Schewardnadse war weniger Trotzkist als Georgier. Und nicht Genscher lehnte den Rückkauf von Russisch-Ostpreußen ab, sondern Kohl fürchtete sich, die Frage der Rückgabe Deutscher Ostgebiete aufzuwühlen.

@Waldgaenger aus Schwaben

Je nach den Umständen geht Separatismus ganz schell, siehe Katalonien, und der Separatismus in Europa, so meine These, wird kommen.

@Imagine

Ihr Beitrag basiert auf falschen Fakten.

"Der Sowjetkommunismus wurde von den Systemkritikern genauso abgelehnt wie der US-Imperialismus."

Die DKP, der KBW wurden im wesentlichen von Moskau finanziert. Die RAF fand in der DDR Asyl.

Wahrheitssucher

19. Februar 2021 14:56

@ Gustav Grambauer

„Es rundet sich das Mosaik, wenn man versteht, daß die BRD, die DDR sowieso, von den trotzkistischen Kreisen in KGB und CIA zum Beitritt (verbrämt als "Wiedervereinigung") wie der sprichwörtliche Hund zum Jagen getragen werden mußte“

Erklären Sie bitte, aus welcher Interessenslage heraus die besagten Kreise eine solche Politik des Beitritts hätten anstreben sollen!?

Wahrheitssucher

19. Februar 2021 15:02

@ Imagine

„Strauß ist keineswegs mit seiner Kreditvergabe an die „DDR“ „umgekippt“. Ganz im Gegenteil. Die neue Ostpolitik war ein trojanisches Pferd. Wenn die Kommunisten sich von den Kapitalisten Geld in Form von Kredit leihen, dann begeben sie sich in die Hand der Kapitalisten. Und dies war der Anfang vom Ende des Ostblocks.“

Setzen wir einmal ihre Argumentation als gegeben voraus. Hätte sich Franz Josef Strauß denn nicht damit große Verdienste für die spätere Entwicklung erworben?

Imagine

19. Februar 2021 16:03

1/2

@Laurenz   19. Februar 2021 14:49
„Die DKP, der KBW wurden im wesentlichen von Moskau finanziert. Die RAF fand in der DDR Asyl.“

Für den KBW ist dies falsch, aber ansonsten zutreffend. Allerdings nichtssagend.

Denn die Führungspersönlichkeiten der 68-er, wie Rudi Dutschke, Bernd Rabehl, Hans-Jürgen Krahl etc., lehnten den Sowjetkommunismus genauso entschieden ab wie den US-Imperialismus.

Die DKP wurde formal 1968 gegründet und hatte ihren 1. Parteitag 1969. Mit der 68-er-Bewegung hatte die DKP nichts zu tun. Das waren vor allem Alt-Kommunisten. Eine ganz kleine Minderheit, politisch irrelevant. Bei der BTW 1972 erreichte die DKP nur 0,2% der Stimmen.

„Im SDS setzte er [Dutschke] sich seit 1965 intensiv mit DDR-Anhängern und „Traditionalisten“ und ihrem an Lenins Konzept einer Kaderpartei angelehnten Revolutionsverständnis auseinander. Ein Spitzel im SDS meldete daraufhin dem Ost-Berliner Ministerium für Staatssicherheit, Dutschke vertrete „eine völlig anarchistische Position“. Der IM Dietrich Staritz meldete im Dezember 1966: „Dutschke spricht ausschließlich vom Scheißsozialismus in der DDR. (Wikipedia)

Imagine

19. Februar 2021 16:04

2/2

Die RAF ist überhaupt kein Argument. Denn die hat mit der „Neuen Linken“ genauso viel oder wenig zu tun, wie der „NSU“ mit der „Neuen Rechten“.

Überall, wo oppositioneller Widerstand existiert, gibt es auch Desperados und durchgeknallte Gewalttäter.

Alle Systeme instrumentalisieren solche Psychopathen – ob „links“ oder „rechts“ - als Agents provocateurs oder Attentäter. Siehe z.B. die rechtsterroristischen Anschläge von Bologna 1980 oder München 1980.

Laurenz

19. Februar 2021 16:18

@Wahrheitssucher

Strauß hat mit dem DDR-Kredit die Lebensdauer der DDR prolongiert. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Die Krise der DDR war mehr oder weniger eine Öl-Krise. Die Sowjetunion verkaufte kein Öl mehr weit unter Weltmarktpreis an den COMECON. Das betraf alle befreundeten Staaten, wie zB auch Kuba. Man mußte also in der DDR umstellen, was auch geschah. Der Strauß-DDR-Kredit wurde auf Heller & Pfennig zurückgezahlt, im Gegensatz zu den früheren Brandt-Tito-Krediten. Wäre die DDR zahlungsunfähig geworden, hätte das kein Problem im COMECON bedeutet, aber alle Güter, die aus dem Westen gegen teure Devisen importiert werden mußten, wären sofort flach gefallen. Natürlich sparte man dann in der DDR an Konsumgütern für die Bevölkerung, was den eigentlichen Grund für den Mauerfall darstellt. Insofern war der Strauß-DDR-Kredit sozial-demokratisch im historischen Sinne.

Imagine

19. Februar 2021 16:37

@Wahrheitssucher   19. Februar 2021 15:02
Setzen wir einmal ihre Argumentation als gegeben voraus. Hätte sich Franz Josef Strauß denn nicht damit große Verdienste für die spätere Entwicklung erworben?“

Der deutsche Hauptprotagonist bzw. die transatlantische Ober-Marionette bei dieser Politik war Brandt gewesen.

Strauß war vor allem ein anti-kommunistischer Scharfmacher, der nie mit diesem „trojanischen Pferd“ die kommunistischen Führungsfiguren hätte übertölpeln können, weil diese misstrauisch gewesen wären.

Historische Verdienste für die Menschheit hat sich vor allem Gorbatschow erworben, der dem atomaren Wettrüsten mit ständig steigendem Over-Kill mit seiner Bereitschaft zur Kapitulation ein Ende setzte.

Strauß hingegen war ein aggressiver Kalter Krieger und wollte die atomare Bewaffnung der BRD.

Gäbe es nicht Menschen wie Stanislaw Petrow brauchte man sich heute über die Zukunft des deutschen Volkes keine Gedanken mehr machen, denn dieses wäre atomar ausgelöscht.

GuntherManz

19. Februar 2021 16:58

Wahrheitssucher

"Erklären Sie bitte, aus welcher Interessenslage heraus die besagten Kreise eine solche Politik des Beitritts hätten anstreben sollen!?"

Zu meinen die maßgeblichen Kreise hätten damals eine Ahnung gehabt, wohin der Weg der Globalisierung  endlich führt, ist m.M. zu weit gegriffen. Aber diese Mächte hatten sicher  schon Ahnungen der Machtverschiebungen durch den Beitritt. England und Frankreich hätten im Verbund mit dem ängstlichen Polen wohl einen Krieg gegen uns geführt, wenn sie auch nur einen ehemligen mächtigen WK II. Verbündeten gefunden hätten.

Daß diese Staaten eben keinen Verbündeten fanden ist schon eine Erklärung einer eben anderen Interessenlage der tonangebenden Staaten.

Die USA hat viele Länder finaniziell unterstützt und diese Länder früher oder später vernichtet. Ich meine auch, daß man FJS Kreditvergabe unter diesem Aspekt (auch) sehen kann.

 

Gustav Grambauer

19. Februar 2021 17:58

Wahrheitssucher

"Interessenslage" wäre m. E. zu kurz gegriffen, klänge mir noch zu sehr nach "Buddelkasten der Geopolitik". Es ging hierbei nicht um Geopolitik sondern sinnbildlich gesprochen um das Zünden einer neuen Treibstufe der Raktete (oder wie ich oben gesagt habe: um das Ingangsetzen der Riesenwalze), der Klappentext hier

https://www.kopp-verlag.de/Weltoktober.htm?websale8=kopp-verlag&pi=B3793979&ci=%24_AddOn_%24

drückt sehr prägnant aus, was ich meine (Titel ist leider nicht bei Antaios gelistet).

Die US-Seite betreffend ist manches über die trotzkistischen Wurzeln der damaligen Protagonisten durchgefettet:

https://www.juedische-allgemeine.de/allgemein/von-trotzki-zu-bush/

Hier verkünden sie ihre Agenda:

https://www.youtube.com/watch?v=fBIZcnmuolI

(Daß die von verlautbarten "principles of justice and fairplay", "protection fo the weak", "freedom from cold war stalemate" usw. hierbei nur höhnende leere Worthülsen sind, müßte eigentlich schon damals dem Allerletzten aufgefallen sein, Rudolf Bahro hat damals, also im Zusammenhang mit dem ersten Golfkrieg, öffentlich gesagt: "Die Führer des Westens vor ein neues Nürnberger Tribunal!")

Beide NWO-Konzepte, das östliche (eurasische) und das westliche (transatlantische), waren nicht 1:1 deckungsgleich und sind es auch heute nicht. Müssen sie auch nicht, es gehört sogar zum Tandem-Prinzip / zum "kreativen Wettbewerb", daß sie das eben nicht sind.

- G. G.

Laurenz

19. Februar 2021 20:01

@Imagine @Laurenz

https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistischer_Bund_Westdeutschland

Jetzt verraten Sie mir bitte, wie der KBW mit einem Höchststand an 2.100 Mitgliedern zu einem Mio.-Vermögen gekommen ist?

Und wenn Sie Sich die Geschichte der Deutschen ASTAs anschauen, wie konnten, dann immer 2% Kommunisten an deren Spitze stehen?

Jetzt bitte keine neue Märchenstunde.

tearjerker

19. Februar 2021 20:15

Das mit der Wissenschaftsfreiheit sollte man nicht so ernst nehmen. Als z.B. der Lübecker Fürstbischof die Kieler Uni gegründet hatte, war es selbstverständlich nicht möglich den Mann unter dem Mäntelchen der Wissenschaftsfreiheit zu kritisieren, weil er den Spass bezahlte. Heute sind die grössten universitären Bereiche Jura, Gesellschaftswissenschaften, Medizin durch staatliche Stellen gepamperte Fächer, die natürlich parieren um weiter existieren zu dürfen. Die ganzen Mitläufer in diesem System können sich nicht mehr verstecken und geraten jetzt unter Druck. Je disfunktionaler dieses Gebilde wird, umso eher wird es versteinern oder absterben. Geduld bewahren und Abrissbirne stiften.

@GG: Egon Bahr sagte vor etwa 15 Jahren in einem Interview sinngemäss, die innerdeutsche Politik zielte auf beiden Seiten der Grenze zur Ostzone darauf Voraussetzungen für die Gesamtstaatlichkeit zu schaffen, ohne das an die grosse Glocke zu hängen. Das überschnitt sich mit den Interessen der grösseren „Schutzmächte“. Ungeachtet der Globalisierung gibt es auch heute einen Staat im deutschen Staat, der versucht sich gegen äussere Einflüsse abzuschirmen, die nach innen durch bräsige Bürgerliche, NGOs, Gewerkschaften, Sozis und andere Bolschewisten vertreten werden.

 

Wahrheitssucher

19. Februar 2021 21:01

 @Gustav Grambauer

Zitiere aus der Buch-Beschreibung auf einem anderen Link:

„Sind die Sowjetunion und der Kommunismus wirklich untergegangen? Der Name Michail Gorbatschows ist bis heute mit dem Ende des "real existierenden Sozialismus" verbunden. In den 1980er Jahren wurde von ihm unter dem Begriff der "Perestroika" ein Prozeß eingeleitet, der zur Auflösung der Sowjetunion, des Warschauer Paktes und zur deutschen Wiedervereinigung führte. Dieser Prozeß verlief zum Erstaunen vieler Analysten relativ friedlich, nur wenige Beobachter stellten die Frage nach dem Warum. Fiel die Berliner Mauer auf Veranlassung des KGB? Gibt es einen Zusammenhang mit dem Aufbau der Europäischen Union, die immer sozialistischere Züge trägt? Welche geheimen Interessen verfolgte Gorbatschow wirklich? Ist der Kommunismus wirklich tot oder steht die Welt im Zuge der Globalisierung unmittelbar vor dem Zusammenbruch der kapitalistischen Weltwirtschaft? Wird dies zu einem Wiedererstarken der marxistischen Ideologie führen, gefolgt von einer neuen Oktober-Revolution, dem Weltoktober? Torsten Mann zeigt, daß der Zerfall der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten sowie der Übergang zu marktwirtschaftlichen Verhältnissen nur eine raffiniert inszenierte Täuschung war, eine Täuschung, die dem Ziel dient, eine seit Lenins Zeiten bestehende geheime flexible Langzeitstrategie umzusetzen, zur Errichtung einer sozialistischen Neuen Weltordnung.
... kommt dieses Buch zu einem beunruhigenden Ergebnis: der Sozialismus ist weltweit auf dem Vormarsch!“

 

Lotta Vorbeck

19. Februar 2021 23:15

@Waldgaenger aus Schwaben - 19. Februar 2021 - 02:15 PM

"Doch vielleicht hätten uns begnadete Politiker dahin führen können, wo die Schweiz heute steht."

---

Schelmisch beim @Waldgaenger nachgefragt:

Wo steht denn Helvetia heute?

Imagine

20. Februar 2021 00:48

@Laurenz 19. Februar 2021 20:01
„Jetzt verraten Sie mir bitte, wie der KBW mit einem Höchststand an 2.100 Mitgliedern zu einem Mio.-Vermögen gekommen ist?“

Der KBW war kein Arbeiterverein. Nicht wenige kamen aus der Oberschicht oder hatten gute Jobs. Mindestmitgliedsbeitrag war 10% des Einkommens.

Die Anhängerschaft war viel größer als die Mitgliederzahl (s. Wikipedia).

Es gab Idealisten, die ihre Vermögen und Erbschaften einbrachten.

Quellen:

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-39685743.html

https://www.cicero.de/innenpolitik/karrieresprungbrett-kbw/36900

https://www.focus.de/politik/deutschland/politik-einst-kommunist-heut-gruen_aid_614542.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:KBW-Mitglied

http://www.trend.infopartisan.net/trd7807/t517807.html

https://www.tabularasamagazin.de/die-bundesdeutsche-linke-der-70er-jahre/

Imagine

20. Februar 2021 01:51

Über die Zusammensetzung der APO und 68-er-Bewegung existieren heute falsche Vorstellungen.

Die SDS-Mitglieder waren eine kleine Minderheit gewesen.

Aus der Protestbewegung, die eine Massenbewegung der Intelligenzschichten gewesen war,  ging nur eine Minderheit in die K-Gruppen oder zu den militanten Spontis.

Diejenigen, die von „ganz unten“ kamen, wie beispielsweise Schröder, Fischer, Scharping et al. waren eine ganz kleine Minderheit.

Nicht wenige kamen aus der Oberschicht. Wie z.B. Tom Koenigs aus einer Bankiersfamilie. „1973 schenkte er sein Erbe dem Vietcong und chilenischen Widerstandskämpfern, nach seinen Angaben „irgendwas zwischen 500.000 und fünf Millionen Mark“.“ (Wikipedia)

Ein Studienfreund war Sohn eines Generals und sein Patenonkel war „Onkel Dönitz“, der „Nachfolger des Führers“ und letzter Reichspräsident.

Viele der damals politisch Aktiven gehörten zu den besten Studenten und haben nach dem Zusammenbruch der Bewegung eine Karriere in Top-Jobs der Wissenschaft, der Wirtschaft und des Staates gemacht.

Imagine

20. Februar 2021 01:54

Die Grünen waren von den „Realos“ in ein Resozialisierungsprojekt für ehemalige „Systemveränderer“, zum Teil auch für extremistische Gewalttäter, umfunktioniert worden.

Aus soziologisch-klassenanalytischer Sicht repräsentieren heute die Realo-Grünen ein systemkonformistisches Establishment und entsprechen großen Teilen dem vormaligen CDU/CSU-Establishment, allerdings mit gewandelter Ideologie.

Insofern ist die These, dass die „Linken“ in die Institutionen gegangen seien und diese okkupiert hätten und zum Establishment geworden seien, fragwürdig. Denn ein großer Teil gehörte von der familiären Herkunft bereits zum Establishment und insbesondere auch zur intellektuellen Oberschicht.

Gewandelt haben sich Politik und Kultur des Establishments. Es ist extrem liberalistisch-narzisstisch geworden, es hat sich von traditionellen bürgerlichen Werten, Zielen und Lebensformen gelöst, ist neoliberal-kosmopolitisch und zu a-sozialen Solidaritätsverweigerern geworden, ist neoliberal-feministisch orientiert, betreibt Green-Washing usw.

 

Laurenz

20. Februar 2021 10:18

 

 

@Imagine

Die Grünen wurden bekannt durch Aktionen der Fundis unter Petra Kelly. Die meisten Fundis waren ideologisch kleine Nationalsozialisten mit Friedenstaube. Diese wurden von den Kommunisten, Fischer, Trittin, Kretschmann, Künast etc. feindlich übernommen, so wie jetzt die Liberalisten die AfD feindlich übernommen haben. Natürlich kann keiner seine Herkunft verleugnen, das beste Beispiel ist Jürgen Trittin, Vater bei der Waffen-SS. Wenn Sie Sich Trittin-Reden aus den frühen 90ern anschauen, als er noch Haare hatte, sah er aus & lief rum, wie der Föhrler persönlich (in Friedenszeiten), nur blonder.

Laurenz

20. Februar 2021 10:34

@Lotta Vorbeck @Waldgaenger aus Schwaben

"Wo steht denn Helvetia heute?"

Da sich die Schweizer Notenbank dem keynesianisch sozialistischen Gelddrucken der wichtigsten Leitwährungen nicht entziehen konnte, weil natürlich die Sucht der Anleger nach Hart-Währungen durch den Wegfall der "Deutschmark" einen harten Schlag versetzt bekam, kommt die Schweizer Nationalbank bis heute mit dem Drucken des Geldes nicht hinterher, um die Nachfrage auch nur ansatzweise zu befriedigen. Würde die Schweizer Notenbank kein Fränklis drucken, wäre die Schweizer Industrie, Uhren, Bergpanzer und Schokolade, tot. Und mit den vielen Devisen kaufte die Schweizer Notenbank weltweit Unternehmen auf. Die Schweizer Notenbank ist mit Abstand (pro Kopf gerechnet) die reichste Notenbank der Welt. Im Prinzip brauchen die Schweizer deswegen auch nicht mehr wirklich produktiv arbeiten gehen, und dieses Luxus-Problem ist tatsächlich so elementar, daß es den Fortbestand der Schweiz als solches gefährdet. Es hat zB einfach keiner mehr Bock, die wichtigen Almen zu pflegen etc.pp. Diese Degenerationserscheinungen schlagen auch politisch durch. Die Mehrheit der Schweizer will die Schweiz als souveränen Staat nicht mehr verteidigen, sie ist mit der EU quasi assimiliert.

Maiordomus

20. Februar 2021 11:57

@Kaiser. Bin wohl unter den oben sich Meldenden der Einzige, die vor 50 Jahren und später Criticon schon abonniert hatten und jede Nummer lasen. Traue dies allenfalls @RMH zu, der sich rühmt, alle 100 Nummern von S. zu überblicken, was ich nicht geschafft habe. Bewahre aus Platzgründen nicht jede Nummer auf. Zu @Criticon: ehrlich gesagt am wenigsten interessierte mich damals die Debatte um die Republikaner, trotz Franz Handlos. Ein Parteiname, der sich in den Siebzigerjahren schon in der Schweiz als Flop bei untauglichem Personal und nichts als internen Streitigkeiten erwiesen hatte. Interessant und der Beobachtung und Kritik wert wurde parteipolitisch bei der neueren deutschen Rechten erst die AfD, bei der ich betr. Gründerfiguren vor den intellektuellen Männern Format witterte bei freilich Unfähigkeit, mit den mir zwar nicht nahe stehenden bündnis- und demokratiefähigen Nationalen und Identitären den richtigen, Einsteckkraft benötigenden Dialog zu führen. Als von Anfang an unfähig schätzte ich Petry ein. Mit einem späteren Bundestagsabgeordneten habe ich früher gemeinsam auf einer hochqualitativen Website zum deutschen geistigen Konservatismus publiziert. 

tearjerker

20. Februar 2021 12:14

@Laurenz: „Und wenn Sie Sich die Geschichte der Deutschen ASTAs anschauen, wie konnten, dann immer 2% Kommunisten an deren Spitze stehen?“

Ich erinnere mich an eine Asta-Veranstaltung einer Universität vor über 30 Jahren, auf der die führenden Mitglieder ausnahmslos aus persischen Exilanten der UIK bestanden. Sowas hat die Herren Professoren nie interessiert. Dass diese Entwicklung endlich voll durchschlägt und einige akademische Mitläufer der Gegenwart um ihre Professuren bringt, ist zu begrüssen. Das von BK geschilderte Hantieren mit der heissen Kartoffel durch Sommer zeigt, dass die Ursachen der Misere an den Universitäten durch ihre Magnifizenzen :) nicht verstanden wird. Hier gehört reichlich Öl ins Feuer um Studenten und Professoren von diesen schädlichen Institutionen zu distanzieren.

anatol broder

20. Februar 2021 12:16

zeitmagazin, 2021, nr 6, s 68, sie sucht ihn:

«du = feinfühliger freigeist, der weiss, was er will? polyglotte und attraktive minimalistin (46), neugierig (gesellschaftspolitik, kultur, etc) und warmherzig (mehrere freund*innen, zwei topfpflanzen) sucht klugen und unkonventionellen geniesser für den gemeinsamen fluss des lebens bis ins meer. bin finanziell und ortsunabhängig (aber gerade wieder in hamburg) und wünsche mir einen so souveränen wie entspannten gefährten fürs renovieren eines schönen alten hauses, fürs reisen und sein. bitte schreib mir mit bild an [email protected]***.»

Imagine

20. Februar 2021 12:46

Die Ideen und Ideologie der Grünen stammen aus den Thinktanks des Groß- und Globalkapitals. Siehe:

„A Blueprint for Survival” (1972)

„Die Grenzen des Wachstums“ (1972)

Club of Rome
„Der Club wurde 1968 gegründet. Die Idee stammt von dem italienischen Industriellen Aurelio Peccei, einem damaligen Mitglied der Firmenleitungen von Fiat und Olivetti und Präsident der Unternehmensberatung Italconsult, sowie dem Schotten Alexander King, Direktor für Wissenschaft, Technologie und Erziehung bei der Pariser Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).“

Petra Kelly war eine publicity- und mediengeile Psychopathin, die von den Medien hoch gehyped wurde wie Obama. Zuvor war sie SPD-Mitglied und EU-Bürokratin.

 

Laurenz

20. Februar 2021 14:01

@tearjerker @Laurenz

Meine Frage nach der ASTA-Führung war auch rein rhetorischer Natur. Der Unterschied zu uns ist recht leicht festzumachen. Die Linken investier(t)en enorm viel Kohle in Kader-Schulungen, heißt auf deutsch Intrigantentum & Seilschaft-Arbeit, wie die Procedere zur Entsorgung unliebsamer Mitbewerber.

Natürlich gab es auch woanders immer Seilschaften, wie bei den Freimaurern oder Burschenschaften. Bei den Burschenschaften diente es aber auch dem materiellen Fortkommen. Welcher Linke will schon Unternehmer werden?

Und die Linke hatte extrem gute Lehrer. Wer bis 1953 in Warschauer-Vertrags-Staaten überlebt hatte, konnte einiges an Erfahrung weitergeben.

Und natürlich haben Sie Recht. Die meisten alt-linken Profs & Lehrer, die gar nicht schlecht sein müssen, werden doch von ihren eigenen Kindern "gefressen".

Laurenz

20. Februar 2021 14:03

@Imagine

"Petra Kelly war eine publicity- und mediengeile Psychopathin, die von den Medien hoch gehyped wurde wie Obama. Zuvor war sie SPD-Mitglied und EU-Bürokratin."

Ja, und? Das ist der Prototyp des heutigen Politikers. Im Westen also nichts Neues.

AndreasausE

20. Februar 2021 18:46

Die ganzen interessanten Betrachtungen zur jüngeren Zeitgeschichte mal ausgelassen: Weder Laschet noch Söder wird Kanzlerkandidat der Union werden, Spahn schon gar nicht. Den Günther werden sie aus dem Norden einfliegen, Kai aus der Kiste, Merkelkompatibel, unverbraucht, und bereit für Koalition mit "Grünen" und SED. Der wird Deutschland dann den Todesstoß versetzen.

heinrichbrueck

20. Februar 2021 19:00

Außerhalb der Demokratie darf es auch keine Volksherrschaft geben.

„Der Kampf ums Kanzleramt“ war 1945 entschieden. Danach folgten Theatervorstellungen.

@ Maiordomus / „Interessant und der Beobachtung und Kritik wert wurde parteipolitisch bei der neueren deutschen Rechten erst die AfD, bei der ich betr. Gründerfiguren vor den intellektuellen Männern Format witterte bei freilich Unfähigkeit, mit den mir zwar nicht nahe stehenden bündnis- und demokratiefähigen Nationalen und Identitären den richtigen, Einsteckkraft benötigenden Dialog zu führen. Als von Anfang an unfähig schätzte ich Petry ein.“ Ich wittere Wahnsinn. Demokraten muß man mögen, ob dumm oder smart, sie bleiben Demokraten. Man muß nur abwarten, die richtigen Schlußfolgerungen ziehen; und bis sich die Erkenntnis durchsetzt, was die Demokratie anrichten konnte, gibt es den Demokraten nicht mehr. Da fällt die Entscheidung doch nicht so schwer, ist auch zeitsparend, sich von solchen Schlamasseln fernzuhalten. Oder was soll dieser Satz bedeuten? Nullepoche wäre schön, wir leben in einer Minusepoche, einer Scheißrepublik!

Laurenz

20. Februar 2021 19:53

 

@AndreasausE

Machen Sie Sich mehr mit Parteipolitik vertraut. In jeder Partei ist der NRW-Landesverband der stärkste (18 Mio. Einwohner). Schleswig-Holstein hat mit 3 Mio. Einwohnern nix zu melden. Entweder bleibt die Staatratsvorsitzende im Amt oder es wird König Maggus oder Weichspüler Laschet. Die Frage bleibt nur, wer hat den CDU/CSU-Delegierten am meisten zu verschenken. 

Laurenz

21. Februar 2021 08:49

@heinrichbrueck @Maiordomus

Wir leben weder in einer Demokratie, noch in einer Scheißrepublik.

Sie schwächeln hier schon eklatant bei der Analyse. 

Wir leben in einer Parteien-Oligarchie.

Selbst die Partei-Basen, hier macht auch die AfD keine Ausnahme, sind schon den Apparaten entkoppelt.

Die beiden entscheidenden Artikel im GG (20/2 & 21/1) diesbezüglich interessieren keine Sau. Von daher können Sie das GG nur noch dem sinnvollen Gebrauch als Toilettenpapier zuführen.

Wenn Sie Demokratie wollen, müssen Sie Parteien abschaffen.

Imagine

21. Februar 2021 11:34

Andere haben Kelly ganz anders gesehen.

Für diese war es eine Lichtgestalt und eine Hoffnungsträgerin für eine neue und bessere menschliche Zukunft. In den Medien wurde sie als neue „Rosa Luxemburg“ bezeichnet.

In diesem Artikel wird sie als eine „Jeanne d'Arc des Atomzeitalters“ bezeichnet, die kompromisslos für eine bessere Welt kämpfte.

„Nach ihrer Schulzeit beginnt sie in Washington Politikwissenschaft zu studieren.  [..]

1967 wählt man die 20-Jährige zur "Besten ausländischen Studentin des Jahres".

Es folgt eine Karriere fast wie im Bilderbuch: Nach dem Abschluss ihres Studiums mit besonderer Auszeichnung kehrt Petra Kelly den USA den Rücken. Sie geht nach Amsterdam, absolviert dort ebenfalls ein Studium der Politischen Wissenschaft und Europäischen Integration und beginnt ein Praktikum bei der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel. Bereits 1972, mit erst 25 Jahren, wird sie dort Verwaltungsrätin der Europäischen Kommission. […].

Imagine

21. Februar 2021 11:35

weiter:

 

Bis 1990 bleibt sie Mitglied des Bundestags, erst als die Grünen ihren Fraktionsstatus verlieren, muss auch sie ihren Platz im Parlament endgültig räumen. Bis dahin hat sie politisch wie persönlich viel erreicht. Sie hat den Alternativen Nobelpreis bekommen (1982), ist in den USA zur "Frau des Jahres" gewählt worden (1983), hat Menschen wie den Dalai Lama, Erich Honecker und Michael Gorbatschow getroffen und, wenn nötig, herausgefordert.“

Bezüglich Obama gibt es kritische Recherchen von investigativen Journalisten, wie dieser aufgebaut und nach oben gebracht wurde.

Ökologismus, Feminismus, Multikulturalismus, die Immigrationspolitik und nun das „Corona-Regime“ sind Projekte, die in den Thinktanks der Herrschenden entstanden sind oder umfunktioniert wurden.
 

Laurenz

21. Februar 2021 12:27

@Imagine

"Petra Kelly"

Sie meinen doch nicht im Ernst, daß ich Ihnen hier widerspreche? 

Ich habe die Dame nie gewählt. Und Ihre Anhänger waren politisch meine direkten Feinde, schon noch im Klassenzimmer.

Maiordomus

21. Februar 2021 12:28

@Helvetia. Die sich hier zum Wort Meldenden gehören nicht zur vermeintlichen Mehrheit der Eidgenossen, die aber bei der Direktfrage nach Beitritt immer noch  eine absolute Mehrheit bilden. Aber noch 2014 kam bei der Masseneinwanderungsinitiative eine für europäische Verhältnisse sensationelle Mehrheit zustande, die nebst der Ablehnung des EWR-Beitritts 1992 als neue Unabhängigkeitserklärung des Landes hätte interpretiert werden können. Daraus wurde aber nichts, wegen den Mehrheiten in der Veröffentlichten Meinung sowie der Mehrheit im Parlament, die sich faktisch weigern kann, die Verfassung zu vollziehen. Die spätere Durchsetzungsinitiative der SVP, zwar ein unglaubliches Volksrechtsinstrument, wurde als Zwängerei abgelehnt, sowieso wurde und wird bewusst mit dem sicher nicht widerspruchsfreien C. Blocher als Feindbild-Popanz gearbeitet. Als ich am Tag von Blochers Wahl in die Regierung (2003) an Heidelbergs Uni Gast war, fragte man mich im Ernst, ob das der "30. Januar für die Schweiz" sei. Eine Frage von Geschichtsanalphabeten, obwohl von z.T. habilitierten Akademikern, auch Nichtkennern dt. Geschichte.

Sugus

21. Februar 2021 14:30

@ Laurenz

Schmidt kam aus Hamburg, Schröder aus Niedersachsen, Merkel aus Mecklenburg-Vorpommern, Kohl aus Rheinland-Pfalz, Kiesinger aus Baden-Württemberg, Erhard aus Bayern, Brandt aus Schleswig-Holstein bzw. Berlin. Ach ja, Adenauer kam aus NRW...

Lotta Vorbeck

21. Februar 2021 18:12

@Sugus - 21. Februar 2021 - 02:30 PM

an @Laurenz

"Schmidt kam aus Hamburg, Schröder aus Niedersachsen, Merkel aus Mecklenburg-Vorpommern ..."

---

Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine doch daß ich so verliebt bin, das liegt an Madeleine ...

Die Frau Kazmierczak aka Kasner aka Merkel kommt (noch immer) aus Hamburg / Templin. Hamburg liegt an der Elbe. Templin liegt in der Uckermark.

... und Kairo liegt am Nil.

 

Laurenz

21. Februar 2021 18:34

@Sugus @Laurenz

Ja, und AKK, unsere Putzmaid aus dem Karneval kam aus dem Saarland, kleiner als Köln, natürlich.

Die Frage ist, wem! trauen die Delegierten zu, die meisten Mandate für sie selbst zu erringen. Dem Hanswurst aus Schleswig-Holstein ganz sicher nicht.

Wie gewann Akk den Parteivorsitz gegen Merz? Sie kaufte die Junge Union mit dem Posten des Generalsekretärs für den ungelernten Ziemiak.

Imagine

21. Februar 2021 19:27

1/3

Ziel der K-Gruppen, die sich nach 1970 bildeten, war der Aufbau einer neuen KPD sowie die Wiederbelebung der Arbeiterbewegung. Sie lasen die „Klassiker“: Marx, Engels, Lenin, Stalin, Mao. Deren Bilder fanden sich auf deren Publikationen und Fahne, auch bei deren Demonstrationen.

Aber die Zeit, welche die K-Gruppen geistig als ihre Referenz gewählt hatten, existierte nicht mehr.

Die Arbeiterbewegung war untergegangen. Auch wenn sie nunmehr „dem Volk“ bzw. den „Volksmassen“ unter ihrer Führung ein revolutionäres Potential zuschrieben, so war dies Fiktion und Projektion.

In der Zeitung des KBW, der „Kommunistischen Volkszeitung“ (KVZ), stand zwar groß auf Seite 1: „Sieg im Volkskrieg!“, aber es gab kein Volk, das revoltierte. Im Gegenteil, das Volk wollte diese Kommunisten nicht, schon gar nicht als Führer.

Die K-Gruppen bildeten eine Zeit lang selbstreferentielle Kontexte, so wie religiöse Gruppen. Irgendwann platzte die Blase, in der sie geistig lebten.
 

Imagine

21. Februar 2021 19:27

2/3

Die K-Gruppen blieben politisch erfolglos. Ihre revolutionären Phantasien, Imitationen und Spielereien von Revolution und Führungspositionen erwiesen sich als völlig realitätsfern. Zudem bekamen sie vermehrt politische Exklusion und Repression zu spüren. Insbesondere die Frauen blieben oder liefen weg.

Bis auf eine kleine Minderheit, die als politische Sekten weiter existierten, lösten sich die K-Gruppen auf. Die meisten führten danach ein kleinbürgerliches Leben, gründeten Familien, bekamen Kinder und versuchten, Karriere zu machen.  

Ähnliches galt für die sog. „Spontis“, als deren Führer solche Figuren wie Daniel Cohn-Bendit und Joschka Fischer bekannt sind. Die machten mit den „Grünen“ Karriere. Dort sangen sie nunmehr ein hohes Lied auf die Marktwirtschaft, bestimmten als „Realos“ den politischen Kurs der „Grünen“, während öko-sozialistische Idealisten wie Thomas Ebermann unter Protest die Partei verließen.

Imagine

21. Februar 2021 19:28

3/3

Gesellschaftlich hat die „Neue Linke“ der 68-er-Zeit nichts von ihren sozialistischen Zielen erreicht. Was an liberalen Reformen und Modernisierungen erfolgte, war bereits in den zuvor auf den Weg gebracht.

Die „68-er“ hatten eine Katalysatorfunktion im Prozess kapitalistischer Modernisierung. Aber auch ohne sie hätte der Kapitalismus die traditionellen bürgerlichen Wertorientierungen, die Familien, die klassischen bürgerlichen Bildungsinstitutionen (Gymnasium, klassische Universität) etc. zerstört.

Die Regierungen der (pseudo)konservativen „schwarzen“ Parteien setzten – entgegen ihrer früher vertretenen Ideologie - diese Modernisierungen konsequent um.

Sugus

21. Februar 2021 20:49

@ Lotta Vorbeck

Als Merkel 2005 Kanzlerin wurde, war sie im CDU-LV MeckPomm, auch ihr Wahlkreis lag dort

Lotta Vorbeck

21. Februar 2021 21:57

@Sugus - 21. Februar 2021 - 08:49 PM

@ Lotta Vorbeck

Als Merkel 2005 Kanzlerin wurde, war sie im CDU-LV MeckPomm, auch ihr Wahlkreis lag dort.

---

Richtig. - Sie @Sugus hatten in Ihrem obigen, mit dem Zeitstempel "21. Februar 2021 14:30" veröffentlichten Eintrag allerdings nichts über Wahlkreise notiert.

Die Nacht ist heiß im Kongo und der Bundestagswahlkreis "Vorpommern-Rügen – Vorpommern-Greifswald I" ist nicht in MeckPomm, sondern in Vorpommern.

 

Mitleser

21. Februar 2021 22:39

@Sugus

In der BRD war und ist Merkel eine Bundespolitikerin gewesen.

Ihr Landesverein spielte deswegen keine große Rolle für ihre Karriere.

Da keiner der heutigen CDU/CSU-Bundesminister Kanzlerkandidat bei der nächsten Bundestagswahl wird, wird das bei ihrem Nachfolger nicht der Fall sein.

Gracchus

22. Februar 2021 00:34

@Imagine

"Die Regierungen der (pseudo)konservativen „schwarzen“ Parteien setzten – entgegen ihrer früher vertretenen Ideologie - diese Modernisierungen konsequent um."

Die Bedenkenträger von gestern sind die eifrigsten Exekutoren von morgen. Für mich war "konservativ" daher lange Zeit ein Schimpfwort und Synonym für Faulheit.  

Sugus

22. Februar 2021 09:49

@ Lotta Vorbeck

Ausgangspunkt war Laurenz, der mit seinem Eintrag suggerierte, ein Kanzlerkandidat müsse automatisch aus dem NRW-LV kommen. Darum ging es mir. 

@ Mitleser

Das ist ein guter Punkt. Übrigens, wenn man das weiterspinnt, könnte man auf die Idee kommen, dass die Bundesminister der letzten Jahre nicht viel hergemacht haben. 

Imagine

22. Februar 2021 10:58

@Gracchus   22. Februar 2021 00:34

„Die Bedenkenträger von gestern sind die eifrigsten Exekutoren von morgen. Für mich war "konservativ" daher lange Zeit ein Schimpfwort und Synonym für Faulheit.“

Konservative geben ihre Wertorientierungen und Traditionen auf und werden zu liberalistischen Modernisieren.

Linke Revoluzzer – Anarchos, Leninisten, Maoisten – werden zu Spießern und Reaktionären.

Politischer Aktionismus und Traditionalismus der Rechten wird zur Simulation längst untergegangener Zeiten.

Was lernen wir daraus?

Laurenz

22. Februar 2021 12:50

@Imagine @Gracchus  

Wir lernen aus Ihren vielen China-Beiträgen, daß die Nationalsozialisten global betrachtet, ideologisch auf der Straße der Gewinner marschieren. Und Sie teilen doch unsere Auffassung, daß die links-liberalen Hanswurst-Globalisten (Nachfolger der Alt68er), jetzt an der Macht, dem nicht gewachsen sind.

Da wir aber, abgesehen von Ihnen, nicht im Nationalsozialismus chinesischer Couleur leben wollen, müssen wir uns was einfallen lassen, für die Zeit in unserer Zukunft, wenn die jetzigen Versager an der Macht unsere Karre in den Dreck gefahren haben werden. 

Imagine

22. Februar 2021 14:39

1/2

@Laurenz

Den chinesischen Weg zum Sozialismus als „Nationalsozialismus“ zu bezeichnen, ist an Unverstand nicht zu toppen.

China geht es nicht um eine kommunistische Weltrevolution, sondern verfolgt einen nationalen Weg zum Sozialismus. China war historisch nie imperialistisch oder kolonialistisch, sondern hatte um sein Reich eine Mauer gebaut.

Es geht keineswegs um eine Adaptation an die chinesische Kultur und Ideenwelt.

Sondern es geht in unserer durch die Aufklärung von bürgerlich-emanzipatorischen Zielsetzungen geprägten westlichen Welt um eine Neuorganisation von Produktionsverhältnissen, die sowohl am Gemeinwohl wie auch an individueller Freiheit orientiert sind.

Imagine

22. Februar 2021 14:42

2/2

Die sozialistische Organisation von Ökonomie ist auf dem heutigen Stand der Produktivkräfte ganz eindeutig der kapitalistischen überlegen. Auch wenn historisch der Kapitalismus ein Motor der Entwicklung der Produktivkräfte war.

Aber nun zerstören die kapitalistischen Gesellschaften ihre historischen Errungenschaften, weil das kapitalistische System ein Sammelsurium aus Betriebswirtschaften darstellt, welche ihr egoistisches Privatinteresse nach Profit verfolgen.

Deshalb kollidiert das privatwirtschaftliche Interesse der Kapitalisten mit dem volkswirtschaftlichen.

Eine Ökonomie im volkswirtschaftlichen Interesse strebt eine optimale Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen an.

Von der Struktur stellt daher der heutige Kapitalismus eine „Anti-Ökonomie“ dar.

Ist das so schwer zu kapieren?

Der Sozialismus ist von der Zielsetzung, aber nicht von der Praxis, in gewisser Hinsicht mit einer „Kriegsökonomie“ zu vergleichen, welche vom gesamtgesellschaftlichen Interesse und Gemeinwohl bestimmt ist.

Sozialismus ist echte Volkswirtschaft.

Gracchus

22. Februar 2021 15:05

@Imagine

"Was lernen wir daraus?" Misstrauen. 

@Laurenz 

Ich will mit Sicherheit nicht in einem System chinesischer Couleur leben. 

Laurenz

22. Februar 2021 15:50

@Gracchus @Laurenz 

"Ich will mit Sicherheit nicht in einem System chinesischer Couleur leben."

Danke für Ihre ehrliche Unterstützung. 

Maiordomus

22. Februar 2021 15:53

"Sozialismus ist echte Volkswirtschaft." @imagine. Bei solchen Masssstäben halte ich die Auferstehung etwa von Jesus Christus als direkt exakt-wissenschaftlich bewiesen.

Mit Ihren zivilreligiösen Bekenntnissen sind Sie heute vorläufig noch mehr Aussenseiterin als diejenigen Professoren, die pensionsberechtigte Vorlesungen halten dürfen über "strukturellen Rassismus" oder, wie in der NZZ vom letzten Sonnabend, sich für eine Professor "Diversität und Vielfalt" bewerben dürfen, womit kaum der Schweizer Föderalismus der 26 Kantone mit möglichst viel Sonderregelungen, der Sonderfall Schweiz und gewiss nicht die Bewahrung der schon 1819 von einem Grimm-Schüler festgestellten um die 50 alemannischen Mundarten gemeint sein dürften; nicht mal die Vielzahl weltanschaulicher Orientierungen die Varianten der Rechten und der Konservativen inbegriffen. Aber vielleicht täusche ich mich. 

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