25. Februar 2021

Sammelstelle für Gedrucktes (8)

Benedikt Kaiser / 80 Kommentare

Die Partei »Die Linke« verliert mit Fabio De Masi einen ihrer wenigen vernunftbegabten Köpfe im Bundestag.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Denn für die Wahl im September wird er nicht mehr antreten; interne Querelen und verengte Meinungskorridore sind offenbar ebenso ausschlaggebend wie inhaltliche und strategische Defizite der Linkspartei.

De Masi teilt mit:

Ich war immer der Überzeugung, dass meine Partei auch einen Wettbewerb um die besten Köpfe braucht, die uns vertreten. Wir haben viele Talente und engagierte Mitglieder, die ihre Lebenszeit selbstlos in politisches Engagement investieren. Zu häufig ist aber der Maßstab für ein Bundestagsmandat nicht, wer über das eigene Milieu hinaus Menschen erreicht. Ich wollte nie an den Füßen voran aus dem Bundestag heraus getragen werden.

Es lohnt sich, diese persönliche Erklärung zu lesen. Sie verrät längst nicht nur zwischen den Zeilen einiges über Arbeitsklima und Mängel in der linken Sammlungspartei.

So nachvollziehbar die Beweggründe Fabio De Masis erscheinen mögen – er schwächt damit vor allem seine Kollegin Sahra Wagenknecht, zu deren (Minderheits-)Flügel in der Partei er zu rechnen ist.

Wagenknecht selbst steht – wieder mal – unter parteiinternem Beschuß. Ihre geplante Kandidatur in Düsseldorf stößt auf Widerstand innerhalb der NRW-Linken und weit darüber hinaus; eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber daß sie sich knapp durchsetzen wird, ist anzunehmen: Die Stimmen, die sie im Wahlvolk einfährt, verhelfen ja auch ihren innerparteilichen Feinden zu Mandaten und Posten.

Die unversöhnlicheren unter ihren internen Kritikern, die gleichermaßen aus den (konkurrierenden) traditionskommunistischen, trotzkistischen und »reformorientierten« Spektren stammen, dürften indes durch Wagenknechts aktuelles Spiegel-Gespräch (23.2.2021) neuen Aufwind bekommen.

»Ich möchte nicht, dass wir enden wie die USA«, ist das mehrseitige Gespräch betitelt, und Wagenknecht umschifft keines der vorgegebenen Themen. Doch schon einleitend wird ein erster Widerspruch zwischen der Eigenwahrnehmung Wagenknechts und der Realität interpretierbar:

Mir liegt eher, unsere Politik nach außen zu tragen.

Doch ist denn die Politik der Linkspartei ihre Politik? Es gibt einige Gründe, dies anzuzweifeln, und Wagenknecht legt sie selbst dar, einen nach dem anderen:

Wir brauchen eine Ergänzung durch direkte Demokratie. Wichtige Fragen in der Außen- und Sozialpolitik sollten wir per Volksentscheid klären.

Richtig ist: Die Linkspartei ist gegen Formen der direkten Demokratie, mißtraut dem stimmungsgetriebenen Volk zutiefst. Wagenknechts darauf folgende Äußerung,

die Politik spiegelt vor allem die Interessen des wohlhabenden urbanen Milieus und der sehr Reichen,

fällt ironischerweise auf die Mehrheit der heutigen Linkspartei im Bundestag zurück, die zwischen linksliberaler Interessenpolitik und diversen Spielarten postmoderner Ideologie oszilliert, sprich: sich an den »Interessen des wohlhabenden urbanen Milieus« orientiert bzw. diese vertritt.

So sollten wir nicht weitermachen,

warnt Wagenknecht, und weiß doch ganz genau, daß mit der – zweifellos befähigten Rednerin und Netzwerkerin – Janine Wissler und der die rot-rot-grüne Option verkörpernde – zweifellos weniger befähigten Rednerin – Susanne Henning-Wellsow, die fortan die Linke führen dürften, nicht ansatzweise ein Kurswechsel zu erwarten ist. Der Fall Fabio De Masi zeigt sogar: Das Gegenteil ist zu erwarten.

Wagenknecht dürfte dies ahnen, wenn sie ausholt:

Heute vertreten die sozialdemokratischen und linken Parteien vor allem die akademische Mittelschicht der Großstädte. Daraus erklärt sich das Abdriften zum Neoliberalismus, aber auch die Vorliebe für Lifestyledebatten und eine elitäre Sprache. Die Linkspartei ist nicht neoliberal, aber auch wir werden immer weniger in Plattenbausiedlungen und abgehängten Regionen gewählt, und mehr in den teuren Trendvierteln.

Kevin Hagen und Jonas Schaible stellen die naheliegende Anschlußfrage:

Wie sähe aus Ihrer Sicht eine perfekte linke Partei aus?

Wagenknecht antwortet deutlich:

Sie sollte sich darauf konzentrieren, die Interessen derer zu vertreten, die sonst keine Lobby haben: Geringverdiener, die untere Mitte, die Arbeiterschaft. Das geht aber nur, wenn wir die Weltsicht dieser Menschen ernst nehmen, wenn wir ihre Werte und Wünsche achten, statt sie als rückschrittlich abzustempeln.

Im Klartext: Wagenknecht will jene erreichen, die heute das Gros der AfD-Wähler und Nichtwähler ausmachen (weswegen die stete Untersuchung der Personalie Wagenknecht gerade für Anhänger der Alternative unvermeidbar ist): Angehörige der unteren und mittleren Schichten.

Diese aber, so Wagenknecht korrekt,

fühlen sich nicht als Weltbürger, sondern als Bürger ihres Landes, von dem sie Schutz und Sicherheit erwarten. Stabile Gemeinschaften, die Familie, Planbarkeit des Lebens sind ihnen wichtiger als individuelle Selbstverwirklichung.

Es gebe keinen Grund, kosmopolitische Lebensanschauungen (in der Linkspartei sind das: vorherrschende Lebensanschauungen) für überlegen zu halten, mehr noch:

Wer jeden, der Zuwanderung begrenzen will, zum Rassisten abstempelt, oder jeden, der die Corona-Politik der Regierung kritisiert, zum Covidioten, isoliert sich von diesen Schichten. Zumal der Vorwurf naheliegt, dass hier Privilegierte eine Politik verteidigen, von deren negativen Folgen sie selbst kaum betroffen sind.

In dieser Tonart und mit dieser Stoßrichtung fährt Wagenknecht das Gespräch fort, das zu lesen in Gänze jedem empfohlen sei, auch wenn ihr blinder Fleck – ein fehlendes positives Verständnis von Volk und Nation (hier sind dazu ausführliche Analysen enthalten) – augenfällig bleibt.

Natürlich drängt sich überdies folgende Frage auf: Wie lange schließt Wagenknecht noch die Augen davor, daß die Positionen, die sie leidenschaftlich nach außen tragen möchte, in eklatantem Widerspruch zu den heutigen ideologischen Standpunkten jener Partei stehen, die sie doch als TV-Gesicht und partieller Publikumsliebling vertritt? (Die Antwort dürfte lauten: solange durch ein Bundestagsmandat die parteipolitische Bühne gesichert ist.)

Entscheidend für uns sind an dieser Stelle allerdings eher die finalen Stellen, als die Spiegel-Journalisten Wagenknecht direkt fragen, für wie realistisch sie es denn halte, daß sich die Linkspartei in ihre Richtung entwickeln könnte.

Die Ex-Linksfraktion-Chefin diplomatisch:

Mein Zuspruch zeigt mir, dass man mit den Ideen, für die ich stehe, sehr viele Menschen erreichen kann. Links muss nicht unpopulär sein. Auch in der Linken teilen sehr viele Mitglieder meine Sicht. Solange das so bleibt, ist es meine Partei,

was ja um so frappierender ist, wenn man sich vergegenwärtigt, wie kategorisch Wagenknecht-Positionen in der Linkspartei angegriffen werden und welche Anfeindungen die einstige Peter-Hacks-Schülerin und heutige Links-Ordoliberale in den letzten drei Jahrzehnten durch ihre Genossen erdulden mußte.

Doch Wagenknecht hegt noch Hoffnung auf eine Tendenzwende:

Die Geschichte zeigt: Wenn ein beachtlicher Teil der Bevölkerung zu lange politisch keine Repräsentanz hat, entsteht irgendwann etwas Neues. So sind die Grünen und schließlich die Linke entstanden.

Man darf ergänzen: Vor allem ist so die Alternative für Deutschland entstanden, mithin jene Partei, die – bis dato recht erfolgreich – just die Wählerklientel erreicht, die Wagenknecht in vorliegendem Interview in den Fokus nimmt.

Wagenknecht kann (und dürfte) um diese Tatsache wissen, denn ob sie nun zu den Wähleranalysen von Klaus Dörre, Philip Manow oder der Bertelsmann-Stiftung greift (vermutlich: zu allen): Arbeiter, unterer Mittelstand und kleine Selbständige sind der Grund für die Zweistelligkeit der AfD auf Bundesebene und für die anhaltenden Wahlerfolge im Osten des Landes.

Wird sich vor Augen gehalten, daß in diesem heterogenen Segment nach wie vor ein relativ hoher Nichtwähleranteil zu finden ist (und zwar von Hamburg bis München, von Saarbrücken bis Dresden), wird noch klarer, wie bedeutsam es ist, daß die Repräsentationslücke, die die AfD teils bereits geschlossen hat und weiter schließen kann, nicht von der Linkspartei, sondern eben der Alternative bearbeitet wird. Hier liegt objektiv feststellbares Wachstumspotential, hier liegen realistische Chancen auf – erstens – eine Verfestigung der Wählerbasis und – zweitens – auf Wachstum über die bisherigen Ergebnisse hinaus.

-- --

Aber nicht alle Beobachter der AfD nehmen diese empirisch feststellbaren Gegebenheiten wahr. Werner Patzelt, Christdemokrat und Politikprofessor, fordert in der Jungen Freiheit (Nr. 8/2021) erneut »Vernunft und Maß« ein. Damit meint er die zu forcierende Selbstverzwergung der AfD, um den verärgerten Riesen CDU/CSU ein wenig zu besänftigen. Ausführlich Stellung zu derartigen Planspielen habe ich hier bezogen.

Patzelt hält also nichts von einer Alternative als Alternative, welche bestehende Repräsentationslücken (siehe oben) schließt und konstruktive oppositionelle Politik gegenüber allen Altparteien betreibt – einschließlich der Union, die in 72 Jahren BRD-Geschichte stolze 52 Jahre regierte und damit als Hauptverantwortlicher für die bundesdeutsche Malaise zu gelten hat.

Patzelt, eben selbst CDU-Mitglied, sieht das freilich anders. Ihm schwebt eine liberalkonservative AfD als Union-Mehrheitsbeschaffer vor, die sich einseitig gegen links positioniert und damit »bürgerliche Mehrheiten« für realistisch werden läßt. Man kann tatsächlich mit guten Gründen über dieses Modell streiten, auch wenn es starke Argumente gibt, es abzulehnen.

Doch Patzelt führt keine guten Gründe an, sondern verzettelt sich in realitätsfernen Gedankenspielen aus dem Elfenbeinturm. Zunächst kritisiert er in deutlichen Worten Auftreten und Agieren vieler AfD-Verantwortlicher, was nicht zu bemängeln wäre, würde Patzelt keine perfide Art der Schuldumkehr bieten. Nicht der versammelte Block der Kartellparteien – einschließlich der Union! – ist nach Ansicht Patzelts primär verantwortlich für die eskalative Stimmung gegenüber der AfD im Superwahljahr. Sondern sie selbst.

Patzelt spricht lediglich von »gegnerischen Fouls«, die aber doch

in einer Demokratie etwas anderes sind als Staatsterror in einer Diktatur.

Das bestreitet niemand, aber dieser Passus vergleicht Äpfel mit Birnen.

Denn es handelt sich nicht nur um »gegnerische Fouls«, wenn AfD-Wahlkämpfer am hellen Tage krankenhausreif geschlagen werden; es handelt sich nicht nur um »gegnerische Fouls«, wenn Kneipen, die der AfD Obdach geben, verwüstet werden; es handelt sich nicht nur um »gegnerische Fouls«, wenn Autos von AfD-Akteuren in Flammen aufgehen.

Patzelt weiß zweifellos um den zu oft medial relativierten, wo nicht romantisierten Terror des Antifaschismus, er weiß um die Fördernetzwerke der linken Szene, er weiß um staatlich und politisch gewährte Spielräume des Linksextremismus. Also muß man bei dieser Verharmlosung in Sachen »gegnerischer Fouls«, die man nicht als Anlaß zu grundsätzlichen Tönen nehmen sollte, von Vorsatz ausgehen.

Es wird aber noch markanter. Patzelt führt aus:

Es haben viele Mitglieder und Anhänger der AfD anscheinend noch nicht begriffen, daß eine strikte Trennung von Regierungskritik und Systemgegnerschaft die Voraussetzung politischer Freiheit ist.

Der zweite Halbsatz klingt politikwissenschaftlich korrekt und ist es auch. Nur: Es trifft wiederum nicht die realen Verhältnisse. Denn selbstverständlich ist Regierungskritik das Feld der AfD; doch die Regierung und ihr nahestehende Medien erheben die Regierung und ihr Vorfeld in einen Status, in dem diese Allianz für nicht grundsätzlich angreifbar erklärt wird, was der Kritik an ebenjenen Strukturen doch erst den systemgegnerischen Mantel verpaßt.

Gerade dies ist das Problem des Folgearguments, wonach man eine Regierung und die sie tragenden Parteien »scharf angreifen« dürfte –

nicht aber eine Verfassungsordnung, nur weil deren Spielregeln derzeit den Gegner an der Machtsein lassen.

Auch diese Passage klingt wohlfeil, denn die Verfassungsordnung wird nicht angegriffen, sondern in ihrer Gültigkeit im allgemeinen für Deutschland und im besonderen auch für sich selbst eingefordert.

Patzelt blendet einmal mehr aus, daß der »Gegner« qua machtpolitischen Setzungen seine »Spielregeln« überhaupt erst aufgestellt und in ihrer Wirkmacht so zementiert hat, daß ein Aufbegehren gegen falsche Spielregeln und falsche Schiedsrichter eo ipso in den Rang prinzipieller Systemgegnerschaft erhoben und dadurch nominell unmöglich gemacht wird. (Es sei denn, man kalkuliert eben ein, daß bei Zuwiderhandeln der Verfassungsschutz aktiv wird.)

Patzelt kümmert sich nicht um derlei Petitessen. Er fährt fort:

Die richtige Reaktion auf solche Fouls wäre es, gerade nicht zum von Gegnern lustvoll gezeichneten Zerrbild zu werden. Doch immer, wenn genau das in den Reihen der AfD versucht wurde, standen selbstberauschte Rechtsdemagogen dagegen auf. Oft setzten sie sich durch. Erst Jörg Meuthen – selbst spät zur Einsicht gelangt – konnte für die „Realos“ zwei, drei aufsehenerregende Etappensiege erringen.

Es ist natürlich ein Allgemeinplatz, wenngleich ein richtiger, daß grundsätzliche und authentisch alternative Politik formuliert werden sollte, ohne diese mit Vulgärpolterei und Rabulistik zu verwechseln. Es ist die Sache der AfD, diese tatsächlich in allen Parteiströmungen vorhandenen Fehler und Unappetitlichkeiten zu korrigieren.

Es ist demgegenüber nicht die Sache jener, die die »Sprache der BRD« (Manfred Kleine-Hartlage) fortwährend reproduzieren, etwa wenn Wertungen wie »selbstberauschte Rechtsdemagogen« zirkulieren, die ja regelmäßig zu jener Enthemmung verleiten, aufgrund derer sich antifaschistische Täter als Vollstrecker gegen die – mit allen Mitteln und gutem Gewissen – zu bekämpfenden Demagogen berufen fühlen.

Zwei abschließende Bemerkungen zur nunmehrigen Patzeltschen Intervention sind zu ergänzen.

Erstens stellt er etwas dar, was zutreffen dürfte.

Die zur AfD abgewanderten Wähler möchte die Union ohnehin nicht mehr zurückgewinnen. Sie könnte das auch gar nicht mehr. Denn bei den von der Union zur AfD Übergegangenen ist die Empörung über Vertrauensbrüche der CDU-Kanzlerin gegenüber Nicht-Linken einfach zu groß.

Dazu paßt aktuell eine aktuelle Studie der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. In Des Wählers Herz (Berlin 2021) formuliert die Autorin Viola Neu ihre Erkenntnis, wonach die AfD den »größten Anteil von Anhängerinnen und Anhängern ohne Zweitwahlabsicht hat«. Das bedeutet: Jene, die sich für die AfD entschieden haben, bleiben (einstweilen?) auch an Bord; sie haben sich von den Altparteien abgewandt und verzeihen der AfD (noch?) immanente Schwächen.

Zweitens zeigt Patzelt danach, wie gefährlich seine Denkmuster wirken können. Er fordert offen:

Die Partei sollte sich ferner von den Lieblingszielscheiben ihrer Gegner trennen oder diese zumindest ins Abseits stellen. Und sie sollte in den eigenen Reihen und in ihrer Anhängerschaft nicht Ressentiments fördern, sondern mäßigend wirken – wie einst, zum Besten unseres Landes, die SPD hinsichtlich der revolutionären Linken.

Abgesehen von der Unsinnigkeit der Aussage bezüglich der Sozialdemokratie, an deren Rändern heute stärker denn je an Rot-Rot-Grün gearbeitet wird samt entsprechenden Antifa-Sympathieerklärungen selbst der aktuellen Parteispitze (!), übergäbe man bei dieser eingeforderten Selbstkasteiung die volle Gestaltungsmacht dem politischen Gegner. Diese politische Subsumption ohne Gegenleistung entspräche einer anhaltenden Regression vom Status einer Alternative (für Deutschland) in Richtung eines unwiderruflich gezähmten und chronisch manipulationsanfälligen Korrektivs (für die Union).

Denn der vielgestaltige Gegner könnte zur »Lieblingszielscheibe« natürlich stets eine solche Person erheben, die der AfD nutzen und den Altparteien schaden könnte. Gestern war es Andreas Kalbitz, heute ist es Alexander Gauland, morgen sind es vielleicht Gottfried Curio, Sebastian Münzenmaier oder René Springer. Kann man sowas wirklich ernst meinen?

Wohl nur, wenn man es nicht gut mit der AfD meint, dafür aber mit einer hyperidealisierten CDU »nach Merkel«.

-- --

Es spricht ja nicht viel dafür, daß eine solche CDU besser wird. Armin Laschet wird keine Kehrtwende einleiten, die eine Alternative für Deutschland überflüssig machen kann, und Markus Söder, Jens Spahn oder Friedrich Merz sind als Charaktermasken des politisch-ideologischen Staatsapparates allesamt Teil des Problems, nicht der Lösung. Das realisieren auf einer gewissen Abstraktionsebene eben auch die zu Stammwählern gewordenen AfD-Sympathisanten.

Ebenfalls in der aktuellen JF (»Mit weniger mehr?«) ist zu lesen:

Mit 10,5 Prozent steht die AfD derzeit recht stabil da. Der Wert in der sogenannten negativen Sonntagsfrage („Welche Partei können Sie sich grundsätzlich gar nicht vorstellen, zu wählen?“) sank sogar von 74 Prozent Anfang Dezember vergangenen Jahres auf aktuell 68 Prozent. Es scheint, als hätten die innerparteilichen Kontroversen und Zerwürfnisse zumindest kurzfristig auf Bundesebene in den Erhebungen der Demoskopen kaum negative Folgen für die Partei.

Endlich gute Nachrichten, aber auch hier wird selbstverständlich die Artikulation politischer Interessen im Sinne der Patzelt-Tendenz angeschlossen:

Aufgeschlüsselt nach Wählern, die bisher für andere Parteien votieren, ergibt sich, daß vor allem die Anhänger der Unionsparteien auf Veränderungen bei der AfD reagieren würden.

Hat Patzelt also doch Recht? Millionen CDU-Wähler warten nur auf das Ende von Björn Höcke und Co., um endlich die ersehnte AfD-Stimmenabgabe vollziehen zu können?

Wenn die Partei die Gefahr durch Corona nicht verharmlosen würde, so stiege laut Insa unter den aktuellen 33,5 Prozent an Unionswählern der Anteil potentieller AfD-Wähler um gut vier Prozentpunkte. Das gesamte Potential für die AfD innerhalb der Anhängerschaft von anderen Parteien würde so um neun Punkte auf insgesamt 13 Prozent wachsen. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Fragen von Koalitionsfähigkeit und im Falle von weniger Skandalen.

Mehr potentielle Wähler liest sich zunächst gut, sagt aber bedauerlicherweise nicht viel aus. Denn »potentielle Wähler« sind eben nur potentiell Wähler und vier Prozentpunkte Anstieg ebenjener Klientel ist empirisch betrachtet eine vernachlässigbare Größe, wenn man hochrechnet, wieviel Prozent von ihnen dann tatsächlich die Union verabschieden würden und was das in Zahlen aussagen könnte.

Vor allem aber, und dies dürfte der entscheidende Einwand sein, wird nicht im selben Atemzuge gefragt, wieviele tatsächlichen AfD-Wähler diesen für Unions-Gemüter notwendigen Kurswechsel der Partei mit Wahlenthaltung beantworten würden, so daß am Ende für die AfD sogar ein Verlustgeschäft stehen könnte. Aufgrund dieses Mankos verpufft die Erhebung ohne aussagekräftigen Wert im Nichts.

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Während die AfD in Umfragen zwischen 9 und 12 Prozent stagniert bzw. leicht schrumpft, kann der Rassemblement National (ehemals Front National) in Frankreich mit seiner Coronapolitik (u.a. Lockdown für große Konzerne und Märkte, kein Lockdown für Einzelhandel im kleineren und mittleren Segment etc.) die Menschen zunehmend für sich einnehmen.

Marine Le Pen, so entnimmt man Klaus-Dieter Frankenbergers Kommentar »Sehnsucht nach Le Pen« aus der FAZ (v. 23.2.2021),

kann sich im Glanz guter Umfragewerte sonnen. Das spiegelt die Unzufriedenheit vieler Wähler mit dem Krisenmanagement des Präsidenten Macron und mit dessen Regierungsstil. Doch reicht die Unzufriedenheit offenbar tiefer. Viele Wähler hadern generell mit dem Zustand des Landes, mit dem politischen System und damit, wie die Politik mit Islamismus und Terrorismus umgeht.

Und Michaela Wiegel, Paris-Korrespondentin, sekundiert ihrem außenpolitischen Kollegen am selben Tag in selbem Publikationsort (»Wenn Le Pen Präsidentin ist«):

Die 52 Jahre alte Präsidentschaftskandidatin hat beste Aussichten, sich im nächsten Frühjahr für die entscheidende Wahlrunde zu qualifizieren. Die Corona-Pandemie hat die letzten Überbleibsel der Aufbruchsstimmung zerstört, die Emmanuel Macron nach seinem Einzug ins Elysée 2017 verbreitete. Die Gesundheitskrise legt offen, wie viele Franzosen die Ideen Le Pens von Abschottung, Schutz und Rückbesinnung auf die Nation teilen.

Die konstante grundsätzliche und authentische Oppositionsarbeit Marine Le Pens und ihrer sozialpatriotischen Partei scheint sich auszuzahlen. Begünstigt wird ihr Umfragehoch sicherlich durch folgende Zahlen:

65 Prozent de Franzosen halten die politisch Verantwortlichen ihres Landes für korrupt. Unter den deutschen Befragten sind es 42 Prozent.

Und: 44 Prozent der Franzosen sprechen sich, so faßt Wiegel eine internationale Umfrage zusammen, dafür aus, »sich stärker vor der Welt zu schützen«:

19 Prozent wollen eine größere Öffnung. Unter den deutschen Befragten plädieren 51 Prozent für wirtschaftliche Weltoffenheit.

Auch Kritik an Partizipationsmöglichkeiten für das Volk am demokratischen Prozeß kann der Rassemblement National geschickt nutzen:

Die Wut über mangelnde politische Teilhabe könnte Le Pen zugutekommen, die sich geschickt als Anwalt der "Vergessenen" profiliert.

Wir erinnern uns an dieser Stelle an die eingangs besprochene Repräsentationslücke, die die AfD schließen sollte und die Wagenknecht durch ihren anvisierten linkspopularen Neuanfang schließen könnte (wenn ihre Partei sie denn ließe, und sie läßt sie nicht).

Eine authentische Oppositionskraft mit Gestaltungs- und Veränderungsanspruch à la longue ist zunächst die Stimme der autochthonen Vergessenen, Ungehörten, Verdrängten, Überstimmten, Ignorierten, Verlachten, Unzufriedenen.

An Gewinner der jetzigen Verhältnisse – heruntergebrochen: des Globalismus – kann man herantreten, wenn sie durch baldige Krisenerfahrungen neue Erkenntnisse gewonnen haben dürften.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (80)

RMH

25. Februar 2021 18:18

Bei dem, was man gerade über den Entwurf für das Wahlprogramm der AfD zur Bundestagswahl 2021 lesen kann, finde ich wenig Neoliberales und viel Bodenständiges und Soziales.

So will die AfD in den Wahlkampf ziehen (jungefreiheit.de)

Ich würde zwar gerne Wissen, was unter der Pudding-Formulierung "Entschlackung des Arbeitsrechts" genau gemeint ist, aber im Kern ist das Programm doch gar nicht so weit weg von dem, was B.K. oben fordert.

Die Forderung „Wir wollen ein Land von Wohnungseigentümern werden“, halte ich bspw. für etwas sehr substantiell Wichtiges.

starhemberg

25. Februar 2021 18:50

Eine interessante und anregende Analyse. Der letzte Satz ist herrlich.

Glast

25. Februar 2021 19:00

Präzise Vivisektion durch Kaiser. Wie immer. Patzelt ist für mich nicht mal liberal-konservativ (was auch immer das sein soll), sondern ein genuin Liberaler. Daher wundert mich nichts an seinen Ausführungen hinsichtlich der AFD. Zudem habe ich bei ihm stets das unbestimmte Gefühl, dass er seine Spielchen treibt. Er ist vielleicht weniger ekelhaft als der Rest der CDU, mag sein. Aber er bleibt ekelhaft. Genau wie Bosbach. 

"Die konstante grundsätzliche..." der RN - hier ein Widerspruch meinerseits. Le Pen hat verschiedene Posten und Positionen abgeräumt und ihre politische Meinung beispielsweise zur EU um 180° geändert. 

Lotta Vorbeck

25. Februar 2021 19:54

@Glast - 25. Februar 2021 - 07:00 PM

"Le Pen hat verschiedene Posten und Positionen abgeräumt und ihre politische Meinung beispielsweise zur EU um 180° geändert."

---

+ In der Madame Der Stift schlägt eben das Herz eines Franzosen. Und aus der Perspektive eines Franzosen betrachtet, ist es doch von Vorteil, wenn die Staatskasse über den Umweg Brüssel weiterhin von denen, die sich in diesem famosen EU-Club immer darum reißen, zahlen zu dürfen, gefüllt wird.

+ Dieselbe Madame Der Stift war es, die vor ein paar Jahren ihren eigenen Herrn Vater beiseite räumte, um ihn vorzeitig als Parteianführer zu beerben.

Niedersachse

25. Februar 2021 20:40

Früher oder später wird die Linkspartei komplett marginalisiert sein, auch und gerade im Osten der Republik. Die letzten Wahlen 2019 haben das ja schon klar angedeutet und dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Das ist die logische Folge einer Politik, die sich - ähnlich der SPD - komplett von den Lebenswirklichkeiten, den Wünschen, Sorgen und Nöten ihrer einstigen Klientel abgewandt hat. Die "woke" urbane Schicht aus Akademikern, Journalisten, Bloggern, Startup- Gründern werden verstärkt die grüne Pest wählen, insbesondere in den Nobelvierteln von westdeutschen Großstädten. In den nicht mehr ganz so neuen Bundesländern, wird sich ein immer größer werdender Anteil ehemaliger Linkspartei- Wähler der AfD zuwenden. Nicht zuletzt hat die Linkspartei überall dort, wo sie in Regierungsverantwortung steht (Thüringen) oder daran beteiligt ist (Berlin) bewiesen, dass sie den verhängnisvollen bürgerfeindlichen Kurs der Altparteienkaste mitgeht und sogar noch radikaler ausgestaltet. Das muss nicht bedeuten dass das immer und bei jeder Wahl geschieht, schließlich entscheidet ja nicht nur die politische Großwetterlage sondern auch örtliche Spezifika gerade auf kommunaler Ebene.

heinrichbrueck

25. Februar 2021 20:41

„Es haben viele Mitglieder und Anhänger der AfD anscheinend noch nicht begriffen, daß eine strikte Trennung von Regierungskritik und Systemgegnerschaft die Voraussetzung politischer Freiheit ist.“

Antwort: „Der zweite Halbsatz klingt politikwissenschaftlich korrekt und ist es auch.“

Was heißt „politische Freiheit“? Es gibt wohl keine Regierung in dieser Welt, die nicht diktatorisch regieren würde. Oder wie soll das Wörtchen „regieren“ definiert werden?

Welchen Sinn hat das Systemwort „politikwissenschaftlich“, wenn die Politikwissenschaftler es nicht wissenschaftlich schaffen können, die Machtverhältnisse in der Welt korrekt wiederzugeben? Es kann demokratische Regierungskritik betrieben werden, ganz sicher im Sinne der Politikprofessoren, ohne einen Machtwechsel der Systemregierung erreichen zu können. Die beiden sind nicht identisch, auch wenn der Professor unterstellt, der Filialleiter wäre der Konzernchef. Ob auf der strukturellen oder strukturlosen Ebene, es bleibt eine Frage der überparteilich steuernden Ideologie. Ohne Systemgegnerschaft keine Regierungskritik. Patzelt ist ein Demokrat der BRD, also ist Merkel die gewählte Regierung. Seine Denkpositionen sind klar vorgegeben.

Die Verfassungsordnung als juristische Träumerei, spiegelt nicht die Verfaßtheit der BRD (= Wirtschaftsstandort einer Weltbevölkerung, GG). Die Systemregierung hat alle mediengesteuerten Wähler im ideologischen Sack, wer auch immer demokratische Regierungspartei spielt.

Gustav Grambauer

25. Februar 2021 20:58

"einstige Peter-Hacks-Schülerin"

Stimmt nicht. Hier

https://antaios.de/detail/index/sArticle/117192

kann man nachlesen, wie bitter entäuscht Hacks war, daß sie eine solche eben nicht wurde, nicht mal probeweise. Die Wagenknecht hat ihm nur Körbe gegeben. Schlechtes Teimimg: er kam zu spät, er kam bei ihr mitten in die Phase hinein, in der sie sich von ihrer Ziehmutter Brombacher abgenabelt, somit den sogenannten Stalinismus hinter sich gelassen und mit dem Halbweltwindhund Niemeyer "neue Erfahrungen gesammelt" hat. Da half Hacks alles Zirzen nichts mehr. Schernikau, den er als seinen Schüler aufzubauen begonnen hatte, war ihm sogleich weggestorben - Hacks blieb ohne Genetiker.

Der oben verknüpfte Briefwechsel dürfte ein Schmaus für Lotta Vorbeck, H. M. Richter et al. sein.

- G. G.

Glast

25. Februar 2021 21:57

@LottaVorbeck

Ich bin da auch nicht blauäugig bzw. naiv was die Stifte und Salvinis angeht. Wir haben halt gemeinsame Feinde. Aber ich glaube mitnichten, dass die auch nur eine Sekunde zögern würden  uns über die Klinge springen zu lassen und damit meine ich sowohl die BRD als auch Deutschland. 

Nordlicht

25. Februar 2021 22:56

@RMH "... ein Land von Wohnungseigentümern werden ..."

Das ist ein wesentlicher Unterchied zu der linken "sozialen" Programmatik, die auf massenhaftes Mieten in möglichst grossen Gebäuden setzt, dabei sollen dann staatliche Wohnungsvermittlung und -vemietung eine wesentliche Rolle spielen. Das macht die Menschen vom Staat abhängig. Wie in der DDR eben.

Ich würde gerne weiter gehen und für "ein Land von Hauseigentümern" werben. Sicherlich gäbe es Flächenprobleme, wenn jeder ein Einzelhaus mit >800 qm Grundstück hätte, aber die Holländer haben gezeigt, dass geschickt versetzt gebaute Reihenhaus-Siedlungen weniger Flächen verbrauchen als Hochhäuser oder die 4-Geschoss-Blockrandbebauung.

Das letzte Jahr hat gezeigt, wie wichtig ein Haus mit eigenem Garten ist. In einer städischen Etagenwohnung wäre ich unter diesem Corona-Regime verrückt geworden.

 

 

Laurenz

26. Februar 2021 00:54

@BK & starhemberg (1)

Wieder mal 1A.

Man kann sich natürlich mit Patzelt auseinandersetzen, aber man muß es nicht. Nach dem Abgang von Steinbach & Bosbach, ist Patzelt der letzte Mohikaner der einstigen CDU, den man sich als Hofnarren oder Klaun hält, um im konservativen Milieu noch irgendwie Flagge zu zeigen. Aber zu melden hat er 0.

Wagenknecht hat, wie Sie, BK, oder auch manche von uns, erkannt, wo Wählerstimmen für eine potentielle Volkspartei, so leicht wie noch nie, zu holen sind.

Die Zahl der "Nicht-Repräsentierten" steigt doch wegen Verarmung von Jahr zu Jahr und wird (leicht zu prognostizieren) weiter steigen. In den nächsten 30 Jahren werden die geburtenstarken Jahrgänge alle in den 60ern, 70ern & 80ern erwirtschaftete private Substanz wegen wertloser Renten aufbrauchen. Für die Kinder & Enkel meiner Generation wird nichts übrig bleiben.

Laurenz

26. Februar 2021 01:09

@BK & starhemberg (2)

Daß die Parteien der Einheistfront ausnahmslos & strikt auf Minderheiten-Repräsentation setzen, hat einen Hintergrund. Gerade ehemals linke Parteien (SPD/Grüne/Linke) wünschen keine wohlhabenden & selbständigen Bürger, sie wünschen sich vom Staat abhängiges Prekariat, eigentlich wie zu den härtesten Zeiten der Sowjetunion, nur die Mittel sind virtueller.

Daß Wagenknecht hier ausschert, hat mit ihrem Machtinstinkt zu tun. Sorgen bereitet eigentlich nur, daß die liberalen Weichspüler der Meuthen-Bande auch nur Minderheiten-Repräsentation wünschen. Das weckt kolossales Mißtrauen in die schnell schmelzende Integrität dieser Leute.

Insofern hat vor allem @starhemberg den Artikel einfach & richtig verstanden.

Das zentralistische Frankreich erodiert schneller als wir, die wir folgen. So, wie Macron die alten Parteien weggefegt hat & Le Pen Macron wegfegen wird, so wird das bei uns in 5 - 10 Jahren auch passieren. Von der CDU oder der SPD wird nichts übrig bleiben, wenn die selbst geschaffenen Krisen nicht mehr zu kaschieren sind.

Und wenn die AfD diese Chance nicht wahrnimmt, wird es jemand anderes tun.

Imagine

26. Februar 2021 02:50

2/5

Hätte es die SED-Nachfolgepartei, die sich dann in PDS und später in „Die Linke“ umfirmierte, nicht gegeben, was wäre dann in den letzten 30 Jahren politisch anders gelaufen? Nichts.

Bei der Massenimmigration haben sich die Mitglieder und Wähler der Linken und Grünen zu nützlichen Idioten des Kapitals gemacht, wobei aber nicht übersehen werden darf, dass die Ultra-Doofen bei den Schwarzen und Gelben zu finden waren, angeführt von „Mutti“.

All das, was es nach dem WK II in Deutschland an oppositionellem politischem Aktivismus gab, hat die Politik des Kapitals nicht wesentlich beeinflussen können, weder links noch rechts, geschweige denn eine grundlegende Gesellschaftsveränderung erreichen können.

Am Verlauf des Gesellschaftsprozesses haben die oppositionellen Kräfte nichts verändern können, allenfalls sind sie als politisch-kulturelles „Überbauphänomen“ durch Symbolpolitik in Erscheinung getreten, und zwar rechts wie links.

Das wirft soziologisch die Frage auf, warum die westlichen Nachkriegsgesellschaften im US-Imperium so strukturstabil sind?

Imagine

26. Februar 2021 02:51

3/5

Mein Großvater, geboren ums Jahr 1885, hatte vier Gesellschaftssysteme (Kaiserreich, Weimarer Republik, Faschismus, BRD) und zwei Weltkriege erlebt.

Er hat alles verloren, was er sich in seinem Leben aufgebaut hatte. Er wurde aus seiner schlesischen Heimat vertrieben, er verlor sein Haus, das er als Bergmann mit Nebenerwerbslandwirtschaft mit harter Arbeit und Sparsamkeit erworben hatte. Völlig verarmt kam er nach der Flucht im Westen an und war froh, dass seine Frau und seine beiden Kinder die Nazis, den Krieg, die Russen- und Polenherrschaft überlebt hatten. Dabei hatte er Glück, dass besoffene Russen, die aus Willkür auf ihn geschossen hatten, ihn nicht getroffen hatten. Noch schlimmer als die Russen waren nach seinen Erzählungen die Polen gewesen.

Nach dem Abi 1967 glaubte ich, dass es für unsere Generation eine positive gesellschaftliche Entwicklung zu mehr Freiheit, Demokratie, Gemeinwohl und Fortschritt geben würde.

Aber bereits in den 70-er Jahren wurde es deutlich, dass die Aufwärtsbewegung aka Prosperitätsphase des Kapitalismus zu Ende war und dass es nun gesellschaftlich abwärts gehen würde. Schon in den 70-er Jahren wurden die zunehmende Entsolidarisierung und die „Ellenbogengesellschaft“ kritisiert und beklagt.

Imagine

26. Februar 2021 02:52

4/5

Den historisch und marxistisch Gebildeten war schon damals klar, dass wir uns wieder in Richtung einer Zivilisationskatastrophe bewegen würden.

Aber anders als in der Zwischenkriegszeit waren die politischen Verhältnisse stabil, auch wenn sich die ökonomische Situation der Arbeitsbevölkerung kontinuierlich verschlechterte.

Vom Mainstream der Sozialwissenschaften wurde und wird es nicht thematisiert, dass der wissenschaftlich-technische Fortschritt auch im Bereich der Herrschaftstechnologien, der Systemsteuerung und –erhaltung so gewaltige Fortschritte gemacht hat, so dass eine „Revolution von unten“ nicht mehr möglich ist.

Das ist keine ganz neue Erkenntnis, Ossip K. Flechtheim hat dies bereits in seinem Buch „Futurologie. Der Kampf um die Zukunft.“ (1970) formuliert. Ich habe das Buch von ihm persönlich signiert in seinem Büro am OSI erstanden.

Nach der totalen Niederlage der linksrevolutionären Bewegung Mitte der 70-er Jahre war klar, dass dieses System nicht voluntaristisch von innen heraus überwunden werden kann.
 

Was nicht zwangsläufig bedeutete, dass das Endstadium menschlicher Geschichte erreicht wurde, sondern dass die alten Revolutionstheorien von Marx, Engels, Luxemburg, Lenin, Trotzki, Mao, Che Guevara et al. obsolet und museumsreif geworden waren und nun die Aufgabe bestand, gesellschaftliche Transformation neu und anders zu denken

Imagine

26. Februar 2021 02:54

5/5

Mitte der 70-er hörte ich Herbert Marcuse (*1898  † 1979) im Audi Max der Uni Frankfurt und er betonte damals mehrmals und eindringlich, dass wir uns nicht in einer revolutionären Situation befinden. Diese ist in dem letzten halben Jahrhundert nicht eingetreten und wird m.E. auch nicht eintreten, solange bis sich eine konkrete Alternative in Form eines besseren und überlegeneren Systems in Konkurrenz dazu entwickelt.

Das herrschende System wird daher vermutlich die nächsten Jahrzehnte weiterhin strukturstabil bleiben, auch wenn es „von oben“ immer mehr immer mehr in Richtung eines plutokratischen Neo-Feudalismus (konter)revolutioniert wird.

Das Aufkommen einer neu-rechten Bewegung hat an den herrschenden Strukturen nicht und an den Machtverhältnissen nichts verändert. Das geht es dieser Bewegung wir der linken, sie ist auf die Gesellschaftsgestaltung politisch einflusslos. Die Aktivisten werden älter und alt, von der „Sezession“ wird es die Nummer 200, 300 … geben.

An den gesellschaftlichen Strukturen wird sich – so meine Annahme - in absehbarer Zeit vermutlich nicht viel ändern, auch wenn eine Marine Le Pen französische Präsidentin werden würde. So wie ein J.F. Kennedy daran nichts ändern konnte.

RMH

26. Februar 2021 07:14

"Aber ich glaube mitnichten, dass die auch nur eine Sekunde zögern würden, uns über die Klinge springen zu lassen und damit meine ich sowohl die BRD als auch Deutschland."

Das ist quasi conditio sine qua non, wenn man dort zur Präsidentschaftswahl antritt.

Machen wir uns nichts vor, es gibt keine Freunde im Politischen, nur Zweckbündnisse auf Zeit, die durch zum Teil gleiche oder auch nur parallele Interessen begründet werden. Und bei unseren sog. "Nachbarn" hat Deutschland nie Freunde, denn das über Deutschland spotten, es sogar hassen etc., ist wiederum Teil der eigenen nationalen Identität dieser "Nachbarn". Da wird keine deutsche Regierung groß etwas ändern können, egal, wer "dran" ist.

Dennoch wäre eine tatkräftige, charismatische Frau an der Spitze einer patriotischen Bewegung sehr "zweckmäßig".

Wagenknecht ist keine Frau für die Spitze einer politischen Bewegung, da sie eben nicht den "Vater" abserviert hat, sondern eine Vaterfigur sogar geheiratet hat.

Wir hatten Petry, die aber im eigenen Netz der Intrigen kleben blieb und haben A. Weidel. Letztere hat brillante Momente, gerade als Rednerin im Bundestag, aber wo ist die "Wingwoman"?

Benedikt Kaiser

26. Februar 2021 08:13

@Gustav Grambauer:

Danke für die Ergänzung. Allerdings belegt just der von Ihnen genannte Briefwechsel mit Thiele, welche Enttäuschung Hacks schließlich das Verhältnis zu Wagenknecht bescherte – weil vorher über eine gewisse Episode eben Hoffnung dominierte.

In seinen Marxistischen Hinsichten beschreibt Hacks selbst die ersten Zusammenkünfte über Jahre hinweg (Wagenknecht eindeutig in der »Schüler«-Rolle) und die Hoffnung, die er in Wagenknecht setzte. Auch in der Hacks-Bio faßt Ronald Weber diese höchst interessante Beziehung zusammen. Also: Ja, am Ende stand Enttäuschung, aber auch ja, Wagenknecht ging viele Jahre in Hacks' Lehre. Die Begeisterung für Goethe, die Klassik, einen nicht-gleichmacherischen Sozialismus, die spezielle Sicht auf Ulbricht und die DDR bis 1971, die kategorische Absage an das, was mit Honeckers Coup verbunden werden kann bis hin zum Untergang der DDR 1989/90 und die opportunistischen Verhaltensweisen vieler SED-PDSler ... das waren die entscheidenden Berührungs- und Austauschpunkte. 

Glast

26. Februar 2021 09:28

@RMH 

Natürlich ist da eine grundsätzliche Abneigung seitens Frankreich gespeist von einem ekligen Minderwertigkeitsgefühl. Und wenn Deutschland irgendwann die Hoden der großen Nation (ihren Flugzeugträger) nicht mehr über Brüssel finanziert, dann werden die auch wieder richtig stinkig. Wer wirkliche europäisch-freundschaftliche Zuneigung erfahren möchte, der halte sich lieber an Länder wie Bulgarien und ihre liebenswerten Menschen. Mit denen kann man sich wenigstens über die Geschichte austauschen und erfährt echte Wertschätzung. Gilt für mich sowohl auf der individuellen Ebene als auch der Ebene der Vernetzung. 

Hartwig aus LG8

26. Februar 2021 10:12

Sehr informativ und gut geschrieben. Die ganze Rubrik, aber Teil 8 ganz besonders-

Laurenz

26. Februar 2021 10:29

@Glast & RMH 

Danke, daß Sie meine Position gegen unsere "blauäugige" Mitforistin @limes aus dem letzten TLW-Artikel unterstützen.

@BK & Gustav Grambauer

Wie dem es auch hackt oder sei, den größten Einfluß auf aktuelle politische Positionen Wagenknechts wird der Narziß Lafontaine haben. Ein ähnlich guter Schüler, wie FJS, fühlt sich dieser, wie auch letzterer, allen anderen überlegen.

Laurenz

26. Februar 2021 10:33

@Imagine (1)

Auch wenn meine Großväter, 1900 & 1908 geboren, nicht aus dem Osten flohen, bleibt die Lebensgeschichte dieser Generationen, wie die meisten, auch der Ihres Großvaters ähnlich. Mein älterer Großvater war sogar in beiden Weltkriegen Soldat.

Und immer Vorsicht bei den Interpretationen, Imagine. Die 6 Friedensjahre bei den Nationalsozialisten waren leichter zu überleben, als die 14 Jahre Weimarer Republik & warum ist das so?

Das gilt sogar für meine Familie, die mehrheitlich in fundamentaler Opposition zu den Nationalsozialisten stand.

Und bei den 6 Kriegsjahren unter den Nationalsozialisten wissen wir keineswegs, ob sie unter einer anderen Reichsregierung nicht stattgefunden hätten. Ich denke, unwahrscheinlich. Das schreiben Sie im Grunde sogar selbst.

Hier unterscheidet sich die heutige Welt von damals. Die heutigen "Schurkenstaaten" Rußland & China sind wesentlich größer, mächtiger als die damaligen - Deutschland & Japan.

Laurenz

26. Februar 2021 10:47

@Imagine (2)

Was man "Rechten" und auch "Linken", wie Ihnen, vorwerfen muß, sie sind sich zu fein für die Drecksarbeit.

Nur wenige der 11.000 kommunalen Parlamente Deutschlands sind Berufsparlamente, wie Frankfurt am Main, oder Deutschlands politischer Luxus-Stadt Nummer 1, Bremen. Auf der lokalen Eebene findet die Arbeit statt. Bei der Freiwilligen Feuerwehr hört das gerade auf, zu funktionieren.

Daß wir hier heute als "Rechte" gelten, ist ja weniger auf unserem Mist gewachsen, sondern vielmehr die Definition unserer, die Freiheit hassenden, politischen Gegner.

Die Nationale & Internationale Einheitsfront ist im Grunde extremistisch. Wir waren es nie. Ich kann Ihnen nur empfehlen, unterschätzen Sie, trotz der kleinen Auflage der Sezession, nicht das Bewußtsein. Unser Bewußtsein steht im Raume. Es existiert.

RMH

26. Februar 2021 11:08

@Glast,

Die alten Bündnisräume aus vor 1918 und teilweise vor 1945 wirken trotz WK II positiv nach. Ungarn, Slowakei wären noch - aber nicht abschließend - zu erwähnen.

Nachtrag zu meinem letzten Betrag oben:

Was scherzhaft klang, war ernst gemeint. In der AfD brauchen die, die sich einst Flügel nannten, dringend  Frauen, die deutlich als Führungspersönlichkeiten erkennbar sind. Das erklärt auch die Sympathie mancher Rechter für Frau Wagenknecht. Da ist eine große Lücke bei den Rechten.

Benedikt Kaiser

26. Februar 2021 11:28

@Laurenz: 

Wie dem es auch hackt oder sei, den größten Einfluß auf aktuelle politische Positionen Wagenknechts wird der Narziß Lafontaine haben.

Selbstverständlich; die Hacks-Kiste betrifft nur ihre Prägung und weltanschauliche Herkunft. 

Imagine

26. Februar 2021 11:57

1/3

Junge Menschen gehen mit idealistischen Zielen in die Politik. Sind sie dort erfolgreich, dann verhalten sie sich rollenkonform, um nicht ihren sozialen Status und ihre Privilegien zu verlieren.

Gerd Schröder kenne ich noch aus unserer gemeinsamen Juso-Zeit. Er wäre sicherlich Sozialist geblieben, wenn er damit Karriere hätte machen können. Aber in der SPD kann man nur auf dem rechten Flügel wirklich Karriere machen. So wechselte dann Schröder von Linksaußen auf Rechtsaußen.

‎Winfried Kretschmann war Maoist und KBW-Aktivist gewesen und betet heute für Merkel.

Andrea Fischer war Mitglied der Gruppe Internationale Marxisten (GIM) gewesen, wechselte dann zu den Grünen und wurde Bundesministerin für Gesundheit.
Später wurde sie Lobbyistin für die Nahrungsmittelindustrie und die Pharmaindustrie..

Es mag ja sein, dass der kommunistische Idealismus der jungen Sahra Wagenknecht auf echter Überzeugung basierte. Aber schnell wurde sie zur wichtigen Politfigur in der SED-Nachfolgepartei. Denn ihre Funktion als „schöne Kommunistin“ war, die Alt-Kommunisten als Beitragszahler und Wähler an die Partei zu binden.

 

Imagine

26. Februar 2021 11:58

2/3

Als diese Alt-Kommunisten altersbedingt verstarben oder als Parteimitglieder und Wähler immer irrelevanter wurden, schwenkte Wagenknecht auf den sozial-demokratischen Gysi-Kurs. Später verabschiedete sich auch theoretisch vom Marxismus und wurde ordo-liberale Anhängerin der Marktwirtschaft.

Persönlich machte sie eine Riesen-Karriere. Kam ins EU-Parlament und in den Bundestag, wurde Fraktionsvorsitzende und gern gesehener Talkshow-Dauergast.

Über ihre Beziehung mit ihrem ersten Ehemann und dessen „Erwerbstätigkeit“ wurde in den Medien wenig berichtet.
Bei Wikipedia ist dazu zu lesen:
„Im Mai 1996 wurde Niemeyer vom Landgericht Köln wegen Betruges in 46 Fällen zu drei Jahren und vier Monaten Bewährung verurteilt. Die Richter erteilten ihm fünf Jahre lang Berufsverbot als Finanzberater. …
Niemeyer versuchte, sich durch Flucht in die Türkei dem Prozess und seiner sich abzeichnenden Verurteilung zu entziehen. Er wurde auf dem Flughafen Antalya festgenommen, wo er sich in Begleitung seiner damaligen Freundin Sahra Wagenknecht befand.

Gemäß der Kölner Oberstaatsanwältin Regine Appenrodt ist Niemeyer vorbestraft, weil er wegen Kapitalanlagebetrugs zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt wurde.

Ein Jahr nach dem Urteil heiratete er Sahra Wagenknecht.“

Beziehungsweise sie ihn. Etwas seltsam für eine angeblich überzeugte Sozialistin, jemanden mit dieser Biographie zu ehelichen.

Imagine

26. Februar 2021 11:59

3/3

Die Linkspartei ist politisch hoch diversifiziert, heterogen und widersprüchlich. Die heutige Funktion von Wagenknecht ist, traditionell sozialdemokratisch und patriotisch orientierte Mitglieder und Wähler zu binden.

Aber zunehmend gerät W. in Konflikt mit dem Mehrheitskurs der Linkspartei.
Auf dem Parteitag der Linken 2016 wurde W. von „antifaschistischen“ Aktivisten mit einer Torte beworfen.

Mit dem Projekt „Aufstehen“ wollte 2019 Wagenknecht ihre Position verstärken, aber sie war politisch zu inkonsequent und zu wenig bereit, mit der Partei in Konflikt zu treten und ihre Karriere als Berufspolitikerin zu riskieren, so dass „Aufstehen“ sich nur als Luftnummer erwies. Anfang 2020 erklärte W. ihren Rückzug aus dem Fraktionsvorsitz.

Jetzt kandidiert W. erneut für den Bundestag. Wir werden sie noch einige Jahre in Talkshows als Propagandistin von illusionären alt-sozialdemokratischer Positionen ertragen müssen.

Imagine

26. Februar 2021 13:16

@Laurenz  26. Februar 2021 10:47
Was man "Rechten" und auch "Linken", wie Ihnen, vorwerfen muß, sie sind sich zu fein für die Drecksarbeit.“

Mir selbst kann man dies nicht vorhalten. Als Arzt muss man Tag für Tag „Drecksarbeit“ leisten. Mit Blut, Eiter, Exkremente, nekrotisierenden und stinkenden Körperteilen sowie Leichen haben wir es ständig zu tun. Wer einen helfenden Beruf im Bereich der Krankenversorgung wählt, weiß, was auf ihn zukommt.

Und wer zu einer wirklichen wissenschaftlichen, politischen, ökonomischen und kulturellen Elite gehören will und nicht nur als protegierter Betrüger, Blender, Dilettant oder Proporzkandidatin hoch kommen will, weiß, dass dazu ein langer harter und steiniger Weg mit hoher Leistungs- und Leidensbereitschaft gehört.

Wer es dorthin geschafft hat und zur wirklichen Elite, dessen Potential wäre vergeudet, wenn man ihn politische „Drecksarbeit“ verrichten. So wie ein Spieler auf Bundesliganiveau in der Kreisklasse vergeudet wäre.

„Die 6 Friedensjahre bei den Nationalsozialisten waren leichter zu überleben, als die 14 Jahre Weimarer Republik & warum ist das so?“

Völlig logisch. Weil man das anarchische marktwirtschaftliche System verlassen hatte und nunmehr der Staat der Organisator der Wirtschaftsprozesse war und für das Überleben der Verarmten, Hungernden und Verelendeten sorgte.

 

Imagine

26. Februar 2021 13:35

@Laurenz   26. Februar 2021 10:47

„Daß wir hier heute als "Rechte" gelten, ist ja weniger auf unserem Mist gewachsen, sondern vielmehr die Definition unserer, die Freiheit hassenden, politischen Gegner.“

Dieser Punkt wäre eine Analyse und Diskussion wert.

M.E. ist es das Resultat einer Selbstdefinition und einer Feinderklärung gegen alles „Linke“. Die „Neuen Rechten“ bezeichnen sich explizit als „rechts“. Und die AfD positioniert sich rechts von CDU/CSU.

arno

26. Februar 2021 13:52

Herzlichen Glückwunsch zu der 100. Ausgabe. Ich habe die Sezession, die immer interessante Artikel enthält, seit 2016 abboniert. Für mich ist die Lektüre Weiterbildung,  Ermutigung und ein Mittel gegen Resignation. Das gilt auch für die Bücher, die ich beim Antaios Verlag bestellt habe.

Laurenz

26. Februar 2021 14:38

 

@Imagine

"Etwas seltsam für eine angeblich überzeugte Sozialistin, jemanden mit dieser Biographie zu ehelichen."

Naja, das Ehepaar Lafontaine-Wagenknecht bezieht Einkünfte aus einem Bundestagsmandat, aus einem Landtagsmandat mit Fraktionsvorsitz, Pension als Ministerpräsident a.D. & wahrscheinlich auch als Bundesfinanzminister a.D., Pension als Bürgermeister von Saarbrücken & später als dessen OB. Das sind im Monat mehr als 30k Euro, eher an die 40k. Damit kommt man so einigermaßen über die Runden & braucht alten Omas keine Lebensversicherungen oder Schneeballsysteme mehr verkaufen, selbst dann, wenn man Pensionen ausgesetzt sein mögen.

Wagenknechts Ex-Fraktions-Co.-Sprecher Dietmar Bartsch war Schatzmeister der SED, als das Parteivermögen unter Gysi außer Landes geschafft wurde. Man ist da bei der Linken in guter Gesellschaft. Iosif Vissarionovič Džugašvili, genannt Stalin, organisierte im frühen 20. Jahrhundert Banküberfälle, bei denen auch mal über 40 Mann drauf gingen.

Ich erachte es als Fehler von Wagenknecht bei der nächsten BTW anzutreten. Ohne Wagenknecht besteht die Gefahr für die Linke, unter 5% zu fallen. Besser kann man seine Eminenz nicht beweisen.

Laurenz

26. Februar 2021 15:06

@Imagine @Laurenz

"Die „Neuen Rechten“ bezeichnen sich explizit als „rechts“. Und die AfD positioniert sich rechts von CDU/CSU."

Was bleibt ihr auch anderes übrig, um sich zu distanzieren? Auch die AfD wurde nie gefragt.

Heute rechts von der CDU hieß früher rechts von der SED, ist also nicht einmal ein Kunstgriff.

Der gesamte Planet ist nach Definition unserer NomenKlatura rechtsextrem!, wenn man mal vom sogenannten Westen absieht.

Die USPD oder auch Stalin benutzten für Sozis den Begriff "Sozial-Faschisten", ein Begriff, den der Politologe BK zB nicht mag.

Dr. Karl Becker war der Hausarzt meines Vaters, auch dann noch, als Er im Bundestag saß. Kohl legte wert auf Becker, weil er seinerzeit der einzige Arzt im Bundestag war.

Dank Neo-Stalinist Lauterbach, wird die Berufsbezeichnung Arzt bald ein Schimpfwort sein.

Den Arzt, Imagine, habe ich Ihnen übrigens noch nie abgenommen, dazu sind Ihre diesbezüglichen Beiträge nicht profund genug. Macht aber auch nichts. Verlagsmitarbeiter a.D. in irgendeinem linken Rotzverlag würde besser passen.

Imagine

26. Februar 2021 15:09

Nachtrag – sollte als „1/5“ oben am Anfang stehen und ist zum Verständnis wichtig, kam aber offensichtlich nicht an.:

1/5
Mit über 50 Jahren Erfahrung als politisch – wiederholt auch parteipolitisch – engagierter Mensch ist mein Eindruck, dass idealistische politische Aktivisten ihren Einfluss auf den Verlauf des Gesellschaftsprozesses in der Regel völlig überschätzen.

Die APO und die damit verbundene 68-er-Bewegung der Studenten und Intelligenzschichten hatten bestenfalls die Funktion eines Katalysators auf Innovationsprozesse, die längst im Gange waren und auch ohne die „68-er“ realisiert worden wären.

Auch die „Grünen“ haben nur die in den Thinktanks des Establishments (s. z.B. Club of Rome) konzipierten Ziele und Entwicklungen beschleunigt. Das war vor allem da Greenwashing von Austeritätspolitik. An den Herrschafts- und Vermögensverhältnissen hat sich durch die Grünen wenig verändert.

Das Gleiche gilt für den Feminismus und den Multikulturalismus, womit Akzeptanz für die Integration von Frauen und Mütter in die Lohnarbeit sowie für den Import ausländischer Arbeitskräfte hergestellt wurde.

Was zehntausende politischer Aktivisten in den 70-er Jahren in den K-Gruppen machten, war nur Politsimulation und ein Nachspielen längst untergegangener Zeiten und Bewegungen. Sie sahen sich als Revolutionäre, waren aber nur politische Romantiker, deren Politik eine Sackgasse war.

Lotta Vorbeck

26. Februar 2021 15:18

@Glast - 26. Februar 2021 - 09:28 AM

Auch diese von Ihnen angedeuteten freundschaftlichen Verbundenheiten : herzlich empfundenen Abneigungen folgen tiefverankerten Traditionslinien.

 

Imagine

26. Februar 2021 15:59

@Laurenz  26. Februar 2021 14:38
Naja, das Ehepaar Lafontaine-Wagenknecht bezieht Einkünfte aus ….
Das sind im Monat mehr als 30k Euro, eher an die 40k. Damit kommt man so einigermaßen über die Runden & braucht alten Omas keine Lebensversicherungen oder Schneeballsysteme mehr verkaufen, selbst dann, wenn man Pensionen ausgesetzt sein mögen.“

Klar sind die beiden längst in die Schicht der Multimillionäre aufgestiegen.

Zudem hatten beide politische und ökonomische Insiderkenntnisse, die vermögenswirksam eingesetzt werden konnten.

Es ist aber nicht so, dass erworbener Reichtum automatisch dumm und reaktionär macht.

Wagenknecht und Lafontaine sehen durchaus den Wahnsinn, den dieses System produziert.

heinrichbrueck

26. Februar 2021 16:21

Mich würde auch einmal interessieren, was an Revolutionen gut sein soll. Die Franzosen feiern jedes Jahr Französische Revolution. Wer solche Freunde hat, braucht eigentlich keine Feinde mehr. Sie feiern die Unterwerfung der gesamten Nation, und sind stolz auf diejenigen neuen Herren, die dem überforderten König den Kopf abschlugen und Frankreich afrikanisieren. Die Revolutionären sind an der Macht, sie haben das Geld und die Welt. Wer nicht einverstanden ist, darf die Rolle der Königstreuen ausbaden. Das Guillotinieren wird nicht aufhören, bevor diese Revolution gewonnen wurde.

Imagine

26. Februar 2021 16:37

Nach dem WK II waren die USA das freiste, fortschrittlichste und wohlhabenste Land der Welt.

Sie waren der Schrittmacher für die Entwicklung der kapitalistischen Welt.

Was dort entwickelt wurde, kam Jahre oder Jahrzehnte später nach Europa.

Deutsche Unternehmer gingen in die USA, um zu lernen, wie und womit man schnelles Geld machen und Gewinnoptimierung betreiben kann.

Wissenschaftler, die Karriere machen wollten gingen zum Studium und zu Forschungsaufenthalten in die USA. Das wurde zur conditio sine qua non für Spitzenjobs.

Gerade im Bereich der Sozialwissenschaften hat Europa jene Führungsrolle verloren, die es vor dem WK II noch innehatte. Ein wesentlicher Faktor dabei war die Vertreibung und Emigration von kritischen und jüdischer Wissenschaftlern und Intellektuellen durch die Nazis.

Deutschland hat sich von diesem Verlust an geistiger Substanz nie erholt.

Inzwischen befinden sich die USA im Niedergang und auf dem Weg zu einem „failed state“.

China wird die Rolle einnehmen, welche die USA innehatten.

Wer in Zukunft eine Führungsrolle als Wissenschaftler und Intellektueller erreichen will, so meine These, muss nach China gehen, dort Sprachkompetenz erwerben, studieren und forschen.

Intellektuelle sind die geistigen Leuchttürme einer Gesellschaft. Und an diesen mangelt es hier.

Laurenz

26. Februar 2021 16:54

@Imagine

"Die APO und die damit verbundene 68-er-Bewegung der Studenten und Intelligenzschichten hatten bestenfalls die Funktion eines Katalysators auf Innovationsprozesse, die längst im Gange waren und auch ohne die „68-er“ realisiert worden wären."

Ähm, nein! Der Rassismus, Genderisierung, Verkindlichung der Bildung, Geschichtsfälschung der Alt68er wurde komplett durchgesetzt. Selbst Kanalarbeiter, wie Müller oder Sarrazin fallen da als "rechts" aus dem Raster. Daß dies in einer westweiten konzertierten Aktion stattfand, schön und gut, macht es aber nicht besser. Alt68er gab es überall, wobei deren Nachfolger immer noch in der Normandie verflossene Siege feiern. Daß geplante Degenerationsprozesse schon älter sind, oder so alt, wie die menschliche Zivilisation, ist ja auch keine neue Erkenntnis und auch hier sind damit viele verseucht.

Die kleinen Nazifundis mit Friedenstaube bei den Grünen wurden einfach intern weggeputscht. Seitdem haben die Grünen doch mit grün nichts mehr zu tun. Und seit ihren real-politischen Pleiten widmen sich die Grünen nur noch nicht-definierten religiösen Themen.

anatol broder

26. Februar 2021 17:29

@ imagine 11:58

nein, wagenknecht ist nicht seltsam, weil sie mit 28 jahren einen betrüger heiratet. sie ist eine gewöhnliche salonkommunistin.

zeitmagazin, 2021, nr 5, sie sucht ihn:

«catch me if you can, aber bitte nicht via tinder. du bist gross, stark und weisst was du vom leben erwartest. ich (berlinerin, 176, 27j) einfühlsam, international, unabhängig, warmherzig und lebenslustig suche partner in crime. lust auf gemütliche abende, englische serien, rezepte ausprobieren oder frische luft mit dem vierbeiner? freue mich auf deine e-mail, gerne auch mit foto, raum berlin: [email protected]***.»

Gelddrucker

26. Februar 2021 18:45

@Laurenz:

 

Der gesamte Planet ist nach Definition unserer NomenKlatura rechtsextrem!, wenn man mal vom sogenannten Westen absieht.

 

Absolut entscheidend. Wenn man es schafft, diese unumstößliche Tatsache einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung klarzumachen, gewinnen wir.

 

Die Vorstellung, dass Türken in Istanbul zur Minderheit werden ist für sicher 90% der Türken absurd und inakzeptabel.

 

Der Transfer auf europäische Gesellschaften, und die Verbreitung dieses Arguments hat oberste Priorität.

Flaneur

26. Februar 2021 20:14

Wagenknecht halte ich für authentisch. Ansonsten erscheint mir bei der Linken Ideologie nur ein inhaltlich weitestgehend austauschbares Mittel zu sein, um sich über andere erheben zu können, sie belehren, gängeln, zurechtweisen, erziehen, bestrafen... zu können. Das Ganze ist natürlich mit einem gewaltigen Maß an Selbsterhöhung verbunden, da es letztlich darum geht, über Selbsterhöhung - gleich Kleinmachen anderer - Selbstbewusstsein zu generieren - suggestiv, aber vor allem auch autosuggestiv. Unsere zeitgeistliche Like-Kultur zielt ja auf nichts anderes: Selbsterhöhung, Selbstheiligung. Retrospektiv betrachtet war Gehlen in seiner Diagnose (Moral und Hypermoral) da prophetisch.

heinrichbrueck

26. Februar 2021 21:34

1. „Deutschland hat sich von diesem Verlust an geistiger Substanz nie erholt.“

2. „Inzwischen befinden sich die USA im Niedergang und auf dem Weg zu einem „failed state“.“

3. „Intellektuelle sind die geistigen Leuchttürme einer Gesellschaft. Und an diesen mangelt es hier.“

Diese Punkte muß man in Kombination denken, dann wird es genial.

Imagine

26. Februar 2021 22:28

1/2

Im YT-Video zu „Sezession 100“ (ab 49:45) sagt Götz Kubitschek zum „Corona Szenario“: „Wir wissen bis jetzt nicht, was da wirklich abläuft! … Klar ist, dass es fürchterlich ist …Das macht mich so verrückt“

Genau hier braucht es Wissenschaft und Theoretiker, die über Methoden verfügen, den gesellschaftlichen Nebel zu durchdringen und Klarheit schaffen. So wie damals Rosa Luxemburg mit ihrer Imperialismustheorie, welche den großen Krieg als zwangsläufige Folge der kapitalistischen Konkurrenz, also der Logik des ökonomischen Systems. erkannte.

Das Weltkriegsgeschehen verlief irrational und wahnhaft, es war autodestruktiv, barbarisierte die Menschen und zerstörte die bürgerliche Kultur.

Das Handeln der Individuen war von unbewussten und pseudorationalen Motiven angetrieben. Mit der Marxschen Theorie allein war dies nicht zu verstehen. Zum Verständnis der psychischen Vorgänge bei der menschlichen Selbstzerstörung bedurfte es zudem der Erkenntnisse der Psychoanalyse. Wissenschaftler wie Wilhelm Reich und Erich Fromm entwickelten die Theorie des Freudomarxismus, welche Politökonomie und Tiefenpsychologie in einen Zusammenhang brachte.

Imagine

26. Februar 2021 22:28

2/2

Die Erkenntnisse der Freudomarxisten beeinflussten die Theoriebildung der Frankfurter Schule, welche jedoch unfähig war, eine Lösungsperspektive zu entwickeln. Horkheimer, Adorno et al. meinten, dass die zerstörerische Logik des kapitalistischen Systems zwar theoretisch erkannt werden könne, aber es unmöglich sei, diese in der Praxis zu überwinden.

Wenn es um Profit geht, werden Recht und Moral ignoriert. Dann werden illegale Kriege geführt, dann betreibt man mit Bombenterror einen Massenmord an Zivilisten, um die Überlebenden als Arbeitskräfte nach gewonnenen Krieg mit Hungerlöhnen profitabel ausbeuten zu können..

Freud meinte angesichts der Irrationalität der Handlungen, kollektiver Wahnbildungen und zivilisatorischer Selbstzerstörungen das Wirken eines Todestriebs zu erkennen.

Aber tatsächlich ist es die Systemlogik, welche in die Barbarei führt.

Ohne marxistische und tiefenpsychologische Theorie – so meine These – kann man die Hintergründe des „Corona Szenarios“ nicht erkennen. Man kann nicht begreifen, warum und wie die Individuen ins Stadium einer kollektiven Psychose geraten sind und warum sie sich nicht daraus befreien können.

Laurenz

27. Februar 2021 01:48

@Imagine & Anatol Broder

"Es ist aber nicht so, dass erworbener Reichtum automatisch dumm & reaktionär macht. Wagenknecht & Lafontaine sehen durchaus den Wahnsinn, den dieses System produziert."

Ja, natürlich. Im BT-Wahlkampf 1990 ließ Oskar sich mit den letzten deutschen Kohle-Kumpels, die man unter der Masse der Türken & Russen finden konnte, ablichten. Nach seinem Abgang '99 sagte er nur 1x & nie wieder: "Ich habe nicht gewußt, wie wenig ein Deutscher Bundesfinanzminister zu sagen hat". Als Saar-Napoleon hatte niemanden interessiert, wie viele Parkbänke er an der Saar genehmigte. Diese Erfahrungen prägten.

"Sie ist eine gewöhnliche Salonkommunistin".

Ist sie schon lange nicht mehr, von daher ist die Aussage mittlerweile falsch. Und genau das wird ihr von den Apologeten der Heiligen Weltrevolution bei der Linken auch vorgeworfen. Hier wird auch BKs Artikel etwas brüchig, wenn es um das Thema Volk geht & Wagenknecht sitzt hier mit Ken Jebsen in einem schwierigen Boot. Oskar hat ihr natürlich gesteckt, daß der favorisierte Sozialstaat nur in weitestgehend indigenen Staaten funktioniert. Das hat sie dann auch so öffentlich formuliert, seitdem ist bei der Linken "Landunter". Und eins muß irgendwann auch Wagenknecht & Jebsen klar geworden sein. Wenn beide nicht Nachkommen 2er großer Kulturvölker wären, wäre eine heutige Existenz beider Persönlichkeiten in der Form unvorstellbar & nicht möglich.

Gotlandfahrer

27. Februar 2021 02:23

1/3

Wenn ich es korrekt überblicke bearbeitet der umfangreiche Artikel vorbildlich und ausführlich zwei Themen. Erstens eine Einladung an Wagenknecht nach dem Motto ey Baby, eigentlich biste ganz heiß, aber auf dem falschen Dampfer. Zweitens das bekannte Lamento, die Lucke-Petry-Meuthen-Rudimente seien so etwas wie männliche Brustwarzen der AfD, also irgendwie da, nach vorn gestellt und als eine erogene Zone gepriesen, aber doch nicht wirklich das, wofür die AfD gebraucht wird. 

Das ist alles bestimmt richtig. Verstetigt doch aber den Kardinalfehler unserer Überzeugungsgesellschaft, dass Parteiprogramme eine Wette im Stimmungslotto der Menschen da draußen im Lande seien.

...

Gotlandfahrer

27. Februar 2021 02:25

2/3

Selbstverständlich gibt es eine Einwirkung der Herrschaft auf das Bewusstsein und damit die Stimmung ergo das Wahlverhalten. Innerhalb dieses Rahmens ist es aber – für diesen Rahmen - völlig wurscht, wie nah oder fern man sich an das Herrschaftsnarrativ bewegt. Es schichtet allenfalls an sich Gleiches innerhalb des Rahmens um. Für einen Umschwung entscheidend ist doch, wie groß das Feld außerhalb des Rahmens ist. Und jetzt kommt mein Punkt: Je größer dieses Feld ist, desto eher wird auch innerhalb des Rahmens das Bewusstsein geändert. Vereinfacht: Je 'rechter' die Stimmung, desto  rechter selbst Die Linke. Verändert sich die Stimmung nicht, ist alles innerhalb des Rahmens ein Nullsummenspiel, da kann die AfD sogar die Grünen links überholen. Verändert sich die Stimmung nach rechts, wird der Durchschnittsdemokrat es ebenfalls tun. Die Gretchenfrage ist also nicht: Wie stellt sich die AfD auf, sondern was beeinflusst die Stimmung? Kann eine Flügel AfD dies? Keine Ahnung

 

Gotlandfahrer

27. Februar 2021 02:26

3/3

Ich befürchte: Sie kann zwar die mit entsprechender Stimmung hinterm Ofen hervorholen, in Summe aber nicht die Gesamtstimmung nach rechts drehen. 
Die Stimmung, unter den gegebenen Bedingungen des Diskursmanagements, kann nur zu Ungunsten der Herrschaftskollaborateure, also zur strukturellen Beeinflussung des Rahmens,  gedreht werden, wenn den Menschen ("in den Gräben") spürbar wird, dass Merkel die Chefanästhesistin in der Handelskette des deutschen Staatsbürgerorganhandels ist. Das schafft weder eine säuselnde noch eine bellende AfD, das merkste nur, wenn überhaupt…, sobald das Skalpell eindringt und aus Kostengründen auf das Betäubungsmittel zu verzichten können geglaubt wird. Was ich sagen will: Lass sie alle sappeln. Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Demokratie ist das Sprachrohr der Macht. Und Macht hängt vom Zugang zu Energie ab, um einen Bogen zum Beitrag von Thomas Hoof in der Nr. 100 zu schlagen.

 

RWDS

27. Februar 2021 09:49

Die Frau heißt Hennig-Wellsow. Vermutlich ein ebenso häufiger Fehler wie Sarah statt Sahra.

Geben wir ihnen nicht den geringsten Angriffspunkt.

RMH

27. Februar 2021 10:57

Frau Wagenknecht äußert sich in ihren unzähligen Talk-Show Auftritten immer dezidiert gegen rechts und befürwortet den vom Staat und seinen Auxiliaren vorgetragenen Kampf gegen die AfD (der bekanntermaßen auch physische Gewalt umfasst). Die Rolle von Frau Wagenknecht ist klar:

Wenn hier einer die - letztlich systemstabilisierende - "populistische" Karte des kleinen Mannes- und abstiegsbedrohten Mittelständler- Verstehers spielt, dann ist das Frau Wagenknecht-Lafontaine und sonst bitte keiner. Schon gleich gar nicht erst Stimmen aus dem rechten Off, die zu unterdrücken sind, um eben diesen "USP" nicht zu trüben.

Der einzige Zweck von Frau W.-Lafontaine ist es, diese Kreise von der Wahl der AfD abzuhalten, intern wird sie von den anderen Linken nicht nur klandestin sondern recht offen gehasst. Zuviel glamour geht bei den Parteigängern des institutionalisierten Sozialneids schon mal gleich gar nicht.

Die berühmte Glaubwürdigkeit ist bei ihr meiner Meinung nach irgendwo in der langen Karriere auf der Strecke geblieben, es sei denn, sie wäre ernsthaft ein Stück weit naiv.

Die AfD wiederum muss keine Wagenknecht-Positionen übernehmen, um gewählt zu werden, so lange sie den AfD- Markenkern des ehrlichen Protests weiterhin verkörpert.

Laurenz

27. Februar 2021 12:19

@RMH (1)

Wagenknecht ist aber nur noch der Patzelt der Linken.

Oskar hat außer ihr keinen Nachfolger gefunden, der reale linke Politik bei der Linken durchsetzen kann.

De Masi hat die Flinte ins Korn geschmissen & wird auf absehbare Zeit weg sein vom Fenster, so spektakulär war sein Abgang nun auch wieder nicht, als daß man sich den außerhalb von Fachkreisen merken müßte.

Und die "Köpfe", (wie zB Alex Neu, der im TV (meist bei RT) nicht nur Schrott schwafelt), welche die Linke noch hat, machen es so, wie Weidel bei der AfD, sie positionieren sich nicht.

Lafontaine'sche Politik einer Volkspartei ist, wie bei allen Parteien aktuell nicht angesagt, wie BK indirekt schrieb, favorisiert man Minderheiten-Repräsentation. 

Hier hat man bei der Linken, bis auf den Nato-Austritt, jegliches Alleinstellungsmerkmal verloren, Wahl-politisch hoch riskant.

Und ich frage mich tatsächlich, was im Kopf von Oskar vorgeht, daß er seine Frau wieder ins Rennen schickt, anstatt mit ihr seine letzten Jahre in der Toskana zu verbringen, & ab & an schlaue Interviews zu geben?

Gysi hält ja auch nur noch den Stuhl im Reichstag warm. Damit sind alle Volkstribune für die Linke verloren. Die ganzen Kippings mit dem Charme von FDJ-Sekretären werden nicht gewählt werden.

Laurenz

27. Februar 2021 12:20

@RMH (2)

Und, RMH, daß sich Wagenknecht, wie alle anderen auch, für den "Kampf gegen Rechts" ausspricht, hat heutzutage noch so viel Brisanz, wie die deutsch-sowjetische Freundschaft hochleben zu lassen. Eine ausgelutschtere Phrase hat es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.

Und allen Einheitsfront-Politikern sieht man auch an, wie sehr sie von ihrem eigenen blöden Geschwätz gelangweilt sind.

Es ist tatsächlich wieder, wie in der DDR, jeglicher politischer Wettbewerb um Wähler ist weggebrochen.

Imagine

27. Februar 2021 12:30

1/3

Sahra Wagenknecht bezieht sich zwar verbal häufig auf Rosa Luxemburg, aber tatsächlich findet sich ein Unterschied ums Ganze.

Für Rosa Luxemburg ist kennzeichnend die Dialektik von Reform und Revolution.

B.K. hat dies sehr treffend als „revolutionäre Reformpolitik“ bezeichnet.

Revolutionen sind  Entwicklungssprünge in der Evolution.

So ist die Marxsche Theorie vom Wesensgehalt eine Theorie menschlicher Evolution, wo der Sozialismus die nächste Evolutionsstufe in der Menschheitsgeschichte darstellt. Sehr deutlich wird dies in Engels Schrift: „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“.

Logischerweise kann es nur dann eine „Dialektik von Reform und Revolution“ geben, wenn die Reformen konkret auf das Ziel einer Gesellschaftstransformation ausgerichtet sind. Dies bedeutet konkret die Überwindung der marktwirtschaftlichen Warengesellschaft in Richtung auf eine Gebrauchswertökonomie.

Historisch am deutlichsten wurde dies bei der Frage der Rüstungskonversion beim Kampf um die Umwandlung des Rüstungskonzerns „Lucas Aerospace“ in eine kreative Produktion für nützliche und sinnvolle Gebrauchsgüter.

Imagine

27. Februar 2021 12:32

2/3

Dies  wurde als „Lucas Plan“ bezeichnet.

Der Ingenieur Mike Cooley hat dies in seinem Buch „Produkte für das Leben statt Waffen für den Tod.“ dargestellt. Theoretisch fundierter ist das Buch von Peter Löw-Beer: „Industrie und Glück. Ein Alternativ- Plan von Lucas Aerospace.“(1981). Dort findet sich auch ein Beitrag von Alfred Sohn-Rethel, wo er die grundlegenden Unterschiede zwischen Tauchwert- und Gebrauchswertökonomie darlegt.

Heute findet sich davon nichts mehr im Bewusstsein von Linken und Grünen. Sie alle sind zu Objekten neoliberaler Gehirnwäsche geworden, die alle konkreten Utopien auf eine bessere Zukunft ausgelöscht hat und zu einem TINA-Denken geführt hat, in dem die kapitalistische Marktwirtschaft „alternativlos“ ist..

An „revolutionärer Reformpolitik“ findet sich bei Wagenknecht – im Gegensatz zu Luxemburg - nichts, sie verbleibt mit ihrem Ordoliberalismus und ihren Umverteilungsforderungen auf der kapitalistischen Evolutionsstufe

Imagine

27. Februar 2021 12:35

3/3

Die „revolutionäre Reformpolitik“ unterscheidet sich ganz wesentlich von dem Revolutionsmodell der Extremisten von links und rechts, also der K-Gruppen mit ihrem leninistischen und maoistischem Revolutionsverständnis und ihrem rechtsextremistischen Pendants.

Bei den Rechtsextremisten finden wir ein analoges Revolutionsmodell. In deren Vorstellung muss es der Bevölkerung immer schlechter gehen, damit sie revolutionsbereit werden. Dann kommt es zu Aufständen und zum Bürgerkrieg, wo die revolutionären Kader die Führung übernehmen und nach dem Sieg und der Machtergreifung können sie eine revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft nach ihren Vorstellungen durchführen.

Linke wie rechte Extremisten legen konzeptionell eine Verelendungsstrategie zugrunde, die in einen Bürgerkrieg führen soll. Von Anfang an ist das Denken auf Feindidentifizierung und quasi-militärische Bürgerkriegsvorbereitung ausgerichtet.

Davon unterscheidet sich grundlegend die Vorstellung einer „revolutionären Reformpolitik“, die allerdings erst dann möglich wird, wenn klare Transformationsziele insbesondere hinsichtlich des ökonomischen Systems entwickelt wurden und als Leitbilder propagiert werden.

Waldgaenger aus Schwaben

27. Februar 2021 18:12

Die  Linke gönnt sich jetzt eine rein weibliche Doppelspitze. Ich wage mal die Prognose, dass alsbald ein formidabler Zickenkrieg GNTM in den Schatten stellen wird und die Linke bei allem Unterhaltungswert nachhaltig(ich liebe dieses Modewort)  unter die Fünfprozenthürde befördern wird, leider nicht schon 2021. Die AfD sollte sich schon mal bereit halten aus der Konkursmasse so manches Schnäppchen zu ergattern.

Laurenz

27. Februar 2021 22:57

@Imagine

Wir alle finden es klasse, daß Sie länger als jede andere die 100. Sezession feiern, aber etwas weniger tief ins Glas schauen, wäre beim Beiträge schreiben schon hilfreich.

"Revolutionen sind  Entwicklungssprünge in der Evolution"

In der Moderne sind 3 Revolutionen als "erfolgreich" bekannt geworden. 

1. Die amerikanische Revolution. Daß sich die Freimaurer die reichste & größte Kolonie König Georgs unter den Nagel rissen, war ein evolutionärer Akt? Dann müßten auch die Amis wohl das schlauste Volk sein. Sie wurden aber das brutalste Volk. Wenn Sie das mit gelungener Evolution meinen, haben Sie Recht.

2. Die Franzmann-Revolution. Sie sind also der Überzeugung, den germanischen Adel des Franzmanns einen Kopf kürzer zu machen, hatte einen evolutionären Erfolg? Bis heute singt der Franzmann platte Freimaurer-Lyrik, und was hat es gebracht? Man hängt am Tropf des Erbfeindes.

3. Die bolschewistische Revolution. Die Bolschewisten brachten einfach jeden Russen um, der lesen und schreiben konnte, ein Blutzoll der Kultur, der bis heute nicht wieder wett gemacht werden konnte. Wenn Sie die Auslese in der Lubjanka betrachtet haben, können Sie Sich ja noch mal melden.

Denn, wenn schon das Fundament Ihres Marxistischen Geschwafels zusammen bricht, sollten Sie vielleicht nochmals den gesamten dreiteiligen Beitrag nüchtern überdenken.

Grobschlosser

28. Februar 2021 08:44

An Gewinner der jetzigen Verhältnisse – heruntergebrochen: des Globalismus – kann man herantreten, wenn sie durch baldige Krisenerfahrungen neue Erkenntnisse gewonnen haben dürften.

-----------

das fröhlich-bunte Gutmenschbürgertum in der großen grauen Stadt am Meer wird inzwischen mit gewaltaffinen Migranten konfrontiert ("da müssen wir achtsam und einfühlsam auf die akuten Probleme reagieren" - nun : das alte Geld hat sich verbarrikadiert , die hochbegabte Jetsetjugend wird gut gegen die Zumutungen der Moderne abgeschirmt - kürzlich traf es den vergeistigten Sohn eines stadtbekannten Radioredakteurs - ein Migrant hatte ihm irgendwo zwischen Deppendorf und Bröseldorf das teure Schlaufon abgenommen - dumm wie der Junge ist hat er den Vorfall im Schulnetz thematisiert - mit absehbaren Folgen ("überprüfe mal deine weißen Privilegien") - die Segnungen der Multikultigesellschaft sind in de westlichen Stadtteilen ungerecht verteilt - "viele Gymnasien sind ganz einfach sehr deutsch" ( so eine tübinger Geschilehrerin ) .

erfrischend wirkt die Coronakrise auf die Hilfstruppen der örtlichen Radio und Fernsehwirtschaft - da gehen Jobs verloren , man verzichtet auf den Langstreckenurlaub , dann aber ist auch die teure Nachhilfe nicht mehr finanzierbar - "der Malte weg - seine Eltern konnten sich unsere Einrichtung nicht mehr leisten " .  Achselzucken ."Ist das London Grammar ? da im Hintergrund ? ja . Wo ist denn der Malte jetzt ? Gesamtschule ? ja . 

Imagine

28. Februar 2021 12:49

@Laurenz   27. Februar 2021 22:57
„Denn, wenn schon das Fundament Ihres Marxistischen Geschwafels zusammen bricht, sollten Sie vielleicht nochmals den gesamten dreiteiligen Beitrag nüchtern überdenken.“

Was Sie als „Marxistisches Geschwafel“ bezeichnen, ist Sozialwissenschaft, die sich mit den Entwicklungsstufen des gesellschaftlichen Wandels befasst.

Mit Ihrem selbstgestrickten und wissenschaftsfernen Gesellschaftsvorstellungen, zudem noch verbalradikal und aggressiv vorgetragen, erscheinen Sie als Personifikation des „Dunning-Kruger-Syndroms“, als Bezeichnung für „die kognitive Verzerrung im Selbstverständnis inkompetenter Menschen, das eigene Wissen und Können zu überschätzen. Diese Neigung beruht auf der Unfähigkeit, sich selbst mittels Metakognition objektiv zu beurteilen“ (Wikipedia).

Lotta Vorbeck

28. Februar 2021 13:11

@Grobschlosser - 28. Februar 2021 - 08:44 AM

"der Malte weg - seine Eltern konnten sich unsere Einrichtung nicht mehr leisten ". Achselzucken . "Ist das London Grammar ? da im Hintergrund ? ja. Wo ist denn der Malte jetzt ? Gesamtschule ? ja

---

... einfach herrlich, wenn sich in der direkten Nachbarschaft beobachten läßt, wie die Gutmöntschen-Bullerbü-Welt zu Staub zerfällt, nur weil die höchstbegabten Wunderkinder vom Schlage dieser Maltes, Hannas, Leons, Lisas, Jonas' und Thorbens nun seit Monaten schon, 24/7 im wärmepumpenbeheizten Smart-Home mit der bis in Scheuerleistenhöhe herabreichenden Thermoverglasung, den zwei SUVs und dem Wohnmobil und dem Quad unterm Carport, der 30.000-Euro-Einbauküche in der niemand kochen kann, mit dem gegenüber der Ledercouch montierten XXXL-Flachbildschirm aufbewahrt und ruhiggestellt werden müssen.

 

Imagine

28. Februar 2021 13:28

@Grobschlosser

Ihrer Infragestellung des Satzes:
„An Gewinner der jetzigen Verhältnisse ... sie durch baldige Krisenerfahrungen neue Erkenntnisse ...".
ist zuzustimmen.

Was ideologische Deutungsmuster oder generell falsche Vorurteile und Glaubensinhalte betrifft, so trifft der Satz: „Aus Schaden wird man klug“ nicht generell zu, sondern ist im Zustand einer total neurotisierten Gesellschaft eher die Ausnahme.

Da – aus Sicht einer kritischen Psychologie – diese Menschen falsche Realitätskonstrukte entwickeln, um sich psychisch zu entlasten und zu entängstigen, sind diese immun gegen Empirie und Aufklärung.

Daher weisen falsche Wirklichkeitskonstrukte wie (politische) Religionen, Vorurteile, Dogmen etc. die Tendenz zur Selbstverstärkung auf.

Auch wenn die Alltagserfahrung zeigt, dass Mutti Merkel Deutschland immer weiter in den Niedergang führt, so wird sie dennoch von ihren Anhängern weitergewählt.

So wie offensichtliches Marktversagen, nicht zu einer Korrektur der Markt-Gläubigkeit führt.

Das Corona-Regime führt offensichtlich – anders als in China – nicht zur Beherrschung der Pandemie und zur Rückkehr zur Normalität, trotzdem macht man mit „Mehr-Desselben“ weiter. Umfasste die „Maskenpflicht“ zunächst nur Mundbedeckungen wie Schals oder Tücher, wurde diese gesteigert auf medizinische Masken und nunmehr zum Teil auf FFP2-Masken. Völlig irrational …
:

Lotta Vorbeck

28. Februar 2021 13:52

@Grobschlosser - 28. Februar 2021 - 08:44 AM

An Gewinner der jetzigen Verhältnisse – heruntergebrochen: des Globalismus – kann man herantreten, wenn sie durch baldige Krisenerfahrungen neue Erkenntnisse gewonnen haben dürften.

-----------

---> Alternative Mathematik | Kurzfilm   [2017]

 

 

Grobschlosser

28. Februar 2021 13:52

re Imagine ; rechte vs. linke Revolutionen - Ihr Beitrag ist wirklich clever weil in der brd nicht widerlegbar ( gut - man könnte Ihnen jetzt knackhart widersprechen , historische Bsp. liefern und geeignete Fragen stellen - dann aber steht übermorgen der brd vs auf der Matte .Nicht jede Revolution konnte vollendet werden - Sie wissen das natürlich ; tagesaktuell sehen wir die Herrschaft einer immer unverschämter , immer anmaßender handelnden "Elite" die ihre "Legitimation" von einer realexistierenden Besatzungsmacht ableitet - das eigentliche Problem wurde mehrfach beschrieben : es gibt kein Ende der Geschichte , es tauchen neue , ambitionierte Sozialrevolutionäre am Horizont auf die interessante Modelle für die Leistungsbourgeoisie anbieten - LINKS hingegen verspricht nur Teilhabe für die Masse ( und sie sieht im Migranten das neue revolutionäre Subjekt ) - ich teile meinen Restwohlstand nicht - ich verteidige meine Scholle und meine Art zu leben - und es ist mir auch völlig egal ob eine ukrainische Diskursdomina regelmäßig als Psychologin für den dummen Michel im brd -Fernsehen auftaucht um dort ihre sog. "wissenschaftlichen" Einsichten zu verbreiten . Es gibt ( ob es Ihnen gefällt oder nicht ) keine wirklichen Perspektiven für die Minderleister dieses Planeten ( die franz. Neokolonialpolitik scheitert mit schöner Regelmäßigkeit eben weil die Menschen so sind wie sie sind ) 

Laurenz

28. Februar 2021 14:07

@Imagine @Laurenz 

Schön, daß Sie keine weiteren Argumente bringen, sondern zurückschlagen, um mich persönlich anzugreifen, weil Ihnen sonst nichts bleibt.

Sogenannte Sozialwissenschaftler tätigen Studien und rechnen diese dann hoch, wobei die meisten Sozialwissenschaftler mathematisch gar nicht begabt sind. Sozialwissenschaft ist eben keine Wissenschaft, weil die jeweiligen Theorien nicht empirisch belegt werden müssen oder werden können. Das ist wie mit der Rechtswissenschaft, die auch keine Wissenschaft ist, sondern reines Konstrukt.  

Kann Ihnen nur empfehlen, sich bei Agenturen zu melden, die Umfragen, für öffentliche - und private Auftraggeber tätigen. Dafür gibt es auch ein kleines Entgelt, der Grund, warum vor allem Arbeitslose oder schlecht Bezahlte, diese interessante Möglichkeit nutzen, Radeberger, Ferrero, Colgate oder HR-Info zu bewerten. Die Vorgaben! der Auftraggeber sind völlig abstrus. Keiner, der einen Audi Q6 fährt, hat Zeit für 200 Euro sein halbes Wochenende dranzuhängen, um einen Mitbewerber zu testen. Sie können mit Groß-Umfragen, wie Civey (Der Relotius) maximal Tendenzen festmachen, die aber mit dem Handeln der Individuen noch nichts zu tun haben. Hören Sie endlich auf zu faseln & fangen Sie endlich an, Selbst zu denken.

Grobschlosser

28. Februar 2021 14:15

re Lotta - so ist es - und wir sollten gegenüber des roten juste-milieus eine gewisse Härte entwickeln ; wer den Klassenkampf fordert und fördert hat dann  irgendwann seinen weinerlichen Welpenschutz tatsächlich verspielt und darf auch mal hart angefasst werden .

Laurenz

28. Februar 2021 14:21

@Grobschlosser @Imagine

"Ihr Beitrag ist wirklich clever weil in der BRD nicht widerlegbar"

Natürlich nicht, denn hier gibt es auch noch genug zu essen, wie noch genügend Dächer über den Köpfen.

Das ist aber alles auf Kredit auf die vorhandene Substanz finanziert & hält nicht "ewig".

Diejenigen, die vor & nach der Masseninvasion 2015 zu uns gekommen sind, gehören nicht zu den Armen in ihren Herkunftsländern. Die Mehrheit der Armen hat keine Chance, sich auf den Weg/Flug zu machen.

Der Kredit, den die deutsche Politik bekommt, wurde bis zur 0-Zins-Phase auf die errechneten zukünftigen Steuereinnahmen der Deutschen Steuerzahler gewährt. Seit der 0-Zinsphase, wird alles über indirekte Steuern, also die Enteignung durch Inflation finanziert, indem man einfach das Geld druckt. 

Deswegen reichen Ihre Gedanken, wie die von Imagine, nur bis zum Vorgarten-Törchen.

In der einzige Frage, in der Marx jemals Recht hatte, vor allem, was die Buntländer oder Ex-Deutschen angeht, zieht Imagine keine sozialistische Schlußfolgerung. 

Bei solchen Themen kann nur derjenige debattieren, welcher über die eigene Lebensspanne hinausdenkt.

Grobschlosser

28. Februar 2021 14:48

Nachtrag : die realexistierenden Verteilungsprobleme sind mit konventionellen Mitteln nicht lösbar-weder lokal,noch überregional / international . Die Chinesen sichern ihre Rohstoffclaims in Afrika ; der Franzose und der Yankee sehen das nur ungern - egal wohin man blickt : Kampf ums Dasein - egal ob man das nun so bezeichnet oder nicht. Der vergeistigte Gutmensch verdammt den Trump weil dieser den us-Arbeitsmarkt gegen illegale Migration abschirmen will-wird von der Ostküstenelite massiv bekämpft.Klar : wir reden von "Verhandlungen" von "diplomatischen" Lösungen - hört sich gut an - ist aber Quatsch - wer in dieser Welt nicht bis an die Zähne bewaffnet ist geht unter -so einfach ist die Welt . Der Chinese kopiert deutsche Produkte und macht eine erfurter Solarzellenfabrik platt - so what -das ist eben Kapitalismus ."wir können da nix machen"sagt der Beamte "süddeutsche Autofirmen wollen doch in China verkaufen - wir können da jetzt nicht intervenieren" . Und die Karawane zieht weiter - mal wieder .Die Ostküste plärrt : "es gibt keine Alternative zum Globalismus" -doch gibt es : rigoroser Schutz deutscher Patente , 

Grobschlosser

28. Februar 2021 14:48

II)

 

knackharte Sanktionen wenn jemand Blaupausen entwendet.Vollbeschäftigung ist genau dann möglich wenn deutsche und europäische Konzepte in Deutschland technisch umgesetzt werden .Malte braucht kein Händy für 3 oiro - und Chantal schon mal gar nicht - womit auch die Frage beantwortet wäre :wohin mit dem Elektroschrott ? eben - gar nicht erst produzieren . Geht nicht ? schaun wir mal .Die Asiaten sind mit ihrer Masche gut gefahren; 400Mio. Chinesen sind nicht mehr arm -Glückwunsch -aber wie geht es weiter ? Noch mehr Sojaschrot aus Brasilien weil der Chinese gerne Fleisch auf dem Teller hat ? wird nicht funktionieren irgendwann sind die Möglichkeiten der Biosphère ausgereizt - um das zu verstehen muss man kein Öko sein .Überbevölkerung ist DAS Problem im 21.Jahrundert - und es gibt absehbar keine "humanen" Lösungsansätze - was merkl verordnet hat war der Import gewaltaffiner Analphabeten -hier müssen wir den Bourgeois stellen -ihn an den Folgen dieser Politik beteiligen 

Imagine

28. Februar 2021 16:06

Bei Individuen gibt es Vorwärts- und Rückentwicklungen, in der Entwicklungstheorie Progression und Regression genannt.

Die Entwicklung der Menschen verläuft nicht linear, sondern in Sprüngen und Stufen.

Das weiß jeder gute Arzt, Pädagoge und Psychologe.

Auch bei Gesellschaften gibt es Fortschritt und Rückschritt, Progression und Regression.

Mit „Revolution“ wird Fortschritt assoziiert, mit „Konterrevolution“ Rückschritt.

Wie gesellschaftliche Veränderungen bewertet werden, ist insbesondere in antagonistischen Klassengesellschaften kontrovers.

War die (Konter)Revolution in den kommunistischen Staaten des Ostblocks Fortschritt oder Rückschritt?

Ist die neoliberale (Konter)Revolution Fortschritt oder Rückschritt? Bedeutet sie Modernisierung oder Regression in die barbarischen Zeiten des Frühkapitalismus?

Sind die Meuthen-Leute und die Hayekianer die Fortschrittlichen? Sind die Vertreter eines solidarischen Patriotismus die Rückschrittlichen? Oder ist es umgekehrt?

Imagine

28. Februar 2021 16:09

Bringen Umverteilung und mehr Egalität gesellschaftlichen Fortschritt oder Rückschritt?

Oder ist das gegenwärtige kapitalistische System besser, auch wenn es Vermögen und Macht in in den Händen von ganz wenigen Menschen akkumuliert und konzentriert?

Werden wir besser oder schlechter leben, wenn Jeff Benzos in ein paar Jahren der erste US-Dollar-Billionär in der Menschheitsgeschichte sein wird?

Imagine

28. Februar 2021 16:35

@Grobschlosser   28. Februar 2021 13:52   
„rechte vs. linke Revolutionen“

Rechte vs. linke Revolutionen kann man von der Zielsetzung unterscheiden, aber – so meine These - nicht vom Revolutionstyp und dessen Prozesslogik. So wie es keine rechte oder linke Strategie des Fußballspielens oder eine linke oder rechte Boxtechnik gibt. Oder eine linke oder rechte Physik oder Mathematik.
 

Es gibt Revolutionstypen. Zum Beispiel den jakobinischen oder den leninistischen Typus mit einer Organisation der Berufsrevolutionäre.

Zu diesem Typus kann man sagen, dass er historisch völlig veraltet ist und nie wieder erfolgreich sein wird. Die Leninisten und Maoisten in den K-Gruppen haben diese Erfahrung bereits gemacht. Und jene Rechten, die glauben, mit diesem Typus erfolgreich sein zu können, werden die gleiche Erfahrung machen.

Wie sah die Prozesslogik der (Konter)Revolution im Sowjetimperium aus?

Wie lief die Prozesslogik der neoliberalen Revolution ab, technisch und organisatorisch? Ist diese bereits zu Ende oder geht der Systemchange weiter? Mit Massenmigration, Umvolkung, Corona-Regime?

Was ist das Ziel? Wie wird die Gesellschaft dann aussehen?

H. M. Richter

28. Februar 2021 18:57

Der oben verknüpfte Briefwechsel dürfte ein Schmaus für Lotta Vorbeck, H. M. Richter et al. sein. [Gustav Grambauer]

_______________________

War hier bisher nicht vor Ort. Kam aber heute – bei einer solchen Empfehlung ... – als sonntägliche Express-Sendung an. Vielen Dank, auch an BK als lesekundigen Verursacher! Nach dem Anblättern scheint es tatsächlich zum Schmaus zu werden, wenngleich im übertragenen Sinne. Habe mir soeben ein Fläschlein Quittenbrand von Ziegler bereitgestellt. Derartiges geschieht mir als Lesebeigabe nicht mehr allzuoft.

Wagenknecht habe ich übrigens stets für eine Kleinbürgerin gehalten. BDK-Bändchen im Hängeregal, gestärkte Tischdecke mit Spitzenrand und der kleine Bronze-Lenin auf dem Schreibtisch in einem frühen TV-Portrait. Aber im Vergleich zur stets an eine lieblose Pionierleiterin gemahnenden Kipping war und ist sie natürlich - in ihrem Politotop ... - eine Riesin …

Cugel

28. Februar 2021 21:26

@heinrichbrueck      26. Februar 2021 21:34

"Diese Punkte muß man in Kombination denken, dann wird es genial."

Volltreffer, versenkt.

Cugel

28. Februar 2021 21:27

"Wissenschaftler wie Wilhelm Reich..."

Reich war als Titan der Wissenschaft nicht nur Begründer des Freudomarxismus, sondern auch Entdecker der Orgon-Energie und Erfinder des Orgon-Akkumulators, der, wie wir sehen, in fantastische Bewußtseinszustände zu versetzen vermag. Den (als einfach beschriebenen) Nachbau einer solch machtvollen Apparatur traue ich mir nicht zu. Wo kann man sie (gerne auch gebraucht, aber bitte mit Zertifikat) erwerben?

Cugel

28. Februar 2021 21:51

"...so trifft der Satz: „Aus Schaden wird man klug“ nicht generell zu, sondern ist im Zustand einer total neurotisierten Gesellschaft eher die Ausnahme."

"Die Gesellschaft" ist nicht neurotisiert, sondern liegt seit Jahrzehnten unter flächendeckendem  Lügenbombardement (jetzt hatte ich mich doch tatsächlich zu "Logenbombardement" vertippt): Full Spectrum Dominance.

Wahrheit macht frei.

Imagine

1. März 2021 02:03

@Cugel …28. Februar 2021 21:51
"Die Gesellschaft" ist nicht neurotisiert, sondern liegt seit Jahrzehnten unter flächendeckendem Lügenbombardement. … Wahrheit macht frei.“

Zu glauben, dass das Bewusstsein eines Individuums Resultat einer Indoktrination und Suggestion von außen ist, ist eine Vorstellung des 19. Jahrhunderts.

Doch nach wie vor ist diese falsche und simplifizierende Vorstellung weit verbreitet, selbst unter Akademikern.

Vor 100 Jahren zur Zeit von Émile Coué und Sigmund Freud war es noch eine revolutionäre Erkenntnis, dass die Subjekte Konstrukteure ihres Bewusstseins sind.

Heute ist es allgemeiner wissenschaftlicher Erkenntnistand in Psychologie, Soziologie und Hirnforschung.

Es ist daher psychologisch naiv, zu glauben, dass „Wahrheit frei mache“.

Denn ein neurotischer Mensch will gar nicht die Wahrheit wissen, im Gegenteil, er leistet Widerstand gegen Aufklärung. Dem geht es nur um sein psychisches Wohlbefinden, so wie einem Süchtigen. Und wenn die Illusion und die falsche Darstellung der Wirklichkeit Ängste reduzieren und einen besseren psychischen Zustand verschaffen, dann wählt der neurotische Mensch die Lüge.

Kann man jeden Tag gerade jetzt bei den Corona-Lügen beobachten, die jeder Mensch mit gesundem Verstand aufgrund ihrer Widersprüchlichkeit und Realitätsferne sofort als Lüge erkennen würde. Aber die neurotisierten Massen sind süchtig danach, belogen und betrogen zu werden.

Imagine

1. März 2021 10:27

@Cugel   28. Februar 2021 21:27
Reich auch Entdecker der Orgon-Energie und Erfinder des Orgon-Akkumulators, der, wie wir sehen, in fantastische Bewußtseinszustände zu versetzen vermag.“

Sie haben vermutlich Reich nicht studiert.

Ich bin kein „Reichianer“, aber trotzdem muss man Reich gegen einen derartigen Unsinn verteidigen.

Denn nirgendwo findet sich bei Reich die Aussage, das man sich mit dem Orgon-Akkumulator „in fantastische Bewußtseinszustände zu versetzen vermag.“

Reich war ein Pionier und Genie, er hat großartige Entdeckungen gemacht, aber auch Irrwege beschritten.

Seine „Lebensenergie“-Forschungen, Ergebnisse und theoretischen Aussagen sind umstritten und gehören nicht zum allgemein anerkannten wissenschaftlichen Wissen der Scientific Community.

Nicht nur nach meiner Überzeugung sollte man auf diesem Gebiet weiterforschen. Da ist noch viel Unentdecktes.

H. M. Richter

1. März 2021 12:27

Nicht nur nach meiner Überzeugung sollte man auf diesem Gebiet [W. Reich]  weiterforschen. Da ist noch viel Unentdecktes. [Imagine]

_____________________________________

Nur ein einziges Beispiel dazu: Der aus der Mongolei stammende Tuwiner Galsan Tschinag, der in den sechziger Jahren in Leipzig Germanistik studierte und seitdem längst zu einem der interessantesten deutschsprachigen Schriftsteller und Sprachartisten geworden ist, betreibt in der Mongolei nach Reich’schen Vorgaben eine Regenmaschine, die, wie zu hören und lesen ist, recht erfolgreich arbeitet.

https://desert-greening.com/internationale-projekte/mongolei/

Cugel

1. März 2021 12:36

@Imagine

"Denn nirgendwo findet sich bei Reich die Aussage, das man sich mit dem Orgon-Akkumulator „in fantastische Bewußtseinszustände zu versetzen vermag.“"

Ich habe nicht behauptet, daß Reich das geschrieben hat.
Lesen Sie nochmals, was ich geschrieben habe.
Vielleicht geht Ihnen dann ein Licht auf.

Reichs großartige Entdeckungen interessieren mich allerdings.
Hätten Sie die Güte, Beispiele zu nennen?
Stichpunkte genügen.

Götz Kubitschek

1. März 2021 13:18

badeschluß, aber gründlich!

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