21. Januar 2021

Sammelstelle in der Sturzflut des Gedruckten (3)

Benedikt Kaiser / 104 Kommentare

Kaiserwoche in Deutschland! Denn das Deutsche Reich (und damit indirekt auch sein Rechtsnachfolger BRD) feierte – theoretisch – 150. Geburtstag.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Doch wenig überraschend gibt es praktisch keinen Anlaß für kaiserliche Artikelbergung aus einer etwaigen »Sturzflut des Gedruckten« in den deutschsprachigen Leitmedien. Ob FAZ, Süddeutsche oder Welt, Spiegel oder freitag – die in Frage kommenden Beiträge bestanden unisono die Sichtigung nicht.

Auch die NZZ (v. 18.1.) fällt hier an die Seite ihrer bundesdeutschen Konkurrenz ein wenig ab, obwohl sie diese ansonsten im direkten Vergleich regelmäßig distanziert. Eckhard Jesse weiß immerhin am Reichsgründungstag über das »Selbstverständnis der Deutschen« seiner internationalen Leserschaft mitzuteilen, daß das Kaiserreich 1871–1914

zwar keine Demokratie, wohl aber ein Rechtsstaat

war.

Bemerkenswert sind für die Zeit nach 1945 dann zwei Hinweise: Zum einen verweist der Chemnitzer Politikwissenschaftler auf die einst dezidiert patriotische Sozialdemokratie im Geiste Kurt Schumachers. Die SPD forderte nämlich anläßlich des 17. Juni 1953 einen »Nationalfeiertag des deutschen Volkes«; die Regierung aus Union, FDP und Deutscher Partei beließ es dann bei einem »nationalen Gedenktag«. Gewiß historische Nuancen, aber interessante.

Zum anderen gab es in der Bundesrepublik von 1954 noch eine knappe Mehrheit, die in Umfragen für Schwarz-Weiß-Rot, nicht aber Schwarz-Rot-Gold votierte. Daß Jesse seinen Beitrag damit schließt, daß eine heutige Affirmation schwarz-weiß-roter Symbolik »den demokratischen Comment« regelrecht »demontiert«, verweist indes darauf, daß die Gewichtung wirklich demokratiegefährender Handlungen und Prozesse durch den renommierten Totalitarismus- und Extremismusforscher mittlerweile schief ist.

Zur Lektüre empfohlen sei Eckhard Jesse daher die jüngste Veröffentlichung eines Kollegen seiner Politologenzunft an der TU Chemnitz. In Kulturkampf legt Lothar Fritze schonungslos offen, in welcher Art und Weise unsere Demokratie auf quasitotalitäre Abwege geraten ist – und durch welche politisch-ideologischen Einflußgruppen es bewirkt wird. Durch diese wird nicht »nur« der demokratische »Comment« abgetragen, sondern elementare Grundrechte oppositioneller Kräfte.

Eine positive Ausnahme zur Reichsgründung im Blätterwald stellt im übrigen noch die Junge Freiheit dar, wenngleich der Autor vorliegender Zeilen damit zu Beginn dieser dritten Folge der Kolumne erstmalig ausscheren muß. Denn bei diesem hervorhebenswerten Beitrag handelt es sich um keinen Printartikel, sondern um ein Video. Dennoch: 150 Jahre deutscher Nationalstaat werden hier von Karlheinz Weißmann in knapp 15 Minuten fachkundig gewürdigt.

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Doch auch Print gibt es in dieser Folge aus der vermeintlichen »Wochenzeitung für Debatte« (Debatte – wo ist sie?) etwas hervorzuheben. In der Ausgabe 4/2021 (Nachtrag: bereits online!) erscheint ein Beitrag des bayerischen, ehemals an der TU Dresden lehrenden Politikwissenschaftlers Werner Patzelt.

Dieser zählt zu den Ausnahmen unter den heute tätigen Forschern seines Faches. Er wirkt sowohl in seinen Publikationen und Vorträgen als auch in seinen Interviews unaufgeregt, sachlich und am Gegenstand seiner Untersuchung aufrichtig interessiert. Als er diese wissenschaftliche Authentizität 2014 ff. auch in bezug auf die Pegida-Demonstrationen bewies, brachte ihm dies bei Freund und Feind den Titel »Pegida-Versteher« ein. Und in der Tat erfolgten nicht nur Patzelts Pegida-Analysen sina ira et studio. Auch regelmäßige Wortmeldungen in Tagespresse wie Fachmedien zur AfD fallen ruhig und sachlich aus.

Das heißt nicht, daß er keine Interessen vertritt. Das macht er so galant wie nachdrücklich. Der seit 1994 der CDU angehörende Patzelt berät und bewirbt seine Partei regelmäßig. So schrieb er etwa 2019 am christdemokratischen Programm für die sächsische Landtagswahl mit, bei der CDU und AfD sich um den Spitzenplatz duellierten; das partiell heimatverbundene Vokabular des christdemokratischen Wahlkampfs dürfte der Alternative für Deutschland Tausende Stimmen wackelnder Wechselwähler gekostet haben.

Als engagierter Verfechter eines wertkonservativen Kurses der Union mag er somit zwar politisch sympathischer wirken als Grüne oder Sozialdemokraten. Er bleibt aber eben Christdemokrat und damit ein – achtenswerter – politischer Gegner.

Diese nicht unwesentliche »Petitesse« sollte man mitdenken, wenn er in der JF (die diesen parteipolitischen Umstand ihren Lesern verschweigt) über das Verhältnis von Union und AfD nachdenkt oder wenn er der AfD nicht nur von außen, sondern überdies noch als Angehöriger der deutschen Regierungspartei (!), wie in seinem Meinungsbeitrag »Nur noch die Mitte«, richtungskampfbezogene Ratschläge erteilt. Ratschläge, die wiederum von gewissen AfD-Kreisen umgehend eins zu eins als Handlungsanweisung verstanden werden.

Patzelts Vorschlag an die AfD lautet dabei:

Sie verzichtet auf ein Selbstverständnis als Anti-Parteien-Partei oder als grundlegende Systemalternative, sondern bemüht sich um die Aufnahme ins etablierte Parteiensystem. Dann freilich müßte sie erst einmal ihre Bringschuld an Mäßigung im Ton und an Unanstößigkeit im Verhalten begleichen.

Es empfehlen sich zwei Bemerkungen zu dieser Kernaussage Werner Patzelts.

Erstens wäre die Preisgabe der AfD-Rolle als »Anti-Parteien-Partei«, sprich: ihrer immanenten Rolle als Alternative zum realexistierenden Kartell der »Altparteien«, Selbstmord auf Raten, da eben dies für einen erheblichen Teil der AfD-Sympathisanten die wahlentscheidende Rolle spielt. Es ist anzunehmen, daß ein gewissenhafter und akribisch arbeitender Professor wie Patzelt die politologischen und soziologischen Wähleranalysen der letzten fünf bis sieben Jahre kennen dürfte, was der Empfehlung zur Selbstkastrierung einen faden Beigeschmack verleiht.

Zudem erfolgt die vorgeblich erstrebenswerte »Aufnahme ins etablierte Parteiensystem«, so viel beweisen diverse Säuberungswellen seit Kalbitz und Hartwig, nicht über personelle Häutungsprozesse. Diese werden vom Establishment nicht gewürdigt, sondern als Zeichen der Schwäche verlacht. Man müßte demzufolge nicht nur personell Zugeständnisse an den vielgestaltigen Gegner machen, sondern vor allem inhaltlich weiter und weiter Konzessionen leisten und die eigene Programmatik – wohlgemerkt: auf Wunsch eines Angehörigen der regierenden Partei der Kanzlerin Merkel – über Bord werfen.

Das wäre, gelinde gesagt, Verrat am Wähler, Verrat an der eigenen, aufopferungsvoll arbeitenden Basis, Verrat an den Prinzipien einer wahrhaft oppositionellen Alternative zum falschen Ganzen. Eine solche Akkumulation des Verrats aber würde lediglich verdeutlichen, »wie man seine eigene Partei anzündet«, wie Götz Kubitschek unlängst befürchtete:

Genau so und nicht anders will es das Establishment haben.

Doch sollte man der AfD, angetreten als Abrißbirne wider das Establishment, wirklich raten, sich so lange selbst zu entkernen und selbst zu verleugnen, bis man auf Gnade von Merkel, Laschet, Spahn und Co. hoffen darf? Und wäre man dann noch eine Alternative? Ein Stachel im Fleisch des Mainstreams? Eine Resthoffnung für viele Millionen Menschen, die genug haben von schwarz-rot-grüner Einheitssauce?

Das führt zur zweiten Bemerkung bezüglich des Patzeltschen Leitsatzes. Offenbar ernst ist es ihm mit einer »Bringschuld an Mäßigung im Ton und an Unanstößigkeit im Verhalten« der AfD. Das ist salopp daher gesagt, birgt aber gewaltiges Irritationspotential.

Denn allen objektiven Fakten zufolge sind es Politiker des Establishments,

  • die AfD-Politikern mit Haß, Hohn und Häme begegnen,
  • die AfD-Politikern keine Solidarität gewähren, wenn sie von Altparteien-nahen Tätern aus antifaschistischen Milieus verbal und tätlich angegriffen werden,
  • die AfD-Politiker in Kollaboration mit der Presselandschaft denunzieren und zum Teil selbst in ihrem privaten Umfeld verächtlich machen,
  • die AfD-Politikern geltende Ansprüche auf parlamentarische Posten vorenthalten,
  • die AfD-Politikern die Verfassungsschutzbeobachtung aufhalsen, indem sie die Entscheidungsträger beeinflussen und unter Druck setzen.

Wenn dies aber so ist, und der bundesdeutsche Alltag legt dies mehr als nur nahe, dann liegt die »Bringschuld an Mäßigung im Ton und an Unanstößigkeit im Verhalten« nicht bei der AfD, sondern zunächst zweifellos bei den Stegners, Kippings und Künasts. Darauf hätte Werner Patzelt hinweisen müssen, zumal er beispielsweise mit Marco Wanderwitz dem selben CDU-Landesverband angehört.

Der derzeitige Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer schrieb etwa bei Twitter:

AfD und Gauland sind giftiger Abschaum.

Nun, die dahingehende Kolumne von Patzelt in der Freien Presse, in der Sächsischen Zeitung oder aber eben in der JF samt Aufruf zur »Mäßigung im Ton und an Unanstößigkeit im Verhalten« muß ich wohl übersehen haben.

Bei aller erforderlichen Polemik sei dies festgehalten: Natürlich sollte authentischer rechter »Populismus« nicht mit Vulgarität, boomereskem Gepolter und wüstem Auftreten verwechselt werden (dies gilt explizit lagerübergreifend). Die Betonung der Notwendigkeit von Professionalisierung der eigenen Arbeitsweise im speziellen sowie der eigenen politischen Theorie und Praxis im allgemeinen impliziert jedoch nicht, zu akzeptieren, daß man als Oppositioneller in bezug auf gegenwärtige Verhältnissen mit Demut und Selbstkasteiung vor den erlauchten Kreis der Herrschenden zu treten hat, um kraft- und mutlos um Akzeptanz zu bitten. Auf eine solche Alternative kann man verzichten, sie wäre lediglich ein elendes Korrektiv-im-Wartestand anstelle einer Volkspartei-im-Werden.

Apropos: Einen Vorwurf sollte man nicht Werner Patzelt machen, sondern jenen Kreisen, die Patzelts Beiträge im AfD-Umfeld fruchtbar machen wollen. Patzelt selbst, als gefragter Autor, hat jedes Recht, diese CDU-inhärenten Positionen zu vertreten. Als AfD-Aktiver sollte man sich nur fragen, ob man wirklich von dieser Seite aus professionelle und vorwärtsbringende Beratung erwarten darf.

Bei einer Vortragsveranstaltung im Herbst 2018, die ich mit den beiden grundsympathischen »Counterparts« Marc Jongen und Werner Patzelt in Bremen bestritt, wurde mir dies deutlich: Patzelt und ich wichen in unseren »Impulsvorträgen« ja nicht in der Analyse für das Entstehen von populistischem, alternativem Potential in der Bundesrepublik ab. Sondern in den Schlüssen, die wir daraus zogen.

Patzelt wünscht sich – damals wie heute – eine sanft populistische, liberalkonservative AfD, die qua moderatem Veränderungspotential der Parteienlandschaft aus der CDU/CSU wieder jenes projizierte Phantom machen würde, an das er und viele weitere Köpfe von JF-Chefredaktion bis Werteunion sich klammern: nämlich jenes Phantom einer vermeintlich intakten Prä-Merkel-Union.

Diese könnte sich wiedereinstellen, wenn besagte Union – leichten, anständigen, eben bürgerlichen – Druck von rechts bekäme und die korrigierenden Impulse in einer Post-Merkel-Ära beherzigen würde. Die Verhältnisse sähen sich womöglich »normalisiert« (wenn man die Ära Kohl fragwürdigerweise als deutsche »Normalität« definiert). Die scheinbar erstrebenswerte Epoche vom Schlage der 1990er Jahre wäre wieder vorstellbar, so die frappierende Naivität von gestern.

Die Deutung der AfD als »Wecker« für eine im Merkel-Schlaf vor sich hindämmernde CDU/CSU kann man so vertreten. Nur wäre eine solche AfD eben kein Korrektiv für Deutschland, sondern für die Christlich Demokratische Union Deutschlands. Und dafür wären die (gesellschaftlichen, beruflichen oder anderweitigen) Opfer, die jedes einzelne AfD-Mitglied zu tragen hat, dann doch zu schade.

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Ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus und hinein ins liberalkonservative Wunderland ist nicht nur mit der Jungen Freiheit möglich. Erheblich mehr Input und unterschiedlichste lesenswerte »Stücke« sind im Monatsmagazin Tichys Einblick zu finden.

In der druckfrischen Ausgabe (2/2021) der »Standpunkte zu Politik, Wirtschaft und Kultur« kann man im Monatsrückblick von Stephan Paetow einen Nachtrag zur obigen Patzelt-Bringschuld-Debatte erspähen, wenn er ironisiert:

Jetzt hat er es aber mal allen seinen Parteimitgliedern deutlich gezeigt, der AfD-Chef Jörg Meuthen. »Wir werden nicht mehr Erfolg erzielen, indem wir immer aggressiver, immer derber, immer enthemmter auftreten.« Also sich besser mal von Querdenken distanzieren und sich in puncto Benimm ein Beispiel nehmen an Helge Lindh, Karl Lauterbach oder Claudia Roth.

Typisch liberalkonservativ-widersprüchlich wird es erst danach. Herausgeber Roland Tichy übt sich im Leitartikel »2021 – Jahr der Entscheidung« als ein Joseph McCarthy alle Ehre machender Adept, wenn er allerorten »Sozialismus« riecht. Ein solcher beginnt wohl bereits dann, wenn der Staat mehr tut, »als einen Rahmen zu setzen«. Der Staat, so vernimmt man klassisch minimalstaatlich, habe sich aus der Wirtschaft herauszuhalten; notwendig für eine freie prosperierende Gesellschaft seien »offene Märkte«. So weit, so schlecht.

Aber beißt sich dies nicht ein wenig mit dem direkt folgenden Artikel Alexander Wendts über die Impfproblematik, der beklagt, daß sich der deutsche Staat nicht auf dem freien Markt für mehr Impfdosen eingesetzt habe, wohingegen die Trump-Administration die Konkurrenz rigide vom Felde schlug? Einerlei, wie man sich selbst zur Impfdebatte positioniert: Hat hier nicht ein Staatenlenker gezeigt, daß das Primat der Politik bei lebenswichtigen Bereichen – wie der Gesundheit der Staatsangehörigen – unvermeidlich ist? Zahlt man nicht just dafür seine Steuern – Versorgungssicherheit, Daseinsvorsorge?

Ein Autor, der seit einigen Jahren vor minimalstaatlichen Argumenten warnt und die eher »preußisch«-soziale Generallinie vertritt, ist der Ökonom Max Otte. Der Autor und Vermögenswalter ist in vorliegendem Heft mit einem umfangreichen Gespräch vertreten, das einmal mehr nahelegt, daß Debatte sich oft dort lebendig erweist, wo man mit ihrem Vorhandensein nicht im Untertitel werben muß.

Es ist spannend, den klugen Wirtschaftsliberalen Tichy und den nicht minder klugen Sozialkonservativen Otte bei ihrem kleinen Disput gewissermaßen über die Schulter zu schauen. Es geht um den »Great Reset«, also die weltweite Umgestaltung der politischen und ökonomischen Verhältnisse als Folgewirkung der Coronakrise, dem »Neustart des Systems« (Otte).

Otte verweist auf die anhaltende Erosion der deutschen Mittelschicht und auf die Gewinne der Superreichen. Vor allem die Big Tech-Konzerne wie Amazon (Jeff Bezos ist 2020 mit Amazon 55 Milliarden Dollar reicher geworden) finden seine Kritik:

Die Techwerte sind ja wie Viren, die setzen sich quasi ins zentrale Nervensystem, mit relativ wenig Kapitalbedarf. So saugen sie den Mehrwert ab.

Angesichts des Publikationsortes fährt Otte erheblich vorsichtiger als noch in seinen Büchern (wie Weltsystemcrash) fort:

Das könnte man natürlich auch erst einmal Marktwirtschaft nennen. Aber wenn es dann mächtige Oligopole sind, dann muss man sich schon überlegen, ob man die nicht regulieren sollte.

Tichy, als Verfechter der allgemeinen Privatisierung und des Primats der Profitwirtschaft, fällt Ottes Stoßrichtung gleichwohl auf und fragt seinen Gesprächspartner neugierig wie augenzwinkernd:

Sind Sie plötzlich ein Sozialist geworden?

Otte besonnen:

Ich zitiere immer gerne Warren Buffett, den größten Börseninvestor der jüngeren Zeit. Der hat schon vor 15 oder 20 Jahren gesagt: »Es gibt Klassenkampf. Aber es ist meine Klasse, die Reichen, die ihn führt.«

Gegenüber einer zunehmend »unsolidarischen Gesellschaft«, spinnt Otte den Faden weiter, setze er »die Ideen der Bindung, der Solidarität«:

Es ist für mich bitter, aber es gibt Zeiten, in denen die Gesellschaft solidarischer ist, und es gibt Zeiten, in denen die Gesellschaft auseinanderfällt. Und in so einer Zeit leben wir gerade. Keine schöne Zeit,

schließt er.

Man könnte ergänzen, dabei immer noch in dieser überaus lesenswerten Ausgabe Tichys Einblick blätternd, daß dies keine »schöne Zeit« für die Mehrheitsbevölkerung im allgemeinen und für solidarisch orientierte Patrioten im besonderen sein mag – für die weltweiten Börsen ist es sogar eine sehr schöne Zeit, wie man einer aussagekräftigen Infographik im Heft entnehmen kann.

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Ohnehin: die Konzerne. Vor allem die digitalen Giganten haben im rechten Beritt – endlich – einen verdientermaßen schlechten Stand. Den Unmut nähren dürfte auch ein Beitrag aus der Dienstags-NZZ (19.1.2021), in dem Alain Zucker die Frage stellt:

Wer entscheidet, was zumutbare Inhalte sind?

Nun, darüber entscheidet, wer machtpolitisch dazu in der Lage ist, in der analogen wie in der virtuellen Welt. Und das heißt 2021 in bezug auf Löschwellen bei der Plattform Twitter:

Zu gross war der Druck von Kunden, Aktionären und den Demokraten.

Natürlich, angesichts der Allianz aus einflußreichen Kapitalfraktionen, Politestablishment und Antifaschismus kann man gewiß gar nicht anders verfahren. Ein denkbarer rettender Akt kommt indes zu spät: Trump kann Patzelts Rat an die AfD nicht mehr verinnerlichen.

Denn hätte der Präsident des letzten Hegemons seinen Widersachern eine gebührende »Bringschuld an Mäßigung im Ton und an Unanstößigkeit im Verhalten« (Patzelt) dargebracht, hätte er sicherlich auf die Fairneß und Unvoreingenommenheit der linksliberalen Einheitsfront bauen können – eben so, wie die AfD in Berlin auf die Fairneß und Unvoreingenommenheit der ideologischen Staatsapparate hoffen darf.

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In der Schweiz ist die Debatte über Big Tech, Zensurmaßnahmen und Löschwellen auf einem guten Wege, kategorisch Position für zu bewahrende bzw. wiederherzustellende Meinungsäußerungsfreiheit zu beziehen.

Diese Tendenz verkörpert auch der Zürcher Jurist Urs Saxer in der NZZ (v. 19.1.), wenn er in seinem Beitrag »Medien oder Zensoren?« die neue machtpolitische Rolle der »sozialen Netzwerke« beleuchtet. Seine Kernaussage darf man weite Verbreitung auch beim nördlichen Nachbarn der Eidgenossen wünschen:

Netzwerke sollten nicht in die Lage kommen, den Zensor zu spielen. Es braucht zwar zweifellos Regeln gegen den überbordenden destruktiven Diskurs, welche die Netzwerke durchsetzen müssen. Aber letztlich sollte öffentliche Kommunikation möglichst frei sein, auch in den sozialen Netzwerken.

In Ungarn wie in Polen beläßt man es derweil nicht nur bei Absichtserklärungen. In Polen müssen sich die sozialen Netzwerke fortan an neue strikte Gesetze halten; das Primat des polnischen Gesetzgebers wird durchgesetzt (was in der BRD freilich einen Doppelcharakter tragen würde). Und in Ungarn plant man Sanktionen gegen Facebook und Co. – Justizministerin Judit Varga bemängelte unter anderem, daß Facebook christliche und nationalkonservative Standpunkte einschränke.

Einmal mehr erweist sich Ungarn als Hort europäischer Restvernunft. Und so endet die dritte Sammelstelle mit einer Empfehlung an alle deutschsprachigen Leser, die sich für das widerständige Land interessieren: Die Budapester Zeitung kann man auch hierzulande beziehen.

Das von Jan Mainka verantwortete Blatt erscheint täglich als PDF-Tageszeitung, wöchentlich als BZ Magazin online und zugleich als Druckausgabe. Bei einem Probeabonnement der Tageszeitung ist das Wochenmagazin im übrigen inkludiert.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (104)

RMH

22. Januar 2021 09:23

Danke für die umfangreiche Presseschau. Zum Thema AfD = Wecker für die Union: Spätestens seit der Wahl von Laschet müsste dem letzten Konservativen in der Union klar sein, dass es hier eher um die Chancen auf möglichst reibungslose Wahrung der Pöstchen und Regierungsbeteiligung geht, als um konservative Inhalte. Was von Laschet inhaltlich zu erwarten ist, hat Curio jüngst in einem Video gezeigt. Unionler, die ihre "alte Union" wieder haben wollen, haben deutlich bessere Chancen dies durch einen Wechsel zur AfD mit der AfD zu erreichen, als umgekehrt durch die AfD die Union inhaltlich treiben zu lassen, was erkennbar nicht passiert. Aber es würde anderen Kräften in der AfD nicht Recht sein, wenn es zu einer Wechselwelle käme. Der Verlust bei allen Unionlern, ernsthaft strategisch zu denken, dürfte die AfD aber vor so einer Wechselwelle bewahren. Und so wird alles seinen Gang nehmen ...

Rheinlaender

22. Januar 2021 09:44

Patzelts Artikel verstehe ich als Bitten in Richtung AfD, Koalitionsfähigkeit herzustellen, um wieder konservative Machtoptionen in Deutschland zu schaffen. Ohne Macht lässt sich das stählerne Korsett, in das die andere Seite Deutschland zunehmend einschnürt, nicht aufbrechen, und an Macht kommt man unter den gegebenen Bedingungen nicht ohne politische Mehrheiten.

Natürlich würde die andere Seite, für die bereits Lucke ein "Nazi" war, diese strategische Anpassung nicht würdigen, aber sie hätte dadurch weniger Ansatzpunkte für ihre Maßnahmen. Es gäbe vielleicht ein Zeitfenster, in dem Mehrheiten gewonnen und anschließend Fakten geschaffen werden könnten. 

Dafür, als "Anti-Partei" erfolgreich sein zu können, gibt es in Deutschland nicht hinreichend Frustration unter den Wählern. Keines der zunächst als "Fanal" gedeuteten Ereignisse hatte zudem die erwartete Wirkung. Auch das Aufsatteln auf vorhandene Unzufriedenheit erweist sich als wirkungslos, weil dahinter eben keine Alternative steht, etwa in der Corona-Frage. 

Mit dem von Patzelt vorgeschlagenen Ansatz hingegen hätte man die anderen Parteien, die in der Krise einen gravierenden Fehler nach dem anderen machen, tatsächlich jagen können. Statt dessen hat die Partei nun die dankbare Rolle des Schreckgespenstes für das Bürgertum eingenommen, mit dem die andere Seite die Öffentlichkeit disziplinieren und sicherstellen konnte, dass die politischen Verhältnisse in der Krise noch stabiler sind als davor.

Solution

22. Januar 2021 10:45

Wenn ich mich recht entsinne, stand vor Tagen auf welt online, daß die AfD sich jetzt auf oberster Ebene endgültig und eindeutig vom ethnischen Volksbegriff verabschiedet habe: "Als Rechtsstaatspartei bekennt sich die AfD vorbehaltlos zum deutschen Staatsvolk als der Summe aller Personen, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen“, heißt es in dem Text, der unter anderem von Höcke unterschrieben ist. Dies gelte unabhängig davon, „welchen ethnisch-kulturellen Hintergrund jemand hat, wie kurz oder lange seine Einbürgerung oder die seiner Vorfahren zurückliegt“. Wenn das so stimmt, ist die AfD für mich eine Feindpartei geworden. Vielleicht kann hier jemand Näheres dazu mitteilen?

Monika

22. Januar 2021 11:44

Ergänzend für die Zeit nach 1945:

Wichtig ist auch die „Zeit vor und nach 1968“. Diese beschreibt Herbert Ammon (2014) in den Beitrag „Die nationalen Unterströmungen in der westdeutschen Neuen Linken“. Dort erwähnt er auch die nationalpatriotischen Traditionen der SPD, die nicht nur von Kurt Schumacher repräsentiert wurden. Kurt Schumacher wandte sich u.a. vehement gegen die „große geschichtliche Lüge von der Kollektivschuld“. 

https://globkult.de/geschichte/entwicklungen/108-staendige/herbert-ammon/940-vor-und-nach-r1968l-die-nationalen-unterstroemungen-in-der-westdeutschen-neuen-linken

Hinzuweisen bleibt  auch auf das Buch „Die Linke und die Nationale Frage“, von Herbert Ammon und Peter Brand, den Sohn von Willy Brand.

RMH

22. Januar 2021 11:53

@Solution,

Die Erklärung zum Staatsvolk finden Sie direkt auf der Homepage der AfD.

www.afd.de/staatsvolk/

 

Maiordomus

22. Januar 2021 11:57

@Solution. Das mit der "Feindpartei" sollten sie nicht dramatisieren. Bei diesen Fragen kommt es noch sehr auf das Kleingedruckte an. Es geht um die Interpretation von Verfassungsfragen, rein tagespolitisch, was man hier aus Platzgründen nicht ausführen kann. @links, wo der Daumen rechts ist. Sehe bei der Debatte weiter vorn, betr. Ihre Ausführungen über Kuehnelt-Leddihn (der mich vor 52 Jahren als Studenten porträtiert hat, das Bild hängt über mir in meinem Arbeitszimmer), Lernet-Holenia (den ich auch kannte). Ihr Urteil zeigt, dass die für "Criticon" kompatiblen Autoren nicht gerade die Ihrigen sind. In Königgrätz und später hätten wir wohl noch aufeinander geschossen, jetzt streiten wir friedlich bei SiN. Klar sind Sie ein Linksdeutschnationaler, und Habsburgfreunde sowie Kleinstaater Ihre politischen Gegner. Die Gesetzeslage in der Schweiz ist aber nicht mehr so, dass man einen wie Sie ähnlich wie andere nicht zu unserer Freiheitstradition Passende mit guten, aber nicht ethnisch bedingten Gründen von der für Sie wohl nicht erstrebenswerten Einbürgerung ausschliessen könnte.   

Imagine

22. Januar 2021 12:09

1/2

Die historische Aufgabe der AfD wäre gewesen, eine Oppositionspolitik gegen die Massenimmigration zu machen, und zwar auf Basis des Menschenrechts auf kulturelle Selbstbestimmung. Denn die deutsche Bevölkerung war geschätzt zu 70+ % gegen die Politik der Massenimmigration.

Hier hat die AfD historisch versagt. Und daraus resultiert der Niedergang der AfD.

Selbstverständlich war und ist diese Massenimmigration aus Perspektive der Ethnologie eine Umvolkung. Als wissenschaftlicher Begriff ist dieser von Karl Christian von Loesch geprägt worden.

Völlig klar ist, dass „Umvolkung“ sowohl kulturell wie auch völkisch-rassistisch konnotiert sein kann.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Opposition gegen eine nicht durch den Willen des Volkes durch eine Abstimmung legitimierte Umvolkung die Wahrnehmung eines elementaren Menschenrechts ist.

Allerdings ist die AfD als ursprünglich wirtschaftsliberale Partei immer mehr unter den Einfluss „rechter“ i.S.v. völkisch-rassistischer Tendenzen geraten. So läuft im Augenblick auch die Hauptkonfliktlinie in der AfD, nämlich „rechts-wirtschaftsliberal“ versus „rechts-völkisch“.

Imagine

22. Januar 2021 12:12

2/2

Eine Politik auf Basis des Willens zu kultureller Selbstbestimmung ist nicht erfolgt. Vielleicht weil es keine gemeinsame deutsche Hochkultur mehr gibt und daher eine deutsche Identität nicht mehr existiert.

Kern der deutschen Kultur war die deutsche Hochsprache, eine elaborierte, intelligente Sprache.

Sprache ist immer konstitutiv für das Denken, also für die Intelligenz- und Kulturentwicklung. Die Gemeinsamkeit bei der deutschen Intelligenz bestand im Erwerb der deutschen Hochsprache auf dem Gymnasium.

Dies war die entscheidende Grundlage für die Studierfähigkeit und die politische Mündigkeit.

Echten Konservativen war das immer bewusst. Aber die AfD war nie eine wirklich konservative Partei, sondern von Anfang an eine „rechte“ Partei, anfangs wirtschaftsliberal und zunehmend völkisch.

Als konservative Partei mit dem Ziel des Erhalts deutscher Hochkultur hätte die AfD sich nicht politisch „rechts“ positionieren dürfen, sondern „weder rechts noch links“ und die gesamte Opposition gegen die „anti-deutsche Umvolkung“ erfassen und vereinigen müssen, selbstverständlich auch unter Einschluss der linksliberal und sozialstaatlich orientierten Bevölkerung.

Nemo Obligatur

22. Januar 2021 12:15

Kaiserwoche ohne Kaiserwetter. Mir gefällt der feinsinng doppeldeutige Einleitungssatz. Ich bleibe dennoch bei der bewährten Maxime: Keine Namenswitze!

Der wöchentliche Blick in die neue SiN-Kolumne spart, richtig eingesetzt, die eigene Lektüre. Mit der gesparten Zeit, die man sonst im Internet verplempert hätte, kann man, schönes Wetter oder passende Kleidung vorausgesetzt, an die frische Luft gehen und sich was Gutes tun. Also kein Abonnement auf FAZ, SZ, JF, TE, NZZ, BZ & Co. sondern einmal die Woche Kaiserlektüre.

RMH

22. Januar 2021 12:30

Zum Thema Volk und Staat hat Nietzsche schon lange vor jeder "Umvolkung" das Wesentliche in seinem Zarathustra unter der Überschrift "Vom neuen Götzen" gesagt

 

anatol broder

22. Januar 2021 12:31

@ solution 10:45

staatsvolk verhält sich zu volk wie adamsapfel zu apfel. du erklärst hier leute zu feinden, weil sie über den adamsapfel sprechen, ohne den apfel zu erwähnen. das ist unlogisch.

(ich bitte um mehr aufmerksamkeit. wir wollen doch nicht, dass kubitschek diese diskussion mit dem hinweis auf sauerstoffmangel vorzeitig beendet.)

limes

22. Januar 2021 12:48

Ottes Warren-Zitat sollte ein Weckruf sein: »Es gibt Klassenkampf. Aber es ist meine Klasse, die Reichen, die ihn führt.« Dieser Klassenkampf von oben ist es, der Krisen und Politik befeuert, und die Linke agiert dabei als Büttel des Kapitals.

H-G Maaßen macht zum »Great Reset« des wef im Interview mit Epoch Times bemerkenswerte Aussagen: »Was ich ... besonders furchtbar finde, ist diese Arroganz und Verachtung gegenüber den einfachen Menschen, … Das ist eine Denkweise, die totalitär ist, ... und die ich auch für verfassungsfeindlich halte. … es kommen im Grunde genommen nun die Kapitalisten aus Davos mit den Leninisten wieder zusammen, nämlich in der gemeinsamen Verachtung des einfachen, des gewöhnlichen Menschen.«

Der Zynismus des Establishments springt geradezu an in Aussagen eines Psychiaters (!) aktuell im Deutschlandfunk: »Es müsse viel stärker kommuniziert werden, dass die Menschen ihre Freiheit durch strenge Maßnahmen zurückgewinnen könnten. Das sei auch Aufgabe der Politik.  … Eine langfristige Anpassung an die Situation sei … hilfreich«.

limes

22. Januar 2021 12:58

@ Rheinlaender:

Die AfD hat keineswegs »die dankbare Rolle des Schreckgespenstes für das Bürgertum eingenommen«, vielmehr wurde ihr diese durch Desinformation mit geballter Medienmacht aufgepresst. Kirchen, Gewerkschaften und Astroturf-NGOs des Großkapitals sind auch in der Einheitsfront mitverantwortlich für Unterdrückung und Rufmord, die an der AfD begangen wurden.

limes

22. Januar 2021 13:05

@ Benedikt Kaiser

Was ist unter »boomeresk« zu verstehen?

Waldgaenger aus Schwaben

22. Januar 2021 15:04

Patzelt und die meisten Kommentatoren hier gehen bei der Analyse von einem falschen Bild der CDU aus. Sie ist keine Programmpartei, sie ist nicht links, rechts oder Mitte. Ihr Programm lässt sich auf einen Satz reduzieren: "Wir wollen den Kanzler stellen!" Solange die CDU hoffen kann, ohne die  AfD den Kanzler zu stellen, wird sie versuchen die AfD zu vernichten und einen Teil der Wähler dieser Partei zu erben. Egal wie sehr sich die AfD in Richtung der ominösen Mitte bewegt. 

Die programmatische Flexibilität der CDU hat einen gewaltiges Manko: Sie ist zum Erfolg verdammt. Vier Jahre in der Opposition im Bund könnte sie noch mit der Hoffnung auf eine Rückkehr an die Macht überleben, eine zweite Legislaturperiode in der Opposition wäre das Ende der Partei. Das weiß die CDU und würde dann eher eine Koalition mit der AfD eingehen, als untergehen. 

Aus dieser  Analyse folgere ich, dass die AfD sich jetzt darauf konzentrieren muss, möglichst viel Stimmen zu sammeln, egal woher. 

heinrichbrueck

22. Januar 2021 16:34

@ Solution / „Feindpartei“

Verankerung der Propaganda. AfD: Paßdeutsche (Ausländer und Deutsche) sind Deutsche, Staatsangehörigkeit, nicht gegen das GG verstoßend, selbstverständlich deutsch; aber die Deutschen sollen erhalten bleiben. Ausländische BRD-Staatsangehörige sind Deutsche, nach Möglichkeit alle Erdenbürger, aber wir wollen den Paß nicht so schnell verteilen. Özdemir ist deutsch, aber nicht Deutscher. Oder: Wir sind im Widerstand, wollen aber keine Macht.

Poliker und Parteien sind überbewerteter Schrott. Es bleibt Zeitverschwendung, ohne einen machtvoll organisierten Lebenswillen, sein Fundament auf Schrott zu bauen. Feindstaat verteilt Personaldokumentidentität, Ursprungsethnie verliert Land.

Imagine

22. Januar 2021 16:42

Systemerhaltende Parteien sind immer populistisch. Ihnen geht es nur darum, Wahlen zu gewinnen, Posten und Geld zu ergattern.

Dem Populismus geht es immer nur um Masse und um Stimmenquantität, aber nicht um Veränderung der gesellschaftlichen Machtverhältnisse (Powerstructure).

Wahlgewinnen und Regierung stellen ist das eine, gesellschaftliche Gestaltungsmacht erlangen, das andere.

Aber das begreift Otto Normalo nicht.

Merkel – die mächtigste Frau der Welt. Solch einen Blödsinn glaubt Otto Normalo. Weil er die wirkliche Powerstruktur nicht kennt.

Wie sieht die wirkliche Machtstruktur aus?

Wollen die Menschen dies überhaupt wissen?

Laurenz

22. Januar 2021 16:43

(1)

Die meisten SiN-Leser gehen hier von einem Patzelt aus, der tatsächlich eine eigene Haltung vertritt.

Desgleichen fanden wir bei einem Bosbach, der interessanterweise, trotz schwerer Krankheit immer noch lebt, und in ehemals deutschen TV-Gesprächsrunden endlos schwafeln durfte.

Selbst eine west-preußische Steinbach (*1943) blieb solange auch in der zur SED 2.0 umgewandelten CDU, wie es das Alter und das politische "Geschäft" es zuließ.

Es handelt sich hier um die 3 bekanntesten Gesichter, die quasi das politische Bild einer Werte-Union oder der historischen CDU eines Dregger oder Wallmann aufzeigen.

Da man schlecht in Hirne schauen kann, mag es durchaus sein, daß sich diese Protagonisten wünschen, die AfD möge eine Ersatz-CDU für die längst verlorene CDU sein.

Aber das bleibt alles im politischen Ergebnis zweifelhaft. Die Sicht der Dinge, welche hier die SiN-Forum-Teilnehmer auf Patzelt & Co. werfen, bleibt unwahrscheinlich und naiv.

Laurenz

22. Januar 2021 16:44

(2)

Wären diese Werte-Unionisten tatsächlich eine mächtige politische Gefahr für die Staatsratsvorsitzende, wären sie längst entsorgt worden, wie tatsächliche Mitbewerber um die Macht in der SED-CDU frühzeitig, auch medial, entsorgt wurden.

Werte-Unionisten bieten das Bild einer Diversifizierung der SED-CDU, die es tatsächlich gar nicht gibt. Patzelt und Bosbach sind Klauns, die man sich für diesen Propaganda-Trick einfach als Hofnarren hält oder hielt, und die bewußt diesen "Job" übernommen haben.

Und an einem Merz erkennt man deutlich, was eine selbst gewählte Meuthenisierung der eigenen politischen Persönlichkeit im vorauseilenden Gehorsam bringt. 

Die Niederlage.

sok

22. Januar 2021 17:11

Die Frage, warum Patrioten in Deutschland ausgestorben sind, ist für mich die entscheidende Frage. Es könnte sein, dass man aus der deutschen Vergangenheit gelernt hat, auf Patriotismus zu verzichten. Es ist aber auch möglich, dass  die Deutschen zu Unpatrioten erogen worden sind.

Schmidt-Denter hat das untersucht. Er ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Deutschen kein positives Nationalbewusstsein haben und die Erziehung dafür verantwortlich ist.

Für die AfD bedeutet das, dass man den Widerstand gegen den Tugendterror bei  der Erziehung  in Frage stellen nuss. Das ist gar nicht so schwer, da die Mehrheit der Eltern  und die Mehrheit der Schüler den Druck in der Schule ablehnen und lieber ein normales Nationalbewusstsein hätten.

Wenn z.B. die idenditäre Bewegung die Forschungsergebnisse der Idenditätsstudie von Schmidt-Denter zur Kenntnis nehmen würde, käme sie aus der politische Ecke heraus und würde in die Mitte der Gesellschaft vordringen. Das wäre zumindest aussichtstreicher als die Suche nach Kompromissen.

 

Maiordomus

22. Januar 2021 17:13

@In der Alltagspolitik haben @L1 und L2 wie nicht selten die Dinge realistisch auf den Punkt gebracht, sogar im Gegensatz zu anderen ohne Polemik. Es ist einfach so, siehe oben.

@Monika. Zur Zeit vor und nach 1968. Noch vor 40 Jahren hielt ich die 68er für gescheitert. Verfolgen Sie jetzt nun aber eine der interessantesten Diskussionen, bei youtube "Dutschke - Augstein - Dahrendorf"  1967 eingeben, so sehen Sie, dass der damals kluge FDP-Gelehrte und Politiker Dahrendorf zwar vordergründig gegen Dutschke recht zu haben schien, dass aber der gar nicht schlechte argumentierende Dutschke seine langfristigen Vorstellungen von Revolution so artikuliert hat, dass er heute, 2021, als der erfolgreichste Revolutionär der deutschen Geschichte gelten kann, aber "nur" gesellschaftspolitisch, nicht jedoch mit seinem Traum des Verschwindens des Kapitalismus via 68er Befreiungsphrasen. PS. Im Vergleich zur genannten Debatte gibt es heute fast nur noch Volldummköpfe am TV. 

quarz

22. Januar 2021 18:06

@Solution

Diese Entwicklung war abzusehen, seit langem. Eine brachiale Migrationspolitik, die nicht anders als verbrecherisch zu nennen ist, hat zu einer dramatischen ethnischen Heterogenisierung der "Bevölkerung" geführt. Die empirische Sozialwissenschaft hat einen riesigen Berg an Forschungsresultaten angehäuft, die (trotz multikultiaffiner Sozialforscher, die todunglücklich über die Früchte ihrer eigenen Forschung sind und sich bemühen, sie kleinzureden) die Schädlichkeit dieser Entwicklung belegen. Und die resultierenden Schäden bleiben auch dem forschungsfernen Michel nicht verborgen und lassen sich immer weniger unter den Teppich kehren.

Einem totalitär gesinnten Regime, das auf Teufel komm raus an seinem erwiesenermaßen schädlichen Kurs festhalten will, bleibt darum wenig anderes übrig, als das Festhalten am "ethnischen Volksbegriff", der ja die frühere Abwesenheit all dieser Schäden in Erinnerung ruft, zur verfassungsfeindlichen Sünde gegen die Humanität zu erklären und alles daran zu setzen, das Strafrecht als Waffe gegen Leute nutzbar zu machen, die das Unübersehbare aussprechen.

Dies fürchtend beginnt nun halt auch die AfD einen Eiertanz vor dem Gesslerhut.

Maiordomus

22. Januar 2021 18:37

PS. Als täglicher Bücherleser, zuletzt Bd. 14 der Werke von Joseph Görres (1987), gebe ich selten Tipps für einen Trip im Internet: die Sache mit der Debatte Dutschke - Augstein - Dahrendorf ist bei youtube auffindbar unter dem Stichwort "Rudi Dutschke" und, "Was würde Rudi Dutschke heute tun?", letzteres ist als interessante historische Sendung vom November 1967 unterdessen dem damals noch nicht geborenen Gunnar Kaiser  aufgefallen. Es war eine Sendung vom Norddeutschen Rundfunk. Selber war ich in jenem Spätherbst Philosophiestudent im 1. Semester. Ostern 1968 liess ich mich dann von Prof. Georg Stadtmüller mit anderen konservativen Studenten zu einem Seminar nach Berlin einladen, was zeitlich mit dem Dutschke-Attentat und anschliessenden Demonstrationen kollidierte. Meines Wissens war damals auch Horst Mahler zugegen, der morgen in vorläufiger Freiheit seinen 85. Geburtstag feiern darf:  falls es für ihn noch was zu feiern gibt. Mir ist aufgefallen, dass er damals wie heute stark von einem gnostischen Weltbild geprägt zu sein scheint, was vermutlich auch für Rudi Dutschke zutraf.   

Lumi

22. Januar 2021 19:13

@Imagine um 12:12

„weder rechts noch links“ und die gesamte Opposition gegen die „anti-deutsche Umvolkung“ erfassen und vereinigen

Genau. Aber leider muß man konstatieren, daß es auf der Linken praktisch keine Opposition gegen die Umvolkung gibt. Die Echtlinke (Altlinke), sprich die Arbeiterklasse, hat sich im sogenannten Strukturwandel (= Deindustrialisierung) aufgelöst und die paar altlinken Akademiker haben kaum Gewicht, während die Grünlinke (Neulinke) vor lauter Vielfalt und Klima so verträumt und vertrottelt ist, daß sie weder Volk noch Vaterland kennen will.

Wo soll man da ansetzen? Aus Diskussionen mit diesen Menschen, deren ich früher auch einer war, weiß ich, daß sie total vernagelt sind und ihrem bunten Schwachsinn pseudoreligiös anhängen. Dieser bunte Schwachsinn ist nämlich gut, während Volk und Vaterland böse sind. So einfach ist die infantile Welt der Grünlinken.

So lange diese Menschen keine materielle oder kriminelle Not haben, so lange es ihnen also gut geht, werden sie sich nicht ändern, da sie genau das Wunschprodukt der Systempropaganda sind und von ihr wie von einer wohlig warmen Welle getragen werden.

Lumi

22. Januar 2021 19:25

@Imagine um 16:42

Wie sieht die wirkliche Machtstruktur aus?

Wollen die Menschen dies überhaupt wissen?

Die meisten wollen es nicht wissen. Es ist ihnen unheimlich. Sie wollen im etablierten Narrativ leben. Sie wollen mit dem Strom schwimmen.

Wir hatten mal Meerschweinchen in einem Käfig unter der Treppe. Wenn man sie herausnahm und an eine andere Stelle des Wohnzimmers verbrachte, schnüffelten sie ein wenig herum und marschierten dann schnurstracks zurück in den Käfig.

Man nennt es Demokratie, aber was ist es wirklich? Neben Kleptokratie, Plutokratie und Pseudokratie eben auch eine Kryptokratie oder Kalyptokratie, deren wahre Struktur uns nun mal verborgen ist.

Soweit ich weiß, wurden im Dritten Reich dazu Bücher veröffentlicht, aber es ist natürlich alles VT und ganz doll böse.

Fonce

22. Januar 2021 20:47

@Quarz (22.1. 18:06)

Sie und @Solution (22. 1. 10:45) wettern hier (zurecht) über die verbrecherische Migrationspolitik. Trotzdem fehlt mir Etwas, denn diese Migrationspolitik ist ja nicht die Ursache sondern selber auch schon eine Folge, also müsste man viel vorher ansetzten. Und zwar ist sie die logische Folge einer negativen Bevölkerungspolitik, welche die Geburtenzahlen senkt (zurückgehend auf die Rockefeller Foundation, siehe unten*), durch vorsätzliches Auflösen der Geschlechterrollen (Genderismus = geschlechtslose Gesellschaft; Feminismus) und fehlende finanzielle Solidarität mit den Familien. Zudem verbunden mit einer Medizin, welche die Leute eher kraftlos macht, so dass sie keine Familien mehr gründen. Gemäss Torsten Mann ist das alles eine Situation, die an den Kaufman-Plan (Zwangssterilisierung der Deutschen) erinnert.

*Der Rockefeller-Plan (beschrieben bei Gerald O. Barney: The Unfinished Agenda: The citizen's policy guide to environmental issues, The Rockefeller Brothers Fund, 1977), welcher das Kernanliegen der grünen Parteien ist, die eigentlich kommunistisch-globalistische Tarnorganisationen sind.

Eo

22. Januar 2021 21:03

quarz  22. Januar 2021 18:06

Ich muß nur einmal hier
durch die FGZ, also die Fußgängerzone (Wilmersdorfer Straße) laufen, um zu sehen, daß die vom politisch-medialen Komplex als alternativlos gepriesene und geförderte Entwicklung der Marke 'Einwanderungsland' nicht gesund sein kann. Wer dafür noch Studien braucht, tut mir leid ...

 

Eo

22. Januar 2021 21:08

<Kaiserwoche in Deutschland! Denn das Deutsche Reich (und damit indirekt auch sein Rechtsnachfolger BRD) feierte – theoretisch – 150. Geburtstag.>

Um es kurz zu machen,
bei den 150 Jahren seitdem fällt mir auf -- für 75 Jahre existierte ein Deutsches Reich und danach 75 Jahre nicht mehr. Bin mal gespannt, was die nächsten 75 Jahre bringen ...

Laurenz

22. Januar 2021 23:19

@Lumi @Imagine 

Konservative Salon-Linke, wie Sarrazin, werden schon seit Jahrzehnten aus der SPD rausgeekelt. Ein Kuhlenkampff wäre heute, würde er noch leben, kein Mitglied der SPD mehr.

Als Wagenknecht, wohl durch Lafontaine eines besseren belehrt, sich für den nationalen "Sozialstaat" einsetzte, gab es bei der Linken einen exkrementalen Wind, der Wagenknecht ins hübsche Gesicht blies. Die Linke "hat" einfach fertig und fällt als oppositionelle Kraft vollkommen aus.

@Lumi

Nur zu Ihrer Information, "pseudo-religiös" gibt's nicht. Es gibt nur religiös oder nicht -religiös. Nicht-religiös kann noch den Terminus "weltanschaulich" beinhalten.

Laurenz

22. Januar 2021 23:30

Die Frage, die ich meinen SiN-Freunden stelle, vor allem, nachdem GK (siehe Beitrag von Anatol Broder) die vorigen Debatten, wegen (in Seinen Augen) zu geringer Sauerstoff-Versorgung der Foristen-Hirne, beendet hatte, warum hier weiter eine Beschwerde-Debatte geführt wird? 

Als ob Beschwerden helfen würden.

Können hier nicht auch mal Lösungsansätze erfolgen?

Vor allem in Anbetracht dessen, daß auch meine Aufforderung zur Destruktivität (mein linker Lösungsansatz) der Rechten unter Sauerstoffmangel fällt.

 

@Eo

Mit Verlaub, das hat auch mit Ihrer Person rein gar nichts zu tun, das Reichs-Geschwafel geht mir auf den Senkel. Wie man die aktuelle System-Nummer auch nennt, bleibt sich doch vollkommen gleich. Ich wäre schon froh, wenn wir unser Land wieder Deutschland nennen könnten. Für letzteres trete ich, bis zu meinem Ableben, ein.

Imagine

23. Januar 2021 00:43

@Lumi  22. Januar 2021 19:13
„Genau. Aber leider muß man konstatieren, daß es auf der Linken praktisch keine Opposition gegen die Umvolkung gibt.“

Es ist richtig, die etablierten Linken sind opportunistisch und systemkonform. Ihre Organisationen Parteien, Gewerkschaften, Medien (wie zB. die taz) sind gekapert und mit V-Leuten und Agents Provocateurs durchsetzt. Dies ist bei den Rechten nicht anders.

Oppositionelle oder gar revolutionäre Gegenstrukturen sind in Form von Massenorganisationen in modernen Gesellschaften nicht mehr aufzubauen.

Diese Zeit ist vorbei.

Denn die psychologischen, informationellen, medialen, technischen Mittel der gesellschaftlichen Überwachung und Kontrolle sind so optimiert, dass eine „Revolution von unten“ nicht mehr möglich ist.

Es gibt auch keine einzige entwickelte Gesellschaft, wo jemals eine „Revolution von unten“ erfolgreich war.

Die Arbeits- und Nutzmenschen besitzen heute nicht einmal mehr Streikmacht. Immer mehr werden zu Überflüssigen, deren Arbeitskraft nicht mehr profitabel verwertet werden kann.

Gewerkschaftsfunktionäre können  zu „Arbeitsdirektoren“ aufsteigen. Sie gehören dann zum Management, werden auch so bezahlt und betreiben Gewinnoptimierung.

Wilde Streiks sind für die Unternehmen willkommene Anlässe, um Personal entlassen zu können.

tearjerker

23. Januar 2021 01:10

@Eo: „bei den 150 Jahren seitdem fällt mir auf -- für 75 Jahre existierte ein Deutsches Reich und danach 75 Jahre nicht mehr. Bin mal gespannt, was die nächsten 75 Jahre bringen ...“

Der Reichsgedanke ist in den aktuellen Gebilden wie der globalisierten westlichen Welt oder dem „gemeinsamen“ Europa sehr lebendig, sofern man ihn erstmal als übernationales Konstrukt versteht. Das zweite Reich rasierte auch schon die ihr untergeordneten Nationen und strickte dazu an der dazu passenden Geschichte. Die historischen „Brüche“ der letzten 200 Jahre konnten diese Unterströmung manchmal verlangsamen, die Idee blieb und suchte sich neue Formen.

anatol broder

23. Januar 2021 01:57

@ limes 13:05

boomer·esk – einem boomer ähnlich. boomereskes gepolter ist die haupttätigkeit des erfolglosen belagerers. der volksmund stimmt zu: bellende hunde beissen nicht. siehe auch zahnloser tiger oder poltergreis.

Maiordomus

23. Januar 2021 08:34

@Lumi. Was Sie "pseudoreligiös" nennen, ist durchaus, wenn auch auf niedrigem Niveau, religiös; beruhen doch die Naturreligionen wie noch der rechtshistorisch bis heute nachwirkende Hexenglaube auf der Wechselbeziehung Mensch - Wetter -Klima einschliesslich dessen Beschwörung und Beeinflussung, was zwar letzteres heute mehr als nur ein Mythos ist, bloss nur ohne Zusammenhang mit dem Überleben der Menschheit, Weil nämlich von allen Art von sog. höheren Lebewesen der Mensch der mit Abstand am besten auf Klimawandel und verschiedene Klimabiotope Anpassungsfähige bleibt, vergleiche sein Verbreitungsgebiet. Vernünftige naturschützerische Massnahmen, auch gegen die Luftverschmutzung, sind und bleiben selbstverständlich sinnvoll, nur haben sie nichts mit Weltrettung zu tun. Teilhard de Chardin ging von einer ruhigen Perspektive, auf eine Million Jahre bezogen, aus. In diesem Zusammenhang war für ihn auch die päpstliche Verurteilung seiner selber von ihm als ev. als falsch einzuschätzenden Theorie bedeutungslos. Etwas mehr Nerven wären vielleicht auch heute wieder gefragt. 

KlausD.

23. Januar 2021 10:16

Off topic, aber aus aktuellem Anlaß und interessant allemal - wen oder was erreicht man, wenn als Zieladresse "antifa.com" eingegeben wird?

http://www.antifa.com

Imagine

23. Januar 2021 11:07

1/2

Dass eine „Revolution von unten“ – also eine „Revolution der Massen“ bzw. des „jakobinischen Typs“, wie diese sich Marx, Engels, Lenin, Trotzki, Luxemburg et al. vorstellten, in wissenschaftlich und technisch hochentwickelten Gesellschaften nicht mehr möglich ist, ist keine neue Erkenntnis.

Adorno und Horkheimer hielten eine Transformation der kapitalistischen Gesellschaft für unmöglich. Eine Kritik des kapitalistischen Systems sei noch im Denken möglich, aber in der Praxis hielten es für unüberwindbar.

Nach dem Scheitern der revolutionären Ansätze in der 68-er-Bewegung, die keine Resonanz, sondern sogar Widerstand in der Arbeitsbevölkerung hatte, kam der Abschied von der marxistischen Revolutionstheorie mit der Arbeiterklasse als potentiell revolutionärem Subjekt.

Wissenschaftler wie Ossip K. Flechtheim formulierten klar die Erkenntnis, dass eine „Revolution von unten“ nicht mehr möglich sei.

Imagine

23. Januar 2021 11:08

2/2

Wer auf die revolutionäre Bewegung der Massen hofft und setzt - wie es in der 68-er-Zeit noch die revolutionären Linken taten und es heute die revolutionären Rechten noch machen - ist also auf dem Holzweg.

Das bedeutet dies nicht, dass gesellschaftliche Transformationsprozesse unmöglich geworden sind. In letzter Zeit haben in der Welt drei große Revolutionen stattgefunden: Die Auflösung des Sowjetimperiums, die neoliberale Revolution im Westen und der revolutionäre Kurswechsel in China durch Deng Xiaoping und die konsequente Weiterführung durch Xi Jinping.

Franz Bettinger

23. Januar 2021 11:20

@limes, @quarz: Der Michel wird sich entscheiden müssen zwischen identitär oder totalitär. Es gibt dazwischen: nichts. 

@heinrichbruek (Pass / Ethnie): "Özdemir ist deutsch, aber nicht Deutscher.“ Knapper kann man’s nicht sagen. 

@Was nötig ist: William S. Schlamm sprach vom (nötigen) vertikalen Bürgerkrieg + vom unnötigen horizontalen (Links gegen Rechts).

@Lau: schöne Anmerkung zum Terminus pseudo-religiös. Quasi-religiös müsste man (auch) gelten lassen. 

Laurenz

23. Januar 2021 13:35

@Imagine

"Als konservative Partei mit dem Ziel des Erhalts deutscher Hochkultur hätte die AfD sich nicht politisch „rechts“ positionieren dürfen, sondern „weder rechts noch links“".

Falsch!

Alles was nicht in den Meinungs-Korridor paßt, verfällt dem "Kampf gegen Rechts". Ich fordere Sie wiederholt auf, den Sommerfeld-Artikel zu lesen und zur Kenntnis zu nehmen. Auch eine liberale Anti-Euro-Politik der frühen AfD wird nach extrem "rechts" "degradiert".

Es gab noch nie Revolutionen von unten. Allerdings brauchen Revolutionäre, auch die des CIA und des MI5, materielle Unzufriedenheit einer Mehrheit der Bevölkerung, welche die Basis für erfolgreiche Revolutionen liefert. Also tut der Revolutionär alles dafür, mehrheitliche, materielle Unzufriedenheit herzustellen, vor allem Streiks & Kriege sind ein probates Mittel oder die Forderung nach exzessiven Staatsausgaben. Diese Destruktivität debattiere ich schon seit Monaten auf der SiN, aber ich dringe nicht durch. Auch ich muß mich wohl auf die Sauerstoffversorgung meine Beitrags-Partner auf der SiN beziehen.

Unsere Polizei mutierte bereits zur Volkspolizei, der VS zur Staatssicherheit. Durch die Wahl Bidens, ist ein Putsch durch die Bundeswehr erstmal ausgeschlossen.

Imagine

23. Januar 2021 13:53

Alle deutschen Staatsbürger besitzen die gleichen staatsbürgerlichen Rechte.

Die Deutschen – auch die indigenen – waren schon immer kulturell unterschieden je nach Stand, Klasse, Bildung, Einkommen, regionaler und lokaler Herkunft etc.

Mit anderen Worten: Kulturell gab und gibt nicht den Deutschen und auch nicht die Deutschen.

In meiner Jugend gab es im nahen Umkreis unserer Stadt, in der reines Hochdeutsch  gesprochen wurde, Dörfer, in denen eine völlig unterschiedliche Sprache gesprochen wurde, die ich nicht verstehen konnte. Dörfer, die keine 10 km auseinanderlagen, hatten jeweils eine völlig unterschiedliche Sprache.

Für diese Dörfler war das elaborierte Hochdeutsch eine Art Fremdsprache, die sie erst auf dem Gymnasium erlernen mussten.

Das ist ähnlich wie beim „Schwizerdütsch“ mit seinen unterschiedlichen Regional- und Lokaldialekten. Das ist eine Dörflersprache mit Infantilismen, wie am Diminutiv erkennbar.

Die wenigsten Schweizer erwerben hohe Sprachkompetenz in der deutschen Hochsprache, weil dies nicht in Schulen und Hochschulen gesprochen wird, auch wenn dies als obligat vorgeschrieben ist. Deshalb gibt es auch Probleme im Verständnis mit anspruchsvollen Texten.

Imagine

23. Januar 2021 14:46

Die Massen spielten bei den drei große Revolutionen: Die Auflösung des Sowjetimperiums, die neoliberale Revolution im Westen und der revolutionäre Kurswechsel in China keine Rolle. Auch in der DDR nicht. Die Auflösung des Ostblocks war längst zuvor ausgehandelt und beschlossen worden.

Bei diesen Revolutionen fand jeweils ein „System Change“ statt.

Die Massen haben die neoliberale Revolution als „Revolution von oben“ bis heute nicht verstanden, obwohl dies in den Sozialwissenschaften schon seit Jahrzehnten diskutiert wird.

Die Systemfrage ist entscheidend.

Bei den wissenschaftlich-technischen Revolutionen stellt sich immer die Frage, inwieweit diese auf das gesellschaftliche System einwirken und zu einem Systemwechsel führen.

Laurenz

23. Januar 2021 14:49

@Franz Bettinger

Es gibt auch kein quasi-religiös.

Maiordomus

23. Januar 2021 14:53

@Imagine. Das mit den "Infantilismen" des Schweizerdeutschen haben Sie so wenig verstanden wie es etwa dem Südtiroler Dialekt nachzuweisen wäre, mit einer Dichtung teilweise auf Hölderlin-Niveau, etwa der Übertragung des usura-Cantos von Pound in jene Sprache. Sie kennen auch nicht die 56 Varianten des Gleichnisses vom Verlorenen Sohn auf Schweizerdeutsch oder wirklich gute Mundart-Lyrik von Albert Streich bis Kurt Marti. Von Goethe gibt es freilich die Übernahme eines eher mässigen Liedes "Uf em Bärgli bin gsässe", was aber bei weitem nicht das Niveau darstellt. Die wohl bis heute beste Übersetzung des Vaterunsers in eine germanische Sprache erfolgte 1970 durch Prof. Stefan Sonderegger, udn zwar ins Appenzellische. Drei Meter von mir lagern ein Dutzend Bände des Schweizerdeutschen Idiotikon, das ist nun mal die Grundausstattung. 

Laurenz

23. Januar 2021 15:14

@Imagine

Sie verstehen weder den Begriff "Kultur" noch den Begriff "Sprache" noch den Begriff "Herkunft". Deutsche Dialekte sind nun mal Deutsche Dialekte und eben keine franzmännischen oder griechischen.

anatol broder

23. Januar 2021 15:51

einen guten namenswitz brachte jürgen einhorn zu papier: spiritalis unicornis – das einhorn als bedeutungsträger in literatur und kunst des mittelalters (1998). das buch stellt die bayerische staatsbibliothek digital frei zur verfügung. der von mir geschätzte daniel scholten (deutsch für dichter und denker) empfiehlt es so: «wer die gegenwart verstehen will, kommt um dieses buch nicht herum.»

(ich bitte um die löschung meines kurz vorher versehentlich abgeschickten unvollständigen kommentars.)

Solution

23. Januar 2021 16:26

@ Imagine

Was Sie hier unterschlagen, ist die biologische Dimension von Völkern. Hierzu hat zum Beispiel Andreas Vonderach in seinen Büchern ausreichend Fakten geliefert. Die Lektüre seiner Bücher, vor allem seiner "Anthropologie Europas" (Ares) kann Ihnen nur dringend empfohlen werden. Die Konservativen lesen überwiegend leider keine Bücher der modernen Humanwissenschaften. Da wundert es mich auch nicht, wenn die AfD sich zu einer cuckservativen Partei entwickelt hat. Längst erklärte sie sich grundsätzlich und explizit für Einwanderung und schließlich unterwirft sie sich nun der Sichtweise der Kartellparteien, die den Paßdeutschen zu einem Deutschen machen. So, wie das Bundesverfassungsgericht dieses unfaßbare Konstrukt quasi per "Putsch von oben" propagiert, hat die AfD jetzt in der entscheidenden Frage des Deutschen Volkes von oben ebenso deren Mitglieder vor vollendete Tatsachen gestellt. Die angeblich so basisdemokratische AfD verblüfft nicht zum ersten Mal mit derartigen Vorgaben. Als nunmehr cuckservativ wird die AfD weiter an Rückhalt im rechten Bereich verlieren. Für mich ist hier die allerletzte rote Linie überschritten.

Maiordomus

23. Januar 2021 16:30

@Um nicht als Angeber zu gelten: Die Varianten des Gleichnisses vom Verlorenen Sohn in über 50 Versionen der verschiedensten Tal- und Stadtmundarten wurden 1819 von Franz Joseph Stalder gesammelt, dem mit den Brüdern Grimm verbundenen Begründer der Schweizer Mundartforschung, publiziert damals in der "Schweizerdeutschen Dialektologie". Gleichzeitig lebte J. Görres im Aarauer Exil nahe bei Zschokke und Stalder, nicht zu vergessen der damalige des Freiherren von Lassberg (Meersburg), der, als Wagner noch ein kleiner Junge war, bei der Magd von Stalder eine Mundartversion des alten Tannhäuserliedes sprachlich und musikalisch transkribierte, es war die Zeit des Schweizer Aufenthaltes von Clemens Brentano. Diese Forschungen sind nicht zu verwechseln mit dem allzu schlichten Lied, das Goethe um 1777 überlieferte. Grundlegend für neuere Mundartlyrik ist der Band "Rosa Loui" von Kurt Marti (1979), und bei Sondereggers Vaterunser-Übertragung ist der Vers "Loo üüs nüd versuecht see, nää, lös üüs vom Bööse" epochal, weil Gott hier nicht als Versucher misssverstanden wird. 

Lumi

23. Januar 2021 16:57

@Maiordomus um 08:34

Weil nämlich von allen Art von sog. höheren Lebewesen der Mensch der mit Abstand am besten auf Klimawandel und verschiedene Klimabiotope Anpassungsfähige bleibt, vergleiche sein Verbreitungsgebiet.

Danke! DIes Argument ist genial und ganz nach meinem Geschmack. Wir haben gut gelacht in Vorstellung des dummen Gesichtes eines Klimaspinners, dem man dies entgegenhält.

(...)

Lumi

23. Januar 2021 17:41

Alle Dialekte sind gut. Ihr im Süden, hegt und pflegt sie. Im Norden sind sie verschwunden. Mit dem Rohrstock ausgetrieben und ersetzt durch ein pedantisches und stocksteifes Ideal von "Hochdeutsch". Statt Vielfalt nun Monokultur, allenfalls regional gefärbt.

Vielleicht mußte es sein für die nationale Einheit (weil ja eine Kluft zwischen niederdeutschen und hochdeutschen (mittel+oberdeutschen) Mundarten besteht). Aber es ist doch auch schade.

Sugus

23. Januar 2021 22:03

@ Imagine 13:53

-Dialektale Unterschiede gibt es auch in anderen Ländern, ohne dass jemand sagen würde, es gäbe die Italiener nicht oder die italienische Kultur

-Die Dörfer mit den "verschiedenen Sprachen" gibt es auch im Schwäbischen, da wird dann halt ein Ding im Dorf A etwas anders benannt als im Dorf B oder die Aussprache ist etwas anders. Verstehen tun sich die Leute trotzdem ohne Probleme. 

-Dass so außergewöhnlich viele Süddeutsche/Deutschschweizer berühmte Literaten geworden sind, hängt sicher damit zusammen, dass der Unterschied zwischen Dialekt und Hochsprache das Sprachgefühl trainiert. Wer wie Sie nur Hochdeutsch aufgewachsen ist, wird das natürlich nie verstehen können. Übrigens lobte mein aus Hannover stammender Französischlehrer die Nasalität der Schwaben: Sie wäre die Grundlage für gutes Französisch. 

 

 

Franz Bettinger

23. Januar 2021 22:15

@Lau: unter quasireligiös verstehe ich eine religionsähnliche Überzeugung, z.B. den Glauben an Corona oder den Glauben an die Existenz von Viren (der sich neulich im SiN-Podcast gezeigt hat, wo Covidioten mit Virus-Leugnern gleichgesetzt wurden). Andere Beispiele sind der Klimawandel oder das Schlechte im Rechten und das Gute in der Merkel. Quasi-religiös nenne ich eine Überzeugung, die man nicht mehr diskutiert und nicht mehr hinterfragt. Die Geschichte der Menschheit ist geplastert mit Irrtümern und Holzwegen. Ich habe oft darauf hingewiesen, erspare mir die Wiederholung.

Franz Bettinger

23. Januar 2021 22:30

@Imagine schreibt "Wer sich expliziert Rechts positioniert, verunmöglicht die Kooperation mit Kritikern, die eine klare Grenze zwischen sich und den Rechten ziehen." Das ist so lange Stuss, wie Sie sich (trotz wiederholten Aufforderungen) weigern, Rechts zu definieren. Wir Rechte haben unser Rechts Sein längst definiert. Sie nicht - und das aus guten schlechten Gründen. Sie haben eine quasi-religiöse Blockade gegen das Wort Rechts, weil Sie (persönlich) diesen Begriff mit Dingen besudeln, die diesem Begirff nicht gerecht werden. Obwohl ich hin und wieder beim Überfliegen Ihrer Texte zu erkennen glaube, dass sie auch Brauchbares enthalten, ekelt mich Ihre Borniertheit (in der Frage Rechts-Links) derart, dass ich Sie nicht mehr ernst nehme, was (ich gebe es zu) ebenfalls einer Quasi-Religiosität meinerseits entsprechen mag. Egal. Ich kann nicht anders.

Gelddrucker

23. Januar 2021 23:09

@Solution

Diese Staatsvolk-Erklärung könnte auch nötig gewesen sein, um eine VS-Einstufung als Prüffall zu verhindern.

Ich würde die Erklärung nicht überbewerten, vor allem nicht der AfD die Unterstützt entziehen.

Bei Bedarf kann diese Erklärung auch einfach wieder rückgängig gemacht werden. 

limes

23. Januar 2021 23:25

@ anatol broder (23. Januar 2021 01:57)

Danke, so etwas habe ich befürchtet, und deshalb war meine Frage nach der Verwendung des Begriffes »boomeresk« eine Herausforderung an BK, den ich sehr schätze und der sogar mein Lieblingsautor bei SiN ist.

Es geht um meine Generation, und weder bin ich zahnlos noch vergreist. Dass die jüngere Generation erfolgreicher im Widerstand ist, sehe ich auch nicht.

Welchen Sinn macht es, Generationen gegeneinander auszuspielen? Noch genau erinnere ich mich an das Gefühl in jüngeren Jahren, den Höhepunkt der Entwicklung erreicht zu haben, weshalb ein Zuwachs an Erkenntnis und Erfahrung nicht möglich wäre und geänderte Perspektive allenfalls als Zeichen von Vergreisung (»Zahnlosigkeit«) zu deuten wären.

limes

23. Januar 2021 23:35

@ Lumi (23. Januar 2021 17:41)

Der Niedergang der deutschen Mundart ist keineswegs ein Gebot der deutschen Einheit, die sprachliche und andere Stammeseigenheiten vorwiegend schmunzelnd und liebevoll integrierte, sondern im Gegenteil Triumph der alles einebnenden Globalisierung.

Maiordomus

24. Januar 2021 10:32

PS. Der Besuch des Freiherrn von Lassberg aus Meersburg, verschwägert mit Annette von Droste-Hülshoff, in der Schweiz und zumal in Beromünster erfolgte noch zu Lebzeiten des 1833 verstorbenen und in Beromünster begrabenen Gründers des Schweizerdeutschen Idiotikon, Franz Joseph Stalder. Es ging diesem wie zum Teil auch Joseph Görres um Ursprünge deutscher Sprache und Dichtung incl. Mythologie, nicht zu vergessen natürlich die von Prof. Stefan Sonderegger erforschten sämtlichen Quellen des St. Galler Althochdeutschen, welche auch sittengeschichtlich von  Bedeutung bleiben. Als das Gegenteil von "infantil" schliesslich wirken Altversionen von Sagen etwa in Urner, Walliser und Walser Mundart, letztere etwa im einzigen Walserdorf im Tessin, Bosco-Gurin, wo es heute noch zehnmal mehr altüberlieferte Sagen gibt als walserdeutsch sprechende Einwohner. Bei Recherchen vor 30 Jahren viel mir ein kleiner Junge auf, welcher noch uralte Pflanzennamen nicht wie ein Philologe kannte, sondern sie als muttersprachlich verwendete, etwa "Guggarsch-Harparu" (Kuckucks-Erdbeere oder Kuckucks-Kartoffel) für die feuerabwehrende Dachpflanze Berg-Hauswurz. Er kannte für das Gewächs, eine Selbstverständlichkeit seiner Umgebung, keinen anderen Namen! Da kann in Sachen "autochthon" wohl kein Deutschnationaler mithalten!

RMH

24. Januar 2021 11:57

"Für diese Dörfler war das elaborierte Hochdeutsch eine Art Fremdsprache, die sie erst auf dem Gymnasium erlernen mussten. ... Deshalb gibt es auch Probleme im Verständnis mit anspruchsvollen Texten."

@imagine,

1.

Das ist das übliche Vorurteil von Leuten der neueren Zeit, die meinen, nur weil sie das "Hochdeutsche" quasi mit der Muttermilch aufgesogen haben, ein besseres Verständnis für diese Sprache zu haben. Faktisch es aber genau umgekehrt. Wer von einer Dialektbasis aus kommend, sich das Hochdeutsche erwirbt, hat ein viel breiteres Verständnis, insbesondere auch bei anspruchsvolleren Texten, die zudem oftmals noch ordentliche Mengen an Fremdwörtern haben, für die dann zum tieferen Verständnis wiederum entsprechende Fremdsprachenkenntnisse vorauszusetzen sind - und gerade in den Dialekten gibt es eben sehr oft auch Fremdwörter.

 

RMH

24. Januar 2021 11:58

@Imagine,

2.

Die größten Dichter Deutschlands (Schiller, Hölderlin, Goethe etc.) kommen aus Dialektregionen und haben auch entsprechend gesprochen und jetzt nenne mir mal einer einen, bei dem das nicht der Fall war (wird ja auch Ausnahmen geben - Heine als Jude könnte einer sein, aber mit welcher Sprache, welchem Dialekt er aufgezogen wurde, ist unbekannt) - zumal selbst in den Gegenden, die sich heute für "hochdeutsch" halten, noch vor 50 bis 75 Jahren eben überwiegend Dialekt gesprochen wurden. Das Land mit Dörfern und Kleinstädten ist in Bezug auf das Volk der Maßstab, nicht irgendeine halbdegenerierte Stadtbevölkerung. Von einem dezidiert Linken so etwas, wie oben, zu lesen ist befremdlich, da gerade das Hochdeutsche keine natürliche Herkunft aus einer bestimmten Region hat, sondern Mittel der Distinktion und des Klassenkampfes von oben war. Siehe auch H. Heine, der das Düsseldorfer Platt seiner Heimatstadt als mehr oder weniger Froschgequake bezeichnete, um so das Näschen oben zu halten.

anatol broder

24. Januar 2021 12:33

@ laurenz 23:30

Können hier nicht auch mal Lösungsansätze erfolgen?

anonyme versammlungen sind nicht konsensfähig. das liegt am fehlenden gleichgewicht zwischen recht und pflicht.

quarz

24. Januar 2021 13:39

@RMH

"größten Dichter Deutschlands (Schiller, Hölderlin, Goethe etc.) kommen aus Dialektregionen und haben auch entsprechend gesprochen"

Manche Stellen im "Faust" reimen sich ja nur, wenn man sie im hessischen Dialekt liest. Die Hörer von Schillers Vorlesungen in Jena hatten einige Mühe, seinen schwäbisch gefärbten Duktus zu dechiffrieren. Und selbst Hölderlin verfiel gegenüber seinen gelehrten Besuchern im Turm ins Schwäbische, als er Diotimas Schicksal rekapitulierte: "Ond wisset Se, wies no ganga isch? Närret isch se worde, närret, närret, närret".

Lotta Vorbeck

24. Januar 2021 13:51

@limes - 23. Januar 2021 - 11:35 PM

Der Niedergang der deutschen Mundart ist keineswegs ein Gebot der deutschen Einheit, die sprachliche und andere Stammeseigenheiten vorwiegend schmunzelnd und liebevoll integrierte, sondern im Gegenteil Triumph der alles einebnenden Globalisierung.

---

Bis Mitte der 1980er Jahre konnte man, im Spreewald noch, zugegeben nur bei damals alten Frauen, Alltagstracht beobachten.

Die Mundarten verdunsteten parallel zum Verschwinden der Trachten. Anhand alter Postkarten und Photos läßt sich jener Zeitpunkt genau bestimmen, an dem die gezielte Vernichtung dieses Kulturgutes begann.

anatol broder

24. Januar 2021 15:04

@ limes 23:25

Welchen Sinn macht es, Generationen gegeneinander auszuspielen?

die antwort darauf gibt arthur schopenhauer in seiner metaphysik der geschlechtsliebe.

Imagine

24. Januar 2021 15:51

@Franz Bettinger   23. Januar 2021 22:30
Rechts zu definieren“

„Rechts“ war und ist eine Kultur- und Milieugrenze und diese hat sich entscheidend geändert.

Das wird deutlich, wenn wir beispielsweise betrachten, wer alles aus dem Establishment in der Vergangenheit in der „Jungen Freiheit“ publiziert hat und wer heute eine Grenze zur Rechtspartei AfD zieht.

Es hat Gründe, wenn z.B. Max Otte und Birgit Kelle in der CDU bleiben.

Lotta Vorbeck

24. Januar 2021 16:25

@Imagine - 24. Januar 2021 - 03:51 PM

"Es hat Gründe, wenn z.B. Max Otte und Birgit Kelle in der CDU bleiben."

---

Ei, gewiß doch!

Wer würde das ernsthaft bestreiten wollen?

Alles, @Imagine, hat seine Gründe.

Imagine

24. Januar 2021 17:32

Zur Grenze zwischen konservativ und rechts.

„Rechts“ wird heute als rechtsextremistisch kontaminiert angesehen, konservativ nicht.

Wer sich heute mit Rechten einlässt, wird als tolerant gegenüber dem Rechtsextremismus und als rechtsextremistisch kontaminiert angesehen.

Laurenz

24. Januar 2021 17:55

@Franz Bettinger

Du hast selbst die Begründung geliefert, warum es "quasi-religiös" nicht gibt. Klima -, Mondflug - & Corona-Gläubige hängen tatsächlich einer Religion mit entsprechenden Regeln und Glaubensgrundsätzen an. Sie unterscheinden sich in keiner Weise von anderen Religionen. Denn glauben heißt einfach nicht wissen, nicht mehr und nicht weniger.

Laurenz

24. Januar 2021 18:00

@Imagine

Wie man am Beispiel Sarrazins sieht, haben Sie Unrecht.

Solution

24. Januar 2021 19:04

@ Gelddrucker

Glauben Sie wirklich, die AfD würde eine derartig umfassende und glasklare Erklärung aus rein taktischen Gründen veröffentlichen? Wann sollte denn dann eine gegenteilige Erklärung erfolgen, zumal der VS und das Verfassungsgericht solange existieren, wie die BRD? Glauben Sie sowas würde ein Meuthen verkünden? Eher kommt Godot und wird AfD-Kanzlerkandidat.

Wie jeder im Bundesprogramm nachlesen kann, ist die AfD sowieso für Einwanderung. Da war es nur noch ein kleiner Schritt in Richtung "cuckservativ". Man sollte aufhören, die zahllosen Fehleistungen der AfD schönreden zu wollen. Was erwarten Sie denn noch von einer Partei, die sogar "für Israel zu kämpfen und zu sterben bereit" ist (so Gauland unter Applaus der Bundestagsfraktion). Die AfD ist auf dem Weg zu einer Alternative ins Nichts.

Imagine

24. Januar 2021 21:44

@Laurenz

Sarrazin war nie Teil des „rechten Lagers“, er hat sich selbst auch nie als ein „Rechter“ definiert. Man hat ihm auch nie Verfassungsfeindlichkeit oder Rechtsextremismus vorgeworfen.

Hier geht die Diskussion ums rechte Lager, um die Differenz zwischen konservativ und rechts sowie um die „Kontaminierung“ durch Rechtsextremismus.

Imagine

24. Januar 2021 21:58

Der Kern meiner Argumentation findet sich oben in meinem ersten Kommentar
(22. Januar 2021 12:09):

„Die historische Aufgabe der AfD wäre gewesen, eine Oppositionspolitik gegen die Massenimmigration zu machen, und zwar auf Basis des Menschenrechts auf kulturelle Selbstbestimmung. Denn die deutsche Bevölkerung war geschätzt zu 70+ % gegen die Politik der Massenimmigration.
Hier hat die AfD historisch versagt. Und daraus resultiert der Niedergang der AfD.“

Es hätte eine Sammlungsbewegung aller(!) Patrioten – einschließlich der linken - gegen die Massenimmigration organisiert werden müssen. Stattdessen ging es den Rechten nur um die Stärkung ihres Lagers.
 

limes

24. Januar 2021 22:20

@ Imagine: »Rechts“ wird heute als rechtsextremistisch kontaminiert angesehen, konservativ nicht. Wer sich heute mit Rechten einlässt, wird als tolerant gegenüber dem Rechtsextremismus und als rechtsextremistisch kontaminiert angesehen.«

Mit dieser simplen Kolportage enttäuschen Sie mich. Versuchen Sie sich doch bitte an Definitionen!

Den Anfang versuche ich mit Gegenüberstellungen und Fragen: skeptisches gegenüber idealistischem Menschenbild; aus der Geschichte lernen oder Utopien anhängen; offenes Aushandeln von Interessen versus totalitäre Alternativlosigkeit; Bindung an die Natur und das Gewordene gegenüber Technik-Absolutismus und Manipulierbarkeit, Einfriedung oder Entgrenzung …

Und dann wäre da noch die Frage, wie Extremismus zu definieren ist, auch im Unterschied zu Radikalität.

Franz Bettinger

24. Januar 2021 22:35

@Imagine: Wie arm! Dafür hätte Ihnen mein Deutschlehrer eine Fünf gegeben. Mangelhaft. Können Sie’s nicht besser? Könnte Ihre Definition von Rechts so in einem Wörterbuch stehen? Wohl kaum. - Was ist? Ihnen fallen doch sonst stets ellenlange Erklärungen ein. Nicht mehr auf der Latte? Dann flüchten Sie sich auch noch ins grammatikalische Passiv. Sagen Sie doch, was Sie (!) für Rechts halten und nicht was mutmaßlich irgendeiner (wer soll das sein? Alle Nicht-AfD-Wähler?) für Rechts hält.

Sie wissen genau, dass Rechts Sein nicht nur völlig legitim, sondern geradezu erste Bürgerpflicht ist, quasi ein Naturrecht. Und dass sich Links Sein erst einstellen kann, wenn vorher für das Rechte sehr gut gesorgt wurde. Sie aber wollen dieses (sehr wertvolle) Wort nicht retten, Sie wollen es in der Müll-tonne sehen. Sie wollen es zum Unaussprechlichen machen. Damit bedienen Sie den Orwellismus, das Gute schlecht zu reden und umgekehrt, und das ekelt mich an. Das ist eines klugen Kopfes unwürdig.

Gelddrucker

24. Januar 2021 23:23

@Solution

 

Wann die gegenteilige Erklärung erfolgen soll? Wenn man was zu sagen hat natürlich. Ja, ich denke es wäre möglich, dass das taktische Gründe hat, denn aktuell ist ja das Thema auf dem Tisch mit Prüffall etc.. Und falls nicht, wie gesagt, einfach später absägen. Wichtig ist erstmal, den Stimmanteil zu vergrößern. Dazu muss man eben für jetzt von Positionen abrücken, die vielen Wähler zu "radikal" oder "krass" oder was auch immer sind. Später dann kann man die notwendigen Maßnahmen einleiten.

 

Es gibt sowieso keine Alternative zur AfD. Sie muss gewählt werden, egal mit welchem Personal. Personal kann man austauschen.

anatol broder

25. Januar 2021 01:49

@ franz bettinger 22:30

Das ist so lange Stuss, wie Sie sich (trotz wiederholten Aufforderungen) weigern, Rechts zu definieren.

der textbaustein von imagine (15:33) ist sogar ewiger stuss, denn darin kann man rechts durch eine beliebige eigenschaft ersetzen:

Wer sich explizit als imaginär positioniert, verunmöglicht Kommunikation und Kooperation mit Kritikern und Oppositionellen, die eine klare Grenze zwischen sich und der Nähe zu Imaginären und dem Imaginismus ziehen.

Sugus

25. Januar 2021 09:26

@ Imagine 21.58

Es gibt kaum linke Patrioten in Deutschland, und die würden sich nie - als Gruppe - in einer Sammlungsbewegung mit Konservativen geschweige denn mit Rechten zusammentun. Dabei sind Linke oft erstaunlich ausländer- und einwanderungskritisch, wenn man sich hinter vorgehaltener Hand mit ihnen unterhält. Aber sie sind konsequent darin, dass "die Rechten nicht davon profitieren sollen". 

Solution

25. Januar 2021 10:19

@ Gelddrucker

Sie schlagen mir allen Ernstes vor, eine Partei zu wählen, die in allen mich interessierenden Punkten grundsätzlich ähnliche Thesen wie die Kartellparteien vertritt (pro Einwanderung, pro Kriegseinsatz zugunsten Israels, gegen einen ethnischen Volksbegriff, usw.) nur in der Hoffnung, daß die Partei irgendwann in einer nebulösen Zukunft einmal erklärt: "April April! Wir drehen unsere früheren Aussagen ab jetzt komplett um und wollen das Gegenteil"? Einfach nur grotesk.

Imagine

25. Januar 2021 10:36

1/2

In „Sammelstelle2“ habe ich bereits geschrieben:
„Rechts“ ist heute eine Sammelbezeichnung für ein sehr heterogenes und widersprüchliches Milieu. Kleinster Nenner ist die Feindschaft gegenüber den „Linken“. Insgesamt ist es ein Mischmilieu, ideologisch konfus und ohne klare gemeinsame Programmatik und Zielsetzungen.

So etwas lässt sich nicht sachlich-inhaltlich definieren.

Man kann nur sagen, dass es sich um ein polit-religiöses Milieu handelt, welches keine gemeinsame rationale Basis besitzt. Aber dies gilt für andere politisch-religiösen Mischmilieus auch: Linke, Ökologisten, Katastrophengläubige, Feministen, Veganer, Corona-Gläubige und -Leugner usw. usf.

Dies  sind alles Milieus ohne klare rationale Identität.

Die ideologischen Vorstellungen von Hayekianern in der AfD stehen in völligem Widerspruch zu dem, was ein Benedikt Kaiser will.

Die Anhänger der Marktreligion wollen einen schlanken und schwachen Staat und deregulierte Märkte, die anderen das Gegenteil. Weil sie sich auf einem intellektuell höherem Niveau befinden und begriffen haben, dass der Staat als Organisator eine Produktivkraft darstellt, vorausgesetzt man verfügt wirtschaftlich über ein entsprechend hohes technologisches Niveau, was im Ostblock nicht der Fall war.

Imagine

25. Januar 2021 10:37

2/2

Das rechte Lager definiert sich nicht klar.

Definieren bedeutet, wie das Wort sagt, Grenzen zu ziehen. Für Rechte ist die AfD ihre Partei, ein Strache, ein Sellner, ein Höcke usw. ist einer der ihren, genauso wie ein Horst Mahler, eine Ursula Haverbeck usw.

Politische Milieus, ob rechte oder linke, sind durch Irrationalität gekennzeichnet, so durch irrationale Selbst-Attribuierungen („Wir sind die Guten, die Realistischen, die Skeptiker, die geistig Gesunden, die Moralischen …“), die anderen sind die „Linken“.

Für die Linken ist es genau umgekehrt, die halten sich für die Guten, die Moralischen … und  die Rechten die „Nazis“.

Genau diese Art von selbstreferentiellen politischen Milieus gab es auf Seiten der Linken in der 70-er Jahren bei den K-Gruppen, in diese wurden Revolutionshoffnungen hineinprojiziert: Und parallel dazu gab es die Anhänger diverser Sekten, die Bhagwan-Bewegung, Scientology usw., die haben andere Führer und Gurus, gemeinsam finden sich irrationale Hoffnungen.

Für mich gilt daher: Weder links, noch rechts religiös– sondern Orientierung an wissenschaftlicher Realität. Für mich sind daher Leute wie Meuthen, Strache, Sellner, Höcke als Führungspersonen genauso inakzeptabel wie Merkel, Habeck, Baerbock, Kipping etc.

Religiöse – auch Polit-Religiöse – kann man nicht mit rationaler Argumentation überzeugen, weil es sich um Glauben, Hoffnungen, Projektionen etc. handelt.

Imagine

25. Januar 2021 11:04

@Sugus   25. Januar 2021 09:26
„Es gibt kaum linke Patrioten in Deutschland, und die würden sich nie - als Gruppe - in einer Sammlungsbewegung mit Konservativen geschweige denn mit Rechten zusammentun.“

Das ist eindeutig falsch.

Was bedeutet Patriotismus?

Dafür zu sorgen, dass es dem eigenen Land, der eigenen Stadt und Kommune gutgeht.

Also Gemeinsinn besitzen, Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen, sich sozial und ökologisch engagieren.

Genau dies machen viele Menschen, die sich als „links“ ansehen. Sie verhalten sich prosozial, arbeiten in sozialen und ökologischen Projekten mit, verhindern, dass wirtschaftlich Raubbau und Umweltzerstörung betrieben wird, engagieren sich für Arme und Schwache, damit keine Slums entstehen etc.

Da kann man fragen, was jene Rechten, die sich für die großen und einzigen Patrioten halten, in der Praxis konkret geleistet haben?

Franz Bettinger

25. Januar 2021 12:25

@Imagine: Eine kurze und völlig ausreichende Definition von Rechts geht, glaube ich, auf Ellen Kositza zurück (in Tristesse Droste?): 'Rechts ist die Wertschätzung und Verteidigung des Eigenen.' Rechts = Eigenes, das ist schon alles, was Sie sich merken müssen. Wer dieser Kurzformel zustimmen kann, ist Rechts. Rechts ist auch das Erkennen und Anerkennen von Unterschieden, die selbstverständlich überall bestehen: bei Individuen, Völkern und Rassen. Diese Erkenntnis war mal banal, heut ist sie mehr als erwähnenswert: sie ist notwendig. Um das Bild abzurunden: Links ist das Gegenteil von dem Gesagten. Links = Gleichmacherei. Unterschiede? Die will Links nicht sehen. Wenn Sie die Genialität dieser einfachen Definition nicht begreifen, tun Sie mir leid. 

Imagine

25. Januar 2021 13:24

1/2

@Franz Bettinger   25. Januar 2021 12:25
Rechts = Eigenes, das ist schon alles, was Sie sich merken müssen“

Viel zu kurz gedacht.

Denn was ist „das Eigene“?

Sieht man sich als Mensch und Teil der Menschheit, dann gehört die Menschheit zum „Eigenen“, und zwar in Differenz zum Tier.

Unterliegt man einem vormodernen tribalistischem Denken, dann denkt man in den Kategorien von Rasse und Volk, und hält dies für „das Eigene“

Was Sie ansonsten noch schreiben, hat nichts mit der Realität zu tun.

Denn es sind doch gerade die Linken, welche die Unterschiede zwischen den Menschen betonen, abhängig von der Sozialisation.

Im Prozess der Zivilisation wandeln sich die Menschen, und zwar abhängig von der materiellen und sozialen Umwelt. Diese Erkenntnis ist das große Verdienst der „marxistisch“ orientierten Forscher und Wissenschaftler, beginnend mit Marx und Engels. Z.B. die Zivilisationstheorie von Norbert Elias. Oder die Ethnopsychoanalyse von Paul Parin.
Es sind doch gerade die Linken, welche die sozialisationsbedingten psychologischen Unterschiede zwischen den Menschen betonen (z.B. Johannes Cremerius).

Imagine

25. Januar 2021 13:25

2/2

Es gibt zivilisatorische Entwicklungsstufen und individuelle Entwicklungsstufen (vgl. z.B. Georg W. Oesterdiekhoff).

Die Linken betonen die Entwicklungsoffenheit der Menschen (z.B. Alexander Mitscherlich).

Es sind die Rechten, welche eindimensionale Primitivtheorien propagieren, in Form einer Determination durch Rasse oder Genetik. Sie glauben daran, weil sie für ihre Rasse und für sich genetische Höherwertigkeit beanspruchen. Das geht zum Teil ins Wahnhafte, so wie im Nazi-Deutschland und bei den heutigen Nachfolgern.

links ist wo der daumen rechts ist

25. Januar 2021 13:50

Wenn man folgenden Satz "Wer vom Neoliberalismus nicht sprechen will, sollte vom Neofaschismus schweigen" in einem linken Umfeld in die Debatte wirft, gilt man als "rechtes Arschloch", das den "Kampf gegen Rechts" nur verwässern wolle, in einem rechten Umfeld darf man sich als "linke Sau" bezeichnen lassen, die die wirtschaftsliberale=rechte Devise "mehr privat, weniger Staat" denunzieren wolle.

Der gemeinsame Feind seit den 90ern heißt Neoliberalismus, aber der linke Mainstream hat sich einkaufen lassen (von Schrenck-Notzing prophezeit) und das rechte (nationale?) Lager fungierte als Steigbügelhalter der wirtschaftsliberalen Rechten, s. ÖVP-FPÖ im Jahre 2000ff.
Die rechten Besitzstandswahrer zittern, bangen um ihre "Vorsorgewohnungen" (die natürlich leerstehen) und schwafeln von Enteignungsphantasien der Linken, denn: links = Gulag.
Die linken Gutmenschen, die ihre Schäfchen ins Trockene (= Kinder in Privatschulen) gebracht haben, angstträumen vor einem "rechten Mob", der den "Umsturz" plane, denn: rechts = KZ.
Wer lacht und lehnt sich selbstzufrieden zurück?
Der gemeinsame Feind. Angst müßte er nur vor einer lagerübergreifenden Gemeinwohlorientierung haben.
Unsere Vorväter mit ihren "Ideen von 1914" waren da schon wesentlich weiter.

Aber wir zerreden - frei nach Thomas Bernhard - unsere "Herkunftskomplexe", indem wir über den Stellenwert von Dialekten nachdenken.
Do isch öppis foul.

Lotta Vorbeck

25. Januar 2021 14:23

@links ist wo der daumen rechts ist - 25. Januar 2021 - 01:50 PM

"Wenn man folgenden Satz "Wer vom Neoliberalismus nicht sprechen will, sollte vom Neofaschismus schweigen" in einem linken Umfeld in die Debatte wirft, gilt man als "rechtes Arschloch", das den "Kampf gegen Rechts" nur verwässern wolle, in einem rechten Umfeld darf man sich als "linke Sau" bezeichnen lassen, die die wirtschaftsliberale=rechte Devise "mehr privat, weniger Staat" denunzieren wolle. ..."

---

D' accord - jeder, der's nicht glaubt, mag es selber ausprobieren.

Gelddrucker

25. Januar 2021 17:31

@Solution

 

Jeder, der nicht AfD wählt, torpediert die Rettung Deutschlands. So ist es. Das einzige Pferd. Und wenn das Wahlergebnis schlecht wird im Herbst, wandern wieder welche aus. Seien Sie also vernünftig und wählen Sie AfD. Es gibt sehr viele Mitglieder und Funktionäre, die das deutsche Volk als Ethnie sehen. Diese Erklärung ist nicht repräsentativ. Überdies ist sie schwammig formuliert, denn sie spricht von Staatsvolk, nicht vom Deutschen Volk als Ethnie. Das kann man leicht uminterpretieren.

Lotta Vorbeck

25. Januar 2021 20:49

@Gelddrucker - 25. Januar 2021 - 07:31 PM

Habe wie @Solution den Kanal voll vom "vernünftig sein".

Reite aka wähle deshalb das mausetote Pferd AfD nicht und auch keines der anderen mehr oder minder toten Pferde.

Wer mit dem Gedanken ans Auswandern schwanger geht, wird sich die Frage "Gehen oder Bleiben?" ganz gewiß nicht anhand von irgendeinem Wahlergebnis in diesem oder einem anderen Herbst beantworten.

 

Franz Bettinger

25. Januar 2021 23:23

@Imagine schreibt (wie gewöhnlich verwässernd und nicht verstehen wollend): "Sieht man sich als Mensch und Teil der Menschheit, dann gehört die Menschheit zum Eigenen, und zwar in Differenz zum Tier.“ - Der Mensch ist auch Teil der Tierwelt und auch Teil des Kosmos. Also: Schießen Sie sich auf den Mond! 

Mal ganz einfach für Sie: Eigen meint, dass einem das Hemd näher als die Jacke sein muss. Dass Sie sich als erstes um sich selbst kümmern müssen (wollen Sie überleben), dann um ihre Familie, dann um ihre Freunde und Nachbarn, dann vielleicht um das Wohl ihres Volkes. Es geht darum, dass Nächstenliebe viel wichtiger als Fernstenliebe ist. Solange Sie ihr Sparbuch nicht nach Afrika hin entleert haben, sind ihre Worte ohnehin nur Heuchelei. 

Imagine

26. Januar 2021 10:20

1/2

@links ist wo der daumen rechts ist   25. Januar 2021 13:50
„Der gemeinsame Feind seit den 90ern heißt Neoliberalismus, aber der linke Mainstream hat sich einkaufen lassen …“

„Neoliberalismus als Feind“ – das ist doch Nonsens.

Richtig ist, dass die Vermögenden ihre leistungsfreien Einkommen erhalten und vermehren wollen. Dass ihnen gelingt, verschweigen die Medien nicht. Man kann aus jeder Einkommens- und Vermögensstatistik lesen, dass die Reichen reicher werden und die Arbeitenden ärmer.

Eine typische Klassenspaltung: Vermögende versus Arbeitsvolk.

Jene, die unten sind, möchten aufsteigen und die Mitte will keineswegs absteigen. Zu solidarischen Handeln im Interesse der arbeitenden Klasse ist kaum jemand bereit oder fähig, auch die Linken nicht.

Nur wird sich diese Tendenz, dass die Arbeitenden immer ärmer werden und immer mehr ins Prekariat absteigen, nicht aufhalten lassen, weil das System so funktioniert und die Vermögenden zu keiner Umverteilung nach unten bereit sind.

Die Linken haben sich entsolidarisiert und die Rechten waren schon immer auf Seiten des Establishments und gegen Umverteilung nach unten.

Auch wenn Benedikt Kaiser es mit dem „solidarischen Patriotismus“ ernst meint, so steht er damit im rechten Milieu ziemlich allein da.

„Neoliberalismus“ ist nichts anderes als das normale Funktionieren des kapitalistischen Systems. Es hat nie anders funktioniert.
 

Imagine

26. Januar 2021 10:34

2/2

Es ist richtig, den Verrat, den Opportunismus und Konformismus der Linken zu kritisieren. Sie haben ihr Ziel, die Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft aufgegeben und versuchen, sich selbst darin komfortabel einzurichten.

Logischerweise bleiben die Systemwidersprüche, die für die Linken der Grund waren, eine Alternative zum kapitalistischen System zu entwickeln.

Diese Widersprüche bleiben und vertiefen sich.

Das Kapital muss immer expandieren, immer neue Märkte eröffnen, daher die Globalisierung und der „Neoliberalismus“. Das System kann nicht anders funktionieren, ansonsten kollabiert es.

Die Menschheit als globaler Reproduktionszusammenhang wird immer konkreter. Die meisten Alltagsgegenstände kommen heute aus China, viele Alltagsnahrungsmittel aus Südamerika und Afrika. Nationale Autarkie ist nicht mehr möglich. Das Volk bzw. der Nationalstaat als autarker Reproduktionszusammenhang existiert nicht mehr.

Das Leben hat sich globalisiert. Und das Kapital geht dorthin, wo es die größten Profite machen kann.

„Neoliberalismus“ ist daher nichts anderes als das normale Funktionieren des kapitalistischen Systems.

Deshalb ist „Neoliberalismus als Feind“ Nonsens, weil es um die Systemfrage geht.

KlausD.

26. Januar 2021 11:18

@Imagine

Sie brauchen gar nicht so lange hin und her zu reden, mir genügt schon allein folgender Satz aus linkem Munde: "Links ist da, wo keine Heimat ist".

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1080543.debatte-um-heimatbegriff-links-ist-da-wo-keine-heimat-ist.html

Und die Krönung des Ganzen: Grüne und Linke hinter der Losung "Deutschland du mieses Stück Scheiße" und "Deutschland verrecke".

https://www.bayernkurier.de/inland/8411-claudia-roth-auf-abwegen/

Imagine

26. Januar 2021 13:10

@KlausD.

Aus der Perspektive von „Linken“ sind „Rechte“ menschenfeindliches und rassistisches Gesindel.

Aus der Perspektive von „Rechten“ sind „Linke“ sind anti-deutsches und heuchlerisches Gesindel.

Das sind typische Prozesse projektiver Gegenidentifikation, altbekannt für einen psychologisch Gebildeten.
So wie bei den Religiösen, wo Christen andersgläubige Christen bekämpften, bekriegten und umbrachten (z.B. Bartholomäusnacht). Das war religiöse Psychopathologie.

Die gegenseitige negative Zuschreibung zwischen Rechten und Linken, ihre Feindwahrnehmung und ihr projektiver Hass aufeinander ist politische Psychopathologie.

In der Arbeitswelt, beim Sport, im Supermarkt, im Dorfalltag etc. spielt – mit Ausnahme bei den Polit-Psychopathen - die politische Orientierung und Religion meist eine untergeordnete Rolle. Da entscheidet der konkrete Mensch, seine Persönlichkeit  und sein Handeln.

Man behandelt die politischen Präferenzen als Privatsache, so wie andere Glaubensdinge, wie Kirchenzugehörigkeit, Ernährungsüberzeugungen usf.

Es ist zweitrangig, welche politische Orientierung z.B. ein Arzt, Rechtsanwalt, Busfahrer, Gärtner etc. präferiert. Hauptsache, die Person ist in ihrem Beruf gut, prosozial orientiert, ehrlich, kooperativ etc.

Imagine

26. Januar 2021 13:41

1/2

Das Freund-Feind-Denken ist in politischen Kontroversen häufig Ausdruck von geistiger Zurückgebliebenheit oder Psychopathie.

Das gilt selbstverständlich auch für das Denken in „Klassenfeind“-Kategorien.

Der Unternehmer ist kein Feind des Arbeiters, sondern er initiiert und gestaltet kooperative Prozesse.

Völlig falsch ist die Gleichsetzung von Unternehmer und Kapitalist.

In der modernen Gesellschaft gibt es in den Kapitalgesellschaften eine Aufspaltung von Kapitaleigner und Unternehmer. Unternehmer sind die Manager, sie sind Lohnarbeiter. Aber sie denken in Privatunternehmen wie die Kapitaleigner, weil sie gewinnabhängig entlohnt werden. Deshalb steht für sie der Betriebsgewinn im Vordergrund, das Gemeinwohl und der Erhalt der Natur sind sekundär.

Das ist der typische Konflikt zwischen betriebs- und volkswirtschaftlicher Orientierung.

links ist wo der daumen rechts ist

26. Januar 2021 16:18

@ Imagine

Denn stellen Sie halt mit Robert Kurz oder wem auch immer die Systemfrage; es wird nichts nützen.
Die Kapitalismuskritik ist so alt (und aktuell) wie der Kapitalismus.
Mir ging es nicht um den linearen Verlauf innerhalb der Kritik (daß der Kapitalismus auf sein natürliches Ende zusteuert, Stichwort Kapitalakkumulation), sondern um zwei Spielarten (innerhalb der Kritik natürlich um den "Reformismus").
Der Kapitalismus mit schlechtem Gewissen während des Kalten Krieges fand 1989ff sein abruptes Ende, "Neoliberalismus" ist nun die unverhüllte Form einer propagierten Alternativlosigkeit - und zugleich auch Chiffre.
Was während des Kalten Krieges das westliche Sozialstaatsmodell war, könnte eben heute eine umfassende Gemeinwohlorientierung sein. Das hebt die Systemwidersprüche nicht auf, sondern schafft als Einspruch gegen eine totalitäre Alternativlosigkeit eine Verschnaufpause bis zum "Endkampf" zwischen Globalismus und chinesischem Modell.

Als Blaupause die von mir mehr als einmal erwähnten "Ideen von 1914" oder als Seitenstrang meinetwegen Rudolf Steiners Weltkriegsschriften.
Und weil wir doch eh alle mehr oder weniger mit Dystopien liebäugeln: einem neuerlichen 1914 (genauer 1917) werden wir nicht entkommen.
 

Imagine

26. Januar 2021 19:23

1/2

@links ist wo der daumen rechts ist   26. Januar 2021 16:18

„Denn stellen Sie halt mit Robert Kurz oder wem auch immer die Systemfrage; es wird nichts nützen.“

Deutschland ist nicht nur „importabhängig“ von den chinesischen Waren, sondern auch „exportabhängig“. So z.B. z.B. in der Autoindustrie. Vier von zehn Neuwagen werden nach China exportiert.

„VW und Audi seien ohne das China-Geschäft nicht mehr vorstellbar, sagte Dudenhöffer. Auch für BMW wachse die Bedeutung. ‚Der Erfolg und das Wachstum der deutschen Autoindustrie wird ebenso wie das Wirtschaftswachstum in Deutschland von China mit geprägt.‘“ (Handelsblatt v. 23.1.21)

Das zeigt die in China vorhandene Kaufkraft. Die deutschen Autoproduzenten bauen neue Werke in China. Aber China wird selbst Auto bauen und exportieren. Gerade im Bereich E-Mobilität.

In Deutschland schwindet die Massenkaufkraft durch die Millionen von arbeitslosen und prekarisierten Deutschen. Immer weniger Deutsche verdienen gut. Zugleich muss die Arbeitsbevölkerung mit ihrem geringen Einkommen Millionen von nicht arbeitenden Flüchtlingen und Asylanten durchfüttern.

Der Staat verschuldet sich immer mehr. Die Deutschen werden zu Zwangsgläubigern.
Die Infrastruktur wird immer schlechter. Die Massenuniversitäten sind Warteschleifen für zukünftige Arbeitslose.

Imagine

26. Januar 2021 19:25

2/2

Die Abwärtsspirale dreht sich in Deutschland und der EU immer weiter und durch Corona noch schneller.

Jetzt brauchte es Patrioten, insbesondere Großdenker mit klaren Zukunftsplänen und –zielen. Aber die gibt es nicht, vor allem nicht in den politischen Parteien. Da gibt es nur primitiven Populismus, Opportunismus, Korruption, Zukunftsillusionen und Lügen.

Natürlich könnte man den Verfall von Forschung und Entwicklung sowie die Deindustrialisierung stoppen. Aber nicht von heute auf morgen. Zudem müsste man dazu bei den Schulen anfangen.

Und man müsste bereit sein, von China und ihrem Wissenschafts- und Wirtschaftsmodell zu lernen.

Aber heute nimmt man die Realität in China nicht einmal zur Kenntnis: Da gibt es nur falsche Vorurteile und Projektionen.

Zur Systemfrage gab es vor anderthalb Jahres ein interessantes Interview mit Thor v. Waldstein (mit Podcast).

 

KlausD.

26. Januar 2021 20:19

@Imagine

"Man behandelt die politischen Präferenzen als Privatsache ... Es ist zweitrangig, welche politische Orientierung z.B. ein Arzt, Rechtsanwalt, Busfahrer ... "

Sie schwafeln. Ich spreche nicht von Privatleuten, sondern von linken Parteikadern, deren ihre hier zum Ausdruck kommende politische Orientierung in Bezug auf ihre Zielstellungen der gesellschaftlichen Entwicklung wohl nicht als zweitrangig angesehen werden kann.

Eo

26. Januar 2021 22:53

Sach mal, Imagine,
ist das Kommentieren hier eigentlich dein Hauptjob ?!  Oder ist das doch mehr die Folge von Cocorona und daß so ziemlich alles dicht ist ?  Mal so 'ne Frage ...

Imagine

26. Januar 2021 23:23

@KlausD. 26. Januar 2021 11:18

Ihr Kommentar gibt ein Beispiel dafür, was ich kritisiere, nämlich Projektion statt Realitätsbezug.

Denn es handelt sich nicht um Äußerungen „von linken Parteikadern, deren ihre hier zum Ausdruck kommende politische Orientierung in Bezug auf ihre Zielstellungen der gesellschaftlichen Entwicklung wohl nicht als zweitrangig angesehen werden kann.

Sondern bei "Links ist da, wo keine Heimat ist", handelt es sich um die Meinung eines freien Journalisten, der u.a. in der „taz“, „jungle.world“ publiziert(e).

"Deutschland du mieses Stück Scheiße" und "Deutschland verrecke" waren keine Äußerungen von linken Parteikadern oder von Claudia Roth.
Sondern im Text des Bayernkuriers steht:
„In dem Demonstrationszug waren nach Medienberichten darüber hinaus Rufe wie „Deutschland verrecke“ und „Nie wieder Deutschland“ zu hören. Nach einem Bericht der „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ konnten Roth und alle anderen die Parolen hören „und liefen doch weiter mit“.“

links ist wo der daumen rechts ist

27. Januar 2021 08:59

Formenzwang 1

 

@ Imagine

Erlaubent, perdon, aber Ihre absatzweise präsentierten "Einsichten" wirken auf mich so unpersönlich wie lieblose Versatzstücke als erste Vorboten aus einer transhumanen Zukunft bzw. erinnert mich das Ganze an die Stehsätze des österr. Kinderkanzlers, von dem der politische Gegner nicht ganz unwitzig behauptet, sein Gebaren sei der mißglückte Versuch, künstliche "Intelligenz" humanoid erscheinen zu lassen.

Da sind mir z.B. linke Renegaten mit allem Fehl und Tadel schon lieber wie Maschke, Rabehl, Böckelmann oder meinetwegen auch Horst Mahler, der halt leider glaubt, den Märtyrer spielen zu müssen, weil er gegen eine "Schuldkult-Religion" ankämpft - und sie dadurch legitimiert.
Aber die hatten alle - ums in meinem brachialen Heimatdialekt auszudrücken - zumindest "Bluat im Beidl".

Dazu paßt dann ja auch, daß sie früher einmal verlauten ließen, sie residierten angejahrt und etwas betucht weit weg von Deutschland an fernen Gestaden...

Imagine

27. Januar 2021 09:49

Warum ich hier kommentiere?

Weil ich Beiträge, wie jene von Benedikt Kaiser als Versuche ansehe, so etwas wie rationale Impulse in eine irre gewordenen Gesellschaft hineinzubringen. Um so etwas wie „Restvernunft“ zu unterstützen, ertrage ich dumme bis idiotische Kommentare sowie Anpöbeleien.

Kann man mit rationaler Argumentation den Zug der Lemminge aufhalten?

Was bleibt als Alternative?

Sich mit einem Glas Sekt mit Erdbeere das irre Treiben anschauen? Einen Joint rauchen?

Das derzeitige soziale Phänomen ist nicht neu. Im letzten Jahrhundert gab es schon mehrmals das Umkippen einer zuvor rationalen Gesellschaft in kollektives Irresein und Selbstzerstörung.

Freud interpretierte dies als „Todestrieb“. Aber in der Natur gibt es keinen Todestrieb. Und auch beim Menschen nicht. Aber es gibt - individuell und kollektiv - dieses Umkippen bzw. Perversion des Lebenstriebs in Irresein und Selbstzerstörung.

WK I, Faschismus und WK II waren Manifestationen dieses Phänomens..

Eine Hoffnung für die Menschheit gibt, dass dieses Phänomen bislang auf die westlich-kapitalistische Zivilisation beschränkt ist.

links ist wo der daumen rechts ist

27. Januar 2021 10:08

Formenzwang 2 / Feindschaft 1

@ Imagine

Feindschaft ist existentiell, wenn sie mein Existenzrecht in Frage stellt, aber nicht politisch konstitutiv. Das Fremde stellt mich nicht in Frage, sondern schafft Abstand.
Feinde auf Augenhöhe kann man rhetorisch bekämpfen, sie dulden oder ihnen vergeben.
Einzig der Kampf gegen übermächtige Feinde ist - im Kleistschen Sinne - so aussichtslos wie ehrenhaft.
Ethnische oder religiöse Bruchlinien allein konnten nie erklären, warum aus jüdischen oder später deutschen oder noch später bosnischen, serbischen oder kroatischen Nachbarn Feinde wurden. Dazu bedurfte es übergeordneter Interessen, die Bruchlinien instrumentalisierten.
"Sie lebten Jahrhunderte friedlich nebeneinander." Wie oft habe ich das nicht in letzter Zeit gelesen, als ich mich wieder vermehrt mit den ehemaligen deutschen Bevölkerungen in Ost- und Südosteuropa beschäftigt habe.

Woraus entstand dann absolute Feindschaft?

 

KlausD.

27. Januar 2021 10:16

@Imagine 26. Januar 2021 23:23

Nun haben Sie mir bereits zum zweiten Male geantwortet. Danke für die Aufmerksamkeit, die Sie mir und dem Thema widmen. Wenn Sie den verlinkten Artikel im ND aufmerksam lesen, werden Sie feststellen, daß die Linken sehr wohl ein Problem mit dem Begriff „Heimat“ haben und sich damit abquälen, geht ja auch gar nicht anders, nachdem sie sich der globalistischen Politik untergeordnet und damit ihre Klasseninteressen verraten haben.

Wenn Sie (als Realitätsbezug) das Transparent mit der Aufschrift „DEUTSCHLAND DU MIESES STÜCK SCHEISSE“ sehen wollen, dann hier (siehe unten):

https://taz.de/Umstrittene-Demo-Parole-in-Berlin/!5209851/

Und wenn Sie sich scheuen, die Mitglieder der linken Gruppe Theorie Organisation Praxis Berlin (TOP) als Parteikader zu bezeichnen – ich nicht.

Imagine

27. Januar 2021 10:21

@links ist wo der daumen rechts ist

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Mit den „dummen bis idiotischen Kommentaren“ sind nicht Sie gemeint – im Gegenteil.

Es stimmt schon, dass ich aus professioneller Distanz das gesellschaftliche Geschehen mit kühler Rationalität ansehe. In der Psychiatrie und insbesondere im Suchtbereich, wo ich als Arzt gearbeitet habe und ständig mit Selbstzerstörungsprozessen zu tun hatte, benötigt man so etwas.

Wie soll man sonst psychisch bewältigen, dass junge Menschen aus „guten Verhältnissen“ mit Drogenkonsum einschließlich des „goldenen Schusses“ sich selbst zerstören und umbringen?

Die distanzierte, „coole“ Betrachtung und Reflexion mag eine Assoziation an „Transhumanismus“ hervorbringen, aber intendiert das Gegenteil.

Transhumanismus ist ein Wesensmerkmal des Kapitalismus. Er geht in berechnender Weise mit Menschen um wie mit Dingen (s. „Entfremdung“, „Verdinglichung“).

links ist wo der daumen rechts ist

27. Januar 2021 10:25

Formenzwang 3/ Feindschaft 2

Helfen uns hier die Ausführungen eines Carl Schmitt zu absoluter Feindschaft in seiner Partisanenschrift, die in manchem an die Gedanken eines Daniel Paul Schreber (in der Lesart Canettis) erinnern, weiter? 
Abgesehen davon, daß er wie die meisten Vertreter der KR in seinen theoretischen Ansichten maßlos überschätzt wird, hatte er, wie auch Ernst Jünger, ein Leben lang mit seinem Formenzwang und der Angst vor Auflösung desselben zu kämpfen.
Hier der Katholik, der in seinen Tagebucheinträgen ein Bewegungsdiagramm seines Trieblebens nachzeichnete, dort der WK1-Frontoffizier, der ein langes Leben darüber nachsann, warum er als Leutnant dann und wann "seinen Mantel auszog".
Beide kämpften gegen ihre Kleistsche Natur und wußten um den Kampf in ihrem Inneren, den sie auf ein Außen projizierten, Schmitts Partisanenschrift als Antwort auf Jüngers "Waldgang" legt beredt davon Zeugnis ab.
Einzig ihr Kollege, der Stabsarzt Gottfried Benn hat die Durchlässigkeiten des Formenzwanges erkannt und akzeptiert (am schönsten nachzulesen im Briefwechsel mit Oelze); wie z.B. auch die WK2-Teilnehmer Arno Schmidt oder der späte Erhart Kästner oder...
Von der anderen Feldpostnummer mag das auch für den Antipoden Brecht gelten, von dem sein intelligentester Schüler, Heiner Müller, gemeint hat, daß er - in seinem Dogmatismus - gegen seine Shakespeare-Natur angekämpft habe.
 

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