8. März 2021

Foul, Werner Patzelt?

Götz Kubitschek / 35 Kommentare

Kositza und ich hatten mit dem CDU-Mitglied und AfD-Erklärer Werner Patzelt bisher ein einziges Mal das Vergnügen.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Er saß neben dem Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz auf einem Podium, das unser Lieblingsumzugsunternehmer aus Schkopau ausrichtete. Es ging um die innere Verfassung unserer zum Teil fassungslosen Gesellschaft: Der erste Lockdown war überstanden, der zweite kündigte sich an, die Frage nach dem Widerstandspotential wurde ebenso laut wie hilflos gestellt, Maaz und Patzelt sollten sich dazu äußern.

Der fragende, die deutsche Psychose ergründende und erklärende Maaz; der joviale, redegeschulte, nah ans Gemüt der Zuhörer angeschmiegte Patzelt: der eine fast selbst hilflos, der andere der beruhigende Ratgeber, der noch einmal die Spielregeln erklärte.

Patzelt: Er verglich das Parteiensystem, die parlamentarische Demokratie mit einem Fußballplatz. Es gebe dort Spielregeln, an die sich alle weitestgehend hielten. Aber auch er nehme Fouls war, ruppige Gangarten, Regelverstöße, aber zum Glück gebe es Schiedsrichter, und über kurz oder lang werde dieses Schiedsrichtergespann und werde vor allem die Tribüne anerkennen, daß hier die eine Seite fair spiele und die andere herumholze.

Voraussetzung dafür: fair spielen, fair weiterspielen, den Musterknaben geben, sich nicht dazu hinreißen lassen, selbst zurückzufoulen oder – noch schlimmer – das ganze Spiel und sein Regelwerk infrage zu stellen. Dies geschehe nun leider schon, und dem Schiedsrichter werde es dadurch fast unmöglich gemacht, die Fairneß der einen Seite anzuerkennen und ihr Recht auf regelkonformen Ablauf des Spiels durchzusetzen.

Das Spiel: unser politisches System; die foule Sau: der politisch-mediale Komplex, also auch Patzelts Partei; die Gefoulten: AfD, Vorfeld, wir, im Rückstand, nur noch mit neun Mann auf dem Platz, zwei rote Karten gab's schon; die Tribüne: der Wähler, und die Schiedsrichter? Die Schiedsrichter? Wenigstens einer, irgendwo?

Erster Impuls nach Patzelts Vortrag: Müdigkeit. Da spielt einer seine gemütliche, seine publikumsnahe Tuba, entfernt Reibungsflächen, bedient die Konfliktscheu, die in jedem von uns eine Heimstatt hat, rät zu Geduld, spricht von Ausrutschern, mal gwinnt mer, mal verliert mer, so is halt, gell?

Zweiter Impuls: Widerspruch, vehementer Widerspruch, gerade auch deshalb, weil Patzelt Abschwächungsargument Nummer 1 vortrug: das Foul in einer Demokratie sei nicht dasselbe wie der Folterkeller in einer Diktatur. Recht hat er, bloß: Was soll dieser Vergleich, was soll das heißen? Das ist doch im Grunde die Sahel-Zone-Argumentation: Es ist immer irgendwo gerade schlechter als dort, wo man ist. Aber: Diese Forderung nach Überprüfung der eigenen Privilegien (Kühlschrank, Auto, Demokratie) wird meist von Leuten vorgetragen, die damit von ihren "Fouls" ablenken wollen.

Patzelt also, und so kam es dann auch zum Widerspruch, wobei unsere Grundfragen immer dieselben sind: Ist das alles ein Spiel, mit einem Fußballspiel vergleichbar, einem Platz, den man, egal wie geknüppelt wurde, nach dem Schlußpfiff verlassen wird, um beim Biere sich noch einmal gründlich über die bösen Szenen und vertanen Chancen aufzuregen, dann aber Schwamm drüber?

Sind das bloß Fouls, foult der Verfassungsschutz bloß, senst der Staatsfunk, sensen staatliche Stellen unsere Leute um, und danach gehen wir alle vom Platz und teilen uns einen Kasten Bier? Und wenn: Wo wäre der Schiedsrichter? Ich sehe keinen.

Widerspruch also, ein seltsamer Dialog mit Patzelt, und hinterher kamen etliche Leute auf uns zu und sagten, daß es ein irres Gefühl gewesen sei: zunächst vor der schelmischen Vernunft Patzelts zu kapitulieren und sich zu fragen, ob man die Fouls der Gegner nicht doch überbewerte – und dann aufgeschreckt durch unseren Widerspruch zu begreifen: Da ist ein Einschläferungs-, eine Beschwichtigungs-, ein Verharmlosungsprofi am Werk.

Wir haben's in unserem 15. Podcast vom "Rande der Gesellschaft" aufgedröselt, noch einmal, also eigentlich bis zum Erbrechen mittlerweile: da bekommt man (bekommt die AfD) ununterbrochen auf die Knochen (wenn man bei dieser blöden Spiel-Metapher einmal bleibt), und wenn man dann stehen bleibt, den Ball auf die Tribüne drischt und sagt: Das ist nicht mehr Fußball – dann kommen die Erklärer, dann tritt das Schiedsgericht zusammen und schnappt sich das Stadionmikrophon: Habt ihr das gesehen? Die wollen die Regeln ändern, die wollen das System ändern, die bedrohen unser Spiel, runter vom Platz mit denen, Ausschluß, Verbot (undsoweiter).

Das ist wohl das Entscheidende, und damit ein letztes Bild aus diesem verharmlosenden Fußballspiel-Vergleich: Mit dem Befund, den Patzelt liefert, berät er keineswegs die AfD. Vielmehr weist er den Verfassungsschutz und seine eigene Partei, die CDU, darauf hin, daß man die AfD in eine Bringschuld gezwungen habe und nun darauf warten solle, bis sie auf allen Vieren zurückgekrochen käme auf ein Spielfeld, auf dem nach den Regeln nicht eines Gegners, sondern ihrer Feinde gespielt werde.

Leider, leider haben sich unter anderem Jörg Meuthen und Dieter Stein diese vermeintliche Rettungsstrategie zu eigen gemacht. Patzelt durfte jüngst in der JF erneut erklären, warum er die AfD in einer Bringschuld sehe. Er behauptete allen Ernstes und ohne die Nennung eines einzigen Namens oder einer einzigen Fundstelle, daß es Teilen der AfD darum gehe, das System abzuschaffen:

Doch in der AfD meinen inzwischen viele, nicht nur das ihnen verhaßte System der „Altparteien“ gehöre auf den Müllhaufen, sondern unsere ganze politische Ordnung. Warum nur erkennen die nicht, daß solches zur nachträglichen Bestätigung derer gerät, die schon Bernd Luckes AfD als Wiedergängerin der Nazis ausgaben? Offenbar sind der AfD allzu viele Leute zugelaufen, die gut in die NPD paßten, wichtigtuerische Selbstdarstellung mögen oder biographische Wunden durch Beifall eines rhetorisch angefixten Publikums zu heilen versuchen.

Das sind ungeprüfte Feindzuschreibungen (und den VS können wir in diesem Zusammenhang getrost unter diese Feinde rechnen). Ich will es Schwarz auf Weis: Wer von denen, die es in der AfD zu etwas gebracht haben, will die politische Ordnung unseres Landes "auf den Müllhaufen der Geschichte" werfen? Wer von uns, wer aus dem Vorfeld dieser Partei, will das? Namen, Herr Patzelt, Namen, Fundstellen, Bedeutungszusammenhang - und wenn Sie das nicht beibringen können: aufhören mit der Argumentationsweise, mit der Unterstellungstechnik, die man aus totalitären Staaten kennt.

Roger Köppel (Schweiz, Weltwoche) hat das vor drei Tagen noch einmal auf den Punkt gebracht. Wir wiesen in den Netzfundstücken schon darauf hin, aber der Befund ist so wichtig, daß er eine zweite Nennung verdient hat. Köppel kommentiert die bundesweite Einstufung der AfD durch den Verfassungsschutz als Verdachtsfall:

Meuthen hat den Feinden, den Gegnern der AfD, der Konkurrenz der AfD, die Instrumente, die Waffen in die Hand geliefert.

Dieser Parteivorsitzende ist jetzt vermutlich auch blockiert in der Verteidigung seiner Partei. Also, was man daraus ableiten kann, vielleicht auch als Schlußgedanke: Wenn Sie in der Opposition sind, egal in welchem Land, wenn Sie in der Opposition sind, dann werden Sie angegriffen. Das ist völlig klar. Sie können nicht Oppositionspolitik machen und glauben, Sie sind der Liebling der Medien, oder der anderen Parteien, im Gegenteil.

Opposition bedeutet Nachteile auf sich nehmen. In Deutschland bedeutet das, daß man die Mittel der Staatssicherheit, der Bespitzelung, daß die Regierung alles aufbietet, um die Opposition, die jetzt von rechts kommt, das ist natürlich im neurotischen Politzusammenhang dieser ganzen Moralisierung und Geschichtsinterpretation und Geschichtsmißbrauchs irgendwo nachvollziehbar, aber trotzdem nicht zu rechtfertigen, in diesem Kontext heißt es eben auch, daß man dies als AfD in Kauf wird nehmen müssen, daß sie der Verfassungsschutz angreift, und Meuthen versucht hier, durch Appeasement-Politik, durch Beschwichtigungspolitik, quasi die oppositionelle Rolle etwas zurückzudrängen.

Damit ist alles gesagt: Es geht um einen Kampf, um eine Auseinandersetzung mit ungleichen Waffen, nicht um ein Spiel und ein paar Fouls. Es geht darum, dem Vernichtungswillen der Altparteien nicht durch Anpassung zu entgehen und damit so zu werden, wie sie sind.

Dieselben Leute, die diesen Staat noch immer wie eine geölte Maschine am Laufen halten, ziehen den moralpolitisch-gesellschaftlichen Überbau mit wie ein lästiges, überflüssiges Schleppnetz, in dem sich alles verfangen hat, was nicht selbst schwimmen kann.

Und wenn das Wort von der bürgerlichen Revolte, vom Aufstand der Ausgequetschten einen Platz hat, dann dort, wo der fleißige, hart arbeitende, leistungsbereite Teil unsrer Landsleute ratlos und entfremdet vor dem quasselnden, korrupten und schamlosen politisch-medialen Komplex steht – und sich abwendet: nein, nicht so werden wie die!


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (35)

starhemberg

8. März 2021 12:10

Wahre Worte. Was ich mich konkret frage - wissen Meuthen und Stein vielleicht Dinge, die die einfachen Spieler auf dem Spielfeld nicht wissen? Hat man möglicherweise, insbesondere mit Meuthen, vertrauliche Gespräche geführt, und ihm ein Angebot gemacht, "welches man nicht ablehnen kann"? Ich vermisse eine offene Diskussion der AfD-Spitzen zu dieser so wesentlichen strategischen Frage. Meine persönliche Meinung dazu ist - das Spiel ist schon lange nicht mehr zeitgemäß, alle sollen immer nur mit dem linken Fuß Ballkontakt haben, das rechte Bein ist hingegen verboten. Entweder werden daher die Regeln grundsätzlich angepasst (äußerst unwahrscheinlich), oder alle aufrechten Patrioten sollten vom Platz gehen und ihr eigenes, besseres, ehrlicheres Spiel aufbauen.

Niekisch

8. März 2021 12:15

 "nein, nicht so werden wie die!"...dazu ein kleines Gedicht für Dissidenz gegen Anpasserei:

Wsewolod Nekrassow  (1821-1871)

Verbot

das
darf sich nicht wiederholen

ich wiederhole

das
darf sich wiederholen

ich wiederhole

das
darf sich nicht wiederholen

das
darf sich wiederholen

das
darf sich nicht wiederholen

ich wiederhole

Laurenz

8. März 2021 12:50

"Leider haben sich unter anderem Jörg Meuthen und Dieter Stein diese vermeintliche Rettungsstrategie zu eigen gemacht." + Köppel: "Meuthen versucht hier, durch Appeasement-Politik, durch Beschwichtigungspolitik, quasi die oppositionelle Rolle etwas zurückzudrängen."

Die entscheidende Frage bleibt hier doch die Erkenntnis über eine vermeintliche Rettungsstrategie. Sollte Herr Meuthen tatsächlich weder wissen noch verstehen, daß seine Rettungsstrategie keine wirkliche Option ist? Und, wenn er das weiß, was sind dann seine tatsächlichen Beweggründe?

Ein gebuertiger Hesse

8. März 2021 12:55

Wichtiger Artikel, vom Inhalt wie vom knallenden Zungenschlag her.

In der Opposition sein und daher unweigerlich mit Nachteilen zu leben haben, und zwar auf Dauer (die die Opposition eben währt): das ist als "Seinsform" letztlich nicht bekannt, nicht hinterlegt (wie ein Berufsbild es wäre), sondern kann nur persönlich erfahren, erlitten, ausgebadet, aber auch ausgeschöpft werden wie ein Kübel voller Energy-Drinks. Wenn man sich dort befindet, kosten die Dinge noch etwas. Der Vorteil: solange sie das tun, ist die eigene Verhausschweinung zurückgedränkt, dekadentes Sich-Zurücklehnen, Beschwichtigungsgewäsch à la Patzelt praktisch unmöglich oder jedenfalls aufgeschoben (in die Zeit, wenn das fließende Wasser wieder gefriert). In dieser kostbaren und zeitlich begrenzten Phase gilt es Bäume zu pflanzen, fertil zu sein, lange Pässe zu schlagen, das Maul weit aufzumachen.

Ein gebuertiger Hesse

8. März 2021 13:25

@ Laurenz

"Sollte Herr Meuthen tatsächlich weder wissen noch verstehen, daß seine Rettungsstrategie keine wirkliche Option ist? Und, wenn er das weiß, was sind dann seine tatsächlichen Beweggründe?"

Weil er so "echt" ist wie die fabrikmäßig angebrachten Abschürfstellen auf den Jeans des erstbesten "zornigen" Jugendlichen, der Ihnen auf der Straße entgegenkommt. Außerdem: schauen Sie auf seinen, wie auf den Schmerbauch eines Patzelt, dann wissen Sie, mit was für Widerständlern Sie es zu tun haben.

j12U18

8. März 2021 14:18

Eigentlich ist´s ja eine schöne Metapher, das Spielfeld in dem man sich gemäß der Regeln tümmelt, um am Ende einen Sieger zu küren. Es fehlt jedoch die Rolle des Zuschauers. Denn dieser wird dem Spiel nur folgen, wenn die Regeln klar sind, sich alle dran halten, Fehlverhalten sanktioniert wird und sich im Rahmen all dessen der Wettstreit ereignen kann. Der Zuschauer wird dem Spiel nicht folgen wollen, wenn Willkür herrscht. Dann verlässt er das Stadion oder wendet sich ab.

Was es also vor allem, neben mündigen und fordenden Zuschauern braucht, ist ein Oskar Matzerath, der das Rauschen derer stört, die am lautesten sind, der sie aus dem Takt bringt, damit sie sich schütteln, sich an die Regeln erinnern und wieder neu positionieren können.

RMH

8. März 2021 14:22

Die Meuthensche Politikvorstellung ist keine Rettungsstrategie sondern eine schon immer vorhandene, ganz grundsätzliche Einstellung zur Politik, die darauf abzielt, koalitionsfähig zu sein. Der innerparteiliche Konflikt der AfD war genauso vorhanden, als die VS Beobachtung nur Schreckgespenst am Horizont war. Ganz ohne jede "Beobachtung" ist ein harter Konflikt zwischen denjenigen vorhanden, die eine AfD als parlamentarischen Arm einer fundamentalen Opposition oder als sog. "Bewegungspartei" sehen und denjenigen, die die AfD als Erweiterung des bestehenden politischen Orchesters mit symphonischer Zielsetzung anstreben.

Die VS Beobachtung bringt jetzt lediglich den Druck in den Kessel, der die Unterschiede deutlicher hervorbringt. Der Fehler von Meuthen ist, dass er nicht bemerkt, dass es ihm nicht mehr groß etwas brächte, den innerparteilichen Konflikt zu Gunsten seines Lagers zu entscheiden, denn die Konkurrenz um die Pfründe ist so groß, dass spätestens seit Petry für die AfD das "ceterum censeo" der Machthaber gilt und für alle AfDler gilt das mitgefangen- mitgehangen- Prinzip ohne Einschränkungen.

Fuechsle

8. März 2021 14:32

Auf den Punkt gebracht.... Ich frage mich immer, wieso das so schwer zu begreifen ist: Es stehen riesige Summen für den "Kampf gegen rechts" bereit, damit werden u.a. Stellen beim VS geschaffen und die  "Zivilgesellschaft" in all ihren Ausprägungen gemästet. Wenn nun das IfS  "dichtgemacht" ist (Gott behüte!!) und der Geist des Flügels ausgetrieben, werden die ganzen alimentierten Seilschaften dann unisono erklären "es ist vollbracht", wir gehen jetzt in die Altenpflege, dort werden wir dringend gebraucht?
Nein, werden sie nicht, sind einmal die Stellen usw. etabliert, verschwinden sie nie wieder! Man wird sich also die nächsten vermeintlichen "Rechtsabweichler" vorknöpfen,  selbst wenn die sich "submissest" an die Spielregeln halten. 

Sich das klarzumachen und sich darauf einzurichten, bedeutet nicht, jede gedankliche Blähung sofort flattern zu lassen (wie es leider immer wieder geschieht, vielleicht sind da aber  auch agents provocateurs am Werke) sondern reiflich zu überlegen, bevor man den Mund aufmacht, twittert.... usw. Hier kann man von MP Kretschmann lernen, der immer sehr langsam spricht und das auch damit rechtfertigt, dass dadurch die Chance  weniger Unsinn zu reden,  grösser ist. Im übrigen freut mich , dass sich "starhemberg" hier wieder häufiger zu Wort meldet. 

 

 

tearjerker

8. März 2021 15:00

Sprechchöre, die den Gegner verhöhnen, fliegende Feuerzeuge und Münzen, Rauchtöpfe, Platzsturm, Spielabbruch und dann Sport frei. Deshalb haben Dünnbrettbohrer vom Schlage Patzelts die Stadien und gleich noch alles Andere schliessen lassen. Das Spiel ist aus und das finden Meuthen und offensichtlich auch grosse Teile seiner Fraktion nicht weiter schlimm. Nicht  mehr im Politikbetrieb mitmachen dürfen, findet er aber voll gemein und total fies. Die Mitglieder seiner Partei kämpfen schon jetzt um ihre private Existenz und Meuthen glaubt nochmal was genau damit zu gewinnen, wenn er seinen Feinden entgegenkommt?

brueckenbauer

8. März 2021 15:50

Ich stehe emotional eher auf der Seite von "Schnellroda". Aber dieser Kommentar bleibt wieder in der Negation stecken: So wie es jetzt funktioniert, ist es schlecht!

Man will sich aber nicht festlegen, was und wie man es anders haben möchte. Und diese leere Stelle schafft halt Platz für Projektionen, über die man sich dann nicht wundern sollte.

antwort kubitschek:
https://sezession.de/61632/normalisierungspatriotismus
Nur eine von vielen Festlegungen.

Laurenz

8. März 2021 16:29

@RMH

"Die Meuthensche Politikvorstellung ist keine Rettungsstrategie sondern eine schon immer vorhandene, ganz grundsätzliche Einstellung zur Politik, die darauf abzielt, koalitionsfähig zu sein."

Das ist das, was Pazderski schon häufig ins Mikrophon eines Journalisten trällerte. 

Das ist aber faktisch falsch, RMH. Denn eine koalitionsfähige Politik befindet sich im Merkel-Raster. aktuell mit ex-rot, mit der Option grün oder gelb. Wer von den 6 Mio. unter potentieller VS-Beobachtung stehenden blau-Wählern sollte dann blau noch wählen, anstatt eines der Originale oder gar nichts?

Und die tatsächliche Einstellung "der" Politik ist grundsätzlich kein-blau, selbst dann nicht, wenn blau links von rotrot zu verorten wäre.

Laurenz

8. März 2021 16:31

@tearjerker

"Meuthen glaubt nochmal was genau damit zu gewinnen, wenn er seinen Feinden entgegenkommt?"

Wer sind die Feinde von Meuthen?

Maiordomus

8. März 2021 17:09

@RMH/Brückenbauer. Grundsätzliche Fragen stellen und Tabus zu brechen ist das eine; "Fundamentalopposition" ist aber im Parlamentarismus im Grunde unpolitisch und wird nur von Leuten gefordert, die noch nie wirklich politisch gearbeitet haben über die Meinungsbildung hinaus. Der @brueckenbauer konstatiert wohl mit Recht in Sachen "leerer Stelle" so etwas wie eine gewisse Leere in diesem Kommentar. Halte mich selber aber darüber hinaus hier nicht für beratungskompetent. Für mein eigenes Land befürchte ich indes, dass gestern wieder mal psychischer Dampf in Richtung direkte Demokratie abgelassen werden durfte, dass dies aber, wie schon die angedeutete Durchführung des Burka-Verfassungsartikels andeutete, auf die praktische Politik eine Auswirkung haben dürfte, bleibt auch angesichts der vielfach von sich massgeblich dünkenden Politikern deklarierten "Bedeutungslosigkeit" des gestrigen Urnenentscheides, zweifelhaft. Angeblich werden jetzt, wie die Politikerin Funicello betont, die Burka-Trägerinnen kriminalisiert. Auf Dauer aber wohl eher jene, die mit dem  PPochen auf tatsächliche Durchsetzung solcher Verfassungsbestimmungen den in Vorlesungen zur Zivilreligion erhobenen "strukturellen Rassismus" praktizieren.  Köppel behält aber recht mit der Vermutung, dass ein Politiker wie Walter Wobmann in Deutschland keineswegs toleriert würde. 

Gustav Grambauer

8. März 2021 17:28

Hat schon mal jemand außer mir die intime Beobachtung gemacht, daß Menschen mit einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur mit inniger Vorliebe andere penetrant über "Regeln" belehren? Einmal zu Beginn einer Weiterbildung habe ich kurz die Dozentin in ihrer Körperhaltung gesehen und mir nur gedacht: als erstes wird sie mit "den Regeln hier" kommen. Und sie kam sogleich mit "den Regeln hier". Wahrscheinlich handelt es sich um den Ausdruck einer Zwangsstörung und sie konnte innerlich gar nicht anders.

Hier meine küchenpsychologische Typologie hierzu:

- Typ 1 ist tief in seinem Inneren Opportunist und bildet sich ein, daß heute ein moderner-klingendes Begriffssurrogat für das von ihm selbst alttestamentarisch verstandene "Gesetz" bei seinem - stupide unreflektiert als fußball-affin vorausgesetzten - Publikum besser ankommt.

Typ 2 hatte wohl einen inneren Durchbruch der Befreiung von seiner Versklavung an "das Gesetz", es dann in der Hilflosigkeit seiner Inkonsequenz aber nur zu einem neuen Fetischismus für "Regeln" und "Regelverstöße" gebracht - und hält sich dabei für über die Maßen revolutionär.

Typ 3 ist eine besonders verschrobene Ausprägung des NPC: ist tief in seinem Wesen spielscheu, empfindet darin auch seinen Mangel an Vollwertigkeit und kompensiert dies damit, sich überall - und zwar meist nicht offen sondern verdeckt - als eine Art Schiedsrichter aufzuspielen (oder noch schlimmer: sich in Disskussion immer wieder die Rolle des Moderators, sic!, anzumaßen).

Typ 4 ist von seiner psychischen Disposition her ungeniert Kybernetiker.

Allen gemeinsam ist, daß sie, wie der Volksmund hier in der Schweiz belustigt über solche Typen sagt, eben doch gern "den Tarif druchgeben" (bitte selbst googeln), Typen 1 bis 3 selten aktiv-aggressiv, meist ihrer Struktur folgend passiv-aggressiv.

Patzelt kenne ich nicht, er müßte selbst wissen, ob er unter einen meiner vier Typen zu subsumieren ist.

Es könnte aber sein, daß bei Patzelt noch etwas ganz-ganz-ganz-ganz anderes am Werk ist: eine eiskalte langfristige Wolfsrudelstrategie (Good-Cop-bad-Cop-Strategie in einer Mischung mit Reservebank-Strategie) des Konrad-Adenauer-Hauses, die mit obigem "gesetztem" Mem gegenüber der Masse nur virtuos wie auf einer Klaviatur spielt.

Gotlandfahrer

8. März 2021 17:38

Vielleicht hatte Patzelt ja auch folgende Begebenheit im Sinn, als er den Fussballvergleich wählte, da erübrigt sich dann auch die Frage, wo der Schiri steht:

https://youtu.be/ImrZYgI90Gc

Im Ernst: Ein Bestohlener kann seine eigene Unschuld den Dieben nicht durch Respekt vor Eigentum beweisen. Als über die grosse Untreue Empörter dem VS Grundgesetztreue in "Bringschuld" vorauseilend zu beteuern ist wie als Hase gegen den Igel anzutreten.

heinrichbrueck

8. März 2021 18:05

Ob die AfD jetzt 10 oder 20 % einfährt, Meuthen bekommt sein Monatsgehalt. Sobald ein bestimmter Posten erreicht wurde, sind Wählerstimmen nicht mehr entscheidend. Es steht wohl nirgends in der Arbeitsplatzbeschreibung, man müsse als Politiker patriotisch sein, dürfe nur national handeln etc. Die Aufgabe eines AfD-Vorsitzenden, den AfD-Vorsitz innezuhaben und entsprechend zu handeln, ist strukturell definiert. Es liegt in der Natur der AfD, einen solchen Vorsitzenden haben zu dürfen.

Die Nummer mit dem Fußballplatz hinkt. Abgesehen davon, hat auch die Mafia Spielregeln. Auf dem Fußballplatz spielen zwei Mannschaften, und ist einmal die Hand Gottes im Spiel, wird sich wohl eher die gegnerische Mannschaft beschweren. Die antiweiße Demokratie bleibt für die Masse ein Glaubenskonstrukt, deshalb auch die unbekannten Kerkerstrukturen dieser Macht.

Niekisch

8. März 2021 18:37

"Die Meuthensche Politikvorstellung ist keine Rettungsstrategie sondern eine schon immer vorhandene, ganz grundsätzliche Einstellung zur Politik, die darauf abzielt, koalitionsfähig zu sein."

@ RMH 14:22: Müßte Herr Meuthen nicht spätestens jetzt erkennen, dass er nicht mit einem Jäger koalieren ( politisch kopulieren ) kann, dessen Bluthunde zwischen beiden bellen?

"Die VS Beobachtung bringt jetzt lediglich den Druck in den Kessel, der die Unterschiede deutlicher hervorbringt." Da halte ich es doch für wahrscheinlicher, dass der sich noch permanent steigernde Druck den Deckel vom Kessel sprengen wird, so dass es zum Sturzflug ohne Fallschirm kommen wird.

RMH

8. März 2021 18:39

@Laurenz,

bitte zur Abwechslung mal wieder meinen Kommentar zu Ende lesen. Da schreibe ich doch recht deutlich, dass die Koalitionsfähigkeit der AfD auf absehbare Zeit komplett unerheblich ist, da die AfD zur Vernichtung frei gegeben wurde.

Flaneur

8. März 2021 18:49

Patzelt möchte "seine' CDU nach rechts verschieben, Positionen, die innerhalb der CDU durch die Werteunion vertreten werden, stärken. Dazu wäre eine politisch ungefähr auf der gleichen Linie wie die Werteunion liegende AfD ein probates Mittel. Eine derartige AfD könnte die CDU als nicht marginale Konkurrenz an deren rechtem Rand bewegen, selbst nach rechts zu rücken, die Werteunion zu stärken, um so das Klientel der AfD kooptieren zu können. Eine mit dem aus dieser Sicht bestehenden Makel der radikal oder gar extrem(istisch) rechts zu sein versehene AfD taugt für diese Strategie nicht. Denn das, was der CDU radikal und extremistisch erscheint, wäre weder eine Konkurrenz für die gegenwärtige CDU, noch wären die Vertreter derartiger Positionen von der CDU kooptierbar, ein Anlass, nach rechts zu rücken, bestünde somit nicht.

anatol broder

8. März 2021 19:31

@ gustav grambauer 17:28 

werner patzelt versteht sehr wohl, was er tut. auch er vergisst sein «rhetorisch angefixtes publikum» nicht. dass patzelt unter der zwanghaften persönlichkeits­störung (f60.5) leidet, halte ich für unwahrscheinlich.

Waldgaenger aus Schwaben

8. März 2021 19:35

1. Der Haltung eine Beobachtung durch den VS achselzuckend hinzunehmen kann ich nichts abgewinnen. Es würde die tägliche Parteiarbeit enorm erschweren, wenn die Akteure stets damit rechnen müssten, dass jedes Telefonat, jede E-Mail legal mit allen zur Verfügung stehenden technischen Mitteln belauscht wird und dann beim politischen Gegnern und der innerparteilichen Konkurrenz landet.

Der Beifang der Beobachtung, wie zum Beispiel außereheliche Verhältnisse würden zur Zersetzung der Parteigenossen verwendet.

2. Der juristische Kampf ist nicht aussichtslos, weil als letzte Instanz der Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte steht.

Aus 1 und 2 folgte, dass die AfD gut daran tut die Beobachtung mit allen zulässigen Mitteln zu bekämpfen. Das und nicht innerparteiliche Machtkämpfe ist IMHO das Motiv Meuthens.

3. Eine Frage an die juristische Kompetenz des Kommentariats

Das Urteil aus Köln wider den VS wurde teilweise begeistert begrüßt. Hier wird es als Vogelschiss abgewertet. Was bedeutet es nun  juristisch? Darf der VS nun die AfD beobachten oder nicht?

Konkret: Ein Beamter des VS stiert mit dem Fernglas in das Schlafzimmer eines AfD-Mitglieds (er hält das Glas nur mit der linken Hand, die  rechte braucht er für was anderes, dieser Seitenhieb gegen mitlesende VS-beamte muss sein). Macht er sich nun strafbar oder nicht? 

brueckenbauer

8. März 2021 20:06

Lieber Herr Kubitschek,

den Artikel "Normalisierungspatriotismus" habe ich mit Interesse gelesen. Da geht es offenbar um die "Stärkung des Mehrheitsprinzips", die ein "eindeutiges Bekenntnis zur Demokratie" erfordert.

Vertrauen entsteht m.E. nicht durch eine erhöhten Tonfall ("eindeutig", "Bekenntnis"), sondern durch eine präzise Ausdrucksweise. Mein Vorschlag wäre: "Wir sind für ein starkes Recht auf Opposition, das so fest verankert ist, dass es durch alle Wechselfälle der Mehrheitsbildung und Machtverteilung durchgehend und gleichmäßig beibehalten wird." Da hätte man sich präzise ausgedrückt, ohne sich unnötig und peinlich anzubiedern.

brueckenbauer

8. März 2021 20:31

Nur zur Klarstellung: Was mich von Patzelt und Meuthen trennt, ist ihre permanente Suggestion, dass mit der real existierenden Verfassung doch alles in Ordnung ist. Das ist es nicht: Hinter dieser Verfassung stehen zwei konträre Verfassungsideen, und es ist Aufgabe der politischen Bildung, den Unterschied dieser Grundideen deutlich zu machen und zu einer persönlichen Entscheidung herauszufordern (grob gesagt: mit den "Ideen von 1789" wird das 1688 und 1776 erreichte nicht fortgesetzt, sondern rückgängig gemacht).

Auf Sehrohrtiefe

8. März 2021 20:47

Die letzten beiden Absätze sind ein wunderbar treffendes Bild und die Essenz, und doch greifen sie letztlich zu kurz. Nicht so werden wie die? Absolut! Sich abwenden? Nein! Vielmehr das Andere, Bessere, Gewichtigere vorleben (damit meine ich nicht die hier Lesenden, die das täglich zur Genüge beweisen, aber diejenigen, sie sich für patriotisch/national/identitär/rechts halten und doch meinen, den braven Pudel der Blockparteien spielen zu müssen).

Üben, einfache Dinge auszusprechen, privat, auf der Arbeit, überall. "Deutschland ist mein Land, aber die BRD ist nicht mein Staat." "Ausweis deutsch, Nationalität preußisch." "Ich bin verfassungstreu, aber das Grundgesezt ist nicht meine Verfassung". "Die USA haben zwei Kriege gegen uns entscheiden, wie können sie daher jemals mein Freund sein?" "Die Regierung schiebt die Pandemie vor, um die Rechte de Parlaments auszuhebeln, und das ist totalitär." "Der Verfassungsschutz ist eine Gesinnungspolizei der Herrschenden und damit der natürliche Feind." Was ist daran schwer, was problematisch, was unsagbar?

Und, ja, ich strebe ein anderes politisches System an. Es ist meines, das die alliierten Sieger geraubt haben, und damit der deutsche Ur- und Naturzustand. Das, was wir jetzt haben, ist das abnormale, perverse, verkommene. Ich bin es nicht, meine Überzeugungen auch nicht.

RMH

8. März 2021 21:36

@Waldgänger,

das Urteil von Köln ist ein höchst Vorläufiges, welches sich der VS vor allem wegen seinen Verstoß gegen eigene Zusagen der Vertraulichkeit gegenüber dem Gericht eingehandelt hat. So ein Verhalten wird abgestraft. Ein Gericht würde sein Gesicht verlieren, wenn es das so einfach durchgehen ließe. In der Hauptsache - Zulässigkeit der Beobachtung als "Verdachtsfall" - ist damit aber noch lange nicht entschieden. Hier kann es noch eine Niederlage für die AfD geben und dann muss in die Instanzen gegangen werden.

Grundsätzlich haben Sie natürlich recht. Die AfD wird für viele Leute zu etwas, was man eben halt nur noch unter der Hoffnung auf die geheime Wahl wählt, aber im Übrigen hält man besser die Klappe. Das ist kurz - bis mittelfristig natürlich fatal, zumal damit auch die Mitgliedergewinnung schwer wird. Da kann man noch so viele Appelle machen, am Ende ist die Vorsicht die Mutter der Porzellankiste bei der Mehrzahl der Leute.

Die juristische Weg muss durch alle möglichen nationalen und internationalen Instanzen zwingend bestritten werden - egal, wer jetzt Vorsitzender der AfD ist.

Laurenz

8. März 2021 22:57

@RMH @Laurenz

"bitte zur Abwechslung mal wieder meinen Kommentar zu Ende lesen."

In meiner Antwort ging es weniger um Sie, sondern um Ihre Analyse, an die ja viele AfDler glauben, oder sie, wider besseren Wissens, vertreten. 

Beowulf

8. März 2021 23:29

Ein sehr überzeugender Artikel, der die aktuelle Situation gut beschreibt. Aufhorchen musste ich aber bei den letzten beiden Absätzen. Glaubt man tatsächlich daran, dass es so etwas wie eine bürgerliche Revolte geben wird, die Bürger aufstehen und das überflüssige Schleppnetz abwerfen?

Ich bin da eher pessimistisch hinsichtlich solcher Hoffnungen. Der "Bürgerliche" furchtet etwas viel mehr als ausgepresst und entfremdet zu werden, nämlich als Paria dazustehen.

Daneben fällt es mir schwer den fleißigen, hart arbeitenden und leistungsbereiten Teil der Gesellschaft als eine für die Rechte relevante Gruppe anzusehen. Mir kommt es so vor, dass hier ein preußisches Ideal gezeichnet wird, das so nicht mehr existiert bzw. zumindest nicht nach rechts tendiert.

 

 

Andreas Walter

9. März 2021 09:26

Das Schicksal Deutschlands hängt nicht von der AfD ab. Es wird nicht einmal in (oder von) Deutschland bestimmt.

https://www.welt.de/wirtschaft/article227867925/Chinas-gefaehrlicher-Autarkie-Plan-Deutschlands-Abhaengigkeit-wird-zur-Falle.html

Wozu also ständig die Nabelschau ausgerechnet mit dieser Minderheitenpartei, die sie nämlich ausserdem noch ist?

Weshalb das die anderen machen, die Ausbeuter und Gegner Deutschlands, ist mir klar, doch wozu dient das Ganze hier? Der Selbstberuhigung, oder womöglich auch als Blitzableiter, als Buhmann wegen der und gegen die Ohnmacht, die auch Deutschland seit 1945 (bzw., schon seit 1920) begleitet? Heisst diese Netzseite daher Sezession oder womöglich doch schon bald Reconquista?

 

MARCEL

9. März 2021 09:36

Patzelt ist/war Professor, damit ist alles gesagt. Es gibt einen Überbau an "Kommentarwissenschaften".

Trotzdem ein grundsätzlicher Gedanke: Wer lange Zeit in einem System gelebt hat, in dem es keine Freiheit gibt, schätzt diese um so mehr und ist bereit, sie zu verteidigen, wenn er sie einmal errungen hat.

Wer, wie in der seligen BRD, immer nur Freiheit, Wohlstand und einen Staat der Wohlgesinnung kennengelernt hat, kann sich nichts anderes mehr vorstellen. Er sieht keine Gefahren, weil sie nicht zu seinem Erfahrungsschatz gehören. Und falls die Realität ihn doch einmal anfällt, sucht er Ausreden, nichts unternehmen zu müssen. Etwas selbst zu unternehmen, gehört ebenso nicht zu seiner Erfahrung. Irgendjemand wird schon (am besten qua Amt) zuständig sein. Die BRD war ein betreuter Staat (so wie betreutes Wohnen), der alles Ernste anderen überlassen hat bzw. z. T. überlassen musste. Ein "Peter-Pan-Staat", leichte Beute für Kaperungen

Eine neue Generation muss geformt werden und sei sie erst einmal nur ein Nucleus!

RMH

9. März 2021 09:42

@Beowulf,

Das preußische Ideal trennt seit Jahrzehnten sauber den Müll, ist nicht Böse, wenn die jugendlichen Kinder Ausländer als Partner nehmen (kann man auch so schön mit angeben vor den Freunden), trägt brav MNS auch im Freien, wenn keiner da ist und desinfiziert bei jeder Gelegenheit die Hände. Es findet Steuern bis zum Erhalt des eigenen Steuerbescheids grundsätzlich gut und meint, die Grünen mit der Union zusammen könnte schon was werden und überhaupt ist die Tagesschau nach wie vor ein Standard. Sonntag Abend schaut man sich noch den Tatort bis 21.45 Uhr an, damit man rechtzeitig im Bett ist, denn Montag geht man ja wieder ganz besonders wichtiger Arbeit nach ...

Waldgaenger aus Schwaben

9. März 2021 09:57

@RMH 

danke für die Rückmeldung. Was ich noch vergessen habe: V-Leute (V steht für Versager Quelle: pi-news.net)  des VS werden sich nicht nur aufs Beobachten beschränken und auf Anweisung oder aus eigenem Antrieb die Partei durch dumme und radikale öffentliche Aussagen schädigen und intern spalten. 

Und da bin ich bei Ihrer Aussage:

"Die AfD wird für viele Leute zu etwas, was man eben halt nur noch unter der Hoffnung auf die geheime Wahl wählt, aber im Übrigen hält man besser die Klappe."

Kann ich nur bestätigen. In meinem Umfeld kann ich mich noch als AfD-Anhänger "outen", ein aktives CSU - Mitglied sagte mir mal im Vertrauen: "Du hast ja recht. Und was ich in der Wahlkabine mache, sieht keiner."

Nur wenn ich ständig befürchten muss, dass irgendein AfD-Funktionär wieder einen oberpeinlichen Spruch raushaut, für den ich mich dann rechtfertigen muss, verliere ich die Motivation, schweige halt und wähle nur noch heimlich. Bei einer allfälligen AfD-Mitgliedschaft wäre das noch potenziert. 

Ein gebuertiger Hesse

9. März 2021 10:03

@ RMH

Zum preußischen Ideal gehört wesentlich die Opferbereitschaft und das Trockenbrotfressen. Was Sie so hübsch beschreiben, ist nicht einmal die Schwundform dessen, sondern schlichtweg Zeigeist-Konformismus für die Ü-40-Generation mit mittlerem Einkommen.

Aufklärung in Sachen preußischer Geist, verfaßt von einem noch jungen Mann, der wahrlich entflammt ist ob jener verschütteten Ideale, findet sich in diesem tollen Buch: https://www.manuscriptum.de/schwarz-und-weiss.html

Solution

9. März 2021 10:05

 

Patzelt, ein umtriebiges, aktives Mitglied der Merkel-Partei, gibt der Konkurrenz von der AfD wohlmeinende Ratschläge? Endlich deutliche und abschließende Worte zu diesem Cuckservativen. Wenn Stein ihm stets zu einem Forum verhilft, wirft es auch ein bezeichnendes Licht auf diesen Chef einer explizit cuckservativen Postille. Es verursacht eigentlich nur noch Ekel. Betrachtet man es nüchtern, sind es einfach nur politische Gegner, die andere, legitime Interessen im Sinne der Kartellparteien verfolgen.

RMH

9. März 2021 10:52

@E. geb. Hesse,

Sie können davon ausgehen, dass mir die preuß. Ideale lang verg. Zeiten gut bekannt sind. Gehen wir aber i. S. einer realistischen Lagebeurteilung aber einmal besser davon aus, dass sich das deutsche Wesen einschließlich preuß. Tugenden in der von mir satirisch dargestellten Form und in Gestalt des sich anbahnenden Grün- Schwarzen Bündnisses doch Recht deutlich und zeitgemäß zum Ausdruck bringt. AfD ist weniger deutsch, als es den ersten Anschein hat. Anywhere zu sein, ist die gute alte Pflichterfüllung im neuen Gewand und dem Töchterchen werden eben die Auslandsemester ermöglicht, weil es halt dazu gehört. Dafür kann man sich auch schon Mal die Gesundheit in sinnlosen Jobs ruinieren. Jeder kleine Siemens Manager, der das Know-how der Firma weltweit ohne Murren verramscht ist preußischer, als ein Anwalt, der sich bei der AfD engagiert. Wer zurück zu ganz anderen Formaten will, darf sich dekonstruktiven Taktiken nicht von vorneherein ablehnend gegenüber stellen. Mehr Punk von rechts ....???

Fritz

9. März 2021 11:02

Ich muss sagen ich sehe immer noch nicht, welche konkreten politische Perspektiven Kubitschek und die meisten der Kommentatoren sehen. Letzten Endes läuft es doch darauf hinaus, die Zeit für sich arbeiten zu lassen; dabei besteht nur die Gefahr, dass die Gegenseite währenddessen Entscheidungen trifft, die nicht oder nur unter größten Kosten wieder rückgängig zu machen sind. Vielleicht würde es doch Sinn machen, wenn man versucht, das zu verhindern. Irgendwie kommen mir alle vor wie die KPD der weimarer Zeit, die übwerzeugt war, ihr größter Gegner wären die Revisionisten von der SPD.

Aus der Sicht der anderen Parteien und der Medien ist der Unterschied zwischen Meuthen und Höcke eh nur einer des Auftretens, bzw. ein taktischer, inhaltlich sind halt alles Rechtsradikale.

Wäre es evtl. möglich, dass Meuten weniger auf Posten und Ansehen aus ist, sondern versucht, die Wählerbasis der AfD  zu vergrößern? Ich muss auch bekennen, dass ich die AfD zwar schon mehrfach gewählt habe, aber mich z.B. bisher nicht zur Mitarbeit in der Partei durchringen konnte. Und jedes mal, wenn wieder ein AfD-Vertreter mit Aussagen über "Halbneger" o.ä. zitiert wird, sinkt meine Bereitschaft dazu. Wär schön wenn solche Leute mal nicht mehr in der Partei wären.

P.S.: Ich bin übrigens Hannoveraner und teile die hiesige Preußen-Begeisterung nicht.

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