Salvinis Flirt mit dem Mann der Banken

Die italienische Rechtspartei LEGA (ehemals Lega Nord) unter Matteo Salvini erlebt immer wieder Richtungswechsel.

Die Kurz­fas­sung der jüngs­ten Ent­wick­lun­gen lau­tet: Sal­vi­ni ori­en­tiert sich in Rich­tung »Mitte-Rechts«-Spektrum, koket­tiert mit einer künf­ti­gen Koope­ra­ti­on auf euro­päi­scher Ebe­ne mit Par­tei­en wie der CDU/CSU.

Dort stößt er aber größ­ten­teils auf wenig Gegen­lie­be, und auch sei­ne neu­es­te Keh­re in Rich­tung einer prin­zi­pi­el­len Koope­ra­ti­on mit EU-Ver­ant­wort­li­chen und deren Ver­tre­tern in Ita­li­en, dar­un­ter Mario Draghi, ist ein wag­hal­si­ges Unter­neh­men, weil man nicht weiß, wie die eige­nen Sym­pa­thi­san­ten auf der­ar­ti­ge Alli­an­zen reagie­ren werden. 

Umfra­gen deu­ten an, daß Sal­vi­ni Wäh­ler an die rechts von ihm ste­hen­den Fratel­li d’I­ta­lia unter Gior­gia Melo­ni ver­liert (LEGA noch bei ca. 23, Fratel­li bereits bei 17 Pro­zent). Wie­so dann über­haupt die Wen­dun­gen Sal­vi­nis? Was bedeu­ten sie für Ita­li­en? Was hat es mit die­sen Ent­wick­lun­gen auf sich? 

John Hoe­wer sprach dar­über mit dem in Mai­land leh­ren­den Phi­lo­so­phen Die­go Fus­aro, der als Akti­vist und Publi­zist rechts- und sozi­al­po­pu­lis­ti­sche Stand­punk­te zusam­men­brin­gen möchte. 

Sezes­si­on: Plötz­lich ging alles sehr schnell: Ita­li­en hat jetzt eine neue Regie­rung. Der ehe­ma­li­ge EZB-Chef Mario Draghi führt nun eine Koali­ti­on, die aus sechs Par­tei­en besteht. Hin­zu kom­men meh­re­re Kabi­nett­mit­glie­der ohne Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit. Manch Beob­ach­ter spricht dies­be­züg­lich gar von einer Koali­ti­on der „natio­na­len Ein­heit“. Ist die­se Bezeich­nung zutref­fend oder han­delt es sich bloß um die ver­zwei­fel­te Suche nach poli­ti­schen Eti­ket­tie­run­gen? Bit­te erklä­ren Sie uns, was in Ita­li­en vor sich geht.

Fus­aro: Ja, sie nen­nen es Regie­rung der natio­na­len Ein­heit, Regie­rung der natio­na­len Befrei­ung oder auch Regie­rung zum Schut­ze Ita­li­ens vor der Coro­na­kri­se. In Wahr­heit, und das ist mei­ne Über­zeu­gung, han­delt es sich um nichts wei­ter als um eine Kom­mis­sa­ri­ats­re­gie­rung Brüs­sels und der dor­ti­gen Troi­ka, die nun in Ita­li­en selbst Regie­rungs­macht aus­üben. Die Coro­nalage bie­tet den nöti­gen Kri­sen­not­fall, die Kulis­se, aber nach die­ser Kri­se erle­ben wir in Ita­li­en dann die end­gül­ti­ge Zer­stö­rung unlieb­sa­mer Brems­fak­to­ren, und Mario Draghi, als Pre­mier­mi­nis­ter, wird die Per­sön­lich­keit sein, der all das final ermöglicht.

Draghi ist der Mann der Ban­ken. Er arbei­te­te für Gold­mann Sachs, er war 1992 betei­ligt an den berüch­tig­ten Ereig­nis­sen auf der HSM Bri­tan­nia (1992 beschloß man dort weit­rei­chen­de Pri­va­ti­sie­rungs­maß­nah­men und Aus­lands­ver­käu­fe der ita­lie­ni­schen Indus­trie, A. d. Ü.) und er ist eine Schlüs­sel­fi­gur der Euro­päi­schen Uni­on und der Euro­päi­schen Zen­tral­bank. Ganz gewiß ist die­ser Mann nicht der Ret­ter des Vater­lan­des, son­dern ein Treu­hän­der der neo­li­be­ra­lis­ti­schen Ord­nung. Genau das zu sein ist sein Auftrag.

Sezes­si­on: Noch vor ein paar Jah­ren nann­te Matteo Sal­vi­ni den Euro ein „Ver­bre­chen gegen die Mensch­heit“. Der Euro sei ein Alb­traum, aus dem Ita­li­en auf­wa­chen müs­se. Noch Ende 2018, damals sogar im Amt des stell­ver­tre­ten­den Minis­ter­prä­si­den­ten Ihres Lan­des, droh­te Sal­vi­ni dem dama­li­gen EZB-Chef Draghi, daß man als Regie­rung feind­li­che Hand­lun­gen gegen Ita­li­en – er mein­te die Poli­tik der EZB – nicht unbe­ant­wor­tet las­sen werde.

Es ist noch nicht lan­ge her, da inthro­ni­sier­te sich Matteo Sal­vi­ni zusam­men mit Gior­gia Melo­ni und der dezi­dier­ten Rechts­par­tei Fratel­li d’Italia in Rom als Anfüh­rer eines neu­en und angriffs­lus­ti­gen Mit­te-Rechts-Bünd­nis­ses, das den Palast des Minis­ter­prä­si­den­ten im Sturm erobern woll­te. Jetzt regiert die LEGA unter Mario Draghi als Regie­rungs­chef, in Brüs­sel flir­tet man mit der EVP, in Ber­lin mit der CDU. Erlebt die LEGA den nächs­ten his­to­ri­schen Wen­de­punkt oder sind wir Zeu­gen eines ganz ande­ren Phänomens?

Fus­aro: Die LEGA ist eine Par­tei, die schon struk­tu­rell dar­auf ange­legt ist, äußerst wan­del­bar zu sein. Des­we­gen kann man sich bei ihr auf eigent­lich gar nichts ver­las­sen. Es ist jedoch scho­ckie­rend, wie vie­le Men­schen den­noch auf die LEGA und ihre ver­meint­li­che Ver­läß­lich­keit her­ein­ge­fal­len sind. Zuerst kämpf­te die LEGA für die Auto­no­mie des ita­lie­ni­schen Nor­dens, dann wur­de sie plötz­lich zu jener Par­tei, die sich als unbe­ding­ter Ver­fech­ter der Sou­ve­rä­ni­tät Ita­li­ens gerier­te. Nun steht sie als Par­tei auf der­sel­ben Sei­te wie die EU.

Die LEGA ver­leug­net sich stän­dig selbst, sie ist gera­de­zu selbst ein fort­wäh­ren­der Selbst­ver­leug­nungs­pro­zeß. Sie ist eben eine rechts­li­be­ra­le Par­tei. Damit aber gehört sie zu den Par­tei­en, die die Inter­es­sen des Kapi­tals ver­tre­ten und bis­wei­len vor­ge­ben, mal mehr und mal weni­ger, für die Inter­es­sen des Vol­kes zu kämpfen.

In Wahr­heit ist die LEGA Fleisch vom Flei­sche der Ver­wer­tungs­lo­gi­ken der herr­schen­den Besitz- und Kapi­tal­macht. Und daß dies tat­säch­lich der Fall ist, das beweist sie all­zu ein­dring­lich mit die­ser schänd­li­chen Ent­schei­dung, sich durch die neue Regie­rungs­be­tei­li­gung in den Dienst von Akteu­ren wie Mario Draghi und der EU hinzugeben.

Sezes­si­on: Einig­keit, Sta­bi­li­tät, eine gemein­sa­me natio­na­le Kraft­an­stren­gung. Das sind die Ver­spre­chen, die von den Befür­wor­tern die­ser Koali­ti­on vor­ge­bracht wer­den. Was sind die drän­gen­den Pro­ble­me Ita­li­ens, denen sich die­se ja extrem hete­ro­ge­ne Regie­rung stel­len muß? Und wo lie­gen die Schwie­rig­kei­ten einer sol­chen Koalition?

Fus­aro: Das ist rei­ne Rhe­to­rik. Draghi wird all das nicht erfül­len. Er steht weder für Sta­bi­li­tät noch für Ein­heit und erst recht steht er nicht für eine Poli­tik der natio­na­len Ertüch­ti­gung. Das ist nur ein Eti­kett, mit dem man den Men­schen die­se Regie­rung ver­kau­fen möch­te. Tat­säch­lich aber ist Draghi ein Abge­sand­ter von oben, der ita­lie­ni­sche Wider­stän­de bre­chen soll, um unser Land voll­stän­dig an die Zie­le und Vor­ga­ben der EU anzupassen.

Sehen Sie, aus wel­chen Per­sön­lich­kei­ten allein sich das Regie­rungs­ka­bi­nett zusam­men­setzt. Dort ist nie­mand, der in der Lage oder über­haupt Wil­lens wäre, sich gegen die­se Ent­wick­lung und die dahin­ter­ste­hen­de Logik auf­zu­leh­nen. Im Gegen­teil, sie unter­stüt­zen Draghi, auch wenn der ein oder ande­re vor­gibt, es nicht zu tun.

Sezes­si­on: Man könn­te aber doch ein­wen­den, daß beson­de­re Umstän­de eben nach beson­de­ren Lösun­gen ver­lan­gen. Bis­her schien es doch so, als hät­ten die Ita­lie­ner die Anti-Coro­na-Maß­nah­men der Regie­rung Con­te posi­tiv auf­ge­nom­men. Gera­de in Ita­li­en gab es, so schien es zumin­dest für Außen­ste­hen­de, ein gro­ßes Maß an natio­na­ler Solidarität.

Wir erin­nern uns an die Men­schen auf ihren Bal­ko­nen, die gemein­sam die ita­lie­ni­sche Natio­nal­hym­ne sin­gen und applau­die­ren. Bringt denn eine sol­che Koali­ti­on nicht auch Hoff­nung auf Einig­keit, auf Zusam­men­halt und mög­li­cher­wei­se auf eine gemein­sa­me Lösung für die vie­len Kri­sen und gesell­schaft­li­chen Spal­tun­gen, mit denen auch die ita­lie­ni­sche Gesell­schaft sich kon­fron­tiert sieht? Wel­che posi­ti­ven Din­ge könn­te die­ses Regie­rungs­bünd­nis für Ita­li­en erreichen?

Fus­aro: Von die­sem Regie­rungs­bünd­nis ist nichts Gutes zu erwar­ten. Schon in sei­ner Antritts­re­de beton­te Draghi ein­dring­lich, daß sei­ne poli­ti­schen Bezugs­punk­te, ja sein gan­zes Wer­te­kor­sett die EU ist und daß er den EURO für irrever­si­bel hält. Also, was soll da Posi­ti­ves her­aus­kom­men? Ita­li­en hat durch die unsäg­li­chen Coro­na-Maß­nah­men schon einen her­ben Ein­bruch erlebt und das wird sich nun, wo mit Draghi der Mann der Ban­ken regiert, noch ver­schär­fen. Er wird sich dem Nie­der­gang Ita­li­ens nicht entgegenstellen.

Sezes­si­on: Und die Natio­nal­hym­ne, gesun­gen auf Bal­ko­nen und Terrassen?

Fus­aro: Die Men­schen, die sin­gend auf den Bal­ko­nen stan­den, waren ein her­vor­ra­gen­des Bei­spiel für die lei­di­ge Dumm­heit, für die­se Unfä­hig­keit, zu ver­ste­hen, was da über­haupt vor sich geht in unse­rem Land. Es ist das Ende einer Welt, der Unter­gang der Natio­nal­staa­ten und ihrer par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tien: Wir erle­ben dies in Form einer auto­ri­tä­ren Wen­de im Sin­ne des Kapi­ta­lis­mus, der dafür selbst die nöti­gen Vor­aus­set­zun­gen geschafft hat. Die Pan­de­mie und die mit ihr ver­bun­de­nen „Alter­na­tiv­lo­sig­kei­ten“ bie­ten nun den Rah­men, die­ses Werk zu vollenden.

Sezes­si­on: Der Popu­lis­mus als poli­ti­sches Phä­no­men wur­de in den letz­ten Jah­ren als Gegen­stück, sozu­sa­gen als Auf­stands­form der „peri­phe­ren Klas­se“, wie es Alain de Benoist aus­drück­te, der unte­ren und mitt­le­ren Schich­ten, wahr­ge­nom­men; als eine auch vom Estab­lish­ment gefürch­te­te Metho­de, um eine Revol­te wider die glo­ba­lis­ti­sche Agen­da der Eli­ten in Gang zu set­zen. Matteo Sal­vi­ni und die LEGA waren unzwei­fel­haft ein Zug­pferd die­ser euro­pa­wei­ten Gegen­ent­wick­lung. Was bedeu­tet die erneu­te Wen­de Sal­vi­nis für das Phä­no­men des Popu­lis­mus und damit für die non­kon­for­me Gegen­ent­wick­lung überhaupt?

Fus­aro: Der Popu­lis­mus war im wesent­li­chen ein Ver­such, jene Kluft poli­tisch zu unter­strei­chen, die sich zwi­schen den Inter­es­sen der herr­schen­den Eli­ten und den Bedürf­nis­sen der beherrsch­ten Klas­sen des Vol­kes auf­tut. Grund­in­ter­es­sen wie gerech­te Löh­ne, sozia­le Rech­te, eben Grund­be­dürf­nis­se hin­sicht­lich der Lebens­welt die­ser Men­schen. Und natür­lich hat die LEGA die­se Wel­le zeit­wei­se gerit­ten, aus wahl­tak­ti­schem Kal­kül. Aber nun haben sie die­se Sphä­re voll­kom­men preis­ge­ge­ben. Und wenn es wahr ist, und das ist es offen­kun­dig, daß sie nun Mario Draghi unter­stüt­zen, dann stel­len sie sich auch in des­sen Dienst und das heißt: in den Dienst der herr­schen­den Ordnungsstruktur.

Die LEGA von Matteo Sal­vi­ni ent­larvt sich damit als „Gatekeeper“-Partei, als eine Par­tei, die sich voll­ends dem Schutz des Bestehen­den ver­schreibt. Daher muß ihr jeder das Ver­trau­en ent­zie­hen, dem dar­an gele­gen ist, daß sich die Völ­ker Euro­pas auf­leh­nen gegen die­se Ord­nung, unter der sie leiden.

Sezes­si­on: Die Domes­ti­zie­rung Sal­vi­nis steht aber nicht allei­ne da im poli­ti­schen Betrieb; wir erle­ben die­se Form der Ein­he­gung, des Sys­tem­ein­baus, in viel­fäl­ti­ger Gestalt. Der Kon­for­mis­mus der Lin­ken spricht eben­falls Bän­de, die sich ganz offen als Ver­tei­di­ger der herr­schen­den Ver­wer­tungs­lo­gik betä­ti­gen. Wie erklä­ren Sie die­sen lager­über­grei­fen­den Drang zum Konformismus?

Fus­aro: Sowohl nen­nens­wer­te Tei­le der Lin­ken als auch der Rech­ten sind in die poli­ti­sche Mit­te gerutscht und wir­ken nur noch als Schat­tie­run­gen eben die­ser Mit­te, das heißt als Nuan­cen der libe­ra­lis­ti­schen Ord­nung, in der sich die rosa ange­stri­che­ne Lin­ke eben­so wie­der fin­det wie gewis­se Rech­te. Davon aus­ge­nom­men blei­ben offen­bar nur mehr Par­tei­en am äuße­ren Rand, die sich die­ser Ent­wick­lung verweigern.

Zum Bei­spiel las ich kürz­lich von der kom­mu­nis­tisch ori­en­tier­ten Klein­par­tei „SOMOS Espa­ña“ (WIR sind Spa­ni­en), die sich für einen Aus­tritt aus der Euro­päi­schen Uni­on und einen Aus­stieg aus dem EURO stark machen. Wenigs­tens irgend­wer, muß man bei­na­he schon sagen. Was ich sagen will, ist Fol­gen­des: Wer sich ein­mal in die Mit­te begibt, egal in wel­chem euro­päi­schen Land, der wird sich dann immer auch in die dort herr­schen­den Anschau­un­gen ein­rei­hen. Dage­gen bedarf eines Stand­punk­tes, der mit dem Kon­for­mis­mus bricht, der dem ideo­lo­gi­schen Ein­heits­brei­ge­dan­ken ent­ge­gen­tritt, der ja so poli­tisch kor­rekt wie ethisch kor­rupt ist.

Doch wei­te Tei­le der Intel­lek­tu­el­len, ganz beson­ders Links­in­tel­lek­tu­el­le, tun nichts ande­res, als den Völ­kern zu erläu­tern, wie ratio­nal und gewinn­brin­gend doch all das­je­ni­ge wäre, unter dem sie in Wirk­lich­keit dar­ben. Also: Wenn die Völ­ker unter der Poli­tik der EU lei­den, dann erklä­ren sie, daß in Wahr­heit ja alle von der EU nur pro­fi­tie­ren würden.

Wenn die Völ­ker unter der Mas­sen­zu­wan­de­rung äch­zen, dann kom­men die Intel­lek­tu­el­len und erklä­ren, daß das ja bloß eine ein­ma­li­ge Gele­gen­heit des mul­ti­kul­tu­rel­len Aus­tauschs sei, die man sich kei­nes­falls ent­ge­hen las­sen dür­fe. Und wenn die Völ­ker unter den Logi­ken lei­den, die nun­mal der kapi­ta­lis­ti­sche Libe­ra­lis­mus ent­fes­selt, dann dau­ert es nicht lan­ge, und sie pre­di­gen uns, daß wir noch mehr Markt brau­chen und immer so wei­ter. Auch rech­te Intel­lek­tu­el­le tun letz­te­res zu oft.

Sezes­si­on: Ins­be­son­de­re auf die­ser poli­ti­schen Rech­ten hat man bis­wei­len den Ein­druck, daß es über ein dif­fu­ses „Dage­gen“ hin­aus an einer gro­ßen und kohä­ren­ten Gegen­er­zäh­lung zu feh­len scheint. In Ihren Schrif­ten set­zen Sie sich sehr inten­siv damit aus­ein­an­der, mit dem Aus­stieg aus die­sem post­mo­der­nen Kapi­ta­lis­mus, den sich offen­bar kaum noch jemand als mög­lich vor­stel­len kann. Ich fra­ge Sie als den Poli­ti­ker Fus­aro: Wie sieht er für Euro­pa aus, der Aus­stieg aus dem nur schein­bar ein­ge­tre­te­nen Ende der Geschichte?

Fus­aro: Ja, es fehlt an der alter­na­ti­ven gro­ßen Erzäh­lung. Nicht, daß es uns grund­sätz­lich an Dis­sens man­gelt. Jedoch erman­gelt es uns an der Fähig­keit, eine Zukunfts­vi­si­on zu ent­wer­fen, in der sich die­ser Dis­sens in ein kon­struk­ti­ves poli­ti­sches Pro­jekt trans­for­mie­ren lie­ße, das einen wirk­li­chen Aus­weg auf­zei­gen kann. Ich glau­be, daß die Aus­ein­an­der­set­zung – der Kampf, wenn Sie so wol­len – mit dem Kapi­tal, heut­zu­ta­ge dadurch zu füh­ren ist, indem man in Euro­pa gegen die EU und gegen den EURO argu­men­tiert. Und auf dem Feld der Geo­po­li­tik gegen das Geba­ren der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka und der NATO.

Die euro­päi­schen Natio­nal­staa­ten müs­sen ihre voll­stän­di­ge finan­zi­el­le und mone­tä­re Sou­ve­rä­ni­tät wie­der­erlan­gen und dazu aus der EU aus­tre­ten. Sie müs­sen ihre mili­tä­ri­sche Sou­ve­rä­ni­tät zurück­er­lan­gen, dazu trans­at­lan­ti­sche Bünd­nis­se hin­ter sich las­sen und sich statt des­sen für eine mul­ti­po­la­re Welt ein­set­zen. Eine Welt, die auch in Euro­pa aus demo­kra­ti­schen, gemein­wohl­ori­en­tier­ten Natio­nal­staa­ten besteht, die mit­ein­an­der in Bezie­hung tre­ten, ohne dabei unter die Herr­schaft des Dol­lars gezwun­gen zu sein.

Ob mit Alain de Benoist oder Cos­tan­zo Pre­ve: Die Herr­schaft des Dol­lars ist der Haupt­feind. Das heißt, daß man mei­ner Mei­nung nach einen ande­ren Weg ein­schla­gen muß: Es geht dar­um, die Zukunft aus der Kri­tik an den gegen­wär­ti­gen Zustän­den her­aus zu gestalten.

Sezes­si­on: Deut­schen Lesern aus dem non­kon­for­men Spek­trum dürf­te zuvör­derst Ihr Auf­satz in dem Sam­mel­band Marx von rechts (Dres­den 2018) bekannt sein. Dort schrei­ben Sie, daß „die per­fek­te Ideo­lo­gie jene [sei], die sich dadurch unsicht­bar macht, in dem sie das Ende der Ideo­lo­gien zele­briert“. Wir spra­chen über den Aus­stieg aus die­sem Tri­umph­zug der „Homo­lo­gi­sie­rung“, wie Sie es nen­nen. Wenn die­ser Aus­stieg zu spät oder auch gar nicht gelingt, auch weil die poli­ti­sche Gegen­strö­mung schlicht fehlt. Was wird das für Ita­li­en und Euro­pa bedeuten?

Fus­aro: In die­sem Werk, aber auch in mei­nem ande­ren Buch, das im sel­ben Jahr 2018 unter dem Titel Schon wie­der Marx beim West­end Ver­lag erschien, habe ich ver­sucht, Kern­kon­zep­te von Marx vor dem Bild unse­rer Gegen­wart neu zu den­ken und sie als Ver­such einer geg­ne­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit dem gegen­wär­ti­gen Kapi­ta­lis­mus und hin­sicht­lich einer Eman­zi­pa­ti­on des Men­schen­ge­schlechts zu verstehen.

Die Ideo­lo­gie, als Beob­ach­tungs­ge­gen­stand, ist dabei eines der zen­tra­len The­men, das Marx uns hin­ter­las­sen hat. Die Ideo­lo­gie beschreibt letzt­lich einen Rah­men, einen Modus, nach dem wir pro­du­zie­ren, der die Inter­es­sen einer Klas­se schützt, die sich fälsch­li­cher­wei­se als das Gute aus­gibt, das im Inter­es­se der gesam­ten Mensch­heit han­deln würde.

Der Kapi­ta­lis­mus ist heu­te die voll­kom­me­ne, per­fek­te Ideo­lo­gie im Sin­ne der Ver­wirk­li­chung ihrer selbst, die wir ein­at­men wie Luft, die wir als einen schein­bar natür­li­chen Modus erle­ben, nach dem wir den­ken, pro­du­zie­ren und exis­tie­ren. Ich den­ke, daß wir aus die­ser Homo­lo­ga­ti­on aus­stei­gen müs­sen. Wir soll­ten Wege suchen, durch die wir uns davon lösen kön­nen. Befrei­en, bevor es zu spät sein wird, bevor die Nacht anbricht, die kei­nen Mor­gen mehr haben wird, um es frei nach den schö­nen Wor­ten Turan­dots zu sagen.

Wir aber müs­sen, und da bin ich über­zeugt, das Schrit­tem­po etwas erhö­hen. Denn die Ver­hält­nis­se in und nach den Coro­na­zei­ten ver­schär­fen sich. Die Ernen­nung eines Mario Draghi zum Minis­ter­prä­si­den­ten dürf­te zumin­dest bei uns in Ita­li­en das ein­dring­lichs­te Zei­chen dafür sein, wie drän­gend die Lage für grund­sätz­li­che Oppo­si­tio­nel­le ist.

– – –

Dr. Die­go Fus­aro (geb. 1983 in Turin) ist Lehr­be­auf­trag­ter und wis­sen­schaft­li­cher Lei­ter der Abtei­lung für Phi­lo­so­phie am Isti­tu­to Alti Stu­di Stra­te­gi­ci e Poli­ti­ci, einem pri­va­ten Hoch­schul­bil­dungs­trä­ger in Mai­land. Fus­aro ist Schü­ler der Phi­lo­so­phen Cos­tan­zo Pre­ve und Gian­ni Vat­ti­mo. Sein For­schungs­schwer­punkt ist die Phi­lo­so­phie- und Geistesgeschichte.

Mit der von ihm maß­geb­lich inspi­rier­ten Par­tei Vox Ita­lia wag­te Fus­aro auch selbst den Schritt in die Poli­tik. Einem gro­ßen Publi­kum in Ita­li­en ist er bekannt durch regel­mä­ßi­ge Auf­trit­te in TV-Talk­shows sowie durch zahl­rei­che Publi­ka­tio­nen. In Deutsch­land erschie­nen bis­her Schon wie­der Marx: Die Rück­kehr der Revo­lu­ti­on sowie ein kom­ple­xer Auf­satz in dem Sam­mel­band Marx von rechts, den Fus­aro mit Bene­dikt Kai­ser und Alain de Benoist vorlegte.

Man kann Fus­aro bei Twit­ter fol­gen. Mit fast 75.000 “Fol­lower” dürf­te er dort das Feld poli­ti­scher Publi­zis­ten aus Ita­li­en anführen.

(Die Ent­wick­lun­gen rund um die LEGA wur­den zuletzt in der 93. Sezes­si­on (hier als PDF) und bei Sezes­si­on im Netz behan­delt.)

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Kommentare (65)

Mitleser

9. März 2021 11:04

Lieber LEGA und Salvini als Meloni und nicht wählen.

Meloni-Interview: https://www.theamericanconservative.com/articles/patriotic-opposition-an-interview-with-giorgia-meloni/

 

Waldgaenger aus Schwaben

9. März 2021 11:21

Man mag es Kapitalismus nennen, wenn wirtschaftliche und politische Macht sich zu Lasten des Volkes zusammen schließen. Ich will es nicht tun, sondern es International-Sozialismus nennen, weil es, wie im Artikel erwähnt, zum Ziel hat, Familie, Volk und Parlament und Freie Marktwirtschaft zugunsten einer kleiner Machtelite aufzulösen. 

Das Problem ist nur, ohne gemeinsame Sprache kann man keine gemeinsame Ziele formulieren, sich nicht auf gemeinsames Handeln verständigen. Der Kampf um die Sprache ist der Kampf um die Macht im eigenen Lager. Wie kommen wir aus der Nummer raus?

 

Martino Taverniere

9. März 2021 11:44

Draghi sagte in seiner Antrittsrede nur, man müsse jetzt diszipliniert in ein paar saure Äpfel beißen und schloss mit den ehrlich gemeinten Worten "aus Liebe zu Italien". Das war so gemeint und wurde in ganz Italien auch so verstanden!! Es geht darum, 200 Milliarden Euro zu bekommen. Von denen, die auch Negativzinsen und Draghis Gelddruckerei willig hinnahmen. Die damals, als Romano Prodi, um nach Maastricht zu gelangen, extra eine Steuer einführte, von der er VERSPRACH, später alles wieder zurückzuzahlen (was er dann auch tat), auch gute Miene zum bösen Spiel machten. Darum geht es und darum, so wenig wie möglich von diesen 200 Milliarden zurückzuzahlen, also darum, zu verhindern, dass Italien Verpflichtungen wie die eingeht, die Helmut Schmidt im Sommer 1977 für die Gewährung eines Kredits verlangte: der hatte Zugriff auf die italienischen Goldreserven und erwirkte nebenbei die Haftentlassung Kapplers!! Dass für die Umgehung solcher Verpflichtungen Draghi der richtige Mann ist, darüber hat niemand in Italien Zweifel, schon gar nicht der rechtspopulitische Neomarxist Fusaro. Der lässt sich von einem Gerücht inspirieren, das sich hartnäckig in Italien hält: Schopenhauer soll im Antico Caffè Greco in Rom gesagt haben, es gebe kein dümmeres Volk als die Deutschen. https://persciun.blogspot.com/2013/06/schmidt-und-kappler.html

Niekisch

9. März 2021 11:58

"Das Problem ist nur, ohne gemeinsame Sprache kann man keine gemeinsame Ziele formulieren, sich nicht auf gemeinsames Handeln verständigen. Der Kampf um die Sprache ist der Kampf um die Macht im eigenen Lager. Wie kommen wir aus der Nummer raus?"

@ Waldgaenger aus Schwaben 11:04: Diese Frage wird hier immer wieder gestellt, aber nicht einmal eine Antwort versucht. Es gibt kein Bemühen, weil die hier vorherrschende Sprache es nicht erzwingt. Sie suhlt sich ja geradezu im tausendmal gerührten Sud des Konservativen, schöpft mit der Kelle selbst William S. Schlamms, schließt an das längst eingegangene Criticon an. Einem längst  A l l e s  ergreifenden Dekonstruktivismus ist damit nicht Paroli zu bieten. Ergo:

1. Was wissen und wollen wir wissen von deutschen Vergangenheit?

2. Welche persönlichen Verbindungen haben wir zu früher?

3. Was glauben, fühlen, empfinden wir dazu?

4. Was genau stört dieses uns wertvolle Wissen und Empfinden?

5. Wie genau ist dieser Totalangriff in jeder Facette jenseits veralteter oder feindlicher Begriffe zu benennen?

6. Wie wirksam sind unsere Abwehr- und Neubaubegriffe für Taktik und Strategie zum großen Ziel?

 

Handyempfaenger

9. März 2021 12:03

Dann nenn es endlich Kapitalismus und gut ist. 

Pit

9. März 2021 12:09

daß wir noch mehr Markt brauchen
...Kapitalismus...

... und immer immer wieder das Nichtverstehen: der Käufer = Verbraucher hat alle Macht !

"Markt" ist nicht falsch ! Kapitalismus = Marktwirtschaft ist nicht falsch ! Falsch ist, daß wir die Käufer unsere Macht nicht nutzen

 -> und da kommen wir eben zum zentralen Punkt: es gibt nicht ZUVIEL Marktfreiheit, sondern es gibt ZUWENIG Marktfreiheit: denn es versuche einfach mal jemand, alternative Produktion zu starten, weil die vorhandenen Anbieter uns hassen DAS DAS DAS WIRD VERBOTEN  und DAS gilt es zu kritisieren: wo der Markt NICHT frei ist, wo es den Leuten VERBOTEN  wird, im Markt zu agieren !

Daß hier allgemein so völlig in die falsche Richtung gedacht wird, daß zentrale, grundlegende Dinge nicht verstanden, nicht gesehen werden, das ist das entsetzlich Demoralisierende an den "Widerständigen".

Und da ist die geheimnisvolle, so gesuchte konstruktive Alternative : Freiheit, und also Marktfreiheit.
Ob eine Rechte, die so gerne autoritär ist, das verstehen wird?

brueckenbauer

9. März 2021 12:17

Fusari als Vertreter einer neuen national-sozialen Kleinpartei, die auf die größere national-liberale Konkurrenz schimpft - gähn. Interessant wäre gewesen, wie die Italiener es schaffen, eine Art private Hochschule aufzubauen, an der ein rechter Philosoph eine Dozentenstelle findet.

Franz Bettinger

9. März 2021 12:20

"Die Menschen, die singend auf den Balkonen standen, waren ein hervorragendes Beispiel für die Unfähigkeit zu verstehen, was überhaupt vor sich geht.“ Dr. Fusaro spricht Klartext und mir aus dem Herzen. Wie der @Waldgänger würde auch ich hier nicht 'den Kapitalismus' anprangern, der alles an sich zu reißen und umzudrehen versucht, sondern den International-Sozialismus oder eben den Globalismus. Auf das Vokabular ist stets zu achten, sonst stehen wir schnell auf dem Glatteis. 

Laurenz

9. März 2021 12:35

(1)

Fusaro ist doch sowas, wie ein National-Marxist & auf einer philosophischen Ebene nachvollziehbar, aber eben auch nur da.

Wenn wir, & das rate ich dringend an, in die italienische Historie schauen, endet das ethnisch-politische Europa nicht an der Südspitze Siziliens, sondern in den Abruzzen. Wenn unsere afrikanischen & arabischen EU-Neubürger in Süd-Italien anlanden, landen sie quasi bei ihresgleichen an. Das unterschlägt Fusaro, Italien besteht quasi aus 2 Staaten, dem Norden & dem Mezzogiorno. Italien ist als Staat, wie auch als Nation im Prinzip noch in der Grundschule, was sind schon 170 Jahre staatliche, nicht-völkische Existenz?

Und was Fusaro weiter ignoriert, ist die Ökonomie. Im Gegensatz zu Deutschland, welches sich einen reichen Staat & arme Bürger leistet, ist es in Italien umgekehrt, der Staat ist arm, der italienische Bürger 4x so vermögend, wie sein deutsches Pendant. Die wesentlichen Staatsschulden Italiens stammen noch aus den 80ern plus der Neuschulden, die Italien, EU-regelwidrig, zur Rettung seiner Banken aufgenommen hat. Aber warum Schulden abbauen? Lassen sich doch diese Schulden wunderbar auf den Rücken der blöden Deutschen refinanzieren & im philosophischen Sinne durch Inflation "verzinsen". Italien führt seit Euroeinführung einen Wirtschaftskrieg gegen Deutschland & siegt permanent.

Laurenz

9. März 2021 12:36

(2)

Wenn Draghi, der Ex-EU-Dikator, nun Italien führt, macht der italienische Bürger alles richtig, wenn er Draghi wählt, um weiter den deutschen Sklaven für sich schuften zu lassen. Das wird auch der Grund sein, warum Salvini mitmacht. Wem das nicht klar ist, hat Nationalstaatlichkeit nicht verstanden.

Deswegen hat auch die SiN-Redaktion die falschen Fragen an Fusaro gestellt. Denn die Aussagen Fusaros zu Währunsgfragen stimmen. Aber er sagt nicht, wie er in Italien, welches ein tatsächlicher Profiteur des Euros ist, die nachteilige Lira durchsetzen will. Denn die EZB macht italienischen Notenbank-Politik und nur Euroland gewährt unendliche Kredite. Hier liegt wohl der Konflikt zwischen Fusaro & Salvini mit seiner späten Erkenntnis. Dieser Konflikt läßt sich nur von außen lösen, und zwar nur dann, wenn Deutschland aus dem Euroland austritt.

Laurenz

9. März 2021 12:38

@Martino Taverniere

Exakt beschrieben, alles andere ist Gequatsche. Wir sind die Blöden, einschließlich Schnellroda.

Niekisch

9. März 2021 12:41

"Dann nenn es endlich Kapitalismus und gut ist."

@ Handyempfaenger 12:03: Genau das meine ich: da wird ein Begriff  schnell mal eben herausgerotzt und fertig. Das reicht nicht: Es geht eben nicht nur um den Einsatz von Kapital und dessen Benutzen als Werkzeug in Wirtschaft und Politik. Es geht um ein Mehr und ein Anders: es geht auch um quasireligiöses "Zahn um Zahn", um Domination von Gruppen, messianistische Ambitionen mit Streit um Heilswege. Zur Beschreibung und zum Überwinden reichen diese untauglichen und verbrauchten "Unterbegriffe" nicht aus. Wir brauchen Oberbegriffe mit breiterer Fassenskraft, um daran wiederum treffendere "Unterbegriffe"  anzuschließen. Nennen wir also den alles uns  Wertvolle auflösenden Feind "Dekonstruktivisten", die seit Jahrhunderten die Nationen zugunsten einer Weltregierung, die Religionen zur Weltmoral, nationales Recht zum Weltrecht auflösen wollen. Wir hingegen sind Vertreter einer Internationale der Konstruktivisten  mit der Parole "Souveränität - Identität - Sozialität", aufgefächert in die diversen Denkrichtungen mit den Besonderheiten der Nationen. 

tearjerker

9. März 2021 13:12

Die Idee, in der italienischen, spanischen, griechischen oder portugiesischen Politik könnten Mehrheiten für einen Austritt aus dem Euro oder der EU entstehen, ist ziemlich albern. Diese Institutionen werden erhalten, weil sie Perspektiven und Milliarden in die Taschen derer spülen, die für die Abschaffung stimmen müssten. Der Austritt würde gerade die süd-europäischen Staaten wie Griechenland auf das Wohlstandsniveau von vor 50 Jahren katapultieren. Auch wenn man wie stets die Schuld dafür auf die Zentralmacht in Europa abwälzen könnte, würde es praktisch doch an den Salvinis, Melonis usw hängenbleiben. Deshalb gilt: Siechen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen.

Imagine

9. März 2021 14:17

@Waldgaenger aus Schwaben   9. März 2021 11:21

„Man mag es Kapitalismus nennen, wenn wirtschaftliche und politische Macht sich zu Lasten des Volkes zusammen schließen. Ich will es nicht tun, sondern es International-Sozialismus nennen, weil es, wie im Artikel erwähnt, zum Ziel hat, Familie, Volk und Parlament und Freie Marktwirtschaft zugunsten einer kleiner Machtelite aufzulösen.“

Globaler Kapitalismus = International-Sozialismus?

Diese völlig falsche Gleichsetzung findet sich angesichts der medialen und schulischen Hirnwäsche häufig, insbesondere im rechten Milieu.

Waldgaenger aus Schwaben

9. März 2021 14:21

@handyemfaenger 

Der Kapitalismus agiert international, aber sitzt hauptsächlich in Mittel- und Westeuropa und Nordamerika, richtig?

Nur dort kann er bekämpft werden, durch Wahlen oder Revolutionen, richtig?

Die Bevölkerung in diesen Ländern ist zu satt und träge für den Aufstand gegen den Kapitalismus. Die Menschen, die vom Intellekt und Organisationstalent her dazu in der Lage wären einen Aufstand zu leiten, werden in diesen Ländern mit ein paar Brosamen vom Tisch der Superreichen gekauft, richtig?

Flüchtlinge und Geflüchtete (Flüchtlinge die bei uns leben) sind Opfer des Kapitalismus, richtig?

Schlussfolgerungen aus dem oben Gesagten (wenn alles mit ja beantwortet wird):

Öffnen wir die Grenzen für noch mehr Geflüchtete. Geben wir ihnen das Wahlrecht. Dann haben wir die kritische Masse für einen Umsturz, um durch Wahlen oder Revolutionen den internationalen Kapitalismus zu beseitigen. Wer aus rassistischen Gründen gegen die Grenzöffnung ist, ist ein jämmerlicher Kapitalisten-Knecht, selber ein armes Opfer des Kapitalismus hetzt er gegen jene Opfer, die noch ärmer sind.

Den Mitgliedsantrag für eine Partei des linken Flügels der nationalen Front finden Sie sicher im Netz. 

 

Martino Taverniere

9. März 2021 14:37

Die weltfremde Einfalt, mit der Hoewer Fusaro befragt und sich einreden lässt, es ginge Fusaro um ein brauchbares antikapitalistisches Konzept (von dem in Fusaros Texten nie ein Krümel zu sehen ist), ist himmelschreiend. Fusaro geht es darum, linke Energien zu bündeln, in den Dienst Italiens zu stellen und gegen Deutschland, die Schweiz, Holland, Amerika oder wen auch immer von denen zu richten, die irgendwo im Norden (oder in der Chefetage von Goldman&Sachs) die Kreise des Südens stören könnten. Er ist kein linksrechtes Querfronthybrid, sondern ein pfiffiger Janus: rechter Vordenker gegenüber einfältigen Burschenschaftlern aus dem Norden, deren Zustimmung man haben möchte und linker Feldherr gegenüber dem eigenen Volk, dass er nur zum Schein gegen Amerika, DEN Kapitalismus und die EU, in Wirklichkeit gegen Holland, Deutschland und jede wirtschaftliche Vernunft, die diesen Namen verdient, in Stellung bringen möchte. Deutschland fällt immer wieder auf die Italiener rein. Wer wirklich über Abhilfe bei den Mängeln des Kapitalismus nachdenken möchte, lese Zingales: "Saving capitalism from the capialists"

Martino Taverniere

9. März 2021 15:00

"Die LEGA verleugnet sich ständig selbst, sie ist geradezu selbst ein fortwährender Selbstverleugnungsprozeß. Sie ist eben eine rechtsliberale Partei. Damit aber gehört sie zu den Parteien, die die Interessen des Kapitals vertreten und bisweilen vorgeben, mal mehr und mal weniger, für die Interessen des Volkes zu kämpfen." Das ist eine besonders dreiste Nebelkerze. Die LEGA hat sich noch nie selbst verleugnet: es geht ihr seit ihrer Gründung um die kleinen und mittleren Betriebe der Lombardei und Venetiens (und ein paar anderer norditalienischer Regionen, außer Südtirol selbstverständlich), egal ob sie dieses Rückgrat der italienischen Wirtschaft gegen Süditalien oder Nordeuropa verteidigen.

Imagine

9. März 2021 15:42

1/4

@Fusaro:
„Die Ideologie, als Beobachtungsgegenstand, ist dabei eines der zentralen Themen, das Marx uns hinterlassen hat. Die Ideologie beschreibt letztlich einen Rahmen, einen Modus, nach dem wir produzieren, der die Interessen einer Klasse schützt, die sich fälschlicherweise als das Gute ausgibt, das im Interesse der gesamten Menschheit handeln würde.

Der Kapitalismus ist heute die vollkommene, perfekte Ideologie im Sinne der Verwirklichung ihrer selbst, die wir einatmen wie Luft, die wir als einen scheinbar natürlichen Modus erleben, nach dem wir denken, produzieren und existieren.“

In der Marxschen Theorie geht es zunächst darum, das historisch durch Selbstorganisationsprozesse entstandene ökonomische System zu analysieren und zu verstehen.

In der vorangegangenen ökonomischen Formation gab es die Subsistenzwirtschaft, in der eine Produktion für einen Markt und der Austausch über den Markt eine untergeordnete Rolle spielt. Ebenso spielte das Geld im Leben der meisten Menschen keine oder nur eine nebensächliche Rolle, denn das, was sie zum Leben brauchten. produzierten sie selbst.

Dann entstand die industrielle Marktwirtschaft, wo für den Markt produziert wurde. Heute muss alles, was man zum Leben braucht, mit Geld gekauft werden.

„Geld regiert die Welt“ – sagt der Volksmund.

Imagine

9. März 2021 15:43

2/4

Alles dreht sich ums Geld.

Wie kann ich an Geld kommen, damit ich überleben kann? Wie kann ich an möglichst viel Geld kommen, damit ich möglichst gut leben kann?

Marktwirtschaft ist Zirkulationswirtschaft, ist eine Warenökonomie  und damit Geldwirtschaft.

Die ökonomische Organisationsstruktur im Kapitalismus ist die betriebswirtschaftliche Produktion, Distribution und Zirkulation, wobei die Betriebe sich in Privateigentum befinden und jeder Betrieb aus dem Warenkreislauf möglichst viel Profit schöpfen will.

Auch der Mensch muss sich zur Ware machen. Für Geld tun die Menschen alles.

Imagine

9. März 2021 15:45

3/4

Geld wird der neue Gott, schreibt Marx:

„Sehr gut und das Wesen der Sache in einen Begriff gebracht, ist es, wenn Mill das Geld als den Vermittler des Austausches bezeichnet. Das Wesen des Geldes ist zunächst nicht, dass in ihm das Eigentum entäußert wird, sondern dass die vermittelnde Tätigkeit oder Bewegung, der menschliche, gesellschaftliche Akt, wodurch sich die Produkte des Menschen wechselseitig ergänzen, entfremdet und die Eigenschaft eines materiellen Dings außer dem Menschen, des Geldes wird. Indem der Mensch diese vermittelnde Tätigkeit selbst entäußert, ist er hier nur als sich abhanden gekommener, entmenschter Mensch tätig; die Beziehung selbst der Sachen, die menschliche Operation mit denselben, wird zur Operation eines Wesens außer dem Menschen und über dem Menschen. Durch diesen fremden Mittler – statt dass der Mensch selbst der Mittler für den Menschen sein sollte – schaut der Mensch seinen Willen, seine Tätigkeit, sein Verhältnis zu anderen als eine von ihm und ihnen unabhängige Macht an. Seine Sklaverei erreicht also die Spitze. Dass dieser Mittler [= das Geld] nun zum wirklichen Gott wird, ist klar, denn der Mittler ist die wirkliche Macht über das, womit er mich vermittelt. Sein Kultus wird zum Selbstzweck.
 

Imagine

9. März 2021 15:48

4/4

Marx begreift den Kapitalismus folglich als ein ökonomisches System, welche zugleich einen ideologischen Überbau besitzt in Form eines falschen („entfremdeten“) Bewusstseins.

Dies ist die Ideologie des Kapitals, welches diese historische ökonomische Organisationsform als „naturgegeben“ und damit als „alternativlos“ erscheinen lässt.

Die Menschen sind in dieser Ideologie gefangen und können sich gar anderes System vorstellen. Weil ihr Bewusstsein enthistorisiert ist und für sie bislang keine postkapitalistische Organisationsform empirisch wahrnehmbar ist, welche der kapitalistischen überlegen ist.

Kern der marxistischen Theorie ist, dass die wissenschaftlich-technischen Produktivkräfte so weit entwickelt sind, dass ein Leben allgemein mit mehr Wohlstand und weniger Arbeit möglich ist.

Eine sozialistische Neuorganisation der Produktions- und Eigentumsverhältnisse soll insbesondere eine Befreiung vom Zwang zur Arbeit ermöglichen.

Innerhalb des kapitalistischen Systems ist der vom Zwang zur (Lohn)Arbeit befreite Mensch nur in der Kapitalistenklasse zu finden, welche durch ihr Vermögen ein arbeitsfreies Einkommen erzielen kann.

Sozialismus bedeutet also: Weniger Zwang zur Arbeit, mehr Freiheit und mehr Wohlstand für alle und nicht nur für die herrschende Klasse.

 

Volksdeutscher

9. März 2021 16:40

@Mitleser

Was stört Sie an den Aussagen Melonis?

Volksdeutscher

9. März 2021 17:17

Ich bin mir immer etwas skeptisch und vorsichtig mit solchen Nationalbolschewiken. Es liest sich gut, was er von sich gibt. Und weiter? Er ist gerade erst in die Politik eingestiegen, es ist daher einfach, in der Opposition die Prostitution anderer Parteien anzuprangern. Ein ähnlicher wie Fusaro war Eduard Limonow in Russland (eig. Eduard Weniamowitsch Sawenko). Nichts hatte er bewirkt, außer, daß er den Rechten Sympatisanten entzog.

Heinrich Loewe

9. März 2021 19:38

Ihre Kommentare, verehrter @Martino Taverniere, finde ich erhellender als den eigentlichen Beitrag.

Sie sehen Salvini und die Lega weiterhin als populistische Partei? Das Rechts/Links- Schema trägt nichts mehr aus heute - im Gegenteil, es verhindert die mögliche, mehrheitsfähige Lösung; mit der erfolgreichen Referenz: America First. Populismus vs. Globalismus ist DIE entscheidende Frontlinie. Nur: Wie paßt Draghi da hinein?

heinrichbrueck

9. März 2021 20:29

„International-Sozialismus“.

Käme einer auf die Idee, den Europäern die jüdischen Denker wegzunehmen bzw. aus den Köpfen zu bannen, blieben nur noch intellektuelle Autisten übrig.

Wer ist der Mann der Banken? Kapitalismus und Sozialismus, in jedem Untersystem werden Steuern bezahlt. Der Steuerzahler ist der Mann der Banken, die gewählte Regierungsrolle darf verwalten, alles im Namen realer Machtverhältnisse. Ob freiwillig oder nicht, es bleiben Kapitulation und Kollaboration.

Kapitalismuskritik ersetzt das globale Kredit- und Finanzsystem nicht, dessen NWO-Zentrale China sein dürfte, lediglich sozialstaatliche Betteltouren organisiert und abstrakte Schuldzuweisungen durch Scheinoppositionelle markiert werden. Die große Erzählung, die aus der Nacht führen soll? Wie wollen die Europäer, deren Intelligenz – in einer technologisch hochentwickelten Arbeitswelt – Waren produzieren kann, ihre Lebensversorgung gewährleisten? Sollte Geld fehlen, dann stimmt die Organisation nicht. Was profitabel ist, Geld an sich, muß neu gedacht werden. Wenn möglich, ohne den Satanisten Marx.

Alter Lehrling

9. März 2021 22:02

Dr. Fusaro versucht Gräben zu überwinden. Freilich gelingt es ihm (vielleicht noch) unzureichend. Und auch in dieser Diskussion werden überkommene Kontroversen wieder evoziert. Doch weder ›Kapitalismus‹ noch ›Sozialismus‹ sind geeignet, das gegenwärtige Geschehen adäquat zu beschreiben.

Konzentrieren wir uns deshalb auf den Begriff ›Globalismus‹, der von seinen Anhängern wie von seinen Gegnern verwendet wird, und der ausdrückt, was wir erleben, resp. erleiden.

Nun, was beinhaltet ›Globalismus‹? Er bedeutet zuallererst Privatisierung von immer mehr Staatsfunktionen zugunsten international agierender Konzerne. Konkretes Ziel ist die Auflösung des Nationalstaats (seiner Identität, Kultur und Grenzen), generell die Entstaatlichung. Dass Politiker, die an der Existenz des Staates interessiert sein sollten, das noch befördern, führt zur Illusion, der Staat bleibe relevanter Akteur; er werde sogar immer stärker. Das Gegenteil stimmt.

 

RMH

9. März 2021 22:13

Wieder einmal so ein Welterklärer. Er unterstellt der Lega mit Umschreibungen "wie entlarven", als ob sie von Anfang an eine Art Trojaner oder Honigtopf gewesen wäre. Das aber eine seit längerem durchaus erfolgreiche Partei irgendwann ganz automatisch in den Strudel der Realpolitik kommen kann, wird ausgeblendet. 

Herrschaft des Dollars brechen und gleichzeitig Abschaffung des Euro - und das von einem Italiener (omg) ... fast wäre man versucht zu sagen, ihr hattet Eure Chance an unserer Seite genau das zu schaffen (Herrschaft des Dollars beenden) und habt Feigheit, Nichtskönnen und dann beim Versagen uns in Eure Händel ziehen und zum Dank anschließenden schnöden Verrat, vorzogen. Heute lebt Italien via Target II und anderen EU-Maßnahmen zu einem schönen Teil von Deutschland und der EU. Das Vermögen der Norditaliener könnte im Schnitt vermutlich besser sein, als der durchschnittlichen Deutschen (habs jetzt nicht nachgeschlagen). Auch ein Herr Salvini wäre mit dem berühmten Klammerbeutel gepudert, wenn er zu Lasten des Wohlstands seiner Landsleute auf einmal sagen würde, gebt Deutschland aus der EU und vom Euro frei, so wie wir davon frei werden wollen und wieder unsere Lira habe wollen. Der Herr Salvini macht das schon richtig im Sinne der nationalen Interessen Italiens.

Martino Taverniere

9. März 2021 22:36

@Heinrich Loewe Die LEGA ist eine superpopulistische Partei. Nur, seit Berlusconi durch Mario Monti ersetzt wurde, ging ein Ruck durch ganz Italien und besonders durch die LEGA-Wähler: auf einmal war nicht mehr der Süden Italiens, die Kommunsten und  Roma Ladrona (die diebische Roma, die aus Norditalien Steuern saugt, um damit einen gierigen Säugling im Süden aufzupäppeln) der Feind, sondern Monti, den man als Lakaien der EU (und vor allem Deutschlands) ansah und als Totengräber eines Mittelstandes dessen Eigentumswohnungen und Landhäuschen plötzlich besteuert wurden. Man war plötzlich selber der Süden. Und haargenau dieselben Argumente, die der Süden Italiens seit 1989 gegen die LEGA vorbrachte, brachte nun die LEGA gegen Deutschland und die EU vor!! Salvini sagte zwar pathetisch, Italien müsse aus eigener Kraft aus der Misere finden, aber nur bei dem von Frauke Petry organisierten Treffen in Koblenz! In Wahrheit wurden die Legisten damals über Nacht Kommunisten gegenüber Deutschland.

Martino Taverniere

9. März 2021 22:36

@Heinrich Loewe Ein guter Freund von mir aus Ferrara, der schon immer ein 150%iger Legist ist, antwortete auf meine Bemerkung, er sei als ein Sch...kommunist geworden: "Ja, und wir werden euch lieber mit in die Tiefe reißen, asl nachgeben!". Italien ist unglaublich geschickt im Lavieren. Bereits Mussolini schaffte es, durch die "Nonbelligeranza" (="Nichtkriegsführung") Neutralität und Kriegsbeteiligung am Krieg des Bündnispartners Deutschland gleichermaßen zu vermeiden (man fand den immer schlüssigen Vorwand der Unfähigkeit! Die Rüstungsanstrengungen erlaubten noch keine Beteiligung usw.), um dann, als es aussah, Deutschland gewinne den Krieg, nachdem Frankreich niedergeworfen wurde, auf den Wagen des Siegers aufzuspringen, indem man sich an Schlachten beteiligte. Als es dann so aussah, als gewönnen die Alliierten, sprang man wider ab: Mussolini wurde abgesetzt und auf den Campo Imperatore gebracht. Übrigens erinnert die jetzige Situation ein wenig an den Bau der "Spanischen Treppe". Damals wurde Frankreich (war zusammen mit Spanien eine der Schutzmächte des Papsttums) Jahrzente lang mit einem Ring durch die Nase durch die Manege geführt. Um einen Eindruck davon zu gewinnen, reicht Wikipedia aus https://de.wikipedia.org/wiki/Spanische_Treppe#Entstehungsgeschichte

Gotlandfahrer

9. März 2021 22:43

 1/3

 „Wir erleben diese Form der Einhegung, des Systemeinbaus, in vielfältiger Gestalt. Der Konformismus der Linken spricht ebenfalls Bände, die sich ganz offen als Verteidiger der herrschenden Verwertungslogik betätigen.“

Wenn ich mich selbsttherapieren darf:

Für die hochintelligente Altlinke war, aufgrund der Kränkung durch das sich abwendende Proletariat nach der praktischen Widerlegung ihrer Bewusstseinsgewissheiten, das unverhoffte Gewährtbekommen jedes Zerstörendürfens des Kleinbürgertums, das nur aus historischem Unrecht zwischenzeitlich obsiegte und sich stets nur aus Dümmlichkeit und Bosheit widersetzt, eine unwiderstehliche Versuchung.  Dieses unmoralische Angebot der globalistischen Großfinanz, eine Art Kaperbrief, ein Rechtsgeschäft zu Lasten Dritter, nahm sie wie ein schon als ertrunken Geltender an, ungeachtet der Tatsache, dass die flankierend ins Marketing gebrachten infantilen Weltfloskeleien im Grunde eine jedes altlinke Intellekt zutiefst beleidigende Substanzlosigkeit, Zirkularität und Zerstörungskraft auch gegen all seine eigenen Existenzgrundlagen aufweisen. 

Gotlandfahrer

9. März 2021 22:43

2/3

Motto: Wenn wir schon keinen Sozialismus bekommen, dann sollen die Spießer auch nicht ihre Staatsbürgerstaaten behalten dürfen, dafür ist es auch OK, wenn auch wir am Ende von Bill, George, Mark, den Chinesen und Arabern in den… (Sie wissen schon) werden.  Ein simples psychologisches Schema, dem jeder Primat unterworfen ist, so er nicht von edler innerer Erhabenheit:  Was schert mich der Sieg des Fremden über uns beide, wenn nur mein Nachbar genauso verliert, wie ich es ihm gegenüber tat. 

Dieses einmal noch Dazugehörendürfen, sich Vormachendürfen, man sei Teil einer Bewegung, die auch die eigene wäre, alle diese Illusionsoblaten nach denen deutsche, italienische, französische, alle alt-europäischen Funktionshäftlinge gieren, die Discounter-Pharmaka für die neulinke Haltungsjugend (HJ, ach nein, dieser schäbige Symmetriezwang ist stets eine Beleidigung für…), all die triviale Korruption der schon Abgehalfterten, Schwachsinnigen und smarten Nachahmer, aber auch der Hoffenden, Ausgleichsuchenden, es Dochnochmalversuchenwollenden, ob sie Salvini, Meuthen oder sonst wie heißen, zeigt doch mit jedem Tag klarer: Unser Reich ist nicht von dieser Welt.  Was nicht heißt, dass wir aufs Jenseits hoffen, nur im Geiste leben oder ihre per Einschreiben zugestellten Strafzettel grundsätzlich nicht zahlen.

Gotlandfahrer

9. März 2021 22:44

3/3

Es heißt, dass wir sie zwar nicht zu Fall bringen können, aber auf ihr Ende sehen, denn ihr Zirkus zielt auf unser aller Ende ab.  Um das herbeizuführen haben sie aber zu viele Kapos im Einsatz, die selbst ihre Haut im Spiel anfangen zu spüren.  Wie soll das denn weitergehen? Alle bis zum Kleinkind jährlich durchimpfen, nichts besitzen, sondern alles von Großbesitzern mieten, also nichts Anderes tun, als von der Hand in den Mund zu leben, bei bedingungslosem Einkommen für jeden, also maximaler Abschöpfung von dem, der arbeiten kann? Artikel 12.: Die Arbeit ist in der UdSSR Pflicht und Ehrensache jedes arbeitsfähigen Staatsbürgers nach dem Grundsatz: »Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. « In der UdSSR wird der Grundsatz des Sozialismus verwirklicht: »Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung.

Wie wollen die uns alle durch dieses Tor bekommen, denn sie müssen es, wenn sie weitermachen wollen? Und: Was wäre aus ihrer Sicht notwendig, wenn sie wüssten, dass das gar nicht geht?

PS: Einige scheinen das Privileg einer höheren Zeichenzahl als 1.500 zu genießen. Ist das ererbt, also womöglich Ausdruck struktureller Gewalt?

Cugel

9. März 2021 23:59

@Gotlandfahrer

"Wie soll das denn weitergehen? Alle bis zum Kleinkind jährlich durchimpfen, nichts besitzen, sondern alles von Großbesitzern mieten, also nichts Anderes tun, als von der Hand in den Mund zu leben, bei bedingungslosem Einkommen für jeden, also maximaler Abschöpfung von dem, der arbeiten kann?
...
Wie wollen die uns alle durch dieses Tor bekommen, denn sie müssen es, wenn sie weitermachen wollen? Und: Was wäre aus ihrer Sicht notwendig, wenn sie wüssten, dass das gar nicht geht?"

Wie Sie bereits andeuten, ist es anzunehmen, daß sie wissen, daß das nicht auf ewig geht, daß nicht Alle durchs Tor passen, und es soll wohl so lange genau so weitergehen, bis die technischen Mittel für die Endlösung perfektioniert sind. Für die Übriggebliebenen wird das Tor dann groß genug sein.

Nordlicht

10. März 2021 00:03

Salvini macht Politik im Interesse Italiens, und dazu gehört, möglichst viel Geld aus Deutschland in sein Vaterland zu holen. Das eint ihn mit Draghi. Daraus eine ideologische Gemeinsamkeit zu konstruieren und den Vorwurf der Heuchelei, verkennt das Wesen des Politischen.

Dass Salvini an der EVP andocken möchte, entspricht der Logik "Italia first", ebenso wie Orbans Austritt aus der EVP (- zur Verneidung des Rauswurfs) der Logik "Hungary first" entspricht.

Man sollte wegen Salvinis Maßnahmen gegen die Schlepper, die in unsere Richtungen gingen, nicht folgern, dass für ihn Deutschlands Interessen wichtig sind. Er macht Politik für sein Land, und das ist in Ordnung. Im Moment laviert er mit Draghi - ob das die LEGA aushält, ist nicht unser Problem. 

In deutschem Interesse wäre, wenn Salvani innenpolitisch soviel Einfluss bekommt, dass die Anti-Schlepper-Maßnahmen effektiv stattfinden können. Sonst ist mir der Mann egal.

Cugel

10. März 2021 00:07

@Imagine

"Auch der Mensch muss sich zur Ware machen. Für Geld tun die Menschen alles."
"Geld wird der neue Gott, schreibt Marx"Es ist eigentlich seine Arbeit, die der Mensch zur Ware macht, nicht sich selbst, und es ist nicht das Geld selbst, das der Mensch begehrt, sondern die darin liegende Sicherheit und Unabhängigkeit und der Vorteil im Konkurrenzkampf, den es auch im kleinen Maßstab verschafft (im großen: Macht).
Das Geld ist integraler Bestandteil der arbeitsteiligen Gesellschaft, die ohne es folglich nicht funktionsfähig ist. Wie erlangte der Mensch ohne Geld die Güter, die er zum leben braucht? Welcher Mensch ist der abhängigere: Der leistungs- (und in langfristiger Folge) befähigungslos konsumiert oder der, welcher einen Wert für seine Konsumption, die er in der arbeitsteiligen Gesellschaft nimmer selbst herzustellen vermag, eintauschen kann? Es wird nicht jeder weniger arbeiten, sondern viele werden garnicht, wenige werden weiterhin voll arbeiten, denn Arbeit ist nicht beliebig teilbar (geht nicht hinein ins Sozialistenhirn). Wie entwickelt sich der Wert der Arbeit und also die Position derer im Ranggefüge, die voll arbeiten?
Das Problem ist nicht das Geld, sondern dessen leistungslose Akkumulation. Nicht der Kapitalismus als Prinzip ist das Problem, sondern seine Entartungen des Finanzkapitalismus und der Mono- und Oligopole, die zu zerschlagen aufgrund ihrer Machtfülle kaum mehr möglich ist. Es gibt keine Kraft, die dazu in der Lage wäre.

Cugel

10. März 2021 00:08

@Imagine

"Sozialismus bedeutet also: Weniger Zwang zur Arbeit, mehr Freiheit und mehr Wohlstand für alle und nicht nur für die herrschende Klasse."

Mehr, mehr, mehr...
...Degeneration?

Volksdeutscher

10. März 2021 02:06

@heinrichbrueck

"Käme einer auf die Idee, den Europäern die jüdischen Denker wegzunehmen bzw. aus den Köpfen zu bannen, blieben nur noch intellektuelle Autisten übrig."

Die jüdischen "Denker"... Woher haben Sie diesen kathastrophalen Unsinn hervorgekramt?

Dietrichs Bern

10. März 2021 09:16

@Martino Taverniere: Danke. Ihre Anmerkungen gehören zum Besten, was ich hier in letzter Zeit gelesen habe.

Imagine

10. März 2021 11:59

1/2

@Cugel   10. März 2021 00:08
„Das Geld ist integraler Bestandteil der arbeitsteiligen Gesellschaft, die ohne es folglich nicht funktionsfähig ist. Wie erlangte der Mensch ohne Geld die Güter, die er zum leben braucht? Welcher Mensch ist der abhängigere: Der leistungs- (und in langfristiger Folge) befähigungslos konsumiert oder der, welcher einen Wert für seine Konsumption, die er in der arbeitsteiligen Gesellschaft nimmer selbst herzustellen vermag, eintauschen kann? Es wird nicht jeder weniger arbeiten, sondern viele werden garnicht, wenige werden weiterhin voll arbeiten, denn Arbeit ist nicht beliebig teilbar (geht nicht hinein ins Sozialistenhirn). Wie entwickelt sich der Wert der Arbeit und also die Position derer im Ranggefüge, die voll arbeiten?“

Alles richtig, bis auf einen Punkt:

Die Teilung der Arbeit ist keine Erfindung der Sozialisten, sondern folgt der Logik der Maximierung des betriebswirtschaftlichen Profits und nennt sich Taylorisierung. Daraus resultiert die repetitive Teilarbeit, die immergleiche langweilige Arbeit, der Hamsterradcharakter der Arbeit.

Der Mensch wird reduziert auf eine Existenz als Teilarbeiter, nicht nur bei der körperlichen Arbeit, sondern auch bei der Kopfarbeit.

Imagine

10. März 2021 12:00

2/2

Genau dies war ein entscheidender Punkt der Kritik der linken Intelligenz am Kapitalismus. Die Revolte war ein Kampf gegen die Subsumption der geistigen Arbeit unter die Kapitalverwertung.

Die Studentenbewegung wollte die akademischen Freiheiten und Privilegien erhalten, die damals(!) noch die Bildungseliten innehatten.

Der SDS-Führer Hans-Jürgen Krahl sah in der Revolte der Intelligenzschichten auch eine „Trauer um den Tod des bürgerlichen Individuums“. Es ist lesenswert, was ein gebildeter „revolutionärer Konservativer“ dazu aktuell schreibt.

Teile der Studentenbewegung verirrten sich später im der kommunistischen und maoistische Irrsinn der K-Gruppen mit ihrer Fetischisierung der lohnarbeitenden Industriearbeiter, ein anderer Teil wurde zu „Aussteigern“ und der Mainstream zu angepassten und konformistischen Opportunisten und Karrieristen.

 

Imagine

10. März 2021 12:04

@Cugel 10. März 2021 00:08
"Sozialismus bedeutet also …“
Mehr, mehr, mehr... ...Degeneration?

Ja, aber nur für einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung.

Es gab sie immer, die Faulenzer, die Arbeitsscheuen, Taugenichste, Sozialparasiten, kriminellen Lügner, Betrüger und Räuber…

So wie Arno Dübel, ein Florida-Rolf, die Berufsverbrecher, Zuhälter, Rauschgifthändler, Bankster …

Wenn man jedoch hier genau hinschaut und dieses soziale Phänomen empirisch erfasst, so machten diese Menschen zu Zeiten der Vollbeschäftigung – in meiner Jugend - vielleicht 1% der Bevölkerung aus.

Nicht mehr.

Denn die meisten Menschen haben Lust am Lernen und Sich-Entwickeln. Sie wollen eine gesellschaftlich nützliche Arbeit, mit der sie sich positiv identifizieren können. Ein kleiner Teil sucht ständig neue Herausforderungen und kreative Arbeit. Das sind die Abenteurer, Entdecker, Forscher, Erfinder, Entwickler, Künstler …

All diese Menschen werden im Sozialismus die Möglichkeit besitzen, sich selbst zu verwirklichen.

Die wenigsten Menschen wollen wie ein Haustier nutzlos und schmarotzerhaft dahinvegetieren und gefüttert werden.

Imagine

10. März 2021 12:08

2/2

Heute besteht die Gesellschaft zum großen Teil aus unnützen Bullshit-Jobs, die man nur ausübt, weil man damit Geld verdienen kann. Die meisten Mensch stehen aversiv diesen immergleichen und langweiligen Bullshit-Jobs gegenüber und träumen daher(!) von einem Leben mit viel Freizeit und arbeitsfreiem Einkommen.

Gäbe es ein arbeitsfreies Einkommen, was würden sie dann machen?

Wie die reichen Erben würden sie dann interessanten Hobbies nachgehen, für die schönen Dinge des Lebens interessieren und zum Teil sich prosozial und kreativ betätigen.

Zudem wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen, das nur zum Überleben unter Armutsbedingungen ausreicht, den meisten Menschen zu wenig und sie würden arbeiten gehen, um einen höheren Lebensstandard zu erreichen.

Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, so war ein großer Teil meiner Arbeit unbezahlt und die Motive dazu waren Lust zu diesen Tätigkeiten sowie die Einsicht in deren gesellschaftliche Notwenigkeit. Ein Schmarotzerleben wäre für mich ein Horror gewesen. Denn dann hätte ich meine sowohl meine Selbstachtung sowie soziale Aberkennung in meinem sozialen Kontext verloren.

Dass den prosozial Engagierten – sowie wie beispielsweise den helfenden Berufen – die gesellschaftliche Anerkennung und materielle Belohnung verweigert wird, spricht für die Perversion und Anti-Sozialität der kapitalistischen Gesellschaften. Denn in Stammesgesellschaften ist es genau umgekehrt.

Der_Juergen

10. März 2021 13:57

@Mitleser

Ich habe das Interview mit Meloni gelesen und fand darin nichts Anstössiges und nichts, was mich veranlassen würde, den wankelmütigen Savini ihr vorzuziehen. Falls Sie an der - in diesem Interview nicht geäusserten - Sympathie Melonis für Israel Anstoss nehmen, weise ich Sie darauf hin, dass bis auf wirklich radikalnationale Gruppen und Parteien wie Forza Nuova alle Kräfte der ital. Rechten diesen Standpunkt teilen, Savini nicht ausgenommen. Für mich ist diese Frage, der ich früher grosse Bedeutung zumass, heute nicht mehr wesentlich. Wir europäischen Patrioten sollten uns nicht in die Fragen des Nahen Ostens einmischen. Eine antiisraelische Phraseologie unter Berufung auf die Menschenrechte der Palästinenser ist nicht sehr glaubhaft, weil auf einen von Juden getöteten Muslim wahrscheinlich ein paar hundert von anderen Muslimen getötete Muslime kommen. Widerlich ist allerdings auch jene kriecherische Anbiederung an Israel, die von AFD-Leuten wie Gauland vollzogen wird.

anatol broder

10. März 2021 13:57

soso, in einem unter der gürtellinie betitelten gespräch fordert ein hegelianer «das schritttempo etwas zu erhöhen, denn die verhältnisse verschärfen sich.» wie eine solche verschärfung gemeint ist, erläutert corey mohler in seinem comic die philosophie einer guten feier (en).

Der_Juergen

10. März 2021 13:58

@Taverniere

Herbert Kappler wurde nicht freigelassen, obgleich sich Schmidt in der Tat für ihn, und den erst 1985 freigelassenen Reder, eingesetzt hatte. Der schwerkranke Kappler wurde im August 1977 von seiner Frau Anneliese in einem Koffer aus dem Militärkrankenhaus geschmuggelt, in dem er sich befand. Die BRD hat ihn dann nicht ausgeliefert, weil es damals noch einen Rest an Selbstachtung gab und das Grundgesetzt die Auslieferung deutscher Bürger an das Ausland verbietet. Heute würde das BRD-Regime einen Kappler innerhalb von 24 Stunden ausliefern.

Martino Taverniere

10. März 2021 14:01

Fazit: Deutschlands Problem ist, dass Merkel glaubt, italienischen Konsens kaufen zu können (so wie Bismarck Ludwigs II von Bayern Konsens kaufte). Deshalb kniet Deutschland wieder mal in Canossa. Und wenn ich Leute wie Hoewer als Verbündete haben muss, kann ich auch gleich mit Haldewang ein Bier trinken gehen. Oder mit Fatih Cevikkollu!

Niekisch

10. März 2021 17:44

"Ein kleiner Teil sucht ständig neue Herausforderungen und kreative Arbeit. Das sind die Abenteurer, Entdecker, Forscher, Erfinder, Entwickler, Künstler …"

Die hier, @ Imagine, meinen Sie sicher nicht:

Massenschlägerei auf Schulhof mit 50 Beteiligten – Polizei schreitet ein (t-online.de)

 

 

Martino Taverniere

10. März 2021 19:30

@brueckenbauer "Fusari als Vertreter einer neuen national-sozialen Kleinpartei, die auf die größere national-liberale Konkurrenz schimpft - gähn. Interessant wäre gewesen, wie die Italiener es schaffen, eine Art private Hochschule aufzubauen, an der ein rechter Philosoph eine Dozentenstelle findet." Das ist eine gute Frage!! Die Antwort ist: durch Auslagerung. Nur umgekehrt wie Heiko Maas. Der lässt Zensur von Privatunternehmen durchführen. Fusaro dagegen hat erst mal bei der Linken angedockt, weil er selber ein waschechter Linker ist (wenn auch einer, der vom Gegner versucht zu lernen: ein smarter Linker). Er hat, wie alle nicht ganz so dummen Linken in Italien, die  Lektion gelernt, die Berlusconi der Linken verpasst hat: so entstand mit Matteo Renzi zum ersten Mal eine italienische Sozialdemokratie nach Brandt/Schmidtscher Machart. Das können waschechte Kommunisten wie Vattimo und Fusaro nicht ertragen. Deshalb kommt es zum Wiederaufguß von Marx. Aber wie in einem privaten Institut?

Martino Taverniere

10. März 2021 19:30

@brueckebauer Viele Kapitalisten sind inzwischen links, weil die politischen Agglomerate sich wie im Feudalismus als Hoheitsgebiete gegenüberstehen. Italien war schon immer eine "Feudaldemokratie" (es gibt kommunistische, sozialistische und christdemokratische Gewerkschaften). Die Neuigkeit ist nur, dass Deutschland jetzt auch eine wird: deswegen hält Zetsche Vorträge bei den Grünen und verkündet, dass Merkel durch Syrerimport ein neues Wirtschaftswunder in Gang setzt. Vermutlich wurde der gut in der einstigen KPI vernetzte Vattimo mit Parteigeldern als Direktor einer Stiftung (oder was weiß ich) Leiter einer Privateinrichtung, die auch von Kapitalisten wie Benetton (oder was weiß ich wem) gefördert wird, um Narrative zu züchten. In Italien überrascht nichts dergleichen. Als ein EU-Gesetz Subventionierung von Gewerkschaften vorschrieb, entsanden in Italien Tausende von Gewerkschaften. . Italiener sind elastisch (das Gesetz wurde dann geändernt, aber die deutsche Presse schwieg diskret). Ich sauge mir hier eine Erklärung aus den Fingern! Aber so ähnlich ist es ganz gewiss geschehen.

Martino Taverniere

10. März 2021 19:42

@Der_Juergen Haargenau so wurde Kappler freigelassen. Er wurde aus dem römischen Gefängnis in Rom vom italienischen Geheimdienst erst mal in ein Krankenhaus geschafft. Dort holte ihn seine 20 Jahre jüngere Frau, die sich in den gebildeten Häftling verliebt hatte, der inzwischen pädagogische Hilfen für geistig behinderte entwarf, dann in einen Koffer gezängt ab und "lieferte" ihn nach Deutschland. Zuvor hatte sich sogar Heinemann um die Freilassung bemüht. Aber erst durch das Geheimabkommen, das Schmidt mit den Italienern traf, wurde er losgeeist. In Italien ist man immer noch darüber empört. Die spater verweigerte "Auslieferung" Kapplers war nachträglicher Theaterdonner.

Der_Juergen

10. März 2021 22:02

@Martino Taviernere

Das ist eine interessante Information, die ich mit Vorbehalt akzeptiere. Da sich Italien damals lächerlich gemacht hat, wäre es vom Standpunkt Roms gesehen wesentlich würdiger gewesen, Kappler freizulassen, als die Schmierenkomödie einer Entführung durch seine Frau zu inszenieren, die das Vorurteil, wonach die Italiener chronische Versager seien, bestätigte. 

Ich kannte übrigens einen, mittlerweile verstorbenen, Ungarn, der sich an der Entführung beteiligte, indem er half, Kappler nach Deutschland zu schaffen. Er hat mir bei unserem Gespräch über die damaligen Ereignisse nichts von einer Absprache gesagt. Aber das heisst nicht zwangsläufig, dass es keine solche gab; die Helfer brauchten ja nicht alle im Bild zu sein.

Übrigens, kennen Sie "Vae Victis" von Erich Priebke? Wer nicht Italienisch versteht, kann es auch in deutscher Übersetzung lesen; möglicherweise ist es sogar im Netz.

Martino Taverniere

10. März 2021 23:51

In Italien kennt übrigens jeder den Text dieser Arie, auf die Fusaro sich im Interview bezieht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Nessun_dorma#Text  Vincerò! Die Italiener werden in der Tat siegen in Zeiten zunehmender "Feudaldemokratie".

Imagine

11. März 2021 10:01

1/2

Das Politgeschehen aka Demokratie-Simulation im US-NATO-Imperium wird von organisierten Strukturen, wie z.B. der „WEF-Mafia“, vermittels der Medien, der Schulpolitik etc. in Verbindung mit Thinktanks und Spindoctors gesteuert.

Zur Demokratie-Simulation gehört auch die Etablierung einer gelenkten Opposition.

Man braucht sie wegen ihrer Funktion als „Überdruckventil“. Sie produzieren Illusionen und Hoffnungen, binden die Menschen ans parteipolitische System und pazifizieren so die frustrierten und aggressiven Massen.

Bei der AfD ist völlig klar, dass sie von Parteigängern des Kapitals gegründet und aufgebaut wurde. Und sie ist nach wie vor in deren Hand, auch wenn von Seiten der nationalen Rechten versucht wurde und wird, diese Partei zu entern.

Gelänge dies, würde man sie ggf. verbieten, zudem die Organisationen, Medien, Verlage etc. der nationalen Rechten. Passiert bislang aber nicht, weil die nationalen Rechten noch sozialpsychologisch gut brauchbar sind, und zwar als Bedrohungspopanz, als Aggressionsobjekt und Prügelknabe.

Imagine

11. März 2021 10:06

2/2

Auch Salvini gehört zu gelenkten Opposition, wie fast alle scheinradikalen, oppositionellen Berufspolitiker*innen.

Berufspolitiker*innen sind leicht zu steuern, denn man kennt ihre intrinsischen Motive: Medien- und Karrieregeilheit, Macht- und Geldgier. Daher deren Opportunismus und Bereitschaft zu Totalwendungen, wenn sie ihrem Aufstieg nützen.

Das war bei Hitler so und ist heute bei Links- und Rechtsextremisten ebenso. Man passt sich an und macht Karriere. Dann wird ein früherer Linksaußen wie Schröder Bundeskanzler, ein ehemaliger politischer Gewalttäter Außenminister, ein ehemaliger Maoist Ministerpräsident usw. usf.

Salvini hatte es zum Innenminister und stellvertretenden Ministerpräsident gebracht, Strache zum Bundesminister und Vizekanzler.

In Dänemark hat eine flexible ehemalige linke Sozialdemokratin durch ihren Rechtsschwenk zu Ministerpräsidentin gebracht.

Imagine

11. März 2021 10:08

3/3

An den grundlegende ökonomischen Strukturen und gesellschaftlichen Machtverhältnissen ändert sich nichts, egal ob ein Obama oder ein Trump politische Top-Figur ist. Sie haben die gleichen Ziele, nämlich Erhalt des US-Empire mit seinem ökonomischen System und Klassenstrukturen sowie „America first!“.

So wie fast alle Linken Obama-Fans sind, so sind fast alle Rechten Trump-Fans.

Auf der Ebene der Systemkonkurrenz stehen linken wie rechte Parteipolitiker auf Seiten des US-Imperialismus, sie alle sind Transatlantiker, auch wenn sich rechte Politiker – wie Salvini et al. - in ihren Staaten als „national“ darstellen. Ihr Kampf gegen die EU dient den Interessen des US-Empire, weil damit die EU geschwächt wird.

Martino Taverniere

11. März 2021 10:42

@Laurenz Das "Reich der zwei Sizilien" war, bevor es normandisiert wurde (nach dem isländischen Allthing ist das Parlament Palermos das zweitälteste der Welt), in der Tat 200 Jahre lang ein Emirat (auch mit Besitzungen in Nordafrika). Noch Friedrich II von Stauffen verwandelte die arabischen Piraten in seine Eliteeinheit. Das ist so, als hätte Berlusconi wirklich Macht besessen und Cosa Nostra, Camorra, Sacra Corona Unita und 'Ndrangheta zu seiner persönlichen Leibgarde vereint, statt nur zwischen LEGA und Allianza Nazionale zu vermitteln.

Martino Taverniere

11. März 2021 11:31

Die Stärke der Schwäche, das ist das Programm, das Gregor VII, der Bau der "Spanischen Treppe", Mussolinis "Nonbelligeranza", Vattimo, Fusaro - und jetzt auch Salvini und Draghi - gemeinsam haben: https://www.herder.de/hk/hefte/archiv/2018/9-2018/ich-kann-nicht-laenger-du-zu-gott-sagen-ein-interview-mit-dem-philosophen-gianni-vattimo/

Martino Taverniere

11. März 2021 15:00

@Der_Juergen Genau das, was Sie "das Vorurteil, wonach die Italiener chronische Versager seien" nennen, ist die Stärke der Schwäche. Die Italiener machen sich nichts daraus, dass die Deutschen sie für Versager halten. Der Turm von Pisa steht immer noch, die Spanische Treppe ist eine der berühmtesten und schönsten Treppen der Welt, Venedig versank immer noch nicht in der Adria, die Kirche San Lorenzo in Florenz steht wie unzählige andere Kirchen auch immer noch, obwohl Michelangelo die von ihm geplante Fassade nicht mal angefangen hat und sie seit damals immer noch keine Fassade hat. Sie musste, im Gegensatz zur Dresdener Frauenkirche und vieler anderer deutscher Kirchen nicht erst wieder aufgebaut werden, sondern steht dort wie der Dom von Sankt Peter in Rom als Familienkirche der Medici unverändert mit der Biblioteca Laurenziana, in der sich immer noch eine von Lübecker Mönchen entliehene Ausgabe der Naturalis Historia (der soganannte Pluteus 82) befindet, die nie zurückgegeben wurde, weshalb die Lübecker den Pfand (ich glaube, es waren 100 Fiorin, eine hohe Summe) behielten. Cosimo der Alte behielt lieber die Naturalis Historia. Leonardo da Vinci hat kaum ein Werk zuende geführt, und dennoch steht Humboldt in seinem Schatten. Ich war auch überrascht, als ich vor 8 Jahren in Rai Storia eine Dokumentation über diese Geheimdienstoperation sah: es hat lange gedauert, bis es zu diesen Enthüllungen kam. https://www.radioradicale.it/scheda/588349/presentazione-del-libro-la-valigia-di-kappler-15-agosto-1977-dal-celio-a-soltau

Niekisch

11. März 2021 15:18

"Noch Friedrich II von Stauffen verwandelte die arabischen Piraten in seine Eliteeinheit. Das ist so, als hätte Berlusconi wirklich Macht besessen und Cosa Nostra, Camorra, Sacra Corona Unita und 'Ndrangheta zu seiner persönlichen Leibgarde vereint.."

@ Martino Taverniere 10:42: Sie meinen sicher Friedrich ( II. ) von Hohenstaufen und schätzen sein überlegenes Umgehen mit Unterworfenen, die er in Lucera ansiedelte und zum Anbinden an seine Herrschaft den Kronschatz bewachen ließ, völlig falsch ein und ziehen einen geradezu lächerlichen Vergleich. Belegen sie doch bitte, dass er "Piraten" einsetzte. Sarazenen aus Sizilien machte Friedrich übrigens auch zu seiner Palastwache und Leibgarde ( 600 Mann ), nicht nur zu Kampfeinheiten.  Eine 8000 Mann starke Einheit erhielt die Aufgabe, die Sicherheit des Kapitanats im Süden zu sichern, 12000 bildeten im Norden eine Bastion gegen den Kirchenstaat. 

Martino Taverniere

11. März 2021 17:57

@Niekisch Ja, genau, Friedrich den Staufer meinte ich. Eberhard Horst schrieb, er habe die Araber, die damals als Piraten das Mittelmeer beherrschten, in Lohn und Brot gebracht, ihre Familien umgesiedelt und die besten Männer in seine militärische Elite verwandelt. Er besiegte die Piraterie, indem er sie gnadenlos resozialierte. Er selbst zog mit einem Hofstaat in orientalischem Stil umher. Auch das machte ihn für die Orientalen zu einer Respektsperson (mit diesem Stil war er erfolgreicher als Alexander Megas, der seine engsten Vertrauten dadurch gegen sich aufbrachte; Friedrich brachte nur den Papst damit gegen sich auf). Übrigens, Aimeric von Pegulhan schrieb über Friedrich II.: "Der Kaiser hatte größre Kraft, / das Kind [Puer Apuliae] jedoch war sieghaft / ganz ohne eines Schwertes Streich; / die Gnade wog der Menge gleich". Da ist sie wieder, die Kraft der Schwäche. Wiederum aus dem äußersten Süden kommend. Sie haben, Herr Niekisch, eine zu romantische Vorstellung von der Mafia.

Martino Taverniere

11. März 2021 18:21

Der sizilianische Schriftsteller Leonardo Sciascia (dessen Name uns verrät, dass er selber von den Sarazenen abstammte) versuchte sein Leben lang durch seine Bücher die Natur der Mafia zu veranschaulichen. Ich empfehle besonders sein Buch "Eine einfache Geschichte". Im Jahr 1970 schrieb er folgendes Gedicht:

Die Palmenlinie rückt nach Norden

Der Dichter Abu-Hatem es Segestani
- aus Persien, oder Sizilien (darüber
wurde man sich noch nicht einig) -
schrieb ein langes Loblied auf die Palme:

von Gottes Hand geformter Baum,
Abbild des Menschen,
wie der Mensch Abbild Gottes ist.
Vortrefflicher Baum,
der dem Schritt des Islam folgt,
dem Gläubigen eine Gabe,
wird er spenden milden Schatten

den schwarzäugigen, keuschblickenden Jungfrauen im Paradies,
deren Nacktheit in den Händen des wahren Gläubigen fließen wird.

Die Wissenschaftler
sagen, die Palmenlinie hat
nichts mit dem Vormarsch des Islam zu tun,
aber sie verschiebt sich jedes Jahr 500 Meter
nach Norden.
Was mich betrifft,
würde ich nicht beschwören,
dass diese Verschiebung nichts mit dem Islam
zu tun hat, und dass die Palmenlinie jedes Jahr
nur 500 Meter nach Norden rückt.
Es sind wahrscheinlich mehr.
Mal verharrt sie eine Weile...
Mal rückt sie weiter...

Martino Taverniere

11. März 2021 19:39

@Der_Juergen Ich muss mich korrigieren, nachdem ich meine alten Aufzeichnungen konsultiert habe. Die Geschichte mit dem Koffer las man zwar im Sommer 1977 in allen Veröffentlichungen in Deutschland, von Stern über Hohenloher Tagblatt, FAZ, Frankfurter Rundschau bis Konkret, aber sie kam mir damals sehr unglaubwürdig vor, sodass ich all diese Blätter nach irgendeinem plausiblen Hinweis durchsuchte. In der Tat, 2013 erfuhr ich dann in einem Dokumentarfilm des staatlichen italienischen Senders, dass das Staatsgeheimnis aufgehoben worden sei und der Geheimdienst die Flucht Kapplers auf Befehl eines hochstehenden Christdemokraten organisiert habe (Andreotti, Aldo Moro oder Forlani - wer von ihnen den Befahl gab, ist noch nicht bekannt). Die Freilassung wurde als Flucht inszeniert, die Kapplers Frau Anneliese vorgab, am 15. August 1977 alleine organisiert zu haben. Mittlerweile werden weitere Details bekannt, da dieses Reizthema die italienische Öffentlichkeit nicht loslässt. Nach Kapplers Tod erklärte seine Frau gegenüber Journalisten: "Ich hüllte den Oberst in eine Decke und wir gingen langsam zur Treppe, die wir so geräuschlos wie möglich Stufe für Stufe hinabstiegen. Beim Auto angekommen ließ ich meinen Mann sich auf den Rücksitz hinlegen und deckte ihn zu. Es war fast 1 Uhr nachts, und ich wusste, dass ich mindestens 7 Stunden Vorsprung hatte: bis zur morgendlichen Kontrolle des Häftlings". Wie so oft ist die Wirklichkeit banaler als die Narrative.

Niekisch

11. März 2021 20:38

@ Martino Taverniere 17:57: Friedrich hat es nicht verdient, als Piratenresozialisierer dargestellt oder mit Mafiotischem in Verbindung gebracht zu werden. Schon als junger Mensch erfasste er in Palermo die Einzigartigkeit jeder Gemeinschaft, die nicht ausgewalzt werden, zur Assimilation gezwungen werden darf, soll es nicht zu andauerndem Aufruhr kommen. Um das Jahr 1222 kamen die Araber unter Emir Ibn-Abbad von den Bergen Siziliens, in die sie vor dem aufständischen Adel geflüchtet waren, wieder herab in die Städte und wüteten dort, bis Friedrich sie in der Festung Giato besiegte und nach einigem Hin und Her zur Befriedung nach Lucera umsiedelte, wo er sie sich frei entwickeln ließ und später mobilisierte.

Friedrich entwickelte nicht die Kraft der Schwäche, sondern die Kraft der praktisch verwertbaren Erkenntnis.

Laurenz

12. März 2021 02:31

@Martino Taverniere (1)

Muß @Niekisch, ganz ohne, daß ich von der (immer noch arabisch tickenden) Mafia romantische Vorstellungen hätte, in der Tendenz Recht geben. Auch wenn der Staufer Friedrich II, seiner Zeit ein paar Jahrhunderte voraus war, & die unselige römische Zählweise (bis auf Frankreich & Co.) durch arabische (ursprünglich indische oder indo-germanische) Zahlen ersetzte, war er dennoch ein autoritärer Herrscher. Dasselbe finden wir bei Mussolini & der kurzen deutschen Besatzung Italiens im 2. Weltkrieg. Die Mafiosi, die weder vor Mussolini noch vor den Deutschen kuschten, wurden entweder einen Kopf kürzer gemacht oder hauten, meist in die USA, ab. Und hier finden wir bei der Landung der US-Amerikaner exakt eines der besten Beispiele westlichen Demokratie-Verständnisses. Exakt diese Exil-Mafiosi standen im Bug der amerikanischen Landungsschiffe, um die Zivil-Bevölkerung zu "beruhigen". Damit auch gleich jedem klar wurde, daß der kulturelle Wind ab sofort wieder aus Richtung Mekka/Jerusalem weht.

Laurenz

12. März 2021 02:40

@Martino Taverniere (2)

Was die naiven Politiker in Berlin angeht, die ihre italienischen Pendants als ihresgleichen erachten & sich darin vehement, wie permanent täuschen, so haben sie eben nicht verstanden, daß ein (Wirtschafts-) Krieg herrscht, in dem schon gar keine Gefangene gemacht werden. Die exorbitanten Summen, die italienische Politiker-Armeen im Wirtschafts-Raid gegen Deutschland als Beute nachhause gebracht haben, sind weg. Außer man könnte tatsächlich ein solches militärisches Droh-Potential aufbauen, daß Italien sich genötigt sähe, seine Bürger zu besteuern. Aber solange Deutschland (das alte Bismarck'sche Problem) keine besseren Freunde als die Amis findet, werden das unsere Freunde in Übersee nicht zulassen. Genau aus dem Grund sitzen ja nur Kaschberl in der deutschen Politik.

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