Hedwig Richter und ihre Feinde (2) – Gegenstand der Debatte

Mit diesem Gepäck aus Teil 1 ausgestattet, geht es nun um den eigentlichen Gegenstand der Debatte.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Man könn­te zunächst davon aus­ge­hen, daß Rich­ters Buch genau das rich­ti­ge für unse­re rechts­in­tel­lek­tu­el­le Kli­en­tel ist (ins­be­son­de­re wenn man auf Wir­sching und Bah­n­ers hört).

Doch so ein­fach ist es nicht. Die Vor­wür­fe ihrer Kol­le­gen sind zumin­dest in for­ma­ler und sprach­li­cher Hin­sicht nicht unbe­rech­tigt, da sich in dem Buch tat­säch­lich – über die in den Rezen­sio­nen genann­ten hin­aus – zahl­rei­che Stil­blü­ten und Non­sens­for­mu­lie­run­gen als auch schlam­pi­ge Nach­wei­se (mit wech­seln­den Kurz­ti­teln und feh­len­den Sei­ten­zah­len) und fal­sche Kon­tex­tua­li­sie­run­gen finden.

Wei­ter­hin ist auch rich­tig, daß die Autorin mit ihren zen­tra­len Begrif­fen „Demo­kra­tie“ und „Gleich­heit“ auf Kriegs­fuß steht und mit deren Gebrauch mehr Ver­wir­rung als Auf­klä­rung stif­ten dürfte.

Da sie sich aus­drück­lich nicht für Begriffs­ge­schich­te „inter­es­siert“, fällt es ihr leicht, unter Gleich­heit nicht die Gleich­heit vor dem Gesetz oder die Gleich­wer­tig­keit der Stim­men, son­dern mate­ri­el­le Gleich­heit zu ver­ste­hen und die Erfah­rung der sozia­len Ungleich­heit als den demo­kra­tie­be­grün­den­den Skan­dal des 18. Jahr­hun­derts herauszustellen.

Aller­dings wird auch hier bereits deut­lich, daß Rich­ter sich kaum um die Strin­genz ihrer Argu­men­ta­ti­on sorgt, wenn sie 100 Sei­ten spä­ter zu der Fest­stel­lung gelangt, daß Demo­kra­ti­sie­rung und wach­sen­de Ungleich­heit im 19. Jahr­hun­dert „Hand in Hand“ gehen (was sie ohne Anga­be einer Sei­ten­zahl mit Tho­mas Piket­tys Das Kapi­tal im 21. Jahr­hun­dert belegt, immer­hin ein Buch von fast 700 Seiten).

Rich­ter will mit vier The­sen das „nor­ma­ti­ve Pro­jekt der Demo­kra­tie“ erläu­tern. Die The­sen sind eigent­lich kei­ne, da sie als Gemein­gut gel­ten kön­nen: Demo­kra­tie­ge­schich­te ist „häu­fig Pro­jekt von Eli­ten“ (weil sich nur die Gebil­de­ten damit beschäf­ti­gen konn­ten), „immer auch die Geschich­te ihrer Ein­schrän­kung“ (was bedeu­tet, daß es kei­ne abso­lu­te Herr­schaft der Mehr­heit geben soll­te) und „eine Geschich­te des nord­at­lan­ti­schen Rau­mes“ (weil hier die moder­ne Demo­kra­tie entstand).

Ledig­lich die The­se, daß Demo­kra­tie­ge­schich­te „eine poli­ti­sche Geschich­te des Kör­pers“ sei, sticht aus die­sen Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten her­vor. Demo­kra­tie bringt sich dem­nach „durch Kör­per und an Kör­pern zum Aus­druck“, was even­tu­ell soviel bedeu­tet, daß Rich­ter den wach­sen­den Respekt vor dem Kör­per des ande­ren mit dem Pro­zeß der Demo­kra­ti­sie­rung par­al­le­li­siert (was schon mit Blick auf die jün­ge­re Geschich­te unse­res west­li­chen Nach­barn äußerst frag­wür­dig ist; und um die Fol­ter abzu­schaf­fen, brauch­te es in Preu­ßen kei­ne Demokratie).

Die The­sen ent­fal­tet Rich­ter in einem „chro­no­lo­gi­schen Erzähl­plot“, der in fünf Kapi­tel geglie­dert ist. Die­ser reicht von den Gleich­heits­ideen der Auf­klä­rer über die Skan­da­li­sie­rung der Armut und die Idee der Nati­on im 19. Jahr­hun­dert, die Mas­sen­po­li­ti­sie­rung im Indus­trie­zeit­al­ter, das „Zeit­al­ter der Extre­me“ bis zur Gegen­wart und dem end­gül­ti­gen Sie­ges­zug der Demokratie.

Immer wie­der ein­ge­streut wird von Rich­ter die Rol­le der Frau bzw. ihre par­al­lel zur Demo­kra­ti­sie­rung ver­lau­fen­de Eman­zi­pa­ti­on behan­delt. Die­ser Blick­win­kel wur­de von den Rezen­sen­ten durch­ge­hend her­vor­ge­ho­ben, weil über die Nor­ma­ti­vi­tät die­ser Ent­wick­lung heu­te kei­ne zwei Mei­nun­gen erlaubt sind. Daher ist Rich­ter auch nicht zim­per­lich, wenn es dar­um geht, die vor­de­mo­kra­ti­sche Zeit in mög­lichst dunk­len Far­ben zu malen.

Über­all herrsch­ten Hun­ger und gro­ße Not (eini­ge Sei­ten spä­ter heißt es dann, daß Hun­gers­nö­te und Teue­run­gen seit dem 18. Jahr­hun­dert „ins­ge­samt“ abnah­men), und der „All­tag der aller­meis­ten Frau­en“ sei noch im aus­ge­hen­den 18. Jahr­hun­dert „beherrscht von Gewalt und von ihrem tief ver­wur­zel­ten Sta­tus als Min­der­wer­ti­ge“ gewe­sen. Daß Rich­ter für die­se Aus­sa­ge kei­nen Beleg nennt, fällt ange­sichts der mora­li­schen Geschüt­ze nicht ins Gewicht. Aller­dings erreg­ten weder das Anle­gen gegen­wär­ti­ger Maß­stä­be an ande­re Zeit­al­ter noch die Kon­zen­tra­ti­on auf Frau­en- und Kör­per­ge­schich­te Anstoß bei den Rezensenten.

Dafür sorg­te eher die bur­schi­ko­se Art, mit der Rich­ter die Fra­ge des deut­schen Son­der­wegs behan­delt, der bekannt­lich dar­in besteht, daß uns der Wes­ten zwei­mal die Demo­kra­tie brin­gen muß­te, weil wir nicht in der Lage waren, die­se allein zu begrün­den. Gegen die­se Auf­fas­sung betont Rich­ter die demo­kra­ti­schen Tra­di­tio­nen, die sich in Deutsch­land eben­so wie in ande­ren Län­dern her­aus­bil­de­ten. So wer­tet sie die 1823 ein­ge­rich­te­ten preu­ßi­schen Pro­vin­zi­al­land­ta­ge „als poten­te Zwi­schen­stu­fe in der par­la­men­ta­ri­schen Entwicklung“.

Aller­dings sieht sie aus­ge­rech­net in der Ableh­nung der Kai­ser­kro­ne 1849 durch Fried­rich Wil­helm IV. einen Schlag, von dem sich das „par­la­men­ta­ri­sche Pro­jekt“ nicht mehr erho­len konn­te, und ver­schweigt dabei, daß es eine Mehr­heit von gan­zen vier Stim­men war, die für das Erb­kai­ser­tum votiert hat­te (da wür­de man­cher Poli­ti­ker den Par­tei­vor­sitz ableh­nen). Doch immer­hin schnei­det Deutsch­land zur Jahr­hun­dert­mit­te im demo­kra­ti­schen Ver­gleich nicht schlecht ab, wenn hier ca. 20 Pro­zent der Män­ner wahl­be­rech­tigt waren (in Frank­reich 25, in Eng­land sechs Prozent).

Das Zen­sus­wahl­recht bezeich­net sie bei Ein­füh­rung als pro­gres­siv, was durch­aus der Rea­li­tät ent­sprach, da es kei­ne Rück­sicht auf den Stand nahm, son­dern sich nur auf die Steu­er­leis­tung bezog. Daß Wahl­recht und Demo­kra­tie nicht das glei­che sind, wird von ihr zwar nicht the­ma­ti­siert, ist für die Fra­ge des Son­der­wegs offen­sicht­lich aber auch nicht wichtig.

Ähn­lich sym­pa­thisch beur­teilt sie den Wil­hel­mi­nis­mus: „Das Kai­ser­reich der Jahr­hun­dert­wen­de war ein ande­res als zur Zeit sei­ner Grün­dung. Hier leb­te eine gemes­sen an den Maß­stä­ben der Zeit freie Zivil­ge­sell­schaft, in der mehr oder weni­ger alle tun und lesen und las­sen konn­ten, was sie woll­ten.“ Es gab kei­nen „kolo­nia­len Son­der­weg“ des Deut­schen Rei­ches, der Weg zum Krieg 1914 war ein vom „Volk getragener“.

Daß die­se Sät­ze kei­ne Aus­sa­ge­kraft für das gan­ze Buch haben, wird bei so offen­sicht­li­chen Lügen wie jener deut­lich, daß deut­sche Sol­da­ten in Bel­gi­en 1914 gleich zum Auf­takt Tau­sen­de Zivi­lis­ten inklu­si­ve Kin­dern ermor­det hät­ten. Aber Rich­ter ist gleich­sam nicht nach­tra­gend, wenn sie in der alli­ier­ten Beglü­ckungs­pro­pa­gan­da eher ein Hemm­nis für die Wei­ter­ent­wick­lung der Demo­kra­tie in Deutsch­land erblickt:

Die Erhö­hung der Demo­kra­tie zur mora­li­schen Grund­la­ge des alli­ier­ten Kamp­fes lässt sich in der Rück­schau als eine ein­schnei­den­de Zäsur auch in der deut­schen Geschich­te erkennen.

Deutsch­land wur­de auf anti­de­mo­kra­tisch fest­ge­legt. Aller­dings kommt dann wie­der ein Satz, der so gar nicht zum vor­her­ge­hen­den pas­sen will:

Nicht die Bedin­gun­gen des Ver­sail­ler Frie­dens­ver­trags, son­dern die Natio­nal­so­zia­lis­ten und die wil­li­gen Deut­schen zer­stör­ten schließ­lich die Wei­ma­rer Republik.

Die­se Hin und Her zwi­schen ver­nünf­ti­gen Aus­sa­gen und ange­lern­tem Glau­bens­be­kennt­nis geht beim Natio­nal­so­zia­lis­mus wei­ter, wenn sie die­sen durch­aus zutref­fend als ein Pro­dukt der Demo­kra­tie cha­rak­te­ri­siert. Sie geht sogar noch wei­ter, indem sie betont, daß die vier Reichs­tags­wah­len und fünf Volks­ab­stim­mun­gen, die nach der Macht­er­grei­fung durch­ge­führt wur­den, geheim, gleich und all­ge­mein (auch KZ-Häft­lin­ge durf­ten wäh­len) statt­fan­den – und wohl ohne gro­ße Wahl­fäl­schun­gen über die Büh­ne gin­gen, weil es ein­fach kei­ne Not­wen­dig­keit dazu gab.

Der Spalt zwi­schen Füh­rung und Volk tat sich erst auf, als letz­te­res den Anti­se­mi­tis­mus nur pas­siv mit­mach­te, obwohl Apart­heid­ge­set­ze inter­na­tio­nal „kei­ne Aus­nah­me“ bil­de­ten. Den durch­schla­gen­den Erfolg der alli­ier­ten Ree­du­ca­ti­on führt Rich­ter dann auch dar­auf zurück, daß Deutsch­land eine lan­ge Übung in demo­kra­ti­schen Ver­fah­ren hat­te und über eine par­ti­zi­pa­ti­ve Tra­di­ti­on ver­füg­te, die sich nach 1945 wie­der im Rah­men einer (hal­ben) Nati­on ent­fal­ten konn­te. Auch das immer wie­der auf­kei­men­de Miß­trau­en gegen­über Par­la­men­ten und Par­tei­en sei kein deut­scher Son­der­weg, son­dern in allen Län­dern zu beobachten.

Vie­le der zitier­ten Sät­ze erwe­cken den Ein­druck, daß es sich um ein ver­nünf­ti­ges Buch han­delt, das ganz zu Recht von den Kol­le­gen ange­grif­fen wird, weil es lieb­ge­won­ne­nen Phra­sen über unse­re Geschich­te wider­spricht. Aller­dings soll­te auch deut­lich gewor­den sein, daß die­se Sät­ze wie ver­ein­zelt in einem Asso­zia­ti­ons­ge­wit­ter ste­hen, das nicht in der Lage ist, die Legen­den vom deut­schen Son­der­weg zu zer­stö­ren (mit der rei­nen Behaup­tung, Deutsch­land habe immer zum Wes­ten gehört, ist nichts gewon­nen, weil sie falsch ist).

Dar­an hat Rich­ter offen­sicht­lich auch gar kein Inter­es­se bzw. sie weiß ganz genau, wie sie ihre Sät­ze ein­pa­cken muß, damit sie nicht zu anstö­ßig klin­gen. Ein­ge­bet­tet sind die­se näm­lich in eine grund­sätz­li­che Hul­di­gung an die Eman­zi­pa­ti­on (ins­be­son­de­re natür­lich der Frau­en) und den Wohl­stand, die dar­auf hin­aus­läuft, das zu zer­stö­ren, was Deutsch­land groß gemacht hat: die Nation.

Daher kann Rich­ter auch ganz unschul­dig-naiv fragen:

(…) war­um soll­te eine soli­da­ri­sche Gesell­schaft nicht eines Tages über Euro­pa hin­aus mög­lich sein?

Denn:

Euro­pa ist das schöns­te Kind der neu­en Zeit.

Wem das zu kit­schig ist, der wird an den letz­ten Sät­zen des Buches sei­ne hel­le Freu­de haben:

Demo­kra­tie hat eine wun­der­ba­re und wun­der­li­che Geschich­te. Sie ist eine Affä­re vol­ler Kri­sen, aber auch vol­ler Glück und Neu­an­fang, gera­de für die Deut­schen. Die Affä­re geht wei­ter. Die Zukunft ist offen, und ver­mut­lich ist sie hell.

Und mor­gen ist ein neu­er Tag.

– –

Hed­wig Rich­ter: Demo­kra­tie. Eine deut­sche Affä­rehier bestel­len. 

Hed­wig Rich­ter: Auf­bruch in die Moder­ne. Reform und Mas­sen­po­li­ti­sie­rung im Kai­ser­reichhier bestel­len. 

– –

Hed­wig Rich­ter – eine deut­sche Affä­re? Dar­über dis­ku­tier­ten wir in der 17. Fol­ge des Schnell­ro­da-Pod­casts »Am Ran­de der Gesellschaft«.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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Kommentare (19)

Nordlicht

9. April 2021 17:48

Auch nach dieser Abhandlung sehe ich keinen Grund, meine Lebenszeit mit den Richter-Büchern zu verbringen.

 

Alter weiser Mann

9. April 2021 18:24

Sie geht sogar noch weiter, indem sie betont, daß die vier Reichstagswahlen und fünf Volksabstimmungen, die nach der Machtergreifung durchgeführt wurden, geheim, gleich und allgemein (auch KZ-Häftlinge durften wählen) stattfanden[.]

Hat das Frau Richter wirklich geschrieben? Bei den Reichtagswahlen waren nur NSDAP-Mitglieder und ausgewählte Einzelpersonen zugelassen. Soetwas als geheim, gleich und allgemein zu bezeichnen disqualifiziert vollkommen.

Ansonsten leuchtet mir auch nicht ein, weshalb man sich damit beschäftigen sollte. Nur weil ein paar Thesen drin stehen, die für Rechts interessant sind und den Maistream provozieren. Die Rechte hat doch eigene Theorien und muss sich nicht irgendwo dranhängen.

Ich schaue mir mal Am Rande der Gesellschaft 17 an, vielleicht verstehe ich es dann.

Niekisch

9. April 2021 19:13

@ Alter weiser Mann 18:24: Reichstagswahl November 1933 – Wikipedia  Da finden Sie die Korrektur.

RMH

9. April 2021 19:37

Nach Rüdiger Safranskis "Romantik. Ein deutsche Affäre" (durchaus lesenswert, aber nicht so gut, wie Safranskis Werke über einzelne Persönlichkeiten wie bspw. Schopenhauer, Heidegger, Schiller, Goethe etc.) ist nun nach der Autorin die Demokratie eine deutsche Affäre. Wie kreativ.

Überhaupt hört sich einiges, was Dr. Lehnert hier aus dem Buch erzählt und zitiert, wie das mittlerweile so weit verbreitete Pipi Langstrumpf Prinzip an: "Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt".

Pferdefuss

9. April 2021 20:12

Alter weiser Mann

Genau! warum bespricht man ein Elaborat, was so viele Mängel aufweist? Ist Frau Richter auf dem Weg ans andere Ufer?  Mag sein. Dann wird sie sich stärker fühlen, wenn sie das kraft ihres eigenen Enthusiasmus alleine gechafft hat zu landen. und dann willkommen geheißen wird. 

 

tearjerker

9. April 2021 20:40

Ich hatte unter dem Sonderweg immer verstanden, dass das Geschichtsbild alle 30 Jahre zu revidieren sei. Wird mal wieder Zeit.

Alter weiser Mann

9. April 2021 21:42

@Niekisch

Wieso Korrektur? Da steht doch genau das drin. Sogar der lustige Wahlzettel, bei dem man nur eine Liste ankreuzen kann. Die Ergebnisse der späteren Wahlen finden sich auch bei Wiki unter Reichtstagswahlen

@Thema

Habe mir den Podcast ARdG 17 angeschaut. Als Indikator dafür, wie nervös der Mainstream nun schon auf triviale Feststellungen reagiert, ist das Buch natürlich gut geeignet. Steht eigentlich auch drin, das im DR das allgemeine Männerwahlrecht galt? In England konnten vor 1918 nur besitzende Männer wählen. Wo ist die demokratische Tradition stärker?

Solution

9. April 2021 21:49

Absolut drittrangig.

Laurenz

9. April 2021 23:48

@Alter weiser Mann

Die Saarländer konnten zB abstimmen, zu welchem Staat sie nach der 15jährigen Besatzung durch die Franzosen gehören wollten, Frankreich oder Deutsches Reich. Das ist, mit Verlaub, mehr, als wir heute dürfen.

Einfach weniger pauschal alles in einen Topf werfen. Und Parteiverbote gab es auch nach dem III. Reich.

Die älteste Demokratie des Planeten ist Island, danach kommt Tortuga & danach die Schweiz. Demokratie antiker griechischer Stadtstaaten kommt nach Ihrer Defintion nicht infrage, da dort nur die Minderheit der "Freien" wählen durfte. Wobei wir die Verbannung wieder einführen sollten.

Laurenz

10. April 2021 07:50

(1)

Richters Buch

Hatte tatsächlich überlegt, mir das Buch zu kaufen, habe aber nach der Audio-Sendung davon abgesehen. Körper-Respekt ist nicht unbedingt ein Fehler, aber ist sie ein Teil der Demokratie? Beim Militär wurde die Prügelstrafe in Deutschen Fürstentümern in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts abgeschafft, zuerst 1811 in Braunschweig, bei den Briten im Einsatz erst 1889, in der Schule erst in den 1980ern. Und Richter tut tatsächlich so, als gäbe es keine Schaulustigen bei Unfällen? Entscheidend für uns ist doch in der weiteren Richter-Debatte, daß Hitler schon bei seinem Gefängnis-Aufenthalt gesagt bekam, Putsch ist nicht, nur der Weg durch die Instanzen sei legitim. Das haben die Alt68er Hitler nachgemacht, aber keine Alliierten kamen, Demokratie einfordernd, um uns jetzt vor den Nachkommen der Alt68er zu schützen. Welche Affaire sollte hier nun "hell" scheinen?

(2) 

Weihe durch Akzeptanz von Rezessionen aus Schnellroda

Ich habe zwar Verständnis, weil es hier um die Redaktion selbst geht, aber mir ist der Teil zulange. Die Antifa kann doch selbst ins Geschichtsbuch schauen, um zusehen, wann ihre Vorgänger im Stalinismus gefressen wurden. Wieso sollte man mit Leuten die Debatte suchen, die grundsätzlich persönlich aus dem Diskurs ausgrenzen & nicht der Sachlichkeit huldigen?

Laurenz

10. April 2021 08:07

(3)

Tagesschau-Trend bei Corona-Maßnahmen-Umfragen 2:1:1

Das ist doch nicht so schwer nachzuvollziehen. Alle Rentner, alle im Öffentlichen Dienst, bzw. Beamte, viele im Heim-Büro sind materiell erstmal nicht betroffen. Das macht locker 50% oder mehr aus. Das sind auch diejenigen, die von Berufs wegen wenig denken müssen oder zum politischen Denken keine Zeit haben. Das viertel, welchem die Maßnahmen zu hart sind, besteht aus den wenigen Klarsehern, die sich permanent den Luxus des politischen Denkens erlauben können, und diejenigen, die gemäß dem CS-Artikel https://sezession.de/63878/demos-in-wien-system-und-lebenswelt materiell betroffen sind, Künstler, Selbständige etc.pp. & natürlich überall die dazu gehörenden Angehörigen.

(4) 

Corona-Religion

Hier muß man EK absolut Recht geben. Die Partei Die Linke hat sich kaufen lassen, nur weil man endlich die Morgenluft einer Regierungsbeteiligung im Bund schnuppert. Man könnte meinen, Gysi sei schon tot.

Auch der vorauseilende Gehorsam Meuthens zum totalitären Impfstaat Israel, welcher tatsächlich eine hohe Bevölkerungsdichte aufweist, 410 Einwohner pro Quadrat-KM, hört spätestens dann auf, wenn es um die rigorose Einwanderungs-Politik Israels geht.

Niekisch

10. April 2021 11:03

"Wieso Korrektur? Da steht doch genau das drin. Sogar der lustige Wahlzettel, bei dem man nur eine Liste ankreuzen kann."

@ Alter weiser Mann 9.4. 21:42: Sie hatten geschrieben:  "Bei den Reichtagswahlen waren nur NSDAP-Mitglieder und ausgewählte Einzelpersonen zugelassen." ( 18:24 )

Sie verwechseln Kandidatur und Wahl. Es kandidierte die NSDAP, auch unabhängige Kandidaten, wahl- und abstimmungsberechtigt waren aber eben nicht nur NSDAP-Mitglieder. Wie sonst wäre es zur Zahl der abgegebenen Stimmen gekommen? Ausgeschlossen waren Staatsbürger, denen die bürgerlichen Ehrenrechte, also ggflls auch das aktive Wahlrecht, entzogen war. 

Alter weiser Mann

10. April 2021 14:02

@Niekisch

Vielleicht habe ich zuviel juristisches Vorverständnis vorausgesetzt. Kanditaten werden zugelassen, Wähler sind zur Wahl berechtigt. Gelobe Besserung.

Alter weiser Mann

10. April 2021 14:15

@Laurenz

Es ging um die Reichstagswahlen, nicht um die Saarabstimmung, die natürlich frei war. Frankreich hätte nichts anderes zugelassen.

Das Verbot von KPD und NPD mit dem Verbot aller Parteien im NS in eins zu setzen ... naja. Auch wenn man gegen die Parteiendemokratie ist, sollte mn da doch einen Unterschied sehen.

Was ihre Einschätzung der Richterdebatte hier angeht, bin ich voll bei Ihnen. Meine größte Hoffnung auf das Ende der Ausgrenzerei liegt darin, dass die Revolutionäre begonnen haben, sich selber zu fressen. Kann aber noch dauern, denn es geht im heutigen terreur nur um Existenzen, (noch) nicht um Leben.

 

Laurenz

10. April 2021 17:35

@Alter weiser Mann @Laurenz

Wenn Sie Sich die Sendung durchhören, vor allem wie EL über das Buch Richters referiert, werden Sie feststellen, daß die Auffassung Richters über Demokratie, zwar nicht selbst definiert, aber über Wahlen hinausgeht. Würde es vielmehr als mehrheitliche Zustimmung werten, die GK schlußfolgert.

Insofern kann man im Sinne Richters auch bei der geisteskrankhaften Corona-Religion nur warten, bis Mehrheiten die versalzene Suppe auslöffeln müssen.

links ist wo der daumen rechts ist

10. April 2021 18:03

Revisionismus

 

Frl. Richter wirkt, wenn sie spricht, wie eine Mischung aus Nicole Köster (SWR 1) und Max Giermann, der Stefan Raab parodiert. Ist damit genug gesagt?
Allerdings sei ihr zugestanden, daß auf ihr Jugendwerk noch Essentielleres folgen kann.

Da im Podcast die Clark-Kontroverse ins Spiel gebracht wurde:
Klarer Revisionismus betr. WK1, setzen wir eins drauf: das war ein guter, notwendiger und gerechter Krieg; leider haben wir ihn verloren.
Die These vom 30jährigen Bürgerkrieg läßt sich nur insofern aufrechterhalten, als Hitler und seine Entourage - diplomatische Dilettanten - tatsächlich ins offene Messer der früheren Weltkriegsgegner liefen (Frage: wann begann der Zweite Weltkrieg? Richtig: am 3. September 1939).
Allerdings hatte der antipreußische Österreicher Hitler jeden Ansatz der ehrenhaften "Ideen von 1914" in ihr diabolisches Gegenteil verkehrt. Das konnten kluge Köpfe (wie Musil in seinen Tagebüchern: Hitler als politisch gewordener Affekt, was im Weg ist, muß weg...) schon von Anfang an bemerken.
Hier dann partiell mit der These der Akklamation dagegenzuhalten (Legitimation - innere Angelegenheiten usw.), wie es Kubitschek im Podcast versucht, führt in die Irre, wie Carl Schmitts Spagatwanderungen zur Rechtfertigung des Regimes gezeigt haben.

Alter weiser Mann

10. April 2021 21:28

@Laurenz, links ist wo der daumen rechts ist

Schon klar, Demokratie ist nicht mit Wahlen identisch. CS hat Wahlen dem Liberalismus zugeschlagen, Akklamation ist dann eine Form der direkten Demokratie. Die geht aber immer von der Regierung aus, nicht von der Opposition. CS Verfassungslehre ist noch heute ein lesenswertes Buch. Ob man an die Akklamaton anschließen soll? Wer zweimal in den selben Fluss will, der soll das tun.

 

Laurenz

10. April 2021 22:18

@links ist wo der daumen rechts ist (3)

Ihre Diabolik müßte sich ja kontrovers zu Hitlers Kollegen im Ausland zeigen, die besonders moralisch handelten, richtig? Wodurch unterschied sich denn Hitler von seinen Kollegen? Richtig, er verfügte über kein Gold & keine Kolonien.

Sie setzen, wie die meisten Historiker, voraus, daß ohne Hitler kein Krieg ausgebrochen wäre. Was für eine irregeleitete & niemals begründete Annahme! 

Welche Reichsregierung anderer Couleur hätte denn diesen Krieg verhindert? Stresemanns Forderungen an die Entente-Mächte gingen weit über die Hitlers hinaus.

Der diametrale Hitlerismus, ja quasi die Hitler-Sucht unserer politischen Gegner liegt nur im Deutschen Volk begründet. Wären wir alle drauf gegangen, würde kein Hahn mehr nach Nazis schreien, sondern wie die Chinesen sie nur im Stillen erschaffen.

Kein Schwein mit Durchblick interessiert(e) sich für die historischen Nationalsozialisten, auch der Alki Churchill nicht. Die Nationalsozialisten werden nur als religiöser Katalysator für uns gebraucht, quasi ein moderner Exorzismus für das identitär sein.

Wenn Sie so wollen, ist BLM eine Nazi-Organisation. Denn es darf ja überhaupt keine Identität geben, auch keine schwarze.

Lotta Vorbeck

10. April 2021 23:12

@Laurenz - 10. April 2021 - 10:26 PM

"Island ... [ist] strategisch irrelevant ..."

---

Wirklich?

Was hat denn dann die Gringo-Army mit Island zu schaffen, wenn es strategisch bedeutungslos ist?

---> Countries with United States military bases and facilities

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