9. April 2021

Hedwig Richter und ihre Feinde (2) – Gegenstand der Debatte

Erik Lehnert / 19 Kommentare

Mit diesem Gepäck aus Teil 1 ausgestattet, geht es nun um den eigentlichen Gegenstand der Debatte.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Man könnte zunächst davon ausgehen, daß Richters Buch genau das richtige für unsere rechtsintellektuelle Klientel ist (insbesondere wenn man auf Wirsching und Bahners hört).

Doch so einfach ist es nicht. Die Vorwürfe ihrer Kollegen sind zumindest in formaler und sprachlicher Hinsicht nicht unberechtigt, da sich in dem Buch tatsächlich – über die in den Rezensionen genannten hinaus – zahlreiche Stilblüten und Nonsensformulierungen als auch schlampige Nachweise (mit wechselnden Kurztiteln und fehlenden Seitenzahlen) und falsche Kontextualisierungen finden.

Weiterhin ist auch richtig, daß die Autorin mit ihren zentralen Begriffen „Demokratie“ und „Gleichheit“ auf Kriegsfuß steht und mit deren Gebrauch mehr Verwirrung als Aufklärung stiften dürfte.

Da sie sich ausdrücklich nicht für Begriffsgeschichte „interessiert“, fällt es ihr leicht, unter Gleichheit nicht die Gleichheit vor dem Gesetz oder die Gleichwertigkeit der Stimmen, sondern materielle Gleichheit zu verstehen und die Erfahrung der sozialen Ungleichheit als den demokratiebegründenden Skandal des 18. Jahrhunderts herauszustellen.

Allerdings wird auch hier bereits deutlich, daß Richter sich kaum um die Stringenz ihrer Argumentation sorgt, wenn sie 100 Seiten später zu der Feststellung gelangt, daß Demokratisierung und wachsende Ungleichheit im 19. Jahrhundert „Hand in Hand“ gehen (was sie ohne Angabe einer Seitenzahl mit Thomas Pikettys Das Kapital im 21. Jahrhundert belegt, immerhin ein Buch von fast 700 Seiten).

Richter will mit vier Thesen das „normative Projekt der Demokratie“ erläutern. Die Thesen sind eigentlich keine, da sie als Gemeingut gelten können: Demokratiegeschichte ist „häufig Projekt von Eliten“ (weil sich nur die Gebildeten damit beschäftigen konnten), „immer auch die Geschichte ihrer Einschränkung“ (was bedeutet, daß es keine absolute Herrschaft der Mehrheit geben sollte) und „eine Geschichte des nordatlantischen Raumes“ (weil hier die moderne Demokratie entstand).

Lediglich die These, daß Demokratiegeschichte „eine politische Geschichte des Körpers“ sei, sticht aus diesen Selbstverständlichkeiten hervor. Demokratie bringt sich demnach „durch Körper und an Körpern zum Ausdruck“, was eventuell soviel bedeutet, daß Richter den wachsenden Respekt vor dem Körper des anderen mit dem Prozeß der Demokratisierung parallelisiert (was schon mit Blick auf die jüngere Geschichte unseres westlichen Nachbarn äußerst fragwürdig ist; und um die Folter abzuschaffen, brauchte es in Preußen keine Demokratie).

Die Thesen entfaltet Richter in einem „chronologischen Erzählplot“, der in fünf Kapitel gegliedert ist. Dieser reicht von den Gleichheitsideen der Aufklärer über die Skandalisierung der Armut und die Idee der Nation im 19. Jahrhundert, die Massenpolitisierung im Industriezeitalter, das „Zeitalter der Extreme“ bis zur Gegenwart und dem endgültigen Siegeszug der Demokratie.

Immer wieder eingestreut wird von Richter die Rolle der Frau bzw. ihre parallel zur Demokratisierung verlaufende Emanzipation behandelt. Dieser Blickwinkel wurde von den Rezensenten durchgehend hervorgehoben, weil über die Normativität dieser Entwicklung heute keine zwei Meinungen erlaubt sind. Daher ist Richter auch nicht zimperlich, wenn es darum geht, die vordemokratische Zeit in möglichst dunklen Farben zu malen.

Überall herrschten Hunger und große Not (einige Seiten später heißt es dann, daß Hungersnöte und Teuerungen seit dem 18. Jahrhundert „insgesamt“ abnahmen), und der „Alltag der allermeisten Frauen“ sei noch im ausgehenden 18. Jahrhundert „beherrscht von Gewalt und von ihrem tief verwurzelten Status als Minderwertige“ gewesen. Daß Richter für diese Aussage keinen Beleg nennt, fällt angesichts der moralischen Geschütze nicht ins Gewicht. Allerdings erregten weder das Anlegen gegenwärtiger Maßstäbe an andere Zeitalter noch die Konzentration auf Frauen- und Körpergeschichte Anstoß bei den Rezensenten.

Dafür sorgte eher die burschikose Art, mit der Richter die Frage des deutschen Sonderwegs behandelt, der bekanntlich darin besteht, daß uns der Westen zweimal die Demokratie bringen mußte, weil wir nicht in der Lage waren, diese allein zu begründen. Gegen diese Auffassung betont Richter die demokratischen Traditionen, die sich in Deutschland ebenso wie in anderen Ländern herausbildeten. So wertet sie die 1823 eingerichteten preußischen Provinziallandtage „als potente Zwischenstufe in der parlamentarischen Entwicklung“.

Allerdings sieht sie ausgerechnet in der Ablehnung der Kaiserkrone 1849 durch Friedrich Wilhelm IV. einen Schlag, von dem sich das „parlamentarische Projekt“ nicht mehr erholen konnte, und verschweigt dabei, daß es eine Mehrheit von ganzen vier Stimmen war, die für das Erbkaisertum votiert hatte (da würde mancher Politiker den Parteivorsitz ablehnen). Doch immerhin schneidet Deutschland zur Jahrhundertmitte im demokratischen Vergleich nicht schlecht ab, wenn hier ca. 20 Prozent der Männer wahlberechtigt waren (in Frankreich 25, in England sechs Prozent).

Das Zensuswahlrecht bezeichnet sie bei Einführung als progressiv, was durchaus der Realität entsprach, da es keine Rücksicht auf den Stand nahm, sondern sich nur auf die Steuerleistung bezog. Daß Wahlrecht und Demokratie nicht das gleiche sind, wird von ihr zwar nicht thematisiert, ist für die Frage des Sonderwegs offensichtlich aber auch nicht wichtig.

Ähnlich sympathisch beurteilt sie den Wilhelminismus: „Das Kaiserreich der Jahrhundertwende war ein anderes als zur Zeit seiner Gründung. Hier lebte eine gemessen an den Maßstäben der Zeit freie Zivilgesellschaft, in der mehr oder weniger alle tun und lesen und lassen konnten, was sie wollten.“ Es gab keinen „kolonialen Sonderweg“ des Deutschen Reiches, der Weg zum Krieg 1914 war ein vom „Volk getragener“.

Daß diese Sätze keine Aussagekraft für das ganze Buch haben, wird bei so offensichtlichen Lügen wie jener deutlich, daß deutsche Soldaten in Belgien 1914 gleich zum Auftakt Tausende Zivilisten inklusive Kindern ermordet hätten. Aber Richter ist gleichsam nicht nachtragend, wenn sie in der alliierten Beglückungspropaganda eher ein Hemmnis für die Weiterentwicklung der Demokratie in Deutschland erblickt:

Die Erhöhung der Demokratie zur moralischen Grundlage des alliierten Kampfes lässt sich in der Rückschau als eine einschneidende Zäsur auch in der deutschen Geschichte erkennen.

Deutschland wurde auf antidemokratisch festgelegt. Allerdings kommt dann wieder ein Satz, der so gar nicht zum vorhergehenden passen will:

Nicht die Bedingungen des Versailler Friedensvertrags, sondern die Nationalsozialisten und die willigen Deutschen zerstörten schließlich die Weimarer Republik.

Diese Hin und Her zwischen vernünftigen Aussagen und angelerntem Glaubensbekenntnis geht beim Nationalsozialismus weiter, wenn sie diesen durchaus zutreffend als ein Produkt der Demokratie charakterisiert. Sie geht sogar noch weiter, indem sie betont, daß die vier Reichstagswahlen und fünf Volksabstimmungen, die nach der Machtergreifung durchgeführt wurden, geheim, gleich und allgemein (auch KZ-Häftlinge durften wählen) stattfanden – und wohl ohne große Wahlfälschungen über die Bühne gingen, weil es einfach keine Notwendigkeit dazu gab.

Der Spalt zwischen Führung und Volk tat sich erst auf, als letzteres den Antisemitismus nur passiv mitmachte, obwohl Apartheidgesetze international „keine Ausnahme“ bildeten. Den durchschlagenden Erfolg der alliierten Reeducation führt Richter dann auch darauf zurück, daß Deutschland eine lange Übung in demokratischen Verfahren hatte und über eine partizipative Tradition verfügte, die sich nach 1945 wieder im Rahmen einer (halben) Nation entfalten konnte. Auch das immer wieder aufkeimende Mißtrauen gegenüber Parlamenten und Parteien sei kein deutscher Sonderweg, sondern in allen Ländern zu beobachten.

Viele der zitierten Sätze erwecken den Eindruck, daß es sich um ein vernünftiges Buch handelt, das ganz zu Recht von den Kollegen angegriffen wird, weil es liebgewonnenen Phrasen über unsere Geschichte widerspricht. Allerdings sollte auch deutlich geworden sein, daß diese Sätze wie vereinzelt in einem Assoziationsgewitter stehen, das nicht in der Lage ist, die Legenden vom deutschen Sonderweg zu zerstören (mit der reinen Behauptung, Deutschland habe immer zum Westen gehört, ist nichts gewonnen, weil sie falsch ist).

Daran hat Richter offensichtlich auch gar kein Interesse bzw. sie weiß ganz genau, wie sie ihre Sätze einpacken muß, damit sie nicht zu anstößig klingen. Eingebettet sind diese nämlich in eine grundsätzliche Huldigung an die Emanzipation (insbesondere natürlich der Frauen) und den Wohlstand, die darauf hinausläuft, das zu zerstören, was Deutschland groß gemacht hat: die Nation.

Daher kann Richter auch ganz unschuldig-naiv fragen:

(…) warum sollte eine solidarische Gesellschaft nicht eines Tages über Europa hinaus möglich sein?

Denn:

Europa ist das schönste Kind der neuen Zeit.

Wem das zu kitschig ist, der wird an den letzten Sätzen des Buches seine helle Freude haben:

Demokratie hat eine wunderbare und wunderliche Geschichte. Sie ist eine Affäre voller Krisen, aber auch voller Glück und Neuanfang, gerade für die Deutschen. Die Affäre geht weiter. Die Zukunft ist offen, und vermutlich ist sie hell.

Und morgen ist ein neuer Tag.

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Hedwig Richter – eine deutsche Affäre? Darüber diskutierten wir in der 17. Folge des Schnellroda-Podcasts »Am Rande der Gesellschaft«.


Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.


Kommentare (19)

Nordlicht

9. April 2021 17:48

Auch nach dieser Abhandlung sehe ich keinen Grund, meine Lebenszeit mit den Richter-Büchern zu verbringen.

 

Alter weiser Mann

9. April 2021 18:24

Sie geht sogar noch weiter, indem sie betont, daß die vier Reichstagswahlen und fünf Volksabstimmungen, die nach der Machtergreifung durchgeführt wurden, geheim, gleich und allgemein (auch KZ-Häftlinge durften wählen) stattfanden[.]

Hat das Frau Richter wirklich geschrieben? Bei den Reichtagswahlen waren nur NSDAP-Mitglieder und ausgewählte Einzelpersonen zugelassen. Soetwas als geheim, gleich und allgemein zu bezeichnen disqualifiziert vollkommen.

Ansonsten leuchtet mir auch nicht ein, weshalb man sich damit beschäftigen sollte. Nur weil ein paar Thesen drin stehen, die für Rechts interessant sind und den Maistream provozieren. Die Rechte hat doch eigene Theorien und muss sich nicht irgendwo dranhängen.

Ich schaue mir mal Am Rande der Gesellschaft 17 an, vielleicht verstehe ich es dann.

Niekisch

9. April 2021 19:13

@ Alter weiser Mann 18:24: Reichstagswahl November 1933 – Wikipedia  Da finden Sie die Korrektur.

RMH

9. April 2021 19:37

Nach Rüdiger Safranskis "Romantik. Ein deutsche Affäre" (durchaus lesenswert, aber nicht so gut, wie Safranskis Werke über einzelne Persönlichkeiten wie bspw. Schopenhauer, Heidegger, Schiller, Goethe etc.) ist nun nach der Autorin die Demokratie eine deutsche Affäre. Wie kreativ.

Überhaupt hört sich einiges, was Dr. Lehnert hier aus dem Buch erzählt und zitiert, wie das mittlerweile so weit verbreitete Pipi Langstrumpf Prinzip an: "Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt".

Pferdefuss

9. April 2021 20:12

Alter weiser Mann

Genau! warum bespricht man ein Elaborat, was so viele Mängel aufweist? Ist Frau Richter auf dem Weg ans andere Ufer?  Mag sein. Dann wird sie sich stärker fühlen, wenn sie das kraft ihres eigenen Enthusiasmus alleine gechafft hat zu landen. und dann willkommen geheißen wird. 

 

tearjerker

9. April 2021 20:40

Ich hatte unter dem Sonderweg immer verstanden, dass das Geschichtsbild alle 30 Jahre zu revidieren sei. Wird mal wieder Zeit.

Alter weiser Mann

9. April 2021 21:42

@Niekisch

Wieso Korrektur? Da steht doch genau das drin. Sogar der lustige Wahlzettel, bei dem man nur eine Liste ankreuzen kann. Die Ergebnisse der späteren Wahlen finden sich auch bei Wiki unter Reichtstagswahlen

@Thema

Habe mir den Podcast ARdG 17 angeschaut. Als Indikator dafür, wie nervös der Mainstream nun schon auf triviale Feststellungen reagiert, ist das Buch natürlich gut geeignet. Steht eigentlich auch drin, das im DR das allgemeine Männerwahlrecht galt? In England konnten vor 1918 nur besitzende Männer wählen. Wo ist die demokratische Tradition stärker?

Solution

9. April 2021 21:49

Absolut drittrangig.

Laurenz

9. April 2021 23:48

@Alter weiser Mann

Die Saarländer konnten zB abstimmen, zu welchem Staat sie nach der 15jährigen Besatzung durch die Franzosen gehören wollten, Frankreich oder Deutsches Reich. Das ist, mit Verlaub, mehr, als wir heute dürfen.

Einfach weniger pauschal alles in einen Topf werfen. Und Parteiverbote gab es auch nach dem III. Reich.

Die älteste Demokratie des Planeten ist Island, danach kommt Tortuga & danach die Schweiz. Demokratie antiker griechischer Stadtstaaten kommt nach Ihrer Defintion nicht infrage, da dort nur die Minderheit der "Freien" wählen durfte. Wobei wir die Verbannung wieder einführen sollten.

Laurenz

10. April 2021 07:50

(1)

Richters Buch

Hatte tatsächlich überlegt, mir das Buch zu kaufen, habe aber nach der Audio-Sendung davon abgesehen. Körper-Respekt ist nicht unbedingt ein Fehler, aber ist sie ein Teil der Demokratie? Beim Militär wurde die Prügelstrafe in Deutschen Fürstentümern in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts abgeschafft, zuerst 1811 in Braunschweig, bei den Briten im Einsatz erst 1889, in der Schule erst in den 1980ern. Und Richter tut tatsächlich so, als gäbe es keine Schaulustigen bei Unfällen? Entscheidend für uns ist doch in der weiteren Richter-Debatte, daß Hitler schon bei seinem Gefängnis-Aufenthalt gesagt bekam, Putsch ist nicht, nur der Weg durch die Instanzen sei legitim. Das haben die Alt68er Hitler nachgemacht, aber keine Alliierten kamen, Demokratie einfordernd, um uns jetzt vor den Nachkommen der Alt68er zu schützen. Welche Affaire sollte hier nun "hell" scheinen?

(2) 

Weihe durch Akzeptanz von Rezessionen aus Schnellroda

Ich habe zwar Verständnis, weil es hier um die Redaktion selbst geht, aber mir ist der Teil zulange. Die Antifa kann doch selbst ins Geschichtsbuch schauen, um zusehen, wann ihre Vorgänger im Stalinismus gefressen wurden. Wieso sollte man mit Leuten die Debatte suchen, die grundsätzlich persönlich aus dem Diskurs ausgrenzen & nicht der Sachlichkeit huldigen?

Laurenz

10. April 2021 08:07

(3)

Tagesschau-Trend bei Corona-Maßnahmen-Umfragen 2:1:1

Das ist doch nicht so schwer nachzuvollziehen. Alle Rentner, alle im Öffentlichen Dienst, bzw. Beamte, viele im Heim-Büro sind materiell erstmal nicht betroffen. Das macht locker 50% oder mehr aus. Das sind auch diejenigen, die von Berufs wegen wenig denken müssen oder zum politischen Denken keine Zeit haben. Das viertel, welchem die Maßnahmen zu hart sind, besteht aus den wenigen Klarsehern, die sich permanent den Luxus des politischen Denkens erlauben können, und diejenigen, die gemäß dem CS-Artikel https://sezession.de/63878/demos-in-wien-system-und-lebenswelt materiell betroffen sind, Künstler, Selbständige etc.pp. & natürlich überall die dazu gehörenden Angehörigen.

(4) 

Corona-Religion

Hier muß man EK absolut Recht geben. Die Partei Die Linke hat sich kaufen lassen, nur weil man endlich die Morgenluft einer Regierungsbeteiligung im Bund schnuppert. Man könnte meinen, Gysi sei schon tot.

Auch der vorauseilende Gehorsam Meuthens zum totalitären Impfstaat Israel, welcher tatsächlich eine hohe Bevölkerungsdichte aufweist, 410 Einwohner pro Quadrat-KM, hört spätestens dann auf, wenn es um die rigorose Einwanderungs-Politik Israels geht.

Niekisch

10. April 2021 11:03

"Wieso Korrektur? Da steht doch genau das drin. Sogar der lustige Wahlzettel, bei dem man nur eine Liste ankreuzen kann."

@ Alter weiser Mann 9.4. 21:42: Sie hatten geschrieben:  "Bei den Reichtagswahlen waren nur NSDAP-Mitglieder und ausgewählte Einzelpersonen zugelassen." ( 18:24 )

Sie verwechseln Kandidatur und Wahl. Es kandidierte die NSDAP, auch unabhängige Kandidaten, wahl- und abstimmungsberechtigt waren aber eben nicht nur NSDAP-Mitglieder. Wie sonst wäre es zur Zahl der abgegebenen Stimmen gekommen? Ausgeschlossen waren Staatsbürger, denen die bürgerlichen Ehrenrechte, also ggflls auch das aktive Wahlrecht, entzogen war. 

Alter weiser Mann

10. April 2021 14:02

@Niekisch

Vielleicht habe ich zuviel juristisches Vorverständnis vorausgesetzt. Kanditaten werden zugelassen, Wähler sind zur Wahl berechtigt. Gelobe Besserung.

Alter weiser Mann

10. April 2021 14:15

@Laurenz

Es ging um die Reichstagswahlen, nicht um die Saarabstimmung, die natürlich frei war. Frankreich hätte nichts anderes zugelassen.

Das Verbot von KPD und NPD mit dem Verbot aller Parteien im NS in eins zu setzen ... naja. Auch wenn man gegen die Parteiendemokratie ist, sollte mn da doch einen Unterschied sehen.

Was ihre Einschätzung der Richterdebatte hier angeht, bin ich voll bei Ihnen. Meine größte Hoffnung auf das Ende der Ausgrenzerei liegt darin, dass die Revolutionäre begonnen haben, sich selber zu fressen. Kann aber noch dauern, denn es geht im heutigen terreur nur um Existenzen, (noch) nicht um Leben.

 

Laurenz

10. April 2021 17:35

@Alter weiser Mann @Laurenz

Wenn Sie Sich die Sendung durchhören, vor allem wie EL über das Buch Richters referiert, werden Sie feststellen, daß die Auffassung Richters über Demokratie, zwar nicht selbst definiert, aber über Wahlen hinausgeht. Würde es vielmehr als mehrheitliche Zustimmung werten, die GK schlußfolgert.

Insofern kann man im Sinne Richters auch bei der geisteskrankhaften Corona-Religion nur warten, bis Mehrheiten die versalzene Suppe auslöffeln müssen.

links ist wo der daumen rechts ist

10. April 2021 18:03

Revisionismus

 

Frl. Richter wirkt, wenn sie spricht, wie eine Mischung aus Nicole Köster (SWR 1) und Max Giermann, der Stefan Raab parodiert. Ist damit genug gesagt?
Allerdings sei ihr zugestanden, daß auf ihr Jugendwerk noch Essentielleres folgen kann.

Da im Podcast die Clark-Kontroverse ins Spiel gebracht wurde:
Klarer Revisionismus betr. WK1, setzen wir eins drauf: das war ein guter, notwendiger und gerechter Krieg; leider haben wir ihn verloren.
Die These vom 30jährigen Bürgerkrieg läßt sich nur insofern aufrechterhalten, als Hitler und seine Entourage - diplomatische Dilettanten - tatsächlich ins offene Messer der früheren Weltkriegsgegner liefen (Frage: wann begann der Zweite Weltkrieg? Richtig: am 3. September 1939).
Allerdings hatte der antipreußische Österreicher Hitler jeden Ansatz der ehrenhaften "Ideen von 1914" in ihr diabolisches Gegenteil verkehrt. Das konnten kluge Köpfe (wie Musil in seinen Tagebüchern: Hitler als politisch gewordener Affekt, was im Weg ist, muß weg...) schon von Anfang an bemerken.
Hier dann partiell mit der These der Akklamation dagegenzuhalten (Legitimation - innere Angelegenheiten usw.), wie es Kubitschek im Podcast versucht, führt in die Irre, wie Carl Schmitts Spagatwanderungen zur Rechtfertigung des Regimes gezeigt haben.

Alter weiser Mann

10. April 2021 21:28

@Laurenz, links ist wo der daumen rechts ist

Schon klar, Demokratie ist nicht mit Wahlen identisch. CS hat Wahlen dem Liberalismus zugeschlagen, Akklamation ist dann eine Form der direkten Demokratie. Die geht aber immer von der Regierung aus, nicht von der Opposition. CS Verfassungslehre ist noch heute ein lesenswertes Buch. Ob man an die Akklamaton anschließen soll? Wer zweimal in den selben Fluss will, der soll das tun.

 

Laurenz

10. April 2021 22:18

@links ist wo der daumen rechts ist (3)

Ihre Diabolik müßte sich ja kontrovers zu Hitlers Kollegen im Ausland zeigen, die besonders moralisch handelten, richtig? Wodurch unterschied sich denn Hitler von seinen Kollegen? Richtig, er verfügte über kein Gold & keine Kolonien.

Sie setzen, wie die meisten Historiker, voraus, daß ohne Hitler kein Krieg ausgebrochen wäre. Was für eine irregeleitete & niemals begründete Annahme! 

Welche Reichsregierung anderer Couleur hätte denn diesen Krieg verhindert? Stresemanns Forderungen an die Entente-Mächte gingen weit über die Hitlers hinaus.

Der diametrale Hitlerismus, ja quasi die Hitler-Sucht unserer politischen Gegner liegt nur im Deutschen Volk begründet. Wären wir alle drauf gegangen, würde kein Hahn mehr nach Nazis schreien, sondern wie die Chinesen sie nur im Stillen erschaffen.

Kein Schwein mit Durchblick interessiert(e) sich für die historischen Nationalsozialisten, auch der Alki Churchill nicht. Die Nationalsozialisten werden nur als religiöser Katalysator für uns gebraucht, quasi ein moderner Exorzismus für das identitär sein.

Wenn Sie so wollen, ist BLM eine Nazi-Organisation. Denn es darf ja überhaupt keine Identität geben, auch keine schwarze.

Lotta Vorbeck

10. April 2021 23:12

@Laurenz - 10. April 2021 - 10:26 PM

"Island ... [ist] strategisch irrelevant ..."

---

Wirklich?

Was hat denn dann die Gringo-Army mit Island zu schaffen, wenn es strategisch bedeutungslos ist?

---> Countries with United States military bases and facilities

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