Sammelstelle für Gedrucktes (16)

Man kann ja vor sich und seinen Lesern vollkommen ehrlich sein:

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Vor der 17. Fol­ge des Schnell­ro­da-Pod­casts »Am Ran­de der Gesell­schaft« kann­te ich die His­to­ri­ke­rin Hed­wig Rich­ter nur »von Twit­ter«. Kei­nes ihrer Bücher war mir geläu­fig, ihre dar­in ent­fal­te­ten Kern­the­sen waren mir weit­ge­hend eben­so unbe­kannt wie der eigent­li­che Grund für die klei­ne Kon­tro­ver­se um ihre Person.

Erik Leh­nert war es vor­be­hal­ten, in einem für unse­ren Pod­cast durch­aus unty­pi­schen (gleich­wohl pro­duk­ti­ven) Mono­log ein­zu­füh­ren in die jüngs­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen Rich­ters: Demo­kra­tie. Eine deut­sche Affä­re und Auf­bruch in die Moder­ne. Reform und Mas­sen­po­li­ti­sie­rung im Kai­ser­reich.

Die Dis­kus­si­on am Schnell­ro­da­er Biblio­theks­tisch zeig­te deut­lich auf, daß man das Blät­ter­rau­schen um die »Affä­re« für eini­ger­ma­ßen über­trie­ben hält, ja daß Rich­ter als His­to­ri­ke­rin und Autorin auch dann »kei­ne von uns« sei, wenn ihre mei­nungs­star­ken und durch­aus angriffs­lus­ti­gen Geg­ner das in ihren Kri­ti­ken des Rich­ter-Dop­pel­packs impli­zie­ren. Doch dazu gleich mehr.

Wer eine Print­vor­stel­lung Hed­wig Rich­ters bevor­zugt, wur­de in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung (v. 18.4.2021) fün­dig. »Die Pop-His­to­ri­ke­rin« wird dar­in von Mir­yam Schell­bach vor­ge­stellt, Werk und die Reak­tio­nen dar­auf unter­sucht und Ant­wor­ten auf die Fra­ge, was Rich­ter zum »Star ihrer Zunft« und zur »Wis­sen­schafts-Influ­en­ce­rin« mach­te, gesucht.

Für die­ses Ansin­nen geht Schell­bach, Lek­to­rin und taz-Autorin, zu den Wur­zeln Richters:

Die His­to­ri­ke­rin Hed­wig Rich­ter ist in Bad Urach auf­ge­wach­sen, einem tief pro­tes­tan­ti­schen Kur­ort auf der Schwä­bi­schen Alb, mit einem spät­mit­tel­al­ter­li­chen Markt­platz, dem tra­di­tio­nel­len Schä­fer­lauf und sin­ken­den Ein­woh­ner­zah­len, weil es die Jun­gen ent­we­der ins nahe gele­ge­ne Stutt­gart oder nach Ber­lin zieht.

Eben­falls von dort stam­me Cem Özde­mir, der Grü­nen-Rea­lo, der gleich Rich­ter das »mil­de Lächeln per­fek­tio­niert« habe. Der­lei Sto­ry­tel­ling kann man getrost über­ge­hen, wenn man sich für die Pro­fes­so­rin an der Bun­des­wehr-Uni­ver­si­tät in Mün­chen interessiert.

Schell­bach kommt danach näm­lich zur eigent­li­chen The­ma­tik: Rich­ter habe ein

unge­wöhn­lich erfolg­rei­ches Buch über das nicht gera­de best­sel­ler­taug­li­che The­ma der deut­schen Demo­kra­tie geschrieben,

das aber

man­che Fach­kol­le­gen nicht nur für über­schätzt, son­dern gera­de­zu für unwis­sen­schaft­lich halten.

Zum Vor­wurf gemacht wer­de ihr, daß sie sich an eine »brei­te Öffent­lich­keit« wen­de, nicht an ein Fach­pu­bli­kum. Ihr gehe jene Nüch­tern­heit ab, die für erns­te, sach­li­che Bear­bei­tung eines Gegen­stan­des nach Ansicht vie­ler Kol­le­gen unab­ding­bar sei:

Im Ton einer Pop-His­to­rio­gra­phie refe­riert sie die deut­sche Geschich­te, als wäre sie eine Net­flix-Serie mit Cliff­han­ger und gutem Ausgang.

Dabei nei­ge sie zur Ver­ein­fa­chung (und zur Quel­len­am­pu­ta­ti­on, wor­auf Leh­nert im Pod­cast hin­wies), was die einen ihr als über­trie­be­ne Popu­la­ri­sie­rung nega­tiv anrech­nen, ande­re, dar­un­ter der SWR-»Lesenswert«-Moderator Denis Schick, als »Bil­dungs­er­leb­nis« glorifizieren.

Aber auch Ver­ris­se gibt es, etwa vom His­to­ri­ker Andre­as Wir­sching. Der Direk­tor des Münch­ner Insti­tuts für Zeit­ge­schich­te rezen­sier­te das Demo­kra­tie­buch auf eine frap­pie­rend pole­mi­sche Art und Wei­se. Als »veri­ta­bles Ärger­nis« emp­fand er Demo­kra­tie. Eine deut­sche Affä­re, was Leh­nert nicht nach­voll­zie­hen konn­te, wohin­ge­gen er wenig gegen Wir­schings Vor­wurf ein­zu­wen­den hat­te, daß bei Rich­ters Arbei­ten ein »Man­gel an Quel­len- und Lite­ra­tur­kennt­nis« vorliege.

Schell­bach ver­mu­tet ein wenig Neid bei Wir­sching auf sei­ne medi­al prä­sen­te Kol­le­gin, und auch daß Rich­ter als »ver­hält­nis­mä­ßig jun­ge Frau« (Jahr­gang 1973) kri­tisch beäugt wer­de, ist der FAS-Autorin einen Ein­schub wert. Aber erst nach gut der Hälf­te des Tex­tes trägt sie die ent­schei­den­de Kri­tik an Rich­ter vor:

Rich­ters streit­bars­ter Punkt ist, dass sie den Nazi-Ter­ror als Weg­e­tap­pe des demo­kra­ti­schen Pro­zes­ses sieht. Damit, so sagt es ihr Kri­ti­ker Wirt­sching, gehe aber ‘jede Prä­zi­si­on der Unter­schei­dung zwi­schen Demo­kra­tie und Demo­kra­tie­feind­schaft ver­lo­ren’ – und der Natio­nal­so­zia­lis­mus wird zu einer Art Zwi­schen­sta­ti­on auf dem lan­gen Weg zur moder­nen Demokratie.

Über die Fra­ge nach demo­kra­ti­schen Ele­men­te im Hit­ler-Natio­nal­so­zia­lis­mus, über die sich frü­her leben­de His­to­ri­ker bereits kon­tro­vers aus­ge­tauscht hat­ten, springt Schell­bach, poli­tisch durch­aus bri­sant, in die Gegen­wart, um Rich­ter – dabei offen­kun­dig ins ent­schie­den Par­tei­ische über­ge­hend, was dem Por­trät nicht gut tut – vor­zu­wer­fen, daß sie Lini­en in die Gegen­wart zu zie­hen bereit ist.

Was wir »Nor­ma­li­sie­rungs­pa­trio­tis­mus« nen­nen wür­den, sieht Schell­bach näm­lich bei Rich­ter vergegenwärtigt:

Dass die natio­na­le Iden­ti­tät der Deut­schen schuld­fi­xiert an der Geschich­te des Natio­nal­so­zia­lis­mus kle­be, sei ein ‘über­kom­me­nes und ein­sei­ti­ges Ver­hält­nis zur eige­nen Ver­gan­gen­heit’, hat Rich­ter gera­de gemein­sam mit Bernd Ulrich in einem Bei­trag für die ‘Zeit’ geschrie­ben. Der Ruf nach einem posi­tiv besetz­ten deut­schen Natio­nal­ge­fühl kommt bei Rich­ter ähn­lich unschul­dig daher. Er ist es aber nicht.

Rich­ter also doch »eine von uns«? Jeden­falls sieht das Schell­bach so:

Dar­an könn­te die neue Rech­te Gefal­len fin­den. Der Antai­os-Ver­le­ger Götz Kubit­schek und der His­to­ri­ker Erik Leh­nert, Geschäfts­füh­rer des vom Ver­fas­sungs­schutz als rechts­ex­tre­mer Ver­dachts­fall geführ­ten ‘Insti­tuts für Staats­po­li­tik’, spöt­tel­ten neu­lich schon in ihrem Pod­cast zu Rich­ters ‘Demokratie’-Buch: ‘Die ist eine von uns.’

Nun ist es sicher­lich zu begrü­ßen, wenn jun­ge Autoren von FAZ/FAS und taz »geis­ti­ges Man­na« aus Schnell­ro­da bezie­hen. Aber das soll­te dann schon zu kor­rek­ter Rezep­ti­on füh­ren. Im Pod­cast heißt es nämlich:

Wir soll­ten aber nicht den Feh­ler machen, zu sagen: Oh, das ist eine von uns.

Wenn Rich­ters Kri­ti­ker der­art unprä­zi­se arbei­ten, fällt der Vor­wurf des »Man­gels an Quel­len- und Lite­ra­tur­kennt­nis« umge­hend auf sie zurück. Abhil­fe schaf­fen kann bei Schell­bach viel­leicht (nein, ich glau­be nicht wirk­lich dar­an) zwei­er­lei: ein Pro­be­heft der Sezes­si­on sowie ein Abon­ne­ment des »kanal schnell­ro­da« bei You­Tube. Und mir zeigt die­se klei­ne »Affä­re«, daß ich an der eigen­stän­di­gen Lek­tü­re des Rich­ter-Dop­pel­packs nun doch nicht vor­bei komme.

– –

Aber wäh­rend wir über Bücher sin­nie­ren, schafft das polit­me­dia­le Estab­lish­ment zuneh­mend Fak­ten auf dem ange­streb­ten Weg zu einer grü­nen Macht­über­nah­me in Deutschland.

Einer­lei, wel­ches Medi­um man in die­sen Tagen am Bahn­hofs­ki­osk beäugt: Die ein­hel­li­ge Anna­le­na-Baer­bock-Eupho­rie kennt kei­ne Unter­schei­dung in Bou­le­vard- und Qua­li­täts­pres­se. Noch nicht ein­mal die Neue Zür­cher Zei­tung kann als schwei­ze­ri­sches Gegen­gift zur bun­des­deut­schen Malai­se her­an­ge­zo­gen wer­den; denn auch dort schwärmt Anja Steh­le (NZZ v. 20.4.21): »Ziel­stre­big und detail­ver­liebt – Baer­bock über­holt Habeck«.

Nach einer kur­zen Schil­de­rung des Ver­hält­nis­ses Baerbock–Habeck berich­tet Steh­le von einem Auf­tritt Baer­bocks in Berlin:

Es waren Auf­trit­te wie im Som­mer 2020, als die Co-Che­fin der Grü­nen anläss­lich des 75-Jahr-Jubi­lä­ums der CDU eine Rede hielt. In den Räu­men der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung in Ber­lin stand Anna­le­na Baer­bock selbst­be­wusst vor dem CDU-Publi­kum. Mit einem Mix aus Kom­pli­men­ten an die Christ­lich­de­mo­kra­ten, Selbst­iro­nie und Selbst­kri­tik bemüh­te sie sich damals um das kon­ser­va­ti­ve Lager, wohl­wis­send, dass es mit einer Kan­di­da­tur oder gar einem Wahl­sieg nur klappt, wenn sie auch jen­seits des grü­nen Kos­mos begeis­tern kann. (…) Ihr poli­ti­sches Ver­ständ­nis sei in der Ära Kohl her­an­ge­reift. Die Grü­nen sei­en gegen die Wie­der­ver­ei­ni­gung gewe­sen. ‘Das war ein Fehler.’

Nun begeht Steh­le den­sel­ben Feh­ler wie vie­le Libe­ral­kon­ser­va­ti­ve, die nicht von ihrem Mythos »CDU-ohne-Mer­kel-gleich-kon­ser­va­ti­ves-Lager« las­sen kön­nen, aber das ist an die­ser Stel­le nicht ent­schei­dend. Und auch ihre ver­meint­li­che Reue ob der anti­na­tio­na­len Ver­wei­ge­rungs­hal­tung der Wen­de­jah­re kann über­gan­gen wer­den, zumal sie gegen­über der ARD kund­tat, daß für sie »die Anti­fa nicht per se eine links­ex­tre­mis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on« sei, womit wei­ter­hin Zwei­fel an ihrer Treue zu Land und Leu­ten bestehen dürfte.

Wich­ti­ger ist der Ver­merk der NZZ, wonach die Co-Che­fin der Grü­nen »häu­figs­ter Talk­show-Gast im deut­schen Fern­se­hen« ist. Denn dies ist ein Bau­stein der grü­nen Erfolgs­ge­schich­te: die Ver­schmel­zung mit den media­len Appa­ra­ten und den Eli­ten, die sie domi­nie­ren. Daß die bun­des­deut­schen Jour­na­lis­ten über­pro­por­tio­nal grün favo­ri­sie­ren, ist seit Jah­ren bekannt, daß der Nach­wuchs der ton­an­ge­ben­den GEZ-Pres­se zu 92 Pro­zent für Rot-Rot-Grün optiert, immer­hin seit einem Jahr.

Bräuch­te es noch einen Beweis für die Bedeu­tung »meta­po­li­ti­scher« oder »vor­po­li­ti­scher« Raum­nah­men – die deut­schen Grü­nen ver­kör­per­ten ihn. Bei der Bun­des­tags­wahl 2017 blie­ben sie bun­des­weit ein­stel­lig, doch auf­grund ihrer jahr­zehn­te­lang vor­be­rei­te­ten, erkämpf­ten und nun­mehr bis­wei­len aggres­siv ver­tei­dig­ten Hege­mo­nie in Gesell­schaft, Medi­en und Kul­tur kann man ledig­lich vier Jah­re spä­ter par­la­ments­po­li­tisch ern­ten, was man auf meta­po­li­ti­schem Ter­rain arbeits­tei­lig und nach­hal­tig gesät hat.

Auf die suk­zes­si­ve durch­ge­setz­te grü­ne Kul­tur­re­vo­lu­ti­on folgt grü­ne poli­ti­sche Macht; das ist die Essenz der erfolg­rei­chen Syn­the­se aus Meta- und Realpolitik.

Aus­ge­rech­net die Grü­nen set­zen damit um, was Alain de Benoist, der Grand­sei­gneur der »Nou­vel­le Droi­te« seit den 1970er Jah­ren einer oft­mals auf die­sem Fel­de blin­den poli­ti­schen Rech­ten ins Gewis­sen schrieb: Eine Hege­mo­nie auf meh­re­ren Ebe­nen ist nur dann zu erlan­gen, wenn eine poli­ti­sche oder welt­an­schau­li­che Bewe­gung ihre eige­nen Ideen im kul­tu­rel­len und im vor­po­li­ti­schen (also: meta­po­li­ti­schen) Raum als füh­rend zu set­zen ver­mag, was lang­fris­ti­gen »Stel­lungs­krieg« (Gram­sci) mit sich brin­gen kann, aus dem man als Sie­ger her­vor­ge­hen muß.

Ist dies gesche­hen, ver­fügt man also über die kul­tu­rel­le Hege­mo­nie in einer Gesell­schaft, kann wirk­mäch­ti­ge poli­ti­sche Hege­mo­nie fol­gen, die sich in Wahl­er­geb­nis­sen mate­ria­li­siert. Die­se Benoist-Theo­rie rich­tet sich natur­ge­mäß gegen Ansät­ze, nach denen zual­ler­erst par­la­men­ta­ri­sche Wahl­er­fol­ge zu einer Ten­denz­wen­de führ­ten. Benoist hielt und hält dies für einen fata­len Trug­schluß – zunächst müs­se die gesell­schaft­li­che Stim­mung in eine ande­re Bahn gelenkt wer­den, was der grü­nen Sze­ne in Poli­tik, Medi­en und Wirt­schaft ganz for­mi­da­bel gelingt.

Wenn Alain de Benoist in sei­nem Stan­dard­werk Kul­tur­re­vo­lu­ti­on von rechts pos­tu­lier­te, daß alle gro­ßen Umwäl­zun­gen der Geschichte

nichts ande­res getan haben, als eine Ent­wick­lung in die Tat umzu­set­zen, die sich zuvor schon unter­schwel­lig in den Geis­tern voll­zo­gen hatte,

dann wäre der mög­li­che grü­ne Tri­umph im Sep­tem­ber 2021 ein logi­scher par­la­ments­po­li­ti­scher Kul­mi­na­ti­ons­punkt jener meta­po­li­ti­schen Ten­denz­wen­de, die durch das grü­ne Lager arbeits­tei­lig und effek­tiv ange­strebt wur­de. Anti­fa­schis­tisch, links­li­be­ral und neo­bür­ger­lich – drei Eigen­schaf­ten, die den Cha­rak­ter der Bun­des­re­pu­blik 2021 ff. ver­ge­gen­ständ­li­chen dürften.

Eine zuletzt vie­ler­orts zir­ku­lie­ren­de »akze­le­ra­tio­nis­ti­sche« Per­spek­ti­ve, wonach Grün-Rot-Rot die »schwei­gen­de Mehr­heit« auf­rüt­teln wür­de und nicht zuletzt die Uni­on »ins Kon­ser­va­ti­ve« zurück­ho­len wür­de, krankt an zwei­er­lei: Ers­tens über­schätzt man damit die Sub­stanz und den kämp­fe­ri­schen Wil­len der kon­ser­va­ti­ven Uni­ons­res­te, zwei­tens ver­gißt man, daß Baer­bock, die auch in der NZZ als »Rea­lo« ange­prie­sen wird (was heißt das schon bei den Grü­nen?) ihre Ver­net­zungs­ar­beit längst geleis­tet hat:

Auf­trit­te wie im Som­mer 2020, als die Co-Che­fin der Grü­nen anläss­lich des 75-Jahr-Jubi­lä­ums der CDU eine Rede hielt,

gesche­hen nicht grundlos.

Die Uni­on mag im Sep­tem­ber des Jah­res Ange­la Mer­kel als Kanz­le­rin ver­lie­ren; ihren Drang zum oppor­tu­nis­ti­schen Macht­er­halt um des Macht­er­halts wil­len ist dage­gen seit Jahr­zehn­ten par­tei­im­ma­nent. Daß sie sich daher Baer­bock andient und dem grü­nen Sie­ges­zug der Meta­po­li­tik das i‑Tüpfelchen in Form eines grü­nen Sie­ges­zugs in der Par­la­ments­po­li­tik fol­gen läßt, indem sie zur schwarz-grü­nen Koali­ti­ons­bil­dung drängt, hal­te ich für deut­lich rea­lis­ti­scher als Grün-Grün-Rot.

Schlecht für Deutsch­land ist frei­lich bei­des. Die Mil­li­ar­den­för­de­rung für anti­fa­schis­ti­sche Grup­pen hat­te immer­hin die CDU/C­SU-geführ­te Bun­des­re­gie­rung ver­an­laßt – da kön­nen die Grü­nen bis dato nei­disch wer­den – und die »spür­ba­re Auf­wer­tung« des Anti­fa­schis­mus erfolg­te lager­über­grei­fend »in den letz­ten Jah­ren« (Eck­hard Jes­se in der NZZ v. 21.4.21).

Vom »kon­ta­mi­nier­ten Ter­mi­nus des Anti­fa­schis­mus« (Jes­se) kön­nen sie mitt­ler­wei­le folg­lich alle nicht las­sen. Ob schwarz, gelb oder grün, rot oder dun­kel­rot – Anti­fa­schis­mus ist jenes Vehi­kel, das der links­ex­tre­mis­ti­schen Sze­ne Bünd­nis­op­tio­nen bis weit in die libe­ra­le Mit­te hin­ein verschafft.

Jes­se warnt daher:

Ein demo­kra­ti­sches Ver­ständ­nis ver­mag mit dem teils instru­men­ta­li­sier­ten, teils ver­eng­ten Begriff des Anti­fa­schis­mus wenig anzu­fan­gen. Wer dies anders sieht, tippt in eine Antifaschismus-Falle.

– –

Ohne staat­li­che Finanz­spri­ten wäre so man­ches Anti­fa-Pro­jekt längst plei­te. Das ist kein Lehr­satz des Wut­bür­gers, son­dern seit Jah­ren tris­te BRD-Rea­li­tät. Wohin das führt, sah man zuletzt im beschau­li­chen Dres­den-Losch­witz, wo die Buch­hand­lung Susan­ne Dagens von lin­ken Tätern heim­ge­sucht wurde.

Im Gegen­satz zu zahl­lo­sen Angrif­fen auf die soge­nann­te »alte«, natio­na­lis­ti­sche Rech­te der ver­gan­ge­nen zwei, drei Wochen – alles Nöti­ge dazu hier – hat die­ser Anschlag es zumin­dest über die Sei­ten­spal­te der Pro­vinz­blätt­chen hin­aus geschafft, obschon (noch?) nicht über die Lan­des­gren­zen Sach­sens hinaus.

Im Feuil­le­ton der Säch­si­schen Zei­tung (v. 22.4.21) fragt Oli­ver Reinhard:

Ist Gewalt gegen ‘Miss­lie­bi­ge’ weni­ger verdammenswert?

Rein­hard steigt ein mit einer Schil­de­rung der Situation:

In der Nacht zum Mon­tag haben Unbe­kann­te einen Anschlag auf eine Dresd­ner Buch­hand­lung ver­übt, das Schau­fens­ter ein­ge­schmis­sen, eine Fla­sche mit But­ter­säu­re hin­durch­ge­wor­fen. Die war offen­bar ver­se­hen mit einem Zün­der; Bücher hät­ten mög­li­cher­wei­se Feu­er fan­gen, noch schlim­me­re Fol­gen ein­tre­ten kön­nen – die 19-jäh­ri­ge Toch­ter der Buch­händ­ler schlief allein in der Woh­nung über dem Laden.

Der Autor weiß mit­zu­tei­len, daß übli­cher­wei­se »sol­che Anschlä­ge auf Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen« in Deutschland

schnell sehr brei­ten und lau­ten Pro­test her­vor. Schließ­lich gel­ten sie als Hor­te des Geis­tes­le­bens, der Gedan­ken- und Kunst­frei­heit, als Sym­bo­le für das kul­tu­rel­le Mit­ein­an­der in jener Viel­falt, die das Grund­ge­setz garan­tiert, schützt, for­dert und för­dert. Doch in die­sem Fall bleibt das Echo lokal begrenzt und der Auf­schrei rela­tiv ver­hal­ten, vor allem im leben­digs­ten Empö­rungs­me­di­um Twit­ter. Womög­lich, weil das Dresd­ner Buch­haus Losch­witz nicht irgend­ei­ne Buch­hand­lung ist.

Davon abge­se­hen, daß mir »rech­te« Anschlä­ge auf Buch­hand­lun­gen (!) schlech­ter­dings nicht bekannt sind, hat Rein­hard natür­lich Recht: Trifft es Kon­ser­va­ti­ve oder zumin­dest Nicht-Lin­ke, dann schweigt die Kul­tur­schi­cke­ria eben­so wie die ver­ei­nig­te Poli­tik (Hin­ter­grün­de: sie­he grü­ne Hege­mo­nie wei­ter oben).

Rein­hard weiß aber zu ver­mel­den, wes­halb Susan­ne Dagen »in der Kri­tik« (ein But­ter­säu­re­an­schlag ist dann rabia­te »Kri­tik«?) ste­he: Sie enga­gie­re sich als Stadt­rä­tin für die Frei­en Wäh­ler und initi­ier­te die »Char­ta 2017« für mehr Mei­nungs­frei­heit. Doch es kommt dicker:

Oben­drein betreibt Frau Dagen einen Video­talk mit der rechts­ra­di­ka­len Akti­vis­tin Ellen Kositza, ist gut ver­netzt mit dem neu­rech­ten „Insti­tut für Staats­po­li­tik“ des Thü­rin­ger Ver­le­gers und Kositza-Ehe­man­nes Götz Kubit­schek und orga­ni­siert gele­gent­lich Ver­an­stal­tun­gen mit Leu­ten wie Mar­tin Sell­ner, Kopf der eben­falls rechts­ra­di­ka­len Iden­ti­tä­ten Bewegung.

Anstatt ein­fach die Gewalt zu ver­ur­tei­len und in der lin­ken Sze­ne auf jour­na­lis­ti­sche Spu­ren­su­che nach den Tätern zu gehen, wird also ein Popanz um »Rechts­ra­di­ka­lis­mus« (und eine obsku­re Iden­ti­tä­ten Bewe­gung) auf­ge­baut, bei dem im Zuge der Name­drop­ping-Agen­da auch noch Thü­rin­gen mit Sach­sen-Anhalt ver­wech­selt wird, was einem säch­si­schen, also eben­falls mit­tel­deut­schen Medi­um durch­aus schlecht zu Gesicht steht.

Aber viel­leicht ver­schafft sich Rein­hard auch nur den nöti­gen Absi­che­rungs­frei­raum, des­sen jeder bedarf, der den Fin­ger in die Wun­de links­li­be­ra­ler Mei­nungs­do­mi­nanz legt:

Dass aus dem Bereich der Kul­tur in klas­si­schen und sozia­len Medi­en weni­ger „frei­wil­li­ge“ – also nicht erst nach­ge­frag­te – Ver­ur­tei­lun­gen eines Anschlags auf den Laden einer „Neu­en Rech­ten“ zu hören sind, scheint wenig ver­wun­der­lich. Ist doch das kul­tu­rel­le Leben in Deutsch­land samt sei­ner zen­tra­len Insti­tu­tio­nen eher libe­ral bis links aus­ge­rich­tet und posi­tio­niert sich groß­teils deut­lich gegen sol­che Ansich­ten, für die auch Susan­ne Dagen steht. Gegen­tei­lig sieht es oft­mals aus, wenn sich Anschlä­ge gegen libe­ra­le bis lin­ke Kul­tur­or­te rich­ten; auf lau­te Auf­schreie kann man sich nahe­zu verlassen.

Rein­hard zu Gute zu hal­ten ist, daß er in die vir­tu­el­le Jau­che­gru­be des Anti­fa­schis­mus steigt und des­sen Obs­zö­ni­tä­ten der Leser­schaft übermittelt:

‘Es ist ledig­lich das Eigen­tum einer völ­ki­schen Faschis­tin beschä­digt wor­den, einer Frau, die auf ekel­haf­te Wei­se seit Jah­ren völ­ki­sche Pro­pa­gan­da betreibt’, rela­ti­vier­te etwa eine Kom­men­ta­to­rin auf Face­book. Ande­re recht­fer­ti­gen die Gewalt­tat sogar mit ‘Argu­men­ten’ wie ‘Wer faschis­ti­sches / ras­sis­ti­sches Gedan­ken­gut in sich trägt muss sich nicht wun­dern, wenn Angrif­fe pas­sie­ren!’ Eine eben­so klas­si­sche wie vul­gä­re und im Kern zutiefst anti­de­mo­kra­ti­sche und rechts­staats­feind­li­che Täter-Opfer-Umkehr.

Kla­re Wor­te, immer­hin. Jen­seits von Dres­den wäre es über­dies undenk­bar, daß Funk­tio­nä­re der Stadt­po­li­tik ihre Soli­da­ri­tät mit dem Opfer der lin­ken Gewalt aus­spre­chen. Dazu zählt der Ober­bür­ger­meis­ter Dirk Hil­bert (FDP) eben­so wie die Kul­tur­bür­ger­meis­te­rin Anne­kat­rin Klepsch (Die Lin­ke). Wäh­rend bei­de loka­len Gran­den ihre Betrof­fen­heit in typi­schem Polit­sprech aus­drü­cken, wird Hei­ki Ikko­la, Inten­dant des Socie­ta­ets­thea­ters, deutlicher:

Das ist eine gro­ße Scheis­se. Das sabo­tiert jede argu­men­ta­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zung, jeden Dia­log. Wer immer das war: Ihr ver­tieft die Grä­ben in der Gesell­schaft und schürt das erhitz­te Kli­ma wei­ter an. Ich kotze.

Damit könn­te man es bewen­den las­sen. Doch muß sich – in Dres­dens lite­ra­ri­scher Welt unver­meid­lich – auch der Schrift­stel­ler Durs Grün­bein zu Wort mel­den, und sei­ne Bemer­kung spricht Bän­de. Nach einer pflicht­schul­di­gen Ver­ur­tei­lung des Ter­rors (»Der Anschlag ist ein Gewalt­akt und abso­lut zu ver­ur­tei­len«) setzt umge­hend die Rela­ti­vie­rung ein:

Im Übri­gen sind der­lei Anschlä­ge, auch auf Büros von AfD-Abge­ord­ne­te, voll­kom­men kon­tra­pro­duk­tiv und des­halb ärger­lich. Ich kann nur hof­fen, dass dar­aus kein poli­ti­sches Kapi­tal geschla­gen wird und wün­sche mir zügi­ge Auf­klä­rung des Falls.

Kann ein Grün­bein nicht ein­fach pos­tu­lie­ren: Soli­da­ri­tät mit den Opfern jed­we­der Gewalt, Ende? Statt des­sen sind die Taten »kon­tra­pro­duk­tiv und des­halb [!] ärger­lich«, weil Rech­te dar­aus womög­lich »poli­ti­sches Kapi­tal« schlagen.

Mit einer sol­chen Wen­dung wird Dagen ein zwei­tes Mal als Per­son ange­grif­fen: erst durch die anti­fa­schis­ti­schen Täter, dann durch einen anti­fa­schis­ti­schen Dich­ter, des­sen größ­te Sor­ge nicht die anhal­ten­de Gewalt­es­ka­la­ti­on lin­ker Krei­se ist, ja noch nicht mal die Gefahr für Leib und Leben von lin­ker Gewalt Betrof­fe­ner – wir erin­nern uns an die wei­ter oben zitier­te Zei­le, wonach

die 19-jäh­ri­ge Toch­ter der Buch­händ­ler allein in der Woh­nung über dem Laden schlief.

Grün­bein besorgt aus­weis­lich der Stel­lung­nah­me gegen­über der Säch­si­schen eine poten­ti­ell denk­ba­re poli­ti­sche Fol­ge­wir­kung auf »Rech­te«. Wenn Grün­bein »aus Ein­sam­keit Huma­nist« ist (in: Zünd­ker­zen), dann han­delt es sich hier­bei wohl um zeit­ge­nös­si­schen Huma­nis­mus im End­sta­di­um der Depravation.

Es geht auch anders, wie Jörg Stü­bing zeigt, der die Buch­hand­lung »Büchers Best« betreibt. In einem Offe­nen Brief fragt der expli­zi­te Geg­ner der poli­ti­schen Rechten:

Zählt Gewalt gegen Buch­händ­ler nichts, wenn die­se poli­tisch unlieb­sam sind? Was ist mit Euch und Ihnen? Wo gibt es hier eine Erklä­rung / Posi­tio­nie­rung dazu? Was sagt das Kul­tur­amt? Die Sei­ten vom Lite­ra­tur­netz Dres­den, der Biblio­thek, Lite­ra­tur erle­ben in Dres­den etc. voll mit dem Übli­chen, als ob nichts gesche­hen wäre, nur nicht mit dem was hier deut­lich die Regeln bricht.

Stü­bing schließt sei­nen emo­tio­na­len Appell:

Bit­te tre­tet in Erschei­nung, äußert Euch. Nicht bei mir. Drau­ßen. Frei­heit hat Ihre Kos­ten. Das sind sie.

Ein Appell, der wir­kungs­los ver­puf­fen wird. Aber immer­hin: ein Appell, nament­lich gezeich­net, mit deut­lich ver­nehm­ba­ren Zorn. Das ist in Zei­ten der anhal­ten­den Trans­for­ma­ti­on der frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung in eine anti­fa­schis­ti­sche Tyran­nei mehr, als es den Statt­hal­tern und Cha­rak­ter­mas­ken der links­li­be­ra­len Hege­mo­nie recht sein dürfte.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (45)

Jan

22. April 2021 21:28

Die Grünen konnten den vorpolitischen Raum erobern, weil ihre Inhalte nicht kriminalisiert und verfolgt wurden und außerdem beim globalistischen Kapital auf Interesse stießen. Rechte Inhalte hingegen werden kriminalisiert, verfolgt und zensiert. Für's Kapital sind rechte Thesen nicht interessant, mitunter sogar störend und geschäftsschädigend. Die Rolle der Medien als grüne Multiplikatoren, die rechte Thesen ausgrenzen und diffamieren, ist hinreichend beschrieben worden.

Wie unter solchen Umständen im vorpolitischen Raum eine Hegemonie erzielt werden soll, ist mir schleierhaft.   

Alter weiser Mann

22. April 2021 21:50

Die FAZ hat heute (22.04.) vomAnschlag berichtet und ihn ohne Hinweis auf rechte Aktivitäten klar verurteilt.

Der Gehenkte

22. April 2021 22:36

" Eine Hegemonie auf mehreren Ebenen ist nur dann zu erlangen, wenn eine politische oder weltanschauliche Bewegung ihre eigenen Ideen im kulturellen und im vorpolitischen (also: metapolitischen) Raum als führend zu setzen vermag ..."

Das ist nun freilich nur die halbe Wahrheit - die andere Hälfte ist die entscheidende. Hegemonie kann nur dort erlangt werden, wo die Theorie die brennenden Fragen der Zeit beinhaltet, wo sie sich an der Realität messen kann. Die Grünen sind deshalb erfolgreich, weil sie die größte Krise in der gesamten Geschichte der Menschheit bewirtschaften. Ihr Entstehen ist vollkommen konsistent und sogar (an sich) begrüßenswert.

Das Bedauerliche ist, daß der Konservatismus sich dieses Thema - das sein ureigenes, organisch in ihm verwurzeltes ist - hat stehlen lassen. Nun muß er mit den politischen Nebenwirkungen leben. Den theoretischen und organisatorischen Vorlauf einzuholen, wird schwer werden - man muß es versuchen. Optimistisch stimmt, daß der akzelerationistische und universalistische Ansatz linker Politik der Logik der Hege, Pflege und Schonung widerspricht.

Hegemonie ist nicht einfach technisch oder durch höhere Intelligenz machbar oder "zu setzen" - sie korreliert zwangsläufig mit dem Sein und dem Werden. Geht die Intelligenz am Seinszustand vorbei, hilft alles Klugsein nicht und auch nicht irgendeine mediale Verstärkung oder gar Kontrolle.

 

 

Lotta Vorbeck

22. April 2021 22:40

@Alter weiser Mann - 22. April 2021 - 09:50 PM

"Die FAZ hat heute (22.04.) vom Anschlag berichtet und ihn ohne Hinweis auf rechte Aktivitäten klar verurteilt."

---

Uff! - Na dann, wohlan!

Utz

22. April 2021 22:47

> ... daß alle großen Umwälzungen der Geschichte

nichts anderes getan haben, als eine Entwicklung in die Tat umzusetzen, die sich zuvor schon unterschwellig in den Geistern vollzogen hatte...<

Es war nicht nur die unterschwellige Entwicklung. An so Beispielen wie Greta und Rezo ist doch deutlich zu sehen, daß gewisse Leute eine Menge Geld in die Hand genommen haben um eine "unterschwellige" Entwicklung zu pushen, wenn nicht überhaupt erst ins Leben zu rufen.

Laurenz

22. April 2021 22:50

@Jan

"Die Grünen konnten den vorpolitischen Raum erobern, weil ihre Inhalte nicht kriminalisiert und verfolgt wurden und außerdem beim globalistischen Kapital auf Interesse stießen."

Nein, umgekehrt. Die Grünen sind die Verkäufer krimineller Inhalte, der politische Arm der globalen Medienkampagne, der allerdings nur bei uns deutschsprachigen Deppen so funktioniert. Woanders machen die Pseudo-Grünen keinen Meter.

Allerdings gebe ich Ihnen zu Bedenken, dieselbe Kampagne versagte bei Clinton.

Der Joseph

23. April 2021 06:49

Auch Spiegel Online hatte zeitnah und sachlich berichtet. Allerdings nicht ohne am Schluß Frau Dagen in einen „Dunstkreis“ mit Schnellroda zu stellen.

In den Kommentarspalten wurde ich positiv überrascht. Die Mehrheit der Kommentare ( so schien mir) hat den Anschlag eindeutig abgelehnt.

Laurenz

23. April 2021 08:46

Die JF leidet wohl unter dem Relotius-Problem. Ihr rennen wohl die Leser weg, ohne daß man dafür von Bill Gates entlohnt wird. Man besinnt sich wohl auf alte Tugenden .....

https://jungefreiheit.de/kultur/2021/uni-ub-freiburg-buecher-lichtmesz/

 

Imagine

23. April 2021 09:10

1/2

@Jan   22. April 2021 21:28
„Die Grünen konnten den vorpolitischen Raum erobern, weil ihre Inhalte nicht kriminalisiert und verfolgt wurden und außerdem beim globalistischen Kapital auf Interesse stießen.“

Nicht nur Interesse. Die grüne Ideologie ist ein Produkt des Großkapitals. Siehe „Club of Rome“, siege Geschichte der grünen Partei.

Aber diese wiederholt vorgebrachten Hinweise werden hier in der Diskussion ignoriert.

@Der Gehenkte   22. April 2021 22:36

„Das ist nun freilich nur die halbe Wahrheit - die andere Hälfte ist die entscheidende. Hegemonie kann nur dort erlangt werden, wo die Theorie die brennenden Fragen der Zeit beinhaltet, wo sie sich an der Realität messen kann. Die Grünen sind deshalb erfolgreich, weil sie die größte Krise in der gesamten Geschichte der Menschheit bewirtschaften.“

Das ist zutreffend, allerdings auch nur die halbe Wahrheit. Die Grünen sind so erfolgreich, weil sie dieses Thema kapital- und systemkonform einbringen.

Die „Realos“ haben die kapitalismuskritischen Ökosozialisten dazu gebracht, die Partei zu verlassen.

Die grüne Partei wird seit Jahrzehnten von neoliberalen Kräften dominiert. In der Regierung Schröder-Fischer waren die Grünen die neoliberalen Antreiber.
 

Imagine

23. April 2021 09:15

2/2

Auch Baerbock ist völlig systemkonformistisch.

Es deutet sich bereits schon an, dass sie von den Medien so hoch gehypt wird, wie Obama in den USA und damals der Plagiator Guttenberg als „neuer Politikertyp“ und Hoffnungsträger.

Figuren wie B. sind geeignet, beim „Great Reset“ eine Gesundheitsdiktatur und Öko-Faschismus durchzusetzen.

Bei den Grünen gab es schon immer eine Tendenz in diese Richtung. Wolfgang Pohrt publizierte bereits im SPIEGEL v. 21.12.1980 einen Artikel mit dem Untertitel: „Das braune Grün der Alternativen“.

Es gibt in Deutschland keine kapitalismuskritische Partei, nicht einmal starke systemkritische Tendenzen wie früher in der SPD und anfangs bei den Grünen.

Linke Sozialdemokraten wie Albrecht Müller und dessen Anhänger können sich gar nichts anderes als ein kapitalistisches System vorstellen.

Selbst Wagenknecht  hat man sich schon lange von der marxistischen Systemkritik verabschiedet.

Die AfD war nie eine Systemalternative. Weder Meuthen noch Höcke stehen für Systemkritik am Kapitalismus.

Unter den patriotischen Rechten mag es einige Kapitalismuskritiker geben, aber deren Positionen – wie jene von Thor v. Waldstein - werden nicht offensiv propagiert. Er ist einer der ganz Wenigen, der erkannt hat, dass eine Volksgemeinschaft nur möglich ist in einem Sozialismus.

Die AfD ist – wie die anderen Parteien – ein Sammelsurium systemkonformistischer Opportunisten.

Utz

23. April 2021 10:12

@ Imagine

> Es gibt in Deutschland keine kapitalismuskritische Partei, nicht einmal starke systemkritische Tendenzen wie früher in der SPD und anfangs bei den Grünen.<

Das kann ja auch nicht verwundern. Wo sollen denn sonst die Parteispenden herkommen. Und mit Spenden ist nicht nur Geld gemeint, sondern auch Seminare, Förderung und karriereförderliche Vernetzung.

Laurenz

23. April 2021 10:18

@Der Joseph

Warum sollte man auch nicht in den Dunstkreis von Schnellroda gestellt werden? Hat Schnellroda jemals eine echte oder virtuelle Bücherverbrennung veranstaltet, wie das Der Relotius regelmäßig durchzieht? In Schnellroda schneidet man sich selbst vorher den Arm ab, der das Feuerzeug hält.

Um das zu begreifen, & das scheint hier vielen schwer zu fallen, muß man sich einfach in die Macher der mächtigen USA & in deren Propaganda-Sprachrohre, wie Der Relotius, hineinversetzen können.

Die USA verstehen sich selbst als "Princess of the Universe" & da ist es völlig gleichgültig, wer, wo & mit wem leben muß. Umso entwurzelter die Erdenbürger sind, umso leichter die Herrschaft. Daraus ergibt sich in der Konsequenz der Neo-Kolonialismus, der jetzt eben nur alle betrifft. Der globale Anspruch wird bloß fälschlicherweise als links oder liberal definiert, in Wirklichkeit ist er fachistoid & totalitär. Im Grunde entspricht Der Relotius dem Stürmer in der Feindpropaganda & steht weit rechts vom philosophischen Revolutionär GK. Alles nur Theater. Und es bleibt sich doch völlig gleich, um man Buttersäure auf Bücher schmeißt oder Freudenfeuer mit Büchern veranstaltet. Alle diejenigen, die den Zugang zu jeglichen Büchern verhindern wollen, stehen in einer Reihe mit Josef Goebbels & Feliks Dzierżyński.

RMH

23. April 2021 10:27

Der vorpolitische Raum ist das eine und dieser war bereits vor der Gründung der Grünen gut bestellt ("Projekt der 68er"). Das andere und untrennbare davon ist, dass den Grünen die Tore zu echten Politik sehr früh weit geöffnet wurden und zwar zunächst von der SPD. Noch / schon Willy Brandt erkannte die Optionen für Mehrheiten jenseits der Union, Lafontaine zog damit in einen Wahlkampf und schon 1985 war es in Hessen soweit. Die AfD ist im Jahr 8 seit Gründung  meilenweit davon entfernt. Die Grünen wurden über ihre Realos zu dem, was sie sind, mit freundlicher Unterstützung der anderen Parteien und den Medien.

Aber auch für die Grünen gilt irgendwann: everybody's Darling, is soon everybody's ....

RMH

23. April 2021 10:41

@Imagine,

Die Grünen wurden am Anfang gerade von der Wirtschaft durchaus bekämpft und als Arbeitsplatzvernichter dargestellt. Erst als es gelang, den Leuten zu verkaufen, dass bspw. Umwelttechnik ein gutes Geschäft sein kann, kam der Durchbruch.

KlausD.

23. April 2021 11:21

@Der Gehenkte  22. April 2021 22:36

"Das Bedauerliche ist, daß der Konservatismus sich dieses Thema (hier: Naturschutz, Umwelt) - das sein ureigenes, organisch in ihm verwurzeltes ist - hat stehlen lassen."

Naja, immerhin widmet sich die Zeitschrift "Die Kehre - Zeitschrift für Naturschutz" diesen Themen.

https://die-kehre.de/

https://taz.de/Rechtes-Oeko-Magazin-Die-Kehre/!5690299/

Wohl müßte in der Breite mehr gemacht werden. Genau dieser Gedanke kam mir vor 2 Jahren auf der Radtour zur "Kulturellen Landpartie" im Wendland, eine Art Volksfest mit grünem Hintergrund.

https://www.kulturelle-landpartie.de/

Beim Anblick der selbstzufriedenen "grünen Tanten", die ja nach außen hin vor allem die Themen Natur und Umwelt beackern, bin ich schon etwas neidisch geworden. Könnte das in der Art nicht auch eine Aufgabengebiet für die IB sein?

Imagine

23. April 2021 11:45

@RMH   23. April 2021 10:41
„Die Grünen wurden am Anfang gerade von der Wirtschaft durchaus bekämpft und als Arbeitsplatzvernichter dargestellt. Erst als es gelang, den Leuten zu verkaufen, dass bspw. Umwelttechnik ein gutes Geschäft sein kann, kam der Durchbruch.“

Da muss man unterscheiden. Von den Superreichen und den Global Players wurden die Grünen von Anfang an gefördert und unterstützt (s. Club of Rome etc.), von den KMUs zunächst bekämpft, bis sie erkannten, dass die Grünen neue Märkte eröffnen, wo man insbesondere mit staatlichen Subventionen gute Profite machen kann.

Der Witz ist eben, dass es bei der Globalisierung Gewinner und Verlierer gibt.

Die Global Players wie Internetunternehmen (Gates, Apple, Google, Facebook, Amazon etc.), Big Pharma oder Goldman Sachs gehören zu den Gewinnern, viele KMUs zu den Verlierern.

Durch die Lockdown-Politik kommt es jetzt zum großen Sterben von KMUs, wovon die genannten Global Players die großen Gewinner sind.

Jetzt wollen die KMUs, die ansonsten mehrheitlich Gegner des Sozialstaats sind, Sozialhilfe vom Staat für ihre Unternehmen .

Der Gehenkte

23. April 2021 12:16

@imagine

"Das ist zutreffend, allerdings auch nur die halbe Wahrheit. Die Grünen sind so erfolgreich, weil sie dieses Thema kapital- und systemkonform einbringen."

Das ist richtig, allerdings auch nur zur Hälfte. Wenn man sich die frühen Texte der Ökobewegung vor Augen führt (Gruhl: Ein Planet wird geplündert 1975, Amery (Katholik): Die ökologische Chance 1976; Bahro: Die Alternative 1977 und Logik der Rettung; Harich: Kommunismus ohne Wachstum 1975;  Drewermann: Der tödliche Fortschritt 1990; Sieferle: Fortschrittsfeinde 1984 ... um nur einige der bekanntesten zu nennen), dann wird man sehen, daß dort die Kapitallogik vehement angegriffen wurde.

Die Systemkonformität fand in einem komplexen historischen Prozeß statt, in dem sich zuerst "das Kapital" der Ökologie annäherte und dann erst die Grünen sich dem schon angepaßteren "Kapital" usw. - wir haben es mit einem Synergieeffekt zu tun, der über zahllose beidseitige Häutungen zum jetzigen Zustand führte. Die Entscheidungen waren jeweils Mikroentscheidungen, also meist pragmatisch, ganz taktisch, situativ, persönlich, machtorientiert getroffen, die sich erst in der historischen Perspektive zu einer Richtung bündeln. Es gibt da - wie beim Great Reset - keinen großen Plan, sondern nur Entwicklungen. Wie Deleuze sagte: Im Sein gibt es Unterschiede, aber nichts Negatives.

Alter weiser Mann

23. April 2021 12:53

@RMH, Imagine

Sie haben die hegemoniale Strategie nicht verstanden. Es gilt, geistig in den Mainstream einzudringen, ihn an seinen Widersprüchen zu fassen und im Sinne der eigenen Ideen zu verändern. Die Macht kommt dann von allein. Damit waren die Grünen erfolgreich. Der Mainstream glaubt an ihre Ideen. Das die Ideen dann noch zu den Interessen der alten Hegemonie passen, macht den Sieg vollkommen.

Sie fallen immer wieder zurück zu den bösen Mächten, die das ganze angerichtet haben. Bei grün und Corona. Sie erliegen der gnostischen Versuchung. Wenn das ihre Überzeugung ist, dann bleibt ihnen nur der Volksaufstamd, das ist aber keine hegemoniale Strategie.

Schnellroda leistet einen wichtigen Beitrag zur hegemonialen Strategie. Sie decken nicht alles ab, aber sie haben das erforderliche geistige Niveau. Und sie sind irgendwie die einzigen, die es auf Rechts bisher erreichen. Deshalb bin ich hier.

Den Corona-Nonsense auf diesen Seiten verzeihe ich. Auch Carl Schmitt hat esoterischen Murks verzapft. Das schmälert sein Werk nicht und so ist es auch mit Schnellroda.

anatol broder

23. April 2021 12:59

@ der gehenkte 22:36

«die grünen sind deshalb erfolg­reich, weil sie die grösste krise in der ge­samten ge­schichte der mensch­heit be­wirt­schaften.»

ich traue mich gar nicht zu fragen, welche das sein soll.

interessant finde ich übrigens, dass hier die frei­heit­lichen vor­stösse der grünen wie etwa der datenschutz oder die hanf­frei­gabe nie er­wähnt ge­schweige denn über­nommen werden. solche blind­heit für tief­hängende früchte ver­rät erfolg­lose belagerer.

Gustav

23. April 2021 13:44

@ Der Gehenkte

Mach Sie doch nicht alles immer noch undurchsichtiger durch ihr pseudo-intellektuelles Geschwurbel. Die Zusammenhänge liegen doch für jedermann ganz offen. Das wußten viel weniger Verschwurbelte schon vor einhundert Jahren:

Dies begriff Lenin sehr wohl: Dass einem Ideen allein nicht weiterhelfen, dass man keine Revolution machen kann, ohne Macht zu haben, dass in unserer Zeit die Hauptquelle der Macht das Geld ist und dass alle anderen Formen der Macht - Organisation, Waffen sowie Menschen, welche diese Waffen zum Töten benutzen können - vom Gelde abhängen.

Alexander Solschenizyn , Lenin in Zürich

 

 

anatol broder

23. April 2021 14:07

@ benedikt kaiser

«arbeitsteilig und nachhaltig gesät.»

so einfach ist das nicht. die arbeits­teilung führt nur bei einem be­stimmten grad zu einer erhöhten wirk­sam­keit. ist der zenit über­schritten, macht sich die reibung geltend. so­bald die grünen jeden wichtigen posten mit einer karikatur von harry und meghan be­setzt haben, rechne ich mit be­scheidenen wahl­ergeb­nissen.

auch gauland und weidel wirken auf mich so kitschig wie porzellan­täub­chen. seit wann reicht ein frak­tions­vor­sitzender nicht?

Laurenz

23. April 2021 14:25

@Alter weiser Mann @RMH, Imagine

Sie fallen viel zu sehr auf die nun in Deutschland angewandte Clinton-Kampagne herein.

In meinem Wahllokal bin ich Wahlhelfer, die Pseudo-Grünen sind dort schon länger die stärkste Kraft. Deren Wähler, die ich bereits über mehrere Jahre wahltechnisch betreue, gehören in der Regel zu einer Bevölkerungsschicht, die von den Pseudo-Grünen gefüttert & gepämpert wird, aber tatsächlich nichts produziert. Das läßt sich auch durch Gelddrucken nicht beliebig ausdehnen. Schon gar nicht werden damit Nicht-Wähler-Reservoirs angezapft.

Also warten Sie doch einfach mal die BTW ab, wenn sie überhaupt stattfindet. So, wie es aussieht, fällt diese Wahl flach, und die Staatsratsvorsitzende bleibt für die nächsten Jahre weiterhin mit einem Not-Kabinett im Amt. Das kennen wir doch schon.

Es bliebe zweifelhaft, ob es eine rot-rot-grüne Mehrheit geben würde, genausowenig, wie eine "bürgerliche" Mehrheit im Meuthen'schen Sinne, und auch schwarz-grün wird keine Mehrheit erhalten.

Gustav

23. April 2021 14:27

@ Imagine

"....dass eine Volksgemeinschaft nur möglich ist in einem Sozialismus."

Wenn überhaupt, dann in einem Preußischen Sozialismus nach Oswald Spengler.

„Und damit ist die Aufgabe gestellt: es gilt, den deutschen Sozialismus von Marx zu befreien. Den deutschen, denn es gibt keinen andern. Auch das gehört zu den Einsichten, die nicht länger verborgen bleiben. Wir Deutsche sind Sozialisten, auch wenn niemals davon geredet worden wäre. Die andern können es gar nicht sein.“ (Oswald Spengler, Preußentum und Sozialismus, 1919, S. 4).

Der Sozialismus, das noch immer unverstandene Preußentum ,ist ein Stück Wirklichkeit höchsten Ranges, Marx ist – Literatur.

 

Waldgaenger aus Schwaben

23. April 2021 14:47

Zum Thema Grüne und Kapital:

Zu Beginn meines Berufslebens, Mitte der 1980iger Jahre, machte ichbeim einem süddeutschen Elektrokonzern einen Kurs für hoffungsvolle Nachwuchsmanager (die Hoffung blieb unerfüllt).    Eines ist mir in Erinnerunge geblieben:

Frage: Was ist das oberste Ziel unseres Unternehmens.

Meine Antwort, wie ich noch an der Uni gelernt hatte: "langfristige Gewinnmaximierung"

Gegenrede des Dozenten:Langfristig ist richtig,  Gewinnmaximierung ist falsch.

Unser oberstes Ziel das langfristige Überleben.

Hier ist IMHO in der Nussschale der Wandel der Freien Marktwirtschaft zum Staats-Kapitalimus beschrieben. Überleben kann ein Unternehmen auch  mit Staatsgeldern,  ja sogar als verstaatlicher Betrieb. Das wesentliche Element der Freien Marktwirtschaft die kreative Zerstörung unproduktiver Betriebe ist einem grundlegenden Mentalitätswandel zum Opfer gefallen. Das Leitbild ist nicht mehr der  Freie, staatsferne Unternehmer, sondern der abgesicherte Beamte.

Ich denke auch die Gründe liegen viel tiefer als eine gute metapolitische Arbeit er 1968iger, die nur ein opportunistischer Infekt an einem geschwächten Körper waren.

Utz

23. April 2021 16:21

Beim Thema Grüne und Kapital ist meines Erachtens das Thema Demokratie ganz wichtig. Auch wenn die Grünen die Kapitallogik angreifen, (wissen sie überhaupt, was sie da tun?), sind sie die idealen Verbündeten für das Kapital. Welche andere Partei hat so viele Ideale und hält diese so hoch, daß sie sagt: um diese durchzusetzen, ist alles erlaubt (wo gehobelt wird, fallen Späne). Nur mit den Grünen wäre ein chinesisches Social-Credit-System in Deutschland durchzusetzen, schließlich muß man die Umwelt- und sonstigen Sünder überwachen. For the better good ist es wichtig, auch mal kleinliche Bedenken wegen Demokratie und so, zurückzudrängen. Demgegenüber halte ich die Gewinnaussichten auf dem Ökosektor für eher vernachlässigbar. Es geht um mehr.

Imagine

23. April 2021 16:38

Gibt es irgendetwas Neues bei den Thesen von Hedwig Richter, auch nur eine einzige neue Erkenntnis?

Nein, nichts.

Dennoch befassen sich die Feuilleton-Schwätzer damit, weil es ein willkommener Anlass ist, dazu publizieren, sich darstellen und Zeilenhonorar bekommen zu können.

Tatsächlich ist es alter Quark, zudem noch schlecht angerichtet, was Richter serviert.

Dass der Faschismus eine Variante bürgerlicher Herrschaft war und ist, wissen wir schon von Reinhard Kühnl seit einem halben Jahrhundert (cf.Formen bürgerlicher Herrschaft. Liberalismus - Faschismus“ 1971).

Funktioniert die Marktökonomie nicht mehr richtig im Sinne der Kapitalverwertung, dann gehen die Wirtschaftsbürger zwecks Aufrechterhaltung des kapitalistischen Systems zur diktatorischen und terroristischen Herrschaftsform über, vor allem dann, wenn ein Systemwechsel droht.

Mit den klaren Worten des Thatcher-Freundes Pinochet:
„Die Demokratie muss gelegentlich in Blut gebadet werden, damit die Demokratie fortbestehen kann.“

Laurenz

23. April 2021 17:36

@Anatol Broder @BK

!Auch Gauland & Weidel wirken auf mich so kitschig wie Porzellan­täub­chen. Seit wann reicht ein Frak­tions­vor­sitzender nicht (aus)?(!)"

Waren Sie schon mal auf einem AfD-Parteitag? Oder haben Sich einen im Lichtspielgerät das ganze Wochenende reingezogen?

Mutmaßlich nicht.

Sollten Sie mal tun, dann wüßten Sie nämlich, daß die Doppelbesetzungen den verschiedenen Strömungen der Partei geschuldet sind, um soweit möglich, ein Gleichgewicht herzustellen. Alle die Co-Sprecher, die versuchten, hiervon wegzukommen und Allein-Herrscher zu werden, wurden von Delegierten oder Mitgliedern abgesetzt.

Und ein doppelter Fraktionsvorsitz bringt mehr Geld, welches die Partei dringend braucht. Hier geht es um jeden Cent. Machen Sie jedes Jahr eine Mio.-Spende & man wird dann vielleicht davon absehen können.

Der Gehenkte

23. April 2021 20:12

@ Gustav

"Mach Sie doch nicht alles immer noch undurchsichtiger durch ihr pseudo-intellektuelles Geschwurbel. Die Zusammenhänge liegen doch für jedermann ganz offen."

Gut, daß wir jetzt alle Bescheid wissen.

Ihre Anmerkung ist nur aus kommunikationstheoretischer Sicht ein bißchen interessant. Auf den Versuch einer Differenzierung - sie mag gelungen sein oder nicht - folgt der Hammer der totalen Entdifferenzierung. Schluß! Aus! Vorbei! Das Geld isses! Basta!

Wenn es nicht so typisch für Teile des Kommentariats wäre, könnte man es einfach weglächeln. Es ist ja um so lustiger, als wir uns hier auf einer Seite befinden, die seit vielen Jahren versucht, die Realitätsverschiebungen zu entknoten - durch Differenzierung ... was die gelegentliche Setzung des Eigenen nicht ausschließt.

Wenn Sie mal aus ihrem Solschenyzin auftauchen - übrigens einer seiner schwächsten Romane - dann lesen Sie mal Engels' Bauernkrieg: „Die mannigfaltig durcheinanderkreuzenden Bestrebungen der Ritter wie der Bürger, der Bauern wie der Plebejer, der souveränitätssüchtigen Fürsten wie der niederen Geistlichkeit, der mystifizierenden verborgenen Sekten wie der gelehrten und satirisch-burlesken Schriftstelleropposition erhielten in ihnen einen zunächst gemeinsamen, allgemeinen Ausdruck, um den sie sich mit überraschender Schnelligkeit gruppierten.“ So wird dort Luther hergeleitet.

anatol broder

23. April 2021 21:23

@ laurenz 17:36

ich sehe mir keine parteitage an.

geht es nun bei der doppelspitze der afd um «gleichgewicht» oder um geld? das letztere argument ist verständlich. warum zwei menschen eine fraktion besser vertreten sollen als nur einer, ist mir allerdings ein rätsel. ernsthafte frage: wäre den mitgliedern der afd ein dreifacher fraktionsvorsitz wegen mehr «gleichgewicht» noch lieber?

Pferdefuss

23. April 2021 21:44

Nach und nach wird man den Verdacht nicht los, dass die Künstler von den 'Behörden' willentlich oder wissentlich gegen Corona nur deshalb zugelassen wurden und werden, um sie, da angeblich von rechts vereinnahmt, medienwirksam das Gegenteil behaupten zu lassen. 

War es nicht Platon ('Der Staat'), der die Künstler wegen ihrer Wankelmütigkeit aus einer souveränen Staatsbildung und -führung ausgegliedert hat? 

 

Laurenz

24. April 2021 08:14

@Pferdefuss

Ich weiß nicht. Politiker sind meist schlechte Schauspieler, weil sie Schauspielerei nicht gelernt haben. Selbst Hitler meinte, üben zu müssen. Wenn Sie Sich Reden von Ronald Reagan anhören/anschauen, war seine erlernte Kunst den meisten Mitbewerbern überlegen. Er wußte eben, wie man einen Präsidenten spielt.

Im real existierenden Sozialismus war es noch schlimmer, da wurde auserwählt, insofern gab es keine Mitbewerber, mit denen man sich messen mußte. Viele Delegierte der Kommunistischen Parteien starben deswegen wohl vor Langeweile oder den übermäßig klatschenden Herzinfarkt.

Maiordomus

24. April 2021 08:25

@Schnellroda. Ich bin dort abonniert, weil man hier eine geistesgeschichtliche und geistespolitische Debatte führt, von Saint-Exupéry bis Klepper und Fallada, bedeutende, anderswo nicht gepflegte wissenschaftlche Autoren wie den tragisch resignierte, jedoch zu den besten deutschen Intellektuellen zählenden Sieferle weiter rezipiert und weil ich die Herausgeber als grundanständig mit Kriminalitätsquotient Null als voll integer erlebt habe mit nun mal Themen, wie sie bei den verschiedenen Richtungen des deutschen Konservativismus (nicht gerade jede die Richtung ist) zum Kanon beziehungsweise zum geistigen Interessengebiet gehören. Wer solche Stimmen nicht tolerieren kann, sei es an Buchmessen,  öffentlichen Veranstaltungen, Zitationen in Medien usw. steht den miesesten kuturellen Ausdrucksformen des Nationalsozialismus, Faschismuis und Kommunismus mit Sicherheit näher als einem auch nur annähernd freien und neugierigen Geistesleben. Zu berücksichtigen ist freilich, dass in Deutschland viele gegenüber einzelnen politischen Personen, etwa dem nun mal nicht ganz zufällig umstrittenen Höcke, auch psychisch bedingte Wahrnehmungsprobleme haben. Diesen würde ich aber gerne in der Bewährung als Lehrer sehen.

Gustav

24. April 2021 09:04

@ Der Gehenkte

Die Welt ist bei weitem nicht so kompliziert, wie sie die Herrschenden gerne darstellen. Die wahren Mächtigen und „Weltenlenker“, die vorgeben, wo es langgeht, sitzen heute oberhalb und unerreichbar von einzelnen Staaten, Institutionen und deren Jurisdiktion in einem monopol-und finanzkapitalistischen Olymp. Dieses Walhalla ist bevölkert von den Spitzenbankern der vernetzten Großbanken dieser Welt, von den Vorständen und Aufsichtsratsvorsitzenden multinationaler Monopolgesellschaften, von Medientycoonen, Ölscheichs und Oligarchen jeder Couleur bis hin zu Drogenpaten. Die Göttermütter und -väter in diesem Olymp sind die über allem thronenden, privaten Besitzerclans und Dynastien dieses Finanzhimmels, für die ihr unübersehbarer privater Kapitalbesitz vor allem eines bedeutet: Macht. Einzelmacht als Hauptgott und olympische Kollektivmacht über Menschen, Länder und Staaten.

Mit ihrem Hinweis, es wäre einer der schwächsten Romane Solschenyzins, bekommen sie diese Fakten nicht aus der Welt.

Gustav

24. April 2021 09:41

@ Imagine

"Dass der Faschismus eine Variante bürgerlicher Herrschaft war und ist, wissen wir schon von Reinhard Kühnl seit einem halben Jahrhundert..."

»Faschismus ist Antimarxismus, der den Gegner durch die Ausbildung einer radikal entgegengesetzten und doch benachbarten Ideologie und die Anwendung von nahezu identischen und doch charakteristisch umgeprägten Methoden zu vernichten trachtet, stets aber im undurchbrechbaren Rahmen nationaler Selbstbehauptung und Autonomie«. (Ernst Nolte)

Ihre Variante ist wieder einmal nur marxistischer Blödsinn.

Was als sozialistisches Lager firmierte, ähnelt historisch-strukturell den ersten, frühesten Klassen- und Ausbeutungsstaaten, den Gottkönigtümern an Euphrat und Tigris und am Nil.

Der Personenkult um die angeblich unfehlbaren Führungsfiguren des „sozialistischen Lagers“ war nichts anderes als eine moderne Variante des früheren Gottkönigtums.

Es handelte sich um eine Pseudoreligion von der Partei und der Unfehlbarkeit gottgleicher „Klassiker des Marxismus-Leninismus“.

Neudeutsch auch bekannt als die "Alternativlosen".

RMH

24. April 2021 10:05

@Pferdefuss,

"den Verdacht nicht los, dass die Künstler von den 'Behörden' willentlich oder wissentlich --"

Na und?

Die zum Teil seltsamsten, schrägsten und manchmal auch verachtenswertesten Systeme und Potentaten haben streckenweise große Kunst beauftragt, die bis heute überdauert.

Ich bin jetzt weit davon entfernt, diese Filme als große Kunst zu bezeichnen, aber sie sind Kunst und etliche davon sind sogar richtig gut gelungen (manche weniger, kein Wunder, bei der Menge). Alleine die Hysterie, die ausgelöst wurde, ist einer der wesentlichen Zustandsanzeiger der letzten Zeit - noch dazu in dieser Breite. Das jetzt ausgerechnet die Bild in ihren Kommentaren nicht mit in den Chor "Hängt die Spitzbuben, die sich über den Tod von Omas und Opas lustig machen" einreiht, sprich Bände. Laschet äußert sich zum ersten mal halbwegs geschickt.

Jeder weiß, dass vermutlich alle diese Künstler nie rechts waren, allenfalls krypto-rechts oder mit falschem Bewusstsein ausgestattet. Dass von solchen Leuten jetzt das revocare, der Kotau eingefordert wird, ist entlarvend und evtl. macht es beim einen oder anderen der Darsteller, tief drinnen, klick, oha, von wegen Kunstfreiheit ... Liefers fühlte sich jedenfalls schon mal an die DDR erinnert.

Ich jedenfalls sage, Respekt für diese Aktion.

Niekisch

24. April 2021 12:47

"Eine Hegemonie auf mehreren Ebenen ist nur dann zu erlangen, wenn eine politische oder weltanschauliche Bewegung ihre eigenen Ideen im kulturellen und im vorpolitischen (also: metapolitischen) Raum als führend zu setzen vermag, was langfristigen »Stellungskrieg« (Gramsci) mit sich bringen kann, aus dem man als Sieger hervorgehen muß."

Ein zentraler Begriff hierfür ist der Begriff Volk, zu dem Thor von Waldstein 20 Thesen vorgelegt hat. Etwas off-topic gebe ich den Hinweis auf mein Bemühen, darauf im einzelnen einzugehen:  Mein Volk, was bist Du?…II. | Metapolitika (wordpress.com)

Gracchus

24. April 2021 19:28

In meiner grünen Jugend hab ich Grüne nie bei Waldgängen angetroffen. Immer nur in einer Kneipe, deren Einrichtung war immerhin aus Holz. Wenn die Grünen von Umwelt sprachen, klang es immer wie etwas Abstraktes, nicht aus eigener Erfahrung und Anschauung Gewonnenes. Das war in den 90ern. In den Nullerjahren dämmerte mir auf einmal, was hier bereits einige gesagt haben: Die Grünen hatten ihre Ideen längst dem Markt angepasst. Daher rührt ihr Erfolg. Jetzt kamen noch zwei medienaffine Vorsitzende hinzu, und in den Redaktionen hängen Leute rum, die mit den Grünen grossgeworden sind. 

Gracchus

24. April 2021 19:32

Durs Grünbein hat früher, ganz zu Anfang seiner Karriere ganz gute Gedichte geschrieben. Mit deutlichen Benn-Anklängen. Jetzt denkt er jeden Tag an Auschwitz, wie er Maxim Biller verriet, damit der's in einem ZEIT-Artikel verbrät. 

Imagine

25. April 2021 09:20

1/2

Im rechten Milieu ist viel von der Eroberung des vorpolitischen Raums die Rede.

Aus meiner Sicht geht es darum. ein aufgeklärtes Bewusstsein der realen gesellschaftlichen Zusammenhänge zu entwickeln. Auf dessen Basis wird dann ein rationales und zielgerichtetes Handeln möglich.

Es geht darum, das falsche und vernebelte Bewusstsein zu überwinden, welches zu einem irrationalen und ineffektiven politischen Verhalten führt. Damit wird das herrschende System perpetuiert.

Im Grunde ist der Begriff „vorpolitischer Raum“ falsch, denn es handelt sich um ideologische und psychologische Herrschaft, also um einen Kernbereich der Politik.

Thor v. Waldstein vertritt die Position, dass die politische Rechte nur eine Zukunft hat, wenn sie an den nicht-marxistischen deutschen Sozialismus vor 1933 anknüpft.
Jedoch sei die deutsche Rechte von einer sozialen, gar sozialistischen Orientierung jedoch weit entfernt. Vgl. Interview mit Thor v. Waldstein: »Sozialismus und Nation«

Die Realität ist jedoch, dass das rechte Milieu bis auf ganz wenige Ausnahmen in Feindschaft zu einer sozialistischen Neu-Orientierung steht. Das falsche Bewusstsein hat sich seit Jahren nicht verändert hat, sondern sogar verhärtet, was sich auch in hier bei den Kommentaren auf SiN manifestiert.

Imagine

25. April 2021 09:20

2/2

So kann daher keine nationale und soziale Sammlungsbewegung entstehen, welche als Volksbewegung logischerweise auch das das linke Milieu, das heute die Mehrheit im deutschen Volk darstellt, integrieren müsste.

Die nationalen Rechten machen jedoch genau das Gegenteil, sie vertiefen die Spaltungen und Feindschaften im deutschen Volk und viele tendieren zu einem Jüngerschen-Mitläufertum aka „innere Emigration“.

In der Migrationsfrage haben die nationalen Rechten total versagt, denn die AfD ist hierzu keine wirkliche Opposition. Bezüglich China unterscheidet sich die Position der neuen Rechten – mit Ausnahme vereinzelter Personen - nicht vom Mainstream.

Überhaupt ist der Begriff „neue Rechte“ irreführend, denn deren Positionen unterscheiden sich nicht von herrschafts- und marktkonformen Rechten, wie sie für den rechten Flügel von CDU/CSU kennzeichnend waren und auch in der AfD die ganz überwiegende Mehrheit bilden.

In kritischer Retrospektive lässt sich festhalten, dass das neu-rechte Milieu, wie es sich um die „Junge Freiheit“ bildete, systemkonformistisch und anti-sozialistisch war und nach wie vor ist.

Andreas Walter

25. April 2021 10:41

Wer behauptet, Deutschland sei eine Demokratie, der kann nur ein unwissender Narr sein oder ist ein bewusster, opportunistischer Lügner. Doch woher sollen ausgerechnet auch die Deutschen wissen, was eine Demokratie ist, haben sie doch seit mindestens 87 Jahren keine mehr gehabt. Doch auch seit der Reichsgründung war, wenn überhaupt, nur die Weimarer Republik eine Demokratie, allerdings dann eine in Gründung, mit all den entsprechenden Konflikten (militante Straßenkämpfe politisch rivalisierender Gruppen).

Das angesprochene Buch taugt daher höchstens als Briefbeschwerer oder zum offen halten von Türen bei Durchzug. Oder eben um die Stupidität beziehungsweise Falschheit auch seiner ebensolchen Kritiker zu erkennen. Ob im Zoo geborene Löwen die Freiheit vermissen, auch diese Information suche ich mir daher lieber selbst im Netz.

Imagine

25. April 2021 12:35

1/2

Zum deutschen Volkscharakter – so die These - gehört bzw. gehörte die Affinität zum Sozialismus, zugleich aber auch die Ablehnung einer Revolution auf dem Wege von Klassenkampf und Bürgerkrieg.

Insofern wird die Revolutionstheorie und –strategie des Marxismus und seiner konkreten Umsetzung in Form von Leninismus, Stalinismus und Maoismus abgelehnt.

Die Deutschen wollen einen friedlichen Weg des Überganges zum Sozialismus, sie wollen die Volksgemeinschaft erhalten und keinen Bürgerkrieg.

In diesem Sinne muss auch das Transformationskonzept von Rosa Luxemburg verstanden werden, als Dialektik von Reform und Strukturrevolution.

Die Affinität der Deutschen zum Sozialismus und dessen Realisierung auf friedlich-demokratischem Wege kennzeichnet die Geschichte der Deutschen vor dem Zweiten Weltkrieg, angefangen mit Friedrich Naumann über die Politik der SPD bis hin zum Strasser-Flügel in der NSDAP und Teilen der „Konservativen Revolution“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Besetzung und Teilung Deutschlands war die Idee eines deutschen Sozialismus zwar nicht völlig tot, sie existierte beispielsweise noch bei Oswald von Nell-Breuning:

Die SPD hat sich allerdings offiziell und definitiv mit dem Godesberger Programm von 1959 vom Zoel des Sozialismus verabschiedet. Und in den 70er Jahren hat sie die in der SPD noch verbliebenen Sozialisten ausgeschlossen oder rausgeekelt.

 

Imagine

25. April 2021 12:39

2/2

Insbesondere durch Rudi Dutschke – so die These - kam es zu einer Renaissance des „Deutschen Sozialismus“. Dessen Kampfgefährte Bernd Rabehl sieht in Dutschke einen Vertreter eines deutschen Wegs zum Sozialismus.

Dem würde ich als Zeitzeuge zustimmen. Dutschke war ein klarer Gegner von Leninismus, Stalinismus und Maoismus. Insofern war Dutschke Anti-Kommunist, was den realen Kommunismus im Ostblock betraf.

Aus meiner Erfahrung kann ich bestätigen, dass die meisten „68-er“ im Gegensatz zu den späteren K-Gruppen so dachten. Dies K-Gruppen waren keine freiheitlichen Sozialisten, sondern Links-Faschisten.

Die Jusos wollten mehrheitlich einen friedlich-demokratischen Weg zum Sozialisms über „systemsprengende Reformen“. Jochen Steffen hat Konzept einer Strukturrevolution in seinem Buch dargelegt.

Auch Robert Kurz war später ums Jahr 2000 zu einem entschiedenen Gegner des Klassenkampfkonzeptes geworden. (cf: „Wir haben ihn so geliebt, den Klassenkampf“). Ein Beibehalten des marxistischen Klassenkampfs hielt er für völlig antiquiert und kontraproduktiv, eine gesellschaftliche Transformation sah er nur auf dem Wege einer klassenübergreifenden anti-kapitalisten Bewegung als realistisch an.

Die sich als „nationale Rechte“ bezeichnenden Teile des rechten Milieus haben sich vom deutschen Volkscharakter völlig entfernt, sie sind „undeutsch“ geworden, denn sie vertreten liberalistische und anti-sozialistische Positionen.

anatol broder

25. April 2021 15:01

@ pferdefuss, rmh

es gibt nach platon weder grosse noch kleine kunst. ein kunstwerk ist nur, was ewig überdauert. seine entstehung ist somit unbedeutend. deswegen ist es zwecklos, künstler in politisches tages­geschäft einzubinden.

Laurenz

25. April 2021 19:00

@Anatol Broder @Pferdefuß

Sind Philosophen nicht auch Künstler?

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