8. Mai 2021

Netzfundstücke (87) – Earth First!, Korea

Jonas Schick / 18 Kommentare

»Das industrielle Leben führt zum industriellen Tod.«

So oder so ähnlich ließe sich das Axiom »The industrial way of life leads to the industrial way of death« des Vordenkers der radikalen Öko-Aktivisten von Earth First! Edward Abbey ins Deutsche übersetzen. Die Gruppe rund um ihren charismatischen Führer Dave Foreman hatte Anfang der 1980er ihre Antwort auf Was tun? im Kontext zunehmender Umweltzerstörungen in den USA für sich gefunden: Ziviler Ungehorsam und Sabotage – radikaler, aktivistischer Widerstand.

Ebenjener Form des Widerstandes widmet sich die kommende Ausgabe der von mir herausgegebenen Kehre, die nächste Woche nach einer etwas längeren Entstehungszeit endlich erscheinen wird – natürlich ist sie dann auch wieder bei Antaios erhältlich.

»Ökologie und Militanz« stehen im Fokus des Heftes und daher unweigerlich auch Earth First!, denen Kehre-Autor Hagen Eichberger einen Artikel gewidmet hat, der die Geschichte einer der relevantesten öko-aktivistischen Gruppen des letzten Jahrhunderts nachzeichnet.

Bei seinen Recherchen hatte Eichberger dank der Arbeit des Rachel Carson Center for Environment and Society der LMU München vollständigen Zugriff auf das publizistisch-geistige »Archiv« von Earth First!, die mit den Zeitschriften Earth First!, Wild Earth, ALARM und Live Wild or Die! ein breites Feld an Texten publizierten, die ihren Aktivismus intellektuell flankierten.

All diese Zeitschriften sind über die Datenbank des Rachel Carson Center hier frei verfügbar. Besonders Wild Earth ist zu empfehlen, das nach den internen Streitereien zwischen der »alten Garde« und der linksalternativ ausgerichteten Riege um Judi Barri als an den ursprünglichen Naturschutzzielen von Earth First! orientiertes Gegenwicht zum Linksruck von den Gründungsmitgliedern Dave Foreman und John Davis ins Leben gerufen wurde.

 


Themensprung: Seit dem Ende des 2. Weltkriegs konnte die Weltmacht der Vereinigten Staaten keinen Krieg mehr eindeutig und dauerhaft für sich entscheiden. Hatte der Sieg über das Dritte Reich und die Achsenmächte ihren ab dem 1. Weltkrieg begonnen Aufstieg vollendet und den Mittelpunkt »europäisch« imperialer Macht von Europa in den ehemals westlichsten Ausläufer des englischen Commonwealth verschoben, so blieb den US-Amerikaner ironischerweise nach Erreichen dieses Plateaus der militärische Erfolg verwehrt.

Auch die jüngsten US-amerikanischen »Militärinterventionen« überzeugten eher durch ihre destabilisierende Wirkung als durch die Etablierung einer Pax Americana, wie sie auch noch heute manchem Neokonservativen vorschwebt. Am Anfang dieser Serie militärischer, außenpolitischer Mißerfolge steht der Koreakrieg, der von 1950-1953 tobte und den Beginn der Stellvertreterkriege des Kalten Krieges markierte.

Während sich der rund 15 Jahre später ausgebrochene Vietnam-Krieg auch in Europa fest in das öffentliche Gedächtnis gebrannt hat, ist der Korea-Krieg in Vergessenheit geraten bzw. wurde ihm nie dieselbe Aufmerksamkeit zuteil wie dem Vietnam-Krieg. Nachvollziehbar, daß man ihn deswegen als den »vergessenen Krieg« bezeichnet.

Dabei wirkt er bis heute außenpolitisch nach: Die Spannungen rund um die koreanische Halbinsel, in deren Mittelpunkt Nordkorea als Atommacht steht, erklären sich aus diesem tiefen Einschnitt in der koreanischen Geschichte. ARTE zerrt den Korea-Krieg aus dem Vergessen und beleuchtet ihn in der sehenswerten, 1½-stündigen Dokumentation »Der ewige Korea-Krieg«:


In einem der zurückliegenden Netzfundstücke hatte ich hier bereits die monumentale Vietnam-Krieg-Dokuserie von Ken Burns und Lynn Novick vorgestellt. Jedoch war sie auf ARTE leider nur zeitlich begrenzt verfügbar gewesen. Nun hat der Sender das Werk mit deutscher Synchronisation des Schauspieler Joachim Król wieder eingestellt.

Bis zum 28. Juli 2021 ist die Serie noch auf YouTube abrufbar. Hier geht es zu Teil 1:

War Korea für die US-Amerikaner noch ein verkraftbares Patt gewesen, so erschütterte der Vietnam-Krieg die vor Selbstbewußtsein strotzenden Vereinigten Staaten von Amerika in ihren Grundfesten. Das Doku-Epos macht diese Erschütterung greifbar.

Falls Sie die neun Stunden dichter Betrachtung des Krieges mit 80 Zeitzeugen noch nicht gesehen haben sollten, nehmen Sie sich am besten an einem verregneten Wochenende die Zeit dazu.



Kommentare (18)

Niekisch

8. Mai 2021 15:44

"der Sieg über das Dritte Reich" Richtig: Der Sieg über das Großdeutsche Reich.

Dietrichs Bern

8. Mai 2021 19:35

Ich kann mit radikalem Aktivismus nichts anfangen, egal in welche Richtung er geht.

Letztlich handelt es sich um Endzeitsekten, denen Menschenleben nichts gilt und die letztlich im Dschungel in Guayana mit einem Giftcocktail, selbst für Kinder, enden.

Tiefe Menschenverachtung ist kein charakterlicher Vorzug.

Sekundant

8. Mai 2021 21:56

Dem ist nichts hinzuzufügen!

RMH

9. Mai 2021 12:01

Bin eher beim Kom. von D.B. als bei den sog. "Aktivisten" (was für ein besch. linker Begriff, der immer wieder völlig kritiklos verwendet wird).

Ich bin Passivist und genieße die wenigen Vorzüge modernen Lebens, die selbst mir alten Knochen noch eine Lebenserwartung von 25-30 Jahren statistisch vorhalten. Mangels Penunzen bin ich dabei auch noch ressourcenschonender Unterwegs, als die grünen Anywheres (no flights!). Und damit das Geld über hohe Preise für notwendige Güter wie Mobilität, Heizung, Strom etc. ausgegeben werden muss bzw. umverteilt wird, sorgt das BVerfG, welchem in wesentl. Bereichen die Zukunft der jungen Generationen bislang stets komplett egal war (bspw. Schulden, Euro, Renten, Migration etc.) im Verbund mit den ab Herbst regierenden Grünen dafür, dass der kleine Mann froh sein darf, wenn er am WE priv. Umweltschutz in seiner Datsche, die er hoffentlich zu Fuß erreichen kann, betreiben darf. Wenn sie ihm selber gehört, wird er sich auf hohe Belastungen aufs Grundstück einrichten dürfen, denn dann gehört ja zum Feindbild Immobilienbesitzer.

Die Umwelt-Kiste ist der elementare Great-Rest Baustein schlechthin - das werden wir nach dem Abebben der Corona-Welle erleben. 

Von rechter Seite kann Umweltschutz nur im engen Verbund mit den sozialen Fragen polit. erfolgreich beackert werden und dann wird man von der heiligen CO2 Kuh und "Dekarbonisierung" sehr schnell ablassen müssen, wenn man sozial gerecht bleiben will. Es gibt andere Ansätze.

Hellbacher

9. Mai 2021 12:14

- "Die Kehre" ist ein sehr wichtiges Projekt und verdient unsere Unterstützung. Ich kann die Zeitschrift nur empfehlen: abonniert sie!

- Die Dokuserie über den Vietnam-Krieg ist auch sehr, sehr zu empfehlen. Hier als Hinweis der Link zum 1. Teil der englischen Originalfassung: 

https://www.dailymotion.com/video/x6dzqrw

 

Dietrichs Bern

9. Mai 2021 15:32

@RMH: Naja ich bin halt als Arbeiterkind in den 60ern geboren, d.h. 2-Raum-Wohnung, Toilette auf dem Gang, Bad in der Plastikwanne als Kind, das erste Auto, der erste Schwarzweiß-Fernseher, die erste Waschmaschine nach x-Jahren, Urlaub auch erst spät und dann in Bayern oder dem Schwarzwald -tja und heute reißen Wohlstandskids die Klappe auf...

Und - wie Sie so richtig zur Dekarbonisierung anmerken - da wäre ja mal ein interessantes Streitgespräch zwischen den Vertretern der "Wir stellen die soziale Frage von rechts" und den Naturromantikern von rechts, fällig.

Bendikt Kaiser, übernehmen Sie.

Volksdeutscher

9. Mai 2021 17:47

"Seit dem Ende des 2. Weltkriegs konnte die Weltmacht der Vereinigten Staaten keinen Krieg mehr eindeutig und dauerhaft für sich entscheiden."

Ohne ihre Alliierten und ihre Alliierten ohne sie hätten sie den Krieg gegen die beste Armee der damaligen Welt niemals gewinnen können. Seitdem sind sie da, verderben unsere Kultur  und bedrohen den Frieden in Europa. Dabei haben sie hier nicht das Geringste verloren.

Mitleser2

9. Mai 2021 17:57

Mit radikalem, aktivistischem Widerstand gegen die Industriegesellschaft wird die Rechte keinen Blumentopf gewinnen. Was gebraucht wird, ist keine Naturromantik, sondern technische Innovation. Ich wundere mich etwas, dass Die Kehre sich in so eine Richtung bewegt.

Volksdeutscher

9. Mai 2021 20:03

@Niekisch

Ihre Anmerkung ist vollkommen richtig und war wohl erforderlich. Österreich gehört irgendwann mal wieder eingemeindet. Irgendwann heißt hier: wenn die Amerikaner aus Europa verschwinden.

Volksdeutscher

10. Mai 2021 11:08

@Mitleser 2 - "Mit radikalem, aktivistischem Widerstand gegen die Industriegesellschaft wird die Rechte keinen Blumentopf gewinnen."

Es geht bestimmt nicht gegen die industrielle Gesellschaft, denn die Gesellschaft ist eine bloße Abstraktion, gegenständlich nicht greifbar. Es geht auch nicht gegen die Industrialisierung, sondern gegen die Industriellen. Man muß die Verstaatlichung nicht übertreiben, aber ohne sie ist auch kein Blumentopf zu gewinnen. Der Service der "Deutschen" Post ist seit ihrer Privatisierung merklich nachgelassen, das Gleiche kann man von der "Deutschen" Bahn behaupten. Die sogenannten Freihandelsverträge insgesamt müßten überprüft, modifiziert und gegebenenfalls aufgehoben weden. Die eigenen Bauern und Arbeiter müssen von diesen Veränderungen profitieren. Warum braucht man in Deutschland Knoblauch aus China, um nur ein primitives Beispiel zu nennen? Ist uns das Wissen, wie man diese Pflanze zieht, vermehrt und pflegt, etwa abhandengekommen? Auch in der Industrie gibt es Bereiche, die heimgeholt werden müssen, unsere Existenz ist durch die Auslagerungen ins Ausland in Abhängigkeit geraten. Weite Teile der Industrie müssen wieder in den Besitz der Nation zurückgeführt werden. Putin hat es vorgemacht, wie man mit den Oligarchen umgehen muß.

Der_Juergen

10. Mai 2021 13:38

Mag zwar off-topic wirken, aber wenn von Korea die Rede ist, möchte ich auf einen kaum bekannten Aspekt der Frage hinweisen - die ungeheuerliche Barbarei der US-Kriegsführung gegen Nordkorea. Auf dieses wurden mehr Bomben abgeworfen, und es wurde noch schlimmer zerstört, als Deutschland und Japan. Diesen Terror mit dem totalitären Charakter des nordkoreanischen Regimes zu entschuldigen, ist ungefähr so intelligent wie das Argument der Antideutschen, die Bewohner von Dresden seien ja für Hitler gewesen und hätten die Vernichtung ihrer Stadt darum voll verdient. Dass die Nordkoreaner danach nicht gerade von brennender Liebe zu Uncle Sam erfüllt waren, wird man ihnen wohl nachsehen müssen.

Und im Koreakrieg waren die tapfersten Soldaten, die unter dem Kommando der US-Führung standen, die islamischen Türken, die man als Kanonenfutter geholt hatte, um "Christentum" und "Demokratie" zu verteidigen. Die US-Infanterie hat sich, selbstverständlich mit vielen individuellen Ausnahmen, nie durch Tüchtigkeit hervorgetan. Im Vergleich zu den Deutschen, den Briten, den Russen, den Japanern oder den Finnen gab sie auch im 2. Weltkrieg ein eher klägliches Bild ab. 

Harlekin

10. Mai 2021 16:19

@Volksdeutscher

Und ich empfinde als Österreicher nichts als Ekel, den selben Ekel, welchen ich gegenüber Türken empfinde, wenn ich mit deinesgleichen in einem Reich sein müsste. Also spar dir deine Träume für die Nachtruhe. 

Mitleser2

10. Mai 2021 16:32

@ Volksdeutscher: Ich kann Ihnen in vielem zustimmen. Das war aber nicht mein Punkt. Ich habe den positiven Tenor von Jonas Schick zu Begriffen und Assoziationen wie "Ziviler Ungehorsam - Sabotage - Militanz" etc. nicht verstanden, und sehe da auch keine positiven Anknüpfungspunkte für die Gegenwart. Und mit "technischer Innovation" meine ich sicher nicht die Elektromobilität in ihrer derzeitigen Form.

Niekisch

10. Mai 2021 17:57

"ich empfinde als Österreicher nichts als Ekel, den selben Ekel, welchen ich gegenüber Türken empfinde, wenn ich mit deinesgleichen in einem Reich sein müsste."

@ Harlekin 16:19: Glücklicherweise wird Ihr Ekel das Reich nicht interessieren, genauso wie der parlamentarisch manifestierte Anschlusswille der Österreicher 1918/20 die Allierten nicht interessiert hat.

Volksdeutscher

10. Mai 2021 21:25

@Harlekin - Ihr Nickname ist bezeichnend, aber Kasper hätte von mehr Phantasie gezeugt. Meine Träume teile ich mit unzähligen aufrechten Bundesdeutschen und Deutsch-Österreichern. Wir gehören zusammen. Aber Sie gehören nicht zu uns. Nach dem wir den Österreichischen Staatsvertrag vom 15. Mai 1955 außer Kraft gesetzt haben, wird Leuten wie Ihnen nur die Auswanderung nach Amerika übrig bleiben, das uns das Vereinigungsverbot aufoktroyierte, um die anglo-amerikanische Dominanz in Europa auf unsere Kosten zu sichern. Da gehören Sie hin, denn niemand zwingt Sie, mit uns zu leben. Und überhaupt: Sie und ich duzen uns nicht.

@Niekisch - Ich danke für den Beistand.

Dietrichs Bern

11. Mai 2021 09:44

@Harlekin: Sie sollten diese Äußerungen als Satire ansehen, die SiN-Redaktion hat durchaus Humor und lässt auch schon mal ziemlich abseitiges stehen...

Volksdeutscher

11. Mai 2021 21:28

@ Dietrichs Bern - Wie zum Beispiel Ihren Kommentar? Ja, Sie haben recht.

Laurenz

14. Mai 2021 02:20

@JS

Eigentlich finde ich Ihren Artikel gut zu lesen, wie immer informativ. Allerdings hängen diesmal einige fette Denkfehler als Haken von der Decke, die leider auch vom Forum, trotz Kaschberlsepp, nicht beseitigt wurden.

»Das industrielle Leben führt zum industriellen Tod.« würde im Umkehrschluß bedeuten, das agrikulturelle Leben führt zum agrikulturellen Tod. Dem ist mitnichten so. Nur eine fette Armee führt zum Besitz von anbaubarem Boden.

Wer sich heute noch für den II. Weltkrieg interessiert, kennt sich auch einigermaßen mit dem Korea-Krieg aus. Der Korea-Krieg ist eine Fortsetzung des II. Weltkriegs, weil man sich hier über die Beuteverteilung nicht einigen konnte & war der letzte symmetrische Krieg auf dieser Erde. Der II. Weltkrieg war der größte Beutezug in der Menschheitsgeschichte. Es ging um die Erlangung von Technik, welche man auf dem Weg von der Großmacht zur Weltmacht brauchte, quasi ein Wettrennen. Und so blöd ist der Planet auch nicht. Nur ein Depp führt noch symmetrische Kriege. Das hat mehr oder weniger jeder aus dem II. Weltkrieg gelernt. & das hat sogar selbst Donald Trump erkannt.