Sammelstelle für Gedrucktes (29)

Der Blick nach Ungarn ist obligat – zu einseitig ist die deutschsprachige Berichterstattung aus Budapest, als daß sie keiner Korrekturen bedürfte.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Ob LGTBQ-Pro­ble­ma­tik, Schutz der Fami­li­en oder Wirt­schafts­pro­tek­tio­nis­mus: Es gibt eini­ge The­men­be­rei­che, in denen der unga­ri­sche Minis­ter­prä­si­dent Vik­tor Orbán den ent­spre­chen­den Medi­en als per­so­ni­fi­zier­tes Ärger­nis gilt.

So auch im aktu­el­len Fall im Streit um natio­na­le Ansprü­che auf natio­na­le Güter. Dani­el Imwin­kel­ried berich­tet für die NZZ (v. 30.7.2021) und ihre welt­markt­freund­li­chen Leser ent­spre­chend mei­nungs­stark: »Orban hat es auf aus­län­di­schen Besitz abgesehen«.

Wor­um geht’s? Um den Flug­ha­fen in Buda­pest, um »Ungarns Regie­rung, (die) aus­län­di­sche Inves­to­ren aus dem Land drän­gen und deren Besitz natio­na­li­sie­ren will«:

Um in den Besitz des Flug­ha­fens zu gelan­gen, hat Ungarns Regie­rungs­chef Vik­tor Orban ein regel­rech­tes Power­play auf­ge­zo­gen. Und die Epi­so­de zeigt, dass sich aus­län­di­sche Inves­to­ren der­zeit auf Über­ra­schun­gen gefasst machen müssen,

was wohl auch dar­an lie­gen dürf­te, daß Orbán gewis­se Ent­wick­lun­gen sei­ner frü­he­ren Ägi­de kor­ri­gie­ren möch­te. Denn

Buda­pests Flug­ha­fen befin­det sich seit 2011 ganz in aus­län­di­schem Besitz, wobei Orban bereits an der Macht war, als in jenem Jahr die letz­te Akti­en­tran­che von 25% an die pri­va­ten Inves­to­ren ver­äus­sert wurde,

was aus dama­li­ger Sicht prag­ma­tisch not­wen­dig gewe­sen sein mag, nun aber auf der Agen­da des sou­ve­rä­nis­ti­schen Poli­ti­kers steht, zumal Orbáns ver­stärkt in Ungarn agie­ren­der Part­ner – die Volks­re­pu­blik Chi­na – den Umsatz der rund um den Flug­ha­fen agie­ren­den Fir­men erheb­lich poten­ziert hat.

Dies erscheint um so relevanter,

seit­dem eine Koope­ra­ti­on mit der chi­ne­si­schen Hen­an Air­port Group besteht. Der Flug­ha­fen sei ein Tor («Gate­way») in Zen­tral- und Ost­eu­ro­pa und eröff­ne Fir­men Geschäfts­chan­cen, etwa der Ali­b­a­ba Group,

also einer der chi­ne­si­schen Musterkonzernfamilien.

Ungarn lernt in die­sem Kon­text offen­kun­dig von Chi­na, das bekannt ist für sei­ne öko­no­mi­schen Mix­tu­ren aus staat­li­chen, halb­staat­li­chen und pri­va­ten Unternehmensformen:

Vor rund einem Jahr mel­de­te daher ein teils pri­va­tes, teils staat­li­ches Kon­sor­ti­um sein Inter­es­se am Flug­ha­fen an. Zu den Inves­to­ren zähl­ten das Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men Indo­tek des Unter­neh­mers Dani­el Jel­li­nek, das Mine­ral­öl­un­ter­neh­men MOL und der Staat selbst. Die Eigen­tü­mer zeig­ten den Inter­es­sen­ten aber die kal­te Schul­ter. Der Staat jedoch liess nicht locker und gab die­sen Monat erneut ein unver­bind­li­ches Kauf­an­ge­bot ab. Offen­bar strebt er jetzt eine Mehr­heits­be­tei­li­gung an,

Aus­gang: offen.

Nun geht es aber nicht nur um den Flug­ha­fen als sol­ches, so zen­tral sei­ne Bedeu­tung auch für Ungarns Wirt­schafts­zwei­ge ist. Es geht um mehr: Um die Rück­erlan­gung natio­na­ler Bestän­de, die in den diver­sen Pri­va­ti­sie­rungs­pha­sen nach der libe­ra­len Wen­de von 1989/90 – oft in öko­no­mi­schen Zwangs­si­tua­tio­nen  – an Nicht­un­garn ver­äu­ßert wurden.

Es ist dies kein rein unga­ri­sches The­ma, im übri­gen, denn das große

Gewicht aus­län­di­scher Inves­to­ren ist in vie­len ost­eu­ro­päi­schen Län­dern ein The­ma. Tat­säch­lich sind die­se in gewis­sen Sek­to­ren in einem Aus­mass prä­sent, das auch in man­chem west­eu­ro­päi­schen Land für Kon­tro­ver­sen sor­gen wür­de. Markt­füh­rer im unga­ri­schen Ver­si­che­rungs­markt bei­spiels­wei­se ist die deut­sche Alli­anz vor Gene­ra­li; der gröss­te ein­hei­mi­sche Anbie­ter liegt bloss auf Platz sie­ben. (…) Das Unbe­ha­gen im Osten über gewis­se «neo­ko­lo­nia­le» Erschei­nun­gen kann man somit mit viel gutem Wil­len teil­wei­se nachvollziehen.

Aus Unbe­ha­gen wächst Wider­stand, jeden­falls bei hand­lungs­fä­hi­gen Nationalstaaten:

Gera­de die unga­ri­sche Regie­rung macht aus­län­di­sche Inves­to­ren aber mür­be, indem sie zwei­fel­haf­te Metho­den anwen­det. Als der Buda­pes­ter Flug­ha­fen im Mai 2020 bei der Euro­päi­schen Bank für Wie­der­auf­bau und Ent­wick­lung bei­spiels­wei­se ein kurz­fris­ti­ges Dar­le­hen bean­trag­te, um auf dem Höhe­punkt der Pan­de­mie die Liqui­di­tät sicher­zu­stel­len, stell­te sich die Exe­ku­ti­ve quer. Das nährt den Ver­dacht, dass sie ver­sucht, die aus­län­di­schen Eigen­tü­mer zu schwä­chen, um leich­ter an die Beu­te zu gelangen,

wobei »Beu­te« ein wenig pejo­ra­tiv erschei­nen mag, wenn es um Besitz­stän­de eines Vol­kes und zen­tra­le Infra­struk­tur­bau­stei­ne einer Nati­on geht, die dem glo­ba­len Markt an sich über­haupt nicht zur frei­en Ver­fü­gung ste­hen sollten.

Nicht ver­schwie­gen wer­den kann dabei natür­lich der Umstand, daß Orbán bei den Natio­na­li­sie­rungs­stra­te­gien auf sei­ne eige­nen Ver­trau­ten setzt: Ihm nahe­ste­hen­de Wirt­schafts­krei­se pro­fi­tie­ren von den Rück­hol­ak­tio­nen in rele­van­tem Umfang; Kri­ti­ker wie der – aller­dings stark Orbán-geg­ne­ri­sche – Ist­van Janos Toth spre­chen seit län­ge­rem von »Günst­lings­wirt­schaft« (Cro­ny capi­ta­lism).

Indes

hat das Tau­zie­hen um den Flug­ha­fen und das Ungarn-Geschäft von Aegon noch kei­ne hohen Wel­len geschla­gen. Die­se Aus­ein­an­der­set­zun­gen stan­den im Schat­ten der Empö­rung, die Orban mit sei­nem Gesetz gegen die Dar­stel­lung gleich­ge­schlecht­li­cher Bezie­hun­gen aus­ge­löst hat,

womit ein­mal mehr die Zeit­ten­denz ver­ge­gen­ständ­licht wird, wonach post­ma­te­ri­el­le, ideo­lo­gi­sche Befind­lich­kei­ten mate­ri­el­le Fra­gen in der polit­me­dia­len Rezep­ti­on überlagern.

All­mäh­lich, die Fuß­ball­eu­ro­pa­meis­ter­schaft mit ihren Empö­rungs­ri­tua­len wider Ungarn ist längst pas­sé, kommt jedoch Bewe­gung in die Sache – es kur­siert ein … Brief! Und zwar vom CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Gun­ther Krich­baum. Er sand­te ihn der EU-Kom­mis­si­ons-Prä­si­den­tin Ursu­la von der Leyen.

Dar­in heißt es:

Wir wol­len wis­sen, ob das Vor­ge­hen Ungarns mit den Regeln des Bin­nen­markts ver­ein­bar ist,

wie die NZZ Krich­baums Büro­lei­ter zitiert.

Der nächs­te Kon­flikt Ungarns mit der EU scheint pro­gram­miert zu sein,

was ein­mal mehr das Fak­tum unter­streicht, daß die EU kein »Euro­pa« im eigent­li­chen Sin­ne ver­kör­pert, son­dern sei­ne Depra­va­ti­on als markt­kon­for­me, markt­de­vo­te Inter­es­sens­ge­mein­schaft mit einem ste­tig wach­sen­den poli­tisch-admi­nis­tra­ti­ven Was­ser­kopf an ihrer Spitze.

Doch nicht in jedem Poli­tik­be­reich agiert Vik­tor Orbán aus rech­ter Sicht inspi­rie­rend: Sei­ne Coro­na­maß­nah­men­po­li­tik ist bei­spiels­wei­se deut­lich stren­ger als jene, die man hier­zu­lan­de bis­wei­len als auf­zie­hen­de »Coro­na-Dik­ta­tur« ver­wirft. In Ungarn ist die Impf­quo­te höher (was die vol­len Sta­di­en bei der EM erklär­te), der Druck, den Maß­nah­men Fol­ge zu leis­ten, ohne­hin, und schar­fe Kri­tik an Lock­down- und Impf­ge­sche­hen ist seit März 2020 sogar straf­bar – der staat­li­che Kampf gegen das Virus ist gewis­ser­ma­ßen juris­tisch abge­si­chert worden.

– –

So weit sind wir in Deutsch­land noch nicht, aber auch hier spitzt sich die Lage nach einer kur­zen Som­mer­pau­se wie­der zu.

Zwar ist das Bun­des­land mit der weit­rei­chends­ten »Frei­heit« samt Abschaf­fung der Mas­ken­pflicht vor eini­gen Wochen – Sach­sen – zugleich das Land mit der gerings­ten »Inzi­denz«, und zwar ist auch der deutsch­spra­chi­gen Öffent­lich­keit bekannt, daß die Bri­ten mit fal­len­den Zah­len geseg­net sind, obwohl (oder weil?) sie fast alle gesetz­li­chen Coro­na-Restrik­tio­nen ver­war­fen (vgl. Leit­ar­ti­kel NZZ v. 29.7.2021), aber trotz­dem plant man sei­tens der Bun­des­re­gie­rung bereits neue Ein­schrän­kun­gen strengs­ter Natur – vor allem für Unge­impf­te (ein Bericht bspw. hier).

In der Welt (v. 4.8.2021) kom­men­tiert Chef­re­dak­teur Ulf Pos­ch­ardt dabei einen Aspekt der Ver­schär­fungs­po­li­tik – die dro­hen­de »Coro­na-Schlei­er­fahn­dung« – und ver­mel­det: »Auf dem Weg in den auto­ri­tä­ren Staat fällt das nächs­te Tabu«.

Von Zeit zu Zeit fin­det man in der – ansons­ten: estab­lish­ment­loya­len – Sprin­ger-Pres­se kor­rek­te Ansa­gen an die (schrump­fen­de, daher zu beru­hi­gen­de) Leser­schaft, so auch dies­mal, als Pos­ch­ardt für Welt-Rela­tio­nen ful­mi­nant einleitet:

2015, in der Flücht­lings­kri­se, hat man den Bür­gern erklärt, die Gren­zen sei­en sowie­so nicht wirk­sam zu kon­trol­lie­ren. Nun müs­sen sich die­sel­ben Bür­ger nach dem Urlaub Per­so­nen­kon­trol­len gefal­len las­sen, zur Durch­set­zung der Coro­na-Test­pflicht. Das Gefühl von Will­kür wächst.

Das liegt am Instru­ment der soge­nann­ten Schlei­er­fahn­dung, um die wie­der ver­schärf­ten Test­pflicht­re­geln für Rück­keh­rer aus dem Aus­land zu gewähr­leis­ten. Pos­ch­ardt ohne Umschweife:

Es wirkt weni­ger wie die Vor­schau auf die Dys­to­pie eines Poli­zei­staa­tes als viel­mehr wie ein Ein­blick in die gigan­ti­sche Unbe­hol­fen­heit der poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen, wenn nun eine Metho­de der Ter­ror­be­kämp­fung auf unbe­schol­te­ne Fami­li­en ange­wen­det wird. Um von einer Kas­ka­de poli­ti­scher Fehl­ent­schei­dun­gen – von den unver­ant­wort­li­chen Schul­schlie­ßun­gen bis zur ver­korks­ten Impf­stoff­be­schaf­fung – abzu­len­ken, wird die Schuld stets bei den Bür­gern vermutet.

Die Kri­tik bleibt in die­sem Ton gehal­ten, und ein ent­schei­den­der Aspekt wird anschlie­ßend berührt:

Man muss kein Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker sein, um mit immer grö­ße­rem Miss­trau­en auf fal­len­de Tabus zu bli­cken, die alle­samt in einem auto­ri­tä­ren Staats­ap­pa­rat kulminieren.

Ein Bei­spiel akzen­tu­iert die Argumentation:

Beson­ders gro­tesk wirkt das Instru­ment der Schlei­er­fahn­dung gegen fünf­köp­fi­ge Fami­li­en im Die­sel­kom­bi, die vom Bade­ur­laub am Gar­da­see zurück­kom­men, wenn man den­sel­ben Bür­gern vor Jah­ren erklärt hat, dass die­sel­ben Gren­zen ange­sichts von hun­dert­tau­sen­den ille­gal ein­rei­sen­den Flücht­lin­gen nicht zu schüt­zen seien,

woge­gen rein gar nichts ein­zu­wen­den wäre, wür­de Pos­ch­ardt nicht den übli­chen Move hin­le­gen, um auf den ein­fluß­lo­sen, aber als Ablenk­ziel omni­prä­sen­ten Paria der Nati­on einzuprügeln:

Wäre die AfD nicht so ein unap­pe­tit­lich rechts­ra­di­ka­ler Hau­fen, die Umfra­gen sähen wohl anders aus,

was man wie folgt kor­ri­gie­ren muß:

Wäre die AfD nicht so ein unap­pe­tit­lich zer­strit­te­ner Hau­fen, die Umfra­gen sähen wohl anders aus.

– –

Das kann man an ver­schie­de­nen Bei­spie­len fest­ma­chen. Gewiß: Der seit Jah­ren wahr­nehm­ba­re Nie­der­gang der AfD in Bre­men hät­te sich ange­sichts weni­ger Zehn­tau­send Stim­men in der Han­se­stadt kaum auf das Gesamt­ergeb­nis bei der Bun­des­tags­wahl aus­ge­wirkt – und wur­de heu­te sogar abge­wen­det. Und auch so etwas wie das tota­le Auf­tritts­ver­bot für Andre­as Kal­bitz samt Dro­hung an alle Kreis- und Lan­des­ver­bän­de, die die­ses umge­hen, ges­tern übri­gens ohne Gegen­stim­me (bei einer Ent­hal­tung) durch den Bun­des­vor­stand der AfD beschlos­sen, macht das Kraut nicht fett.

Pro­ble­ma­ti­scher wird es, wenn gan­ze Lan­des­ver­bän­de im Hader zur Höchst­form auf­lau­fen, sich nicht gewähl­te Kan­di­da­ten mit ihren erfolg­rei­chen Kon­tra­hen­ten gegen­sei­tig als Feind­zeu­gen belas­ten, das Gespräch nicht intern, son­dern über Anwäl­te oder, wie bedau­er­li­cher­wei­se immer häu­fi­ger, über die Main­stream­pres­se suchen – in der nai­ven, absur­den, gänz­lich apo­li­ti­schen Hoff­nung, von den Prot­ago­nis­ten eben­je­ner Medi­en »ver­schont« oder zumin­dest bes­ser dar­ge­stellt zu wer­den als der jewei­li­ge Gegen­spie­ler inner­halb der Partei.

Man kann das recht plas­tisch am Fall »Hel­fe­rich« in NRW ver­deut­li­chen. Hier ist die Welt wie­der ganz bei sich, in ihrer obli­ga­to­ri­schen Anti-AfD-Hal­tung, die sich auf frap­pie­ren­de Art und Wei­se mit der Les­art der Meu­then-Anhän­ger im Bun­des­vor­stand deckt.

Mat­thi­as Kamann und Wig­bert Löer titeln in der Aus­ga­be vom 3. August: »Der “Neo-Flü­gel” ver­schärft die AfD-Kri­se«, was man sich dann doch näher anschau­en sollte.

Es geht um Mat­thi­as Hel­fe­rich, der im noto­risch zer­strit­te­nen Lan­des­ver­band Nord­rhein-West­fa­len zu der Grup­pe der »Zen­tris­ten« um den Lan­des­vor­sit­zen­den Rüdi­ger Lucas­sen (MdB) zu rech­nen ist, also weder den Krei­sen der Alter­na­ti­ven Mit­te (AM) noch dem auf­ge­lös­ten »Flü­gel« ange­hört, der in NRW kei­ne pro­mi­nen­ten Akteu­re hervorbrachte.

Die­ser

Mat­thi­as Hel­fe­rich steht auf dem siche­ren Platz sie­ben der AfD-Lan­des­lis­te in Nord­rhein-West­fa­len. Aber sei­ne Par­tei­äm­ter soll der NRW-Lan­des­vi­ze ver­lie­ren: Der AfD-Bun­des­vor­stand beschloss am Mon­tag ein­stim­mig, Hel­fe­rich mit einer zwei­jäh­ri­gen Ämter­sper­re zu belegen.

Hin­ter­grund der Maß­nah­men sei

unter ande­rem, dass Hel­fe­rich im März 2017 einem Par­tei­freund per Face­book-Mes­sen­ger ein Video schick­te. Es zeig­te Roland Freis­ler, den Prä­si­den­ten des Volks­ge­richts­hofs, der im Natio­nal­so­zia­lis­mus den Tod von rund 2600 Men­schen ver­ant­wor­te­te. Nach dem Video schrieb Hel­fe­rich im Chat dem Par­tei­freund mit Blick auf eine JA-Ver­an­stal­tung, “ich woll­te den ‘demo­kra­ti­schen Freis­ler’ geben beim Landeskongress”.

Was davon zu hal­ten ist und was Hel­fe­rich selbst zu sagen hat, kann man hier ein­se­hen (auch ohne Face­book-Account); es bedarf kei­nes wei­te­ren Kommentars.

Was kom­men­tiert wer­den muß, ist die offe­ne Kum­pa­nei von AfD-Akti­ven mit der durch­aus dezi­diert geg­ne­ri­schen Pres­se. Micha­el Schild, der bei der Lis­ten­auf­stel­lung zur Bun­des­tags­wahl kra­chend gegen Hel­fe­rich ver­lor (300 vs. 66 Stim­men), äußer­te sich aus­ge­rech­net gegen­über Cor­rec­tiv (!).

Die Her­te­ner All­ge­mei­ne gibt das wie folgt wieder:

Micha­el Schild, wie Hel­fe­rich stell­ver­tre­ten­der AfD-Lan­des­spre­cher in NRW, äußert sich nach dem Beschluss auf COR­REC­TIV-Anfra­ge kri­tisch: „Ich bin der Mei­nung, dass die Sank­tio­nen Amts­ent­he­bung und Ämter­sper­re viel zu sanft sind. Ich rech­ne mit nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen für die AfD in ganz NRW, nicht nur in SPD-Hochburgen.“

Abge­se­hen davon, daß der Nor­mal­bür­ger von der­lei Intri­gen inner­halb der West-AfD gar nichts mit­be­kom­men wür­de, wenn sol­che Pro­ble­me intern gelöst wür­den anstatt der geg­ne­ri­schen Pres­se Mate­ri­al zu lie­fern, ist das natür­lich in hohem Maße über­trie­ben: Nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen für die AfD haben vor allem feh­len­de Einig­keit, man­geln­de Fes­tig­keit der Stand­punk­te (die doch eigent­lich in Kal­kar und Dres­den von der Basis mehr­heit­lich begrüßt wur­den) und ein Bun­des­vor­stand im Selbstzerstörungsmodus.

Just in die­sem Kon­text hat Lucas­sen einen ent­schei­den­den Punkt getrof­fen. Gegen­über der Welt for­mu­lier­te er,

dass die Par­tei bei einem Par­tei­aus­schluss Hel­fe­richs mit einer “Gesin­nungs­prü­fung dem Denun­zi­an­ten­tum Tür und Tor” öffne,

was nicht von der Hand zu wei­sen ist. Wür­de durch Mit­schnit­te von Gesprä­chen, Inter­pre­ta­tio­nen alter Chats oder auch Mut­ma­ßun­gen Par­tei­aus­schluß­ver­fah­ren zur »erfolg­rei­chen« Nor­ma­li­tät, wür­den sich die Wider­sa­cher um so stär­ker die­ser Mit­tel bedie­nen. Die Par­tei wür­de wei­ter zer­setzt. Aber zunächst eine beru­hi­gen­de Nachricht:

Indes schei­ter­te am Mon­tag im Bun­des­vor­stand ein von den Mit­glie­dern Syl­via Lim­mer und Chris­ti­an Wald­heim sowie Meu­then ein­ge­brach­ter Antrag für ein Par­tei­aus­schluss­ver­fah­ren. Beschlos­sen wur­de die Ämter­sper­re. Hel­fe­rich selbst kom­men­tier­te dies danach so, dass er “kei­nen Groll gegen den Bun­des­vor­stand” hege,

womit man das Kapi­tel nun schlie­ßen könn­te – wenn da nicht das für die Cau­sa Hel­fe­rich emi­nent wich­ti­ge The­ma »Par­tei­vor­feld« wäre.

Denn auf­fal­lend bei den Schlag­zei­len um Hel­fe­rich war und ist, daß es vor allem die Jun­ge Alter­na­ti­ve (JA) und das meta­po­li­ti­sche Umfeld waren, die dem 32jährigen Juris­ten eine Stüt­ze waren. Roger Beck­amp (MdL) sag­te gegen­über Phil­ip Stein im Ein­Pro­zent-Stream über Helferich:

Ein guter Mann, unser bester.

Auch dar­über berich­tet die Welt, denn Beck­amp und Hel­fe­rich eint das Bewußt­sein für ein arbeits­tei­li­ges Mosa­ik auf der poli­ti­schen Rech­ten, und Beck­amp prescht sogar vor, indem er Sti­pen­di­en für jun­ge Patrio­ten offeriert:

Auf die Idee solch einer För­de­rung, sagt Beck­amp, habe ihn Hel­fe­rich gebracht. Man müs­se das “Vor­feld” der AfD unter­stüt­zen. Hel­fe­rich wer­de “das auch machen, sobald er im Bun­des­tag ist”. Beck­amp wei­ter über ihn: “Von dem wird man noch viel hören”,

was in die­sem Fall eine gute Aus­sicht ist.

Apro­pos Ein­Pro­zent-Stream: Mit Nils Hart­wig (JA NRW), Vol­ker Zier­ke und Phil­ip Stein dis­ku­tier­ten ver­gan­ge­ne Woche drei jun­ge Akteu­re der poli­ti­schen Rech­ten über die Flut­ka­ta­stro­phe, die poli­ti­schen Kon­se­quen­zen und, vor allem, über die Lage der AfD kurz vor der Bun­des­tags­wahl 2021. Ich stieß spä­ter recht spon­tan dazu; man kann sich die kurz­wei­li­ge Sen­dung hier bei Frei3 anse­hen. (Bei You­Tube fiel Ein­Pro­zent bedau­er­li­cher­wei­se der Zen­sur zu Opfer.)

– –

Nicht nur bei You­Tube lösch­te man das patrio­ti­sche Bür­ger­netz­werk – auch bei Face­book ent­schied man sich für die­sen Schritt. Der­ar­ti­ges könn­te der­weil in Zukunft erschwert werden.

Die NZZ (v. 31.7.2021) berich­tet: »Rech­te der Nut­zer von Face­book gestärkt. Geschäfts­be­din­gun­gen für unwirk­sam erklärt«. Das betrifft vor allem rech­te Nut­zer aller Art, denn sie sind es ja, die man mit dem Vor­wand der »Haß­re­de« von der mono­pol­ar­ti­gen Platt­form ent­fernt, und Haß­re­de kann eben alles sein, auch Kri­tik an Mas­sen­mi­gra­ti­on oder Gen­der Mainstreaming.

Was ändert sich nun?

Zwar darf der Qua­si­mo­no­po­list Face­book wei­ter­hin Bei­trä­ge löschen, die er nach sei­nen eige­nen Stan­dards als Hass­re­de ein­stuft – selbst dann, wenn sie nach deut­schem Recht nicht straf­bar und von der Mei­nungs­frei­heit gedeckt sind. Er muss den Nut­zer aller­dings «vor der beab­sich­tig­ten Sper­rung sei­nes Nut­zer­kon­tos vor­ab infor­mie­ren, ihm den Grund dafür mit­tei­len und eine Mög­lich­keit zur Gegen­äus­se­rung mit anschlies­sen­der Neu­be­schei­dung» ein­räu­men, so das Gericht. Das­sel­be Ver­fah­ren muss Face­book künf­tig ein­hal­ten, wenn es ein­zel­ne Bei­trä­ge von Usern gemäss sei­ner Stan­dards ent­fernt – aller­dings anders als bei der Kon­to­sper­rung erst nach­träg­lich. Der BGH will mit sei­ner Ent­schei­dung die von ihm fest­ge­stell­te Kol­li­si­on der Grund­rech­te Mei­nungs­äus­se­rungs­frei­heit und Berufs­aus­übungs­frei­heit in Aus­gleich bringen.

Grund für die Rechts­strei­tig­kei­ten waren Bei­trä­ge, die gelöscht wur­den. Eine Klä­ge­rin wehr­te sich und plä­dier­te auf Mei­nungs­frei­heit. Tat­säch­lich folg­te der BGH die­ser Argu­men­ta­ti­on. Ihre von Face­book inkri­mi­nier­te Aus­sa­ge lautete:

Deut­sche Men­schen wer­den kri­mi­na­li­siert, weil sie eben eine ande­re Ansicht von ihrem Hei­mat­land haben als das Regime. Migran­ten kön­nen hier mor­den und ver­ge­wal­ti­gen, und kei­nen interessiert’s! Da wür­de ich mir mal ein Durch­grei­fen des Ver­fas­sungs­schut­zes wünschen.

Ein zwei­ter Klä­ger äußer­te im Som­mer 2018 im Hin­blick auf einen reni­ten­ten Nicht­eu­ro­pä­er, der eine all­fäl­li­ge Kon­trol­le durch eine Poli­zis­tin verweigerte:

Die wer­den sich hier nie inte­grie­ren und wer­den auf ewig dem Steu­er­zah­ler auf der Tasche lie­gen . . . Die­se Gold­stü­cke kön­nen nur eines: mor­den . . . klau­en . . . ran­da­lie­ren . . . Und ganz wich­tig . . . nie arbeiten.

Die NZZ ver­mel­det dazu lapidar:

Bei­de Posts muss Face­book nun wie­der frei­schal­ten und darf sie nicht erneut löschen, stell­te der BGH fest.

Ein­mal mehr muß man für eine alle Sei­ten berück­sich­ti­gen­de Bericht­erstat­tung die schwei­ze­ri­sche Pres­se auf­schla­gen. Gegen­über die­ser begrüßt der Medi­en­recht­ler Boris Paal die BGH-Entscheidung:
«Der Bun­des­ge­richts­hof hat nach­voll­zieh­bar die Rech­te der von Löschun­gen betrof­fe­nen Nut­zer gestärkt.» Wo pri­va­te Unter­neh­men auf­grund ihrer Markt- und Mei­nungs­macht wesent­li­che Bedeu­tung für die Aus­übung von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­frei­hei­ten hät­ten, müss­ten ein Min­dest­stan­dard an Infor­ma­ti­on und die Mög­lich­keit zur Gegen­äus­se­rung gege­ben sein, so Paal.

Die offe­ne Fra­ge bleibt: Wird dies Ein­Pro­zent und Co. noch nüt­zen oder kommt der Ent­scheid zu spät?

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (13)

Aussenseiter

5. August 2021 17:45

Das Corona-Regime zeigt doch überdeutlich: dieser Staat kann sehr wohl "Härte zeigen", wenn er nur will - und wenn diese Härte gegen die dem polit-medialen Komplex genehmen Gegner (oder inzwischen wohl schon "Feinde") wie den sog. "Querdenkern" geht. Die ca 500 000 mit letztinstanzlich abschlägigem Asylbescheid könnten abgeschoben werden, wenn die Buntenrepublik es wollte - dies ist nur ein Beispiel von vielen. 

Laurenz

6. August 2021 10:14

Wenn man im Netz nach den Eigentümern der zahllosen Flughäfen in China suchen will, findet man nur, daß der Flughafen Hahn von den Chinesen gekauft wurde. Da China nicht zum europäischen Binnenmarkt gehört, ist auch die die Mitteilung Krichbaums an den EU-Generalsekretär schwachsinnig. Als ob es nicht von höchstem Interesse eines Staates ist, wie die Eigentumsverhältnisse der Infrastruktur gegeben sind. 

Schweden ist von Maskenpflicht frei & hat wesentlich bessere Zahlen als das bayrische I. Reich unter seinem Führer Södolf.

Auch dem dümmsten AfDler sollte irgendwann klar werden, daß die Meutheaner den Auftrag haben, die Partei zu zerstören.

Was 1% angeht, so stellt sich die Frage nach dem Zeitpunkt der Löschung auf FB. Die FB-AGBs sind von 2018.

Niekisch

6. August 2021 10:44

 »Rechte der Nutzer von Facebook gestärkt. Geschäftsbedingungen für unwirksam erklärt«.

Also funktioniert der sog. Rechtsstaat doch noch ein ganz klein wenig und hin und wieder wenigstens. Das sei allen Schnelldenkern ins Stammbuch geschrieben, die ständig von Diktatur und völliger Abschaffung des Grundgesetzes sprechen! Niemand kann uns die Möglichkeit nehmen, mit rechtlichen Mitteln gegen jede Art von Unterdrückung konsequent vorzugehen. Und wenn sie erfolglos bleiben, dann geht wenigstens der Versuch in die Welt und zieht seine geistigen Kreise...

Franz Bettinger

6. August 2021 11:23

"Dieser Staat kann sehr wohl Härte zeigen, wenn er nur will." Ich meine: Dieser Staat, dessen Macht sich auf Söldner stützt, zeigt Härte nur so lang, bis ihm Gegenhärte gezeigt wird. Die Clans haben es längst vorgemacht.

RMH

6. August 2021 12:21

@Härte/Gegenhärte

Es war vermutlich in den letzten 50 Jahren für eine interessierte ausländische Macht noch nie so einfach, Terror und Destabilisierung in unser Land zu tragen, wie heute. Es bedarf dazu eigentlich nur die Einsickerung von geeignetem Material und ein, zwei agents provocateur und es ginge ab. Evtl. Besorgt das aber sogar der eigene Inlandsgeheimdienst selber, wenn Interesse an Eskalation zur Einführung von noch mehr staatlicher Härte besteht. 

Wir schlittern so langsam aber sicher ...

heinrichbrueck

6. August 2021 15:12

"Die Clans haben es längst vorgemacht."
Mafiastrukturen. Die Clans könnte man innerhalb einer Woche erledigen. Will man aber nicht. Der Kampf gegen Rechts könnte aufhören, und patriotische Töne eingesetzt werden. Will man aber auch nicht. Wer ist "man"? 
Demokraten haben ein schräges Weltbild. Man könnte sie auch ein bißchen bekloppt nennen, ganz allgemein gesprochen. Angewandte Massenpsychologie. Zuerst die Tat, dann die Wirkung. Steuerung der Einstellung und des Verhaltens. Zielorientierte Mithilfe bei der Umsetzung regierungstreuer Maßnahmen. Niveauunterschiede. Dann ist die NZZ die Bild der Intellektuellen. Geschichte wird live geschrieben. Der blinde Glaube, den die Mächtigen einfordern, ist ein Problem. Sie müssen auch nicht glaubwürdig lügen. Die Methode ist äußerst wirkungsvoll. 
Einwanderungsministerium. Klimaschutzministerium. Konservative Verteidigung der Weißendezimierung. Gegenbeweise? Befinden sich außerhalb des demokratischen Diskurses. Werden zu Verbrechen/-ern deklariert. 
Polizeigewalt in einem Vielvölkerstaat. Neue Normalität. Warum wird die Polizei diskreditiert? Spaltung und Auslöschung. 1500 Körperverletzungen pro Tag. 
Politischer Islam schlecht, Integration gut. Welche Variante tötet die Realität einvernehmlicher? Konservatives Anpassungsverhalten, wie an der Leine geführt. In einem Vernichtungskrieg. 

Laurenz

6. August 2021 17:16

@Franz Bettinger, RMH & HeinrichBrück

Wer sollte denn die Gegenhärte entwickeln? Terrorismus ist so gut wie immer Staatsterrorismus. Kein Terrorist mit über einem IQ von 80 wird mit einem Lastwagen oder ähnlichem in eine Menschenmenge fahren. Ein echter Terrorist würde immer gegen die heute so empfindlichen Infrastruktur-Einrichtungen losschlagen. Sendemasten mitten im Wald oder dicke Leitungen, wie die aus Ramstein in die USA, sind selten bewacht. Auch unser labiles Stromnetz, wie die Wasserversorgung sind leicht lahmzulegen. Aber das passiert alles nicht, was heißt, es gibt überhaupt keinen echten Terrorismus.

Und die Mafia schmiert natürlich die Politik, zumindest da wo es nötig ist. Die ganze Fakedemie ist eine einzige Schmierentragödie korrupter Politiker.

Niekisch

7. August 2021 13:40

"Demokraten haben ein schräges Weltbild. Man könnte sie auch ein bißchen bekloppt nennen, ganz allgemein gesprochen."

@heinrichbrueck 6.8.15:12: bin ich hier einer der Wenigen, dem hier eine zunehmende Argumentationslosigkeit auffällt, die wir doch sonst der Gegenseite zuweisen? Demokraten psychisch gestört? Warum? Müssen wir uns dann nicht teils selber für bekloppt erklären? Sind wir bekloppt, wenn wir für das eigene Volk die Kompetenz für die Verfassungsordnung verlangen? 

Ein Beispiel für generalisierende Oberflächlichkeit sind auch einige Kommentare im letzten Artikel von Götz Kubitschek, wo kikl und Kollegen doch nur unter www.dejure.org nachschauen müssen, welche Entscheidungen das BVerfG in letzter Zeit getroffen hat.

Niemals werden wir metapolitisch Land gewinnen, wenn wir uns die Methoden der herrschenden Cliquen und ihrer Helfer zu eigen machen.

heinrichbrueck

7. August 2021 17:50

"Sind wir bekloppt, wenn wir für das eigene Volk die Kompetenz für die Verfassungsordnung verlangen?"
Bei fehlender Verfassung? Ja.  

Laurenz

7. August 2021 20:34

@Niekisch

Das kann man historisch nicht immer so belegen, wie Sie das schreiben.

Herrscherfamilien haben sich mutmaßlich in der Bronzezeit entwickelt. Aber durch inzestuöse Heiratspolitik degeneriert man eben, die Kinder des herrschenden Adels wurden im Schnitt bis 1918 immer verblödeter, obwohl sie besser ernährt & besser ausgebildet waren.

(Die Bauern des Lechtals waren zu Beginn der Bronzezeit klüger. Heiratsfähige Frauen mußten das Lechtal verlassen & heiratsfähige Männer des Lechtals heirateten Frauen aus anderen Regionen.)

& natürlich gab es metapolitische Ideen, um es anders zu machen. Als Island ca. ab 900 besiedelt wurde, entwickelte man eine relativ "demokratische" Gesellschaftsform, auch wenn es immer Spannungen zwischen Früh- & Spät-Siedler-Familien gab.

Niekisch

8. August 2021 15:17

"Das kann man historisch nicht immer so belegen, wie Sie das schreiben."

@ Laurenz 7.8. 20:34: Muss man auch nicht, weil es hier ganz konkret um die Warnung davor ging, immer alles sofort und komplett zu generalisieren. 

Volksdeutscher

8. August 2021 17:40

1.

- "Es geht um mehr: Um die Rückerlangung nationaler Bestände, die in den diversen Privatisierungsphasen nach der liberalen Wende von 1989/90 – oft in ökonomischen Zwangssituationen  – an Nichtungarn veräußert wurden."

Und wie war das überhaupt möglich? Bei der sogenannten "Wende" waren die Kommunisten in allen wichtigen politischen und wirtschaftlichen Positionen. Nach dem "Methodenwechsel" (so bezeichnen Nationalisten und Nationalkonservative pejorativ die "Wende" oder den "Systemwechsel", der keiner war) gründeten sie eine liberale Partei (SZDSZ), sie selbst wurden übernacht zu Liberalen und betrieben die aggressivste antikommunistische Campagne, um das Volk einzuwickeln. Es waren sie, die den Kult der "Andersheit" (ein Vorläufer der Genderideologie) betrieben. Dann verscherbelten sie das Volkseigentum und ließen alles in der eigenen Tasche verschwinden: alles wurde privatisiert, was nicht niet- und nagelfest war. Es verlief ähnlich, wie mit der "Treuhand" und dem DDR-Vermögen.

Volksdeutscher

8. August 2021 18:01

2.

- "Es geht um mehr: Um die Rückerlangung nationaler Bestände, die in den diversen Privatisierungsphasen nach der liberalen Wende von 1989/90 – oft in ökonomischen Zwangssituationen  – an Nichtungarn veräußert wurden."

Als das durchschaut wurde, verloren sie an Einfluß und verschwanden allmählich aus der Parteienlandschaft. Es war zu spät. Davon hat sich Ungarn bis heute nicht erholt. Es bestand also damals zu keiner Zeit eine Zwangssituation! Diejenigen, die sich an dem Ausverkauf des Nationalvermögens bereicherten, mögen das freilich so darstellen. Alleine Anfang der 90-er Jahre unter dem Chef der Ungarischen Nationalbank György Surányi wurden von den ungarischen Goldreserven etwa 63 Tonnen verscherbelt, bzw. gegen Dollar veräußert. Surányi ist Mitglied der Bilderberg Group.... Noch Fragen? Bei jenem berüchtigten "Methodenwechsel" entstand die neue Oligarchenklasse Ungarns, deren Vertreter satte Aufträge auch von der Fidesz durch Projektausschreibungen zugeschustert bekamen und bekommen. Man vergesse nicht: Vor der "Methodenwechsel" war Viktor Orbán ein gewöhnlicher kommunistischer Parteisekretär in der KISZ (Verband Junger Kommunisten, die die ungarische Entsprechung der FDJ war). Ich vermute, seine anders gepolte Agenda wird gerade seinem neuen Image angepaßt, das er sich anlegte und in dem er sich und vielen gefällt: "Viktor Orbán, der edle Ritter aus der Grenzburg, der Retter Europas".