17. September 2021

Nationale Fitneß

Heino Bosselmann / 36 Kommentare

Ist Deutschland fit?

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession

Ob eine Nation als in sich gesund und nach außen als wettbewerbsfähig gelten kann, das bemißt sich – anders als nach sozial-demokratisch verordnetem Menschenbild – durchaus physisch. Leben, auch wirtschaftliches, politisches, kulturelles, bedarf der Vitalität.

Symptomatisch, wenn sich beispielsweise an der mecklenburgisch-vorpommerschen Polizei-Fachschule in Güstrow die Durchfallquote in einem moderaten Sporttest regelmäßig erhöht. Gerade wies der Neubrandenburger NORDKURIER genau darauf hin.

Mittlerweile, so der Bericht, verdoppelt sich die Zahl der unfähigen Kandidaten. Fielen 2013 noch 11 Prozent sportlich durch, sind es nunmehr bereits 21, obwohl besteht, wer 25 von 70 Punkten erreicht, also 36 Prozent.

Zu absolvieren sind eine Hindernisbahn mit Slalomlauf, das Forcieren eines Schrägkastens, Rolle vorwärts und rückwärts, das Durchkriechen und Überspringen zweier Turnhocker und dreier Kastenteile sowie das Überwinden beider Holme eines Stufenbarrens. Ferner wären jeweils nach Zeit ein Wendelauf von vierzig Metern zu bewältigen und Klimmzüge, diese allerdings erleichtert nur im Schräghang.

Das schaffen viele nicht. Keine achtzehn Klimmzüge in Rückenlage in zwanzig Sekunden, wenn die Beine noch auf dem Boden sind. So die Mindestanforderung für eine befriedigende Note. Ebensowenig den vierzig Meter Pendellauf zwischen zwei Hockern in 10,3 Sekunden oder 12,90 Meter im Dreierhopp und keine vier Runden Hindernis-Parcours in 2:57 Minuten.

Um mal besser von den gleichfalls zu absolvierenden Testverfahren – einem Diktat mit "hoher Versagerquote" (Ostsee-Zeitung) und je einem kognitiven und psychologischen Test – zu schweigen:

Eine Nation, deren Jugend nicht die Knochen hat, einen durchschnittlichen Sporttest zu bewältigen, sollte sich nicht allein um Athletik, sondern um ihre Kultur Sorgen machen. Eingedenk dessen, daß zu dem genannten Test die vergleichsweise Fitteren auflaufen, die mindestens von sich ja meinen, sie hätten was drauf.

Sport ist eben nicht nur Spiel, sondern der letztverbliebene Bereich, in dem man Ursprungserfahrungen sammelt, die anderswo nicht mehr möglich sind, weil straffe Herausforderungen schnell als ungerecht und diskriminierend gelten. Sich anstrengen, ja sogar aktiv schinden, an die eigenen Grenzen und darüber hinausgehen, erleben, daß mehr möglich ist, als man annahm, und daran auch innerlich und charakterlich wachsen, solche Ausbildung von Haltung erscheint bereits anachronistisch.

Der Jugend-Koordinator des Handballklubs Empor Rostock, Tristan Staat, auf die Frage, ob der Polizeisporttest zu schwer wäre:

"Die sportmotorischen Tests richten sich an die breite Masse. Mit regelmäßigem Training über einen Zeitraum von zwei Monaten sollte einem Bestehen nichts im Wege stehen." Wichtig wären eben "Fleiß und Disziplin". Das jedoch sind eben die Begriffe, die man in der sogenannten Bildungsforschung und in kultusministeriellen Texten vergeblich sucht.

Andere Bundesländer weichten die Normen für Polizisten längst auf: In Sachsen-Anhalt reicht einfach die Vorlage des Deutschen Sportabzeichens in Silber. Für die Bundespolizei wird gar kein echter Krafttest gefordert; es reichen ein "Ausdauerlauf" von zwölf Minuten, ein Hindernisparcours und ein Pendellauf.

Wer im Kraftraum die schweren Eisen und sich selbst gern ein paar Bahnrunden mehr bewegt, bewegt sein eigenes Leben. Sport bildet – mehr als bloß physisch – gleichfalls intensiv mental aus. Wer über körperliche Ausdauer verfügt, der vermag gleichfalls in anderen Anstrengungsbereichen länger und tiefer durchzuatmen, ist von Widrigkeiten nicht gleich gestreßt und überfordert und weist die so häufig beschworene, weil eben vielfach vermißte Resilienz nach; er ist sicher positioniert und widersteht.

Ja, er ist wehrfähig, was einschließt, Schutzbedürftigen helfen zu können. Die Abbrecherquote innerhalb der Ausbildung zur Bundeswehr erscheint gleichfalls immens hoch; jeder Fünfte hält nicht durch, u. a. wegen der moderaten Anstrengungen in der längst abgerüsteten physischen Ausbildung.

Andererseits kann Sport zu einem kontemplativen Weg werden: Still in ruhiger Anstrengung allein unterwegs sein, im Zwiegespräch mit sich selbst, zur Klärung der Unruhe in regelmäßiger Bewegung und vor allem im Atmen erkraften. Oder im heilsamen Wagnis der Leere.

Ebenso wie in allen anderen Schulfächern sind die Anforderungen im Sportunterricht innerhalb der letzten Jahrzehnte stetig reduziert und proportional dazu die Bewertungen inflationiert worden.

Gerade in der Halle und auf dem Platz gilt nur noch: Versuche mal locker, was dir möglich ist. Geht's nicht, wirfst du drüben an der Basketballanlage mal ein paar Körbe. Hauptsache, du bewegst dich überhaupt noch, denn schon damit liegst du weit vorn. Etwas männliche Ansprache, Puls und Tonus fordernd, motivierend gemeint, ruft schnell die Kritik auf, es würde überfordert und „gedrillt“.

Dabei kommt es überhaupt darauf an, die allzu flachen Amplituden des Leidenschaftsmangels öfter mal auszacken zu lassen. Wo andauernd zugereicht wird, wo dem selbst Passiven Unterhaltung gratis über die Apps und Konsolen geliefert wird, wo er – wie im Unterricht – nur noch mißmutiger Rezipient ist, der alles, was ihn selbst aus dem Sessel reißen will, uncool findet, da degenerieren Form und Haltung. In mehrerlei Hinsicht verkommt der Mensch und wird amorph.

Adipositas ist sichtlich das Kennzeichen unserer Gesellschaft und Folge ihrer pädagogischen und Sozialbegriffe. Deutschland verliert nicht nur bei Leichtathletikwettkämpfen gegenüber Nationen, die nach wie vor auf Mumm und harte Trainingseinheiten setzen. Es sollte eben gerade nicht jeder dort abgeholt werden, wo er steht, wie es alle Banalpädagogik seit Jahrzehnten stereotyp meint; nein, er sollte befähigt werden, selbst kräftigen Schritts aufzuschließen und sich beweisen, daß er es kann, zugunsten des eigenen Selbstwertgefühls. Keine Nachteilsausgleiche, sondern die eigenen Nachteile selbst ausgleichen und so eine biographisch notwendige Aufgabe lösen.

Es braucht keine Heldentaten. Eine erste erfrischende Herausforderung wäre schon angenommen, wenn man jugendlich darauf verzichtete, im Fond von Papas SUV chauffiert zu werden oder an der Maskenparaden im Nahverkehr teilzunehmen. Stattdessen mit dem Fahrrad frei durch die Stadt oder Landschaft surren!

Ja, die Fitneß-Studios laufen – allerdings eher aus individualistischen, nicht selten reduziert ästhetischen oder gar narzißtischen Motiven. Verständlich, aber mit einem kollektiv oder gesellschaftlich überfälligen Ziel, im umfassenden Sinne kräftiger und leistungsfähiger zu werden, hat das weniger zu tun. Obwohl Ästhetik schon mal vor Ethik gedacht werden darf.

Sportlehrer registrieren die Defizite, selbst das Ministerium weiß darum. Interessant, wie darauf reagiert wurde, mit einer „Handreichung zur Ermittlung und Bewertung der allgemeinen sportmotorischen Leistungsfähigkeit“. Die darin empfohlenen Übungen sind intensiv, sogar anspruchsvoll und hinsichtlich der Erwartungsmaßstäbe angemessen. Nur gehört dazu: Anstrengung, Training, Selbstüberwindung. Als Sportlehrer hatte ich sie an einer Rügener Schule einzuüben und übte mit. Zur Nachahmung empfohlen.


Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

  • Sezession

Kommentare (36)

Schobbepetzer

17. September 2021 08:39

Topartikel. Gleiche Situation in den Vereinen, habe als Fussballtrainer erlebt, dass 7j Kinder nicht mehr rückwärts laufen können. Der Staat will solche Versager, wer körperlich unfit ist, hat ein mangelndes Selbstbewußtsein.

@Bosselmann, sie sind der Typ Lehrer, den ich als Schüler gehasst und geliebt habe. Gehasst wg den Liegestütze bei mangelnden Vokabeln. Und geliebt, weil Sie nicht mein Freund, sondern mein Forderer und Förderer gewesen sind. Davon profitiere ich heute noch.

RMH

17. September 2021 09:02

I don't fit into this system and I am proud of it.

Fit hieß ein Spülmittel in der DDR. Ohne das Produkt zu kennen, löst das bei mir die Assoziation mit flutschen und aalglat sein aus.

So viel zum Bullshitbegriff "Fit".

Im Übrigen hat Herr Bosselmann natürlich Recht. Mens sana in corpore sano, was wir in der Schule in mens sana in corpore Sanella (gab's vermutlich in der DDR nicht mehr) verhonepipelten. 

Lumi

17. September 2021 09:30

Das ist ein sehr schöner Artikel zum Sport. Zum echten Sport. Ein Zeichen der Zeit ist ja, daß seit einigen Jahren die Existenz eines elektronischen Sports postuliert wird. Wir haben es damals am C64 daddeln genannt und heute heißt es zocken. Wahnsinn überall.

Das verlinkte PDF (überflogen) enthält viele nützliche Übungen. So etwas hätte ich in der Schulzeit (80er) mit Fleiß und Disziplin befolgen sollen. Die Lehrer hätten Kinder mit fehlenden Muckis (wie mich) üben lassen sollen, damit sie den Körper aufbauen, der sie dann auch durch die benoteten Übungen trägt. Das hat damals leider kein einziger Lehrer getan. Und ich wußte von Haus aus nicht, was ich tun kann, um mir den Erfolg zu erarbeiten, da den Eltern Sport egal war und ich den Mißerfolg einfach als Fatalität hingenommen habe.

Heute schaffe ich zehn echte Klimmzüge (nix Schräghang) im Vorgriff und zwölf im Rückgriff. Das reicht mir. Viele schaffen null, weil sie aus dem echten Hang nicht hochkommen. Oder einfach zu kräftig sind. Wenn ich nicht übe, schaffe ich die Zahl auch nicht mehr.

Ich bin dreimal Marathon gelaufen, einmal in 3:05, und konnte mir so beweisen, was mit Fleiß und Disziplin erreicht werden kann. Auch Joschka Fischer hat es geschafft, und der war sogar richtig moppelig. Das immerhin muß man ihm lassen.

Auf S.8 im PDF ist eine Empfehlung zur Festlegung der Noten. Sie scheint zu garantieren, daß es immer einen Haufen Einsen gibt. Kann das richtig sein?

Gustav Grambauer

17. September 2021 09:46

"Der Seiler ist kein Mann für sie. Der Seiler paßt zu weißen Turnschuhen. Nicht zu ihnen. Tschuldigung."

- Wanzka zu Frl. Marlott in dem auf Wellms Roman "Pause für Wanzka oder Die Reise nach Descansar" basierenden Kinofilm "Pause für Wanzka".

(Der späte) Wellm ist m. E. einer der unterschätztesten Autoren und der Film ist m. E. der beste, der stärkste, der reifste der DEFA-Filme, ein Wurf weit über die damaligen Verhältnisse hinaus. Buch und Streifen empfehle ich Ihnen einmal, lieber Herr Bosselmann. Mehr muß ich dazu vor dem Hintergrund Ihres Beitrags nicht sagen. Sie sind Jg. `64, haben Sie denn diese die 80er Jahre so tief prägenden Auseinandersetzungen völlig an sich vorbeirauschen lassen? 

- G. G.

Gustav Grambauer

17. September 2021 09:47

War gestern abend zum ersten Elternabend mit den drei (!) neuen Klassenlehrerinnen der Schulklasse meines Kindes nach dem Übertritt in die Mittelstufe. Hatte dort ein unbeschreibliches inneres Erlebnis: dort treffen Lehrer, Eltern und Kinder in Freiheit zur Erziehung der Kinder aufeinander - zwar in einem Gebäude, aber das Gebäude (und damit die teilweise durchaus sinistre Schulstruktur) tritt demgegenüber phasenweise völlig in den Hintergrund. Die Menschen und ihre Beziehungen treten - mit Nachdruck auf die Förderung der Individualität - so stark in den Vordergrund, daß Gebäude und damit Struktur ihrer Bedeutung enthoben werden. Finde, darauf sollte man aufbauen, wobei Sie meine neulichen Hinweise auf die tiefere Bedeutung des Wortes "Fitneß" offenbar ebenso an sich haben vorbeirauschen lassen.

"Fürstenerziehung für alle"!

("Statt Fitneß = Sträflingserziehung für alle".)

(Um auf Raspails "Jeder Mensch ist ein König" zurückzukommen.)

- G. G.

Franz Bettinger

17. September 2021 09:48

"Sport ist eben nicht nur Spiel.“ Wie wahr! Wenn ich meinen Eltern für eins dankbar bin, dann dafür, dass sie mich (und meinen Bruder) schon mit 6 Jahren in die Turnstunde schickten. Die da entwickelten Talente vom Seilklettern über klassisches Turnen bis zum Hindernis- Lauf verleihen einem ein (selbstverliebtes?) tolles Körpergefühl und das nötige Selbstvertrauen Krisen zu überstehen. Wer im Gymnasium sportlich unangreifbar war, den konnte man in der Pause kaum in die Unterwerfung mobben. Das rettete mich immer wieder; auch später noch; eigentlich ein Leben lang. Wer dieses Körpergefühl nie richtig kennenlernte, dem (denke ich) entgeht eine Quelle des Glücks.

zeitschnur

17. September 2021 09:56

Diese Muskelfeiglinge, die seit anderthalb Jahren auf Demos zu fünft über Schwangere, zierliche Opas und Kinder herfallen, allesamt in Uniform, schwarz, wie gehabt, was ist mit denen?

Ansonsten: Die Zerstörung der körperlichen Geschmeidigkeit ist gewollt. Es ist ja schon was dran an "Mens sana in corpore sano". Von allen Seiten wird die zerstörung der Leben eingeleitet.

Mit bloßen Appellen sind die Betroffenen überfordert.

Gustav

17. September 2021 10:07

Der Untergang des Abendlandes in Reinkultur. Und niemand wird ihn aufhalten.

Selbst bei der Olympiade der ganz besonderen Menschen und Menschinnen, die nicht behindert sind sondern die Umwelt behindert ist, mußten wir Ländern wie Aserbaidschan den Vortritt lassen.

Made in Germany...

Franz Bettinger

17. September 2021 10:22

Ich kann mich nicht erinnern, Turnen + Sport als Drill, Stress + mit Disziplin verbunden empfunden zu haben. Es machte einfach Spaß, den Körper kennenzulernen und besser zu werden. Niemand brauchte einem zu sagen 'Streng dich an'. Motivation bezogen wir allein durch die Anschauung unserer Vorbilder + das Bewundern ihres Könnens, das der überlegenen Jungs und sogar einiger Mädchen, die 1 oder 2 Jahre älter waren. Vielleicht liegt die Leichtigkeit des Seins (ha) und des Lernens darin begründet, alles zur richtigen Zeit zu machen, in den Prägung-Phasen, die einen Anfang und ein Ende haben, und die später nicht wirklich (oder eben nur per Stress) nachgeholte werden können. Meine Frau hat, weil sie aus eher armen Verhältnissen kam, als Kind kein Fahrrädchen besessen und doch später mit mir große Rad-Touren gemacht (tausende Km weit) und doch lag es ihr nie im Blut. Sie musste sich zwingen, sagt sie heute. Die Prägung verpasst?

Maiordomus

17. September 2021 10:38

In der Schweiz, zumal der Deutschschweiz, ist die deutsche Sprache und nicht der Sport ein Hauptgrund, warum man die Aufnahmeprüfung in die Polizeischule nicht besteht, wobei letzteres zumal bei männlichen Kandidaten der häufige Versagensgrund ist. 

Laurenz

17. September 2021 10:41

@HB

Also Hedonist muß ich Ihnen ausnahmsweise, was den Polizeidienst angeht, Recht geben. Das liegt natürlich in der heute schlechten sportlichen Jugendarbeit begründet.

Hier der olympische Siegeslauf des Norwegers Warholm in 400 Meter Hürden Disziplin in Tokio .... 

https://youtu.be/rt7ZPK9nw5g

Einfach nur grandios....

Ein gebuertiger Hesse

17. September 2021 10:43

Prima Artikel, gute Kommentare - besonders dieser vom Schobbepetzer:

"@Bosselmann, Sie sind der Typ Lehrer, den ich als Schüler gehasst und geliebt habe. Gehasst wg den Liegestütze bei mangelnden Vokabeln. Und geliebt, weil Sie nicht mein Freund, sondern mein Forderer und Förderer gewesen sind. Davon profitiere ich heute noch."

Was da drinsteckt, macht ganze Regalreihen von Erziehungshandbüchern obsolet. Fünf von vier Punkten!

Karl

17. September 2021 10:56

Ich erlaube mir aus einem meiner Artikel zu zitieren: "Die Schließung von Sportanlagen und Fitnessstudios (im Rahmen der sog. "C-Krise") bringt erhebliche Auswirkungen für die Gesundheit mit sich. Körperliche Aktivität wirkt sich nicht nur positiv auf die Gesundheit aus, sondern bedeutet auch für Menschen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauferkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, muskulo-skeletalen, neurologischen, onkologischen und psychischen Erkrankungen und vielen mehr ein Segen, eine Besserung der Symptomatik, der Lebensqualität, des Befindens und verbessert nicht zuletzt auch bei vielen Krankheiten sogar die Prognose. Den Menschen diese Möglichkeiten zu nehmen, läuft darauf hinaus, sie kranker zu machen." Ist das politisch gewollt? Jedenfalls ist "Gesundheit" nicht das Ziel dieser Politik. Umgekehrt ist auch in zahlreichen Studien zur Auswirkung körperlicher Inaktivität dieser Zusammenhang eindrucksvoll belegt worden. Schon nach 10 Tagen bahnt sich eine diabetische Stoffwechsellage an, Fetteinlagerungen und Muskelabbau werden registriert.  Dazu gibt es sehr eindrucksvolle Studien (vgl. z.B.: Booth FW et al. Role of Inactivity in Chronic Diseases: Evolutionary Insight and Pathophysiological Mechanisms. Physiol Rev. 2017 ; 97 : 1351-1402. doi: 10.1152/physrev.00019.2016. PMID: 28814614.)

Ein gebuertiger Hesse

17. September 2021 11:00

@ Bettinger

"Die da entwickelten Talente vom Seilklettern über klassisches Turnen bis zum Hindernis- Lauf verleihen einem ein (selbstverliebtes?) tolles Körpergefühl und das nötige Selbstvertrauen Krisen zu überstehen."

Es ehrt Sie, daß Sie das Wort "selbstverliebt" mit einem Fragezeichen versehen. Aber machen wir uns nichts vor: Worum es hier geht, gibt einen echten Grund zum vollumfänglichen Gefallen an einem selbst. Es hat auch mit Respekt zu tun - den man nämlich hier vor seinen eigenen Leistungen hat. Daß viel zu viele Leute dergleichen Erfahrungen zu selten oder auch nie machen, ist ein Hauptgrund für das grassierende Unglücklichsein da draußen.

Apostat

17. September 2021 11:35

Wenn man in den besseren Vierteln Berlins unterwegs ist, trifft man schon viele Jogger. Aber gesamtgesellschaftlich besteht- meiner Meinung nach, seit Ende des kalten Krieges, spätestens seit der Abschaffung der Wehrpflicht, kein Interesse mehr an einer fitten Jugend.

Sport bedeutet auch immer Auslese, Sieger und Verlierer. Und das passt nun gar nicht in das linke Weltbild von Gleichheit und Inklusion.

Hartwig aus LG8

17. September 2021 11:47

Es geht um den einen Klimmzug, den man schaffen muss.

Man hat dabei ca 3 kg Kleidung/Schuhwerk am Leib. Dazu kommt ein 10 kg-Rucksack; vielleicht hängt statt des Rucksacks auch ein Kind auf dem Rücken, die Arme um den Hals geklammert. Und da ist keine normierte Reckstange, sondern ein Balken, bei dem man gerade so die Finger drüber kriegt. Bis zum Schlüsselbein muss man sich bis zur Höhe dieses Griffes ziehen, um dann irgendwie mit dem Ellenbogen Halt zu finden ...

Valjean72

17. September 2021 13:00

Starker Artikel, wichtiges Thema.

"Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper". Seitdem ich zum ersten mal ganz früh am Gymnasium dieses altgriechische Ideal vernahm, kommt es mir immer wieder mal in den Sinn.

Allerdings setzt dieser Staat (und die ihn durchdrungen habenden nichtstaatlichen Einheiten und Strukturen) alles daran, den Volkskörper langfristig auf körperlicher, geistiger und letztlich auch auf seelischer Ebene grösstmöglich zu degenerieren.

Noch nie war eine deutsche, männliche Jugend in der Breite so unfit und motorisch so linkisch wie heute. Dafür können sich die Burschen heutzutage per einfachem Mausklick mit belangloser "Musik" zudröhnen oder sich mit jederzeit verfügbaren Pornofilmchen die Sinne abstumpfen lassen.

Dies alles ist gewollt, ebenso wie die Masseneinwanderung oder der Abbau der industriellen Säulen dieses Landes.

Valjean72

17. September 2021 13:09

Es ist nicht allein die zunehmend mangelnde körperliche Fitness, die Anlass zur Sorge bei bundesdeutschen Polizei-Anwärtern gibt:

Aus der Schule im Bezirk Spandau, an der der Nachwuchs der Hauptstadt-Polizei ausgebildet wird, waren Missstände bekannt geworden. Demnach gebe es Bewerber, bei denen Respekt, Disziplin und Rücksichtnahme nicht ausreichten. Manche beherrschten die deutsche Sprache ungenügend. Laut Polizei gibt es Deutsch-Nachhilfekurse. Einige Anwärter seien zuvor straffällig geworden, hatte die Behörde eingeräumt.

(Quelle: WELT.de; 03.11.2017)

Dieser Staat (und damit dieses Land) wird gezielt an die Wand gefahren.

Gotlandfahrer

17. September 2021 13:12

Deutschland ist nicht fit.  Einem Volk, dem die innere Kommunikation durch die Zugriffe der Fremdinteressen dahingehend manipuliert ist, dass es seine Entscheidungen nicht anhand des freien Spiels seiner eigenen Kräfte erringen kann, geht - blind gemacht für diesen Umstand - ein, erst recht, wenn es sich in einem von Arbeits- und Entstehungszusammenhängen maximal entfremdeten Stand seiner kulturellen Entwicklung befindet.  Aber wie heißt es so schön: Die Kraft, die Böses will und Gutes schafft - wenn das Faule erst vom Knochen gefallen ist, reden wir weiter.

Laurenz

17. September 2021 15:41

@viele Foristen

Wenn HB als Lehrer schreibt, betrifft das, auch wenn es den Polizeidienst betrifft, vor allem Kinder & Jugendliche, im weiteren Sinne jungen Leute.

(Und HB ist daher auch exakt der Richtige, der darüber schreibt, weil Er direkt den Ball führt.)

Und das ist auch prägend für das Leben, egal, wie man danach lebt.

Wie schon desöfteren erwähnt, war es der preußische Generalstab, der nach jeglichem Verlust an Körperlichkeit durch die christliche Herrschaft als erste Institution in Europa Kinderarbeit verbot, weil die Rekruten damals für eine jegliche Ausbildung schon zu kaputt waren. Insofern ist auch die heutige Zeit zu bewerten. Was macht denn Kinder & Jugendliche kaputt?

Mit der Verteufelung des Mausklicks ist es sicherlich nicht getan.

AmazonBesteller

17. September 2021 16:46

Sie sind doch Lehrer, also lehren sie. Ihr Kommentar verengt sich nur auf Prüfungen. Und ja, prüfen, das tun die Lehrer gerne. Den Rotstift ansetzen... hmmm.... welch Macht.

In der Bahn (vor Corona) saßen mir häufig Lehrer gegenüber. Während das monotone Rumpeln des Zuges uns alle in einen Dämmerschlaf versetzte, korrigierten diese Lebensrichter mit strenger Miene, Grimassen und leidigem Seufzen. Aber was korrigierten sie da eigentlich? Das Ergebnis der eigenen Unfähigkeit Wissen und Können zu vermitteln. Ich vergaß, die Kinder sind schuld. 

Und diese Tests sind absolut dämlich. Das Turnen fehlt völlig. Wo ist der Handstand? Der Purzelbaum oder Salto in die Matte? Handstand-Überschlag? Ein Rad schlagen? Kniebeugen OHNE Stuhl (zu viel verlangt?) Stattdessen mit einem Ball an die Wand tippen... merken Sie den Unterschied? Irrenhaus. Was kommt als Nächstes? Wer kann am häufigsten mit dem Kopf gegen die Wand schlagen? 

PS

Krafttests waren in deutschen Exekutiven nie von Belang oder völlig untergeordnet. Der Schwerpunkt lang nur auf Ausdauer und laufen. Find ich nicht gut. Aber schauen Sie sich mal das Deutsche Sportabzeichen bei der Bundeswehr an. Bei mir wurden keine Ausweichdisziplinen zugelassen und bei Bekannten auch nicht. Fette hatten da schon Probleme. Mit Klimmzügen wären alle raus. Laufen, Hochsprung, Dauerlauf, Sprint, Kugelstoßen und 200 Meter schwimmen. Mehr gab's nicht.

Laurenz

17. September 2021 17:30

 

@AmazonBesteller

Zu verbessern gibt es immer irgendetwas.

Was Lehrer angeht, so gibt es 2 Sorten, die einen, die aus Leidenschaft lehren & die anderen, die vor allem die Privilegien gewählt haben.

"Macht"

Was allen Lehrern gemein ist, ist das Klugscheißertum.

Lehrer wissen alles am besten.

Jetzt wissen Sie auch, eingedenk dessen, daß ich meinen eigenen Charakter kenne, warum ich mich völlig bewußt nicht für den Lehrerberuf entschieden hatte. Nur unter meinesgleichen wäre es einfach ein zu langweiliges Leben gewesen, trotz aller Privilegien.

AndreasausE

17. September 2021 19:03

Sportunterricht hatte ich weiland verabscheut. Erst Jahre später entdeckte ich die Freude an Leibesübungen.

Dennoch (oder gerade deswegen) bin ich dafür, mindestens dreimal die Woche die erste Schulstunde dem Sport zu widmen. Zum Ende wird geduscht - und zwar kalt.

Daß ich das nicht mochte, lag indes wohl an völlig unfähiger Lehrerschaft. Diejenigen, die ohnehin schon gut waren, also Vereinssportler oder Naturtalente, wurden gefördert, wir "Weichlinge" gern mal als "fußkrank" vor versammelter Klasse verspottet. Dazu dann noch das Wählen - sehr "ermutigend", als letzter auf der Bank zu sitzen.

War mir aber nicht unrecht, solchen Mist wie Basketball mochte ich nie.

 

Heute mache ich den meisten meiner Altersklasse was vor, die 10 km laufe ich locker, meinetwegen rauche ich dabei auch nen Joint und trinke ein Bier, etwas überspitzt gesagt.

Lumi

17. September 2021 19:34

@AndreasausE

Genau so ist es im Sportunterricht auch bei uns gewesen (80er). Die guten wurden gefördert, mit den minder guten wußten die Lehrer nichts anzufangen. Dabei hätte man sie aufbauen und auch gut machen können. Durch ganz einfache Übungen, die man auch zuhause hätte wiederholen können. Durch einen Übungsplan. Unweigerlich hätte sich der Erfolg eingestellt.

Indes wurde in diese Richtung nichts gemacht, rein gar nichts, und zwar durch die Bank bei allen Lehrern von der Grundschule bis in die Oberstufe.

Heino Bosselmann, haben Sie das gehört?

RMH

17. September 2021 19:56

Kann die Erfahrungen von A aus Einem und Lumi bestätigen. Stunden würden für sinnlose Notenabnahmen vergeudet und im Zweifelsfall, um sich beliebt zu machen, nur ein bisschen gekickt. Sport im Sinne von Ausdauer etc. habe ich erst bei der Bundeswehr erfahren und war da eher positiv angetan. Kein sinnloses Geschleife, sondern Waldlauf, Geländemarsch, schwimmen, schießen. Hat Spaß gemacht. Die heutigen Generationen verpassen was.

tearjerker

17. September 2021 20:02

Sportunterricht wird allgemeinen Bewegungsmangel nie ausgleichen und gehört nicht an allgemeinbildende Schulen. Die Voraussetzung für grundlegende gesellschaftliche Verbesserungen und mehr Fitness ist und bleibt das Unschooling und die Beseitigung der Schulpflicht, dessen einziger Zweck ist, den Nachwuchs daran zu hindern, sich auf etwas anderes als die Versorgungsinteressen des Apparates zu verpflichten.

Leander

17. September 2021 21:12

Nein @Lumi,

die Talente verbessern sich mit wenig Übung deutlich schneller, als die Grobmotoriker mit Qualen je erreichen könnten. Macht aber nichts, denn „fit for purpose“ ist die Herausforderung. Die mühelose Leichtigkeit des Golfers versus dem brutalen Uppercut des untergrossen Mike Tyson. Zur Not beisst man halt dem Gegner ein Ohr ab.

Körperliche Fitness, ein scheinbar leichtes Thema, aber im Lebenslauf häufig mit Dramen verbunden. Der Sunnyboy pfeilte vom 5er nach einem Salto ins Wasser, dem (immerhin nicht feigen) Nichttalent blieb nur die Arschbombe. Wem die Aufmerksamkeit der Klassenbeauties galt war klar, denn Arschbombe könnte der Talentierte sowieso. Später im Leben gibt es dann häufig die Gelegenheit zur Rache, besonders wenn der Intellekt konkurrenzfähig ist. In der Kanzleramtsstube ist das Nichttalent ein mächtiger Koloss. In den Managersesseln der Wirtschaft trifft man nicht nur die Dr. Reitzles, sondern auch die Tysons (Mehdorns), die auf ihrem Kompensationsfeldzug weniger sich, als den Unternehmen schaden.

Aber wozu muss man denn heute körperlich fit sein? Die schwer gepanzerten Polizisten müssen nur den Schlagstock schwingen. Zu viert reicht auch die Kraft eine alte Frau zu schleifen. Und um Drohnen zu steuern genügen blasse Computernerds.

RMH

17. September 2021 22:30

"Aber wozu muss man denn heute körperlich fit sein?"

Ausschließlich fürs eigene Wohlbefinden. Nicht gleich schwitzen, wenn man mal ein paar Treppen hoch geht etc.

Aus Verteidigungsgründen sicher nicht mehr. Angriffe auf einen als Person erfolgen fast nie offen, sondern meistens aus Überraschungssituationen, Ausnutzung von Überzahlsituationen und/oder unter Anwendung "linker" Methoden. Habe schon gestandene Kampfsportler in ihrem eigenen Blut liegen sehen. Ich gebe auf das Ganze rein gar nichts mehr.

Sport ja, aber nur für sich selber und nie verbissen - mens sana in corpore sano eben. 

Volksdeutscher

17. September 2021 23:56

Ja, wozu braucht der deutsche Polizist unserer Tage so viel Kraft? Er hat ja seinen Schlagstock, mit dem er auch als Fliegengewichtiger den starken Max miemen kann und er hat seinen Wasserwerfer, mit dem er jeden umpusten kann. Und sollte er einmal wirklich in Not sein, wird er sich an seiner Pfefferspraydose festhalten. Den Ballermann darf er freilich nicht benutzen und vielleicht kann er ja auch nicht, aber täuschend echt sieht er damit aus. Das bißchen Kraft also, die er hat, verwendet er deshalb lieber dazu, deutsche Rentner in den Schwitzkasten zu nehmen oder zu Boden zu schleudern. Ich habe in mehreren Videos auf YouTube gesehen: sie verwenden diesen speziellen "Rentnerwürgegriff". Jeder Mann und jede Frau über 80 klopft da ohne Widerstand zu leisten ab.

Laurenz

18. September 2021 00:09

https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2021/jeder-fuenfte-polizeibewerber-scheitert-am-sporttest/

Die bei der JF lesen auch SiN...

Lumi

18. September 2021 11:06

@Leander um 21:12

Mir ging es nicht um Konkurrenz, Rang, Kampf, Ausstechen, Auftrumpfen, Bessersein oder sonstigen Sozialdarwinismus, sondern um die individuelle Entwicklung des Menschen.

Es geht hier nicht um Spitzenleistungen, sondern um Übungen, die jeder schaffen können sollte, und dafür braucht es nun mal einen körperlichen Aufbau, den der Schulsport fördern und schaffen soll.

Natürlich sind Menschen unterschiedlich talentiert und entwickeln sich unterschiedlich rasch und weit. In vielen Fächern wurden aber in der Schule die Leistungsschwachen extra gefördert, während im Sport nur die Leistungsstarken gefördert wurden. Das finde ich nicht richtig. Das muß man verbessern.

URN

19. September 2021 10:58

Kein vernünftiger Mensch kann etwas gegen körperliche Betätigung von Kindern haben. Warum sollte Schulsport dafür nicht a u c h ein Rahmen sein, einer von möglichst vielen? Aber auf diesem Forum wird mittlerweile ja auch gegen die allgemeine Schulpflicht gewettert; was würde wohl der "Vater" dazu sagen?!

Flaneur

19. September 2021 15:56

Nachfolgend ein Link zum physischen Eignungstest der Berufsfeuerwehr Hamburg:

https://www.hamburg.de/innenbehoerde/ausbildung-feuerwehr/7823328/physischer-eignungstest/

Solcherart sind die Übungen, die eine immer geringere Zahl an Bewerben erfolgreich bewältigt.

AmazonBesteller

19. September 2021 18:03

@Flaneur

Der Test ist ein Witz. Nicht mal annähernd das Niveau des Deutschen Sportabzeichens. 3000 Meter in unter 13 Minuten ist das Minimum und der Goldstandard. Wer wohl von denen so gerade die 15 Minuten packt?

Das wollte ich eigentlich schreiben. Dann habe ich nochmal nachgesehen und stellte fest: auch das Deutsche Sportabzeichen ist bezüglich der Anforderungen abgesenkt worden...

 

@URN

Ach Urn. Der Schulsport dient doch nur der Besatzung der letzten Freizeitreserve. Was soll man den da lernen? Weniger Schule, nicht mehr. Das gilt nicht nur für den Sport.

adrianCH

20. September 2021 05:39

Beruflich habe ich sehr viel mit Menschen zu tun. Ich stelle mit schrecken fest, daß seit der sogenannten "Corona-Krise" die Menschen mehr an Bauchumfang zugelegt haben und der Griff zur Flasche ist für viele zur "normalität" geworden...

RMH

20. September 2021 08:44

"auch das Deutsche Sportabzeichen ist bezüglich der Anforderungen abgesenkt worden..."

Den Eindruck hatte ich beim durchsehen der aktuellen Anforderungen auch, konnte es aber auf die Schnelle nicht recherchieren.

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