13. September 2021

Faktenlage (1) – Wo steht die SPD?

Daniel Fiß / 15 Kommentare

Kaum mit Chancen gestartet. Jetzt vorne im Rennen um Platz eins. Wohin hat dieser Aufstiegstrend die SPD geführt?

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

  • Sezession

Am 10. August 2020 verkündete die SPD mit Olaf Scholz ihren Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2021, was zu diesem frühen Zeitpunkt für viele Beobachter eine größenwahnsinnige Anmaßung gewesen sein dürfte. Im August 2020 lag die SPD in den Umfragen abgeschlagen bei 14-16%. Die CDU war noch inmitten des Findungsprozesses ihres neuen Vorsitzenden. Laschet war zwar bereits im Rennen, aber die Kanzlerkandidatur stand angesichts der ungeklärten Vorsitzfrage noch zur Debatte. Die Union stieg insgesamt auf solide 35% in den Umfragen, während die Grünen mit Umfragen zwischen 18-20% zwar Kanzlerambitionen anmeldeten, aber keineswegs in Reichweite zur CDU gesehen wurden.

Die SPD pokerte mit dieser frühen Entscheidung ziemlich hoch. Die Aufmerksamkeitsmunition für ihre Bundestagswahlkampagne hätte damit schon verschossen sein können. Zudem erntete die Partei viel Spott und Häme für ihre Ankündigung, einen Kanzlerkandidaten aufstellen zu wollen angesichts ihrer damaligen Ausgangslage von 14%. Die Nominierung wirkte eher wie die gewöhnliche Folklore einer einstigen Volkspartei, die jedoch schon lange in die parteipolitischen Drittklassigkeit abgestiegen ist.

Angesichts dieser Umstände vor einem Jahr erscheint die heutige Wiederbelebung der SPD und ihres Traums von der Kanzlerschaft umso beachtlicher. Innerhalb von nur zwei Monaten konnte sich die SPD in den Umfragen langsam auf die 20%-Marke vorarbeiten, bis sie schließlich sogar erst die Grünen und am 29. August schließlich in der Forsa-Umfrage die CDU/CSU überholen konnte.  Mit diesem Datum begann schließlich auch ein demoskopischer Aufstiegstrend, der in einem solch kurzen Zeitfenster für die Bundesrepublik einmalig sein dürfte.

Manche mögen den Umfragen noch nicht so recht trauen. Insbesondere die Geschwindigkeit des Aufstiegs läßt Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Umfragen aufkommen. Es dauert normalerweise mehrere Jahre, bis sich in der bundesrepublikanischen Parteienstruktur derartige Wählerblöcke verschieben. In diesem Fall hat es gerade einmal zwei Monate gedauert. Allein schon die demographische Altersstruktur im Elektorat wirft Fragen auf: Die Mehrheit der wahlberechtigten Bevölkerung ist über 50 Jahre und allein die Frauen Ü60 stellen mehr Wähler, als die gesamte Altersklasse U30. Sollten daher die Wechselwählerpotentiale nicht begrenzt sein, wenn man berücksichtigt, daß gerade die älteren Wähler enger an ihre Partei gebunden sind? Schauen wir also einmal genauer auf das aktuelle Umfragehoch der SPD.

Daß Forsa als erstes Institut das Überholmanöver gegenüber der CDU meldete, ist nicht überraschend, gilt doch der Institutschef Manfred Güllner als SPD-nah. Sein Institut war jahrelang Datenzulieferer für das Willy-Brandt-Haus. Inzwischen wird die SPD jedoch selbst in den CDU-nahen Umfrageinstituten wie etwa dem Allensbach-Institut als stärkste Kraft geführt und ihr Kanzlerkandidat dominiert mit deutlichen Abständen sowohl in der Umfrage nach dem geeignetsten Kanzlerkandidaten als auch in den Kompetenz- und Sympathiewerten.

Auch in den Bundesländertrends können die Sozialdemokraten deutlich zulegen. In Mecklenburg-Vorpommern würden bei den zeitgleich zur Bundestagswahl stattfindenden Landtagswahlen aktuell ganze 39% der Wähler der SPD und mit ihr der amtierenden Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ihre Stimme geben. Bei der Abfrage zur Wahlpräferenz zur Bundestagswahl kommt die SPD im Nordosten inzwischen auf 31%, obwohl sie dort zur Bundestagswahl 2017 nur 15% der Stimmen holen konnte. In Berlin haben sich die Sozialdemokraten mit 22% bereits deutlich von der Konkurrenz abgesetzt. Und auch ein Blick auf die Wahlkreisprognosen zeigt, daß aus den vereinzelten und kleinen Flicken innerhalb von nicht einmal zwei Monaten ein großes rotes Meer geworden ist.

 

Diese Daten können trotz der bekannten Fehleranfälligkeit von Wahlumfragen kaum ignoriert werden. Sie zeigen nicht nur ein kurzes Momentum, sondern einen größeren Trend, der die demoskopischen Verhältnisse an der Spitze des bundesdeutschen Parteiensystems langfristig verschieben könnte.

Die Gründe für den Aufstieg folgen in Teil 2 des Beitrages


Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

  • Sezession

Kommentare (15)

Aussenseiter

13. September 2021 09:00

Naja, der politmediale Komplex, insbesondere die sog. "Hauptstadtmedien", wollen unbedingt RRG, die haben zuerst voll auf Annalena gesetzt, diese hat sich aber als veritable Blindgängerin entpuppt. Dann haben sie eben auf Scholz-Apotheose umgeschwenkt. Zugegeben, ich meide die Mainstream-Medien, aber habe mich kürzlich in einem Anflug von Masochismus zwei Beiträge des ÖRR zur BT-Wahl angesehen, und beide Male reinste pro-Scholz-Propaganda. Dazu kommt, dass die SPD-Wahlkampftruppe geschickt die identitätslinken Irren wie Kühnert oder die katastrophale Frau Parteivorsitzende nach Möglichkeit versteckt. Da wählen va viele Ältere, denen es ja noch relativ gut geht, den als ruhig und besonnen dargestellten Scholz. Damit bekommen sie aber die identitätslinke Katze im Sack. Zudem wird diese Wahl auch neue Rekorde bei den Nichtwählern bringen (mMn die einzige Gruppe, wo die AfD zusätzliche Stimmen bekommen könnte). Die Union hingegen fährt ihrem verdienten Untergang entgegen, das Mitheulen "gegen räääächz" und die Ausgrenzung gegen die AfD wird ihnen nichts nutzen, schon jetzt fühlen sich ja die Linken bestärkt und attackieren zusehends die Union sogar handgreiflich (Info-Stände, Plakate werden heruntergerissen usw). 

Ein gebuertiger Hesse

13. September 2021 09:40

Abseits der naheliegenden und nurmehr rhetorischen Frage, ob diese Umfragen nicht getürkt sind: Was mag in Leuten vorgehen, die sich ernsthaft überlegen, ob sie diesmal die eine statt der anderen Blockpartei wählen? Wo leben diese Leute seit 2015, seit 2020? Im gleichen Land wie ich? Kann eigentlich nicht sein.

RMH

13. September 2021 09:53

An den Karten zeigt sich, dass gerade einmal wieder die sog. "neuen Länder" Richtung Rot bzw. damit zu Scholz und zu der vermeintlich zuverlässigen Schulter neigen, an die man sich anlehnen kann, so wie bei Haseloff zuvor auch, selbst wenn der von der CDU ist. Sachsen ist ausdrücklich ausgenommen. Die hohe Zustimmung zu Schwesig bestätigt diese Sehnsucht nach einer scheinbar verlässlichen Person. Dabei ist die BT Wahl keine originäre Kanzlerwahl, sondern primär eine Parteienwahl. Wer Scholz wählt, bekommt Esken und Kühnert.

Im Übrigen sind wieder die Bundesländer mit roter Einfärbung zu finden, die im Grunde schon immer dazu tendieren. 

Wie auch immer, Martin Sellner hat in einem aktuellen Video, welches ich nicht verlinke, sehr überzeugend erklärt, warum man als Patriot auch heute noch am besten AfD wählen sollte, selbst wenn man evtl. nicht mehr voll davon überzeugt ist.

Franz Bettinger

13. September 2021 10:40

Was gibt Ihnen, Herr Fiss (und vielen naderen hier auf dem Blog) die Gewissheit, dass solche Umfragen (die ja noch einfacher zu fälschen sind als Wahlen) nicht bloß fauler Zauber sind? Ich fass es nicht. Wir leben im Reich der Lügner - und "ihr" macht, als könne man deren Zahlen ernst nehmen. (Ich habe schon in der Vergangenheit gemerkt, dass ich diesbezüglich mit meiner Meinung, auf SiN, ziemlich allein stehe.)

kommentar kubitschek:
das möchte ich nun ausgeführt sehen. wir erlebten im vorfeld der sachsen-anhalt-wahl eine augenhöhe-panik, die am ende dazu führte, daß die wankel-wähler cdu wählten, weil ihnen zuviel afd suspekt erschien. und diesmal?

tearjerker

13. September 2021 10:40

Zustimmung zu RMHs letztem Satz. Der Beitrag zeigt, dass die Milieus, aus denen sich die Wähler bestimmter Parteien rekrutieren immer weiter verwischen, die über lange Zeiträume etablierten Strukturen aber immer noch die allgemeinen Präferenzen diktieren. Die Sozis profitieren diesmal davon, weil nach 16 Jahren CDU das Pendel nur in ihre Richtung ausschlagen kann. Gleichzeitig bedroht der Unionskandidat Teile der Wählerschaft seines Bundeslandes. 15%+ sind für die SPD in dieser Konstellation Pflicht. Aus Scholz‘ persönlichem Umfeld weiss ich, dass er ein akkurater und gut organisierter Vielarbeiter ist. Er kann auch gerade stehen, ohne zu zittern und wäre selbst unter Bezug auf die gehässige Einstufung als Scholzomat aus seiner Zeit als Generalsekretär unter Charisma-Gesichtspunkten im Vergleich zu Angie ein Gewinn.

anatol broder

13. September 2021 10:51

der grafik von infratest dimap entnehme ich, dass sieben prozent der befragten finden, baerbock sei kompetenter als laschet und scholz. sind das die wähler, die an den baldigen welt­untergang durch kohlenstoff­dioxid glauben?

tearjerker

13. September 2021 12:32

Zusatz: Meinte mit 15%+ 15% mehr, also den Zuwachs zum letzten Ergebnis der SPD. @Bettinger: Die Sonntagsfrage braucht man nicht zu fälschen. Selbst wenn man getrost davon ausgehen kann, dass die Befragungen dazu genutzt werden Stimmungen zu verstärken und zu schaffen: wenn 85% der Stimmen immer zwischen den gleichen 4 Parteien wandern, kommt natürlich immer irgenwie das Gleiche raus.

Laurenz

13. September 2021 13:28

Auch wenn ich @Franz Bettinger gar nicht in Abrede stellen will, so sehe ich aber ein Wahlfälschungspotential, welches immer zuschlägt, als begrenzt an, so auch die Umfragen, siehe Brexit. Insofern ist der nachhakende Kommentar von GK berechtigt.

 

@Außenseiter

hat es aus meiner Sicht am besten formuliert. 

Wenn man in die Historie schaut, hatten Sozis & Grüne an der Regierung das Gegenteil dessen gemacht, was sie proklamierten, asoziale Politik, Krieg & Liberalisierung.

Desweiteren möchte ich festhalten, was @Außenseiter als zentralen Punkt darstellt. Die SPD ist seit einem Jahr GKs Rat gefolgt, möglichst wenig eigene Inhalte zu präsentieren. So scheint die Flasche Scholz sich von den anderen Versagern abzuheben. & natürlich sind die Leitmedien umgeschwenkt, als man feststellte, daß Gebärbockt nicht einen einzigen Satz sauber sprechen kann. Alle Bärbock-Artikel der letzten 2 Wochen im Relotius zeigen dies. Selbst eine Razzia in Scholz-Ministerien ändert daran nichts, weil sich der Wähler längst an die kriminelle Natur der Politik gewöhnt hat. Es gibt für die vielen Kriminellen in der Politik ja auch nur selten Konsequenzen, viele diesbezügliche Verfahren werden eingestellt, Normalität eines gescheiterten Staates & das ist auch gut so, wenn wir Veränderung wünschen.

Gotlandfahrer

13. September 2021 13:52

Zunächst herzlichen Glückwunsch für das gelungene Debüt hier von Daniel Fiß! Besonders gut gefällt mir der leicht lesbare, bündige Satzbau, ohne anstrengende Schnörkel. Ein Vorbild mehr, auch für mich.

Zum Inhalt fällt mir nur ein, dass dieses nervöse Wahlpräferenz-Zucken des "Souveräns" (LoL) zwischen Pest und Cholera der Indifferenz eines von einer Haltergruppe ständig geprügelten Hundes entspricht, der mit eingekniffenem Schwanz geradewegs vor demjenigen winselt, der ihm sein Chappi hinwirft. Jemanden, der gestern Merkel bewundert hat, heute aber im Scholz einiges an Kompetenz sieht, kann ich doch nicht ernst nehmen.

Laurenz

13. September 2021 16:23

@Gotlandfahrer

Will gar nicht gegen Ihren Beitrag schreiben. Aber schauen Sie Sich doch bitte die Umfragewerte an, die sind doch erbärmlich.

quarz

13. September 2021 20:25

"Es dauert normalerweise mehrere Jahre, bis sich in der bundesrepublikanischen Parteienstruktur derartige Wählerblöcke verschieben."

Mittlerweile sind CDU, SPD und Grüne kommunizierende Gefäße, zwischen denen ein großer Teil der Wählermasse, ohne durch nennenswerte ideologische Schranken behindert zu sein, launisch und spontan ins Lager desjenigen zu wechseln bereit ist, dessen Nase - aufbereitet durch die politische Yellowpress - im Moment gerade en vogue ist.

Franz Bettinger

13. September 2021 22:51

Herr Kubitschek will meinen Vermutung, dass Wahlfälschung auch in Deutschland die Regel ist, und dass gefälschte Umfragen gefälschten Wahlen vorausgehen (müssen), damit im Volk kein Wahlfälschungs-Verdacht entsteht, begründet sehen. Nun: (1) Wahl-O-Mat Ergebnisse (AfD >> 50%); (2) Rohdaten-Ergebnisse (AfD ca. 50%), die dann 'gewichtet‘, aka nach Wunsch-Vorgabe verfälscht werden und dabei die AfD von 50% auf 11% gedrückt wird; (3) die bis in die 80-er Jahre zurückgehenden Analysen vergangener Wahlen (zuletzt bei der letzten NRW-Wahl); (4) diese haben mit mathematischen Mitteln per Ausschluss von Zufalls-Abweichungen (vor allem darauf kommt es an), aber auch durch Einzel-Beobachtung bei jeder Wahl Fälschung nachweisen können, und keine geringe, in den 80-ern zulasten der Grünen, in den 90-ern zulasten der PDS / Linken, seit 2013 zulasten der AfD. (5) Siehe auch die Hofer-Wahl; oder (6) den systematischen Wahlbetrug bei der Biden-Jump-Wahl. - Ein Experte für Wahlbetrug bin ich nicht. Vielleicht melden sich hier noch die Berufeneren zu Wort, z.B. @Herr Prof. Kovacs, der sich leider schon lange nicht mehr gemeldet hat. 

Franz Bettinger

14. September 2021 02:16

Nachgekartet: Analog zur Frage "Wie viele WTC 7-Türme müssen eigentlich ohne Flugzeugberührung mit Fallgeschwindigkeit in sich einstürzen, um aus dieser Tatsache schließen zu dürfen, dass auch WTC 1 und 2 kontrolliert gesprengt wurden?“ - analog dazu muss man sich fragen: „Wie viele Biden-Jumps müssen passieren, damit klar wird, dass unsere Gegner keine fairen Demokraten sind, sondern skrupellose Betrüger?!  - Noch anders gefragt: Glaubt jemand, eine Regierung ziehe zwar Ungeheuerlichkeiten wie den Corona- und den Klima-Schwindel durch, scheue aber vor Wahlfälschung zurück? Wie, Wahl-Fälschung komme nur in Einzelfällen vor? Nein, der Schwindel ist flächendeckend, und zwar auf allen Ebenen, gerade auch auf der untersten, nämlich bei der Wahlstimmen-Auszählen. (Dazu vielleicht später eine Anekdote / muss erst noch die Erlaubnis dessen einholen, der sie beobachtete, korrigieren ließ und sich für die Wahrhaftigkeit der Geschichte verbürgt). Der Wahlschwindel wird allerdings nur im Einzelfall aufgedeckt. Die Fälschung ist die Regel, die Aufdeckung die Ausnahme. 

Laurenz

14. September 2021 11:35

 

@Franz Bettinger

Ja Franz, es gibt Schwindel. Da die Amis Großkupferter als die Briten sind, geben sie desöfteren auch ihre Schwindel zu, das mag auch noch mit dem ehemaligen Weltreich-Faschismus der Briten zu tun haben, die nach 300 Jahren ihre Archive teils noch geschwärzt lassen, siehe Bank von England.

Bei Wahlen wird das schon schwieriger, denn die Republikaner haben am höchsten Gerichtshof der USA die Mehrheit. Wahlbetrug gab es schon immer, aber auch bei uns wäre das schwer in größerem Maßstab zu tätigen. Meld' Dich einfach als Wahlbeobachter, um Kontrolle auszuüben. Das bringt mehr als hier Beiträge zu schreiben.

Deine große Selbsttäuschung beruht darauf, daß Du glaubst, Deep State würde irgendwen interessieren. 

Das tut es nicht.

heinrichbrueck

14. September 2021 14:49

Wahlfälschung? Gesetzte Politiker nehmen die Wählerei nicht ernst. Nur die manipulierten Wähler glauben, Wahlen seien eine ernstzunehmende Sache. Die Masse ist berechenbar. In einer Demokratie sind die meisten Fragen, die diskutiert werden sollen, belanglos. 

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