14. September 2021

Wiedervorlage (1): Chancenlos in Afghanistan

Erik Lehnert / 17 Kommentare

Nach dem Einzug der Taliban in Kabul und dem Abzug der Nato-Streitkräfte aus Afghanistan stellt sich eine Frage: Was ist da schief gelaufen?

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Die Antwort: So ziemlich alles. Und, das macht die Antwort bitter, dieses Ende war nicht zu verhindern, es mußte so kommen. Die Gründe haben für die Entscheidung, dort unten unsere Soldaten zu opfern, nie eine Rolle gespielt, weil sie nicht in das universalistische Weltbild passen. Wem das zu allgemein ist, mag einen Blick in den folgenden Text aus unserem Archiv werfen. Er erschien im April 2012, neun Jahre bevor sich die Nato auf einen Truppenabzug einigte.

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"Warum wir in Afghanistan nicht gewinnen können"

von Thomas Bargatzky, Sezession 47/ April 2012

Die Neuorientierung der deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik seit dem Ende des Kalten Krieges hat zur »Transformation der Bundeswehr« als personell reduzierte Eingreifarmee für den Einsatz an exotischen Schauplätzen geführt. Die neue Aufgabe wurde von dem damaligen Verteidigungsminister Peter Struck im Dezember 2002 mit der Losung »Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt« auf den Punkt gebracht.

Die damit verbundene asymmetrische Kriegführung zeigt dem Staat jedoch die Grenzen militärischer Interventionen auf. Am Fall Afghanistan wird der illusionäre Charakter von Auslandseinsätzen deutlich: Dort kann der Westen nicht gewinnen, weil er drei Irrtümern aufsitzt: Erstens, Afghanistan wird als kulturelles und historisches Isolat betrachtet. Man glaubt, dort nation-building als Teil des weltweiten Kampfes gegen den Terrorismus durchexerzieren zu können. Nation-building ist aber die zivile Kehrseite der bewaffneten Aufstandsbekämpfung (counterinsurgency) und provoziert Widerstand. Zweitens, Stammesstrukturen werden als zu überwindende »mittelalterliche« Relikte abgetan. Damit unterläuft dem Westen eine fatale Fehleinschätzung. Drittens, man unterschätzt die identitätsbildende Kraft des Islam.

Afghanistan im regionalen Zusammenhang

Das von einer Vielzahl kleinerer und größerer ethnischer Gruppen besiedelte Territorium namens Afghanistan ist Teil einer großen Fließzone kultureller, ethnischer, sprachlicher und religiöser Gemengelagen ohne deutliche Abgrenzungen voneinander. Dieses Kontinuum setzt sich nach Westen im Iran, nach Norden in den zentralasiatischen Staaten und im Westen und Südwesten auf dem indischen Subkontinent fort. Die einzigen Grenzen, die in der Vergangenheit eine Bedeutung hatten, waren die sich ständig wandelnden Grenzen wechselnder dynastischer Herrschaften.

Afghanistan war seit jeher ein Durchgangsraum zwischen Ost und West, Nord und Süd mit fließenden ethnischen und kulturellen Übergangszonen. Immer wieder fielen unterschiedliche Völker aus Zentralasien hier ein und drängten weiter in Richtung Indien, oder wurden von nachrückenden Völkern dorthin abgedrängt. Im Zuge der arabischen Eroberungen seit dem 7. Jahrhundert verbreiteten sich mit dem Islam arabische Sprache und Schrift in der gesamten Region. Muslimische Invasionen bedrohten seither immer wieder auch den indischen Subkontinent.

Afghanistan war bis 1747 Teil umfassenderer Herrschaftsgebiete unter wechselnden, mal afghanischen, mal nichtafghanischen Dynastien. Diese Konstellation zog sich bis zu dem Great Game genannten machtpolitischen »Spiel« um die Vormachtstellung in Asien im 19. Jahrhundert, das zwischen Großbritannien, dem Zarenreich und Persien ausgetragen wurde. Auch in der Gegenwart suggerieren die Grenzen auf der Landkarte eine kulturelle und staatliche Einheit und Souveränität, die so nicht besteht. Interveniert man dort, sind auch andere Länder betroffen, insbesondere Pakistan.

Das Zeitgemäße der Stammesstruktur

In einem Land wie Afghanistan nation-building betreiben zu wollen, nach Maßgabe moderner europäischer Staats- und Rechtsordnungen mit ihren Korrelaten Zivilgesellschaft, Parteienpluralismus, Säkularisierung, Individualismus und Menschenrechten, kommt dem Versuch gleich, den sprichwörtlichen Pudding an die Wand zu nageln. Dergleichen setzt eine spezifisch europäische Entwicklung voraus, die im Lehnswesen und seiner Auflösung ihren Ausdruck fand, wodurch die aus den alten Bindungen »freigesetzten« Individuen sich unter kapitalistischem Vorzeichen in Bürgertum und Arbeiterschaft neu formierten. Der säkulare, laizistische moderne Rechtsstaat trat an die Stelle der religiös legitimierten alten Feudalordnung und lieferte als Nationalstaat auf der Grundlage einer als je eigenständig wahrgenommenen und geförderten Kultur eine neue ideelle Klammer für die – unterschiedlichen Interessen verpflichteten – Bürger.

Keine dieser Bedingungen liegt in Afghanistan vor, in dem grenzüberschreitende, auf Verwandtschafts- und Clan­strukturen basierende Stammeskonföderationen das Sagen haben, wie sie im zentralasiatischen Raum seit jeher geschichtsbestimmend waren. Dabei handelt es sich nicht um feudale Gebilde, sondern um durch Religion und Brauchtum integrierte Rechts- und Loyalitätsgemeinschaften. Die einzelnen Segmente dieser Stämme schließen sich aufgrund von Stammbaumbeziehungen bei gegebener Interessenlage zeitweilig gegen ungefähr gleich große Gruppen innerhalb des Stammes zu größeren Verbänden zusammen, zerfallen aber ebenso schnell wieder in ihre Komponenten. Diese »komplementäre Opposition« manifestiert sich in erster Linie bei Rechtsstreitigkeiten und den häufig damit zusammenhängenden kriegerischen Konflikten, aber auch in anderen politischen Situationen wie bei der Besetzung vakanter Führungsämter. Dadurch wird ein gruppenweise organisiertes Aufgebot möglich. Gruppenziele lassen sich auf Kosten anderer Gruppen durchsetzen, mit denen man aber bei geänderten Verhältnissen wieder zusammengeht. Man könnte solchen Gruppen das Motto unterstellen: »Der Feind meines Feindes ist auch mein Feind.«

Die heute etwa 40 Millionen Paschtunen besitzen solch eine segmentäre Organisation. Sie gelten als größte Stammesgesellschaft der Welt. Sie führen sich auf einen gemeinsamen Stammvater zurück, Qais Abdur Raschid. Exakte Zahlen sind schwer zu bekommen, aber als Faustregel kann man von zwölf Millionen in Afghanistan (40 Prozent der Gesamtbevölkerung) und 25 bis 27 Millionen in Pakistan (ca. 15 Prozent der Gesamtbevölkerung) ausgehen. Die beiden großen paschtunischen Stammeskonföderationen der Ghilzai und Abdali spielen bis heute eine überragende Rolle. Mal gingen sie gegen einen gemeinsamen Gegner vor, um dann wieder gegeneinanderzustehen.

Der bewaffnete Widerstand gegen die Versuche Großbritanniens, Afghanistan im 19. Jahrhundert im Zuge des Great Game unter direkte Kontrolle zu bringen, wurde maßgeblich von den Ghilzai getragen. Das Muster ständig wechselnder Allianzen sogar innerhalb eines Stammes nach dem Prinzip der komplementären Opposition liegt auch gegenwärtigen Konfliktlagen zugrunde. Drei der prokommunistischen Präsidenten Afghanistans waren Ghilzai-Paschtunen (Muhammad Taraki, Hafizullah Amin, Muhammad Nadschibullah), aber auch die Taliban rekrutierten sich vornehmlich aus den Reihen der Ghilzai. Der heutige Präsident Afghanistans, Hamid Karzai, gehört dagegen dem Durrani-Unterclan der Popalzai an und ist ein Nachfahre von Achmad Schah Durrani.

Es wäre ein fataler Irrtum, solche Stammesstrukturen als »mittelalterlich« abzutun, denn damit ist ja die Vorstellung der Rückständigkeit verbunden und die Überzeugung, diese Strukturen im Zuge der »Modernisierung« durch nation-building überwinden zu können. Stammesstrukturen sind vielmehr in der Moderne angekommen. In Karatschi leben heute rund eineinhalb Millionen Paschtunen, die das private Transportwesen beherrschen. Paschtunen sind weltweit online vernetzt (www.pashtunforums.com).

Die transnationalen Stammesnetzwerke geben den Stammesgenossen Vorteile, die keine nationale Zugehörigkeit bieten könnte. Daher resümiert der Orientalist Olivier Roy: »Die Stämme sind zur Welt hin offen. Das Stammessystem verschwindet nicht, es paßt sich der Globalisierung und den supranationalen Ideologien an. Der Stamm existiert weiter und greift auf die ganze Welt über, was oft mit wirtschaftlicher Globalisierung einhergeht (Beteiligung am Drogenhandel, an Schmuggel, an Arbeitsmigration)«. Die Taliban nutzen jedenfalls die Vernetzung der Stammesstrukturen gewinnbringend zur Erhebung von Zöllen bei Drogenanbau und Schmuggel.

Islamische Solidarität

Der Islam stiftete bereits in der Zeit vor den europäischen Interventionen den Zusammenhalt verfeindeter paschtunischer Stämme beim Widerstand gegen die Herrschaft der Moguln in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der Mechanismus der komplementären Opposition, durch das einigende Band des Islam verstärkt, könnte eine grenzübergreifende Solidarisierung der Völker Afghanistans und teilweise Pakistans gegen den Westen zustande bringen. Die schwer zu überwachende afghanisch-pakistanische Staatengrenze (Durand-Linie) geht mitten durch das Gebiet der Paschtunen, von denen sie nicht anerkannt wird. Ghilzai-Nomaden können sie ungehindert überqueren. Sie wurde 1893 auf britischen Druck hin gezogen, um die Paschtunen zu schwächen und Britisch-Indien besser zu schützen. Das Prinzip der Staatsgrenze wird durch die Stammesstrukturen auf beiden Seiten und die gemeinsame islamische Basis ausgehöhlt. Es ist nicht verwunderlich, daß beispielsweise der pakistanische Geheimdienst Inter-Services Intelligence (ISI) im Machtpoker zwischen Pakistan und Indien um regionalen Einfluß und Zugriff auf die Rohstoffvorkommen Zentralasiens eine Doppelrolle spielt – einerseits werden die Taliban verdeckt unterstützt, andererseits stellt sich Pakistan an die Seite der USA im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Verwunderlich ist vielmehr, daß sich Politiker und Journalisten darüber immer noch wundern.

Wem nützt der Einsatz in Afghanistan?

Wahrend der Zeit des Great Game fürchtete Großbritannien um seine Herrschaft in Britisch-Indien. Mit dem anglo-russischen Abkommen von 1907 wurde ein Interessenabgleich in Zentralasien vereinbart, der aber schon 1918 mit Lenins Aufruf an die Massen Asiens, dem bolschewistischen Beispiel zu folgen, wieder aufgekündigt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg schied Großbritannien endgültig als »Spieler« aus. Die Neuauflage des Great Game seit der Zeit um die Jahrtausendwende steht im Zeichen der Brzezinski-Doktrin, der Sicherung der weltpolitischen Vormachtstellung der USA auch durch Kontrolle der politischen Lage in Zentralasien. China, Indien und Rußland sind die Gegenspieler der USA und ihrer Verbündeten.

Die wahre Aufgabe der von der politischen Klasse zweckentfremdeten Bundeswehr in Afghanistan ist es, dort den Interessen der USA zu dienen. Den Kollateralnutzen haben ferner die Staaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (China, Rußland, Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan), die die Gefahr islamistischer Aufstände in ihren Territorien fürchten. Peter Scholl-Latour hat auf diesen, in den Medien kaum beachteten Aspekt hingewiesen: »Durch die Präsenz der Bundeswehr in Afghanistan wird nicht Deutschland am Hindukusch verteidigt, sondern die Russische Föderation und ihre Klienten … ein Versacken der NATO in Afghanistan entspricht den objektiven Interessen Moskaus. An die Adresse der unbelehrbaren Strategen des Westens richtete ein enger Berater Putins die grobe Aufforderung: ›You’ll have to eat your own shit‹«.

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pdf der Druckfassung aus Sezession 47 / April 2012


Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.


Kommentare (17)

Mitleser2

14. September 2021 17:40

Welch eine Weitsicht in 2012!

Die Frage heute ist, ist die nahezu alleinige weltpolitischen Vormachtstellung der USA wirklich am Verschwinden, und wird das in Washington irgendwie akzeptiert, oder schlägt der Deep State jetzt erst recht wild um sich.

Der_Juergen

14. September 2021 17:54

Danke für diese vorzügliche Analyse von Thomas Bargatzky. Ich war 2012 noch kein Leser von "Sezession", und es ist wertvoll, sich solche alten Beiträge nachträglich noch zu Gemüte führen zu können.

Andreas Walter

14. September 2021 21:13

Afghanistan war ein sehr teures Entwicklungshilfeprojekt.

Ja, auch die Militärindustrie mehrerer westlicher Nationen wurde dadurch unterstützt.

Bleiben wird auch erstmal die große Ringstraße, diverse neue Schulen, dann eben für Jungs, Brunnen, sonstige Infrastruktur, die in den letzten Jahren gebaut wurde.

Zudem hat man Afghanistan jetzt auch militärisch ein ganzes Stück wieder weiter nach vorne gebracht so wie einstmals auch Saddam Hussein.

https://www.nzz.ch/article8PD77-1.222358?reduced=true

Völlig umsonst war daher alles nicht, und die, die es geplant haben, haben es ja nicht bezahlt. Bezahlt haben es hauptsächlich die Steuerzahler, der Mittelstand und die kleinen Leute im Westen. Die Planer dagegen besitzen möglichst viele Aktien diverser Rüstungskonzerne und Militärlogistikunternehmen.

https://www.produktion.de/wirtschaft/das-sind-die-10-umsatzstaerksten-ruestungsunternehmen-der-welt-127.html

https://de.linkedin.com/pulse/opiumbauern-islamisten-rüstungskonzerne-die-gewinner-des-steingart?trk=pulse-article_more-articles_related-content-card

Laurenz

14. September 2021 21:48

@EL

So geil der Artikel auch ist, er kommt zu spät.

Im Zuge des Wahlkampfs ist Afghanistan medial schon längst abgehakt. 

Die Russen haben bis zu jetzigen Sekunde die Sehnsucht nach einem Südmeerzugang. 

Die Drogen-Nummer der Taliban stimmt nur zum Teil, es wurden auch schon mal alle Mohnfelder eingestampft. 

Vor der islamischen Eroberung gab es in Afghanistan anteilig wohl mehr Christen als bei uns.

Die Russen haben der Nato in Syrien asymmetrischen Krieg vorgemacht, aber die Nato hat wohl nicht wirklich daraus gelernt. Die Qualität des russischen Einsatzes basiert wohl auf den bitteren Erfahrungen im Tschetschenien-Krieg zu Beginn von Putins Machtübernahme.

Andreas Walter

14. September 2021 22:08

Hier noch mal eine Quelle ohne Bezahl- oder Anmeldesperre. Mir ging es vor allem um den Anteil der VSA am weltweiten Waffenhandel:

https://www.welt.de/wirtschaft/article149919642/Das-sind-die-100-groessten-Waffenfirmen-der-Welt.html

Das Land mit dem höchsten Anteil pro Kopf an Rüstungseinnahmen ist übrigens Israel:

https://www.gsoa.ch/press_release/schweizer-waffenexporte-erreichen-rekordhoch/

(Grafik öffnen, "herunterladen")

Export, wohlgemerkt, nicht Eigenbedarf. Wobei Der auch der Höchste der Welt ist, pro Kopf.

Koek Boeri

15. September 2021 03:35

Auch im Westen ist die Zeit der Nationalstaaten vorbei. Es werden andere Strukturen vorherrschen, die auch wenn nicht familien- und clanorientiert, doch viel mehr regional sein werden. Das ist bei amerikanischen Wissenschaftlern Martin van Creveld und William Lind gut beschrieben. Auch die Theorie der Vierten Generation des Krieges (the Fourth- Generation Warfare) von William Lind ist zu den Ereignissen in Afghanistan anwendbar. Die Beschreibung in amerikanischer Wikipedia ist richtig. (Fourth-generation warfare (4GW) is conflict characterized by a blurring of the lines between war and politics, combatants and civilians.) 

RMH

15. September 2021 07:19

"Afghanistan war ein sehr teures Entwicklungshilfeprojekt."

Bitte den Artikel genau lesen: "Nation-building ist aber die zivile Kehrseite der bewaffneten Aufstandsbekämpfung (counterinsurgency)".

Bestätigt meine These aus einem anderen Debattenstrang zu Afghanistan, in dem ich geäußert hatte, dass Demokratie auch nur einer von vielen möglichen Modi der Besatzung ist.

Daher sollte man nicht das beschönigende Wort von der Entwicklungshilfe unbedacht verwenden. Entwicklungshilfe war noch nie uneigennützig.

"höchsten Anteil pro Kopf an Rüstungseinnahmen ist übrigens Israel:"

Ein Land, welches auch kein Problem damit hat, High-Tech an islamische Länder zu liefern, wie man Eindrucksvoll im letzten Armenien-Aserbaidschan Berg Karabach Krieg sehen konnte.

Karabach-Konflikt: Israels sonderbarer Bettgenosse Aserbaidschan (nzz.ch)

Das sollte manchem schwarz-weiß Maler, bspw. bei pi, ein bisschen zu denken gehen. Bei Interessenpolitik gibt es kein schwarz-weiß. Da gibt es nur eigene Interessen und es wird auch über Bande, manchmal sogar mehrfach, gespielt.

Laurenz

15. September 2021 09:07

@RMH

Stimme Ihrem Beitrag ausdrücklich zu.

Hier ganz aktuell

https://www.tichyseinblick.de/interviews/nicolas-scheidtweiler-afghanistan/

Man hatte die Ortskräfte gekauft, mit dem 8-fachen afghanischen Durchschnittseinkommen. Der Westen ist dumm geboren und hat bis heute nie was dazu gelernt. Die Chinesen werden Afghanistan kassieren, alleine schon, um die Inder in die Zange zu nehmen.

Andreas Walter

15. September 2021 11:57

@RMH

Ich dachte man erkennt das satirisch Gemeinte an dem Satz auch ohne Anführungszeichen.

“Entwicklungshilfeprojekt“

Die Bergjuden von Aserbaidschan und ihre zum Teil wundersamen Karrieren nach dem Fall der Sowjetunion. Doch warum sollte mich das wundern wenn ich doch weiß, wer diese Leute sind.

“Bergjuden“, “wundersamen“

Ich glaube ich habe mittlerweile ein recht klares Bild auch von dieser Truppe, auch wenn es nicht so schmeichelhaft ist, wie sie es gerne hätte. Wo viel Licht eben auch viel Schatten.

 

Max

15. September 2021 18:26

Zum Artikel:
"bevor sich die Nato auf einen Truppenabzug einigte."

Bevor sich die USA zu einem Truppenabzug entschloss und das dann irgendwann mal auch den anderen NATO-Staaten mitteilte.

Ich habe gehört, die Briten hätten was dagegen gehabt, und sich als Antwort eingefangen, es stehe ihnen natürlich frei, auch weiter dort zu bleiben.  

@Laurenz 
"Die Qualität des russischen Einsatzes basiert wohl auf den bitteren Erfahrungen im Tschetschenien-Krieg zu Beginn von Putins Machtübernahme."

Wirklich bitter waren die Erfahrungen des ersten Tschetschenien-Kriegs unter Jelzin.  Den hatte Russland richtig verloren.  Beim zweiten hatte man schon aus dem ersten einiges gelernt, und den hatte man auch gewonnen. Politisch war der Schlüssel das Bündnis mit moderaten Tschetschenen (Kadyrow) denen der wahabitische Extremismus nicht gefiel, und die zum Schluss gekommen waren, dass sie als Teil Russlands viel eher all das tun können, was sie selbst wollen. 

Dass die Russen auch weiter aus ihren Fehlern gelernt haben ist auch richtig. Haben sie auch aus dem Krieg gegen Georgien - eine Woche und voller Sieg, aber sie haben trotzdem noch eine Menge Fehler gefunden.

Max

15. September 2021 19:21

@Quarz, Laurenz 
"Man kann ohne weiteres eigene Normen für objektiv gültig und in anderen Kulturen wirkmächtige Normen für objektiv falsch halten"

"Nein, Quarz, das kann man nicht."

Doch, kann man. Ist sogar höchst natürlich. Wichtig ist nur, dass die Moral auch Elemente enthält, die es nicht gestatten, auf dieser Basis Angriffskriege zu führen.  

Und das geht recht einfach, wenn man als grundlegendsten ethischen Wert die Souveränität akzeptiert. Souveränität heißt ja auch das Recht, Fehler zu machen und die Folgen dann selbst ausbaden zu müssen.

"Und desweiteren frage ich Sie, wie Sie dazu kommen, Menschen irgendeine Objektivität zu unterstellen?"

Man "unterstellt" natürlich jedem Wahrheitssucher erstmal, bis zum Beweis des Gegenteils, dass er die Wahrheit sucht. Klar wird er Fehler machen, klar wird er irgendwann meinen, die Wahrheit gefunden zu haben, auch ohne dies beweisen zu können weil man das nun einmal nicht kann. 

"Wie stellt man denn Objektivität fest?"

Ethische Regeln kann man utilitaristisch als Klugheitsregeln begründen. Klugheitsregeln gehen von gegebenen Interessen aus und finden, mit Hilfe wissenschaftlicher Theorien, optimale Strategien, diese so gut es geht durchzusetzen.  

Selbst physikalische Theorien bleiben prinzipiell aber immer Theorien, Hypothesen, sie sind nicht beweisbar. 

Laurenz

17. September 2021 09:57

@Max @Quarz & L.

"Wichtig ist nur, dass die Moral auch Elemente enthält, die es nicht gestatten, auf dieser Basis Angriffskriege zu führen"

Das ist eine unmenschliche Aussage, denn laut Clausewitz ist der Krieg die Fortsetzung der Politik mit andern Mitteln. Sie, Max, beziehen Sich hier mehr oder weniger auf Ganser & Co. Und Das ist bei der guten Arbeit Gansers Sein größtes Mißverständnis, ein falsches Menschenbild. Krieg läßt sich nur durch die Verkleinerung des politischen Zwecks beim Gegner verhindern, die durch die Vergrößerung des militärischen Risikos beim Gegner selbst erzeugt wird.

"Ethische Regeln"

sind vollkommen subjektiv. Und Ihre Wahrheit, Max, Ihre Ethik, ist gerade in Afghanistan gescheitert. Damit haben wir objektiv Unrecht. Dieser völlig subjektive Konflikt kommt überall zum Tragen, auch im Corona-Krieg.

dreamingplanet7

17. September 2021 14:10

Wer Afghanistan und den notwendigen Umgang mit seinen Bewohnern halbwegs verstehen moechte, dem sei "Einundvierzig Jahre in Indien" von Feldmarschall Lord Roberts empfohlen. Sind zwei Baende...

Keine Ahnung ob es die noch anders als antiquarisch gibt, wenn es jemand herausfindet dann die Autoren und Leser hier...

Auch: Haette man die Russen mal machen lassen dort, was waere erspart geblieben, seufz...

Laurenz

17. September 2021 17:20

@dreamingplanet7

"Hätte man die Russen mal machen lassen dort"

Das funktioniert schon nicht! seit Peter dem Großen.

Warum mußte (aus Sicht der seefahrenden Mächte) dieser Arsch auch eine Flotte bauen?

Aber solch politische Haltungen wechseln desöfteren so häufig, wie wir unsere Unterwäsche wechseln.

Sidney Smith, einer der beiden größten britischen Seeleute (neben Cochrane), mußte sich nach dem Unabhängigkeitskrieg, als viele britische Offiziere auf Halbsold waren & im Ausland dienten, vor der britischen Öffentlichkeit rechtfertigen, weil er (zum schwedischen Ritter geschlagen) den Schweden zum Sieg im schwedisch-russischen Krieg verhalf & auf russischer Seite deswegen einige britische Offiziere gefallen waren. Den Briten wäre natürlich am liebsten gewesen, keiner von beiden Kontrahenten hätte den Krieg gewonnen.

Aber der oberste Tenor westlicher Außenpolitik, den ich bezüglich Peters des Großen genannt hatte, ist bis zum heutigen Tage gegenüber Rußland gültig. Und natürlich interessiert das die Russen einen Scheiß'. Das ist geo-strategische Politik. Und "hätte" kommt da nicht vor, weil es grundsätzlich die eigene Blödheit offensichtlich machte, wie jetzt unsere in Afghanistan. Uns nimmt doch nicht mal Liechtenstein ernst & wir sind ständig erpeßbar deswegen.

Laurenz

19. September 2021 17:14

"Uboote & Impfstoff"

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/514629/Wie-Frankreichs-geplatzter-U-Boot-Deal-mit-der-Sabotage-des-BioNTech-Impfstoffs-zusammenhaengt

 

Schwarzseher

19. September 2021 19:25

Was soll da schief gelaufen sein? Welches Ende war nicht zu Verhindern? Sollte der Bunderswehreinsatz dort noch etwas länger laufen? Galuben sie es ginge beim "Nationbuilding" um Demokratie und Schulen mit Brunnen und ähnlichen Quatsch??

Natürlich dient die Bundeswehr ausschließlich US Interessen, dazu wurde sie ja gegründet und aufgebaut. Etwas verwirrend ist die Behauptung den Kolleteralnutzen hätte Russland und China, die die Gefahr islamistischer Aufstände in ihren Territorien fürchten. Welchen Kolleteralnutzen meinen Sie hier Herr Lehnert? Wollen sie andeuten die Bundeswehr und die USA würden den Terrorismus bekämpfen?? Das Zitat von Sholl Latour bezieht sich auf einen "Nutzen" durch das "Vrsacken" der USA bzw NATO in Afgabistan. Was eigendlich nicht mehr als eine Floskel ist, und zu diskutieren wäre. Sholl Latour und Vietnam eben. Und welcher enger Putinberater drückt sich so aus? Hat der Mann keinen Namen? Ivan oder Rasputin? Ist das die russische Position zu dem Thema? Fäkaliensprache?

 

Laurenz

20. September 2021 00:42

@Schwarzseher

Die Russen führten Krieg gegen Muslime im eigenen Land. Putin hat sich mit Ihnen geeinigt.

Die Nato band viele muslimische Kampfgruppen in Afghanistan. Auch für muslimische Feindbilder war die Okkupation des Westens hilfreich & lenkte ab.

Und hier für Sie ein Vortrag von Peter Scholl-Latour aus dem Jahr 2009 "Siegen in Afghanistan?"

Und was glauben Sie, was Putin dazu bewegt hatte, der Nato zu helfen? Denken Sie Putin ist ein Idiot? Hier Putin aus 2012.

https://youtu.be/5tg-EoGwBDY

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