Netzfundstücke (104) – Lage, Zerstörung, Sacer

Inventur: »Gesamtheit des Gefundenen«, die betriebswirtschaftliche Bestandsaufnahme.

Die aktu­el­le Sezes­si­on nimmt eine sol­che Bestand­auf­nah­me aus poli­ti­scher Per­spek­ti­ve vor. »Lage­bild« lau­tet die Über­schrift der 104. Aus­ga­be. Wäh­rend die Ver­su­che, die Lage auf Papier zu brin­gen, unter­nom­men wur­den, lief das deut­sche Volk an die Wahl­ur­nen. Damit trat der nun 20. Deut­sche Bun­des­tag zusam­men und die Alter­na­ti­ve für Deutsch­land voll­brach­te den Wie­der­ein­zug auf ähn­li­chem Niveau der vor­an­ge­gan­ge­nen Legislaturperiode.

Fol­ge­rich­tig adres­sie­ren gleich zwei Tex­te in der Aus­ga­be die Situa­ti­on kon­ser­va­ti­ver Par­tei­po­li­tik im Deut­schen Bun­des­tag. IfS-Lei­ter Erik Leh­nert zieht in »All­tag und Heils­er­war­tung – vier Jah­re AfD im Bun­des­tag« eine Bilanz (Leh­nerts Ana­ly­se kön­nen Sie sich hier als Vor­trag auf der IfS-Aka­de­mie in aller Aus­führ­lich­keit anschau­en) und Dirk Alt ent­wirft einen »media­len Stra­te­gie­wech­sel für die AfD«.

Dar­über hin­aus unter­zieht Sezes­si­on-Redak­teur Bene­dikt Kai­ser mit »Der Kampf gegen rechts als Teil des ›Gre­at Reset‹« die poli­ti­schen Freund-Feind-Dyna­mi­ken inner­halb der Coro­na­kri­se einer detail­lier­ten Betrach­tung (hier der dazu­ge­hö­ri­ge Vor­trag auf der zurück­lie­gen­den IfS-Aka­de­mie) und ver­dich­tet so einen wesent­li­chen Ana­ly­se­ge­gen­stand sei­ner jüngs­ten IfS-Stu­die Coro­na und Pro­fit (hier erwerben).

Im neu­en Vor­stel­lungs­vi­deo zur Sezes­si­on 104 hat er die Gele­gen­heit, die­sen noch ein­mal selbst aus­führ­lich zu erläu­tern. Zusam­men mit Sezes­si­on-Chef­re­dak­teur wird die Lage am Ende des Jah­res 2021 scho­nungs­los sortiert:

 

Die neus­te Aus­ga­be der Sezes­si­on kön­nen Sie direkt hier bei Antai­os, dem größ­ten kon­ser­va­ti­ven Ver­sand­buch­han­del bestel­len oder schlie­ßen Sie am bes­ten gleich hier ein Abo der rele­van­tes­ten rechts­in­tel­lek­tu­el­len Zeit­schrift in Deutsch­land ab.


Teil die­ser Lage ist die bereits in den Netz­fund­stü­cken 103 »Spit­zel, Küh­nert, Kick­start« the­ma­ti­sier­te Beob­ach­tung des IfS durch den Ver­fas­sungs­schutz. Der Publi­zist Thors­ten Hinz nahm die­sen Vor­gang zum Anlaß der Bun­des­re­pu­blik in der Jun­gen Frei­heit »Denun­zi­an­ten­tum als Staats­tu­gend« zu attestieren.

In einer ähn­li­chen Wei­se wie Dr. Dr. Thor von Wald­stein in sei­nem for­mi­da­blen Vor­trag zur »Repu­blik ohne Volk« (hier anschau­en) setzt Hinz an den qua Geburts­feh­ler sys­tem­im­ma­nen­ten Fehl­ent­wick­lun­gen der BRD an:

Die­ser Wunsch, [das Land nach der Wen­de in post­na­tio­na­le Struk­tu­ren auf­zu­lö­sen], ein­te Kom­mu­nis­ten, Grü­ne, Sozi­al­de­mo­kra­ten, Libe­ra­le und Uni­ons­chris­ten und bie­tet die Erklä­rung, wes­halb die SED-Nach­fol­ger sehr schnell zum demo­kra­ti­schen Lager gezählt wur­den, wäh­rend jene, die für Volks­sou­ve­rä­ni­tät und den Bei­be­halt des demo­kra­ti­schen Natio­nal­staa­tes ein­tre­ten, wie jetzt im VS-Bericht von Sach­sen-Anhalt mit Droh­for­meln wie »ras­sis­ti­sche und bio­lo­gis­ti­sche Sicht­wei­sen« oder »völ­ki­sche® Kol­lek­ti­vis­mus« belegt, als heim­li­che Wie­der­gän­ger des NS-Regimes gebrand­markt und fak­tisch vogel­frei gestellt wer­den. Der »Kampf gegen Rechts«, zu des­sen Haupt­ak­teu­ren der VS zählt, ist ein Kampf gegen das kol­lek­ti­ve Selbst, ein Akt der Autodestruktion.

Hinz wei­ter:

Von einem neu­ro­ti­sier­ten Gemein­we­sen darf man wohl spre­chen, wenn die Unter­schei­dung, wer dazu­ge­hört und wer nicht, ja schon die Erör­te­rung der Fra­ge zum ver­fas­sungs­feind­li­chen Ver­ge­hen erklärt wird. Eine Gesell­schaft, die den Unter­schied von Innen und Außen nicht mehr wahr­ha­ben will, stellt ihre Exis­tenz in Fra­ge. Wo der »Orga­nis­mus des Mit­ein­an­ders« auf Selbst­auf­lö­sung pro­gram­miert ist, herrscht ein kol­lek­ti­ver Wahn und ver­lie­ren Begrif­fe wie Demo­kra­tie, Moral, Wahr­heit ihren Sinn.

Den gesam­ten lesens­wer­ten Arti­kel fin­den Sie hier:

DENUNZIANTENTUM ALS STAATSTUGEND


Außer­dem gab die JF IfS-Lei­ter Erik Leh­nert in der aktu­el­len Aus­ga­be die Gele­gen­heit, in Rah­men eines Inter­views zu der Beob­ach­tung Stel­lung zu bezie­hen und bekräf­tigt noch ein­mal, was er bereits im Inter­view mit der öster­rei­chi­schen Tages­stim­me (hier nach­le­sen) als Moti­va­ti­on des VS vermutet:

JF: Seit 2020 hat der Lan­des­ver­fas­sungs­schutz das IfS als „Ver­dachts­fall“ geführt. War­um kommt Ihrer Ansicht nach jetzt die Hoch­stu­fung zu „gesi­chert rechtsextrem“?

Leh­nert: Das steht in Zusam­men­hang mit der Kam­pa­gne des Bun­des­ver­fas­sungs­schut­zes gegen die AfD, die mit dem Maaßen-Nach­fol­ger Tho­mas Hal­den­wang als Prä­si­dent des Amtes neu­en Schub bekom­men hat. Der hält die AfD bekannt­lich als Gan­zes für rechts­ex­trem, hat aber vor meh­re­ren Ver­wal­tungs­ge­rich­ten Nie­der­la­gen kas­siert. So ver­legt er sich nun dar­auf – wozu er übri­gens von der Pres­se auf­ge­for­dert wur­de –, die »Rän­der«

der AfD, den soge­nann­ten vor­po­li­ti­schen Raum, zu beschnei­den. Denn der ist juris­tisch viel leich­ter anzu­grei­fen als die AfD, die als Par­tei, im Gegen­satz zu einem blo­ßen Ver­ein wie uns, einen höhe­ren grund­ge­setz­li­chen Schutz genießt.

Es wäre aber nicht die Jun­ge Frei­heit, wenn nicht sub­ku­tan die eige­ne Selbst­ver­harm­lo­sungs­stra­te­gie als Aus­weich­mög­lich­keit vor dem VS ein­ge­streut wer­den wür­de, anhand derer man dem IfS eine Teil­schuld an der Beob­ach­tung zuweist und somit die eige­ne The­se zur Radi­ka­li­sie­rung des IfS nach dem Bruch 2014 zu unter­mau­ern sucht. Leh­nert kon­tert die­se Ver­su­che der Schuld­zu­wei­sung jedoch souverän:

JF: Sie blei­ben dabei, Sie haben die Beob­ach­tung nicht begünstigt?

Leh­nert: Ich will mir die Ant­wort nicht ein­fach machen, aber auch auf die über zwan­zig Jah­re gese­hen, die es das IfS nun gibt, erin­ne­re ich mich, abge­se­hen von Klei­nig­kei­ten, an nichts, von dem ich sagen könn­te, es war ein ent­schei­den­der Feh­ler. Die Fra­ge ist auch: Was will man? Wenn wir hät­ten gefal­len wol­len, wären wir der Jun­gen Uni­on bei­getre­ten, statt das IfS zu gründen.

Für die­je­ni­gen, die ein Netz­abo der JF hal­ten, gibt es das Inter­view hier in vol­ler Länge:

»WEDER BELEGE NOCH BEWEISE«


Wo wür­de uns die Selbst­ver­harm­lo­sung hin­füh­ren? Zu einem für sakro­sankt erklär­ten Grund­ge­setz? Und ist Den­ken ohne Radi­ka­li­tät nicht frucht- und damit schlu­ßend­lich nutz­los? Eine sol­che Anpas­sungs­leis­tung bedeu­te­te den tota­len Ver­lust an Hal­tung, die Auf­ga­be jeg­li­cher Hei­lig­keit vor dem »gesun­den Men­schen­ver­stand« der Mas­se. Die Sche­re im Kopf ist kei­ne Option!

War­um dem so ist, ver­an­schau­licht der bel­gi­sche His­to­ri­ker Prof. Dr. David Engels mit sei­ner Rede »Sie wol­len ein ande­res Euro­pa – wir wol­len das alte zurück!« auf der 6. Voll­ver­samm­lung der wah­ren Schwar­min­tel­li­genz in Essen:

[Es kann uns] nicht dar­um gehen, den Kampf auf einer rein insti­tu­tio­nel­len Ebe­ne zu füh­ren. Es geht vor­ran­gig nicht um die Fra­ge, wo und wie am bes­ten die Ent­schei­dun­gen über unse­re Zukunft fal­len sol­len und wel­che Kom­pe­ten­zen nun fort­an in Brüs­sel, Ber­lin, Düs­sel­dorf oder Aachen ver­wal­tet wer­den sol­len. Es geht um einen viel wich­ti­ge­ren Kampf, näm­lich den der Wer­te, und die­ser Kampf wird sich nicht auf wun­der­sa­me Wei­se ent­schei­den, indem Kom­pe­ten­zen ver­la­gert und auf den angeb­lich »gesun­den Men­schen­ver­stand« der Bür­ger ver­traut wird.

Engels schließt daraus:

Es kann uns daher nicht nur um die Rück­kehr zum angeb­li­chen guten alten »Rechts­staat« der 1980ern gehen: Eben jener Rechts­staat hat uns dahin gebracht, wo wir heu­te ste­hen. Wir müs­sen daher also nicht dar­an arbei­ten, das poli­ti­sche Sys­tem zu »befrei­en«, denn ansons­ten wür­de es nur wie ein aus­ge­zo­ge­nes Gum­mi wie­der an sei­ne Ursprungs­stel­le zurück­schnel­len. Wir müs­sen viel­mehr für einen all­ge­mei­nen Para­dig­men­wech­sel kämp­fen; unser Kampf darf nicht um For­ma­lia, son­dern muss um die See­len der Men­schen gehen.

Engels unver­blüm­tes radi­ka­les Den­ken, führt ihn erst zu den Wur­zeln der sozia­len und poli­ti­schen Ent­wick­lung der letz­ten Jahr­zehn­te und damit zu den nach­hal­ti­gen Lösungs­an­sät­zen für einen Weg aus der Kri­se. Sei­ne Rede ver­deut­lich­tet: Wer sich selbst ver­harm­lost, der hat schon verloren.

Die voll­stän­di­ge Rede lesen Sie hier:

SIE WOLLEN EIN ANDERES EUROPA – WIR WOLLEN DAS ALTE ZURÜCK!

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Kommentare (35)

brueckenbauer

17. Oktober 2021 18:34

Hinz' meint, es handele sich um eine "neurotisiertes" Gemeinwesen, das nicht zwischen Innen und Außen unterscheiden kann und daher auf Selbstauflösung programmiert ist.

Das sehe ich nicht so. Es handelt sich um ein bekanntes und nicht neues Phänomen: Ein ethnischer Staat soll in einen Gesinnungs-bzw. Konfessionsstaat überführt werden. Nur der Gesinnungstreue ist dann noch ein "bon citoyen". Dass die zukünftige Grenze der Zugehörigkeit eine Gesinnungsgrenze sein soll, steht bereits fest; es wird lediglich noch nicht deutlich darüber gesprochen, wo genau diese Gesinnungsgrenze gezogen werden wird.

RMH

17. Oktober 2021 18:41

"Es wäre aber nicht die Junge Freiheit, wenn nicht subkutan die eigene Selbstverharmlosungsstrategie als Ausweichmöglichkeit vor dem VS eingestreut werden würde, anhand derer man dem IfS eine Teilschuld an der Beobachtung zuweist und somit die eigene These zur Radikalisierung des IfS nach dem Bruch 2014 zu untermauern sucht."

Leider kann ich mangels Abo das Interview mit Lehnert nicht im Volltext lesen und die obige These daher auch nicht einordnen. Ganz grundsätzlich ist es aber doch sehr zu begrüßen, dass gerade in diesem entscheidenden Punkt (VS Beobachtung) die Junge Freiheit doch recht klar und deutlich kritische Stimmen zur Beobachtung der IfS veröffentlicht. Der Artikel von Hinz ist auch historisch interessant und daher klare Leseempfehlung!

Noch ein Hesse

17. Oktober 2021 20:11

Ich möchte ergänzend noch ein faszinierendes Netzfundstück beisteuern: Thorsten Schulte interviewt G. Schultze-Rhonhof und B. Schwipper zur Vorgeschichte des II. Weltkriegs. Ich glaube, dass sich die deutsche Rechte dringend noch viel mehr mit der (größtenteils gefälschten) Geschichte des III. Reichs beschäftigen muss - solange wir den Schuldkult nicht loswerden, bleibt alle rechte (Meta-)Politik Makulatur.

Gracchus

17. Oktober 2021 21:11

David Engels ist mir sehr sympathisch, und die abendländische Kultur liegt mir am Herzen; deutscher Geist ist in seiner höchsten Entfaltung immer auch europäischer Geist, wenn nicht universell; bekanntlich glaube auch ich, dass nur eine Rückkehr zum wahren und lebendigen Gott eine wirkliche Wende bringen kann. 

Dennoch: Die Argumentationsfigur bzgl. des Rechtsstaats der 80er Jahre kann ebenso gut auf die abendländische Kultur in toto angewandt werden und die Frage aufwerfen, ob und - falls ja - wo da der Wurm haust. Wenn es um die Seelen der Menschen zu kämpfen gilt - was richtig ist -, muss man vielen Menschen überhaupt erst in Erinnerung rufen, dass sie eine Seele haben oder sind. Was aber hat es mit der Seele auf sich? Hier scheint mir eine abendländische Metaphysik, wie sie sich in kirchlicher Dogmatik niedergeschlagen hat, defizitär, die die Seele mit der physischen Zeugung entstehen lässt. Diese Lehre deckt sich kaum mit dem eigenen seelischen Erleben, jedenfalls nicht mit meinem - es gibt deutliche Anzeichen zumindest für eine seelische Präexistenz, wie sie z. B. Origines vertreten hat, wenn nicht gar für Reinkarnation - und natürlich aufgrund der machtpolitischen Stellung der Kirche, dazu beigetragen, den abendländischen Menschen von seinem seelischen Vermögen und seiner Quelle zur Transzendenz abzuschneiden.    

Gracchus

17. Oktober 2021 21:18

Hier im Forum kommentiert ab und an ein Forist namens Nath, der anscheinend spirituell einen indischen Weg eingeschlagen hat; auch andere abendländische Geister, wie z. B. Hermann Hesse oder anders Schopenhauer, aber noch viele mehr (ich denke auch an den Benediktinermönch Bede Griffith) haben sich indischer Philosophie und Religion gewidmet, was ich, wenn es mit dem angemessenen Ernst geschieht, für legitim erachte; diese Hinduismus- und Buddhismus-Rezeption lässt sich aber auch nicht mehr zurückdrehen.  

AmazonBesteller

17. Oktober 2021 21:36

Ich glaube, dass sich die deutsche Rechte dringend noch viel mehr mit der (größtenteils gefälschten) Geschichte des III. Reichs beschäftigen muss - solange wir den Schuldkult nicht loswerden, bleibt alle rechte (Meta-)Politik Makulatur.

 

Noch mehr sinnlose Diskussionen über einen möglichen Präventivkrieg führen zu nichts. Der Schuldkult findet auch ohne das Dritte Reich statt. Kolonien, Ausbeutung der Dritten Welt usw. meinen Sie, das geht nur den Deutschen so? Ihr Verlangen, Kämpfe der Vergangenheit auszufechten, kann nicht der Maßstab für die Rechten sein.

Weg mit dem Schuldkult: ja. Aber nicht durch das Relativieren der Vergangenheit. Letztlich müssen die Deutschen deutsch sein wollen. Momentan herrscht ein ideelles Vakuum. Deswegen die Angst vor dem IfS und die VS Beobachtung; es bestünde die Gefahr, dass rechtes Denken die Leere auffüllt.

 

RMH

18. Oktober 2021 07:04

@A.Besteller,

richtig erkannt. Die historischen Debatten können einem allenfalls gewisse Motivationen mittlerweile fast vollständig verstorbener Generationen plausibel machen, helfen in der konkreten politischen Situation von heute aber nicht. Bei Rechten herrscht oft eine Art "Erlösungsglaube" dahingehend vor, wenn man die Geschichte "richtig" stelle und die Mehrheit der Deutschen würden das glauben, dann würde das wie eine Art Wundermittel zu einer kompletten Lösung aller deutschen Probleme führen.

Hierzu möchte ich zu bedenken geben, dass es schon eine Fehlannahme der Psychoanalyse nach Freud war, man könne Neurosen etc. durch Analyse der Ursachen (die Freud gerne im frühkindlichen oder kindlichen sah) und bloßes Freilegen und Feststellen der Ursachen heilen. Erlösung durch Erkenntnis via Analyse. Das klappt aber nachgewiesenermaßen nicht und deshalb wendet die Psychologie seit sehr langer Zeit andere Therapiemethoden an.

Im Grunde berühren diese Erwägungen nun den Beitrag von @Gracchus, der die Seelenwanderung anspricht.

RMH

18. Oktober 2021 07:17

@Gracchus,

es gibt eine Auslegung des Karmagesetzes, wonach jede konkrete Ursache Bedingungen für zukünftige Menschen setzt, die aufgrund ihrer Herkunft und der damit verknüpften Bedingtheit diese Menschen genau so werden lässt, wie sie dann sind. Dazu bedarf es dann nicht unbedingt einer individuellen Seele mehr, die "wandert" sondern jeder Mensch setzt die Ursachen, für künftige Menschen und wenn das Geflecht der Bedingungen alt und tief ist, kommt es den Menschen dieser Herkunftslinien dann vor, sie hätten alte Seelen, die kurz vor der letzten oder bereits die letzte Inkarnation hinter sich haben. Interessanterweise ist - dazu gab es hier bei SiN auch schon Beiträge und Debatten - die neuere Psychologie durchaus der Ansicht, das Traumata vererbt werden und gewisse Wissenschaftler  (das ist noch nicht "herrschende Lehre") gehen auch davon aus, dass traumatische Erlebnisse konkrete, epigenetische Veränderungen auch beim Erbgut eines Menschen erzielen können. Spielt man diese Gedanken auf Deutsche weiter, so tragen sie die Traumata ihrer Vorfahren in ihrem eigenen Erbgut. Damit könnte man auch erklären, warum es so eine starke, fast schon instinktive Neigung der Deutschen gibt, ihr Erbgut durch Zuführung andere Gene aufzufrischen, zu verändern etc. - gut, in früheren Jahrzehnten geschah dies durch Fremdheirat mit Europäern und dann auch eher in wohlhabenderen Schichten. Aber gerade diese stammen oft ja auch von entsprechenden Ursachensetzern ab.

Noch ein Hesse

18. Oktober 2021 08:49

@AmazonBesteller, RMH:

"Letztlich müssen die Deutschen deutsch sein wollen." Ja. Volle Zustimmung. Ich selbst z. B. will aber erst wieder deutsch sein, seit ich die Geschichte des 20. Jhdt. anders und vollständiger kenne, als sie der jeweilige Bundespräsident zum 8. Mai wiederkäut.

Die angebliche Schuld an sämtlichen Übeln der letzten 150 Jahre ist weit mehr als eine Neurose, sie ist in der Tat das Geburtstrauma der Bundesrepublik, und um Traumata aufzulösen, ist intellektuelles Verständnis natürlich nicht alles, ohne solches fangen die meisten Menschen mit der inneren Arbeit aber gar nicht erst an.

Laurenz

18. Oktober 2021 09:30

@Gracchus

"Nath"

Ist doch wie auf der SiN auch. Die Hinwendung zum antiken Bolschewismus ist bei den meisten hier nicht mehr zurückzudrehen.

Und die Legitimität kann man ruhig anzweifeln. Denn es ist müßig die Verleugnung des Eigenen zu vollziehen. Man bleibt trotzdem immer das, was man ist.

Das ist auch der Grund, warum ich einer der wenigen echten Rechten bin. Wenn man das generationenübergreifend sieht, haben einige die Verfremdung zurückgedreht, um wieder dazu zu stehen, was & wer man ist.

Niekisch

18. Oktober 2021 10:25

 "wendet die Psychologie seit sehr langer Zeit andere Therapiemethoden an."

@ RMH 18.10. 7:04: Ja, aber welche? Mein Enkel ist durch einen Schulbesuch in Majdanek traumatisiert. Die polnische Begleiterin erklärte den Schülern, Häftlingen sei durch die Deutschen Menschenfleisch in die Suppe gemischt worden. 

AmazonBesteller

18. Oktober 2021 11:09

@Hesse

Nachdem ich vor fast 15 Jahren mehrere Länder auf eigene Faust (ohne Hotel, alles vor Ort erledigt, Saudi Arabien, Malaysia, Indonesien, ... ) bereiste, wusste ich: ich bin deutsch und will auch gar nichts anderes sein. Da war ich aber schon ein erwachsener Mann. Davor litt ich sehr unter dem täglich praktiziertem Schuldkult. Das fing schon in der Grundschule an. Das ist schlichtweg perverse Kindesmisshandlung. Die Siegermächte brauchen einen Sündenbock, klar. Was da im Detail falsch war, ist für mich eine andere Klamotte. Trotzdem: stellen Sie sich vor, was die NSDAP mit der AfD gemacht hätte? Wie hätte die NS Führung auf das IfS oder die SiN reagiert? Was hätte man mit Impfgegnern gemacht? Eine Diktatur, die gnadenlos Deutsche in den Tod geschickt hat, außenpolitisch dämlich war, will ich nicht verteidigen (man sagt NS, meinte aber die Deutschen, ich weiß). Auch die Speichellecker und Arschkriecher will ich nicht rehabilitieren. Ich ehre die Opfer dieser Generation, die, die es Wert sind, am besten indem ich im Hier und Jetzt lebe und kämpfe und die nächste Generation heranziehe. Den Kindern lehren, dass sie keine Erlaubnis brauchen um deutsch zu sein, um stolz zu sein. Wir sind es einfach. Geschwollen könnte man sagen: der Wille zum Sein. Nachdem sich dieser Wandel in meinem Kopf vollzog, folgte auch der Rest: Interesse an Geschichte, kritisches Selberdenken und ich fühlte: Mut. Das Gespräch mit Gleichgesinnten aus den USA war es dann schließlich, das meinen Funken zum Feuer werden ließ. 

Laurenz

18. Oktober 2021 13:17

@AmazonBesteller @Hesse

Ich habe kein Problem damit, die

"Nationalsozialisten"

in den Senkel zu stellen.

Aber auch hier ist die allgemeine historische Darstellung was für extrem Blöde. Auch die Nationalsozialisten hatten nämlich vor dem Krieg nichts anderes als die Arbeitskraft der Bevölkerung des III. Reichs zur Verfügung & und im Krieg die größte ökonomische Ausdehnung 1942. Mit diesen knappen Mitteln 70 Mio. "Nazis" zu unterstellen, daß sie sich aufgemacht hätten, den Planeten platt zu machen, ist einer der größten historischen tragikomischen Witze überhaupt. Dabei ist auch rein gar nichts zu relativieren, weil es nichts zu relativieren gibt. Das ist in etwas so, wie einem einzelnen die Aggression gegen 50 anzulasten, nachdem die 50 den einen besiegt hatten.

heinrichbrueck

18. Oktober 2021 16:46

Etwas anders formuliert: Letztlich müssen die Deutschen in einer deutschen Welt leben wollen. 

Allnichts

18. Oktober 2021 18:03

Menschen sind unterschiedlich. Der normale Bundesbürger wacht nicht morgens auf und macht sich Gedanken über Grundsatz- oder Detailfragen mit Bezug zum Dritten Reich. Die Vergangenheit ist Vergangenheit, er lebt aber heute und ist in erster Linie mit Lösungen zu ihn aktuell betreffenden Problemen oder aber über ein Gemeinschaftsgefühl nur bedingt politischer Natur erreich- und überzeugbar, was ihn gegebenenfalls offen für andere Ansichten macht. Vorgeprägt durch Schule, Medien usw. ist er natürlich, aber aus dieser Lage kann er nicht herausargumentiert werden.

Ein intellektuelles Angebot ist trotzdem sinnvoll und absolut notwendig, um vor allem wenigstens möglicherweise jene zu erreichen, welche ihn erst in diese Lage gebracht haben, und jene, welche zukünftig andere in diese Lage bringen könnten: Die Multiplikatoren, die Vermittler, die Oberen. Dazu kommen noch jene, welche grundsätzlich tiefsinniger veranlagt sind, über keine Macht und auch keine Machtaussichten verfügen, aber eben auf diesem Wege gewonnen werden können.

Es braucht beides, die Neue Rechte bedient allerdings sehr stark den Intellekt und schafft nur wenig für die Masse. Ausserdem ist es fragwürdig, wie ein Schuldkult aufgebrochen werden soll, wenn dessen zentrale Elemente teilweise nicht einmal angegriffen und mitunter sogar noch "reproduziert" werden, wie man heutzutage so schön sagt.

Noch ein Hesse

18. Oktober 2021 21:59

@AmazonBesteller u. a.

Heieiei, wenn wir hier schon so wenig Differenzierung hinbekommen ... ich muss doch nicht den NS verherrlichen, um festhalten zu können, dass sich Deutschland im 20. Jhdt. objektiv kein Jota schuldiger gemacht hat als z. B. seine diversen Kriegsgegner! Darum geht es doch nur. Das klar sagen zu können, ohne gleich "Heil Hitler" zu brüllen, scheint mir eine nach wie vor wichtige Aufgabe, und das verlinkte Interview ist ein Puzzleteil dazu.

 

Gracchus

18. Oktober 2021 22:08

@Laurenz 

Ich mag nicht bezweifeln, dass Sie ein echter Rechter und Kerl sind - aber was hat das damit zu tun, dass Nath spirituell auf indischen Pfaden wandelt? Sie wandeln doch zum Beispiel mit Don Juan mitunter auf (angeblich) indianischen. 

Gracchus

18. Oktober 2021 22:33

@RMH

Klar, das kann man kollektiv oder individuell oder je nach Fall mit beidem erklären. Ich neige zu letzterem. Über die transgenerationellen Traumata wurde hier schon diskutiert, daran erinnere ich mich. Das wird womöglich unterschätzt, in gewisser Weise sogar tabuisiert. Wer noch Angehörige aus dieser Zeit hat, sollte sich deren Geschichten anhören. Das würde vielleicht weiterhelfen. 

limes

18. Oktober 2021 23:08

Prof. Dr. David Engels meint, der Rechtsstaat der 80-er Jahre habe »uns dahin gebracht, wo wir heute stehen«. Und: »unser Kampf darf nicht um Formalia, sondern muss um die Seelen der Menschen gehen.«

Kein Zweifel, dass es die Seelen der Menschen zu gewinnen gilt. Das wäre ein Leichtes, wenn die Menschen Zugang zu ausgewogenen Informationen hätten. Die aktuelle Diskussion um Algorithmen von Facebook und Konsorten lässt hingegen vermuten, dass die Menschen im großen Stil hinter die Fichte geführt werden.

Der Rechtsstaat der 80-er Jahre stand im fruchtbaren Widerspruch zu kommunistischen Regimen, gegen die er sich als bessere Lösung erweisen musste. Die Katastrophe, die uns dahin gebracht hat, wo wir heute stehen, war der Zusammenbruch der gegnerischen Ordnung. Wo es keinen Konkurrenzkampf gibt, machen sich Kartelle breit.

Im Rechtsstaat der 80-er Jahre (und davor) herrschte Diskussionsfreude. Wie gerne verbrachte man Abende in geselliger Runde mit gutem Essen, Rotwein und leidenschaftlichen Diskussionen! Heute hingegen herrscht Friedhofsruhe. Oft habe ich in letzter Zeit die Diskussion gesucht – fast immer mit dem Ergebnis dröhnenden Schweigens, sobald eine politisch nicht opportune Meinung deutlich wird.

Kurativ

18. Oktober 2021 23:12

Man könnte auch meinen, dass die ständigen "Hochstufungen" von regierungskritischen und bürgernahen Unternehmungen zu "Verdacht", "Beobachtet" und "Gesichert", u.s.w. einen pseudo-erotischen (also trieb-sublimierenden) Charakter im Sinne von Wilhelm Reich haben. So zusagen "Die neue Massenpsychologie des linken Transatlantismus".

RMH

19. Oktober 2021 07:03

"... und mitunter sogar noch "reproduziert" werden,"

und vor allem: mit den Jahren deutlich verstärkt werden, insbesondere, seitdem es keine Erlebensgenerationen als nennenswerte Wählerschichten mehr gibt. Mittlerweile geht es auch gar nicht mehr um eine echte Aufarbeitung der Zeit, wo Schuld lag, daraus resultierender Verantwortung etc. - es geht um Meinungsdominanz und um das sprichwörtliche "Prinzip".

Wir erleben seit langem eine Gleichschaltung der wesentlichen Medien. Die Bild brach in letzter Zeit zur Überraschung vieler aus. Prompt setzte man ein ganzes Rechercheteam daran, den Chefred. zu Fall zu bringen. Und dieser war wohl so naiv, wenn er einfach nur brav im Sinne Springers pro Israel und pro USA ist, dann könne er die deutschen Fox News machen. Wie sich heraus stellt, hätte er wohl dazu besser strenger Asket sein müssen (das man eine News-Granate zur geballten Ladung machen kann, wenn man sie erst einmal zurückhält, hat Verleger Ippen lehrbuchartig vorgeführt).

Was steckt hinter Reichelts Rausschmiss? Und warum ich ihm sofort einen Job anbiete... - reitschuster.de

tearjerker

19. Oktober 2021 08:35

@RMH: Den mir nahestehenden Vertretern der jungen Generation sind derlei alberne Geschichtslektionen Banane. Das Pendel schlägt dort bereits seit einiger Zeit in die entgegengesetzte Richtung aus und man hasst seine linken Lehrer und die dahinter stehende Ideologie zum Teil ganz offen.

Valjean72

19. Oktober 2021 10:51

Noch ein Hesse @AmazonBesteller, RMH:

Die angebliche Schuld an sämtlichen Übeln der letzten 150 Jahre ist weit mehr als eine Neurose, sie ist in der Tat das Geburtstrauma der Bundesrepublik, 

Vielen Dank für Ihre Einlassung, ich sehe es ebenso. Andererseits verwundert es nicht, dass gerade Liberal-Konservative, mithin gelernte BRD'ler, vor solchen Themen grundsätzlicher Natur zurückschrecken, haben sie sich doch allzu sehr in den vorherrschenden Verhältnissen bequem eingerichtet, auch mental.

Niekisch @RMH:

Mein Enkel ist durch einen Schulbesuch in Majdanek traumatisiert.

Das geschieht auch in Deutschland gezielt und zwar massiv und mit voller Absicht. Ein weiterer Aspekt sind die nicht aufgearbeiteten, da nicht hinreichend betrauerten, Leiden "unserer" Ahnen.

 

Laurenz

19. Oktober 2021 11:33

@Niekisch @RMH

"Der traumatisierte Enkel"

Mein Vater war sein Leben lang durch den Krieg traumatisiert. Wenn man als 5jähriger erlebt, wie verbrannte Frauen & Kinder aus den Kellern geschleppt werden, bleibt das nicht aus. Vielleicht zeigen Sie Ihrem Enkel mal vorsichtig Bilder aus dem Kongo. Das passiert jetzt, zu seiner eigenen Lebenszeit.

@Gracchus @L.

"Der Unterschied"

Um den nicht ganz richtigen Begriff "Wissenschaft" zu gebrauchen, es geht im Schamanismus genau darum. Und wie auch in anderen Wissenschaften sind die Gesetzmäßigkeiten überall dieselben. Gerade Don Juan legte Wert darauf, zu wissen, wer man ist. Denn, wenn man nicht weiß, wo man herkommt, weiß man auch nicht wo man hingeht. Man ist ohne Herkunftswissen verloren. Das alles spielt im antiken Bolschewismus keine Rolle. Desweiteren legt der Schamanismus keinen Wert auf Exklusivität, das Glaubensmodell der Mehrheit hier schon. Die "Wahrheit" ist Doktrin.

Niekisch

19. Oktober 2021 12:24

"Das Pendel schlägt dort bereits seit einiger Zeit in die entgegengesetzte Richtung aus und man hasst seine linken Lehrer und die dahinter stehende Ideologie zum Teil ganz offen."

@ tearjerker 19.10 08:35: Ja, das ist hin und wieder feststellbar, es wird aber "von oben" und von außen konterkariert. Deswegen ist hier ein interessantes und höchst wichtiges Arbeitsgebiet.

"die nicht aufgearbeiteten, da nicht hinreichend betrauerten, Leiden "unserer" Ahnen."

@ Valjean72 19.10. 10:51:  Ich lese gerade von Heinz. A. Eckert "Der gefesselte Hahn" und fand darin einliegend einen Leserbrief zu "Oradour", aus dem ich zitiere: "Einige Kilometer hinter Clermont-Ferrand fanden wir links von der Strasse bei einer Rast im Gelände zwölf deutsche Soldaten und fünf deutsche Nachrichtenhelferinnen regelrecht abgeschlachtet in Reihe liegen. Die Soldaten hatte man entmannt und ihre Geschlechtsteuile in die zerschlagenen Körper der Mädchen gestopft. Der Anblick war so grauenhaft, dass sich einige unserer Kameraden übergeben mußten. Da man den Toten die Erkennungsmarken abgenommen hatte, mußten sie, ohne identifiziert worden zu sein, begraben werden." Wer kennt die Mörder, wer verlangt Sühne, wer heilte und heilt bis heute die seelischen Wunden?

URN

19. Oktober 2021 13:07

Was Sie, Laurenz, nur immer mit Ihrem "antiken Bolschewismus" haben... 

Valjean72

19. Oktober 2021 13:30

Prof. Dr. David Engels:

Eben jener Rechtsstaat hat uns dahin gebracht, wo wir heute stehen. [...] unser Kampf darf nicht um Formalia, sondern muss um die Seelen der Menschen gehen.

Gut auf den Punkt gebracht vom Herrn Professor.

 

@Gracchus:

es gibt deutliche Anzeichen zumindest für eine seelische Präexistenz

Ich sehe das sehr ähnlich wie Sie.

Laurenz

19. Oktober 2021 15:30

 

@URN

"Antiker Bolschewismus"

Würde ich eine religiöse Debatte führen, käme ich nicht durch.

Wir sind auf einem mehr oder weniger katholischen Forum. Ich bitte Sie hier, das nie zu vergessen. Einfach deswegen, damit Sie wissen, mit wem Sie debattieren.

Also transformiere ich einen religiösen Begriff in einen adäquaten politischen.

Der antike Aspekt basiert auf den Schriften des Augustinus, dem eminentesten Schriftgelehrten der Westkirche, dessen Werte-Kontext weitestgehend von Karl Marx für den sogenannten Marxismus abgeschrieben wurde.

Wir haben diese Debatte schon vor Jahren geführt. Aber da Sie recht neu sind, haben Sie eben keine Erinnerung daran.

Einerseits habe ich dadurch Ihre Aufmerksamkeit erhalten, aber andererseits haben Sie Sich vom Wesentlichen ablenken lassen. Denn,

was macht es schon für einen Unterschied, ob sich über 50% der deutschen Bevölkerung unumkehrbar geistig im vorderen Orient zuhause fühlen, oder wenige ein paar Kilometer weiter, jenseits des Arabischen Meeres in Indien?

AmazonBesteller

19. Oktober 2021 16:47

@ Noch ein Hesse 18. Oktober 2021 21:59

"Heieiei, wenn wir hier schon so wenig Differenzierung hinbekommen..."

 

Lieber Hesse, das weiß ich doch alles. Ich mag nur nicht jedes Mal eine Abhandlung schreiben und alle Eventualitäten ausleuchten. Bei manchen Dingen gehe ich einfach davon aus, dass wir uns da einig sind. So auch bei Ihrem Kommentar. Ich denke, meine Einlassungen kann man daneben stehen lassen, ohne Ihnen zu widersprechen. Viele Grüße aus dem Süden der Republik.

Gracchus

19. Oktober 2021 18:59

@Laurenz

Der "antike Bolschewismus" beantwortet natürlich, woher ich komme, wer ich bin und wohin ich gehe. Das führt nun aber auf ein Nebengleis oder ins Nirgendwo. Sie wandern eben lieber als Indianer verkleidet in Mexiko, schon klar. 

Auch ein Symptom: Auf Tichy las ich gestern einen Bericht darüber, dass immer mehr Menschen, insbesondere jugendliche Frauen, ihr Geschlecht umwandeln lassen möchten. Solche "Fremd-im-eigenen Körper"-Gefühle sind in der Pubertät normal. Vor einer Geschlechtsumwandlung ist eine Therapie vorgeschrieben, aber immer weniger Therapeuten - so die Autorin - trauten sich, die mögliche psychische Ursache anzusprechen (Stichwort: Konversionstherapie, bei Homosexualität verboten).  

anatol broder

19. Oktober 2021 21:40

@ gracchus 18:59

sind fremd-im-eigenen-körper-gefühle in der pubertät tatsächlich so verbreitet? als ich in dem alter war, hörte ich kein einziges mal davon.
Kositza: Meine P. liegt gewiß länger zurück als Ihre. Aber: ja. Ich ging auf eine Mädchenschule.Es war nicht kraß verbreitet, aber gab´s in fast jeder Klasse. Zum Glück gabs damals noch nicht diesen Umwandlungsautomatismus.

Laurenz

19. Oktober 2021 23:47

@Gracchus @L.

"Indianer"

Natürlich nicht. Ein kleines Beispiel, die Plejaden-Mythologien der verschiedenen Kulturen auf den verschiedenen Kontinenten, sind nicht gleich, aber ähnlich. Sie beschreiben ausnahmslos ein energetisch wichtiges, kosmisches Ereignis, welches die Plejaden einerseits als grundsätzlich "weiblich" identifiziert & ihre "tatsächliche" Jugend (zwischen 140 & 160 Mio. Jahre alt) darstellt. Ich, als Deutscher, würde Kindern immer erst die deutsche Mythologie der Plejaden vorlesen, "Der Wolf & die 7 Geißlein".

Was den doch beschränkten Hang zum "Transen" angeht, so würde ich als Heide folgendes beschreiben. Die wenigsten Menschen sind sich ihres Traum- oder Energiekörpers bewußt. Im Träumen, ohne den Ballast des Körpers, spielen Geschlechter keine eklatante Rolle mehr. Mancher mag eben im hier & jetzt rudimentäre Erinnerung an Traumzeit fühlen, wo die Orientierung des Erlebten vielleicht eine andere war. & ich gebe Ihnen Recht. Körper sind, wie sie sind, nicht wirklich veränderlich. Und Transen bleiben grundsätzlich nur eine Karnevals-Persiflage, die eher ekliges Mitgefühl hervorruft, als eine tatsächliche Akzeptanz. Wobei mir persönlich vollkommen egal ist, was jemand mit seinem Körper anstellt.

anatol broder

20. Oktober 2021 11:36

@ kositza, gracchus 

jetzt haben wir zwei widersprüchliche angaben: «normal» (gracchus) und «gab’s in fast jeder klasse» (kositza). die letztere finde ich glaubwürdiger.

Laurenz

20. Oktober 2021 13:32

@Anatol Broder @EK & Gracchus

"Jetzt haben wir 2 widersprüchliche Angaben: «normal» (Gracchus) und «gab’s in fast jeder Klasse» (EK). Die Letztere finde ich glaubwürdiger."

Das ist keine Frage des Glaubens.

EK war auf einer Mädchenschule & Mädchen/Frauen nimmt in diesen Fragen keiner ernst, Frauen im besonderen nicht. Lesben werden als geschlechtliche Wesen maximal belächelt, eher ignoriert.

In meiner schulischen Jugend war es ganz normal, daß weibliche Schul-Kameraden grundsätzlich ankündigten, zur Toilette zu gehen. Daraufhin meldeten sich mindestens eine oder 2 weitere, die ankündigten, mitzugehen. Männliche Schulkameraden taten dies nie! Und keinem männlichen Schulkameraden wäre eingefallen, zu sagen, "Ich gehe mit".

Es hätte auch nur Erstaunen hervorgerufen. Nur die tatsächliche Sexualität von Männern wird ernst genommen.

(...)

3-5% der Mitbürger sind homosexuell. Das heißt jeder 20ste oder 30ste. Divers sind nur 0,065% der Mitbürger in der wissenschaftlichen Schätzung. Das geht faktisch gegen 0.

Queer, abseits der Homosexualität, ist reine Religion.

Gracchus

20. Oktober 2021 15:09

@Anatol Broder

Kein Widerspruch. "Fremd-im-eigenen-Körper"-Gefühle bezeichnete ich als normal. Diese kann man haben, ohne dass daraus der Wunsch nach Geschlechtsumwandlung erwachsen muss.