Netzfundstücke (107) – Zuspitzung, Umbruch, Land

In diesem Herbst konvergieren die zwei wesentlichen Krisen des letzten Jahrzehnts: Flüchtlingsstrom und Corona.

Mit dem außen­po­li­ti­schen Schach­zug des weiß­rus­si­schen Prä­si­den­ten Alex­an­der Luka­schen­ko, der den seit Jah­ren geheg­ten Traum der deut­schen Asyl­in­dus­trie, Migran­ten per Flug­zeug nach Euro­pa und am bes­ten gleich nach Deutsch­land ein­zu­flie­gen, als poli­ti­sches Druck­mit­tel in die Tat umsetzt, begin­nen die 20er-Jah­re mit einer Zuspit­zung zwei­er Kri­sen, die man im Estab­lish­ment für über­wun­den hielt.

Im Hin­blick auf die Migra­ti­ons­kri­se von 2015 ist man sich im polit-media­len Kom­plex schon län­ger einig, daß man die­se Auf­ga­be zufrie­den­stel­lend bewäl­tigt habe. An dem Fakt, daß die Asyl­an­trags­zah­len auch die letz­ten Jah­re wei­ter­hin hoch blie­ben und mit dem Fami­li­en­nach­zug die Umvol­kung über die Hin­ter­tür erfolgt, stößt man sich in Ber­lin nicht.

War­um auch? Für rele­van­te Tei­le der bun­des­deut­schen Poli­tik gehört die all­um­fas­sen­de »Diver­si­fi­zie­rung« Deutsch­lands schließ­lich zur eman­zi­pa­to­ri­schen, post-kolo­nia­len Beglü­ckungs­agen­da. Hin­sicht­lich der Coro­na-Kri­se war man etwas weni­ger über­zeugt, das Pro­blem in den Griff bekom­men zu haben.

Jedoch ließ eine Quo­te von rund 70 Pro­zent Geimpf­ten im Estab­lish­ment die Hoff­nung auf­kom­men, man hät­te das pan­de­mi­sche Schreck­ge­spenst besiegt oder doch zumin­dest unter Kon­trol­le gebracht.

Dafür müß­ten die Impf­stof­fe aber etwas tau­gen. Wirft man ein Blick auf die aktu­el­len Inzi­denz­wer­te, dann schei­nen indes alle an die has­tig ent­wi­ckel­ten Impf­stof­fe geknüpf­ten Ver­spre­chun­gen wie ein Kar­ten­haus in sich zusam­men­zu­fal­len. Am Ran­de der Gesell­schaft über­rascht das niemanden.

Sezes­si­on-Chef­re­dak­teur Götz Kubit­schek, Sezes­si­on-Lite­ra­tur­re­dak­teu­rin Ellen Kositza und Sezes­si­on-Redak­teur Bene­dikt Kai­ser betrach­ten die jüngs­ten Kri­sen­zu­spit­zun­gen abwar­tend und zurückhaltend:


Folgt man dem eme­ri­tier­ten Direk­tor des Max-Planck-Insti­tuts für Gesell­schafts­for­schung, Wolf­gang Stre­eck, dann läuft unter der Ober­flä­che noch eine drit­te Kri­se, die in Ver­bin­dung zu den zwei erst­ge­nann­ten Kri­sen steht und mit der Finanz­kri­se von 2008 im 21. Jahr­hun­dert ein Gesicht bekom­men hat: eine Kri­se des Finanz­ka­pi­ta­lis­mus, eine Kri­se der »Hyper­glo­ba­li­sie­rung«.

Die eins­ti­gen gesell­schaft­li­chen Bin­de­kräf­te, die den west­eu­ro­päi­schen Staa­ten Sta­bi­li­tät gaben, ero­die­ren. Stre­eck sieht den Beginn eines Tau­zie­hens um die poli­ti­sche Ord­nung, das unse­re Gesell­schaf­ten zu zer­rei­ßen droht. Mit sei­nem neu­en Buch Zwi­schen Glo­ba­lis­mus und Demo­kra­tie setzt er nun dort an, wo er in sei­nem letz­ten, Gekauf­te Zeit, auf­ge­hört hat­te. Was braucht es, damit die Demo­kra­tie­kri­se, die nach Stre­eck zeit­gleich eine kapi­ta­lis­ti­sche Kri­se ist, über­wun­den wer­den kann?

Stre­eck setzt auf Regio­na­li­sie­rung, min­des­tens auf eine »reak­ti­vier­te natio­na­le Wirt­schafts­po­li­tik«. Sogar eine »par­ti­el­le Aut­ar­kie« und eine »rela­ti­ve Homo­ge­ni­tät« als Stär­kungs­fak­tor für »wech­sel­sei­ti­ges Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl« wird pro­pa­giert, was Sezes­si­on-Redak­teur Bene­dikt Kai­ser in sei­ner Glo­ba­lis­mus und Demo­kra­tie-Rezen­si­on in der Sezes­si­on 104 zu der Fra­ge ver­lei­te­te, was Stre­eck eigent­lich noch von der libe­ra­lis­mus- und kapi­ta­lis­mus­kri­ti­schen Strö­mung inner­halb der Neu­en Rech­ten trenne.

Im Deutsch­land­funk wur­de das lesens­wer­te Buch bereits im August bespro­chen. Dort urteil­te man:

Patent­re­zep­te zum Durch­wurs­teln fül­len die Rega­le der ein­schlä­gi­gen Buch­hand­lun­gen. Das Ver­dienst der Stre­eck­schen Ana­ly­se liegt dar­in, dass sie die Ahnung, dass grö­ße­re poli­ti­sche Umbrü­che bevor­ste­hen und nur radi­ka­le Sys­tem­wan­del die Kri­sen der Gegen­wart bewäl­ti­gen kön­nen, auf den Punkt bringt und zuspitzt. Auch wenn der­zeit noch die Furcht vor den Kon­se­quen­zen unse­rer mehr oder weni­ger kon­tu­rier­ten Ein­sich­ten in den Ernst der Lage gras­siert – die­ses Buch lockert den gedank­li­chen Boden für Wen­dun­gen ins Offene.

Hier geht es zur Sendung:

VORDENKER RADIKALER UMBRÜCHE

Wolf­gang Stre­ecks Glo­ba­lis­mus und Demo­kra­tie erhal­ten Sie natür­lich wie immer direkt hier, bei Antai­os, dem größ­ten kon­ser­va­ti­ven Versandbuchhandel.


Der Sozio­lo­ge und Kul­tur­wis­sen­schaft­ler Andre­as Reck­witz erwei­tert die Stre­eck­sche Wahr­neh­mung des radi­ka­len Umbruchs um eine wei­te­re Facet­te, indem er in ihm die poli­ti­sche Dimen­si­on stär­ker fokus­siert. Er sieht das bestim­men­de poli­ti­sche Para­dig­ma des aus­ge­hen­den 20. Jahr­hun­derts, den Libe­ra­lis­mus, in der Defensive.

In der Defen­si­ve, weil er außer­stan­de sei, die von ihm erzeug­ten sozio-öko­no­mi­schen Pro­ble­me, poli­tisch zu lösen (Stre­eck dixit). Inter­es­sant an Reck­wit­zens Ana­ly­se ist, daß er den Libe­ra­lis­mus nicht ein­sei­tig als ein Phä­no­men der Mit­te oder Mit­te-rechts defi­niert, son­dern wei­ter faßt:

Da geht es nicht nur um den Neo‑Liberalismus, son­dern da ging es eben um eine Neu­kon­fi­gu­ra­ti­on des Poli­ti­schen ins­ge­samt, die Poli­tik soll­te nicht mehr pri­mär Ord­nung stif­ten, son­dern im Grun­de Ord­nung dyna­mi­sie­ren, dere­gu­lie­ren, libe­ra­li­sie­ren. Und das war jetzt eigent­lich ein Pro­jekt, das von links bis rechts das gesam­te poli­ti­sche Spek­trum umfasst hat,

äußert er im Inter­view mit dem Deutsch­land­funk. Das bewahrt Reck­witz davor, die lin­ken »Empowerment«-Bewegungen als das Phä­no­men einer neu­er­lich ent­stan­den »Iden­ti­täts­lin­ken« zu ver­klä­ren, wie das ger­ne von libe­ral­kon­ser­va­ti­ver Sei­te oder von öko­no­misch ori­en­tier­ten Lin­ken unter­nom­men wird, son­dern erkennt in ihnen die strin­gen­te Fort­set­zung der links­li­be­ra­len Bür­ger­rechts­be­we­gun­gen der 1970er-Jahre:

Aber wenn Sie zum Bei­spiel an eine sol­che Bewe­gung wie Black Lives Mat­ter den­ken oder über­haupt die Bewe­gung der Schwar­zen in den USA, dann wäre das viel zu ein­fach, dort von Iden­ti­täts­po­li­tik zu reden. Ich wür­de eher sagen, dass es da eigent­lich wei­ter­hin um die­sen klas­si­schen pro­gres­si­ven Libe­ra­lis­mus geht, eigent­lich in Ver­län­ge­rung der Bürgerrechtsbewegung.

Der­weil sieht Reck­witz uns auf eine »offe­ne Situa­ti­on« zusteu­ern, in der die Wei­chen für ein neu­es poli­ti­sches Para­dig­ma gestellt wer­den. Ent­we­der schafft es der »Dyna­mi­sie­rungs­li­be­ra­lis­mus«, eine kri­sen­be­wäl­ti­gen­de Meta­mor­pho­se zu durch­lau­fen oder sich in sei­nem der­zei­ti­gen Erschei­nungs­bild zu sta­bi­li­sie­ren, oder aber die rech­te Alter­na­ti­ve einer fun­da­men­ta­len Ver­lang­sa­mung der Dyna­mi­sie­rung wird als neu­es Para­dig­ma das alte ersetzen.

Zum gesam­ten hörens­wer­ten Gespräch gelan­gen Sie hier:

DIE KRISE DES LIBERALISMUS

Sezes­si­on-Lite­ra­tur­re­dak­teu­rin Ellen Kositza hat Reck­witz’ viel­be­ach­te­tes Haupt­werk Die Gesell­schaft der Sin­gu­la­ri­tä­ten hier rezensiert.


Für eine Lebens­form, die Euro­pa über Jahr­hun­der­te gar Jahr­tau­sen­de geprägt hat­te, bedeu­te­ten die von Stre­eck und Reck­witz ana­ly­sier­ten Pro­zes­se der Dyna­mi­sie­rung den Unter­gang. Das Land­le­ben, wenn man so will der Inbe­griff von Bestän­dig­keit und einer auf Knapp­heit basie­ren­den Öko­no­mie, geriet seit der Indus­tria­li­sie­rung unter Druck.

Doch noch bis in die 1950er hin­ein, stand das Leben auf dem Lan­de dem Mit­tel­al­ter näher als unse­rer heu­ti­gen Lebens­wei­se, wie der Geo­graph Wer­ner Bät­zing in sei­nem Buch Das Land­le­ben kennt­nis­reich nach­zeich­net. Das soll­te sich mit der einer vor­an­ge­trie­be­nen »Ratio­na­li­sie­rung« in der BRD und der Boden­re­form in der DDR ändern.

»Tra­di­ti­ons­rei­che Fach­werk­bau­ten in der Dorf­mit­te wur­den abge­ris­sen und mach­ten Platz für ste­ri­le Neu­bau­ten und brei­te­re Stra­ßen. Der Dorf­platz wur­de zum Park­platz. Statt Men­schen begeg­ne­ten sich Autos. Dann ver­schwan­den Eichen, Dorf-Lin­den, Bäcker, Schus­ter und Tan­te-Emma-Laden. Vie­ler­orts kam der Pfar­rer auch nur noch alle drei Wochen zum Got­tes­dienst ins Dorf«,

beschreibt der Nord­deut­sche Rund­funk den for­cier­ten Wan­del auf dem Land im Begleit­text zu sei­ner Doku­men­ta­ti­on Unse­re Dör­fer – Nie­der­gang und Auf­bruch. Land­be­sitz wur­de neu ver­teilt, die Flu­ren berei­nigt, ein­ge­eb­net. Dort, wo das mensch­li­che Leben in indus­tri­el­le For­men ein­ge­fügt wird, lei­det auch die Natur.

Das Land wur­de so zum Raum für Weni­ge abge­wer­tet und erfährt eine bis heu­te andau­ern­de Abwan­de­rungs­wel­le in die Städ­te. Die NDR-Doku beleuch­tet die­sen sozio-öko­no­mi­schen und öko­lo­gi­schen Nie­der­gang, indem sie die Betrof­fe­nen zu Wort kommenläßt:

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Kommentare (6)

Laurenz

13. November 2021 15:47

(1)

Im neuen Schnellroda-Video spricht EK die "größte" oder deutlichste Wahrheit aus. Die Grenzbrecher erschaffen die unschönen Bilder.

Mit den Informationen über Streeck kann man leben. Dann liegt aber die SiN ganz vorne im Trend. Auch Donald Trump wird mit seinen Einfuhrzöllen bestätigt. Die Erpreßbarkeit der Politik durch den Globalismus macht jede demokratische Struktur zur Pharce. Allerdings werden Unternehmer erst dann in Schuh-, Bildschirm-, Klamotten-Produktion, etc., investieren, wenn die einheimischen Märkte auch langfristig geschützt werden. Dazu braucht man Vertrauen, welches ich so nicht sehe.

Reckwitz hingegen, kommt etwas dämlich oder dümmlich daher. Er beschreibt zwar wunderbar die Entwicklungen nach '45 im Soziologen-Deutsch, tut aber so, als wären die Entwicklungen, hin zum Neo- oder dynamischen Liberalismus aus sich selbst entstanden. Er schließt damit die Existenz geo-politischer Momentum', die entscheidend waren, völlig aus.

Laurenz

13. November 2021 16:03

(2) 

Streeck scheint auch mehr Ahnung von Finanzen & Ökonomie als Reckwitz zu haben. Das, was Reckwitz als kooperatives Staatsmodell bezeichnet, zB die Soziale Marktwirtschaft der 50er, 60er & 70er, welche er nicht als erstrebenswert benennt, liegt einzig & alleine darin begründet, daß er eine völlig nutzlose, unproduktive & teure Professorenstelle innehat, die keinem Liberalismus, welchem auch immer, ausgesetzt ist.

Man muß sich das mal reinpfeifen. Die Bonner Republik unterhielt eine 500k-Mann-Armee, 5k Panzer & 1k Kampfjets, wie die größte Goldanschaffung in der Menschheitsgeschichte. Das ohne nennenswerte Schulden & in einem weitestgehend indigenen Sozialstaat. Von dieser Produktivität eines politischen Systems sind wir Lichtjahre entfernt.

Und bei der Zukunftsprognose kommt Reckwitz daher auch ins Schleudern. Er fordert den eingebetteten Liberalismus, was nichts anderes als Soziale Marktwirtschaft für Linke heißt. Wahrscheinlich hat er nur keine Lust abgeschossen zu werden & aus dem Framing zu fallen.

Streeck hat viel realistischer die Konsequenzen der Schuldenregimes im Euroland vor Augen. Dies wird unweigerliche systembrechende Konsequenzen nach sich ziehen, weil das Euroland nie mehr aus der 0-Zins-Politik herauskommt. Davon hat Reckwitz einfach keinen Plan & kann das daher auch nicht in seinen Aussagen berücksichtigen.

Gracchus

14. November 2021 22:33

Interessant im Podcast ist die Beobachtung, dass Migrations- und Corona-Skeptiker wohl eine große Schnittmenge bilden. Beide Themen werden von Propaganda-Lügen orchestriert. Diese Propaganda ist zwar löchrig, hat aber eine berauschende Wirkung. Ich würde die Droge MN nennen. Moralischer Narzissmus. Dazu kommt - wie ich im vorherigen Strang schrieb - etwas Sadomasochismus. 

anatol broder

14. November 2021 22:37

(1/x)

da ich von öffentlich-rechtlichen sendern propaganda gewohnt bin, spulte ich bei der ndr-doku fast ans ende, um dort den kern der botschaft zu finden. ich wurde nicht enttäuscht. die folgenden geschichten werden ab 41:11 erzählt:

sprecher. partiell tut sich jetzt wieder etwas auf dem land. (kamera zeigt säcke und ein schild mit der aufschrift rösterei catucho.) das dorf und seine qualitäten werden neuentdeckt. nicht nur dorfläden oder -kneipen werden gemeinschaftlich betrieben. das, was früher war, kommt wieder. (kamera zeigt zwei frauen, die rohe kaffeebohnen händisch untersuchen. deren haare sind offen. die jüngere ist am unterarm tätowiert.) die eigene kaffeerösterei etwa, wie hier im niedersächsichen bücken.

ältere frau. ich war dem kaffee verschrieben durch meine arbeit in lateinamerika, sprich ich wollte mit kaffee arbeiten und ich liebe das dorf. in einer stadt könnte ich nicht leben, also habe ich gedacht, warum soll ich nicht versuchen auf dem dorf das zu integrieren. dass eine kaffeerösterei hier entsteht mit allem drum und dran.

sprecher. (kamera zeigt eine junge afrikanische frau, die eine kaffeemühle befüllt. ihre haare sind gebunden. sie trägt eine medizinische maske.) ihr markt ist dank internet das ganze land. ihr kaffee angepflanzt von frauenkooperativen findet zuspruch, wo neues eher arwöhnisch beäugt wird.

anatol broder

14. November 2021 22:41

(2/x)

ältere frau. es war für die landfrauen hier schon interessant zu wissen, (unverständliches wort) kommt auch von landfrauen. und da fühlt sich, hat so ein gemeinschaftsgefühl. also das ist schon auch wichtig.

sprecher. in der nähe gibt es im zukunftshaus sogar metropolenatmosphäre. gemeinsame arbeitsplätze mit computern auf dem land. (kamera zeigt eine frau mit einem säugling in der tragetasche vorne. sie verlässt ein gebäude, das mit tokunfthus beschildert ist.) verena dillenburg hat das mitkonzipiert. in dem fachwerkhaus einer ehemaligen sparkasse wird marktforschung betrieben und software entwickelt. (kamera zeigt das treppenhaus mit viel stahl und glass. an der wand hängt ein grosses foto der brooklyn bridge, auf dem new york city prangt.) das dorf – ganz hip.

verena dillenburg. (der säugling ist immer noch vorne umgeschnallt.) ja, tatsächlich haben wir das glück, dass wir hier direkt an der glasfaserleitung liegen und in den dörfern hier rundgerum sprechen wir halt echt noch von 16er leitung, das heisst da passiert nicht viel, wenn ich einen zoom-call machen möchte. also von daher kommen die leute hierher, weil wir gutes und stabiles internet haben.

sprecher. (kamera zeigt eine frau an mehreren bildschirmen arbeiten.) derzeit arbeiten sie für konzerne in der stadt. (kamera zeigt einen mann an mehreren bildschirmen arbeiten.) in zukunft soll das land im mittelpunkt stehen.

anatol broder

14. November 2021 22:41

(3/3)

dillenburg. wir wollen hier auf jeden fall noch mehr machen. also auch in die richtung vielleicht spannende digitale projekte fürs land. mal gucken. ein punkt wäre zum beispiel gerade auch noch mal neue technologien werden immer in der stadt entwickelt für städter. aber wie ist es auf dem land?

sprecher. (kamera zeigt ein dorf aus der vogelperspektive.) aufbruchstimmung dort, wo netz und glasfaserkabel leistungsfähig sind. planungswut machte über jahrzehnte das dorf zum auslaufmodell, brachte niedergang und verfall für dorfler, bauern und umwelt. das haben auch planungsbehörden mittlerweile verstanden. erstmals gibt es seit einigen jahren wieder chancen für die dörfer. echtes leben auf dem land statt pitoresker landlust – das ist möglich, wenn bürger und politik es anpacken.

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