Faktenlage (12): Wahlanalyse Schleswig-Holstein

Erstmals in der Geschichte der AfD konnte die Partei nach dem vorherigen Einzug in ein Landesparlament ihre Präsenz nicht verteidigen.

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

Das ist eine Zei­ten­wen­de und die Eröff­nung neu­er Fra­ge­stel­lun­gen an die Par­tei selbst. Schon die Umfra­gen in Schles­wig-Hol­stein lie­ßen ein Zit­tern um den Wie­der­ein­zug erah­nen. Die Lan­des­par­tei konn­te sich in den meis­ten Wäh­ler­be­fra­gun­gen knapp über 5% hal­ten. Eini­ge Mona­te vor der Wahl gab es jedoch auch Umfra­gen, bei denen die AfD nur auf 3 bis 4% kam.

Die Land­tags­wahl in Schles­wig-Hol­stein ist damit seit dem Jahr 2020 die ach­te Wahl in Fol­ge, bei der die AfD Zustim­mungs­ver­lus­te ver­zeich­nen muß. In nahe­zu allen Bun­des­län­dern und im Bund steht die Par­tei in den Umfra­gen (durch­schnitt­lich ‑1,3%) schlech­ter da als bei den letz­ten Wahlergebnissen.

 

Bei kaum einer Wahl der ver­gan­ge­nen Jah­re waren die Zufrie­den­heits­wer­te in der Wäh­ler­schaft so hoch wie in Schles­wig-Hol­stein. Zwei Drit­tel der Wahl­be­rech­tig­ten gaben an, daß sie mit der Lan­des­re­gie­rung zufrie­den sind. Der CDU-Minis­ter­prä­si­dent Dani­el Gün­ther (ein eher nach links aus­ge­rich­te­ter CDU-Funk­tio­när der Mer­kel Ära) konn­te in allen zen­tra­len Per­sön­lich­keits­wer­ten die Kon­kur­renz ausstechen.

54% der CDU-Wäh­ler gaben an, daß ins­be­son­de­re der Spit­zen­kan­di­dat den Aus­schlag für ihre Wahl­ent­schei­dung brachte.

Auch bei der Fra­ge zum Coro­na-Manage­ment gab eine deut­li­che Mehr­heit von 72% an, daß der Minis­ter­prä­si­dent das Bun­des­land gut durch die Kri­se geführt habe. Die­se lager­über­grei­fen­de Sym­pa­thie für den Amts­in­ha­ber zeig­te sich schließ­lich auch in einem Stim­men­zu­wachs um über 11% für die CDU.

Auch bei den wirt­schaft­li­chen Zufrie­den­heits­da­ten zeigt sich im hohen Nor­den ein recht kla­res Bild einer sat­ten und sor­gen­lo­sen Wahl­be­völ­ke­rung. Selbst unter den AfD-Wäh­lern geben 75% an, daß sie mit ihrer per­sön­li­chen wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on zufrie­den sind. Mehr als bei jeder ande­ren der ver­gan­ge­nen sechs Land­tags­wah­len beur­tei­len 69% der Wäh­ler in Schles­wig-Hol­stein die all­ge­mei­ne wirt­schaft­li­che Lage in Deutsch­land als positiv.

Gewiss steht eine Oppo­si­ti­ons­par­tei wie die AfD unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen vor einer schwie­ri­gen Auf­ga­be. Ein mög­li­cher­wei­se sozi­al­pa­trio­ti­sches Pro­fil kom­mu­ni­ziert hier ins Lee­re und ein kon­ser­va­ti­ve­res CDU/FDP-Spie­gel­bild ist in die­ser domi­nan­ten Rol­le eines über Par­tei­gren­zen hin­weg belieb­ten CDU-Minis­ter­prä­si­den­ten eben­falls nicht wirk­lich fruchtbar.

Hin­zu kamen ein­mal mehr die logistisch/organisatorischen Pro­ble­me und par­tei­in­ter­nen Kon­flik­te im Lan­des­ver­band der AfD Schles­wig-Hol­stein. Ein flä­chen­de­cken­der Wahl­kampf war kaum mög­lich und man­che Kreis­ver­bän­de sol­len laut Wahl­kämp­fern vor Ort voll­stän­dig die Arbeit ein­ge­stellt haben. Ob die­ser in Tei­len auch öffent­li­che Streit die Wahl­ent­schei­dung beein­flusst hat, kann nur spe­ku­liert wer­den. Die Durch­schlags­kraft einer zumin­dest visu­ell soli­de kon­zi­pier­ten Wahl­kam­pa­gne wur­de dadurch jeden­falls erheb­lich gehemmt.

Anders als man­che mut­maß­ten, spiel­te der Ukrai­ne-Kon­flikt bei der Wahl­ent­schei­dung als The­ma für die meis­ten Wäh­ler nur eine gerin­ge Rol­le. Außen­po­li­ti­sche The­men haben nur sel­ten einen rele­van­ten Ein­fluß auf das Wahl­ver­hal­ten. Viel eher sind es die unmit­tel­ba­ren Fol­gen die­ser Kri­se, die die Men­schen in ihrem kon­kre­ten Lebens­all­tag tref­fen. Das Ukrai­ne-The­ma dürf­te sich demo­sko­pisch damit end­gül­tig als eine vom deut­schen Jour­na­lis­mus erzeug­te Bla­se her­aus­ge­stellt haben. Eine INSA-Umfra­ge vor eini­gen Tagen hat schließ­lich auch gezeigt, daß das „Nein“ der AfD zu den deut­schen Waf­fen­lie­fe­run­gen eben­falls von einer rela­ti­ven Mehr­heit der Bevöl­ke­rung mit­ge­tra­gen wird.

Ein wei­te­rer Fak­tor, der auch das AfD-Ergeb­nis maß­geb­lich mit beein­flusst haben wird, ist die „Rea­li­tät der Rent­ner­re­pu­blik“. Die Alters­klas­se der Ü60 Jäh­ri­gen ver­schafft der CDU ihr star­kes Ergeb­nis und ver­hin­dert den Total­ab­sturz der SPD. Die Stim­men­an­tei­le der AfD lie­gen bei den unter 60 Jäh­ri­gen über ihrem Wahl­er­geb­nis und fal­len umso stär­ker im demo­gra­phisch domi­nan­ten Teil der Wahl­be­rech­tig­ten, der immer grö­ßer wird und sich wesent­lich stär­ker an Wah­len beteiligt.

Suche nach einer Parteiidentität

Die Wäh­ler­wan­de­run­gen geben schließ­lich Auf­schluss über ein Mus­ter, das sich seit Jahr­zehn­ten durch die Ent­wick­lungs­li­ni­en von Par­tei­en rechts der CDU durch­zieht. Wäh­rend das poli­tisch rechts ein­ge­stell­te Elek­to­rat ein kon­stan­tes Poten­ti­al zwi­schen 15 – 25% auf­weist, kann es in Zei­ten öko­no­mi­scher Zufrie­den­heit und Pro­spe­ri­tät nur schwer­lich von par­tei­po­li­ti­schen Alter­na­ti­ven orga­ni­siert und mobi­li­siert werden.

Das zei­gen die unter­schied­li­chen Wel­len und Bewe­gun­gen der Nach­kriegs­rech­ten. Neue und oppo­si­tio­nel­le Kräf­te von rechts kön­nen immer nur in begrenz­ten Zeit­räu­men Pro­test­wäh­ler­po­ten­tia­le mobi­li­sie­ren, die sich nach einer gewis­sen Zeit jedoch erschöp­fen und ent­we­der von der CDU/FDP gebun­den wer­den oder im Nicht­wäh­ler­la­ger ver­flüs­si­gen. Mit einer schwa­chen Kern­wäh­ler­schafts­ba­sis und zufrie­de­nen Sozi­al­mi­lieus wird es dadurch für die AfD-West­ver­bän­de mit­tel­fris­tig immer schwie­ri­ger, sich neue Wäh­ler­schaf­ten zu erschlie­ßen, wenn die eige­ne Par­teiiden­ti­tät nicht geklärt ist.

Es fehlt an posi­ti­ven Kon­zep­ten und Visio­nen sowie inhalt­lich-pro­gram­ma­ti­schen Ange­bo­ten, die authen­tisch und über­zeu­gend ver­mit­telt wer­den. Wäh­rend die AfD mit ihrer Grün­dung und dar­auf­fol­gen­dem Auf­stieg par­tei­po­li­ti­sche Geschich­te geschrie­ben hat, besteht jetzt die his­to­ri­sche Auf­ga­be dar­in, sich auch lang­fris­tig als poli­ti­sche Kraft rechts von CDU und Co zu eta­blie­ren und zu hal­ten. Dies wird unter den Bedin­gun­gen der „Kampf gegen Rechts – Reli­gi­on“ in der Bun­des­re­pu­blik eine wesent­lich zähe­re und schwie­ri­ge­re Auf­ga­be werden.

Die vor­he­ri­gen Pro­test­dy­na­mi­ken hin­gen schließ­lich auch wesent­lich von spe­zi­fi­schen und situa­ti­ven Ereig­nis­sen und Ent­wick­lun­gen ab. Doch die ana­ly­ti­sche Fra­ge­stel­lung muss jetzt lau­ten, wie es eine rechts­kon­ser­va­ti­ve Par­tei in der BRD schafft, nicht nur tem­po­rä­re Erfol­ge zu gene­rie­ren, son­dern lang­fris­tig zu eta­blie­ren und das Erfolgs­po­ten­ti­al offen zu halten.

Inso­weit bin ich per­sön­lich auch vor­sich­ti­ger mit Ana­ly­sen, die das Ergeb­nis in Schles­wig-Hol­stein anhand ver­schie­de­ner kom­mu­ni­ka­ti­ver und pro­gram­ma­ti­scher Kur­se und Wege zu erklä­ren ver­su­chen. Einer­seits weil dies empi­risch immer unprä­zi­se ist und ande­rer­seits die beschrie­be­ne unkla­re Par­teiiden­ti­tät und die Stim­men­ver­lus­te der ver­gan­ge­nen Wah­len die Gesamt­par­tei betreffen.

Für man­che mag es zum Ritu­al gewor­den sein, bei Stim­men­ver­lus­ten grund­sätz­lich Höcke und die Ost­ver­bän­de ver­ant­wort­lich zu machen. Man­che pro­mi­nen­te Par­tei­ver­tre­ter sehen gar Kau­sa­li­tä­ten zwi­schen einer Ankün­di­gung von Björn Höcke einen Tag vor der Wahl, für den Bun­des­vor­stand der AfD zu kan­di­die­ren und dem Aus­schei­den aus dem Land­tag von Kiel.

Mit der­ar­ti­gen Mut­ma­ßun­gen muss man sich nicht tie­fer aus­ein­an­der­set­zen. Sie wer­den empi­risch kaum halt­bar sein und sind nur Teil einer ana­ly­ti­schen Verweigerungshaltung.

Eben­so ver­kürzt scheint jedoch auch die Begrün­dungs­ket­te für einen man­geln­den sozi­al­pa­trio­tisch-iden­ti­tä­ren Kurs zu sein. Die AfD konn­te schließ­lich gro­ße Tei­le der Arbei­ter (15%!) mobi­li­sie­ren und damit in die­ser Berufs­grup­pe um 7% zule­gen, wäh­rend sie in den ande­ren Milieus nur schwach abschneidet.

Auch bei den Kom­pe­tenz­wer­ten konn­te man (wenn auch auf nied­ri­gem Niveau) beim The­ma der „Sozia­len Gerech­tig­keit“ um 3% zule­gen. 42% der AfD-Wäh­ler gaben als wich­tigs­tes The­ma die Preis­stei­ge­run­gen an und auch die meis­ten Kenn­da­ten zur wirt­schaft­li­chen Zufrie­den­heit wei­sen (wenn auch nicht mehr­heit­lich) die AfD-Wäh­ler­schaft als am unzu­frie­dens­ten aus.

Das heißt die öko­no­mi­sche Depri­va­ti­on und Kri­sen­wahr­neh­mung fin­det in der AfD-Wäh­ler­schaft durch­aus ihren Aus­druck und ver­schafft ihr ein reprä­sen­ta­ti­ves Allein­stel­lungs­merk­mal im Ver­gleich zu den Wäh­ler­schaf­ten der ande­ren Par­tei­en. Zumin­dest bei den eta­blier­ten Alt­par­tei­en scheint die AfD mit dem Pro­fil als Pro­test­par­tei bereits an eine sehr nied­ri­ge Decke zu sto­ßen. Auch die Mobi­li­sie­rung von Nicht­wäh­lern ist zumeist von situa­ti­ven und zeit­lich begrenz­ten Fak­to­ren abhän­gig, die sich nur schwer­lich in kon­sis­ten­te stra­te­gi­sche Kon­zep­te inte­grie­ren lassen.

Die Grün­de für das schlech­te Abschnei­den in Schles­wig-Hol­stein und bei den ver­gan­ge­nen Land­tags­wah­len dürf­ten also eine Mix­tur aus der spe­zi­fi­schen gesell­schaft­li­chen Lage, media­ler Schwei­ge­spi­ra­le, unschein­ba­ren per­so­nel­len Ange­bo­ten und feh­len­der poli­tisch-visio­nä­rer Kon­zep­te sein.

Die Par­tei wird sich dem­nach als gan­zes erneu­ern müs­sen und aus den Kin­der­schu­hen der Pro­test­par­tei erwach­sen, ohne dabei men­tal zum Teil des Estab­lish­ments zu wer­den. Aktu­ell gelingt dies nicht und wir sehen einen Par­tei­flü­gel, der so schnell wie mög­lich im Estab­lish­ment ankom­men will, und einen, der glaubt die Reser­ven an Pro­test­wäh­lern sei­en unerschöpflich.

Was fehlt, ist jedoch eine kon­kre­te stra­te­gi­sche Visi­on, ein Fahr­plan 2025, der die ver­schie­de­nen Etap­pen und Her­aus­for­de­run­gen skiz­ziert, denen sich die Par­tei zu stel­len hat. In die­sem Refle­xi­ons­pro­zeß gilt es schließ­lich eini­ge Fra­gen zu klä­ren und ent­spre­chen­de Vor­aus­set­zun­gen zu schaffen:

  1. Lang­fris­ti­ge Eta­blie­rung im Gesamt­e­lek­to­rat und infra­struk­tu­rel­le Sicher­hei­ten, die poli­ti­sche Rück­schlä­ge auf­fan­gen kön­nen. Den Pro­test in Über­zeu­gung trans­for­mie­ren. Das heißt Gras­wur­zel­ar­beit, Com­mu­ni­ty-Auf­bau, Kom­pe­tenz­ent­wick­lung, Meta­po­li­tik und Gegenöffentlichkeit.
  2. Per­so­nel­le und habi­tu­el­le Über­ein­stim­mung mit den Kern­ziel­grup­pen. Auch in Schles­wig-Hol­stein war die AfD-Wäh­ler­schaft in den jün­ge­ren und mitt­le­ren Alters­klas­sen stär­ker ver­tre­ten als in der Grup­pe der Ü60 jäh­ri­gen. Men­tal und per­so­nell spie­gelt sich dies jedoch nur sel­ten im Ange­bot des Spit­zen­per­so­nals wider. Nur 7% der AfD-Wäh­ler in Schles­wig-Hol­stein gaben an, daß der Kan­di­dat wich­tig für ihre Wahl­ent­schei­dung war. Ein nied­ri­ger Wert, der sich auch bei ande­ren Wah­len so für die AfD dar­stellt, aber den­noch im Ver­gleich zu den ande­ren Par­tei­en deut­lich nied­ri­ger liegt.

 

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

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Kommentare (56)

RMH

9. Mai 2022 21:38

Wieder eine sachliche Analyse, danke! Schon am 15.05. ist die nächste und wichtige Wahl in NRW. Von daher wird die Analyse von SH nur wenig für den 15.05. ändern können. Nur eines dürfte klar sein: Einen solchen Verlust von Stimmen in den Bereich der Nichtwähler sollte es nicht noch einmal geben. In der Darstellung bei SPON fiel der Verlust an die Nichtwähler noch höher aus als hier im Artikel:

Schleswig-Holstein: CDU gewinnt in Wählerwanderung vor allem von SPD und FDP - DER SPIEGEL

Daher sollte man in NRW versuchen, noch einmal offensiv seine bisherigen Wähler zu motivieren, doch zur Wahl zu gehen. Ein Mobilisierungsversuch ist aus meiner Sicht das einzige, was jetzt noch kurzfristig geht.

Noch eine Anmerkung zur Gewichtung der Themen:

Die Themen Preissteigerung (das gibt es zwar schon länger, wurde aber erfolgreich verdrängt) und Energieversorgung kamen unmittelbar mit der Ukrainekrise hoch und betreffen die Leute hier auch sehr direkt - das hängt zusammen. Von daher ist das Thema nicht so irrelevant, wie vermutet.

Laurenz

9. Mai 2022 22:32

@DF

Solange Sie bei den Zahlen bleiben, finde ich Ihren Artikel gut. Auch, wenn Sie Interpretationen vermeiden wollten, interpretieren Sie, in meinen Augen, zu viel. Bei dieser Wahl war der Einäugige König unter der Masse der Blinden.

Im Westen müssen sich schlicht die Delegierten über die von ihnen gewählten Kandidaten, das Führungs-Personal, Gedanken machen.

Solange das Regime in der Lage ist, die selbst herbeigeführten Krisen abzufangen, profitiert das Regime von Krisen. Dagegen macht niemand was in der AfD. Aber, hey, jedes Jahr sterben über 900k dämliche Rentner, also Dumm-Wähler, in Deutschland weg, das ist doch ein positiver Trend für die AfD.

& DF, lassen Sie General Winter im kommenden Dezember antreten. Einen besseren Wahlkämpfer hatte die AfD nie in ihren Reihen.

Simplicius Teutsch

9. Mai 2022 23:02

Den Hauptgrund für das unzureichende Abschneiden der AfD sehe ich in der vom Mainstream rituell und mit viel Geld praktizierten „Kampf gegen Rechts-Religion“. – Das wirkt auf die Gemüter.

Die Lage und die Aussichten sind für die AfD momentan ziemlich trostlos, vor allem für die geprügelten AfD-Funktionäre. Jetzt aber parteiintern (oder von außen) bei den erfolgreichen Ostverbänden die Schuld für die Abstrafungen zu suchen, würde den politischen Gegnern/Feinden allzu gut ins Kalkül passen.

 

 

fanidentitaer

9. Mai 2022 23:27

Auch wenn diese Analyse aus dem Nachbarbundesland kommt, so bin ich doch beeindruckt von der Klarheit und Detailschärfe. DANKE! Vielleicht zwei kleine Ergänzungen aus dem Süden von SH. Hier war die AfD in einer großen Stadt so gut wie gar nicht auf den Wahlplakaten präsent. Und m.E. hat hier auch Die Basis einiges an Wählerpotetial abgefischt.

ede

10. Mai 2022 00:41

Ja, hört sich alles nicht falsch an.

Mein Problem: ca. 20-25% der Wähler sind hartnäckige Impfgegner. Warum wählt die Hälfte von denen nicht AfD?

Ähnlich ratlos bin ich beim Thema Waffenlieferungen. Die Hälfte will die wohl nicht.

Luisman

10. Mai 2022 05:40

Eine gute Analyse, welche das Dilemma jeder neuen Partei heraushebt. Die dominante Waehlergruppe hat kein Vertrauen in etwas neues, vor allem, wenn das Neue keine klar nachvollziehbaren Vorteile fuer sie selbst verspricht. Und @Laurenz, man muss die Waehlergruppe der Rentner, die noch einige Jahre zahlreicher werden wird, nicht beleidigen, wenn sie im Eigeninteresse waehlen. Den Altparteien ist zuzutrauen, dass sie das Renten-, Pflege- und Krankensystem noch ein Jahrzehnt schaukelt, bis es sich von selbst aufloest.

Die Sozialsysteme sind vor allem auf die Alten ausgerichtet und zu Lasten der Jungen und Arbeiter. Dieses Thema greift die AfD nicht effektiv auf, um mehr Jungwaehler zu gewinnen. Mit Ausnahme einiger ethnisch Inspirierten, werden die Rentner nicht zur AfD ueberlaufen. Wenn man den 'Arbeitgeberanteil' beruecksichtigt, greift die Sozialversicherung viel tiefer in die Taschen der Normalverdiener, als die Steuer.

Auch bei den Selbstaendigen und Kleinfirmen holt die AfD nichts, weil sie keine klaren Konzepte hat. Viele klagen z.B. ueber Zwangsbeitraege ohne Gegenleistung fuer Berufsverbaende, ueber Vorschusszahlungen ans Finanzamt, ueber unertraeglichen Buerokratieaufwand, usw.

RMH

10. Mai 2022 06:51

"lassen Sie General Winter im kommenden Dezember antreten. Einen besseren Wahlkämpfer hatte die AfD nie in ihren Reihen."

Blöd nur, wenn im Winter gar keine Wahlen sind. Und wir alle wissen, wie schnell einstmals heiße Themen vom Wähler erfolgreich verdrängt werden (aktuell erkennbar an "Corona").

Wahltermine in Deutschland (2022, 2023 usw.) (wahlrecht.de)

Und wenn die AfD durch Verlust der Landtagssitze mal in den Ruf "irrelevant" oder "sinnlose Stimme" kommt (gerade letzteres predigen ja auch einige der Debattenteilnehmer hier schon recht lange und mancher wird ggf. eine gewisse Schadenfreude haben), dann ist die Sache schnell durch, daher auch die kleine Berichtigung an @Simplicius Teutsch, "bei den erfolgreichen Ostverbänden", besser "bei den noch (!) erfolgreichen Ostverbänden". Denn es kann alles recht schnell sich drehen. Von daher hoffen wir mal besser, dass in NRW der Einzug in den Landtag gehalten werden kann. Bis vor den Wahlergebnissen von S.H. sagten die Prognosen für NRW einen Wiedereinzug der AfD voraus. Mal sehn, ob das Ergebnis aus S.H. hier etwas ändert. Hoffentlich nicht dahingehend, dass AfD- Wähler nicht mehr wählen gehen, "weil es eh keinen Sinn macht".

Heinrich Loewe

10. Mai 2022 07:04

Ich komme soeben von diesem Artikel:

https://www.welt.de/wirtschaft/article238659415/Besuch-in-Schwedt-Zorn-auf-Habeck-Koennen-Sie-belegen-dass-Sie-deutsche-Interessen-vertreten.html

- es liegen unüberbrückbare Welten zwischen Ost- und Westdeutschland; der Westen ist hoffnungslos verloren. Deswegen: Ostverbände -Haltet die Linie. Ich finde auch die Strategie der Freien Sachsen gut, mindestens Autonomie für den Freistaat zu fordern. Die politischen Entscheidungen sähen fundamental anders aus. Rote und Grüne hätten hier nichts mehr zu melden, der Gender-Quatsch und der Klima-Wahn würde verschwinden und die Außenpolitiker würden sich für Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew stark machen anstatt zu eskalieren. Neue Deutsche Teilung jetzt!

Nemo Obligatur

10. Mai 2022 07:48

Wieder eine gute, faktenbasierte Analyse von DF.

Scheint so, als sei die AfD auf dem Weg zu einer ostdeutschen Regionalpartei.

Zum Wahlausgang habe ich nur mein Bauchgefühl zu bieten: Überwiegend eigene Schuld.

Die Nähe der AfD zu Russland kostet viel Vertrauen, dazu die ewigen Personalquerelen. Aus SH habe ich als weit entfernt lebender Beobachter in Sachen AfD nicht viel mitbekommen, nur dass da mal wieder irgendwas war mit DvSW, was von den Medien mit Freude ausgebreitet wird. Euro und Migration waren keine Themen, selbst Corona scheint vorbei - wozu also AfD wählen? Da bleiben viele zu Haus, die sonst dort ihr Kreuz machen würden. Wird in NRW nicht so viel anders werden. Insofern bietet das Ergebnis auch Gelegenheit zu Selbstkritik und Selbsterkenntnis.

Dazu das Trommelfeuer in den Medien gegen die AfD wie gegen keine andere Partei. Das lächerliche Framing der "demokratischen Parteien". Wenn in vier Jahren in SH wieder gewählt wird, wird es im TV-Runden mit "allen im Parlament vertretenen Parteien" geben. Das Totschweigen kann endlich beginnen. Am Ende dann ostdeutsche Regionalparte, wie gesagt.

 

 

Schobbepetzer

10. Mai 2022 08:18

Eines dürfte nach der SH Wahl und spätestens nach der NRW Wahl deutlich sein. Die AfD ist auf dem besten Wege, wieder in der Versenkung zu verschwinden. Sollte das Projekt scheitern, wird es sehr unwahrscheinlich, dass es in der näheren Zukunft noch einmal  gelingt eine rechte Partei zu etablieren.
 

Die AfD und ihre führenden Personen, von allen "Flügel", sollten jetzt zeitnah entscheiden, welcher Weg zu gehen ist. Meiner Meinung nach ist der Weg, vom Mainstream akzeptiert zu werden, gescheitert.

Allerdings gehört dazu auch, dass die Leute aus dem Osten, den Hut in den Ring werfen, eine Entscheidung muss her. Geht sie verloren, auch gut, dann hat man für den Osten ein Zeichen gesetzt. Läuft dann zwar auf eine Sezession innerhalb der AfD raus, aber dann hat man mal ein neues Versuchsfeld bzw. Beispiel.

Dieter Rose

10. Mai 2022 09:04

@Heinrich Loewe

Habeck meinte in Schwedt: Die Bundesregierung wird zahlen.

Da kam mir der Gedanke: Kann die nicht uns alle bezahlen, so wie die Abgeordneten etwa?

Sixtus

10. Mai 2022 09:09

Wie die Wählerwanderungen ja zeigen, sind die relevanten Größen im Westen CDU, FDP und Nichtwähler; das große Protestwählerspektrum im Osten, das vorher die PDS/Linkspartei auffing und jetzt zum Teil bei der AfD aufschlägt, gibt es so einfach nicht in der Größenordnung. Persönlich denke ich, dass gerade für Wechselwähler im liberalen/konservativen Spektrum Dinge wie die sehr eigenwillige Russlandposition von Chrupalla etc. schon eine große Rolle spielen und dann eben eine Partei unwählbar machen, obwohl man viele ihrer innenpolitischen Positionen eigentlich teilt. Während NRW-Landtagsabgeordnete im März schon in die Ukraine fuhren, sehen sich offenbar einige prominentere Vertreter der Partei im Osten immer noch als Putins Sprachrohr - das kommt im Westen gar nicht gut an.

Mitleser2

10. Mai 2022 09:38

Fiß schreibt es ja selbst, mit Sozialpatriotismus ist im Westen (noch) nichts zu gewinnen. (Dazu sollte BK vielleicht mal was äußern). Mit Anbiederung an CDU Positionen aber auch nicht. Ein echtes Dilemma, wenn nicht Euro, Inflation, Migration und Wirtschaftskrise massiv hochkommen, und eine Änderung der öffentlichen Meinung auslösen.

Auch wenn laut der Analysen die Ukraine bei der Wahl angeblich keine große Rolle gespielt hat, halte ich das Thema für negativ für die AfD. Auf Bundesebene wird sie als russlandfreundlich diffamiert, und die Kriegsparteien CDU/Grüne haben stark zugelegt.

t.gygax

10. Mai 2022 10:08

AFD Schleswig Holstein

Wenn man sich einmal vergegenwärtigt, wie die AFD Granden die  aufrechte Patriotin Doris von Sayn Wittgenstein Stück für Stück hinausgedrängt haben, wundert einen nichts mehr.  Die kann wenigstens frei sprechen...und sieht trotz ihrer Jahre noch besser aus die Verwaltungsknilchgesichter der letzten Fraktion im Landtag ....

Empfehle als aufbauende Lektüre: Jürgen Elsässer, " Ich bin Deutscher". Ein herrliches Buch, total ehrlich, Elsässer schreibt wie er spricht, kein literarischer Anspruch, sondern klare Aussagen. Und was er  so nebenbei ohne jede Häme aus dem Nähkästchen über seine Erfahrungen mit der AFD etc. plaudert, das toppt alles. Intern geht es da noch übler zu als bei den anderen Parteien....in BW sind alle engagierten Querdenker, die wenigstens nicht so langweilig und spießig waren wie die angepassten Abgeordneten, rausgeworfen worden. Ergebnis: die einstmals starke AFD dümpelt jammervoll vor sich hin, aber offenbar reicht das den Leuten, die über die Schiene AfD  an die Pfründe rankommen wollten.  Höcke hatte mit seiner düsteren Prognose im Januar 2015 ( "es werden viele kommen, die nur an die Freßtröge des Systems  wollen") leider Recht. Aber ob auch  er sich diesem System , das jeden korrumpiert, entziehen kann....das ist inzwischen leider  die Frage. Leider.

Karl Otto

10. Mai 2022 10:24

Ich habe ja nun auch schon einige male AfD gewählt, aber eine Partei, die sich nicht entschieden gegen Putins Überfall auf die Ukraine stellt ist für mich nicht wählbar. 

Mit den Linken zusammen gegen Waffenlieferungen stimmen, nee danke.

 

Hajo Blaschke

10. Mai 2022 10:28

Bei der Wahl in Schleswig-Holstein wurden 0,7% der abgegebenen Stimmen für ungültig erklärt. Man kann jetzt gut und gerne darüber spekulieren, ob das Wahlbetrug an der AfD sein könnte. Wahlbetrug ist ja bei Wahlen in "westlichen Demokratien" gang und gäbe. 

Man sollte jedoch mal genau hinschauen, was diese AfD Schleswig-Holstein in Wirklichkeit ausmacht. Doris Ulrich alias Fürstin Doris von Sayn-Wittgenstein, wie sie bei Aufrufen im Landesparlament offiziell angesprochen wurde, wurde von der Nobis-Gang gemaßregelt und aus Fraktion und Partei ausgeschlossen. Die verbliebenen 4 Landtagsmitglieder wurden von einem Herrn Brodehl durch seinen Austritt dezimiert, weil er das Nazivokabular nicht mehr ertragen können wollte. Verblieben ein Herr Nobis und zwei sprachlose Gesinnungsgenossen. Sprachlos, nicht nur, weil man sie in den Medien ignorierte, sondern weil sie nichts zu sagen hatten.

Nobis wurde kurz vor der Wahl eine ganze Seite in den regionalen Zeitungen gewidmet. Dor hat er verkündet, dass er viel lieber bei der FDP wäre und es satt hat, sich ständig für Björn Höcke zu rechtfertigen. Jetz kann er wieder versuchen, Versicherungspolicen zu verkaufen und braucht sich nicht mehr zu rechtfertigen. 

Mit solchem Personal braucht sich die AfD nicht zu wundern, dass sie überflüssig wird. Man ist fast versucht zu konstatieren, dass die Nobis-Gang alles getan hat, um aus dem Parlament zu fliegen

 

RMH

10. Mai 2022 10:35

"der Westen ist hoffnungslos verloren."

Das ist auch so eine typische, neurechte Debatten-Phrase, die man fürs bullshit-bingo verwenden kann.

Wenn man nur den Rückzug und die klein-klein Spalterei als Antwort auf jedes bisschen Gegenwind hat, dann darf man es sich bald in seiner Einmannkaserne bequem machen und kann dann versuchen, diesen Umstand sich irgendwie schön zu reden oder zu romantisieren. Echte Widerstandskraft entwickelt man damit aber nicht - man wird bei Bedarf dann einfach abgeräumt. Und nur zur Erinnerung: Auch in den neuen Ländern gibt es nach wie vor sehr, sehr stabile Mehrheiten für die Parteien des Establishments. Ist also nicht auch der Osten "hoffnungslos verloren"?

Defaitismus bitte woanders!

 

Laurenz

10. Mai 2022 10:40

@Luisman

Wieso sollte ich Rentner, die für die AfD als ignorante Wähler sowieso verloren sind, nicht beleidigen? Die Mechanik der Provokation funktioniert nicht viel anders als im kleinen hier auf der SiN. Wenn man verbal nicht die Dicke Berta auspackt, bekommt man in der heutigen Informationsflut keine Aufmerksamkeit. Sie Selbst, Luisman, sind das beste Beispiel für meine Taktik, eine Debatte zu provozieren. Was Sie in meinen Augen, wie auch die Teilnehmer

@RMH & Sixtus

nicht verstanden haben, ist die gesellschaftliche & vielmehr ökonomische Tragweite aus den selbst erzeugten Krisen, wie Corona-Fakedmie & dem Wirtschaftskrieg gegen Rußland.

Das Berliner Regime erzeugt selbst, ganz ohne Zutun der Opposition, beschleunigt die Herbeiführung der Weimarer Verhältnisse, die ich auf diesem Forum immer gefordert hatte. Ohne eine radikale Veränderung der materiellen Befindlichkeiten unserer Bevölkerung wird es keine nennenswerten politischen Veränderungen geben.

Um das, was uns jetzt ökonomisch bevorsteht, einordnen zu können, braucht man weder Hellseher noch studierter Analyst zu sein. Man braucht nur die konkreten Zahlen lesen zu können. Bei dauerhaften Ölpreisen von über 90 US$ pro Barrel können wir als Staat mittelfristig nicht existieren. Förderländer umso besser.

Diesen selbst angezettelten Rohstoff-Krieg verlieren wir, was sich, wenn Wahlen überhaupt noch stattfinden werden, sich in diesen epochal niederschlagen wird.

Laurenz

10. Mai 2022 10:45

@Karl Otto

Ich habe ja nun auch schon einige male AfD gewählt, aber eine Partei, die sich nicht entschieden gegen Putins Überfall auf die Ukraine stellt ist für mich nicht wählbar. Mit den Linken zusammen gegen Waffenlieferungen stimmen, nee danke.

Sie hätten in der Kuba-Krise zu Chruschtschow gehalten & Kennedy sanktioniert? Sie halten in der aktuellen Salomonen-Krise zu China & stimmen für die Sanktionierung Australiens, wie Neuseelands?

RMH

10. Mai 2022 11:10

"Diesen selbst angezettelten Rohstoff-Krieg verlieren wir, was sich, wenn Wahlen überhaupt noch stattfinden werden, sich in diesen epochal niederschlagen wird."

Irgendwelche Abstimmungen werden sicher immer stattfinden, dass klappt ja auch in zusammengeschossenen Gebieten, aber echte Wahlen?

Ob es bis dahin aber noch eine AfD als "Alternative" gibt, die antreten kann, ist nicht mehr sicher, wenn jeder jetzt schon vom vermeintlich sinkenden Schiff abspringen will und der Rest denkt, mit kompletter Zuspitzung wäre noch etwas zu retten. Abwarten, bis alles so schlecht wird im Land, dass sich die Stimmung dreht, kann die AfD nicht, dazu schwindet aktuell zu sehr ihr Potential. Sie ist also dazu verdammt, jetzt sich zusammenzureißen und zu kämpfen.

Zudem kommt es bei einer Verschlechterung der Lage nicht zwingend zu einer "Revolution" oder Ähnlichem. Diesen Gedankenfehler machen fast alle Linken. Bei einem Getretenen ist es eher wahrscheinlich, dass er am Boden liegen bleibt, als dass er aufsteht. Daher wird im Ernstfall auch entschieden zugetreten. Und man glaube besser nicht, diejenigen, die an der Macht sind, kennen nicht dieses kleine Einmaleins des Machterhalts.

Ein gebuertiger Hesse

10. Mai 2022 11:16

@ RMH

'"der Westen ist hoffnungslos verloren." Das ist auch so eine typische, neurechte Debatten-Phrase, die man fürs bullshit-bingo verwenden kann.'

In der Tat, das wird allzu oft gesagt und allzu leichtfertig. Vor allem aber stößt es nichts an, nicht mal für die eigene neurechte Libido. Man fläzt auf solchen Sätzen wie auf einem weichen Sofa und bekommt mit der Zeit ein Bäuchlein. Das wäre mal was: Ein kleiner lebenspraktischer Guide, in dem an Beispielen dargelegt wird, wie man dem selbstgerechten "Na, wir wissen doch eh schon lang, wie alles läuft"-Defätismus entkommen kann. 

tearjerker

10. Mai 2022 12:18

Lausige Kampagnenarbeit und Streit wie gehabt. Mit 6% in 2017 war man im DE-Vergleich schon eher schwach. Auch diesmal galt: Der Stimmenanteil wächst mit der Entfernung zur Mitte. Der Osten/Südosten und der äussere Westen in SH liefern der Alternative die grössten Stimmanteile. In Südschleswig greift der SSW dieses Potential auf. Zusätzlich punktet die AfD in den alten Arbeitermilieus, die allerdings in SH schon fast verschwunden sind. Die Wanderungsbewegungen zeigen zudem, dass man die AfD zu gewissen Teilen doch mit den Zielen der Lucke-Ära identifizieren möchte. Hinsichtlich der Zweitstimmen entscheiden die Bevölkerungszentren. Das sind Kiel/Grossraum Kiel/Lübeck, die grüne Hochburgen sind sowie der Einflussbereich von Hamburg, der sich entlang der A7, A23 und A1 bewegt und wohl wenigstens 40%+ der Landesfläche abdeckt. Hamburg ist eine der Top-Wirtschaftsregionen innerhalb der EU, was enormen Einfluss auf die Einkommensmilieus im Land hat. In diesem Kontext wäre es für die kleinen Parteien im Land besonders wichtig gewesen, den Weiterbau der A20 und die Anbindung der Beltquerung im Südosten zu bekämpfen, die 50%+ des Landes mittelfristig in einen Vorort von Hamburg verwandeln wird. Die Alternative hätte haufenweise landespezifische Themen, mit der sie in fremden Gefilden wildern könnte. Dafür, dass man eigentlich gar nichts auf die Kette bekommt, sind viereinhalb Prozent ganz gut.

Allnichts

10. Mai 2022 12:30

Es hilft nichts, das Offensichtliche zu verschweigen: Im Westen herrscht schlichtweg kein allzu grosser Bedarf nach einer Partei wie der AfD, völlig gleich, ob es sich nun um die liberal-konservative oder die Flügel-Variante handelt. Daran wird sich auch nichts mehr ändern können, solange keine Krise aufkommt, die den Menschen grundsätzlich an die Substanz geht, und ob in einem solchen Falle ausgerechnet die AfD oder überhaupt die Rechte profitieren könnte, steht in den Sternen. Der Westen ist nicht hoffnungslos verloren, es sind aber auch kaum Anlässe zur Zuversicht gegeben, was insgesamt zu einem Zustand führt, der als negativ und sich konstant verschlechternd bezeichnet werden darf.

Zur eigentlichen Wahl: Es kann niemanden verwundern. Manches, was zum Erfolg beigetragen hat, ist als Thema weggefallen, dazu kommen massive Bekämpfung durch allerlei Akteure sowie eine Vielzahl an eigenen Fehlern, Mängeln und Versäumnissen. Es sollte akzeptiert werden, dass das eigene Potential unter hierzulande als normal geltenden Umständen klar begrenzt ist.

Laurenz

10. Mai 2022 12:31

@RMH

Ihre Erinnerung an Wahlen in der jüngsten Vergangenheit, wie den meist hervorragenden Analysen auf der SiN, ist denkbar schlecht. Reflektieren Sie das bitte mal für Sich Selbst.

Die SPD machte in 2021 innerhalb von 7 Monaten 10% von 15% auf 25% gut, einfach durch Fresse halten. Auch die letzten beiden Wahlen im Saarland, wie jetzt in Schleswig-Holstein, waren extrem volatil & widersprüchlich. Dagegen sind die aktuellen Umfrage-Verluste der AfD in unseren aktuellen künstlichen Krisenzeiten vergleichsweise gering.

Die Einschätzungen der Kassandras & Laokoons hier sind extrem, um es mal vorsichtig auszudrücken, weiblich, jammernd, launenhaft. Das hat mit einer nüchternen Einschätzung der politischen Situation rein gar nichts zu tun. Ich bin da eher bei der tatsächlich nüchternen Einschätzung von

@Hajo Blaschke,

welcher auf exakte Schwächen der AfD in Schleswig-Holstein, in weiterem Sinne im Saarland oder Niedersachsen hinweist. Hatte nicht umsonst geschrieben, daß sich die Delegierten in AfD-schwächelnden Bundesländern Gedanken machen müssen & werden, wen sie denn zukünftig aufstellen.

brueckenbauer

10. Mai 2022 12:47

Ich habe schon vor vielen Jahren beschlossen, keine Partei mehr zu unterstützen, die sich nicht ein vorpolitisches Umfeld und Netzwerk aufbaut. Das Zentrum hat mit Hilfe der katholischen Gemeinden lange Oppositionsjahre überstanden, die SPD mit Hilfe der Gewerkschaften. Die Grünen hatten zumindest mal ein ökopazifistisches Netzwerk von lokalen Gruppen aufgebaut.  Wenn man so was hat, muss man auch nicht gebannt auf die 5-Prozent-Grenze starren - dann geht das wahre Leben auch unterhalb der 5 Prozent gleichmäßig weiter und man kann die größeren Verschiebungen im Wählerbereich abwarten.

Hajo Blaschke

10. Mai 2022 13:27

Nein, tearjarker, Sie liegen mit Ihren Vorschlägen völlig falsch. Der Weiterbau der A20 und die Beltüberquerung bei Fehmarn sind Themen, die von den Grünen negativ thematisiert und von CDU/FDP seit Jahren verschleppt wurden und werden. Man braucht nicht mal in Bad Segeberg zu wohnen, um tagtäglich von den Staus in der Stadt durch den Nichtweiterbau der A20 gequält zu werden. Und die Beltüberquerung bei Fehmarn macht aus S-H noch lange keine Verlängerung von HH, sondern eine positive Anbindung an Skandinavien. Hier hätte die AfD punkten können. Hat sie aber nicht, weil sie eierlos, nett und freundlich sein will.

Mboko Lumumbe

10. Mai 2022 13:32

Für mich ist es kein Verlust, dass DIESE AfD-ler aus dem SW-Landesparlament geflogen sind, das haben die sich redlich verdient. Geht wieder rechtschaffen arbeiten, das deutsche Volk will und braucht Typen wie euch nicht, deswegen wurdet ihr abgewählt. Und nehmt eure selbsternannte "Alternative Mitte" mit.

Die AfD sollte viel offensiver auftreten gegen RotGrünBraun und sie endlich offen als das benennen, was sie methodisch-gesinnungsmäßig sind. Nazis = NationalSOZIALISTEN = Sozialisten = Linke. Das ist eine schlichte historische Tatsache, die jahrzehntelang verdreht wurde. Die RotGrünBraunen Methoden sind wieder eindeutig, wie damals, inklusive SAntiFASCHISTEN. Da gibt es kein Vertun.

Warum heißt es pauschal und undifferenziert "Kampf gegen rechts" und nicht Kampf gegen Extremismus, egal ob links, rechts oder religiös. Das ist ein staatlicher quasi-Bürgerkrieg gegen Teile der eigenen Bürgerschaft. Finanziert mit Steuer-Milliarden und damit auch von jenen, die "bekämpft" werden. Und es wirkt. Auch weil es nicht offen, klar und deutlich benannt wird. Darum gewinnt RotGrünBraun dauernd, weil man sie lässt.

Es gibt kein Recht auf RotGrünBraune Propaganda

Dieser Irrsinn muss jeden Tag auf den Tisch
RotGrünBraune Methoden benennen und stoppen
Immer und überall
Kein Durchkommen
Wehret der Anfängen
Nie wieder

AndreasausE

10. Mai 2022 13:45

Ukraine, Euro, Klima, Wirtschaftslage - das war mir bei der Wahl, ich bin ja Elmshorner, also SH, nicht egal, aber das entscheidende Thema ist die Migration, danach kommt Bildung.

Ich sehe in der Innenstadt fast nur noch Brikettbärte, Kopftücher, Neger, zuletzt sogar Burka, stets mit zahlreicher Kinderschar.

Wenn Deutsche, dann gepierct oder tätowiert, meines Geschmacks nach Gosse. Oder extrem fett, nun denn. Immer heiter weiter.

Gotlandfahrer

10. Mai 2022 13:53

"sorgenlosen Wahlbevölkerung."

Damit ist alles gesagt. 

HagenAlternat

10. Mai 2022 13:56

Kein Wort über (vermeintliche) Wirkungen des "Kampfes gegen rechts"? Kein Wort von den Wirkungen der VS-Überwachung? Darüber wird auch "die Messe" beeinflusst!

Jan

10. Mai 2022 14:01

Halte die Analyse von Hajo Blaschke für zutreffend.

Dazu kommt noch, dass das Hauptthema - Migration und demographischer Niedergang - mittlerweile in allen Medien komplett ausgeklammert und mit dem Banner von "Hass & Hetze" gesellschaftlich völlig tabusiert wird. Noch vor zehn bis zwölf Jahren konnten Sarrazin und Buschkowsky in den großen Talkshows ihre Thesen und Suchtweisen vortragen. Letztendlich bildete das auch eine Basis für den AfD-Erfolge ab 2013. Auch konnten bis 2018 diverse AfD-Leute noch in den Talkshows auftreten. Das hat man wohlweißlich alles unterbunden, um die Wählerbasis sukzessive auszutrocknen.

Bin aber trotzdem optimistisch, da sich mittlerweile ein harter Kern an Wählerschaft herausgebildet hat. Wenn die Partei sich personell erneuert, schlagkräftig ihr Profil schärft und vor allem selbstbewusst und ohne falsche Reue und Scham auftritt, wird das anziehend auf neue Wähler wirken.

Karl Otto

10. Mai 2022 15:42

@Laurenz: Ich sehe nicht, welchen Grund Russland zu Angst vor der Nato haben sollte. Ganz anders als die USA 1963, nachdem Chruschtschow angekündigt hatte, das "wir euch gegraben werden". Russland ist ein III.-Welt Land, ein aufgeblasenes Nordkorea, dass nicht in der Lage ist, etwas vernünftiges zu produzieren und sich darauf beschrnkt, Gas und Öl zu verkaufen, weil das nun mal zufällig in der Erde liegt. Die Nato ist mit Sicherheit nicht scharf auf die russischen Ölquellen in der Arktis, die sich nur mit größtem Aufwand ausbeuten lassen (da könnte man eher Venezuela erobern, dass direkt um die Ecke liegt und die größten Ölreserven der Welt hat). Und irgendwie kann die herrschende Oligarchie in Russland nicht verstehen, dass Polen. Ukrainer und Balten lieber zum Westen gehören wollen nach allem was Russen ihnen in den letzten 100 Jahren angetan haben. Schon ziemlich bizarr.

RMH

10. Mai 2022 15:49

"da sich mittlerweile ein harter Kern an Wählerschaft herausgebildet hat."

Eben, aber diesen Kern gilt es auch entsprechend zu pflegen und zu motivieren, sonst gehen auch davon zu viele nicht mehr zur Wahl oder geben ihre Stimme vermeintlich anderen Alternativen (in S.H. dem SSW, in Bayern dann den freien Wählern etc.) und schon langt es nicht mehr für >5%, zumal gerade die AfD immer sehr sauber und sicher über diese Schwelle kommen muss, da diese Partei leider nicht auf 100% saubere Stimmauszählung vertrauen darf.

Das gilt insbesondere in den letzten Tagen und Stunden vor der Wahl in NRW. Da müssen die Parteimitglieder in NRW jetzt noch einmal richtig Vollgas im Wahlkampf geben.

tearjerker

10. Mai 2022 16:14

@Blaschke: Es geht ja nicht um den Verkehr in Segeberg, sondern darum, auch mal zu begreifen, dass jede Massnahme, die die Hochburgen der Alternative näher an die Grossräume bringt, das eigene Wählermillieu killen wird. Der Blick auf die Ergebnisse entlang der grossen Verkehrsachsen, die gleichzeitig auch die dichtbesiedelten Räume mit Nähe zu Hamburg sind, legt das nahe. Dass Segeberg für die AfD ganz gut aussieht, ändert daran nichts. Entlang der Strecke in Mittelholstein und Steinburg bejubelt man die Pläne nicht gerade, da sie enorme Verschlechterungen hinsichtlich Zersiedlung, Mieten, Verkehrsdichte und allgemeiner Naturzerstörung nach sich ziehen werden. Ein Dreiviertel-Jahrhundert nachdem mein Grossvater den Verein für eine Elbquerung an der Unterelbe mitbegründete, kann man die Pläne jetzt langsam mal begraben. Wer das Eigene für schützenswert hält, hätte sich darüber hinaus auch die Frage stellen, ob die angestrebte Verkehrslösung nach Skandinavien im Interesse der Anlieger (vor Allem Hamburg) auf der deutschen Seite liegt. Das gilt auch für die Extra-Wurst, die dem SSW zukommt und die zur Disposition gestellt werden könnte. Wir liegen hier in der Brandungszone nach Dänemark. Wo wenn nicht hier müssen Grenzen gezogen werden? Rumstänkern würde schon ausreichen, die fehlenden 8000 Stimmen zum Einzug in den Landtag zu gewinnen und 4,5% Stammwähler hat man ja schon.

Gelddrucker

10. Mai 2022 17:23

Auch für diese Wahl und alle kommenden gilt wieder die große Frage:

 

Wieso wird nicht endlich eine richtig groß angelegte Aufklärungskampagne gestartet über die Demographie in Europa im Jahr 2050 (bei aktuellen Trends)

Wir wissen aus Umfragen, dass die Europäer, egal ob in Frankreich, England oder hierzulande zur allergrößten Mehrheit keine Lust haben, in einem Land zu leben, das von Einwanderervölkern dominiert wird.

 

Wieso wird das nicht endlich mal allen um die Ohren geschleudert? Nur die wenigsten wissen Bescheid und zu allem Überdruss schätzt das eigene Lager die Lage zu pessimistisch ein.

Unser bestes Argument sind demographische Hochrechnungen für 2050. Wann kommen die Links, die seriösen Hochrechnungen, die Graphen, die Schaubilder?

Heißt natürlich nicht, dass man alles andere vernachlässigen soll, Sozialpolitik usw. ist auch wichtig.

Mitleser2

10. Mai 2022 17:50

Vielleicht kann hier jemand aus der AfD mal kommentieren: Wie ist das Procedere für den Parteitag? Bewerbungen für die Vorstand wie? Wie wird abgestimmt? Gibt es Prognosen für die Chancen der nicht-Meuthen Seite?

Gelddrucker

10. Mai 2022 18:14

@AndreasausE:

Dann sollten Sie zum Augenarzt. Das klingt nach einem Anteil dieser Gruppen von ca. 90%. De facto dürften es um die 10% sein, in der Stadt in der sie leben. Schätze ich, plusminus. Alles andere ist darauf zurückzuführen, dass Sie auf genau diese Leute achten und dass der Anteil in Innenstädten erhöht ist im Vergleich zur tatsächlichen Zahl.

Laurenz

10. Mai 2022 22:24

@Gelddrucker

Zum 100sten Male,

"Demographie"

interessiert nur absolute Minderheiten. Und zwar diejenigen, die mit dem kulturfremden Zuzug leben müssen. Unsere debilen Rentner wollen doch nur, daß derjenige, der ihnen zukünftig die Windeln wechselt, bezahlbar bleibt.

Die Mehrheit will von Ihren gedruckten Wahrheiten nichts wissen. Das ändert sich erst dann, wenn bei dieser ignoranten Mehrheit, der Break-even bei den Lebenshaltungskosten erreicht wird.

Nordlicht

10. Mai 2022 22:59

@Nemo: "AfD auf dem Weg zu einer ostdeutschen Regionalpartei."

Diesen Weg sind auch die LINKEN gegangen.

Man muss ja auch zugeben, dass die AfD in S-H kein überzeugendes Personalangebot hat und das Nobis effektiv noch ein paar tausend Protestwähler vergrault hat. Sie sind zuhause geblieben.

Personen wie Höcke gibt es in westlichen Bundesländern nicht. 

 

Laurenz

11. Mai 2022 00:53

@Karl Otto @L.

Wie die ARTE Doku: Putin - Die Rückkehr des russischen Bären (schon mal gepostet) dokumentiert, saßen die US-Amerikaner unter Jelzin bereits in allen russischen Ministerien & bestimmten, was passierte. https://youtu.be/cUxfZtxcujk

In diesen 10 Jahren waren alle Ressourcen schon unter den Oligarchen zugunsten von US Corps mit 25 Jahren Laufzeit aufgeteilt.

Gelddrucker

11. Mai 2022 06:48

@Laurenz:

Sie irren komplett.

Das ist das primäre Thema, mit denen man geschätzte 80% der Bevölkerung in 10 Minuten Gespräch davon abbringen kann, eine Antihaltung zur AfD einzunehmen. Zahlreiche persönliche Testläufe zeugen davon.

Es ist mir klar, dass die persönliche Betroffenheit durch die Umvolkung in Deutschland außerhalb der Großstädte kaum gegeben ist, und selbst da kann man meistens in bestimmte Stadtviertel fliehen. Daher sollte man den Leuten vor Augen führen, wie das alles in der Zukunft aussehen wird.

Laurenz

11. Mai 2022 07:58

@Nordlicht

Personen wie Höcke gibt es in westlichen Bundesländern nicht. 

Sehr witzig. Sie kennen 25k oder 30k Mitglieder im Westen? Höcke stammt aus dem Westen.

 

 

Laurenz

11. Mai 2022 08:35

@Gelddrucker @L.

Ich war schon oft genug an AfD-Wahlständen im Einsatz. Sie werden als Nazi beschimpft, wenn Sie das Thema auch nur ansprechen.

 

Valjean72

11. Mai 2022 09:08

@tearjerker:

Wir liegen hier in der Brandungszone nach Dänemark. Wo wenn nicht hier müssen Grenzen gezogen werden?

Genau, nach Skandinavien hin müssen wir uns abschotten. Dafür gilt es die südlichen und östlichen Grenzen für Migration aus Afrika/Arabien durchlässig zu halten.

Könnte glatt aus einer Denkfabrik der Grünen stammen ...

 

Valjean72

11. Mai 2022 09:18

@Schobbepetzer:

Die AfD und ihre führenden Personen, von allen "Flügel", sollten jetzt zeitnah entscheiden, welcher Weg zu gehen ist. Meiner Meinung nach ist der Weg, vom Mainstream akzeptiert zu werden, gescheitert.

Allerdings gehört dazu auch, dass die Leute aus dem Osten, den Hut in den Ring werfen, eine Entscheidung muss her.

Ich sehe das wie Sie und zwar in beiden Punkten. Der sich anbiedernde, zahnlose Kurs der Meuthen-Leute ist gescheitert, dies sollte mittlerweile jedem klar sein.

Aber auf der anderen Seite sind auch auch die massgeblichen Vertreter des "patriotisches Flügels" gefordert aus dem Schatten hervorzutreten und Stellung zu beziehen.

RMH

11. Mai 2022 10:16

"Der sich anbiedernde, zahnlose Kurs der Meuthen-Leute ist gescheitert, dies sollte mittlerweile jedem klar sein."

Das ist auch mehr Stimmung und Bauchgefühl als Faktenbasiert. Zumindest innerparteilich ist Meuthen klar gescheitert und seine Feindzeugen-Phrasen waren für die AfD schädlich. Was aber beim Wähler letztlich wirklich ankommt und ihn zur Stimmabgabe für die AfD bewegt, ist nach wie vor fast reines Trial- and Error-Spiel und Aufplustern der jeweiligen parteiinternen Lager. Der Versuch, Zahlen, Demoskopie etc. zur Kenntnis zu nehmen, wie ihn D. Fiß und andere immer wieder unternehmen, hat doch bei den entsprechenden Lagern keine große Wirkung, da es hier mittlerweile um Glaubensfragen geht und die Daten entsprechend des eigenen Glaubensbekenntnisses gedeutet werden. Guter Ossi, verlorener, korrupter Wessi. Vulgärmarxismus, der immer wieder predigt, den Leuten muss es schlecht gehen, damit sich die Stimmung dreht (das predigen solcher Muster lässt im Übrigen psychologisch beredte Schlüsse auf die Vertreter dieser Thesen zu) etc. - immer wieder das Gleiche. Man kann nur hoffen, dass die Wahlkämpfer in NRW sich davon nicht mehr ablenken lassen und jetzt ihr Ding durchziehen.

Volksdeutscher

11. Mai 2022 10:17

@Laurenz - "Höcke stammt aus dem Westen."

Das ist ja geradezu beruhigend. Jetzt, wo das Haus brennt, soll Höcke den Brand löschen? Was haben die anderen all die Weile gemacht, wenn man jetzt Höcke wie einen Regengott Höcke anruft, er möge die AfD und Deutschland vor dem großen Brand retten? Wozu sind die anderen Politiker in der AfD, für welche Leistungen haben sie ihre Gehälter entgegengenommen?

Laurenz

11. Mai 2022 14:53

@Volksdeutscher @L.

Ihre Phantasie geht mit Ihnen durch. Wann hätte ich meine Erwartungen bezüglich Höcke formuliert?

Jan

11. Mai 2022 16:47

@ Gelddrucker

"Es ist mir klar, dass die persönliche Betroffenheit durch die Umvolkung in Deutschland außerhalb der Großstädte kaum gegeben ist..."

Auch im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins sind Araberinnen mit Kopftuch und Kinderwagen oder Schwarzafrikaner keine Seltenheit mehr. Die ethnischen Umwälzungen sind dank Königsteiner Schlüssel längst auch in der tiefen Provinz angekommen. Und die Dorfbevölkerung weiß, dass man von der Politik her wünscht, sich diesen Veränderungen gegenüber aufgeschlossen zu verhalten.

 

Uwe Lay

12. Mai 2022 10:40

Was hielte man von dieser "Faktenanalyse" eines verlorenen Fußballspieles: Die Mannschaft mußte verlieren, da sie zwar 2 Tore schoß, der Gegner aber 3? Die Fakten, daß die Mannschaft nur 2 Tore erzielte und 3 kassierte sind nicht einfache Fakten sondern kontingente Ereignisse - genauso wie alle in dieser Analyse aufgezeigten "Fakten". Eine politische Analyse hätte zu fragen: Warum gelang es der AfD nicht, ihre Themen zu den die Wahl entscheidenden zu machen? Wie konnte man weniger als 5 Prozent bekommen, wenn die Hyperinflation bei den Lebensmittelpreisen von 20-30 Prozent weit mehr als 5 Prozent der Wähler in eine wirkliche ökonomische Bedrängnis bringt? Und die reale Kriegsgefahr? Nur allein mit diesem Thema: "Wir wollen Frieden- keinen Krieg gegen Rußland" hätte die AfD gut punkten können, hätte sie darauf den Schwerpunkt ihres Wahlkampfes gelegt. Die Ausgangslage war so für die Partei gut, aber sie hat nichts daraus gemacht - fußballerisch gesagt: Sie hat ihre hundertprozentigen Torchancen vergeigt! 

anatol broder

12. Mai 2022 12:38

@ uwe lay 10:40

ich spreche zwar kein «fussballerisch», aber wenn tore «kontingente ereignisse» sind, dann gibt es keine «hundertprozentigen torchancen». die falsche denkweise steckt auch hinter der gerechtigkeitsideologie.

RMH

12. Mai 2022 12:44

"Wir wollen Frieden- keinen Krieg gegen Rußland" 

@U. Lay,

Frieden will jeder, Krieg will keiner, wo ist das Alleinstellungsmerkmal, außer, dass man öffentlich den Schisser vor Russland gibt (nur der Vollständigkeit halber: Wofür es gute Gründe gibt, aber die will keiner hören und machen zudem massiv unsexy)?

Im Übrigen ist Protestpotential genug da, aber wenn dieses lieber zu Hause bleibt als zur Wahl zu gehen oder meint, mit Regionalpatriotismus (SSW) besser zu fahren, dann langt es bei im Übrigen blassem Personal nicht für die 5 %. Die Mobilisierung dieses vorhandenen Potentials ist meiner Meinung nach die Aufgabe der Stunde.

Apropos Lokalpatriotismus: Die in den Umfragen sehr starke AfD in Sachsen hat mit den freien Sachsen einen punktuell starken Gegner. Es sind 2022 vielen Bürgermeister- und Landratswahlen in Sachsen. 

 

tearjerker

12. Mai 2022 12:49

@Valjean: Der SSW geniesst in SH Privilegien, die auf der anderen Seite der Grenze in der Form nicht existieren. Die Skandinavier haben kein Problem damit Deutschland einfach als Durchgangsstation und Parkplatz für eigene Interessen in Beschlag zu nehmen und die Deutschen dafür zahlen zu lassen, während sie alle Hebel in Bewegung gesetzt haben über Brüssel eine Kostenbeteiligung an den von ihnen genutzten Strukturen durch die Maut zu verhindern. Die Dänen können auch ohne Restriktionen in DE Immobilien erwerben und munter Preise und Verfügbarkeit zu Lasten der Einheimischen verbiegen, während das umgekehrt anders aussieht. Ein paar tausend Stimmen wären locker mit mehr Sichtbarkeit und Rumstänkern zu den genannten Themen, die den Einheimischen wesentlich näher liegen als die südliche Mittelmeerküste drin gewesen. Achja, ich erinnere mich auch noch an die Südschleswig-zurück-an-Dk Demo in Hamburg im Herbst 1990 und die in HH-West grassierende Dk-Verherrlichung, die ganz offen bis in die Bürgerschaft hinein ihre mit Bezug auf den nördlichen Nachbarn aufgeladenen antideutschen Ressentiments verbreiten darf. Das Spiel kann man auch umkehren. Zu fein dafür?

Mitleser2

12. Mai 2022 13:08

@Uwe Lay: "Wie konnte man weniger als 5 Prozent bekommen, wenn die Hyperinflation bei den Lebensmittelpreisen von 20-30 Prozent weit mehr als 5 Prozent der Wähler in eine wirkliche ökonomische Bedrängnis bringt?"

Es scheint eben im Westen (bisher) nicht als wahlbeeinflussendes Problem gesehen zu werden. Vielleicht sind die Betroffenen unpolitische Nichtwähler aus der sog. Unterschicht?  Wer weiß das schon.

Volksdeutscher

13. Mai 2022 01:04

@Nordlicht: "Personen wie Höcke gibt es in westlichen Bundesländern nicht."

@Laurenz: "Sehr witzig. Sie kennen 25k oder 30k Mitglieder im Westen? Höcke stammt aus dem Westen."

@Volksdeutscher: "Das ist ja geradezu beruhigend. Jetzt, wo das Haus brennt, soll Höcke den Brand löschen?"

@Laurenz: "Wann hätte ich meine Erwartungen bezüglich Höcke formuliert?"

Nicht, daß Sie in Bezug auf Höcke Erwartungen formuliert hätten, war der Anlaß meiner Bemerkung, sondern daß der Schwarzer Peter jetzt hin und hergeschoben wird, um ja einen Verantwortlichen oder eine Rechtfertigung für die Misere der AfD für die Blamage in SH zu finden. Ja, Höcke kommt aus dem Westen. Aber Leute wie Höcke sind selbst im Westen rar, und vergessen Sie nicht, daß er vielleicht nur deshalb ein bekannter und beliebter AfD-Politiker ist, weil er sein politisches Publikum bei den "deutscheren" Deutschen im Osten gefunden hat.

Laurenz

14. Mai 2022 15:01

@Volksdeutscher

Auch der Westen DDRisiert sich gerade, allerdings international, ein Prozeß, der sich vielleicht noch ein Jahrzehnt hinziehen wird, & den die ehemaligen Bürger der DDR gerne verhindert hätten. Danach bedarf es noch weiterer Jahre, bis jeder einzelne daraus seine Konsequenzen zieht. Politische Geschichte braucht Zeit. Politische Veränderungen brauchen meist noch mehr Zeit.

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