Sammelstelle für Gedrucktes (50): konkrete Spaltung

Innerhalb der AfD wird bis heute über den rechten Kurs zum Ukraine-Krieg gestritten, Beleidigungen inklusive. Jetzt eskaliert es aber woanders.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Und zwar beim tra­di­ti­ons­rei­chen Maga­zin kon­kret (Grün­dungs­jahr 1957). Das links­ra­di­ka­le Maga­zin (Unter­ti­tel: Poli­tik & Kul­tur), bun­des­weit flä­chen­de­ckend am Kiosk prä­sent, ver­fügt über eine geschätz­te Auf­la­ge im Zwi­schen­be­reich von 30.000 bis 40.000 und ist damit die ältes­te, aber auch größ­te lin­ke Zeit­schrift der BRD.

Wer das Blatt den­noch nicht kennt, dem sei gesagt, daß kon­kret eine Schlüs­sel­rol­le spiel­te, als ab 1965 die Außer­par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on for­miert wur­de. Ulri­ke Mein­hof und Klaus Rai­ner Röhl präg­ten die frü­he Pha­se, ab 1974 über­nahm Her­mann L. Grem­li­za deren Erbe und soll­te kon­kret bis zu sei­nem Tod im Jahr 2019 füh­ren (– ein star­kes Grem­li­za-Por­trät ver­faß­te Sieg­fried Ger­lich für die Sezes­si­on).

Grem­li­zas Frau Kat­rin stand ihm vie­le Jahr­zehn­te als Geschäfts­füh­re­rin zur Sei­te; mitt­ler­wei­le wur­de sie – ganz kon­ser­va­tiv dem Fami­li­en­ge­dan­ken ver­pflich­tet? – durch Frie­de­ri­ke Grem­li­za abgelöst.

Wich­tig für die fol­gen­den Aus­füh­run­gen ist ledig­lich, sich des­sen bewußt zu sein, daß kon­kret in den letz­ten Dez­en­ni­en das ent­schei­den­de mei­nungs­bil­den­de Organ für wei­te Tei­le der anti­fa­schis­ti­schen Lin­ken der Bun­des­re­pu­blik blieb, was nicht zuletzt an einem radi­ka­len Plu­ra­lis­mus lag, der von DKP-nahen Gran­den wie Georg Fül­berth (sie­he P.S.!) bis zu Jut­ta Dit­furth und anti­deut­schen Hard­li­nern reichte.

Das Selbst­bild kon­krets beschrieb Grem­li­za vor 20 Jah­ren wie folgt:

Kon­kret braucht kei­ne Bünd­nis­se, son­dern Autoren, die etwas zu sagen haben, auch wenn es mal das Fal­sche ist,

womit wir uns, nach die­ser klei­nen Ein­lei­tung, mit­ten in der Gegen­wart befin­den. Und dort knallt es, weil die einen den ande­ren vor­wer­fen, daß es nicht nur »mal das Fal­sche ist«, son­dern neu­er­dings konsequent.

Die Bom­be ist der Ukrai­ne­krieg – nur wer sie zün­de­te, ist unklar. Dar­über wird jetzt gestrit­ten. Lag es am März-Cover des Maga­zins, das just zum Kriegs­be­ginn in der Ost­ukrai­ne die »Nato-Aggres­si­on gegen Russ­land« zum Titel­ge­gen­stand erhob?

Das mei­nen jeden­falls eini­ge (Ex-)Autoren und Leser in sozia­len Medien.

Oder war es die Reak­ti­on der Redak­ti­on auf Kri­tik, wonach die­ses Cover Puti­nis­mus ver­brei­te? Die Redak­ti­on block­te näm­lich alles ab, ver­wies sinn­ge­mäß auf die Eska­la­ti­ons­stra­te­gie des Wes­tens, die nicht bes­ser dadurch wer­de, daß Putin zündle.

Oder waren es abge­lehn­te Arti­kel, Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge zumal, die sei­tens der Her­aus­ge­be­rin Frie­de­ri­ke Grem­li­za und der stän­di­gen Redak­teu­re Tho­mas Blum, Phil­ipp Schmidt und Inga Waß­muß nicht berück­sich­tigt oder gar zu gekürz­ten Leser­brie­fen ver­stüm­melt wur­den? Auch die­se Ver­si­on kur­siert im Word Wide Web.

Es wird von allem ein biß­chen sein, und dann kom­men noch per­sön­li­che Din­ge und ideo­lo­gi­sche Dis­pu­te dazu. Die­se Gemenge­la­ge führ­te jeden­falls zu einer reiz­vol­len Spal­tung der kon­kret-Autoren­schaft.

Zunächst waren es 17 Publi­zis­ten, die eine Son­der­sei­te namens »Kon­trast Mit­tel« lan­cier­ten. »War­um wir nicht mehr für kon­kret schrei­ben« ist lesens­wert, weil es alte und neue Kon­flikt­li­ni­en offen­legt und beweist, daß die publi­zis­ti­sche Lin­ke noch unfä­hi­ger ist, einen intern ver­söhn­li­chen Ukrai­ne­kurs zu fah­ren als die – frei­lich zah­len­mä­ßig mar­gi­na­le­re – publi­zis­ti­sche Rechte.

Die Rebel­len begin­nen so:

Für uns, Autorin­nen und Autoren von Kon­kret, ist mit dem redak­tio­nel­len Kurs zum rus­si­schen Angriffs­krieg gegen die Ukrai­ne eine rote Linie über­schrit­ten. Wir wol­len und kön­nen nicht wei­ter in einer Zeit­schrift publi­zie­ren, die sich in die­ser Fra­ge in die Nach­bar­schaft der AfD, des völ­ki­schen Flü­gels der Links­par­tei oder Jür­gen Elsäs­sers Com­pact, von Hen­ry Kis­sin­ger, Klaus von Dohn­anyi oder den Lob­by­ver­bän­den der deut­schen Indus­trie begibt,

was bei Twit­ter übri­gens kon­tro­vers dis­ku­tiert wur­de. Heißt »in der Nach­bar­schaft« von AfD und Co. nun, daß man die­se Akteu­re gleich­setzt? Oder gibt es – nur in die­ser Fra­ge – ein Nahe­ver­hält­nis? Erhei­ternd, wie eine sol­che Fra­ge die lin­ken Gemü­ter erhitzt.

Doch las­sen wir die Autoren fortfahren:

Der März-Titel („Nato-Aggres­si­on gegen Russ­land“) hät­te einen Ein­schnitt bedeu­ten müs­sen. Zwar haben vie­le nicht dar­an geglaubt, dass die rus­si­sche Staats­füh­rung mit ihren Dro­hun­gen  ernst machen wür­de. Aber dass es in Wahr­heit der Wes­ten sei, der einen Über­fall vor­be­rei­te, hat nicht ein­mal der Kreml selbst behaup­tet. Die­se Sti­li­sie­rung Russ­lands zum unschul­di­gen Opfer, samt Aus­blen­dung des Auf­mar­sches von hun­dert­tau­send Sol­da­ten an der Gren­ze zur Ukrai­ne, wäre selbst dann fürch­ter­lich gewe­sen, wenn der Ein­marsch nicht erfolgt (oder, rea­lis­ti­scher, lokal begrenzt geblie­ben) wäre. Durch das rus­si­sche Vor­ge­hen wur­de der Titel, ob nolens oder volens, zu noch Schlim­me­rem: einem Stück Kriegspropaganda,

womit, da wären sich bei­de Lager einig, kon­kret eigent­lich nicht zwin­gend in Ver­bin­dung gebracht wer­den möch­te – zumin­dest nicht mehr seit 1991. Damals war kon­kret näm­lich (noch) das Flagg­schiff der Anti­deut­schen, die den Irak­krieg beju­bel­ten und Sad­dam Hus­sein als Wie­der­gän­ger Hit­lers ver­damm­ten. Man darf hier ohne viel Spott davon aus­ge­hen, daß das Gros der Unter­zeich­ner von 2022 der »Kriegs­pro­pa­gan­da« von 1991 für die trans­at­lan­ti­sche Front nicht all­zu laut­stark wider­spro­chen hätte.

Nun ist aber eine ande­re Kriegs­pro­pa­gan­da gemeint, rus­si­sche, denn »die Grund­ten­denz ist über­deut­lich« bei kon­kret. So wür­de sich die Zeit­schrift (nach Ansicht der Ex-Autoren) positionieren:

Russ­land, von der Nato-Ost­erwei­te­rung und CIA-gespon­ser­ten Put­schen in die Defen­si­ve gedrängt, habe schlicht­weg kei­ne ande­re Wahl gehabt, als ent­we­der anzu­grei­fen oder zu kapi­tu­lie­ren. Der Wes­ten sei dar­um nicht bloß der eigent­li­che Aggres­sor, son­dern durch die Unter­stüt­zung des ukrai­ni­schen Abwehr­kamp­fes auch haupt­ver­ant­wort­lich dafür, dass das Blut­ver­gie­ßen nicht schon längst been­det wur­de. Kon­kret-Haus­po­et Mar­co Tschirpke brach­te es in der Mai-Aus­ga­be auf den Punkt: Die Ukrai­ne sol­le gefäl­ligst kapi­tu­lie­ren, damit im Osten end­lich wie­der Ruhe herrscht,

womit Genos­se Tschirpke ein wenig Unrecht getan wur­de, aber das soll nicht unser Pro­blem sein.

Die Ex-Autoren der kon­kret neh­men Fahrt auf, erör­tern einen ver­meint­li­chen oder tat­säch­li­chen Ruß­land-Kom­plex und stel­len die Frage

wie es eigent­lich ins Sche­ma passt, dass die Bun­des­re­pu­blik bei den west­li­chen Ver­bün­de­ten seit Lan­gem als der treu­es­te Für­spre­cher Putins bekannt ist,

was mir nicht so ganz ein­leuch­ten mag, wenn Habeck, Baer­bock und Scholz (in der Hier­ar­chierei­hen­fol­ge) als Trio infer­na­le gera­de dabei sind, »gegen Putin« die deut­sche Wirt­schaft abzuwickeln.

Aber sei’s drum, das Fina­le ist dafür unter­halt­sam. Aus­ge­rech­net der kon­kret wird vor­ge­wor­fen, anti­west­li­che Stim­mun­gen zu bedienen:

Aus einem Organ der Kri­tik wird dann eine monat­li­che Jun­ge Welt. Für die schrei­ben wir aus guten Grün­den nicht. Für die Kopie dann halt auch nicht.

Das ist unter moder­nen Life­style-Anti­fa­schis­ten natür­lich der schlimms­te Vor­wurf (nach dem, rechts abge­bo­gen zu sein): in Rich­tung jun­ge Welt abzu­drif­ten, also in Rich­tung einer mar­xis­tisch-leni­nis­ti­schen Dog­ma­tik mit DDR-Spleens wie »Anti­im­pe­ria­lis­mus« und dem gan­zen alt­lin­ken Gedöns (wobei hin­zu­zu­fü­gen wäre, daß die jun­ge Welt ansons­ten in allen Berei­chen längst zeit­geis­tig auf links­li­be­ra­le Ein­heits­li­nie gebracht wurde).

Wer sind nun die Erst­un­ter­zeich­ner? Wir sehen Stam­m­au­toren wie Alex Feuer­herdt (der trotz sei­ner poli­ti­schen Ver­or­tung bei Sky Sport News über Fuß­ball­schieds­rich­ter dozie­ren darf), Lars Quad­fa­sel oder auch Paul Simon, der – gemein­sam mit sei­nem Bru­der Johan­nes bei kon­kret das Buch »Eine Welt vol­ler Wut«. Donald Trump und das Ende der US-Hege­mo­nie publi­zier­te, das in der 100. Sezes­si­on (Febru­ar 2021) rezen­siert wurde.

Spä­ter stie­ßen übli­che Ver­däch­ti­ge aus die­sem eher pro­west­lich und »anti­deutsch« beein­fluß­ten Milieu hin­zu wie die kon­kret-Gele­gen­heits­au­toren Vero­ni­ka Kra­cher und Jan Töl­va. Eben­falls die Mit­ar­beit ein stellt zum Bei­spiel das Pseud­ony­mus »Jus­tIn Mon­day« (des­sen regel­mä­ßi­ge kon­kret-Arti­kel mir stets ein unle­ser­li­ches Rät­sel abgeben).

Manch einer der Unter­zeich­ner mag gehofft haben, daß auf­grund die­ses ver­meint­lich his­to­ri­schen Ex-kon­kret-Blocks die Redak­ti­on nun wei­che Knie bekom­me und zurück­ru­de­re, mit­hin ihren »Rußland«-Kurs korrigiere.

kon­kret ätzt aber lie­ber zurück: 

Im Inter­net kur­siert eine Erklä­rung mit dem Titel »War­um wir nicht mehr für kon­kret schrei­ben«. Die 17 Unterzeichner/innen stel­len sich dar­in als »Autorin­nen und Autoren von kon­kret« vor, die wegen des ver­meint­li­chen »Pro-Putin-Kur­ses« der Zeit­schrift »die Zusam­men­ar­beit« mit kon­kret »been­den« (»Süd­deut­sche Zeitung«).

Dazu stellt die kon­kret-Redak­ti­on fest:

  1. Been­den kann man nur, was es gibt. Ein gro­ßer Teil der Unterzeichner/innen aber sind kei­ne »Autorin­nen und Autoren von kon­kret«; sie sind es nicht mehr, und sie stan­den nicht in Gefahr, von kon­kret künf­tig um einen Bei­trag gebe­ten zu wer­den. Die pom­pö­se »Erklä­rung« ist daher eine Anma­ßung, ein Fall von Eti­ket­ten­schwin­del und Hochstapelei.

  2. Sie ist zudem rand­voll mit Halb­wahr­hei­ten und gan­zen Lügen, struk­tu­riert von einer »Logik«, der zufol­ge ein Nazi ist, wer sich gegen Hartz IV stellt, weil schließ­lich auch die NPD eine Anti-Hartz-IV-Kam­pa­gne gestar­tet hat­te, und geprägt vom Wil­len zu einer poli­ti­schen Het­ze, die eine Ant­wort nicht ver­dient. Wer kon­kret in die Nach­bar­schaft von AfD und »Com­pact« rückt, mit dem lohnt kei­ne Debat­te – die kon­kret im übri­gen natür­lich auch bezo­gen auf den Ukrai­ne-Krieg wei­ter füh­ren wird.

    Die Redak­ti­on, 1. Juli 2022

     

Ich kann mir per­sön­lich vor­stel­len, daß aus die­ser Feh­de ein neu­es Zeit­schrif­ten­pro­jekt ent­steht. Wie wei­land zu jun­ge Welt-Tagen, als die Redak­ti­on gegen ihren Geschäfts­füh­rer putsch­te und die Jung­le World als Abspal­tungs­pro­dukt ent­stand, das heu­te weit ein­fluß­rei­cher und zeit­ge­mä­ßer erscheint als die Res­te der jun­gen Welt.

Apro­pos Jung­le World: Die­se spielt auch beim kon­kret-Zer­würf­nis wie­der ihre Rol­le. Zum einen sind vie­le der Pro­test­ler Jung­le-Autoren oder gar Redak­teu­re; zum ande­ren druck­te sie bei­spiels­wei­se einen Arti­kel von ex-kon­kret-Autor Olaf Kis­ten­ma­cher ab (»Ruß­land, Du Opfer«), der dem Ver­neh­men nach von der kon­kret-Redak­ti­on nicht gewollt wor­den war.

Soll­te jeden­falls aus der Platt­form »Kon­trast Mit­tel« ein neu­es Peri­odi­kum ent­ste­hen, hät­te man es schon per­so­nell mit einer Art Jung­le World 2.0 zu tun, viel­leicht nicht als Wochen­blatt­kon­kur­renz, sehr wohl aber als monat­li­che Ergän­zung. Ob dafür ein »Markt« besteht?

Noch ist es aber nicht soweit und wir kön­nen einen Blick ins aktu­el­le kon­kret-Heft (7/2022) wer­fen. Das Erschei­nen die­ser Aus­ga­be über­schnitt sich mit der Lan­cie­rung der Pro­test­erklä­rung, so daß wir hier wohl noch nicht das fina­le neue kon­kret-Autoren­ta­bleau sehen können.

Jene Autoren, die von den Pro­test­lern beson­ders befeh­det wer­den, sind indes an Bord und gie­ßen neu­es Öl ins Feu­er. Zu nen­nen sind Tomasz Konicz, Kay Soko­low­sky oder auch Jörg Kro­nau­er. Ins­be­son­de­re letz­te­rer gilt den radi­ka­len West­lern in der Lin­ken als Aus­ge­burt des Puti­nis­mus. Sein neu­es Buch zum Ukrai­ne­krieg Der Auf­marsch ist nur das i‑Tüpfelchen (und wur­de in der Sezes­si­on so aus­gie­big wie begrün­det gelobt).

Mit sei­nem neu­en Bei­trag »Abgang ist über­all« wird Kro­nau­er sei­ne Kri­ti­ker jeden­falls nicht besänf­ti­gen. Er fragt, ob »die mili­tä­ri­sche und öko­no­mi­sche Reak­ti­on des Wes­tens auf den Krieg Russ­lands gegen die Ukrai­ne deut­schen Inter­es­sen« ent­spre­che oder nicht.

Dafür skiz­ziert er die jün­ge­re Geschich­te der deutsch-rus­si­schen Bezie­hun­gen, die über­la­gert wer­den durch die enge bun­des­deut­sche trans­at­lan­ti­sche Koope­ra­ti­on. Zwar habe man mit Ruß­land, das immer­hin über die welt­weit größ­ten Gas­re­ser­ven ver­fü­ge, eng zusam­men­ge­ar­bei­tet, aber im Win­ter 2013/14 kam es zu einer Zäsur im Rah­men der Mai­dan-Pro­tes­te in Kiew.

Kro­nau­ers The­se, die damals gestürz­te Regie­rung von Prä­si­dent Wik­tor Janu­ko­wytsch sei »auf Aus­gleich zwi­schen West und Ost bedacht« gewe­sen, ist recht steil, sei­ne Schluss­fol­ge­rung aus dem Macht­wech­sel jedoch, daß »die Ukrai­ne auf pro­west­li­chen Kurs« gebracht wur­de, dabei aber der Krim ver­lus­tig ging, evident.

Daß Kro­nau­er aber Geor­ge Fried­man zitiert, wird ihm wohl nicht ver­zie­hen wer­den. Die­ser schei­den­de Lei­ter der US-Denk­fa­brik Strat­for for­mu­lier­te näm­lich im Febru­ar 2015, daß ein deutsch-rus­si­sches Bünd­nis »die ein­zi­ge Kom­bi­na­ti­on (sei), die seit Jahr­hun­der­ten die Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu Tode erschreckt hat«, wes­halb man durch­aus die Anschluß­fra­ge stel­len darf, ob die Ame­ri­ka­ner bei Nord Stream 2 die deut­sche Ent­schei­dungs­sou­ve­rä­ni­tät mindern …

Jeden­falls argu­men­tiert Kro­nau­er rea­li­täts­ori­en­tiert, nicht ideo­lo­gisch. Er anti­zi­piert, daß vie­le deut­sche Unter­neh­men fort­an auf rus­si­sches Erd­gas ver­zich­ten müs­sen, was die Fra­ge auf­wer­fe, »ob Tei­le der Che­mie- und der Stahl­in­dus­trie inter­na­tio­nal kon­kur­renz­fä­hig blei­ben oder viel­leicht an ande­re Stand­or­te abwan­dern« wer­den. Da kommt es Kro­nau­ers Argu­men­ta­ti­on zupas­se, daß der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Indus­trie- und Han­dels­kam­mer­ta­ges (DIHK) arg­wöhn­te, daß die deut­sche Wirt­schaft »Kern­bran­chen ver­lie­ren« würde.

Das ficht natür­lich radi­kal­west­li­che Ideo­lo­gen nicht an: Wich­ti­ger ist es ihnen, »den Rus­sen« eins aus­zu­wi­schen. Nicht zuletzt Ver­tre­ter der BRD-Ampel führ­ten immer wie­der an, man müs­se Ruß­land Schlä­ge ver­set­zen (die letzt­lich nur den Deut­schen selbst scha­den, wäh­rend die rus­si­sche Öko­no­mie eini­ger­ma­ßen sta­bil bleibt und qua Han­del mit Indi­en und Chi­na sogar zule­gen kann).

Kann man aber als EU- und NATO-Mit­glied über­haupt dem Druck stand­hal­ten, der aus Washing­ton aus­ge­übt wird? Der lin­ke Publi­zist Jörg Kro­nau­er, man hal­te sich fest, meint, daß dies mög­lich sei, trotz allem, und er ver­weist als Posi­tiv­bei­spiel aus­ge­rech­net auf das Feind­bild Nr. 1 vie­ler euro­päi­scher Lin­ker – auf die Regie­rung Vik­tor Orbáns:

Waf­fen­lie­fe­run­gen an die Ukrai­ne über unga­ri­sches Ter­ri­to­ri­um erlaubt sie nicht. Ein voll­stän­di­ges EU-Embar­go auf rus­si­sches Erd­öl hat sie ver­hin­dert, und als die ukrai­ni­sche Bot­schaf­te­rin in Buda­pest, Lju­bow Nepop, auf­dring­lich ver­such­te, den Andrij Mel­nyk zu geben, bestell­te das unga­ri­sche Außen­mi­nis­te­ri­um sie ein: Es sei ‘an der Zeit, dass die ukrai­ni­schen Füh­rer mit der Belei­di­gung Ungarns auf­hö­ren’, erklär­te Außen­mi­nis­ter Péter Szijjártó.

Kro­nau­er ver­gißt da nur eine Klei­nig­keit: Die unga­ri­sche Regie­rung agiert sou­ve­rä­nis­tisch, patrio­tisch, volks­ori­en­tiert. Was davon wür­den er und Genos­sen in Deutsch­land dul­den? Den Punkt kann er also nicht wirk­lich setzen.

Tref­fend hin­ge­gen sei­ne Beschäf­ti­gung mit den genu­in west­li­chen Metho­den Putins, mit denen er nun selbst agiert:

Staa­ten zu zer­schla­gen, um Euro­pa neu zu glie­dern – das war bis dahin, sie­he Jugo­sla­wi­en, sie­he Koso­vo, das selbstan­ge­maß­te Pri­vi­leg des Wes­tens gewe­sen. Nun jedoch nahm sich Mos­kau die­ses Pri­vi­leg gleich­falls her­aus. (…) Mit sei­nem Über­fall auf die Ukrai­ne ver­sucht Russ­land, macht­po­li­tisch betrach­tet, nun zu demons­trie­ren, dass man sogar in Euro­pa Krie­ge gegen die Inter­es­sen des Wes­tens füh­ren kann.

Und er schließt sei­nen klei­nen Exkurs pointiert:

Krie­ge in Euro­pa zu füh­ren war bis dato eben­falls ein Pri­vi­leg der Nato gewesen.

Daß Kro­nau­er wei­ter­hin Feind­bild der Ex-kon­kret-Rebel­len bleibt, erar­bei­tet er sich mit die­sem aus­führ­li­chen Arti­kel kon­se­quent. Denn zu guter letzt wirft er noch einen Blick auf die Hard­li­ner-Frak­ti­on in der BRD, die noch jede Eska­la­ti­on des Kon­flikts begrüßt, kos­te sie, was sie wolle.

Die­se Anhän­ger eines sofor­ti­gen Gas­em­bar­gos und Flug­ver­bots­zo­nen über der Ukrai­ne säßen »in den Redak­ti­ons­stu­ben deut­scher Medi­en« und trei­ben »die Bun­des­re­gie­rung vor sich her«.

An die­ser The­se gibt es nicht viel dran aus­zu­set­zen, zumal er sie mit Ste­fan Baron absi­chert. Der ehe­ma­li­ge Chef­re­dak­teur der Wirt­schafts­wo­che for­mu­lier­te, daß sich in Deutsch­land »ein trans­at­lan­ti­sches Jus­te Milieu aus Mit­ar­bei­tern von Denk­fa­bri­ken und Alpha-Jour­na­lis­ten« fest­ge­setzt, das, so Kro­nau­er, »im Ernst­fall rigo­ros US-nahe Posi­tio­nen ver­tritt«. (Einen Stand­punkt, den man den aus­ge­schie­de­nen kon­kret-Rebel­len durch­aus eben­falls vor­wer­fen darf.)

Jörg Kro­nau­er ist gleich­wohl nicht ein­sam. Auch bei Kay Soko­low­sky wer­den die anti­fa­schis­ti­schen Stel­len­su­cher den Anti­fa­schis­ten mit sei­nen eige­nen Waf­fen schla­gen. Denn auch er legt sich kei­ner­lei Zurück­hal­tung auf.

»Der Wirt­schafts­krieg des Wes­tens«, so spot­tet er, »zeigt bom­bas­ti­sche Wir­kung – an der Hei­mat­front.« Er kann das mit Infla­ti­on, Ver­sor­gungs­not­la­gen und Armuts­ver­schär­fun­gen in der BRD begrün­den. Und weiter:

Wenn’s so wei­ter­geht, wer­den die Rus­sen im nächs­ten Jahr Care-Pake­te nach Deutsch­land schicken.

Die kom­men aber halt nur an, wenn die Deut­sche Post sich dann noch den Sprit leis­ten kann.

– –

P.S.: Besag­ter Georg Fül­berth bringt die neue grü­ne Lust am Krieg in der Juli-Aus­ga­be der kon­kret auf den Punkt:

Tat­säch­lich haben die Grü­nen, sofern sie der Bereit­schaft von Baer­bock, Hof­rei­ter und Büti­ko­fer zum glo­ba­len Show­down fol­gen, die Schwel­le vom ver­gleichs­wei­se gemüt­li­chen Koali­ti­ons­op­por­tu­nis­mus, der sie deut­sches Mili­tär 1999 in den Jugo­sla­wi­en- und 2001 in den Afgha­ni­stan­krieg schi­cken ließ, zur apo­ka­lyp­ti­schen Gemein­ge­fähr­lich­keit überschritten.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (62)

t.gygax

14. Juli 2022 14:05

Ist doch interessant, daß bei diesen Betonköpfen auch mal unterschiedliche Meinungen auftreten. Das lässt geradezu hoffen, auch wenn man sich natürlich pflichtbewußt und untertänig von dem früheren Konkret -Mitarbeiter und Chefredakteur ( junge welt) Jürgen  Elsässer distanziert. Da hört der Mut auf....kann jedem nur Elsässers Biographie empfehlen, absolut ehrlich und zum Teil mit herrlichen Sätzen ("ich habe Kubitschek nie ganz verstanden, was aber zwischen Badenern und  Württembergern das Normale ist.....") Der Mann hat einfach auch Humor, was in dem sehr preußisch-formellen und aristokratisch kühlen  Schnellroda  etwas fehlt. Aber Vielfalt ist besser als Einfalt, und Schnellroda ist geistig immer anregend.

RMH

14. Juli 2022 14:25

"Oder waren es abgelehnte Artikel, Diskussionsbeiträge"

Das kennt man rechts und auch auf diesen Seiten genauso. Hausrecht heißt es dann platt.

"daß das Gros der Unterzeichner von 2022 der »Kriegspropaganda« von 1991 für die transatlantische Front nicht allzu lautstark widersprochen hätte."

Da sind wohl die Jahreszahlen verrutscht oder irgendwas anderes passt nicht. 91 hatte Hussein sein Nachbarland Kuweit überfallen und der darauffolgende Krieg wurde mit UN-Resolution unter russischer Zustimmung geführt. Kein Vergleich zur Aktion in der Ukraine 2022 - wenn, dann wäre die Invasion in den Irak von 2003 zu nennen (die in Sezession Ausgabe Nr. 1 aber gar nicht so kritisch von dortigen Autoren gesehen wurde - und damit war man damals klar Opposition in der Meinungslandschaft der BRD!).

Wie auch immer: Soll es uns doch recht sein, wenn die Linken sich fetzen. Aus analytischer Sicht ist jedoch klar erkennbar, dass in der öffentlichen Mainstream-Propaganda schon ein paar "kritische" Stimmen der AfD genügen, um diese ganz als "Partei Russlands" (O-Ton Scholz) zu diffamieren und bei den Linken müht man sich um ein differenziertes Bild, lässt in Berlin nicht so neu wählen, dass die BT-Fraktion in Gefahr kommen könnte etc. Das ist der Unterschied, auf den man klar hinweisen darf. Bei Links ist man lässig und bei Rechts Korinthen-Kacker.

Rheinlaender

14. Juli 2022 14:50

Diese linken Debatten sind zu moralistisch, um gewinnbringend zu sein. Es geht dort leider nicht darum, wie man die nationalen Interessen Deutschlands vor dem Hintergrund des Geschehens sicherstellen kann, sondern darum, wer die Guten und wer die Bösen sind. Warum kann man nicht einfach einmal ohne moralisierende Empörung zur Kenntnis nehmen, dass Deutschland als schwacher Akteur zwischen zwei Machtblöcken steht, die beide ihren Einflussbereich auf Kosten des anderen zu erweitern versuchen, wobei der amerikanische Block zuletzt stärker war als der russische, der sich deshalb in der Defensive befindet? Ein Deutschland, dass seine Interessen in diesem Kräftefeld geltend machen wollte, müsste über ein Maß an Macht verfügen, das es nicht hat. Das Land ist deshalb leider sowohl von amerikanischem als auch von russischem Wohlwollen abhängig. Wie man das Handeln dieser Akteure moralisch bewertet, ist für das Wohl Deutschlands vollkommen gleichgültig. Man wird mit beiden zurecht kommen müssen.

Der Gehenkte

14. Juli 2022 16:08

Beeindruckend, wie kenntnisreich der - notwendige - Blick nach links gewagt wird. Zeigt aber auch, daß diese Orientierungen erodieren und sich mehr und mehr transversale und eher taktisch bedingte kurzzeitige Bündnisse formen ... und wieder zerfallen. Wir sehen die Validität des Arguments der multiplen Identität in der Realität bestätigt - ein später posthumer Triumph des Poststrukturalismus. Nach Migration, Atom, Corona und Maßnahmen etc. ist die Haltung zum Ukraine-Krieg nun die letzte und ultimative Abrißbirne. Und das gilt für die Rechte natürlich ebenfalls, die zudem noch an ein paar weiteren Dauerspaltthemen laboriert. Immerhin hört man hier selten das Kontaktschuldargument, weil die Gesinnungsethik weniger theoretischen Grund hat und das allein ist Grund genug, sich besser hier zu tummeln.

Nordlicht

14. Juli 2022 16:34

Zu "Die Ukraine solle gefälligst kapitulieren ..."

Unabhängig von dem beschriebenen Streit ist es schon eine interessante Frage, wann ein Staat kapitulieren sollte, um grössere Verluste zu vermeiden. Auch in der Ukraine ist die Zeit der hohen Geburtenraten vorbei.

Wurde noch bis Mai auch von deutschen Kommentatoren ernsthaft die Meinung vertreten, dass die ukrainischen Truppen mit ihren westlichen Waffen und zusätzlichen unauffällig tätigen Spezialeinheiten den russischen Vormarsch nicht nur stoppen, sondern über die Grenzen zurückjagen würden, so ist seither Nüchternheit eingekehrt.

Klar ist: Die Ukraine kann militärisch nicht gewinnen, egal wieviel Hardware die NATO liefert. Die Ukraine verliert an Fläche, wenn sie nicht verhandelt, könnte sie auch Odessa und das Umland verlieren.

Laurenz

14. Juli 2022 16:54

(1)

Habe jetzt das Portrait Gremlizas, welcher der literarische Maler Gerlich zeichnete, tatsächlich gelesen, obwohl mich linke Hinzens & Kunzens einen Scheiß' interessieren, da aus deren Feder, wie aus deren Munde, meist nur das herauskommt, was in den Abort gehört. Aber Gerlich schreibt nun doch interessant, in der Tat. Das hier publizierte die Jüdische Allgemeine zum Abgang Gremlizas. https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/vielleicht-der-groesste-journalist-des-landes/

Deren Autoren könnten auch mal eine Auszeit von ein paar Jahren gebrauchen. Hier kann man doch mal 5e gerade sein lassen.  https://1001beach.com/de/west_asia/israel/haifa

Was man der JA, wie auch BK attestieren muß, ist die Kenntnisnahme der perfekten Sprache Gremlizas. Dazu gehören auch die fäkalen Ausdrucksweisen, die, wenn dosiert eingesetzt, aus Mehr- oder 2deutigkeit Eindeutigkeit machen.

Die Zitate, von Gerlich als Randbemerkung gefügt, haben tatsächlich Sprachgewalt. Und Gremliza war, das attestiert die JA leider nicht, nicht ganz sauber im Kopfe.... als ob man Sprache von Identität, Kultur & dem Volke selbst trennen könnte, völlig absurd.

Allnichts

14. Juli 2022 17:11

Es wird leider nur allzu deutlich, für welche der beiden Seiten Benedikt Kaiser eher Sympathien hegt, was den Text zwar nicht weniger informativ macht, aber einen Beigeschmack hat. Auf der einen Seite diejenigen, die realitätsnah argumentieren, nicht einknicken, sondern tapfer und standhaft zurückätzen, und genauso wie jeder Rechte in den letzten Jahren Friedman zitieren, dessen Wort den Status göttlicher Unfehltbarkeit längst überschritten zu haben scheint, auf der anderen Seite die radikalwestlichen Ideologen, die Hardliner, die modernen Lifestyle-Linken, jene, die früherer westlicher Kriegspropaganda nicht widersprochen hätten usw.

Ich habe den Konflikt am Rande verfolgt und mir bei der Gelegenheit noch einmal die konkret angesehen. Ganz unabhängig von der Ukraine-Frage ist es ein wirklich widerliches Blatt, das gar nicht erst erhältlich sein sollte. Wenn das die neuen Freunde sein sollen, dann Prost Mahlzeit. Ob mancher Artikel aus der Compact oder aber aus der "jungen welt" stammt, ist mittlerweile ja auch kaum noch auszumachen.

Die Linke ist vielfältig, sie ist aber eigentlich immer antinational. Warum deren Nähe gesucht, die Nähe wirklich nationaler Kräfte aber möglichst gemieden wird, weiss wahrscheinlich nur derjenige, der die BRD-Kontaktgebote längst verinnerlicht hat.

Laurenz

14. Juli 2022 17:16

(2)

Gremliza erinnert mich an einen potenzierten Imagine, wobei ich letztem kein Unrecht tun möchte. Gremliza ist extrem deutsch. Hat er das gewußt? Wenn deutsch sein rechts ist, dann überholt er uns alle rechts außen am Horizont.

Ich habe nur die Kenntnisse aus den Büchern Heinz-Peter Röhrs, aber demnach ist Gremliza so mit der größte Narziß, der jemals portraitiert wurde. Dem Vorwurf des bei Alt68ern üblichen Kind-Eltern-Konflikts (hintergründig ein unterschwelliger Vorwurf den Krieg verloren zu haben), versucht Gremliza dadurch  vorzubeugen, sein Vater sei kein Nazi gewesen. Der christliche-linke Hang zu den Guten gehören zu müssen, führt eben zur Lebenslüge. 20 Jahre früher geboren, wäre Gremliza im NS-Regime hoch aufgestiegen & hätte für die Endlösung votiert. 

»Völlig frei von antisemitischen Ressentiments ist keiner. Ich (Gremliza), zum Beispiel, trage den Juden nach, daß es einer der Ihren war, der das Christentum über die Menschheit gebracht hat.«

Da tritt Gremliza bei mir offene Türen ein, aber bin ich ein Antisemit, nur weil ich die Juden verbal in Sippenhaft nehme? Ich denke nicht. Mit Deutschen macht Gremliza das ja permanent.

Laurenz

14. Juli 2022 17:25

(3)

Was den Disput der gekauften Linken mit den weniger gekauften Linken, letztere meist vom SED-Vermögen zehren, angeht, so schließe ich mich

@RMH

an. Die längere Beschäftigung mit der linken Hofberichterstattung ist gefährlich. Denn nachher ist deren Dämlichkeit noch pandemisch ansteckend.

@t.gygax

Der Mann (Elsässer) hat einfach auch Humor, was in dem sehr preußisch-formellen und aristokratisch kühlen  Schnellroda  etwas fehlt. 

Schuster, bleib bei deinen Leisten. Es ist ja nicht so, daß die Protagonisten aus dem geistigen Schnellroda nicht lachen würden. Schauen Sie Sich das Videobild mit EK, Dagen & Scholdt beim Wein an. Oder als BK im Video eher genervt als belustigt, die Bücher stapelt, in denen Schnellroda vorkommt, bin ich vor Lachen fast vom Stuhl gefallen. Mit mehr Blödheit gesegnet kann man linke (betroffene) Autoren gar nicht identifizieren.

Nur, wenn einem der schreibende Humor eines Volker Pispers oder Georg Schramm nicht eigen ist, sollte man auch nicht versuchen, dies künstlich zu erzeugen.

Waldgaenger aus Schwaben

14. Juli 2022 23:28

Ich würde sagen, in der Ukraine-Frage trennt sich die Spreu vom Weizen, rechts wie links.

Maiordomus

15. Juli 2022 08:28

Mit dem rechten Humor war es zwar seit je in Deutschland nicht weit her, da waren die rechtskonservativen Briten schon seit der Aufklärung stärker. Ein Meister eines auch humoristischen skeptischen Konservatismus war Erik von Kuehnelt-Leddihn, um 1968 mein väterlicher Förderer, auch guter Karikaturist, und nicht zu vergessen diverse literarische Repräsentanten Alt-Österreichs aus dem Umfeld von Nestroy und Grillparzer. Über einen sarkastischen Humor verfügte Egon Friedell, dessen Kulturgeschichte an eine Dauersatire grenzt. In der Schweiz war das katholische Pendant von Jeremias Gotthelf, Pfarrer Xaver Herzog (1810 . 1883) ein Meister des erzkonservativen Humors, dabei mit liberalen Anfängen. Dürrenmatts skeptischer Humor kann indes nicht als "rechts" eingestuft werden, ist aber fast Satz für Satz eine Ohrfeige an das linke oder auch ruchlos optimistische Weltbild. Dass indes der ausgesprochen nichtlinke grosse deutsche Dramatiker Friedrich Hebbel keine brauchbare Komödie geschrieben hat, bezeugt in der Tat etwas vom deutschen Bier-Ernst, gilt übrigens auch für Reinhold Schneider, im wohltuenden Gegensatz indes zum konservativeren Werner Bergengruen. 

Mitleser2

15. Juli 2022 09:12

@Allnichts: Warum hat der Beitrag von BK einen "Beigeschmack". Sie sehen es halt anders. Oder möchten Sie postulieren, dass man diesen Konflikt "neutral" sehen muss/kann? Glaube ich nicht. Deswegen bricht er ja überall aus, rechts wie links.

Wie Waldgaenger schrieb: Es trennt sich Spreu vom Weizen.

 

Laurenz

15. Juli 2022 09:31

@Maiordomus

Grundsätzlich gebe ich Ihnen Recht, anglo-amerikanische Kabarettisten sind, wie in allen massenmanipulativen Bereichen, professioneller als kontinentale Kollegen. Aber die von mir genannten, wie auch Dieter Hildebrandt & seine Zöglinge, sahen oder sehen sich alle selbst als Linke an. Ich habe daran große Zweifel. Die sind nur links, weil es das Framing in ihrer Schaffenszeit nicht anders zuließ. Heute fallen die doch alle aus dem Framing der gekauften transatlantischen Linken. Diesen Konflikt beschreibt BK exakt in diesem Artikel anhand des Ukraine-Kriegs. Ein Bärbock will doch gar nicht von der Anstalt erfahren, wie der Ukraine-Konflikt wirklich zustande kam. Das stellt nicht nur @Waldgänger aus Schwaben fest, sondern auch Alexander Wallasch.  https://www.alexander-wallasch.de/gastbeitraege/fuer-sevim-dagdelen-eine-absurditaet-licht-aus-am-brandenburger-tor-und-berliner-fernsehturm-wegen-gasmangel

Der Gehenkte

15. Juli 2022 09:32

@Waldgaenger aus Schwaben

"Ich würde sagen, in der Ukraine-Frage trennt sich die Spreu vom Weizen, rechts wie links."

Die Aussage erscheint mir wenig sinnvoll, wenn man nicht erfährt, was hier die Spreu und was hier der Weizen und welches von beiden in diesem Fall das Bessere ist. Gerade diese Vermischung in allen Lagern und die vielfältige Verzweigung in andere, macht das Urteil und die Differenzierung so schwer - da haben wir von der Sachkompexität noch gar nicht gesprochen.

tearjerker

15. Juli 2022 09:52

Dass die Antideutschen als Geheimdienstschöpfung der Briten irgendwann der deutschen Linken in den Rücken fallen, war zu erwarten. Trotzdem erstaunlich wie es nach dem Impf-Werbefeldzug mit dem Kleinrussland-Krieg gleich wieder gelingt einen Keil quer durch alle Gruppierungen zu treiben. Da hat die Transatlantik-Fraktion wirklich ganze Arbeit geleistet. Die Russen sind offensichtlich Lichtjahre davon entfernt, den Überläufern noch irgendwas anbieten zu können.

Laurenz

15. Juli 2022 09:57

@Der Gehenkte @Waldgänger aus Schwaben

Zitat Volker Pispers: Wenn man weiß, wer der Böse ist, hat der Tag Struktur.

gerade diese Vermischung in allen Lagern und die vielfältige Verzweigung in andere, macht das Urteil und die Differenzierung so schwer

Überhaupt nicht. Das war noch nie anders. Das, was Sie als Lager bezeichnen, war nur Polit-Theater. welches zu Merkel-Zeiten nicht mehr notwendig war, da auch so alle gleichgeschaltet wurden. Jetzt fehlt eben die schauspielerische Qualität & das Spektakel wird offensichtlich.

Hesperiolus

15. Juli 2022 10:26

@ Maiordomus

A propos „sarkastischen Humors“ nicht zu vergessen der geistreiche Alban Stolz! Explicite in den Historisch-Politischen Blättern für das katholische Deutschland (1855) wurde ihm ein grade solcher zugeschrieben. Erinnere dazu sein vor vielen Jahren gelesenes köstliches Buch „Spanisches für die gebildete Welt“.

RMH

15. Juli 2022 10:44

@Der Gehenkte, wer die Beiträge von W.a.S. kennt, kann seine Aussagen einordnen. Mir persönlich geht die Aussage von W.a.S. zu weit. Es ist zwar interessant, wie rigoros auch die sog. Rechte sein kann, wenn es um das Sauberhalten des eigenen Raumes geht und bei Dingen, wie bspw. die sog. "Europa Resolution" der AfD dann nicht mal nen kleinen, wirkungsarmen Internet-Kommentar zulässt, der diese Resolution begründet als nicht Gelungen kritisiert, aber so ist das eben. Krieg und Frieden zwingen die Leute noch stärker in Lager, als es die Angst vor Covid vermochte. Ich persönlich stelle fest, dass auch die Rechte eben weniger frei in der Diskussion ist, als sie tut - sie ist in der jetzigen Situation zwar immer noch tausendmal gedanklich flexibler und freier, als die Linke, aber ob das nur der Not geschuldet ist und der Tatsache, dass man damit einen Attraktivitätsgewinn verbuchen kann oder wirklich ernst gemeint ist, kann sich angesichts der mangelnden Machtoption keinem Realitätstest unterziehen. Dabei gilt auch in der Ukraine-Debatte: Es gibt einen gewissen Faktenkern, um den kommt man nicht herum, egal, welcher der Seiten man mehr oder weniger zugeneigt ist. Und selbst dieser kleine Faktenkern führt dazu, dass man bei den Anhängern der Kirche, wir sind gegen Alles und die Amis sind an allem Schuld, sofort als "Atlantiker" diffamiert wird. Mein Fazit: Dann regt Euch doch alle auf, wie ihr wollt. Das Thema wird bestimmt nicht hier entschieden - wir müssen es nehmen, wie es kommt.

Allnichts

15. Juli 2022 11:09

Mitleser2:

Die Freund-Feind-Zeichnung ist mir zu suggestiv, gerade für einen Artikel, der von einem Konflikt innerhalb der Linken handeln soll, welcher von aussen doch einigermassen nüchtern betrachtet werden könnte, und nicht von dem Krieg, welcher zu diesem Konflikt geführt hat. Natürlich ist niemand zur Neutralität verpflichtet, aber wenn Anlässe wie der Linken-Konflikt schon dazu genutzt werden, um die eigene Ansicht zum Krieg samt Vorlauf mitzuteilen, dann doch lieber klar und offen und nicht halb unterschwellig über tendenziöse Darstellung und Stellvertreter.

Uwe Lay

15. Juli 2022 11:34

Das "Rechte" und das "Linke" Lager bringt dieser Ukrainekrieg ziemlich durcheinander. Es existiert nämlich auch noch eine andere Polarität als die von "Rechts" und "Links", die von "Prowestlern" und "Antiwestlern". Selbstredend  bezeichnen diese 4 Positionen jeweils ein breites Spektrum von Positionen, aber doch auch hinreichend präzise die Grunddifferenzen. Man kann als "Linker" prinzipiell das westliche Gesellschaftskonzept bejahen und dann auch für radicale Reformen eintreten, oder aber auch radical kapitalismuskritisch dies Gesellschaftsmodell verwerfen. Je mehr man das westliche Gesellschaftsmodell aber bejaht, desto mehr wird man auch die Natoaggression gegen Rußland bejahen, galt doch schon das zaristische Rußland als der Hort der Reaktion und jetzt eben Putin. Auch Rechte können so prowestlich sein, wie die Junge Freiheit oder das Westliche als Dekadenz ablehnen. Demgemäß votieren dann auch Rechte.

Maiordomus

15. Juli 2022 12:11

@Der Gehenkte. Was Sie über die Sachkompetenz schreiben, unter denen es viele Gesichtspunkte gibt, einer von diesen ist der religiös mentale, scheint mir in der Tat ein besonderer Gesichtspunkt. Wer nicht einmal die Problematik im Unterschied zwischen dem westkirchlichen und ostkirchlichen Kreuzzeichen kennt, für das der Protopope Awwakum das Martyrium bestanden hat, nicht mal altkirchenslawisch in Abgrenzung zur lateinischen Kirchensprache kann, sollte über den Ukraine-Konflikt nicht ernsthaft mitreden und zumal nicht mitentscheiden. Wobei dies freilich nur ein Gesichtspunkt ist, den man kennen muss, will man nicht "Putin verstehen", sondern verstehen, was in jenem Raum abläuft. 

Valjean72

15. Juli 2022 12:40

B. Kaiser:

Daß Kronauer aber George Friedman zitiert, wird ihm wohl nicht verziehen werden.

Das gilt aber auch für die Transatlantiker unter den Liberal-Konservativen. Wobei ich mich gerade frage ob es überhaupt liberal-konservative Bundesdeutsche gibt, die keine Transatlantiker sind?

Die USA als unbestrittene Führungsmacht des Westens sind offenbar bereit - und mit ihnen ihre hiesigen Erfüllungsgehilfen - die Ukraine bis zum letzten Ukrainer und bis zum vollständigen Ruin der deutschen Volkswirtschaft zu "verteidigen".

Bemerkenswerter Weise, passt dieses - überspitzt formulierte - Szenario nur all zu gut zu den betreffenden Aussagen George Friedmans aber auch zu den geopolitischen Leitlinien der USA, wie sie Brzeziński beschrieb.

mE ist es an der Zeit, dass sich die Bundesdeutschen und hier gerade auch die Liberal-konservativen (so sie denn deutsche Patrioten sind) von der transatlantischen Programmierung lösen.

Laurenz

15. Juli 2022 13:16

@RMH @Der Gehenkte

&

@Allnichts @Mitleser2

&

@Valjean72 @BK

Werter RMH, in über 70 Jahren hat man es einfach übertrieben. Das ging schon '53 mit Mossadegh los.

Wie peinlich will sich die transatlantische Hofberichterstattung denn noch aufführen? Der Planet lacht sich tot über uns. 

https://www.zerohedge.com/political/john-bolton-admits-he-helped-plan-foreign-coup-attempts

https://www.nachdenkseiten.de/?p=85900

Wissen Sie, wenn wir so blöd sind, ok. Aber die Brasilianer sind es nicht.

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/520880/Brasilien-nutzt-Rueckzug-der-Europaeer-und-deckt-sich-mit-russischer-Energie-ein

Die Inder auch nicht.

https://foreignpolicy.com/2022/07/13/india-russia-oil-imports-energy-ukraine-war/

RMH

15. Juli 2022 13:31

"noch eine andere Polarität als die von "Rechts" und "Links", die von "Prowestlern" und "Antiwestlern". Selbstredend  bezeichnen diese 4 Positionen"

@Uwe L.

Es gibt noch mindestens eine weitere Polarität, nämlich Pro-Russisch und Anti-Russisch. Analog zu Umerziehung West, gab glasklar auch die Umerziehung Ost.

All diese Polaritäten könnte man mit der Formel, "Nur und ausschließlich Pro-Deutschland" überwinden, aber fast (!) alle sind Gefangene ihrer eigenen (Um-) Erziehung.

RMH

15. Juli 2022 13:32

"gerade auch die Liberal-konservativen (so sie denn deutsche Patrioten sind) von der transatlantischen Programmierung lösen."

@Valjean72, auch für Ihren Beitrag gilt, dass es eben auch eine andere "Programmierung" gibt, die gleichfalls nicht weiter hilft. Und selbstredend gibt es genügend liberal-konservative, die keine Transatlantiker im Sinne der Schmähung sind. Wobei gegen guten Beziehungen zu den USA genauso wenig spricht, wie gegen gute Beziehungen zur Russland oder zu China etc. Das Problem an dieser Feststellung ist lediglich, dass beide Seiten (USA/Russland - oder gar besser sogar alle drei, also einschl. China) Deutschland nicht autonom anerkennen sondern stets nur als "Einfluss-Sphäre". Und am Ende hat man Situationen, die man sehr grob betrachtet mit Weimar vergleichen kann. Ein Teil der Politiker sind reine Agenten fremder Mächte, ein Teil mein es durchaus "gut", vergleichbar mit dem, was in Weimar unter "Erfüllungspolitik" versucht wurde und ein ganz kleiner Teil will Deutschland souverän - und das sind dann heute pauschal und Keule drauf Nazis. 

Waldgaenger aus Schwaben

15. Juli 2022 14:56

@RMH Sie schreiben:

Mir persönlich geht die Aussage von W.a.S. zu weit.

 

Mir auch, wenn man sie auf die Goldwaage legt. Aber für eine lebhafte Diskussion sind Zuspitzungen manchmal notwendig. Mit dem Motto: "wir dürfen uns nicht spalten lassen!" darf man nicht jeden Unsinn unter den Teppich kehren.

Ich danke Ihnen auch für den Hinweis auf anti-spiegel.ru

Der Unsinn, der dort zu lesen war und ist, hat mich in meiner Meinung bestärkt. Zum Beispiel, dass der an und für sich harmlose COVID-19 Virus in amerikanischen Labore in der Ukraine entdeckt wurden und die Russen nun diese Labore entdeckt haben. Oder dass im Stahlwerk in Mariupol hochrangige NATO-Offiziere festsäßen und deswegen die Ukrainer nicht kapitulieren dürften.

Dumme Proganda zu lesen ist immer noch die stärkste Impfung, das wirkt besser als jedes noch so kluge Essay.

 

Imagine

15. Juli 2022 16:03

1/2

Das wichtigste Informationsmedium für die linke Intelligenz war während der 68er-Zeit und auch bis Mitte der 70er das „Kursbuch“, herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger in Zusammenarbeit mit Karl Markus Michel

„Konkret“ wird in ihrer Bedeutung für das politische Geschehen in der BRD von B.K. völlig überschätzt. Richtig ist, dass auch Gremliza namhafte Autoren gewinnen konnte, aber nicht dauerhaft.

Ende der 60er Jahren wurden Identitätsstörungen zu einem massenhaften Phänomen, nicht nur in der Normalbevölkerung, sondern auch bei den Linken.

Wer die Geschichte der Entwicklung kollektiver Psychopathologie kennt, weiß dies.

Identitätskonfusion und –diffusion finden sich in der „konkret“ wie auch bei Gremliza selbst. Einerseits nahm er Grandiosität für sich in Anspruch und schrieb z.B. einen Artikel: „Ich, Josef Stalin“, andererseits war er braves Mitglied in der SPD.

Natürlich orientierte sich Gremliza am Meinungsmarkt und führte marktkonforme politische Kurswechsel in Richtung grüner Mainstream durch.

Verbalradikalismus und Größenphantasien sowie angepasste Normalität im Alltag als
Phänomen findet sich mehrheitlich links wie rechts.

heinrichbrueck

15. Juli 2022 16:04

Ob das Virus aus dem Labor kam, von einer Fledermaus, oder schon da war, ist nicht ausschlaggebend. Wichtig ist, alle Länderregierungen haben mitgemacht. Putin und Selenski saßen im gleichen Boot. Es wurde niemals bestritten, nicht eine einzige Regierung weltweit, daß es eine Pandemie gibt. Den gleichen „Zufall“ kann man auch beim Klimahype beobachten. Es gibt selbstverständlich Länder, die überhaupt nicht genötigt werden, etwas gegen den Klimahype zu tun, aber auch deren Regierungen verbreiten das Narrativ. Daran erkennt man, daß alle im gleichen Boot sitzen. 
@ Laurenz
Die besseren Heuchler müssen nicht unbedingt die besseren Humoristen sein. 
Hier, politisch einwandfrei: https://www.youtube.com/watch?v=hC5kxdkEavE

Imagine

15. Juli 2022 16:14

2/3

Die Mehrheit der Linken und Rechten – wie die „Mitte“ – identifiziert sich mit dem Westen, will die USA und die NATO als Schutzmacht, nimmt Partei für Imperialismus und Kapitalismus, verhält sich herrschaftskonform, lässt sich impfen und sieht in Putin und China ihren Feinde.

Der Westen bzw. WIR führen einen imperialistischen Krieg gegen den Rest der Welt, als Info- und Psywar, als Wirtschaftskrieg und als eskalierenden militärischen Krieg in der Ukraine.

Und es gibt einen Klassenkrieg im Westen, also um US-Empire, der links wie rechts ignoriert wird..

Viele Linke wollen die Rechten bekämpfen und von der politischen Bühne verschwinden lassen und fast alle Rechten hassen die Linken und den Sozialismus und hoffen auf eine Zeit, wo sie mit den Linken „abrechnen“ können.

Von der Realität des Klassenkampfes wollen beide nicht wissen. Und begreifen nicht, warum und mit welchen Zielen die transnational organisierte herrschende Klasse (cf. WEF, Bilderberger etc.) Europa wirtschaftlich zerstören und mit Migranten fluten.

Die Unterschiede liegen vor allem in den Meinungen und in deren Ausdruck in poltisch-symbolischen – aber realpolitisch irrelevanten – Aktionen, aber nicht in der Analyse und dem Verständnis herrschender Politik.

Imagine

15. Juli 2022 16:14

3/3

Politisch nimmt die Mehrheit – links wie rechts - Partei für den Westen und ignoriert die Realität des Klassenkampfes.

Politische Führungspersonen auf Seiten der Rechten fallen mit ihrem Verbalradikalismus und ihren Provokationen auf, jedoch führen sie im Alltag ein angepasstes Spießerleben, so wie Höcke, Sellner et al.

Die meisten Rechten sind erstaunlich „unpolitisch“, denn sie interessieren sich nicht oder nur ganz oberflächlich für ökonomische und soziologische Zusammenhänge.

„Augen zu und durch“ – diese Devise von RMH – verfolgen die meisten. Fatalistisch und pragmatisch nimmt man die Realität, wie diese – „von oben“ – kommt, und versucht, sich irgendwie durchzuwursteln. Das Internet wird benutzt als Medium für politische Kraftmeierei und das Ausleben von Größen- und Wir-Phantasien sowie Aggressionen.

 

Allnichts

15. Juli 2022 16:21

Uwe Lay:

Für den Erhalt der europäischen Völker und für deren nationale Selbstbestimmung.

RMH

15. Juli 2022 16:34

@Laurenz,

zumindest für mich brauchen Sie keine Aufzählungen der Außenpolitik der USA zu machen. Wir hängen ob des Ergebnisses des WK II daran fest - mal mehr, mal weniger. Aktuell wieder mehr, wobei der Kanzler Scholz es im Rahmen seiner bescheidenen Möglichkeiten auch schlechter machen könnte. Und die DDR war Anhängsel der UdSSR und hing an der dortigen Politik dran (oder warum sonst sind Leute aus Algerien, Angola, China, Kuba, Mongolei, Mosambik, Vietnam in die DDR gekommen?). Der Ukraine-Krieg mag für einige, die über die Folgen des WK 2 nie groß nachgedacht haben, Anlass sein, darüber einmal zu reflektieren, realpolitisch gesehen hat die Bundesrepublik aber sicher noch sehr, sehr lange nicht das Momentum anno 1813, als sich die Rheinbundstaaten ob der (von ihnen nur sekundär herbeigeführten) Niederlage Napoleons lösen konnten (ob so ein Moment jemals wieder kommt, ist mehr als fraglich). Und mit diesem Fakt hat man schlicht realpolitisch, nüchtern umzugehen und kein Greinen darüber anzustimmen oder auf alle, die damit normal umgehen wollen, herum zu hacken. Das Gezeter und Moralisieren der Anti-Amerika-Fraktion ist jedenfalls nicht mehr nur grenzwertig sondern politisch, insbesondere für eine AfD, kontraproduktiv.

Maiordomus

15. Juli 2022 16:57

@Hesperiolus. Stolz war ein Verwandter des grossartigen nationalliberal gesinnten auch humoristischen Schriftstellers Joseph Victor von Scheffel, dessen spezifischer Humor vor allem in der deutschsprachigen Studentengeschichte Furore gemacht hat. Habe selber Stolzens Urheimat Bühl bei Baden vor einigen Jahren mit hohem Interesse und interessanter geistiger Ausbeute aufgesucht. 

Gracchus

15. Juli 2022 17:21

Weder - noch. 

Die Konsequenz aus der Situation kann nur sein: Deutschland muss sich auf eigene Beine stellen. Das heißt so agieren, wie BK es Ungarn attestiert. Sich von den USA emanzipieren, ohne Putins Russland in die Arme zu fallen. Für einen solchen sicherlich nicht einfachen Kurs fehlt es aber an allem. Allenfalls die Notwendigkeit des Überlebens könnte einen solchen Kurs erzwingen.

Laurenz

15. Juli 2022 18:00

@RMH @Valjean72

Das Problem an dieser Feststellung ist lediglich, dass beide Seiten (USA/Russland - oder gar besser sogar alle drei, also einschl. China) Deutschland nicht autonom anerkennen

Jetzt werden Sie pauschal. Wenn man das weiter denkt, kann man schon von Lächerlichkeit sprechen.

Das ist wohl eine Frage der Intensität. Sind hier chinesische oder russische Truppen im Land? Hat uns China gezwungen, Haben uns die Chinesen gezwungen,  https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/dieter-hundt-verkauft-autozulieferer-allgaier-an-chinesischen-investor-18148576.html

Allgeier zu verkaufen? Die Russen verkaufen uns billig gutes Gas, die USA teuer schlechtes. Haben uns die Russen im aktuellen Krieg gezwungen, Ihnen Waffen zu liefern? Die USA zwingen uns, Waffen zu liefern.

 

ein ganz kleiner Teil will Deutschland souverän - und das sind dann heute pauschal und Keule drauf Nazis. 

Meinen Sie das ernst?

Hartwig aus LG8

15. Juli 2022 18:04

Die Auflösung der europäischen Völker steht auf der Agenda der im Westen herrschenden Klasse weit oben. Der Ausgang des russisch-ukrainischen Krieges wird die Zukunftsaussichten des deutschen Volkes und aller europäischen Völker stark beeinflussen. Das sollte die Deutsche und Europäische Rechte wissen!

Höchstwahrscheinlich gibt es oberhalb des Beobachtbarem noch die eine oder andere Ebene, auf der diese Frontstellung schon gar nicht mehr so eindeutig ist. Aber man sollte je nach einsichtbarer Ebene urteilen und handeln. Und da liegt meine Priorität und Solidarität ganz klar auf einer Seite.

Valjean72

15. Juli 2022 18:15

@RMH

Wo machen Sie in meinem Kommentar eine anders gelagerte Programmierung fest?

Ich gehöre mitnichten zu jenen deutschen Patrioten, die Putins Russland verklären.

Es verhält sich mE aber so, dass es die weit verzweigten transatlantischen Netzwerke sind, die beinahe alle "Spitzenpolitiker" und "Leitjournalisten" der BRD prägen und dass diese einseitige und unseren Interessen oft krass zuwider laufende Prägung uns spätestens seit 2015 - und nun mit gesteigerter Negativdynamik - zum Verhängnis zu werden droht.

 

Allerdings sehe ich in diesem sich abzeichnenden Niedergang auch die Chance, dass dadurch die Schlechtigkeit (manchmal ist es auch nur Dummheit und Verblendung) der hiesigen Politiker und Journalisten offen zutage tritt und einer breiteren Öffentlichkeit offenbar wird.

Halenberg

15. Juli 2022 21:04

Streit unter den Linksextremen. Who cares?

Uwe Lay

15. Juli 2022 21:37

Zur Umerziehumg und der Polarität: Pro- und antirussisch

Die Umerziehung in der BRD basierte auf einem spezifischen Verständnis des Nationalsozialismus als einer spezifisch deutschen Hervorbringung, daß es eben eine Kontinuitätslienie von Luther über Bismarck bis zu Hitler gäbe, sodaß der Deutsche nur entnazifiziert werden kann, wenn er entdeutscht wird. Für Stalin war Hitler nur aus einer spezifischen Krise des Kapitalismus her zu erklären, darum hieß es: Die Hitlers kommen und gehen, das Deutsche Volk bleibt. So gab es in der BRD eine antideutsche Umerziehung, aber keine so geartete in der DDR. Die Entdeutschung und Verwestlichungserziehung führte dann in der BRD zu einer positiven Haltung zu den USA, aber das war dann nur der sekundäre Effekt der antideutschen Umerziehung.  In der DDR stand man dann eher in der Tradition der deutsch-russischen Blockbildung gegen die Revolutionsgefahr durch das westlich-revolutionäre Frankreich bis zu Napoleon und den antinapoleonischen Freiheitskriegen: vom Westen droht die Gefahr

 

Uwe Lay

15. Juli 2022 22:03

Äquidistanz zu den USA und Rußland ?

Die westlichen Siegermächte unter Führung der USA haben eine klare Botschaft an uns: Hört auf, Deutsche zu sein, verwestlicht euch! Darum wird auch das Umvolkungsprogramm in Deutschland jetzt so energisch vorangetrieben. Die russische Außenpolitik wollte Deutschland immer als Partner und Helfer zur Modernisierung Rußlands von den Zaren, die Deutsche Auswanderer aufnahmen über Lenin, der auf eine Revolution in Deutschland hoffte als Hilfe für seine bis zu Stalin, der ein neutrales Deutschland 1953 vorschlug, nicht uneigennützig- aber eine Entdeutschung der Deutschen war nie ein Ziel russischer Politik. Für unsere kulturelle Identität ist so die jetzige Westbindung bedrohlich, eine engere Anbindung an Rußland gefährdete uns dagegen nicht.

RMH

15. Juli 2022 23:02

@Laurenz,

Sie haben den Schlusssatz offenbar nicht richtig verstanden - ich gab die veröffentlichte Meinung wieder, dass alle, die Deutschland souverän wollen, als Nazis diffamiert werden, war also nicht meine eigene Meinung. Im Übrigen ist es doch logisch (siehe mein weiterer Beitrag), dass aktuell Deutschland über die Stöckchen des Westens springt. Das Wunschdenken derer, die Russland und China als Helfer zur Emanzipation Deutschlands sehen beginnt doch da, wo sie meinen, dass sich bei einem Hegemon Russland oder China an der Pflicht zum übers Stöckchen springen etwas groß ändern würde.

@Uwe Lay,

es ist mit nichts klar oder eindeutig, dass die Umerziehung zu sozialistischen Menschen unter weitestgehender Verproletarisierung der Massen inklusive der erfolgreichen Verbreitung des Atheismus in der DDR weniger "antideutsch" war, als der Konsumtotalitarismus in der BRD. Es scheint eher so zu sein, dass sich DDR Bürger als letzte Restwürde nach dem anfänglichen wirtschaftlichen Desaster der Wiedervereinigung einredeten, wir sind wenigstens deutscher als die dekadenten BRDler, was mit nichts belegbar ist. Alles reine Stimmungsmache, Glauben ohne Fakten. Aber lassen wird den Leuten den Glauben, er sorgt noch für ein paar AfD Prozente und bald für noch mehr für Freie Wähler Ost und Freie Sachsen.

Maiordomus

16. Juli 2022 07:18

@imagine. Zur damaligen Zeit ging es in der Tat nicht ohne Enzensberger, im Gegensatz zu Grass und sogar auch zu Böll, vielleicht sogar Peter Weiss inbegriffen, ein informierter politischer Schriftsteller, Nebenbei gab es er  sogar den Bericht von Las Casas über den Völkermord an den Indios heraus, den er auch kommentierte, ohne den man noch heute weder über die Geschichte der 3. Welt noch über die Geschichte der schwarzen Sklaverei angemessen im Bild ist, darüber hat sich damals sogar Ratzinger informiert, ohne jedoch als Papst dies ausreichend wieder aufzugreifen. Dass aber zum Beispiel Sellner, der zwar immerhin verheiratet ist, ein Spiesserleben führe, ist eine Unterstellung von Ihnen, wobei den Lesern von hier meine Kritik an Sellner, übrigens auch Höcke, dessen freiheitsgeschichtliche Aufgabe der Kampf um die Wiederderaufnahme des Gymnasiallehrerberufes wäre, zum Teil bekannt sein dürfte. Ich frage Sie aber, ob Sie, bei Wahrung persönlicher Integrität, um 68 ähnliche Risiken im bürgerlichen Leben auf sich genommen haben wie Sellner; noch konservativer als letzterer, war auch ich damals insofern kein Spiesser, als es mir immerhin für Haussuchungen und massive berufliche Schikanen gereicht hat, wobei diese Geschichten auch zum Eheglück nicht gerade beigetragen haben, zu schweigen von den Chancen auf Unikarriere bei ganz anderen Qualifikationen als MS. 

Niekisch

16. Juli 2022 13:16

"Allenfalls die Notwendigkeit des Überlebens könnte einen solchen Kurs erzwingen."

@ Gracchus 15.7. 17:21: Diese Lage steht jetzt unmittelbar bevor, wirtschaftlich, klimatisch, kollektivpsychisch, verfassungs- und staatspolitisch. 

Wer liefert dem ausgelieferten einfachen Volk den notwendenden Anruf?

Imagine

16. Juli 2022 14:28

@Maiordomus     16. Juli 2022 07:18

Kann Ihnen an dieser Stelle nicht antworten, weil meine Antwort nicht veröffentlicht würde.

Imagine

16. Juli 2022 15:57

@Uwe Lay

Sie bringen wichtige Fragen ein.

Geht es um „Entdeutschung der Deutschen“ und deshalb die „Umvolkung“?

Oder geht es um Deutschland als Wirtschaftsmacht und Weltmarktkonkurrenten?

Historisch stellte sich beim „Vansittartismus“ die Frage, was nach Ende des WK II mit Deutschland geschehen soll. Aber auf diesen Punkt soll hier jedoch nicht weiter eingegangen werden.

Natürlich ging es um Reedukation. Zudem war Deutschland – die BRD - der Frontstaat gen Osten. Dieser Frontstaat war zugleich ein sozialliberaler Musterstaat, das Schaufester gen Osten für die Wohltaten und Freiheiten des Kapitalismus.

Dies führte zum unverdienten Glück der Deutschen mit dem „Wirtschaftswunder“ sowie mit Wohlstand und Freiheiten, die es für die Arbeitsbevölkerung zuvor in der Geschichte Deutschlands noch nie gegeben hatte.

Jedoch endete dies 1990.

Imagine

16. Juli 2022 16:00

2/2

Natürlich will sich das imperialistische und globalistische Großkapital, welches als herrschendende transnationale Klasse im westlichen Empire fungiert, Russland mit seinen Rohstoffen und sonstigen Ressourcen aneignen und ausbeuten. Aber eben nicht nur Russland, sondern auch Europa und hier insbesondere Deutschland als größte Wirtschaftsmacht.

Deutschland befindet sich im Stadium des Ausverkaufs, darauf haben der Ökonom Max Otte und andere wiederholt hingewiesen.

Global findet ein Raubzug der neoliberalen westlichen Oligarchen statt. Nicht nur Russland. sondern auch Europa soll ausgeraubt und ausgeplündert werden. Natürlich auch die Arbeitsbevölkerung der USA.

Denn hier findet nicht ein nationaler imperialistischer Krieg statt, sondern der Klassenkampf einer transnationalen globalistischen Klasse der Superreichen, die sich die Welt aneignen wollen. Und die Politiker, Journalisten, Wissenschaftler etc. bilden das gutbezahlte Dienstpersonal dieser Klasse.

Folglich geht es nicht um „Entdeutschung der Deutschen“, sondern die „Umvolkung“ ist ein Mittel des Klassenkriegs.

So wie es Manfred Pohl in seinem Buch „Das Ende des Weißen Mannes“ 2007 als Ziel liberaler Globalpolitik formuliert hat. Aber so etwas wird hier nicht gelesen.

Nicht nur geht das „alte Deutschland“ unter, sondern auch das „alte Europa“ und das „alte Amerika“.

Kurativ

16. Juli 2022 16:35

Bei der albernen symbolischen Bundestagsabstimmung zum Nato-Beitritt von Finnland und Schweden hat sich die AfD nicht zu einer geschlossenen Enthaltung durchringen können. Da dachte ich schon, die Linken könnten nun meine heimliche Liebe als Alternative FÜR Deutschland werden. Aber die haben immer noch nicht die Migrationskritik von  Wagenknecht verstanden. Bleibt das Schweizer Modell mit Abstimmungen. Was sich aber dort die Bundesräte leisten und wie dort die Abstimmungsfragen formuliert werden (siehe Corona) lässt wenig Gutes für die Zukunft hoffen. Parteien eignen sich immer weniger für politische Lösungen, mehr wohl als primitive Projektionsflächen. Jeder wählt nicht mehr gemäß seinen Interessen, sondern nur noch seine byzantinische Zirkuspartei und jubelt, wenn der eigenen Verein mal gewonnen hat. Um sich dann nicht schlecht zu wundern. Wie es viele Grüne, Sozis und FDPler wohl jetzt tun. Es gäbe nur Deutsch oder Transatlantisch, was man wählen könnte. Derzeit bekommt man nur eines von beiden

Laurenz

16. Juli 2022 17:25

@RMH @Uwe Lay,

es ist mit nichts klar oder eindeutig, dass die Umerziehung zu sozialistischen Menschen unter weitestgehender Verproletarisierung der Massen inklusive der erfolgreichen Verbreitung des Atheismus in der DDR weniger "antideutsch" war, als der Konsumtotalitarismus in der BRD.

Wenn Ihnen das nicht klar ist, wieso behaupten Sie dann das Gegenteil? Die NomenKlatura der DDR hatte nie antideutsche Politik im völkischen Sinne betrieben. Selbst die paar mächtigen Juden in der DDR wagten dies nicht. Der Atheismus ist doch erst die Voraussetzung um deutsch sein zu können. Mit den globalistischen Kirchen, welche zB den Missionar Kasner in die DDR schickten, ist echte Identität nicht zu machen. Auch wenn meine Aussage hier vielen nicht passen wird, so handelt es sich hierbei um dieselbe Lebenslüge wie beim wahren Marxismus Imagines.

Wir sind wenigstens deutscher als die dekadenten BRDler, was mit nichts belegbar ist. Alles reine Stimmungsmache, Glauben ohne Fakten. Aber lassen wird den Leuten den Glauben.

RMH: Natürlich ist der Widerstand auf der Straße in den Neuen Ländern wider das Berliner Unrechtsregime ärker als im Westen. Der einzige, der hier nichts belegt, sind Sie.

RMH

16. Juli 2022 22:28

@Laurenz,

ich habe "mit" geschrieben, nicht mir. Im übrigen sehe ich keinen Anlass für Korrekturen an meinen Beiträgen durch ihren Beitrag. Es sind rechte Mythen, die Sie verbreiten. Mythen können nützlich zur Mobilisierung sein (behauptete schon G. Sorel), sind deswegen noch lange keine Fakten. Deutschland wurde egal ob Ost oder West gründlich umerzogen. Es ist klar, dass manche Rechte die Umerziehung Ost für ihre Agenda nützlicher sehen, als die im Westen, aber ich denke, entscheidende Mehrheiten bringt auch das nicht.

Warten wir es ab. Sind noch ein paar Monate, dann wird sich zeigen, was zusammenbricht, was nicht. Ich jedenfalls wage keine Prognosen.

Carl Sand

17. Juli 2022 01:05

"konkret" ist bekanntlich ein kleinbürgerliches Schmalspurantideutschenblatt für spießige Altabwickler der BRD. Überaus lohnenswert in diesem Zusammenhang sind dagegen die Artikel bei den echten Antideutschen von Bahamas, für Linke beinahe immer intelligent geschrieben und äußerst entlarvend gegenüber den grün-doitschen Faschisten, die wieder einmal in diesem Land das Ruder übernommen haben. denn man mache sich nichts vor: Ein Volk, dass begeistert Verweilverbote auf Parkbänken hingenommen hat, ohne diese Obrigkeit zum Teufel zu jagen, ein Volk, dass mit dem ihm eigenen Streberstolz die Kinnwindel täglich präsentiert - ein solches Volk hat schon wieder Bock auf mehr, da geht noch was... 

Laurenz

17. Juli 2022 08:10

@RMH @L.

In meinem früheren Beruf war man verloren oder falsch, wenn man keine Meinung (zur Zukunft) hatte. Im wesentlichen handelte es sich um Zinsprognosen, also eine Meinung, wo der Zins hingehen Und wie die Zinskurve sich gestalten wird.

Sie hingegen kneifen. Das kann man. Aber vorher hatten Sie vollmundig ausgepackt. Ich, hingegen, kann nicht schlimmes daran feststellen, daß die DDR geistig säkularisiert wurde. Klar ist das erfolgreiche Umerziehung, während die Umerziehung zum sozialistischen Menschen nicht gerade nachhaltig von Erfolg gekrönt war. Wissen Sie, RMH, wenn Menschen über 18 oder besser 25 sich für eine Religion entscheiden, ist das für mich vollkommen in Ordnung. Aber bei uns werden Kinder diesem rhetorischen Schwachsinn aus dem Orient ausgesetzt. Das heißt, die werden seit über 1.000 Jahren zu geistigen Orientalen erzogen. Das ist Mißbrauch. Und Sie kritisieren, daß die DDR diesen Mißbrauch von Kindern abgeschafft hat? Messen Sie vielleicht mal Ihre Temperatur.

RMH

17. Juli 2022 10:12

"Der Atheismus ist doch erst die Voraussetzung um deutsch sein zu können."

@Laurenz,

Sie schießen mal wieder den Vogel ab und freuen sich dann, vermeintlicher Vogelkönig zu sein. Bislang konnte man eher den Eindruck gewinnen, Sie pflegen eine Art pseudo-esoterisches Heidentum und zitieren dann bevorzugt Castaneda. Castaneda in diesem Zusammenhang zu bringen, ist  - überspitzt - in etwa so, wie wenn einer behauptet, er sei Gnostiker oder Rosenkreuzer und kommt dann fortlaufend mit dem Kommerzpropheten L. Ron Hubbard um die Ecke. Sie schreiben selber, Sie lesen keine Bücher mehr, nur Internetseiten, Youtube-Videos und allenfalls schmalere Publikationen. Schade, denn dann wäre Ihnen schon lange aufgefallen, dass der Streit um die genuin kulturelle Bedeutung des Christentums in Europa nichts Neues ist und am öffentlich erkennbarsten bereits mit der franz. Revolution begonnen hat. Chateaubriand schrieb als eine der Antworten darauf das ganz wesentliche Werk "Der Genius des Christentums" (1802). Eigentlich ein Lese-Tipp auch für Sie, aber Sie werden es nicht lesen und damit werden Sie - und andere vermeintlich rationale Atheisten - auch nie verstehen, warum mittlerweile viele Rechte und Konservative - auch von der Familie K.u.K aus Schnellroda hört man davon - wieder gerne in tridentinische Messen gehen. 

Imagine

17. Juli 2022 11:07

1/2

Sind anti-deutsch und pro-deutsch zwei Seiten einer Identitätsstörung, so wie es Siegfried Gerlich am Beispiel von Gremliza darstellt?

Erinnert sei an die Kontroverse zwischen Alexander Mitscherlich und Hermann Lübbe auf Basis des Buchs „Die Unfähigkeit zu trauern“.

Hierzu gab es in der ZEIT 1983 einen längeren Artikel „Entsorgung der Vergangenheit“ und drei Jahrzehnte später einen Beitrag von Tobias Freimüller „Der versäumte Abschied von der Volksgemeinschaft. Psychoanalyse und ‚Vergangenheitsbewältigung‘“.

Mitscherlichs Position war:
Die Deutschen haben den Verlust von deutscher Größe, Führer und Volksgemeinschaft sowie deutscher Kultur verdrängt. Sie waren unfähig darüber zu trauern und haben aus dieser Verdrängung eine kollektive Neurose mit kollektivem Realitäts- und Rationalitätsverlust entwickelt.

Beide, die  anti-deutschen Linken und die nationale Rechten, wollen nicht wahrhaben, dass Deutschland als Weltmacht, das deutsche Volk und die deutsche Volksgemeinschaft sowie der spezielle deutsche Geist irreversibel untergegangen sind.

Beide sind unfähig, die Realität dieses Verlustes zu akzeptieren. Die Anti-Deutschen entwickeln daraus einen irrationalen Hass auf das eigene Volk, die nationalen Rechten hoffen auf eine Wiederauferstehung des deutschen Volkes.

 

Imagine

17. Juli 2022 11:38

1/2

Sind anti-deutsch und pro-deutsch zwei Seiten einer Identitätsstörung, so wie es Siegfried Gerlich am Beispiel von Gremliza darstellt.

Erinnert sei an die Kontroverse zwischen Alexander Mitscherlich und Hermann Lübbe auf Basis des Buchs „Die Unfähigkeit zu trauern“.

Hierzu gab es in der ZEIT 1983 einen längeren Artikel „Entsorgung der Vergangenheit“ und drei Jahrzehnte später einen Beitrag von Tobias Freimüller „Der versäumte Abschied von der Volksgemeinschaft. Psychoanalyse und ‚Vergangenheitsbewältigung‘“.

Mitscherlichs Position war:
Die Deutschen haben den Verlust von deutscher Größe, Führer und Volksgemeinschaft sowie deutscher Kultur verdrängt. Sie waren unfähig darüber zu trauern und haben aus dieser Verdrängung eine kollektive Neurose mit kollektivem Realitäts- und Rationalitätsverlust entwickelt.

Beide, die  anti-deutschen Linken und die nationale Rechten, wollen nicht wahrhaben, dass Deutschland als Weltmacht, das deutsche Volk und die deutsche Volksgemeinschaft sowie der spezielle deutsche Geist irreversibel untergegangen sind.

Beide sind unfähig, die Realität dieses Verlustes zu akzeptieren. Die Anti-Deutschen entwickeln daraus einen irrationalen Hass auf das eigene Volk, die nationalen Rechten hoffen auf eine Wiederauferstehung des deutschen Volkes.

Imagine

17. Juli 2022 11:40

2/2

Tatsächlich haben die Deutschen ihre nationale Identität und ihren Volkscharakter verloren.

In zentralen politischen Fragen und ihrem Verhalten unterscheiden sich heute die Deutschen nicht wesentlich von ihren europäischen Nachbarn. Ob Schweizer, Italiener oder die früher politisch revolutionären Franzosen – die große Mehrheit hat sich der Corona-Diktatur unterworfen, sie haben sich einsperren lassen, Maske getragen und sich impfen lassen. Und auch beim Ukraine-Krieg findet sich mehrheitlich eine ähnliche politische Positionierung mit Befürwortung von Kriegseskalation durch Waffenlieferungen und Sanktionen sowie der feindlichen Einstellung gegenüber Russland und China.

Auch die Konversion der ehemaligen linken Medien und Parteien zu system- und NATO-konformen sowie den „Kampf gegen Rechts“ gibt es in ähnlicher Weise überall in Westeuropa.

Die Positionen der marginalisierten nationalen Rechten sind realitätsfern,  anachronistisch und politisch impotent. Mich erinnern sie an die organisierten Heimatvertriebenen in meiner Jugend. Obwohl es eigentlich klar war, dass ihre ostdeutsche Heimat irreversibel verloren war, propagierten sie noch die realitätsfernen Illusionen und Hoffnungen auf einen Wiedergewinn.

Niekisch

17. Juli 2022 11:59

"der Klassenkampf einer transnationalen globalistischen Klasse der Superreichen, die sich die Welt aneignen wollen."

@ Imagine 16.7. 16:00: Es ist aber, wie Sie ganz genau wissen, eine untypische Form des Klassenkampfes, weil die wirtschaftlichen Interessen dieser Kaste untrennbar mit einem religiös angetriebenen Anspruch verbunden sind.

Imagine

17. Juli 2022 13:50

Eine spannende Frage ist, ob es durch „Corona“ und den Ukraine-Krieg zu einer Neugestaltung der politischen Landschaft kommt?

Die „konkret“-Spaltung ist hierbei nur marginal.

Das Projekt Linkspartei ist m.E. definitiv gescheitert. Denn diese Partei wird auch bei der nächsten BT-Wahl nicht über 5% kommen. Historisch hatte die SED-Nachfolgepartei „PDS“ mit der WASG fusioniert, wobei allerdings die Hälfte der WASG-Mitgieder diese „Fusion“ - realiter „Einverleibung“ - nicht mitmachte. Lafontaine konnte sich mit seinem politischen Kurs und Zielen nie in der Linkspartei durchsetzen, auch Wagenknecht nicht.

Die interessante Frage ist, was jetzt oder in naher Zukunft aus dem linken Milieu bei SPD, Linkspartei und Grünen an neuen publizistischen, organisatorischen und parteipolitischen Ansätzen kommt.

Die oppositionelle Partei „Die Basis“ wurde 2020 gegründet und hat nach eigenen Angaben bereits 34.000 Mitglieder. Jedoch ist sie bislang parteipolitisch irrelevant, weil ihr Stimmenanteil bei bisherigen Wahlen nur bei ca. 1% lag. Nach ihrer Programmatik ist sie eine Art „Hippie-Partei“ ohne klare politische Zielsetzungen.

Die Bildung einer neuen linksorientierten Partei ist überfällig, aber es fehlen dazu bislang die entsprechenden Initianten, Führungspersonen und Aktivisten.

Aber dies kann sich schnell ändern.

Wenn sich die gesellschaftlichen Verhältnisse verändern, ändert sich auch die politische Landschaft.

Laurenz

17. Juli 2022 17:02

@RMH @L. (1)

"Der Atheismus ist doch erst die Voraussetzung um deutsch sein zu können."

Sie schießen mal wieder den Vogel ab & freuen sich dann, vermeintlicher Vogelkönig zu sein. Bislang konnte man eher den Eindruck gewinnen, Sie pflegen eine Art pseudo-esoterisches Heidentum und zitieren dann bevorzugt Castaneda.

Ich zitiere deswegen gerne den umstrittenen Castaneda, weil Er ein Autor aus der Moderne ist & in den vielen heidnischen orientierungslosen Strömungen, ein klares Bild vermittelt. Würde ich den letztes Jahr verstorbenen, genauso umstrittenen Fallschirmjäger & Förster Otto Hantl zitieren, würde es tatsächlich selbst für dieses Forum schwierig werden.

Dann wäre Ihnen schon lange aufgefallen, dass der Streit um die genuin kulturelle Bedeutung des Christentums in Europa nichts Neues ist & am öffentlich erkennbarsten bereits mit der franz. Revolution begonnen hat.

Der Einschnitt Bonapartes gegen die Christen begann schon vorher durch die Fürsten der Aufklärung. Bismarck führte einen waffenlosen Krieg gegen die Kirchen. Sie erzählen, weißgott, im Westen nichts Neues. Allerdings kamen mit dem Untergang des II. Reiches die Kirchen in der Weimarer Zeit & im III. Reich groß zurück.

Laurenz

17. Juli 2022 17:03

@RMH @L. (2)

Sie & andere vermeintlich rationale Atheisten werden auch nie verstehen, warum mittlerweile viele Rechte und Konservative - auch von der Familie K.u.K aus Schnellroda hört man davon - wieder gerne in tridentinische Messen gehen.

Das kann jeder Erwachsene halten, wie er will.

Nur ich zahle mit meinen Steuern, das Einkommen von alle Bischöfen mit, die ganzen kirchlichen Sozialdienste & angeschlossene Institutionen, (dazu die jährlichen Reparationen aus der Säkularisierung Bonapartes). Die gehören alle sofort säkularisiert. Es darf keine katholischen Kindergärten geben, gerne katholische Universitäten.

Wer die heutigen Ersatzreligionen verstehen will, studiert am besten autodidaktisch Kirchengeschichte, wie die Bibel. Ihre historische Ignoranz, wie die auch vieler anderer hier bezüglich unserer Religionsgeschichte schlägt nicht nur einem Faß den Boden aus. Die letzte Hexenverbrennung fand 1807 im Ermland statt, die letzte Wasserprobe mutmaßlich 1836 auf Hela. Helen Duncan mußte wegen Witchcraft noch 1944 in den Knast.

links ist wo der daumen rechts ist

17. Juli 2022 19:46

Nationalismus 1

 

Preisfrage:

Von wem und von wann stammt das folgende Zitat?

Unser Nationalbewußtsein hat deshalb heute nicht ungeklärte Gefühlslagen zu stilisieren, sondern es muß die geistige und charakterliche Grundlage der staatlichen Selbstgestaltung unseres Volkes, der Einheit der Nation und ihrer Orientierung im weltgeschichtlichen Ringen unserer Zeit liefern. Ob wir eine solche eigene, gewissenhaft verantwortete Orientierung zustande und zur Wirkung bringen, entscheidet darüber, ob wir eine geschichtsfähige Nation bleiben.

Leisten wir das nicht, dann werden wir noch in diesem Jahrhundert reduziert zu einem vielleicht ganz gut funktionierenden, geschichtlich und national aber belanglosen Ausschnitt einer europäischen Konsumgesellschaft oder aber zu einem provinziellen Anhängsel der amerikanischen Industriegesellschaft.

Imagine

17. Juli 2022 20:24

@Niekisch  17. Juli 2022 11:59
Es ist aber, wie Sie ganz genau wissen, eine untypische Form des Klassenkampfes, weil die wirtschaftlichen Interessen dieser Kaste untrennbar mit einem religiös angetriebenen Anspruch verbunden sind.“

Nein, das halte ich für ein Narrativ, dem das wissenschaftliche Fundament fehlt.
 

Niekisch

17. Juli 2022 20:26

"Wenn sich die gesellschaftlichen Verhältnisse verändern, ändert sich auch die politische Landschaft."

@Imagine 17.7.13:50: Sie widersprechen sich des öfteren. Wie kann das sein, wenn beidseits Identitätsstörung vorliegt. Eine solche Störung ist eine Einzelpersonen betreffende, nicht ein Gesellschaftszustand.

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