Fedposting gegen Rechts

Die jüngsten Enthüllungen des Innenpolitik-Redakteurs der Süddeutschen Zeitung sollten niemanden überraschen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Ronen Stein­ke berich­te­te in einem aus­führ­li­chen Arti­kel über die Pra­xis der Über­wa­chung des rech­ten Spek­trums durch den Ver­fas­sungs­schutz. Dem­nach trei­ben sich spe­zi­ell aus­ge­bil­de­te Spit­zel unter mul­ti­plen fal­schen Iden­ti­tä­ten in “rech­ten Chat­rooms” her­um, um durch akti­ve Mit­be­tei­li­gung ver­meint­lich gleich­ge­sinn­te “Freun­de” zu angeln und auszuhorchen.

Die rein vir­tu­el­le Vor­ge­hens­wei­se hat dabei den Vor­teil, daß die Infil­tra­ti­on weni­ger auf­wen­dig ist, als bei klas­si­schen “Undercover”-Operationen. Als Qua­li­fi­ka­ti­on genügt aus­rei­chen­de Geschick­lich­keit im Umgang mit sozia­len Medi­en, und wenn ein Account ein­mal “ent­larvt” wird, hat die betref­fen­de Per­son wenig zu fürchten.

Des­halb inves­tiert der Inlands­ge­heim­dienst jetzt so stark in die­se neue Metho­de. Beim Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz gibt es inzwi­schen Dut­zen­de vir­tu­el­le Agen­ten für die ein­zel­nen “Phä­no­me­n­be­rei­che“, für die rech­te, die lin­ke, die isla­mis­ti­sche und neu­er­dings auch die ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­sche Sze­ne. Das ist die Lage in die­sem Herbst 2022: Vie­le Radi­ka­le ahnen wahr­schein­lich gar nicht, wie vie­le Accounts in ihren Chat­grup­pen inzwi­schen schon von Ver­fas­sungs­schutz-Agen­ten geführt werden.

Stein­ke faßt es auf Twit­ter so zusammen:

In sol­che „vir­tu­el­len Agen­ten“ hat der Geheim­dienst seit 2019 mas­siv inves­tiert. (…) Anlass war damals der Mord an Wal­ter Lüb­cke. „Wir sol­len mit­schwim­men“, hat mir eine Agen­tin erzählt, die jetzt seit einem Jahr Fake Accounts führt, „gucken, was die ande­ren machen.“ Und, das ist das Beson­de­re: auch selbst ein biss­chen rechts­ra­di­kal spielen.

Denn das Ziel für den Ver­fas­sungs­schutz ist, in die inne­ren Zir­kel von gewalt­be­rei­ten Grup­pen wie „Ver­ein­te Patrio­ten“ hin­ein­zu­kom­men, dazu muss man sich Ver­trau­en erschlei­chen, „Freun­de“ gewin­nen, Bezie­hun­gen aufbauen.

Es sei­en inzwi­schen “hun­der­te recht­ex­tre­mer Fake Accounts”, die der VS zu die­sem Zweck betrei­be, so vie­le, daß sich die Under­co­ver-Agen­ten unter­ein­an­der ver­net­zen müs­sen, um sich nicht gegen­sei­tig zu bespit­zeln. Das bedeu­tet umge­kehrt auch, daß hun­der­te “Rechts­ex­tre­mis­ten” und “Neo­na­zis” im Netz in Wahr­heit Ver­fas­sungs­schutz­mit­ar­bei­ter sind. 

Um die Täu­schung auf­recht­zu­er­hal­ten, wer­den gan­ze Daten­ban­ken mit Fotos ange­legt, die für die “Echt­heit” der Per­son hin­ter dem Netz­ac­count bür­gen sol­len, Mas­ken­bild­ner ange­heu­ert, Requi­si­ten- und Klei­der­samm­lun­gen angelegt. 

Des­halb hat die Agen­tin, als es los­ging mit ihren Fake-Accounts, erst ein­mal Hun­der­te Han­dy-Fotos auf Vor­rat geschos­sen, die Foto­ses­si­on des Lan­des­amts für Ver­fas­sungs­schutz dau­er­te zwei Tage. Den gro­ßen Bespre­chungs­raum haben sie im ver­gan­ge­nen Novem­ber in einen Thea­ter­fun­dus ver­wan­delt, sie zeigt Han­dy­fo­tos davon. Zu sehen sind Ber­ge von T‑Shirts, Kapu­zen­pull­overn, Hosen. Regel­rech­te Wühl­ti­sche waren da auf­ge­türmt, wie auf einem Floh­markt. Dar­auf lagen rech­te Sze­nemar­ken, “Pro vio­lence“ oder Yaku­za zum Beispiel.

Par­al­lel wer­den auch die übli­chen tech­no­lo­gi­schen Arten der Über­wa­chung betrieben:

Aus dem Fens­ter fällt der Blick auf einen Hin­ter­hof, grau, Well­blech, Indus­trie­ge­biet. Der Ver­fas­sungs­schutz betreibt hier zusam­men mit der Poli­zei eine gehei­me Werk­statt. Tech­ni­ker bau­en klei­ne Spio­na­ge­ka­me­ras in Vogel­häus­chen. Sie prä­pa­rie­ren Motor­rä­der oder Kin­der­wa­gen mit unsicht­ba­ren Mikro­fo­nen. Wenn ein Mit­ar­bei­ter eine Müll­ton­ne vor sich her­rollt, kann sein, dass auch die­ser Gegen­stand Augen und Ohren hat.

Um inner­halb der zu über­wa­chen­den Ziel­grup­pen Glaub­wür­dig­keit zu gewin­nen, genie­ßen die Agen­ten Nar­ren­frei­heit und dür­fen “Pro­pa­gan­da­de­lik­te” bege­hen, also auch Din­ge pos­ten, die unter gel­ten­dem Recht in den Bereich der “Volks­ver­het­zung” fal­len. Auch der Gefahr, daß sie durch das Unter­tau­chen in bösen Gedan­ken­wel­ten an ihrer See­le Scha­den neh­men, ist durch psy­cho­lo­gi­sche Betreu­ung vorgesorgt. 

Nein, das ist kein Witz:

Der Top-Spi­on sagt: Die Absturz­ge­fahr sei groß bei Agen­ten, die den gan­zen Tag in sozia­len Netz­wer­ken mit­schwim­men sollen.
Wer sich den gan­zen Tag lang in einem ras­sis­ti­schen “geschlos­se­nen Welt­bild“ bewe­ge, der müs­se immer dar­an arbei­ten, Distanz zu bewah­ren. “Geschlos­se­ne Welt­bil­der nei­gen dazu, in sich logisch zu sein.“

Beim Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz haben sie des­halb eigens Psy­cho­lo­gin­nen und Psy­cho­lo­gen ein­ge­stellt. Als Hel­fer für die Agen­ten. Aber auch als Auf­pas­ser, falls mal einer abdrif­tet. Wie oft das  schon pas­siert ist, möch­te der Beam­te nicht sagen, die vir­tu­el­len Agen­ten sol­len Tag und Nacht mit­het­zen, mit­dis­ku­tie­ren, im Sin­ne ras­sis­ti­scher Ideo­lo­gien argu­men­tie­ren – und “trotz­dem strai­ght blei­ben“, wie er sagt. (…)

In der ana­lo­gen Welt war das frü­her auch schon ein Pro­blem. Schon damals sei die Gefahr groß gewe­sen, dass Agen­ten, die under­co­ver leben, die Distanz ver­lie­ren und ihre neu­en “Freun­de“ plötz­lich ganz nett fin­den. Psy­cho­lo­gi­sche Betreu­ung gab es beim Geheim­dienst schon damals, aber nicht annä­hernd so viel wie heute.

Offen­bar ist es so, daß die Argu­men­te der “Extre­mis­ten” mit­un­ter der­art ein­leuch­tend und die­se mit­un­ter der­art net­te Men­schen sind, daß ver­stärk­te psy­cho­lo­gi­sche Betreu­ung not­wen­dig ist, um den kogni­ti­ven Abwehr­ap­pa­rat der Agen­ten gegen etwai­ge ideo­lo­gi­sche Ver­su­chun­gen zu immu­ni­sie­ren. Die Psy­cho­lo­gen haben auf die­se Wei­se die gera­de­zu pries­ter­li­che Auf­ga­be, den Glau­bens­ab­fall zu ver­hin­dern und die Teu­fel “Haß und Ver­schwö­rung” zu bannen.

Damit liegt auch offen zuta­ge, daß der Ver­fas­sungs­schutz selbst alles ande­re als welt­an­schau­lich neu­tral ist (wie er es theo­re­tisch sein soll­te), son­dern sei­ner­seits auf der Basis eines “geschlos­se­nen Welt­bilds“ operiert.

Ent­spre­chend “rein” müs­sen dann auch die Mit­ar­bei­ter sein, die er rekru­tiert. Wer sich frei­wil­lig zur Sta­si mel­det, um in ihrem Dienst zu lügen, zu betrü­gen, das Ver­trau­en von Men­schen zu gewin­nen und zu miß­brau­chen, wird mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit auch pas­sen­de ideo­lo­gi­sche (und cha­rak­ter­li­che) Dis­po­si­tio­nen mitbringen.

Die Haupt­fi­gur von Steinens Repor­ta­ge ist eine “jun­ge Frau Ende Zwan­zig”, die “aus Idea­lis­mus zum Ver­fas­sungs­schutz gekom­men” sei, “um etwas gegen Rechts­ex­tre­me zu tun.” Ohne Zwei­fel han­delt es sich dabei, wie bei Innen­mi­nis­te­rin Nan­cy Fae­ser selbst, um eine Per­son mit Kon­tak­ten zur links­ex­tre­men und anti­fan­ti­schen Sze­ne. Ähn­lich dürf­te es um einen eben­falls erwähn­ten “Sozi­al­wis­sen­schaft­ler” bestellt sein, “der jetzt sein Wis­sen über die NS-Ideo­lo­gie nutzt, um sich mit Holo­caust-Leug­nern anzufreunden”.

Undenk­bar ist, daß heut­zu­ta­ge jemand beim Ver­fas­sungs­schutz anheu­ert, um “idea­lis­tisch” etwas “gegen Links­ex­tre­me zu tun”. Auch wenn der VS immer noch man­che links­ex­tre­men Grup­pen “beob­ach­tet”, so sind Tei­le der äußers­ten Lin­ken längst in sei­nen Appa­rat integriert.

Denn für den bestehen­den deut­schen Staat steht der Feind nun ein­mal “rechts” oder wird je nach Bedarf dort ein­sor­tiert. Dabei muß er inzwi­schen buch­stäb­lich neue Kate­go­rien von Men­schen erfin­den, deren Grund­rech­te auf­grund ihrer fal­schen Mei­nun­gen prak­tisch auf­ge­ho­ben wer­den – wo “Rechts­ex­tre­mis­ten” nicht rei­chen, muß die Band­brei­te neu­er­dings um “Quer­den­ker” und “Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen” erwei­tert werden.

Die Kon­se­quenz dar­aus wird auch in Steinens Arti­kel deut­lich: Was hier in ers­ter Linie “über­wacht” wird, sind Mei­nun­gen und Gesin­nun­gen, aber auch Gefühls­äu­ße­run­gen von Zorn, Empö­rung, Abscheu, in die All­zweck-Tüte “HASS UND HETZE” hin­ein­ge­packt. Um die Infil­tra­ti­on zu recht­fer­ti­gen, wer­den vor allem die Buh­män­ner und Rand­grup­pen des Spek­trums genannt, etwa die Klas­si­ker “Neo­na­zis” und “Reichs­bür­ger”.

Da blo­ße Gesin­nungs­schnüf­fe­lei nicht aus­reicht, um einen sol­chen mit Steu­er­gel­dern bezahl­ten Auf­wand zu recht­fer­ti­gen, beto­nen die Ver­fas­sungs­schüt­zer, daß es ihnen dar­auf ankom­me, poli­tisch moti­vier­ter Gewalt, “Anschlä­gen” zuvor­kom­men, also Ter­ro­ris­mus­prä­ven­ti­on zu betreiben.

Als im April eine rechts­ex­tre­me Grup­pe auf­flog, die sich bei Tele­gram “Ver­ein­te Patrio­ten“ nann­te und einen Anschlag auf Gesund­heits­mi­nis­ter Karl Lau­ter­bach plan­te, war die­ser Ermitt­lungs­er­folg nach Recher­chen der Süd­deut­schen Zei­tung auch ein paar “vir­tu­el­len Agen­ten“ zu ver­dan­ken, die im Auf­trag eines Lan­des­amts für Ver­fas­sungs­schutz unter fal­scher Flag­ge segel­ten, als ver­meint­li­che Nazis.

Kann sich noch jemand an die­se Geschich­te vom April die­ses Jah­re erin­nern? Aus einem Bericht der tages­schau:

Die Gene­ral­staats­an­walt­schaft Koblenz ermit­telt gegen eine Grup­pe, die unter ande­rem eine schwe­re staats­ge­fähr­den­de Gewalt­tat geplant haben soll. Nach Infor­ma­tio­nen des ARD-Poli­tik­ma­ga­zins Report Mainz sol­len sie geplant haben, durch Anschlä­ge auf Umspann­wer­ke und Strom­lei­tun­gen einen bun­des­wei­ten Strom­aus­fall her­bei­zu­füh­ren, um bür­ger­kriegs­ähn­li­che Zustän­de zu verursachen. (…)

Die­ses Cha­os woll­ten die Beschul­dig­ten nach Ansicht der Ermitt­ler nut­zen, um das demo­kra­ti­sche Sys­tem in Deutsch­land zu stür­zen und anschlie­ßend die Regie­rung zu über­neh­men. Außer­dem plan­te die Grup­pe in einer Akti­on namens “Kla­bau­ter­mann”, Gesund­heits­mi­nis­ter Karl Lau­ter­bach zu ent­füh­ren und sei­ne Per­so­nen­schüt­zer “aus­zu­schal­ten”.

Das klingt ja nach wahr­haft tol­len Meis­ter­plä­nen, die garan­tiert umge­setzt wor­den wären, hät­ten die Ermitt­ler und die Under­co­ver-Agen­ten die­sen Umsturz nicht in letz­ter Sekun­de ver­hin­dert. Berich­te über brand­ge­fähr­li­che Extre­mis­ten die­ser Art, die den Staat stür­zen wol­len, tau­chen immer wie­der in den Medi­en auf. Ob die­se aus dem Inter­net gefisch­ten Gestal­ten auch nur ent­fernt imstan­de sind, ihre groß­spu­ri­gen Vor­ha­ben durch­zu­füh­ren, ist dabei ohne Bedeutung.

Der Buh­mann hat eine kla­re Ablen­kungs­funk­ti­on. Poli­ti­ker wie Lau­ter­bach bedür­fen sol­cher Sto­ries, um von ihrer eige­nen wahn­wit­zi­gen, destruk­ti­ven oder extre­mis­ti­schen Agen­da abzu­len­ken – möge es sich dabei um Bevöl­ke­rungs­aus­tausch, “Pan­de­mie­be­kämp­fung” oder neu­er­dings Ener­gie­po­li­tik han­deln. Sie kön­nen damit in die Rol­le der bedroh­ten Opfer schlüp­fen, und jeder, der ihre Poli­tik kri­ti­siert, kann nun in die Nähe von Anti­se­mi­ten und Schwu­len­hassern, von gewalt­be­rei­ten Aluhut­trä­gern und poten­ti­el­len Ter­ro­ris­ten gerückt werden.

Stein­ke beklagt nun in sei­ner Repor­ta­ge die “Zwei­schnei­dig­keit” einer Stra­te­gie, die im Chor der “Het­zer” mit­mischt und ihn auch noch verstärkt:

Gleich­zei­tig ist die neue Stra­te­gie zwei­schnei­dig, und mit jedem neu­en Erfolg, mit jedem neu­en Vor­drin­gen in die inne­ren Zir­kel der Online-Het­zer, wird es womög­lich heik­ler. Die vie­len Men­schen, die als Opfer von rech­ter Online-Het­ze betrof­fen sind, wür­den wahr­schein­lich stau­nen, wenn sie wüss­ten, was da im staat­li­chen Auf­trag inzwi­schen so alles gepos­tet und gelikt wird.

Da ist er einer Sache auf der Spur, deren Signi­fi­kanz er aus sei­ner Per­spek­ti­ve nicht sehen kann. Er beäugt es kri­tisch, daß Mit­ar­bei­ter des VS “rechts­ex­tre­me Bemer­kun­gen”, “ras­sis­ti­sche Wit­ze” oder “NS-ver­herr­li­chen­de Bild­chen” ver­brei­ten, angeb­lich für den lang­fris­tig guten Zweck, “dicke Fische” am Wickel zu bekom­men. Aber mit die­ser “Fake-Account-Stra­te­gie” las­sen sich auch etli­che ande­re Din­ge anstel­len, als bloß Leu­te auszuhorchen.

Jeder Oppo­si­tio­nel­le weiß, daß der Staat einer­seits zu hys­te­ri­schen Über­re­ak­tio­nen neigt, was das rech­te Spek­trum angeht, ande­rer­seits auf einer höhe­ren Ebe­ne der “Het­zer” und Kro­ko­di­le drin­gend bedarf, um sich zu recht­fer­ti­gen und sei­ne Kri­ti­ker anrü­chig zu machen. Er hat mit ande­ren Wor­ten ein Inter­es­se dar­an, die Sup­pe in den Rand­ge­bie­ten am Köcheln zu hal­ten. Er wird ver­su­chen, auf sie Ein­fluß zu neh­men, sie zu sei­nen Zwe­cken zu nut­zen und pro­pa­gan­dis­tisch auszuschlachten.

Eine Tele­gram­grup­pe wie “Ver­ein­te Patrio­ten“ z. B. zu grün­den, zu züch­ten, zu infil­trie­ren und deren Mit­glie­der zu star­ken Sprü­chen und Umsturz­phan­ta­sien anzu­sta­cheln, wäre für einen Geheim­dienst wahr­lich nicht schwer. Wenn sie auf­ge­deckt wird, zeigt sich ihr Nut­zen: Blo­ße Wor­te und Absichts­er­klä­run­gen, anonym gepos­tet, genü­gen, um Raz­zi­en aus­zu­lö­sen, Rufe nach Zen­sur laut wer­den zu las­sen, Angst­pro­pa­gan­da nach dem Mot­to “Hal­tet-den-Dieb” auszulösen.

Stein­ke zitiert einen Lei­ter eines Lan­des­amts für Ver­fas­sungs­schutz: „Das ist die Zukunft der Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung”, gera­de­so, als hand­le es sich hier um etwas grund­sätz­lich Neu­es, weil über das Inter­net ope­riert wird, wäh­rend der­lei getan wird, seit es das Inter­net gibt. Im anglo­pho­nen Raum ist dar­aus das Schlag­wort “fed­pos­t­ing” entstanden:

To post vio­lent thre­ats on the Inter­net, osten­si­b­ly as an ever­y­day citi­zen, but actual­ly working as an under­co­ver federal agent as a form of entrapment.

Vor­geb­lich als nor­ma­ler Bür­ger gewalt­tä­ti­ge Dro­hun­gen ins Inter­net zu stel­len, in Wirk­lich­keit aber als ver­deck­ter Bun­des­agent (“fed”) zu arbei­ten, um eine Fal­le zu stellen.

Der Begriff wird in der Fol­ge als Scherz benutzt, wenn man den Drang ver­spürt, etwas beson­ders Kras­ses oder Zor­ni­ges zu pos­ten, sich das “Fed­pos­t­ing” dann aber lie­ber ver­kneift ein­ge­denk der Kon­se­quen­zen, die es nach sich zie­hen könn­te (wie etwa eine Twit­ter-Sper­re oder gar eine Hausdurchsuchung).

 

 

Wir haben es hier mit uralten Stra­te­gien zu tun, wie sie schon die zaris­ti­sche Geheim­po­li­zei Och­ra­na oder das FBI min­des­tens seit den fünf­zi­ger Jah­ren betrie­ben haben. Als ich um 2005 zur rech­ten Sze­ne in Deutsch­land stieß, galt es als Run­ning Gag, daß die NPD durch und durch von V‑Männern infil­triert ist, bis hin­ein in die Füh­rungs­spit­zen, wo sich Leu­te tum­mel­ten, die zuver­läs­sig dafür sorg­ten, daß die “Optik” ihrer Kame­ra­den stimm­te, wenn die Kame­ra­teams des Staats­fern­se­hens heranrückten.

Aus rech­ter Sicht bringt der Arti­kel also ins­ge­samt wenig Über­ra­schen­des. Als Beleg für die Prak­ti­ken des VS ist er gewiß sehr hilf­reich. Daß das Inter­net vol­ler fal­scher Freun­de ist, wis­sen wir schon lan­ge, sei­en es “authen­ti­sche” Spin­ner, “LAR­Per” und Radi­ka­linskis oder V‑Leute und ande­re ein­schlä­gig Enga­gier­te mit einer “Mis­si­on”. Aufs Glatt­eis füh­ren sie alle glei­cher­ma­ßen, wes­halb es rat­sam ist, nie­man­dem zu ver­trau­en, den man nicht auch per­sön­lich kennt.

Wenn wir schon bei der Para­noia ange­langt sind, so fra­ge ich mich zuletzt, wie­so der Arti­kel von Stei­nen über­haupt erschie­nen ist.

Was sagen eigent­lich die Arbeit­ge­ber der idea­lis­ti­schen “jun­gen Frau Ende zwan­zig” mit Jeans und T‑Shirt und selbst­ge­ba­cke­nen Kek­sen im Fed­pos­t­ing-Büro dazu, daß sie der­art detail­liert aus dem Näh­käst­chen plau­dert? Hat sie sie vor­her gefragt, ob ihr das erlaubt ist? Haben sie ihr Ein­ver­ständ­nis gege­ben? Ist es ihnen egal? Oder haben sie sich über die aus­kunfts­freu­di­ge Mit­ar­bei­te­rin geär­gert und wird die­se jetzt gefeuert?

Jeden­falls sind die Teil­neh­mer in den “rech­ten Chat­rooms” nun gewarnt.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (41)

Laurenz

21. September 2022 12:21

@ML

Das ist doch nur konsequent. 

Die Linke (inklusive des VS) hat den Diskurs so verengt, so sehr stalinisiert, daß ihr gar nichts anderes mehr übrig bleibt. Laut VS gibt es maximal 20k Rechtsradikale & Reichsbürger in Deutschland. Statistisch geht das gegen 0. Deswegen muß man die Kampfzone auf die Masse der Konservativen ausweiten um das eigene Dasein zu rechtfertigen. Und klar ist doch, wenn die durch den Kakao gezogenen Konservativen, abseits jeglicher Radikalität, jemals drankommen sollten, fliegen alle Linken Maden raus aus dem Staatsspeck, inklusive der Versager beim VS. Deswegen darf das nicht passieren. Dazu ist man bereit alles, also wirklich alles zu tun. 

Ein gebuertiger Hesse

21. September 2022 12:32

Möchte man "später mal" herausfinden, wer alles fake war, die man auf rechten Pfaden, in Chatrooms oder wo auch immer, kennengelernt hat? Manchmal denke ich, auf jeden Fall, dann wieder, besser nicht! Für die Gegenwart braucht man Klarheit, in der Rückschau mag es eher um Schadensbegrenzung gehen.

RMH

21. September 2022 12:37

Vielen Dank für die Darstellung und Kommentierung des hinter einer paywall verborgenen Artikels (den ich mir nicht gekauft hätte, da SZ).

Im Internet kochen viele ihre Süppchen und vermutlich sind nicht nur der Bundes-VS am werkeln, sondern auch noch alle "Landesämter", der MAD sowie alle wesentlichen ausländischen Geheimdienste ebenso. Spaßig wird es also, wenn von 5 Debattenteilnehmer 4 Lohnschreiber sind und niemand voneinander weiß.

Der "Durchsatz" dürfte auch in entsprechende andere Multiplikatoren hinein stattgefunden haben (Parteien, Publizisten, Presse etc.) und beim Internet kann man eben auch einmal das Ganze - da ja ohnehin naheliegend - offen legen, was zur Folge haben kann, dass im amorphen Brei der unübersehbaren Masse "Internet" Versuche der Abschottungen stattfinden, die wiederum den "Beobachtern" klar zeigen, hier lohnt es sich, einmal Näher nachzusehen, die Abschottung macht mithin interessant. Die Offenlegung dieser Methoden hat also Methode.

Aber es galt seit Mao : Der Revolutionär müsse sich im Volk bewegen wie ein Fisch im Wasser .

Und heute eben, der Revolutionär hat in Chats und social media sich zu bewegen, wie der Vogel in der Luft fliegt - frei erkennbar für jeden, jederzeit kann ein Greifvogel auftauchen. Geringen kann auch hier das Fliegen im Schwarm bringen.

Herbstwind

21. September 2022 13:09

Das Phänomen ist in den USA in den einschlägigen Kanälen inzwischen hinreichend bekannt, die Deutschen sind leider noch nicht wirklich in der Realität angekommen. Insofern vielen Dank für die umfassende Aufarbeitung des Themas. 

Man kann auch getrost davon ausgehen, dass es nicht bei der verbalen Animation bleibt, sondern passende Vorfälle bei Bedarf (z.B. vor Wahlen) in Eigenregie inszeniert werden. Für den Deutschen praktisch noch undenkbar, ist das erkennen der "False-Flag" Aktionen bei den Amerikanern im konservativen Millieu m.E. inzwischen etabliert. Bei der Whitmer-Entführung waren mehr "Feds" beteiligt als echte Militante. Diese wurden trotzdem verurteilt. 

quarz

21. September 2022 14:09

"Beim Bundesamt für Verfassungsschutz haben sie deshalb eigens Psychologinnen und Psychologen eingestellt. Als Helfer für die Agenten. Aber auch als Aufpasser, falls mal einer abdriftet."

Erinnert stark an die Art, wie Sektenmitglieder präpariert und imprägniert werden, damit sie nicht den satanischen Verlockungen der Feinde des großen Ziels erliegen, die überall "draußen" lauern.

Maiordomus

21. September 2022 14:14

@RMH. Wenn Sie frei von Trollen auf einer auf einer harmlos wirkenden Seite mit anderen "kommunizieren" wollen, scheinen solche Gefässe weniger gefährdet, wo mit Zitierung von Belegstellen über Stilfragen der Gegenwartsliteratur debattiert wird.

Also Texte, bei deren Methodik Einzuführende in die Erkundungstechnik gegen rechts noch nicht flächendeckend geschult sind. Gewarnt sein sollten sie aber von bei der Debatte mitlaufendem Namen von Autoren, von denen man ab der Jahrtausendwende in der Schule nie etwas gehört hat. Letzteres ein Indiz für Texte der Rechten. Auf einer dieser Seiten wurde kürzlich ein als Mainstream getarnter Roman debattiert, bei dem eine Gruppe von Pennälern einer Klosterschule einen Sprengstoffanschlag auf eine vornehm gekleidete hochstehende Frau jüdischer Abstammung vorbereitet und durchführt. Dies deutete auf  Anleitung zum Geheimtraining für antisemitische Anschläge hin. Insofern erweist es sich als trügerisch, Literaturdebatten bei den vom VS zur Beobachtung Freigegebenen als harmlos einzuschätzen. Für die Bewusstseinsbildung beim rechten Feind erweist sich derlei als gefährlicher im Vergleich zu Vorschlägen von längst denunzierten Agitatoren, ob und wie von den Rechten im "Heissen Herbst" demonstriert werden soll.

Rheinlaender

21. September 2022 14:15

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass behördlicherseits in sozialen Medien getätigte Äußerungen als Beleg für in bestimmten Milieus vorhandene mutmaßliche extremistische Positionen verwendet werden. Da laut Artikel sehr viele Behördenmitarbeiter im Netz unterwegs sind und solche Äußerungen tätigen, muss man davon ausgehen, sich die Behörden hier auch auf die Äußerungen ihrer eigenen Mitarbeiter stützen.

deutscheridentitaerer

21. September 2022 15:44

Der Gegner hat hier einen Schwachpunkt gefunden, an dem er weit über die klassische Geheimdienstarbeit des Ausforschens hinaus Schaden anrichten kann:

Die Diskursschleifen in den sozialen Medien sind nun, nach 10+ Jahren, gut bekannt. Plump gesagt: Ist Anonymität gewährleistet und findet keine Zensur statt, setzen sich die Rechtsextremen durch. Warum das so ist, hat verschiedene Gründe. Einer ist, dass die Rechten in fast allem Recht haben. Ein anderer, dass sie wie keine zweite Partei durch Edgyness Aufmerksamtkeit und Interesse erregen können.

Der Hauptdiskurs ist für Rechte aber durch Zensur geschlossen. Den dissidenten Nebendiskurs dagegen lässt man nicht nur gewähren, sondern befeuert den oben beschriebenen Prozess noch durch eingeschleußte Agenten. Dadurch kommt es in dieser Diskursblase zu einem Amoklauf irrer Extremisten, die die Anschlußfähigkeit an den Hauptdiskurs verhindern.

RMH

21. September 2022 15:58

@Rheinländer,

richtige Betrachtung. Es ist so ähnlich wie beim ersten NPD-Verbotsverfahren, wo das BVerfG noch feststellte, dass bei den vielen V-Leuten man gar keine Beurteilung mehr vornehmen kann, inwieweit hier entsprechende Bestrebungen tatsächlich originär vorhanden sind.

Für die gesamten Verfahren der AfD, mit denen diese sich gegen entsprechende Einstufungen des VS wehrt, ist dieses Geschehen aus meiner Sicht zu beachten und auch vorzutragen. Aber ich denke, dass werden die Prozessvertreter der AfD auch schon bemerkt haben.

Gracchus

21. September 2022 16:04

Na, wer fedpostet im Forum hier? 

Denkbar, dass die Aussagen der idealistischen Frau - falls existent - abgesprochen sind mit ihrem Arbeitgeber. Die Infos verstärken das eh schon vorhandene Misstrauen. 

Gotlandfahrer

21. September 2022 16:26

Ob "später mal" (wunderbar, @ Ein gebuertiger Hesse) alle Bürger der ehemaligen BRD ihre VS-Akte in einem Verschu-Unterlagen-Archiv einsehen dürfen?

Gotlandfahrer

21. September 2022 16:30

...Verfaschu-Unterlagen-Archiv...

Herr K aus O

21. September 2022 16:35

Ich denke mir auch, dass ganze Verschwörungstheorie Bereiche gesponsort oder gesteuert sind. Es gibt, habe ich zumindest bei Corona-Demos gesehen, durchaus Leute, die „auf“ Chemtrails sind. Wie leicht wäre es, diversen Gruppen „stichhaltige“ Beweise unterzujubeln? Interessant finde ich auch, dass es immer wieder - und jetzt aber in echt! - Beweise für UFOs gibt. Also: Man konstruiert eine wackelige Gegenrealität.

Aber: Es ist kein Kampf gegen Rechts, es ist ein Kampf gegen das Bürgertum. Und im Grunde genommen ist es Klassenkampf.

Uwe Lay

21. September 2022 17:36

Eine einfache Frage: Wenn Wahres von Personenguppen publiziert wird, die das Wahre für Lügen halten, wird dadurch das Wahre unwahr? Es könnte also sein, daß mit dieser Strategie des Verfassungsschutzes der ein klassisches Eigentor schießt.

Uwe Lay

RMH

21. September 2022 18:41

"... ihre VS-Akte in einem Verschu-Unterlagen-Archiv einsehen dürfen?"

Schon in den 90er Jahren gab ich bei passender Gelegenheit gerne das folgende Bonmot zum Besten:

Was ist der Unterschied zwischen Bürgern der ehem. DDR und denen der BRD?

Die aus der DDR können Einsicht in ihre Akten bis 1989 nehmen ...

kikl

21. September 2022 18:47

Das System braucht seine Nazis, denn ohne Feindbild fehlt der Daseinszweck und der moralische Kompass.

Wird der Nazi nicht enttarnt, dann erschafft sich das System seine Nazis. Dazu wird eigens ein Verfassungsschutz beschäftigt.

Irgendwie ist das auch lustig. Dereinst wird man herrliche Komödien über die Umtriebe unseres VS schreiben.

quarz

21. September 2022 19:27

@Uwe Lay

Wer Wahres vortäuscht, das er für Lüge hält, dem gelingt eine authentische Vortäuschung nur selten, sondern der zeichnet meist (und mitunter durchaus unabsichtlich) eine Karikatur des Wahren. Man kennt den Effekt ja von Schauspielern, die in Krimis den "Rechten" spielen. Der gerät dann ausnahmslos zum holzschnittartigen Klischee und wird verbissen, fanatisch, unlocker und mit verkrampfter Mine gespielt, weil der Schauspieler um jeden Preis verhindern will, dass irgendein sympathischer Zug das Publikum verunsichert. Genauso dürften die meisten Versuche, eine rechte Position zu simulieren, an der hölzernen Klischeehaftigkeit der Aufbereitung und der wenig originellen Explikation scheitern, die jede Originalität missen lässt.

RWDS

21. September 2022 20:44

Das sollte einen nicht allzusehr verunsichern. Die deutschen VSler können soviel fedposten wie sie lustig sind, damit kriegt man vielleicht ein paar Boomer, die unter Klarnamen unterwegs sind.

Gegen die Meme-Fraktion von /pol/ und co. ist jedenfalls kein staatliches Kraut gewachsen.

Jan

21. September 2022 20:51

Ziel ist es, unliebsame politische Strömungen in der Öffentlichkeit zu diskreditieren. Wenn der Normalbürger dann sagt, "die kann man doch nicht wählen", ist die Mission erstmal erfüllt. Die meisten "Hitlergrüßer" vor der Marx-Büste in Chemnitz 2018 waren wahrscheinlich V-Männer. Die AfD stand damals in Umfragen bundesweit bei 18% und dann passierte wieder so ein Tötungsdelikt von Asylbewerbern an einem Deutschen. Da musste das Wasser auf den Mühlen der Rechten schnell umgeleitet werden. Was auch gelang, denn nach Chemnitz war die AfD endgültig stigmatisiert und es ging erstmal bergab. 

Letztendlich dient der VS den machthabenden Parteien, welche wiederum übergeordneten Interessen dienen. Je nach Interessenlage wird der Feind bestimmt. Zwischen '49 und '89 war das ganz klar der linke Block, da die Amerikaner einen Durchbruch des Sowjet-Kommunismus in Westeuropa unbedingt verhindern wollten. Der stramme Antimarxismus aus der NS-Zeit war damals hilfreich und ließ sich prima in den strammen Antikommunismus der pro-amerikanischen Unionsparteien transformieren ("Geh' doch nach drüben, langhaariger Affe!"). Also den VS-Focus nicht so stark auf rechts, sondern voll auf RAF, K-Gruppen und das erweiterte Umfeld ("Sympathisanten"), also alles was links und rot war. Heute ist es umgekehrt, weil die Rechten gewissen supranationalen Interessen im Weg stehen.

Kurativ

21. September 2022 21:21

Kann es sein, dass in Österreich das Prinzip der Lockspitzels verboten sind?

Und es dort deshalb weit weniger Radikalismus und Terror gegeben hat?

Vielleicht ist der Lockspitzel eine wichtige Eigenart eines Staates, dessen Bürger nicht souverän entscheiden dürfen.

Notfalls helfen Lockspitzel aus "verbündeten" Ländern, Unternehmen oder Oligarchen aus. Es ist auch eine Frage des Geldes. 

Volksdeutscher

22. September 2022 09:50

Hervorragender Artikel. Fazit: Man äußere sich nicht leutselig im Netz über sich und Themen, was inhaltlich und formal unterhalb eines bestimmten Stiles ansiedelt ist. Man hetze nicht, folge nicht Aufrufen in agitatorischer Absicht oder irgendwelchen einlullenden Angeboten. Selbst nach einer persönlichen Bekanntschaft mit jemandem behalte man sein gesundes Mißtrauen. Wenn ich z.B.  Martin Lichtmeß persönlich kennenlernte, hätte er trotzdem mehr Recht, sich mir gegenüber mißtrauisch zu sein als ich ihm gegenüber, es gibt also keine Reziprozität in der Hinsicht, die uns gegenseitig zum hunderprozentigem Vertrauen verpflichten könnte, nur weil wir miteinander persönlich bekannt sind. Man muß auch nicht auf jedes Thema oder jeden Kommentar aufspringen. Man vertraue nicht der scheinbaren Anonymität des Internets, man lasse sich aber auch nicht von der Tätigkeit und allgegenwärtigen Präsenz dieses wichtigtuerischen Idiotenvereins namens "Verfassunsgschutz" einschüchtern. An erster Stelle nämlich kommt das Recht auf freie Meinungsäußerung. An zweiter Stelle kommt das Wie.

Apropo: Es wird allmählich Zeit, im rechten Sprachgebrauch den Begriff  Staatsterrorismus auch in parlamentarischen Debatten einzuführen und bei jeder passenden Gelegenheit pointiert anzuwenden. Geschehnisse und Entwicklungen in allen Bereichen des privaten wie öffentlichen Lebens berechtigen dazu.

Niekisch

22. September 2022 10:28

"die Rechten gewissen supranationalen Interessen im Weg stehen".

@ Jan 21.9. 20:51: Aber nur dann, wenn sie sich nicht "transatlantischen" Interessen unterwerfen oder freiwillig/unbewußt systemstabilisierend wirken oder sich aus der Opposition heraus von den Verwaltern kaufen lassen.

zeitschnur

22. September 2022 13:43

Mir fällt dazu nur noch das Bild der Uroboros-Schlange ein, dieses Vieh, das sich in den eigenen Schwanz beißt und damit immer selbst weiternährt und frisst und nährt und frisst und nährt. Manche sehen darin auch noch eine spirituelle Glanzmetapher. Ich nicht.

In meinem Chat tauchen diese Leute auch auf. Allerdings habe ich inzwischen Kanalregeln erstellt, an denen ein Ehrloser und Dummkopf scheitern muss. Die entsprechenden Leute verlassen den Kanal dann auch wundersamerweise wieder ganz schnell. Manche schließe ich auch aus, wenn es gar zu bunt kommt. Typisches V-Mann/Frau/Divers-Geplärr lösche ich sofort.

Es ist mir eigentlich auch egal, ob sie für die Schlapphüte arbeiten oder nicht. Man kann das ja an sich ablaufen lassen, wenn man ernsthafte Sachdiskurse führen will. Nur um die geht es mir.

Das Üble an der Sache ist vielleicht eher, dass einen diese Tiefflieger ablenken wollen von den Themen, die man wirklich besprechen und durchdenken will. Ihr Hauptjob ist vermutlich der, Sand ins Getriebe der Intelligenz zu werfen.

Gimli

22. September 2022 13:53

Ich hoffe nur, dass Sezession ihre Abonnenten auf einer EDV ohne Internetanschluss pflegt. 
Im Kommentarbereich hier wird ohne Maske und Mundschutz diskutiert, dass es für den VS gleichsam uninteressant ist. 

Niekisch

22. September 2022 16:02

"Das Üble an der Sache ist vielleicht eher, dass einen diese Tiefflieger ablenken wollen von den Themen, die man wirklich besprechen und durchdenken will. Ihr Hauptjob ist vermutlich der, Sand ins Getriebe der Intelligenz zu werfen".

@ zeitschnur 13:43: Deswegen kommentiere ich z.B. Martin Sellners letzten Artikel auf der eigenen Plattform zusätzlich bei abgeschalteter Kommentarfunktion. in den letzten 10 Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, daß diese Verfassungsfritzen unter ständig wechselnden IP-Adressen und nn nahezu jede Debatte abzutöten, umzulenken oder durch Radikalisierung inkriminierbar zu machen versuchten.

Kurativ

22. September 2022 19:02

Das typische des ganzen Unterdrückungsapparat kann man in den Artikel gut erkennen: Immer bereiten die Medien die Hinrichtung vor. Dann kommen die verschärfenden Reden der Politiker. Und dann noch der so genannte Verfassungsschutz der dann nach "reiflicher" sein vernichtendes Urteil fällt. Das der so genannte Verfassungsschutz von der jeweiligen Regierung missbraucht bemerkt dabei keiner, solange alle den Medien glauben.

Kurativ

22. September 2022 19:10

Wenn man den V-Leute-Mist bei Telegram meldet, dann bleibt das einfach. Telegram muss längst mit dem VS zusammen arbeiten

Auf Sehrohrtiefe

22. September 2022 19:12

Viel Bedenkswertes wurde bereits geschrieben, aber letztlich ist das eine Nicht-Diskussion.

Zum ersten verbietet sich ein Diskurs nach einem flüchtigen Blick auf die Quelle: Welche Glaubwürdigkeit hat jemand, der für die Süddeutsche Zeitung schreibt? Das dort Geschriebene mag mehr oder weniger korrekt sein oder auch nicht; wer will es sagen? Völlig egal.

Zum zweiten sind die Machenschaften der Geheimdienste bereits seit langem und von inzwischen - aufgrund trister historischer Umstände - viel zu vielen hinreichend dokumentiert. Soeben las ich "Die Stunde der Schlangen" von Hans Bergel. Was der Charakter Dr. Fulda schildert, greift weit über die Securitate hinaus und ist überall, allzeit gültig. Man lese es dort perfekt formuliert nach. Es sind stets die intellektuell maximal Halbgebildeten und damit die Unbedarften, die den Kern verkommener, sich selbst weit überschätzender Geheimdienste bilden.

Zum dritten ist es ja genau die Strategie, Zweifel zu säen. Wer ist von uns, wer nicht? Auch das ist völlig egal. Die Botschaft zählt, und die Aktion. Motive und Kontexte werden hinterher retouchiert, wenn irgendetwas schief geht.

quarz

22. September 2022 22:24

@Sehrohrtiefe

"Zum dritten ist es ja genau die Strategie, Zweifel zu säen. Wer ist von uns, wer nicht?"

Also, ich weiß ja nicht, wie es anderen geht, aber mich plagen keine nervösen Zweifel. Mich amüsiert eher die Vorstellung, dass da ein intellektuell überforderter VS-Hampelmann gerade verzweifelt versucht, Anspielungen zu verstehen und inkognito aufzugreifen, deren Einordnung ihm aufgrund mangelnder Hintergrundbildung nicht gelingt. Und der gerade Knatsch mit seiner Frau hinter sich hat, weil er sich wieder einen Nachtdienst hat aufbrummen lassen.

Laurenz

22. September 2022 22:25

Die AfD ist mit Frau Weidel so ziemlich das erste Mal in einer Talk-Schau dieses Jahr vertreten, allerdings mitten in der Nacht gegen Herrn Strack-Zimmermann von der FDP. 

Herr Strack-Zimmermann wird fast nur persönlich & beleidigend, so, wie wir das von Linksradikalen kennen. 

https://youtu.be/G482kZuxWTU

Die Artikel hier dazu sind voll daneben

https://jungefreiheit.de/kultur/medien/2022/was-ist-debattenkultur/

https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/medien/maischberger-bietet-raum-fuer-den-krieg-und-gefuehle/

 

Arrow

23. September 2022 08:30

Interessant ist auch der im Artikel beschriebene Hass der Initiatoren dieser Form von Gaslightning auf "geschlossene Weltbilder" Die Lüge hasst die Wahrheit, weil letztere integral, kohärent ja kristallin und also in deren Bedeutung des Wortes "geschlossen" ist. Deswegen ist die beschriebene Taktik für den VS auch hochgradig gefährlich. Die Anziehungskraft rechten Denkens liegt in dessen Wahrhaftigkeit. Der mentale Prozess des VS-Mitarbeiters wurde in "Das Leben der Anderen" recht eindrücklich nachgezeichnet. Daher: Solange die Dienste die Debatten Rechter nicht mit Ballastargumenten (Geschwafel) veröden, sollen sie doch ruhig mitstreiten.

Ein Fremder aus Elea

23. September 2022 08:36

"Jedenfalls sind die Teilnehmer in den “rechten Chatrooms” nun gewarnt."

Ja, das ist eine ganz neue Sache. Nach 20 Jahren Praxis schreibt auch die SZ drüber. Aber die Situation entspannt sich auch an anderer Stelle. Rienzi, beispielsweise, steht wieder auf den Spielplänen.

Die Wahrheit ist aber, daß der sozusagen briefliche Kontakt auf Internetforen durchaus ein präzises Bild des Gegenübers zu zeichnen vermag, welches nach einigen Jahren Bekanntschaft kaum Platz für Überraschungen läßt, wenn man die entsprechende Person persönlich träfe, woran man in aller Regel aber nicht das geringste Interesse hat, weil die Wahl der sozusagen brieflichen Kommunikation von Anfang an etwas über dieses Interesse aussagt. Ist ja nicht so, daß man keine Leute persönlich treffen könnte, wenn man nur wollte. Und dabei ist es immer besser, wenn sie aus der Gegend kommen.

Ein Fremder aus Elea

23. September 2022 08:49

Herr K aus O,

"Aber: Es ist kein Kampf gegen Rechts, es ist ein Kampf gegen das Bürgertum. Und im Grunde genommen ist es Klassenkampf."

Damit haben Sie völlig Recht, und es ist ja auch völlig trivial, wird ja auch ständig als Kampf gegen den Stammtisch bezeichnet. Es darf einfach nicht sein, daß man sich selbst ohne Anleitung eine Meinung bildet. Also wird diese Art der Meinungsbildung systematisch sabotiert, durch Verleumdung, durch Begründung der Notwendigkeit der Anleitung, durch die Anleitung selbst, durch Verheimlichung, durch Fehlinformationen, durch Gleichsetzung von A mit B, wobei B eine lächerliche Karikatur ist, jeder normale, denkende Mensch sieht sowas und kann sich sein Urteil darüber bilden, welche Rolle ihm in einer solchen Gesellschaft zugedacht ist.

Franz Bettinger

23. September 2022 12:58

@Volksdeutscher, mit dem Verweis auf den praktizierten Staatsterror haben Sie vollkommen recht. Ein wunderbar brauchbares Schlagwort, das (wie die Worte Lügenpresse, Elitioten und Corona-Schwindel) hübsch griffig ist und möglichst oft zur Anwendung kommen sollte. Worte sind wie Munition. Wenn sie treffen, tun sie weh. 

Volksdeutscher

23. September 2022 22:54

@Franz Bettinger

Ich danke Ihnen für die anerkennenden Worte. Vielleicht teilen Sie auch jenen Eindruck von mir, daß die Abgeordneten der AfD nicht gerade mit rethorischer Brillanz glänzen. Es geht nicht darum, daß sie herumpöbeln sollen. Aber wie wir inzwischen alle wissen, im Bundestag geht es längst nicht mehr um den vielbeschworenen demokratischen Diskurs, um Lösung von Problemen aller Art, sondern um die Abwicklung Deutschlands. Jene Leute, die dies vorhaben, wollen nicht diskutieren, am allerwenigsten ihr verbrecherisches Vorhaben in Frage gestellt sehen. In einem solchen politischen Klima, unter solchen Bedingungen nützen Verstandesargumente alleine wenig, weil die Gegenseite sich nicht für interessiert, nicht über sie reden will. In einer solchen Situation sind emotionale Ausdrücke von mehr Nutzen. Auch härtere Mittel, wie z.B. mit Annahmen und Unterstellungen auf die Büsche zu klopfen, sind legitime Mittel. Eine Opposition, mit der so umgegangen wird, wie mit der AfD, hat das Recht, muß sich das Recht herausnehmen, ihren rethorischen Stil nicht am Gefallen des politischen Gegners auszurichten, zumal der politische Gegner sich das Staatsvolk zum Feind erklärt hat und auch als solchen behandelt. Einst hieß es hochtrabend, "wir werden sie jagen"... Wäre es aber wirklich nur mein Eindruck, daß die AfD in Parlamentsdebatten den politischen Feind mit flauen Reden unterhält (abgesehen von paar Perlen)?

Frika Wies

24. September 2022 03:33

Ich stelle mir das lustig vor, bei einer Hausdurchsuchung oder einer polizeilichen Vorladung:

„Hallo Kollegen, erkennt ihr mich nicht? Ich bin doch einer von euch. War alles vom Chef angeordnet. Jaja, ich hab ganz nach Auftrag gehandelt, schönen Tag noch.“

Frika Wies

24. September 2022 03:57

Achja, bei der Stasi soll‘s das gegeben haben, daß ein Ehepartner den anderen bespitzelt hat.

Stelle mir das ulkig vor, wenn der Verfassungsschutz eine/n Mitarbeiter/in dazu drängt einen Nazi zu heiraten, und dann kommt bei der Silberhochzeit raus, daß das eine staatliche Undercover-Spähaktion war. 😆

Kurativ

24. September 2022 06:38

Zitat: "Anlass war damals der Mord an Walter Lübcke"

Was ist, wenn der Mord an Walter Lübcke eine Folge der Arbeit von V-Leuten gewesen ist?

Wieviel V-Mann steckt also im Mörder? Wir werden es nie erfahren. So ein System füttert sich selber. Und die ganze Vita des Mörders wird sicher nicht durchgegangen. Am Entstehungszusammenhang hat man kein Interesse. Zumal es auch um Effekte von Effekten geben wird.

Laurenz

24. September 2022 14:50

@Volksdeutscher @Franz Bettinger

Vielleicht teilen Sie auch jenen Eindruck von mir, daß die Abgeordneten der AfD nicht gerade mit rhetorischer Brillanz glänzen.

Wie kommen Sie dazu? Warum schildern Sie hier Gefühle, anstatt Links zu posten, so wie ich das mache? Ziegen Sie uns stümperhafte Reden.

Außerdem überschätzen Sie die Redekunst. Unser Außenminister Annalena Bärbock weiß nichts, kriegt keinen einzigen Satz sauber raus, ist aber anscheinend der beliebteste Politiker Deutschlands.

Volksdeutscher

24. September 2022 22:23

@Laurenz

Im Gegesatz zu Ihnen poste ich nur selten Links, weil ich nicht wirklich daran glaube, daß die Leute hier die Zeit haben oder sich die Zeit nehmen, sie zu lesen.

Die gefühlte Mehrheit der Politiker der AfD sagt bestimmte Inhalte anständig auf. Das mag vielen gefallen, die da sagen, die AfD föchte einen kultivierten politischen Kampf, dabei hat sie mangels Fähigkeiten gar keine andere Wahl. Das liegt nicht einfach an den Inhalten der Reden, sondern vielmehr an der Vortragsweise. Die Form der Rede müßte die politische Lage Deutschlands, die Stimmung der Bevölkerung und der Partei Willen zur Macht abbilden und widerspiegeln.

Volksdeutscher

24. September 2022 23:18

2. @Laurenz

Beinahe hätte ich es vergessen....Wenn ich emotionale Reden meine, dann habe ich nicht Rührseligkeit im Sinn. Viele hier beklagen die Lethargie, Verzagtheit und politische Naivität der deutschen Bevölkerung: sie ist in einer Gefühlstiefe. Doch wer das Volk nicht nur informieren will gleich einem Infostand, der muß sich etwas Anderes einfallen lassen. Wie wäre es damit, die Gefühle zu beflügeln? Wer Massen mobilisieren will, der muß rhetorisch in die Offensive gehen, er muß sich darauf verstehen, wie er die Menschen nicht nur zu seinen Zwecken, sondern auch zu deren Interessen zu bewegen. Das geht über die Gefühle (studieren Sie die Rede Marc Antonius´ in Shakespeares Julius Caesar). Emotion - Motiv - Motor sind verwandte Wörter. Wer also Menschen bewegen will, muß stärker ihr Gefühl ansprechen als ihren Verstand. Wer nachdenkt, wer überlegt, der verlangsamt seine Bewegung, womöglich will er gar nicht handeln, ehe er sich durch den Gedanken hindurchgekaut hat. Zuerst das Gefühl motivieren, dann den Physis mobilisieren. Dies ist die Abfolge und der Ablauf, der Rest geschieht dann fast automatisch.

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