Faktenlage (23) – AfD-Höhenflug

Die AfD im Aufwind – Momentum und Trendverfestigung.

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

Als die Alter­na­ti­ve für Deutsch­land vor etwas weni­ger als drei Jah­ren bei den meis­ten Umfra­ge­insti­tu­ten mit ledig­lich ein­stel­li­gen Wer­ten aus­ge­wie­sen wur­de und ein Jahr spä­ter eine eher ernüch­tern­de Bun­des­tags­wahl folg­te, gab es das gro­ße Kopf­zer­bre­chen über die kom­men­de stra­te­gi­sche Posi­tio­nie­rung und Ausrichtung.

Wie soll­te sich die Par­tei damals in Zei­ten neu­er Kri­sen (Coro­na) auf­stel­len? Wel­che Ideen hat­te man, wenn das Kern­pro­fil­the­ma der Migra­ti­on in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung nicht mehr die außer­or­dent­li­che Bedeu­tung ein­nahm wie noch zuvor? Wie könn­te es die Par­tei also schaf­fen, aus dem Sta­gna­ti­ons­raum des fes­ten 10–12% Wäh­ler­po­ten­ti­als aus­zu­bre­chen und neue Ziel­grup­pen zu erschließen?

Mit der aktu­el­len demo­sko­pi­schen Lage steht fest, daß die AfD nicht nur ein tem­po­rä­res Pro­test­phä­no­men war, die ledig­lich ein ein­ma­li­ges Unzu­frie­den­heits­po­ten­ti­al aus den Wäh­ler­strö­men abge­saugt und ver­fes­tigt hat. In den meis­ten Umfra­gen sie­delt sich die Par­tei gera­de zwi­schen 15–17% an.

Die Grü­nen wur­den schon vor weni­gen Wochen über­holt und laut dem Insti­tut You­Gov ist die AfD inzwi­schen gar zweit­stärks­te Kraft hin­ter der Uni­on. Im Osten des Lan­des ist man bereits stärks­te Kraft und setzt auch für die kom­men­den Land­tags­wah­len 2024 in Sach­sen, Thü­rin­gen und Bran­den­burg auf den Wahl­sieg als stärks­te Parlamentspartei.

Erstaun­lich an der der­zei­ti­gen Ent­wick­lung sind jedoch nicht nur die rei­nen Zustim­mungs­wer­te und die direk­te elek­to­ra­le Unter­stüt­zungs­be­reit­schaft, son­dern auch der offen­sicht­li­che Abbau von Hemm­schwel­len und Emo­ti­ons­bar­rie­ren gegen­über der Partei.

Als die AfD 2018 mit 18% ihren letz­ten Umfra­ge­re­kord hat­te, waren es immer­hin noch 66%, die anga­ben sich unter kei­nen Umstän­den vor­stel­len zu kön­nen, die Par­tei zu wäh­len. Über die letz­ten Jah­re waren es dann sogar stets mehr als 70%, die eine Wahl der AfD kate­go­risch aus­ge­schlos­sen haben.

Das erwei­ter­te Wäh­ler­po­ten­ti­al, also jene, die die AfD als alter­na­ti­ve Wahl­prä­fe­renz anga­ben, lag selbst 2018 bei ledig­lich 5%.

Nun scheint sich die­se grund­sätz­li­che Ableh­nung jedoch lang­sam zu lockern. Nur noch 55% schlie­ßen eine Wahl der AfD kate­go­risch aus. Der Gesamt­po­ten­ti­al­raum hat sich mit inzwi­schen 10% sogar ver­dop­pelt. Die stra­te­gi­sche Ziel­mar­ke einer 20% + X Par­tei ist also unter Addi­ti­on des erwei­ter­ten Wäh­ler­po­ten­ti­als theo­re­tisch erreichbar.

Und das trotz Ver­fas­sungs­schutz­be­ob­ach­tung und anhal­ten­der media­ler Aus­gren­zung. Wei­te­re Nor­ma­li­sie­rungs­ef­fek­te zei­gen sich, wenn inzwi­schen 27% sagen, daß sie die AfD für eine “nor­ma­le demo­kra­ti­sche Par­tei” hal­ten. Ein Plus um fast 10% im Ver­gleich zu 2016. Und auch dies trotz einer medi­al stän­dig her­bei­ge­schrie­be­nen “Radi­ka­li­sie­rungs­spi­ra­le”.

Der gro­ße unbe­kann­te Fak­tor bleibt jedoch die natür­li­che Unge­wiss­heit dar­über, ob die­se Ent­wick­lung bereits die Vor­zei­chen eines län­ger­fris­ti­gen und sich ver­fes­ti­gen­den Trends abbil­det, oder ob wir es hier mit einer rei­nen Moment­auf­nah­me zu tun haben, die sich unter neu­en poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen schnell wie­der ver­flüch­ti­gen kann.

Nahe­zu alle kri­ti­schen und wohl­wol­len­den Beob­ach­ter sind sich einig, daß der aktu­el­le Umfra­ge­an­stieg gewiss nicht das Ergeb­nis von der inne­ren struk­tu­rel­len Stär­ke, Kam­pa­gnen­fä­hig­keit und Stra­te­gie der Par­tei ist. Selbst­ver­ständ­lich wird die­ser Trend maß­geb­lich von den aktu­el­len mul­ti­plen Kri­sen und Umbrü­chen getragen.

Ich sehe für die­se aktu­el­le Ent­wick­lung drei Fak­to­ren, die sich gegen­sei­tig bedin­gen als auch ver­stär­ken und von denen teil­wei­se auch schon frü­he­re Rechts­par­tei­en Wahl­er­fol­ge und Umfra­ge­hochs ein­fah­ren konn­ten. Hier­zu sei unter ande­rem auch auf mei­ne kürz­lich erschie­ne­ne IfS-Stu­die „Wer wählt Rechts“ verwiesen.

Im wesent­li­chen geht es um die Ver­schrän­kung von all­ge­mei­ner poli­ti­scher Unzu­frie­den­heit, Migra­ti­ons­ab­leh­nung und ein dazu­ge­hö­ri­ger ideo­lo­gi­scher und lebens­welt­li­cher Tiefenkonflikt. 

1 – Die grund­sätz­li­che Regie­rungs­un­zu­frie­den­heit. (Not­wen­di­ge Bedingung)

Über zwei Drit­tel sind mit der aktu­el­len Ampel-Regie­rung wenig bis gar nicht zufrie­den. Dies ist einer der höchs­ten Unzu­frie­den­heits­wer­te der letz­ten 10 Jah­re. In die­ser Stim­mungs­la­ge ori­en­tie­ren sich die Wäh­ler ganz natür­lich in die Rich­tung von oppo­si­tio­nel­len Alter­na­ti­ven, die als poli­ti­sches Pro­test­ven­til zur Ver­fü­gung stehen.

Die Fol­gen nach zwei­ein­halb Jah­ren Coro­na­kri­se, sowie die Ener­gie­kri­se und Infla­ti­on haben bereits die öko­no­mi­sche und sozia­le Ver­trau­ens­ba­sis der Gesell­schaft stra­pa­ziert. Die Ampel-Regie­rung ver­sucht zudem, für wei­te­re finan­zi­el­le Belas­tungs­pro­ben (Heiz­pa­ket, Deindus­tria­li­sie­rung, Mobi­li­täts­wen­de) der Bür­ger zu wer­ben. Hier sind die wei­te­ren wirt­schaft­li­chen Ein­schnit­te vor­pro­gram­miert und wer­den die grund­sätz­li­che Unzu­frie­den­heits­stim­mung womög­lich noch verstärken.

Öko­no­mi­sche Abstiegs­be­dro­hun­gen und Sor­gen allein kön­nen jedoch nur sel­ten allein den Erfolg rech­ter Par­tei­en erklä­ren. Die all­ge­mei­ne Frus­tra­ti­on ist zumeist auch an eine ganz kon­kre­te Unzu­frie­den­heit in Fra­gen der Migra­ti­ons­po­li­tik gekoppelt.

2 – Unzu­frie­den­heit in der Migra­ti­ons­po­li­tik (Hin­rei­chen­de Bedingung) 

Mit der the­ma­ti­schen Prio­ri­täts­ab­nah­me der Migra­ti­ons­po­li­tik sta­gnier­ten auch die Umfra­ge­wer­te und auch Wahl­er­geb­nis­se der AfD ab spä­tes­tens 2020 oder san­ken gar. Ein ähn­li­ches Mus­ter ließ sich auch schon Anfang der 90er Jah­re bei den Repu­bli­ka­nern beobachten.

Spä­tes­tens seit Beginn des Jah­res ist die Migra­ti­ons­fra­ge jedoch wie­der voll im öffent­li­chen Bewußt­sein prä­sent. Erin­ne­run­gen an das Kri­sen­jahr 2015 sind kei­ne pole­mi­schen Ver­glei­che mehr, son­dern wer­den durch die Zah­len auch bestä­tigt. Die Zahl der Asyl­an­trä­ge explo­diert, Kom­mu­nen sind über­for­dert, und selbst bis­wei­len ver­schon­te klei­ne länd­li­che Ort­schaf­ten bekom­men gan­ze Con­tai­ner­dör­fer mit Migran­ten vor die Haus­tür gesetzt. Seit Okto­ber 2022 sind laut IPSOS Insti­tut die Sor­gen im Zusam­men­hang mit der Migra­ti­on um 11% ange­stie­gen. „Gro­ße Sor­gen“ machen sich laut Allens­bach inzwi­schen 39%.

Der höchs­te Wert seit der gro­ßen Migra­ti­ons­kri­se zwi­schen 2015–2016. 57% fürch­ten eine Wie­der­ho­lung der Situa­ti­on aus die­sen Jah­ren. Bei dem Insti­tut You­Gov ver­drängt das The­ma Ein­wan­de­rung seit knapp drei Mona­ten sogar die bis­he­ri­gen Top­the­men Kli­ma, Krieg und Inflation.

Mehr als die Hälf­te der Deut­schen sieht in der Zuwan­de­rung mehr Nach­tei­le als Vor­tei­le. Zuletzt wur­de die­se Fra­ge im ARD-Deutsch­land­trend im Janu­ar 2017 behan­delt, also in einer Zeit, als die Jah­re 2015 und 2016 noch sehr prä­sent waren in den Köp­fen. Dort waren es noch 4% weni­ger als heute.

Wir wis­sen zwar, daß die Bevöl­ke­rung in Migra­ti­ons­fra­gen schon lan­ge eine mehr­heit­lich restrik­ti­ve­re Linie befür­wor­tet, die sich aber nicht deckungs­gleich mit der Zustim­mung für eine migra­ti­ons­kri­ti­sche Par­tei wider­spie­gelt. Durch das Hin­zu­tre­ten wei­te­rer Unzu­frie­den­heits­pa­ra­me­ter und das popu­lis­ti­sche Momen­tum kön­nen sich rech­te Wäh­ler­po­ten­tia­le im Elek­to­rat konkretisieren.

In der Migra­ti­ons­fra­ge zeigt sich auch ein­mal mehr der ein­zig wahr­ge­nom­me­ne Kom­pe­tenz­mar­ken­kern der AfD. 21% trau­en der Par­tei zu, daß sie den Zuzug wei­te­rer Migran­ten sinn­voll begren­zen wür­de. Nur die Uni­on kommt auf einen höhe­ren Wert von 25%. Bei der Gesamt­kon­zep­ti­on einer sinn­vol­len Migra­ti­ons­po­li­tik liegt sie mit 14% sogar vor allen ande­ren Parteien.

3 – Tie­fe gesell­schaft­li­che Trans­for­ma­ti­ons­kon­flik­te.

Wenn wir genau­er auf die INSA-Poten­tia­le schau­en, so läßt sich bei der AfD seit eini­gen Mona­ten eine ste­ti­ge Absen­kung einer wich­ti­gen Bar­rie­re fest­stel­len: Immer weni­ger Wäh­ler kön­nen sich unter kei­nen Umstän­den fest­stel­len, der Par­tei ihre Stim­me zu geben.

Bei den Grü­nen ver­läuft die­ser Trend in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung. Vor dem Ein­tritt in die Ampel-Koali­ti­on konn­ten sich nur zwi­schen 25–30% kei­nes­falls vor­stel­len, die Grü­nen zu wäh­len. Inzwi­schen sind es über 40% der Wäh­ler, die die Grü­nen auf ihrer kate­go­ri­schen Aus­schluss­lis­te haben. Das erwei­ter­te Wäh­ler­po­ten­ti­al der Grü­nen ist von ihren Hoch­zei­ten (2019–2020) von 24% auf nun 16% zusammengeschrumpft.

Auch bei den Poli­ti­ker­ran­kings sind die bei­den pro­mi­nen­ten Zug­pfer­de der Grü­nen, Habeck und Baer­bock, inzwi­schen deut­lich zurück­ge­fal­len. Wäh­rend sich das AfD-Wäh­ler­po­ten­ti­al aktu­ell dyna­mi­scher aus­dehnt und neue Sphä­ren erschließt, ver­dich­tet sich der grü­ne Wäh­ler­raum auf sei­nen aka­de­misch-urba­nen Kern.

Die gegen­sei­ti­ge ideo­lo­gi­sche und auch lebens­welt­li­che Abgren­zung zwi­schen Grü­nen und AfD dürf­te einer der stärks­ten Mobi­li­sie­rungs­fak­to­ren sein. In kaum einem par­tei­po­li­ti­schen Kon­kur­renz­ver­hält­nis spie­geln sich so vie­le ele­men­ta­re Pola­ri­sie­run­gen und Gesell­schafts­kon­flik­te wie zwi­schen den AfD- und Grünen-Anhängern:

Auf der einen Sei­te das grün-aka­de­mi­sche Wohl­stands­mi­lieu in der Groß­stadt mit hohem Ein­kom­men in der Wis­sens­öko­no­mie und im Ver­wal­tungs­sek­tor. Und auf der ande­ren Sei­te der länd­lich bis klein­städ­ti­sche Arbei­ter mit ein­fa­chem Bil­dungs­ab­schluss, mitt­le­rem Ein­kom­men und zumeist tätig im ver­ar­bei­ten­den und pro­du­zie­ren­den Gewerbe.

Die unter­schied­li­chen Lebens­bil­der der pro­to­ty­pi­schen Grü­nen und AfD-Anhän­ger­schaft sind ein über die letz­ten Jah­re ein­ge­brann­ter gesell­schaft­li­cher Tief­en­kon­flikt, der der Kraft­stoff für die AfD ist. Umso stär­ker und kom­pro­miß­lo­ser die Ampel-Koali­ti­on eine Gesell­schafts­po­li­tik gegen die Bevöl­ke­rungs­mehr­heit betreibt, umso grö­ßer wird auch das Abgrenzungsbedürfnis.

Zwar ver­sucht sich die Uni­on in die­sem „Kampf um die Nor­ma­li­tät“ an die Spit­ze zu set­zen, aber sie kann kaum glaub­wür­di­ge Gegen­an­ge­bo­te machen. Der Nim­bus von Fried­rich Merz als neue „kon­ser­va­ti­ve Hoff­nungs­fi­gur“ scheint sich lang­sam auf­zu­lö­sen. Die CDU ist pas­siv und wenig angriffs­lus­tig. Sie wird wei­ter­hin als Estab­lish­ment-Par­tei wahr­ge­nom­men und muß auch jeder­zeit ihre in den letz­ten Jah­ren hin­zu­ge­won­ne­nen Wäh­ler der lin­ken Mit­te hal­ten können.

Die AfD kann sich somit als der glaub­wür­digs­te und auch schärfs­te Ant­ago­nis­mus zu den Grü­nen und dem mit ihnen ver­bun­de­nen Zeit­geist posi­tio­nie­ren. Solan­ge die­se pola­ri­sier­te Front auf­recht­erhal­ten bleibt und sie sich auf die unmit­tel­ba­ren Lebens­be­rei­che und klas­sisch kon­ser­va­ti­ven Schutz­gü­ter (Auto, Haus, Fami­lie, Kin­der) aus­wirkt, bin ich davon über­zeugt, daß die AfD in den kom­men­den Jah­ren ihre fes­te Stamm­wäh­ler­schaft auf 15% aus­bau­en wird und in einem güns­ti­gen poli­ti­schen Dis­kurs­um­feld auf 18–20% aus­grei­fen kann.

Die Gene­ral­pro­be dafür wer­den die im nächs­ten Jahr statt­fin­den­den Land­tags­wah­len im Osten und die Euro­pa­wahl sein. In allen drei Ost-Bun­des­län­dern, wo 2024 gewählt wird, setzt die AfD auf Sieg. In Thü­rin­gen und Sach­sen sehen wir bei den Alt­par­tei­en bereits eine Ver­min­de­rung der stra­te­gi­schen Optio­nen für eine wei­te­re Aus­gren­zung der AfD. Mit 30% + X wird es schwie­rig wer­den, lang­fris­ti­ge und sta­bi­le par­la­men­ta­ri­sche Mehr­hei­ten gegen die AfD zu organisieren.

Wir sehen also: Gestal­tungs­spiel­raum schafft sich die AfD nur über die eige­ne Stärke!

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

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Kommentare (48)

quer

18. Mai 2023 10:16

M.E. verharrt die AfD im Tiefschlaf und läßt ihr Potential ratlos zurück. Bislang jedenfalls, hat sie die einmalige Chance verpasst die Befindlichkeiten fast aller Bevölkerungsgruppen aufzunehmen und zu verbinden. Erklärung: Noch nie in der Geschichte des Landes und Europas wurde der Versuch unternommen, den Leuten vorzuschreiben, wie und wann sie ihre Wohnungen zu heizen/wärmen haben. Noch nie zuvor wurde der Versuch unternommen, 90% aller Gebäude quasi zu unbewohnbaren Ruinen zu erklären. Hier geht es wirklich ans Eingemachte. Eine Hyperinflation ist dagegen ein Kindergartenspielchen. Einfach mal 100 Jahre zurückblicken: Die Substanz blieb.
Migration hin, Migration her: Heizen und Dämmen ist das Thema, welches jeden Menschen betrifft und anspricht: Jeder wird sich den Arsch abfrieren, kein Warmwasser haben und obendrein im Blackout sitzen. Das Generalthema für die AfD und als einzige Partei da glaubwürdig. Aufwachen also und sich an die Spitze des Protests setzen!

RMH

18. Mai 2023 12:10

"Die Generalprobe dafür werden die im nächsten Jahr stattfindenden Landtagswahlen im Osten und die Europawahl sein."
Moment - davor sind erst noch die Wahlen in Bayern. Bayern hat mehr Einwohner als alle sog. neuen Länder (ohne das ehem. Ostberlin) zusammen. Das fällt in der all-in-east Strategie der AfD offenbar unter den Tisch. Die letzte Prognose (infratest-dimap) zeigte für die AfD in Bayern immerhin 12%, Tendenz auch dort steigend, trotz - vorsichtig formuliert -"dünner" Personaldecke und unbekannter Akteure bei der bayer. AfD und Konkurrenz durch freie Wähler, FDP und ja, sogar der CSU. Man rechne die Verhältnisse einmal auf einzelne Wählerköpfe um. Bayern hat ca. 9,4 Mio Wahlberechtigte. Mehr als Thüringen, Sachsen und Brandenburg zusammen. Überhaupt haben Bayern, Baden-Württemberg und NRW die meisten Wähler in ganz Deutschland. Die all-in-east Strategie führt daher langfristig nur zur gesamtdeutschen Bedeutungslosigkeit der AfD und zur Regionalpartei Mitteldeutschland ohne gesamtdeutsche Schlagkraft, denn von Koalitionen ist man auch dort noch weit entfernt. Manche wünsche sich diese neue mitteldeutsche Kraft und eine Spaltung ja - ich halte es hingegen mit Arndt: Das ganze Deutschland soll es sein, selbst wenn die Bundesrepublik nur einen Torso bildet.

Nemo Obligatur

18. Mai 2023 17:47

"Die all-in-east Strategie führt daher langfristig nur zur gesamtdeutschen Bedeutungslosigkeit der AfD und zur Regionalpartei Mitteldeutschland ohne gesamtdeutsche Schlagkraft, ..."
Jein. Von den Zahlen her haben Sie recht. Der entscheidende Unterschied scheint mir zu sein: In Bayern nimmt die AfD so oder so Platz auf den Oppositionsbänken, ob sie dort nun 8%, 10% oder 12% erzielt. In Thüringen oder Sachsen kann eine Situation entstehen, wo ohne die AfD die CDU mit der Linkspartei kooperieren muss oder die AfD Regierungsverantwortung übernehmen kann. Derzeit ist die Linkspartei auf die Duldung durch die CDU angewiesen. Irgendwann wird Teilen der CDU darüber (hoffentlich) der Kragen platzen. Irgendwo muss man ja mal anfangen mit der Erneuerung Deutschlands.
Nebenbei bemerkt: wieder eine großartige Analyse von Herrn Fiß.
 

tearjerker

18. Mai 2023 19:03

Wie @quer richtig anmerkt kommt aus der Partei zu wenig, auch wenn der Graichen-Sturz massgeblich von ihr ausging. Glücklicherweise macht die Union ihre Sache noch schlechter. Es war wohl nie so einfach die Leute gegen Regierungspositionen zu polarisieren wie jetzt. Stattdessen fraternisiert man mit Iwan und erreicht das Gegenteil. Nur schlechtes Timing? Möglichst schnell auf Neuwahlen im Bund drängen und dann die CSU unter die für die Berliner Fraktion notwendige Prozentzahl drängen. Das wäre ein Wirkungstreffer.

Laurenz

18. Mai 2023 19:51

Kann mich der Sicht von Quer & RMH auf die AfD nicht anschließen. Quer scheint einfach keine Bundestagsdebatten zu schauen. Ich habe einfach, die Jutjub-Kanäle der jeweiligen AfD- Fraktionen abonniert & kann mir daher viele Reden anschauen. Alle Themen, die Quer zitierte, werden ausgiebig von der AfD abgearbeitet. Wir können über die Reichweite streiten & die monetären Möglichkeiten, diese auszubauen, aber die Klickzahlen sind in den letzten beiden Jahren eindeutig gestiegen. Die AfD-Bundestagsfraktion ist so gut, wie noch nie zuvor, weil die verbliebenen Liberalen so intelligent scheinen, zu wissen, daß man mit liberalen Lösungsansätzen keine Wählerstimmen gewinnt. RMHs Kritik an der West-AfD ist hanebüchen. Natürlich haben die Landesverbände Saarland, Bayern, Bremen, Niedersachsen interne Schwierigkeiten, völlig unprofessionell. In Hessen unterjochen 4 Kreisverbände den Rest. Aber, RMH, man kann nur mit denen arbeiten, die da sind. Hat das SiN-Forum jemals debattiert, daß alles, was in CDU & SPD jemals konservativ roch, radikal aussortiert wurde. Im Westen liegt nachwievor materiell weniger Betroffenheit vor. Auch das wird sich ändern. Der Schmerz belehrt fast jeden.

Ein gebuertiger Hesse

18. Mai 2023 20:10

@ quer
"Das Generalthema für die AfD und als einzige Partei da glaubwürdig. Aufwachen also und sich an die Spitze des Protests setzen!"
Es sei denn, es werden Strippen gezogen in der Partei, die gerade das nicht zulassen wollen, siehe etwa das Total-"Versagen" bei der Bremen-Wahl neulich. 

MarkusMagnus

18. Mai 2023 22:19

@ Laurenz
Ich sehe die AFD im Moment auch sehr positiv. In den Bundestagsdebatten werden die Grünen von der AFD regelmäßig und regelrecht zerrissen.
Die Rede vor ein paar Wochen von Peter Bystron war sehr stark und ganz nach meinem Geschmack:
"Die USA von Epstein, Biden, Zuckerberg, Sorros sind nicht unsere Freunde". 
Hier nochmal zum Genießen.
https://youtu.be/i_8XrfbHveQ
Sagen wir so: Die AFD macht gerade eine gute Figur aber hat noch Potential. Und das fürchten sie. Es wird der AFD natürlich auch leichtgemacht bei solchen unfähigen  Gegnern. 
Aber Vorsicht! Die Strippenzieher können auch "rechts", vor Allem wenn es darum geht die Leute zu verarmen. Die AFD muss eine soziale Partei werden. 
Ich mag so Leute wie Pazderski nicht, die sich schon über Malermeister und Lehrer abfällig äußern. Herr Höcke ist immerhin Studienrat und ich finde es gut das auch Handwerker in den Bundestag oder Landtag einziehen können, und nicht immer nur Hochstudierte.
Nichts gegen Frau Weidel, sie ist sehr intelligent und kommt auch immer besser rüber. Aber es geht auch um andere Perspektiven.
Wie denkt einer wie Pazderski dann über einfache Lagerarbeiter wie mich wenn der schon so über Höcke und Chrupalla redet?

quer

18. Mai 2023 22:40

Interessante Argumente bezüglich AfD. Egal: Es ist eine Chance, den Menschen/Wählern klar zu sagen: Wenn wir igendwo mitbestimmen oder mitwirken können, versprechen wir, daß der ganze Heizungsunfug für null und nichtig erklärt wird. Gleiches gilt für "Dämmung"/Zerstörung der bestehenden Bausubstanz. Dies verbunden mit dem Hinweis und Beleg, daß alle anderen in Abstufung sich für die Zerstörung entschieden haben (werden).
Alle politischen Aktivitäten der AfD müssen in diesem Thema gebündelt werden. Das begreift auch der kleine Sozi und Gerkschafter, dem (und seinen Kindern) gerade das ersparte klein Häuschen genommen wird. Jahrelanger Urlaub auf Terrassien lösen sich als bekloppte Vorsorge auf....

RMH

19. Mai 2023 07:26

@Larenz: "daß man mit liberalen Lösungsansätzen keine Wählerstimmen gewinnt."
Das jeder sein Haus so beheizt und so für Warmwasser sorgt, wie er es einmal entschieden hat oder aktuell entscheiden will, also mit seinem Eigentum umgeht, wie er es will, ist doch klar liberal. Eigentum und Erspartes (= Lebensleistungen) schützen ist liberal - Steuern und Abgaben, mal offen, mal verdeckt erhöhen, Gängelung des Bürgers bis ins Schlafzimmer hinein ist illiberal und links. Pochen auf die Freiheitsrechte des Grundgesetzes (bspw. während Corona oder bei den laufenden, politisch motivierten Verfahren) ist liberal. Die AfD hat einen tiefen, liberalen Kern, den man nicht wegreden kann nur, weil man irgenwann, irgendwo gelesen (aber es offenbar nicht verstanden hat) "der Liberalismus" sei DIE Ursache allen Übels. Wenn man jetzt Probleme damit hat, liberales als liberal zu bezeichnen weil man Angst hat, mit der FDP verwechselt zu werden, dann ist das eine andere Diskussion. Hier in diesem Forum sollte das Niveau aber hoch genug sein, dass kein solcher "Wording"-Zinnober betrieben werden muss.
Mit den BT-Reden haben Sie im übrgen recht. Die AfD ist im Bundestag gut aufgestellt, mancher dort wäre aber besser in seinem Landesparlament/Landesverband geblieben, denn auch dort werden gute Leute gebraucht, um substantiell eben das ganze Land für sich gewinnen zu können.

Daniel Fiß

19. Mai 2023 07:36

Und davor ist auch noch Hessen, wo die AfD ebenfalls zweistellig werden könnte. Ich habe hier aber jedoch jene Wahlen aufgezählt, die für die Partei ab nächstem Jahr zumindest den größten symbolischen Wert haben. Von einer Spaltung zweier Parteiteile oder einer All-In-East Strategie habe ich nie geschrieben. Ich sehe den Osten jedoch als Rammbock in Richtung politischer "Normalisierung". Der Osten ist für die AfD die Bewährungsprobe, wo sie ihren politischen Gestaltungswillen unter Beweis stellen wird müssen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird dort der erste AfD-Landrat, Bürgermeister oder gar Minister kommen.

Laurenz

19. Mai 2023 08:58

@RMH @L.
Wir sind uns in der Liebe zur persönlichen Freiheit wohl ausnahmsweise hier alle einig, RMH. Wenn es Ihnen zur Freude gereicht, kann man das auch als liberal bezeichnen. Auch, was die von Ihnen benannte weltweite Rekord-Steuer- & Abgabenlast der Deutschen betrifft, will ich Ihnen auch nicht widersprechen, wir sind ein geschundenes Volk, was auf Kosten seiner Substanz lebt. Da Sie mir geantwortet haben, schildere ich Ihnen meinen Standpunkt. Für mich ist die persönliche Freiheit, wie auch die freie Verfügbarkeit über das Eigene, das Eigentum, soweit gesetzlich konform, ein fast apolitischer, sehr deutscher Wert. Er wird nur zum Politikum, wenn üble Schergen & Kriminelle im Amt die Freiheit einschränken, was wir seit einiger Zeit erleben müssen. Aber auch Sie werden zugeben müssen, daß mit dem Terminus Liberalismus vor allem die eminente Ökonomie gemeint ist. In den Augen der FDP war das schon immer ein Edelsozialismus zugunsten der eigenen Klientel. Ich habe übrigens auch die Kanäle der meisten AfD-Landtagsfraktionen abonniert. Auch das kann man sich über die Qualität der Redebeiträge nicht wirklich beschweren, auch über die im Westen nicht.

RMH

19. Mai 2023 09:32

@Daniel Fiß,
Sie haben natürlich recht, dass Sie mit Ihrem Beitag keine alles in den Osten Strategie predigen. Unabhängig von Ihrem wie immer hervorragend aufgearbeiteten Zahlenmaterial ist mir aber aufgefallen, insbesondere beim Bundessprecher Chrupalla, dass mancher scheinbar eine Art Entscheidungsschlacht Ost (eigentlich Mitte, von meiner Heimat in Bayern ist Thüringen im Norden) sieht. Da wollte ich Widerspruch einlegen. Auch mit vermeintliche "ost-spezifischen" Themen kommt man an eine Grenze und die Grenze kann man so definieren, dass die anderen im Zweifel lieber mit der Linken zusammenarbeiten, als dem Wählerwillen zu folgen. Die AfD muss im Zweifel mehr Prozente holen, als knapp unter 30%, nur so klappt es mit dem Rammbock. Dazu hat man dann am Ende doch wieder "bürgerlicher" zu werden. Das ist zugegebenermaßen alles nicht einfach. Mit einer Art Bestrafungslust die Krisen herbei zu krakelen, wie der eine oder andere hier im Debattenraum es pflegt, ist auf jeden Fall der sichere Weg, dass es nicht mehr %e bei den kommenden Wahlen werden, denn jetzt nähert man sich eben auch so langsam aber sicher der "Mitte" an und kann nicht nur die reine Protestkarte spielen.

Le Chasseur

19. Mai 2023 10:17

@tearjerker
"Möglichst schnell auf Neuwahlen im Bund drängen und dann die CSU unter die für die Berliner Fraktion notwendige Prozentzahl drängen. Das wäre ein Wirkungstreffer."
Das wird nicht passieren, dazu sind die bayerischen Wähler mehrheitlich zu dumm. Die fallen wieder auf den Bauernfänger Söder rein:
https://www.merkur.de/politik/bayern-umfrage-landtagswahl-soeder-gruene-aiwanger-csu-freie-waehler-sonntagsfrage-br-zr-92283104.html
Bei einer vorgezogenen Bundestagswahl wäre die CSU noch stärker, weil sie sich wieder als einzige Partei inszenieren würde, die die bayerischen Interessen vertritt. Das neue Wahlgesetz könnte viele bayerische Wähler motivieren, CSU zu wählen, die sonst vielleicht die Freien Wähler, SPD oder AfD wählen würden. Es wird von der CSU ja auch als ein gegen Bayern gerichtetes Gesetz verkauft.
Ach ja, Frau Merkel wird für ihre katastrophale Politik von Söder demnächst mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet: https://www.merkur.de/politik/angela-merkel-markus-soeder-bayerischer-verdienstorden-verleihung-csu-bayern-seehofer-cdu-alt-kanzlerin-92280373.html

Waldgaenger aus Schwaben

19. Mai 2023 10:47

In der Analyse vermisse ich das höchst interessante Ergebnis aus Bremen, wo die AfD nicht angetreten ist. Ich vermute, der Autor hatte keine Zeit, das noch einzuarbeiten. Die AfD Wähler sind, den Zahlen nach, geschlossen zu den BiW gewechselt. Die BiW versteht sich selbst als zwischen der CDU und der AfD stehend. Insofern hätte die AfD im Westen kein Problem, wenn sie sich näher zur Mitte hinbewegte.
Es gibt die gar nicht so absurde These, dass rot-grün in der Migrationspolitik weiter eskaliert, um der AfD zu Lasten der CDU Wähler zuzutreiben. Stand heute müsste die CDU/CSU sich zwischen SPD und Grünen als Regierungspartner entscheiden, was de-facto eine Fortsetzung der heutigen Politik bedeutete und für die CDU wieder den Machtverlust nach sich ziehen würde. Trifft diese These zu, muss die CDU/CSU sich über kurz oder lang die Option öffnen, eine von der AfD geduldete Minderheitsregierung zu bilden. 

tearjerker

19. Mai 2023 11:09

@Laurenz: Es geht ja nicht um Bt-Debatten, sondern um lausige PR. Keine Sau sieht sich diese Debatten an. Dass mit der Kommunikation eher auf den Parlaments- und Politklüngel im eigenen Arbeitsumfeld gezielt wird, nährt den Verdacht, es ginge nur darum Teil des Kartells zu werden. Man profitiert derzeit nur von der lausigen Arbeit der Bundesregierung.
Die Trends in den Umfragen und dass sicher nicht alle ihre wahren Sympathien bekennen deutet darauf, dass die Alternative auf Bundesebene vor der Kanzlerpartei landen könnte. Wie würde darauf wohl reagiert?

Laurenz

19. Mai 2023 12:41

@Tearjerker @L.
Warum fordern Sie von der AfD mehr als von anderen Parteien? Demenz-Scholz wurde Kanzler, indem er Bildchen von sich aufhängen & Respekt drauf schreiben ließ. Das war's. Sonst hielten alle in der SPD ein 3/4 die Klappe, das reichte, um fast 10% an Boden gut zu machen. Die Kommunikation ist eine Geldfrage. Ich hatte hier schon mal gepostet, was Kampagnen kosten. Was meinen Sie, wie der Reliotius 1.000 Mitarbeiter bezahlt? Das sind im Jahr 60-70 Mio. Euros. Mit 700k verkauften Exemplaren im Jahr kommen die Fantasy-Autoren von der Alster nicht weit.
@Waldgänger aus Schwaben
Insofern hätte die AfD im Westen kein Problem, wenn sie sich näher zur Mitte hinbewegte....die AfD ist bereits links der Mitte, sie macht frühere oder historische SPD-Politik. Alle anderen Parteien sind bereits seit 15 oder 20 Jahren kultur-marxistisch. Wenn die AfD sich dem Kultur-Marxismus öffnen würde, gäbe es keinen Grund mehr sie zu wählen. In Österreich ist man schneller als bei uns. Der geschickte & erfolgreiche Stratege Kickl grenzt sich immer weiter ab & wendet sich offen Orban zu.

Allnichts

19. Mai 2023 13:27

Ich sehe nicht, dass sich grundsätzlich etwas geändert hätte. Die AfD ist im Osten der BRD zumindest auf dem Papier auf dem Weg zur Volkspartei, während sie in den westlichen Bundesländern irgendwo zwischen 5 und 15 % bleibt. Nicht nur die AfD konnte seit der letzten Bundestagswahl gut dazugewinnen, sondern auch die Union. Viele sind von der SPD, wohl vor allem von Scholz enttäuscht, viele sind von den Grünen enttäuscht, insbesondere auch viele Grüne, viele sind von der FDP enttäuscht, die Linke bleibt mehr oder weniger unverändert bzw. verliert leicht, und der Teil der Opposition, der im Allgemeinen als rechts von der Mitte stehend wahrgenommen wird, profitiert. Die "eigene Stärke" der AfD liegt also weiterhin zu einem guten Teil in zwei auch im Text angesprochenen Aspekten: Schwäche der anderen, deutlichster Gegenspieler des Zeitgeistes unter allen relevanten politischen Parteien. Irgendwann werden CDU und AfD im "Osten" miteinander koalieren und ich bezweifle stark, dass sich die AfD als regierungsfähig und innerlich stabil zeigen wird. Ich für meinen Teil kann weder mit der liberalen und systemtreuen Weichspüler-West-AfD noch mit der russland- und chinafreundlichen Polter-Querdenker-Ost-AfD wirklich viel anfangen.
 
Im Übrigen sind die derzeitigen Regierungsgrünen hinsichtlich ökologischer Fragen nicht zu kritisieren, weil ihre Maßnahmen zu radikal sind, sondern weil sie nicht radikal sind.

Ordoliberal

19. Mai 2023 13:56

@laurenz
"Aber auch Sie werden zugeben müssen, daß mit dem Terminus Liberalismus vor allem die eminente Ökonomie gemeint ist."
Ich bezweifle, dass RMH das zugeben wird, denn es ist falsch. Da sind Sie leider auf die Propaganda der Linken hereingefallen. Nicht zufällig waren von Mises und Hayek ausgebildete Juristen, die die Marktwirtschaft nicht nur als Folge, sondern auch als Bedingung der Menschenrechte sahen. Ihre Grundfrage war: Wie muss das Recht beschaffen sein, damit die Grundrechte des Bürgers weder durch den Staat noch durch andere Bürger verletzt werden können? Aus den Rechtsprinzipien, die man dafür annehmen muss, folgt der freie Markt. Nicht umgekehrt. Lesen Sie von Mises' "Human Action". Da lernen Sie, dass der Liberalismus viel, viel mehr ist als nur eine ökonomische Theorie.

Dietrichs Bern

19. Mai 2023 16:35

@Allnichts "Im Übrigen sind die derzeitigen Regierungsgrünen hinsichtlich ökologischer Fragen nicht zu kritisieren, weil ihre Maßnahmen zu radikal sind, sondern weil sie nicht radikal sind."  - Nun, das mag sich aus der Perspektive reicher Sprösslinge, oder des höheren Berufsbeamtentums, denen die alltägliche Daseinsfürsorge nichts sagt, durchaus ergeben. 
Für den einfachen Arbeiter und Angestellten, den Rentner mit älterem Haus, ist die in ihrem Weltbeherrschungswahn und latenter Agressivität deutscheste aller Parteien, reale Lebensgefahr.
Das erscheint mir ziemlich radikal.
 

Gustav

19. Mai 2023 16:44

Zur Erinnerung:
„Jeder Deutsche hat die Freiheit, Gesetzen zu gehorchen, denen er niemals zugestimmt hat; er darf die Erhabenheit des Grundgesetzes bewundern, dessen Geltung er nie legitimiert hat; er ist frei, Politikern zu huldigen, die kein Bürger je gewählt hat, und sie üppig zu versorgen – mit seinen Steuergeldern, über deren Verwendung er niemals befragt wurde. Insgesamt sind Staat und Politik in einem Zustand, von dem nur noch Berufsoptimisten oder Heuchler behaupten können, er sei aus dem Willen der Bürger hervorgegangen.“ Hans Herbert von Arnim
"Mehr als 50 Jahre Elitendemokratie haben uns gezeigt, wohin dieser Weg führt. Es ist der Weg der Zerstörung. Der Zerstörung von Gemeinschaft, der Zerstörung der Idee von Gemeinschaft, der millionenfachen Zerstörung von Leben, der Zerstörung von kultureller und zivilisatorischer Substanz – vor allem in der Dritten Welt – und der Zerstörung unserer ökologischen Grundlagen. Die Nutznießer dieser Zerstörung haben keinen Grund, diesen Weg der Zerstörung zu ändern."
Rainer Mausfeld 

Laurenz

19. Mai 2023 22:52

@Ordoliberal @L.
Ich habe das wesentliche über & von diese 2 Herren gelesen. Das ist Religion & von Mises, wie (von) Hayek sind Propheten. Sie, Ordoliberal, sind ein Gläubiger. Beides waren akademische Geister, Systemschranzen. Beide waren beim Militär. Aber sonst haben beide nie was richtiges gearbeitet. Beide waren auch als Akademiker hoch dekoriert. Aber was heißt das schon? Die letzten große Auszeichnung erhielt Hayek vom alten Bush. Nachdem Clinton dran war, war alles vorher Makulatur. Der bekannteste & einflußreichste Politiker, der sich offen zu Hayek bekannte, war Margaret Thatcher. Das Resultat dieser Hayek'schen Politik Thatchers war, daß ein großer Teil der Industrie aus Klein-Britannien abwanderte, ein Verlust von dem sich der Inselstaat bis heute nicht erholt hat. Hayek setzte sich auch für den Falkland-Krieg ein, obwohl seine ursprüngliche Motivation war, Kriege vermeiden zu wollen. Wenn die USA nicht eingegriffen & Argentinien zum Einlenken gezwungen hätte, wäre die gesamte Royal Navy im Südatlantik nach & nach abgesoffen. Wenn Menschen Glaubensregeln umsetzen wollen, resultiert grundsätzlich ein anderes Ergebnis, als in der Motivation propagiert. Wer wüßte das nicht besser als unsere Katholischen Freunde, die schon 2k Jahre auf unseren Untergang warten.

Gelddrucker

19. Mai 2023 23:02

Respektabler Schub nach vorne, und das obwohl fast nichts entscheidendes gemacht wurde.
Die Reden im Bundestag eiern immer noch um den heißen Brei herum und das wichtigste, die demographische Aufklärung, wird im gesamten Widerstand sträflich vernachlässigt.
Die meisten "Patrioten", die ich persönlich kenne, ziehen es immer noch vor, sich abends irgendwelche Filme reinzuziehen oder PC-Spiele zu spielen anstatt patriotsch aktiv zu werden. Ich kann hier keine entscheidenden Aufrufe erkennen seitens der AfD, das zu ändern. Einzig die Einprozent-Initiative scheint mir hier löblich zu erwähnen zu sein.

Jungreaktionaer

20. Mai 2023 00:44

Wie immer eine hervorragende Analyse zur Lage.

Gracchus

20. Mai 2023 01:55

@Allnichts: wie sähe denn eine Partei aus, mit der Sie etwas anfangen könnten?
Ich kann mit Parteien generell nichts anfangen.
Das Interessante an der AfD ist, dass sie derart verfemt wird. In der WELT beschwört der Verfassungsrechtler Möllers eine Verfassungskrise herauf, sollte die Thüringische AfD, weil völkisch, Regierungsbeteiligung erlangen. Die Lektüre lohnt. 
Objektiv und neutral betrachtet ist die AfD nicht schlimmer (=extremer) als die Linke. Was die Wähler anbelangt, gibt es zwischen CDU und AfD gewiss Schnittmengen, die eine Koalitation plausibel erscheinen lassen - und dennoch würde sie eher mit den Linken koalieren oder gar auf die Regierung verzichten. Objektiv betrachtet ist dies irrational, es sei denn, es gibt einen tieferen Grund, einen verschwörungstheoretischen. 
Ob die AfD schon über ein Protestphänomen hinausgekommen ist? Den derzeitigen Höhenflug verdankt sie doch dem Protest. Und das obwohl sie medial totgeschwiegen wird (es denn, Chrupalla besucht die russische Botschaft). Mir erscheint das noch etwas fragil. Mag sein, dass die AfD im Osten bereits mehr Identifikationpotential besitzt. Was besagter Möllers auf autoritäre Vorlieben zurückführt. Man kann es auch umgekehrt sehen. Im Westen zündet die AfD aber nicht so richtig.

RMH

20. Mai 2023 10:04

@Laurenz,
außer Ausfällen ad hominem haben Sie kein einziges Sachargument gebracht - natürlich mit ihrem persönlichem ceterum censeo gegen die kath. Kirche/ das Christentum (die Möglichkeit des straffreies Auslebens ihres Christenhasses verdanken Sie übrigens auch nur dem bösen Liberalismus). Was ist daran schlimm, wenn die AfD einen de facto liberalen Kern hat? Das man eine Liberalismus-Allergie hat und das Wort liberal nicht leiden mag? Wo ist das Problem? In Bremen sollen angeblich ehem. AfD-Wähler wegen des Umstandes, dass die AfD nicht zur Wahl stand, der FDP das knappe Überschreiten der 5% Hürde gesichert haben (nach den Zahlen der Konrad Adenauer Stiftung hat die FDP in Bremen nur von der AfD und den Grünen (!) einen etwa gleichem Maß Wählerzufluss erhalten. Im Übrigen hat sie abgegeben). Also lassen Sie ihre albernen Feindmarkierungen einfach mal beiseite - in den genannten Punkten sind sie für die AfD nicht hilfreich. Ein liberales Rechtsstaatsprofil schadet - außer bei Linksparteien - eigentlich keiner Partei. Beim Wirtschaftsprofil geht der Streit dann naturgemäß los, aber wenn man für Privateigentum für alle ist, dann kann man sich auch hier einer liberalen Dosis nicht verweigern, denn sonst kann das Ziel nicht erreicht werden. 

Laurenz

20. Mai 2023 10:48

@Gelddruckerobwohl fast nichts entscheidendes gemacht wurde.... doch es gibt, zumindest im Bund weniger AfDinterne Konflikte.Die Reden im Bundestag eiern immer noch um den heißen Brei herum und das wichtigste, die demographische Aufklärung, wird im gesamten Widerstand sträflich vernachlässigt.....Können Sie uns dafür ein Rede- oder Publikationsbeispiel geben? Ich kann https://youtu.be/GhoU_mqq-Ds
@Gracchus @Allnichts
Ob die AfD schon über ein Protestphänomen hinausgekommen ist? .... Die Grünen schwankten die letzten Jahre zwischen 5 und 22%....  Den derzeitigen Höhenflug verdankt sie doch dem Protest.....Naja, die meisten Ampel-Protestwähler fallen der CDU zu, obwohl sich seit der Abrißbirne Germanys (Zitat Tim Kellner über Merkel) nichts in der CDU geändert hat. ..... ist die AfD nicht schlimmer (=extremer) als die Linke.... zwischen Die Linke auf der einen Seite & der Ampel, wie der CDU auf der anderen Seite, verbleiben Unterschiede im Bereich des Belanglosen, was auch der Grund für den Niedergang von Die Linke ist. ..... Im Westen zündet die AfD aber nicht so richtig.... Das verbleibt eine Frage der Zeit & der Veränderung der politisch herbeigeführten Lebensverhältnisse der Bürger.

Valjean72

20. Mai 2023 11:54

Allnichts:
"Im Übrigen sind die derzeitigen Regierungsgrünen hinsichtlich ökologischer Fragen nicht zu kritisieren, weil ihre Maßnahmen zu radikal sind, sondern weil sie nicht radikal sind."
So wie Ihnen die Corona- "Impf"-Masnahmen auch nicht radikal genug waren?
---
Dietrichs Bern:
"...in ihrem Weltbeherrschungswahn und latenter Agressivität deutscheste aller Parteien"
Kompliment, das hätte jemand von der anti-deutschen Antifa nicht besser formulieren können. Aber nein, eine Umerziehung fand/findet nicht statt ...

Allnichts

20. Mai 2023 14:40

Gracchus: 1/3 Das kann hier nur grob umrissen werden. Die Hauptziele einer solchen Partei wären: Wiederherstellung eines "weissen Europas", gemeinschaftswohlorientierte und ökologische Ausrichtung auf allen Ebenen, Rückbesinnung auf europäische Kultur, wissenschaftliche und technologische Fortschrittlichkeit, internationale Zusammenarbeit auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Achtung.Beispielhaft, zuerst Bevölkerungspolitik: mittelfristige Rückkehr aller Nichteuropäer bis auf bestimmte Ausnahmen; weitgehende Toleranz bei innereuropäischer Vermischung; der Versuch, ausserhalb Europas lebende Europäer zurückzuholen; Förderung von Familien; Stärkung ursprünglicher Rollenverteilungen zwischen Mann und Frau. Wirtschaftspolitik: unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten staatlich regulierte Wirtschaft nach Notwendigkeit, Nutzen oder - falls vertretbar - Wunsch; Verstaatlichung von Schlüsselindustrien u.ä., allgemeine Beschränkung privater ökonomischer Macht, Zerschlagung grosser Unternehmen usw., Verbot von Spekulation u.ä., Entschlackung der Wirtschaft; stärkere Beteiligung von Arbeitnehmern an Unternehmen und am Profit, Arbeitszeitverkürzung, langfristig eine nahezu bedingungslose existenzsichernde Grundsicherung bei gleichzeitig gesetzten Anreizen für die Aufnahme einer Arbeit.

Allnichts

20. Mai 2023 15:03

2/3 Umweltpolitik: Förderung des ökologischen Bewusstseins; der Einzelne und Gemeinschaft als Teile der Natur; Ökologie als eine entscheidende Grundlage aller relevanten Entscheidungen; Umbau auf möglichst 100% umwelt- und klimafreundliche Energien; Ausbau und Stärkung des ÖPNV, Verteuerung und teilweise Verbot des Individualverkehrs; ökologische Landwirtschaft; Verbot konventioneller Tierhaltung; Ausweitung von Naturschutzgebieten. Kulturpolitik: Rückbesinnung auf die europäischen Kulturen und Werte, ohne neue Einflüsse und Entwicklungen unbedingt auszuschliessen; Förderung des Gesunden und Schönen; allgemein stärkere öffentliche Sichtbarkeit und Wiederherstellung des Früheren, bspw. in der Architektur und Stadtplanung.
 
Wissenschaft, Technologie: möglichst Wissenschaft und Philosophie statt Religion; im Zweifelsfall Naturreligion und "Pantheismus" statt Christentum; Technologiefreundlichkeit, Entscheidung über Einsatz von Technologien nach Nutzen und Folgen, nicht nach reiner Machbarkeit. International: ein europäisches Bündnis möglichst gleichgesinnter Staaten, möglicherweise sogar ein politisch geeintes Europa der autonomen Völker; Wehrhaftigkeit; eine strikt antiimperialistische und anitkolonialistische Haltung; militärisches Eingreifen höchstens bei Angriffskriegen, Völkermorden anderer; Aufbau- und Entwicklungshilfe auch unter Inkaufnahme eigener Nachteile.

Allnichts

20. Mai 2023 15:27

3/3 Das ist ein vereinfachtes und idealistisches, kein realpolitisches Programm, zum dem es noch allerhand zu sagen gäbe, aber ungefähr dies würde mich ansprechen. In manchem kommt gerade die Ost-AfD dem sicherlich nahe, doch letzten Endes nehme ich nur allzu regelmässig dermassen grosse Unterschiede wahr, dass auch der Teil der AfD politisch gegensätzlich zu sein scheint.

Maiordomus

21. Mai 2023 07:00

@Laurenz. Ich gehe nicht davon aus, dass Sie Hayeks Hauptwerke gelesen haben, geschweige denn auf Niveau analysiert und kritisiert. Meinungen zu Kriegen sind nun mal Parteimeinungen, siehe Falkland, das ist klar, man sollte ehrlich zugeben, welche Seite man gewinnen sehen will, sei es in der Ukraine, seinerzeit in Vietnam, sei es im 2. WK, wo im übrigen 1945 in Deutschland wie 1941 Russland der Verteidigungsfall herrschte, weswegen beispielsweise für Deserteure die gleiche Rechtslage legitim war wie bei anderen angegriffenen Ländern, mehr muss dazu nicht gesagt werden. Jedenfalls hatte Frühaufsteher Hayek von ökonomischen Zusammenhängen eine Ahnung und mit Sicherheit um Welten mehr gearbeitet und geleistet als Sie, meist konstruktiv,  also bitte bei den Proportionen bleiben. Ich gehe mit Hayek, von dem ich Vorträge gehört habe,  um wie z.B. mit Friedrich Engels, der ebenfalls viele Zusammenhänge richtig gesehen hat. Überraschend: Engels hat mal den 1. Gedichtband von Annette von Droste-Hülshoff incl. Analyse ihrer HERKUNFT mit erstaunlich viel Verständnis FEINDBILDFREI besprochen. Das nenne ich Intelligenz und Horizont. 

Volksdeutscher

22. Mai 2023 22:07

Von Statistiken verstehe ich wenig, glaube ich jedoch, daß man größere Veränderungen in den Köpfen der Deutschen nur dann bewirken könnte, wenn man ihnen begreiflich machen würde, 1. daß es sich um die ins Land gelassenen Massen nicht um Migranten handelt, 2. daß die Migrationspolitik der Regierung gesetzeswidrig und für das deutsche Volk in kultureller, demographischer und politischer Hinsicht nachhaltig schädlich ist, 3. daß die Regierung dabei den Anweisungen einer demokratisch nicht legitimierten Privatmacht folgt und 4. daß die durch die Regierung vollzogenen absichtlichen Gesetzesbrüche der Zerstörung von Volk, Staat, Kultur und Geschichte dienen. Bis jetzt haben Politiker der AfD nur um den heißen Brei herumgeredet. Die Hintergründe, seien es angenommene oder beweisbare, finden ihrerseits keine Erwähnung.

Volksdeutscher

22. Mai 2023 22:09

@Gracchus - "In der WELT beschwört der Verfassungsrechtler Möllers eine Verfassungskrise herauf, sollte die Thüringische AfD, weil völkisch, Regierungsbeteiligung erlangen."
Was Möllers von sich gibt, ist ein vollkommener Unfug. Der Mann weiß nicht mehr zum Wort völkisch zu sagen, als das, was einem Historiker oder Staatrechtler des Systems dazu einfallen darf: Belangloses und Falsches zugleich. Was er in Worten vollzieht, ist ein Ritual, seine Treue zum Regime unter Beweis zu stellen. Denn wieso würde das eventuelle Mitregieren der AfD eine Verfassungskrise bedeuten? Man fragt sich, warum solche Figuren gerade jetzt aus dem Koma erwachen, warum ihnen nicht schon früher einfiel, vor einer Verfassungskrise zu warnen, als die Blockparteien in der Corona-Zeit den Rechtsstaat aushebelten und angesichts der fortdauernden Rechts- und Gesetzesbrüche in Finanz- und Migrationspolitik ihn immernoch ausgehebelt halten?

Gustav

23. Mai 2023 09:04

@ Maiordomus
Die Ökonomen der Österreichischen Schule waren von Anfang an ein Teil des angloamerikanischen politischen Netzwerkes, mit dem das GB und die USA beherrschende Großkapital (Rockefeller/Morgan etc.) Einfluss auf Kontinentaleuropa nahm. Später waren die Chicago-Boys von Milton Friedman (in Lateinamerika zur Zeit des polnischen Papstes ganz entscheidend vom Opus Dei unterstützt) ein zentrales Werkzeug der globalen Weltpolitik dieser vor allem auf die USA gestützten Hochfinanz für Lateinamerika und die Dritte Welt und dann auch für die ehemaligen Ostblockstaaten, die asiatischen Industriestaaten und China. Zu diesem Thema ist besonders lesenswert Die Schock-Strategie von Naomi Klein.
Die Austrian Economics baut auf der angloamerikanischen Klassik und Neoklassik mit Ricardo und Say auf, und war von Anfang an dafür gedacht, die deutsche Historische Schule zu zerstören.
 Die deutsche Historische Schule war der Ansicht, dass nicht der Modellbau und die Zirkelschlüsse aus den Annahmen über Gesetze der Ökonomie das ökonomische Denken bestimmen dürften, sondern die auf historische und gesellschaftliche Untersuchungen gestützte Beschreibung der tatsächlichen Vorgänge und Zusammenhänge. Das scheint auf den ersten Blick ganz vernünftig, bringt aber auf jeden weiteren Blick zum Beispiel geldpolitisch verursachte Wirtschaftskrisen in den Mittelpunkt der interessierten Betrachtung und deren Ursachen und Hintergründe an die breite Öffentlichkeit. Das galt es zu zerstören.

Dietrichs Bern

23. Mai 2023 10:30

@Valjean72 "Kompliment, das hätte jemand von der anti-deutschen Antifa nicht besser formulieren können. Aber nein, eine Umerziehung fand/findet nicht statt ..." 
Ich denke der Vorwurf geht ins Leere - der Anspruch die  Genesung der Welt betreiben zu können, ist eben ein sehr deutscher Anspruch,  der heute durch die Grünen am Leben gehalten wird und die grundsätzlich kurze Zündschnur zur Gewalt wird eindrücklich durch die aktuelle Panzerleidenschaft der Grünen als Belebung des Furore Teutonicus nachgewiesen. Eine Umerziehung war offensichtlich wirkungslos.

t.gygax

23. Mai 2023 16:50

@gustav
Ich fürchte,Sie liegen richtig mit Ihrer Beschreibung der "österreichischenSchule der Wirtschaftswissenschaft".Wenn ich Ihre Gedanken auf andere Bereiche übertrage-man kommt schon ins Nachdenken,warum die Psychologie vollkommen US-dominiert war nach 1945.Und warum ein exakter Wissenschaftler wie Konrad Lorenz, der strikt von der Beobachtung der Wirklichkeit ausging, von dem oberflächlichen System der Labor-Rattenversuche des Behaviourismus zum Schweigen gebracht wurde.Soviel zur Psychologie, zu anderen Zünften/Wissenschaften gäbe es auch noch einiges zu sagen.

Gimli

23. Mai 2023 19:05

Ich finde hier ein paar echt abwegige bis bizarre Positionen, die zwar intelligent formuliert sein wollen, im Kern aber immer ihre ideologische Fundierung durchscheinen lassen. Es gibt zwar keine Sicht ohne Standpunkt, aber immer wieder irgendwelche dunklen Hintermänner hinter ziemlich jeder "Mainstream"-Politik (zB Pandemie, Decarbonisierung) zu vermuten (zum Schaden des deutschen Volkes) ist ... verbohrt. Unplausibel. Das eigene Andersdenken dann mit einer Resilienz gegen vermeintliche subversive Umerziehung der schlafenden Massen zu verklären, erinnert mich an Sekten. Mein Horror: Auch das Christentum hat mal so angefangen. Wurde erfolgreich. Eine der größten Verblendungen der Menschheit. Seit der Aufklärung wieder im Rückzug. Zugunsten eines neuen Menschenbildes bzw: was Leben ist (Transhumanismus, synthetische Biologie). Dahin führt der Weg. Nirgends sonst. 

FraAimerich

24. Mai 2023 08:57

@Maiordomus: "Ich gehe mit Hayek, von dem ich Vorträge gehört habe,  um wie z.B. mit Friedrich Engels, der ebenfalls viele Zusammenhänge richtig gesehen hat."
 
Das ist ja auch vollkommen richtig so, weil Grundlage für eine sachliche Auseinandersetzung. Hier im Forum begegnet uns Hayek jedoch - und nicht erst seit kurzem, in der Regel als Propaganda-Ikone. Es lohnt kaum, darauf "ernsthaft" und sachlich zu erwidern. Zumal sich im Kommentariat außer seinen zwei bis drei erklärten Fans niemand für Hayek zu interessieren scheint.
Ich räume gern ein: im Vergleich zu heutigen Hayekianern ist Hayek ein recht sympathischer Kerl; im Vergleich zu Marx oder gar zu den Marxisten sowieso. Sehe jedoch nicht ein, warum ein Argument, das gegen Marx immer sticht, nämlich, daß seine Theorie an der Wirklichkeit bzw. "Umsetzung" scheiterte und sich somit als unbrauchbar (zudem brandgefährlich) erwies, auf Hayek nicht in Anschlag zu bringen sein sollte.
Auf den zweifelhaften realpolitischen "Gebrauchswert" der Idee vom "freien Markt" hat @Gustav erfreulich deutlich hingewiesen. 
Übrigens war auch Marx recht fleißig und hat "einige Zusammenhänge richtig erkannt" - etwa, daß die "Schattenseiten" des Kapitalismus durch Benimmkurse und Moralappelle nicht wirklich aufzuhellen sind. Will freilich auch keiner hören. 

Volksdeutscher

24. Mai 2023 09:09

@Laurenz - "Können Sie uns dafür ein Rede- oder Publikationsbeispiel geben?"
Gelddrucker hat im Großen und Ganzen recht. Schauen Sie sich mal die Website der AfD an - eine Symphonie der Langeweile! Die Besuchtheit der Seite dürfte, gemessen an den "Likes" recht niedrig sein, aber das scheint keinem zum Denken zu geben. Was für Banalitäten da breitgetreten werden und in welchem einfallslosen, die Wirklichkeit kommentierendem Stil: "das soll nicht, das darf nicht; wir sind dagegen, wir sind dafür; Danke für zehn Jahre AfD"! Nichts zu lesen und zu hören von Stellungnahmen zum Mordversuch am Schleswiger AfD-Abgeordneten Lund oder vom nahenden neuen totalitären Pandemievertrag der WHO, der Deutschlands Souveränität und unser aller Leben bedroht. Die Führung der AfD besteht wohl aus lauter Leisetretern, die kein einziges Wort über Hintergründe verliert und nur an der Oberfläche kratzt (oder zu kratzen fähig ist), um ja nicht mit irgendwelchen Interessevertretungen anzuecken. Sie werden mir zustimmen müssen, daß die von mir genannten Themen nun wirklich keine Bagatellen sind.

Gustav

24. Mai 2023 09:24

@ t.gygax
"Die vertraute Karikatur des bärtigen und ein Monokel tragenden Freud’schen  Analytikers, der den liegenden Patienten auf Erinnerungen schief gelaufener  Reinlichkeitserziehung und auf die Eltern gerichtete Wollust untersucht, ist  gegenwärtig ein Anachronismus wie überhaupt die fachliche Praxis dieser  meist inhaltsleeren und plaudernden Kunst. Wie eine solcherart ausgearbeitete  Theorie so weitläufig akzeptiert werden konnte – ohne die Grundlage eines  systematischen Beweises oder kritischer Experimente und angesichts des  chronischen Versagens der therapeutischen Interventionen in allen hauptsächlichen Klassen der mentalen Erkrankungen (Schizophrenie, Manie  und Depression) – ist etwas, das die Soziologen der Wissenschaft und der  landläufigen Kultur erst noch erklären müssen."  (Paul Churchland 1995, 181)
Im Jahre 1956 dann beklagte sich ein Psychiater im American Journal of Psychiatry: „Ist es möglich, dass wir die Entsprechung einer weltlichen Kirche entwickeln, unterstützt von Regierungsgeldern, besetzt mit einem Apostelamt unter der Gürtellinie, das unwissentlich eine Brühe von existenziellem Atheismus, Hedonismus und anderen zweifelhaften religiös philosophischen Inhalten zubereitet?“ (Johnson 1956,40).
Wer sich mit Franz Boas "Schule der Anthropologie" beschäftigt, weiß dann auch, was noch so alles von den Beinen auf den Kopf gestellt worden ist.

Dietrichs Bern

24. Mai 2023 09:24

@Gimli: Nun, ich finde Ihre Einlassung eher bizarr, lieber Gimli. An den Männern (und Frauen) der anglo-amerikanischen Milliardärsszene, die etwa die Kleber finanzieren, ist gar nichts "Hinter". Und das denen die Luft deutscher Großstädte am Herzen liegt, glauben Sie doch wohl selbst nicht. Und oh je natürlich das Christentum. Wie wohltuend undogmatisch kommen da unsere Trans Humanisten daher, wie etwa der der Schwab (ach das ist ja wieder Verschwörung).

Gustav

24. Mai 2023 10:42

@ Gimli
Rabulistik und Sophisterei... Damit können sie heute Bundeskanzler oder Außenminister in der BRD werden. Glückwunsch!

Gustav

24. Mai 2023 14:48

@ Gimli
"Zugunsten eines neuen Menschenbildes bzw: was Leben ist (Transhumanismus, synthetische Biologie). Dahin führt der Weg. Nirgends sonst. "
Es ist ein Endzeit-Kult, der ungleich stärker in der fundamentalen Weltanschauung vieler Menschen verankert ist als es das Corona-Narrativ je sein wird. Denn er wird seit mindestens 50 Jahren medial installiert und seither kontinuierlich in das Selbstverständnis postmodernen Zusammenlebens einmassiert. Bio, Öko, Anti-AKW-Bewegung, Greenpeace – you name it. Konsens all dieser Strömungen: der Mensch ist das Problem. Der Feind. Sein eigener. Eine autoaggressive, destruktive Startkoordinate. »Die Wissenschaft« hat dabei längst die Rolle klerikaler Führer vergangener Zeiten eingenommen – und darf dementsprechend nicht mehr hinterfragt werden. Nicht von ungefähr titelte das  Forbes-Magazine  schon im Juli 2020 vielsagend: »You Must Not Do Your Own Research When It Comes To Science« (D., »Wenn es um Wissenschaft geht, dürfen Sie keine eigene Forschung betreiben«).
Wohin derart blindes Vertrauen führt, haben die mannigfaltigen Kollateralschäden der vermeintlichen Pandemie ebenso gezeigt wie die verachtenswerte Kriegstreiberei imperialistischer Hegemonien jedweder Ideologie während der vergangenen Jahrzehnte. Warum sollte man einer Prädatoren-Kaste vertrauen, die ihre Untergebenen nachweislich konstant belügt, betrügt und bestiehlt?

Gracchus

24. Mai 2023 15:41

@Volksdeutscher: Natürlich ist die Möllers-Aussage Unfug. Es zeigt aber, in welche Richtung diese Kreise denken. 
Was @Liberalismus angeht, ist m. E. Laurenz zuzustimmen, wenn man es wahlkampfstrategisch betrachtet. "Liberal" hat dank FDP, aber auch grundsätzlich keinen guten Klang. Man verbindet damit - m. E. auch nicht ganz zu Unrecht - die Macht der Konzerne.
@Gimli: Sie klingen wieder mal wie der Anhänger einer Sekte (der Harari-Sekte), der die Konkurrenz madig machen will.

anatol broder

24. Mai 2023 21:11

@ volksdeutscher 9:09
in den netzfundstücken 150 berichtete jonas schick über die dresdner gespräche von maximilian krah. ich war von krahs auftritt so überrascht, dass ich bei google nach «afd dresden» suchte. der erste treffer führte mich zum kreisverband dresden der afd. dort wurde ganz oben mit einer jubiläumsgrafik an die zehn jahre afd erinnert. darauf gedrückt landete ich in einem kurzen artikel, der buchstäblich als «symphonie der langeweile» durchgeht.
es wird weder der verfasser noch das datum der veröffentlichung angegeben. die überschrift besteht aus einem zitat. darunter sieht man die unbeholfene jubiläumsgrafik. darunter wird das zitat erneut gezeigt. darunter wird das zitat zum dritten mal gezeigt, wobei endlich sein urheber erwähnt wird. dieser ist kein mitglied der afd.
danach erst kommt der text, der nur vier sätze enthält. der erste satz ist die angabe des gründungstages. der zweite beginnt mit der aufzählung der gegner der afd, es folgt das versprechen durchzuhalten, welches am ende durch einen zirkelschluss begründet wird. der dritte satz bekräftigt den zweiten. der vierte satz bekräftigt den dritten.
ob krah je diese seite gesehen hat?

Volksdeutscher

26. Mai 2023 07:43

@anatol broder - "Ob Krah diese Seite gesehen hat?
Das weiß ich leider nicht. Aber ich nahm Ihre Beschreibung zum Anlaß und besuchte die Website der Dresdner AfD. Sie haben recht, es ist gruselig, was da geboten wird, wobei ich mir, ahnungslos wie ich bin, die ganze Zeit gedacht habe, die Website des AfD-Bundesverbandes könnte an Langeweile nicht überboten werden.
 

Volksdeutscher

26. Mai 2023 08:22

@anatol broder - Erlauben Sie mir bitte, daß ich Ihnen jemanden aus dem öffentlichen Leben Ungarns vorstelle. Es handelt sich dabei um einen ungarnländischen Juden namens Peter Reiner, Jahrgang 1944. Er war Mitglied der ehemals nationalkonservativen Jobbik und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der für rechtsextremistisch gehaltene "Magyar Gárda" (Ungarische Garde). Als Nebenintervenient nahm er am Prozess zur Auflösung der Ungarischen Garde auf deren Seite teil und hielt die Vorwürfe gegen die Organisation für unbegründet. Herr Reiner ist Kleinunternehmer (Weinbauer, Gartenbauer und Weinhändler) und ein gebildeter Mann. Sein Vater starb im Konzentrationslager, er mit seiner Mutter überlebte im Budapester Ghetto, als Überlebender der Judenverfolgung erhält Wiedergutmachung aus EU-Fonds. Unter dem Link gibt er einem liberalen Nachrichtenportal Interview über seine politischen Ansichten.  https://index.hu/belfold/reiner6945/ Vielleicht hätte er Interesse, mit Ihnen oder Sie mit ihm, in Kontakt zu treten und Erfahrungen auszutauschen.

Allnichts

26. Mai 2023 09:53

Es ist ohnehin ein interessantes Phänomen, dass die AfD in vielerlei Hinsicht wenig Gehaltvolles leistet und trotzdem in manchen Umfragen, bei manchen Wahlen erfolgreich, teilweise sehr erfolgreich ist. Ob es nun einzelne AfD-Netzseiten oder auch der völlig belanglose Youtube-Kanal, ob es die Stiftung oder die allgemeine öffentliche Unsichtbarkeit zumindest in vielen Teilen Westdeutschlands sind - das wirkt sehr oft äusserst unprofessionell, man fragt sich auch, was die eigentlich mit all dem Geld machen, das auf unterschiedlichen Wegen in die Partei strömt. Kortre hat gestern bei Lanz wieder einmal gezeigt, dass AfD-Politiker auffallend oft weder Ahnung von der Materie haben, für die sie zuständig sind oder über die sie sprechen, noch sich selbstsicher in den Systemmedien bewegen können. Die AfD schafft es, das rechte oder nationale Potential in Deutschland mehr oder weniger vollständig zu mobilisieren, anderen als Mittel des Protestes zu dienen und noch einige zu überzeugen, das muss man ihr lassen. Gleichzeitig wirkt sie allerdings auch leer, ohne wirkliches Fundament und abseitig. Für Opposition und Fundamentalopposition reicht das, man profitiert von der allgemeinen Unzufriedenheit, doch sollte man irgendwann einmal liefern müssen, wird man mehr oder weniger nackt dastehen, weil es schlichtweg an seriösem und fähigem Personal mangelt.