Die Vielfalt rechten Denkens – Erik Lehnert im Gespräch mit Filipp Fomitschow (III)

FILIPP FOMITSCHOW: Der spanische Denker Juan Donoso Cortés schrieb, daß eine Person, die ihren Glauben verloren hat, immer noch zum Glauben zurückkehren könne, aber das ganze Volk – nicht. Inwieweit stimmen Sie dieser These zu? Kann die Kirche in Deutschland (und in Europa insgesamt) eine der Grundlagen für eine neue „konservative Wende“ werden?

ERIK LEHNERT: An eine tra­di­tio­na­lis­ti­sche Rück­kehr zur alten Rol­le der Reli­gi­on in der Gesell­schaft glau­be ich nicht. Heu­te ist Reli­gi­on vor allem eine per­sön­li­che Ent­schei­dung, und das hal­te ich für ange­mes­sen. Inso­fern tei­le ich die Auf­fas­sung von Dono­so Cor­tés. Aller­dings ist es im Lau­fe der Geschich­te immer wie­der vor­ge­kom­men, daß sich der Glau­be erneu­ert hat, wor­un­ter auch Mar­tin Luthers Refor­ma­ti­on fällt, der die völ­lig deka­den­te katho­li­sche Kir­che des Mit­tel­al­ters zwar gespal­ten, aber dadurch zu einer Erneue­rung des Glau­bens in wei­ten Tei­len des Vol­kes geführt hat.

Inso­fern wür­de ich die Aus­sa­ge von Dono­so Cor­tés, der das als Katho­lik natür­lich anders sehen muß, ein­schrän­ken und sagen: Ja, stimmt, aber es besteht die Mög­lich­keit, daß ein Ein­zel­ner auf­grund sei­ner Vor­bild­wir­kung die­se Abwärts­ten­denz durch­bricht. Wenn man sagt, das wird zur Grund­la­ge einer kon­ser­va­ti­ven Wen­de, ist das schon wie­der eine funk­tio­na­lis­ti­sche Betrach­tung des Glau­bens. Man kann Reli­gi­on nicht wol­len, son­dern man muß glauben.

Es gab im 20. Jahr­hun­dert genug Ver­su­che, eine neue Kir­che oder einen neu­en Glau­ben zu grün­den. Es ist immer geschei­tert, und am Ende sind wir als Euro­pä­er, als Deut­sche auf das Chris­ten­tum zurück­ge­wor­fen. Auch all die Ver­su­che, irgend­wie eine ger­ma­ni­sche Reli­gi­on zu rekon­stru­ie­ren, haben nicht funk­tio­niert. Wenn es ein­mal eine wirk­li­che Erneue­rungs­be­we­gung geben soll­te, oder jemand wie Luther die Büh­ne betritt, dann liegt dar­in durch­aus die Chan­ce, daß die Din­ge wie­der in eine Ord­nung kom­men. Aber das kann man nicht poli­tisch wol­len, son­dern das ist letzt­lich ein Wunder.

FOMITSCHOW: Heißt das, daß die Ver­su­che, irgend­ei­ne moder­nis­ti­sche Ersatz­re­li­gi­on zu schaf­fen, zum Schei­tern ver­ur­teilt sind?

LEHNERT: Alle Ersatz­re­li­gio­nen sind im Unter­schied zur Reli­gi­on dies­sei­tig ori­en­tiert und betrü­gen den Men­schen mit der Aus­sicht auf dies­sei­ti­ge Erlö­sung. Damit sind sie zum Schei­tern ver­ur­teilt. Es gibt ein Buch aus den 1920er Jah­ren, das die­se Ver­su­che als „ver­kapp­te Reli­gio­nen“ defi­niert. Dar­un­ter fällt dann der Anti­al­ko­ho­lis­mus eben­so wie der Mar­xis­mus. Für sie sind die Grund­übel der Welt zu hei­len, wenn sich alle an bestimm­te Regeln hal­ten, bei­spiels­wei­se kei­nen Alko­hol mehr trin­ken oder den Indus­trie­ar­bei­tern die poli­ti­sche Füh­rung über­las­sen. Wohin die­ser Aber­glau­be geführt hat, wenn er zur Macht kam, dürf­te bekannt sein. Die „west­li­chen Wer­te“ sind gera­de auf dem bes­ten Weg, ähn­li­chen Scha­den anzurichten.

FOMITSCHOW: Im Arti­kel „Euro­pa­be­geis­te­rung. Ein moder­ner Ablaß“, den Sie im Juni 2022 fast zehn Jah­re nach dem ers­ten Erschei­nen in der Jun­gen Frei­heit erneut ver­öf­fent­licht haben, schrei­ben Sie: „Ein ‚Euro­pa der Vater­län­der‘ ist daher als Pole­mik gegen die Zen­tra­li­sie­rungs­be­stre­bun­gen der EU ganz brauch­bar, bleibt aber selbst dem Euro­pa­be­trug ver­haf­tet.” Wel­che euro­päi­sche Struk­tur ist Ihrer Mei­nung nach in der heu­ti­gen Rea­li­tät die beste?

LEHNERT: Der Ver­such, mit EU-Euro­pa gegen Chi­na, die USA und Ruß­land anzu­kom­men oder nur einen gleich­wer­ti­gen Part­ner zu kre­ieren, ist geschei­tert. Mei­nen Arti­kel habe ich des­we­gen noch ein­mal ver­öf­fent­licht, weil es in der „Neu­en Rech­ten“ auch eine roman­ti­sche Strö­mung gibt, die in einer „euro­päi­schen Iden­ti­tät“ die Lösung für unse­re Pro­ble­me sieht. Das liegt zum einen an dem gemein­sa­men Feind, dem impor­tier­ten Islam, gegen den man die euro­päi­sche Tra­di­ti­on ver­tei­di­gen möch­te. Zum ande­ren han­delt es sich auch um eine Gene­ra­tio­nen­fra­ge, weil vie­le, die die­se Auf­fas­sung ver­tre­ten, damit auf­ge­wach­sen sind, daß man mit dem Bil­lig­flie­ger jede euro­päi­sche Haupt­stadt in kur­zer Zeit erreicht, wo man auf Men­schen trifft, die auch damit auf­ge­wach­sen sind.

Doch die­se Erfah­rung soll­te nicht dar­über hin­weg­täu­schen, daß Euro­pa eben gera­de kei­ne poli­ti­sche Ein­heit ist. Natür­lich: wir sind alle Euro­pä­er, aber eben erst in zwei­ter Hin­sicht. Daher liegt mir das Euro­pa der Vater­län­der, das Euro­pa der sou­ve­rä­nen Natio­nen näher. Das ist zwar letzt­lich auch so etwas wie die Qua­dra­tur des Krei­ses, weil man in der Lage sein muß, die natio­na­len Ego­is­men zu über­win­den, wozu die meis­ten Natio­nen, sobald es ernst wird, nicht bereit sind. Die ein­zi­gen, die das gemacht haben, sind die Deut­schen, die durch den ver­lo­re­nen Zwei­ten Welt­krieg in die Rol­le gezwun­gen wur­den, Motor der euro­päi­schen Eini­gung zu sein, ohne dabei ihre Inter­es­sen zu ver­tre­ten. Die Fran­zo­sen, der zwei­te, aber frei­wil­li­ge Motor, machen das ganz anders.

Neben dem Pro­blem der natio­na­len Inter­es­sen, die es unter einen Hut zu brin­gen gilt, stellt sich das des US-ame­ri­ka­ni­schen Hege­mons. Solan­ge er herrscht, hat Euro­pa kei­ne Chan­ce, da er es her­vor­ra­gend ver­steht, einen Keil zwi­schen die Euro­pä­er zu trei­ben. Die EU ver­schlim­mert die Lage noch, weil sie nur ein Ziel hat, die Natio­nen und ihre Bür­ger zu ent­mün­di­gen. Es gibt aus mei­ner Sicht kei­ne Mög­lich­keit, die EU zu refor­mie­ren. Sie müß­te zer­schla­gen wer­den, um sich dann, nach wie­der­ge­won­ne­ner Sou­ve­rä­ni­tät der Natio­nen, gemein­sam an den Tisch zu set­zen und so etwas wie einen Wie­ner Kon­greß durch­zu­füh­ren und dort fest­zu­le­gen: Das sind die Leit­li­ni­en, mit denen wir alle leben kön­nen, und unse­re Gemein­sam­kei­ten, die poli­tisch zu defi­nie­ren wären, sind so groß, daß wir unse­re ein­zel­nen natio­na­len Inter­es­sen unter­ord­nen können.

FOMITSCHOW: Sie spre­chen über einen Bund der euro­päi­schen Län­der und des­sen wich­tigs­te Vor­aus­set­zung, vie­le Gemein­sam­kei­ten zu haben: Kul­tu­rel­le, his­to­ri­sche, reli­giö­se usw. Gehört Ruß­land in die­sem Sin­ne dann zu Euro­pa, oder nicht?

LEHNERT: Ruß­land ist zu groß, um nur Teil von Euro­pa zu sein. Ruß­land gehört zu einem guten Teil zu Asi­en, was sich auch immer mal wie­der bemerk­bar macht. Aller­dings gab es vom Ende des 18. bis ins frü­he 20. Jahr­hun­dert eine ganz star­ke Ten­denz in Ruß­land, sich Euro­pa anzu­nä­hern und dadurch vie­le Gemein­sam­kei­ten aus­zu­bil­den, die aller­dings durch den Pathos, mit dem das Sla­wen­tum den Ger­ma­nen gegen­über­ge­stellt wur­de, schon damals eine gewis­se Schlag­sei­te beka­men. Die­ses den­noch star­ke euro­päi­sche Gewicht ist letzt­lich durch den Bol­sche­wis­mus zu einem gro­ßen Teil wie­der auf­ge­ho­ben wor­den, auch wenn des­sen Ideo­lo­gie euro­päi­schen Ursprungs ist.

Seit­dem gibt es eine Front­stel­lung zwi­schen Ruß­land und Euro­pa, deren Fes­tig­keit auch dar­auf zurück­zu­füh­ren ist, daß der Bol­sche­wis­mus 70 Jah­re lang in Ruß­land herr­schen konn­te und sich dabei eine geo­po­li­ti­sche Erfah­rung zu Nut­ze mach­te, die dar­in besteht, daß für die Rus­sen die Gefahr immer aus dem Wes­ten, aus Euro­pa kam. Aber welt­po­li­ti­sche Kon­stel­la­tio­nen ändern sich, und Ruß­land war für Euro­pa vor zwan­zig Jah­ren die ein­zi­ge Chan­ce, aus der US-ame­ri­ka­ni­schen Abhän­gig­keit her­aus­zu­kom­men. Die­ser Ver­such ist geschei­tert und wird sich wohl nicht sobald wie­der­ho­len lassen.

FOMITSCHOW: Was könn­ten Sie zum The­ma Men­schen­rech­te­kon­zept sagen? Ist es schon ein fes­ter Bestand­teil der euro­päi­schen Tra­di­ti­on? Was fin­den Sie dar­an rich­tig und was falsch?

LEHNERT: Ein Staat ist eine Rechts­ge­mein­schaft, in der Staats­macht und Staats­volk auf einem bestimm­ten Staats­ge­biet leben. Die ein­zel­nen Bedin­gun­gen des Zustan­de­kom­mens und die kon­kre­ten Aus­for­mun­gen die­ser Gemein­schaft sind dabei zunächst neben­säch­lich. Es bedeu­tet aber, daß kei­ne Will­kür in dem Sin­ne herrscht, daß nie­mand sei­ne Inter­es­sen mit Gewalt, gleich wel­cher Art, durch­set­zen kann. Die Rechts­ge­mein­schaft beschränkt sich auf die Ange­hö­ri­gen, die sich natür­lich dar­auf eini­gen kön­nen, die­se auf Frem­de aus­zu­wei­ten, was aber ein Aus­nah­me­fall von der Regel ist, daß Bür­ger­rech­te nur für Bür­ger gelten.

Das Pro­blem beginnt bei der Aus­wei­tung der Rechts­ge­mein­schaft, denn die Welt stellt kei­ne sol­che dar, son­dern auf ihr exis­tiert eine Viel­zahl davon. Mit der Ein­rich­tung der UNO wur­de der geschei­ter­te Ver­such unter­nom­men, so etwas wie eine welt­wei­te Rechts­ge­mein­schaft zu errich­ten. Schon damals konn­te man sich nicht auf eine ein­deu­ti­ge Defi­ni­ti­on der Men­schen­rech­te eini­gen, die ja gewis­ser­ma­ßen ihre Ent­spre­chung in den Frei­heits­rech­ten der Bür­ger in ihren jewei­li­gen Staa­ten haben. Dabei spielt nicht nur die Fra­ge der Durch­setz­bar­keit eine Rol­le, denn es gibt kei­ne Insti­tu­ti­on, bei der die Men­schen­rech­te wirk­sam ein­klag­bar wären, son­dern auch die Her­kunft der Vor­stel­lung von den Men­schen­rech­ten. Die­se liegt letzt­lich in der abend­län­di­schen Tra­di­ti­on, in der sich Anti­ke, Chris­ten­tum und die ger­ma­ni­sche Welt zusam­men­ge­fun­den haben.

Ande­re Kon­ti­nen­te tun sich schwer damit, sich die­sen sehr indi­vi­dua­lis­tisch aus­ge­stal­te­ten For­de­run­gen, die sich in den Men­schen­rech­ten fin­den, anzu­schlie­ßen. Das bedeu­tet, daß sich die Gel­tung auf die Staa­ten mit einer euro­päi­schen Tra­di­ti­on beschränkt, was die­se zum einen zum Magne­ten für die Unter­drück­ten und Bela­de­nen der Welt macht, zum ande­ren aber dazu führt, daß die­se Staa­ten im Namen der Men­schen­rech­te Krie­ge füh­ren; und zwar wenn es ihnen poli­tisch paßt und nicht, weil sich die Zustän­de in einem mit Men­schen­rech­ten zu beglü­cken­den Land wahr­nehm­bar von den Nach­bar­län­dern unter­schei­den würden.

Inso­fern: Ja, die Men­schen­rech­te gehö­ren zur euro­päi­schen Tra­di­ti­on, weil sie unse­rer Auf­fas­sung von den Ent­fal­tungs­mög­lich­kei­ten der Per­sön­lich­keit ent­spre­chen. Das bedeu­tet aber weder, daß in Deutsch­land oder Euro­pa die Men­schen­rech­te für den Rest der Welt garan­tiert wer­den kön­nen, noch, daß wir die­se welt­weit durch­set­zen sollten.

FOMITSCHOW: In dem Arti­kel „Geschichts­po­li­tik“ (2015) schrei­ben Sie: „Aus rus­si­scher Per­spek­ti­ve ist es gesund, daß Ruß­land sei­ne Ver­gan­gen­heit nicht zu bewäl­ti­gen ver­sucht und Sta­lin wei­ter­hin als gro­ßen Mann betrach­tet“ und in einem RT-Inter­view beton­ten Sie vor eini­gen Mona­ten, daß „Ruß­land sich unver­hoh­len zur Tra­di­ti­on des Sta­li­nis­mus bekennt“. Eine gewis­se Renais­sance des Sta­li­nis­mus wur­de auch mehr­mals von Götz Kubit­schek ange­merkt. Kann man also sagen, daß genau das unbe­wäl­tig­te Trau­ma des Sta­li­nis­mus und des Kom­mu­nis­mus, das die rus­si­schen kon­ser­va­ti­ven Kräf­te oft „rot“ färbt, der wich­tigs­te Grund für die Schwie­rig­kei­ten der Zusam­men­ar­beit zwi­schen den „euro­päi­schen Rech­ten“ und Ruß­land ist?

LEHNERT: Man muß sicher zwi­schen den Rus­sen und dem Bol­sche­wis­mus unter­schei­den. Aber den­noch hat sich der Bol­sche­wis­mus in die rus­si­sche Staats-DNA ein­ge­schrie­ben, ein­fach des­we­gen, weil der Bol­sche­wis­mus (oder eher der Sta­li­nis­mus) im Zwei­ten Welt­krieg erfolg­reich war. Und für mich als Deut­schen ist das inso­fern ein Pro­blem, da ich nicht bereit bin, die Ver­bre­chen der Bol­sche­wis­ten, ob es sich nun um Rus­sen oder Ukrai­ner oder ande­re „Sowjet­völ­ker“ han­del­te, an den Deut­schen für irgend­wie, sei es im Sin­ne einer natio­na­len oder inter­na­tio­na­len Sache, gerecht­fer­tigt anzu­se­hen. Das steht zwi­schen mir und den Rus­sen, die den Sta­li­nis­mus rechtfertigen.

Als poli­tisch den­ken­der Mensch kann ich ver­ste­hen, war­um die Rus­sen nicht anfan­gen, ihre Geschich­te zu bewäl­ti­gen. Sie sind ja nicht blind und sehen, was pas­siert, wenn man sich die gan­ze Zeit selbst in Fra­ge stellt. Aber wenn man sich auf Augen­hö­he tref­fen will, darf die­se Sache nicht beschwie­gen wer­den. Des­we­gen war ich damals nicht begeis­tert, als sich AfD-Ver­tre­ter in Mos­kau am „Tag der Befrei­ung“ für die rus­si­schen Inter­es­sen ein­span­nen lie­ßen. Bei vie­len Neu­en Rech­ten – beson­ders bei den jün­ge­ren – gibt es die Hoff­nung, daß die­se Din­ge im Lau­fe der Zeit immer mehr zurück­tre­ten wer­den und man sich dann bes­ser ver­stän­di­gen kön­ne. Ich tei­le die­se Hoff­nung nur in der bana­len Hin­sicht, daß die Zeit vie­le Wun­den heilt. Aller­dings tut die rus­si­sche Geschichts­po­li­tik alles dafür, daß sie offen bleiben.

FOMITSCHOW: Mei­nen Sie, falls die Rus­sen sich vom Bol­sche­wis­mus abgren­zen und ihn als ille­gi­tim dar­stel­len wür­den, gäbe es viel mehr Gele­gen­hei­ten zu einer Zusam­men­ar­beit mit Euro­pa bzw. Deutschland?

LEHNERT: Solan­ge die Ame­ri­ka­ner Euro­pa beherr­schen, wird es die­se Zusam­men­ar­beit nicht geben – jeden­falls nicht auf staat­li­cher Ebe­ne. Wir kön­nen uns ver­stän­di­gen auf der Ebe­ne von Denk­fa­bri­ken, per­sön­li­chen Ver­knüp­fun­gen usw. Aber solan­ge Deutsch­land und Euro­pa kein Spie­ler am Brett sind, son­dern Spiel­fi­gu­ren, wird es schwie­rig sein, die­se poli­tisch frucht­bar zu machen. Eine sol­che Gele­gen­heit gab es in den spä­ten 1990er Jah­ren, als man ver­such­te, die tech­no­lo­gi­sche Kraft Deutsch­lands mit dem Roh­stoff­reich­tum Ruß­lands zu ver­bin­den; und die Ein­fluß­sphä­ren in Mit­tel­ost­eu­ro­pa abzu­ste­cken. Zur­zeit sind die Vor­aus­set­zun­gen auf bei­den Sei­ten nicht vor­han­den – lei­der, muss ich sagen. Aber die Ver­bin­dung von Deutsch­land und Ruß­land könn­te segens­reich sein, den­ken wir nur an die Befrei­ungs­krie­ge. Es gibt Anknüp­fungs­punk­te, aber es fehlt an einem gemein­sa­men Wil­len, an gemein­sa­men Inter­es­sen und an poli­ti­scher Augenhöhe.

FOMITSCHOW: Abschlie­ßen­de Fra­ge: Was wür­den Sie allen Inter­es­sier­ten zum Lesen emp­feh­len, um mehr über Ihre Bewe­gung zu erfahren?

LEHNERT: Es gibt kei­ne seriö­se Sekun­där­li­te­ra­tur über die „Neue Rech­te“. Das kann ich Ihnen ver­si­chern, zumin­dest für Deutsch­land. Die Poli­tik­wis­sen­schaft, deren Auf­ga­be es wäre, so eine Bewe­gung ein­zu­ord­nen und zu bewer­ten, ist in Deutsch­land völ­lig links domi­niert, ihre Erzeug­nis­se sind wert­los. Es gibt aber die Publi­ka­tio­nen, die von uns selbst stam­men. Da ist an ers­ter Stel­le die Zeit­schrift „Sezes­si­on“ und der dazu­ge­hö­ri­ge Blog „Sezes­si­on im Netz“ zu nen­nen, dann das „Staats­po­li­ti­sche Hand­buch“ in fünf Bän­den und sicher auch die „Kaplaken“-Reihe, die im Antai­os-Ver­lag erscheint und Essays zu allen rele­van­ten The­men bie­tet. Vom „Insti­tut für Staats­po­li­tik“ her­aus­ge­ge­ben, erschien schon vor ca. fünf­zehn Jah­ren eine sehr wich­ti­ge und noch aktu­el­le Stu­die über den Begriff „Neue Rech­te“. Sie ist nicht mehr lie­fer­bar, wird aber von uns dem­nächst im Netz zum Down­load bereitgestellt.

Dar­über hin­aus, wenn man ein biß­chen wei­ter aus­greift, gibt es ein gan­zes Milieu: Dazu gehört im wei­tes­ten Sin­ne die „Jun­ge Frei­heit“ und eini­ge Zeit­schrif­ten wie zum Bei­spiel „Tumult“ oder „Cato“. Und dann sind da noch die Quel­len, auf die wir uns beru­fen. Sie bestehen nicht nur aus den Erzeug­nis­sen der „Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on“, son­dern sie gehen viel wei­ter zurück. Sie umfas­sen die gan­ze geis­ti­ge Tra­di­ti­on Europas.

(Teil 3 von 3)

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE80 8005 3762 1894 1065 43
NOLADE21HAL

Kommentare (44)

Franz Bettinger

10. August 2023 12:58

„Die dekadente katholische Kirche des Mittelalters.“ Die Kirche von heute ist noch dekadenter, meine ich. Liegt das (wie @Laurenz behauptet) nur am Reichs-Konkordat, welches - im Gegenzug zu Pfründen und Kirchensteuer-Bewilligung - der Kirche ein staats-konkordantes (Wohl-) Verhalten bzw. ein Verbot politischer Betätigung für Kleriker abfordert? Ist das der Grund, weshalb sich die Kirchen heute überaus geschmeidig dem Regierungs-Willen unterordnen, ja ihm in vorauseilendem Gehorsam die Schleimspur bohnern in Richtung offene Grenzen, Klima-Wahn, Impfwahn und Gott ist schwul-Sprüchen? 

Laurenz

10. August 2023 13:00

(2) Die einzigen, die das gemacht haben, sind die Deutschen, die durch den verlorenen Zweiten Weltkrieg in die Rolle gezwungen wurden, Motor der europäischen Einigung zu sein, ohne dabei ihre Interessen zu vertreten.... Richtig, aber das ist nicht erst seit den Weltkriegen so. Fast der gesamte Adel Europas ist ethnisch deutsch, agierte aber immer föderal. Die einzigen politischen Europäer waren immer nur die Kaiser des I. Reichs. Die Kreuzzüge, als pan-europäische Projekte, waren im Vergleich zur Islamischen Eroberung, die sich selbst durch fürstlichen Stammes-Föderalismus abschwächte, lächerlich.
Pathos, mit dem das Slawentum den Germanen gegenübergestellt wurde, schon damals eine gewisse Schlagseite bekamen ... Rußland kann dann seine stalinistischen Geschichtsmärchen aufgeben, wenn es wieder etwas erschafft, worauf es stolz sein kann & mehr ist, als der Selbstbetrug des Großen Vaterländischen Krieges. Den haben die Russen hintergründig gegen sich selbst geführt & nicht gegen die Deutschen.
Menschenrechte gehören zur europäischen Tradition .... Menschenrechte resultieren aus der christlichen Tradition im Zuge der Aufklärung, als die Kirchen von weltlichen Mächten entmachtet wurden. Menschenrechte interessieren auch im Westen keine Sau, es handelt sich um reine Feigenblätter. Restle verteidigte vor 9 Jahren die Rechte der Russen in der Ost-Kokaine. Jetzt tritt er sie.

Franz Bettinger

10. August 2023 13:38

"Rußland war für Europa vor 20 Jahren die Chance, aus der US-Abhängigkeit herauszukommen. Dieser Versuch ist gescheitert.“ Ich sehe nicht, dass so ein Versuch überhaupt ernsthaft unternommen wurde. Schon von H. Kohl nicht. Und hatte G. Schroeder es wirklich versucht? // "Mit der Einrichtung der UN wurde der gescheiterte Versuch unternommen, so etwas wie eine weltweite Rechts-Gemeinschaft zu errichten.“ Ist der Versuch wirklich gescheitert? Hat er nicht gerade jetzt erst (mit der Agenda 2030, Great Reset…) enorme Fahrt aufgenommen? Leider! 

Wahrheitssucher

10. August 2023 15:16

Herr Lehnert, Ihre Ausführungen eröffnen geistige Lichtblicke...

Karl Otto

10. August 2023 15:20

Wie steht Herr Fomitschow denn zu Putin? Sieht er ihn bzw. seine Regierung  als legitimen Vertreter Russlands? Und wenn ja, worauf beruht diese Legitimität?

ede

10. August 2023 16:23

Dem 3. Teil kann ich weitgehend zustimmen. Der 2. wurde etwas sehr zügig geschlossen. 
"Es gibt Anknüpfungspunkte, aber es fehlt an einem gemeinsamen Willen, an gemeinsamen Interessen und an politischer Augenhöhe."  Das beschreibt die derzeitige Lage zutreffend. 
Das muss aber nicht so bleiben, abhängig davon ob sich die USA zukünftig doch geopolitisch geändert positionieren. 
Mir will einfach nicht einleuchten, das es im amerikanischen Interesse liegt, Russland zu China zu zwingen. Meiner Überzeugung nach ist das auch nicht Russlands Wunschoption. Die würden sich viel lieber europäisch orientieren - freilich nicht als weiterer US-Vasall. 

Gracchus

10. August 2023 22:35

Wenn man Lehnerts Antworten liest, versteht man umso weniger die VS-Überwachung.
"Völlig dekadente katholische Kirche" - ist völlig übertrieben. Wenn der Protestantismus klingt wie Bach oder dichtet wie Novalis oder aktuell Christian Lehnert, ist er großartig - dennoch: wenn ich auf einen Begriff bringen sollte, was mich an diesem Land nervt, würde ich Protestantismus sagen. Gewissensfreiheit: ja, notfalls auch gegen den Papst - aber sein Gewissen statt unter den Papst unter den Landes-Fürsten zu stellen, ist - zum Schießen. Und so ist der Protestantismus verantwortlich für die enge Anbindung von Kirche und Staat und ihrer Verkennung als moralische Anstalten. Überhaupt: dieser monströse Moralismus ... 
 

Kriemhild

10. August 2023 22:55

Kinder, ist es nicht herrlich? Das ist der erste große Krieg, in dem mindestens eine Seite von Leuten angeführt wird, die nicht mehr weiterleben wollen. Die sich, ihr Volk, ihre Rasse, ihre Gattung als das Übel der Welt betrachten, das daran gehindert werden muss, sich weiter fortzupflanzen; das so schnell wie möglich durch neue, posthumane Wesen ersetzt werden soll. Und diesen Leuten kommen wir mit Hinweisen auf die Mutually Assured Destruction? Dabei ist das Ende der Menschheit doch gerade das, was diese Leute ersehnen. Und denen wollen wir mit Warnungen kommen? Man versteht mich doch? ES siond nicht mehr die 80er! Ist es nicht kurios: wir Antirationalisten sind die letzten, die noch die Vernunft hochhalten. Und die Rationalisten jagen den Planeten in die Luft. Also rasch rasch, Kinder, an die Bücher! Auf dass uns die Gesprächsthemen nicht ausgehen, bevor der große universale Knall unsere Kreise stört. 

RMH

11. August 2023 09:54

@Gracchus,
Teil 1
Sie haben mit Ihrer Protestantismus-Kritik (auch schon im anderen Debattenstrang) grundsätzlich recht, nur eines sollte man immer dabei beachten: Die Werdung des menschlichen Subjekts, die Individualisierung, ist eine Schöpfung des Christentums, deswegen sind Heiden, Nazis, Sozialisten und andere Kollektivisten in der Regel entschiedene Christenhasser. Im Christentum wendet sich das Heilsgeschehen ab von einem auserwählten Volk hin zum Individuum.

RMH

11. August 2023 09:55

@Gracchus, 2: Das Individuum beschreitet nun den Heilsweg für sich allein, denn es kommt auf seinen Glauben, auf seine höchst individuelle Seele an und so wird man im Christentum weder durch noch mit (s)einem Volk "erlöst". Das Ganze wird im ersten Band der "Grundlagen des 19. Jhdts" v. H. St. Chamberlain (warum wird der immer totgeschwiegen?) gut erklärt. Der Protestantismus ist vor diesem Hintergrund eine radikale Rückkehr eben zur "Radix" des christlichen Heilsgeschehen. Kluge Katholiken, wie der in rechten Kreisen berühmten H. Milch, erkannten auch "nur im Einzelnen ereignet sich Volk". Luthers Rechtfertigungslehre ist auch klarer Ausdruck dieses individuellen Heilsgeschehens. Aus dieser Vereinzelung erwächst nun das Bedürfnis nach kollektiver Rückversicherung, die im Verbund mit den menschlich-allzu menschlichen Neigungen dazu führt, dass protestantische Kirchen gerne zur Staatskirche werden wollen (siehe UK, siehe Skandinavien, siehe Deutschland) oder hypermoralisieren. Genau das ist der Sündenfall des Protestantismus, während der Katholizismus sich mehr als Ecclesia und Gemeinschaft der (individuell auf dem Weg des Glaubens seienden) Gläubige der ganzen Welt sieht und damit - ähnlich wie die Orthodoxie, die sich aber mehr regionaler Ausprägungen hingibt - deutlich resistenter (man darf den deut. Kath. nicht mit dem Weltkath. verwechseln) gegen zivilreligiöse Bewegungen (siehe E. Voegelin) ist, wozu u.a. Kommunismus, Nazismus und "Wokismus" eindeutig zählen.

Niekisch

11. August 2023 10:40

"Herr Lehnert, Ihre Ausführungen eröffnen geistige Lichtblicke..."
@ Wahrheitssucher 10.8. 15:16: ..vor allem aufgrund der bahnbrechenden Erkenntnis, daß der Bolschewismus europäischen Geistes ist...
FOMITSCHOW: "Heißt das, daß die Versuche, irgendeine modernistische Ersatzreligion zu schaffen, zum Scheitern verurteilt sind?"
Hinsichtlich unserer vorchristlichen Glaubensgrundlagen bedarf es keiner Ersatzreligion, sondern einer geistig - ethischen Revolution= Rückwälzung zum Charaktergemäßen, das durchaus mit unseren Furor dämpfenden christlichen oder anderen religiösen Elementen gepaart sein kann. ( s. insoweit Obleser, Horst, Odin - Ein Gott auf der Couch )
 

Franz Bettinger

11. August 2023 10:59

@Krimhild: Hach, schön beobachtet, aber wenn die grünen Kinder der letzten Generation behaupten, sie ersehnten das Ende der Menschheit, meinen die das nicht so. Es sind Heuchler, Taktiker, Knallerbsen. Die spielen nur. Alles was diese Versager wollen ist, dass das Versagen (in der Schule, der Pubertät, der Uni, im Beruf und im Leben) nicht mehr als Erfolglosigkeit gewertet wird. Dass sie endlich auch ohne Leistung nicht mehr schief angesehen werden. Das ist schon die ganze, kleine Psychologie, die nötig ist, die Leute einzuordnen. 

Laurenz

11. August 2023 12:14

@RMH @Gracchus .... Was für ein Quatsch, RMH. Bis auf Beerdigungen besuchte ich das letzte Mal eine katholische Messe vor 21 Jahren, die Kommunion meiner Nichte. Dort gab es für Gottes Segen (Schutz & Liebe) eine absolute Hierachie abwärts, herab vom Papst, allen Heiligen, allen Würdenträgern, Mitgliedern. Dem Rest blieb nichts. Christen sind Anywheres, global agierend. Das geht nur im Kollektiv & guter Organisation. Letzteres Römische Kaiser dazu bewegte, Christen für die eigenen Vorteile der Administration zu nutzen. Kirchen sind Parteien, die einen Staat im Staate bilden, es deswegen auch nicht nötig haben, bei Wahlen anzutreten.

Hesperiolus

11. August 2023 14:46

I. Gut daß die ahistorische Wendung von der „völlig dekadente(n) katholische(n) Kirche des Mittelalters“ hier berechtigten Widerspruch findet. Das sei im übrigen an die ernsthafte Geschichtswissenschaft verwiesen. Abseits der Genese des Lutherschen Psychogramms war die deutsche Reformation vor allem die Kleptarchie der Landesfürsten und der städtischen Pöbeleliten, eine ursündig widrige Sache! Die Entkatholisierung als Entritterlichung und Entmönchung, als Entlyrisierung und Entmarianisierung, hat den deutschen Volkscharakter, im Sprachgebrauch des hier eingezogenen Grobianismus, schlichtweg „versaut“. Ich zitiere eine schöne Stelle aus dem Friedellschen Monumentalfeuilleton dazu: „Was bedeutet nun, so müssen wir uns zum Schluß fragen, die Reformation, im großen gerechnet, fur die europaische Kultur? 

Hesperiolus

11. August 2023 14:47

II. Seit ihr und mit ihr kommt etwas flach Praktisches, profan Nutzliches, langweilig Sachliches, etwas Düsteres, Nüchternes, Zweckmäßiges in alle Betätigungen. Sie negiert prinzipiell und zielbewusst aus platt kurzsichtigem Rationalismus eine Reihe von höheren Lebensformen, die bisher aus der Religiosität geflossen waren und allerdings vom Standpunkt einer niederen utilitarischen Logik kaum zu rechtfertigen sind: die „unfruchtbare" Askese, nicht bloß die weltfllüchtige und weltfeindliche, sondern auch ihre erhabenste Gestalt: die weltfreie, das „widernatürliche" Zölibat; die „sinnlosen" Wallfahrten; die „überflüssige" Pracht der Zeremonien; die „unnützen" Kloster; den „törichten" Karneval; die „zeitraubenden" Feiertage; die „abergläubische" Anrufung der Heiligen, die als freundliche Beistande, gleichsam als Unterbeamte Gottes, den ganzen Alltag licht und hilfreich begleitet hatten; die „ungerechtfertigte" Armenpflege, die gibt, um zu geben, ohne viel nach „Würdigkeit" und „Notwendigkeit" zu fragen. Alle Kindlichkeit weicht aus dem Dasein; das Leben wird logisch, geordnet, gerecht und tüchtig, mit einem Wort: unerträglich. - Im übrigen, dankbar für die Beiträge oberhalb der Kommentarlinie!

Hesperiolus

11. August 2023 15:57

Sie bedeutet nicht mehr und nicht weniger als den Versuch, Leben, Denken und Glauben der Menschheit zu säkularisieren. Seit ihr und mit ihr kommt etwas flach Praktisches, profan Nutzliches, langweilig Sachliches, etwas Düsteres, Nüchternes, Zweckmäßiges in alle Betätigungen. Sie negiert prinzipiell und zielbewusst aus platt kurzsichtigem Rationalismus eine Reihe von höheren Lebensformen, die bisher aus der Religiosität geflossen waren und allerdings vom Standpunkt einer niederen utilitarischen Logik kaum zu rechtfertigen sind: die „unfruchtbare" Askese, nicht bloß die weltfllüchtige und weltfeindliche, sondern auch ihre erhabenste Gestalt: die weltfreie, das „widernatürliche" Zölibat; die „sinnlosen" Wallfahrten; die „überflüssige" Pracht der Zeremonien; die „unnützen" Kloster; den „törichten" Karneval; die „zeitraubenden" Feiertage; die „abergläubische" Anrufung der Heiligen, die als freundliche Beistande, gleichsam als Unterbeamte Gottes, den ganzen Alltag licht und hilfreich begleitet hatten; die „ungerechtfertigte" Armenpflege, die gibt, um zu geben, ohne viel nach „Würdigkeit" und „Notwendigkeit" zu fragen. Alle Kindlichkeit weicht aus dem Dasein; das Leben wird logisch, geordnet, gerecht und tüchtig, mit einem Wort: unerträglich. - Im übrigen, dankbar für die Beiträge oberhalb der Kommentarlinie!

Klaus Kunde

11. August 2023 18:54

„Doch diese Erfahrung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß Europa eben gerade keine politische Einheit ist. Natürlich: wir sind alle Europäer, aber eben erst in zweiter Hinsicht.“
So sicher scheint mir das nicht. Vermutlich gibt es so etwas wie den harten Kern. Purer Zufall, daß die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft von 1957 mit ihren Mitgliedsstaaten, West-Deutschland, Frankreich, Italien und Benelux in etwa das Reich Karls des Großen umfaßte? Carolus Magnus als Rex Europae? Vielleicht hätte man es ein Jahrtausend später mit Franken und Langobarden belassen sollen.

Gimli

11. August 2023 21:41

Soziologisch sehr spannend, inwieweit und wie schnell sich bei zunehmender Absenkung von Grenzen in Europa die Menschen annähern. Wieviele Generationen braucht's um art de vivre, Lebenskultur, dolce vita etc zu einer Melange zu machen? Teile bleiben unvermischt, andere bringen neue Kombinationen. Es läuft darauf hinaus und wenn's die Politik nicht gestaltet, treiben Wissenschaft und Wirtschaft eben. Die Frage ist nicht ob. sondern wann  es passiert. 100 Jahre? Oder 50? Und 300 für die Welt? 

Kurativ

11. August 2023 21:41

Kirche? Das Christentum in Europa hat ein Problem. Judentum, Christentum und Islam stehen nicht nebeneinander. Historisch sind sie nacheinander entstanden (grob: Judentum->Christentum->Islam). Wobei die folgende Version immer die vorhergehende durch neue Mechanismen aufgehoben hat. Das Christentum ist für den Islam ein Beschleuniger. Das Judentum konnte sich irgendwann durch Isolation und Standartisierung unter großen Verlusten erhalten. Das ist beim Christentum gegenüber dem Islam nicht möglich. Denn der größe Feind des Islams (die Aufklärung) hat sich selber ad absurdum geführt und folgt nicht mehr seinen Grundsätzen. 

Laurenz

11. August 2023 23:33

@Klaus Kunde .. Hier war Adenauer mal kein Depp. Die Franzosen sicherten sich mit damaliger militärischer Überlegenheit, wie schon Bonaparte, die Tributpflicht der Deutschen für Nicht-Krieg. Und machen Sie Sich doch nichts vor. Wie lange existierte denn das Reich Karls des Schlächters?
@Hesperiolus .... bevor Sie über 1.000 Jahre katholischen Ekels aus dem Dreck ziehen, gar heroisieren, machen Sie doch mal eine Tour nach Limburg an der Lahn & besuchen meinen kleinen Lieblings-Dom, der mir am Herzen liegt, inklusive Altstadt. Die Limburger waren im Mittelalter sicher nie die Ärmsten im Reich. Aber dort, in Limburg werden die wahren relativen Dimensionen der Kirche zum Volk nur zu deutlich. Franz-Peter Tebartz-van Elst war wenigstens ein echter Katholik & so ehrlich, wie ein Katholischer Würdenträger nur sein kann. Um der Relation von Dom zu Stadtvolk gerecht zu gerecht zu werden, war der neue Bischofssitz (mit Badewanne für 2) mit über 30 Mio. Euro Baukosten noch viel zu billig. Er hätte mindestens das 5fache kosten müssen. Aber dem Bischof fehlte einfach die einstige weltliche Macht. Die Katholischen Gläubigen Limburgs schissen, wie die Protestanten, auf ihren eigenen Katholischen Gott, so wie er eben in Wahrheit ist.

Suedburgunder

12. August 2023 09:40

@Franz Bettinger
"Die Kirche von heute ist noch dekadenter ..."
Diese Tendenz hat Monseigneur Lefebvre frühzeitig erkannt und deshalb 1970 die Piusbruderschaft ins Leben gerufen (die sich übrigens gerade in heutiger Zeit zunehmender Beliebtheit erfreut, erstaunlicherweise auch bei Jugendlichen).
@ Gracchus
"...wenn ich auf einen Begriff bringen sollte, was mich an diesem Land nervt, würde ich Protestantismus sagen."
Für eine Konversion ist es nie zu spät. Aber dann bitte keine halben Sachen (siehe oben!).

dojon86

12. August 2023 11:24

@Geacchus 10.08.23 22:35 Stimme ihrer Reformationskritik grundsätzlich zu. Luther hin, Luther her. Es wird vergessen, dass Luther ursprünglich eine Reform der einen Kirche wollte und nicht unbedingt eine Spaltung. Leider ist das dann an mehreren Faktoren, allem voran den Bauluxus der Päpste, den die Touristen heute so bewundern, gescheitert. Wie dem auch sei, Europa, das war das christliche Abendland. Papst und Kaiser. Mit dem Wegfall der religiösen Einheit war die Chance auf eine politische Einheit Europas (und leider auch Deutschlands) dahin. Jetzt sind die Europäer bloße Vasallen im Krepierhalfter der VSA. Und in Zukunft sehe ich in Europa den Zusammenprall der Menschenmassen Asiens auf die Menschenmassen Afrikas stattfinden. Es sei denn, das pädagogische Experiment der Eliten, diese Leute zu guten aufgeklärten Europäern zu machen, funktioniert. Na ja. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Niekisch

12. August 2023 12:11

@ Laurenz 11.8. 23:33: Nichts gegen Ihren heißgeliebten Limburger Dom, von der evangelischen Lockernis, der überragenden Schönheit im Baulichen und der Einbindung in die Landschaft ziehe ich die fast von der Lahn umflossene "Perle des Lahntals" Weilburg, meine Heimatstadt übrigens, Limburg vor. Nehmen wir alle uns ein Beispiel an Konig Konrad, der ohne großes Zögern Gesamtinteressen über Individualinteressen stellte. 
Im Jahr 918 erlangte die Wilineburg besondere historische Bedeutung, als König Konrad I. auf dem Sterbebett liegend seinem Bruder Eberhard empfahl, die Reichsinsignien an seinen erbittertsten Rivalen, den sächsischen Herzog Heinrich, zu übergeben (Weilburger Testament).

herbstlicht

12. August 2023 13:00

@dojon86, 12. August 2023 11:24

»in Europa den Zusammenprall der Menschenmassen Asiens auf die Menschenmassen Afrikas«

Wovon, glauben Sie, könnten Menschenmassen in Europa, ohne Hochtechnik, überhaupt leben? Oder meinen Sie, daß Menschen, mit starkem Bedürfnis nach dem Geschnatter der Affenhorde, solche hevorbringen können?

dojon86

12. August 2023 14:41

@herbstlicht Es wird sie möglicherweise überraschen, aber auch Menschen nicht europäischer Herkunft können lesen und schreiben.

Laurenz

12. August 2023 15:11

@Südburgunder, Franz Bettinger, Gracchus & Dojon86 (2) 
In Frankreich konnte sich dieses Bildungsbürgertum durchsetzen, liquidierte den Deutschen Adel & säkularisierte die Kirche, das gleich in Deutschland dazu, was den Adel Deutschlands freute. Allerdings, mit der Erledigung des Adels in 1918 kehrte die Kirche in Deutschland bis heute politisch zurück & wurde wieder Staatskirche, die mangels jedweder Inhalte & Zwerg-Identitäten die Follower verliert, parallel zur Politik. Der Import fremdländischer Christen, um hier die Lücken der Kirche zu füllen, ist natürlich staatsfeindlich. Staatstragend wäre es, die verbliebenen Deutschen Christen gingen dorthin ins Ausland, wo die Kirche noch etwas darstellt.
@Niekisch .... Weilburg ist die Stadt aller Städte, keine Frage. Ich könnte sofort in die Orangerie des Schlosses einziehen. Aber der Unterschied zwischen Schloß & Patrizier-Villen ist erträglich, die schlichte Schloßkirche nicht geeignet, soziale Differenzen aufzuzeigen. Es ging ja darum, den mittelalterlichen Dom ins rechte Licht zur Stadt zu stellen. Und wie @Dojon86 dem Leser klarmachte, wie viele Mio. von Deutschen ihre Lebensenergie geben mußten, damit Michelangelo den Petersdom bauen konnte, ist dem üblichen Papst-Touri nicht klar. Das Geld wäre besser in Schulen angelegt gewesen, in denen man Michelangelo als Lehrer hätte einstellen können. https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Freienfels hat eine fatal schöne Wirkung auf Frauen.

Gracchus

12. August 2023 15:33

@Kurativ: ich denke nicht, dass der Islam gegenüber dem Christentum Neuerungen gebracht hat; ich sehe im Islam eher den Versuch, die Neuerungen, die das Christus gebracht, rückgängig zu machen. 
@Suedburgunder: ich gehöre aber schon zur katholischen Kirche. 

KlausD.

12. August 2023 17:51

@Niekisch@Laurenz  12. August 2023 12:11
Danke für die Hinweise auf Weilburg und den Limburger Dom. Bin immer interessiert an pittoresken Reisezielen mit historischer Bedeutung (der Link scheint jedoch nicht zu funktionieren). Möchte mich revangieren mit dem Naumburger Dom (Weltkulturerbe), bedeutsam vor allem durch die Reliefs des sogenannten Naumburger Meisters, außerdem gelegen mitten im beschaulichen Saale/Unstrut Weingebiet.
https://www.naumburger-dom.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Naumburger_Meister#:~:text=Ausgebildet%20wurde%20der%20Naumburger%20Meister,fragmentarisch%20erhaltenen%20Westlettner%20schuf.

Volksdeutscher

13. August 2023 11:15

@Laurenz - "Kirchen sind Parteien, die einen Staat im Staate bilden, es deswegen auch nicht nötig haben, bei Wahlen anzutreten." 
Wer an Christum glaubt, braucht keine Demokratie. 

Volksdeutscher

13. August 2023 12:17

1. @Lehnert - "An eine traditionalistische Rückkehr zur alten Rolle der Religion in der Gesellschaft glaube ich nicht. Heute ist Religion vor allem eine persönliche Entscheidung, und das halte ich für angemessen."
Das ist purer Liberalismus mit seinem Jahrzehnte lang gepredigten Dogma von der Trennung der Kirche vom Staat und dem Glauben als private Entscheidung. Gott ist niemals privat, Gott ist universell! Unter dieser mehr oder wenig gut versteckten Relativierung erfolgte die Marginalisierung, ja die Profanisierung des christlichen Glaubens als einer unter vielen anderen Glaubensinhalten: An Gott glauben oder an Lottogewinn - beides steht für den Liberalen auf einer Ebene. Der Liberaler privatisiert alles, was nicht niet- und nagelfest ist, damit haben die Liberalen die zweite Deposizione di Gesù vollzogen! Christi Lehre mußte verdrängt werden, sie war im Wege zur allein seligmachenden Dogma des freien, sich selbst regulierenden Marktes.

Volksdeutscher

13. August 2023 12:33

2. @Lehnert - Als Bonus sei mir noch erlaubt einen Hinweis zu einem der größten Unterschiede zwischen den ungarischen Nationalkonservativen der Mi Hazánk Mozgalom (MHM) und der AfD zu geben, die bei möglicher intensiverer Zusammenarbeit berücksichtig und bedacht werden müßte: Die ungarischen Nationalkonservativen würden die Staatsverfassung erneut auf die religiösen Grundlagen der Lehre der Heiligen Krone (Szent Korona-tan) in einer modernisierten Form stellen. Sie würden sowohl das Straf-, Ehe-, Familien- und Scheidungsrecht nach deren Prinzipien neu gestalten als auch den Religionsunterricht in der Schule wieder einführen. Roberto Fiore von der Forza Nuova ging vor einigen Jahren sogar noch weiter, als er behauptete, Russland könnte bei der Rechristiannisierung Europas helfen. Bei all dem überbordenden und vor Kraft strotzenden religiösen Gestaltungswillen im rechten Sektor Europas möchte ich die bescheidene Frage in die Runde werfen: Was könnte die deutsche Neue Rechte Europa geben, wobei könnte sie ihm helfen, wenn sie sogar bei der berechtigten Repartriierung von illegalen Einwanderern nicht mal davor zurückschreckt, halbe Sachen zu machen?

Laurenz

13. August 2023 22:35

@KlausD. ... Wenn Sie an der Lahn entlang fahren, was nicht immer geht, können Sie Deutschen Rausch ohne Drogen erleben. Planen Sie Balduinstein https://www.gemeinde-balduinstein.de/ & Schaumburg https://www.eventsimschloss.de/  mit ein. Auch Bad Ems (Emser Depesche) mit viel Lahn-Marmor  https://www.badems-nassau.info/  ist fast morbide schön. Man kann hier noch 10 weitere sehenswerte Lahnkommunen anführen. 
@Gracchus @Kurativ ... sehe im Islam eher den Versuch, die Neuerungen, die das Christus gebracht, rückgängig zu machen. ... Christentum & Islam waren 2 gescheiterte hebräische Projekte, um andere Gesellschaften zu kontrollieren. Jesus Christus ist der im Quran am meisten benannte & wichtigste Protagonist. Der Islam ist eine eindeutige Revision des Christentums aus der Sicht hebräischer Intellektueller, um den Tod Christi am Kreuz zu revidieren. Da dieser Tod am Kreuze in christlichen (vor allem theoretischen) Anti-Judaismus umschlug. Ich kannte einen Ritterkreuzträger persönlich, der an Christi islamischen Grab in Ägypten stand.

Ausguck

14. August 2023 02:04

@ Volksdeutscher: "Wer an Christum glaubt, braucht keine Demokratie." 
Ich denke, das sollten Sie erklaeren. Lebt es sich als Christ in totalitaeren Systemen leichter, und, wenn ja, warum? Aber bitte kommen Sie nicht mit dem suessen Maertyrertum.

dojon86

14. August 2023 09:11

@Lehnert @Volksdeutscher @Laurenz Ich glaube nicht an ein Überleben des Deutschen Volkes als Staatsvolk der BRD. Wahrscheinlich wird eine Art Failed State mit Deutsch als Verkehrssprache überleben. Ich bin Benutzer des ÖPNV und gehe gern in öffentlichen Parks spazieren. Was ich da sehe, führt unweigerlich zu diesem Schluss.Trotzdem halte ich ein Überleben des Deutschen Volkes als Minderheit in der BRD und auch in Auswanderergemeinden für möglich. Für dieses Überleben ist Religion ein zentrales Instrumen, das lehrt die Geschichte vieler staatenloser Minderheiten. (Allen voran der Juden) Sie ist nunmal neben der Sprache das zentrale identitätsstiftende Element. Als in der Mitte des 20. Jahrhunderts die Plainsstämme in den USA den Sonnentanz revitalisierten, taten sie das, um ihrer Auflösung in der US. amerikanischen Gesellschaft entgegenzuwirken. Ich bin fast sicher, daß die Initiatoren nicht so sehr an den religiösen Inhalt des Sonnentanzes glaubten. Ebenso ist mir persönlich völlig egal, was @Laurenz aus der Bibel herausliest. Man kann aus diesem Buch alles mögliche herauslesen, inklusive der Berechtigung eines Vernichtungskrieges. (Buch Josuah) Jedenfalls, wenn meine Zukunftsvorhersage stimmt und die Geschichte der Deutschen als Staatsvolk ihrem Ende zugeht, so ist für das Überleben der Deutschen als Minderheit Religion notwendig. Mennoniten, Amish, Hutterer in Nord- und Mittelamerika unterstützen meine These. Und irgendein ahistorischer Wotanmummenschanz ist kein Ersatz.

Franz Bettinger

14. August 2023 10:01

@Volksdeutscher: Was schlagen Sie vor? Das Christentum zur Staats-Religion zu machen? Ihm Verfassungsrang zuzugestehen? Dann müssten alle anderen Religionen verboten werden. Kreuzzüge wären um der einzig gerechten guten Sache Willen gerechtfertigt. Echt? - Es ist ja herrlich, wenn einem im Schlaf oder vor einem brennenden Dornbusch ein Engel erscheint oder Gott selbst mit einem redet und auf die Art seine Existenz beweist. Ganz ohne Uhr-Macher. Was aber sollen die Armen tun, denen solch Ereignis nicht widerfährt? Blind glauben? Aus Angst vor Strafe sich unter dieser Religion beugen? - Klar! Was bleibt ihnen übrig. Ich meine das nicht ironisch. Wäre mir ein Damaskus-Erlebnis widerfahren, wäre für mich alles besser. Beneide Sie um die Gewissheit Ihres Glaubens. Ich? Muss leider weiter rätseln und zweifeln. 

Niekisch

14. August 2023 10:49

@ KlausD 12.8. 17:51: Ganz speziell für Sie ein Luftbild. Da sehen sie, warum die barocke Stadt die "Perle des Lahntales" genannt wird:
https://de.wikipedia.org/wiki/Weilburg#/media/Datei:Luftbild_Weilburg_001.jpg
Von Naumburg habe ich täglich vor Augen eine Original-Verkleinerung der Uta von Prof. Diederich aus dem Jahre 1938. 
Es gibt so viele Kleinodien in unserer Heimat; mögen sie uns in unserem Widerstandswillen bestärken.
@ Laurenz: 12.8. 15:11: In der Orangerie ist es zum Wohnen ein wenig zu unwohnlich; es mag an den alten niederländischen Kacheln liegen. Geht es statt sozialer Differenzen im Stadtbild nicht eher darum, daß katholische Städte wie z.B. Kleve eher wie geleckt und kalt wirken, während Weilburg im Gegensatz zu Limburg wegen des evangelischen Hintergrundeseher wärmer wirkt? Die Religionsspaltung bildet sich m.E. bis heute selbst in Stadtbildern aus...
 
 
 
 

Le Chasseur

14. August 2023 11:27

Off-Topic:
Brutale Attacke auf AfD-Landtagskandidaten in Augsburg: https://www.youtube.com/watch?v=w7lLavi8Oyo

Laurenz

14. August 2023 14:03

@Niekisch ... In Weilburg ist wenig mittelalterliche Baussubstanz sichtbar, obwohl in Weilburg & Limburg schon immer Menschen gelebt haben werden. Im Prinzip muß man das mittelalterliche Christentum analysieren. Wer dazu keine Lust hat, kann ja einfach Eco lesen. Bei der Orangerie gingt es mir mehr um die großen Fenster mit Blick auf den Ziergarten, den Triumphbogen & das Weiltal. Küche, Toiletten sind ja vorhanden. Das Cafe muß natürlich raus...
 

Heinrich Loewe

14. August 2023 14:16

off topic.
Ich habe gerade den Albert Wass von Ihnen bekommen und angelesen - es ist ein großartiges Buch! Flüssige Sprache, spannend; ein Sujet was ich liebe (zwischen Bergel und Hamsun); schöne Ausgabe Hardcover mit Lesebändchen. Vielen vielne Dank! Vielleicht noch ein, zwei mehr von ihm.

Hesperiolus

14. August 2023 19:52

@ Laurenz Ja, der Limburger Dom; Konrad Weiss nennt ihn in „Deutschlands Morgenspiegel“, einer entrückt anspruchsvollen und herben Schau, eine „,siebentürmige Schönheit, auf den Felsen gesetzt und ihm doch wie ein steingrauer Gegensatz entwachsen“, „von einer Eindrücklichkeit, wie sie wohl in Europa nicht oft überboten wird“ - als „Symbol eines damaligen Geschehens um den Menschen“. Zu diesem Geschehen finden Sie auch bei Spengler über Dom, Burg und Stadt einsichtige Bemerkungen. 

Kurativ

14. August 2023 21:44

Gracchus, 12. August 2023 15:33
"Ich denke nicht, dass der Islam gegenüber dem Christentum Neuerungen gebracht hat"
Es gibt viele Änderungen: Einheit von Politik/Staatsmacht, Umgang mit Schuld, Kontrolle der Frau, Zusammenhalt der Rechtgläubigen, projektionsfreie Einheit tranzendentaler Gotteserfahrung, Polygamie, stärkere Unterdrückung der Vorgängerreligionen, stärkere Bindung durch einfachere Rituale und Regeln, usw
Hat alles Vor- und Nachteile
Laurenz, 13. August 2023 22:35
Da ist sicher etwas dran. Wobei ich bei solchen Gedanken keinen Plan handelnder Personen oder Gruppen sehe. Es sind systemische Mechanismen, welche automatisch zu solchen Änderungen führen müssen.
Wichtig wären vielleicht noch Binnendifferenzierungen innerhalb der Religionen. ZB Es gibt Unterschiede zw Katholischer Religion (inklusive Nachfolger) und der Orthodoxen Christlichen Welt.

Oderint

14. August 2023 22:18

Was wohl die Polen über die segensreiche Verbindung von Deutschland und Rußland zu sagen haben?
Ich nehme an, Dr. Lehnert meint mit den Befreiungskriegen jene vom Bonapartismus - in diesem Fall muss ich heftigst widersprechen. Napoleon war ein Segen für Europa, nicht die Befreiung von ihm; man denke nur an den code civil, der Bürger in allen Ländern, die zeitweise französisch besetzt waren, erstmals Freiheitsrechte, Gleichheit vor dem Gesetz, Schutz des Privateigentums etc. brachte. Für die russischen Bauern hätte die Sklaverei ein dreiviertel Jahrhundert früher geendet, wäre Napolen siegreich geblieben.

Franz Bettinger

15. August 2023 09:54

@Oderint: Stimme Ihnen zu, was Napoleon betrifft. Er war ein Segen für Europa. Und er hätte ein noch größerer Segen sein können, wäre er nicht besiegt worden. Europa stände heut ganz anders dar, wenn Napoleon seine Ideen hätte verwirklichen können. Vertane Chance! An unserem Haus hat der Heimat-Verein, damals mit Zustimmung meines Vaters noch, eine Gedek-Plakette angebracht, die einen Verräter am Volk (der Saarländer) und Verräter an Napoleon zu einem Freiheitskämpfer stilisiert. Das Schild sollte eigentlich weg. 

Le Chasseur

15. August 2023 10:30

"Napoleon war ein Segen für Europa"
Jaja, natürlich...

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.