“Ich provoziere mit Selbstverständlichkeiten.” – Krah im Gespräch

SEZESSION: Sie haben es wieder getan, Herr Krah: Mit einem knapp einminütigen TikTok-Video haben Sie erneut Ihre Gegner zum Schäumen gebracht. Vor einigen Wochen ist Ihnen das mit der Ansage „Echte Männer sind rechts“ gelungen, diesmal mit der Überschrift „Unsere Vorfahren waren keine Verbrecher.“ Was war die Absicht, warum jetzt dieses Filmchen, das mittlerweile eine halbe Million Leute angeschaut haben?

KRAH: Es ist ja nicht sehr schwer, den lin­ken Main­stream zum Schäu­men zu brin­gen, denn in Deutsch­land ist alles tabui­siert außer Sex. Sobald ich also ein The­ma poin­tiert anspre­che, wird es als Pro­vo­ka­ti­on wahr­ge­nom­men. Ich kann bis­wei­len nicht ein­mal vor­her­sa­gen, wel­ches Video nun genau die größ­te Wel­le macht. Es geht mir aber dar­um, ein­fa­che Din­ge, die mir selbst­ver­ständ­lich erschei­nen, in einer ein­fa­chen, kla­ren und unan­greif­ba­ren Spra­che aus­zu­drü­cken und dadurch die lin­ken Empö­rungs­ri­tua­le als das zu ent­lar­ven, was sie sind: Macht­de­mons­tra­tio­nen ohne jede inhalt­li­che Berech­ti­gung. Wir sol­len gehin­dert wer­den, das Offen­sicht­li­che aus­zu­spre­chen, zu sagen, dass zwei plus zwei vier und der Kai­ser nackt ist.

SEZESSION: Wir zitie­ren mal aus die­sem Tik­Tok-Film­chen: „Wenn du wie­der­ent­deckst, was dei­ne Vor­fah­ren alles getan haben, dann wirst auch du dich auf­rich­ten kön­nen und musst kei­ne Angst mehr haben. Des­halb: Krieg’ mal raus, was Oma, Opa, Uroma und Uropa gemacht haben. Wo sie her­ka­men, wie sie gekämpft und gelit­ten haben. Sie haben gelebt und wol­len jetzt, egal, wo sie sind, stolz auf dich sein. So wie du spä­ter stolz auf dei­ne Nach­fah­ren sein willst.“ Das ist expli­zit ein Auf­ruf zu Stolz und Selbst­be­wußt­sein und impli­zit ein Hin­weis auf die Schuld­kul­tur, die unse­ren Lands­leu­ten den Rücken beugt.

KRAH: Alles Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten, was ich da sage, oder? Wir sind ja nur auf der Welt, weil es die­se Vor­fah­ren gibt. Inso­fern ist die Ver­nei­nung der Vor­fah­ren eine Unmög­lich­keit, weil wir uns damit selbst in Fra­ge stel­len wür­den. Der Wil­le zum Leben baut auf dem Bekennt­nis zu Her­kunft auf, auf dem, wor­aus unser Leben ent­stan­den ist, das wir dann in Fort­set­zung die­ses Schöp­fungs­pro­zes­ses wei­ter­ge­ben. Wenn uns die Vor­fah­ren, die Her­kunft genom­men wird, wer sind wir dann, wor­auf bau­en wir auf?

Des­halb ist die Idee, wir sei­en die Rich­ter unse­rer Vor­fah­ren, für mich absurd, und die Behaup­tung, das Bekennt­nis zu ihnen sei eine Geschmacks­fra­ge und kein mora­li­sches Gebot, ein ver­hee­ren­des Miß­ver­ständ­nis. Ich wer­de es wei­ter­hin so hal­ten, mich an his­to­ri­schen Debat­ten nicht zu betei­li­gen, viel­leicht irgend­wann ein­mal in Buch­form, aber nicht in Kurz­vi­de­os oder Inter­views, weil es immer miß­in­ter­pre­tiert wird.

Ich rufe des­halb in dem Video ein­fach Selbst­ver­ständ­li­ches in Erin­ne­rung: Das Bekennt­nis zu den eige­nen Vor­fah­ren gehört zum Mensch­sein. Es ist unab­ding­bar für die eige­ne indi­vi­du­el­le psy­chi­sche Gesund­heit wie auch für die Selbst­be­haup­tung als Kol­lek­tiv. Jede wei­te­re, detail­lier­te Deu­tung, jede kon­kre­te Anwen­dung die­ser Aus­sa­ge über­las­se ich dem Rezipienten.

SEZESSION: Der Trend geht weg von kom­ple­xen Betrach­tun­gen hin zu ein­präg­sa­men, sehr knap­pen Paro­len. Machen Sie so etwas intui­tiv oder haben Sie die Mas­sen­psy­che stu­diert, die ja erwie­se­ner­ma­ßen um Mei­len von der Indi­vi­du­al­psy­che getrennt ist und völ­lig anders reagiert?

KRAH: Ich bin kei­ne One-man-Show, wir arbei­ten als Team. Auch mei­ne Geg­ner bil­li­gen mir rhe­to­ri­sches Talent zu. Das nut­zen wir. Wir haben also gemein­sam die­ses For­mat der zuge­spitz­ten Kurz­vi­de­os mit einem mar­kan­ten Auf­takt­satz, der auch zugleich Schluß­satz ist, ent­wi­ckelt. Wir über­le­gen uns pro Dreh­tag 10–15 sol­cher Auf­takt­aus­sa­gen, und ich set­ze es dann sprach­lich und inhalt­lich um.

SEZESSION: Die Reak­tio­nen auf Ihre kur­zen Bot­schaf­ten bestä­ti­gen den Spruch „Viel Feind, viel Ehr“. Sie wer­den sich kaum die Mühe machen durch­zu­zäh­len – aber die Waa­ge neigt sich deut­lich der Sei­te „Ehr“ zu. Ein besorg­ter Kom­men­ta­tor, ehe­ma­li­ger BILD-Redak­teur, seufzt: „Die Lei­den­schaft, mit der so vie­le Maxi­mi­li­an Krah ver­tei­di­gen, macht sprach­los.“ Was machen Sie richtig?

KRAH: Das müs­sen Sie mir sagen, was ich rich­tig mache! Ich kann Ihnen sagen, was wir uns den­ken: Wir wol­len sol­che Din­ge aus­spre­chen, die einer gro­ßen Mehr­heit abso­lut klar erschei­nen, aber von den Lin­ken mit ihrer Dis­kurs­macht tabui­siert wer­den. Bei­spiel: Ein Mann, der sich Frau­en­klei­der anzieht, wird dadurch nicht zur Frau, son­dern bleibt ein Mann. Das ist ein kla­rer Angriff auf die lin­ke LGBTQIA+-Ideologie, aber weil es eben sprach­lich so harm­los daher­kommt, ohne jeden Schaum vor dem Mund, nicht kri­mi­na­li­sier­bar. Ich ver­mei­de also Phra­sen, Pathos und Schlag­wor­te. Das macht es schwer, mich zu dämonisieren.

SEZESSION: Susan­ne Gasch­ke (die 33 Jah­re SPD-Mit­glied war und die wir als Autorin etli­cher kon­ser­va­ti­ver Bücher schät­zen) hat Sie nun in einem NZZ-Arti­kel hart ange­grif­fen: „Folgt man ihm, dann müss­te man stolz sein auf Vor­fah­ren, die nach 1933 die müh­sam errun­ge­ne Demo­kra­tie in Deutsch­land besei­tig­ten. Die poli­ti­sche Geg­ner ein­sperr­ten, aus­ser Lan­des trie­ben oder umbrach­ten. Die Mil­lio­nen von Juden ver­folg­ten und mit deut­scher Effi­zi­enz ermor­de­ten.“ Gasch­ke wirft Ihnen nun vor, „mit kei­nem Wort die Ver­bre­chen des Natio­nal­so­zia­lis­mus“ erwähnt zu haben. Wir neh­men an, Sie sind wie wir der Mei­nung, daß man das auch nicht immer tun muß, oder?

KRAH: Es gibt selbst­ver­ständ­lich kein Gebot, immer den Natio­nal­so­zia­lis­mus zu erwäh­nen, wenn man von Deutsch­land redet. Erstaun­lich ist, daß Frau Gasch­ke mir aber expli­zit vor­wirft, gegen die­ses Nicht-Gebot ver­sto­ßen zu haben. Und das ist ein Erfolg: Sie muß ein sol­ches Gebot ins Feld füh­ren, sie offen­bart damit die kru­de Logik der Lin­ken, die uns Her­kunft und Geschich­te neh­men wol­len. Sie springt über mein Stöck­chen, nicht ich über ihres.

Ent­we­der, sie läßt mei­ne Aus­sa­ge ste­hen, dann habe ich gewon­nen. Oder sie offen­bart ihre NS-Fixie­rung in vol­ler Pracht und erzeugt dann Abwehr gegen sich und Zustim­mung zu mir. Das ist gesche­hen. Auch gewon­nen. Und das ist auch mei­ne Emp­feh­lung: Wir soll­ten nur des­halb, weil unse­re Geg­ner stän­dig vom Natio­nal­so­zia­lis­mus reden, es ihnen nicht gleich­tun. Son­dern wir soll­ten uns lust­voll und stolz auf die über ein­tau­send (minus 12) Jah­re an Geschich­te und Kul­tur­auf­bau bezie­hen, in denen wir die geis­ti­ge Grund­la­ge Deutsch­lands sehen.

Eine Beob­ach­tung: Daß der im libe­ral­kon­ser­va­ti­ven Bio­top welt­be­rühm­te Fach­hoch­schul­leh­rer Mar­tin Wage­ner sich in die­ser Sache auf Sei­te der Lin­ken geschla­gen hat, ist entlarvend.

SEZESSION: Ja, es ist jeden­falls inter­es­sant. Wagen­ers dies­be­züg­li­cher Tweet hat zahl­rei­che Kom­men­ta­re erhal­ten, fast nur „seriö­se“. Von 104 Kom­men­ta­ren schla­gen sich knapp 100 auf Ihre Sei­te. Fest steht: Sie pola­ri­sie­ren ordent­lich. Björn Höcke schrieb in sei­nem Buch und sag­te es in unse­rem Pod­cast erneut: Der Riß, der durch unser Volk geht, müs­se gekit­tet wer­den. Kann man pola­ri­sie­ren und kit­ten zugleich, oder ist das ein­fach eine gewis­se Aufgabenteilung?

KRAH: Wir brau­chen Klar­heit. Die Zei­ten, in denen man auf Kos­ten der Klar­heit Dif­fe­ren­zen ein­fach ver­de­cken konn­te, sind vor­bei. Wir müs­sen jetzt die Alter­na­ti­ven deut­lich auf­zei­gen: Dort das Estab­lish­ment, das mit Deutsch­land als Bezugs­rah­men längst nichts mehr anfan­gen kann, das Poli­tik expli­zit nicht als Dienst an natio­na­len oder immer­hin euro­päi­schen Inter­es­sen ver­steht, son­dern sich einer ima­gi­nä­ren Welt­mo­ral ver­pflich­tet fühlt und dafür jeder­zeit Deutsch­land aus­zu­plün­dern bereit ist. Und hier die demo­kra­ti­sche Rech­te, die eine Poli­tik für uns macht, was damit beginnt zu klä­ren, wer die­ses Wir ist – des­halb ja der Streit um den Volksbegriff.

Die­se bei­den Poli­tik­ver­ständ­nis­se sind ant­ago­nis­tisch. Das muß aus­ge­foch­ten wer­den. Ich will ein Bewußt­sein schaf­fen für den poli­ti­schen Gra­ben, auf daß die Leu­te nach­voll­zie­hen, wie­so die ande­ren so und wir anders argu­men­tie­ren und agieren.

SEZESSION: Die­je­ni­gen, die Ihnen kei­nen Applaus spen­den, son­dern den Nazi erschnüf­feln wol­len, wer­fen Ihnen auch vor, Sie erhiel­ten Applaus von der fal­schen Sei­te, also von NPD-Leu­ten, Reichs­bür­gern, Ewig­gest­ri­gen und­so­wei­ter. Muß man auf sol­che Anwür­fe reagieren?

KRAH: Nein. Enzens­ber­ger nann­te die Angst vor dem Bei­fall von der ver­meint­lich fal­schen Sei­te gar ein „Cha­rak­te­ris­ti­kum tota­li­tä­ren Den­kens“. Und trotz mei­ner Scheu vor solch bom­bas­ti­schen Bezeich­nun­gen: Er hat­te recht. Wir müs­sen unbe­irrt aus­drü­cken, wofür wir ste­hen und was wir für rich­tig hal­ten und dür­fen uns nicht danach rich­ten, wem wir gefal­len wol­len. Das ist ja die rech­te Welt­an­schau­ung: Wir gestal­ten die Welt, nicht die Welt gestal­tet uns. Wir soll­ten uns natür­lich immer prü­fen, ob wir rich­tig lie­gen, und der Blick auf jene, die uns zustim­men, ist da ein wich­ti­ger Indi­ka­tor. Aber auch wenn ich mich selbst­kri­tisch prü­fe: Ech­te Män­ner sind rechts und unse­re Vor­fah­ren waren kei­ne Ver­bre­cher – unab­hän­gig davon, wem das paßt und wem nicht.

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Kommentare (26)

RMH

13. September 2023 09:46

Extra für Frau Gaschke und für alle anderen, die den Grundsatz, dass Ausnahmen die Regel bestätigen, nicht wahrnehmen wollen und in Fragen der Historie nur 100% Licht oder 100% dunkel kennen:
Unsere Vorfahren waren keine Verbrecher. Der Begriff Vorfahren kann Spuren von braunen Nüssen enthalten.
PS: @Dr. Krah, viel Erfolg in der Auseinandersetzung mit der Red. von t-online.

Maiordomus

13. September 2023 09:56

Uberzeugende Klarstellungen des Selbstverständlichen. "Echte Männer sind rechts!" scheint mir mindestens für Mittel-und Südamerika nicht zu gelten. Politisch lehnte ich Fidel Castro und Che Guevara immer ab, aber der Commandante,siehe den von Frauen schmachtend präsentierten Song über ihn,  war zwar vieles und vieles nicht, ein echter Mann aber wohl schon.

Grobschlosser

13. September 2023 10:17

guter Mann mit guten Ideen . Wir brauchen mehr Technik , mehr Werbung , mehr Nachwuchsförderung , mehr Aufbauarbeit in den bereits gut gesicherten Wahlkreisen in Mitteldeutschland . 
Jeder Mitstreiter sollte die AfD unterstützen und unsere wichtigsten Multiplikatoren / Verlage massiv finanziell unterstützen . Leute , kauft Bücher .Bestellt Flugblätter & Infomaterial , unterstütze auch DU den Wahlkampf der AfD .

Hartwig aus LG8

13. September 2023 12:42

Respekt und 100 % Zustimmung. Bravo!
Dennoch eine Frage: Warum diese öffentliche und detaillierte Erläuterung? Warum dem einfachen TikToker nicht "den sympathischen Krah mit seinen verlautbarten Selbstverständlichkeiten" lassen; ihm stattdessen den im professionellen Team arbeitenden, berechnenden Provokateur vorstellen?
"making of ... " oder "behind the scene ... "  - nicht immer eine gute Idee.

antwort redaktion:
tiktoker lesen dieses netztagebuch nicht, netztagebuchleser sind kaum auf tiktok. das "making of" ist also für diejenigen, die am making of interesse haben könnten.

Noch ein Hesse

13. September 2023 13:53

Herzlichen Dank und großen Respekt, Herr Krah, die Aussage ist richtig und wichtig (genau wie Fr. Weidels "Nicht-Befeiern" im ARD-Interview). Gleichzeitig ist sie leider auch maximal unterkomplex; noch etwas richtiger - und weniger angreifbar, scheint mir - wäre ja so etwas wie "Unsere Vorfahren waren keine größeren Verbrecher als ihre Feinde". Aber immerhin, endlich werden die Dogmen der Siegergeschichtsschreibung geschleift. Vielleicht zu spät, angesichts der katastrophalen Wucht, mit der wir "uns selbst in Frage stellen", aber vielleicht ja auch nicht. 

Franz Bettinger

13. September 2023 14:06

Ich freue mich über Krah’s Selbstverständnis. Ich glaube, dass er damit Wähler gewinnt. Allein dass diese klaren wahren Worte so selten geworden sind, lässt die Menschen aufhorchen und den Verkünder insgeheim bewundern. Mit was wollen nackte Könige denn kämpfen? Mit viel Wind, was sonst. Jedenfalls nicht mit der Wahrheit. 

Caroline Sommerfeld

13. September 2023 14:41

"Man fragt oft ohne weiter darüber nachzudenken, warum die Schande eines Verbrechens oder einer Strafe auf die Nachkommenschaft des Schuldigen fallen solle; und Leute, die dies gefragt, rühmen sich kurz darauf der Verdienste ihrer Voreltern: Das ist doch ein offenbarer Widerspruch."

(Joseph de Maistre, Die Abende von St. Petersburg, S. 396)

Le Chasseur

13. September 2023 15:34

Die Autobiografie von Annalena Baerbock (42) beginnt mit einer emotionalen Widmung: "Für meine Oma und all die Generationen, die so viel erlitten, erkämpft und geleistet haben und auf deren Schultern wir heute stehen."
https://www.bunte.de/stars/star-news/annalena-baerbock-diese-schicksale-praegten-unsere-aussenministerin.html
 

Tageszeile

13. September 2023 16:23

Einen guten Tag gewünscht!
Den historischen Läuterungsstolz in seine Ecke zu verweisen und alle Jubelfeiern zur "demokratischen" Umschulung zu vermiesen, ist berechtigterweise ein Aspekt, und es fehlt nicht am gewissen Humor. Diese religiösen Beleidigungen, so in manchen O-Tönen, fordern ja immer noch witzige Bekenntnisse von den Hütern der politischen Moral.

Maiordomus

13. September 2023 17:41

@Sommerfeld. Joseph de Maistre, Die Abende von St. Petersburg. Wer das liest, denkt in der Tat im Geiste der heiigen Allianz noch alteuropäisch wie Baader, der mit dem Fürsten Gallizin vor gut 200 Jahren eine russisch-westliche orthodox-katholische Allianz schmieden wollte. In jeder Hinsicht das Gegenteil des heutigen Mainstreams, übrigens das herkömmlich nationalistisch-chauvinistische Denken inbegriffen.  
De Maistre ist jedem gebildeten Mitglied der Russ. Akademie der Wissenschaft in St. Petersburg, zumal den des Lateins fähigen Geisteswissenschaftlern, ein Begriff. Es gibt aber zu denken, dass diese Leute sich heute sehr ruhig verhalten. Ihre Begeisterung über das heutige Treffen des Dicken eher Dummen mit dem Dünneren Klügeren wird sich in Grenzen halten. Noch was: wegen einer Bemerkung von Ihnen über Ihre Abiturschwerpunkte, die nicht allenthalben Begeisterung ausgelöst haben, empfehle ich Ihnen noch Eulers Briefe an eine Prinzessin, oder gar "deutsche Prinzessin". Das Grab Eulers finden Sie in St. P. auf dem gleichen Friedhof wie dasjenige von Tschaikowsky und noch anderen grossen Musikern, ferner Dostojewskij. Der Schauplatz von Gogols Meisternovelle "Der Mantel" kann übrigens noch abspaziert werden!

Karl

13. September 2023 18:11

Provokant und für Viele gerade noch anschlussfähig: gemäß Martin Sellners Anleitung für die Verschiebung des Overton-Fensters in unsere Richtung. Genial und mutig. Danke dafür und mehr davon! Herr Krah ist ja auch kein Einzelkämpfer. Weidel, Chrupalla und viele weitere AfD-Politiker wagen auch immer mehr den metapolitischen Rahmen des Sagbaren zu verschieben.

Laurenz

13. September 2023 18:13

@Maiordomus .... Ausnahmen bestätigen die Regel... https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2017/studie-schwache-maenner-lieben-sozialismus/
@CS ... Sie glauben an die Erbsünde. Aber was ist, wenn die Erbsünde gar nicht das allgemeine Narrativ bestätigt? Ich habe meine Familiengeschichte aufgearbeitet, spirituell & faktisch. Ich muß seitdem immer ans Ausland herantreten & nach dessen Erbsünde fragen, weil ich bei mir nur Erbleiden finde. Frau Gaschke fehlt es schlicht an Bildung, als das man das Geschwätz in der NZZ ernst nehmen könnte. Auch die NZZ sollte sich einfach mehr mit der Historie beschäftigen, bevor sie solchen Schwachsinn raushaut.
@Maximilian Krah ... finde Ihre erfrischenden Aussagen zur tatsächlichen Faktenlage immer inspirierend. Weiter so. Mir wäre es lieber, die Redaktion würde mal Ihr neues Buch angehen. Da sind mir bis Seite 40 schon einige Klopper untergekommen, die einem die Motivation zum lesen nehmen.

RMH

13. September 2023 21:12

"Mir wäre es lieber, die Redaktion würde mal Ihr neues Buch angehen. Da sind mir bis Seite 40 schon einige Klopper untergekommen, die einem die Motivation zum lesen nehmen."
@Laurenz,
100% Zustimmung!

Gracchus

13. September 2023 23:08

Aussagen in Tiktok-Videos sollte man nicht auf die Goldwaage legen, was auch Gaschke oder Wagener verstehen müssten. Krah ist wohl ein Schelm. Die Aussage - "Unsere Vorfahren waren keine Verbrecher" - ist unsinnig (es befanden sich sicher welche drunter), ihr Unsinn wird überdeckt durch die noch unsinnigere Gegenaussage ("unsere Vorfahren waren Verbrecher"), welche ja nur in Bezug auf die NS-Zeit gebraucht wird oder zumindest mitschwingt. Womöglich rede ich aber auch Unsinn - weil Vorfahren ein Kollektiv bezeichnet - nur soll sich der Adressat ja die Leistungen seiner Uroma vor Augen halten, der konkreten - und was, wenn diese nunmal eine Verbrecherin war? Soll man aber vielleicht Vater und Mutter ehren, auch wenn sie Verbrecher waren? 
 

Maiordomus

13. September 2023 23:13

Für heute abend: als Sellner-Kritiker, in Wirklichkeit sein Verteidiger, ist mir heute in pi-news wieder seine grosse Stärke aufgefallen, die Video-Rhetorik. Alles perfekt, auch inhaltlich, nur dass er am Schluss die richtigen Analysen bei Weidel und Krah auf den Einfluss des metapolitischen Hintergrundes, liess MS, zurückführte. Dies mag bei der Hörerschaft Wirkung bzw. Belehrung zeitigen, aber es bleibt wohl  dabei, dass Weidel und Krah für ihre Aussagen eher nicht auf diese Weiterbildung angewiesen waren. Aber der Beitrag ist top gesprochen.

Gracchus

13. September 2023 23:34

Mir widerstrebt es, über unsere Vorfahren zu Gericht zu sitzen, aber auch sie zu "heroisieren". Im Kollektiv schon mal gar nicht. Konkret kann ich ja nur über meine Großeltern reden, denen ich mich innig verbunden fühlte und fühle.  
Metapolitisch ist mit die notwendigste Aufgabe, ein anderes Verhältnis zur NS-Zeit zu gewinnen. Das bedingt schon der zeitliche Abstand. Ein anderes Verhältnis heißt ja nicht, irgendwas zu leugnen. Es scheint in der Tat so, dass die NS-Fixierung eine ungesunde Lähmung verursacht. 

wolfdieter

14. September 2023 00:20

Krah hat Recht.
Irgendwo las ich, und ich mache den Gedanken mir zu Eigen, die Deutschen wurden nach 1945 nicht entnazifiziert, sondern gehirngewaschen.
Als ehemals Linker lastete der Schatten des Nationalsozialismus auf meiner Seele; wie konnten die sich zwischen 1920 und 1933 von Null auf so entwickeln?
Ein Russe entwickelt die Theorie, dass Geheimdienste kreativ tätig wurden.

brueckenbauer

14. September 2023 06:47

Dass wir (auch gegeneinander) gekämpft und (auch untereinander) gelitten haben, ist letzten Endes die Erfahrung, die uns alle als Menschen verbindet; deshalb kann es sich bei Baerbock ebenso wiederfinden wie bei Krah. Und die Kategorie des "Verbrechens" ist eben erst sekundär, aus der Erfahrung des Leidens ableitbar. Wer das verkennt ud das "Verbrechen" an die erste Stelle rückt, verfehlt das Menschliche - ob man Gaschke hier zur Einsicht bringen kann?

das kapital

14. September 2023 08:47

@ laurenz und RMHDie Klopper ? Da nicht alle den Krah (schon) gelesen haben, wäre es schon hilfreich, ein bisschen genauer von dem zu erfahren, was merkwürdig ist. /// 32 Prozent in Brandenburg. Da erfahren die sogenannten "demokratischen" Parteien ganz offensiv, was ihnen blüht. /// Provozieren mit "Normalität". Die AfD wird mehr und mehr zum Sprachrohr der heterosexuellen, klar orientierten Mehrheitsgesellschaft. Söder hingegen kriecht gerade dem Regenbogen in den Allerwertesten. Ich kann gar nicht soviel kotzen, wie ich essen möchte. Dann soll er halt dem SPD Ortsverband München Mitte beitreten und das mit dem Regieren anderen überlassen.

RMH

14. September 2023 10:18

@ laurenz und RMHDie Klopper ? Da nicht alle den Krah (schon) gelesen haben, wäre es schon hilfreich, ein bisschen genauer von dem zu erfahren, was merkwürdig ist
@Das Kapital,
um die Lektüre kommt man nicht so richtig vorbei, wenn man diskutieren will. Nur so viel, das Buch ist nicht auf den großen h.e.a.l Konsens ausgelegt, daher ist es normal, dass man sich auch mal daran reibt, selbst im eigenen "Lager". Ich selber hätte mich unter dem Anspruch eines "Manifests" deutlich knapper gefasst, aber das ist zunächst nur ein Stileinwand und noch kein echter inhaltlicher. Bin gespannt, ob es noch eine eigene Diskussion geben darf.

RMH

14. September 2023 10:36

"Soll man aber vielleicht Vater und Mutter ehren, auch wenn sie Verbrecher waren? "
@Gracchus,
aus meiner Sicht ja, den ehren bedeutet nicht, dass man alles gut heißen muss oder einen Heiligsprechung durchzuführen hat. Zum Ehren kann auch dazu gehören, dass man ein Scheitern und Fehlverhalten klar erkennt und zum tat tvam asi einfach anerkennt. Das Verdrängen ist hier genauso wenig ehrenvoll wie das beschönigen oder verurteilen. Man ehrt seine Vorfahren auch damit, in dem man klar feststellt, hier haben sie sich verrannt, hier haben sie u.U. böse gehandelt, hier gut.
Ich habe bspw. einmal die Familie eines Mannes, der in Auschwitz in führender Funktion gewirkt hat (ich will keine weiteren Details nennen, weil man dann die historische Person zu leicht erkennen kann), kennen gelernt und deren Umgang damit unterscheidet sich doch gänzlich von dem eines bspw. Niklas Frank. Die leugnen nichts, gehen aber auch nicht verächtlich mit ihrem Vorfahr um sondern lassen ihn in seiner Zeit und seinem Schicksal auch ein Stück weit einfach stehen, zumal er mit dem eigenen Tod den Preis für sein Handeln bezahlt hat. Und schon gleich gar nicht produzieren sie sich selber mit diesem Vorfahren (schweigen aber auch nichts tot - haben sehr offen darüber geredet).

Laurenz

14. September 2023 11:05

@Das Kapital @L. & RMH ... Die Krah-Klopper .... Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe es nicht bereut, das Buch gekauft zu haben, aber es ist, bevor Herr Krah das nächste schreibt, wie im letzten Krah-Schnellroda-Video angekündigt, in einigen Punkten doch arg verbesserungswürdig. Diejenigen SiN-Teilnehmer, die schon länger auf der SiN schreiben, finden sich inhaltlich auch im Buch wieder. Aber dieser Artikel geht um TikTok-Klips & nicht um das neue Buch. Ich kann Ihnen soviel verrraten. Man bemerkt sofort, ob Krah Plan hat, von was Er schreibt oder nicht. Nicht passiert meistens dann, wenn Frau Kositza soufflierte.

Kositza: Haha, krude Verschwörungstheorien. Hab das Buch/das Manuskript vor dem Druck nie in der Hand gehabt.

tearjerker

14. September 2023 11:30

Gaschke hat einfach nie begriffen, dass sie schon vor ihrem Einstieg als Oberbürgermeisterin mit ihren Positionen aneckte, im Haifischbecken SPD als Fremdkörper wahrgenommen und deshalb auch prompt geopfert wurde, als es der Partei dienlich war und den MP zu decken galt. Wenn auf einmal die Karriere der Anderen und nicht mehr man selbst protegiert wird, versteht man halt die Welt nicht mehr. Jetzt wird sich mal wieder über die GegenRechts-Schiene bei den Genossen angebiedert, denn der Ehemann ist ja nach wie vor in der Partei und Rüstungslobbyist im Auftrag der Kriegsmarine. Die Tochter scheint auch noch als Parteimitglied mit der Karriereoption Macht in Kiel zu sein. Ihr Gatte hat mal ein Buch mit dem Titel "Wir sind die Guten" veröffentlicht. Sozial und Demokrat zu sein ist halt ein Gefühl, und Krah sollte jetzt einfach mal den Nationalsozialismus erwähnen. Ist doch nichts dabei.

Niekisch

14. September 2023 12:19

"für Viele gerade noch anschlussfähig: gemäß Martin Sellners Anleitung für die Verschiebung des Overton-Fensters in unsere Richtung."
@Karl13.9. 18:11: Meine gegenteilige Ansicht wurde nicht eingestellt, was insofern schade ist, weil Martin Sellners Arbeit in den Diskurs kommen sollte.

Artabanus

14. September 2023 12:51

@ wolfdieter
Zur Entstehung des NS sind keine Verschwörungstheorien nötig. Die Ursache des Scheiterns der Weimarer Republik lag bereits in der blutigen Niederschlagung der Revolutionäre von 1918. Der 'Sozialdemokrat' Ebert verbündete sich mit den Freikorps und die Republik war von da an mit Blut besudelt. Hinzu kam die Dolchstoßlegende von den Verlierergenerälen des 1. Weltkriegs erfunden und vom Volk begeistert geglaubt. Schließlich das Komplott des korrupten und senilen Hindenburg mit Schleicher welches bereits die Errichtung einer Diktatur avisierte. Zuletzt hat Hindenburg Hitler dann zum Kanzler ernannt weil dieser ihm ein Ermächtigungsgesetz versprochen hatte. Und er hat sein Versprechen auch gehalten.

Laurenz

14. September 2023 13:32

@Ek ... Hab das Manuskript vor dem Druck nie in der Hand gehabt. ... Mag sein, dafür Ihr Mann ganz gewiß. Nicht in jedem, aber in manchen Themenbereichen blasen Sie Beide durch dieselbe Trompete. Und, Sie haben im letzten Krah-Schnellroda-Video souffliert & Krah war im Affekt schlecht beraten, nachzugeben. Sie sehen, daß ich sehr genau beobachte oder lese.

Kositza: Erinner mich nicht, wo ich "souffliert"/trompetet hätte. Was meinen Sie genau? Alles, was Krah geschrieben hat, ist Krah pur.

@Tearjerker ... Krah sollte jetzt einfach mal den Nationalsozialismus erwähnen. Ist doch nichts dabei ... Der Nationalsozialismus ist nicht ideologisch, aber historisch komplex. Die einfachen Wahrheiten, Realitäten, die Krah in kurze Sätze faßt, gehen meist über diese sehr kurze Ära, davor & danach, hinaus. Diese sogenannten Shorts entfalten ihre Wirkung durch ihre prägnante Kürze. Never change a winning team. Insofern ist das gar nicht notwendig, den Nationalsozialismus zu kommentieren. Weidel hat, mutig, wie Sie ist, sich im Sommerinterview zur Niederlage Deutschlands positioniert & diese ganz unabhängig einer politischen Positionierung zum Thema gemacht. Und wer hat schon die Realität von Gaulands "Fliegenschiß'" wirklich verstanden? Die Linke? Nicht in diesem Leben.

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