Kontrovers: Maximilian Krahs Vortrag über Nahost und Geschichtspolitik

Im November veranstaltete das Institut für Staatspolitik (IfS) eine Tagung zu metapolitischen Deutungen aktueller Krisen und Lagen. Dr. Erik Lehnerts Vortrag "Ost und West. Über den gordischen Knoten unserer Zeit" wird in den kommenden Tagen veröffentlicht. Der Vortrag von Dimitrios Kisoudis ist im Dezember-Heft der Sezession in gekürzter Fassung abgedruckt: "Denken in Kontinenten".

Im “Kanal Schnell­ro­da” auf You­tube bereits ver­füg­bar ist Maxi­mi­li­an Krahs Vor­trag über “Nah­ost-Kon­flikt und Ver­gan­gen­heits­po­li­tik”. Es ist nicht schwer, bereits aus die­sem Titel die Pro­blem­la­ge abzu­lei­ten, in der sich Deutsch­land wie­der­fin­det: Wie soll man sich posi­tio­nie­ren, wie kann man sich äußern, wenn man in “his­to­ri­scher Ver­ant­wor­tung” gegen­über der einen der bei­den Kon­flkt­par­tei­en im Nahen Osten steht?

Krah wuß­te um die bei­den Minen­fel­der, die sich in der Auf­ga­ben­stel­lung ver­bar­gen. Er spielt in der ers­ten Minu­te sei­nes Vor­trags auf sie an und wei­tet danach das The­ma zu einer umfas­sen­den und erfri­schend unge­schüt­zen Betrach­tung der Lage aus, in die er sich als Poli­ti­ker (und das heißt: als Spit­zen­kan­di­dat der AfD für die Euro­pa­wahl) gestellt sieht.

Das Unge­schüt­ze an Krahs Vor­trag kann man auch als “Ver­fer­ti­gung der Gedan­ken beim Reden” beschrei­ben, also das Rin­gen um ein immer stim­mi­ge­res Ver­ständ­nis in gedank­li­chen Schlei­fen. Das und der Inhalt wer­den kon­tro­vers auf­ge­nom­men. Soll­te sich die­se Kon­tro­ver­se, die bis­her aus per­sön­lich an uns gerich­te­ten Kom­men­ta­ren besteht, öffent­lich aus­wei­ten, wer­den wir die Posi­tio­nen zusam­men­tra­gen. Hier nun Krahs Vortrag:

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Kommentare (30)

marcus

30. November 2023 13:29

Ich war recht irritiert über manche Inhalte des Vortrags.

Krah stellt die Behauptung auf,  für Liberal-Konservative sei die Solidarität mit Israel Vergangenheitsbewältigung - und lässt es bei der Behauptung. Auf Belege verzichtet er. Seine Äußerungen zu den Evangelikalen in den USA sind vollkommen undifferenziert.

Wenn jemand Dresden mit Gaza gleichsetzt, weiß er entweder zu wenig über die Luftangriffe auf Dresden oder den israelischen Angriff auf Gaza Auf Krah trifft vermutlich letzteres zu.

Um die Interessen Deutschlands zu schützen ist es nicht zwingend notwendig auf einen Waffenstillstand im Gazastreifen hinzuwirken. Deutschland muss zu allererst seine Grenzen schützen.

Recht hat Krah allerdings, dass die Reaktionen auf den Gazakrieg offenlegen, wer wo steht. Das können die Liberal-Konservativen nun ebenfalls gut sehen. Auch wenn die Liberalen-Konservativen angeblich nur ein westdeutsches Phänomen sind und man sie aus der AfD hinausdrängen will:  Ohne sie wird eine politische Wende in Deutschland nicht stattfinden.

kikl

30. November 2023 15:35

Aus meiner Sicht hat Krah einen brillianten Vortrag gehalten.
Wer die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson erklärt und wie Herr Reichelt selbst Terrorbombardierungen der Zivilbevölkerung wie in Dresden so in Gaza rechtfertigt, der betreibt offenbar eine spezielle Form der Vergangenheitsbewältigung, nämlich die Flucht von der eigenen Identität und die Begleichung der Schuld durch Verleugnung der eigenen Interessen. 
Die Unterscheidung zwischen "Jus ad bellum", also Recht zum Krieg" und "jus in Bello", also Recht im Krieg, ist Herrn Krah gut gelungen. Vermutlich ist er Jurist!?
Wer hingegen den Angriff der Hamas auf Israel als einen gerechten "palästinensischen" Befreiungskrieg verklärt - was gerade unter Linken weit verbreitet ist - der betreibt auch eine Form der "Vergangenheitsbewältigung": Endlich kann man einmal die Juden tadeln, von denen man ansonsten so viele Tadel als Deutscher erleidet. Hiermit werden unausgesprochene Aggressionen sublimiert.
Statt dessen gilt es, sich davon vollkommen zu befreien und nüchtern das Richtige vom Falschen zu unterscheiden und die deutschen Interessen zu vertreten. Dabei gilt es zu bedenken, dass der Islam eine imperialistische Ideologie ist, die mit dem Grundgesetz unvereinbar ist.

Heinrich Loewe

30. November 2023 18:51

(1) Was Krah sagt, hinkt an mehreren Stellen. Z.B. Bombardierung Dresden/die Briten vs. Gaza/die Israelis. Die Israelis sind in einem existenziellen Krieg gerade wie nie zuvor in ihrer Geschichte - das waren die Briten zur Zeit der Bombardierung Dresdens nicht. Dresden war unzulässig, Gaza ist zulässig.
Auch bin ich unter allen Umständen 100% pro Israel - nicht weil das ein Ersatz oder eine Projektion oder Kompensation einer (nicht erlaubten) Idendifikation mit Deutschland wäre. Ich bin es, weil Israel ein Ethno-Nationalstaat ist, der seine Existenz mit allen Mitteln, auch „unerlaubten“ (erst das Fressen, dann die Moral) verteidigt. Das ist ziemlich genau das exakte Gegenbild zum Programm der WEF/Globalisten, die alles im Weltstaat unter totaler Vereinzelung der Individuen aufgehen lassen will.

Heinrich Loewe

30. November 2023 18:51

2) Schließlich sehe ich die deutschen linksprogressiven Globalisten gerne sich quälen und winden in den unauflöslichen Widersprüchen die sich hier im Kontext des Holocaust und eben der Existenz Israels ergeben. Wenn man Israel die totale Selbstbehauptung zugesteht, muß man sie allen anderen Nationen auch zugestehen.
Krah verfehlt auch einen Punkt weitgehend, daß es hier nicht nur um Israel geht sondern um den Dschihad gegen den Westen insgesamt. Das ist fest verdrahtet unauflöslich eingebacken in diese Steinzeitreligion. Daran ändert auch nichts der Umstand, daß es 20 Jahre hier in Deutschland ziemlich ruhig war. Der Totalitätsanspruch des Islam auf Weltherrschaft bleibt bestehen. Nethanjahu hat im BILD-Interview das genau so gesagt: Nach uns seid ihr dran.
Der Islam ist für viele Rechte aus vielen Gründen attraktiv. Man kann sich da aber nur aus einer (derzeit nicht vorhandenen) Stärke heraus annähern.

Dietrichs Bern

30. November 2023 19:44

Zunächst ist es immer ein Gewinn, den Vorträgen von Herrn Krah zuzuhören, inhaltlich bin ich diesmal aber in vielem anderer Sicht.
Die angebliche deutsche Staatsräson ist sowieso nur ein Schild, das Abstimmungsverhalten Deutschlands vor den UN und das hinnehmen von Al-Quds Tagen, das wegmobben jüdischer Schüler in Berlin durch die Korangläubigen, die Documenta, der strukturelle Antisemitismus des ÖRR und Regierungsparteien wie die Grünen - all das demaskiert die Worthülsen.
Was Herr Krah mit den Liberalkonservativen hat, schließt sich mir nicht. Wenn dort Sympathien mit Israel bestehen, dann weil man eben sieht, gegen welche Barbaren sie sich zur Wehr setzten und was sie aus der Wüste gemacht haben. Die Korangläubigen machen mit Millionen unserer Steuergeldern gar nichts. Hier nicht und dort nicht.
Und zu den Aufmärschen tausender Bürgegeldempfänger auf unserern Straßen, höre ich von Herrn Krah nichts. Vielleicht schadet Brüssel AFD-Politikern besonders.

RMH

30. November 2023 19:57

 
1. Krahs Hinweis auf die deutschen Interessen, dass der Konflikt zu keiner Masseneinwanderung nach Deutschland führen soll, ist richtig (utopische Erweiterung und gleichzeitig Gretchenfrage: Gilt das auch, wenn die Araber eines Tages siegen und Israelis als Flüchtlinge vor unserer Tür stehen?). Die Befürchtung, dass es zu einer Einigung der islamischen Welt gerade gegen uns kommt, ist hingegen unwahrscheinlich und aktuell schon wiederlegt. Für die befürwortete Eindämmung des Konflikts sorgen aktuell gerade die USA - sollte man ehrlichweise auch einmal einräumen - und gerade den atlantischen Hardlinern in der Union vorhalten, nach dem Motto: Die USA verhalten sich vernünftiger, als ihr Hansel.

RMH

30. November 2023 20:14

2. Zu Kritisieren an Krahs Ausführungen sind aus meiner Sicht vor allem 2 Punkte: 1. Die gesamte Springer-Blase, zu deren Gewächs trotz Rauswurf nachwievor auch Reichelt zählt, kann nicht auf "liberal-konservativ" verallgemeinert werden, zumal die Springer-Haltung zu Israel wahrlich nichts Neues, sondern Blatt-Leitlinie seit Axel Springer seelig ist. Deren 150%iges Pro-Israel-Getöne ist gerade keine Überraschung oder Augenöffner sondern Normalzustand. Es hat schon eine gewisse Chuzpe, jetzt mehr oder weniger alle Liberal-Konservativen unter die Springer-Linie subsumieren zu wollen und als Referenz verweist man auf Twitter. 2. - deutlich wesentlicher! - Das erfahrene Leid und das Unrecht, welches deutschen Zivilisten widerfahren ist, kann nicht verglichen oder gar gleich gesetzt werden (gut, Krah greift hier nur den Schwachfug von Reichelt auf), mit dem, was die sog. Palästinenser aktuell erleiden (werden deren Frauen zu hunderttausenden vergewaltigt?). Zu einem Feuersturm wie in HH, DD, Wü etc. ist das, was in Gaza geschieht, nun ja, ... . Zudem: Über Deutschland wurden eine Menge Flugblätter abgeworfen, aber zeitgenau & konkret vor Angriffen wurde darin nicht gewarnt - im Gegensatz dazu warnen die IDF sehr konkret, nicht nur mit Flugblättern. Insgesamt verharmlost mir der gute Dr. Krah hier (ist ihm das nicht aufgefallen?) zu sehr das deutsche Leid, wenn er Reichelts Infamie fortspinnt und ihm damit auf den Leim geht.

Volksdeutscher

30. November 2023 20:23

Krahs Vortrag war insgesamt gut, wenn man ihn als Stellungnahme eines AfD-Spitzenpolitikers zu einem militärischen Konflikt im historischen Kontext eingebettet betrachtet und nicht als ein Geschichtsreferat. 
@marcus - Und Ihnen kann man vorwerfen, daß Sie von der Situation unseres Landes keinen blassen Schimmer haben, auf jeden Fall, daß Ihnen die einfachsten Zusammenhänge nicht geläufig sind. Denn solange Deutschlands Grenzen offen sind - und das werden sie bleiben, solange nicht die AfD an der Macht ist - gibt es keine andere Möglichkeit, Flüchtlinge in weiterer millionenfacher Höhe abzuwehren als durch eine diplomatische Lösung des Konflikts. Deshalb ist es zwingend notwendig, auf einen Waffenstillstand und die baldige Beendigung der militärischen Auseinandersetzung im Gaza-Streifen hinzuwirken. So gesehen ist die idealistische Forderung, Deutschland müsse seine eigenen Grenzen schützen, eine reichlich naive Forderung, denn man braucht sich nur zu vergegenwärtigen, wer heute an der Macht ist, dem der Schutz Deutschlands Grenzen obliegt. Und gerade derjenige will seine Grenzen nicht schützen.

Valjean72

1. Dezember 2023 10:22

@marcus (2/2):
 
Vorausgegangen war eine öffentliche Äusserung des ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett, getätigt in einem Interview mit dem britischen TV-Sender Channel 4:
 
„Als Großbritannien im Zweiten Weltkrieg die Nazis bekämpft hat, hat auch keiner gefragt, was in Dresden los ist“, sagt Bennett aufgebracht und lässt seinen Interviewer kaum zu Wort kommen. „Die Nazis haben London angegriffen und Ihr habt Dresden angegriffen. Deshalb: Schande über Sie, wenn Sie mit diesem falschen Narrativ weitermachen.“
 
(Quelle: Tagesspiegel.de, 13.10.2023)

Gustav

1. Dezember 2023 10:42

Orwell beschrieb in „Politics and the English Language„, wie die Sprache von Ideologen und bürokratischen Mandarinen unsere Fähigkeit, klar zu denken, zerstört – was genau ihr Zweck ist. Seit er seinen Aufsatz im April 1946 in Horizon veröffentlichte, hat sich das Problem, wie wir es kennen, um sieben Jahrzehnte verschlimmert.
Dieser Sprachgebrauch hat die Sprache selbst entwaffnet und sie ihrer Durchsetzungskraft beraubt, so dass Reden oder Schreiben außerhalb der Orthodoxie als Ort eines ernsthaften Diskurses abgetan werden können. Die Sprache ist als Medium des kreativen Denkens oder als Anregung zu neuen, phantasievollen Handlungen untauglich geworden.
Der absurde, beleidigende Gebrauch des Begriffs „Antisemitismus“, der uns jetzt heimsucht, ist ein typisches Beispiel dafür. Die offensichtliche Absicht besteht darin, ein weitgehendes Schweigen aufzuerlegen, um die Verbrechen der israelischen Apartheid zu verschleiern.
Es gilt, die Sprache zurückzuerobern, ihr wieder Leben einzuhauchen, sie dem tötenden Einfluss der Institutionen, Bürokratien und der Konzernmedien zu entreißen – diese haben die Sprache zu einem Instrument zur Durchsetzung von Konformität deformiert. Darum ist jede freie und ehrliche Rede ein wichtiger und wertvoller Akt.
Klare Sprache ist ein Instrument – schnörkellos, einfach geschrieben und gesprochen, umgangssprachlich im besten Sinne dieses Wortes, aber durchaus fähig zu Subtilität und Komplexität. Es ist die Sprache der Geschichte, nicht des Mythos.

Rheinlaender

1. Dezember 2023 10:51

Herr Krahs zuweilen humanitaristisch anmutende Positionen erscheinen mit Hinblick auf künftige Herausforderungen in Europa als unklug, etwa wenn er im Zusammenhang mit bestimmten Maßnahmen von „Unmenschlichkeit“ spricht. Aus realpolitischer Sicht kommt es nur darauf an, ob diese Maßnahmen reale Probleme ansprechen, und ob sie dabei hinreichend wirksam sind. Manchmal muss man „die grausamen Bilder aushalten“ (Gauland). Von Israel kann man lernen, wie man mit Mitteln, die prinzipiell auch europäischen Staaten zur Verfügung stehen, unter ungünstigen Rahmenbedingungen einen europäisch geprägten Staat aufrechterhalten kann. Viele Erfolgsbeispiele dieser Art gibt es in der Geschichte nicht, weshalb man aufmerksam beobachten sollte, welche Aspekte des israelischen Vorgehens funktionieren, und welche nicht. Natürlich muss parallel dazu sichergestellt werden, dass ein in diesem Zusammenhang ggf. entstehendes zusätzliches Aufkommen an arabischen Migranten nicht nach Europa gelangt.

Gustav

1. Dezember 2023 11:07

"Wenn uns die Geschichte lehrt, dass es „Nie wieder Krieg und Völkermord“ geben darf, dann muss sich gerade Deutschland daran erinnern und endlich beginnen, seine Lehren daraus zu ziehen. Solange sich Bundeskanzler und Bundespräsident aber so einseitig auf die Seite der jüdischen Besatzer stellen, ist jeder Konsens mit dieser Politik unmöglich. Der Holocaust macht Juden nicht zu Heiligen, wie es hier zelebriert wird. Vielmehr zeigt sich hier eine Affinität zu einer rechtsextremen Polemik, wie es auch schon in der Ukraine-Politik vorgemacht wurde. Hier zeigt sich eine gefährliche politische Tendenz, der vehement widersprochen werden muss. Wenn der deutsche SPD-Bundeskanzler Scholz unverdrossen von „Israels Selbstverteidigungsrecht“ spricht und darauf beharrt, angesichts über 5.500 ermordeter Kinder in Gaza und mehr als 13.000 unschuldiger palästinensischer Zivilisten, dann ist das eine Schande für Deutschland.
Erleben wir nicht eine fehlende Empathie für die palästinensischen Opfer, die ein solches Ausmaß des Verbrechens und der Rache erleben müssen?"
 Evelyn Hecht-Galinski

RMH

1. Dezember 2023 11:22

"Krah hate mitnichten Dresden mit Gaza gleichgesetzt, vielmehr bezog er sich auf eine hanebüchene Einlassung Julian Reichelts,"
@Valjean72, leider ist das nicht so eindeutig, denn er greift ja gerade diese Infamie Reichelts auf, um sie als Door-Opener für eine Diskussion um deutsche Opfer verwenden zu können. Dieses Aufgreifen und Nutzbarmachen hätte er meiner Meinung nach bleiben lassen können. Bei dem ganzen Thema ist es ohnehin als AfD Politiker besser, sich in Zurückhaltung zu üben, da einem sehr schnell der Vorwurf sog. "doppelter Standards" um die Ohren gehauen wird. Dr. Krah nannte kürzlich Erdogan als Staatsmann, der türkische Interessen vertritt. Das macht er auch, in dem er die Kurden unterdrückt und immer wieder mit Angriffen überzieht, die sicher auch nicht allesamt der reinen Lehre der Humanität entsprechen. Warum sollte Israel also seine Interessen nicht ebenso verteidigen? Nächstes Besipiel: Viele in der AfD sehen es als legtim oder zumindest "nachvollziehbar" an, wenn Russland einen sehr harten Krieg (ohne Flugblatt-Vorwarungen beim Beschuss auch zivil bevölkerter Gebiete) gegen die Urkaine führt, um damit seine geostrategischen Interessen gegen eine Einkreisung durch die Nato zu wahren. Ja dann kann man auch nichts gegen die Kriegsführung Israels mehr sagen. Also: Vorsicht und das mit den EIGENEN Interessen nicht aus dem Gärbottich schöpfen, sondern zu Ende denken.

Oderint

1. Dezember 2023 20:18

 In dem gegenwärtigen Konflikt sehe ich von Mitte-rechts nicht so sehr eine Parteinahme für Israel - die dann doch oft wie auswendiggelernt herüberkommt -  als viel mehr offenen, menschenverachtenden Antiislamismus/Antiarabismus. Diesen "Antisemitismus für Feige"  (es sind die richtigen Semiten) lebt man als Ersatzhandlung für jahrzehntelang unterdrückte Ressentiments gegen Juden voll und ungezügelt aus, weil es das politische Umfeld zulässt. Mir schaudert dabei.
@Heinrich Loewe: Wie schwach muss Israel sein, wenn es von einem Gefängnisausbruch existenziell bedroht ist? Israel hat hunderte Atomsprengköpfe und eine nukleare Zweitschlagkapazität (Samson-Option). Was eventuell bedroht sein könnte, ist lediglich die ungehinderte weitere Landnahme auf Kosten der Palästinenser.

Adler und Drache

2. Dezember 2023 09:18

Israel Knew Hamas’s Attack Plan Over a Year Ago - The New York Times (nytimes.com)
 

Kurativ

2. Dezember 2023 11:18

Die Sache hat es in sich. Der Informationsberg ist riesig. Wenn man sich geistig in dieses Getümmel hineinstürzt, dann kann man schnell seine Position für eine der beiden Seiten begründen.

anatol broder

2. Dezember 2023 17:01

deutschland alimentiert seit jahren die hamas. diese verfolgt nur ein ziel. sofern die deutschen patrioten keine gemeinsamen ziele mit der hamas haben, sollten sie als erstes dafür sorgen, dass kein deutsches steuergeld mehr dort landet.

fw87

2. Dezember 2023 18:53

Vielen Dank für diesen Vortrag. Auf eine solche Positionierung von AfD-Seite habe ich schon lange gewartet: Außenpolitische Neutralität, keine Ideologie sondern immer zuerst die eigenen Interessen im Blick. Vielleicht noch zwei Kritikpunkte zum Vortrag: 1) Ius ad bellum: Es ist klar, dass ein Land, das von einem anderen Land angegriffen wurde, ein Verteidigungsrecht hat. Dann hat man den Fall, dass ein in sich gerechter Verteidigungskrieg geführt wird. Ist dies hier aber der Fall? Hier hat ja nicht ein Land ein anderes angegriffen und ihm den Krieg erklärt, sondern es handelt sich um einen einzelnen Terrorakt. Daraus kann man aber für Israel kein Recht auf Krieg ableiten. 2) Mir ist nicht ganz klar, weshalb man sich als Rechter grundsätzlich für den Staat Israel einsetzen sollte. Durch Verfolgung erwirkt man nicht das Recht, ein einheimisches Volk von seinem Land zu vertreiben. Das ist aber bei der Staatengründung Israels geschehen. Manche sagen nun, Israel habe sich durch die Dauer seiner Existenz einfach legitimiert (Normativität des Faktischen). Dazu ist aber zu sagen, dass Israel immer noch ein sehr junger Staat ist im Vergleich. Zum anderen ist Israel nie von allen einfach akzeptiert worden, es ist ja seit seit Beginn seiner Existenz immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt. Wichtig für die AfD sollte sein, immer zu betonen, dass die nationalen Interessen über denen von Israel stehen. Bedenkt man die deutsche Mentalität der letzten Jahrzehnte, ist das leider keine Trvialität sondern muss immer wieder bewusst gemacht werden.

Fonce

3. Dezember 2023 14:37

«… weil Israel ein Ethno-Nationalstaat ist, der seine Existenz mit allen Mitteln, auch „unerlaubten“ (erst das Fressen, dann die Moral) verteidigt. Das ist ziemlich genau das exakte Gegenbild zum Programm der WEF/Globalisten …» (von @Heinrich Loewe, 30. November 2023 18:51)
Was sie da schreiben trifft nicht zu: Im Gegenteil, das Globalisten-Programm stimmt mit der Tatsache überein, dass Israel ein Ethno-Nationalstaat ist. Denn das Globalisten-Programm (das im 19. und 20. Jh. vor allem von England und den USA programmiert wurde) ist jüdisch/puritanisch. Die Juden/Puritaner betrachten das jüdische oder israelische Volk gemäss Tora als auserwähltes Volk, wohingegen (gemäss Tora und Talmud usw.) die anderen Völker unterdrückt (vermischt) werden sollen.
Das ist der Grund, warum der 1. Weltkrieg ausgebrochen ist und warum der Analogieschluss gezogen wurde, die Juden im 2. Weltkrieg in Deutschland als Staatsfeinde zu betrachten und zu internieren. Das war gemäss Ernst Nolte kein Verstoss gegen die Haager Landkriegsordnung (S. 24 von Nolte, Ernst (1987): Zwischen Geschichtslegende und Revisionismus? S. 13 – 35 in: Historikerstreit, 3. Auflage, Piper-Verlag, München).

Adler und Drache

3. Dezember 2023 20:15

@anatol broder
deutschland alimentiert seit jahren die hamas. diese verfolgt nur ein ziel. sofern die deutschen patrioten keine gemeinsamen ziele mit der hamas haben, sollten sie als erstes dafür sorgen, dass kein deutsches steuergeld mehr dort landet.
Ich halte das für Schutzgeld. Wenn die Zahlungen eingestellt werden, gibt's eben wieder Anschläge. 

Laurenz

3. Dezember 2023 21:29

Erachte Krahs Vortrag erstmal als klug, diplomatisch. Was Israel angeht, so kann ich Seine Haltung, wie die @Heinrich Loewes teilen. (Halten wir hier nochmals die historischen Hintergründe fest. Unser letzter Kaiser bot den Zionisten ein halbes Jahr vor Balfour Zion/Israel an. Die Zionisten entschieden sich eindeutig dämlich für den falschen Partner.) Bei der Moral Krahs & ihrer Definition scheiden sich dann doch die Geister. Die Kriegsschuldfrage (im Angesicht des Ukraine-Krieges) der imperialistischen Groß- & Kolonialmacht Britannien, die einem Europäischen Staat, welcher um seine eigenen Territorien im Osten einen lokalen Konflikt führt, den Krieg zu erklären, ist eindeutig mit Britannien/Frankreich sind 100%ig schuld, zu beantworten. Wir haben unsere eigene Vertreibung akzeptiert. Wieso sollen wir dann nicht die Vertreibung anderer Völker/Volksgruppen akzeptieren? Die Aussage Reichelts ist auch moralisch eindeutig: Deutsche Zivilisten, Arabische Zivilisten darf man morden, Juden nicht. Hier auf die Nationalsozialisten abzustellen, ist unlauter. Der Krieg wäre auch jeder anderen Reichsregierung der Weimarer Republik erklärt worden. An dieser Stelle ist dann der Punkt erreicht, wo Krahs Germany first anzusetzen ist.

Laurenz

3. Dezember 2023 21:38

(2) Wenn wir bisher, neben unserer eigenen Vertreibung, viele andere Vertreibungen (zB die Beduinen von Spanisch-Sahara) akzeptiert haben, die Vertreibung der sogenannten Palästinenser aus Gaza, der Westbank & dem Westjordanland akzeptieren, dürfen auch wir uns in irgendeiner Zukunft das Recht herausnehmen, zu vertreiben, wen wir vertreiben wollen. Die dazugehörige politische & militärische Souveränität müssen wir uns erarbeiten. Auf die Idee kommt sogar unser Albright-Höriger, Joschka Fischer, dem der Mentor abhanden gekommen ist & dem jenseits des Teichs auch die dazu gehörigen Freunde & Auftraggeber verlustig geraten sein könnten. Hier dazu unser bester Freund Wallasch... https://www.alexander-wallasch.de/gesellschaft/joschka-fischer-oder-wie-er-lernte-die-atombombe-zu-lieben Die Moral Krahs muß man sich leisten können. Ich sehe aber dieses Vermögen nicht.

Valjean72

4. Dezember 2023 09:49

@RMH:
«denn er greift ja gerade diese Infamie Reichelts auf, um sie als Door-Opener für eine Diskussion um deutsche Opfer verwenden zu können.»
---
Der Dresdner Krah griff mE diesen Vergleich auf - (der vorher bereits von Naftali Bennet ins Spiel gebracht wurde) - um den Unterschied herauszustellen, zwischen Recht zum Krieg und Recht im Krieg. Und er sprach eben keineswegs dem Staate Israel das Recht auf Verteidigung ab.
Ist es Ihnen womöglich grundsätzlich unangenehm, wenn deutsche Opfer thematisiert werden, zumal wenn diese Opfer eines massiven Bombenangriffs  «unserer anglo-amerikanischen Befreier»  wurden?
«…  nicht aus dem Gärbottich schöpfen, sondern zu Ende denken.»
Das ist wieder so ein Wort aus Ihrem Begriffsvorrat, ähnlich wie Geraune und dergleichen anderer Begriffe, um deutsch-neutrale Positionen und Argumentationen im Aussenverhältnis zu USA & Israel von vorneherein zu diskreditieren und abzuwiegeln.

Gotlandfahrer

4. Dezember 2023 14:25

1/2Lieber Herr Krah,"Israel our friend" UND "The muslim world ist unser Freund", als Ausdruck des "Eigeninteresses", ist nur dann eine sinnhafte Losung, wenn man irgendwie bei der ganzen Verarsche mitmachen will - aus ehrhaften Gründen, durchaus - aber mit möglichst wenig Gegnerschaft im Herrschaftskordon. Kurz: Achtung, wenn Dich jeder mag, nimmt Dich keiner ernst.
Israel ist ein "Projekt" des Zionismus, das darf man faktenorientiert und intentionsfrei notieren. Inwieweit hierfür die Juden als Manövriermasse vernutzt wurden und werden, ist ein separates Thema, wir können für uns festhalten: Die Hemmmungslosigkeit, die neurotische Unterstützung des westdeutschen Bürgertums in der Fürsprache für das vormalige eigene Opfer "Der Jude", erklärt sich aus der zionistischen Ägide der Entnazifizierung in Trizonesien, die nach der Insolvenz der SBZ sich an einem bis dahin bereits immunologisch anders aufgestellten Mitteldeutschland die ideologischen Zähne ausbiss. Denn dort war der große Bruder zu besoffen, brutal und ungelenk, als dass die Parolen bei jedem mit auch nur zwei Gehirnzellen verfangen konnten. …

Gotlandfahrer

4. Dezember 2023 14:27

2/2
Ein deutscher Patriot sollte zweifellos taktieren können, d.h. temporäre Allianzen eingehen können, ohne sich romantisch auf Ewiges festzulegen, aber ist es denn nicht an der Zeit auszusprechen, dass bereits die "alliierte" Idee der Kriegsführung gegen Deutschland Ausdruck des Zionismus war, die nicht nur im Falle Dresdens, sondern auch heute, gegen Gaza, schlichtweg grundlegend unehrenhaft, unritterlich, hinterhältig, falsch, verlogen und widerlich ist, insbesondere, da sich nicht bestreiten lässt, dass die Hamas eine Schöpfung Israels ist? Wenn man den Juden einen Dienst tun will (und wer will das nicht?), dann sollte man sie nicht durch Verharmlosung des Zionismus erneut zur Zielscheibe von Extremisten machen. Wenn Völker von fremden Kreisen bestimmt sind, ist das für niemanden langfristig gut. Der Einfluss Israels auf uns, durch seinen Einfluß auf die USA, ist das, was nicht gut ist in dieser Welt. Deswegen fange ich auch gar nicht erst an, "Verbrechen an Deutschen" als Argument mit einzubringen. Ich werde meine Toten nicht als "Entlastung" in ein Kalkül einbringen, das von vornherein keine ehrliche Aufarbeitung ist.

Fonce

4. Dezember 2023 20:59

«Ich halte das für Schutzgeld. Wenn die Zahlungen eingestellt werden, gibt's eben wieder Anschläge.» @Adler und Drache, 3. Dezember 2023 20:15
Dieses Schutzgeld-Argument stimmt mit Blick in die Vergangenheit ironischerweise insofern, als die Hamas sich brav gestellt hat und die Mittel mit Pokerface in die Kriegskasse akkumuliert (und dann entsprechend investiert) hat für die grössere Attacke am 7. Oktober.  ─  Aber als Antwort auf @antol-broders Bemerkung, dass man «dafür sorgen sollte, dass kein deutsches Steuergeld dort landet» ist ihr Kommentar,  angesichts dieses neuen Anschlags, Schwachstrom.

RMH

5. Dezember 2023 07:22

"grundsätzlich unangenehm," @Valjean72, streiche "grundsätzlich" und füge "konkret" und "in diesem Fall" ein, da es mir in der Tat unangenehm ist, wenn Leute wie Sie, die auch mein Diskussionspartner sind, deutsche Kriegsopfer oder jetzt eben palästinenische Kriegsopfer vor ihren Karren spannen wollen. Und andere fallen dann unter den Tisch, da gerade nicht ins aktuell benötigte Narrativ passend, wie konkret geschehen, die von Dr. Krah am Beispiel Erdogans jüngst bemühte Erzählung vom Volkstribun, der sich um die eigenen Interessen seines "Volkes" zuerst kümmert. Von den Kurden, denen man als Ethnopluralist ihr Recht auf Eigenes auch zugestehen muss, fällt dann kein Wort, da es den einfachen Slogan wieder zu komplex macht. Dabei ist Erdogan noch nie Präsident eines türkischen Volkes gewesen, dessen Interessen er alleine voranzustellen hat, sondern er ist Präsident des Vielvölkerstaates Türkei, bei dem Türken lediglich die Bevölkerungsmehrheit stellen und als Präsident eines Vielvölkerstaates hat man auch Minderheitenschutz zu wahren. Atatürk hat die heutige Türkei zudem nicht ohne Grund laizistisch aufgestellt, da es damals auch noch eine nennenswerte Anzahl von Christen und andere Religionen in dem Land gab, ja selbst bei den Moslems waren/sind die Sunniten bei weitem nicht allein, wie die Aleviten und sonstigen Schiiten zeigen. Und daran sieht man wieder, dass man mit Formeln und Schlagworten und verharren in schwarz-weiß Schemata nicht immer besonders weit kommt.

Fonce

5. Dezember 2023 15:16

Deutschland 1939 – 45 war eine Bedrohung für die heilige zionistisch/globalistische Vision v.a. Englands und der USA. Deshalb musste hart durchgegriffen werden, auch auf Zivilisten durch Bombardierung Dresdens und aller Städten, um den Widerstand im Keim zu ersticken. Der Angriff der Palästinenser am 7. Oktober ist ein analoger Fall (weil Israel teil der erwähnten Vision ist), deshalb wird die Rücksicht auf Zivilisten wieder abgeschaltet. Ähnlich (und etwa gleichzeitig) wie die Palästinenser ist Deutschland damals unverschuldet unter die Räder der heiligen Vision geraten. Es ist nicht einsehbar, wieso Deutschland sich überhaupt für diese heilige Vision (oder Teile davon) engagieren soll. Auch das Argument, man müsse Flüchtlingsströme verhindern ist seltsam, denn wenn man das möchte, könnte man auch eine ganz unfreundliche Migrationspolitik einführen und bekanntgeben.
Könnte man nicht einfach die Hände in den Schoss legen und zuschauen, wie sich die beiden haupt-verblendeten Ideologien (Zionismus/Globalismus und Islamismus) gegenseitig zerfleischen? 

owenmeany

6. Dezember 2023 23:38

Herr Krah formuliert ja recht forciert zum Ende seines Vortrages, das sowohl Israel als auch "die muslimische Welt" als Freund Deutschlands zu betrachten sei. Deshalb wohl auch die Einleitung: "...erfrischend ungeschützen Betrachtung der Lage, in die er sich als Politiker (und das heißt: als Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl) gestellt sieht." Ich soll diesen Vortrag also als Schattentheater eines Politikers begreifen, der womöglich anders denkt, als spricht? Genau daraus erwächst jegliches Misstrauen gegenüber der politischen Kaste!
Europa hat in den letzten 12 Jahren etliche Terroranschläge erlebt, nicht einer wurde von Juden verübt. 
Wir sollen uns also den Palästinensern anbiedern, weil sie andernfalls als Flüchtlinge an unsere Türen klopfen?! Genau dies liesse sich ändern, durch das Ändern der Gesetzeslage. Das gelingt, wenn Politiker dazu bereit sind, wie man gegenwärtig zum Beispiel in Schweden sehen kann. Scheinbar nicht mit Herrn Krah!
Indem ich sage, "Stand by Israel" und bereit bin (wie durch einen Herren in einem Video während einer AFD-Veranstaltung hier vor Jahren verlinkt) zu sagen:" ...wenn Israel ruft, bin ich der Erste der zur Verteidigung kommt" ergreife ich die historische Chance, die Schuld meiner Ahnen und die damit einhergehende Verantwortung meiner Sippe zu tilgen und ihr gerecht zu werden. 
Das muss nicht jeder so sehen, aber diesen Ansatz derartig zu diffamieren, wie es Herr Krah tut, spricht Bände!
 
 

Götz Kubitschek

7. Dezember 2023 15:55

sela psalmenende.

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