Wagenknecht, Maaßen und Krall – keine Gefahr für die AfD

Mit viel Spannung und Erwartungen schauen die meisten auf das Wahljahr 2024, das womöglich die gesamte politische Tektonik in Deutschland und Europa verschieben könnte.

Daniel Fiß ist freier Publizist.

Die Frus­tra­ti­on über die Ampel­po­li­tik und die Selbst­herr­lich­keit ihrer poli­ti­schen Aus­hän­ge­schil­der hat ein mas­si­ves Unzu­frie­den­heits­po­ten­ti­al auf­ge­baut. 82% der Bür­ger geben an, daß sie mit der aktu­el­len Bun­des­re­gie­rung unzu­frie­den sind. Das ist der höchs­te Nega­tiv­wert für eine Regie­rung seit knapp 20 Jahren.

Die­se Unzu­frie­den­heit sam­melt sich nun vor­der­grün­dig in einem wach­sen­den Wäh­ler­po­ten­ti­al der oppo­si­tio­nel­len Kräf­te. Laut Umfra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts „Ipsos“ hat die AfD seit der letz­ten Bun­des­tags­wahl 2021 bis zu 59% neue poten­ti­el­le Wäh­ler hin­zu­ge­won­nen und konn­te seit­dem zugleich 90% ihrer Kern­wäh­ler­schaft seit der letz­ten Bun­des­tags­wahl halten.

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Wagen­knechts bis­he­ri­ge Ausbeute

Die aktu­el­le Dis­rup­ti­on inner­halb des eta­blier­ten Par­tei­en­blocks ermu­tigt wei­te­re klei­ne­re Akteu­re zur Teil­nah­me an Wah­len. Am 27. 1. 2024 soll sich nun tat­säch­lich die Par­tei „Bünd­nis Sahra Wagen­knecht“ grün­den, nach­dem ein for­ma­ler Ver­ein die letz­ten drei Mona­te damit beschäf­tigt war, die not­wen­di­gen finan­zi­el­len und per­so­nel­len Res­sour­cen zusammenzutragen.

Die Aus­beu­te ist ange­sichts der hohen Erwar­tun­gen und der media­len Reso­nanz rela­tiv gering aus­ge­fal­len. Mit 1,2 Mil­lio­nen Euro an Spen­den mag die Wagen­knecht Par­tei womög­lich einen Par­tei­tag und einen soli­den Euro­pa­wahl­kampf füh­ren, doch die Land­tags­wahl­kämp­fe in den Ost-Bun­des­län­dern sind laut Aus­kunft der Ver­eins­vor­sit­zen­den Ami­ra Moha­med Ali kei­nes­wegs gesichert.

Auch per­so­nell gab es bis auf einen Ex-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten und einen Ex-Ober­bür­ger­meis­ter kei­ne grö­ße­ren Über­ra­schun­gen mehr. Die gro­ßen Aus­tritts­wel­len aus der Links­par­tei, aber auch der AfD blie­ben bis­her aus. Den Glanz des neu­en Par­tei­pro­jek­tes bil­det wei­ter­hin nur Sahra Wagen­knecht, die aber bereits jetzt kei­ne son­der­li­che Lust mehr hat, als Front­frau zur Ver­fü­gung zu stehen.

Wagen­knecht hat stra­te­gisch nahe­zu alles falsch gemacht, was man falsch machen konn­te. Sie hat sich selbst klein gehal­ten und die Ver­ant­wor­tung für das Pro­jekt auf ande­re, weit­ge­hend unbe­kann­te Gesich­ter über­tra­gen und zugleich ein völ­lig harm­lo­ses bis lang­wei­li­ges Pro­gramm präsentiert:

  • Das The­ma Migra­ti­on wird zweit­ran­gig behandelt.
  • Das Momen­tum für ein frie­dens­po­li­ti­sches Pro­fil kommt min­des­tens ein Jahr zu spät.
  • Die wirt­schafts­po­li­ti­schen Punk­te hät­ten auch aus jedem ande­ren belie­bi­gen Par­tei­pro­gramm (wahl­wei­se SPD oder CDU) abge­schrie­ben wer­den können.

Eini­ge Umfra­ge­insti­tu­te haben inzwi­schen Abstand davon genom­men, das Poten­ti­al einer Wagen­knecht-Par­tei zusätz­lich zu mes­sen. Zu unter­schied­lich fal­len die Ergeb­nis­se aus – zwi­schen 3 und 14%. Ohne rea­le demo­sko­pi­sche Här­te­tests und Refe­ren­zen blei­ben Wäh­ler­po­ten­tia­le poli­ti­sche Luftschlösser.

Nun scheint Wagen­knecht nicht die ein­zi­ge Prot­ago­nis­tin zu sein, die Wäh­ler­grup­pen auf neue Wei­se ver­knüp­fen will. Bei ihr ist es der zumin­dest theo­re­tisch inter­es­san­te Ansatz eines „Links­kon­ser­va­tis­mus“. Aber es gibt noch andere.

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Der libe­ral­kon­ser­va­ti­ve Parteienfriedhof

Der Auf­stieg der AfD hat die Sta­tik des weit­ge­hend fest­ge­füg­ten bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Par­tei­en­sys­tems ins Wan­ken gebracht und neue ideo­lo­gi­sche Kon­flikt­struk­tu­ren kon­sti­tu­iert. Von der „Euro-Nischen­par­tei“ hat sie sich als eine ech­te poli­ti­sche Samm­lungs­platt­form ent­wi­ckelt, die bereits auch mit eige­nen Wer­te­mi­lieus auf­war­ten kann.

Die Brei­te des poli­ti­schen Rau­mes, der durch die AfD schritt­wei­se aus­ge­baut wird, schafft logi­scher­wei­se auch Anrei­ze für Absetz­be­we­gun­gen, die sich zumeist in Gestalt von Klein­par­tei­pro­jek­ten zwi­schen Uni­on und AfD pro­fi­lie­ren. Die Prä­mis­se ist dabei immer die glei­che: Eine als „rechts­ra­di­kal“ stig­ma­ti­sier­te AfD und eine gleich­zei­tig nach links ver­scho­be­ne Uni­on hin­ter­las­sen einen poli­ti­schen Frei­raum, der durch eine neue Par­tei besetzt wer­den könnte.

Gleich drei ehe­ma­li­ge AfD-Par­tei­vor­sit­zen­de haben die­se Beset­zung ver­sucht, zwei davon (Lucke und Petry) mit eige­nen Par­tei­pro­jek­ten.  Der Ex-AfD-Vor­sit­zen­de Meu­then hat sich zumin­dest den orga­ni­sa­to­ri­schen Auf­wand einer Par­tei­neu­grün­dung gespart und erhoff­te sich über sei­nen Polit­pro­mi-Sta­tus in der Zen­trums-Par­tei einen gro­ßen Erfolg.

Die Geschich­ten die­ser Pro­jek­te sind kurz. Petrys „Blaue Par­tei“ über­leb­te nur zwei Jah­re das poli­ti­sche Geschäft und konn­te auf Lan­des­ebe­ne nur Wahl­er­geb­nis­se unter 0,5% ein­fah­ren. Luckes LKR (jetzt nach meh­re­ren Namens­än­de­run­gen „Wir Bür­ger“) kam bei Wah­len eben­falls nie über 1% der Stim­men hin­aus. Und auch Jörg Meu­thens Kurz­aus­flug zur Zen­trums­par­tei ende­te mit einer Rei­he von nicht aus­rei­chen­den Unter­schrif­ten zum Wahl­an­tritt und dem Par­tei­aus­tritt Meu­thens vor weni­gen Monaten.

Man könn­te also mei­nen, daß der Rea­li­täts­check die­ser neu­en „libe­ral­kon­ser­va­ti­ven“ Par­tei­pro­jek­te bei man­chen Lieb­äu­geln­den zu etwas mehr Demut und gründ­li­che­rer Ana­ly­se füh­ren soll­te. Nicht so aber bei Prot­ago­nis­ten wie dem Publi­zis­ten und Unter­neh­mens­be­ra­ter Mar­kus Krall oder dem ehe­ma­li­gen Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­den­ten Hans-Georg Maa­ßen, die schon seit län­ge­rer Zeit die Öffent­lich­keit immer wie­der mit Ankün­di­gun­gen einer eige­nen Par­tei füttern.

Bei­der Über­le­gun­gen schei­nen nun in ein fort­ge­schrit­te­ne­res Sta­di­um gekom­men zu sein. Für den 22. Janu­ar 2024 ist eine Pres­se­kon­fe­renz ange­setzt, auf der die pro­gram­ma­ti­schen und per­so­nel­len Eck­da­ten einer neu­en Par­tei prä­sen­tiert wer­den sol­len. Maa­ßen kün­dig­te an, auf der kom­men­den Mit­glie­der­ver­samm­lung der Wer­te­uni­on einen ent­spre­chen­den Antrag ein­zu­brin­gen, der die Par­tei­grün­dung vor­be­rei­ten solle.

Jeder Beob­ach­ter mit halb­wegs gesun­der poli­ti­scher Intui­ti­on wird für die­se Pro­jek­te ein gran­dio­ses Schei­tern vor­her­sa­gen. Maa­ßen und Krall redu­zie­ren die poli­ti­sche Wett­be­werbs­struk­tur aus­schließ­lich auf die Ange­bots­sei­te. Sie ver­ste­hen aber nichts von der tat­säch­li­chen Wäh­ler­nach­fra­ge und den wesent­li­chen Fak­to­ren und Bedin­gun­gen, wie sich erfolg­rei­che neue Par­tei­en im Sys­tem fest­set­zen und lang­fris­tig hal­ten können.

Selbst wenn wir bei Maa­ßen und Krall die Eigen­leis­tung vor­aus­set­zen (orga­ni­sa­to­ri­sche Grund­ba­sis, finan­zi­el­le Mit­tel, Pro­gramm und tat­säch­li­che Wahl­an­trit­te), so ist die Nach­fra­ge­sei­te zumeist die Achil­les­fer­se, an der sich Erfolg oder Miß­er­folg einer neu­en Par­tei entscheiden.

Ange­spro­chen auf die Plä­ne zur Par­tei­grün­dung gab Krall gegen­über der Ber­li­ner Zei­tung Aus­kunft, daß er die „ver­wais­te Mit­te“ im poli­ti­schen Spek­trum anspre­chen wol­le. Ein eben­falls noch unbe­stä­tig­ter, aber heiß gehan­del­ter Name des neu­en Par­tei­pro­jek­tes, die ehe­ma­li­ge AfD-MdB Joa­na Cotar, sprach in einem Inter­view davon, daß es ins­be­son­de­re dar­um geht, ein reprä­sen­ta­ti­ves Ange­bot für die „hei­mat­lo­sen Kon­ser­va­ti­ven“ zu schaf­fen, die sich weder mit der Uni­on noch mit der AfD iden­ti­fi­zie­ren können.

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Phan­tom “Poli­ti­sche Mitte”

An die­sen Aus­sa­gen wird bereits ein völ­lig ver­fehl­tes Ver­ständ­nis über die soge­nann­te „poli­ti­sche Mit­te“ deut­lich. Die „Mit­te“ ist im poli­ti­schen Kon­text kein Stand­ort, der unver­rück­bar wäre. Sie ist Schwan­kun­gen und Ver­schie­bun­gen unter­wor­fen. Krall und Co hof­fen, ihre Pro­jek­te als soge­nann­te „Catch-All-Par­tei­en“ zu plat­zie­ren, die ohne sta­bi­li­sie­ren­des gesell­schaft­li­ches Milieu oder ideo­lo­gi­schen Unter­bau ein­fach nur ein unde­fi­nier­tes Wäh­ler­la­ger im Mit­te-Spek­trum auf­sau­gen sollten.

Nicht ganz ohne Grö­ßen­wahn hofft Krall dabei sogar auf eine „Hal­bie­rung“ der Uni­ons­par­tei­en. Krall ver­steht jedoch nichts von der Struk­tur der Uni­ons­wäh­ler­schaft. Die­se ist in ers­ter Linie alt und wählt die CDU/CSU bereits seit Jahr­zehn­ten. Sie ist geprägt von fes­ten Milieu­struk­tu­ren über christ­lich-kon­fes­sio­nel­le Grup­pen bis hin zu gro­ßen Lob­by­ver­bän­den für Inne­re Sicher­heit oder Landwirtschaft.

Auch der aktu­el­le Uni­ons­zu­wachs auf 33% dürf­te sich weni­ger aus einem völ­lig neu­ar­ti­gen Unzu­frie­den­heits­po­ten­ti­al spei­sen, als viel­mehr ein Wäh­ler­trans­fer von ent­täusch­ten ehe­ma­li­gen SPD-Anhän­gern aus der „Mit­te“ zur Uni­on sein. Die „hei­mat­lo­se-kon­ser­va­ti­ve Mit­te“ ist eine rei­ne Pro­jek­ti­on von Krall, sie ist die fata­le Über­tra­gung einer poli­ti­schen Echo­kam­mer auf die bun­des­deut­sche Gesamtwählerschaft.

Auch Maa­ßen kön­nen im Inter­view mit Alex­an­der Wal­l­asch die Schu­he gar nicht groß genug sein, mit denen er jetzt die poli­ti­schen Gip­fel der Repu­blik erklim­men will. Er set­ze „auf Sieg“ und wol­le mit­tel­fris­tig sowohl die Merz-CDU als auch die Söder-CSU als poli­ti­sche Grö­ße abset­zen. Man habe als Wer­te­uni­on zuvor „aus­gie­bi­ge Ana­ly­sen“ zu den Poten­tia­len einer Wer­te­Uni­on-Par­tei durchgeführt.

Ich kann nichts zur Qua­li­tät und dem Umfang die­ser Ana­ly­sen sagen, aber soll­te jemand Maa­ßen tat­säch­lich ein siche­res 20% + X Poten­ti­al beschei­nigt haben, dann sind Zwei­fel an der Gründ­lich­keit und auch Ernst­haf­tig­keit die­ser Ana­ly­sen ange­bracht. Ver­mut­lich hat man ein­fach nur ein paar alte und längst bekann­te Poten­ti­al-Umfra­gen aus­ge­gra­ben, mit denen auch LKR-Akteu­re an den bal­di­gen Durch­bruch der 20%-Schallmauer glauben.

Man muß es noch­mals beto­nen: Poten­ti­al­ana­ly­sen haben in der Wahl­for­schung nur dann Aus­sa­ge­kraft, wenn auch rea­le Fak­to­ren und Varia­blen wie län­ger­fris­ti­ge Par­tei­iden­ti­fi­ka­tio­nen oder die Sta­bi­li­tät und Kon­ti­nui­tät des Wahl­ver­hal­tens hin­zu­tre­ten. Demo­sko­pi­sche Vor­her­sa­ge­mo­del­le wer­den erst dann wis­sen­schaft­lich robust, wenn sie auch mit Real­da­ten und Erfah­rungs­wer­ten gefüt­tert wer­den können.

Das Ego von Maa­ßen und Krall ist am Ende offen­sicht­lich grö­ßer als ihr stra­te­gi­sches Gespür. So will man (ver­mut­lich auch aus Zeit­grün­den) zur kom­men­den Euro­pa­wahl gar nicht antre­ten, son­dern sich auf die im Herbst statt­fin­den­den Ost­wah­len kon­zen­trie­ren. Anstatt also klei­ne­re Bröt­chen zu backen und sich ohne 5%-Hürde zunächst im Euro­pa­par­la­ment ers­te Struk­tu­ren auf­zu­bau­en, glaubt man jetzt schon fest an die gro­ßen Wahl­er­fol­ge gegen Ende die­ses Jahres.

Die Spal­tung und Implo­si­on der Uni­on ist für Maa­ßen bereits fest ein­kal­ku­liert und wird für den Erfolg des Pro­jek­tes schon als Prä­mis­se vor­aus­ge­setzt. Auch das ist Aus­druck einer völ­li­gen Selbstüberschätzung:

Die Wer­te­uni­on zählt laut eige­nen Anga­ben rund 4.000 Mit­glie­der. Vor eini­ger Zeit wur­den die Struk­tu­ren auch für Nicht-CDU-Mit­glie­der geöff­net. Der Ver­lust von im schlimms­ten Fal­le 1% der Mit­glie­der­schaft dürf­te den Akteu­ren im Kon­rad-Ade­nau­er-Haus wohl kaum grö­ße­re Kopf­schmer­zen bereiten.

Bene­dikt Kai­ser hat schon vor zwei Jah­ren auf die illu­so­ri­sche Traum­tän­ze­rei von einer ver­meint­li­chen Refor­ma­ti­ons­kraft inner­halb der CDU durch Per­so­nen wie Maa­ßen und Co hingewiesen.

Denn selbst wenn Maa­ßen drei, vier, fünf wei­te­re »kon­ser­va­ti­ve« CDU-CSU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te zusam­men­bräch­te, die mit ihm gemein­sam einen ver­meint­li­chen Auf­bruch ins ver­klär­te Ges­tern zu einer ver­meint­lich guten Alt-Uni­on fin­den wür­den: Was wäre das schon ange­sichts von viel­leicht 250, viel­leicht 300 anders­den­ken­den Uni­ons­po­li­ti­kern, die der größ­te Bun­des­tag aller Zei­ten bereit hal­ten wird?

Und auch jetzt sind gro­ße Zwei­fel ange­bracht, daß Maa­ßen und Co eine nen­nens­wer­te Polit­pro­mi­nenz aus der Uni­on auf­sau­gen wer­den. Kaum ein Land­tags- oder Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter der Uni­on wird das Risi­ko ein­ge­hen, die eige­ne poli­ti­sche Kar­rie­re zu zer­stö­ren. Außer­dem ist dem Pro­jekt Wer­te­Uni­on-Par­tei immer auch der Stem­pel des ehe­ma­li­gen CDU-Hin­ter­bänk­ler­tums auf­ge­drückt. Nie­mand möch­te mit Leu­ten koope­rie­ren, die als inner­par­tei­lich geschei­tert gelten.

Daher fällt das Fazit nicht schwer:

  • Krall und Maa­ßen leis­ten mit ihrer Par­tei­grün­dung aus dem Stamm der Wer­te­uni­on viel­leicht einen guten Fan­ser­vice für ihre digi­ta­len Unter­stüt­zer und Leser.
  • Das Poten­ti­al mag opti­mis­tisch geschätzt auch im nied­ri­gen sechs­stel­li­gen Bereich lie­gen, aber ist den­noch Licht­jah­re von der 5% Hür­de oder gar Hal­bie­rungs­träu­men von CDU und AfD entfernt.
  • Den Akteu­ren einer neu­en libe­ral­kon­ser­va­ti­ven Par­tei fehlt jeg­li­che Defi­ni­ti­ons­macht über die von ihnen adres­sier­te „bür­ger­li­che Mitte“.
  • Der Kon­ser­va­tis­mus taugt höchs­tens als Chif­fre für einen bestimm­ten Habi­tus, nicht aber für eine kon­kre­te und mobi­li­sie­rungs­fä­hi­ge poli­ti­sche Idee.

Daniel Fiß ist freier Publizist.

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Kommentare (30)

Laurenz

5. Januar 2024 10:23

Wagenknecht scheitert, weil Sie nie verlautbart hat, Angela Merkel persönlich als Bundeskanzler ersetzen zu wollen. Krall & Maaßen sind doch eher gekaufte Gestalten, die vor allem bei den Bonner-Republik-Träumern, Roland Tichy, ein bißchen Achgut & dem kleinen Wallasch gehypt werden. https://www.alexander-wallasch.de/gesellschaft/adieu-cdu-maassens-werteunion-wird-partei Das hat vor allem damit zu tun, daß besagte Medien nie ihre Leser mit einfachen Worten über die Deutsche Parteien-Struktur aufgeklärt haben. Maaßen ist seit 1978 CDU-Mitglied & hat mutmaßlich aus Opportunismus die gesamte Merkel-Diktatur unterstützt, ein treuer Weggefährte der Abrißbirne Germany's. Um Glaubwürdigkeit zu erzeugen, hätte Maaßen sofort nach seiner Amtsenthebung eine neue Partei gründen müssen. Aber jetzt, vor den 3 Landtags-Wahlen mit gewaltigen AfD-Prognosen im sogenannten Osten, Zufälle gibt's. Habe auch nie verstanden, was die "verwaiste Mitte" politisch klassifizieren soll? Die 5 Haupt-Anliegen Maaßens sind aus dem AfD-Partei-Programm abgeschrieben. Die AfD ist etabliert. Der Wähler wird, wenn, zum Original greifen. Die Werteunion ist völlig bedeutungslos. Was juckt die CDU-Eiche, wenn die WU-Sau sich an ihr reibt.

Nemo Obligatur

5. Januar 2024 11:19

Eine sachliche und nachvollziehbare Analyse des sehr geschätzten Daniel Fiß.
Sowohl das BSW als auch alle Ableger der Werteunion werden an der schlichten Tatsache scheitern, dass es keine Wähler für sie gibt. Aber warum nicht mal eine Partei gründen? Gibt es noch die "Magdeburger Gartenpartei"? Die "Deutsche Biertrinkerpartei"? Etwa in diesen Regionen würde ich die Erfolgsaussichten der in ihren eigenen Parteien ausrangierten Politiker Wagenknecht und Maaßen auch verorten.
Herr Maaßen mag ein versierter Jurist und erfahrener Behördenchef sein. Von Politik versteht er nichts. Er kommt stets rüber wie ein etwas verklemmter Oberstudienrat, der Zensuren verteilt. Frau Wagenknecht ist geübter im Umgang mit den Medien, aber ihre ollen Kamellen aus der SED-Kaderschmiede will auch niemand mehr hören. Drei linke Parteien sind mehr als genug. Beiden fehlen zudem geeignete Mitstreiter. Warum sollte ich eine Frau Mohammed Ali wählen, die sich 20 Jahre bei der PDS den Hintern plattgesessen hat? Und Herr Krall ist mir nur als so eine Art Vermögensberater bekannt. Der wird es wohl auf mein Geld abgesehen haben.
Fazit: Keine Gefahr für die AfD, ja noch nicht einmal für CDU oder Linkspartei.

kikl

5. Januar 2024 11:21

Mir scheint, dass die avisierte Parteigründung Maaßens weder mit Herrn Krall noch mit Frau Cotar abgesprochen wurden. Maaßen ist die Hutschnur gerissen, als CDU-Generalsekretär Linnemann verkündet hat, er erhoffe sich die Unterstützung Merkels bei Bundestagswahl. Damit ist eine Abkehr von der Politik Merkels unvereinbar und letztlich ist das Wahlkampfhilfe für die AFD. Die Führung der CDU ist genauso ideologisch verblendet und realitätsblind wie die rotgrüne Soße.
Es gibt zwei Gründe, weshalb ich dieser Neugründung etwas größere Erfolgsaussichten gebe:

Keine Abgrenzeritis und Brandmauer

Die Werteunion schließt Koalitionen mit der AFD nicht aus, was ein Alleinstellungsmerkmal derzeit ist. Viele Wähler sind von den Brandmauern angewiedert und wollen vor allem ein "Weiter so" verhindern. Das geht mit der Merzel-CDU nicht.
2. Organisationsstruktur
Die Werteunion besteht seit 6 Jahren, hat also bereits ein bestimmtes Profil und kann auf erfahrene Wahlkämpfer und Organisatoren aus der CDU zurückgreifen.
Trotzdem wäre ich überrascht, wenn ihr auf Anhieb der Einzug in die ostdeutschen Landtage gelänge, die heuer gewählt werden. Aber ein Achtungserfolg ist durchaus drin und bis zur Bundestagswahl könnte sich noch einiges bewegen.

tearjerker

5. Januar 2024 11:42

Wk sowie Petrys und Luckes Gruppierungen fehlen Mittel, Struktur und jegliche eigenständige PR. Dort werden nur wenige kaufen, weil niemand das Produkt kennt und zumeist nicht mal die Gruppierungen selbst. Eine Gruppierung, die in Projekten, Zielgruppen und Kampagnen denkt und investiert um das Publikum gegen die Altparteien zu polarisieren und nicht wie die Altparteien die PR an den ÖR auslagert oder wie die AfD darum bettelt, könnte aus dem Stand weit vorankommen. Krall und Co könnten zudem das Potential arrivierter Zielgruppen aufgreifen, das ursprünglich nach 2001 von der FDP erfolgreich bespielt und dann hängengelassen wurde und auch Nicht- und Jungwähler. Das war auch ein Impuls auf der Suche nach einer Alternative nach der Wahl 2009, die jetzt mit sozialdemokratischen Politikangeboten für Deutsche um den Eintritt in die Regierungsverantwortung kämpft. Die drögen Gestalten im Krall-Team stehen Erfolgen zwar entgegen, aber bundesweit könnte eine mittlere sechsstellige Zahl auf Bundesebene vor Allem die Union schwer treffen. In Bayern würden bummelig 150k Stimmen weniger das Ausscheiden der CSU in Berlin nach sich ziehen. Das Ergebnis könnte dann die Unions-SPD Koaltion für den Rest des Jahrzehnts bedeuten, da Blau schon bei leichten Anpassungen der Berliner Politik auf sein Stammpotential von 15%- zurückfallen wird.

Monacensis

5. Januar 2024 11:56

Trotz seiner Ausfälle gegen die AfD würde ich Herrn Maaßen seine persönliche Courage zugute halten. Was Maaßen inhaltlich wesentlich von der AfD trennt, hat sich mir ohnehin noch nie so recht erschlossen. Angesichts der von DF zurecht herangezogenen Vorläuferparteien teile ich dessen Einschätzung. Hinzu kommt, dass Maaßen und Krall bereits jetzt von Establishment fast so geächtet werden wie die AfD, was opportunistische "bürgerliche" Wähler abschrecken dürfte.

RMH

5. Januar 2024 12:10

Die AfD hat den Markenkern des Protests und diesen über 10 J. gefestigt. Nicht umsonst sind dort die innerparteilichen Auseinandersetzungen derart stark, da es hier etwas zu gewinnen gibt. So kommt es immer wieder auch zu Abwanderungen, enttäuschten Mitgliedern und Austritten. Bislang kann der Zustand unseres Landes, die Fehler der etablierten Parteien diese innerparteilichen Risse sehr gut überspielen, denn dem Wähler sind sie bislang komplett egal. Mit der Wahl der Marke AfD wählt er den maximalen Protest. Zu S.W.s neuem Projekt wurde hier bei SiN schon ausreichend diskutiert, daher schreibe ich zur neuen Krall/Maaßen Allianz folgendes: Das Projekt könnte evtl. klappen, wenn man es schafft, den ganzen "liebralkonservativen Parteienfriedhof" zu sammeln, insbesondere die zumindest in Bremen bereits ansässigen BiW/Bündnis Deutschland einzufangen. Wahrscheinlichkeit: Gering. Die Zeit wird für diesen Partei-Neustart etwas knapp. In Summe kann eine solche Partei, wenn sie es über 5% schafft, der AfD durchaus helfen. Wenn aber die beiden neuen Parteien, BSW und K/M nur 2 oder 3% von den AfD-Wählern abgraben können, profitieren am Ende nur die Etablierten und die AfD hat den Schaden. Es wäre besser, wenn die AfD ihre Grabenkämpfe überwinden könnte. Das ist aber ausgeschlossen, da die Rechten bereits diese Partei als "Eigene" betrachten. Die AfD wird aber, als reine Rechtspartei, langfristig sterben oder mitelfristig verboten werden. Krall/Maaßen sollten einen langen Atem mitbringen, dann kann es was werden. Ganz so chancenlos, wie dargestellt, sind sie nicht, wenn ... s.o.

Heinrich Loewe

5. Januar 2024 12:52

Die Wahl-Demoskopie und -Soziologie hier von Daniel Fiß ist unglaublich gut und wichtig, danke! Mein nun seit drei Jahren an Steve Bannon geschultes strategisches Urteilsvermögen läßt mich völlig zustimmen: Keine Gefahr von den Neugründungen für die AfD, die die Häutungen und das Chaos der Gründungsphase nun hinter sich hat.
Wenn die Apparatschicks der Union sich nicht in arroganter Weise über die Demoskopie hinweg gesetzt hätten, dann hätten wir jetzt Kanzler Söder. Wobei die grüne Ampel den immensen Vorteil eines Augenöffners und Redpillers für Massen hat…
Um Maaßen ist es schade, weil der wirklich Rückgrat hat; eine zu seltene Charaktereigenschaft in der Politik.

Karl Otto

5. Januar 2024 13:12

So sehr ich auch mit der AfD sympathisiere was Migrations- und Gesellschaftspolitk betrifft, som ist sie doch für mich nicht wählbar, solange sie die aktuelle unterwürfige Haltung zum russischen Mafiastaat beibehält.
Eineneue konservative Kraft, die da eine differenzierte Position einnimmt, würde ich begrüßen. Und wählen.
 

Laurenz

5. Januar 2024 13:27

@RMH ... The trend is your friend.... war eine Weisheit aus meinem früheren Leben als Anleihe-Händler.... Wie Sie in Zeiten, wo Alt-Parteien in Gefahr sind, sich nicht mehr vom Sterbe-Bett erheben zu können, auf Ihre diametralen Prognosen zu sprechen kommen, erschließt sich dem Leser nicht. Daß es um Pfründe ganz normale, menschliche Verteilungskämpfe gibt, ist auch nur einer Partei fremd? Es ist in der AfD der Ehrgeiz vorhanden, der der Union längst abhanden gekommen ist & ohne den kein Politiker, auch kein Offizier, auch nur einen Pfifferling wert ist. Ihr Beitrag klingt mir etwas arg nach Tichys, wo man ab & an immer noch der alten Bonner-Repubklik im strammen transatlantischen Gehorsam hinterher weint. Aber diese Zeiten kehren nie wieder. Machen Sie Sich mal locker...

Amos

5. Januar 2024 15:44

@Kikl: --Ich weiß aus relativ zuverlässiger Quelle, dass die WU Schwierigkeiten hat in BW besipielsweise auch nur drei Teilnehmer für einen Stammtisch (regionales Zentrum) zusammen zu bekommen. Ich würde sagen, Ihre etwas optimisischere Einschätzung in Ehren und wenn die Stimmung vollends kippt, mag ja der eine oder andere auch vorsichtig eine WU wählen, die Ernte wird aber die AfD einfahren, denn wer sich entschlossen hat, gegen das Kartell zu votieren, den juckt die NS-Keule und die Dauerverfehmung nicht mehr, der wählt sie grad' zum Trotz.

Laurenz

5. Januar 2024 15:54

@Karl Otto ... wir haben jetzt klar vernommen, daß Sie die Mafia in Rußland als tatkräftiger einschätzen, als die Mafia anderswo, was den Russen ja ein kräftiges Maß an Durchsetzungsvermögen attestiert. Aber jetzt mal Hand auf's Herz. Daß Herr Chrupalla, wohl aufgrund Seiner Sozialisierung, ein besonderes Verhältnis zu Rußland hat, wissen wir alle. Aber dagegen stehen mehr als 100 Hanwurste, auch hier im Forum, die amerikanophil sind. Erachten Sie es nicht als sinnvoll, in einer Deutschen Souveränität, ein ausgewogenes Verhältnis zu Großmächten zu gewinnen. Und dokumentieren Sie bitte einen einzigen Programmpunkt, wo sich die AfD unterwürfig zeigt? Hier ab 15:20 erklärt Chrupalla Selbst Seine Haltung zu den Weltmächten. https://youtu.be/wDopne3mryE Da dürfen wir uns als Leser schon fragen, aus welchem Wolkenkuckucksheim Sie, Karl Otto, Ihre Informationen ziehen? Blöd? Relotius? Bunte?

Dr Stoermer

5. Januar 2024 16:25

Dem gut begründeten Fazit von Herrn Fiß ist nichts hinzuzufügen, die Ratten verlassen halt das sinkende Schiff, sie klammern sich im nächtlichen Getöse an zerborstenes Gebälk ihres alten Kutters, denn bis zum Seenotrettungskreuzer zu schwimmen fehlt ihnen die eigene Kraft. Doch keine Sorge, er nimmt Kurs, you never swim alone würde der letzte, im Sinne von: Aktuelle, Kanzler sagen.
Interessanter als den Suchscheinwerfer auf die Durchnässten zu richten, die sich im Schleppnetz sammeln lassen, fände ich die Frage: Was passiert hierzulande eigentlich, wenn die Tochter Z., um mit Händel zu sprechen, einen neuen Deal am Potomac aushandeln muss?

Le Chasseur

5. Januar 2024 16:43

@Heinrich Loewe"Wenn die Apparatschicks der Union sich nicht in arroganter Weise über die Demoskopie hinweg gesetzt hätten, dann hätten wir jetzt Kanzler Söder."
Dieser egomanische Typ blieb uns Gott sei Dank erspart.
Und wenn Söder Laschet während des Wahlkampfes nicht so massiv beschädigt hätte, dann hätten wir jetzt zumindest keinen Cum-Ex-Olaf im Kanzleramt sitzen. Und vielleicht hätte Laschet eine GroKo zustande gebracht, dann wären uns die Trampolinspringerin und der Kinderbuchautor auch erspart geblieben.

brueckenbauer

5. Januar 2024 18:20

Herr Fiß hat einleuchtend argumentiert. Andererseits: Die Democrazia Cristiana ist tatsächlich auf eine kleine Minderheit reduziert worden und mit den französischen LR geht es auch abwärts. In Frankreich haben sich die kleinen Alternativen zwischen Le Pen und LR zumindest lokal etabliert, allerdings nicht groß durchgesetzt, interessanteweise eher eine Partei rechts von Le Pen (Zemmour).  Mir ist schon klar, dass mediale Berühmtheit ein wichtiger Erfolgsfaktor ist (Berlusconi, Zemmour), der den deutschen Parteigründern völlig abgeht - aber ist die CDU tatsächlich als Alte-Leute-Partei unschlagbar?

wolfdieter

5. Januar 2024 20:59

Zu Lucke und Petry kann ich wenig sagen, ich hatte sie kaum auf dem Radar.
 
Meuthen halte ich für ein U-Boot von Anfang an (als Mitglied eingeschleustes Subversionselement).
 
Mein Verhältnis zur AfD in Kürze: die sind die einzigen, die nicht mit dem Klammerbeutel gepudert sind in der gegenwärtig verzweifelten Situation der Nation.

Sandstein

5. Januar 2024 23:00

@wolfdieter
..es hat was, Kommentare wie den ihrigen zu lesen. Gleichzeitig ist die Überzeugung, mit der Sie totalen Unsinn vertreten etwas beunruhigend. Meuthen mag man vieles vorhalten, er war aber ganz sicher kein U-Boot. Sie machen sich mit solchen Behauptungen zum Armleuchter und glauben Sie mir: nicht hinter allen Vorgängen steckt eine Verschwörung. Jedenfalls ganz sicher nicht so wie Sie zu wissen glauben.
Meine These: in einer "weichen" Meuthen-AfD hätten ein schlagkräftiger Krall und ein Prestigeträger wie Maaßen ihren Platz gefunden und die AfD damit Abschluss an wichtige Wählergruppen. Das ist aber genau der Zusammenhang, den vermeintliche Patrioten nicht erkennen wollen. Da gibts immer nur "wir" oder "die". Und so gibt es dann hier und da mal 30% aber ganz sicher keinen Zugang zu wichtigen Ämtern und Verantwortung. Und ein Chrupalla mag menschlich ok sein und einen Berufsabschluss haben, aber er ist weder intellektuell noch rhetorisch in der Lage, Punkte zu machen.

Simplicius Teutsch

5. Januar 2024 23:41

Die AfD alleine kann die fatale Abwärtsrichtung Deutschlands niemals wenden. 
 
Ich begrüße jeden neuen oppositionellen Ansatz, der sich dem antidemokratischen und antideutschen Herrschaftsanspruch des regierenden Regimes entgegensetzt und damit gleichzeitig Entlastung für die AfD bringt.
 
Derzeit geht es für die AfD um das Stark- und Stabilwerden durch fortgesetztes Überleben im Circus Maximus der BRD. Das, die offenbar anschwellende Existenz der AfD, ist unerträglicher Bocksgesang für die Funktionäre und Profiteure es übermächtigen Regimes an den Futtertrögen, in den machtpolitischen Schaltstellen und in den Logen der Talkshows.
 
Nie vergessen, dass die Strippenzieher ihre Maulwürfe, Provokateure und U-Boote überall platziert haben oder durch Korruption und Erpressung sich beschaffen. Nicht irre werden.

Laurenz

6. Januar 2024 00:51

@Le Chasseur & Heinrich Löwe ... Sie ignorieren Beide die Faktenlage. Ein Söder, Laschet oder Merz hätte 2021 Kanzler werden können. Das ist genau der Vorwurf, den ich @RMH bei Seiner Kartell-Parteien-Treue gemacht habe. Aber die Union ging lieber in die Opposition, anstatt die Macht zu ergreifen.
@Brückenbauer ... Der Unterschied zwischen Italien & Frankreich auf der einen Seite & Deutschland auf der anderen, ist die materielle Betroffenheit. In materieller Betroffenheit ist der Wähler schneller bereit, seine früheren Entscheidungen zu revidieren. Die hervorragenden Wahlanalysen der SiN wurden früher von BK & seit einiger Zeit von DF erarbeitet. Die waren immer eindeutig. Sie können das aber auch woanders recherchieren. CDU, wie auch SPD profitieren von 60+ - Wählern. Die wählen Union & Sozen aus Nostalgie & geprägter Sozialisierung, aber auch wegen materieller Saturiertheit. Es gibt ja auch Leute, die noch in Kirchen gehen, wie zB meine Mutter (85), obwohl Sie von aktueller Kirchen-Politik gar nichts hält & jedes Jahr eine völlig irre Summe an Kirchensteuer abdrücken muß, d.h. einen woken Jesuiten-Papst finanziert. Immerhin ist Sie eine Ausnahme & wählt AfD.

RMH

6. Januar 2024 11:33

@Sandstein,
schön, dass Sie das einmal so formulieren. Es macht sich zunehmen ein gewisser Blasenjargon breit, der unreflektierte Schlagworte wie "U-Boot" einfach mal so einbaut. Ich stimme Ihrem Beitrag daher zu. Chrupalla halte ich hingegen für gereift und ich würde das, was die BLÖD als "Putsch" beschreibt, als Außenstehender sogar taktisch für nicht falsch halten, wenn er Spitzenkandidat in Sachsen werden würde, denn da hat er bereits als Direktkandidat Wahlen gewinnen können. Das könnte die Erfolgswahrscheinlichkeit für die LT-Wahl sogar vergrößern.

Jan

6. Januar 2024 12:11

Parteineugründungen mit nachhaltigem Erfolg sind in Deutschland wohl nur alle 30 Jahre möglich. Zudem bedarf es einer besonderen gesellschaftlichen Umbruchssituation. Der gesellschaftliche Wandel nach '68 brachte die Grünen hervor, die Verwandlung Deutschlands in ein "buntes Einwanderungsland" verhalf der AfD zum rasanten Aufstieg mit Substanz.
 
Ich denke, die Leerstelle zwischen Union und AfD ist nicht so groß, wie viele der selbtsernannten heimatlosen Liberalkonservativen sich erhoffen. Wer in CDU (Maaßen) oder SPD (Sarrazin) in Ungnade fällt, wird genauso aus der satisfaktionsfähigen Mitte der Gesellschaft ausgestoßen wie Höcke & Co., steht dann aber ohne gefestigte Parteistruktur mit Karriereoptionen da. Am Ende sitzt man ohne parlamentarischen und damit politischen Einfluß zwischen allen Stühlen. Wie im Text schon geschrieben, werden sich das viele Unionisten genau überlegen. Am Ende schlucken sie die opportunistischen Kröten wie Wüst und Günther einfach runter und setzen all ihre Hoffnungen auf Linnemann und Merz. 
 
Bei CDU und SPD darf man ihre feste Verwurzelung in wichtigen gesellschaftlichen Strukturen niemals unterschätzen: Wirtschaftsverbände und Kammern (CDU), öffentlicher Dienst, Sozialverbände und Gewerkschaften (SPD). Dazu kommt noch das SPD-Medienimperium, über welches sich die meisten Wähler gar nicht bewusst sind. Das ist eine strukturelle Macht mit harter Substanz. Ein Schrumpfen auf Democrazia Christiana-Niveau halte ich bei diesen Parteien daher für eine Illusion. 

wolfdieter

6. Januar 2024 13:03

@Sandstein 5. Januar 2024 23:00 – Danke für die Blumen.  In der Wahrnehmung von Meuthen liegen wir schätzungsweise gleich, nur bewerten tun wir unterschiedlich. Meine Ansicht ist unsinnig? Danke für die Anregung.  Du sagst, Maaßen und Krall wären in einer entzahnten AfD (meine Wortwahl) gut aufgehoben? Dagegen spricht bei beiden ihre Natur als Alpha-Tier.  Beide, Krall und Maaßen, sind hochkompetent in ihrem Fach (Betonung auf Fach). An anderer Stelle las ich, und ich stimme zu, dass sich beide in den Politik-Betrieb einarbeiten müssten. Stichwort Chrupalla und intellektuell – ich halte es für ein Missverständnis, das mit Begabung für Politik gleich zu setzen. Anders als umgekehrt du beurteile ich deinen Post nicht radikal als unsinnig.

Le Chasseur

6. Januar 2024 13:50

@Laurenz"@Le Chasseur & Heinrich Löwe ... Sie ignorieren Beide die Faktenlage. Ein Söder, Laschet oder Merz hätte 2021 Kanzler werden können. Das ist genau der Vorwurf, den ich @RMH bei Seiner Kartell-Parteien-Treue gemacht habe. Aber die Union ging lieber in die Opposition, anstatt die Macht zu ergreifen."
Falsch. Söder und seine CSU gingen lieber in die Opposition:
https://www.focus.de/politik/deutschland/bundestagswahl/protokoll-einer-selbstzerstoerung-protokoll-des-jamaika-endes-um-punkt-13-uhr-laesst-soeder-die-bombe-platzen_id_24312651.html
Söder ist eine Witzfigur. Sein Narzissmus, sein Geltungsdrang und seine Angeberei sind geradezu grotesk. Wer Deutschland Übles will, der wünscht sich einen Kanzler Söder.
https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_90826290/csu-chef-markus-soeder-zum-glueck-kann-er-nicht-kanzler-werden.html

wolfdieter

6. Januar 2024 14:07

@RMH 6. Januar 2024 11:33
 
„Es macht sich zunehmen ein gewisser Blasenjargon breit, der unreflektierte Schlagworte wie "U-Boot" einfach mal so einbaut.“
 
Das U-Boot war unmittelbar dahinter in Klammern erklärt. Möge die Metapher falsch oder richtig sein – unreflektiert sicher nicht.

Simplicius Teutsch

6. Januar 2024 17:01

Zum Thema „U-Boote" etc:
@RMH – dass Sie trotz Ihrer sonstigen Klugschreiberei einen realitätsblinden Kommentar von @sandstein als „schön formuliert“ bezeichnen und diesem deshalb ausdrücklich „zustimmen“, nervt mich total, sorry, und lässt mich vermuten, dass Ihre Äußerung entweder das Merkmal des Pfeifers im Walde ist (Pfeifer mit zwei „f“) oder schlicht „totaler Unsinn“, um die „schön formulierten“ Worte von @sandstein zu gebrauchen.
 
Ich bin zwar – anders als @wolfdieter – auch nicht der Meinung, dass Jörg Meuthen von Anfang an ein in die AfD eingeschleustes „U-Boot“ war, aber nach seiner Kapitulation in der AfD hat er, so meine Erinnerung, in verschiedenen Fernsehauftritten ordentlich Dreck auf die AfD gekübelt. 
 
 

Simplicius Teutsch

6. Januar 2024 17:17

Zum Thema „U-Boote" etc: (II)
Ziel des „Verfassungsschutzes“ ist die Ausschaltung der AfD. Gibt es da eine Gegenmeinung?
 
Wer in der Politik die Existenz von Maulwürfen, Provokateuren, U-Booten und sonstigen je eingeschleusten destruktiven Elementen nicht in Betracht ziehen will, wie erklärt er sich dann z. B. innerparteiliche Ergebnisse, wie jüngst 2023 in Bremen, wo die AfD wegen interner(!) Streitigkeiten gar nicht zur Wahl zugelassen wurde?
 
Sage mir keiner, dass das nur die blanke Dummheit dieser Bremer AfD-Kontrahenten war, die die AfD hier auf dem bürokratischen Weg absehbar berechnend aus der Bürgerschaft rausgemeuchelt haben. – Zur Erinnerung: Weil sie sich intern nicht auf eine Kandidatenliste einigen konnten.
 
Als ob man sich, trotz aller Streitigkeiten (worum eigentlich?), bei zwei internen Fraktionen (zum übergeordneten Wohle der AfD und Deutschlands) nicht auf das sog. Reißverschlussverfahren hätte einigen können.
 

Laurenz

6. Januar 2024 17:39

@Le Chasseur @L. ... Sie haben nicht verstanden. Auf Ihren Namen bezogen, haben Sie daneben geschossen, der Lauf ist leer. Stellen Sie Sich Selbst die Frage. Hätte Lindner lieber mit der Union oder lieber mit Rot/Grün koaliert? Ich glaube, die Frage beantworten zu können, mit der Union. Eine schwarz-gelbe Koalition hätte zur knappen Mehrheitsbildung noch die Stimmen der AfD gebraucht & diese in der Koalition aufnehmen müssen. Wäre die Union diesen Schritt gegangen, hätte Lindner sicher mitgemacht. Aber, die Union hatte sich dagegen entschieden & ging in die Opposition. Eine Partei, die nicht den Ehrgeiz hat, eine Koalition anzuführen & den Kanzler zu stellen, obwohl die Option besteht, hat in meinen Augen fertig, ganz egal, mit wem an der Spitze. Der von DF erwähnte, aktuelle Aufwärtstrend der Union, hat rein mit dem Oppositions-Status & der Ampel-Pleite zu tun. Warum liegt die AfD in den Neuen Ländern vorne? Weil jeder Wähler im sogenannten Osten sehen kann, was in Thüringen passiert. Anstatt, daß ein FDP- oder CDU-Ministerpräsident dort regiert, toleriert die CDU Ramelows lächerliches Minderheits-Kabinett. 

Sandstein

6. Januar 2024 19:47

@RMH
..mir geht dieses Meuthen-Bashing einfach gegen den Strich. Da wird munter drauf loskommentiert ohne auch nur nen blassen Schimmer zu haben. Meuthen hat viel für die AfD getan und für Reputation über Lagergrenzen hinweg gesorgt. Es vergessen einige Patrioten wer diese Partei und ihre Strukturen gegründet und aufgebaut hat. Und das waren eben nicht die Ränkeschmiede von den Biertischen.
@wolfdieter
Genau deswegen habe ich die Rhetorik erwähnt. Was glauben Sie denn, wieso eine Alice Weidel oder ein Brandner nicht zur Primetime in deutschen Talkrunden auftreten? Weil man einen Chrupalla vorführen kann, erstgenannte eher schwieriger bis gar nicht. Lesen Sie Kommentare vollständig und nicht selektiv, dann sparen wir uns beide die Spucke. Es geht im Übrigen nicht um eine komplett entzahnte AfD, sondern um intelligente Entscheidungen. Ursprünglich gegründet wurde die AfD; um den Euro loszuwerden. Das geht heute komplett unter zwischen Remigrationsfantasien und Abendlandgelaber. Wie Laurenz hier mehrmals vorzüglich ausgeführt hat, trifft man die bis in Mark umerzogenen Deutschen nur an ihrer Brieftasche. Dass jetzt durch die Grünenpolitik genau das eintritt ist ein "glücklicher" Umstand, aber nicht Ergebnis cleverer AfD-Wahlkämpfe. Das hätten wir viel früher haben können. Was Einwanderung angeht seh ich mich selbst übrigens als Hardliner. Es gibt aber einen Unterschied zwischen Zielen und dem schnellsten Weg dorthin. 

RMH

6. Januar 2024 22:06

@Simplicius Teutsch, das Verhalten von Meuthen nach seinem Abgang war würdelos, keine Frage. Er hat seine Demütigung dann aber vom Establishment erhalten, als man ihm deutlich zeigte, es gibt kein Zurück und er hatte kaum eine richtige Plattform für seine "Feindzeugen" (Lieblingsausdruck von B.H.) -Rolle bekommen und ist dann im Zentrum vergammelt. Meuthen ist Geschichte, fertig. Das U-Boot-Gerede im Zusammenhang mit ihm fand ich aber genau wie @Sandstein daneben. Sicherlich wird es Zuträger zum VS bei der AfD und Doppelspieler geben, die gibt es im gesamten Beamtenapparat und in anderen Parteien auch. Evtl. sind es gerade die V-Leute, die das Einlösen des Verbotstickets aktuell noch verhindern, evtl. hat Maaßen ein paar Seilschaften, die er jetzt zu sich rüber holt (siehe meinen Beitrag in Teil 2), wer weiß - alles Spekulation. Ich bin aber bei @Sandstein, wenn er die Rolle die AfD als Anti-Euro Partei wieder in Erinnerung ruft - und Lucke war kein schlechter Mann, Petry hatte Charisma, war aber mit ihrem Mann ein intrigantes ..., die dann über die eigenen Intrigen gestolpert ist. Alles, wie geschrieben, Geschichte, aber eine Partei, die ihre Wurzeln komplett vergisst, gräbt sich selber auch ein Stück weit die Verankerung im Boden ab.

Simplicius Teutsch

7. Januar 2024 01:05

@RMH – Okay. Bezüglich Jörg Meuthen sind wir uns einig. Ich habe selber sehr viel von ihm gehalten, weil ich meine, dass jemand mit seiner bürgerlich-liberalkonservativen Kompetenz und rhetorisch starken Intellektualität ein wichtiger Bestandteil für eine erfolgreiche AfD sein kann. 
 
Interessanterweise stimme ich Ihnen ebenso bei Bernd Lucke zu. Für mich war er eine rhetorische Wohltat, als er in der Anfangszeit der AfD putzmunter in den Talkshows auftreten durfte. Damals war noch die Zeit, wo ich fast jeden Sonntagabend vor dem Fernseher und den Talk-Sendungen der Öffentlich-Verächtlichen zugebracht habe. 
 
Und andererseits bin ich Ihrer Meinung auch in der negativen Einschätzung von Frauke Petry. Sie hat ja durchaus etwas Attraktives und dazu intellektuell eine schnelle Zunge, aber sie ist eine intrigante Giftschlange. Ich war so froh, als sie nicht mehr in der AfD war. Vor einigen Monaten hatte sie überraschend einen Auftritt am Sonntagabend in servus tv, wo sie viele regime-oppositionelle Ansichten und kluge Analysen zum politisch-gesellschaftlichen Geschehen zum Besten gab, ja. Aber dann hat sie doch dem „Verfassungsschutz“ offensichtlich in den Lauf gespielt, indem sie eine vernichtend negative pauschale Breitseite gegen Björn Höcke und das „rechtsextremistische Netzwerk“ in der AfD abschoss. Mir kam es vor, wie wenn dieser Teil nicht nur Rache, sondern Auftragsarbeit gewesen wäre.

wolfdieter

7. Januar 2024 11:24

@RMH 6. Januar 2024 22:06
 
Stichwort „U-Boot“ – ohne Rücksicht auf Zustimmung – verteidige ich den Gedanken.
 
Ich nehme zum Vergleich Merkel und CDU. Geräuschlos eingetaucht, mit beispiellosem Opportunismus zu Wahlerfolgen geführt, peu à peu gefügiges Personal installiert, spätestens ab Atom-Ausstieg sukzessive vergrünt, und zwar per Dekret. Merkel hat die CDU von innen heraus grün verseucht. Merkel ist ein U-Boot par excellence.
 
Entsprechender Pläne verdächtige ich Meuthen anlässlich seines Verhaltens beim Ausschluss Kalbitz. Zur Erinnerung: er selbst hat betont, diesen keines Fehlverhaltens zu beschuldigen, lediglich dessen Vergangenheit sei sein Kriterium gewesen. Der Aktion war eine Nacht-und-Nebel-Vorbereitung vorausgegangen. So kommts zur Metapher.
 
Zur Wiederholung. Ihr mögt ihn integer finden; ich könnte irren; aber mein Gedanke steht. Vielleicht wirklich falsch, aber diskutabel und sicher nicht unreflektiert.

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