Correctiv-Theater in Berlin: “Praktisch jedes Wort ist eine Lüge.”

Michael Kretzschmer hat vor Jahren die Katze aus dem Sack gelassen, als er die unsterblichen Worte vom "Angriff auf unsere Wahrheitssysteme" formulierte.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Damit woll­te er all jene brand­mar­ken, die das von der Regie­rung erwünsch­te Nar­ra­tiv über die Vor­gän­ge in Chem­nitz im August 2018 in Fra­ge stell­ten. Schon damals hat­ten wir es mit einer staat­lich insze­nier­ten Hys­te­rie­wel­le zu tun, die nur sehr wenig mit den tat­säch­li­chen Fak­ten zu tun hat­te (die bis­lang kras­ses­te Ope­ra­ti­on die­ser Art haben wir 2020–23 mit “Coro­na” erlebt).

Es bedurf­te kei­ner tief­schür­fen­den Recher­che, um die Wahr­heit über Chem­nitz her­aus­zu­fin­den. Nicht anders ver­hält es sich mit der lau­fen­den Kam­pa­gne gegen die AfD. Dar­über muß man kein Wort mehr ver­lie­ren. Die “Ent­hül­lungs­sto­ry” der Platt­form Cor­rec­tiv hält kei­ner nüch­ter­nen Über­prü­fung stand, aber das ist in Bezug auf ihre Wirk­sam­keit völ­lig irrele­vant. Die prä­sen­tier­te Geschich­te wird als Rea­li­tät behan­delt, weil sie für bestimm­te Schich­ten (Poli­ti­ker, Medi­en und regime­treu­es Fuß­volk) nicht nur poli­tisch nütz­lich, son­dern auch auf ande­ren Ebe­nen schier unwi­der­steh­lich ist.

Sie schöpft ihre Kraft aus einem unver­wüst­li­chen Kom­plex, der in der bun­des­deut­schen Psy­che fest ver­wur­zelt ist. Er gleicht einer Ener­gie­quel­le, die sich jeder­zeit wie auf Knopf­druck anzap­fen läßt. Die Cor­rec­tiv-Fabri­ka­ti­on ist des­we­gen so anzie­hend, weil sie nicht nur poli­ti­schen, son­dern auch psy­cho­lo­gi­schen Bedürf­nis­sen ent­ge­gen­kommt: Die Vor­stel­lung, sich in einem ewi­gen Wider­stand gegen “1933” zu befin­den, bie­tet vie­len Men­schen eine sinn­stif­ten­de Rol­le an, die sie ger­ne erfül­len, zumal sie die­ser “Wider­stand” nichts kos­tet und kei­ner­lei Risi­ko aus­setzt, auch wenn sie dabei so tun müs­sen, als ob dies der Fall wäre.

Seit ich publi­zis­tisch tätig bin, habe ich mich mit die­sem Kom­plex (Armin Moh­ler nann­te ihn “Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung”, ein Begriff, der außer Mode gekom­men ist, wohl seit klar gewor­den ist, daß nicht “bewäl­tigt” son­dern für alle Zei­ten zemen­tiert wer­den soll) beschäf­tigt und ihn lei­den­schaft­lich kri­ti­siert. Irgend­wann muß­te ich resi­gniert zu dem Schluß kom­men, daß er nicht the­ra­pier­bar, daß er völ­lig immun gegen­über jeg­li­chem Ver­such ist, ihn mit Ratio­na­li­tät, Ver­nunft oder schlich­ten Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen auf­zu­lö­sen. Die­je­ni­gen, die von ihm zeh­ren und pro­fi­tie­ren, wol­len das auch gar nicht, sind nicht imstan­de, dar­in einen patho­lo­gi­schen Zustand zu erblicken.

Das “Patho­lo­gi­sche” mani­fes­tiert vor allem in der Ent­frem­dung von der Rea­li­tät, in der Flucht in einen Film, der trotz ihrer Beteue­run­gen (etwa Angst vor dem “Faschis­mus” oder vor “Haß”) eine opi­ati­sche Wir­kung hat, und ihnen erlaubt, einer Men­ge äußerst unan­ge­neh­mer und ver­dräng­ter tat­säch­li­cher Pro­ble­me, die sich in ihrem Land auf­ge­staut haben, aus­zu­wei­chen. Wären sie dazu imstan­de, ihnen ins Gesicht zu bli­cken, wür­den nicht nur ihre Wahr­heits- son­dern auch Sinn­sys­te­me, und damit sie selbst, zusammenkrachen.

Die “Wahr­heit”, die von die­sen “Sys­te­men” erzeugt wird, ist also eine teils poli­ti­sche und eine teils psy­cho­lo­gi­sche. Als sol­che mag sie vie­len als mora­lisch “rich­tig” erschei­nen, was alle ande­ren Beden­ken und Zwei­fel bei­sei­te wischt. Das ist an sich noch kein patho­lo­gi­scher, son­dern ein mensch­lich-all­zu­mensch­li­cher Nor­mal­zu­stand. Die Mehr­heit der Men­schen wird nicht durch rei­ne Ratio­na­li­tät oder Fak­ten bewegt, son­dern mehr noch durch das, was sie füh­len, wün­schen oder brauchen.

Der ame­ri­ka­ni­sche Psy­cho­lo­ge Jona­than Haidt, von Som­mer­feld und Licht­mesz aus­führ­lich in Mit Lin­ken leben zitiert, hat die­se Ein­sicht zur Grund­la­ge sei­nes Buches The Righ­teous Mind über die poli­ti­sche Pola­ri­sie­rung in den USA gemacht (schon der Oba­ma-Ära!). Die meis­ten unse­rer Ent­schei­dun­gen wer­den mit dem Bauch getrof­fen, und erst nach­träg­lich vom Kopf “ratio­na­li­siert”.

Patho­lo­gisch wird die­ser Mecha­nis­mus erst, wenn die Dis­kre­panz zwi­schen dem Erwünsch­ten und dem Tat­säch­li­chen so groß wird, daß immer auf­wen­di­ge­re Manö­ver not­wen­dig sind, um die sinn­stif­ten­de und inte­gra­ti­ve Fik­ti­on auf­recht­zu­er­hal­ten. Auf wel­che Wei­se das abläuft, kann man auf indi­vi­du­el­ler Ebe­ne beson­ders gut an Men­schen mit schwe­ren Per­sön­lich­keits­stö­run­gen studieren.

Ein klas­si­scher Abwehr­me­cha­nis­mus ist der­je­ni­ge der Pro­jek­ti­on: Der ande­re ver­schwin­det als eigen­stän­di­ger Mensch und wird für den Pro­ji­zie­ren­den zur blo­ßen Lein­wand, auf der er nur mehr sei­nen eige­nen Film sieht. Wich­tig ist, daß er sich des­sen nicht bewußt ist, daß er in Wahr­heit nur sich sel­ber sieht. Statt­des­sen drischt er auf die Pro­jek­ti­ons­flä­che ein.

Ich bin der Über­zeu­gung, daß es auch so etwas wie kol­lek­ti­ve Patho­lo­gien gibt, die nach ähn­li­chen Mus­tern wie indi­vi­du­el­le ablau­fen. Das bedeu­tet, daß nicht jeder, der in einer kol­lek­ti­ven Patho­lo­gie steckt und sich aktiv an ihr betei­ligt, selbst ein patho­lo­gi­scher Fall ist, aber daß er sich so ver­hält, als wäre er einer.

Dies sage ich mit allem not­wen­di­gen Vor­be­halt gegen­über Fern­dia­gno­sen und psy­cho­lo­gi­sie­ren­den Erklä­run­gen, die sich nicht im stren­gen Sin­ne “bewei­sen” las­sen. Aber die­ser Blick­win­kel scheint mir doch recht ergie­big zu sein, um bestimm­te gesell­schaft­li­che Vor­gän­ge bes­ser zu verstehen.

Das bringt uns nun zur Auf­füh­rung “Geheim­plan gegen Deutsch­land” des Ber­li­ner Ensem­bles, basie­rend auf den Schau­er­mär­chen von Cor­rec­tiv. Einer­seits han­delt es sich hier um ein Stück kon­zer­tier­ter Pro­pa­gan­da, die ver­mut­lich schon lan­ge vor­be­rei­tet und nicht erst vor­ges­tern aus dem Ärmel geschüt­telt wur­de. Ande­rer­seits han­delt es sich hier um ein auf­fal­len­des “Sym­ptom” für alle, die es sehen wol­len und können.

Ich kann nur davor war­nen, sich die­se Büh­nen­phan­ta­sie über das “Geheim­tref­fen” anzu­se­hen. Es ist eine pure Fol­ter. Es ist “Knirsch” oder “crin­ge” vom Feins­ten, wie die Zoo­mer heu­te sagen. Lorenz Bien hat sich hel­den­haft und mär­ty­rer­gleich auf­ge­op­fert, damit Sie es sich nicht anse­hen müs­sen; aber sein Bericht allein ist schon äußerst fremdschaminduzierend.

Ein Leser von Micha­el Klo­novs­ky “mit DDR-Exper­ti­se” schrieb ihm, er wis­se “gar nicht, womit man das ver­glei­chen könn­te. Selbst im pri­mi­tivs­ten NVA-Thea­ter habe ich sol­ches Zeug nicht gesehen.”

Das Frap­pie­ren­de dar­an ist vor allem eines: Daß den Dar­stel­lern der Teil­neh­mer des “Geheim­tref­fens” (ein “Mar­tin Sell­ner”, der mit dem Ori­gi­nal nicht die gerings­te Ähn­lich­keit hat, kommt auch vor) Wor­te in den Mund gelegt wur­den, die sie nie gesagt haben, son­dern die von den Machern des Stücks frei erfun­den wur­den. Und nicht nur das, die­ser Umstand wird im Lau­fe des Stücks auch noch offen zuge­ge­ben. Bien berichtet:

Um das Pots­da­mer Tref­fen eins zu eins nach­zu­spie­len müß­te man wis­sen, was dort eigent­lich genau bespro­chen wur­de. Und in wel­chem Wort­laut. An dem Arti­kel von Cor­rec­tiv kann sich das Ensem­ble dabei schlecht ori­en­tie­ren, ange­sichts all der Mut­ma­ßun­gen und Inter­pre­ta­tio­nen, die ihre „Recher­che“ ent­hält und ange­sichts der Tat­sa­che, daß alle wirk­lich brand­hei­ßen Äuße­run­gen, also die um die es auch dem Ensem­ble am Ende geht, nicht als direk­te Zita­te ange­ge­ben sind, son­dern den Per­so­nen in den Mund gedeu­tet wurden.

Folg­lich legen die fünf Schau­spie­ler die Kar­ten sehr rasch auf den Tisch: Das, was ihre Figu­ren im Lau­fe des Thea­ter­stücks alles von sich geben wer­den, wur­de von den rea­len Per­so­nen „so nie gesagt“. Na dann. Das die­ne vor allem der juris­ti­schen Absi­che­rung, erklä­ren die Dar­stel­ler, viel­leicht auch der künst­le­ri­schen Frei­heit. Wie pas­send, daß sich mit die­ser Vor­er­klä­rung nun so ziem­lich alles behaup­ten und dem Pots­da­mer Tref­fen so ziem­lich alles andich­ten läßt.

Nach­dem nun die­se Stroh­män­ner auf­mon­tiert wur­den, wer­den sie in einem selbst­ge­fäl­li­gen Stil “ent­larvt”. Die gan­ze Auf­füh­rung beruht also auf einem Zir­kel­schluß. Die Macher bewei­sen sich selbst, was sie bewie­sen haben wol­len. Daß es hier zu kei­ner grö­be­ren kogni­ti­ven Dis­so­nanz kommt, muß dar­an lie­gen, daß sie fel­sen­fest von der inne­ren, mora­li­schen, emo­tio­na­len Wahr­heit ihres Unter­neh­mens über­zeugt sind. Fee­lings don’t care about facts!

Das Pein­li­che an der Ver­an­stal­tung ist also der all­zu deut­li­che Geschmack von “Fake”, von Pose und Auto­hyp­no­se. Man sieht eini­gen eini­ger­ma­ßen befä­hig­ten Schau­spie­lern zu, wie sie in eine heil­lo­se Schmie­re abglei­ten, mit tod­erns­ten Gesich­tern und gra­vi­tä­ti­scher Into­na­ti­on so tun, als ob sie sich vor ihren eige­nen Papp­ka­me­ra­den fürch­ten wür­den, wäh­rend sie die todes­mu­ti­gen, zutiefst erschüt­ter­ten Moral­hel­den und Wider­stands­kämp­fer mar­kie­ren. Von außer­halb der Ber­li­ner Bla­se gese­hen hat das eine erheb­li­che unfrei­wil­li­ge Komik.

Die­ser Ges­tus gip­felt in einer pathe­ti­schen Schluß­re­de, vor­ge­tra­gen von Klaus Schu­bert, wäh­rend Kon­stan­ze Becker an sei­ner Sei­te mit stramm ange­spann­tem, leicht nach hin­ten gebo­ge­nem Kör­per und eisi­ger Mie­ne ihre Mund­win­kel bis auf den Boden hän­gen läßt, das Kinn schief zur Sei­te schiebt, ab und zu den Blick fins­ter-trau­rig hebt, die Zor­nes­fal­ten zwi­schen den Augen ehern zusam­men­preßt, wäh­rend sie offen­bar dicke Betrof­fen­heits­klö­ße im Hals hinunterschluckt.

Nach­dem die “Repor­ter­fa­brik” von Cor­rec­tiv geprie­sen wur­de und “inves­ti­ga­tiv Inter­es­sier­ten” zur “Wei­ter­bil­dung” anemp­foh­len wur­de (Sze­neap­plaus; “Wer­de auch Du Spit­zel in Staats­diens­ten!” wäre hier mein Ref­raming, das ich ihnen in den Mund legen wür­de), hebt Schu­bert an:

Wir wis­sen, daß die­ser Abend kei­ner ist, aus dem man fröh­lich her­aus­geht. Wor­um es im Düs­sel­dor­fer Forum geht, ist nichts weni­ger als die Zer­stö­rung unse­rer Demo­kra­tie. Die Zer­stö­rung, wie wir gehört haben, ist im Gan­ge. Sie pas­siert. Jetzt. Und den­noch zeigt oder erzählt die­ser Abend auch noch etwas ande­res. Er erzählt einer­seits davon, daß die Faschis­ten echt Angst vor den Anti­fa­schis­ten haben. Wor­über die­ser Abend aber zwei­fels­oh­ne erzählt, von der Bedeu­tung von unab­hän­gi­gem Jour­na­lis­mus. (Jubeln­der Applaus, auch von den Schau­spie­lern auf der Büh­ne, Schu­bert senkt den Blick, preßt die Lip­pen zusam­men, führt den Fin­ger an den Mund, legt die Stirn in Fal­ten, nickt zustimmend)

Er erzählt von Men­schen, die ihr Leben aufs Spiel set­zen, um unse­re Demo­kra­tie zu stär­ken. In die­sem Fall arbei­ten die­se Men­schen für Cor­rec­tiv. Herz­li­chen Dank auch an Green­peace, dafür, daß sie Cor­rec­tiv Recher­che­ma­te­ri­al zur Ver­fü­gung gestellt haben. Aber viel­leicht wird die­ser Abend auch Teil einer neu­en Erzäh­lung, einer Erzäh­lung, die damit beginnt, daß wir uns gegen die faschis­ti­schen Kräf­te in unse­rem Land weh­ren. (Applaus, Schu­bert preßt die Lip­pen zusam­men, nickt; Becker immer noch zur Trau­er­fi­gur erstarrt, blin­zelt mit den Augen, als wäre sie den Trä­nen nahe).

Es könn­te eine Erzäh­lung sein , die zeigt, daß wir vie­le sind. Daß wir laut sind. Daß wir als Zivil­ge­sell­schaft nicht pen­nen, son­dern hell­wach sind. Und daß wir uns unse­re Demo­kra­tie – (Atem­pau­se) – nicht kaputt machen las­sen. (Applaus, Jubel, Skan­die­ren “Alle – zusam­men – gegen den Faschismus!”

Prak­tisch jedes Wort die­ser Rede ist eine Lüge.

In Pots­dam haben sich kei­ne “Faschis­ten” getrof­fen, und sie wol­len auch nicht “unse­re” “Demo­kra­tie” “zer­stö­ren” (was haben eigent­lich jene vor, die die ein­zi­ge ernst­zu­neh­men­de Oppo­si­ti­ons­par­tei des Lan­des ver­bie­ten und ihren Köp­fen die Grund­recht ent­zie­hen wollen?).

Das Publi­kum ging aus die­sem Abend ganz offen­sicht­lich “fröh­lich” her­aus, wie man dem Geläch­ter wäh­rend der Vor­stel­lung und dem Jubel nach der Schluß­re­de ent­neh­men kann. Das wun­dert nicht, denn hier hat sich eine ent­spre­chen­de Kli­en­tel selbst gefei­ert und in ihrem Selbst­bild bestätigt.

“Cor­rec­tiv” betreibt kei­nen “Jour­na­lis­mus” und ist alles ande­re als “unab­hän­gig”, son­dern eine par­tei­ische, regie­rungs­na­he Ein­rich­tung, die mit geheim­dienst­li­chen Metho­den gegen Oppo­si­tio­nel­le vor­geht, inter­na­tio­nal ver­netzt ist und beträcht­li­che Finanz­mit­tel unter ande­rem von der Bun­des­re­gie­rung und von Geor­ge Sor­os erhal­ten hat. Ihr “Recher­che­ma­te­ri­al” besteht über­wie­gend aus Ver­leum­dun­gen, Spe­ku­la­tio­nen, Framings und Unterstellungen.

“Jour­na­lis­ten” von Cor­rec­tiv haben mit­nich­ten “ihr Leben aufs Spiel gesetzt”, wäh­rend sie ihre Psy-Op in Sze­ne setz­ten. Das ist ver­mut­lich die übels­te Lüge in die­ser gan­zen Rede. Die­se Behaup­tung ist frei­lich wich­ti­ger Teil des Dra­mas: Die Hand­lan­ger der Macht, die Denun­zi­an­ten wer­den als muti­ge, poten­ti­el­le Opfer dar­ge­stellt, die auf eige­ne Faust und unter erheb­li­chem per­sön­li­chen Risi­ko ein Kom­plott auf­ge­deckt haben. Die “Faschis­ten” sol­len einer­seits “brand­ge­fähr­lich” sein (wie man nun über­all hört), ande­rer­seits aber (Hur­ra! Auf­at­men!) “Angst vor Anti­fa­schis­ten” haben (was einen Rück­schluß auf die tat­säch­li­chen Macht­ver­hält­nis­se zuläßt).

Und schließ­lich ist die soge­nann­te “Zivil­ge­sell­schaft”, wie sie sich an die­sem Abend auf der Büh­ne selbst in Sze­ne setz­te, alles ande­re als “hell­wach”. Wir sehen hier viel­mehr Schlaf­wand­ler, die sich mit ihrem eige­nen Fie­ber­traum bene­beln, um nicht in einer Rea­li­tät auf­zu­wa­chen, die ihre Illu­sio­nen und Lebens­lü­gen zer­stört (und nicht etwa ihre “Demo­kra­tie”).

Was aller­dings zutref­fend ist, daß die­ser Abend offen­bar vor allem dem Zweck dien­te, eine “Erzäh­lung” ins Dasein zu memen, wie ver­rä­te­ri­scher­wei­se for­mu­liert wur­de. Bien kommentiert:

Mit dem Tref­fen von Pots­dam hat offen­bar ein neu­er Mythos die poli­ti­sche Büh­ne betre­ten. Und wie es bei Mythen üblich ist, ist es dabei auch gar nicht so wich­tig, ob das am Ende alles so stimmt. Son­dern, daß der Mythos mobilisiert.

Zusätz­lich bestä­tigt und wie­der­holt die­ser Abend (den man sei­ner­seits par­odie­rend eins zu eins nach­spie­len könn­te) ein alt­be­kann­tes Mus­ter: Sehr sel­ten sind unse­re Geg­ner imstan­de, uns dar­auf zu ant­wor­ten, was wir tat­säch­lich sagen und den­ken. Um uns zu bekämp­fen, bedür­fen sie der Ver­zer­rung, der Unter­stel­lung und der Manipulation.

Sie bekämp­fen uns nicht, als das, was wir wirk­lich sind, son­dern als das, was wir in ihrem (Wahrheits-)System sein müs­sen, um es (und damit sich selbst) zu sta­bi­li­sie­ren. Wir müs­sen die Schur­ken sein, damit sie die Hel­den sein können.

Wenn aber ihr Sys­tem auf Lügen, Rea­li­täts­flucht, Selbst­hyp­no­se und Thea­ter auf­baut, wie lan­ge kann es dann noch sta­bil bleiben?

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (58)

kikl

22. Januar 2024 09:51

Wer hinter jedem Baum einen Nazi sieht, der sieht keine Nazis, sondern der projiziert seine Ängste auf die Wirklichkeit. Genau das passiert hier. Dass diese Projektion durch Konfrontation mit der Wirklichkeit nicht zerplatzt wie eine Seifenblase, zeugt davon, dass wir es hier mit einem inneren Zwang zu tun haben. Die kognitive Dissonanz führt nicht zum Revidieren des Weltbildes sondern zum Leugnen der Wirklichkeit.
Besonders spannend ist allerdings, dass sich die Menge hier in einen kollektiven Rausch steigert. Da drängt sich natürlich die "Psychologie der Massen" von Gustave le Bon auf, der meint, dass der Mensch in der Masse seine Kritikfähigkeit verliert und sich affektiv, zum Teil primitiv-barbarisch, verhält. Die Masse erzeugt einen Sog, eine psychischen Ansteckung („contagion“). Auch das ist zu beobachten; die Teilnehmer berauschen sich an der Menge.
Letztlich steckt hinter diesem kollektiven Bedürfnis nach dem Nazi, der Wunsch das eigene Trauma zu bekämpfen. Die Schuldgefühle und der Selbsthass werden in ritualisiertem Gedenken geschürt. Nur im Kampf gegen das Böse empfindet die fanatisierte Masse Linderung ihrer Schmerzen. Also projiziert sie das Böse in die Wirklichkeit.
Leider ist der Großteil der politischen "Elite" Deutschlands auf diese Weise psychologisch manipuliert, was eine rationaler Auseinandersetzung mit den Problemen der Wirklichkeit behindert. So fährt das Schiff Deutschland unter dem tosenden Jubel der Masse mit Karacho gegen den Eisberg.

MARCEL

22. Januar 2024 09:55

Mal "therapeutisch" formuliert: Man hat den Schatten nicht integriert, daher überschattet er heute alles.
Der Spruch aus dem ersten Foto bringt den Komplex auf den Punkt.
Nur vergessenen die Selbstgefälligen, dass sie bequem auf Seiten der Macht demonstrieren. Was man an Stelle der Großeltern (wie elendig der Vergleich!) getan hätte, ließ sich viel eher am Feldzug gegen die Impfgegner beobachten.
Was hätten sie also getan?
Dasselbe!

RMH

22. Januar 2024 10:04

Immerhin kann man jetzt - bei dem massiven Gegenwind und all den Inszenierungen durch Medien und Establishment - feststellen, dass die AfD offenbar doch keine kontrollierte Opposition und damit Honigfalle des Systems ist. Derartige An- und Vorwürfe kamen über Jahre hinweg von den alleswissenden, randständigen Vollchecker-Kreisen, nationalen Sozialisten und anderen beleidigten Leberwürsten, die bei der AfD nicht mitspielen durften. 

Adler und Drache

22. Januar 2024 10:12

Um auf die letzte Frage zu antworten: Vermutlich nicht lange. Was hier an Energie aufgeboten wird, um das "Wahrheitssystem" zu stabilisieren, zeigt ja andererseits, wie brüchig es bereits geworden ist. Der Wurm des Zweifels hat sich schon tief ins Herz gefressen, und das schmerzt, das macht Angst, weil man lebenswichtige Bezugsrahmen, Orientierung und Souveränität verliert. Wer sich im sicheren Besitz seiner Lebenswelt weiß, wer also weiß, wo rechts und links ist, wer mit den Füßen auf dem Boden steht und den Kopf frei hat, braucht sich nicht mit solchem Druck gegenseitig zu bestätigen, was Sache ist. Dieser Ausbruch hysterischer Energie legt mit allen Begleittexten die wunden Punkte und das Maß des Angegriffenseins in verblüffender Deutlichkeit frei. Normalerweise würde nach dem Leerbrennen der Kater folgen, der harte Aufschlag in der nüchternen Realität, danach Anpassungsleistungen und schließlich Genesung. Insofern: Vermutlich nicht lange. Wenn nun aber von den Zinnen der Macht ständig neue Energie in den hysterischen Ausbruch fließt, um ihn zu stabilisieren und den Genesungsprozess so weit wie möglich aufzuhalten, dann vermutlich doch länger, als irgendjemandem lieb sein kann. Die Scholzomatengang wird alles tun, um die Hysterie zu zementieren, und damit vielen Seelen den Fortschritt verweigern und sie beschädigen. Was wir tun können, ist den Betroffenen ein freundliches Gesicht zu zeigen und offen mit ihnen zu reden - nichts erschüttert die Gewissheit, dass wir Unmenschen seien, mehr, als dass sie Menschen in uns erkennen.    

rotenburg

22. Januar 2024 10:27

"Wenn aber ihr System auf Lügen, Realitätsflucht, Selbsthypnose und Theater aufbaut, wie lange kann es dann noch stabil bleiben?"
Kant glaubte, die Stabilität eines Systems beruht auf Vernunft. Nietzsche glaubte, die Stabilität eines System beruht im Gegenteil auf Irrationalität. Ich denke, Nietzsche hatte recht. 
"Sehr selten sind unsere Gegner imstande, uns darauf zu antworten, was wir tatsächlich sagen und denken."
Warum sollten sie das auch tun? Worin bestünde denn der konkrete Vorteil für diese Gegner, sich auf diese inhaltiche Auseinandersetzung einzulassen?

Sandstein

22. Januar 2024 10:28

Schön seziert! Eine unendliche Geschichte, diese "Vergangenheitsbewältigung". Die Deutschen sind einfach ein pathologisches Volk. Nach zwei Weltkriegen, Bombenterror und Reeducation wahrscheinlich auch einfach folgerichtig.
Dieses Schild "Jetzt können wir endlich rausfinden[...]" ist ein Offenbarungseid und an Dämlichkeit nicht zu überbieten. Hier ist die ganze Problematik verdichtet. 
Besonders schön, dass das "endlich rot" unterstrichen wurde. Ich glaube, viele Deutsche leiden unterbewusst an dem Zustand, das Eigene verteufeln zu müssen. Ständig wird man mit der Nase darauf gestoßen, dass die eigene Familie, die eigenen Groß- oder Urgroßeltern "Verbrecher" waren. Daher der Hass auf alles Eigene ("Hättet ihr damals, ich müsste nicht und könnte blabla..). Dass genau diese Leute jetzt wieder einem Massenphänomen unterliegen, ist vielleicht der größte Treppenwitz, den man sich vorstellen kann. Wenns nicht so traurig wäre, ich könnte zynisch lachen!

Mboko Lumumbe

22. Januar 2024 10:58

Nichts aus der Geschichte gelernt. Im Gegenteil, es wiederholt sich, bewusst. NS-Geschichte wurde und wird heute missbraucht und manipulativ eingesetzt unter der Larve des "anti"Faschismus. Wir erleben mMn bereits das vierte Reich, jetzt, hundert Jahre später. Mittendrin statt nur dabei.
 
The Third Wave (link wiki) war ein Sozialexperiment, um vor der Anziehungskraft faschistischer Bewegungen zu warnen. Es wurde im April 1967 vom Geschichtslehrer Ron Jones (* 1941) mit Schülern an der Cubberley High School in Palo Alto im US-Bundesstaat Kalifornien durchgeführt.
 
DIE WELLE (link wiki) ist ein deutsches Filmdrama aus dem Jahr 2008. Jürgen Vogel spielt einen Lehrer, der seiner Schulklasse in einem von ihm konzipierten Sozialexperiment vorführt, wie autokratische faschistoide gesellschaftliche Strukturen entstehen. Er lässt die Schüler an einer von Disziplin und Gemeinschaftsgeist geprägten und von ihm selbst angeführten Bewegung namens Die Welle mitwirken.

Le Chasseur

22. Januar 2024 11:05

Antifa zerstört Erinnerungstafel für die Opfer der alliierten Luftangriffe auf Dresden:
https://www.youtube.com/watch?v=JSoPMTg0obM

Georg

22. Januar 2024 11:06

Die Entziehung einer Staatsbürgerschaft mangels ausreichender Assimilierung ist derzeit rechtlich nicht möglich und wird es auch in absehbarer Zeit nicht sein. Neben der (innerstaatlichen) höchstgerichtlichen Rechtsprechung gibt es internationale Verpflichtungen wie das UN-Übereinkommen zur Verminderung der Staatenlosigkeit und die Berücksichtigung der Rechtsprechung des EuGH (Tjebbes ua) zu beachten. Also nur umsetzbar in einem autoritären Staat ohne internationale Abkommen und somit völlig absurd.
Besser und effektiver ist ein hinreichender Grenzschutz mit Hochsicherheitszaun, Drohnen und Militärüberwachung sowie eine völlige Kehrtwendung im Sozialhilfesystem, sodass Länder wie Österreich und Deutschland zu den unattraktivsten Destinationen für Schlepperorganisationen werden. 
Abschiebegründe mangels Deckelung des Lebensunterhaltes und Straffälligkeit sind durchaus denkbar. Auch finde ich die Idee des ehemaligen österreichischen Justizministers Böhmdorfer zur Unterbringung von Untersuchungshäftlingen, beispielsweise in Bulgarien, nach wie vor gut. 

Heinrich Loewe

22. Januar 2024 11:10

Danke! Eine sicher unersprießliche, wenngleich notwendige Arbeit von Ihnen, stets diese clusterfucks zu sezieren. Es ist wohl deren größte Angst derzeit, den Informationskrieg zu verlieren. Das ist ja der Trend, weil wir und nicht sie die Realität und Fakten auf unserer Seite haben. Und auch wirksame Lösungen für die sich auftürmenden Probleme.
Bei Ursulas keynote in Davos war „Kampf gegen Misinformation und Desinformation“ ganz oben auf der Prioritätenliste. Wir sollten also für eine neue Welle der Zensur Vorkehrungen treffen.

Dr Stoermer

22. Januar 2024 11:16

Dass der Schlüssel zum Verständnis, gerade auch des Verhaltens der bundesdeutschen Masse, in der Psychologie, insbesondere der Kognitionsbiologie und Sozialpsychologie, zu finden ist, wurde – wenn auch im Vergleich zu anderen Orten meist eher am Rande und nicht erst seit Jonathan Haidt - auch hier immer mal wieder diskutiert und/oder eingeworfen. Insofern ist der von ML wie gewohnt prägnant formulierte Tagesbericht aus dem Irrenhaus eine zum richtigen Zeitpunkt gebrachte Wiedervorlage dieses Untersuchungsgebietes. Folgende Punkte erscheinen mir für die nunmehr in Vollgalopp übergehende Hysterie kennzeichnend zu sein:

Das dem ganzen Treiben zugrundeliegende Mind-Set hat ersatzreligiöse und damit satanische (Be-) züge
Die Belohnungs- und Bestrafungsmechanismen dienten zur Heranziehung einer mittels Befriedigung gefügig gemachten und in die Borniertheit hineingemästeten Führungs- und Multiplikatorenebene
Ein nachrangiges Mitglied der restlichen Masse muss überdurchschnittlich fest in sich selbst vertrauen oder aus anderen Gründen Liebe zum Widerspruch empfinden, um NICHT den Verführungen des belohnten Folgens und der stabilisierenden Wirkung des Anerkanntwerdens zu erliegen
Damit ist all dies keine Frage der Bildung, der Intelligenz oder des materiellen Status, eher verhält es sich sogar so, dass die Tiefgläubigsten unter den Erfolgreichen zu finden sind, diese damit durchaus auch gebildet und intelligent genug sind, um die Belohnungen ergattert haben zu können

Selbstkorrektur eines derart konstituierten Kollektivs durch „Diskurs“, „Feedback“ oder „Wissenschaft“ ist ausgeschlossen, da die hierfür erforderlichen Mittel wie Argument, Fakt und Moral als kategorische Ideen in ihm längst zu sinnentleertem Voodoo-Besteck transformiert wurden
Korrekturdruck von außen erzeugt ein tiefgreifendes Bedrohungsgefühl, insbesondere bei der Führungsebene („Von Wirklichkeit umzingelt“)
Aus Sicht der Bedrohten entsteht eine aussichtsloser werdende Belagerung durch tödliche Feinde, selbst wenn „die da unten“ das genaue Gegenteil sind und sagen
Durch Selbststärkungsrituale wird der zunehmende Stress zu einem Betäubungsrausch
Angesichts der Unausweichlichkeit der „Niederlage“, jeder Unmöglichkeit eines Entkommens, sind die nächsten Stufen in Verzweiflungstaten zu erwarten: Ausbruchsversuche (d.h. Attacken auf die „Feinde“), Darbringung eigener Opfer, um die Reinheit zu beweisen, Suizide.
Irgendwann ist es dann vorbei

Dr Stoermer

22. Januar 2024 11:23

Ergänzung:
Interessant sind dabei immer wieder die Fragen:

Läuft der Prozess von selbst, verrennen sich die „Eliten“ und ihre „Follower“ also selbstsuggestiv in diese Eskalation? Oder werden sie im bundesdeutschen Fall von irgendjemanden gestupst – weil es der einzige Weg der Beendigung ist? Viele „Zufälle“ und mediale Botschaften sind ein Anfangsverdacht für Letzteres
Was kommt am Morgen danach?
Was machen "wir" mit denen, die gestupst haben (wenn es sie gibt)?

Monika

22. Januar 2024 11:55

Die Großdemonstrationen vom Wochenende erinnern an die Großaufmärsche in der DDR , z.B. an den Fackelzug der FDJ am 6.10.1989 zum 40. Geburtstag der DDR. Oder den Marsch vom 4.1.1990 von 250000 Menschen am Treptower Ehrenmal. Siehe Titel Neues Deutschland:"Unser Land braucht jetzt eine Einheitsfront gegen rechts", damit der "demokratische Sozialismus nicht zerstört wird" (Gregor Gysi). Das SED-System wurde nach 1989 nie überwunden oder aufgearbeitet. Es ist sozusagen in den Westen diffundiert in einem  gleichsam natürlich ablaufenden Prozeß. Zahlreiche Ex-Stasimitarbeiter befinden sich heute  in hohen Posten. Wenn jetzt die nützlichen Idioten ( linke Omas, Gutmenschen, etc.), angeführt von  rot-grünen Funktionären und von Linksextremisten instrumentalisiert, auf die Straße gehen, um in einem breiten Bündnis die demokratische Gesellschaft zu verteidigen, dann stellt sich die Frage, welche demokratische Gesellschaft gemeint ist. Die DDR war nicht nur ein Kürzel, sondern eine deutsche demokratische Republik. Finde den Unterschied. 

RMH

22. Januar 2024 11:57

Dieses Schild "Jetzt können wir endlich rausfinden[...]" @Sandstein,
ist nicht nur dämlich, es zeigt die vollkommene Abgekoppeltheit vieler von den Erlebensgenerationen des WK2 und der NS-Zeit. Es fehlt jegliche Rückkoppelung zu konkreten Gesichtern der eigenen Familie, die einem noch selber berichten konnten. Wer kennt nicht den damaligen Spruch "Wer es nicht selbst erlebt hat, ..."  oder "wer was gesagt hat, kam ins Lager ..." Was wurden diese Sätze von den Linken diffamiert, zur Ausrede erklärt etc. - aber sie waren vollkommen richtig. Und wenn man dann seine eigene Verwandtschaft konkret vor sich hat, die durch diese Zeit und die Nachkriegszeit gegangen ist und die einem berichteten, dann wird man einfach nicht so dummdreist hochmütig, wie diese selbsternannten "Widerständler".  Leute die jetzt den Gratismut auf der Straße im Kampfe gegen Rechts zeigen, sollten immer überlegen, dass sie FÜR ein System, FÜR eine Regierung auf die Straße gehen und nicht GEGEN eine Regierung. Leute, die noch vor kurzer Zeit gegen die angedachte Impfpflicht und die Corona-Maßnahmen auf die Straße gingen, wurden z.T. mit Bußgeldern, Berufsverboten etc. überzogen und z.T. übelst zusammengeküppelt. Der Unterschied, ob man wirklich Widerstand leistet, wird dann klar, wenn es dafür kein Lob vom Staatspräsidenten und Bundeskanzler dafür gibt.

Monika

22. Januar 2024 12:10

"Womöglich ist das SED-Regime nur zusammengebrochen, weil es im falschen Teil Deutschlands errichtet wurde," schreibt Klonovsky ironisch-amüsiert in einem tweet am 20.1.24 aus der Distanz des Zeitzeugen.  Es ist schlimmer. Das Regime funktioniert auch in der  sog. westlichen, freiheitlichen,  Wohlstandsgesellschaft und wahrscheinlich noch perfekter, da subtiler . Auf dem Weg in den Ökosozialismus suhlen sich die spießigen Bürger in ihrem moralischen Überlegenheitsgefühl. Klonovsky spricht treffend von einem Herdenbehagen und Bekenntnisdruck. Das Herdenbehagen ist nach der menschlichen Isolation in der Coranazeit umso größer, als die von oben verordnete Distanzierung und das Tragen von Maulkörben  (Küssen verboten) die Menschen völlig vereinsamt hat. Jetzt rückt man sich kuschelig auf die Pelle, tanzt den Sirtaki auf dem Römerberg  und ist endlich mal einer Meinung. Keine Angst mehr vor einer Ansteckung. Wie befreiend kann eine Großdemo doch sein. Wie kann man das Gefühl  toppen ? Wo ist eigentlich Herbert Grönemeyer ?

Niedersachse

22. Januar 2024 12:23

Mich erinnert diese Posse an die Zeit des "NSU" und seiner politischen Ausschlachtung. Auch damals wurde das Ganze mit rituellen Bekenntnissen und "schwarzen Messen" unterfüttert. Martin Lichtmesz hat das hervorragend seziert und kommentiert, z.B. hier in "Die Schweigeminute". Nur sind die gesellschaftlichen und ökonomischen Realitäten weitaus schlechter, als vor 12 Jahren. Das Frappierende ist die Tatsache, dass die Demonstranten sich vor einen Regierungskarren haben spannen lassen und im Grunde gegen ihre eigene Zukunft protestieren. Der "K(r)ampf gegen Rechts" ist zunächst mal ein Kampf gegen Deutschland, oder genauer, gegen deutsche Interessen.

Laurenz

22. Januar 2024 12:28

@ML ... Dieser Artikel ist in der Ihnen üblichen Art & Weise fast in Kubitschek'scher Kürze gehalten, perfekt recherchiert, fast unschlagbar plausibel & im Sprachstil 1A. Wäre froh, ich könnte halb so gut schreiben. Aber einen Vorwurf muß ich Ihnen machen, der Ihnen nicht passen wird, ML. Sie haben des Pudel's Kern nicht benannt. Was hindert die woke Links-Schickeria danach zu fragen, wo nach über 70 Jahren bundesrepublikanischer Politik noch all die sogenannten Nazis, (auf Deutsch, diejenigen, die arbeiten,) herkommen. Das kann im Grunde doch nicht sein? Bei den vielen Milliarden für den sogenannten "Kampf gegen Rechts". Ich behaupte, der Kampf gegen Rechts ist Religion mit dem selbst-erteilten, bei Religionen üblichen Exklusivanspruch auf die Wahrheit. Früher, vor der kurzen Ära der Nationalsozialisten, hießen Nazis Ketzer, Konter-Revolutionäre, Reaktionäre, Reichsfeinde, Bourgeois, Satanisten & was alles in den jeweiligen Sprachen noch so an Vokabular erfunden wurde. Gemäß Goethe's Mephisto erschaffen die Woken die Nazis selbst, weil sie sie brauchen, um sich von ihnen zu unterscheiden. Überhaupt existierende, wenige politische Inhalte der woken Linken sterben gerade in Davos.

Monika

22. Januar 2024 12:42

Im Westen hat man nichts aus der Geschichte der zweiten deutschen Diktatur gelernt, weil man ausschließlich auf die erste fixiert ist. Womit man den Totalitarismus des real-existiertenden Sozialismus  überhaupt nicht verstanden hat und dadurch den gegenwärtigen sanften Totalitarismus (Rod Dreher, Vaclav Klaus)  nicht verstehen kann. Für den Bürgermeister von Hamburg Peter Tschentscher (SPD) hat die zweite deutsche Diktatur nicht einmal stattgefunden. Zu den Demonstrationen gegen rechts schreibt er: "Wir sind entschlossen, unser Land und unsere Demokratie nach 1945 nicht ein zweites Mal zerstören zu lassen."(19.1.24). Und weil die heutigen linken Ideologien und Proteste eher den totalitären Mechanismen und Zielsetzungen  des SED-Regimes gleichen, können die meisten jungen Menschen überhaupt nicht herausfinden, was sie anstelle ihrer Großeltern getan hätten. Sie wissen ja nicht mal, was ihre Elterngeneration erlebt und  getan habt. Auf die Verwirrung der Gefühle, den Realitätsschock,  wird irgenwann die Ernüchterung folgen. Und dann besteht die Gefahr für die dritte Zerstörung unseres Landes, diemal für immer.

Dieter Rose

22. Januar 2024 12:55

@Laurenz Woher die Nazis kommen? Das steckt in den Genen. (Schbässle!!!)

Umlautkombinat

22. Januar 2024 13:21

@Monika
 
> Es ist sozusagen in den Westen diffundiert
 
Liest man immer wieder einmal, die These: DDR-Methoden treffen auf naive instrumentierbare Masse.
 
Ich denke nicht, dass die Altlasten der DDR den erforderlichen impact auch nur annaehernd erbringen konnten. Gerade bei Boomern und "Omas" sollte auch die Zielgruppe doch lang genug lupenrein demokratisiert worden sein. Sind sie aber nicht. Zwei Beobachtungen dazu nach der Wende:
1) Die Abgrenzung von 33-45 war viel tiefer eingepflanzt. Es ist ja nicht so, dass die DDR das nicht auch immer wieder angelegt hat, aber im Vergleich ist es nicht zu dieser toxischen Form ausgewachsen. Ein Beispiel dafuer ist der Schuldkomplex und der darauf aufsetzende Eigenhass (persoenlich, familiaer, national). Ich habe immer abgelehnt irgendeine "Verantwortung" fuer Zeiten vor meiner Geburt zu tragen. Selbiges gilt fuer meine Eltern. Bei den Grosseltern wird es wie schon gesagt komplexer, letztlich schmerzhaft fuer den Woken durch das Spiegeln seiner heutigen Verhaltensweisen.
 
2) spezielle Formen von Unterwuerfigkeit, ganz vorn die vor dem Chef. Gab es in der DDR in der Breite nicht, dazu waren Chefs gesehen viel zu einflusslos. Es geht nicht um ein Ranking  - unter anderen Umstaenden haette das der DDR-Insasse genauso gemacht. Der Unterschied war gesellschaftsbedingt, darum fiel er dem Ossi auf.
 
In Summe: Maximal traf SED-System auf einen im Westen schon lange vorher so konditionierten Charaktertyp. Das ist das Problem.

Laurenz

22. Januar 2024 14:08

@Dieter Rose @L. ... Schbässle!! ... die echte Kommödie ist immer überzogene Realität. Sie haben vollkommen Recht. Wer reist denn über den ganzen Planeten in Länder, die hunderttausende Kilometer entfernt liegen, um am Deutschen Wesen die Welt genesen zu lassen? Wer schickt denn Soldaten an den Hindukusch oder nach Mali? Wer unterstützt denn wieder einen Krieg in den osteuropäischen Ebenen? Wer proklamiert denn "Kauft nicht bei Rechten"? Wer macht denn Andersdenkende zu Parias? Wer hat denn quasi das Jungvolk mit Drag-Queens neu erschaffen? Ja, Dieter Rose, denken Sie an Silone. Das sollte jedem NeuRechten (Bürgern überhaupt) in den Ohren klingen.

kikl

22. Januar 2024 14:09

@Monika
"Das Regime funktioniert auch in der  sog. westlichen, freiheitlichen,  Wohlstandsgesellschaft und wahrscheinlich noch perfekter, da subtiler . Auf dem Weg in den Ökosozialismus suhlen sich die spießigen Bürger in ihrem moralischen Überlegenheitsgefühl. Klonovsky spricht treffend von einem Herdenbehagen und Bekenntnisdruck."
Das haben Sie hervorragend auf den Punkt gebracht. Umso unfassbarer ist es, wenn gerade diese Leute sich heute ihres Widerstandsgeistes gegen den "Faschismus" rühmen. Ihre geistige Verblendung ist vollkommen!

Sandstein

22. Januar 2024 14:17

"Der Unterschied, ob man wirklich Widerstand leistet, wird dann klar, wenn es dafür kein Lob vom Staatspräsidenten und Bundeskanzler dafür gibt."
@RMH ..exactamente. Das macht diese ganzen Gratismut-Aktionen ja so zur Farce. Ich bin mir aber unschlüssig, ob diese Leute kognitiv überhaupt in der Lage sind, zu verstehen was sie dort machen. Dunning-Kruger lässt grüßen 

Klaus Kunde

22. Januar 2024 14:23

Agitprop-Theater zur Kurzweil der links-grünen Bourgeoisie. Welch ein Plaisir. Man ist glücklich und stolz auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen und zumindest als Claqueure mittun zu dürfen. Zur Aufführung kommt ein in die Gegenwart transformiertes schräges Derivat, unterfüttert mit fragwürdigen Recherchen investigativer Journalisten, aus Wannseekonferenz und Geheimtreffen Hitler-Papen. Tenor: Vorsatz zu grausamer, unmenschlicher Repatriierung von Migranten, also irgendwie ja auch Sonderbehandlung zwecks Endlösung der Migrantenfrage. Die Intention zur Gleichsetzung bleibt pathologischer Natur und damit infaust. Fragen nach Ursprung solcherart Realitätsverweigerung angereichert mit Sendungsbewußtsein nicht zu beantworten. Es bleibt dem Beobachter lediglich zu registrieren, es gibt offenbar eine Konstante im Leiden der Deutschen, obsessives Denken und dem Zeitgeist angepaßte Wirklichkeitsverweigerung.

Oberlausitz

22. Januar 2024 14:30

Bin nun seit 73+ Jahren Bürger der "BRD" und habe noch nie ein derartiges Schmierentheater erlebt, das sich hier seit dem 10. Januar mit atemberaubender Wucht entfaltet: "Aufdeckung" eines angeblichen Geheimplans - Unwort des Jahres - Aufführung des Berliner Ensembles - Haßstunde im Parlament - mediale Gleichschaltung - blasiertes Verhalten der Intelligenzia (Sloterdijk) - Massendemonstrationen - Einmischung der Kirchen (Kardinäle, "Wort zum Sonntag") - aufmunternde Reden von Kanzler und Präsident. Mein Fazit: deutsche Kultur kaputt!

Hartwig aus LG8

22. Januar 2024 14:37

Die jetzt zu beobachtende Massenmobilisierung auf Straßen und Plätzen betrachte ich auch als einen vom System veranstalteten Probelauf. Man sollte davon ausgehen, dass diese Massen auch gegen "Ergebnisse demokratischer Wahlen" mobilisiert werden, falls es in diesem Jahr (wider meiner Erwartung) zu einer Mehrheit für einen AfD-Ministerpräsidenten reichen sollte. 

ede

22. Januar 2024 15:31

Je nun. Wir können es drehen und wenden. Die Diagnose ist unbestreitbar. Das es so schlimm ist nimmt man nicht jeden Tag gerne zur Kenntnis. Tun wir das unsere und hoffen ein wenig auf die Selbstheilungskräfte Europas & auf Trump. 

anatol broder

22. Januar 2024 15:36

@ laurenz 12:28
lichtmesz erkennt des pudels kern nicht, weil er die hexenverfolger (correctiv) selbst als verhext ansieht. somit erfüllt er seinen eigenen vorwurf, den gegner nicht wirklich anzuerkennen. für lichtmesz sind die woken nur puppen, die sich unmöglich dem strippenzieher im hintergrund entziehen können.

Monika

22. Januar 2024 15:42

 @Martin Lichtmesz "Die Mehrheit wird durch Gefühle bewegt, nicht durch Fakten". Pathologisch werden die Gefühle, wenn es zu einer Diskrepanz zwischem Erwünschten und Tatsächlichen kommt. Das sehe ich auch so. Besorgniserregend ist dabei vor allem der Hassausbruch. "Ganz Hamburg (Berlin, Pirna usw.) hasst die AfD. Nein: Ganz Deutschland hasst die AfD. Über die Anatomie des Hasses, gerade auch des kollektiven Hasses hat Vaclav Havel 1990 in Oslo gesprochen. Havel: "Hass scheint mir immer der Ausdruck irgendeiner großen und im Grunde unstillbaren Sehnsucht zu sein, eines gewissermaßen dauerhauft unerfüllten und eigentlich unerfüllbaren Wollens, einer verzweifelten Ambition." Und: "Im Unterbewußtsein der Hassenden schlummert ein perverses Gefühl, daß sie die wahren Besitzer der ganzen Wahrheit sind, und somit auch so etwas wie Übermenschen oder sogar Götter, und deshalb haben sie Anspruch auf rückhaltlose Anerkennung, auf Nachgiebigkeit und Loyalität, wenn nicht gar auf blinden Gehorsam. Sie wollen der Mittelpunkt der Welt sein und sind permanent frustriert und gereizt, weil die Welt sie nicht als ihren Mittelpunkt annimmt und anerkennt." 

Havel: "hassende Menschen wollen das Unerreichbare erreichen und verzehren sich unaufhörlich wegen der Unmöglichkeit, es zu erreichen; den Grund sehen sie in der niederträchtigen Welt, die sie daran hindert...Den Grund für seinen metaphysischen Mißerfolg sieht der hassende Mensch niemals in sich selbst und in seiner totalen Selbstüberschätzung. Der Schuldige ist abstrakt, ungewiß und nicht zu fassen. Er muß personifiziert werden, denn der Haß - als durchaus konkretes Aufbäumen der Seele - braucht auch ein konkretes Opfer. Und so sucht sich der hassende Mensch einen konkreten Schuldigen....Er haßt nicht einen konkreten Menschen als solchen, sondern das, was dieser Mensch darstellt: eine Kollektion von Hindernissen auf seinem Weg zum Absoluten, zur absoluten Anerkennung, zur absoluten Macht, zur totalen Identifikation mit Gott, der Wahrheit, der Weltordnung. Der Hass dem nächsten gegenüber scheint also nur ein physiologisch materialisierter Hass dem Ganzen gegenüber zu sein, das als Ursache des eigenen totalen Versagens empfunden wird. " Ganz Deutschland hasst die AfD. 

Le Chasseur

22. Januar 2024 17:40

@kikl"Umso unfassbarer ist es, wenn gerade diese Leute sich heute ihres Widerstandsgeistes gegen den "Faschismus" rühmen. Ihre geistige Verblendung ist vollkommen!"
O-Ton einer Demo-Teilnehmerin in Cottbus gestern in der ZDF-heute-Sendung: "Ich glaube, dass es einfach auch Mut bedeutet, sich hier hinzustellen und dagegenzustellen."
Inmitten von Tausenden Gleichgesinnter, darunter dem Ministerpräsidenten, bewacht von der Polizei.
@Hartwig aus LG8"Die jetzt zu beobachtende Massenmobilisierung (...) betrachte ich auch als einen vom System veranstalteten Probelauf. Man sollte davon ausgehen, dass diese Massen auch gegen "Ergebnisse demokratischer Wahlen" mobilisiert werden (...)"
Hatten wir doch schon, als Merkel die Order gab, die Wahl Kemmerichs zum MP müsse "rückgängig gemacht werden": https://www.spiegel.de/politik/deutschland/tausende-protestieren-in-erfurt-gegen-ministerpraesidentenwahl-a-fa675a81-6c98-4ebf-bc7c-dc047c688b92

Volksdeutscher

22. Januar 2024 18:02

1. Ich habe mir auf COMPACT bereits paar Sequenzen von diesem moralischen Kitsch angeschaut, mehr will ich mir nicht zumuten. Primitiv und widerlich ist das. Allerding würde ich von AfD-Spitzenpolitikern wie Björn Höcke erwarten, daß er in diesen schweren Stunden der Nation und seiner Partei sich wie ein wahrer Führer gebärdet, d.h. sowohl auf Mimimi als auch auf melancholischen Unsinn verzichtet. 
Auf einer Versammlung im verlinkten Video war von ihm die Klage zu hören, daß man ihn für einen Antisemiten halte, was er in Wahrheit nicht sei. Nun, niemand, selbst seine Feinde glauben das nicht, aber was anderes ist von ihnen  in Ermangelung von Intellektualität und menschlicher Größe zu erhoffen? Je mehr Höcke sich dagegen wehrt, umso mehr wird man das gegen ihn ins Feld führen. Wie wäre es, bei solchen bombastischen Vergleichen mit der Schulter zu zucken und zu sagen: "Ich würde sagen ja, wenn ich wüßte, was das bedeutet."
https://www.youtube.com/watch?v=ztqkxwURCxs

Volksdeutscher

22. Januar 2024 18:05

2. Auf X verkündete er, daß durch die erleichterte Einbürgerung nach 3 Jahren Deutschland aufgelöst werde wie ein Stück Würfelzucker (wenn ich ihn richtig zitiere). Was wäre aber, frage ich, wenn er solche herunterziehende, unnütze und jede Motivation aushöhlende Vergleiche unterließe und sich wie ein wahrer Führer für Volk und Land gebährdete, indem er trotzig, hoffnungsstiftend und tatendurstig die Fahne des Widerstandes hochhielte und verkündete, daß keine noch so große Niedertracht, wie sie in diesem Gesetzesbeschluß gegen das deutsche Volk zum Ausdruck komme, ihn und seine Partei aufhalten könne, den bereits eingeschlagenen Weg weiterzugehen und für die gerechte Sache weiterzukämpfen?

Laurenz

22. Januar 2024 19:12

@Anatol Broder @L. ... ML & des Pudels Kern ... ML beschreibt kurz & bündig die massenpsychologische Mechanik von Religionen, ohne dies als solches zu benennen. Sie hingegen, Anatol Broder, beschreiben, bzw. positionieren mich, nicht ML. ... Für Laurenz sind die Gläubigen/Religiösen nur Puppen, die sich unmöglich dem Strippenzieher im Hintergrund entziehen können. ... Glauben Sie mir, ML hat mich genau verstanden. Er weiß auch genauso um meine Berechtigung. Aus Seiner Position heraus habe ich für eine bewußte Unterlassung Verständnis. Deswegen hat Er einfach mich des Pudels Kern beschreiben lassen. Damit bin ich, & nicht Er, der Arsch für diejenigen SiN-Leser, die es betrifft.

Freier

22. Januar 2024 19:20

Ich hatte mich schon gefragt, wie wohl die Antwort unserer Feinde ausfiele. Jetzt wissen wir es wohl. Und für sie scheint es um sehr viel zu gehen (alleine schon psychisch), daraus folgt dann intensive Propaganda.
 
Ich denke, wie bei Corona wird es uns am meisten nützen, wenn sie sich dabei selbst enttarnen.

B Traven

22. Januar 2024 19:27

@Dr Stoermer u.a.
Volle Zustimmung. 
Vieles spricht dafür, daß die bundes- deutschen Eliten, die bekanntlich einem Altbundespraesidenten zufolge im Gegensatz zu dem "Volk" (als Unterschicht verstanden) nicht "das Problem" seien, familiäre Nazikomplexe auf Kosten des Volkes ausleben.
Historisch erforscht ist, das die NSDAP entgegen ihres Namens nicht eine Arbeiterpartei, sondern vielmehr eine Angestellten- bzw. Mittelschichtspartei war.
Kinder und Enkel dieser PGs waren die Nutzniesser der sogenannten Bildungsreformen und rückten in alle gesellschaftlichen Schluesselstellungen ein. 
In der AfD als organisierter Opposition finden sich dementgegen überproportional viele Nachkommen der eher unbelasteten Arbeiterschaft der 20er und 30er Jahre, die als Angehörige technischer Berufe bzw Dipl. - Ingenieure i. R. die ihnen ungewohnte diskursive Konfrontationen mit akademisch geschulten linken Absolventen von Geistes- und Sozialwissenschaft als frustrierend erleben.
Dies ist mit ein Grund der von Schnellroda wiederholt kritisierten mangelnden kommunalpolitischen Verankerung der AfD. 

Gracchus

22. Januar 2024 22:03

Mir fällt dazu nichts ein. Ich kann nicht anders als mich für meine Landsleute schämen. Zugleich ist die Chose von unüberbietbarer Komik - im Kern natürlich trotzdem sehr ernst und sehr traurig. Demokratie made in Germany. 
So ganz, @Laurenz, habe ich nicht verstanden, was des Pudels Kern sein soll. Demokratie als Religionsersatz? 
Ich sehe zwei deutsche Spezifika: Einmal Hegels "umso schlimmer für die Wirklichkeit" - der "Deutsche" lebt nicht gerne in der schnöden banalen irdischen Realität, sondern in idealistischen Gedanken-Systemen. Dann: Demokratie wurde nach 45 von oben verordnet. So entstand der Irrtum, Demokratie sei ein moralisches Ideal, wonach sich das Volk richten müsse; nicht einfach Verfahren und Form für politische Entscheidungen. Das hätte sich natürlich korrigieren lassen, man hat es aber nicht. 
 

FraAimerich

23. Januar 2024 01:52

@Gracchus - "Verfahren und Form für politische Entscheidungen", so lernt man's in der von den Amis nach dem Krieg gestifteten "political science". In Wahrheit geht es bei der Demokratie jedoch um die Verschleierung der eigentlichen Verfahren, Interessen und Machenschaften der Herrschenden. Einzig der Umstand, daß die realexistierende Demokratie auch als Übereinkunft zur Vermeidung blutiger Bürgerkriege angesehen werden kann, rechtfertigt die unironische, teil bekenntnishafte Verwendung des Begriffs halbwegs.

Laurenz

23. Januar 2024 02:19

@Gracchus ... möchte das gar nicht weiter debattieren, es steht alles da. Kurze Erklärung. Ich behaupte, ML hat die massenpsychologische Mechanik für Offenbarungs (apokalyptische) - Religionen beschrieben. Uns werden Gender, Equality, Nazis, CancelCulture, Kulturelle Aneignung, Klima-Katastrophe, unpassendes Volk, kein Volk, nur manchmal Volk, AfD, nur Schwarzes Leben zählt, unaufhaltbare Masseneinwanderung, Kinderschänden (usw. & sofort) offenbart, alles von Exklusivität erleuchtet, abgestempelt im Wahrheits-Hauptamt. Das hieß früher alles nichts anderes als Ewige Verdammnis, wenn man sich nicht wohlverhält. Und wer will nicht zu den Guten gehören? Achgut nennt das "Ausgestoßene der Woche".

RMH

23. Januar 2024 07:13

Aktuell läuft alles nach Plan in der Media-PsyOp. Es werden Umfragen veröffentlicht, die den Leuten zeigen sollen, dass ihre Proteste etwas bewirken, da die AfD verliert. Der easy way out für alle an der Politik Verzweifelten wurde auch eröffnet, BSW (mit dem man sich selbstredend alles "offen" hält) darf Themen ansprechen, welche bei der AfD als tief braun markiert werden und als Begründung für Brandmauern verwendet werden, evtl. wurde Maaßen auch los geschickt, ein paar entlaufene Pferde wieder einzufangen. Gleichzeitig wird der Druck auf die AfD innerparteilich auch eine Verhärtung hervorbringen. Der Dauerdruck hat bekanntermaßen etliche "Normalos" bereits vetrieben. Am Ende entschält man dann einen radikalen Kern - es ist ein wechselseitiger, kommunizierender Prozess. Die AfD sollte dem aus eigenem Antrieb massiv entgegensteuern und nicht der Getriebene sein. Mancher in der AfD sollte sich nicht freuen, wenn jetzt "Parteifreunde" den Verein verlassen. PS: Das Repertoire ist mit den Demonstrationen noch lange nicht zu Ende gespielt. Heute wird es der NPD ans Geld gehen, dann wird man sehen, ob das auch bei der AfD durchexerziert wird. Bislang ist zum Glück aber alles noch friedlich verlaufen, aber wenn hier nur ein psychisch Kranker zu rechten Zeit .... (den Rest mag sich jeder denken - die "Werkzeugkasten" ist auf jeden Fall noch nicht komplett ausgepackt. Bislang).

Monika

23. Januar 2024 10:01

@Umlautkombinat , sie haben recht, zu dem System gehört ein bestimmter Charaktertyp. Zu Zeiten des kalten Krieges standen sich die beiden Machtblöcke USA und UdSSR wie zwei unversöhnliche Machtblöcke gegenüber. Hier der liberale, freiheitliche, friedliche Westen - dort das Reich des Bösen (Ronald Reagan) . Diese "wertebasierte Unterscheidung" wurde schon damals von östlichen Dissidenten infrage gestellt, die einen diesen System entsprechenden Charaktertypus ausmachten.  Der russische Schriftsteller Sinawjew nennt diesen Typ Homo sovieticus). Das Böse (das Totalitäre)  trennt eben nicht nur die Machtblöcke, sondern es verläuft durch  den einzelnen Menschen selbst. Vaclav Havel spricht von der totalitären Versuchung. Entsprechend haben die östlichen Systeme dem Westen seine latenten Richtungstendenzen enthüllt, die nun offenbar werden. Diese Totaltiät bedroht heute massiv den Westen, gerade auch die USA. Der Liberalismus mit seiner Meinungspluralität- oder freiheit schafft neue  Zwänge ( Cancel Cultur, Wokeness usw. ) . Totalitäre Methoden gehen heute von politischen Minderheiten aus. Das ist die neue Form eines sanften Totalitarismus. mit verheerenden Folgen.

Monika

23. Januar 2024 10:19

@Umlautkombinat
Der Begriff "homo sovieticus" (der totalitäre Charaktertyp) wurde durch den russischen Dissidenten Alexander Sinowjew mit gleichnamigen Roman populär. Das Buch beschreibt sarkastisch, wie sich Menschen unter dem herrschenden totalitären System zum Negativen verändern. (Opportunisten, usw.)
Der kanadisch-estnische Historiker Andres Kasekamp griff diesen Begriff  auf und bezeichnet den homo sovieticus  als Menschen, der nach dem Willen der Staatsführung keinerlei nationale Wurzeln oder Identität mehr hat . Hier sollte es langsam auch mal bei der Neuen Rechten klingeln. Sprich: Identitäre Theorien  können durchaus auch aus den kritischen Texten der Dissidenten der ehemals real-kommunistischen Länder entwickelt werden (Havel, Milosz, Kolakowski etc.) Entsprechend politische Ansätze. Hier besteht m.E. eine erhebliche Ignoranz oder Verweigerung. Warum auch immer.

kikl

23. Januar 2024 10:32

Die Demonstranten haben die Propaganda der Medien geschluckt - "hook, line and sinker", wie man im Amerikanischen sagt, also den Angelhaken und die Leine haben sie zusammen mit dem Angelgewicht verschluckt. 
Den Diskurs verweigern sie und auch die direkte Konfrontation mit der Wirklichkeit - den AFDlern und ihren Positionen - ist unerwünscht. Das Weltbild wird gegen die Wirklichkeit verteidigt. Das resultiert nach meiner Überzeugung aus einem inneren Bedürfnis, einem psychologischen Zwang.
„Zusammen gegen Rechts“-Demo in Radeberg - Was sind ihre Argumente?
Man wird sich Strategien überlegen müssen, wie man mit diesen Menschen wieder ins Gespräch kommt. Bei einigen von ihnen ist die Gehirnwäsche vermutlich unumkehrbar, ähnlich wie bei den Coronisten, die heute noch mit Maske durch die Gegend laufen.

ofeliaa

23. Januar 2024 10:47

Ich bin zwar nicht unbedingt "pro gendern", weil ich es generell für unnötig halte, erwähnen zu müssen, dass es auch weibliche Ärzte und Wissenschaftlerinnen gibt, aber ich bin definitv pro LGBTQ+. Was in Gottes Namen denken sich diese Demonstranten, wenn sie diese Fahne schwenken und die Regenbogenfarben bei ihren strunzdummen Streberveranstaltungen nutzen? Wer wird denn als erstes das Ziel sein, wenn radikale Moslems einwandern? Wieso ist das so schwer zu verstehen? Viele dieser einwandernden Menschen stellen eine Bedrohung unserer Demokratie und Freiheit dar. Ist das jetzt Volksverhetzung, wenn ich das sage? In Neuss versuchen laut "Welt" Schüler der Oberstufe (!) die Scharia an der Schule einzuführen, d.h. Jungen und Mädchen sollen getrennt sein, Mädchen sollen sich an die Kleiderregeln halten. Schweinefleisch wird nicht mehr in den Kitas serviert. Leute, was in Gottes Namen denkt ihr, erreicht ihr mit euren Märschen gegen Rechts und "für" Demokratie und Menschenliebe? Ihr empfangt das trojanische Pferd mit offenen Armen. Ihr wüsstest sogar, wer darin sitzen mag, aber ihr freut euch darüber und zelebriert es auf der Straßen! Aber was mich eben am meisten daran stört ist erstens die Zahl an Verrückten und zweitens, dass sie einfach nicht begreifen, dass sie eben NICHT für Freiheit, Demokratie und Diversität demonstrieren! Das tun sie eben nicht! 

ofeliaa

23. Januar 2024 10:52

Die Menschen haben alle immer ganz gerne ein gutes Gefühl im Bäuchlein und klopfen sich gegenseitig gerne auf die Schultern und umarmen sich innig, sich wohlfühlend in der Annahme, ein "guter Mensch" zu sein. Der gute Mensch - generell ein schwieriges Thema, bzw. erörterungswert. Was ich an dieser Gesellschaft hasse, ist das Rumgeheule am Ende, wenn alles - was bereits von Anfang an glasklar war - wieder den Bach runter geht. Diese dummen heulenden Fressen dann zu ertragen, das ist echt das Schlimmste. 

Jan

23. Januar 2024 10:57

Dieser "Kampf gegen rechts" als politisches Programm ist ein DDR-Erbe. Die Verweise auf die SED-Demo vom Januar 1990 sind richtig. In der bundesdeutschen Öffentlichkeit begann der "Kampf gegen rechts" dann 1992/93 nach den Ausschreitungen und Anschlägen in Rostok, Solingen und Mölln mit bundesweiten Lichterketten und "Arsch huh"-Konzerten.
 
Richtig ist aber auch, dass die Vergangenheitsbewältigung der alten Bundesrepublik im Gegensatz zur DDR immer schon mit Selbstentwurzelung, Selbstverleugnung und Schamkultur einher ging. Man fühlte sich nicht als Deutscher und mochte das im Ausland nicht an die große Glocke hängen. 1982 besang die Düsseldorfer NDW-Band Nichts diese innere Zerrissenheit in dem Song "Ein deutsches Lied" :
 
 "Deutsch sein / niemandem sagen / nur Angst vor Fragen / Schande für mein Land / Stolz sein, ist mir verboten / Ich bin hier geboren / mich trifft keine Schuld/ Ich sing' ein deutsches Lied/ Und will es keiner hör'n / Ich sing' ein deutsches Lied".
 
Nach der Wiedervereinigung traf das dann auf den strammen DDR-Antifaschismus und hat sich seitdem vermengt. Das Ergebnis sehen wir heute.

Le Chasseur

23. Januar 2024 11:02

"Meine Befürchtung war, dass die Geschichte zur Vorbereitung einer Wahlfälschung genutzt wird. Wenn aber eine Partei, die bei Umfragen stabil bei über 20 Prozent (und in einigen Bundesländern noch deutlich darüber) liegt, dann werden die Leute stutzig, wenn bei der Wahl das Ergebnis deutlich geringer ausfällt. Also braucht es einen Grund, mit dem man zuerst deutlich geringere Umfragewerte und dann dementsprechende Wahlergebnisse erklären kann."
--Meine Wenigkeit am 16.01.24
https://www.welt.de/politik/deutschland/article249677144/Umfrage-AfD-verliert-Die-Demos-zeigen-Wirkung-sagt-Insa-Chef.html

ofeliaa

23. Januar 2024 11:03

In der Bundestagsdebatte "Gegen Rechts" oder wie das hieß, die ich mir angesehen habe, wurde immer wieder betont, dass die besten Freunde und vor allem Ärzte aus dem Land ausgewiesen würden, wenn dieser "Geheimplan" Umsetzung fände. Ich muss mich hart zusammenreißen, um mich jetzt trotz meiner Wut noch angemessen auszudrücken. Ich habe 2019 mein Abitur nachgeholt. Ich war damals in einer Klasse, in der mehrere Schüler unbedingt Medizin studieren wollten. Wie es da zuging - unbeschreiblich. Jeden Tag weinte jemand, es gab Mobbing, die ganze Stimmung war aufgeheizt und gleichzeitig bitterkalt. Es war ein Überlebenskampf. Ich wollte damals den Medizin-Schnitt nicht schaffen, aber eben andere in der Klasse und die haben alle mitgerissen, in ihr persönliches Leid und ihren Stress. Es hat fast niemand geschafft. Einige, die Medizin studieren wollten, haben diesen Schnitt nicht geschafft. Als ich einen Autounfall hatte (unverschuldet) und ins Krankenhaus kam, erwartete mich dort ein junger russischer Arzt, der kaum Deutsch sprach. Im Krankenhaus heißt jede zweite Ärztin Ludmilla. Jetzt mal ernsthaft, was für ein Schlag ins Gesicht ist es, wenn sich Politiker hinstellen und sagen, ohne Einwanderer würden uns die Ärzte ausgehen. 

Le Chasseur

23. Januar 2024 12:14

@ofeliaa"Ich bin zwar nicht unbedingt "pro gendern"(...) , aber ich bin definitv pro LGBTQ+. Was in Gottes Namen denken sich diese Demonstranten, wenn sie diese Fahne schwenken und die Regenbogenfarben bei ihren strunzdummen Streberveranstaltungen nutzen? Wer wird denn als erstes das Ziel sein, wenn radikale Moslems einwandern?"
Die radikalen Moslems sind doch schon in Masse hier, und es gibt auch schon ständig Angriffe auf "queere" Menschen. Kürzlich sagte auf einer Anti-AfD-Demo eine "Transfrau" mit türkischen Wurzeln im Interview, sie demonstriere hier mit, weil er/sie Angst vor Übergriffen durch Rechte hätte. Da dachte ich mir auch, "Meinst du das ernst? Die große Mehrheit der tätlichen Angriffe auf queere Menschen geht von Moslems aus, und die AfD setzt sich dafür ein, dass weniger solche Leute ins Land kommen."

Gimli

23. Januar 2024 12:15

@ Laurenz' Frage nach Herkunft von Nazis trotz Vergangenheitsbewältigung: Genes und Memes. 

anatol broder

23. Januar 2024 12:24

@ gracchus 22:03
 
eben. vor allem ist die würde des menschen eine falle. im artikel über die alterspflege, der letzte woche auf der sin erschien, stützt frieda helbig ihre forderungen darauf. sie erwähnt die würde acht (8) mal, ohne auf eine definition zu verweisen. an der diskussion dazu erkennt man, dass helbig nicht allein schamlos die moralkeule schwingt.

links ist wo der daumen rechts ist

23. Januar 2024 14:17

Geschichtsvergessenheit 1 - Bockelson
Man kann angesichts dieses Bockelson-Wahns in deutschen Städten eigentlich nur mehr verzweifeln. Je weiter der NS zurückliegt, desto virulenter scheint er zu werden - und so billig war „Widerstand“ noch nie zu haben.
Gerade wenn man sich - so wie ich „links“ sozialisiert – intensiv mit der „Kritischen Theorie“ befaßt, alles von Jean Amery über Fred Wander, Edgar Hilsenrath, Ruth Klüger bis Imre Kertesz gelesen, den Historiker-Streit, die Jenninger-Debatte, den Schlagabtausch Dan Diner/Götz Aly usw. bewußt miterlebt und allerspätestens nach der Lektüre von Kempowskis „Echolot“ und der von W.G. Sebald angestossenen Luftkriegsdebatte die eigene Position hinterfragt, „Gegenstimmen“ zu Bombenkrieg und Vertreibung rezipiert und weitere Innenansichten kennengelernt hat – dann fragt man sich umso mehr, ob die heutigen Marschierer nicht alle wahnsinnig seien.
Natürlich ist die ganze Inszenierung um das Potsdamer „Geheimtreffen“ perfide, aber fragt sich wirklich niemand, warum man per 8 km Luftlinie zwanghaft glaubt einen Bezug zur Wannseevilla herstellen zu müssen, beim Stichwort Potsdam aber NIEMAND an die Potsdamer Beschlüsse denkt, die tatsächlich die VERTREIBUNG (real, nicht eingebildet) von mindestens 12 Mio Deutschen bedeutet haben. 
Es ist einzigartig, daß ein historischer „Exorzismus“ genau das Gegenteil bewirkt: Reenactment made in Germany führt zu blindwütigen Ionesco-haften „Nashörnern“.

Frieda Helbig

23. Januar 2024 14:32

@anatol broder:
"Doch nähme man den Satz wirklich ernst,...."
"Die Menschenwürde gilt nicht erst vor den fernen Küsten Nordafrikas bei der sogenannten Seenotrettung, sondern bereits im Altenheim um die Ecke beim langen Warten auf die Pflegekraft, welche endlich etwas gegen die Schmerzen bringt oder die volle Hose wechselt."
Ich stelle zunächst nur fest, daß WENN sie gilt, die Würde, dann nicht selektiv sondern eben auch im Altenheim. Außerdem kündigt der Hausherr einen Nachschlag an. Haben Sie doch etwas Geduld, vielleicht klären sich dann ein paar Dinge...

links ist wo der daumen rechts ist

23. Januar 2024 15:09

Geschichtsvergessenheit 2 – Gastlichkeit
 
Wenn heute jemand sagen würde, er liebe sein Vaterland und sei froh, Deutscher zu sein, würde man den „Nazi“ Höcke verdächtigen - und der Volkssturm bräche wieder los.
Wer war’s? Richtig, Walter Kempowski, Bestsellerautor zu Recht.
Nicht nur dafür wurde er von GraSS (der mit der Lebenslüge) gemaßregelt.
Warum nur hat man in Deutschland das Problem, „das Nationale“ (Martin Walser) mit der Sorge um Einhaltung der Gesetze zum Schutz ebendessen in Verbindung zu bringen?
Es war für die Deutschen seit ihrer Nationswerdung immer bezeichnend, das Verhältnis Nationalstaat-Weltbürgertum in ein rechtes Maß zu bringen (Meinecke hat dazu das Wesentliche geschrieben), aber nur ersteres kann zweiteres gewährleisten.
Max Scheler hat in seiner berüchtigten WK1-Schrift betont, daß wir den Krieg gewinnen müssten, weil wir die wahren Kosmopoliten seien; es kam bekanntlich anders, aus der nationalen Demütigung durch den Westen in Versailles entstand die falsche totalitär-antiliberale Antwort als Reaktion auf den russischen Totalitarismus (hier hatte Nolte recht).
Es ist aber jenseits dieser verfluchten 12 Jahre immer noch für den Deutschen idealtypisch zu fragen, was man der Welt zu geben habe. Gab und gibt es ein weltoffeneres Volk? Blauäugige Liebe wird und wurde aber allzuoft enttäuscht.
 

Dieter Rose

23. Januar 2024 15:24

@links ist wo der daumen rechts ist (soviel Zeit muss sein!): An Kempowski habe ich in letzter Zeit oft gedacht, was der heute wohl denken/sagen würde? Was ihm heute widerfahren  würde?

links ist wo der daumen rechts ist

23. Januar 2024 15:36

Geschichtsvergessenheit 3 – Normalität
 
Der schon erwähnte W.G. Sebald hat einmal in den 90ern festgestellt, daß bei aller den Deutschen eigentümlichen Gastlichkeit es nicht angehen kann, daß Deutschland irgendwann zum „Gasthaus der ganzen Welt“ werde.
Und sogar in einer der Bibeln des Multikulturalismus, „Heimat Babylon“, wird vor dem Mißbrauch dieser spezifisch deutschen Gastlichkeit, eben dem berühmten zweiten Satz von Artikel 16, Absatz 2 des GG, gewarnt.
Wie aber kehren wir zur Normalität zurück, wenn gerade die, die vor „Kontamination“ warnen, jeden nationalen Diskurs aushebeln?
Man kann einerseits diesen ganzen gegenwärtigen Irrsinn nur mehr dokumentieren (Karl Kraus: „Ich habe euch gewarnt, ich werde euch zitieren!“) oder persiflieren wie hier geschehen:
https://www.youtube.com/watch?v=Xz56z0w9y1A
Oder den Stimmen der Vernunft mehr Gehör verschaffen wie hier:
https://www.youtube.com/watch?v=HBED7XruSgQ
Oder hier (eine der intelligentesten Mischungen aus Vernunft, Intelligenz und Witz innerhalb der AfD):
https://www.youtube.com/watch?v=cIL5tAQxgGI&t=631s
Aus all dem muß sich eine Allianz der Vernunft und damit eines pragmatischen Konservatismus ergeben.

Monika

23. Januar 2024 16:37

@Jan Der "Kampf gegen rechts" ist nicht nur als politisches Programm eine Erbe der DDR. Was viel entscheidender ist: Während in der BRD die "Vergangenheitsbewältigung" eine ständiger Prozeß war, gab es das in der DDR nicht. Der SED-Staat war ab Gründung sozusagen schon immer antifaschistisch-demokratisch gewesen. Es mußte keine nationalsozialistische Vergangenheit bewältigt werden, weil es keine gab. Als  Gründungsmythos gilt  der Antifaschismus. So wurde das KZ-Buchenwald zum Beispiel zum Wallfahrtsort der Antifaschisten erklärt,  weil es hier eine kommunistische Selbstbefreiung gegeben haben soll.  Und natürlich gab es den antifaschistischen Schutzwall. Eine Vergangenheitsbewältigung des  SED-Regimes steht im doppelten Sinne aus.

Monika

23. Januar 2024 16:46

In dieser überhitzten Debatte und den Großaufmärschen trifft möglicherweise der Gründungsmythos Auschwitz auf den Gründungsmythos Antifaschismus, um das eine mit dem anderen auszulöschen. 

samanamag

23. Januar 2024 20:56

Die Vermutung/Beteuerung des Autors, dass es sich um eine Posse handelt und das diese nicht verfängt, teile ich nicht. Es ist eine zielgerichtete Kampanie, um die Afd zumindest zu schädigen wenn nicht zu zerstören. Diese Partei würde gut daran tun ein Teil ihrer Mittel für eine ernsthafte Abwehr zu verwenden. Die neueste Aktion trägt m.M.n. eine professionelle Handschrift und sollte ernst genommen werden. Der Autor hat bereits auf das Buch "The deception game" von Ladislav Bittman hingewiesen. Für interessierte führe ich im folgenden eine Anzahl Werke auf, die den Themenkomplex Propaganda / Desinformation / Zersetzung / Einfulssnahme behandeln:
  . "The deception game" von Ladislav Bittman  - archive.org/details/400437397TheDeceptionGameLadislavBittman1972Pdf/page/n7/mode/2up  . "My silent war" von Kim Philby - archive.org/details/mysilentwar0000phil/page/n1/mode/2up?view=theater  . "The crowd" von Gustave le Bon - archive.org/details/crowdastudypopu00bongoog/page/n13/mode/2up  . "Propaganda" by Edward Bernays - archive.org/details/BernaysPropaganda/page/n2/mode/1up?view=theater
 

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