Längst findet ein pflegerischer Brain-Drain statt, sagt Frieda Helbig

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ steht im ersten Artikel des Grundgesetzes. Wie eine Monstranz wird dieser Passus von BRD-Politikern in allerlei politischen Dingen (z.B. Minderheitenschutz) vor sich her getragen. Doch nähme man den Satz wirklich ernst, so schlösse dieser auch die Würde im Alter bzw. würdevolles Altern bis ans Lebensende ein, ebenso eine menschenwürdige Pflege für die eigenen Angehörigen unseres Volkes, sollten sie diese benötigen.

Die Men­schen­wür­de gilt nicht erst vor den fer­nen Küs­ten Nord­afri­kas bei der soge­nann­ten See­not­ret­tung, son­dern bereits im Alten­heim um die Ecke beim lan­gen War­ten auf die Pfle­ge­kraft, wel­che end­lich etwas gegen die Schmer­zen bringt oder die vol­le Hose wechselt.

Neh­men wir das GG ernst und betrach­ten wir den Teil­aspekt „unab­hän­gig vom Alter“.

Pfle­ge im Alter und der Umgang mit alten Men­schen spie­len in „rech­ten“ Gedan­ken­ge­bäu­den kei­ne ernst­zu­neh­men­de Rol­le. Doch berührt die­ser Aspekt in beson­de­ren Maße unse­re Gedan­ken- und Lebens­welt, näm­lich als Teil unse­rer Geschich­te und damit unse­rer Herkunft.

Die­se Alten, die es jetzt und in Zukunft  zu betreu­en und zu pfle­gen gilt, waren jene, die als Sol­da­ten im Fel­de stan­den, in der Hei­mat den Bom­ben­ter­ror erleb­ten, even­tu­ell Flucht und Ver­trei­bung über­stan­den und Ver­ge­wal­ti­gun­gen über sich erge­hen las­sen muß­ten. Sie erleb­ten Hun­ger, Leid und Tod und bau­ten nach dem Krieg unser Land den­noch wie­der auf. Sie mach­ten das Wirt­schafts­wun­der mög­lich, von des­sen Res­ten wir noch heu­te zehren.

Heu­te sind die­se Män­ner und Frau­en hoch­be­tagt und brau­chen Hil­fe­stel­lun­gen bei den Din­gen des täg­li­chen Lebens, eini­ge sind bett­lä­ge­rig und benö­ti­gen pro­fes­sio­nel­le Pfle­ge. Doch bekommt jeder Alte die Unter­stüt­zung, die er braucht und ist die­se würdevoll?

Pro­ble­ma­tisch aus Sicht der Pfle­ge und Betreu­ung alter Men­schen wird in den nächs­ten Jahr­zehn­ten der oft zitier­te demo­gra­phi­sche Wan­del. Die Umkeh­rung der Alters­py­ra­mi­de führt erst­mals zu der Situa­ti­on, daß es mehr alte als jun­ge Men­schen in Deutsch­land geben wird. Durch den medi­zi­ni­schen Fort­schritt und ande­re Fak­to­ren wer­den die Alten immer älter und damit aller Vor­aus­sicht nach immer pflegebedürftiger.

Heu­te sind die jun­gen Men­schen im all­ge­mei­nen mobi­ler bzw. wird dies von ihnen „job­tech­nisch“ ver­langt, was zu einem ört­li­chen Aus­ein­an­der­rei­ßen der Fami­li­en führt. In eini­gen Städ­ten und Dör­fer der soge­nann­ten „öst­li­chen“ Bun­des­län­der feh­len gan­ze Kohor­ten jun­ger Men­schen, die Alten blei­ben zurück.

Wir wer­den in Deutsch­land zukünf­tig also nicht nur weni­ger jun­ge Men­schen haben, die die Alten pfle­gen kön­nen – wir wer­den auch weni­ger fami­liä­re Unter­stüt­zung aus oben genann­ten Grün­den haben, was einen grö­ße­ren pro­fes­sio­nel­len Pfle­ge­be­darf zur Fol­ge haben wird. Dies wie­der­um wird eine nicht zu unter­schät­zen­de finan­zi­el­le Her­aus­for­de­rung. Irgend­wer wird die Alten ja betreu­en müs­sen. Und wenn dies nicht mehr im Fami­li­en­ver­bund erfol­gen kann, so müs­sen dies pro­fes­sio­nell Pfle­gen­de tun, die auch gern einen anstän­di­gen Lohn erhal­ten möch­ten und ver­nünf­ti­ge Arbeits­be­din­gun­gen rekla­mie­ren, um wie­der­um ihre Fami­li­en ernäh­ren zu kön­nen bzw. für die­se da zu sein.

Wie unter den genann­ten Bedin­gun­gen eine Pfle­ge mit Wür­de mög­lich sein soll, erscheint als Qua­dra­tur des Krei­ses. Gute Pfle­ge kos­tet Geld. Die Fra­ge ist, ob wir als Gesell­schaft uns die­se leis­ten wollen.

Gut aus­ge­bil­de­te Pfle­ge­kräf­te feh­len schon heu­te. Auf der ande­ren Sei­te sind vie­le pro­fes­sio­nell Pfle­gen­de nicht mehr im Beruf tätig, weil die kör­per­li­chen und see­li­schen Belas­tun­gen zu groß und die Arbeits­be­din­gun­gen inak­zep­ta­bel sind. Doch unse­re Poli­ti­ker und die Arbeit­ge­ber­ver­bän­de haben auch in der Pfle­ge das All­heil­mit­tel längst ent­deckt: Die Anwer­bung von aus­län­di­schen Fach­kräf­ten ins­be­son­de­re aus Ost­eu­ro­pa und Asi­en soll das Pro­blem qua­si weg­zau­bern oder doch wenigs­tens in die nächs­te Legis­la­tur­pe­ri­ode verschieben.

Daß dadurch in die­sen Län­dern ein pfle­ge­ri­scher „Brain-drain“ statt­fin­det und die guten Pfle­ge­kräf­te dann dort in der Ver­sor­gung feh­len, nimmt man bil­li­gend in Kauf, zumal sich die­ser Makel mit ein paar Mil­lio­nen mehr an Ent­wick­lungs­hil­fe wie­der aus­glei­chen läßt.

Doch lösen aus­län­di­sche Pfle­ge­kräf­te das Problem?

Ein gro­ßer Unter­schied zu ande­ren Dienst­leis­tun­gen ist, daß Pfle­ge nicht nur eine „Face-to-face“- son­dern auch „Body-to-body“-Aktivität ist. Bei der pfle­ge­ri­schen Arbeit spie­len Spra­che und Kör­per­lich­keit zusam­men eine gro­ße Rol­le. Idea­ler­wei­se mün­det die­ses Zusam­men­spiel in Ver­trau­en, Gebor­gen­heit und Schutz, also einer Pfle­ge in Würde.

Es fällt ein­hei­mi­schen Pfle­ge­kräf­ten schon schwer, sich in die Situa­ti­on der heu­te Hoch­be­tag­ten zu ver­set­zen und ihre Bio­gra­phie zu berück­sich­ti­gen, bzw. es bedeu­tet viel Hin­ga­be, Zeit und Kom­pe­tenz, die­se zu ergrün­den. Schließ­lich haben sich die Zei­ten und Lebens­wei­sen geän­dert, es klafft heu­te zwi­schen den Gene­ra­tio­nen eine grö­ße­re tech­ni­sche und welt­an­schau­li­che Lücke als in den Jahr­zehn­ten zuvor. Den­noch wis­sen ein­hei­mi­sche Pfle­ge­kräf­te noch eher über ihre eige­ne hei­mi­sche Geschich­te und deren Irrun­gen und Wir­run­gen Bescheid. Sie kön­nen somit bes­ser gewis­se Ver­hal­tens­wei­sen der heu­te Alten ver­ste­hen und dar­auf empa­thi­scher reagie­ren, da sie Teil des Eige­nen sind. Ein paar selbst erleb­te Erfah­run­gen aus dem Pfle­ge­all­tag sol­len dies verdeutlichen.

Bei­spiel 1: Frau K. ist 90 Jah­re alt. Sie ist dement und lebt im Alten­heim. Sie ist bett­lä­ge­rig, inkon­ti­nent und benö­tigt eine kom­plet­te pfle­ge­ri­sche Unter­stüt­zung. Auf der Sta­ti­on arbei­ten vie­le Pfle­ge­kräf­te aus Ost­eu­ro­pa, auch männ­li­che. Auf­fäl­lig ist, daß Frau K. sich bei der Intim­pfle­ge wehrt, sie schlägt um sich und schreit. Oft­mals müs­sen die Pfle­ge­kräf­te gegen sie arbei­ten, um ihr die Schutz­ho­se („Win­del“) wech­seln zu kön­nen. Beson­ders aus­ge­prägt ist die­ses Ver­hal­ten nachts, wenn Pfle­ger Iwan Dienst hat, der nur gebro­chen Deutsch spricht. Da Frau K. ver­wirrt ist, wird die­ses Ver­hal­ten ihrer Demenz zuge­schrie­ben und nicht wei­ter beach­tet, die Pati­en­tin gilt als schwie­rig und auf­wen­dig. „In der Pfle­ge­ver­si­che­rung sol­len geschlechts­spe­zi­fi­sche Unter­schie­de bezüg­lich der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit von Män­nern und Frau­en und ihrer Bedar­fe an Leis­tun­gen berück­sich­tigt und den Bedürf­nis­sen nach einer kul­tur­sen­si­blen Pfle­ge nach Mög­lich­keit Rech­nung getra­gen wer­den.“ (SGB XI §1 Abs.4a) Das Ver­hal­ten, wel­ches Frau K. an den Tag legt, läßt sich ver­ste­hen, wenn man die­sen Grund­satz des SGB XI ernst­nimmt und Bio­gra­phie­ar­beit leis­tet. Was Frau K. mit ihren 90 Jah­ren tag­täg­lich im Pfle­ge­heim erlebt, ist eine Retrau­ma­ti­sie­rung. Sie durch­lebt jedes Mal ihre als jun­ge Frau erleb­te Ver­ge­wal­ti­gung durch rus­si­sche Soldaten.

Jah­re­lang war das Trau­ma zuge­schüt­tet und ver­ges­sen, schließ­lich muß­te das Leben nach der Ver­trei­bung aus Schle­si­en ja wei­ter­ge­hen. Sie muß­te stark sein wegen ihrer Kin­der, der Mann blieb im Fel­de. In ihrer Demenz bricht das ver­schüt­te­te Trau­ma wie­der auf. Das Lang­zeit­ge­dächt­nis funk­tio­niert bei Demenz ja noch, nur das Kurz­zeit­ge­dächt­nis ist hin­über. Dazu kom­men jetzt die Hand­lun­gen und Situa­tio­nen, die die Retrau­ma­ti­sie­rung aus­lö­sen kön­nen: männ­li­cher sla­wi­scher Akzent; nachts; sanf­te Gewalt bei der Intim­pfle­ge, da Frau K. sich ja dage­gen wehrt; als Reak­ti­on dar­auf ein „Stel­len Sie sich nicht so an“ des gestreß­ten Pfle­gers. Hier soll­te deut­lich wer­den, daß kul­tur­sen­si­ble Pfle­ge kei­ne Ein­bahn­stra­ße ist. Man darf auch der eige­nen Kul­tur und Geschich­te gegen­über sen­si­bel sein! So wie die reso­lu­te Schwes­ter Ger­trud, selbst Kind Ver­trie­be­ner, die sol­che Schick­sa­le aus dem eig­nen Fami­li­en­kreis kennt. Sie geht mit den Ange­hö­ri­gen von Frau K. ins Gespräch, spürt Frau K.s Bio­gra­phie auf, deu­tet ihr Ver­hal­ten rich­tig und orga­ni­siert eine Bezugs- und Bezie­hungs­pfle­ge für Frau K. Das Schla­gen und Schrei­en wird weni­ger, Frau K. wirkt nicht mehr so verängstigt.

Bei­spiel 2: Hubert und Han­ne­lo­re L. sind seit 60 Jah­ren ver­hei­ra­tet und leben in ihrem Rei­hen­haus. Bei­de sind mul­ti­mor­bid und benö­ti­gen Unter­stüt­zung bei der Kör­per­pfle­ge und im Haus­halt. Bei­de sind noch per Rol­la­tor mobil, klei­ne Spa­zier­gän­ge im Ort sind mög­lich. Ihre Söh­ne sind berufs­tä­tig, einer lebt mit sei­ner Fami­lie weit weg, der ande­re ist zwar im Ort, kann sich aber als selb­stän­di­ger Hand­wer­ker kaum um sei­ne Eltern küm­mern. Die Ren­te des Ehe­paa­res ist gering, Erspar­tes ist kaum vor­han­den, das meis­te Geld haben sie in ihr Haus gesteckt. Herr L. hat Pfle­ge­stu­fe 1, sei­ne Frau Pfle­ge­stu­fe 2, das Geld dar­aus reicht nicht aus, um den ambu­lan­ten Pfle­ge­dienst inkl. Haus­halts­hil­fe zu bezah­len. (Von Beginn an war die Pfle­ge­ver­si­che­rung als „Teil-Kas­ko-Ver­si­che­rung“ kon­zi­piert, doch haben die Poli­ti­ker „ver­ges­sen“, dem Wäh­ler dies zu sagen.)

Des­we­gen wird über eine Agen­tur eine 24-Stun­den-Kraft aus Polen orga­ni­siert, die mit im Haus wohnt und die Pfle­ge und haus­wirt­schaft­li­che Ver­sor­gung der Alten über­nimmt. Eine pfle­ge­ri­sche Aus­bil­dung hat die­se Dame nicht. Dafür ist sie aber ins­ge­samt güns­ti­ger als der ambu­lan­te Pfle­ge­dienst, wel­cher bis­her drei­mal täg­lich zum Ehe­paar L. kam. Die Söh­ne haben ein gutes Gefühl: Es ist jetzt jemand 24 Stun­den vor Ort, und Geld wur­de auch noch gespart. Fort­an wird im Hau­se L. gebro­chen Deutsch gespro­chen, es gibt pol­ni­sches Essen, pol­ni­sche Schla­ger lie­gen in der Luft. Ins­ge­samt zieht sich das Ehe­paar L. immer mehr zurück, sie reden des öfte­ren über das Ster­ben. Die Söh­ne haben wenig Ver­ständ­nis für das von Anfang an auf­kom­men­de Kla­gen der Alten gegen die neue Hilfs­kraft. Sie soll­ten mehr Dank­bar­keit zei­gen! Sie sei­en doch jetzt bes­ser ver­sorgt. Die Alten resi­gnie­ren und erge­ben sich in ihr Schick­sal, sie sind nicht mehr Herr im eige­nen Haus, sie wur­den das zwei­te Mal aus ihrer Hei­mat ver­trie­ben. Bei­de stam­men aus einem klei­nen Ort in Nie­der­schle­si­en und wur­den 1947 der ange­stamm­ten Hei­mat ver­wie­sen. Auch hier fin­det eine erneu­te Trau­ma­ti­sie­rung statt, es wird erneut eine Macht­lo­sig­keit erlebt. Nur jetzt sind sie alt, haben kei­ne Kraft mehr, kön­nen nicht noch­mal von Neu­em anfangen.

Die­se zwei Bespie­le sol­len auf­zei­gen, daß eine wür­de­vol­le Pfle­ge oft­mals an der eige­nen Geschichts­ver­ges­sen­heit schei­tert. Oder anders for­mu­liert: Die Tabui­sie­rung gewis­ser geschicht­li­cher Wahr­hei­ten und der eige­ne aner­zo­ge­ne Schuld­kom­plex kön­nen zu einer men­schen­un­wür­di­gen und krank­ma­chen­den Pfle­ge füh­ren. Hier hat die Ver­ach­tung des Eige­nen unmit­tel­ba­ren Ein­fluß auf die kör­per­li­che und see­li­sche Gesundheit.

Wie die­se Din­ge ein zwar gut aus­ge­bil­de­ter, jedoch kul­tur­frem­der Pfle­ger aus Indo­ne­si­en erken­nen, ver­ste­hen und behe­ben soll, bleibt frag­lich. Unser Men­schen­bild beruht auf der Ein­heit von Kör­per und Geist, wes­we­gen wir eine rei­ne ver­rich­tungs­ori­en­tier­te Pfle­ge ableh­nen müs­sen. „Satt und sau­ber und Haupt­sa­che nicht gestor­ben“ ist nicht unse­re For­de­rung, wir wol­len unse­rem Volk eine adäqua­te Pfle­ge anbie­ten. Denn wir emp­fin­den noch Empa­thie für das Eigene.

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Kommentare (65)

Franz Bettinger

18. Januar 2024 09:17

Ich will als alter Mensch nicht in ein Seniorenheim. Ich möchte meine eigenen 4 Wände um mich haben bis zum Schluss. Das wäre die beste Lösung für Alte. Es ist leider Mode geworden, die alt Gewordenen los zu werden und deren Haus zu vermieten oder selbst zu bewohnen. Es ist, außer für die Abgeschobenen, ja so bequem. Wir sollten hier auf SiN wenigstens die Alternative erwähnen, die außerhalb D’s, z.B. auch in Italien, noch Tradition hat: Dass die Kinder für ihre alten Eltern da sind bis zu deren Tod. (Mein Bruder und ich hatten uns in dieser Aufgabe abgelöst. Ich war sehr froh darum.)  

Volksdeutscher

18. Januar 2024 09:40

Aus meiner Sicht ist die beschriebene Problematik vollkommen verständlich und nachvollziehbar. Aber da ich die Stimmung und Einstellung diesbezüglich kenne, kann ich mir nur vorstellen, daß man müde abwinkt und sagt, dies seien Übertreibungen, Extremsituationen und nicht das Hauptproblem, man könne damit leben, die Alten hätten eh nicht mehr viel Zeit zu leben. 
Ich arbeitete mal paar Monate in einem Altersheim. Da war eine ältere Frau, die nur noch sitzen und liegen konnte und wie oben beschrieben gepflegt werden mußte. Meine Aufgabe war, sie zu füttern: frühs, mittags und abends. Sie konnte nicht mehr sprechen, sich nicht mehr bewegen, sie saß in einem großen Liegesessel, der auch in die Horizontale gekippt werden konnte. Ich habe sie manchmal, während ich ihr ein Häppchen in den Mund schob, gefragt: "Und schmeckt´s?" Nicht immer antwortete sie, doch manchmal sagte sie Ja und es kamen ihr die Tränen. Scheinbar ahnte sie etwas, was mit ihr los war, aber sonst starrte sie steif hinauf zur Decke. Sie war im letzten Stadium ihrer Erkrankung.

Nemo Obligatur

18. Januar 2024 10:02

Gut, dass die Sezession dieses heiße Eisen auch mal anfasst. Viele jüngere Menschen halten sich, wenn nicht für unsterblich, so doch für immer gesund. Die Wahrheit ist, dass auf die meisten Menschen am Ende eine bittere Strecke der wachsenden Hilflosigkeit wartet. Das ans "Ausland" zu delegieren, in welcher Form auch immer, kann nicht die einzig richtige Antwort sein. Es ist ja hier im Grunde alles beschrieben: Die Kinder sind weit weg, können nicht, wollen nicht oder - in vielen Fällen - gibt es sie erst gar nicht. Zur Vernunft werden wir erst kommen, wenn uns das Geld ausgeht.

Monika

18. Januar 2024 10:34

Das ist ein sehr wichtiger Text zu einem grundlegenden Thema. Ich habe über 25 Jahre lang die alten Damen unserer Pfarrgemeinde "bildungstechnisch"  betreut ( Vorträge, Gesprächskreise über Religion und Literatur, Erzählcafe usw.) Von den anfangs über 30 Frauen lebt noch eine mit weit über neunzig im Pflegeheim. Das Ableben dieser Kriegsgeneration ging noch relativ gut über die Bühne, soweit ich das mitbekam. Entweder hatte man das Glück eines raschen Todes, eine Truppe von patenten kath.  polnischen Pflegekräften, die untereinander gut vernetzt waren wie die alten Frauen oder kam in ein gerade noch bezahlbares dezidiert kath. Pflegeheim. Nicht zuletzt hatte diese Generation noch mehrere Kinder, die wenn auch nicht selbst, sich wenigstens um eine gute Versorgung kümmern konnten.  Für die nächste Generation, die sog. Boomer, die nach dem Krieg Geborenen sieht das schon völlilg anders aus. 1. Wenige oder gar keine Kinder, die sich kümmern 2. Keine kirchliche oder sonstige soziale Anbindung mehr 3. steigende Kosten, 4. Kein Pflegepersonal mehr. Es dürfte also, gelinde gesagt, etwas unfreundlicher zum Lebensende zugehen. Diese Phase sehe ich jetzt aufkommen. Auch wird dem Betrug alter Menschen durch diese Lücke  Tür und Tor geöffnet. Über Betreuungsvollmachten sichern sich viele ein gutes Auskommen und haben natürlich keine Interesse an einem langen Leben des Betreuten.

Monika

18. Januar 2024 10:52

Zur kultursensiblen Altenpflege: Auch in Heimen der Diakonie oder Caritas geht es aufgrund fehlender Pflegekräfte nicht unbedingt kultursensibel zu (wie auch  in den Kindergärten). Im Hinblick auf unsere muslimischen Mitbürger ist man da entgegenkommender. Die Kirchen haben sich schon lange für muslimische Erzieherinnen oder Altenpfleger geöffnet. Das Ziel einer verbesserten muslimischen Wohlfahrt wurde schon früh ein Thema der Deutschen Islamkonferenz. Im Jahr 2023 hat der Islamverband DITIB unter dem Namen Ihsan einen eigenen bundesweit tätigen Wohlfahrtsverband gegründet, der auch Menschen anderen Glaubens offensteht. Was tun ? Entweder man hat genügend Geld für sein Alter oder man kümmert sich rechtzeitig um alternative Alterswohnformen ( Damenstift,  es gibt Altersheime für Schwule, warum nicht Altersheime für Rechte oder Linke, oder Queere, Vegetarier usw.) Den gegenwärtigen Mangel an Pflegekräften könnte man durch entsprechend verpflichtenden Sozialdienst nach der Schule beheben. Oder durch einen Seniorensoli :)

t.gygax

18. Januar 2024 11:00

Sommer 2018, Gespräch in Heidelberg mit einem jungen deutschen Paar, die eine Ausbildung zum Altenpfleger absolvierten.Originalzitat: " was da durch die afrikanischen Pflegekräfte geschieht, ist menschenverachtend " .Damals lief eine staatliche Non-Stop Werbung,  dass ohne Migranten unser Pflegesystem sofort zusammenbrechen würde  deswegen brauche man Migranten als Pflegekräfte........

pidderlueng

18. Januar 2024 11:02

Aus eigener beruflicher Erfahrung kann ich diese Thematik nur bestästigen. Ein Blick in die Veröffentlichungen zur kultursensiblen Pflege zeigen auf, dass kultursensible Pflege fast immer einseitig definiert ist. Der Blickwinkel ist immer aus der Migrantensicht und selten aus der Sicht von Menschen aus ehemaligen deutschen Gebieten. Sobald es Schwierigkeiten im Umgang mit älteren zu Pflegenden gibt, wird schnell die Erklärung im Alter oder der geistigen Situation vermutet. Dass ausländische Pflegekräfte mit Sprachbarrieren oder wenig bis kaum Einblick in unsere Geschichte Teil der herausfordernden Situationen sind, wird meistens nicht beachtet. Viele Einrichtungen des Gesundheitswesen steuern dem Fachkräftemangel in der Pflege mit ausländischen Fachkräften entgegen. Richtig ist, dass diese eine gute Ausbildung in ihrer Heimat genossen. Nur liegt in den meisten Ländern der Fokus auf der reinen medizinisch-technischen Versorgung von Patienten und ist nicht immer mit unserem Pflegeverständnis in Einklang zu bringen. Dazu kommen Defizite in der Sprache, da Kommunikation der Schlüssel ist für eine gute Beziehung zwischen Pflegenden und zu Pflegende. 

Frieda Helbig

18. Januar 2024 11:20

@Bettinger: 
Wünschenswert natürlich. Aber wie im Artikel angedeutet, müßte dazu ein anderes Verständnis her und ein anderes System.
@Volksdeutscher:
Danke und gut, daß Sie es taten!

Laurenz

18. Januar 2024 11:42

@FH ... schön, daß Du wieder mal schreibst & uns aus Sicht des Fachmanns unterrichtest, an dessen Sicht ich glaube. Politisch muß ich Dir widersprechen. Auch die Generation, die Du gerade beschreibst, hatte den Türkei-Vertrag & die seitdem anhaltende Migration zugelassen. Das Wahlverhalten zieht auch Konsequenzen für den Wähler nach sich. Entgegen Elon Musks eklatant dämlicher Aussage, können Bevölkerungen nicht unbegrenzt wachsen, wir kollabieren, wie Japan, schlicht an der Menge der Bewohner. Auch @Franz Bettinger schreibt hier Unsinn. Weder Er, noch die Italiener, noch ich, haben (genügend) Kinder, damit ist Seine Tradition tot. Statt Arbeitskräfte zu importieren, sollte man die Pflegebedürftigen in Altersheime von Staaten mit geringeren Lohnkosten exportieren. Die jetzt Pflegebedürftigen hatten einst dieses Schicksal selbst an der Wahlurne & der Zahl ihrer Kinder entschieden. An der schlechten Bezahlung in Deiner Branche sind Deinesgleichen Selbst schuld. Ihr seid schlecht organsiert & streikt nicht. Selbst die gut organisierten Lokführer haben den Kapitalismus nicht verstanden & könnten längst so viel verdienen, wie Lufthansa-Piloten.

Montesquieu

18. Januar 2024 12:12

Ein zerstörtes Sozialsystem, daraus resultierende politische und gesellschaftliche Zwänge...Einsehen in die unter den gegebenen Umständen reale Unwürdigkeit der eigenen Restexistenz: das gesellschaftlich erwünschte "eigenverantwortliche" Ableben nicht mehr autonom Funktionsfähiger wird institutionalisiert werden.
Man wird es als Ausdruck von "Autonomie", "Würde" und Verantwortungsbewußtsein" euphemisieren, ein bißchen rituellen Firlefanz drum herum  veranstalten und in kurzer Zeit wird es fester Bestandteil "unserer" Kultur sein.
Man muss natürlich nicht. Aber dann muss es jemanden geben, der einen (auf nicht staatliche) Kosten vollumfänglich versorgt. 
„You’ll own nothing, and you’ll be happy.“ - in letzter Konsequenz.

Der Anspacher

18. Januar 2024 14:24

Ein ausgezeichneter Beitrag über dies zentrale Thema für unsere Land. In Gleichstrom- aber auch in alternativen Medien wird nur am Rande bemerkt daß jeden Tag zwei Pflegeheime "aufgeben" obwohl eigentlich das Gegenteil notwendig wäre. Familienpflege wie in "alten Zeiten" ist realistischerweise aus den im Beitrag schon erwähnten Gründen keine generelle Option mehr. Aber unser in produktiven Wirtschaftsbereichen erarbeitetes Vermögen würde auch in Zukunft für eine würdevolle Versorgung ausreichen wenn man nur dieser unproduktiven Politklasse endlich die Verschleuderung unserer Werte unmöglich machte indem man sie zum Teufel jagt...

RMH

18. Januar 2024 14:45

Die echte Kriegsgeneration, also die, die zumindest auch 18 oder 19 am Ende des Krieges waren, ist so gut wie weggestorben (die letzten davon sind über 95 oder um die 100 jahre alt). Jetzt sind die Kinder und Jugendlichen aus dieser Zeit dran, dann kommen die "Boomer". Ich prognostiziere, dass das Thema Euthanasie wieder kommen wird und auch die Kultur des altersbedingten Suizids (bereits jetzt ein weitestgehend totgeschwiegenes Thema) wird sich vergrößern. 2022 waren ca. 36% aller Suizidenten älter als 70 Jahre. Der Bevölkerungsanteil der über 70- Jährigen an der Gesamtbevölkerung ist aber noch klar darunter. Wenn man bedenkt, dass viele aus Demenzgründen irgendwann gar nicht mehr diese Entscheidung treffen können (aber evtl. getroffen hätten, wenn sie gewusst hätten, dass ...), dann ist das bereits heute ein sehr hoher Wert. Ich kann es aber nachvollziehen, wenn man den Weg unter den heutigen Bedingungen nicht mehr zu Ende gehen will/kann, nur propagieren darf man es nicht. Ich vermute, irgendwann wird aber auch das in unserer "humanen" Gesellschaft geschehen, irgendwann wird es subtile Propaganda dafür geben und es sei auch nur, dass die Mittel dazu bereit gestellt werden.

Kubus

18. Januar 2024 14:58

Der Brain Drain findet auch in die entgegengesetzte Richtung statt. Die Pflegekräfte werden teuer in Deutschland ausgebildet. Schon bald wandern die besten und flexibelsten aus. Vorbildlich im Bereich Bezahlung und Personalbesetzung ist z.B. Skandinavien. Die Sprachkurse werden von den dortigen Krankenhäusern bezahlt und es gibt Hilfe bei der Wohnungssuche. Privatkliniken in Dubai: Englischkenntnisse reichen. Schweiz oder Luxemburg: Hohe Gehälter sind möglich, auch hier sind die Arbeitsbedingungen natürlich viel besser und der Beruf hat insgesamt ein höheres Ansehen, was auch zur Zufriedenheit beiträgt. Man wohnt dann trotzdem günstig grenznah in Deutschland. In Basel sah ich am Bahnhof die entsprechenden Werbeplakate, die auf deutsche Pflegekräfte abzielten.
Mit solchen Ländern kann sich Deutschland schon lange nicht mehr vergleichen.

MARCEL

18. Januar 2024 16:09

@RMH
So sieht es aus.
Es tut mir leid, aber man sollte sich auch einmal mit "Exit-Optionen" befassen.
 

Rosenkranz

18. Januar 2024 16:32

Es gibt noch einen zweiten Aspekt, der nicht vergessen werden darf: Man muss sich selbst um einen aktiven Lebensstil kümmern und hat sich besonders bei den raffinierten Kohlenhydraten zu zügeln. Wie sieht es denn heute aus? Wie viele Rentner sitzen die meiste Zeit auf der Couch, starren auf den Fernsehr und sind so übergewichtig, daß sie an Diabetes Typ 2 leiden? 
Wie viel Inanspruchnahme von Pflegedienstleistungen könnten vermieden werden, wenn man nur jeden Morgen allein 20 Minuten Gymnastik machen würde? Dazu lange Spaziergänge, geistige Übungen und eine Mäßigung beim Essen. Der Pflegenotstand wäre in kurzer Zeit erledigt. 
Die Rentner brauchen daher Treffpunkte, wo sie zusammen Sport treiben und anderweitig gesellig und sein können. Auch sollte man es ihnen nicht zu leicht machen mit allerlei Hilfsmitteln. 
Anmerkung: Menschen die z.B. durch Unfälle Pflegeleistungen in Anspruch nehmen müssen, sind nicht gemeint.

FrankaFrey

18. Januar 2024 17:01

Sehr gut, dass hier dieses wichtige Thema angesprochen wird. In unserer Familie konnten bislang alle Mitglieder der Großelterngeneration bis zum Schluss daheim leben und auch familienbegleitet sterben, weil es erstens genügend Platz gab, zweitens genügend Kinder, die auch in der Nähe leben und drittens Frauen, die Familienarbeit als ihrem Beruf verstanden. Die Last, die ein pflegebedürftiges Familienmitglied bedeutet, ist im Idealfall auf mehrere Köpfe verteilt. Auch eine osteuropäische Pflegekraft, die im Haus wohnt, ist mit einer Dauerpflege überfordert. 
Mein Vater durfte im letzten Jahr nach einem bewussten viertägigen Sterbefasten daheim sterben, weil meine vier Brüder sich am Ende abgewechselt haben und meiner Mutter zur Seite standen. Natürlich kam auch ein Pflegedienst aber es wäre in diesem Fall unerheblich gewesen, ob deutsch oder nicht deutsch, da immer jemand von der Familie im Haus war (Man kann sich für eine solche Situation auch beurlauben lassen)
Seine Beerdigung war ein Familienfest, an dem außer seinen 8 Kindern auch 24 Enkel und 3 Urenkel ihm das letzte Geleit gaben. Der Jüngste krabbelte an das offene Grab und warf Blütenblätter hinunter.Was wir für die Zukunft brauchen, sind funktionierende Familien in anständiger Größe. Das ist das Menschengemäße und damit auch Menschenwürdige. Man müsste die ungeheuren Vorteile großer Familien thematisieren. 

Volksdeutscher

18. Januar 2024 17:12

@Laurenz - "Statt Arbeitskräfte zu importieren, sollte man die Pflegebedürftigen in Altersheime von Staaten mit geringeren Lohnkosten exportieren. Die jetzt Pflegebedürftigen hatten einst dieses Schicksal selbst an der Wahlurne & der Zahl ihrer Kinder entschieden."
 
Trotz aller Mißstände und Verwerfungen, die falsches Wahlverhalten heraufbeschwören kann, brauchen wir uns nicht wie der letzte Dreck aufzuführen, indem wir die Pflegebedürftigen wie Sondermüll ins Ausland verkaufen, denn ihre eventuell falsche Entscheidung an der Wahlurne und unser Verhalten ihnen gegenüber stehen nicht in einer Kausalkette. Ich sage es langsam, damit Sie es verstehen: Die wie auch immer zu bewertende politische Entscheidung der Altersgeneration darf bei der Frage, wie wir soziale Probleme lösen, die sie betreffen, keine Rolle spielen, am allerwenigsten haben wir das Recht, daraus eine billige und schäbige Rechtfertigung für unser asoziales Benehmen ihnengegenüber zu fabrizieren. Kein sein Volk liebender Nationalist kann diesen Ihren Gedankengang, der gut zu einem verkommenen Liberalen paßt, gutheißen. Der Verantwortliche für soziale Mißstände an allererster Stelle ist die politische Klasse, die durch Gestaltung der Politik Alternativen anbietet für jene, deren Wahlverhalten sie beeinflussen will. So herum funktioniert das, verstehen Sie? Es gibt überdies ein altes deutsches Sprichwort: "Alte Bäume verpflanzt man nicht." Aber um diesen Spruch zu verstehen muß man schon in der deutschen Kultur zu Hause sein.

Volksdeutscher

18. Januar 2024 17:32

Man redet immer nur von der Notwendigkeit eines funktionierenden sozialen Systems. Gewiß, dessen Notwendigkeit ist nicht zu leugenen. Aber bei weitem wichtiger wäre die Pflege funktionierender und lebendiger sozialer Beziehungen zwischen den Menschen, bzw. deren zusätzliche Erschaffung und/oder ihre nachträgliche Reparatur. Die extremistische Individualisierung der Gesellschaft erzeugt Atomisierung der Gesellschaft und "Vertierung" der Menschen (Reduktion des Lebens auf Befriedigung von Instinkten). Ein anderes allgemein bekanntes Phänomen: Je weiter man in Europa gen Osten fährt, umso intakter ist die soziale Gefüge der Gesellschaft, umso weiblicher sind auch die Frauen dort.

ede

18. Januar 2024 18:30

Wichtiges Thema - für alle, auch die Jungen. 
Nicht jedem ist der Tod im Sattel vergönnt. Die Bedeutung der Familie geht eben weit über demografische Probleme hinaus. Sie ist Bestandteil des Sinn des Lebens. Das gilt für kinderlose Familienangehörige nicht anders, und lieber Laurenz, das frühere Wahlverhalten darf da nur eine sehr nachrangige Rolle spielen. 
Wie wir mit unseren Alten und Hilflosen umgehen ist ein Spiegelbild dessen, was wir von uns selbst halten. 
PS.: Besonders grausam finde ich die Trennung von den Haustieren bei einer Heimeinweisung. 
PPS.: Ich weiß wovon ich spreche, meine Frau (und ich) haben meine demente Mutter aufgenommen und bis zum Ende gepflegt. Nicht einfach, aber machbar. Das Leben wäre nur noch halb soviel wert, hätten wir es nicht getan. 

RMH

18. Januar 2024 18:44

"Der Pflegenotstand wäre in kurzer Zeit erledigt." 
@Rosenkranz,
das halte ich für Wunschdenken. Natürlich erleben wir aktuell alte, für die Essen immer etwas Besonderes war, bedingt auch durch die Mangelernährung bis Anfang der 50er Jahre. Der Punkt, wo Sie mit ihrer Ernährungskritik eher ansetzen sollten, ist das prekäre Publikum, welches meist nie lang gearbeitet hat, sich via Hartz & Erwerbsminderungsrente etc. nur billigste Kohlehydrate als Ernährung und bei Männern dann Alk, bei Frauen Nachwerk, "gegönnt" hat und welches oft schon mit Mitte 40 die ersten Bandscheibenvorfälle hat, ab 60 offene Beine und die man schon mit nur 70 in der Raucherecke von "Seniorenresidenzen" finden kann. Es sind eben nicht alle im Pflegeheim, alte, verdiente Menschen, so wie im Tode alle gleich sind, wird im Pflegeheim die erste Vorstufe dazu erzielt. Ob gearbeitet oder nie, man findet sie im gleichen Zimmer. Außer den wenigen % Vermögenden, die können sich ganz andere Pflegeeinrichtungen und Wohnheime leisten - und diese Heime haben auch lange Wartelisten. Mit Geld alleine kann man in dem Bereich mithin auch nicht alles regeln. Selbst beim "Besserheim" darf man anstehen.

Dieter Rose

18. Januar 2024 21:39

Die Kultur eines Staates lässt sich daran erkennen, wie er mit den Kranken und Alten umgeht. Dafür müssen  immer genügend Gelder ausgegen werden, bevor Fahrradwege in Peru, Entwicklungshilfe für China und Indien u.a. finanziert werden.

Frieda Helbig

18. Januar 2024 21:39

@alle:
Danke für die (erkenntnis)gewinnbringenden Kommentare. 
Interessant finde ich, daß ähnliche Diskussionen schon unter meinen älteren Beiträgen hier geführt wurden. Insbes. möchte ich nochmals auf den möglichen Zusammenhang zwischen dem Wunsch zu Sterben ("Todespille") und der mangelnden pflegerischen Versorgung hinweisen. Siehe hier: https://sezession.de/62359/coronavirus-7-pflege Und zum Thema Wahlverhalten, Vorsorge und Kinder usw usf - selbst wenn man sich einen Scheißdreck um seine eigene pflegerische Versorgung gekümmert hat, heißt das doch nicht, man hätte nicht nichts für dieses Land getan, z.B. eine kinderlose Kindergärtnerin, ein kinderloser Straßenbauer o.ä., haben doch auch Werte geschaffen, von denen wir alle heute profitieren. Nebenbei bemerkt, zahlen Kindelose einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung! Und: ein Sozialstaat soll bei Bedürftigkeit helfen - wöllte man Vernunft (also vernünftiges Verhalten) einpreisen, wirds extrem schwierig. Denn dann müßte man (wer?), festlegen, was im Sinne des Gesundheitssystem noch statthaft ist. Überspitzt: 10 Zigaretten pro Tag ok, damit man Astma-Spray erhält; Bier erst ab 4, sonst wird die Lebererkrankung nicht therapiert; nur Geimpfte auf Intensivstation; E-Bike fahren nur bis 75. Nein! Der Sozialstaat orientiert sich nicht an gewünschten Verhalten, sondern an der Zugehörigkeit zur Solidargemeinschaft (Volk). 
 

Frieda Helbig

18. Januar 2024 21:47

Zurück zur "Sterbepille": brauchen wir nicht. Jeder hat es selbst in der Hand, man nimmt seine Medikamente einfach nicht mehr, stellt essen und trinken ein. Dies führt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum selbstbestimmten Tod - gut palliativ begleitet ein nicht leichter aber schon immer so gewesener Weg - das ist halt Sterben und kein Tod im Sattel (danke für das Bild @ede). Dazu ein Bsp.: kürzlich fragte mich eine Freundin, ob sie ihrem demenzkranken Vater das neu verordnete dann zehnte Medikament geben sollte, die Nebenwirkungen und so. Ich entgegnete nach kurzer Recherche über das Präparat, ob man denn überhaupt die Wirkung wolle, nämlich das Herz stärken - kurzes verwirrtes Schweigen, dann Dank und Zerreißen des Rezeptes. 
Nicht die Anzahl gelebten Tage ist entscheidend, sondern deren Inhalt (frei nach Spengler). 
 
 

Felix Saxonia

18. Januar 2024 22:20

Sehr nachdenkenswerter Beitrag! Vielen Dank dafür.
Dieser Beitrag macht auf mehreren Ebenen deutlich, was in diesem unseren Land, in dieser unseren Gesellschaft grundlegend schief läuft.
Neben der Stumpfsinnigkeit für die eigene Geschichte und deren Zusammenhänge und Nachwirkungen, ist dies die immer weiter fortschreitende und politisch forcierte Zerstörung der Familien. 
Wie im Beitrag erwähnt, werden dabei ebenso die Familienbande in den Heimatländern der ausländischen Pflegekräfte ruiniert. Dieses Problem hat z.B. in Rumänien den blumigen Namen "Erdbeerpflügerkinder". Das Problem ist also bekannt. Aber im Deutschland dieser Tage lautet die Zauberformal für den Mangel an Arbeitskräften "noch mehr Zuwanderung". Allein aus dem Grund weil sich damit Geld verdienen läßt. Entstehende Schäden und Verwerfungen werden "vergesellschaftet" und ausgelagert, der Gewinn privatisiert.
Die Idee, daß man diese gesellschaftlichen Mißstände und demographischen Verwerfungen durch eine familienförderende Politik beim eigenen Volk beheben, zumindest lindern, könnte, kommt unseren "Volksvertretern" nicht. Soll ihnen vermutlich auch nicht kommen, denn mit ihrer ideologischen Verblendung läßt sich gut verdienen...

Dr Stoermer

18. Januar 2024 22:27

Frau Helbig hat uns einen wichtigen Text beschert, der durch das Wesentliche zur Pflege berührt. Dass Pflege im Alter in „rechten“ Gedanken keine Rolle spielt, mag, wenn es stimmt, daran liegen, dass diese nicht darauf zielen, im Rahmen einer fundamental fehlgesteuerten Umgebung Symptome zu lindern. Etwa indem ein Sensibilisierungstraining für fremdländische Pflegekräfte zu deutschen Vertreibungstraumata gefordert wird. Vielmehr gehen sie die Ursachen an, aus deren Heilung sich auch für die Pflege erst wirkliche Linderung ergeben kann. Rechte Gedankengebäude beantworten die Frage, wie ein Staat es gewährleisten kann, dass weder Demographie noch Anti-Familienpolitik, weder forcierte Landflucht noch vermeintliche Mittelknappheit trotz vorhandener Wertschöpfung, auch in der Altenpflege zu unnötigen Missständen führen.
Es sagt sich leichter, als es täglich an Beispielen wie den Ihrigen zu erleben, aber wir sind seit langem in einem unerklärten Krieg. Einem, der statt durch Invasion von Infiltration, statt durch physische Einwirkung von psychologischen Mitteln und statt durch schadensminimierender List von perverser Lust an Demütigung und Vernichtung geprägt ist. Und da stehen Sie nun, im Feldlazarett, um sich die Sterbenden in ihren Ausscheidungen, ohne Narkose, ohne Verbände, und man mag mitweinen. Und doch, die Schlacht, sie tobt, mit den obigen Mitteln, nicht denen, an die wir bei „Krieg“ immer noch nur denken.

Kriemhild

18. Januar 2024 22:30

Danke für diesen erfahrungsgesättigten Artikel! Ich finde es immer gut, wenn in unserem Lager nicht nur abstrakt argumentiert, sondern das persönliche Erleben verarbeitet wird. Was mich noch interessieren würde: wie stellt sich das mit den Wahlen in Pflegeheimen dar? Wie beeinflussbar ist das Wahlverhalten der Bewohner? Entsprechen die Berichte von teils 100% linken Stimmenanteilen in Pflegeheimen der Realität? 

Boreas

18. Januar 2024 22:45

Ein wichtiger Aspekt in unserem soziokulturellen Gefüge. Auch, wenn einem die sprichwörtliche Magda kulturell näher steht als ein Omar oder Kuntakinte bleibt ein Fremdeln. Und das nicht erst in der Pflege. Eine Krankenzusatzversicherung, die einem einen muttersprachlich deutschen Heilbehandler garantierte, würde wie "geschnitten Brot" verkauft werden können. Allein es fehlt die Möglichkeit, dieses Leistungsversprechen auch einzuhalten. Hier muss echte Sozialpolitik ansetzen.

Manuel N

18. Januar 2024 23:53

@ Alle:
Wenn ich als Krankenpfleger mit über 20 Jahren Berufserfahrung hier mal meine Einschätzung zum Thema schreiben darf. 
Bin verblüfft, weshalb das Thema Pflege in "rechten Gedankenkreisen keine große Rolle spielt " !? Dabei gibt es doch keine Arbeit, die konservativer ist, als einen anderen Menschen zu pflegen. Nur mit einer konservativ Grundhaltung gelingt es die Arbeit mit den vielen Patienten und progressiven Berufskollegen erfolgreich zu meistern. Die Pflege bräuchte letztlich auch eine Konservative Revolution. 
Kann hier mal nur als Beispiel schreiben, das ich einige Silvester Nächte gearbeitet habe, in der Regelmäßig ein paar Ältere Patienten auf Station wegen "Bombenangriffen" durchgedreht sind. Empathielose Kollegen waren oft sehr schnell mit Beruhigungsmitteln zur Hand. Oft half es aber schon im Kommandoton den Armen Menschen  zu sagen das bald Feuerpause ist. 
Sprache, Kommunikation und gutes Benehmen machen mindestens 60% des Berufs aus. Erst darüber kann man ein Verhältnis zum Gegenüber aufbauen. 
Weshalb steht die Pflege heute so da, wie Sie heute ist? Weil es auch wie anderswo zu viel progressives und zu wenig konservatives gibt. Der C-Pieks Wahnsinn gab den Rest. 

Der Sinnierer

19. Januar 2024 03:24

Sehr wichtiges Thema und gut dargestellt! Doch eine Frage beschäftigt mich sehr: Wieso ist die ältere Generation so ich-fixiert gewesen und hat ab 1967ff ("Pillenknick") so wenige Kinder bekommen, die heute nun fehlen? Sind sie nicht selber schuld an der Misere? Mein Vater wurde von seinem fünf Kindern gepflegt und ich werde unter meinem acht hoffentlich auch Hilfe finden - wieso also nicht bei der demografischen Misere an die Nase auch einmal fassen? Ansonsten: Sehr richtig und gutes Thema!!

das kapital

19. Januar 2024 06:20

Vorfrage: Gastautor anscheinend anonym. Warum ?  /// Vertreibung / Retraumatisierung können auch 79 Jahre nach Kriegsende noch ein Thema sein. Richtig arg wird es mit der Pflege aber erst, wenn die geburten-starken Nachkriegsjahrgänge dran sind. ///@ Dieter Rose Es ist nicht nur ein Frage des Geldes. Da ich kommunal aktiv bin, wünsche ich mir 60 Milliarden Entwicklungshilfe für deutsche Gemeinden. Fahrradwege in Peru nützen nicht. Der Bund gibt weniger Geld für alle deutschen Gemeinden, als er in der Welt verschwendet. --- Die geburtenschwachen Jahrgänge können sich ihre Jobs selbst aussuchen, da überall Leute fehlen. In der Pflege sind halt nicht die besten Arbeitsbedingungen. Schichtarbeit. Arbeit am Wochenende und an Feiertagen. Immer kranke alte stinkenden Menschen anschauen und anfassen. Dauernd Gejammer, Leiden und Sterben. Wer will sich das schon ein ganzes Berufsleben anschauen und antun, wenn es auch ohne und wohlmöglich auch besser bezahlt geht ?!

Frieda Helbig

19. Januar 2024 08:28

@kapital zur Vorfrage: warum nicht ein Pseudonym, wenn es denn eines ist? Ändert das was inhaltlich? Und warum kommentieren Sie nicht unter Klarnamen? 

AlexSedlmayr

19. Januar 2024 09:04

Unbequeme Wahrheiten kommen häufig im Gewand der kaltschnäuzigen Unmenschlichkeit daher, daher bitte ich um etwas Verständnis für eine forschere Wortwahl. Die junge Generation ist ausgelaugt und wird zwischen zwei demographischen Orkanen aktuell zerrieben: Die Demographie der Alten, die dem Land einen gewaltigen Menschenüberschuss aber ein noch massiveres Geburtendefizit hinterlassen haben. Zugleich eine junge Einwanderungsdemographie und deren Nachkömmlinge, die zugleich lauthals nach Dienstleistungen, Geldtransfers und anstrengungslosem Wohlstand verlangen, der ihnen von unserer rassistischen Gesellschaft zustehe.
Die Kriegsgeneration wird es vermutlich noch am besten getroffen haben (auch wenn das jetzt schon nicht schön ist), die kalte Wahrheit wird sein, dass die Generation der Baby-Boomer froh sein können wird, wenn die Sterbehilfe weiter ein Tabu bleibt. Sie haben nicht für ausreichend Kinder gesorgt, dieses Land an Migranten weggeschenkt (und wollen das jetzt auch weiterhin tun) ohne sich zu fragen, woher die Menschen, die Zeit, die verrichtete Arbeit und das Geld für ihre Rente und ihre Pflege kommen sollen. Dass den jüngeren Generationen mit der wohlfeilen Forderung nach Menschenwürde und Gerechtigkeit auch noch aufzubürden ist eine Farce der Geschichte.

Monika

19. Januar 2024 09:36

Ich finde diese erfahrungsbasierten Beiträge und Kommentare so unendlich viel wichtiger und sinnstiftender  auf dem Weg zu einer Systemveränderung als die  ausgefeilteste "strategische Skizze zu einem Systemchange". Warum ? Ich habe meine Söhne wertkonservativ erzogen. Sie sind beide extreme Naturburschen. Was lag näher, als dass sie nach dem Abi ihren Zivildienst beim Naturschutz ableisten. Eine sinnvolle Aufgabe. Was ich damals nicht wußte, wie links dominiert Bereiche des Naturschutzes sind. So lernten meine Söhne auf Seminaren Geländebesetzungen und das Sprengen von Polizeiketten. Es gab jahrelange politische Diskussionen und Kontaktabrüche. Das ging mir alles  so an die Nerven, dass ich oft dachte, wären sie nach dem Abi doch zu einem Sozialdienst in einem Altersheim verpflichtet worden. Das würde die jungen Leute erden und ihnen einen realistischen Blick aufs Leben ermöglichen. Danke an Manuel N.. Der beste Freund meines Sohnes ist übrigens Krankenpfleger auf der Intensivstation und tut ihm gut. Ich halte inzwischen die rechts-links Kämpfe für ziemlich unproduktiv. Menschliche Annäherung findet immer unterhalb jeglicher Ideologie statt.

Dr Stoermer

19. Januar 2024 09:42

@ Der Sinnierer:
Die jetzige Höchststufenpflegegeneration ist diejenige, die die geburtenstarken „Boomer“ zur Welt gebracht hat (Kinder pro Frau in DE, 1950: 2,5 / 1960: 2,4). Die 1,4-Kinder-pro-Frau-Generation wird erst noch klapprig.
Aber davon ab: Sie machen mit Ihrer „Selbstschuld-These“ das große philosophische Fass des freien Willens auf. Menschen treffen ihre Entscheidungen aber unter eingerichteten materiellen und psychologischen Bedingungen, die sie nicht selbst schaffen. Wir kennen dies aus dem Gefangenen-Dilemma, wonach es aus rationalen Gründen zu irrationalen Entscheidungen kommt. Für rechte Gedankengebäude kann also nicht allein ein „jeder ist sich selbst der nächste und muss halt mit seinen Fehlentscheidungen leben“ gelten, denn das ist für sich genommen liberalistisch und somit eine der beiden Verschleierungshilfen für das globale Großkapital (Ihre These könnte auch von Milei kommen, um mit einer verfilzten Bürokratie gleichzeitig die letzten Reste staatsvölkischer Institutionen abzuräumen).
Anstand, Sittlichkeit und Verantwortungszuwachs derjenigen, die der Gleichzeitigkeit von Lust und Last des Draufschauenkönnens unterliegen, gebieten es, an der Herstellung solcher Umstände zu arbeiten, die es auch bei begrenzter Rationalität des Individuums ermöglichen, für sich und die Gemeinschaft gedeihliche Entscheidungen zu treffen. Mithin ein Gleichgewicht zwischen Einzel- und Kollektivinteressen, das nicht von übelwollenden Illusionisten gekapert werden kann.

Monika

19. Januar 2024 10:02

Noch ein letztes Wort zur unsäglichen Ideologisierung unseres Volkes durch die   fehlende generationsübergreifende Erfahrungsvermittlung. Wenn  heute die Generation Greta bei einer "Demo gegen Rechts" in Köln  tatsächlich meint:  "Jetzt können wir endlich herausfinden , was wir anstelle unserer Urgroßeltern getan hätten"  , dann ist das nicht nur unendlich dumm und realitätsabgelöst, sondern hochgefährlich. Wer die Realitäten des Nationalsozialismus und realen Kommunismus so verharmlosend   internalisiert hat, der wird in noch größerem Ausmaße der nächsten menschenverachtenden Ideologie aufsitzen und zum Opfer fallen. Auf einem anderen Schild stand: "Wenn man eine Demo braucht, um zu sagen, dass man ein Recht auf ein sicheres Leben hat " Leute, es gibt kein sicheres Leben. Das Leben ist immer lebensgefährlich, wie es bei Erich Kästner so schön heißt. Das könnt ihr im Altersheim lernen.

Volksdeutscher

19. Januar 2024 10:25

@Das Kapital - "Arbeit am Wochenende und an Feiertagen. Immer kranke alte stinkenden Menschen anschauen und anfassen. Dauernd Gejammer, Leiden und Sterben. Wer will sich das schon ein ganzes Berufsleben anschauen und antun, wenn es auch ohne und wohlmöglich auch besser bezahlt geht?!"
Das ist alles richtig, man weiß aber, daß unser Gesundheitssystem ohne die wert- und aufopferungsvolle Arbeit der in ihm beschäftigten nicht funktionieren könnte. Übrigens, auch Ärzte in der forensischen Medizin, Gerichtsmediziner und Pathologen haben mit nicht gerade appetitlichen Dingen zu tun, auch ihre Arbeit beginnt nicht um 9:00 und endet nicht um 16:00. Müllmänner und Müllfrauen, Putzfrauen und Putzmänner haben den ganzen Tag über mit der Beseitigung von Abfällen zu tun, die wir zurücklassen. Wir Außenstehenden, die einem "sauberen" Beruf nachgehen, können uns gar nicht vorstellen, was andere, die im Gesundheitssystem arbeiten, dazu bringt, ja beseelt, jene Arbeiten zu tun, und wenn es sein muß, ein Leben lang. Das Geld ist bestimmt nicht die Motivation dabei, geschweige denn die günstigen Arbeitszeiten. Es ist auch die Frage, ob wegen guter Verdienstmöglichkeiten mehr Menschen sich für den Beruf des Krankenpflegers entscheiden würden. Ich weiß es nicht. Sie könnte zunächst einmal der Abwanderung von Pflegekräften aus dem Gesundheitssystem entgegenwirken. Das an sich wäre schon ein Gewinn.

Laurenz

19. Januar 2024 11:11

@Volksdeutscher & FH ... kann alle Ihre Argumente nachvollziehen. Die meisten haben etwas für dieses Land geleistet, keine Frage. Kinderlose haben vor allem nicht die Gesellschaft mit Kindergarten-, Schul- & sonstigen Ausbildungskosten belastet & die Kinder der anderen mitfinanziert, da Ausbildung enorm teuer ist, auch keine Frage. Meine Emotionen sind so ziemlich dieselben, wie Ihre. Aber man kann nicht mit Emotionen Politik machen, schon gar keine Verantwortung übernehmen.
Volksdeutscher: Waren Sie schon mal in einem Schwellenland? ZB Thailand, Brasilien oder noch härter, Kenia oder Senegal? Dort existiert sowas gar nicht. Man stirbt mit 40 oder 50. Mit den Geburtenstarken in der Rente, kann man nicht jede Arbeitskraft in den Heil- & Pflegebereich stecken. Wir brauchen immer noch die Masse in der Produktion, der Wertschöpfung, um dieses Land am laufen zu halten. Das zukünftige BSP/GDP wird nicht reichen. Lieber Pflege im Ausland, als keine Pflege. Das BSP, was da ist, werden wir in unsere Kinder stecken müssen.

ofeliaa

19. Januar 2024 14:12

Wirklich gut geschrieben. Ein Altern in Würde,  das wünsche ich allen. Meine Ur- und Großeltern sind ja väterlicherseits auch aus Schlesien vertrieben worden. Ich habe nachgefragt, nur deswegen weiß ich so viel darüber. Ich weiss, keiner aus meiner Familie hat Gewalt durch Polen oder Russen erfahren. Meine Oma wurde in der Schule als Flüchtling zwar ausgegrenzt und sie waren sehr arm, aber ansonsten scheint es keine Traumata zu geben. Ich habe im Krankenhaus gearbeitet, hatte eher das Gefühl, dass sich viele der betagten Personen über arabische Pfleger gefreut hatten. Meine Oma sagte aber immer "So ein schwarzer N****" zu denen. Worüber wir alle immer pikiert und völlig blamiert gekichert hatten. Die Alten haben viel mit den ausländischen Pflegern gescherzt, es schien wenig böses Blut zu geben. Man muss aber auch dazu sagen, dass meine Oma nur im Krankenhaus war, als sie noch geistig fit war, und ihre Zunge noch sehr spitz. Als sie dann wirklich dement und invalide war, wurde sie zuhause gepflegt und ist auch dort verstorben. Also ideal. Ich denke heute gibt es kein Geld, keine Zeit. Pfleger "Iwan" hat sicher keine Zeit für Empathie und ja, es muss sich unbedingt etwas ändern. Andere Länder könnten als Vorbild dienen. Aber das interessiert die Bundesregierung ja absolut nie, ausser die USA, von dort schwappt alles herüber in Hinsicht Medizin, was katastrophal ist, und ein Grund für mich, in den medizinischen Aktivismus zu gehen.

Boreas

19. Januar 2024 14:17

@das kapital Autor Frieda Helbig steht in der Titelzeile.

Volksdeutscher

19. Januar 2024 16:39

1. @Laurenz - "Aber man kann nicht mit Emotionen Politik machen, schon gar keine Verantwortung übernehmen."
Und wer behauptet das? Das bedeutet aber noch lange nicht, daß man sie aus seinen politischen Betrachtungen und Entscheidungen ausschließen muß, kann oder darf, schließlich hat man mit Menschen, also lebenden Wesen zu tun und nicht mit leblosen Gegenständen.
Das bedeutet noch lange nicht nicht, daß man seine Entscheidungen ausschließlich durch Vernunftgründe dominieren lassen oder gar ausschließlich auf solchen aufbauen muß. Vernunftgründe sind nicht a priori vernünftig, wie es an Ihren Einwänden sehen kann.
Das bedeutet noch lange nicht, daß man Beispiele von außereuropäischen, ethnisch und kulturell fremden Völkern heranziehen muß, deren Denkweise, Handlungsweise und Traditionen mit den unseren nicht korrespondieren und so nur als schlechtes Beispiel dienen können. Ihre Auswahl ist daher willkürlich. Es gibt auch andere Völker, deren soziale Gepflogenheiten eher mit den unseren korrespondieren. Warum ziehen Sie nicht die heran? Wir könnten mit dieser Kraft auch Verhaltensweisen von Tieren als nachahmenswerte Beispiele anführen. Haben wir das aber nötig? Wohin würde das führen, wenn Menschen tierische Verhaltensweisen nachahmen würden, anstatt ihre eigene gattungsspezifische Verhaltensweisen zu pflegen und zu verfeinern?
 

Volksdeutscher

19. Januar 2024 16:41

2. Das bedeutet noch lange nicht, daß wir die "Naturrecht" in unsere Gesellschaft einbrechen und grenzenlos walten lassen dürfen. In der menschlichen Gesellschaft hat das Menschenrecht zu bestimmen. Die Natur darf in unserer Gesellschaft nur soweit zum Zuge kommen, wie es unserer gesunden Fortpflanzung dienlich ist. Die menschliche Gesellschaft überlebt in materiellem Sinne zwar durch die Natur, aber in geistigem Sinne nur durch die Kultur, im ersten Falle also durch Vererbung, im zweiten Falle durch Weitergabe kultureller Werte wie Bräuche und Errungenschaften, die die eine Generation der nächsten weiterreicht. Der ausgeprägt zivilisierte soziale Umgang zwischen den Menschen gehört ebenfalls zu diesen geistigen Werten. Und da wäre noch ein anderer Aspekt, nämlich der rechtliche. Niemand, der Bürger unseres Staates und auf Pflege angewiesen ist, darf behandelt werden als wäre er kein Angehöriger unserer Volksgemeinschaft, oder gar deswegen abgeschoben werden. Frieda Helbig hat in ihrer Erwiderung auf womöglich Ihre Ausführungen geantwortet, daß ein Mensch auch ohne Kinder in die Welt gesetzt zu haben ein wertvoller Teil der Gemeinschaft sein kann, einfach durch die Arbeit, die er für sie sein Leben lang geleistet hat. Sie müssen verstehen, daß Menschen keine Wertpapiere sind und sie nicht wie solche behandelt werden wollen und können. Ich denke, Sie können doch auch Wertpapiere nicht wie Menschen behandeln. Sehe ich das richtig?

Volksdeutscher

19. Januar 2024 17:02

3. Um einem Mißverständnis zuvorzukommen: Hobbes viel zitierte Erkenntnis "homo homini lupus", von der Sie, wenn ich mich recht erinnere, angetan sind, war von ihm nicht als Handlungsideal gedacht worden, das zu verwirklichen und zu pflegen wäre, sondern eine melancholische Erkenntnis, die den in ihr beschriebenen Zustand beklagt. Nur die Kultur kann dieser Barbarei der Natur wirkungsvoll begegnen, ihrer Unmenschlichkeit Einhalt gebieten und das menschlich Geistige, das sich auch im Ideal der Caritas ausdrückt, über Generationen hinweg erhalten. Wir werden als Menschen nicht höher entwickelt, wenn wir auf die Stufe des Tieres herabsteigen.

Frieda Helbig

20. Januar 2024 00:13

@Kriemhild:
Nun, es gilt ja das Wahlgeheimnis, daher bleibt das spekulativ. Aber folgende Arbeitsthese: ein Großteil der Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen ist kognitiv eingeschränkt, viele sind gesetzlich betreut. Hierzu: https://www.biva.de/startseite/duerfen-menschen-die-unter-betreuung-stehen-waehlen/
Eine betreute Person ist nur dann von ihrem Wahlrecht ausgeschlossen, wenn ein Betreuer mit dem Aufgabenkreis „Besorgung aller Angelegenheiten“ bestellt ist (§ 13 Nr. 2 Bundeswahlgesetz und § 14 Nr. 2 Thüringer Landeswahlgesetz). Sprechen Sie im Vorfeld einer Wahl mit dem Betreuten, ob er seine Stimme abgeben möchte. Kommt etwa wegen körperlicher Gebrechen nur eine Briefwahl in Betracht, ist darauf zu achten, dass rechtzeitig ein Antrag auf Erteilung eines Wahlscheines gestellt wird. Die maßgebliche Frist ist der Wahlbenachrichtigung zu entnehmen. Ist der Betreute des Lesens unkundig oder durch körperliche Gebrechen daran gehindert, die Wahl selbst vorzunehmen, kann er sich derHilfe einer anderen Person bedienen. Näheres hierzu ist den Briefwahlunterlagen zu entnehmen oder am Wahltag im Wahllokal zu erfragen.
Briefwahl als Betreuer mit einem Dementen - wessen Wahlentscheidung wird angekreuzt? Mh...

Frieda Helbig

20. Januar 2024 00:27

@Manuel N hat sehr gut beschrieben, was uns als Pflegekräfte motiviert und antreibt. Was dieser Beruf an unmittelbarer wertschätzender Rückmeldung gibt, ist unbezahlbar - und wiegt den "stinkenden Dreck" zehnmal auf. Als Pflegekraft empfinde ich meine Tätigkeiten nicht als überwiegend schmutzig-stinkend o.ä. Es gibt soviele Pflegetätigkeiten ohne Kacka und Pipi :-) 
Dazu mehr im bald folgenden Beitrag...
 

ede

20. Januar 2024 00:47

@Dr Stoermer: Sie haben da einen wichtigen Aspekt angesprochen. Gerade unter Rechten können und sollten wir auch stolz sein auf das Verständnis für die Schwachen, und für die, denen die Kraft fehlt gegen den Strom zu schwimmen. 
Letztlich wird jetzt erst endgültig der Krieg verloren. 
Ich möchte mich bei @Manuel für seine Hoffnung gebenden Worte bedanken. 
@Frau Helbig: danke für Ihre einfachen und doch so einleuchtenden Worte zum Sterben. Genau so haben wir es bei meiner Mutter gehalten. Irgendwann wollte sie nicht mal mehr einen Teelöffel essen. Ich hab ihr dann leise einen alten Schlager vorgesungen. 
Nicht schubsen, aber auch nicht an den Füßen festhalten. 

Franz Bettinger

20. Januar 2024 09:22

Was die vielen Alten den wenigen Jungen (den ach, so bedauernswerten ;-) noch hinterlassen haben ist: Geld / Besitz. Das Einzelkind erbt viel mal mehr als das Kind einer Großfamilie. Das wird gern übersehen. Aber: die heutigen Jungen haben Rechnen verlernt. Eine zuhause (einer Seniorin) helfende und 24 Std. lebende Serbin kostet 1.500€ / Monat, ist also viel günstiger als die Zuzahlung fürs Pflegeheim (>3000 € / Monat). 

Oderint

20. Januar 2024 09:43

Wie @RMH schon bemerkt hat, dürfte Euthanasie ein ganz großes Thema werden. Wenn die Boomer ins pflegebedürftige Alter kommen, bricht unser Pflegesystem zusammen, daran kann keiner mehr etwas ändern. Die heimischen Jungen, welche die Boomer pflegen könnten, sind nie geboren worden und Osteuropa ist jetzt schon personell ausgetrocknet, da kommt nicht mehr viel nach.
Wer nicht im Armenhaus landen oder eine schwere Bürde für die eigenen Kinder - sofern vorhanden - sein will, wird sich mit dem Gedanken an einen selbstbestimmten Abgang anfreunden müssen.
Ich hatte in den letzten Jahren mit einigen Alterssuiziden in meiner Umgebung zu tun - durchwegs Männer um die 80 - und komme zu dem Schluss, dass es mittelfristig für alle Beteiligten die beste Lösung war. Für die Angehörigen war es im ersten Augenblick furchtbar, zumal die gewählten Todesarten keinen erfreulichen Anblick boten; Besonders schlimm ist es, wenn Kinder die Entdeckung machen. Am Ende, mit zeillichem Abstand, waren die meisten aber wohl erleichtert.
Es braucht dringend eine gesetzliche Neuerung für einen würdigen, selbstbestimmten Abgang, bei dem die Angehörigen eingebunden werden  können, ohne mit einem Fuß im Gefängnis zu stehen. Und die Enttabuisierung eines Phänomens. das bei Naturvölkern zur Normalität gehört.

RMH

20. Januar 2024 12:55

Die Themen Pflege und Tod sind unbequem, könnten aber die Boomer Generation aufrütteln, wenn ihnen klar wird dass es nun doch nichts mehr mit death by rock n roll wird
 https://youtu.be/BX6KILafIS0?si=hRSHD82MIsEyiodN
und dass das von der Politik ihnen verkaufte Heilmittel der Migration ihnen ihre vollgeschissenen Windeln am Ende auch nicht wechseln wird. Insbesondere der letzte Punkt muss klar aufgeklärt werden: Migration wird unser demografisches Problem nicht lösen! Das sollte in alle Köpfe - JETZT.
 

links ist wo der daumen rechts ist

20. Januar 2024 14:08

Gut, an der Front brodelt es, daher widmet man sich der Etappe, in diesem Fall den Sanitätern…
Der sog. „Pflegenotstand“ wird seit mindestens zwei Jahrzehnten thematisiert (und in Wahlkämpfen zugespitzt), allein es tut sich nichts.
Ich mußte mich um einen Elternteil jahrelang kümmern, ich tat es nicht aus „Liebe“, sondern aus Pflichterfüllung. Auch die Zeit vor der sog. „häuslichen Pflege“ war sehr zeitintensiv und hat meinen Lebensstandard sehr gedrückt; ein lukrativer Job im Ausland mußte aufgegeben werden, einen weiteren konnte ich nicht mehr annehmen. Urlaube gab es keine, die wurden zuhause verbracht, um den Haushalt aufrechtzuerhalten.
Zwei Feststellungen:
Gerade die konservativen Parteien, die bei jeder Gelegenheit die Bedeutung der Familie und den familiären Zusammenhalt betonen, haben NICHTS getan. Familiäre Pflege müßte als Beruf anerkannt werden (irgendwann sind auch 2-3 Monate „Pflegekarenz“ im Jahr zu wenig, sofern man überhaupt Anspruch hat).
Bei den mobilen Pflegekräften hat es sich zu 100% um Autochthone gehandelt; was da der Vorteil war, weiß ich nicht. Grobe, dumme, ungebildete Leute – warum die diesen Beruf gewählt haben? Deren Parole: ab ins Heim (Pflegeheime sind lukrative Industriezweige).
Da die letzte Phase der häuslichen Pflege während Corona stattfand, erspare ich den Lesern die Erfahrung mit einer unheilvollen Allianz aus Ärzten, mobilen Pflegekräften und Krankenhaus- und Pflegeheimpersonal.

Laurenz

20. Januar 2024 14:57

@RMH ... Der Tod, ob von Rock 'n*' Roll oder sonstwas, ist doch nicht das Problem, obwohl heute die Bestatter nicht über mangelnde Auftragslage klagen, sondern über immer mehr werdende Billig-Beerdigungen, was die wirtschaftliche Situation der Lebenden jetzt schon bestens beschreibt, obwohl noch viele Geburtenstarke arbeiten. Ich darf mich ohne mein eigenes Zutun von & zu Laurenz schreiben, weil mein Vater kurz vor Seinem Ende nur etwas Unterstützung brauchte & nicht bettlägerig vegetieren mußte. Meine Mutter, 85, braucht mich nicht. Mache nur Ihren Papierkram, weil Sie keinen Bock darauf hat. Ich danke aus vollem Herzen Hel & Freya für jeden Tag, der so läuft. Das Problem ist der zukünftig 20 Jahre anhaltende Pflegebedarf der weniger Glücklichen, bei gleichzeitig reduzierter Wirtschaftsleistung & absehbaren Pfelgekräftemangel, weil übermäßig viele Alte, bei weniger Jungen. Das sind einfache Rechnungen, auch für Hauptschüler. Die Japaner suchen deswegen ihr Heil in der Robotik. Wir suchen Orientalen, die kaum ihren Namen schreiben können. Da kann ich auch meinen Hund als Pflegekraft ausbilden.

deutscheridentitaerer

20. Januar 2024 15:03

Auch ich habe selbstverständlich größten Respekt vor der pflegerischen Arbeit, aber auch ein Grauen vor der Pflegesituation.
 
Auch die beste Pflegesituation ändert doch nichts an der grundlegenden Unwürdigkeit dieses teils auf ein Jahrzehnt verlängerten Endes. Niemals werde ich mir und meinen Angehörigen Jahre der Demenz o.ä. antun.

pasquill

20. Januar 2024 15:14

Ein hervorragender Artikel! Sehr wichtiges Thema, mit vielen Aspekten. Zu dem finanziellen reicht ein Stichwort: 50 Milliarden für Migranten jährlich, davon liessen sich durchaus auch Alte besser pflegen.
Für meinen Geschmack müsste noch stärker themtisiert werden, dass die vielen multimorbiden Alten auch das Ergebnis der "Erfolge" der westlichen Schulmedizin sind. Letztlich werden die Menschen hierzulande zu alt, werden oft durch Übertherapie am Leben gehalten, wodurch sich oft die Leidensstrecke zum Lebensende hin verlängert. Vernünftige Palliativmediziner mahnen hier schon längst und plädieren für den Ausbau einer guten Palliativersorgung, die auch die Möglichkeit zu passiver und aktiver Sterbehilfe beinhalten sollte. Meines Erachtens liegt hierin das Tabu, dass in Deutschland Sterbehilfe nicht erlaubt ist, sondern trotz höchstrichterlicher Entscheidung massiv erschwert wird. 

Werner42

20. Januar 2024 16:25

Also mit der Kernaussage des Textes tue ich mich schwer. Ja, ich halte sie tatsächlich auch für falsch. Wenn etwas im Pflegesystem schief läuft - wie auch überhaupt im sozialen Bereich,  dann sind es grundsätzliche Parameter wie Betreuungsschlüssel, Qualität der Ausbildung, berufsbegleitenden Schulung und gut ausgebildete, ausgesuchte und vor allem motivierte Heimleitungen. 
Meine Mutter war als Alzheimerpatientin fast zehn Jahre im Pflegeheim - wenn es Probleme gab dann lagen die nicht an den Pflegekräften mit Migrationshintergrund. In weiten Teilen waren diese sogar besonders herzlich und liebevoll, während altgedientes deutsches Personal öfter klassisch ruppig und unempathisch agiert hat.
Und das Argument das die Generation der Kriegstraumata nicht verständnisvoll genug betreut wird stimmt wohl so auch nicht immer, weil viele Pflegekräfte von diesen Problemen wohl oft mehr Ahnung haben als wir wohlstandsverwöhnten Deutschen. Aber das Thema spielt im Pflegealltag sicher sowieso kaum eine Rolle.
Ganz davon abgesehen das der größte Teil dieser Generation ja wirklich schon ausgestorben ist. Was jetzt gerade mit Ende 70 bis Mitte 80 in den Heimen sich befindet sind die Kriegskinder.
Was natürlich richtig ist, dass man sich therpeutisch insgesamt viel mehr mit der psychischen Prägung der Kriegskinder und jetzt vor allem jetzt der Kriegsenkel beschäftigen muss:  die haben durch Erziehung, Erzählung und auch epigenetische Prägungen viel mehr von den Kriegstraumata abbekommen  als bisher angenommen.

Frieda Helbig

20. Januar 2024 17:29

@pasquill stellvertretend für alle zum Thema Lebensende und Schulmedizin:
Daß hier nichts durcheinander kommt zur Sterbehilfe.

Aktiv heißt Töten/Umbringen mittels Medikament, welches genau mit diesem Ziel appliziert wird. Aus guten Gründen nicht erlaubt.
Passiv heißt, den Tod in Kauf nehmend auf Therapie zu verzichten oder aber Nebenwirkungen, die zum schnelleren Tode führen (Stichwort Morphin) in Kauf zu nehmen. Aus guten Gründen jederzeit möglich und nicht strafbar und mittels Patientenverfügung festlegbar!!!

 Zum Thema Schulmedizin/Primat der Heilung darf ich hierhin verlinken: https://sezession.de/65159/gesundheitssystem-gesundheit-als-system
Ein Vortrag zu diesem ganzen Themengebiet ist fertig, sollte hier ehrliches Interesse bestehen, mögen sich bitte die Interessenten beim Hausherren melden, dort gäbe es meine Kontaktdaten. Ich würde mich dann bei den Interessierten melden und einen Onlinevortrag anbieten.

Laurenz

20. Januar 2024 17:51

@pasquill ... In der mobilen Palliativ-Betreuung wird schon das stärkste Morphium als Nasenspray gegen Schmerzen beim kurz bevorstehenden Ende verschrieben/übergeben, was wohl auch den Tod im bisher legalen Rahmen beschleunigt. Das ist ein schwierges Feld, mit dem sich auch die Bürger mehr befassen müßten. Alte werden vergeleichsweise selten Opfer von Verbrechen, aber eben auch unendeckt gemordet. Es ist eine Frage der Moral, nicht der Religion. Vegetieren ist nicht human. Da haben Sie Recht. https://www.sueddeutsche.de/panorama/ungeklaerte-todesursachen-tausend-unentdeckte-morde-1.196861

Der Sinnierer

20. Januar 2024 18:24

Ich habe lange gehadert, ob ich überhaupt antworten solle. Denn der Artikel ist sehr gut, und ich lenke vom Inhalt mit einem meiner Steckenpferde, dem Narzißmus der ab ca. 1930 geborenen, ab. @DrStoermer läßt unberücksichtigt, daß die 1960 Gebärenden, bei einem Erstgebärendenalter von ca. 25 Jahren, heutzutage mindestens 89 Jahre alt sind. Die nicht-narzißtischen Menschen sind also schon großteils tot und entsprechend hat ein zunehmender Großteil der zu pflegenden Menschen eben doch einen ich-fixierten Lebensstil mit wenigen Kindern geführt ("Pillenknick"). Abgesehen von solchen rechnerischen Kleinigkeiten ist es wichtig über den Untergang unserer Gesellschaften laut zu reden, wobei die Ich-Fixierung hierbei sehr wesentlich ist. Leider kann man öffentlich nicht darüber reden, weil die BabyBoomer als absolute Mehrheit sich einer solchen Diskussion entweder durch Ausreden verstellen ("transgenerative Traumata", "Kriegskinder", "Unwissenheit" etc.) oder einfach nur mit Wut und Irrationalität reagieren. Als Angehöriger der Generation Y werde ich das also wohl erst nach deren Ausscheiden größer thematisieren können - schade, wobei wir im rechten Lager diese Ich-Tendenz durchaus sehen sollten. Dennoch, Frau Helbig, allergrößten Dank für Ihren Artikel und Ihre sehr wertvolle Arbeit, wie auch all Ihren Kollegen!

das kapital

20. Januar 2024 19:38

Der Name Frieda Helbig hat mich irritiert, weil er im Netz mit einem Mordfall in einer Familie verknüpft ist. Es darf ja gerne ein Pseudonym sein. Nicht jeder kann es sich beruflich wie privat erlauben, hier unter Klarnamen zu schreiben. ///@Volksdeutscher - Ich habe selbst Pflegeerfahrung in einem Altenwohn- und pflegeheim gesammelt. Ist schon Jahrzehnte her, ist aber eine wertvolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Ich glaube allerdings, dass Menschen das nicht ihr ganzes Leben lang machen sollten, sondern höchstens zehn Jahre.

Franz Bettinger

20. Januar 2024 19:49

Euthanasie (griechisch) bedeutet guter Tod, schönes Sterben - aka Sterbehilfe. Ein selbstbestimmter Tod kann würdevoll sein; würdevoller als ein unwürdiges Dahinsiechen. Er kann schmerzlos, einfach, und mit handelsüblichen (sogar billigen) Mitteln vollzogen werden, hauptsächlich mit Morphium als Tablette oder i.m.Spritze. Wie @Oderint & @Pasquil richtig schreiben, werden aufgrund fachlicher Unkenntnis von Sterbewilligen aus Verzweiflung oft Todesarten gewählt, die gelinde gesagt suboptimal sind. In D verdienen sich Palliativ-Teams damit eine goldene Nase, goldener aber noch damit, Menschen unnötig lange in den Tod zu quälen durch unnötige das Leben verlängernde Maßnahmen, die nicht dem Patienten sondern monetären Interessen dienen. Es ginge einfacher. Aber das Thema Sterbehilfe ist in D tabu und wird mit viel falschem Weihrauch anästhesiert. 

Fonce

20. Januar 2024 20:32

Gerade ist mir der provokative Gedanke eingefallen, dass wir die kinderlosen (oder -armen) Boomer nicht unterschätzen sollten, weil dank ihnen und ihrer Kinderlosigkeit eine aufgelockertere Gesellschaft entstanden ist, die sich auch mal Zeit nimmt, über die Dinge nachzudenken. Vielleicht müssen wir ihnen sehr dankbar sein.* Laurenzens Gedanke, dass man sie später einmal deportieren (oder «exportieren») sollte zeigt mir etwas: Seinen Kontrollwahn.
(* Vorher war es in der Gesellschaft von der Stimmung her etwa so säuerlich wie in einem Pflegeheim.)

Frieda Helbig

20. Januar 2024 20:41

@Werner42:
Dank auch Ihnen für Ihre Rückmeldung. Die Kernaussage ist jedoch nicht, Deutsche sind per se bessere Pflegekräfte und Ausländer pflegen scheisse. Es ging doch darum aufzuzeigen, daß kultursensible Pflege, wenn man sie ernst nimmt, keine Einbahnstraße ist. Ihr Schluß vom Einzelnen (Ihre persönliche Erfahrung) auf das Allgemeine ist hier, wie in anderen Kontexten unsinnig (mein Vater rauchte 60 Jahre und bekam keinen Lungenkrebs - deswegen ist Rauchen aber nicht unschädlich; ich kenne einen gutintegrierten Flüchtling - was hast Du nur gegen die Migranten). Es ging doch darum aufzuzeigen, daß man das Verhalten der Menschen richtig deutet und entsprechend handelt und nicht vor lauter Geschichtsvergessenheit und politischer Korrektheit weitermacht. Also "Pfleger Iwan" ist eine coole Socke und pflegt ordentlich, aber bei Frau K. gehts halt nicht! Die polnischen Haushaltshilfen machen gute Arbeit und versorgen das Ehepaar L. ohne Fehl und Tadel - sie werden gewaschen und angekleidet, die Wohnung ist sauber, das Essen schmeckt. Das ändert doch aber nichts an dem Unbehagen der Alten und dem Unvermögen der Söhne, es zu deuten und darauf einzugehen. 
Es geht darum, (endlich) zu verstehen und zu verinnerlichen, daß eine menschengemäße Pflege mehr ist als die bloße Abarbeitung von Verrichtungen. 
 

Frieda Helbig

20. Januar 2024 20:45

@Sinnierer:
Danke! Und lassen Sie Ihre Gedanken ruhig raus. Ist doch toll, wie hier lebhaft diskutiert wird.

Franz Bettinger

20. Januar 2024 21:14

Wie gut Morphin als Schmerzmittel oder Sterbehilfe wirkt, hängt von Körpergewicht, Art der Aufnahme (iv, im, peroral, rektal...) & evtl. bereits bestehender körperlicher Toleranz ab. Die Gewöhnung beginnt ab dem ersten Einnahmetag. Es gibt bei Morphin nach oben kein Ende der Toleranzbildung, d.h. chronische Morphinisten können sehr hohe Mengen verkraften. Es gibt keine 'Normaldosis'. Deshalb werden, neben M, auch andere Mittel eingesetzt. Leider steht das sehr gute Phenyl-Barbiturat (früher war dies das klassische Schlaf-, aber auch Selbstmord-Mittel) in D dem Menschen nicht mehr zur Verfügung; Tiere bekommen's noch (z.B. Kositza’s Zigeuner-Pferd), wenn auch oft off label. "Fragen Sie Ihren Veterinär des Vetrauens" ;-) 

Laurenz

20. Januar 2024 21:45

@Werner42 ... Sie haben den Vogel abgeschossen. Das ist auch der Grund, warum ich an hiesigen, wenig realitätsbezogenen Beiträgen vom Teilnehmer @Volksdeutscher wenig Freude habe. Wegen 20 Jahren wenig Rente oder wenig Pflege, kann man ein Land nicht mit Migranten/Fremden fluten. China hat dasselbe Problem, allerdings bei 1,4 Milliarden Menschen. 35 Jahre 1-Kind-Politik & die Chinesen konnten rechnen, wußten, was das für eine ganze Generation im Alter bedeutet. Wer & wo soll 35 Jahre lang 300 oder 400 Mio. alte Chinesen pflegen? Ja, niemand. Wenn man keinen "Lebensraum" erobern will, müssen wir uns von unserer Überbevölkerung trennen & nicht Migranten importieren. Europa muß noch nicht mal mit Zwang, wie China, wenig Kinder "verordnen". Die Europäer machen das freiwillig. Denn, wenn der Überhang aus einer geburtenstarken Generation tot ist, stimmen Alterspyramiden wieder. 

Frieda Helbig

20. Januar 2024 22:25

Und täglich grüßt...
Ein Artikel über menschengemäße Pflege für das eigene Volk und dessen anfängliche Auseinandersetzung damit im Kommentarstrang führt nun zu den besten Tötungsmedikamenten. Ich bin es ehrlich nach über 20 Jahren Beschäftigung mit dem Thema leid. Pflege wird entweder mit Ausscheidungen in Verbindung gebracht oder mit Euthanasie. Der Großteil der Pflegearbeit hat mit beiden nichts zu tun. Letztendlich ist das auch einer der Gründe, warum Pflegearbeit genau diesen gesellschaftlichen Stellenwert hat und es keiner mehr machen will. Es beginnt damit das Positive und Schöne dieses Berufsfeldes aufzuzeigen.
Danke und Gute Nacht!  

Götz Kubitschek

21. Januar 2024 15:22

feierabend. frieda helbig wird nachlegen. das thema ist wichtig.

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