Politik als Beruf? Über den Zustand der eigenen “Blase”

Sollte man die Politik tatsächlich so intensiv erotisch oder quasireligiös besetzen, daß man sich kaum mehr von ihr lösen möchte?

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

Kei­ne Fra­ge, wir alle sind – als zoon poli­ti­kon – von der Poli­tik betrof­fen und im Umkreis des All­täg­li­chen zwangs­läu­fig dar­in han­delnd unter­wegs. Aber das ganz gro­ße Rad dre­hen wol­len, Ver­än­de­run­gen erseh­nen und dafür – aus­neh­mend poli­tisch – tätig werden?

Demo­kra­tie, heißt es, wäre das Non-plus-ultra, stell­te den Gip­fel­punkt poli­ti­scher Geschich­te und die bes­te gesell­schaft­li­che Errun­gen­schaft für die Gerech­tig­keit dar. Zudem Gewal­ten­tei­lung, Checks and Balan­ces, Trans­pa­renz, Pres­se­frei­heit – wie segens­reich doch!

Wir soll­ten uns glück­lich schät­zen, in einer Demo­kra­tie zu leben, und wir soll­ten freud­voll und kun­ter­bunt divers in ihr mit­wir­ken, wir müß­ten sie schüt­zen und, ja, sie regel­recht lie­ben. Wir soll­ten uns zu ihr „beken­nen“ – so wie das Fleisch gewor­de­ne Vor­bild aller deut­schen Demo­kra­ten, Frank-Wal­ter Stein­mei­er in „Bel­le­vue“, „unser“ Bun­des­prä­si­dent, Anfüh­rer der selbst­er­klärt Anstän­di­gen und so gewis­ser­ma­ßen König der bes­ten aller mög­li­chen Welten.

Die Gött­lich­keit der Mon­ar­chie, das Got­tes­gna­den­tum, wur­de seit der frü­hen Neu­zeit in Fra­ge gestellt, umge­kehrt wird sie für die moder­ne Demo­kra­tie mehr und mehr behaup­tet, so vehe­ment, daß jede Infra­ge­stel­lung als Blas­phe­mie gilt. Vom Staats­bür­ger­kun­de-Unter­richt der Schu­len an sind Hosi­an­na-Rufe ver­ord­net. Die AfD soll daher im Gegen­satz zu den „mora­lisch gesinn­ten Bür­gern“ allen­falls als „semi­de­mo­kra­ti­sche Kraft“ gel­ten, so die Wort­lö­sung von Eck­hard Jes­se in der FAZ.

Für mich selbst sehe ich – im Unter­schied etwa zur Rechts­staat­lich­keit, die mir wich­tig ist – in der Demo­kra­tie kei­ne Wirk­mäch­tig­keit, außer daß ich alle paar Jah­re zu einer Wahl auf­ge­mun­tert wer­de, an der ich als ver­schwin­dend klei­ner Bruch­teil, eher sym­bo­lisch also, teil­neh­me. Daß Demo­kra­tie und Rechts­staat­lich­keits­ga­ran­tie direkt von­ein­an­der abhän­gen, dürf­te nicht zwin­gend so sein. Selbst das alte Preu­ßen konn­te wohl als Rechts­staat gel­ten, kaum aber als Demokratie.

Mir per­sön­lich jeden­falls brach­te die demo­kra­tisch gewähl­te Exe­ku­ti­ve ein Berufs­ver­bot ein, das sie mir nicht erläu­tern möch­te und zu dem sie – trotz mei­ner vor­ge­tra­ge­nen Bit­te dar­um – nicht gesprächs­be­reit ist, ver­mut­lich weil sie sich hoch­herr­schaft­lich das Recht auf den arro­gan­ten Luxus nimmt, mich per­sön­lich zu ver­ach­ten. Akzep­tiert. Die ande­ren sind offen­bar wirk­lich mehr.

Es gibt also zwi­schen der exe­ku­ti­ven Poli­tik und mir – trotz des Dau­er­be­kennt­nis­ses der Herr­schen­den zum „Dis­kurs“, sogar zur „Dis­kurs­ethik“ – kei­ner­lei Kom­mu­ni­ka­ti­on, außer jener indi­rek­ten in der Form, daß sich die „demo­kra­tisch legi­ti­mier­te“ Exe­ku­ti­ve von mei­ner rand­stän­di­gen Publi­zis­tik belei­digt und getrig­gert fühlt und daher mei­ne beruf­li­che Exis­tenz meint ver­hin­dern zu dür­fen und zu müs­sen. Von Poli­tik bin ich zwangs­läu­fig betrof­fen, gestal­ten kann ich sie nicht. Dazu fehlt mir die Macht, aber die zu gewin­nen stre­be ich ande­rer­seits nicht an.

Im Sin­ne Max Stir­ners kann ich sagen, daß die Poli­tik die­ses Lan­des lei­der nicht „mei­ne Sach‘“ sein kann. Ande­re mögen dar­in eher zu Hau­se sein, nur wun­dert es mich, welch auf­ge­reiz­te Hoff­nun­gen all die Par­tei­gän­ger ver­schie­de­ner Rich­tun­gen mit ihren angeb­li­chen poli­ti­schen Mög­lich­kei­ten ver­bin­den – häu­fig nicht weni­ger als eine irdisch erwart­ba­re und fina­le Erlö­sung von allem Unge­mach, das wie­der­um Mensch und Mensch­heit doch auf Dau­er bestän­dig beglei­tet hat. Die­se schick­sal­haf­ten Wider­fahr­nis­se sind das ein­zig Ver­läß­li­che; mit ihnen gilt es per­sön­lich zurecht­zu­kom­men – wie über­haupt mit der Kontingenz.

Was aber ist mei­ne Sache? Mein enge­res Umfeld, mei­ne Spra­che, mein Hei­mat­land, das grö­ßer und älter ist als die Ber­li­ner Repu­blik, mein Nach­den­ken aus Neu­gier, die Suche nach ursprüng­li­cher Natür­lich­keit und der täg­lich neue Anspruch, ver­ant­wor­tungs­voll gegen­über den Nächs­ten und der Natur zu leben. Noch las­sen enger wer­den­de Ein­schrän­kun­gen das zu.

Wenn ich dezent Demo­kra­tie­gläu­big­keit hin­ter­fra­ge, heißt es: Ja, es ist doch his­to­risch schon so uner­meß­lich viel bes­ser gewor­den! – Ist es das? Wirk­lich? Tech­nisch wohl, denn wer woll­te etwa zurück in Zeit­al­ter gerin­ge­rer medi­zi­ni­scher Mög­lich­kei­ten? Aber kul­tu­rell oder vom see­li­schen Dasein her – bes­ser gewor­den? Alles? Dank der Demo­kra­tie? Das kann ich nicht fin­den, und das habe ich, erwach­sen gewor­den, nie erwar­tet. Poli­tik ver­fährt mar­xis­tisch, wenn sie meint, der Mensch wür­de bes­ser, wenn ihm güns­ti­ge­re Bedin­gun­gen ein­ge­rich­tet sind.

Alle Erweckt­heit, alle qua­si­re­li­giö­se und erlö­sungs­be­dürf­ti­ge Inbrunst, mit der Poli­tik betrie­ben wird, ist mir suspekt. Im Beispiel:

Aus Zwangs­läu­fig­keit bin ich pas­si­ver Teil­neh­mer meh­re­rer Chat­grup­pen einer poli­ti­schen Par­tei. Wäh­rend ich nie das Bedürf­nis ver­spür­te, dar­in irgend etwas zu for­mu­lie­ren, lese ich zuwei­len, was die ande­ren mit enor­mer Aus­dau­er und Enga­ge­ment pos­ten. Das Wenigs­te davon inter­es­siert mich, lie­ber lese ich Zei­tun­gen, gern gera­de jene der ver­meint­li­chen Gegenseite.

Aber ich bemer­ke fas­zi­niert, daß die­se Chat­grup­pen vor allem eine Funk­ti­on haben: Man ver­si­chert sich gegen­sei­tig bestän­dig, genau dort und nur dort rich­tig, ja eigent­lich zu Hau­se zu sein – im Hort des rech­ten Glau­bens. Und man ver­ehrt immer mal einen neu­en poli­ti­schen Hei­land, der gekom­men ist, alles Unbill poli­tisch zu beenden.

Denn was man dort rund um die Uhr ritu­ell als allein­se­lig­ma­chend bekennt, das ist nur, aus­schließ­lich nur dort in der Gemein­de der Gleich­ge­sinn­ten bekenn­bar. Man scharrt im Netz, um Zita­te und Links auf­zu­fin­den, die wie Ban­ner hoch­ge­hal­ten wer­den, um die eige­ne Über­zeu­gung noch stich­hal­ti­ger zu bewei­sen – für die noch tie­fe­re Gewiß­heit, hier und nur hier rich­tig pla­ziert zu sein, im Sin­ne der ein­zig guten Sache, des ein­zig erstre­bens­wer­ten Ziels und sol­cher­art in manich­äi­scher Wei­se unter­schie­den von allen, die noch Irr­we­ge gehen, weil sie, so die Über­ein­stim­mung, völ­lig ver­peilt, ver­blen­det und eher wohl krank unter­wegs sind und nicht erken­nen kön­nen, was den Getreu­en in der eige­nen Bla­se über­ein­stim­mend abso­lut evi­dent erscheint. Über­läu­fer wür­den jedoch als geheilt ange­se­hen und in die Arme geschlos­sen, wenn sie, end­lich erweckt, den Weg zur Her­de des guten Hir­ten fänden.

Bei der Vehe­menz und Per­ma­nenz, mit der man sich in sol­chen Grup­pen – oder auf Sit­zun­gen, Mee­tings, Par­tei­ta­gen – aus­tauscht, fra­ge ich mich oft: Gehen die über­haupt mal in die Natur, atmen die noch ruhig und tief durch, fah­ren die Rad, haben die in Haus und Gar­ten nichts zu erle­di­gen, ver­lan­gen deren Kin­der nicht nach ihnen, brau­chen deren Eltern kei­ne Pfle­ge? Lesen die irgend­wann etwas ande­res als die eige­nen Par­tei-Fly­er und ihre sich selbst bestä­ti­gen­de Agitation?

Offen­bar nicht: Das Leben die­ser Chat-Dis­ku­tan­ten und Par­tei­fa­na­ti­ker ist rund um die Uhr pri­mär Poli­tik, Poli­tik, Poli­tik; von ihr ver­spre­chen sie sich das Ent­schei­den­de, also Ret­tung, Aner­ken­nung, Schutz, Erfolg, letzt­lich Heil und Segen und glei­ßen­de Zei­chen der Aus­er­wählt­heit. Auch die beflis­se­nen Hel­fer, die für ihre Ido­le Wahl­pla­ka­te auf­hän­gen, wol­len irgend­wie belohnt werden.

Kann Poli­tik, ob rech­te oder lin­ke oder irgend­wel­che, das bie­ten? Oder:

Soll­te man wirk­lich poli­tisch auf Ret­tung hof­fen? Pri­mär? Spielt das Leben nicht glück­li­cher­wei­se anders­wo und so zwi­schen ganz ande­ren Men­schen als die­sen chro­nisch poli­tisch Infi­zier­ten? Skep­sis gegen­über poli­ti­schem Gedöns, das Ver­mei­den von Gläu­big­keit gegen­über Poli­tik, ihren Phra­sen und Ideo­lo­gis­men iden­ti­fi­zie­re ich als ten­den­zi­ell rechts.

Ade­nau­er pfleg­te mit Lei­den­schaft Rosen. Wie sym­pa­thisch. Hät­te er sie nicht zu sei­nem ideel­len und emo­tio­na­len Zen­trum machen kön­nen? Ging nicht, wird man argu­men­tie­ren, denn er hat­te als Zen­trum- bzw. CDU-Poli­ti­ker eine Sen­dung, die er ver­wirk­li­chen muß­te. Was aber wur­de aus die­ser Sen­dung? Irgend­was von Bestand? Sei­ne Rosen­stö­cke gibt es jedoch noch immer.

In Ver­mei­dung des Begrif­fes Exis­ten­tia­lis­mus und wie der von Kier­ke­gaard bis Sart­re, Heid­eg­ger und Jas­pers so gefaßt wird:

Wir exis­tie­ren, und dafür braucht es – u. a. für Regeln, Nor­men und Recht – Poli­tik. Aber das Exis­tie­ren beginnt nicht mit dem Poli­ti­sie­ren. Leu­te, bei denen es aller­dings so zu sein scheint, sehen auch danach aus – Saskia Esken, Kevin Küh­nert, Ricar­da Lang und all die ande­ren Kari­ka­tu­ren ihrer selbst.

Und nein, das meint mal nicht deren sym­pto­ma­ti­sche Phy­sio­gno­mie, son­dern viel­mehr deren Exis­ten­z­wei­se. Zwangs­läu­fig ist der Berufs‑, der Vollblut‑, der Dau­er­po­li­ti­ker ein Kunst­we­sen, ein Schau­spie­ler, ein Per­for­mer, ein Pla­kat­grin­ser, eine Mensch gewor­de­ne Bot­schaft. Wich­tig ist ihm, daß er sich zei­gen kann, daß er erwähnt wird, daß er statt­fin­det, daß man ihm ein Mikro hin­hält und ihn bestän­dig ablich­tet. Daher die inne­re Ver­wandt­schaft mit dem Ander­sen­schen Kai­ser und sei­nen neu­en Kleidern.

Aber kein Hand­wer­ker führt sich so auf, kein Land­wirt, nicht mal durch­gän­gig alle Leh­rer. Soll­ten sich recht­schaf­fe­ne Leu­te wirk­lich von Poli­ti­kern zwei­fel­haf­ten For­mats „reprä­sen­tiert“ füh­len kön­nen? – Doch, das kann man eben­so auf der rech­ten Sei­te des Spek­trums aus­pro­bie­ren. Ist’s mei­ner­seits arro­gant, wenn ich mich von nie­man­dem reprä­sen­tiert sehe, ja nicht mal von irgend­wem reprä­sen­tiert sein möch­te, schon gar nicht von Typen die, abge­ho­ben, für eine „Idee“ leben, weil sie mit dem Leben selbst all­zu vie­le Rech­nun­gen offen haben?

Nach mei­nem Emp­fin­den liegt ein Segen viel­mehr dar­in, so poli­tik­fern wie nur mög­lich zu leben. Befreit von der Illu­si­on, das Leben wür­de bes­ser, gar glück­li­cher, wenn nur der Rich­ti­ge einen ver­tritt. Man ver­tre­te sich selbst, das heißt: Man sei man selbst, so gut oder schlecht das dank oder trotz irgend­wel­cher Poli­tik mög­lich sein mag. Rich­tig und gut gegen­über sei­nem Nächs­ten und sich selbst zu han­deln nimmt einem kei­ner ab, ja darf einem kei­ner abneh­men, Poli­tik schon gar nicht.

Es muss einem einer­lei sein kön­nen, wer im Kanz­ler­amt oder im Schloß Bel­le­vue sitzt, so wie es mei­nem Urgroß­va­ter egal sein muß­te, wer gera­de Kai­ser ist. So, wie mein Groß­va­ter wäh­rend der Schlacht an den See­lower Höhen eher auf sein Über­le­ben hoff­te als auf den Füh­rer. Unse­re enge­ren Ange­le­gen­hei­ten sind nicht poli­tisch, und wir dür­fen sicher dar­auf ver­trau­en, daß bei­na­he jeder Poli­ti­ker unrühm­lich endet. Man den­ke dar­über nach, wes­halb das so ist.

Es geht nicht um Pas­si­vi­tät, die, heißt es, ja dazu führt, daß man her­um­ge­schubst wird. Es geht viel­mehr sogar um gestei­ger­te Akti­vi­tät, die die Poli­tik des Gro­ßen und Gan­zen zwar wach ver­folgt, aber ihr kei­ne letzt­gül­ti­gen Rech­te über das urei­ge­ne Leben ein­räumt, das man selbst zu ver­ant­wor­ten hat – für oder gegen die Poli­tik, für oder gegen die Mehr­heit, ja auch für oder gegen das Gesetz, denn Poli­tik oder Gesetz sind so oder so.

Und man selbst ist man selbst und eben nicht das Gro­ße und Gan­ze, selbst wenn man zu der Mehr­heit gehört, der in der Demo­kra­tie kurio­ser­wei­se zuge­spro­chen wird, sie fän­de zu den bes­se­ren und klü­ge­ren Ent­schei­dun­gen als die Min­der­heit oder gar man selbst.

Und von Esken, Küh­nert oder Lang oder von wel­cher die­ser so eit­len wie tra­gi­ko­mi­schen Figu­ren von links bis rechts auch immer ist kei­ne Lösung zu erwar­ten. Nein, auch von den sich lau­fend selbst bestä­ti­gen­den Akteu­ren in der eige­nen Chat­grup­pe oder Bla­se nicht.

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

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Kommentare (99)

Mitleser2

8. Mai 2024 10:45

Im Prinzip Zustimmung. Warum wundern sich Politiker über immer weniger Respekt, wenn man alleine die sich immer weiter verbreitende infantile Hüpferei betrachtet. Ich muss allerdings einwenden, dass ich mit einer Westbiographie die Zeit zwischen 1969 und 1989 anders und besser erlebt habe, auch wenn dabei Nostalgie eine Rolle spielen mag. 

Maiordomus

8. Mai 2024 11:07

@Bosselmann. Schön, lieber Kollege, wie Sie an Adenauer hier als Rosenfreund erinnern. Es gibt, in der Mitte zwischen Luzern und Aarau, den Schlossgarten von Heidegg, wo er sich, wie noch häufiger in Cadenabbia am Comersee aufhielt und wo an beiden Orten an ihn unter dieser Eigenschaft erinnert wird. Er war, ausser als Bürgermeister von Köln und BK bis 1963, nie Berufspolitiker und übrigens dem Klerus gegenüber misstrauisch, bis hinauf zum Kardinal Frings. Es fehlte ihm auch, 13 Jahre älter als AH, die mit heutigem Zungenschlag verlangte Reue über die deutsche Schuld. Er verwies, bei Einsicht in jeweils konkret berechtigte Wiedergutmachung, auf eine starke, ihm unsympathische Lobby im Osten der USA, auf die D gegenwärtig nun mal Rücksicht nehmen müsse.
Demokratie als konkrete Mitbestimmung des Wahlkörpers, sei es Griechenland, seien es die seit 1387 wie heute Regierungen zu vereidigenden Schweizer Landsgemeinden, setzt ein Milizsystem voraus, zumindest letztinstanzlich entscheidende dürfen, wollen sie nicht korrumpiert sein, nicht von der Politik leben. Für den Landammann von Glarus  war es sogar noch um 1900 unehrenhaft, ein Gehalt zu beziehen, so wenig wie bei Sokrates als Schöffe. Trotz moderner Verkomplizierung bleibt an diesem Grundgedanken etwas politisch-ethisch richtig. Es setzte voraus, dass der Staat weder für einen selber noch für die ganze Gesellschaft über zeitlich bedingte Situationen hinaus als Verteilungsapparat mit automatischer Anspruchsberechtigung  zu betrachten sei. Schon gar nicht für Politiker!    

Laurenz

8. Mai 2024 12:04

@HB ... Politik oder nicht ... Darf ich Ihnen mehrere Verwechselungen unterstellen? 1. Wir sind & waren noch nie eine Demokratie, sondern sind eine Parteien-Oligarchie, welche eine mögliche Demokratie mit ein paar Tricks seit 1949 boykottiert. Zu den Tricks gehören weisungsgebundene Staatsanwaltschaften, Abstimmungen im GG Artikel 20 (2) unterschlagend, Stände-Privilegien, wie das Beamtenrecht etcetc. 2. Esken, von Beruf Straßenmusiker, Kühnert, Kaffee-Schubse im Callcenter, Lang, nichts, Göring-Eckardt, Küchenhilfe, sind keine Politiker, es sind reine Politik-Darsteller, schlechte Schauspieler an der Macht, was sich zwangsläufig aus dem Mangel an Demokratie, also mangelnder Konkurrenz ergibt. 3. Die Genannten & andere sind genauso dumm, aber nicht dümmer, als der schwäbische & ost-elbische Hochadel Preußens, der die Geschicke des II. Reichs bestimmte. Das II. Reich überlebte ob der dümmlichen Führung nur 48 Jahre, die völlig verblödete Berliner Pseudo-Republik schon 35 Jahre. 4. Der Unterschied zwischen Linken & Patrioten ist ein jeweiliges Gen. Die Linke Politik hat das vaterlandslose Herrschaftsgen der Feudalisten, die Patrioten hingegen fühlen in einer Art Narzißmus das gesamte Volk in sich. Ohne solch ein Gen, gehören Sie, HB, zur Dispositionsmasse.

Niedersachse

8. Mai 2024 12:27

Entschuligen Sie, Herr Bosselmann, wenn ich jetzt etwas polemisch werde: Die Frage, ob "Politik mich retten kann" ist doch absurd. Natürlich sollte Politik kein Fetisch werden, oder gar Lebensinhalt für den Normalbürger. Aber Politik hat nuneinmal die Aufgabe, gewisse Rahmenbedingungen zu setzen, die sich auch unmittelbar auf das Leben des Einzelnen auswirken. Dementsprechend können- und sollten- wir auch mit der Wahl einer anderen Partei wie AfD/ freie Sachsen die Hoffnung verbinden, dass gewisse Rahmenbedingungen besser werden, anders geht es doch gar nicht. Sie Herr Bosselmann, könnten mit Sicherheit unter einem AfD- Kultusminister in Meckpomm wieder als Lehrer arbeiten, wir hätten ein anderes Bildungssystem/ Niveau, keine Überfremdung usw usf...Also, um die oben gestellte Frage zu beantworten: Ja, Politik kann retten. Vor allem die innere Sicherheit, die nationale Identität, die Bildung und vor allem: Menschenleben! Wie viele Menschenleben hätten gerettet werden können, hätte es die millionenfache politisch gewollte Ansiedlung Kulturfremder nicht gegeben?! Martin K. aus Paderborn könnte noch leben, genauso Daniel Hillig, Daniel Sievers sowie unzählige andere Opfer importierter Kriminalität der letzten 10-20 Jahre. Das die antideutschen Faschisten der Altparteien sich in peinlicher Selbstbezeichnung als "die Demokraten" bezeichnen, spottet jeder Beschreibung. Sie sind es nicht!

Laurenz

8. Mai 2024 12:28

(2) ... 5. Die Patrioten fühlen sich zurecht durch die gescheiterte Revolution von 1848/49 betrogen. Das Scheitern dieser Revolution reicht bis heute. 6. Niemand erwartet von Ihnen das Sitzfleisch eines Politikers. Aber damit erübrigt sich auch Ihr Jammern hier. Deutschland hat ca. 11k Kommunen, 294 Stadt- & Landkreise, meist mit Ehrenamtlichen besetzt. Wenn Sie für eine Partei im Haupt- & Finanzausschuß Ihrer Gemeinde sitzen, erwarten Sie 2 - 3 drangegebene Abende die Woche, die überaus spannende, jedes Jahr die mehrere hundert Seiten lange Lektüre Ihres Gemeindehaushalts, mit Prüfung aller einzuhaltenden gesetzlichen Vorgaben & Verordnungen. 7. Hinzu kommt die persönliche, mühselige, Geduld fordernde Auseinandersetzung mit vielen geistig Minderbemittelten, aus anderen Parteien & der eigenen Partei, in der Gemeinde-Politik, ähnlich, wie mit dummen Schülern. Natürlich müssen Sie an Sich halten & die Minderbemittelten ernst nehmen. Zumindest müssen Sie so tun als ob. Sie, HB, reden Sich aber mit diesem Artikel einfach raus, Verantwortung für Ihr Land zu übernehmen, überlassen es den Eskens, Kühnerts & Langs.

das kapital

8. Mai 2024 13:00

Entweder du wirst von xxxlöchern regiert, oder du regierst selbst. Wenn Du regierst, dann wirst du mit der Zeit eben genau zu dem xxx loch, von dem Du nicht regiert werden wolltest. Deformation professionelle. /// Bei der Partei Werteunion anscheinend bei den Landesverbänden schon vor der Gründung festzustellen? Null Basisdemokratie. Sachsen mit etwa 25 Gründern. Alle anderen anscheinend gar nicht aufgenommen. Der Landesvorstand des Vereins nicht aufgenommen?! Die 25 wie auch immer "Handverlesenen" machen dann den Vorstand und die Landesliste unter sich aus. Und diejenigen, die aus dem demokratischen Prozess ausgeschlossen bleiben, obwohl sie jahrelang im Verein ehrenamtlich vorgearbeitet haben, sollen dann hinterher Unterschriften sammeln, Handzettel verteilen, Beifall spenden. Echtes Geld auch. Vielleicht hat der Verein auch noch Wahlkampfmittel zur Verfügung, damit alles gut wird. /// Irgendjemand sprach da von "Kaderpartei". /// Leute verprellen klappt schon mal. Unterschriften sammeln wird schon schwieriger. Und erst recht wird es spannend, wie die Kader ihre 5 % zusammenbekommen wollen. /// Irgendwie scheint ja die BSW das besser gelöst zu haben. ///

Boreas

8. Mai 2024 13:06

@Laurenz Dazu habe ich nur Beifall zu klatschen, nichts hinzuzufügen und mir ein Wiener Lager zu öffnen, um mich auf den morgigen Himmelfahrts-Schnefter einzustimmen. Was ist das mit der "Cicero"-Meldung von der Auflösung des IfS?

Ernestine

8. Mai 2024 13:12

Ihr Beitrag stellt Ihre sehr persönliche Sichtweise zum Thema Politik dar. Diese respektiere ich.
Für meinen Mann und mich - wir sind seit einem Jahr mit unserer kleinen Kraft aktiv in der AfD - stellt das politische Engagement eine weitere Vervollkommung unserer von Gott geschenkten Berufung dar. Und deshalb, weil wir uns diese Berufung nicht selbst gegeben haben, sehen wir unser Engagement völlig unverkrampft und losgelöst von etwaigem politischen Erfolg. Dieser liegt nämlich nicht in unserer Macht.
Was ist das Problem, wenn wir uns vorrangig in unserer Blase bewegen? Jemand, der beispielsweise eine klösterliche Berufung lebt, tut dies doch auch. Und was ist das Problem, wenn man in der Politik Vorbilder findet, von denen man lernen kann? 
Mir persönlich erscheint Ihre Sichtweise, im Moment jedenfalls, etwas zu fatalistisch... 
 

das kapital

8. Mai 2024 13:32

Wie ist das eigentlich mit der "Werteunion"? Rechnet irgendjemand damit, dass die in Sachsen fristgerecht die erforderlichen Unterschriften zusammenbekommt? Haben die eine Basis? Oder regiert dort der Westen? Spricht bei denen jemand sächsisch ? /// In Sachsen scheint ja nun auch noch das Bündnis Deutschland antreten zu wollen. Rechnet irgendjemand damit, dass es für Unterschriften für beide Listen reicht? /// Parteimitgliedschaft ist klug für 20.000 und maximale Dummheit für die restlichen 980.000. Du ordnest dich nur denen unter, die dich und dein Land vernichten. Nur die größten Kälber wählen ihre Schlächter selber. Innerparteilich wie insgesamt.

Monacensis

8. Mai 2024 13:38

Lebe im Verborgenen - wussten schon die alten Griechen. Und in einem im besten Sinne liberalen Staat, der versucht den besten Rahmen für das Staatsvolk zu schaffen bzw. zu bewahren, funktioniert das auch. In einem Staat, der sich die kulturelle Liquidation des Staatsvolkes zur Aufgabe gemacht hat, müssen Rechte - trotz aller Vorbehalte - politisch werden. Sonst ein Grund mehr, warum sie immer verlieren.

das kapital

8. Mai 2024 14:26

@ Monacensis: Hier werden alle untergebuttert und für rechts erklärt, um den Machtmissbrauch der Herrschenden xxx zu legitimieren. Kann der durchschnittliche angepasste Bürger hier und heute noch gut und sozial abgesichert leben? Nein! Kann er nicht! In der DDR waren Umweltsauereien und Stasi und Mauer und Hohenschönhausen und Jugendwerkhöfe. Und weniger Wohlstand. Dennoch konnte der durchschnittliche angepasste Bürger dort besser und mit weniger Schmerzen leben als heute. Eine vermeintliche Demokratie, welche derart übergriffig ist, sucht weltweit ihresgleichen. Jetzt muss ein Elon Musk eine Frau Kaiser aus dem Großraum Verden gegen die Übergriffigkeit unserer "Demokratie" verteidigen und es reicht immer noch nicht mit der der Übergriffigkeit. Wenn ich eine amtliche Statistik verteile, dass Afghanen eine höhere Kriminalitätsrate haben als Ureinwohner, dann soll das schon strafbar sein. Wo verdammt noch mal sind wir gelandet? Ich wünsche mir die Bonner Republik zurück, andere eine etwas bessere DDR. So übergriffig wie heute hatten wir es lange nicht mehr.

Le Chasseur

8. Mai 2024 15:26

@Laurenz"@HB ... Politik oder nicht ... Darf ich Ihnen mehrere Verwechselungen unterstellen? 1. Wir sind & waren noch nie eine Demokratie, sondern sind eine Parteien-Oligarchie, welche eine mögliche Demokratie mit ein paar Tricks seit 1949 boykottiert."
Volle Zustimmung. Wir leben in einer Pseudo-Demokratie oder Fassaden-Demokratie, wobei die Fassade in den letzten Jahren immer brüchiger wurde.
"Ich rede von der Demokratie als von etwas Kommendem. Das, was schon jetzt so heißt, unterscheidet sich von den älteren Regierungsformen allein dadurch, dass es mit neuen Pferden fährt: die Strassen sind noch die alten, und die Räder sind auch noch die alten." --Friedrich Nietzsche

Adler und Drache

8. Mai 2024 15:34

Lieber Kollege Bosselmann, Sie haben alles Notwendige zum Thema gesagt und mir vollends aus dem Herzen gesprochen. Ist diese Verflachung des Menschlichen, meinetwegen auch Allzumenschlichen, dieses Abschmelzen in die Eindimensionalität vielleicht auch ein Generationenphänomen? Man kann das ja nicht nur bei Politikern beobachten, auch bei Schauspielern, Studenten, Zollbeamten ... bei Zeitgenossen allgemein. Sie wirken auf mich oft so dünn, so belanglos, geschmacklos und fad.  
Mit epikuräischen Grüßen!  

Le Chasseur

8. Mai 2024 15:36

@Heino Bosselmann
"Für mich selbst sehe ich – im Unterschied etwa zur Rechtsstaatlichkeit, die mir wichtig ist – in der Demokratie keine Wirkmächtigkeit, außer daß ich alle paar Jahre zu einer Wahl aufgemuntert werde, an der ich als verschwindend kleiner Bruchteil, eher symbolisch also, teilnehme."
Ihre und meine Stimme hat Nullkommanull Auswirkung auf die Zusammensetzung eines Parlaments (Landes-, Bundes- oder EU-Ebene) und noch weniger auf die personelle Zusammensetzung der Regierung (das Kungeln nach der Wahl die Parteien aus). Insofern könnte man sich den Gang zur Urne sparen. Aber wenn jeder so dächte, hieße unsere Kanzlerin Annalena Baerbock.

Wahrheitssucher

8. Mai 2024 15:38

Herrn Bosselmann, Ihr stärkster Abschnitt, faktisch unbestreitbar:
"Für mich selbst sehe ich – im Unterschied etwa zur Rechtsstaatlichkeit, die mir wichtig ist – in der Demokratie keine Wirkmächtigkeit, außer daß ich alle paar Jahre zu einer Wahl aufgemuntert werde, an der ich als verschwindend kleiner Bruchteil, eher symbolisch also, teilnehme. Daß Demokratie und Rechtsstaatlichkeitsgarantie direkt voneinander abhängen, dürfte nicht zwingend so sein. Selbst das alte Preußen konnte wohl als Rechtsstaat gelten, kaum aber als Demokratie."

herbstlicht

8. Mai 2024 15:38

@das kapital, 8. Mai 2024 14:26:  »Frau Kaiser«
In Schweden ist man ein Schrittchen "weiter": förtal (Verleumdung) bedeutet dort juristisch nicht Verbreitung von rufschädigenden Unwahrheiten, sondern  rufschädigende Aussagen in der Öffentlichkeit. auch wahre, und ist strafbar.  (Erinnere vage einen ähnlichen Fall wie K. vor einigen Monaten in S.)  Habe einmal nachgeschaut: bis ca. 1960er war auch in S für den juristischen Begriff Verleumdung Unwahrheit notwendig.

Le Chasseur

8. Mai 2024 16:15

@das kapital
"Ich wünsche mir die Bonner Republik zurück (...) So übergriffig wie heute hatten wir es lange nicht mehr."
Warum sollten wir uns mit so wenig zufrieden geben?

das kapital

8. Mai 2024 16:30

Also darf man @ herbstlicht den Ruf der afghanischen Prügelanten, Messerstecher und Vergwaltiger nicht mehr dadurch schädigen, dass man aus Statistiken zitiert. Sind die schutzwürdig ! Aber sowas von.

Klaus Kunde

8. Mai 2024 17:42

Politik in Deutschland krankt an ihrer fehlenden Elite, meinte Sieferle. Die findet sich stets dort, wo gesellschaftliche Anerkennung zu finden ist. Wirtschaft und Wissenschaft sind zu ihren Domänen geworden, längst nicht mehr Politik, die findet sich im sozialen Ranking mittlerweile zwischen Drogendealern und Kinderschändern. Ein Betätigungsfeld für Parvenüs und Einfallspinsel aller Art. Wer auf Besserung hofft, dem ist nicht zu helfen.
Die Fundamente des Landes lösen sich auf. Irgendwann zerbricht jede Form, und die Zeit läuft aus.

Maiordomus

8. Mai 2024 17:59

"Politik als Beruf" ist, wie bei HB nicht ausgeführt, Buchtitel des Soziologen Max Weber. Paralleltitel: "Wissenschaft als Beruf". Beide Studien = Klassiker der Politik. Weber würde wohl HB insofern gegen Polemiken entlasten, dass nach ihm in Wissenschaft wie in Gesellschaft , wollen beide frei bleiben, es keinen Politikzwang geben darf; bei der Wissenschaft plädiert Weber dafür, dass Theoriebildung grundsätzlich von polit. Verantwortung sogar "entlastet" sein dürfe: zB. treibe ich Kernforschung oder mache mir wie P. Singer Gedanken darüber, ob es nicht aufs selbe rauskomme, statt ein Kind abzutreiben es im Falle schwerer Schädigungen nachgeburtlich zu eliminieren: worüber ich als Lehrer  einen dialektischen Besinnungsaufsatz für Abitur nicht schreiben lassen durfte: "undiskutierbar", würde Kandidaten überfordern usw. Theoretisch sollte indes alles erörtert werden dürfen; praktisch, so Weber, stehe man politisch in "Verantwortung"; Praxis dürfe nicht bedingungslos radikal sein. Siehe je maximal radikales Handeln in Flüchtlingspolitik in beide Richtungen.
@HB nimmt im Sinne Weber haltbare Position ein; es bleibt Einwand v. Unwünschbarkeit u. kontraprod. Wirkung, würden alle so denken. Selber wünsche mir trotz Achtung vor historischer Leistung Adenauers die Bonner Republik nicht zurück. 
      

Maiordomus

8. Mai 2024 18:11

@Klaus Kunde. Ihre beiden letzten Sätze sind "historizistisch" und genau so falsch wie diejenigen, die sich zum "Sieger der Geschichte" ausrufen; habe Bosselmanns Aufsatz nicht so gelesen.
Einige oben haben, vgl. Laurenz, mit einer gewissen Berechtigung, ohne platonische Technokraten zu sein, auf eine kaum zu glaubende Unterqualifikation demokratisch gewählter Politiker incl. -innen hingewiesen, die unter diesen Voraussetzungen für qualifizierte Berufe mit nachprüfbaren Leistungen nicht bewerbungsfähig wären. Ich muss die sarkastischen Formulierungen nicht wiederholen. Übrigens war auch bei AH, wenn ich richtig im Bilde bin, die erste feste Berufsausübung (oder war er vorher noch Oberregierungsrat im Beamtenstatus?) Reichskanzler, wozu er im Gegensatz zu einem Kunstgewerbler keinen Abschluss und keine Qualifikation brauchte.  
 

Wahrheitssucher

8. Mai 2024 19:56

@ Le Chasseur
"Insofern könnte man sich den Gang zur Urne sparen."
Das Gegenargument dürfte Ihnen bekannt sein: Wenn es denn so wäre, warum wirft man dann der Alternative einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine...?

LaTorreMurcia

8. Mai 2024 20:44

Bosselmann hadert weiter mit seinem faktischen Beschäftigungsverbot an staatlichen Schulen. Er sollte lieber froh darüber sein, diesen ganzen ideologischen Zirkus als Lehrkraft nicht mitmachen zu müssen: Aktionstage gegen Rechts, Anti-Rassismus-Projekte, Fridays-for-future-Unterrichtsgänge, Kollegien, die zu 90% links-grün sind usw. usf.  Zudem hebt er ja immer wieder die Kurrumpierung besagter Gestalten an den Fleischtöpfen der Macht hervor. Auch dies bleibt ihm erspart, ansonsten gälte das Motto: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing und die Hand, die einen füttert, beißt man nicht. 
Es gibt kein richtiges Leben im falschen!Dann sein gewohntes Öko-/zurück-zur-Natur-Sinnieren. Bosselmann bastelt sich sein ganz privates Biedermeier. Dass man die Kloake "Soziale Netzwerke" meiden soll - geschenkt. Vielmehr zolle ich sämtlichen Aktivisten rund um die AfD meinen Respekt! Was die tagtäglich riskieren: Körperverletzung, wirschaftlich-soziale Ächtung. 
 
 

das kapital

8. Mai 2024 22:09

@ Le chasseur Die Bonner Republik hat funktioniert. So wenig war das gar nicht. Wohlstand für alle war nicht heiße Luft, sondern der Lebensstandard der gesamten Mittelschicht ist nachhaltig gestiegen. Mehr Demokratie wagen hat auch funktioniert. Willy Brandt und Helmut Schmidt haben ohne Fratzen und Bratzen wie Faeser und Haldenwang unbedrängt regieren können.

Le Chasseur

8. Mai 2024 22:11

@Wahrheitssucher"Das Gegenargument dürfte Ihnen bekannt sein: Wenn es denn so wäre, warum wirft man dann der Alternative einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine...?"
Weil die AfD eine kritische Masse mobilisieren kann. Wenn ich am 9. Juni der Urne fernbleibe, ändert sich nichts am Wahlergebnis. Und Seehofer hat's doch gesagt: "Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden."

Laurenz

8. Mai 2024 22:13

@Maiordomus @Klaus Kunde ... erwarte keine zertifizierten Abschlüsse. Ich selbst hatte ungern Abi & eine Berufsausbildung hinter mich gebracht, Prüfungsstreß, wenn es sich einrichten ließ, vermieden. Bis auf einige Lehrer & Mentoren, denen ich dankbar bin, hatte ich mir die meiste Bildung als Autodidakt angeeignet. Die Pappenheimer, die HB im Artikel erwähnte, wissen rein gar nichts. Diesen Leuten zuzuhören, wenn sie leere, nichts sagende Textbausteine dreschen, bereitet Qualen. Wer sich mit AH etwas auseinandergesetzt hat, weiß um die jeweiligen Lücken. Aber immerhin war er Soldat, mit EKII & Verwundetenabzeichen, hatte das Grauen des Krieges erlebt.

Gracchus

9. Mai 2024 01:30

Ich finde Bosselmanns Position sehr verständlich und sympathisch; zudem ist der Beitrag gut geschrieben. Nicht jeder muss die Position teilen. Das wäre eher fatal. Also kann man sich Kritik daran auch sparen. Wer sie nicht teilt, kann sich aber ruhig eine Scheibe abschneiden. Denn die vornehmste staatliche Aufgabe sehe ich darin, Frieden zu schaffen (nach innen und außen), damit man sich auch anderen Dingen widmen kann als Politik, nämlich Ökonomie, Kunst, Bildung, Wissenschaft oder Familie. Alle diese Bereiche liegen derzeit im Argen. Dagegen helfen keine "demokratische Beschwörungen". 
 

Florian Sander

9. Mai 2024 02:04

Volle Zustimmung zu LaTorreMurcia. Ich bin heute jeden Tag dankbar, kein FH-Dozent mehr zu sein - die Ausbildung von Polizisten und Verwaltungsbeamten für diesen Staat, die damals meine Aufgabe war, könnte ich heute nicht mehr vertreten. In der Tat: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Insofern sollte das inzwischen jetzt doch recht lange Hadern mit dem Berufsverbot schon zur eigenen Zufriedenheit ein Ende finden.
Zustimmen muss ich allerdings HBs Abschnitt über die Chatgruppen. Wer etwas sozialpsychologisch bewandert ist und das Phänomen des "Gruppendenkens" kennt, der rollt angesichts mancher selbstreferenzieller Zirkel (Blasen) dann doch oft die Augen. Ich habe mich aus so vielen dieser Gruppen (die mich meist schlicht langweilen) verabschiedet wie möglich. Was aber - und hier durchbricht die verachtete Politpraxis wieder HBs fatalistische Dichotomie - auch für einen AfD-Aktivisten eigentlich relativ unproblematisch möglich ist. Aber natürlich nur wünschenswert, wenn man neben alldem noch ein Privatleben hat. Politikern und Aktivisten ohne Privatleben - von denen es leider auch bei "uns" nicht wenige gibt - sollte man stets mit Misstrauen begegnen.

Laurenz

9. Mai 2024 04:55

@Florian Sander ... Chat-Gruppen sind für jene hilfreich, die viel arbeiten müssen & wenig Zeit haben, zu recherchieren. Desweiteren haben sie eine soziale Funktion. Viele menschliche Bindungen wurden in der Vergangenheit durch Politik & Mordsdemie getrennt. In eine Gruppe weiß man, daß man nicht alleine ist.
@Le Chasseur @Wahrheitssucher ... die größte Schwäche der Rechten (Ex-Konservativen) ist der eklatante Geldmangel. Wählerstimmen bringen der AfD Geld. Daher zählt jede Stimme.
@Das Kapital @Le Chasseur ... Bonner Republik ... Ihr Gedächtnis ist wirklich nicht gut. Das hatten wir über die Jahre jetzt oft genug. Der Erfolg der Bonner Republik lag in der geopolitischen Situation der BRD begründet. HB mußte deswegen den antifaschistischen Schutzwall bei den Grenztruppen der DDR bewachen, damit wir unseren Brüdern & Schwestern in der DDR nicht die Bananen klauen oder gleich ganz überlaufen. Es war von strategischem Interesse für den Westen, ein Wohlstandsgefälle von West nach Ost aufrecht zu erhalten.

das kapital

9. Mai 2024 06:00

@ laurenz Die Bonner Republik ist nicht alleine eine Gedächtnisfrage. Der Generation der Großeltern und Eltern ging es dort besser. Die Jahrgänge von sagen wir mal 1911 bis 1922 (Mittelschicht) hatten in den 1960er und 1970er Jahren einen Lebensstandard und eine soziale Absicherung erreicht, von dem sie in ihrer Jugend nicht mal hätten träumen können. Ob das nun "auch" im strategischen Interesse des Westens lag, spielte für die keine Rolle. Es hat für Mittelschicht und Mittelstand funktioniert. Und es hat besser funktioniert, als heute. /// Wer ist übrigens "der Westen". Mittelschicht und Mittelstand in D jedenfalls nicht. NATO, Blackrock und der tiefe amerikanische Staat, der Nordstream weggesprengt hat schon eher. /// Auch die Bonner Republik hat uns keinen grenzenlosen Freiraum gelassen. Aber besser als das, was wir jetzt haben, war sie schon. Erinnern Sie sich gerne etwas genauer daran. /// Heute steht Deutschland und stehen die Deutschen auf der us-amerikanischen Abschussliste, fast wie 1918 und 1945. Die Ampel setzt um, was andere anordnen. Sie haben Macht, weil sie ortsfremden Mächten dienen. Sie würden abgesetzt wie Salvador Allende, wenn sie aufhören würden, den ortsfremden Mächten zu dienen. Die Führung hier ist aber so fest in transatlantische Netzwerken eingebunden, dass es hier gar keine Machtentfaltung jenseits der transatlantischen Netzwerke geben wird. Diese Netzwerke waren bis 1990 bereit, Deutschland leben zu lassen. Jetzt stirbt es erneut.

Maiordomus

9. Mai 2024 08:36

@Laurenz. Im Rückblick  auf das Volk der Dichter und Denker gehe ich davon aus, dass in diesem Lande, gilt auch für die Schweiz, die Zahl der Akademiker, die statt zu zitieren selber wissenschaftlich denken können, seit 250 Jahren von Generation zu Generation ungefähr gleich geblieben ist. Dabei haben, trotz Baerbock u. Co., die Frauen seither vorwärts gemacht, gilt nicht nur für Einsteins Ex-Gattin, die ihm vielfach die mathematische Knochenarbeit leistete. Uberschätzt werden regelmässig Männer u. Frauen, die medial als Stars gehandelt werden, der achtbar eloquente Fernsehphilosoph würde meinen ehem. Logiklehrern nie das Wasser reichen. Sie sollten aber schon sehen, dass es auf jedem Gebiet noch und noch Akadmiker gibt, in der Regel mit Abschlüssen, denen Sie und andere aus der grossen Mehrheit der Abiturienten nie das Wasser reichen; es sind genau die, weil erkenntnistheoretisch Spitze, die historische, meteorologische und sogar auch medizinische Langzeitprognosen knallhart relativieren bzw. auf Null bringen können, weil sie erkenntnistheoretisch und analytisch Spitze sind. Wie gesagt, wird auch Kant mit Schulbuchsprüchen über Aufklärung, die man sich selber zuschreibt, zugedeckt und in den Pointen seiner Erkenntisse kaum von 5%, die seinen Namen kennen, rezipiert. Bei den Bundespräsidenten seit 1949  w a r  der Anteil wohl leicht höher. Bilde mir selber aber auf diese meine Aussage nichts ein.         
 
 

Wahrheitssucher

9. Mai 2024 09:28

@ Le chasseur
Ungeachtet des Seehofer-Zitates, so richtig auch immer es sein mag, muß dann nicht doch jeder einzelne alles dafür tun, eben diese kritische Masse so stark wie möglich zu machen?
Und das geht nun erst einmal durch (m)eine Stimmabgabe...!

Monika

9. Mai 2024 09:53

"Sind wir wirklich anders ?"steht da in dem roten Kästchen neben dem Beitrag von Herrn Bosselmann, der sich immer mehr zum "Anselm Grün  der neuen Rechten" mausert. Das ist nicht despektierlich gemeint, sondern ich begrüße diese eher kontemplative Lebenssicht. Herr Sellner, als Vertreter des aktivistischen Lebensstils, stellt den Gegenpol da. Was ist wichtiger und richtiger ? Vita activa oder vita contemplativa ?  Man müsste beides mal in ein Gespräch bringen. Dann erst wird es interessant. Während Priester und Pastoren inzwischen zu Kaspern der rot-grünen Politik werden, eröffnen die Texte von Herrn Bosselmann durchaus eine spirituelle Tiefe, die man in Kirchen immer weniger findet. Zurück also zur Frage: Sind wir wirklich anders ? Und wenn ja, warum ?

Le Chasseur

9. Mai 2024 10:20

@das kapital
Wenn ich mich entscheiden könnte, in welcher Phase der BRD ich leben möchte, dann würde ich mich für die 70er oder die 80er Jahre entscheiden. Aber man muss sich eben im Klaren darüber sein, dass Deutschland zu dieser Zeit geteilt und keiner der beiden deutschen Staaten souverän war. Und uns in Westdeutschland ging es so gut, weil es der böse Onkel von Übersee so wollte (weil wir das Schaufenster des kapitalistischen Systems zum Ostblock waren), und den Menschen in Ostdeutschland ging es so gut (im Vergleich zu anderen Ostblock-Staaten), weil die DDR eben das Schaufenster des Kommunismus/Sozialismus zum Westen war. Ja, deutscher Fleiß und Erfindungsreichtum spielte auch eine Rolle. Jetzt bemüht sich der böse Onkel, diese Ost-West-Spaltung wieder herzustellen, nur dass Deutschland im Vergleich zum Kalten Krieg keine billige Energie aus Russland mehr beziehen darf, und Kernkraftwerke dürfen wir auch keine mehr betreiben.

Volksdeutscher

9. Mai 2024 10:27

@Bosselmann - "Von Politik bin ich zwangsläufig betroffen, gestalten kann ich sie nicht."
Sie behaupten in diesem Gedanken, daß Sie aktiv/positiv nicht an der Gestaltung der Politik des Landes teilhaben können. Wenn Sie jedoch Ihr Leben und Ihre Gedanken und die Reaktion der Politik auf diese als Beispiel nehmen, können Sie wohl behaupten, daß Sie die Politik passiv/negativ dennoch mitgestalten, da die Politik Ihr Leben und Ihre Gedanken zum Anlaß nimmt, sich in einer Weise zu formen und zu gebärden, wie Sie und wir sie kennen. Lassen Sie mich bitte in Ermangelung einer ausgereifteren Benennung für diesen Prozess den Begriff negative Gestaltung der Politik verwenden. 

Mitleser2

9. Mai 2024 10:30

Off-topic, aber Brodkorb schreibt bei Cicero (hinter Bezahlschranke), dass sich das IfS auflöst. Kommt dazu was?

Le Chasseur

9. Mai 2024 10:43

@Laurenz"Wer sich mit AH etwas auseinandergesetzt hat, weiß um die jeweiligen Lücken. Aber immerhin war er Soldat, mit EKII & Verwundetenabzeichen, hatte das Grauen des Krieges erlebt."
Während seiner Zeit in Wien, als er noch über Geld verfügte, hat Hitler sehr viel gelesen, und zwar nicht nur Karl May. Später umfasste seine Privatbibliothek mehrere tausend Bände: https://en.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler%27s_private_library
"Eine Eigenschaft Hitlers, die alle - auch die ihm nicht Verfallenen - immer aufs neue verblüfft hat, war sein stupendes Gedächtnis (...) Dieses Gedächtnis sowie eiserner Fleiß und eine starke Konzentrationsfähigkeit hatten Hitler im Laufe der Jahre zu einem Wissen verholfen, dessen Fülle und Umfang seine Gesprächspartner immer von neuem verblüffte - es ließe sich dafür manches ehrlich gemeinte Wort der Bewunderung anführen." ( Quelle )

Gimli

9. Mai 2024 11:13

Man darf hierzulande viel kritisieren (wobei auch Wortwahl und Haltung - konstruktiv oder einfach nur zerstörend), sich äußern. WAs immer verwechselt wird: Es gibt außer Nazi-Reliquien in Wort, Bild oder Geste keine Verbote! Aber mit Widerwort muss man rechnen. Wer sich im Ton vergreift, muss harsche Gegenrede akzeptieren. Außer in den harten Naturwissenschaften gibts hierbei aber eben keine knallharten Definitionsgrenzen, nur Grauzonen. Und das alles wir gesellschaftlich ausgehandelt. So einfach. Wer sich jetzt beschwert, er sei nur kleines Rädchen, soll die Welt, die Natur seines Menschseins dafür anklagen  oder sich lokal einbringen im Gemeinderat oder Stadtrat oder nach "oben arbeiten". Wer aufgrund seiner genetisch oder sozial mitgegeben Denkungsart nicht zum Mainstream passt, darf sich auf beschweren. Wie mein behinderter Sohn, dem auch Vieles immer noch verwehrt ist. Aber weniger als früher, die die Zeiten sind inklusiver, Anderssein nicht mehr so schlimm. Dieses um sich selbst drehende Gejammere hier (nicht HB gemeint) mit allerlei Verschwörungsdenken und Umzingelungsgefühl durchwirkt, ist einfach nur noch ... selbstbezügliuch und kleingeistig. Trotz aller Bildung.

Maiordomus

9. Mai 2024 11:46

@Gimli. Es sei ausser dem "Nazi-Zeugs" in der pluralistischen Gesellschaft, meine auch die durchaus freie Schweiz, "nichts verboten", da könnten Sie sich täuschen. Fragen Sie mal den Ethiker Peter Singer, der sich dank jüdischer Herkunft mehr leisten darf als andere, aber auch in Deutschland sehr schlechte Erfahrungen machte, eine These von ihm durfte bei uns nicht mal als Abituraufsatz kontrovers diskutiert werden, für welche Schikane ein Funktionär sogar die Zustimmung meines damals nicht mehr gesunden Philosophenkollegen Hans Saner einholte; ein noch lebender Kollege publiziert demnächst eine Arbeit über in der Schweiz verbotene Filme, die weder hakenkreuzorientiert noch harter Porno waren. Selbst biographische Romane sind schon verboten worden, lächerlich die Schikanen gegen eine Kollegin, die ein Buch über eine lokale Affäre schrieb mit 5% Enthüllungen, die Trump dieser Tage über sich ergehen lassen muss. Von den Schwärzungen und Sprechverboten um Corona haben Sie noch nie gehört. Zu schweigen von: dass, wenn man nicht dran denkt, was man nicht schreiben soll, dann denken sie dir dran. Auch als Kritiker oder Kritikerin v. Feminismus und allein schon wegen interner Meinungsverschiedenheiten unter Homosexuellenbefreiern können Sie problemlos entlassen werden!         

RMH

9. Mai 2024 11:57

"Aber weniger als früher, die die Zeiten sind inklusiver, Anderssein nicht mehr so schlimm." Das sind wieder solche modernen Märchen. In einem christlich geprägten Umfeld war behindert sein schon immer aufgefangen in Fürsorge. Heutzutage müssen aber selbst Behinderte vernutzt werden aka Ausnahmen vom Mindestlohn, Maloche wird als "Teilhabe" verkauft. Und Linke preisen die Totalitarität der Versklavung als Fortschritt. Jeder lebt eben mit seinem "notwendig" falschen Bewußtsein, um seine Funktion ausüben zu können, selbst der Streetfighter ist vernutzt, rafft es aber nicht.
Zum Thema: Politik ist auch eine Form von Technik und Spiel. Erlösung kann und wird sie nie erzielen können. Der mehrfach genannte M. Weber wusste es. Normal-religiöse Gesellschaften wissen das auch. Zivilreligiöse Gesellschaften, wie unsere, ersetzen Gott, das Transzendente durch die Zielvorstellung Paradies auf Erden (auch wenn das keiner so deutlich zugibt), wissen, dass das Loch des Todes auf sie zukommt und werden damit radikaler, verkrampfter, ungeduldig und letztlich hochaggressiv auf allen Ebenen, passiv und aktiv aggressiv, links wie rechts.

Alex Schleyer

9. Mai 2024 12:21

Absolut richtig! Demokratie funktioniert nur im Kleinen, in Gemeinschaften von maximal ein paar tausend Menschen, nicht in abstrakten "Gesellschaften". Sie funktioniert in ländlichen Gegenden der USA, in vermeintlich "abgehängten" Regionen oder auch in dem kleinen Dorf am Mittelmeer, wo ich inzwischen lebe. Wir brauchen keinen Staat, keine Polizei, kein Sozialamt und erst recht nicht auf unsere Kosten wohldotierte Berufspolitiker und ihre Entourage - uns ist die Gemeinschaft (übrigens aus mehreren Nationalitäten) genug. Sie funktioniert allerdings nur unter Gleichen, zumindest Ähnlichen, bedarf also einer gewissen Hegemonie  
 

Alex Schleyer

9. Mai 2024 12:22

Das macht mich nicht zum "Demokratiefeind", es ist mir lediglich völlig egal, ob da Steinmeiers und Faesers ins Mikrofon quaken, flankiert von einem Haldenwang und irgendwelche Beamten irgendwelche Regularien in ihre Sessel furzen, die mir ebenfalls völlig egal sind. 

Laurenz

9. Mai 2024 14:17

@Maiordomus ... Die Dynamik des II. Reichs in Industrie, Handel & Wissenschaft nahm Fahrt, trotz der schlechten Führung nach Bismarck auf, wobei Bismarck, wie alle Politiker, mehr schlechte Kompromisse machen mußte, als günstige. In der Wissenschaft war Deutschland am Ende des 19. Jahrhunderts weltweit führend. Die Akademiker-Quote war überaschend gering, klein. Da Sie ja eine Leseratte sind, empfehle ich Ihnen Wehlers Werk über das II. Reich. Man muß mit Wehlers politischen Einschätzungen nicht übereinstimmen, aber Seine Recherche & Datenlage ist vorbildlich. Wenn es nicht bei Antaios erhältlich ist, kann ich es Ihnen über die Redaktion zukommen lassen.
@Das Kapital @L. ... @Le Chasseur hat Ihnen bereits die geopolitische Konstellation erklärt. Die ist nicht konstruierbar. Die BRD investierte über 4% des BSP/GDPs in das Militär, unterhielt eine Armee von 495k Mann, wie 5.000 Kampfpanzer, heute 400, & hunderte fliegender Kampfjets (jetzt knapp 100), extrem teuer. Man finanzierte das einerseits über eine stabile Währung & wesentlich geringere Kapitalerträge. Der Billiglohn-Sektor war in den Ostblock ausgelagert. Heute sind wir der Billiglohn-Sektor.

Laurenz

9. Mai 2024 14:45

@Alex Schleyer ... Das Grundgesetz hat das Basisdemokratische, ähnlich der Schweiz, so zugrunde gelegt, also mehr Verantwortung für die Bürger. Aber, man hat das jetzt über 70 Jahre "weginterpretiert". Gerade heute, mit digitaler Technik, wäre der Abstimmungsaufwand für gesellschaftlich eminente Fragen, überschaubar. Natürlich müßte dieser Föderalismus im Übergang zu größeren Einheiten gut durchdacht sein. Denn, was machen Sie denn in Ihrem Küstendorf, wenn Ihnen der Bau einer Entsalzungs- oder Müllverbrennungsanlage droht? In Hellas wurden überregionale Meinungsverschiedenheiten durch Krieg geklärt. Alexander von Makedonien vernichtete einfach das homophile Theben. Die Christianisierung führte zu totalitärem Zentralismus. Das föderale Heidentum, meist unfähig, zu größerer Einigung, schaffte es auch nur im Römischen Reich durch Staatsgewalt eine funktionierende Verwaltung zu etablieren. Wenn die AfD zu Recht mehr Basisdemokratie fordert, muß das Model vorab durchdacht sein.

Le Chasseur

9. Mai 2024 15:34

@Gimli"Man darf hierzulande viel kritisieren (wobei auch Wortwahl und Haltung - konstruktiv oder einfach nur zerstörend), sich äußern. WAs immer verwechselt wird: Es gibt außer Nazi-Reliquien in Wort, Bild oder Geste keine Verbote!"
Den Fall Varoufakis haben Sie mitbekommen? https://www.telepolis.de/features/Einreise-und-Sprechverbote-Deutschland-als-illiberale-Demokratie-9684914.html

Klaus Kunde

9. Mai 2024 16:17

Präferiere ich eine „historizistische“ Sichtweise im Sinne einer Sehnsucht nach besseren Zeiten? Durchaus möglich. Vielleicht weil in einem Land ohne ansatzweise konsensualer Erinnerungskultur alles möglich scheint. Der Blick, der in der Zukunft keinen Halt findet, in der Vergangenheit Richtung sucht u. Vergewisserung, wohin die Reise geht. Dann die alte Geschichte, Orientierungsverlust u. Identitätssuche sind Geschwister. In geschichtslosem Land gewinnt die Zukunft, wer die Erinnerung füllt, die Begriffe prägt und die Vergangenheit deutet. Wer sind die Türsteher? Journalisten mit ihren meist dürftigen Fünfminutenartikeln, tendenziöse TV-Dokus, die mehr mit Haltung statt Sachkenntnis imponieren u. Politiker, die mit fragwürdigen Vergleichen Parallelen zur Tagespolitik ziehen. Zu mehr an historischer Wissensvermittlung langt es beim Zeitgenossen kaum; der Standard dieses Forums ist alles andere als repräsentativ. Fachliteratur bleibt müßig, auch und gerade weil kontinentaleuropäische Geschichtsschreibung nebst Einordnung bei traditionell funktionalistischem Ansatz in Diktion meist wenig Anziehendes oder gar Herausforderndes bietet. Daß uns neue Trugbilder heimsuchen werden, ist unvermeidbar.

Mitleser2

9. Mai 2024 16:22

@Laurenz: Was haben Sie eigentlich gegen die "Bonner Republik"? Was ist denn im Vergleich dazu aus der "Berliner Republik" geworden? Und es geht nicht darum, warum das so war, sondern um die Lebensumstände.

Gracchus

9. Mai 2024 18:01

Demokratie: Man höre sich nur den superpeinlichen neuen "Demokratie"-Song unserer Tagesschau-Punks an.
Es herrscht hier im Forum Konsens, dass wir allenfalls ein Schein-Demokratie haben, und wenn unsere aufrechten Demokraten von Demokratie sprechen, ist es so, wie wenn jemand auf ein rotes Fahrrad zeigt und behauptet, es sei ein grünes Moped. 
Während meiner Schul- und Studienzeit in den 90/00er-Jahren herrschte zwar auch schon eine Demokratie-Emphase, aber es war eine im Kommen. Es wurde doch diskutiert, wie die politische Partizipation der Bürger noch verstärkt werde könne. (Nebenbei: Die Rede von der kommenden Demokratie hat deutlich theologische Anklänge an das paulinische "schon, aber noch nicht" des Reich Gottes).  

Gracchus

9. Mai 2024 18:14

Bonner Republik: Wenn ein Literatursimulant wie V. Weidermann titeln lässt, ob Novalis für irrationale Impfskepsis verantwortlich sei, ist dies ein direktes Produkt des BRD-Bildungssystems, dessen Sinn und Zweck darin bestand, ihren Eleven die deutsche mystisch-magische Tradition abspenstig zu machen. Die heutige geistige Misere ist in der BRD selig grundgelegt. Natürlich war man in der BRD toleranter, weil es politisch ohnehin nichts zu melden gab. 

Maiordomus

9. Mai 2024 18:31

@Kunde. Was Sie nun ergänzen, ist im Vergleich zur Artikulation von Geschichtspessimismus, mein Eindruck vorher, nachvollziehbar. Geschichtspessimismus war Teil v. Kritik in meiner Dissertation über einen deutschen Dichter und Denker des  20. Jahrhunderts. Geschichtspessimismus wurde in der Germanistendebatte um 1968 als "präfaschistisch" eingeschätzt, was damals trotzdem nicht meine Einstellung war, etwa den frühen Thomas Mann betreffend. George hielt ich trotz allem für einen wegweisenden Dichter, und Spengler hat trotz fragwürdigem "raunendem" Historizismus und Sicht der dt. Niederlage im 1. Weltkrieg vieles richtig gesehen, so den Gegensatz Amerika - Russland als ein Leitmotiv der Geschichte des 20. Jahrhunderts, Noch heute will man uns dies für die gegenwärtige Weltstunde des 21. Jahrhunderts für Europa als Schicksal einreden.
Spengler war aber ein glänzender Schriftsteller, so etwas wie ein Kulturmorphologe. Ich las ihn im Alter von 17 Jahren mit einer Begeisterung, die mir vor Jahren bei einem SiN-Autor aufgefallen ist. Dass Spengler die Zeit der Demokratie als Endzeit sehen wollte, war eine Meinung, die ihm in meinem Land fast niemand abnahm, von Popper als Propetie mit Suggestionsabsicht denunziert. "Hilf das herbeiführen, was ohnehin kommt." Bei Spengler das lat. Motto seines Hauptwerks: FATA DUCUNT VOLENTEM NOLENTEM TRAHUNT. Ich zitiere nie aus sog. Internetquellen.     

Laurenz

9. Mai 2024 20:00

@Mitleser2 @L. ... ich weiß nicht, wie ich das besser formulieren sollte, um verständlicher zu werden. Der Wohlstand der Bonner Republick, gerade für Unter- & Mittelschicht, war vom transatlantischen Hegemon so gewünscht. @Le Chasseur hat das klar & gut formuliert. Erinnern Sie Sich, Joschka Fischer wurde als Außenminister bei seinem Antrittsbesuch von Madeleine Albright sofort eingenordet. Der Wohlstand deckte aber das Versäumnis zu, altbekannte Deutsche System-Schwächen & dadurch resultierende gesellschaftliche Interferenzen zu eliminieren. Die Organisationsstruktur hat sich seit dem II. Reich im Grunde nicht verändert. Man hat nichts dazugelernt, obwohl man die Chance dazu hatte.
@Le Chasseur @L. ... das, was Sie über AH schreiben, ist mir, sollte allen bewußt sein, wie auch seine Entwicklung im politischen Denken, welches sich im Laufe der Zeit eklatant veränderte. Ich gebe Ihnen jetzt ein Beispiel einer Lücke, damit ist es aber auch gut. AH dachte militärisch in geographischen Wirtschaftsräumen. Von Manstein dachte, wie die Briten auch, an die Vernichtung des gegnerischen Militärs im Bewegungskrieg. Letzteres führt dazu, daß einem bei Erfolg die Wirtschaftsräume automatisch ohne Gegenwehr in den Schoß fallen.

ofeliaa

9. Mai 2024 20:05

Also ich bin 1990 geboren (Dtl.) und habe die Demokratie auch nie in Frage gestellt. Für mich gab es in dem Sinne eben auch keine andere Gesellschaft. Ich verbinde mit dem Begriff Demokratie freie Wahlen und somit auch eine Verhinderung von Korruption. Ich finde es sehr schade, dass es so viel Lobbyismus in Deutschland gibt - denn das ist eine Form von Korruption. Warum viele Ausländer (z.B. Türken und Menschen aus afrikanischen Ländern) nach Deutschland kommen ist übrigens nicht immer nur Krieg und radikaler Islam - sondern wie ich vor Kurzem auch aus erster Hand hörte - Korruption im eigenen Land, die Ausmasse annimmt, dass es wie eine Art Diktatur wird - entweder man verschliesst die Augen vor der Korruption oder man muss um sein Leben fürchten. Oftmals assoziiere ich Demokratie eben auch mit einer Gesellschaft in der Korruption weniger stark werden kann als in anderen Gesellschaften. Ausserdem verbinde ich es mit Frauenrechten, welche ich auch nicht missen möchte. (Niemals). Ich habe jedoch wirklich noch nie darüber nachgedacht, dass es andere legitime Staatsformen als die Demokratie geben könnte - es kam mir nicht in den Sinn. Dementsprechend finde ich diesen Beitrag auf jeden Fall interessant. 

Adler und Drache

9. Mai 2024 20:15

@Gimli
Ich finds immer superknorke, wenn Typen, die in ihrem weichen Sessel sitzen und noch nicht mal dem Hauch einer Repression standhalten mussten, uns hier allen Ernstes erklären, dass es keine Verbote gebe, nur Widerspruch. Eine selten dämliche Floskel, aber gut auswendig gelernt. Gratulation!  
So wird das nichts hier, so sind Sie nicht ernst zu nehmen. 

Maiordomus

9. Mai 2024 20:17

@Laurenz.  Die von Ihnen zurecht angezweifelte "Akademikerquote": G- Picht sprach vor Jahren v. "deutschern Bildungskatastrophe" wegen zu wenig Abiturienten.. Dabei war es eher Voraussage späteren Gymnasial- und Hochschulbetriebs.  Dass wir mit Verzehnfachung+ der "Akademiker-Quote"  wissenschaftlich effizienter würden, lässt sich wissenschaftshistorisch nicht halten; leider geht Frauenförderung, ein Plus, auch mehr Breite in die Breite. Auf 100 Gender-"Theologinnen" 1 Atomphysikerin. Dabei scheint heute das Abholen von Genialität bei männlichen Jugendlichen auf 100 Absolventen  im Vergleich zum "unmenschlichen" deutschen Gymnasium des 19. Jahrhunderts kläglich. Man studiere "Poggendorf", viele Bände Kurz-Biographien  Mathematik-Naturwissenschaften, für D allein ab ca. Gauss bis 1. Weltkrieg  um 4 kleingedruckte Wälzer mit Lebenslauf, Resultaten, belegenden Literaturangaben. Konzept des Humanismus ab Erasmus bis zur Mathematik zur Zeit der Aufklärung war, siehe frühere Bände Poggendorf, Elitebildung. Zahl der Mathematikgenies in  der Schweiz pro Mio Einwohner erreichte gemäss meiner pers. Einschätzung bei Erkundungen Physik-Geschichte v. Basel (Euler, ca. 8 Bernoullis), Genf, Bern, Neuenburg, ZH u. andere Städte) unglaubliche Erfolgsquote, dem kaum eine Schule v. heute das Wasser reicht. Bei Gymnasien geht es noch mehr als früher um Chancen statt Wissen, mit mehr Personal ideologische Normenerfüllung in öffentlichem Dienst u. Medien, was abnehmende Zahl v. kirchlichen Karrieren ersetzt.  

Mitleser2

9. Mai 2024 20:29

@Laurenz: ich verstehe es sehr wohl. Der Wohlstand war "gewünscht". Ich kann Ihnen nur nicht folgen, warum das "schlecht" war. Für mich perönlich ganz egoistisch war es gut. 

das kapital

9. Mai 2024 20:38

@ Le Chasseur @ Laurenz Deutschland ist seit Kriegsende nie wieder souverän gewesen. Wolfgang Schäuble, seit 1972 mehr als 50 Jahre im Bundestag und zeitweise eben auch Teil der Regierung. Der sollte es wissen. Wirtschaftlicher Erfolg hängt aber nicht alleine von einer Souveränität ab. Sondern eben davon, wieviel die "heimlichen" Herrscher uns an Entwicklungsmöglichkeiten übriglassen. Klimakirche - Atomaus - Energiewende ins Nichts - Migrantenflut -Corona - Ukrainekrieg - Nordstreamsprengung - Deutschland sanktioniert sich selbst zu Tode . Da wird doch klar, dass und warum nichts mehr geht. Weil das Volk und das Land nicht souverän ist und die gewählten Opportunisten Land und Leute systematisch zerstören. Das ist nicht ein gelegentliches Patzerchen, sondern Totalbeschuss. Das ist wie Stalingrad und Stalinorgeln. Nur sind es eben keine russischen sondern us-amerikanische Besatzer, die Deutschland platt machen. Deutschland und die Deutschen haben ganz und gar verlernt, sich gegen den Abschaum aus Amerika zu wehren und zu verteidigen. /// Wesentlich geringere Kapitalerträge ? J E T Z T hatten wir Null und Negativ-zinsen, nicht in der Bonner Republik. In den 1970er und 1980er Jahren gab es auch für Kleinanleger bei der DWS Fonds mit teils sensationellen Renditen. Endzeit Schmidt hatte kurzfristig teils Wertpapiere mit 12 Prozent Nominalzins.

Maiordomus

9. Mai 2024 20:41

@Gracchus. Man konnte sich in der Bonner BRD  immerhin für eine vernünftige Marktwirtschaft entscheiden, nicht selbstverständlich, umstritten, mit Kriterien auch "von jenseits von Angebot und Nachfrage" (Röpke), was für mich ein Grundsatz war, ein Programm auch gegen die 68er, an deren Verirrungen gewiss weder Nixon noch sein "Gehirn" Kissinger schuld waren. Zum schlimmsten, was indes die CDU im blühenden, von freiheitlichen Tradtionen durchtränkten Süden von Deutschlands Häuslebauern durchsetzte, gehörte, nach Arnold Stadeler, das zur Zeit der Filbinger, Kiesinger und Teufel (sic!) einsetzende System der die bürokratische Herrschaft und Bürgerkontrolle erleichternden Gemeindereformen, die im Gegensatz zu biografischen Verfehlungen einzelner Personen, die denselben als Fegefeuer um den Kopf geschmiert wurden, vergleichsweise langfristigeren, weil dauernden Kulturschaden anrichteten. Die Seuche drang dann auch in die Schweiz ein.      

Liselotte

9. Mai 2024 20:51

Zum Artikel. Es mag ja durchaus sein, daß mittlerweile die Politik das Hauptspektakel auf der öffentlichen Bühne abgibt, weil es zuwenig kulturelle Spektakel gibt. Auf der anderen Seite wird aber jede kulturelle Äußerung sofort politisch bewertet und damit in einen politischen Sog oder Bekenntniszwang gezogen. 

Maiordomus

9. Mai 2024 21:42

Zu 20.17: Korr.  Georg Picht veranlasste vor  60 Jahren den Katastrophenwahn einer "deutschen Bildungskatastrophe". Unterschiede zwischen "harten" Wissenschaften und "weichen", letztere verkommen medial zu Geschwätzwissenschaften: unter Niveau von Spinozas "algebraischer Berechnung des Regenbogens", unter Bolzano, Frege, Russell, Quine, für mich zwar nicht einfach "das Wahre. Die "harten", die gelegentlich von mathematisch Begabten, aber nicht mathematisch Philosophierenden überschätzt werden können, werden nicht ungestraft vernachlässigt.
Gerne  habe ich auf die nachgedruckten Bände des "Biographisch-Literarischen Handwörterbuchs zur Geschichte des exacten Wissenschaften" hingewiesen, Produkt deutscher Gründlichkeit des 19. Jahrhunderts, von J.C. Poggendorf und Mitarbeitern: eine Fundgrube zur Entwicklung v. Mathematik, Physik, Chemie und aller anderen Naturwissenschaften, auch Logik, mit Grundlagen im Mittelalter, die nach  Albert Menne erst nach Erfindung der elektronischen Datenverarbeitung nützlich gemacht werden konnten. Bei spürbarem deutschen Chauvinismus vor und zur Zeit Bismarcks mögen damalige Deutsche ihre Schattenseiten gehabt haben: war "Professor Unrat" eine nötige Kritik des damaligen Gymnasiums. Aber die Leistungsausbeute der Elitebildung kann sich sehen lassen. In asiatischen Ländern, meine nicht N-Korea, wird solches als deutsche Qualität bewundert, im Grunde nachgeahmt.       

KlausD.

9. Mai 2024 22:09

@Liselotte  9. Mai 2024 20:51" ... wird aber jede kulturelle Äußerung sofort politisch bewertet ..."
In der DDR war man so ehrlich, offen zu sagen und zu fordern: "Kunst ist Waffe". Heute sagt das keiner mehr, ist aber so. Denn wenn ich mir moderne Kunst so anschaue, kann es nur darum gehen, im Einklang mit der sonstigen Propagandamaschinerie, die Menschen zu irritieren, zu verunsichern und möglichst in Angst und Schrecken zu versetzen. Zum Beispiel ...
https://www.anhaltischer-kunstverein.de/portfolio-collections/my-portfolio/max-uhlig

RMH

9. Mai 2024 22:20

"D. ist seit Kriegsende nie wieder souverän gewesen." Das ist wieder so eine ja - nein-These, die mit nichts bewießen ist und keinen Raum für eine differenzierte Betrachtungsweise zuläßt. Es ist ein Totschlagargument. D. ist eingehegt und seine Eliten finden das alternativlos und so läuft das eben weiter und über die alternativlose EU wird es auch noch mehr. Abgesegnet und gewollt von Deutschen, warum sollen andere dann dazu Nein sagen? Ab und an wird dann schon noch "souverän" gehandelt. Da ich kein Interesse habe, eine Souveränitätsdebatte zum Ende der Diskussion jetzt los zu treten, verzichte ich auf viele Beispiele für souv. Handeln der im übrigen natürlich wenig schneidigen BRD. Mir geht es bei dem Beitrag primär darum, die neurechte Blase einmal wieder zum selber Nachdenken aufzufordern, denn nach dem ich seit Tag 1 diese Netztagebuches dabei bin, fällt auf, dass auch die, die sich abseits des Mainstreams sehen, immer wieder ähnliche Argumente zeigen. Da gibt es genauso herrschende Meinungen, als "gesetzt" Behandeltes (bspw. D. sei Vasall), was am Ende fast genauso schafhaft wirkt, wie das, was wir jeden Tag in der Tagesschau sehen. Ganz so einfach ist eben dann doch nicht. Nur um noch etwas klar zu stellen: Meine Widerrede ist nicht so zu verstehen, dass ich - genauso einseitig - D. für voll souverän halte oder D. von vasallenhaften Verhalten frei spreche, nur halte ich alles für vielschichtiger. PS: Schäuble taugt als Kronzeuge nichts, so wie er schon als Minister nichts taugte.

Laurenz

10. Mai 2024 06:05

@Das Kapital ... @Le Chasseur & L. brauchen Sie nicht überzeugen. @Mitleser2 will nicht wahrhaben, daß der ökonomische Erfolg der Bonner Republik rein der geo-politischen Situation geschuldet war. Habe nicht umsonst die Währungsfrage als grundlegend erwähnt, was aber symptomatisch auf der SiN nur schlecht wahrgenommen wird. Die Bonner Republik hatte in etwa einen (ausgezeichneten) Produktionsfortschritt von 2% im Jahr, der quasi in die Aufwertung der Währung gesteckt wurde. Man produzierte nach dem Ökonomischen Prinzip, maximaler Gewinn mit möglichst minimalen Aufwand. Man exportierte wenig, aber teuer. Seit der Euroeinführung hat sich das eklatant geändert. Wir exportieren Masse über die Abwertung der Währung.
@Maiordomus ... neidlos anerkennend, nicht über Ihr Detailwissen in (historischen) Bildungsfragen zu verfügen, bleibt das Thema aber trotzdem hoch interessant. Während in Preußen (ab dem Soldatenkönig) & Habsburg die Schulpflicht sukzessive eingeführt wurde, gab es in Britannien erst Volksschulpflicht ab 1880 & Hauptschulpflicht ab 1918. Hinzu kommt die Deutsche Institution der Lehrberufe. Paul Kennedy schrieb nicht umsonst in Seinem Werk https://de.wikipedia.org/wiki/Aufstieg_und_Fall_der_gro%C3%9Fen_M%C3%A4chte , daß Deutschland nur deswegen in 2 Weltkriegen so lange gegen eine x-fache Übermacht standhalten konnte, weil der Deutsche Soldat über die beste Ausbildung & Berufsausbildung verfügte.

das kapital

10. Mai 2024 06:51

@ RMH Nun, die Souveränitätsdebatte ist ein Dauerthema. Das werden wir hier und heute nicht zuende führen. Dass nun Schäuble gar nicht zum Minister tauge, würde ich angesichts der heutigen nicht unterschreiben wollen. Immerhin hat er durch direkte Anweisung verhindert, dass Scholz nochmehr Millionen an Warburg verschleudern darf. Schäuble und Seehofer sind eben Zeitzeugen fehlender Sou-veränität an Stellen, wo es schmerzt. Totschläger sind die nicht. Nordstream wird weggesprengt. Aufgeklärt wird das nicht. Das ist für mich ein Anzeichen fehlender Souveränität, das mich täglich schmerzt. Eine "neurechte Blase" ist war und wird das nicht. Nordstream ist nicht durch eine neurechte Blase gesprengt worden, sondern in echt. Die Bundesregierung verweigert Aufklärung und Auskunfterteilung, nicht eine neurechte Blase. Die Bundesregierung klemmt dann auch noch Energielieferungen ab und beendet hier das Atom- und Industriezeitalter. Das ist nicht von neurechten Blasen veranstaltet worden, sondern von echten Bundesregierungen und einer echten EU (Sanktionen auf us-amerikanische Anweisung). /// Also gibt es jetzt nach Ihrer Meinung die Tagesschauschafe und die Sezessionsschafe. Die Frage ist nur, ob Sie zum Schäfer oder zum Schäferhund für diese Herden außerge-wöhnlich gut geeignet sind.

Mitleser2

10. Mai 2024 08:01

@Laurenz: "@Mitleser2 will nicht wahrhaben, daß der ökonomische Erfolg der Bonner Republik rein der geo-politischen Situation geschuldet war"
Sie schreiben, ohne zu lesen. Natürlich will ich das wahrhaben. Ich schrieb doch oben: "Ich kann Ihnen nur nicht folgen, warum das "schlecht" war. Für mich perönlich ganz egoistisch war es gut."
 
 

Maiordomus

10. Mai 2024 08:14

@ Bosselmann. Unter den besseren Seiten der Ausbildung in der DDR, deren Einseitigkeiten Sie sich  entzogen zu haben scheinen, gehören Gesichtspunkte, auf die ich gestern 21.42 mit Hinweis auf  "Poggendorf" hingewiesen habe. Ein dokumentiertes Standardwerk, ohne das man über die westliche und zumal deutsche diesbezügliche Bildungsgeschichte nicht im Bild ist, was mir leider im Gespräch mit Profis auch der Physik aufgefallen ist, welche etwa Herkunft und frühere Vorstellungen betr. die Hauptsätze der Thermodynamik usw, für überflüssig halten (gewisse Vorstellungen haben "alchemische" Vorgänger). Veraltete Theorien bilden einen "wissenschaftlichen Schatten", welcher über widerlegte Irrtümer hinaus Fragestellungen verbirgt, die nicht nur "Bildungsgut" darstellen. Zum Teil verdrängtes Wissen, Anregungen zu vergessenen Fragestellungen. Zu bedenken bleibt der Gedanke v. Plato betr. seine Akademie: "Hier trete keiner ein, der nichts von Geometrie versteht."
Benützte als Lehrer der Logik ein für Nichtprofis vorzüglich verständliches "Logik Lexikon" aus der DDR, mit Positiv-Zitaten Marx/Engels/Lenin, die traditionelle Logik unbeschadet Hegelscher "Dialektik" zu respektieren. Aristoteles wurde als "Materialist" eingemeindet. So sah es Heidegger natürlich nicht.       
 

das kapital

10. Mai 2024 08:33

 @ Laurenz "Der Wohlstand für alle war ausschließlich der geopolitischen Nachkriegslage geschuldet." Geopolitik ist eben auch ein Erklärungsmodell. Aber eben nicht das einzige. Sagen wir mal, nach dem Kriege wäre in Eritrea die geopolitische Lage außerordentlich günstig gewesen. Wäre dann in Eritrea ein Wirtschaftswunder zu verzeichnen gewesen, wie in Deutschland ? Eine Explosion an Wissen Können Bildung technologischer und wirtschaftlicher Entwicklung ? Entspricht ein Wirtschaftswunder der dortigen Mentalität dem Wissen dem Können und der (Vor-) Bildung ? Ich glaube da nicht dran. /// Das Wirtschaftswunder mag ja auch der Geopolitik geschuldet sein, aber nicht nur. Ein besonders leistungswilliges und -fähiges Volk hat die Möglichkeiten optimal genutzt, die ihm trotz des verloren Krieges sich geboten haben. Denn es wurde durch den verlorenen Krieg zusammengeschweißt und konnte nur durch kollek-tive zivile Höchstleistung wieder Anerkennung in der Welt finden. Das wir fähig zur kollektiven Höchstleistung waren hat eben mit der positiven Entwicklung in den Jahrhunderten vor 1933 zu tun. Wir waren technologisch und technisch und wissenschaftlich führend in der Welt. Wir hatten die "Gewinner" des zweiten Weltkriegs wirtschaftlich und technologisch hinter uns gelassen. Die Rache kam nach der "Wende". Die Ampel ist Teil dieses Racheplans zur dauerhaften Zerstörung dieser kollektiven Höchtsleistung.

Dieter Rose

10. Mai 2024 08:33

Gut @RMH! Differenziert urteilen ist sogar sehr gut! Den Mangel werfen wir ja der Gegenseite vor.

Maiordomus

10. Mai 2024 08:35

@das Kapital. Habe Schäuble noch vor 30 Jahren, bereits im Rollstuhl, als Referent in der Freiburger Kath. Akademie gehört, wo einige Jahre vorher auch Karl Rahner zum letzten mal sprach, übrigens auch ein Gastprofessor aus der DDR über Augustinus. Es gab schon mal akademisch nachweisbar bessere Zeiten als im Moment, und auch Schäuble war klüger als sein dümmster Satz über Inzucht und dergleichen, die es übrigens auch in Familien genialer Mathematiker gab. Dass aber die Souveränität eine "fausse idée claire" (Tocqueville) ist, eine unwissenschaftliche Modellvorstellung, wurde Popper in seinen Büchern und Vorträgen, zuletzt in Zürich und St. Gallen mit abnehmender Geduld, nicht müde zu betonen. Schon die Frage sei falsch gestellt. Es gehe um Modelle der Schadenbegrenzung der Macht, was übrigens Linke ihm als potentielle Neigung zum Faschismus vorhielten, Antwort: "Dann bin ich ein Faschist. Wir können uns auch darüber einigen, einen Elefanten Kamel zu nennen."  Vor allem waren sein Anliegen verfassungspraktische Grundlagen, von Regierungen angerichteten Schaden rückgängig machen zu können, die selben Regierungen mit möglichst wenig schlimmen Nebenfolgen wegzubringen, was in demokratischen Systemen unter Umständen, wenn es gut durchdacht wäre und erfahrungsbezogen, einrichten könne. Er hielt allerdings in Oesterreich Haider nicht als den Mann dafür.    

Maiordomus

10. Mai 2024 09:12

@Laurenz. Alex Schleyer. Bosselmann hat eine wie selten anregende, einem eher kontemplativen Betrachter (@) gemässe Debatte hier auf den Weg gebracht, zu der Sie auch beigetragen haben, so mit dem Hinweis, @Laurenz, auch Abschlüsse nicht zu überschätzen. Um drei Viertel der Dissertationen, grosszügig gerechnet, bleiben Anfängerarbeiten. Aber Ihr Hinweis auf die angeblichen Erfahrungen eines gewissen Gefreiten über die "Schrecken des Krieges", die selbst von Jünger und Remarque literarisch nicht ausgeschöpft werden konnten, erfordern rechten Widerspruch: Keiner unter Millionen hat sich diesen Schrecken gegenüber unbelehrbarer erwiesen als jener Gefreiter, in dessen Buch, das sowieso von keinem Wissenschaftler ernst genommen wurde, nicht ein Hauch von wissenschaftlicher Erkenntnis zu finden ist, mag er zumindest für Waffentechnik und dergleichen für Generäle ein lange respektabler Gesprächspartner gewesen sein. Zu wissenschaftlichem Denken fehlten nun mal die Voraussetzungen total. Demgegenüber gelten Fragestellungen von Marx, im Gegensatz zu seinen v. Voegelin dokumentieren Frageverboten, mit Recht, bei falschen Antworten, als wegweisend, und über Lenins Heraklit-Studien in Zürichs Zentralbibliothek 2 Monate vor Abreise nach Russland darf man beeindruckt sein; man bemerkt zwar lehrbuchmässig auch die ideologische Beanspruchung. @das mit dem "Sesselfurzen" und "ins Mikrofon quaken" des zugegebenermassen widerwärtigen politischen Gegners ist die genau die Art, wie dieser die Opposition zu "delegitimieren" versucht.    

das kapital

10. Mai 2024 09:14

@ Maiordomus Ein wertvoller Beitrag. Souveränität als eindeutig verfehlte Idee bzw. als eindeutig verfehlter Begriff. Das ist sicher ein eigenständiges Buch wert und nicht nur einen Forumsbeitrag. Wie Popper sich zu Vorstellungen von Souveränität geäußert hat, ist mir nicht geläufig. Da bräuchte ich erstmal Fundstellen zum Nachlesen. /// Mein grundsätzliches Gedankenmodell ist "jeder kontrolliert jeden" und deshalb enstehen weniger Fehler und werden weniger Irrtümer verbreitet. Funktioniert sogar hier im Forum. In der freien Wirtschaft malDer Markt kontrolliert dich und du kontrollierst den Markt. Deine Kunden kontrollieren dich und du kontrollierst deine Kunden. Deine Mitarbeiter kontrollieren dich und du kontrollierst deine Mitarbeiter. Die Gesetze und Behörden kontrollieren Dich und Du kontrollierst die Gesetze und Behörden. /// Dieses System wechselseitiger Kontrolle bestimmt dich, das gesamtgesell-schaftliche Leben und die ganze Welt. Nur innerhalb dieses Systems wechselseitiger Kontrolle und widerläufiger Interessen bist du souverän. Souveränität ist also kein Absolutheitsanspruch, sondern dein Anteil an Freiheit innerhalb eines festgefügten Systems langfristiger wechselseitiger Abhängig-keiten.

das kapital

10. Mai 2024 09:15

2 . Wenn aber dieses System vom Staat und den herrschenden Parteien ganz und gar zu Lasten der persönlichen und wirtschaftlichen Freiheit zerstört wird, dann funktioniert es nicht mehr. Dann zerbricht der Einzelne und die Wirtschaft. Genau das erleben wir jetzt. Sie kontrollieren alles und es zerfällt ihnen zu Staub. Weil nichts mehr da ist, kein Gott, keine Nation, keine Freiheit, die alles noch zusammenhält.

das kapital

10. Mai 2024 09:16

@ Gracchus Den Literatursimulanten müssen wir uns nicht aussetzen, den Politiksimulanten schon. Schlechte Bücher kannste wegwerfen, schlechte Politiker nicht. Die versauen dein Leben. Da hast du nicht wirklich die Wahl. ///@ Volksdeutscher Hört Ihnen einfach nicht mehr zu ! Das praktiziere ich selbst und rate es auch allen an, die eine negative Überformung ihres Denkens durch die Politkasper vermeiden wollen. Die physischen Lasten durch wildgewordene Amateurclowns sind schlimm genug. Lasst nicht zu, dass sie auch noch euer Denken zersetzen. Sondern sucht nach denen, die noch geradeausdenken und nicht nur bis zur nächsten Wahl. Denen hört zu. An die haltet euch.@ RMH 10:57 Das Paradies auf Erden ist eine Vorhölle. EKD und Deutsche Bischofskonferenz sind zur Vorhölle des Parteienstaates geworden.

links ist wo der daumen rechts ist

10. Mai 2024 09:45

@ Hausmeier et al.
An der gegenwärtigen Bildungsmisere seien die 68er schuld. Ich kann‘s nicht mehr hören.
Dazu kurz Eric Voegelin („Autobiographische Reflexionen“, Fink Verlag 1994, S. 112):
„Wie ich später in meiner Vorlesung über die deutsche Universität (1966; englisch 1985) ausführte, war der durch den Nationalsozialismus entstandene Schaden enorm. Was man die akademische Oberschicht nennen könnte, war einfach liquidiert, zum Teil direkt durch Mord. Der Typus von Professor, den ich 1929 in Heidelberg erlebt hatte, war einfach verschwunden, ohne daß eine jüngere Generation nachgerückt wäre, die von den älteren Professoren ausgebildet worden wäre. Die akademische Mittel- und Unterschicht dagegen hat in großer Zahl überlebt, und sie trägt nun im wesentlichen zu der Mittelmäßigkeit und Beschränktheit des allgemeinen Klimas an deutschen Universitäten bei. Die Nachwirkungen des Nationalsozialismus sind in der gegenwärtigen Zerstörung der deutschen Universität durch das Hereinbrechen des Pöbels von unten deutlich zu spüren. Diesem vermag die Universität nicht wirksam zu begegnen, denn die Autorität der großen Gelehrten in den Universitäten ist mit jenen gemeinsam verschwunden.“ (Hervorhebungen @ links…).
Sapienti sat.
Man sollte halt Ursache und Wirkung nie verwechseln, obwohl ich den Abwehrmechanismus einer narzißtischen Kränkung durchaus verstehe.

Leander

10. Mai 2024 09:57

In der @Laurenz 'schen Dispositionsmasse lässt es sich gut einrichten, im Sinne von wirtschaftlicher Privilegiertheit, mit einhergehender gesellschaftlicher Akzeptanz. Der private Mikrokosmos liegt in einer konstruktiv verwalteten Gemeinde, in der Parteimitgliedschaft nichts zählt. Da gibt es halt witzelnd die SPD-Deppen und die CSU-Deppen, ausserdem ein paar Parteilose. GRÜNdeppen gibt es nicht, AfDler auch (noch) nicht. Im Privaten spielen die Herren Karten, oder wahlweise Golf, oder man ist mit dem Mountainbike unterwegs.
 
Ja, jetzt sieht man sie wieder überall, Bosselmans Plakatgrinser, und man spürt den Ekel vor deren Gequatsche, Gelüge und Wichtigtuerei. Was bleibt zu tun? Man "wählt" halt mal wieder und trifft eine taktische Wahlentscheidung, wie immer. Diesmal für die EU die AfD (trotz Status "Rubelnutten"), damit in Brüssel ein bisschen mehr gestritten wird und beim Mindset "Grüne Wohlstandsvernichtung" eine Korrektur eingeleitet wird.
 
Der Bosselmann'schen (Bravo für den Text!) Blase alles Gute einstweilen.

das kapital

10. Mai 2024 10:06

@ Monika9. Mai 2024 09:53"Sind wir wirklich anders ?/// Ora et labora hat zeitlos Gültigkeit. Christus schuf ein geistiges Reich, das nicht von dieser Welt ist. Die Kirche allerdings hat ein weltliches geschaffen mit reichlich Gemetzel. /// Wer aufhört zu herrschen, der wird beherrscht. Und im Zweifel von x löchern. Mit der Säkularisation (französische Revolution, Napoleon) gewann die physische gegenüber der spirituellen Welt ganz und gar die Oberhand. /// Die behauptete Herrschaft der Aufklärung , der Vernunft und der Wissenschaft ist Selbstbetrug wie Fremdbetrug. Der "mündige Bürger" ist die Seife der Saison in "unserer" "Demokratie" (= Oligarchie). Siehe Zuwan-derung, siehe Energie, siehe Gendern, siehe Krieg gegen das eigene Volk /// Der Kampf aller gegen alle wird als sinnhaft, wissenschaftlich und nutzen-stiftend verbrämt. Dass die Amtskirchen (wieder mal?!) zur Vorhölle des Machtmissbrauchs und der Parteienoligarchie geworden sind macht es nicht besser. /// Ich bin der Herr, dein Gott, sagte die Parteienoligarchie. Du sollst keine Götter neben ihr haben, sagte die EKD. Du sollst nischt gegen die Parteienoligarchie sagen, sagte die deutsche Bischofskonferenz. Parteien sind christlich, die AfD ist der Antichrist. Leg dich bloss nicht mit den Herrschenden an. Hat Christus ja auch nicht getan. Weder spirituell noch weltlich. Deshalb hat die römische Herrschaft ja immer noch Bestand und das Judentum lebt unwi-dersprochen weiter.

Le Chasseur

10. Mai 2024 10:49

@ofeliaa
Hier einige interessante Ergebnisse einer weltweit durchgeführten Umfrage, in der untersucht wurde, wie die Menschen in den einzelnen Ländern die Demokratie grundsätzlich bewerten und wie sie mit dem Handeln ihrer jeweiligen Regierung zufrieden sind:
"Im Durchschnitt sagten 85 Prozent der Interviewten, es sei wichtig, in ihrem Land eine Demokratie zu haben. (...) Allerdings glauben nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (58 Prozent), dass ihr Land demokratisch ist. Diese Unzufriedenheit ist nicht auf undemokratische Länder beschränkt, sondern ist auch in den USA, Europa und anderen Ländern mit langer demokratischer Tradition verbreitet. Deutschland weist den Ergebnissen der Umfrage zufolge einen einzigartig schlechten Wert auf. (...) 
"Deutschland sticht jedoch als das Land hervor, in dem sich die öffentliche Wahrnehmung der Rechenschaftspflicht der Regierung am stärksten verschlechtert hat", heißt es in der Studie: "Die Ansicht, dass die Regierung nur einer Minderheit dient, stieg von 34 Prozent im Jahr 2020 auf 54 Prozent im Jahr 2024." (...)"
Quelle

Gimli

10. Mai 2024 11:06

@Adler Drache
"knorke" ist eigentlich ein Lob, passt aber iwie inhaltlich nicht zu Ihrer Replik. "Nicht ernst zu nehmen" muss ich retournieren, denn außer Unsachlichkeiten enthält Ihre Einrede nicht.Repression ist ein mätyrerhaftes Wort. HB mag sich so nachvollziehbar einordnen, denn er hat existentiell wahrlich zu spüren bekommen, was es heißt, anders zu denken. Was Ihnen widerfahren sein mag, schreiben sie nicht. Ist schlussletzlich alles eine Frage von Rändern und wie ich meine: Zu weit außerhalb der ausgehandelten Normen (Sitten, Moral, aber auch "Körperlichkeiten") wirds hart. Im Vergleich zu echten Diktaturen wie DDR, Putins Reich oder der PIS' Polen ist aber hierzulande alles Gejammere hier nicht so richtig ernst zu nehmen. 
 

Gimli

10. Mai 2024 11:23

@ofeliaa
Lobbygruppen sind nicht per se korrupt. In Prinzip ist jeder Zusammenschluss von Menschen, die meinungsbildend arbeiten wollen, schon eine Lobbygruppe. Ein Automobilverband, eine Gewerkschaft, uvwm bündeln Interessen und stellen eigentlich erst einmal in einer reinen Form vorteilhaft und zielführend "one face to the politician" dar. Da wir als Demokratie auch marktwirtschaftlich organisiert sind, ist demzufolge auch Werbung zulässig. Vorteilnahme natürlich nicht. Aber warum immer auf Politker schimpfen, sie sind auch ein Spiegel der Gesellschaft. Wo der larmoyant sich selbst titulierende kleine Mann versucht, mit der Steuer zu tricksen oder sich "Fehltritte" erlaubt, darf man auch in der Politik keine Heiligen erwarten. So gesehen war der Vorwurf an den ehem Bundespräsidenten Wulf, ein Bobby Car für sein Kind sein Vorteilnahme gewesen, auch lächerlich und untergraben der Medien Seriösität. Aber das ist ein anderes Thema.

das kapital

10. Mai 2024 11:52

Der Nihilismus herrscht. Das Geld herrscht. Die Lobby der transatlantischen Turboegoisten herrscht. Die Spaltung der Gesellschaft hat dort ihre Ursachen. In dem Widerspruch zwischen angeblicher Volksherrschaft und tatsächlicher Zerstörung der Existenzgrundlage und des Wohlstands des Volkes. Die transatlantsichen Turboegoisten können fürstlich leben, weil sie Strukturen geschaffen haben, innerhalb derer das Volk sich nicht rechtmäßig dagegen verteidigen kann, dass ihm die Butter vom Brot genommen wird. Ihr seid so reich und gestaltungsmächtig, weil es euch gelingt, die Rechts- und die Machtverhältnisse so zu gestalten, dass die wesentlichen Akteure nicht zum Wohle des Volkes handeln, sondern zu eurem. /// Nicht mal eine "Nacht der langen Messer" würde daran viel ändern können. In gewisser Weise gab es ja 1933 eine Nacht der langen Messer. 12 Jahre verheerender Machtmissbrauch folgten. Dennoch wurden aber auch manche von denen abgeräumt, die dem Volke die Butter vom Brot genommen haben. /// Auf längere Frist haben sich aber erneut diejenigen durchgesetzt, die dem Volke die Butter vom Brot nehmen. Und sie sitzen fester im Sattel als je und haben sich international allerbestens vernetzt. Sowas wird denen nie wieder passieren. Dafür mögen NATO, IWF, WEF, EZB, EU, WHO und diverse gut geschulte und gefügige Akteure in den Parlamenten und Regierungen schon sorgen. Die trans-atlantischen Turboegoisten sind die Gegenwart und die Zukunft Deutschlands.

Maiordomus

10. Mai 2024 11:57

@links/ Daumen. Aussage des von mir seit 50 Jahren zitierten Voegelin, "nicht falsch gemeint", bedarf vorurteilsloser hist. "Aufarbeitung", was, vergleiche "Kolonialismus", parteiliche vorwegs verurteilende Geschichtsschreibung nicht ausschliesst. Kurt Goldammer, Kirchenhistoriker Marburg, betr. Gnosis, Hauptleistung bei Voegelin, ebenso Weltrang wie dieser, verwies, ob Selbstverteidigung oder nicht, auf damalige Nischen für mannigfache Spitzenforschung, Den von E.V. beklagten Schaden leugnete er nicht. Aber Kriterien "akademische Oberschicht, Mittelschicht und Unterschicht" sind dümmlich, hätte Ihnen Wittgenstein, Paracelsus, Nietzsche, Schopenhauer dartun können, auch Sieferle in St. Gallen. Jenseits v. Rosenbergnazi erbrachte Eckhartforschung Spitzenleistungen, Keplerforschung (M. Caspar),Thomismus (Josef Pieper), intellektuell objektiv nicht dümmer als Marxismus usw. Goldammer verwies auf fruchtbare Nischen, die wie im kommunist. Machtbereich Leistungsausweis ermöglichten. Auch Privatgelehrte wie L. Ziegler oder Will E. Peuckert publizierten damals auf verwandten Gebieten Forschungswerke wie später Voegelin, sogar über Widerstandsrecht (1943), natürlich nicht Buchtitel.. Dass W, Benjamin mehr zitiert wird als Voegelin u. Co., ist Zitierpriorität des Mainstreams, nicht herrschaftsfreier Diskurs. Bei 68ern wies Lübbe intellektuell Carl Schmitt analoge Denkstrukturen nach, letzterer  auch nicht gerade "geistige Mittelschicht". Das fatale Problem liegt, wie zB. bei  Peter Singer, woanders.               

Maiordomus

10. Mai 2024 12:18

@Das Kapital. Das Judentum lebt in der Tat, wie in der Bibel angesprochen, weiter bis ans Ende der Tage. Nur "unwidersprochen" blieb es zu keiner Generation und zu keiner Zeit. Wie sind Sie darauf gekommen?
Natürlich hat die CDU noch nie gesagt, die Partei sei "Dein Herr und dein Gott", auch nicht "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben." Es genügt, dass Wahlkampf ist. Immerhin war bei dieser Gelegenheit selbst bei Adenauer. "Die SPD ist der Untergang Deutschlands." Es wird auf die Pauke gehauen, und die AfD ist für die Partei der grösste Hemmschuh für eine aus ihrer Sicht bürgerliche, strukturkonservative konsensuelle Mitte-Rechts Mehrheit einer Partei ohne die weltanschaulichen Grundlagen, die zu ihrer Gründung geführt haben. Auch ist es natürlich ein Schwindel, die heutige Rechtsopposition auf Programmatiken früherer CDU-Programme zu reduzieren, die zwar keineswegs aus Täuschungsabsicht bei der AfD gelandet sind. Diese Partei ist sowohl anders "rechts", als es die CDU je war, aber auch von der Hitlerei wohl noch weiter entfernt als die italienische Regierungschefin mit nicht verleugneter Genealogie v. Faschismus. Auch Sarah Wagenknecht ist, so wenig wie Weidel mit Röhm, nicht mit Pol Pot zu verwechseln.  Schön wäre es für die Union, wenn ihr Feindbild stimmen würde.   
 

das kapital

10. Mai 2024 12:44

@ Maiordomus Mit Ironie soll man sparsam umgehen, um verstanden zu werden. Die römische Herrschaft hat keinen Bestand mehr und ebensowenig ist das Judentum unwidersprochen, angefangen mit der babylonischen Gefangenschaft. Christus ist ja nun gerade Berufsoppositioneller und damit ein Widersprecher hinsichtlich der damals vorherrschenden Auslegung und Anwendung des Judentums. Jesus hat sich nun gerade mit den Herrschenden angelegt. Sowohl mit den spirituell als auch mit den weltlich Herrschenden.

heinrichbrueck

10. Mai 2024 14:05

"Auf Konrad Adenauer wurde bereits im Jahr 1952 ein Paketbombenanschlag verübt. In München bat ein Fremder zwei Jungen, ein Päckchen für ihn zur Post zu bringen, er müsse einen Zug erreichen. Die aufgeweckten Jungs merkten aber, dass er ihnen heimlich folgte, was nicht zum Zeitmangel passte, wurden misstrauisch und brachten das Paket zur Polizei. Was sich wie eine Detektivgeschichte für Kinder anhört, war leider sehr ernst. Das Paket flog beim Öffnen in die Luft, wodurch ein Polizist starb und mehrere verletzt wurden, teilweise schwer." (nuada2.wordpress.com) Für die Rosen hat es gereicht. Der Rosenzüchter dazu: "Für mich ist das die Tat eines Verrückten." Wären die "aufgeweckten Jungs" doch auch Rosenzüchter gewesen, am besten noch gebildetere. 
Der Bundeskanzler (SPD): "wenn wie zum Beispiel zuletzt auch grüne Kandidatinnen und Kandidaten angegriffen werden. Die Demokratie wird von so etwas bedroht." Wird ein Martin K. totgeschlagen, ist es der Demokratie wohl scheißegal. Der Kindergarten versteht den Widerspruch nicht. Ich kann mir unbewaffnete Rosenstöcke einfach nicht vorstellen, da ist nichts zu machen. 

Gracchus

10. Mai 2024 14:54

Bonner Republik II: Die Kultur- und Bildungszerstörung oder -kontaminierung wurde m. E. größtenteils durch den NS bewerkstelligt. Da gebe ich @Links recht. Die BRD hatte verschiedene Phasen; insgesamt aber wurde die Zerstörung m. E. fortgesetzt - durch forcierte Modernisierung, durch ein eher angelsächsisches Nützlichkeitsdenken, Flurbereinigung, hässliche Zweckarchitektur und eine Überformung durch amerikanische Popkultur. Zur Wahrheit gehört wohl auch, dass dies von der Bevölkerung weitgehend begrüßt wurde, so, als hätte man von sich selbst erst mal genug. Unter der schönen Wirtschaftswunderfassade brodelt die Traumata und Neurosen. Der Wohlstandszuwachs wirkt insoweit wohl wie  ein Sedativum. 

Laurenz

10. Mai 2024 15:05

@Maiordomus @L. ... Es gab zwar Besuche AHs im Hospital zugunsten Verwundeter, aber im Grunde konnte er das nicht mehr ertragen. Ein Kanzler muß kein Wissenschaftler sein. Eine weitere Lücke, die man ihm, dem Kaiser & vielen anderen vorwerfen kann, ist die Blindheit gegenüber dem Vernichtungswillen der Alliierten gegenüber den Deutschen. Die beiden Kriege, die AH auf innenpolitischen Druck hin anzettelte, waren militärische Konflikte um Deutsche Territorien in der sogenannten Tschechei (inklusive Prag, hier ohne Kampfhandlungen) & mit der Polnischen Militärdiktatur, aus heutiger offizieller Sicht, vollkommen gerechtfertigt, siehe Ukraine-Krieg. Die perverse Existenz Stalins sicherte den restlichen Deutschen das Überleben.

Gracchus

10. Mai 2024 15:05

Bonner Republik III: Das soll keine Kritik sein. "Hätte", "wenn" und "aber" sind müssig. Entscheidend ist, was man aus der jetzigen Situation macht. Wie auch immer: Die BRD mit ihrer obersten Priorität der Wohlstandsmaximierung zeigt, dass dies, zumal unter kapitalistischen, wenn auch sozialstaatlich abgefederten Bedingungen, nicht ausreicht, um eine gemeinsame Identität auszubilden. Das ist offensichtlich zu wenig. 

Maiordomus

10. Mai 2024 15:36

Das Positive kommt zum Schluss
@brueck. Die Geschichte wird wenig befriedigend erzählt. Es endet, es habe für den Rosenzüchter gereicht, mit Einschätzung der Tat. Nichts davon, ob er sich für die Angehörigen des Polizisten interessiert habe und für die beiden Jungen, kommt nicht zur Sprache. Dann kommt das mit Scholz betr. "auch grüne Kandidaten", Martin K. totgeschlagen und zuletzt "bewaffnete Rosenstöcke". Ausser dass Ihnen alles nicht passt, besonders die beiden Kanzler in völlig unterschiedlichen Situationen, entsteht kein Zusammenhang.
@Bosselmann. Im Nachbarstrang berichtet Herr K. ebenfalls von "Politik als Beruf", diesmal Zitat Max Weber. Dann Interview mit einem Herrn, der von einem Fan "Donald Krah" genannt wird. Hat man darauf gewartet? Dann wird in Kärnten nach Opposition nach Gramsci gefragt, ein ewiger  "Klassikerbezug", für Kickl und die ö. Wählerschaft kaum eine heissersehnte Weiterbildung.  Natürlich sind Taktik u. Strategie ein praktisches Thema. Aber Ihr @HB, Beitrag oben scheint eher anregend, über die Lage der Zeit, auch die politische, Nachdenklichkeit auszulösen. Dies zeigt die Debatte. Dem Ermöglicher von SiN aber bleibt das Zitat von Armin Mohler an Anfang angemessen . Hinweis auf eine wünschbare, sich wohl nicht so schnell einstellende politische Normalität.    
 
 
        

Mitleser2

10. Mai 2024 15:43

@Gracchus: "Unter der schönen Wirtschaftswunderfassade brodelt die Traumata und Neurosen."
Seltsam, ich bin da aufgewachsen und hatte so was nie. Heute wähle ich AfD. Bin ich ein Geisterfahrer?
 

Laurenz

10. Mai 2024 15:47

@RMH ... Souveränität ... Der institutionalisierte Mangel an deutscher Souveränität, zeigt sich im typische Deutschen Vorausgehorsam transatlantischer Gouverneure an den Schalthebeln politischer Macht zu Berlin. Taliban oder schwarzafrikanische Revolutionäre der Sahelzone schmeißen bedenkenlos Amis & Franzmäner aus ihren Ländern/Staaten raus. Sie nutzen einfach die kostengünstigeren Sicherheits- & ökonomischen Angebote Chinas & Rußlands. Bis hier einer den Schneid hat, Ramstein nach Polen zu verlegen, fließt noch viel Wasser den Rhein herunter. https://youtu.be/D-szJY7Eo9E Wenn das hier Gregor Gysi schon vor 10 Jahren entsprechend schildert, wird an meiner Aussage schon was dran sein. Es ist ja auch nicht besser geworden, eher schlimmer.

das kapital

10. Mai 2024 16:05

@ Gracchus Ja, was machen Sie, was mache ich, was machen wir hier im Forum aus dieser Situation ? Habermas fabulierte ja immer von einem blutleeren "Verfassungspatriotismus". Das ist Steinmeier pur in gewisser Weise. Obwohl ja manche hier im Forum gerne diskutieren, das Grundgesetz sei nicht einmal de facto und durch Zeitablauf zur Verfassung geworden. Unser Bundesdönermann ist jedenfalls zur Identitätsstiftung nicht geeignet. /// So ein rheinischer Kapitalismus hatte was für sich. Der ist aber unter derzeitigen Rahmenbedingungen nicht mehr zu haben. /// Gemeinsame Identität ? Was habe ich denn mit Scholz mit Steinmeier mit Habeck mit Baerbock gemeinsam außer Pass Personalausweis und Sprache ? Schimpansen haben zu 98 Prozent das vergleichbare Genmaterial wie die. Verbunden fühle ich mich denen trotzdem nicht. Nicht den ersteren und nicht den letzteren. /// Solidarität der von den transatlantischen Turboegoisten ausgeplünderten Mittelschicht wäre gefragt. Keiner ist mehr in der Lage, gegen das System der Ausplünderung, der Zerstörung von persönlicher wie wirtschaftlicher Freiheit alleine vorzugehen. Wenn es aber über Parteien nicht (mehr) geht, dann müssen halt andere erfolgversprechende Netzwerke her. Die Bauernproteste waren da ein guter Anfang.

Maiordomus

10. Mai 2024 16:54

@Laurenz. Was heisst "Besuche zugunsten Verwundeter?"

Adler und Drache

10. Mai 2024 17:08

@LaTorreMurcia: Sowas kann man auch nur schreiben, wenn man keine Berufung hat und nicht mal weiß, was das ist. 
@Monika: Nein, "wir" sind nicht anders, wieso auch? "Wir" sind im Augenblick bloß die Underdogs. Sollten "wir" mal oben sein (Overdogs?), werden wir sehr schnell sehr ernüchtert & enttäuscht sein.  

Laurenz

10. Mai 2024 19:59

@Maiordomus @L. ... Ich hätte den Terminus Lazarett wählen sollen.

Gracchus

10. Mai 2024 20:18

@das kapital: Verfassungspatriotismus ist eine Kopfgeburt. Genau genommen hat sich das deutsche Volk das Grundgesetz auch nicht gegeben, zumal das wiedervereinigte. Es könnte aber ein Zukunftsprojekt sein, gemäß Art. 146 GG möglich, wenn das deutsche Volk tatsächlich wieder vereinigt ist. Die Verfassung wäre dann Ausdruck einer Identität, nicht deren Inhalt. 
Mit Steinmeier u. a. haben Sie die Sprache gemeinsam, das ist doch schon was, wobei - das kann man auch bezweifeln, man spricht nicht mehr dieselbe Sprache. Die Sprache Steinmeiers, Baerbocks, Habecks ist völlig entleert - ein Frechheit. 

Franz Bettinger

10. Mai 2024 20:54

Off topic: Ausgangs des Dorfes prangte ein großes Wahlplakat der AfD. Schon in der ersten Nacht wurde es zerstört. Nach-Kleben? Wozu? Die Regimetreuen (Antifa) werden es immer wieder zerstören. Da hatte ich eine Idee. 
Als wir fertig waren und mit einer Papp-Schablone den Namenszug der AfD gut sichtbar wieder auf das demolierte Plakat gepinselt hatten, damit zumindest den Passanten klar würde, welcher Partei der  ganze Hass und die Vernichtungswut der „Wehrhaften All-Parteien-Demokratie“ gilt, da stoppte neben uns ein schwarzer SUV mit 2 Arabern in ihren besten Jahren drin. „Was machen ihr?  Da!“ „Wir haben das Schild angemalt.“ "Warum?“ „Warum nicht?“ sagte ich. Die zwei waren verblüfft und guckten böse. Hinter ihnen bildete sich eine Autoschlange; keiner hupte; man beobachte neugierig das Geschehen. „Wir haben das Wort AfD neu auf das kaputte Plakat gepinselt, weil jemand das Plakat mit Farbe zerstört hat.“ „Ah, ihr seid AfD. Reparieren? Gut,“ sagte der Araber. Sie lächelten und fuhren von dannen. Hinter ihnen eine längere Autoschlange. Ich glaube, die meisten Fahrer lächelten ebenfalls. Wir winkten freundlich... & waren der Antifa fast dankbar... für die billige, aber effektive Wahl-Unterstützung. Wir haben uns vorgenommen, das Schild jeden Tag neu herzurichten. Schablonen sind eine gute Erfindung.

Adler und Drache

11. Mai 2024 09:11

Nietzsches sattsam zitiertes Diktum vom Schauen in den Abgrund kann man sowohl als Analyse wie auch als Warnung verstehen. Die 68er haben zu lange in den Abgrund des NS hineingeschaut - und die AfD schickt sich an, diesen Fehler mit den 68ern zu wiederholen. Wie man diesen Fehler vermeidet, Linksfixiertheit aufbricht und aus der politischen Dämonologie herauskommt, kann man beispielhaft an Bosselmanns Texten lernen, deshalb sind sie so wichtig.  

Mitleser2

11. Mai 2024 10:44

@RMH: Vasall ist, wer Northstream nicht untersuchen will oder darf.
Noch ein Beispiel: In Kourou starteten Soyuz-Raketen für Europa. Das hat die EU/ESA abgebrochen. Hintergründe unklar, aber US-Druck ist stark zu vermuten. Kann natürlich auch sein, dass es vdL als strenge Transatlantikerin auch aus eigenem Antrieb gemacht hat, egal. Ergebnis: derzeit keine eigenen Startmöglichkeiten, weil man selbstverschuldet mit den eigenen Raketen in massive Probleme gelaufen ist. Aber auf der ISS-Station arbeiten USA und Russland weiter zusammen, als sei nichts geschehen. Und Europa muss jetzt seine Satelliten mit Elon Musks SpaceX starten, hahaha. Wenn das kein Vasallentum ist ...

links ist wo der daumen rechts ist

11. Mai 2024 11:51

@ Hausmeier
Es geht doch nicht darum, die Schlupfwinkel im NS für akademische Qualität zu suchen (hatte die Ehre, für ein Buch eines verdienstvollen dt. Kulturwissenschaftlers ein Kapitel über die sog. „Mittwochsgesellschaft“ beizusteuern), „belastete“ Ausnahmetalente zu nennen (für mich ein Beispiel von vielen: Hans Naumann) oder gute wissenschaftlich-editorische Arbeit anzuführen (Sancta Claras dreibändiges Werk „aus dem handschriftlichen Nachlaß unter Förderung des Reichsstatthalters in Wien Reichsleiters Baldur von Schirach hrsg. von der Akademie der Wissenschaften in Wien“?).
Tatsache ist, daß österr. und dt. Universitäten bis noch in die Zwischenkriegszeit hinein Weltgeltung hatten. Voegelin meint ja mit dem „Professorentyp aus dem Jahr 1929“ niemand geringeren als Alfred Weber. Seine Gewährsleute innerhalb und außerhalb des akademischen Diskurses: Max und Alfred Weber, Eduard Meyer, Spengler und Toynbee, Stefan George und Karl Kraus, Othmar Spann und Hans Kelsen, John Dewey und Whitehead, Santayana und Paul Valery u.a.m.
Nach 1945 fand sich das wiss. Niveau an amerikan. Elite-Unis.
Für Deutschland mag es noch Ausnahmen gegeben haben (exemplarisch Adorno vs. Gehlen) oder die verschlungenen Nachwirkungen des George-Kreises, wie von Ulrich Raulff beschrieben. Aber nennen Sie mir für die österr. Universitäten nach 1945 nur eine namhafte Gestalt. Da ist nichts, ein einziger Sauladen (um einen von AHs Lieblingsausdrücken aus den „Tischgesprächen“ zu verwenden).

Maiordomus

11. Mai 2024 12:12

@ Adler& Drache. Sie sehen, wo Substanz des Heftes "Criticon" schon durchging, das im Kalten Krieg noch antikommunistisch war, aber bei tiefsinnigsten Artikeln Solschenizyn rezipierte, zum Beispiel "Krebsstation", wo es wie im Meisterfilm "Der Stalker" von Tarkoswski um Fragen ging, die weder Hollywood noch die westlichen Universitäten auf dem Radar hatten und haben. Nach Jüngerschem Motto, Zensur verfeinere den Stil. Es gab aber damals noch keinen Mitarbeiter mit dem Erfahrungshorizont von Bosselmann,  was die Perspektive nun klar erweiterte. 
@ RMH/Mitleser 2: ++"Vasall ist, wer Northstream nicht untersuchen will oder darf."** Stark!  Dazu sich freilich durch politische Fixierungen weder zum Vasallen der Herrscher einer flachendeckend antiemanzipatorischen Weltrepublik machen lassen noch zum Vasallen seiner selbst, mit unausgegorenen anfängerhaften politischen Theorien, wie einst die 68er mit abonnierten Feindbildern. Fragestellungen, wie sie demnächst wieder in der Buchhandlung Loschwitz zum Austrag kommen, auch der unprometheische Epimetheus Bosselmann, sollten, wiewohl nicht primär politische Ratgeber, keineswegs unterschätzt werden.    

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