Die Boomer, das Ende und wir – ein Gespräch

JÖRG SEIDEL: Herr Weber, wir haben uns auf der Akademie im Herbst kennengelernt. Sie – Philosophiestudent, 24 Jahre – haben mir für einen Moment ein Licht angezündet: Mir wurde in unserem Gespräch plötzlich der Begriff des »Boomers« erhellt. Bis dahin hielt ich ihn für ein ironisches Ornament, ein Witz im Grunde, ein Spaß über die Alten. Was verstehen Sie unter einem Boomer? Sprechen wir von einer Alterskohorte oder von einem Typus?

WEBER: Bei­des. Die Baby-Boo­mer sind als Alters­ko­hor­te bekannt­lich die gebur­ten­star­ken Jahr­gän­ge etwa von 1945 bis 1965. Was die­sen Typus aus­zeich­net, läßt sich gut am Meme »OK, Boo­mer« ver­deut­li­chen. Das Meme dien­te als eine Art Tot­schlag­ar­gu­ment gegen die Beleh­run­gen die­ser Gene­ra­ti­on: Es genügt ein »OK, Boo­mer«, um die Dis­kus­si­on zu been­den. In die­ser Flos­kel steckt bereits das Wesent­li­che: Der Boo­mer erklärt uns die Welt, weil er glaubt, alle Ant­wor­ten zu haben. Dabei merkt er nicht, daß unse­re Zeit ganz ande­re Fra­gen stellt. Gleich­zei­tig gibt es auch das Gefühl, daß der Boo­mer nicht nur unbe­tei­ligt, son­dern aktiv mit­ver­ant­wort­lich für die Schwie­rig­kei­ten ist, mit denen wir heu­te kämp­fen. Der Typus des Boo­mers, der auch einer ande­ren Alters­ko­hor­te ange­hö­ren kann, ver­eint also eine Mischung aus Rea­li­täts­fer­ne und igno­ran­ter Selbst­be­zo­gen­heit, die bis ins Rück­sichts­lo­se rei­chen kann.

SEIDEL: Was Sie sagen, impli­ziert einen kom­plet­ten Kul­tur­bruch. In der gesam­ten Geschich­te der Mensch­heit hat­ten die Alten – auf­grund ihres Erfah­rungs­vor­sprun­ges und auf­grund ihrer bio­gra­phisch erwor­be­nen »Gelas­sen­heit« – das Pri­vi­leg der Beleh­rung. Tat­säch­lich haben die jun­gen Leu­te heu­te in der Regel einen tech­nisch-media­len Wis­sens­vor­sprung, die Schü­ler wer­den Leh­rer und die Leh­rer Schüler.

WEBER: Wir dür­fen nicht ver­ges­sen, daß wir in Deutsch­land und im Wes­ten eine Situa­ti­on erle­ben, in der es mehr alte als jun­ge Men­schen gibt. Die­ser Zustand ist in der Mensch­heits­ge­schich­te in die­sem Aus­maß bei­spiel­los. Hier beginnt bereits die Umkeh­rung der Ver­hält­nis­se. Es drängt sich die Fra­ge auf, wel­che weit­rei­chen­den gesell­schaft­li­chen Fol­gen eine sol­che demo­gra­phi­sche Ver­schie­bung nach sich zie­hen wird.

Die fast uni­ver­sel­le Tra­di­ti­on, die Alten zu ehren, könn­te zu einem gewis­sen Grad schlicht auf dem Prin­zip von Ange­bot und Nach­fra­ge beru­hen. Die Alten wur­den ver­ehrt, ihre Erfah­rung galt als wert­voll, weil sie rar waren. Respekt vor dem Alter hat­te also einen rea­len und nicht nur ideel­len Wert. Heu­te jedoch haben wir ein Über­an­ge­bot an Alten. Und mit die­sem Über­an­ge­bot geht eine Ent­wer­tung ein­her. Die Mas­se an Alten, wie wir sie in der BRD erle­ben, hat die Vor­stel­lung eines wür­de­vol­len Alterns gera­de­zu ent­zau­bert. Wie vie­le seni­le, mür­ri­sche Alte begeg­nen uns? Das ist ein bekla­gens­wer­tes Altern.

Es geht uns nicht dar­um, Leh­rer der Alten zu wer­den, es geht dar­um, uns unse­re Zukunft nicht von der Gegen­wart der Boo­mer ver­bau­en zu las­sen. Wir for­dern unser natur­ge­ge­be­nes Recht als Gene­ra­ti­on ein. War­um natur­ge­ge­ben? Weil in allen bis­he­ri­gen Gesell­schaf­ten die Natur ihren Dienst getan hat, die Alten abge­tre­ten sind, um den Jun­gen Platz zu machen, ein bio­lo­gi­sches Fak­tum, das über Jahr­tau­sen­de hin­weg die Sta­bi­li­tät von Gesell­schaf­ten sicherte.

SEIDEL: Neben der demo­gra­phi­schen gibt es auch eine zuneh­mend tech­nisch-kom­mu­ni­ka­ti­ve Dif­fe­renz zwi­schen den Gene­ra­tio­nen. Die Alten kön­nen die »Digi­tal Nati­ves« kaum noch ver­ste­hen, weil sie deren Welt der Gerä­te, der sozia­len Medi­en und damit auch der neu­en Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tu­ren nicht mehr ver­ste­hen. Qua­li­ta­tiv ist das jedoch nicht immer ein Gewinn: Man kann direkt von All­round-Ver­blö­dung durch aso­zia­le Medi­en spre­chen, man spricht bereits von »digi­ta­ler Demenz«.

WEBER: Die tech­nisch-kom­mu­ni­ka­ti­ve Dif­fe­renz zwi­schen den Gene­ra­tio­nen wächst nicht nur – son­dern sie wächst expo­nen­ti­ell. Ich bekom­me es selbst zu spü­ren. Älte­re Zoo­mer schau­en mit Befrem­den auf das Trei­ben der jün­ge­ren Zoo­mer und der Gene­ra­ti­on Alpha. Wäh­rend wir älte­ren Zoo­mer zwar als »Digi­tal Nati­ves« mit dem Inter­net auf­ge­wach­sen sind, hat­ten wir Smart­phones und mobi­les Inter­net erst so rich­tig im Teen­ager­al­ter. Wenn wir nun aber zu den jüngs­ten Jahr­gän­gen schau­en, sieht die Situa­ti­on anders aus. Die heu­ti­gen Teen­ager sind seit Kin­des­bei­nen mit dem Smart­phone ver­traut, die aller­jüngs­ten wer­den vor das Smart­phone gesetzt, bevor sie über­haupt lau­fen kön­nen. Es scheint ein genau­so per­fi­des Aus­trick­sen der Psy­cho­lo­gie und Bio­lo­gie zu sein wie das Fast Food.

SEIDEL: Wir haben es also mit ver­schie­de­nen par­al­lel ver­lau­fen­den, sich wider­spre­chen­den gene­ra­tio­nel­len Phä­no­me­nen zu tun. Wäh­rend die bio­lo­gi­sche Gene­ra­tio­nen­fol­ge über vie­le Jahr­tau­sen­de durch­schnitt­lich um die 20 Jah­re betrug, reden wir jetzt von 30 bis 40 Jah­ren. Lebens­welt­lich betrach­tet, also tech­nisch-kom­mu­ni­ka­tiv, wer­den die Gene­ra­tio­nen­ab­stän­de hin­ge­gen immer kür­zer. Nun ist es aller­dings so, daß die Zoo­mer die Feh­ler der Boo­mer ja anschei­nend wie­der­ho­len und oft sogar in Potenz. Die kla­gen­de Gene­ra­ti­on bekommt selbst kei­ne Kin­der mehr und wenn, dann stel­len sie ihre Klein­kin­der schon im Kin­der­wa­gen mit End­ge­rä­ten ruhig.

WEBER: Aus mei­nem Freun­des- und Bekann­ten­kreis hat nie­mand Kin­der. Wor­an die Kin­der­lo­sig­keit mei­ner Gene­ra­ti­on liegt, dar­über möch­te ich nicht spe­ku­lie­ren, weil es so unfaß­bar vie­le Erklä­rungs­an­sät­ze gibt. Aus mei­ner Per­spek­ti­ve kann ich nur fest­stel­len: Es han­delt sich um eine Ver­än­de­rung der gesell­schaft­li­chen Dis­po­si­ti­on. Das »Man« ist verlorengegangen.

Es gibt gesell­schaft­li­che Dis­po­si­tio­nen, in denen ein Ver­hal­ten wie die Fami­li­en­grün­dung oder das Kin­der­krie­gen nahe­lie­gend ist – eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, ein »Man«. In Ihrer Gene­ra­ti­on hat man gehei­ra­tet und Kin­der bekom­men. Das ist heu­te nicht mehr der Fall. Fami­li­en­grün­dung ist von einer Selbst­ver­ständ­lich­keit zu einer bewuß­ten Anstren­gung geworden.

SEIDEL: Zurück zum Boo­mer: Sie hat­ten mir am Tre­sen eine Sze­ne geschil­dert, die mich erschüt­ter­te. Kön­nen Sie das noch ein­mal kurz schildern?

WEBER: Ja, ich war letz­tes Jahr auf einer Ver­an­stal­tung, die sich mit der Stra­te­gie­bil­dung für die Rech­te beschäf­tig­te. Der Refe­rent äußer­te sich pro­vo­kant und sag­te sinn­ge­mäß zum The­ma Mas­sen­ein­wan­de­rung: Anstatt Pfle­ge­kräf­te aus ande­ren Län­dern zu holen, sol­le man lie­ber die Boo­mer dort­hin depor­tie­ren, damit sie dort wei­ter­ver­sorgt wer­den kön­nen … Kurz gesagt: »Sol­len sie doch dort ver­re­cken.« Dar­auf­hin brach im Saal unter den Zoo­mern tosen­der Applaus los.

SEIDEL: Das sitzt also tief, das berührt Ver­stand und Emo­ti­on, die Res­sen­ti­ments – um kei­nen här­te­ren Begriff zu wäh­len – sind sub­stan­ti­ell. Mir scheint, die Boo­mer haben die affek­ti­ve Dimen­si­on des Phä­no­mens noch längst nicht begrif­fen. Sie beschrei­ben da eine Sze­ne unter Rech­ten. Kön­nen Sie ein­schät­zen, ob es Unter­schie­de zwi­schen lin­ken und rech­ten Zoo­mern gibt?

WEBER: Ich den­ke, daß es hier auch Über­schnei­dungs­punk­te gibt, vor allem in dem gemein­sa­men Gefühl, daß die Art und Wei­se, wie Poli­tik betrie­ben wird, nicht nach­hal­tig ist – auch wenn die Schwer­punk­te unter­schied­lich gesetzt wer­den. Bei den Rech­ten ist es die Migra­ti­ons­fra­ge, bei den Lin­ken die Klimafrage.

Aber was uns als Zoo­mer alle ver­bin­det, ist die Lebens­wirk­lich­keit jun­ger Men­schen in der BRD – eine Rea­li­tät, die man nicht anders als als ein »Frei­luft-Alters­heim« bezeich­nen kann. Die »elek­to­ra­le Gei­sel­haft« ist ein wei­te­rer Punkt. Egal, was wir wäh­len, am Ende kommt durch die zah­len­mä­ßi­ge Über­macht des Boo­mer-Elek­to­rats ein Gemisch aus den Alt­par­tei­en zusammen.

Eine altern­de Gesell­schaft ist ­zwangs­läu­fig eine weni­ger dyna­mi­sche, denn die Dyna­mik kommt von unten, von den jun­gen Gene­ra­tio­nen. Feh­len sie, bleibt nur Sta­gna­ti­on. Wäh­rend man in Deutsch­land aner­kennt, daß die Über­al­te­rung wirt­schaft­li­che Kon­se­quen­zen hat, die man durch Mas­sen­mi­gra­ti­on aus­zu­glei­chen ver­sucht, wer­den die poli­ti­schen und kul­tu­rel­len Aspek­te die­ser Sta­gna­ti­on sel­ten thematisiert.

Neben der Über­frem­dung mit all ihren Kon­se­quen­zen gibt es also auch die Über­al­te­rung unse­rer Gesell­schaft. Wäh­rend die Über­frem­dung von der Rech­ten aus­gie­big dis­ku­tiert wird, fehlt es an einer ernst­haf­ten Aus­ein­an­der­set­zung mit der Überalterung.

SEIDEL: Remi­gra­ti­on ist also nur die eine Sei­te der Medail­le, Juve­na­li­sie­rung wäre die ande­re. Gehen wir durch ein belie­bi­ges Stadt­zen­trum, dann sehen wir neben den Alten – deutsch oder auch schon nicht mehr – vor allem leb­haf­te, lau­te, ges­ti­ku­lie­ren­de und viri­le Jung­män­ner­grup­pen aus ande­ren Kul­tu­ren, und immer öfter sieht man sogar, wie sich die ein­hei­mi­schen Mäd­chen lie­ber die­sen zuge­sel­len, als sich mit blas­sen, vom ­Han­dy­na­cken gebeug­ten jun­gen Deut­schen abzu­ge­ben. Wie sagt man heut­zu­ta­ge: Was macht das mit den Zoomern?

WEBER: Das ist ein rea­les Phä­no­men. Zwi­schen deut­schen und migran­ti­schen Jugend­li­chen gibt es nicht sel­ten Ani­mo­si­tä­ten. In kon­kre­ten Situa­tio­nen auf der Stra­ße hat man den Talahons sel­ten etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Deut­sche wur­den anders erzo­gen. Sie ken­nen nicht nur nicht die kul­tu­rel­len Codes der migran­ti­schen Jugend­grup­pen, son­dern auch nicht die einer vita­len, genui­nen Jugendkultur.

Für deut­sche Jugend­li­che erge­ben sich jeden­falls zwei Nach­ah­mungs­op­tio­nen: ­Ent­we­der man über­nimmt den Habi­tus, eifert migran­ti­schen Jugend­li­chen nach und wird selbst zum Talahon, oder man ahmt das nach, was man bei die­sen migran­ti­schen Jugend­li­chen sieht, aber selbst nicht hat: den Stolz, den Natio­nal­stolz. Ich den­ke, das ist auch ein Grund, wes­halb die AfD bei Zoo­mern so beliebt ist. Die AfD greift die­se Pro­ble­ma­tik mit Leu­ten wie Krah auf: »Du bist Deut­scher, mach was draus.«

SEIDEL: Man hört immer wie­der, Tik­Tok habe Welt­ge­schich­te gemacht. So wur­de die Wahl in Rumä­ni­en annul­liert, weil die­se angeb­lich über rus­si­sche Beein­flus­sung mani­pu­liert wor­den sei. Krah behaup­tet, auf­grund sei­ner Tik­Tok-Schnip­sel der »belieb­tes­te AfD-Poli­ti­ker« zu sein. Schaut man sich die tat­säch­li­chen Klick­zah­len an, die in der Regel maxi­mal ein paar hun­dert­tau­send Leu­te umfas­sen, dann ergibt das alles kei­nen Sinn. Es kann schon quan­ti­ta­tiv nicht stim­men. Haben Tik­Tok und ähn­li­che Platt­for­men die­se Macht über Jugend­li­che? Und was bedeu­te­te das über­haupt für eine sinn­vol­le poli­ti­sche oder gar meta­po­li­ti­sche Arbeit?

WEBER: Sich nur auf den einen Account zu fokus­sie­ren und so Schlüs­se über die Reich­wei­te zu zie­hen ist nicht aus­sa­ge­kräf­tig. Das liegt an zwei Din­gen: Ers­tens haben wir es bei sol­chem »Con­tent« meist gar nicht mit einer klas­si­schen Situa­ti­on von Sen­der und Emp­fän­ger zu tun. Statt des­sen gibt es neben dem »Ori­gi­nal« unzäh­li­ge Reu­ploads mit Bear­bei­tun­gen, Inter­view­schnip­seln oder Zusam­men­schnit­ten mit Musik unter­leg­ten »Edits«, die dann auch wie­der hoch­ge­la­den und erneut bear­bei­tet wer­den. So ent­steht ein schein­bar unend­li­ches media­les Recy­cling, eine ganz ande­re Art der media­len Pro­li­fe­ra­ti­on. Es ent­steht eine ande­re Art der Reich­wei­te, die sich gar nicht so leicht an ein­zel­nen Klick­zah­len bemes­sen läßt und gleich­zei­tig tie­fer in die Psy­che dringt.

Die Rech­te steht unter der Logik des Zug­zwangs, der mit jeder neu­en Tech­no­lo­gie ein­her­geht. Sich der Tech­nik zu ent­zie­hen, weil man sie für mora­lisch bedenk­lich hält, ist fak­tisch kei­ne Opti­on, da man sich durch den Ent­zug einen Nach­teil ver­schafft. War­um soll­ten wir auf die­se Tech­nik ver­zich­ten, wenn sie uns hilft? Das muß man aner­ken­nen: Sie spielt uns über­pro­por­tio­nal in die Hände.

SEIDEL: Also den Tiger rei­ten, des­sen Aus­bruch man eigent­lich ver­hin­dern will. Zurück zur Aka­de­mie: Dort saßen 130 Zoo­mer und haben artig einer Hand­voll Boo­mer gelauscht. Aber was haben die Vor­tra­gen­den, was haben die von die­sen zitier­ten, alt­ehr­wür­di­gen Auto­ri­tä­ten aus einer Zeit, in der kaum jemand auch nur ein Tele­fon benutz­te, Ihnen, der Jugend über­haupt noch zu sagen und wes­halb pil­gern Sie an einen sol­chen Ort, wo alte wei­ße (viel­leicht sogar wei­se) Män­ner von der Kan­zel dozieren?

WEBER: Weil wir kon­ser­va­tiv sind. Denn bei all dem Tiger­rei­ten fra­gen wir uns, wor­an wir uns fest­hal­ten kön­nen. Wir haben bemerkt, daß etwas Erhal­tens­wer­tes ver­lo­ren­geht, und möch­ten es bewah­ren. Viel­leicht gibt es grund­sätz­li­che Miß­ver­ständ­nis­se, die wir gar nicht bemer­ken. Viel­leicht reden wir mit den gene­ra­tio­nel­len Boo­mern in Schnell­ro­da anein­an­der vor­bei. Aber ist das nicht der nor­ma­le Lauf der Zeit? Ich mei­ne, ver­stün­den Homer oder Dan­te unse­re Zeit? Und doch lesen wir sie, weil wir mei­nen, daß sie uns noch etwas zu sagen haben, daß an ihnen etwas Ewi­ges ist. Und das, mei­ne ich, ist auch Teil eines kon­ser­va­ti­ven Pro­jekts – wenn man Kon­ser­va­tis­mus nicht als das Hän­gen an dem sieht, was ges­tern war, son­dern als ein Leben aus dem her­aus, was ewig gilt.

Hier möch­te ich aus­nahms­wei­se die Boo­mer nicht zur Rechen­schaft zie­hen. Wenn wir etwas anders sehen oder das Gefühl haben, daß etwas nicht kon­se­quent zu Ende gedacht wur­de, dann müs­sen wir es selbst tun – und es, falls not­wen­dig, an die älte­re Gene­ra­ti­on her­an­tra­gen. Und davon sehe ich bei den Zoo­mern noch zu wenig. Wir haben uns in und durch Schnell­ro­da ein ideo­lo­gi­sches Besteck erwor­ben, mit dem man jetzt ganz gut han­tie­ren und sich die Welt mit Hil­fe eines eigen­stän­di­gen Den­kens erklä­ren kann. Schnell­ro­da ist unab­ding­bar, wo sonst sol­len wir nach Ant­wor­ten suchen? In Schnell­ro­da wer­den wenigs­tens die Pro­ble­me aus­for­mu­liert, die wir alle wahr­neh­men, die sonst aber über­all tot­ge­schwie­gen werden.

SEIDEL: Ich muß insis­tie­ren. In zwei Punk­ten. Zum einen ist es ja nicht die Fra­ge, ob Homer oder Dan­te uns ver­stün­den, son­dern ob sie uns, ob das Alte dem Jun­gen noch etwas ver­mit­teln kann. Zum ersten­mal kön­nen die Alten den Jun­gen nicht mehr erklä­ren, wie Welt und Leben lau­fen, den Jun­gen fehlt damit der gesam­te edu­ka­ti­ve Hori­zont. Gene­ra­tio­nen­dif­fe­ren­zen gehen weit über den klas­si­schen und anthro­po­lo­gisch begründ­ba­ren Alt-jung-Kon­flikt hin­aus; sie sind heut­zu­ta­ge Welt­al­ter­un­ter­schie­de. Gibt es also das Ewi­ge, von dem wir, die Boo­mer, viel­leicht die letz­ten Rest­re­prä­sen­tan­ten sind, über­haupt noch?

Und zum zwei­ten: Aus Schnell­ro­da kann man ler­nen – etwa von Sophie Lieb­nitz –, daß die­se neu­ar­ti­gen und sehr aggres­si­ven lin­ken Gleich­heits­be­we­gun­gen einen Sta­tus­ge­winn ein­brin­gen. Wokis­mus, Post­ko­lo­nia­lis­mus, Que­er-Theo­rie, Cri­ti­cal-Race-Theo­rie, Femi­nis­mus, Gen­der-Stu­dies, Disa­bi­li­ty-Stu­dies und der­glei­chen kämp­fen gewinn­brin­gend gegen den »alten wei­ßen Mann«. Struk­tu­rell scheint es da Par­al­le­len zur gene­rel­len Boo­mer-Kri­tik durch die Zoo­mer zu geben. Ist die­se also eher gene­ra­tio­nell und weni­ger poli­tisch grundiert?

WEBER: So wie ich Sie ver­stan­den habe, mei­nen Sie hier mit dem Ewi­gen tie­fe und tiefs­te Tra­di­ti­ons­li­ni­en und ‑prak­ti­ken. Aber ich wür­de nicht behaup­ten, daß sich die Boo­mer als deren letz­te Reprä­sen­tan­ten rüh­men dür­fen. Viel­mehr hat die­ses Ewi­ge mit ihnen auf­ge­hört. Die Boo­mer haben unter ande­rem mit der 68er-Bewe­gung das Erbe – sowie die Idee, das Erbe wei­ter­zu­ge­ben – aus­ge­schla­gen, sich ande­ren Zie­len gewid­met und gemeint, sie könn­ten abseits des Alt­her­ge­brach­ten die Din­ge neu set­zen. Sie sind der Bruch in der Ket­te. Sie sind nur noch Nutz­nie­ßer, kei­ne Reprä­sen­tan­ten. Sie haben vom kul­tu­rel­len Boden geern­tet, aber nichts oder nur in einem gerin­ge­ren Maße den Boden bestellt, nichts gesät. Und wir Zoo­mer schau­en nun ins Leere.

Aber ich den­ke, daß durch­aus Ähn­lich­kei­ten zwi­schen der rech­ten Zoo­mer-Wut und zum Bei­spiel der »Fri­days for Future«-Bewegung bestehen. Es geht dar­um, daß die Boo­mer nicht nach­hal­tig gehan­delt haben und uns damit die Zukunft ver­bau­en – also das The­ma des Bruchs eines unge­schrie­be­nen Gene­ra­tio­nen­ver­trags. Und es sind auch ganz ähn­li­che Leid­tra­gen­de: Wenn man sich an die »Fri­days for Future«-Demonstrationen erin­nert, dann waren das fast aus­schließ­lich »bio­deut­sche« Jugend­li­che und meist aus dem Bil­dungs­bür­ger­tum. Man wird sich auf unter­schied­li­che Wei­se sei­ner gene­ra­tio­nel­len Pro­blem­stel­lun­gen bewußt und fin­det dafür ver­schie­de­ne ideo­lo­gi­sche Ven­ti­le. Wenn wir uns die Bewe­gun­gen anschau­en, dann wür­de ich aus rech­ter Per­spek­ti­ve doch eine Unter­schei­dung machen. Es ist rich­tig, daß hier mit der Boo­mer-Aver­si­on Par­al­le­len zu einer Art Res­sen­ti­ment gegen den alten wei­ßen Mann bestehen, aber mit ganz ande­ren Zie­len. Wäh­rend die­se gan­zen »woken« Bewe­gun­gen die Herr­schaft des »alten wei­ßen Man­nes« angrei­fen und trotz ihres eige­nen Pro­fits in die­sem Sys­tem zumin­dest ideell an sei­nem Sturz inter­es­siert sind, ist das bei den rech­ten Zoo­mern über­haupt nicht der Fall. Viel­mehr füh­len wir uns um unser wirt­schaft­li­ches und kul­tu­rel­les Erbe sowie unse­re Zukunft betro­gen. In der abs­trak­ten Hin­sicht, daß es sich um Ver­tei­lungs­kämp­fe han­delt, ähnelt man sich, aber: All die­se ande­ren »woken« Inter­es­sen­grup­pen, die ein Stück vom Kuchen möch­ten, stei­gern eigent­lich nur unser Res­sen­ti­ment gegen die Boomer.

SEIDEL: Zum Schluß. Sie sind kon­ser­va­tiv. Aber das Kon­ser­va­ti­ve ist die Bewah­rung des Alten, des guten Alten. Auch sind die Alten seit jeher kon­ser­va­ti­ver als die Jun­gen. Revo­lu­tio­nen sind in der Regel ein Vor­recht der Jugend. Wie kann man kon­ser­va­tiv sein und das Alte/die Alten verachten?

WEBER: Ein Wort – gut. Die­ses Wort darf nicht ver­ges­sen wer­den. Es geht um das gute Alte. Wir wol­len das Alte nicht um sei­ner selbst wil­len bewah­ren, son­dern das Gute im Alten, das sich im Lau­fe der Zeit bewährt hat, des­halb bewahrt wur­de und dem­nach etwas Wah­res in sich tra­gen muß. Der Kon­ser­va­tis­mus ist in die­ser Hin­sicht nicht nur pas­siv, son­dern ein akti­ves Pro­jekt der Aus­le­se. Nun sehen wir uns in einem Dickicht des schlech­ten Alten vor die Auf­ga­be gestellt, um so ver­bis­se­ner das gute Alte zu bewahren.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Sezession
DE58 8005 3762 1894 1405 98
NOLADE21HAL

Kommentare (50)

Martha

30. März 2025 21:30

Ich kann mit dieser künstlichen Spaltung in Boomer und Nichtboomer nichts anfangen. Sie macht überhaupt keinen Sinn. Es gibt überall solche und solche. Früher nannte man sowas Generationenkonflikt. Was ist neu daran, daß es in einigen Bereichen mehr oder weniger unterschiedliche Interessen - aber genauso Gemeinsamkeiten - zwischen jung und alt gibt? Diese Boomerdiskussion führt ins Nichts. Sinnvoller ist die Bestimmung von Freund und Feind.

RMH

30. März 2025 21:54

Na ja, zwischen Boomern B) & Zoomern (Z) liegen ja wohl noch etliche Jahrgänge (die man teilweise als Gen. X & danach als Millennials bezeichnet) & ich finde die im Gespräch herausgestellte Konfrontation zwischen B & Z ähnlich konstruiert, wie diese Etiketten für die Generationen. Wer in Schnellroda ist denn bspw. noch ein B (mir fallen spontan T.v.Waldstein ein, als Autor gerade noch so knapp Bosselmann)? Nur wenige & bislang ist die Autorenliste der Sezession bspw. recht Generationengerecht. Wie auch immer, die Z sind eben seit 48 die ersten ernsthaft Gearschten, denn im Gegensatz zu den "Millenials" bekommen sie jetzt wieder auch Druck auf dem Arbeitsmarkt zu spüren (den Gen. Xler bereits erlebten). Ihre ganze Medien-& Techkompetenz, die über Anwenderkenntnisse meist nicht hinaus gehen, wird bald von KI weggespült. Die eher "händischen" jobs haben MiHiGrus jetzt inne. Also was tun, als dt Z? Auf B fluchen, die auf den Geldsäcken sitzen, die aber auch schon Löcher wie durchschossene Sandsäcke haben? Ich meine: Auswandern. Das meine ich leider ernst. Für die Bildung eigener Kolonien oder "Kommunen" im eig Land sind die Z leider sozial zu inkompetent, nicht hartnäckig genug & ihnen fehlt in der Masse die Kraft zur Fokusierung auf ein konkretes Ziel. Finis Germania (in der Schreibweise von Sieferle)!

deutscheridentitaerer

30. März 2025 22:06

Ein von beiden Seiten sehr gut geführtes und lesenswertes Gespräch. 
Nur eine kritische Anmerkung, wenn Seidel sagt:
"virile Jungmännergruppen aus anderen Kulturen, und immer öfter sieht man sogar, wie sich die einheimischen Mädchen lieber diesen zugesellen, als sich mit blassen, vom Handynacken gebeugten jungen Deutschen abzugeben."
legt er damit ein typisches Boomerverhalten an den Tag, nämlich die Verächtlichmachung der deutschen Jugend.Dies wäre bereits verwerflich wenn es stimmt, aber es stimmt ja nicht mal. Die "Jungmänner" sind oft fett und fast immer am Handy, Stichwort akustische Raumnahme. Die paar deutschen Weiber die sich mit ihnen einlassen sind eben der typische Unterschichtsausschuss. Im Gegensatz dazu ist der typische deutsche Jugendliche nicht pauschal ein blaser Nerd. Bei solchen Aussagen fragt man sich schon, wo das tiefenpsychologisch beim Boomer herrührt.

Gracchus

30. März 2025 23:10

Mit dem Interview ist ein ernstes Problem angesprochen, namentlich: "Die Tyrannei der Boomer". Und abgesehen von der schieren Überzahl liegt das Problem darin, dass die Boomer tendenziell selbstgerecht, narzistisch und verstockt sind. Es ist ihnen nicht möglich, an die nächste Generation zu denken und diese frei zu lassen. Am Stärksten zeigt sich das, dass sie ein bestimmtes Geschichtsbild starrsinnig verewigen wollen. Der Kampf gegen rechts ist auch ein Auftrag, mithin der einzige, den die Boomer an die nächste Generation weitergereicht haben, und diese gehorcht. Wenn man 68 als Bruch benennt, sollte man indes die vorangegangen Brüche infolge der Weltkriege nicht verschweigen. Auch Hitler wollte sich verewigen ("tausendjähriges Reich"). 

Gracchus

30. März 2025 23:25

Die Boomer-Weltanschauung steckt voller Paradoxe oder in deren Jargon: double-binds. Obwohl Boomer sich von einer antiautoritären Revolte herleiten, gerieren sie sich bzw. ihre Nachfolger nunmehr extrem autoritär, ja, wie schon gesagt, tyrannisch, ohne dies zu reflektieren, und das obwohl "Selbstreflexion" ebenfalls ein Schlagwort war, das sie sich auf die Fahnen geschrieben haben. Es fällt ihnen ausserdem schwer abzutreten. Wahrscheinlich weil sie einem materialistischen Paradigma erlegen sind, wonach mit dem (biologischen) Tod alles aus ist. Während sie alle Traditionen abgeräumt haben, finden sie migrantische (islamische) Traditionen "knuddelig". Daher stimmt es, was Herr Weber sagt, sie haben wenig gesät; aber wiederum: die beiden Weltkriege haben vielmehr zerstört. Der Nazismus hatte einen selbstzerstörerischen antitradionalen und antideutschen Zug. Die Boomer haben dies trotz ihrer extensiven Beschäftigung nicht erkannt und diesen zerstörerischen Impuls fortgeführt. 

Florian Sander

30. März 2025 23:58

Einspruch an einer Stelle: Die Boomer sind, jedenfalls wenn man sie mit den Babyboomern gleichsetzt, eigentlich nicht die "Alten". Die eigentlichen "weisen Alten", so es sie denn gibt oder NOCH gibt, sind die noch lebende Kriegs- und die Nachkriegsgeneration, durchaus auch einige frühere 68er. Die Babyboomer sind eigentlich eher diejenigen, die gerade gemerkt haben, dass sie alt werden.
Und genau da geht meine (eher psychologische) These hin: Oft geht es viel mehr um persönliche Frustrationen des Älterwerdens als allzu gesellschaftliche oder politisch-zentrierte Blickweisen (auch der Betroffenen selbst) das nahelegen würden. Politische und soziale Frustrationen sind der Rahmen, die Form, der man hinterher die Schuld gibt. Die schmerzenden Knochen, die Falten, die Alterskrankheiten und der persönliche, scheinbare Sinnverlust durch Verrentung sind die eigentliche Substanz dahinter.
Ansonsten gibt es durchaus auch, das sage ich als Teil der "Generation Y", sichtbare Parallelen zwischen Boomern und Zoomern: Die Tendenz zum Jammern zum Beispiel. Bei ersteren zeigt es sich eher durch Gemecker, bei letzteren durch "Hochsensibilität", "mental health issues", chronischer Überforderung, Verkopfung und das Incel-Phänomen.

Majestyk

31. März 2025 00:44

"Es geht darum, daß die Boomer nicht nachhaltig gehandelt haben und uns damit die Zukunft verbauen – also das Thema des Bruchs eines ungeschriebenen Generationenvertrags."
Immer wenn einer Menschen pauschal abqualifizieren will, weil diese einer Gruppe angehören bin ich raus. Bin zwar selber kein Boomer, fühl mich auch nicht getriggert, aber mit Ihnen und Ihresgleichen Herr Weber habe ich garantiert keinen "Generationenvertag" geschlossen und habe es auch nicht vor. Leisten Sie mal das was, was viele jener "Boomer" im Leben geleistet haben, dann können wir weiter reden. Erst was leisten, dann kann man Forderungen stellen. Mit Ihrem Philosophiestudium können Sie mich garantiert nicht beeindrucken, klingt eher nach Geburt mit goldenem Löffel im Mund. Und wie viel diese Zoomer drauf haben, wenn man ihnen mal den Strom ausknipst und die Hirnprothese wegnimmt, das wollen wir doch mal sehen.
So ziemlich der schlechteste Beitrag seitdem ich mitlese, dann kann ich auch Precht bei Lanz schauen. 

Lausitzer

31. März 2025 01:58

Ich frage mich oft, ob wir Ostbuhmer überhaupt mitgemeint sind. Wir sind die Generation, die im Osten mehrheitlich die AfD wählt, den Wokismus ablehnt und gegen Massenmigration demonstrierte. Bei Pegida waren auf der Gegenseite meist Zoomer. Bei uns standen fast nur Ostbuhmer.
Jede Generation wächst in einem geschichtlichen Strom auf, dem sie schicksalhaft nicht entkommen kann. Meine Eltern haben die absolute Niederlage und Demütigung erlebt – einen radikalen Abriß der deutschen Geschichte. Mein Vater war im Russlandfeldzug und überlebte nur durch Erfrierungen, die ihn dauerhaft behinderten. Meine Mutter wurde nach 1945 mehrfach vergewaltigt. Diese Traumata haben sie unbewusst an mich weitergegeben. Damit musste lernen klarzukommen.
Die Westbuhmer hatten das Wirtschaftswunder, das half die Wunden zu überdecken. Die Zoomer wachsen in einer Welt auf, in der Familien zerfallen und Kinder mit dem Handy groß werden. Keine Generation trägt Schuld an ihrem Schicksal. Jede hat ihr eigenes Schicksal. Nur wenn wir es erkennen und annehmen, kann es sich ändern. Nicht durch den Kampf dagegen.

Dr Stoermer

31. März 2025 02:25

Als Boomer kennzeichnet mich vor allem eines:Meine Liebe und mein Verantwortungsgefühl für unsere zukünftigen Generationen. Ich kann dem Boomer-Meme nichts abgewinnen – nicht, weil ich mich ungerecht kategorisiert fühle, sondern weil diese Schublade weder logisch stimmig noch hilfreich für unsere gemeinsame Sache ist.
Ein Beispiel aus einem Interview:Frage: „Sprechen wir von einer Alterskohorte oder von einem Typus?“Antwort: „Beides. Die Baby-Boomer sind als Alterskohorte bekanntlich… Was diesen Typus auszeichnet…“Diese Antwort sagt: Kohorte und Typus sind deckungsgleich – denn „diesen Typus“ zeichnet etwas aus.Wenig später dann: „Der Typus des Boomers, der auch einer anderen Alterskohorte angehören kann…“Jetzt also das Gegenteil: Kohorte und Typus sind nicht deckungsgleich.Das ist keine Haarspalterei, sondern ein Hinweis auf fehlende logische Konsistenz.
Die Diskussion kreist zudem um beinahe „woke“ Topoi-Mythen wie:„Die jungen Leute haben heute in der Regel einen technisch-medialen Wissensvorsprung, die Schüler werden Lehrer und die Lehrer Schüler.“Technisch-medialer Vorsprung? Weil einige wissen, wie man bei Instagram die Interaktion mit Followern optimiert?Das ist wie das Wissen, unter welcher Brücke die höchsten Preise für Blow Jobs gezahlt werden.

Dr Stoermer

31. März 2025 02:26

Liebe Jüngere, die Ihr in der Kategorie „Wir und die Boomer“ denkt:Nur weil Ihr Euch im Gefängnis-Neubau besser auskennt, wisst Ihr noch lange nicht, was das Leben sonst noch ausmacht.Was nicht heißt, dass die Boomer es automatisch besser wüssten.
Und was genau soll die Formel „Ehre der Alten = Anzahl alter Säcke × Erfahrung“ eigentlich aussagen? („Überangebot an Alten“)?Das würde bedeuten: Die bescheidene Erfahrung vieler Älterer bringt genauso viel Ehre wie die intensive Erfahrung weniger.Aber die Alten früher wurden doch auch nicht verehrt, nur weil es weniger waren!Offenbar ist „Ehre“ etwas Individuelles. So wie es wunderbare junge Menschen gibt – und komplette Versager. Wie in jeder Generation.
„Wir fordern unser naturgegebenes Recht als Generation ein.“Warum naturgegeben? Weil in früheren Gesellschaften die Alten abtraten, um den Jungen Platz zu machen – ein biologisches Faktum, das über Jahrtausende Stabilität sicherte.Das ist völlig richtig – aber: Heute wird die Entfaltung der Jungen nicht dadurch behindert, dass die Alten nicht abtreten wollen.Sondern dadurch, dass allen Generationen eine Herrschaft gegenübersteht, die die Mittel hat, den meisten Menschen – egal welchen Alters – ins Gehirn zu scheißen.

Dr Stoermer

31. März 2025 02:27

Meine Ur-Oma hielt Elektroherde für Hokuspokus.Trotzdem war sie für meine Eltern nicht die „Generation Sonstwas“, sondern die verehrte Oma.Es ist auch die Frage: Wie viel Schiss ins Gehirn lasse ich als junger Mensch zu? Die FFFs sind alle „digital natives“!Aber wer es als Erlösung empfindet, pflegebedürftige Boomer in Afrika verrecken zu lassen (statt Pflegekräfte von dort zu holen), hat das Teile und herrsche unserer Volksfeinde noch tiefer verinnerlicht als jeder Boomer.Diese Haltung weist unserem Volk auf dieselbe Weise Schuld zu wie die Schuldkult-Apologeten.
Können wir bitte aufhören, UNS gegenseitig zu beschuldigen?Es ist eine Kriegsführung gegen UNS.Nicht gegen Männer oder Frauen, nicht gegen Alt oder Jung, nicht gegen Arme oder Reiche, nicht einmal gegen Heteros oder Schwule.Sondern gegen ALLE von uns!
„Eine alternde Gesellschaft ist zwangsläufig eine weniger dynamische, denn die Dynamik kommt von unten – von den Jungen.“Diese Weisheit könnte auch auf der WEF-Seite stehen.Natürlich ist das richtig – aber ist die Antwort: Boomern aufs Maul?
Wenn die Jungen so viel klüger sind, dann mögen sie bitte auch die Perfidie benennen, mit der die Boomer von ihren Wurzeln abgeschnitten wurden.Die Boomer konnten nicht per Klick alternative Fakten checken.Die mussten fressen, was der Fernseher gesagt hat.

Diogenes

31. März 2025 05:52

"Sprechen wir von einer Alterskohorte oder von einem Typus?" - Zunächst mal muss die Frage vorangestellt werden ob wir Deutschen offenkundig Worte mit englischen Aussprache in unseren Unterhaltungen benötigen oder ob es nicht vergleichbare Worte mit deutschen Zungenschlag im Wortschatz gibt. Wenn Deutsche sich in diesem "Denglisch"-Kauderwelch unterhalten müssen, dann müssen sie sich zwangsläufig den Vorwurf von stolzen Deutschen die sich ihres Volkes und Staates bewusst sind gefallen lassen sich nicht dem weltanschaulichen Idealismus/Geistesgeschichte aus dem Deutschtum (z. B. in Begriffen wie Identität, Tradition, Heimat denken/sprechen) anzunähern sondern sich davon im Sinne der verkürzenden VSA-Sprachunart zu entfernen (Denkvereinfachung/Sprachvereinfachung zeugt von der Denk- und Sprechfaulheit die Merkmal aus dem Volksgeschlecht der "Glotzophon-Gucker" ist).
 
Wer und was ist für kinderreiche Familien deutscher Abstammung verantwortlich? Die Zustände und Gegebenheiten die zur Familiengründung führen und führten sind vielschichtig und es geht viel um Aussichten/Einsichten (also Perspektiven): Altersabsicherung durch Kinder. Und um Aufbruchstimmung/Begeisterung/Kräftefreisetzung. Grundsätzlich werden nach Kriegen in denen viele Männer durch Feindeshand umkamen immer mehr männliche Kinder gezeugt. Ob das mit sog. morphogenetischen Feldern zusammenhängt die versuchen eine dezimierte Population (egal ob Tier/Mensch/Pflanze) wieder auszugleichen sei mal in den Raum gestellt. 

ratatoskr

31. März 2025 08:53

"Digital Natives" - Hahahaha, ich lach mich kaputt. 
Die haben KEINE Ahnung von IT, EDV, Computern usw. 
Ich bin kein Boomer, gehöre angeblich der sogenannten Generation X an.
Die unterschlagene, übergangene, vergessene Generation. 
Bei uns im Betrieb (80 Mitarbeiter) bin ich neben dem Maschinenbau, dem Unterhalt usw. auch für die gesamte EDV zuständig. Die jungen Mitarbeiter wissen alle wie man TikTok, WhatsApp und Instagramm bedient, aber das wars dann auch schon. 
Beim kleinsten technischen Problem sind sie verloren, weil sie keine Ahnung davon haben, wie das Zeugs eigentlich funktioniert. Wir haben auch mehrere Junge mit Bachelor im technischen Bereich im Betrieb. Die Unwissenheit dieser Leute ist erschreckend!
 

Bernd

31. März 2025 08:58

Ich kenne den boomerfeindlichen Affekt, er steigt in mir immer hoch, wenn das Gespräch mit meinen notorisch CDU-wählenden Eltern  versehentlich politisch wird. Er kommt aus meiner Wahrnehmung, dass der Boomer in eine intakte Gesellschaft hineinwuchs und sie zerbrochen hinterlässt, ohne es auch nur zu merken.

dojon86

31. März 2025 09:41

Viel Richtiges habe ich als typischer Boomer und gleichzeitig spätberufener Vater hier gelesen. Ein Punkt wurde dabei aber vergessen. Der Westen ist, wie schon Solschenizyn nach seiner Übersiedlung in die USA feststellen musste, eine totalitäre Gesellschaft. In einer solchen werden Familien zertrümmert und die Erfahrungen der vorangegangenen Generationen immer entwertet, wogegen das Selbstgefühl der Jugend als "Bauvolk der kommenden Welt" gefördert wird. Diesbezüglich waren sich Nationalsozialisten Kommunisten recht ähnlich. Selbst der islamische Staat, der aus westlicher Sicht zurück ins Mittelalter will, arbeitet mit ähnlichen Mitteln. Blicken wir auf die Jugendkultur des Westens, (und zwar schon ganz deutlich in meiner Generation) erkennen wir ganz ähnliche Phänomene. Es handelt sich hier um eine klassische Erscheinungsform totalitärer Herrschaft.

RMH

31. März 2025 10:03

"Meine Eltern haben die absolute Niederlage und Demütigung erlebt ..." @Lausitzer, hier haben Mitteldtl & Westdtl. die gemeinsame Basis. Dass es im Westen mehr Bling, Urlaub in Italien & evtl. schönere Autos gab, überdeckt das nur sehr oberflächlich. Insbes., wenn man im Westen von Vertriebenen abstammt, hat man die volle Packung abbekommen & vererbt bekommen. Der Nachkriegs-Vertriebenenstolz, es zu einem kleinen (oft nur Reihen-) Häuschen geschafft zu haben, das Vertriebenen-Urstörgefühl, sich trotz allem nicht so recht dazugehörig zu fühlen, all das lässt einen stretegisch & taktisch nicht mehr national (Lippenbekenntnisse bleiben außen vor!), sondern regional & opportunistisch & auf stets die (vermeintlich!) sichere Variante setzend agieren. Das gilt ähnlich, außer, dass die Komp. des Nichtdazugehörens eher wegfällt, auch für andere Kriegs- & Kriegskindergen. Das Problem sind nicht die Boomer, das Problem sind 2 verlorene WKS! Hinzukommt, dass die WK2 Generation Kinder der WK1 Generation waren, die die "europäische Urkatastrophe" selber nicht "verarbeiten" konnten. Die Zoomer sind jetzt in der Reihe die, die Wohlstand auf brüchig, mürb-tönernen Füßen erben dazu die gesamten psych. Deformationen, die Kriege, Sozialismus & "Leistungs- und Migrationsgesellschaft"eben verursachen sowie die unbestreibaren Fehler der Vorgenerationen. Man könnte heulen, evtl. sollte man das auch einmal tun.

Monika

31. März 2025 10:15

@Martha Zustimmung! Boomerschelte ( bis zu Hass) ist das Dümmste und Albernste, was einige junge Rechte derzeit zu bieten haben. Warum ? Sie trifft weder das eigentliche Problem noch die Ursache. Problem ist die Überalterung der Gesellschaft ( betrifft nicht nur Deutschland, sondern z.B. auch China, Japan u.a.) , das Fehlen eigener Kinder und der daraus resultierende demographische Wandel. Es braucht ein harsche  Kritik an der familienfeindlichen Poltik der letzten Jahrzehnte. Stattdessen kommt zur Spaltung zwischen rechts /links - Mann/Frau noch die Spaltung zw. Alt und Jung dazu. Toll, die skrupellosen Politiker freut es. Ich verweise auf die Bücher des Soziologen Stefan Schulz ( Jg.1983, drei Kinder, lebt in Frankfurt-d.i. eine Referenz!) . Titel: Die Kinderwüste/Wie die Politik Familie im Stich lässt und Die Altenrepublik/Wie der demographische Wandel unsere Zukunft gefährdet.Es gibt auch ein dreistündiges Gespräch zw. Schulz  und Tilo Jung ( Jung&Naiv Folge 600) auf YouTube über den demographischen Wandel. Absolut sehenswert! 

Umlautkombinat

31. März 2025 10:19

[Boomer] Es ist ihnen nicht möglich, an die nächste Generation zu denken und diese frei zu lassen.

 
Immerhin gibts eine naechste Generation durch sie. Text:  "Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis hat niemand Kinder." Wem fehlt hier ein Zukunftsbegriff? Die Eltern sind zumindest schon einmal Schritt Eins gegangen. Und als "Boomer" kann ich versichern, dass der seine eigenen Schwierigkeiten haben konnte. Erstmal selbst machen, dann Ansprueche stellen. Mich persoenlich hat er laengere Zeit in ein finanziell und anderweitig negatives Saldo gefuehrt. Hint: Scheidungsraten lagen Mitte der Neunziger bei ueber 40 Prozent, meist von Frauen eingereicht. Auch schon mit Unterstuetzung durch eine spaltende Ideologie, dem Feminismus.
 
Damit generell - das ist nur eine weitere Kunstspaltflaeche. Nach Gefuehl in ihrer umfassend feindselig simpel am Geburtsjahr definierten Art den 68-ern des Westens vergleichbar. Auch im soziologischen Typus passt es: Philosopiestudent, 24 Jahre. Muss man sich leisten koennen. Es gibt andere Leute in dem Alter, die anderes tun und denen allein dadurch solche Locken an Feindbild gar nicht in den Sinn kommen.  Gemeinsame Arbeit verbindet. 

RMH

31. März 2025 10:22

"Er kommt aus meiner Wahrnehmung, dass der Boomer in eine intakte Gesellschaft hineinwuchs"
@Bernd, Einspruch! Der Boomer wuchs in keine intakte Gesellschaft (was ihn nicht entschuldigt, sondern eher erklärt), sondern in eine schwer traumatisierte hinein - siehe dazu auch meinen vorherigen Beitrag. Zudem selektieren moderne, mit Massenvernichtungswaffen geführte Kriege "falsch". Psychopathen haben eine klar größere Überlebenswahrscheinlichkeit, als sozial-empathisch- verantwortungsvoll Denkende. Letztere überleben derartiges dann, wenn sie überleben, schwer traumatisiert, da diese Schrecken keiner, außer Psychopathen, wegstecken kann. Und mit diesen Faktoren, dass wir zum einen eine Auslese an Psychopathen hatten, die sich auch nach dem Krieg entsprechend "gestaltend" in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik etc durchsetzen konnten und zum anderen Traumatisierte (= Mehrheit), setzte man sich nie ernsthaft über Randdiskussionen hinaus gehend auseinander.

Monika

31. März 2025 10:31

@ Bernd Ich kenne den Generation Z ( ?) feindlichen Affekt. Er steigt in mir immer hoch, wenn das Gespräch mit meinen hoffentlich nicht notorischen, aber derzeit Links-Grün wählenden Kindern bewusst politisch wird. Er kommt aus meiner Wahrnehmung, dass die Generation Z ( Die Boomer-Kinder) in eine intakte, wohlhabende Gesellschaft hineinwuchsen und nicht bemerken, dass sie ihr Erbe leichtfertig verspielen ( sprich: Wohlstandsverwahrlosung). Und nun ? 

Monika

31. März 2025 10:59

Es gibt eine rechte und eine linke Boomerkritik. Die rechte erschöpft sich oft in Jammerei. Siehe das Video von der Jungen Tat, O-Ton Tobias Lingg "Wir sind die erste Generation, der es schlechter geht, als der davor." ( meint : früher konnte sich jeder im Mittelstand ein Häuschen leisten und hatte wirtschaftliche Möglichkeiten ) Die Linke Boomerkritik ist immerhin noch idealistischer motiviert. Man muss die Welt retten, die die Elterngeneration durch ihren konsumistischen Lebenswandel fast zerstört hat.  Man tut sich in linken Wohnprojekten zusammen. Da gibt es auch mehr Frauen und Kinder als bei den Rechten, soweit ich das gesehen habe. Ich bin inzwischen für den Versuch einer vorpolitischen Solidarität zw. rechts  u. links , Mann und Frau, alt und jung. Schwer genug, aber m.E. die einzige Chance den Zerfall unseres Landes und Volkes aufzuhalten und abzuwenden. 

Artabanus

31. März 2025 11:02

Das Wort Boomer wird mittlerweile pauschal benutzt um Leute jenseits der 50 zu bezeichnen. Es scheint mir, daß anstelle des alten Klassenkampfes nunmehr der Kampf Jung gegen Alt inszeniert wird. Cui Bono?
Im Übrigen sehe ich die Unterschiede in der Prägung durch Massenmedien zwischen Boomern und Zoomern weniger dramatisch: früher waren Kino, Fernsehen und Radio, später auch VHS Video dominant, was sukzessive durch das Internet abgelöst wurde. Beide Generationen sind hauptsächlich durch Popkultur mit ähnlichen Inhalten geprägt. Die wahre Ursache des Konflikts ist rein wirtschaftlicher Natur. Und Hauptschuld daran haben wiederum die von bereits verstorbenen Generationen geschaffenen Schneeballsysteme, bekannt unter dem Namen Staatliche Sozialsysteme. Hier liegt echter Sprengstoff für Staat und Gesellschaft.

Karl Otto

31. März 2025 11:04

Ich habe mal einige Tage lang einen 16jährigen Schulpraktikanten betreut. Der junge Mann war unglaublich agil mit dem Computer, mir weit überlegen, aber intellektuelle Transferleistungen fielen ihm sichtlich schwer. Eine Argumentation zusammen fassen, einen Text analysieren war nicht so sein Ding.
Ich muss sagen ich empfinde diese jungen Leute als ziemlich hilflos und desorientiert, weshalb sie ja auch jeder angebotenen Ideologie hinterherlaufen. Wie sind denn die guten Ergebnisse der Linken unter Erstwählern zu erklären, wenn nicht durch einen Mangel an Lebenserfahrung? Bzw. durch mangelnde Kenntnisse der geschichte des 20. Jahrhunderts, in dem alle die kommunistischen Rezepte bereits ausprobiert wurden und grandios gescheitert sind?

frdnkndr

31. März 2025 11:05

Okayes Interview, zum Großteil sehr gute Beiträge mit vielen bedenkenswerten Punkten und teils wunderbaren sprachlichen Bildern. Danke dafür.

tearjerker

31. März 2025 11:12

Der Hass der Alten auf die Jungen ist real. Die ganze Politik der Generation Boomer von Lockdown, Masseneinwanderung bis zur Wiedereinführung der Wehrpflicht zielt auf Beschränkung, Enteignung und Verbrauchen der jungen Leute zum eigenen Vorteil. Das ist zwar nichts Neues aber weitreichender als früher, solange der extreme Überhang von Alt zu Jung besteht. Die Gegenbewegung werden vor Allem die Jahrgänge ab 1967 bis Mitte 70ger zu spüren bekommen, die selbst schon vor Jahrzehnten von der Kultur und den Anprüchen der zahlreicheren älteren Jahrgänge gequält wurden und aktuell feststellen, dass ihre Jahrgänge beim Besetzen der besten Positionen übersprungen werden, weil die alten Säcke einfach nicht Platz machen wollen.

Der Gehenkte

31. März 2025 11:16

Kongenial, wie die meisten Kommentare - soweit ich sie überflogen habe - Herr Weber bestätigen: Die "Boomer" wissen am Ende doch alles besser! Die von unten begegnen einer kompletten (zumindest so empfundenen) Aussichtslosigkeit, wenn sie nach oben blicken. 
Einfach mal zuhören, einfach mal verstehen wollen, einfach mal sinken lassen, einfach mal einfühlen - ist das zu viel verlangt? Die Frage ist von enormer Bedeutung. Schon geht das Wort "the night of the pillows" um; dieser Konflikt ist real und lagerübergreifend, lagerduchdringend und kann sich auch mal entladen. 
Von den abstrakten Dimensionen zu schweigen: Gleich der neuen Medien und Techniken ist dieses Phänomen umstürzend zum einen und erst- und einmalig in der Geschichte, zum anderen. Es muß ernsthaft durchdacht und gelöst werden. Mit Besserwisserei und Haha kommt man da nicht weiter ....

Bernd

31. März 2025 11:19

@RMH: Zugegeben, die Weltkriegserfahrung wird in der Debatte gerne unterschlagen, weil die Gesellschaft der Bonner Republik im äußeren Rückblick so intakt aussieht. Ich erinnere mich gut an den Gram meiner heimatvertriebenen Großeltern, denen ich als kleiner Junge mit großen Augen lauschte, während sich meine Eltern die Ohren zuhielten. Aber taugt das generationsübergreifende Trauma zur Erklärung des Boomers? Das im Artikel beschrieben Phänomen ist ja kein hauptsächlich deutsches, es ist abendländisch, in Schweden und der Schweiz nicht grundlegend anders als hier. Auch gerade in Amerika, wo die Weltkriege eher ein Abenteuer waren als ein nationaler Zusammenbruch.

Old Linkerhand

31. März 2025 11:22

Wenn ein 24-Jähriger sich in der heutigen Zeit als konservativ bezeichnet, dürfte einiges schiefgelaufen sein. Das Ende lächelt dann bei der Jungen Freiheit oder Tichys Einblick, also im Nirvana.
@Christoph Sie haben mich hier vor vielen Jahren als Boomer beschimpft. Damals war mir der Begriff unbekannt, konnte also mit Ihrer Belehrung nicht viel anfangen. Wenn ich das alles richtig verstanden habe, ist ein Boomer heute zwischen 60 und 80 Jahren alt, und mit Vorurteilen und Belehrungszwang behaftet. Er hatte ein schönes Leben und will jetzt nur noch seine Ruhe. Während der Corona Zwangsmaßnahmen hatte ich das zweifelhafte Vergnügen mit Menschen meiner Alterskohorte / Boomer ins "Gespräch" zu kommen, da habe ich mich wirklich fremdgeschämt. Am Schlimmsten, das Einsperren und Zwangsspritzen der Schutzbefohlenen / Zoomer. Das alles ist wahr, aber zur Wahrheit gehören mindestens 2 Seiten. Als Boomer könnte ich jetzt den Jungen Boomerschelte vorwerfen, das wäre aber zu kurz gegriffen. Mittlerweile glaube ich verstanden zu haben und kann die Vorwürfe nachvollziehen. Einen Mehrwert für uns kann ich dann aber doch nicht erkennen. Kein Zoomer muss meinen behindertengerechten Zugang an der Ostfront verteidigen.
 

RMH

31. März 2025 11:32

"Boomerschelte ( bis zu Hass) ist das Dümmste und Albernste, was einige junge Rechte derzeit zu bieten haben"
@Monika, Boomerschelte muss m.M.n. zwingend sein. Natürlich hat so etwas konstruktiv zu erfolgen. Es müssen einfach mehr von den Leuten, welche die Wahlen maßgeblich bestimmen ( = Boomer und Uralte),  zum Nachdenken über ihre eingeschliffenen Verhaltens- und Denkweisen kommen. Natürlich ist das schwer, wenn gerade bei Boomern und Gen-Z-lern oft der eigene Nachwuchs fehlt, der für eine natürliche Rückkopplung zwischen den Generationen sorgt. Dennoch: Der Scheißhaufen (sic!), den wir gerade den jungen Menschen hinterlassen, können wir nicht mit der Finanzierung von Auslandsjahren, Markenklamotten und schicken anderen Ablenkungs-Accessoires zukleistern. Es hat eine offene, ehrliche Generationendebatte einzusetzen, bei der dann „Hass“ natürlich nichts zu suchen hat. Ich habe selber noch Kinder in der Ausbildung. Mir wird bei jeder Schlagzeile zu dem, was in Berlin geplant wird, nur noch schlecht. Ich beneide meine Kinder wahrlich nicht um ihre Jugend.

Laurenz

31. März 2025 11:56

Die SiN ist einerseits der richtige & andererseits der falsche Ort der Debatte. Denn selbst die vielen kinderlosen Geburtenstarken hier fühlen Verantwortung für unsere Nachkommen. GK, EK & EL machen ja die meisten Vortragsveranstaltungen für U35-Mitbürger. Was die Auswahl an Vortragenden angeht, so ist man in Schnellroda doch sehr flexibel, solange der Vortrag einen Sinn mit Erkenntnisgewinn ergibt. @Dr. Störmer ... ich selbst hatte beim Thema vor vielen Jahren schon vorgeschlagen, die Alten zur Pflege ins kostengünstigere Ausland zu schaffen. Ich erhielt natürlich entsprechende Kommentare von Leuten, wie Ihnen. Mein Vorschlag basiert einerseits auf bereits bestehende Realität von Rentnern & Pflegeheimen im Ausland & andererseits von der Konsequenz des eigenen Handelns. Zwischen 2040-50 sind die meisten Geburtenstarken tot, was die Demographie nachhaltig verändert. Aktuell sterben die Kriegskinder & die Alt68er. Die Geburtenstarken werden sich, bis auf die Reichen, keine Altenpflege mehr in Deutschland leisten können, da man seit Jahrzehnten falsch wählt. Das Geld, um die Pflege der Geburtenstarken zu bezahlen, ist längst verfressen.

Barbarossa

31. März 2025 12:11

@Dr. Stoermer: Ich kann mich Ihren Kommentaren nur anschließen und musste über Ihre Art der Argumentation schmunzeln – einerseits, weil Sie so treffend formulieren, andererseits wegen des anschaulichen Vergleichs dessen, was die Generation Z glaubt, erreicht zu haben. Meiner Meinung nach hat die Nachkriegsgeneration der jungen Generation sehr wohl einiges hinterlassen und nicht nur Ressourcen verbraucht oder – wie absurd – das Klima durch CO₂-Emissionen verändert (siehe Fridays for Future). Wer, wenn nicht die weißen Frauen und Männer in Deutschland, haben ein völlig zerstörtes Land wieder aufgebaut?Der einzige Unterschied zu früheren Generationen liegt in der exponentiellen Entwicklung der Welt und des Weltwissens – doch davon profitieren immer weniger Menschen. Es führt also nicht zu einer gesellschaftlichen Weiterentwicklung. Im Gegenteil: Was derzeit geschieht, ist das Gegenteil von Fortschritt – eine links-grün geprägte Ideologie, die nicht von der Boomer-Generation vorangetrieben wird, sondern von deren Nachfolgern. In diesem Kontext ist mir das Bewahren konservativer Werte weitaus lieber als diese Form der Selbstzerstörung.

MarkusMagnus

31. März 2025 12:12

@ Lausitzer
"Meine Mutter wurde nach 1945 mehrfach vergewaltigt. Diese Traumata haben sie unbewusst an mich weitergegeben. Damit musste lernen klarzukommen."
In Deutschland wurde der zweite Weltkrieg -vorsichtig gesagt - ziemlich einseitig aufgearbeitet. Besonders perfide ist das man ihrer vergewaltigen Mutter und anderen Frauen noch Schuld eingeredet hat. Wie bezeichnet man Menschen die einem Vergewaltigungsopfer noch die Schuld dafür einreden wollen? Oder das gar als Befreiung bezeichnen? Für mich ist das Abschaum. Und man sollte das auch so benennen. 
https://www.zeit.de/news/2025-03/26/8-mai-wird-gedenktag-in-sachsen-cdu-fuer-gesetz-der-linken
Totale Psychopathen meiner Meinung nach. Und die CDU mit dabei. Klar.
Schon in Osteuropa war es besser seine Frauen und Töchter zu verstecken als die Rote Armee dort durchmarschierte, obwohl diese Länder doch angeblich offiziell "befreit " wurden. Die Amerikaner sollen sich auch nicht gut in Frankreich aufgeführt haben im Vergleich zur Wehrmacht, die bis auf Ausnahmen sehr diszipliniert war. Vielleicht sollten wir Rechten in Deutschland auch mal eine Art fliegende Dauerausstellung zu den Verbrechen am deutschen Volk auf die Beine stellen? 
So ähnlich wie damals die Wehrmachtsausstellung. Das muss sein, auch wenn es weh tut.
Deutschland muss wieder gesunden, es ist das Herz von Europa. Ansonsten ziehen wir den ganzen Kontinent mit in den Abgrund.
 

Rabenkaiser

31. März 2025 13:38

Ich kann mit dieser künstlichen Spaltung in Boomer und Nichtboomer nichts anfangen. (...) Diese Boomerdiskussion führt ins Nichts. @Martha, Monika: Bin da absolut bei euch. Wortspielerei, um mal wieder Grüppchen um Grüppchen zu kreieren, die es je richtig oder falsch sähen oder besser oder schlechter wären... Sinnvoller ist die Bestimmung von Freund und Feind.

MARCEL

31. März 2025 14:15

Die Bezeichnung trägt es in sich: es boomte!
Die Boomer (im Westen) sind eine historisch sehr seltene Generation, die in allen Lebensaltern (pauschal gesprochen) sorgenfrei sein konnte. Und sich jetzt im Alter genauso benimmt. Man vergleiche sie nur mit den zum Großteil bereits verstorbenen Kriegsjahrgängen.
Alle Späteren hatten (pauschal gesprochen) eine sorgenfreie Kindheit, werden dafür aber ein dürftiges, wenn nicht elendiges Alter haben. Darauf kann man Gift nehmen (wird man vielleicht sogar)!
Im Bonmot: Es gibt die "Gnade der späten Geburt" (dixit Helmut Kohl) und es gibt den Fluch der noch späteren Geburt!
Zur Güte: Man kann niemanden für seine Generation verurteilen.
 

Montesquieu

31. März 2025 14:37

"SEIDEL: ....Wie kann man konservativ sein und das Alte/die Alten verachten?
WEBER: Ein Wort – gut."
 
Eine schöner Freudscher. 

Paavo

31. März 2025 15:25

Leider wird viel zu oft das Trennende und nicht das Gemeinsame zwischen den Generationen in den Vordergrund gestellt. Gerade ob der aktuellen Herausforderungen wäre genau dies wichtig, an einem Strang zu ziehen und mit einer Stimme zu sprechen.
Unabhängig davon habe ich kürzlich auf der Internetseite der Zeitschrift "wir selbst" diesen hoch interessanten Artikel gefunden, der durchaus zum Thema hier paßt: Die gescheiterte Generation von Boris Blaha: https://wir-selbst.com/2024/12/01/die-gescheiterte-generation/?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR1eINaNJ7vnlfcKk8-U0J_7mAjW3rWZWCd9dzwkNjmCMvwGKhVddvSR-3A_aem_LIvP5m_Aw3jrH49zEJAcOA

dojon86

31. März 2025 15:48

@RMH Auch die Boomergeneration sollte man differenziert betrachten. Die frühen Boomer, also die eigentliche Nachkriegsgeneration, waren nicht sehr zahlreich. Sie kannten noch die reichlichen Kriegsversehrten und diejenigen, die nach dem Krieg nicht wieder auf die Schienen kamen. Dafür wuchsen sie in einen aus Arbeitnehmer Sicht traumhaften Arbeitsmarkt hinein. Die späten Boomer waren deutlich zahlreicher, sie erlebten ihre frühen Jugendjahre zumindest im Westen in einer unglaublichen Welle des Optimismus und hatten dafür beim Eintritt in den Arbeitsmarkt deutlich mehr zu kämpfen.

ofeliaa

31. März 2025 15:57

Sprechen nicht Rechte oft vom Selbsthass der Deutschen? Nun, Hass der sogenannten Zoomer auf die Boomer ist Selbsthass. Wir kommen von den Boomern. Sie haben uns nicht nur das Leben geschenkt, sondern auch ein Leben ermöglicht. Ein Dach über dem Kopf, Bildung, Nahrung, Beziehung und Bindung. Sie sind es, die einen grossen Teil dessen wovon und worauf wir (Zoomer, Millenials Gen Z usw.) heute leben. Sie verliessen jeden Tag um 7 oder noch früher das Haus und arbeiteten in unterschiedlichen Berufen. Jeder dieser Beruf, war etwas wert. Heute gibt es nur noch nichtssagende Berufe. Wir sind faul. Wir, die jungen Menschen sind einfach faul und viel selbstgerechter als die Boomer es jemals waren. Die Boomer haben Kinder in die Welt gesetzt. Die Boomer haben gearbeitet. Die Boomer haben weniger Strom verbraucht und sind weniger in der Weltgeschichte herumgereist als allesamt von uns Jüngeren. Wir sollten jetzt schweigen und es ihnen gleichtun. Und dann, wenn wir es geschafft haben, so diszipliniert und vernünftig unser Leben zu leben, wie das die Alterskohorte der Boomer getan hat, bzw. immer noch tut, dann können wir unseren Schnabel aufmachen und überhaupt eine Meinung dazu haben. Die Spaltung von Zoomer und Boomer ist schädlich, in jeder Hinsicht. 

Laurenz

31. März 2025 16:22

(3) Die GenZler leiden natürlich. Wir verlieren seit den 90ern an IQ, in ganz Europa. Das betrifft die Generation Z. Die digitale Welt trägt dazu bei. KI & Google sorgen dafür, daß man das eigene Hirn nicht als Speicher benutzen muß. Natürlich ist auch für 60jährige, wie mich, die Recherche durch das Netz einfacher geworden, aber das meiste, was ich hier historisch kommentiere, habe ich im Kopfe. Das Netz weist allerdings riesige Lücken auf. Wir sind immer noch in der digitalen Steinzeit. Mio. von Büchern sind nachwievor nicht digitalisiert, vor allem Werke vor 1990. Der Ukraine-Krieg zeigt die Verletzbarkeit der digitalen Welt. Wir haben die weitestgehend analogen Fernmelder beim Militär abgeschafft. Man ist jetzt abhängig von Strom & Starlink. Die wahre Schuld der Vor- & Kriegskinder, Alt68er & Geburtenstarken liegt darin, was sie politisch wählen. Sie wählen "nach uns die Sintflut". Eine Partei, die sich um Schicksale der Kinder & Enkelkinder schert, wie die AfD, dient als Fokus eines eingebildeten Schuldkomplexes. Denn selbst die noch lebenden Vorkriegskinder haben mit echten & imaginären Verbrechen des NS nichts mehr zu tun.

Majestyk

31. März 2025 16:51

@ ofeliaa: "Sprechen nicht Rechte oft vom Selbsthass der Deutschen? Nun, Hass der sogenannten Zoomer auf die Boomer ist Selbsthass."
Sie und Umlautkombination sprechen mir aus der Seele. Wodurch unterscheidet sich denn der Haß auf die Elterngeneration durch 68er oder durch Generation Schneeflocke?
@ Umlautkombinat:
"Erstmal selbst machen, dann Ansprueche stellen. (...) Philosopiestudent, 24 Jahre. Muss man sich leisten koennen. Es gibt andere Leute in dem Alter, die anderes tun und denen allein dadurch solche Locken an Feindbild gar nicht in den Sinn kommen.  Gemeinsame Arbeit verbindet."
Treffer. Versenkt. 
 
Ich schramme knapp an den "Boomern" vorbei, unsere Klassenfahrten führten uns noch nicht um die halbe Welt, wir wußten aber noch, daß wir für ein bißchen Wohlstand arbeiten werden müssen. 
Die wahre Trennlinie verläuft nicht zwischen Generationen oder Geschlechtern, nicht einmal zwischen rechts oder links oder Ethnien, sondern zwischen Menschen die für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen und solchen die Nischen besetzen, wo man Einkommen auch ohne reale Arbeit generieren kann. Jenen Leuten die kein Verständnis für echte Arbeit haben und auf unsereins runter schauen fühle ich mich fremd. 

Monika

31. März 2025 16:57

@ der Gehenkte ( die Boomer wissen alles besser) @RMH Boomerschelte muss sein. Einverstanden. Mir ist über längere Zeit Kritik und Ablehnung durch zwei ziemlich linke Söhne heftig entgegengeschlagen bis hin zum zeitweiligen Kontaktabbruch. Ich habe mich bemüht, mich in ihre Sicht der Dinge hineinzuversetzen, den Kontakt zu halten. ( Umgekehrt geschah das eher nicht ). Sie haben mit einiges zugemutet. Trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass ich auch mit rechten Kindern meine Dispute ausgetragen hätte. Immer aber habe ich im Gespräch betont, dass selbst heftige Meinungsunterschiede die Eltern-Kind Verbindung nicht zerstören können. Dass ich als Mutter immer für sie da bin. Und nichts täte ich lieber, als mich als Boomer zurückzuziehen und der Jugend das Feld zu überlassen. Der rechten und der linken. Da gibt es hoffnungsvolle Ansätze. 

MarkusMagnus

31. März 2025 17:06

@ ofeliaa
Alles Richtig was sie sagen. Es sind unsere Eltern und Onkel und Tanten und manchmal auch ältere Geschwister. Sie haben gearbeitet und uns erzogen während andere hier schon Pläne geschmiedet haben Deutschland kaputt zu machen.
Sie hatten nur die Informationen die Ihnen von den Zeitungen und TV vorgesetzt wurden. Aber auch ältere Leute sind fit im Internet und nutzen es. 
Das Netz hat vieles verändert, deswegen auch der Versuch der Eliten das Internet einzuschränken und zu kontrollieren. Ich finde die Vorteile und Möglichkeiten des Internet überwiegen bei weitem die Nachteile und Gefahren.
Sonst würden wir Beide nicht miteinander hier kommunizieren können. Schön ist auch das sich in Deutschland das Wort Rechner gegenüber dem Wort Computer durchgesetzt hat, gerade in der Spieleszene. 

Sandstein

31. März 2025 17:06

"Ich kann mit dieser künstlichen Spaltung in Boomer und Nichtboomer nichts anfangen. Sie macht überhaupt keinen Sinn. Es gibt überall solche und solche. Früher nannte man sowas Generationenkonflikt. Was ist neu daran, daß es in einigen Bereichen mehr oder weniger unterschiedliche Interessen - aber genauso Gemeinsamkeiten - zwischen jung und alt gibt? Diese Boomerdiskussion führt ins Nichts. Sinnvoller ist die Bestimmung von Freund und Feind."
Ich glaube Sie haben das Interview nicht verstanden. Mir selbst gefällt diese Einteilung in Generation "y", "z" "alpha" undsoweiter auch nicht. Aber es ist eben mehr als ein Generationenkonflikt. Das wird im Interview doch auch deutlich rausgearbeitet, Thema Altenüberschuss und Knappheit an jungen Menschen. Und das ist eine bisher unbekannte Konstellation. Auch das Freund Feind Ding greift hier nicht. Boomer sind keine Feinde. Aber sie wählen mehrheitlich "das was wir schon immer gewählt haben" und bescheren uns jungen damit eine Zukunft, in der wir dann die vergammelten Früchte ernten dürfen, während die Boomer längst im Grab schlummern. An Ironie kaum zu überbieten, wenn man bedenkt, dass es genau diese Boomer waren, die als erste Generation in Deutschland sorgenfrei und materiell abgesichert die Früchte der hart arbeitenden  Nachkriegsgeneration ernten und verteilen durften. Kleine Spitze zum Schluss: nichts macht einen Sinn, sondern ergibt Sinn. Das ist 'ne sehr schlechte Rückübersetzung aus dem Englischen, die die Intelligenz der deutschen Sprache verdunkelt.

Umlautkombinat

31. März 2025 17:52

@Gehenkter
> Mit Besserwisserei und Haha kommt man da nicht weiter ....
> die meisten Kommentare - soweit ich sie überflogen habe
Dann vielleicht auch die einmal 'gruendlich lesen/zuhoeren', 'einfach mal sinken lassen' und meinetwegen auch einfuehlen.
Ich nehme als Beispiel mal das einzige 'Haha' welches bei mir haengen blieb, dasjenige von @ratatoskr.Natuerlich hat er einen Punkt, als Profi im Fach kann ich den auch beurteilen. Erstmal gibt es kein "medial-technisch". Das ist ein ignoranter Zusammenwurf.
"Technisch" sieht es in der "Generation Z" (es geht immer um Gesamtheiten und nicht um z.B. die Existenz sehr guter 20-jaehrige Programmierer in meinem Fach) naemlich aus wie beschrieben. "Medial" gibt es Unterschiede in Auswahl des Mediums, zeitlicher Nutzung und technischer Anwendung auf den Alltag (und in diesem) und reiner Geschicklichkeit im Umgang. 
 
Aber das ist beileibe kein ungetruebtes Bad. Eines der wenigen Medien, die ich regelmaessig lese ist Hacker News. Jede zweite Woche kommt dort einer hoch mit Kontrollversuchen zu seinem Onlineverhalten. Apps die sein phone abschalten, exercises, erstmal Buchfuehrung des eigenen Verhaltens (mittels anderer Apps) und immer Riesenaengsten am Ganzen kaputtzugehen und Ahnungen um verlorenes Leben.

Bernd

31. März 2025 18:07

@Monika: So einfach können Sie den Vorwurf nicht umdrehen. Der Zoomer hat ja immerhin die Unschuld der Machtlosigkeit. Der Boomer hält nicht nur wirtschaftlich alle Karten in der Hand, er ist auch dank seiner eigenen Kinderarmut politisch immer am längeren Hebel. Selbst wenn sich alle jungen Leute einig wären, sie könnten im Rahmen des gegenwärtigen Systems nichts bewirken. Den Schlamassel, in dem sie stecken, haben sie nicht selbst verursacht. Aus der Position lässt es sich immerhin komfortabel schimpfen.
 
Übrigens stehen wir noch ganz am Anfang des Konfliktes: eine schwindende Anzahl Werktätiger steht einer wachsenden Zahl von Rentnern gegenüber, die trotz scheiternder Wirtschaft eine Rentenerhöhung nach der anderen beschließen und die Abgabenschlinge immer weiter zuziehen. Das ist nicht eingebildet, es ist der blanke Ressourcenkonflikt, er hat längst begonnen, nur ahnen die meisten noch gar nichts davon. Wenn der Zoomer etwas analoges zum Marxschen Klassenbewusstsein entwickelt wird die Debatte bitter und erbarmungslos.

Oberlausitz

31. März 2025 18:18

Ich möchte mit @Lausitzer noch einmal betonen, daß sich die Teilnehmer an den verschiedenen Großdemonstrationen des letzten Jahrzehnts hier in Sachsen (Dresden, Leipzig, Cottbus) und den immer noch stattfindenden Montagsveranstaltungen in zahlreichen Städten zu einem sehr großen Teil aus der Generation Ü60 rekrutiert haben. Die Begegnung mit "Zoomern" gab es vor allem auf der Gegenseite (Antifa) und war immer von unangenehmer Art ("Nazi-Opa, geh sterben!").

Rabenkaiser

31. März 2025 18:24

Mal am Rande.. Boomer, Zoomer, ... Schon im Klang der Worte steckt ein solcher Unernst, dass (zumindest bei mir) die qualitative Aufladung der Begriffe ständig orgelt und wieder abwürgt.. bis es Doppel-Wumms macht und die Verstandeskarre endgültig verreckt

Diogenes

31. März 2025 18:32

@MarkusMagnus: "...Schön ist auch das sich in Deutschland das Wort Rechner gegenüber dem Wort Computer durchgesetzt hat, gerade in der Spieleszene. " - Deutscher Geist! Wir fragen was der Sinn des "Werkzeugs" ist, was es macht, was seine Beschaffenheit, sein Wirken ist. Dann gehen wir an die Wortschöpfung, wie ein Zuse.   Wenn wir den sog. "Mechanismus Antikythera" betrachten/beurteilen reden wir auch von einem Rechner, also dem was Zweck/Aufgabe dessen war (es wurden Berechnungen im Sinne der Nautik/Navigation damit getätigt. Wir fragen worin Ding/Hilfsmittel Sinn macht und dann durchdenken wir es zuerst geistig. Und daraus ergeben sich viele Wortschöpfungen in unserer Sprache. Und wir können auch mit unserem Geist immer wieder neue Wortschöpfungen vornehmen, wenn wir nach dem Sinn fragen. Dazu benötigen wir keine Fremdinjektion "Denglisch" ("Bommer/Zommer"). Deutsche die darauf zurückgreifen tun mir leid, auch hier, da sie nicht in der Lage sind den Sinn von etwas in der eigenen Sprache zum Ausdruck zu bringen. Es wird einfach übernommen und nachgeäfft (genauso wie bei VSA statt "USA" einfach "United" durch "Vereinigte" tauschen müsste. Idiotischer Herdentrieb, selbst bei sog. "Rechten". 

Majestyk

31. März 2025 19:50

Was und wie wählt die Jugend?
Auch nicht besser, aus Sicht der AfD sogar klar schlechter. 
 
Die Jugend weiß aber auch nicht wie gut sie es heute hat. Knapp an jungen Menschen heißt auch, daß um jene gebuhlt wird. Die Zeiten wo Lehrstellen Mangelware sind und Lehrjahre keine Herrenjahre sind lange vorbei. 
Kann natürlich auch an mir liegen,  ich komme aus keinen "bürgerlichen" Verhältnissen. Zur Schule ging ich knapp 6 Kilometer, hin wie zurück und zwar  6 Tage die Woche. Und da war ich erst an der Busstation. Geheizt haben wir mit Deputatkohle der Großeltern, Steinkohle und Briketts und da habe ich mitgeschaufelt und mitgestapelt, sobald ich die Schaufel halten konnte. War Alltag danals, genauso wie Zeitung austragen bei Wind und Wetter. Bis zum heutigen Tag hätte ich den ersten Cent vom Staat noch zu bekommen, aber ausgepresst hat man mich wie eine Zitrone. Ich rechtfertige mich garantiert nicht gegenüber Nachgeborenen, die schon einen Schreikrampf bekommen, wenn das Internet gerade langsam ist.

Andreas J

31. März 2025 20:45

Zwar bin ich Gen X und kein Zoomer, finde aber den bezüglich seines Wahlverhaltens typischen Boomer schlimm. Diese Leute laufen seit Jahrzehnten ohne Weltbild-Update rum. Sie glauben, die CDU wäre heute noch dieselbe Partei, wie unter Kohl. Alles scheint ihnen egal zu sein, solange die Lidl-Chipstonne preisstabil bleibt, ihre Restlebenszeit störungsfrei verläuft und samstags Musiksendungen aus dem Heile-Welt-Bunker im TV gezeigt werden. 
 
Aber auch Zommer auch sind mitschuld, wenn sie statt eine Familie zu gründen ihre Zeit lieber mit Hedonismus, Karriere, digitaler Dokumentation ihres Lebens im Minutentakt (plus dem Verfolgen ähnlicher Dokustreams anderer Zoomer), sinnfreiem "Webkram" etc. verbringen, etwa weil sie sich und ihre Generation für etwas Besonderes im Sinne einer digitalen Avantgarde, der 4th wave of modernity whatever halten. Wenn dann demografisch alles wegkracht, zeigen sie sich verwundert. Auf OK, Boomer könnte man daher mit einiger Berechtigung OK, Zommer antworten. 
 
 

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.