Autorenporträt Wladimir Solowjow

Wladimir Sergejewitsch Solowjow (1853–1900), den man den Vater der russischen Philosophie genannt hat, war in jungen Jahren Nihilist, dann akademischer Gegner des westlichen Positivismus, dem er mit einem theosophisch-theokratischen System der Geschichtsphilosophie entgegentrat.

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

1879 ver­ließ er die Mos­kau­er Uni­ver­si­tät, über­sie­del­te nach St. Peters­burg und wid­me­te sich bis zu sei­nem Lebens­en­de mit 47 Jah­ren dem lite­ra­ri­schen Schaf­fen und der Theo­lo­gie. Sei­ne Drei Gesprä­che über Krieg, Fort­schritt und das Ende der Geschich­te und die Kur­ze Erzäh­lung vom Anti­christ lie­gen nun in einer Neu­aus­ga­be vor.

Mit sei­ner Dich­tung beein­fluß­te er den rus­si­schen Sym­bo­lis­mus und war mit Dos­to­jew­ski eng befreun­det: die Figur des Aljoscha in den Brü­dern Kara­ma­sow trägt die Züge Solo­wjows (wer Freu­de an Phy­sio­gno­mik hat, schaue sich die­ses geheim­nis­voll-aura­ti­sche Manns­bild ein­mal an, es gibt zeit­ge­nös­si­sche Pho­to­gra­phien).

Ich bin auf ihn gesto­ßen, als ich Josef Pie­pers klei­ne Abhand­lung Über das Ende der Zeit (1950) gele­sen habe. Dar­in zitiert Pie­per die “Solo­wjew­sche Erzäh­lung”, mit der der gro­ße Rus­se auch im Wes­ten, ins­be­son­de­re in Deutsch­land, Berühmt­heit erlangt hat:

„Es gehört zum über­lie­fer­ten Bil­de vom Anti­christ, daß er als ‘Wohl­tä­ter’ erscheint; und bei den Audi­en­zen sei er ’so leut­se­lig, daß man davon in allen Post-Zei­tun­gen mel­den wird’ – so heißt es in dem Leben Anti­chris­ti, das ein Kapu­zi­ner des 17. Jahr­hun­derts ver­faßt hat. Der Anti­christ der Solo­wjew­schen Erzäh­lung ist der Ver­fas­ser eines in alle Welt­spra­chen über­setz­ten Buches mit dem Titel ‘Der offe­ne Weg zu Frie­den und Wohl­fahrt in aller Welt’. Er hat ‘in der gan­zen Mensch­heit eine fest begrün­de­te Gleich­heit geschaf­fen: die Gleich­heit der all­ge­mei­nen Sät­ti­gung’. Und nach­dem er – auf­grund einer ohne Abstim­mung erfolg­ten Wahl! – zum Welt­herr­scher pro­kla­miert wor­den ist, erläßt der Anti­christ ein Mani­fest, das mit fol­gen­den Wor­ten schließt: ‘Völ­ker der Erde! Die Ver­hei­ßun­gen haben sich erfüllt! Der Welt­frie­de ist auf ewig gesi­chert. Jeder Ver­such, ihn zu stö­ren, wird augen­blick­lich einem unüber­wind­li­chen Wider­stand begeg­nen; denn von heu­te ab gibt es auf der Erde nur eine ein­zi­ge zen­tra­le Macht […]. Die­se Macht gehört mir […]. Das inter­na­tio­na­le Recht besitzt end­lich die Sank­ti­on, die ihm bis jetzt geman­gelt hat. Von nun ab wird kei­ne Macht sich erküh­nen, zu sagen ‘Krieg’, wenn ich sage ‘Frie­de’. Völ­ker der Erde! Frie­de sei mit Euch!’ So Solo­wjew im letz­ten Jah­re des 19. Jahrhunderts.“

Pie­per bezieht sich hier auf Solo­wjows Kur­ze Erzäh­lung vom Anti­christ. Von einem eigen­stän­di­gen Werk kann nicht die Rede sein, auch wenn die Kur­ze Erzäh­lung auf Deutsch in der Schweiz 1946 in der Über­set­zung von Karl Noet­zel, 1947 in Deutsch­land über­setzt von Ludolf Mül­ler (so auch in der Werk­aus­ga­be ent­hal­ten), dann 1954 von Erich Mül­ler-Kamp ins Deut­sche über­tra­gen in einem Band mit dem Titel Drei Gesprä­che, wei­ters 2013 als Sepa­rat­druck im anthro­po­so­phi­schen Ver­lag Urach­haus und 2023 noch ein­mal die Noetzel’sche Über­set­zung mit Kom­men­ta­ren her­aus­ge­ge­ben wor­den ist.

2025 hat der Karo­lin­ger Ver­lag aus Wien die nur noch anti­qua­risch erhält­li­che Aus­ga­be von 1954 neu ver­legt in der aus mei­ner Sicht schöns­ten Über­set­zung. Sie ist ergänzt um das Vor­wort des Lite­ra­tur­no­bel­preis­trä­gers Czesław Miłosz aus der eng­li­schen Aus­ga­be, die wie die neue Karo­lin­ger­aus­ga­be den Ori­gi­nal­ti­tel der rus­si­schen Aus­ga­be trägt: Krieg, Fort­schritt und das Ende der Geschich­te.

Fünf Rus­sen, die sich an der Côte d’A­zur Ende des 19. Jahr­hun­derts zum Salon­ge­spräch ein­fin­den: ein Gene­ral alter Schu­le, ein west­lich-libe­ral geson­ne­ner Poli­ti­ker, ein Herr Z., undok­tri­när und am ehes­ten Solo­wjows alter ego, ein jun­ger Fürst, der die ideo­lo­gi­schen Züge von Tol­stoi trägt, sowie eine das Gespräch bele­ben­de Dame. Die Kur­ze Erzäh­lung vom Anti­christ ist dar­in der­ge­stalt ent­hal­ten, daß Herr Z. am Schluß des drit­ten Gesprächs aus fik­ti­ven Auf­zeich­nun­gen eines Mönchs eben­die­se Erzäh­lung vorliest.

Was fas­zi­niert sei­ne Leser an Wla­di­mir Solo­wjow, abge­se­hen von den bereits zitier­ten pro­phe­ti­schen Pas­sa­gen über den kom­men­den Anti­christ? Es las­sen sich zwei ein­an­der bei­na­he dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setz­te Rezep­ti­ons­li­ni­en her­aus­prä­pa­rie­ren, denen ich bei­den nach­ein­an­der mit Begeis­te­rung gefolgt bin.

Die ers­te Les­art ist die­je­ni­ge, die auch Gerd-Klaus Kal­ten­brun­ner in sei­nem Auf­satz “Im Zwie­licht des Gnos­ti­zis­mus” (in: Vom Geist Euro­pas. Land­schaf­ten, Gestal­ten, Ideen. Bd. 1. MUT-Verlag:,Asendorf 1987) her­vor­hebt. Solo­wjow läßt sich als Gnos­ti­ker in dem Sin­ne lesen, daß er eine “reli­gi­ons­phi­lo­so­phi­sche Geheim­leh­re” dar­ge­bo­ten hat.

Dabei heißt “Gno­sis” zunächst ein­mal nur “Erkenntnis(lehre)”, die, so Kal­ten­brun­ner, “einer Eli­te vor­be­hal­ten, sowohl recht­gläu­big-ortho­dox als auch ‘ket­ze­risch’ sein” kann.

Ins­be­son­de­re Solo­wjows sein Leben durch­wir­ken­den­de spe­ku­la­ti­ve Phi­lo­so­phie der “Sophia”, der weib­li­chen Gestalt der gött­li­chen Weis­heit, trägt star­ke Züge des früh­christ­li­chen Gnos­ti­zis­mus. Der Solo­wjow der 1860er- bis 1880er-Jah­re denkt die gött­li­che Heils­ge­schich­te dis­pen­sa­tio­na­lis­tisch in drei fort­schrei­ten­den Welt­al­tern: Ziel der his­to­ri­schen Ent­wick­lung der Welt ist die Wie­der­ge­win­nung der All-Ein­heit mit dem Schöp­fer, ein Gedan­ke, den auch die ost­kirch­li­che Theo­lo­gie bereithält.

Die­sen gnos­ti­schen Solo­wo­jow hat­te auch Rudolf Stei­ner rezi­piert, als er vor hun­dert Jah­ren schrieb:

“Sol­o­f­jeff spricht so, daß man in einer gewis­sen Art wie­der auf­le­ben fühlt, wie bis zum vier­ten Jahr­hun­dert die Den­ker des Chris­ten­tums sich mit der Ver­ei­ni­gung der Chris­tus-Wesen­heit in dem Men­schen Jesus von Naza­reth aus­ein­an­der­ge­setzt haben. Von die­sen Din­gen so zu reden wie Solo­wjoff redet, dazu feh­len den west- und mit­tel­eu­ro­päi­schen Den­kern heu­te über­haupt alle Begriffs­mög­lich­kei­ten. (…) Der Wes­ten und der Osten müs­sen für ein­an­der Ver­ständ­nis fin­den. Solo­wjoff ken­nen ler­nen, kann auf der Sei­te des Wes­tens viel zum Gewin­nen eines sol­chen Ver­ständ­nis­ses bei­tra­gen.” (“Wla­di­mir Sol­o­f­jeff, ein Ver­mitt­ler zwi­schen West und Ost”, 1925, GA 36).

Stei­ner zitiert eine Buch­kri­tik aus der Feder Solo­wjows von 1888, die schon in die Rich­tung einer zwei­ten Les­art weist und die für heu­ti­ge Leser erschla­gend aktu­ell wirkt:

“Euro­pa blickt geg­ne­risch und mit Befürch­tung auf uns, weil im rus­si­schen Vol­ke dunk­le und unkla­re ele­men­ta­ri­sche Gewal­ten leben, weil des­sen geis­ti­ge und Kul­tur­kräf­te ärm­lich und unge­nü­gend sind, dafür aber sei­ne Ansprüche offen­bar und scharf bestimmt zuta­ge tre­ten. Gewal­tig tönen nach Euro­pa hin­aus die Rufe wol­le, daß es die Tür­kei und Öster­reich ver­nich­ten wol­le, Deutsch­land schla­gen, Kon­stan­ti­no­pel und, wenn mög­lich, auch Indi­en an sich rei­ßen wol­le. Und wenn man uns fragt, womit wir an Stel­le des an uns Geris­se­nen und Zer­stör­ten die Mensch­heit beglü­cken wol­len, wel­che geis­ti­ge und Kul­tur Ver­jün­gung wir in die Welt­ent­wi­cke­lung brin­gen wol­len, dann müs­sen wir ent­we­der schwei­gen oder sinn­lo­se Phra­sen schwätzen.”

Euro­pa pro­ji­ziert sei­nen Bel­li­zis­mus auf Ruß­land, das damals wie heu­te einen meta­phy­si­schen Anspruch erhebt (heu­te geht es Den­kern wie Alex­an­der G. Dugin um die Befrei­ung des Wes­tens vom Sata­nis­mus in einem “hei­li­gen Krieg”), die­sem Anspruch aber über­haupt nicht gerecht wer­den kann. In sei­nen Zwölf Vor­le­sun­gen über das Gott­men­schen­tum (1877–1881), denen auch Dos­to­jew­skij und Tol­stoi als Hörer bei­wohn­ten, unter­zieht Solo­wjow Ruß­land einer tief­ge­hen­den Selbstkritik:

“Wir müß­ten uns statt mit der Fra­ge ‘War­um liebt uns Euro­pa nicht?’ viel­mehr mit einer ande­ren beschäf­ti­gen, einer uns näher lie­gen­den und uns wich­ti­ge­ren Fra­ge: ‘War­um und wes­halb sind wir krank?’ Phy­sisch ist Ruß­land noch ziem­lich stark, wie es sich in dem letz­ten rus­si­schen Krie­ge gezeigt hat; also ist unser Lei­den ein sitt­li­ches. Auf uns las­ten, dem Wor­te eines alten Schrift­stel­lers gemäß, die im Volks­cha­rak­ter ver­bor­ge­nen und uns nicht zum Bewußt­sein kom­men­den Sün­den – und so ist es vor allem nötig, die­se in das Licht des hel­len Bewußt­seins her­auf­zu­brin­gen. Solan­ge wir geis­tig gebun­den und para­ly­siert sind, müs­sen uns alle unse­re ele­men­ta­ri­schen Instink­te nur zum Scha­den gerei­chen. Die wesent­li­che, ja die ein­zig wesent­li­che Fra­ge für den wah­ren Patrio­tis­mus ist nicht die Fra­ge über die Kraft und über die Beru­fung, son­dern über die Sün­den Rußlands.”

Wla­di­mir S. Solo­wjow wand­te sich, so möch­te ich sagen, aus Volks­see­len-Selbst­er­kennt­nis von sei­ner frü­hen von ihm selbst so genann­ten “frei­en Theo­so­phie” ab. Etwas Fun­da­men­ta­les sei mit Ruß­lands See­le nicht in Ord­nung, die Nati­on kran­ke an einem inne­ren Man­gel und zugleich an Selbst­über­he­bung, stell­te er in sei­nen Vor­le­sun­gen fest und erreg­te damit erst Kopf­schüt­teln bei sei­nen gro­ßen lite­ra­ri­schen Freun­den, dann har­sche Ablehnung.

Denn recht bald, in den 1890er-Jah­ren, wur­de Solo­wjow klar, was der Grund die­ser Krank­heit sein muß: das Schis­ma, die tief­ver­wur­zel­te Unfä­hig­keit Ruß­lands, die ein­zi­ge Kir­che, die Jesus Chris­tus gestif­tet hat, anzu­er­ken­nen. Er begann, sich der­art inten­siv mit dem Katho­li­zis­mus zu befas­sen, daß acht Jah­re nach dem ers­ten theo­so­phi­schen Vor­trag zum “Gott­men­schen­tum” ein kroa­ti­scher katho­li­scher Bischof dem nach wie vor rus­sisch-ortho­do­xen Den­ker eine Audi­enz bei Papst Leo XIII. ermöglichte.

Im fol­gen­den Jahr ver­öf­fent­lich­te er auf Anre­gung eines Pari­ser Jesui­ten La Rus­sie et L’Eg­li­se uni­ver­sel­le, wor­in er sei­ne Posi­ti­on zum Pri­mat des römi­schen Paps­tes am deut­lichs­ten zum Aus­druck gebracht hat. Von die­sem Zeit­punkt an war er über­zeugt, daß die moder­ne Welt vor einer kla­ren Ent­schei­dung stand: ent­we­der Rom oder Cha­os. Das ist die zwei­te Solo­wjow-Les­art, die mich seit gerau­mer Zeit beschäftigt.

Auch aus die­sem Werk möch­te ich gern einen Abschnitt vor­stel­len, der im zwei­ten Teil sol­che Leser, die ein wenig ver­traut sind mit Inter­net­auf­trit­ten ortho­do­xer Influen­cer, auf­hor­chen las­sen könnte:

“Wenn wir als das beson­de­re Grund­prin­zip der Ein­heit­lich­keit der Kir­che weder Jesus selbst noch sei­ne gläu­bi­ge Anhän­ger­schaft, son­dern die mon­ar­chi­sche Auto­ri­tät des Petrus ver­ste­hen, mit­tels des­sen sich Jesus Chris­tus dem Men­schen als sozia­les und poli­ti­sches Wesen offen­bart hat, fin­den wir dar­in unse­re Ansicht bekräf­tigt: Allein der Apos­tel­fürst hat das Recht, den Titel des ‘Fel­sens der Kir­che’ dau­er­haft und im Unter­schied zu allen ande­ren Apos­teln zu tra­gen. Er allein ist der Fels der Kir­che im enge­ren Sin­ne des Wor­tes, und damit wird er zum ein­heits­stif­ten­den Grund­prin­zip der dama­li­gen christ­li­chen Gemeinschaft.

Aber an die­ser Stel­le wer­de ich vom bekann­ten Auf­schrei mei­ner Lands­leu­te unter­bro­chen. ‘Soll bloß kei­ner irgend­was sagen über unse­re Feh­ler und Män­gel oder dar­über, was wir dem deka­den­ten Wes­ten schul­den! Der hat abge­dankt, den braucht kei­ner mehr. Wir haben im Osten alles, was nötig ist, in (sic!) Ori­en­te lux. Der krö­nen­de Abschluß der Chris­ten­heit ist das hei­li­ge Ruß­land. Was haben wir zu schaf­fen mit Rom, dem abge­leb­ten Rom, wenn wir selbst das Rom der Zukunft sind, das drit­te und letz­te Rom?’ (…) Aber sol­che Sät­ze zu akzep­tie­ren, wür­de die for­ma­le Ver­nei­nung der Not­wen­dig­keit einer uni­ver­sel­len Kir­che impli­zie­ren. Man wür­de zum alten Juden­tum zurück­keh­ren, mit dem Unter­schied, daß die Sin­gu­la­ri­tät des jüdi­schen Vol­kes in der Vor­se­hung durch Got­tes Wort besie­gelt wur­de, wohin­ge­gen die Ein­zig­ar­tig­keit Ruß­lands ein­zig von den Reden gewis­ser rus­si­scher Pro­pa­gan­dis­ten abhängt, die kaum unfehl­bar zu nen­nen sind.” (La rus­sie et l’Ég­li­se uni­ver­sel­le, 1889, Über­set­zung der Pas­sa­ge C.S.)

Wla­di­mir Ser­ge­je­witsch Solo­wjow kon­ver­tier­te 1896 in einer Haus­ka­pel­le, die der Mut­ter­got­tes von Lour­des geweiht war, in Mos­kau zum Katho­li­zis­mus in des­sen grie­chisch-ortho­do­xem Ritus. La rus­sie et l’Ég­li­se uni­ver­sel­le liegt im fran­zö­si­schen Ori­gi­nal vor, auf Eng­lisch als Rus­sia and the Uni­ver­sal Church. Unter The Rus­si­an Church and the Papa­cy ist es in einer gekürz­ten Fas­sung 2012 u.a. vom Wie­ner Erz­bi­schof Chris­toph Schön­born her­aus­ge­ge­ben worden.

Solo­wjow wird dort im Vor­wort direkt für den Öku­me­nis­mus des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils ver­ein­nahmt – was in mei­nen Augen eine Fehl­lek­tü­re ist, denn Solo­wjow ver­tritt in deut­li­cher Wei­se eine “Rück­keh­r­ö­ku­me­ne”, d.h. die Bekeh­rung der ortho­do­xen Schis­ma­ti­ker unter das Dach der una sanc­ta eccle­sia catho­li­ca. In der deut­schen Werk­aus­ga­be aus den 50er-Jah­ren ist der Text in Una sanc­ta. Schrif­ten zur Ver­ei­ni­gung der Kir­chen und zur Grund­le­gung der uni­ver­sa­len Theo­kra­tie (1954/1957) ent­hal­ten. Es wäre ein Desi­de­rat, auch die­ses längst ver­grif­fe­ne Werk Solo­wjows dem deut­schen Lese­pu­bli­kum wie­der zugäng­lich zu machen.

In sei­ner Bespre­chung aus dem Jah­re 1961 schrieb der Theo­lo­ge Hans Meyer:

Für die unmit­tel­ba­re Gegen­wart und  die Beur­tei­lung Ruß­lands hat ja eine ande­re Geis­tes­rich­tung, der dia­lek­ti­sche  Mate­ria­lis­mus, für  ganz Euro­pa und dar­über hin­aus vor­der­grün­di­ge Bedeu­tung. Soll­te jedoch die Zeit kom­men, in der die reli­giö­se Grund­stim­mung  des rus­si­schen Vol­kes wie­der ande­re  Bah­nen ein­schlägt,  dann wird  auch Solo­wjew als Fer­ment im Rah­men der reli­giö­sen Aus­ein­an­der­set­zung  frucht­bar anzu­set­zen sein.

Ich den­ke, die­se Zeit ist gekom­men. Solo­wjow sieht die Geschich­te nicht mehr sub spe­cie aeter­ni­ta­tis, son­dern “bereits sub spe­cie anti­chris­ti ven­tu­ris (im Hin­blick auf den kom­men­den Anti­christ)”, so mein­te A. Macei­na in Stim­men der Zeit, 1953/54): Die Ein­schal­tung des Anti­christ wäre die Kor­rek­tur, die Solo­wjow selbst an sei­ner Drei-Sta­di­en-Geschichts­phi­lo­so­phie, die auch im zwei­ten der Drei Gesprä­che ver­han­delt wird, vor­ge­nom­men hat. Wo das Böse eine Kraft hat, kann es nur ein Sta­di­um geben – das­je­ni­ge des Kamp­fes, in dem auf Erden das Böse die Ober­hand gewinnt, das erst durch das Ein­grei­fen Got­tes final besiegt wer­den wird.

Einst­wei­len bemerkt die Dame im drit­ten Gespräch, alles sei “wie mit einem fei­nen, unfaß­ba­ren Schlei­er über­zo­gen. Die voll­kom­me­ne Klar­heit fehlt. (…) Immer liegt eine Unru­he und gleich­sam ein böses Vor­ge­fühl in der Luft”, wor­auf ihr der Gene­ral ant­wor­tet, dies lie­ge wohl dar­an, daß “der Nebel vom Schweif des Teu­fels auf Got­tes Erde gewe­delt wird.” In die­sen Nebel bringt Solo­wjow­lek­tü­re eini­ge Klar­heit und sei hier­mit nach­drück­lich empfohlen.

– –

Wla­di­mir Solo­wjow: Krieg, Fort­schritt und das Ende der Geschich­te. Drei Gesprä­che und die Kur­ze Erzäh­lung vom Anti­christ, 208 Sei­ten, gebun­den, 24€ – hier bestel­len

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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Kommentare (69)

MarkusMagnus

15. Januar 2026 23:15

Ich bin vor Jahren aus der evangelischen Kirche ausgetreten, weil ich diesen woken Blödsinn nicht mehr unterstützten wollte.
Ich habe mich dann über die katholische Kirche genauer informiert.
Das sog. zweite vatikanische Konzil hat extrem negative Auswirkungen. Direkt auch extrem negative Auswirkungen auf mich persönlich.
Ich habe dazu mal eine Frage: Es gibt ja auch noch die Sedisvakantisten. Die, die also den Papst nicht anerkennen. 
In der katholischen Kirche gibt es ja Märtyrer. Und selig gesprochene. Die katholische Kirche hat es fertig gebracht, einen ganz bestimmten Seligen (deutscher Abstammung) nachträglich diesen Status abzuerkennen. Aus politisch-inkorrekten Gründen.
Gilt das auch für die Sedisvakantisten? 
Liebe Grüße 

Kommentar Sommerfeld:
Es gibt ja nicht nur die Konzilskirche, sondern auch die Tradition, die Gemeinschaften, die das Lehramt und die Liturgie der Kirche bis vor dem II. Vatikanum anerkennen, und die sind keine Sedisvakantisten. Um welchen Seligen geht es? Wann war das? Ich kann mich erkundigen.

Freichrist343

16. Januar 2026 00:08

Im Übrigen können Solowjow und Steiner der christlichen Lebensreform zugeordnet werden. Und Nietzsche der atheistischen Lebensreform. Nötig sind ein minimalistischer Lebensstil und Traumyoga.
https://jlt343.wordpress.com

Martin Barkhoff

16. Januar 2026 07:42

Ja, liebe Caroline, die zwei Lesarten! An denen haben wir beide uns geschieden. Man kann diesen unendlich weichen fliessenden Menschen Solowjoff russisch lesen oder aber römisch-juristisch. Wenn ein Zusammengehen der morgenländischen und der abendländischen Kirche angesichts des aufziehenden Dramas nur gefördert werden könnte, dann war der gern unbegrenzt weitherzige Philosophie-Starez Solowjoff zu jedem Zugeständnis bereit, einschliesslich *Konversion*. (Als konvertierte er aus einem Christentum heraus in ein anderes hinein!).   ­ Wenn man möchte, dass die Lager der Christenheit sich angesichts einer absoluten Gefahr aufeinander zu bewegen mögen, dann fordert der Christ nicht von den anderen die Selbstüberwindung, sondern von sich. Aber als es ans Sterben ging, und der katholische Priester Solowjoff nun auch hier rituelle Kirchenpolitik angedeihen lassen wollte, warf Solowjoff ihn hinaus und starb mit dem orthodoxen Sakrament. Wenn ich Solowjoffs Handeln der römisch-juristischen Lesart unterwerfe, bekomme ich etwas wie einen elektrischen Geschmack im Mund; wie Alufolie an den Zähnen. Das ist schlicht nicht christlich gedacht. Das ist die mosaisch-legalistische Denkweise, die Paulus auf Leben und Tod bekämpfte.
Was habe ich darum gebangt, dass "der Solowjoff" in unserer Zeit wieder erhältlich wird! Und wo ich keine Verleger für die Gespräche fand, hast du es den Karolingern mit dem von mir revidierten Titel schmackhaft machen können. Das wird gute Folgen haben!
                  Dein Martin
 

RMH

16. Januar 2026 08:24

Etwas objektiver (bitte jetzt nicht gleich als "Vowurf" verstehen), wissenschaftlicher, also den Autor nicht in die üblichen, neurechten Modethemen und Richtungen rezipierend und drückend, habe ich die Ausführungen von Peter Ehlen empfunden.
https://hfph.de/hochschule/person/peter-ehlen/solowjow/
Hier der Aufsatz von Ehlen zu La Russie et l’Église universelle, aus dem sehr Zentrales zu entnehmen ist.
https://hfph.de/files/2025/01/ehlen_solowjow_die_goettliche_sophia.pdf
Zugegebenermaßen muss ich bei Solowjow auch erst einmal die Sekundärliteratur weglegen und ad fontes gehen.
 
 

Monika

16. Januar 2026 09:50

Vielen Dank für dieses Autorenporträt. Es wird allerhöchste Zeit, die Schriften Wladimir Solowjews wiederzuentdecken. Ich bin vor über 40 Jahren auf diesen russischen Religionsphilosophen, Mystiker, prophetischen Denker aufmerksam geworden. Das geschah über Gerd Klaus Kaltenbrunners 3Bände EUROPA, seine geistigen Quellen in Porträts aus zwei Jahrtausenden. Während meines Studiums in Tübingen habe ich mich viel mit Solowjew beschäftigt und mir ( leider) nur drei seiner Bände der 8bändigen Gesamtausgabe (Wewel Verlag) gegönnt. Das Antiquariat Heckenhauer war ein Paradies für alle an Russlands Philosophie Interessierten. Den Antichristen gab es als eigenes Büchlein. Ein Nachlesen in Kaltenbrunners Porträt ist aufschlussreich im Hinblick auf die jüngsten Beiträge in SiN: "Solowjew war frei von Antisemitismus.." "Er verfügte kaum über Geld, weil er den größten Teil seiner Honorare sofort verschenkte, häufig an Unwürdige und Gewissenlose. Dem notorisch Freigebigen folgten Scharen von Bettlern...Es kam vor, daß er einem Habenichts alles gab, was er bei sich hatte..." Solowjew wurde eine geradezu magische Ausstrahlung zugeschrieben. Er gilt als christlicher Esoteriker und wird heute in Russland wiederentdeckt.

RMH

16. Januar 2026 09:59

@Martin Barkhoff,
zur Frage der Katholizität von Solowjow findet sich auch recht Ausführliches beim bereits genannten Peter Ehlen in dessen Aufatz zu Leben und Werk, dort unter 3.
https://hfph.de/files/2025/01/ehlen_solowjow_leben_und_werk.pdf
Es scheint wohl etwas komplexer gewesen zu sein.

Monika

16. Januar 2026 10:08

An diesem Ort ist auch hinzuweisen auf Solowjews Werk "RECHTFERTIGUNG DES GUTEN", dort das Kapitel: "Die nationale Frage vom sittlichen Standpunkt aus". Solowjew unterscheidet einen wahren von einem unvernünftigen Patriotismus. Er kann gewissermaßen als konservativer Kritiker eines heidnisch-völkischen Patriotismus par  excellence gelten. Wird das Volkstum zu einem unbedingten und endgültigen Zweck, zum höchsten Gut, dann läuft das in Wirklichkeit auf eine Erniedrigung des Volkstums hinaus. Solowjew: "Es wäre jedoch ein offensichtlicher Fehler, das Prinzip des Kosmopolitismus mit dem Christentum in Zusammenhang zu bringen. Die Apostel hatten keinerlei Anlaß, Volkstumslosigkeit zu predigen." ..."Der Charakter eines Volkes unterscheidet sich von dem eines Einzelmenschen durch seinen größeren Umfang und durch die Langlebigkeit seines Trägers, nicht aber durch irgend etwas Prinzipielles." Es geht jetzt zu weit, dies näher hier auszuführen. Solowjew, ebenso wie Berdjajew sind "missing links", was das rechte Theorieproblem des Universalismus und Individualismus betrifft. 

Ernestina

16. Januar 2026 10:58

Eine Frage an Martin Barkhoff. Vielleicht habe ich ihn aber auch falsch verstanden.
Als katholische Traditionalistin gibt es für mich nur eine christliche Glaubensrichtung, die lückenlos den Ursprung des Christentums fortführt: der römisch-katholische Glaube. Alle anderen Konfessionen haben sich davon abgespalten bzw. sich als christliche Gemeinschaften neu entwickelt. Diese Sichtweise darf natürlich nicht mit Hochmut oder Hartherzigkeit einhergehen. Und man sollte neidlos anerkennen, dass man als römisch-katholischer Traditionalist auch von anderen Konfessionen lernen kann, z. B. von der Selbstverantwortung eines Freikirchlers oder von der Mystik der Orthodoxie. Einheit unter den Christen kann nur einer herstellen: der dreifaltige Gott. Zu seiner Zeit. 
Danke, Caroline Sommerfeld, für die Buchempfehlung! Schon bestellt! 

Caroline Sommerfeld

16. Januar 2026 11:10

Lieber Martin, dafür danke ich Dir sehr. Unser Solowjow empfing die katholischen Sakramente im griechisch-orthodoxen Ritus der Unierten, er konvertierte also zur römischen Kirche, siehe auch der verlinkte Blog des belesenen Herrn Kmita. Das Sterbesakrament ist nicht "rituelle Kirchenpolitik", sondern befreiende Wegzehrung der Seele. Ich glaube, es ist ein Mißverständnis von Mission und Bekehrung, daß man diese gegenüber anderen aus Weitherzigkeit oder Demut besser unterließe – genau das ist christlich gedacht. Deine Caroline

MARCEL

16. Januar 2026 11:15

Solowjow sollte man nicht konfessionell lesen, vor allem nicht den späten.
Wenn ich mich richtig erinnere, stehen allein drei einsame Repräsentanten, die jeder ein Teil der Sophia seiner christlichen Konfession inkarnieren, dem Antichrist entgegen.
Es ist schon lange her, aber durch die Lektüre dieses Gleichnisses wurde ich darauf gebracht, was der Antichrist im Wesentlichen darstellt (griech. anti = an Stelle von): eine Nachäffung Christi, der fast alle (!) auf den Leim gehen.
Meine Sympathien gehören der Orthodoxie, zumal sie in ihrer Geschichte weitaus härter geprüft wurde als der machtverwöhnte Katholizismus (dessen heutiger "protestantisierter/-ierender" Zustand Solowjows Warnung nahekommt).

FraAimerich

16. Januar 2026 11:26

@RMH  -  Danke für die interessanten Links. Schön, daß Sie Ihre Dollars nicht nur in Online-Clubs verschwenden! Was die Themen im entsprechenden Nachbarstrang angeht, müßte man die Begriffe "Ressentiment" und "Erfolg" gelegentlich noch mal genauer beleuchten. Vielleicht auch schlicht akzeptieren, daß es unterschiedliche Ausrichtungen/Zielsetzungen gibt, die sich keineswegs immer so hindrehen lassen, daß sie sich komplementär ergänzen.
Es gibt dafür überindividuelle Gründe, die außerhalb des individuellen Horizonts oder persönlicher Defizite intellektueller/psychischer Art liegen. Kierkegaard hat sie in seiner Anmerkung zu Joachim Fiore angedeutet.  
Der ehemals bekannte Publizist Anton Böhm, der u.a. im katholischen Bund Neuland und als Chefredakteur des "Rheinischen Merkur" wirkte, hat diese "endzeitlichen" Hintergründe (nihilistischer Individualismus, Sexualkultur/Pansexualismus, Luziferische Blendwerk-Humanität, Entwesung des Rechts, entfesselte Technisierung, um nur einige Schlagworte zu nennen) in seinem Büchlein "Die Epoche des Teufels" (1955) zu umreißen u. Hinweise zur notwendigen "Scheidung der Geister" zu geben versucht.
Solowjow greift natürlich wesentlich tiefer. Zur Ergänzung der Schöpfungsaspekte der Sophia sei auf Alfons Rosenbergs Exkurs zum im Hebräischen femininen ruach in "Michael und der Drache" verwiesen. Vor allem aber darauf, daß es bei der "Taufe" nicht um das Eintauchen, sondern um das Heraussteigen aus dem Wasser geht.

Maiordomus

16. Januar 2026 11:47

@Monika. Sie sind mir seit Jahren als Kennerin von Solowjew aufgefallen, mithin ein Bestandteil des Grundwissens über Russland wie zB.  die Filme von Eisenstein und Tarkowski. Bin gespannt, ob und wie sich Lichtmesz hierüber äussert. @Sommerfeld. Die Konversion Solowjews würde heute vielleicht nicht mehr so geschehen. Erinnere mich, als Gymnasiast in einer durchaus hochklassigen und nicht einfach engherzig-bigotten Klosterschule vor der Lektüre Dostojewskijs, von dem ich alles Erreichbare zu lesen suchte, zum Teil mit Übersetzung von Bergengruen, gewarnt wurde, weil er in der Tat mehrfach vor dem jesuitisch, dh. sehr stark iuridisch inspirierten Katholizismus warnte. Umgekehrt weiss ich von Baader weiss, dem wohl bedeutendsten deutschen Altkatholiken ante litteram, zur Zeit der Romantik vor dem juristisch gehandhabten katholischen Primat-Denken warnend, dass dieser sich in der russisch-orthodoxen Spiritualität und ihrer Handhabung des Heiligen zutiefst beheimatet fühlte. Im Sprengel von Bischof Bätzing könnte ich mir allenfalls vorstellen, dass Gläubige sich auch einen Übertritt zu den Orthodoxen überlegen könnten. Dabei ist dies freilich weder eine rheinische noch schwäbische noch gar schweizerischen Mentalität.        

fw87

16. Januar 2026 12:09

Das Büchlein von der "Erzählung vom Antichrist" war für mich damals eine bahnbrechende Lektüre. Ich fand dort vieles ausformuliert und geordnet vor, was ich vorher eher vage geahnt oder empfunden hatte über die Herrschaft des Antichristen. Wodurch ist diese gekennzeichnet (nicht nur nach Solowjew)? Wie man aus der Geheimen Offenbarung weiß, wird der Antichrist weltumspannend regieren. Das heißt, er muss auf die politischen Strukturen eines Weltstaates zurückgreifen können. Weiter wird, wie man ebenso in der heiligen Schrift lesen kann, der Antichrist aus dem Schoß der Kirche kommen, er wird demnach ein abgefallener Geistlicher sein. Wenn sich der Antichrist als Papst in Rom ausgibt, ist es möglich, dass er die weltliche und geistliche Macht in sich vereinigt, mithin absolut herrscht. Von den Menschen wird der Antichrist als eine Art Messias durch eine Pseudo-Religion angenommen werden, die man "Diktatur der Humanität" nennen könnte. Wann der Antichrist kommen wird, wird man nicht abschätzen können. Aber man muss doch sehen, woran bereits seit Jahrhunderten gearbeitet wird: An einem Weltstaat gekoppelt an eine säkulare Welteinheitsreligion. Dadurch wird dem Antichristen der Weg bereitet. 

MarkusMagnus

16. Januar 2026 12:30

@ Frau Sommerfeld
Simon von Trient. Das war im Jahre 1965.
 

Kommentar Sommerfeld: Paßt, ich frage.

Noch ein Kommentar:
Bitte schreiben Sie mir unter [email protected] Ihre E-Mail-Adresse, die hier hinterlegte funktioniert nicht. Dann bekommen Sie Antwort.

MarkusMagnus

16. Januar 2026 13:44

@ Maiordomus
Der Einzige, der nach Jesus bisher wirklich und beweisbar Kranke (oder einen Kranken) heilen konnte, war Rasputin. Er hat mehrfach den jungen Zarewitsch vor dem Tode bewahrt. Die besten Ärzte aus Russland konnten sich das nicht erklären und haben es bestätigt. Seine Anwesenheit und Gebete machten Alexij immer wieder gesund.
Rasputin wurde ja gerade in Russland als -Sonstwas- hingestellt. Natürlich war er nicht perfekt, so wie jeder Mensch 
Aber Gott gibt keinen bösen Menschen solche Kräfte. Völlig ausgeschlossen.
Das noch zum Thema Wunder. Alexij war ein Wunder, und die gottlosen Bolschewisten haben ihn ermordet. 
 
 

FraAimerich

16. Januar 2026 14:10

@Marcel: "eine Nachäffung Christi, der fast alle (!) auf den Leim gehen"
So ist es. Es kann auch kaum anders sein. Dem Satan als dem hochstaplerischen "Affen Gottes" hat der erwähnte Anton Böhm in der "Epoche des Teufels" übrigens ein Großkapitel gewidmet.
Die Identifikation der Vernunft mit den verdorbenen Auswüchsen des Rationalismus, die für Wissenschaftsgläubige und "kluge Rechner" charakteristisch ist, gehört auch hierher. Wer darauf hinweist, von welcher Warte aus auch immer, gilt heutzutage schnell als irrationaler Loser - oder gar "Menschenfeind von Anfang an"...

Maiordomus

16. Januar 2026 14:12

fw89. Es ist zu warnen davor, den "Antichristen", der schon im Mittelalter ein wesentlicher Orientierungspunkt gegenüber der grössten Versuchung war, historisch in einer einmaligen Personifikation zu identifizieren. Luca Signorelli malte im Dom von Orvieto den Antichrist, Reinhold Schneider interpretierte dieses Bild 1937 durch ein Sonett und glaubte es in gewissen Sichtweisen, wie Hitler damals gesehen wurde, zu identifizieren. So wie auch schon der Ausdruck "Glaube an den Führer" ganz gewiss eine Perspektive der Sicht bzw. Verehrung des "Antichrist" war. Das Sonett beginnt mit der Zeile: "Er wird sich kleiden in des Herrn Gestalt". Möglicherweise tritt der Antichrist in jeder Generation auf. Und in vielerlei Hinsicht war zum Beispiel auch der Grossinquisitor in Dostojewskijs gleichnamiger eingeschobener Novelle aus "Die Brüder Karamasov" gerade in seinem pseudohumanitären und pseudoreligiösen Auftreten analog zu Signorelli eine fast unübertreffliche literarische Verbildlichung des grundlegenden Wesens des "Antichrist". Noch interessant für literarisch interessierte Christen:die mittelalterlichen "ludi de Antichristo", also dramatische Darstellungen von Auftritten eines "Antichrist".        

MarkusMagnus

16. Januar 2026 17:02

@ Maiordomus
"Möglicherweise tritt der Antichrist in jeder Generation auf"
Das denke ich auch. Doch ich glaube das er im zweiten Weltkrieg eher der war, der Atomwaffen auf die beiden christlichsten Städte Japans geworfen hat. Die erste Atombombe hieß auch noch Dreifaltigkeit (Trinity). Das ist eine typische satanische Verhöhnung.
Auch der Angriff auf Dresden zu Aschermittwoch gehört meiner Meinung nach dazu. Die "Guten" hatten Kreuze auf den Panzern und Flugzeugen, die "Bösen" Sterne. 
Die Lügen über Deutschland sind ebenfalls satanisch. Ganz klar. Ich sag nur Katyn. Lange Zeit auch ein strafbares Tabuthema in der DDR. 
Die Wahrheit wird uns freimachen. 
 
 
 
Kommentar Sommerfeld: Es gibt seit alters her "Typen" bzw. "Präfigurationen" des Antichrist, von Julian dem Abtrünnigen über Mohammed (bis womöglich auch Hitler), dazu sehr luzide der hl. Kardinal Newman: Der Antichrist nach der Lehre der Väter, 1835, neu auf Deutsch 2020 in der Sabat-Verlagsbuchhandlung erschienen.

Gracchus

16. Januar 2026 21:51

Das trifft sich gut - weil ich schon häufig auf Solowjew-Referenzen gestoßen bin und Solowjew von daher immer lesen wollte, auch die sophianischen Überlegungen. 
Freilich kam mir noch nicht ernsthaft in den Sinn, die Konfession zu wechseln (Hardliner würden mir diese Formulierung ankreiden). Gleichwohl bin ich wohl eher ein "verkrachter" Katholik. Wenn den orthodoxen Kirchen der Rückfall ins Judentum durch ihre staatliche und nationale Einbindung droht - so verstehe ich Solowjew und bei Florenskij habe ich mal Ähnliches gelesen -, dann der römisch-katholischen Kirche der Rückfall ins Judentum durch Legalismus, wenn dieser auch universell ist, darin hat @Martin Barkhoff einen Punkt; m. W. ist @Barkhoff Jurist wie ich, und vielleicht kann ich ihm deshalb gut folgen, weil mich irritiert hat, bei Studium katholischer Lehrwerke oft auf mir aus Jurisprudenz bekannte Denkfiguren zu stoßen. Diesen eignet im Einzelfall Klugheit, aber sie "nähren" nicht. 

Kommentar Sommerfeld: Solowjow sagt das ja gerade nicht, daß die Kirche eine Fortführung der jüdischen Gesetzesreligion ist, im Gegenteil, er hält zumindest im Spätwerk (L'église universelle und den Una-sancta-Bänden) die Institution der römisch-katholischen Kirche mit ihrem monarchischen Prinzip für das einzig legitime Vermächtnis Christi, vgl. hier aus der englischen Kurzfassung

Gracchus

16. Januar 2026 22:54

@Caroline Sommerfeld: Das wollte ich nicht Solowjew in den Mund legen, sondern  @Martin Barkhoff. Ich sage auch nicht, dass die katholische Kirche die jüdische Gesetzesreligion fortführt, sondern in Gefahr steht oder stand, darin zurückzufallen. Das ist ein Unterschied. Damit wende ich mich nicht gegen die hierarchische Verfasstheit oder das monarchische Prinzip, im Gegenteil. Es dürfte aber unbestritten sein, dass das kanonische Recht und das juristische Denken innerhalb der Kirche eine bedeutsame Rolle spielen. Es gibt Rechtshistoriker, die den gregorianischen Reformen im 11./12. Jhd. bei der Entwicklung des neuzeitlichen Rechtsverständnisses die grösste Bedeutung zuweisen. Hier eine Rezension zu Harold Berman: Recht und Revolution:
https://www.awollbold.de/berman-recht-und-reolution
 

Gracchus

16. Januar 2026 23:07

Im Übrigen gibt es auch einen Davila-Aphorismus, der dies ausdrückt. Sinngemäß und daher ohne die Davila'sche Präganz: Die Wichtigkeit der juridischen Formen für die Kirche ist nicht zu bestreiten, aber es irritiert, Glaubensfragen in Kanonistenmanier abgehandelt zu hören. (Dieser müsste in dem Band der Anderen Bibliothek zu finden sein.)
M. E. ist auch der Liberalismus "verkappte" Gesetzesreligion - mit seiner Parole "rule of law, not of man." Das mag zwar in Bezug auf weltliche Herrscher angehen, ich fürchte aber, damit wird auch das Königtum Christi in Frage gestellt - sowie durch moderne Naturwissenschaft der Anspruch Christi "Ich bin die Wahrheit".
 

nom de guerre

17. Januar 2026 00:19

@ CS "Es gibt seit alters her "Typen" bzw. "Präfigurationen" des Antichrist, von Julian dem Abtrünnigen [...]"

Wie meinen Sie das? Dachte bisher, der Antichrist sei als etwas "Böses", die Welt Verderbendes zu verstehen. Julian der Abtrünnige wollte aber lediglich das alte römische Heidentum wiederherstellen. Was soll daran böse sein?

Kommentar Sommerfeld: Doch, das ist böse – wer willentlich und wissentlich andere Menschen dazu verführt, sich von Christus abzuwenden oder von seiner Erlösungstat nichts zu erfahren, tut etwas Böses. Das war im Falle des Julian Apostata der Fall, und insofern er Kaiser war, handelt es sich um eine Vorform der antichristlichen Regentschaft.

Diogenes

17. Januar 2026 05:18

@MarkusMagnus: "@ Maiordomus "Möglicherweise tritt der Antichrist in jeder Generation auf"Das denke ich auch. Doch ich glaube das er im zweiten Weltkrieg eher der war, der Atomwaffen auf die beiden christlichsten Städte Japans geworfen hat. Die erste Atombombe hieß auch noch Dreifaltigkeit (Trinity). Das ist eine typische satanische Verhöhnung."
 
In Japan und auch in den von Kernwaffen zerstörten japanischen Städten herrschen Shintoismus (Ahnenverehrung) und Buddhismus als Glaube vor. Damals und heute. 
 
Und der "Antichrist", dieser blutgeborene Homunkulus, wandelt als "Antideutscher" unter "uns" und stiftet Zwietracht im Volke. Wir sehen doch wie er uns normalen Deutschen das Leben schwer macht; wie er das Deutschtum erdrückt und in der eigenen Heimat (wo man sich nicht erklären muss) in Frage stellt. 

Martin Barkhoff

17. Januar 2026 07:43

Lieber Gracchus,     von Jurist zu Jurist: das Nährende, dass Bildende, dass Vertiefende, das ist das Christentum.
Lieber RMH,     die von Ihnen verlinkte materialreiche Studie von Ehlen gibt die richtigen Grundlagen und korrigiert meine (und Carolines) eifrige Verkürzungen. Danke !
Liebe Caroline,     das ist Deine neue Engherzigkeit und erkenntnisfeindliche Betulichkeit: Als hätte der Solowjeff etwas für sich gesucht und gebraucht. Den konnte doch niemand bekehren. Der fragte sich doch: Welche Anstösse brauchen meine (zT so unglaubliuch bornierten)  Mit-Orthodoxen? Wie kann überall Christenheit aufwachen angesichts der zermalmenden Engführung auf die wir zugehen?   Mensch, hör auf mit dem Kanzelschwälbisch!!

Martin Barkhoff

17. Januar 2026 07:46

Liebe Ernestine,        die meisten Glaubensrichtungen vertreten, dass sie alleine es wirklich richtig machen und die andern in ihrer Geschichte die schweren Fehler und Brüche haben. Doch da stecken überall, prüfen Sie nur, mächtige Brüche drin.  Das kränkt natürlich unseren Auserwähltheitshochmut. Aber vergessen wir nicht, was wichtiger ist als dieses Richtigmachen: Der grosse Heiler kann das alles heilen, wo er mag. Und er tut das. Er ermöglicht, dass überall im falschen Leben das richtige Leben aufblüht: Er ermöglicht,  dass wir alle ganz richtige Christen sein können, auch wenn unser Kirchlein oder unser Kirchenriese noch so viele Mängel haben sollten.    "Ich weiss, nicht nur meine Seele ist nicht würdig, dass Du eingehst unter ihr Dach, sondern auch meine ecclesia. Aber sprich nur ein Wort..."  

RMH

17. Januar 2026 08:57

"Die Wahrheit wird uns freimachen." 
@M.M., nein, denn sie ist zum einen vermutlich deutlich unspäktakulärer, banal brutaler, als es die ganzen Revisionisten, welche die rechte Renaissance mit ihren Glaubensdogmen noch länger lähmen als ich die "Szene" verfolge (und das ist schon sehr lange), immer wieder versprechen. Zum andern ist ihre Aussage @M.M, in hohem Maße pseudoreligiös. Als Christ sollten Sie wissen bzw konsquent bekennen, dass uns nur der Glaube an Jesus Christus frei macht und bestimmt nicht der gespiegelte Holocaust-Kult der Revisionisten.

RMH

17. Januar 2026 09:06

"bei Studium katholischer Lehrwerke oft auf mir aus Jurisprudenz bekannte Denkfiguren zu stoßen."
@Gracchus, dass sollte Dich eigentlich weder irritieren noch überraschen, da das römische Recht eine ganz zentrale Rolle bei der Entwicklung sowohl der katholischen Kirche, die sich nicht ohne Grund Rom als Zentrale gegeben hat, als auch des gesamten, nachantiken Abendlandes gespielt hat. Von allen klassischen & als Antisemiten & Rassisten verpönten Autoren kann ich regelmäßig H. St. Chamberlain empfehlen, hier die Grundlagen des 19.Jhdts, in welchem er bspw. auch die tragende Rolle des röm. Rechts herausarbeitet. Ja er stellt sogar die These auf, dass das römische Rechtswesen das Haupterbe Roms für die neuere Zeit ist. Was Leute zu den ganzen Rassethemen, Antisemitismus etc. bewegt hat, bzw. den damaligen, intellektuellen Zeitgeist, kann man ohnehin nur ansatzsweise nachvollziehen, wenn man damalige Quellen liest. H.St. Chamberlain ist eine der intellektuellsten & wichtigsten davon (seine Bücher über Kant, Wagner & Goethe halte ich für auch heute noch beachtliche Sekundärliteratur. Ich sehe ihn als Ahnherrn von Autoren wie Safranski).

Maiordomus

17. Januar 2026 09:48

@MarkusMagnus. Im Hinblick auf Hiroshima und Nagasaki kann man das wirklich so sehen wie Sie. Empfehle Ihnen und anderen hier sehr das Buch von Gary J. Bass, Tribunal in Tokyo - Die Kriegsverbrecherprozesse in Japan und die Neuordnung Asiens nach 1945." bis S. Fischer 2025 erschienen. Wertvoll, weil auf ca. 1 100 Seiten prima dokumentiert bei einer sehr würdigen Haltung der zum Tode Verurteilten, die sich bei der Urteilsverkündgung in hoher Würde zum Teil verbeugten und angesichts des Todes Haikus schrieben, deren deutsche Übersetzung zumindest eindrücklicher ist als jede mir bekannte Gegenwartslyrik. Dabei gehe ich davon aus, dass die Verurteilten der Grausamkeit der Kriegsführung, die sie praktizierten, gewiss absolut fähig waren. Aber geistig und zumal kulturell standen sie gewiss meistenteils über ihren ausländischen Richtern, von denen sich mindestens einer in Anerkennung einzigartiger amerikanischer Kriegsverbrechen freiwillig und um der Gerechtigkeit willen ebenfalls zum Erhängen hätte melden dürfen. Das wäre sehr eindrücklich gewesen, wiewohl faktisch undenkbar. @Mm. Ich möchte Sie indes warnen, im Zusammenhang mit Katyn und Dresden, für mich seit über 50 Jahren mit prägend für Geschichtsbewusstsein, Unrecht gegen Unrecht gegenzurechnen.     

Maiordomus

17. Januar 2026 09:58

@Markus.Magnus. Über Wunderheilungen im christlichen und zum Teil ausserchristlichen Zusammenhang scheinen Sie nicht eingearbeitet, und betr. Rasputin, über dessen in einem Glas konservierten Riesen-Penis einschliesslich  dessen Sexualleben ein enger Kollege und Freund von mir publiziert hat, würde ich doch eher warnen,ihn mit Jesus zu vergleichen. 
RMH/Gracchus. Auch wenn Sie auf Niveau über das Iuridische in der katholischen Kirche debattieren, welche Gesichtspunkte jedoch gegen 2000 Jahre kirchenrechtliche Forschungen erforschen würden, bleibt es dabei, dass Sie für Ihre Gesichtspunkte Bücher und Aufsätze von Carl Schmitt über den von ihm im übrigen bewunderten Katholiszismus zu studieren, auch für Nichtrechte von  höchster Bedeutung als Standardwerke über Politische Theologie, welcher Begriff ebenfalls von Schmitt stammt. Machte dazu um 1972 ein Seminar bei Lübbe.   

Gracchus

17. Januar 2026 10:56

Die Bedeutung des römischen Rechts - @RMH - stelle ich nicht in Abrede, indes ist mir nicht bekannt, dass das römische Recht zur Offenbarung Christi gehört, und wenn nach Paulus der Glaube vom Gesetz befreit, finde ich es zunächst verblüffend paradox - vielleicht habe ich da einen geistigen Defekt -, wenn dieser Glaube lehramtlich als Glaubensgesetz vorgestellt und formuliert wird, dem die Gläubigen unbedingten Gehorsam schulden.  
Wenn Jesus der blutflüssigen Frau attestiert, ihr Glaube habe ihr geholfen, muss ich mir dann vorstellen, dass die blutflüssige Frau - implizit, wie Theologen sagen - dabei dieses Glaubensgesetz, einschließlich des päpstlichen Primats, im Kopf hatte?

MarkusMagnus

17. Januar 2026 11:33

@ RMH
Bestreiten sie etwa das dieser ganze Schuldkult unserm Volk extrem schadet?
Revisionismus ist die Suche nach der Wahrheit, kein Schimpfwort. Es ist eine ganz normale wissenschaftliche Methode. Nur in Deutschland ist sie bei bestimmten Themen verboten. 
Ich habe mal eine Frage: Wenn herauskommt, daß Verbrecher wie Epstein auch in Deutschland gewütet haben, um deutsche Politiker zum Vorteil von Israel erpressbar zu machen, die Masseneinwanderung zu forcieren und den Schuldkult voran zu treiben...was sagen sie dann? 
Verteidigen sie dies dann auch noch? Bin mal gespannt.
Die Wahrheit wird uns freimachen! 
 
 
 
 

RMH

17. Januar 2026 12:26

@M.Magnus, ich weiß nicht, wie alt Sie sind, aber ich habe schon in den 80ern die ersten "revisionistischen" Schriften (aus den 70ern stammend), meist im Stile des Zeitzeugenberichts gehalten, bereits damals eher nur unter der Hand erhältlich, gelesen. Das ganze Thema wäre vermutlich nie so recht gezündet, wenn man es nicht umfangreich verboten hätte & einen großen Terz darum veranstaltet hätte. Wie auch immer: Propaganda richtet sich nach Ellul an eine Masse aus Individuen & kann daher bei einer geschlossenen Gruppe, die ihren eigenen Prpagandaüberzeugungen unterliegt, nicht sofort fruchten. Insofern sehe ich in einem polit. vorangetriebenen Revisionismus gewiss keine geschichtswissenschaftl. Arbeit sondern ein Aschotten gegen "Feindpropaganda" durch eigene Propaganda. Der Wahrheit kommt man damit gereade nicht auf die Spur. Ich könnte jetzt einen halben Roman dazu schreiben, wie viele Belege, Augenzeugenberichte ich von Naziverbrechen schon sehen & anhören durfte. Das geht von mittlerweile verst. Tätern bis hin zu Kindern /Enkeln hochrangiger Täter, die ich hier aus Diskretion nicht nenne. Man mag ja viel "revisionisisch" abziehen, aber der Haufen an Verbrechen, Toten, Grausamkeiten bleibt exorbitant hoch, was ja auch ein Grund ist, weshalb man auf einen Haufen Tote noch ein paar mehr legen kann (siehe Katyn) nach Abzug des Draufgelegten bleibt immer noch so viel übrig, dass für mich der NS verbrecherisch & widerlegt ist. Jedes Abarbeiten daran macht nicht frei, es lähmt, fixiert & hilft D nicht. Es ist gespiegelter Schuldkult.

t.gygax

17. Januar 2026 12:37

@MarkusMagnus
Sie vertreten mit Ihrer Wortmeldung auf sin eine absolute Aussenseiterposition, und damit kratzen Sie erfolgreich an den seit Jahrzehnten verkündeten "Wahrheiten", die nicht hinterfragt werden dürfen. Ich wünsche Ihnen Glück dabei, das ist ein hoch gefährliches Feld, auf das Sie sich hier wagen.
 
 
 

RMH

17. Januar 2026 12:39

"Die Bedeutung des römischen Rechts - @RMH - stelle ich nicht in Abrede, indes ist mir nicht bekannt, dass das römische Recht zur Offenbarung Christi gehört,"
@Gracchus, gehört es auch nicht. Aber es ist Teil der Welt, in der Christus geboren, gestorben & auferstanden ist. Die erste Kirche (also nicht als Gebäude, nicht die ersten Gemeinden), wurde in Rom & in dessen Imperium manifestiert. Ganz geprägt vom Römischen, bis hin zu einer Spiegelung der Senatoren durch Kardinäle, einer Anknüpfung an röm. Verwaltung etc. Die Gläubigen haben ihren Rechtsrahmen daher weiterverwendet. Für mich ist das auch eher eine historische Betrachtung & hat mit der eigentlichen Glaubensoffenbarung keinen direkten Zusammenhang. Die kath. Kirche hat in ihren Riten & Festlegungen versucht, den Pfad zum "Numinosen", was die "ersten" erlebt haben, tradierbar, also für Generation auf Generation reproduzierbar zu machen. Das versucht aus meiner Sicht jede Form von Tradition. Man will etwas, was man für wertvoll & wichtig gesehen hat, auch über das eigene Leben hinaus überlebar & vererbar machen. So auch in der Ostkirche & anderen.

Monika

17. Januar 2026 12:43

Liebe Frau Sommerfeld , in Frau Kositzas Beitrag über den "Zustand der Bettler" haben Sie auf Ihren Aufsatz zum Thema Almosen im Eckart hingewiesen. Solowjew war ja ein großherziger Geber. " Wenn man ihn vorhielt, er würde auch von Betrügern ausgenützt, gab er lachend zu bedenken, es sei nicht richtig, den Menschen nach seinem äußeren oder, in der Sprache Kants, phänomenalen Charakter zu beurteilen; der noumenale oder intelligible Charakter eines Gauners könne durchaus makellos sein."Quelle:  In Kaltenbrunner/ Europa/ Solowjew. @ Maiordomus ich empfehle Ihnen Solowjew in seiner "Philosophie der Liebe" das Kapitel über den "Sinn der Geschlechtsliebe", insbesondere die Ausführungen über den Fetischismus. ( z.B. eine aufgehängte, noch nicht getrocknete Frauenschürze) Das dürfte ein Schmankerl für Sie sein. 😀

fw87

17. Januar 2026 13:09

"Die Wahrheit wird uns frei machen" - Ich sehe das für Christen  als besonderen Auftrag, immer für die Wahrheit einzustehen, auch wenn es um den weltlichen oder politischen Bereich geht. Lüge und Verdrängung machen krank. Das ist eine Erfahrungstatsache. Durch die Wahrheit kann Heilung geschehen.
Geschichtspolitik ist ein Thema, das uns viel näher ist, als wir allgemein meinen. Ich würde sogar sagen: "2015" war nur aufgrund von Geschichtspolitik möglich, das hätte man in keinem anderen Land der Welt so durchziehen können. Wenn wir ein freies Deutschland wollen, werden wir früher oder später das Thema Geschichtspolitik bearbeiten müssen, sonst bleiben wir bei Symptombekämpfung. Es sollte dabei nicht darum gehen, politisch motiviert ein Geschichtsbild durch ein anderes zu ersetzen. Das wäre auch nur wieder Verdrängung, wie man das aktuell in Russland erlebt. Was es braucht, ist eine offen gehaltene Debatte, die Raum für Fragen und Forschungen in verschiedenen Richtungen lässt, ohne Moralisierungen und Schuldzuweisungen. 

Monika

17. Januar 2026 13:13

In Anknüpfung an Heino Bosselmanns Beitrag über die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen und die Unfähigkeit des heutigen Menschen, sich diesem Gefühl ganz "auszuliefern": Man findet Gedanken dazu in Briefen von Solowjew an Ekaterina Romanova ( 1872) Er antwortet auf ihre Glaubenszweifel, wie er seinen Kinderglauben verlor und durch vernünftiges Wissen zu ersetzen suchte, dabei über die Religion spottete. Letztlich gibt er darauf die Antwort:"Ich war tot bei lebendigem Leib. Alles, was die abstrakte Vernunft geben kann, ist erprobt und hat sich als untauglich erwiesen; und die Vernunft selbst hat auf vernünftige Weise ihre Insolvenz bewiesen. Aber dieses Dunkel ist der Beginn des Lichtes; denn wenn der Mensch gezwungen ist zu sagen: Ich bin nichts - so sagt er eben damit: Gott ist alles. Und hier erkennt er Gott - nicht die kindliche Vorstellung aus früherer Zeit und nicht den abstrakten Begriff des Verstandes, sondern den wirklichen und lebendigen Gott..." Nietzsche hat diesen Gott nicht gefunden und mußte den Menschen zum Gott machen. 

RMH

17. Januar 2026 13:56

"das ist ein hoch gefährliches Feld, auf das Sie sich hier wagen."
@t.gygax, unter den hier Diskutierenden ist das überhaupt nicht gefährlich, da ich keinen erkennen kann, der gegen eine offene Debatte ist. Gefährlich macht es nur unser FDGO- Staat mit seiner entsprechenden Strafgesetzgebung, auf die daher auch die Moderation ein Stück weit Rücksicht nehmen muss. & das ist ja das Besondere: Der sog. "Revisionismus" lebt davon, dass wesentl. Gebiete von ihm quasi verboten sind. Man verleiht ihm den Nimbus der geheimen Offenbarung. Womit wir wieder bei der Religion sind & eben nicht bei banaler Geschichtswissenschaft. Die Revisionisten wollen entgegen aller Behauptungen keine banale Geschichtswissenschaft, da das Verbot Teil ihres Geschäftsmodells ist. Das sind dann auch die Kreise, die wenn sie an der Macht wären, es vermutlich einem Juden verbieten würde, auf die Deutschen zu schimpfen oder das ein Jude hier Grundbesitz erwirbt. Für mich sind Geschichtsrevisionisten in Mehrzahl die andere Seite der gleichen, illiberalen, staatsgläubigen, sozialistischen Gleichmacher-Medaille.

Monika

17. Januar 2026 13:57

Liebe Frau Sommerfeld , im Vorwort zum Ergänzungsband zur deutschen Gesamtausgabe ( Erich Wewl Verlag) SOLOWJEWS LEBEN IN BRIEFEN UND GEDICHTEN erwähnt Ludolf Müller die Bedeutung Solowjews für die Anthroposophie . Rudolf Steiners Frau, die aus Russland stammte, übersetzte Gedichte Solowjews. Müller schreibt, daß für die Anthroposophen das wichtigste Werk Solowjews seine "Vorlesungen über das Gott-Menschentum seien, für die Katholiken sein französisch geschriebenes Buch "Russland und die universale Kirche, für die dialektischen Theologen "Die drei Gespräche/ Antichrist.,  d.h. Im Westen wurden verschiedene Teilaspekte am Werk des russischen Philosohen hervorgehoben, während die russischen Landsleute stärker sein Gesamtwerk und seine Gesamtpersönlichkeit im Blick hatten. Die ist durchaus interessant. Er war eine ungewöhnliche Erscheinung, gab eine glänzende akademische Laufbahn auf, er hatte etwas Mönchisches , und war zugleich leicht entflammbar für irdische Liebe, die in seinem Leben eine große Rolle spielte. Trotzdem galt seine eigentliche Liebe der "göttlichen Sophia". Starke Widersprüche kennzeichnen auch seine geistigen Positionen. Dies alles steht im Vorwort und so kann jeder etwas finden, was ihm an diesem Philosophen interessiert. 🤔 

RMH

17. Januar 2026 14:04

@M.M, t.gygx, fw87, Gegenfrage: Lebt es sich bspw in RUS wesentliche "freier", weil man dort die eigenen Verbrechen (mittlerweile sogar die der Bolschewisten gegen das eigene Volk) dreist weglügt oder unter z.T. hanebüchenen Ausführungen rechtfertigt? Wird der Krieg in der Ukraine freier, weil man den ewigen Nazi, der im Falle der Ukraine sogar Jude sein darf, deshalb bemüht, statt ehrlich zu sagen, das Gebiet sehen wir als russisch an, also holen wir es uns? Die Liebe zur Wahrheit verbietet im Grunde Geschichts-"Politik", egal, von welcher Seite. Es macht auch keinen unfreier, wenn er feststellt, gut, in der Vergangenheit gabs bodenlose Schweinerein & Verbrechen von einer Bewegung, die sich anmaßte, eine Deutsche zu sein. Wer sich dadurch "unfrei" fühlt, der hat ein Problem. Und der Vorwurf geht dann auch gleich an die gesamte, europäische Rechte: Man erreicht nichts, wenn man sich immer erst einmal gegenseitig die jeweiligen Verbrechen der anderen Seite vorwirft, statt an einem Strang zu ziehen.
Zum Christentum gehört nicht nur die Wahrheitsliebe, es gehört auch die Demut dazu. Und einer der Grundsätze der Demut ist es, dass man erst vor der eigenen Haustüre kehrt, bevor man meint, es bei anderen tun zu müssen.

MarkusMagnus

17. Januar 2026 14:47

@ Maiordomus
"Im Hinblick auf Hiroshima und Nagasaki kann man das wirklich so sehen wie Sie."
Natürlich. Man muss es schon fast so sehen. Und Zufall war es mit Sicherheit nicht.
War es nicht auch Oppenheimer, der mit Atommüll die Trinkwasservorrräte des gesamten deutschen Volkes vergiften wollte?
Was ist dagegen schon ein Brunnen? ;)
Spaß beiseite, die satanischen Mächte habe es vor Allem auf zwei Länder abgesehen. Russland und Deutschland. Das ist völlig klar.
Wieso genau weiss ich auch nicht. Vielleicht deswegen: 
"Deshalb sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die rechten Früchte hervorbringt"
Matthäus 21,43
Und nein, ich verstehe es genau so wie es da steht. 
Ich bin ein rechtes Früchtchen :)

Monika

17. Januar 2026 15:33

"Du hast Dich dreimal mir zu sehn gegeben./ Nicht mein Gedanke war's, der Dich erschuf; / Nein, tiefste Wirklichkeit war dies Erleben:/ Du kamst, vernehmend meines Herzens Ruf." In dem Gedicht: "Drei Begegnungen" beschreibt Solowjew drei übersinnliche, mystische Erfahrungen. Er nennt sie das Bedeutsamste, was ihm bisher im Leben geschehen war. Schon dem neunjährigen Knaben war sie in der Liturgiefeier erschienen, ein zweites Mal glaubte er sie im Lesesaal des Britischen Museums zu sehen, als er die Werke über sie studierte, ein drittes Mal sah er sie in Ägypten. Eine Vision, die ihm die GÖTTLICHKEIT DES SEINS , die göttliche Einheit des Alls, den göttlichen Urgrund der Natur in der Gestalt weiblicher Schönheit zeigt. Die heilige Sophia, eine himmlische Wesensheit, die All-Einheit  der Kreatur in Gott bestimmt sein theoretisches Schaffen. In seiner Poesie drückt sich das am tiefsten aus.

Majestyk

17. Januar 2026 16:23

"Die Wahrheit wird uns frei machen"
Schöner Satz. Aber was ist die Wahrheit? Gibt es nur eine davon? Braucht man für jene Wahrheit eine bestimmte Perspektive und woher weiß man, daß die eigene Perspektive und die eigene Wahrheit die Richtige ist? Nicht nur für einen selber, sondern auch für alle anderen? Wird Wahrheit eventuell von Ort, Zeit und Lebensumständen bestimmt? Oder ist Wahrheit absolut, durch alle Zeiten hindurch?
Was ist die Wahrheit?

Majestyk

17. Januar 2026 16:35

@ fw87:
"2015" war nur aufgrund von Geschichtspolitik möglich, das hätte man in keinem anderen Land der Welt so durchziehen können."
Dann waren Sie noch nie in Amsterdam. Rotterdam, Brüssel, Lüttich, Verviers, Paris, Marseille, Birmingham, London, Manchester, Baltimore oder New York. Ich könnte vermutlich noch Städte wie Stockholm oder Toronto hinzufügen, da weiß ich es aber nur aus den Medien. Ich würde weiß was dafür geben, wenn sich die deutsche Perspektive mal über den eigenen Tellerrand erhebt und nicht in Nabelschau stecken bleibt, 

Majestyk

17. Januar 2026 17:02

@ RMH:
Ich war in den 80ern im Leistungskurs Geschichte. Wir haben damals ganz selbstverständlich Opferzahlen hinterfragt und bestimmte Zusammenhänge, Zahngold als Beispiel, recht nüchtern vor dem Hintergrund des Krieges betrachtet. 
Mir ist z.B. aus jener Zeit noch geläufig, daß sich ja auch Polen ein Stück Kuchen von der Tschecheslowakei schnappte. Ob dies Standard war weiß ich nicht. Jedenfalls kann ich mich an keine Tabuisierung erinnern. Niemals wären wir aber auf die Idee gekommen, dem Nationalsozialismus sein totalitäres Gednakengut abzusprechen. 
Wie man durch einfache Spiegelung eines falschen Narrativs und Geschichtsbildung der "Wahrheit" oder einer differenzierteren Betrachtung näher kommen will ist mir schleierhaft. Nach einem Schleuderwaschgang mit dem besten Persil aller Zeiten mag man sich weißer fühlen, sauberer wird man dadurch noch lange nicht und der Wahrheit ist man dann auch keinen einzigen Schritt näher gekommen, sondern entfernt sich nur in der anderen Richtung. 
Maiordomus hatte im letzten Kommentarstrang völlig recht. Auf die Zahlen kommt es nicht an, sondern auf die Menschen.

Diogenes

17. Januar 2026 18:46

1/2 @RMH
 
"Illiberale" - Interessante Wortschöpfung. Der liberale Separatismus der von einigen Libertären vertreten wird und der das Vaterland in Konsequenz zerstückeln und verkaufen will (der kapitalistische Ideologiebegriff "Privatisieren" heißt, die eigene Heimat der int. Hochfinanz ohne nat.-staatl. Schutzmechanismen zum Frass vorwerfen), ist der Feind jedes Gemeinwesens. Andererseits gehört das was sich unter "Liberalen" summiert genauso wie das was sich unter "Konservative" summiert zu jedem Menschenvolke, das in seinen Wurzeln gesunde Anlagen hat, d.h. den Drang zum Fortschreiten (z.B. die Technik u. Verfahrenstechnik, Spiritualität, Kulturschöpfung) in sich trägt. Konservativ = Altbewährtes wird nicht ohne sinnhafte Begründung infrage gestellt. Liberal = Verbesserung des Altbewährten, z.B. in Fragen technischer Natur, die das Leben nachfolgender Generationen erleichtern). ...

Diogenes

17. Januar 2026 18:46

2/2
 
Das beste Beispiel für den Einklang zwischen Konservativ und Liberal ist das Gleichnis vom Vater zum Sohn: Jung und ungestüm versucht das alte Mahlwerk von Vaters Mühle durch sinnvolle Verbesserungen zu ergänzen. Das kann man auch in die Nationalpolitik eines Volkes Staate als Ganzes übertragen: Zentralismus (Überschauen des Gesamtwerks zur Steuerung/Sicherung des Gemeinwohls) und Regionalismus (mit den Problemen und Forderungen vor Ort direkt in Kontakt sein). Wir benötigen eine Staatsform die das Abbild gesunder, deutscher Familien ist und keine ideologischen Moloche die ohne Sinn und Geist ins Grenzenlose wachsen nur um noch mehr zu konsumieren (Materialismus). 

MARCEL

17. Januar 2026 19:10

Mein "Senf" zum Sonntag:
In Mt 16 erhält Petrus die Schlüsselgewalt und wird bald danach von Jesus als Satan zurück- und zurechtgewiesen. Giorgio Agamben hat einmal etwas zum Komplex Satan in der Kirche geschrieben (Judas wird von Jesus in Gethsemane übrigens Freund genannt). Kirche ist nicht selbst das Ziel, sondern sie ist auf dem Weg.
Römisch-lateinische und Orthodoxe Kirche sind die beiden Lungenflügel der ursprünglich einen Kirche!
Es schmerzt zu sehen, dass die römische Kirche der Macht, dem Recht und damit dieser Welt historisch und aktuell derart den Vorzug gegeben hat, dass sie die Wahrheit der facto an schismatische Gruppen "übertragen" hat (müssen), z.B. Piusbrüder etc.
Es schmerzt aber ebenso, zu erleben, wie wenig "katholisch" die Orthodoxie ist, die ihr Christentum (ja ihren Christus!) nationalistisch eingefärbt hat. Auf dem Athos kann man zudem Mönchen begegnen, die nur das rituelle Untertauchen als Taufe akzeptieren (vom wortgetreuen, griechischen Urwort her) und die katholische Taufe entwerten.
Am Rand: Eine deutsche Orthodoxie fände ich förderungswürdig, wenn sie die Rettung hierzulande ist, gerne! (vgl. Kloster Buchhagen)
P.S. der Griechisch-katholische oder Ruthenische Ritus ist ein (von Jesuiten) de-naturierter, latinisierter Ritus, den ich persönlich abscheulich finde.

Kommentar Sommerfeld: Die Piusbruderschaft ist nicht schismatisch, da sie den Papst anerkennt.

Majestyk

17. Januar 2026 20:17

@ RMH:
Der Komplettrevisionismus, bzw. die Komplettumdeutung zeigt genauso religiöse Züge, wie jene, die Schuldunterwerfung zur Staatsdoktrin erheben wollen. Schuldkult und Opfermythos sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Leider betrifft diese religiös geführte Debattenkultur hier in Deutschland eigentlich fast alle Themen. Von Energieversorgung bis Kinderbetreuung. Das ist vermutlich auch der Grund, warum Kritiker in Deutschland als Häretiker bezeichnet werden, die Häretiker gleichfalls hinter jedem politischen Akt Dämonen vermuten. Ich vermute, man nähert sich dem Mittelalter an, inklusive Ablaßhandel, Aderlaß, Handauflegen und Teufelsaustreibung. 

Diogenes

17. Januar 2026 22:22

1/2 @Majestyk
 
Wir hatten das Thema Revision und die Frage nach dem was Wahrheit sei hier schon mehrmals mit Antworten ausgetauscht. Wahrheit ist ein mehrschichtiges Wesen der Betrachtung, je nach Blut- u. Ortsgebundenheit; Pilatus Wahrheit war die Befürchtung eines bevorstehenden Aufstandes in seiner römischen Provinz Judäa. Jesus sah einen zweiköpfigen Moloch aus im Althergebrachten religiös-dogmatischen Totalitarismus jüdischen Rabbinertums und römisch-übergriffiger Garnisionsarmee, der immer mehr Raum des Lebens seiner Volksleute einnahm und der er mit seiner Idee/ Spiritualität begegnen wollte (er sei bis nach "Indien" gereist und habe die Lehre d. Wiedergeburt aller Bewusstseinsaspekte des Allbewussten göttlicher Ordnung erfahren).
 
Was ist Wahrheit: https://sezession.de/69808/auctoritas-non-veritas 

Diogenes

17. Januar 2026 22:28

2/2
 
"Revision" ist etwas lebenswichtiges. Gerade in KKWs! Alles muss jährlich in Revision auf Mikrorisse überprüft werden u. darum waren unsere KKWs auch die sichersten in der Welt. Genauso benötigt m. E. jährliche Revisionen in der Staatspolitik um Überholungen am - von den Parteien u./o. ausländischen Agenten-Orgas. eingenommenen - Staat vornehmen zu können, wenn er halt Schlagseite läuft und droht unterzugehen. Wenn Geschichtsbücher dem wissenschaftlichem Standard nicht mehr standhalten (siehe z.B. Urknalltheorie/Annahme. Widerspruch: Der Weltraum hatte keinen Punkt A der zu Punkt B führte, denn er ist ewig wie das Ahnk- Unendlichkeitszeichen), dann braucht es mutige Volksleute an der Heimatfront - in den Bewegungen des Volkes, um Fürsprache zu den Neuannahmen zu halten. Altbewährtes das sich als falsch herausstellte korrigieren und dem Neuen die Möglichkeit der freien Argumentation einräumen.    

Maiordomus

18. Januar 2026 10:04

@RMH. Immerhin gilt Solschenizyn noch als einer der anerkanntesten russischen Autoren der Geschichte. Insofern hält es schwer, den Gulag wegzulügen. Aber es bleibt eine Schande, dass zur Zeit des beginnenden Ukrainekrieges, der nicht mal so genannt werden durfte, das Denkmal von Dschersinsky restauriert und feierlich wieder eingeweiht wurde, offenbar, um die Stalinisten wieder ins Boot der Ultrapatrioten zurückzuholen. Leute wie Heydrich und Himmler scheinen heute in D keine erstzunehmenden Anhänger mehr zu haben, was nicht damit zu verwechseln ist, dass es auch "anständige" SS-Leute gegeben haben kann. Ich konnte mindestens dem mir diesbezüglich bekannten Südtiroler Weinbauern keinen Vorwurf machen, der sich in seinem freiwilligen Engagement an der Ostfront wie viele andere betrogen vorkam. Auch der später von der RAF ermordete HM Schleyer hielt sich für anständig und wurde lebenslang so gehalten, siehe noch Adenauers Einschätzung von Globke, mit dem etwa BH in keiner Weise vergleichbar wäre. Trotzdem bleibt es von AfD-Seite ungeschickt, in internationalen Interviews auf die "anständig gebliebenen" SS-Leute hinzuweisen.        

Caroline Sommerfeld

18. Januar 2026 12:11

Lieber Martin,
da hast Du recht, es geht nicht um Solowjows persönliche Bekehrung. Es geht am Ende immer nur um die Wahrheit und das freimütige Bekennen. Hier habe ich vor einem Jahr meine Gedanken dazu geäußert. Du wirst Dich wiederfinden. Deine Kanzelschwalbe

MARCEL

18. Januar 2026 13:18

Doch noch einmal: 
Mons. Marcel Lefebvre hat 1988 dem Papst den Gehorsam verweigert, obwohl er das Papstamt anerkennt. Es bleibt aber der Akt des Ungehorsams.
Auch der fanatischste Orthodoxe erkennt das Papstamt an (im Heiligenkalender der Ostkirche werden auch Päpste gedacht). Nur sieht er es als häretisch an, da es den Weg der sieben ökum. Konzilien verlassen hätte.
Zum Trost: als vorkonzilierer Katholik ist man bei Orthodoxen durchaus angesehen (im Vergleich zum nachkonziliaren).

Ekstroem

18. Januar 2026 14:03

Ein Kommentar-Faden kreist um Wahrheit. "Die Wahrheit wird und freimachen." "Was ist Wahrheit?"... MAn kann die Wahrheit nur kontemplativ angenähert werden. Intellektuell gibt es viele Stolpersteine. Beispielsweise sind Wahrheiten und Wahrheit nicht dasselbe. Jeder hat seine subjektive Wahrheit, die wahr ist.

Kommentar Sommerfeld: Dagegen hatte schon Aristoteles etwas Schlagendes einzuwenden – dem, der behauptet, jeder hätte seine subjektive Wahrheit, haue man eine runter, und sage ihm dann ins Gesicht, sein Schmerz sei subjektiv.

Majestyk

18. Januar 2026 14:55

@ Diogenes:
Der von Ihnen erwähnte Diskussionsfaden ist mir sehr gut im Gedächnis geblieben. Meinen eigenen Beiträgen von damals haben immer noch ihre Gültigkeit, insbesondere der vom 27. November 2024 15:33.
Offenheit gegenüber neuen Erkenntnissen ist was anderes als Umdeutung. Mein Vater hat mit eigenen Augen gesehen, wie Zwangsarbeiter in ein Wäldchen hinein geführt wurden, die mitlaufenden Kinder durften dann nicht weiter. Jene Zwangsarbeiter wurden niemals wieder gesehen. Von derartigen Erzählungen kenne ich viele aus erster Hand. Wollen Sie diese alle revidieren?
@ Maiordomus:
Bedauerlicherweise wird Ihr Verweis auf Restaurierung des Denkmals von Dzierzynski nicht dazu führen, daß jene, die von der russischen Politik begeistert diese kritisch hinterfragen.Die russische Politik wird ja nicht besser, nur weil man jene von Kiew, Brüssel, Berlin, London, Paris oder Washington ebenfalls kritisch hinterfragen sollte. 
Mir fehlt beim "gärigen Haufen" zuweilen die Fokussierung aufs eigentliche Ziel: Gestalterische Macht erringen, um dringende Aufgaben wie Migrationsstop und Verhinderung von Ausverkauf und Industrieflucht angehen zu können. 
Allgemein ist mir zuviel Rückspiegel und zu wenig Blick nach vorne. 
@ Alle:
Ich vermisse schon seit dem letzten Kommentarstrang die Stimme von Laurenz. Hoffe trotz mancher Kontroverse, daß es ihm gut geht und man seine Sichtweisen, die stets Reibung auslösen bald wieder lesen kann.
 
 

Ekstroem

18. Januar 2026 15:42

Einen intellektuellen Stolperstein haben Sie benannt, werte CS. Mehr aber auch nicht.

Mitleser2

18. Januar 2026 18:04

@Majestyk: Sie fragen nach Laurenz. Dass er sich nicht äußert, erscheint mir naheliegend. In diesen abgehobenen theologischen Sphären will und kann ich mich nicht bewegen (auch wenn der Faden am Schluß wieder eine politische Wendung genommen hat). Und er ist da ja meist noch "radikaler". 

Waldkind

18. Januar 2026 19:35

Vielen Dank an Frau Sommerfeld für den interessanten Beitrag, besonders wegen des "Antichrist". Ich hatte mich mit Solowjew noch nicht befasst.
 
Selbstverständlich gibt es nur EINE Wahrheit, sie ÄUẞERt sich in der WIRKlichkeit. Ein Problem wird das nur, wenn unsere  sterbliche Seite sich anmaßt, sie erkennen und dann noch verbalisieren zu wollen. Hier ist, wie schon angemerkt, Demut angezeigt und ständige Offenheit für den Lebendigen Gott.
 
Demgegenüber ist es bedauernswert, welcher Vereinsmeierei und Fetischisierung äußerer Formen in den Religionen bzw. zwischen den Bekenntnissen der Vorzug gegeben wird. 

Gracchus

18. Januar 2026 20:05

@Markus Magnus: Machen Sie beim "Schuldkult" einfach nicht mehr mit, Sie müssen dafür nicht auf neue historische Erkenntnisse warten.  
"Spaß beiseite, die satanischen Mächte ..." - vielleicht weil Russ- und Deutschland besonders verführbar sind. Ich weiß, Sie meinen es anders, aber mich nervt solche Weinerlichkeit.
 

Rudolf Kayser

18. Januar 2026 20:06

Der Antichrist ist keine Person. Er wird auch nicht personifiziert oder verkörpert. Der Antichrist ist ein ewiges Potenzial, eine Stimmung oder eine Gestimmtheit im sozialen Gefüge von Institutionen, Organisationen, Nationalitäten und letztlich: in jeder Form von Sozialität, also Gesellschaften. Der Antichrist ist das ewige Flüstern und Rascheln des Wir, der Welt und des Man gegen das notwendig Stumme, gegen das Verhaltene und Schweigen, gegen die höchst individuelle aber notwendige Erfahrung der Einsamkeit, die der Erfahrung des Christentums als originärer Kraftquell vorangeht. Der Antichrist ist das Reden kontra das Sprechen, das Meinen kontra das Denken, die Weltlosigkeit des Hier und Da kontra den Kosmos des Jetzt. Der Antichrist beginnt mit der Sehnsucht nach Kirche, er ist Kirche, er beginnt mit der Kirche und er erglänzt in der Politik. Der Antichrist ist in uns allen.   

Kommentar Sommerfeld:
Der Antichrist wird als Person auftreten, so lehren es jedenfalls die Kirchenväter von Anbeginn, weil auch Christus Person war und ist und sein wird. Es gibt aber seit Christus die diesem entgegengesetzten Kräfte, das Reich der Lüge, von dem Gehlen so eindrucksvoll sprach.

Gracchus

18. Januar 2026 20:13

@Majestyk:
Sie scheinen einer Form magischen Denkens anzuhängen, wenn Sie annehmen, wir würden, wenn wir hier nur oft genug darüber diskutierten, "gestalterische Macht" erlangen. Es ist auch hier niemand von russischer Politik begeistert. 

RMH

18. Januar 2026 21:38

Im Christentum liegt im Grunde eine ziemliche Kränkung des Intellektuellen, da es keinen Intellekt voraussetzt (aber auch nicht ablehnt - diese Folgerung wäre m.M.n. unzulässig. Die göttliche "Sophia" ist nicht zu verleugnen. Ist Logos dann eigentlich männlich, wenn Sophia weiblich sein soll?). Das z.T. heftige Angehen von bspw Nietzsche rührt eben auch aus der intellektuellen Kränkung her, ja ggf. des sich intellektuell beleidigt fühlen, da jeder "Dahergelaufene" auch Christ ist/sein kann & exakt das Gleiche bekommt, wie der fleißigste Beter, der am tiefsten sich Hineindenker und besonder schön Formulierende. Das Gemeindemitglied bekommt das Gleiche, wie der Priester. Hierin liegt auch einer der Gründe (selbstredend nicht der alleinige) dafür, dass Intelektuelle, Erfolgreiche, Leistungsträger, "Alphas" etc. mit dieser Religion gerne fremdeln & alles, wo man mindestens meditieren & sich "anzustrengen" hat, attraktiver finden. Insofern kann ich @Waldkind nachvollziehen & verstehen. "Ein Problem wird das nur, wenn unsere  sterbliche Seite sich anmaßt, sie erkennen und dann noch verbalisieren zu wollen. Hier ist, wie schon angemerkt, Demut angezeigt und ständige Offenheit für den Lebendigen Gott. Demgegenüber ist es bedauernswert, welcher Vereinsmeierei und Fetischisierung äußerer Formen in den Religionen bzw. zwischen den Bekenntnissen der Vorzug gegeben wird."

Gracchus

18. Januar 2026 21:56

@RMH: Meine Absicht war es nur zu zeigen, dass die Gefahr des Legalismus und einer gewissen Veräußerlichung in der römisch-katholischen Kirche existiert. Wenn ich @MARCEL richtig verstehe, sieht er das genauso. 
Der von @Maiordomus erwähnte Carl Schmitt hat Dostojewskis Großinquisitor übrigens m. W. gepriesen. (Der Autorin Ehemann hat darüber ein Buch verfasst.)
Die katholische Kirche in Deutschland leidet natürlich nicht am Legalismus, sondern daran, dass sie sich in weiten Teilen des Episkopats dem Zeitgeist andient.
Hier wird besonders deutlich, dass der antimodernistische Kampf gescheitert ist, aber auch in Rom selbst hat der Modernismus Boden gewonnen, wenn man schon nicht das Konzil selbst als - zumindest partiell - modernistisch einstuft. Die Piusbrüder scheinen tapfer auf eine Korrektur zu hoffen; für mich derzeit kaum vorstellbar.

Gracchus

18. Januar 2026 22:04

Wahrscheinlich ist der Antichrist in jeder Generation anwesend und bereitet sein Kommen (= sichtbar in Erscheinung treten) vor. Vielleicht sind es aber nur antichristliche Kräfte, und der Antichrist ist keine präexistierende geistige Wesenheit, sondern ein "normaler" Mensch?
Damit er aber wirksam werden kann - als ethische Gestalt -, muss die "Menschheit" ein gewisses ethisches Niveau erreicht haben, sonst könnte seine Botschaft nicht verfangen.
Allerdings scheinen - Stichwort "multipolare Weltordnung" - das Welteinheitsprojekt, der Weltstaat und der Weltfrieden einstweilen gescheitert. 
 

Gracchus

18. Januar 2026 22:44

Wenn ich im vorigen Post von "gescheitert" spreche, soll das keine Entwarnung sein. Denn die antichristlichen Elemente - wie sie z. B. Fra Aimerich aufgelistet hat - sind trotzdem vorhanden und bleiben wirksam. 
So erstaunlich wie erfreulich finde ich, dass hier eine relativ tiefgründige Diskussion über ein solches Thema stattfindet. Mein Dank @RMH für die Links und @Monika für die Ergänzungen zu Solowjew. Solowjew scheint heute eher zu "versprengten" Christen zu sprechen - oder findet in Russland eine breitere Rezeption statt? 

nom de guerre

18. Januar 2026 23:03

Liebe Frau Sommerfeld, vielen Dank für Ihre Erläuterung, so befremdlich ich den Gedanken auch finde. Wer willentlich andere Menschen von ihrer eigenen, ursprünglichen Spiritualität entfremdet bzw sie ihnen, wie in der Geschichte der  christlichen Missionierung immer wieder der Fall, verbietet, handelt im Umkehrschluss also nicht böse?

MarkusMagnus

19. Januar 2026 01:41

"Es ist auch hier niemand von russischer Politik begeistert."
@ Gracchus
Ich schon. Aus guten Gründen. 
Deutschland und Russland standen/stehen einfach der Neuen Weltordnung im Weg. Das sind die einzigen Völker mit dem Potential diese finsteren Pläne scheitern zu lassen. 
Deswegen versuchen diese Kräfte auch ein Bündnis zwischen diesen beiden Ländern zu verhindern. Es würde die kompletten Machtstrukuren auf der Welt verändern. 
Deswegen musste Schröder auch weg.

Martin Barkhoff

19. Januar 2026 06:22

Liebe Caroline, das klingt schon besser ! 

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