Machiavelli statt Konsens, autoritär und konfliktbereit, weniger Kompromisse. Innenpolitisch wird eine Art „roll back“ gegenüber dem bisherigen Verständnis von „Demokratie“ und „Grundwerten“ zu erwarten oder zu befürchten sein – zunächst anderswo, später, aber unweigerlich auch hier.
Gerade hier. Denn ist nicht die Kommunikation hierzulande noch phrasiger, also noch unwahrhaftiger, ja verlogener als bei den europäischen Nachbarn? Wer den allzu gängigen, also verbrauchten und längst nurmehr in manipulativer Absicht plazierten Leitbegriffen noch folgte, war entweder überangepaßt oder ließ ein Minimum an kritischer Urteilskraft vermissen.
Physiognomie und Rhetorik des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier personifizieren das behäbige Selbstverständnis der blockierten Republik in einer Weise, daß man sich erstaunt fragt, warum jede Epoche tatsächlich die sie verkörpernde Leitfigur hervorbringt.
In Anschauung des Großfunktionärs im Schloß Bellevue scheint alles nurmehr lediglich Rolle, Maske, verbrauchtes Symbol zu sein. Man weiß, daß man die pastoral anmutenden Verlautbarungen bejahen soll, aber man vermag sich mit ihnen nicht zu verbinden; sie durchqueren einen so resonanzfrei wie ein Neutrino-Schwarm.
Apropos Demokratie:
Es geht weniger um deren Revision als um die Infragestellung der innerhalb dieser Demokratie zur Herrschaft gelangten Kräfte, die über Jahrzehnte politisch exekutiv und kulturell hegemonial wirkten, einen speziellen Hofstaat mit Ancien-Regime-Anmutung ausbildeten und mit der sogenannten Zivilgesellschaft, also öffentlich alimentierten „NGOs“, einen „deep state“ zur Selbstversorgung und Fremdbeeinflussung ausbildeten.
Die Panikstimmung gegenüber der AfD und das hysterische Abwehrverhalten erklärt sich maßgeblich aus der Furcht der bislang Privilegierten vor ihrem Komfortverlust. Das von ihnen „demokratisch“ etablierte System scheint in bisheriger Variante abgebraucht. Es wird auf vitalen Widerstand kaum vital reagieren können. Nichts illustriert die unfreiwillige Tragikomik so trefflich wie die „Omas gegen Rechts“.
Die letzten Jahrzehnte waren gekennzeichnet durch geradezu irre Wunschvorstellungen und suggeriert selbsterfüllende Prophezeiungen – mit Blick auf das Menschenbild, die Weltordnung und das Recht, seine „Bedarfe“ einzufordern, ohne ein Minimum an Eigenverantwortung wahrzunehmen oder auch nur ein Einsehen darin zu haben, daß eigenes Lebensversagen nun mal Mangel- und Notsituationen verursacht.
In einem Deutschlandfunk-Interview über seine Auffassung zur Wehrpflicht befragt, äußerte kürzlich ein verschnöselter Berliner Abiturient und Leistungskursler im Fach Sozialkunde, daß er „verweigern“ werde. Er formulierte das so selbstbewußt, als sähe er darin eine couragierte Handlung, obwohl doch dazu nur irgendein Wisch zu unterschreiben, jedenfalls überhaupt kein Mut aufzuwenden ist.
Angesprochen dann auf einen sozialen Wehrersatzdienst, verneinte er ebenfalls. Ha, ha, dazu wäre er doch viel zu faul, das wüßte er einfach. Rundum wurde im „Leistungskurs“ über die vermeintliche Coolness gekichert. Genau dieser Leistungskurs kann insgesamt für Deutschland und mehr noch für dessen narzißtische Jugend stehen.
Eine Klärung war notwendig, weil durchweg Konturen fehlten, die nun neu einzuzeichnen sind, auf daß vielleicht sogar wieder klare Rede möglich ist.
Was immer man etwa zu Trumpscher Innen- oder Außerpolitik meinen mag:
Im Gegensatz zur oben skizzierten Variante Steinmeier ist man wenigstens gezwungen, sich dazu zu verhalten. Man kann dem nicht neutral gegenüberstehen, während man hierzulande doch beinahe allem, was man hört und erlebt, leidenschaftslos gegenübersteht. Sobald man überhaupt auf Puls kommt, ist man tendenziell schon Staatsfeind, insofern man die grundverordnete laue Seichtheit zu erfrischen droht.
Der Begriff „Zeitenwende“ war gleichfalls nicht ernstzunehmen, denn in Deutschland wendete sich außer ein paar vorgespielte Gesten gar nichts. Der Staat stärkte sich nicht, er pumpte sich neues Geld, das er ebenso fragwürdig versenkt wie frühere Kredite. Der Fitneßgrad und der Bodymaßindex des Homeoffice-Durchschnittsbürgers scheinen für eine neuerliche „Wende“ überhaupt nicht auszureichen.
Um die Büro-Bourgeoisie mit all ihren staatlich gewährten Festtags- und Urlaubszulage geht es zu sehr, um jene, die früh an der Straßenbahn stehen, um eine harte Schicht zu beginnen, viel zu wenig. Auch das erklärt die Energie der antielitären Bewegung.
Mag aber wohl sein, daß die Vorgabe „Zeitenwende“ von der Tatsache „Große Korrektur“ abgelöst wird. Das eine blieb subjektiv Wunschvorstellung, das andere ist objektiv notwendig. Dringlichst.
Wir werden sehen, wie weit sie geht, und wir werden ihre Konsequenzen vermutlich gar zu fürchten haben. Schlägt „hard power” künftig „moral vision”, weil diese übertrieben, jene aber vernachlässigt wurde? Nicht nur in internationalen Gewässern holen die USA weit aus. Wir haben abzuwarten, wo sie noch überall dreinschlagen, während Mini-Mächte wie Deutschland verdruckst zusehen und um neue Phrasen ringen, bevor der Kopf dann zum Nackenbiß geneigt wird.
Der von Ijoma Mangold geprägte Begriff einer gerade stattfindenden „kulturellen Schubumkehr“ scheint die treffende Entsprechung für Niall Fergusons „vibe-shift“ zu sein – als Ausdruck für den bitter notwendigen, längst überfälligen Gesinnungswandel, der das von den „woken“ Kräften mächtig angestoßene Pendel nun mit gewaltiger Gegenkraft zurückschwingen läßt.
Man wird sich selbst kaum bemühen müssen, diesem Gegenschlag noch mehr Energie zu verleihen, denn dies erfolgt bereits eigendynamisch – außenpolitisch sowieso, innenpolitisch dann diesem Impuls unweigerlich folgend. Mag gar sein, es gibt bald wieder eine Große Koalition, dann aber von CDU und AfD. Nur so wäre sie „groß“ denkbar.
Man sollte eher kritisch darauf zu achten beginnen, inwieweit mit der notwendigen „Disruption“ bereits eine „Destruction“ zu drohen beginnt, der – wiederum hierzulande – weder die Strukturen noch die schwächelnden und verzärtelten Bürger vom Stamme Steinmeier gewachsen sind.
Vordinglich nun, das zu bewahren, was KI gerade nachwachsenden Generationen abgewöhnt:
Autonom bleiben! In sich entwickeln, was Unterricht und Erziehung nicht mehr entwickeln wollten – das Vermögen, sich tief nachdenkend und besonnen zu orientieren, die Quellen zu finden, aus denen sich unsere Identität einst speiste.
Dafür allerdings sind weite Wege zu gehen und beinahe märchenhaft aufwendige Proben zu bestehen. Wer sich möglichst wenig durch externe Maschinen entlasten läßt, sondern seine Bordmittel entwickelt, dürfte nicht nur besser zurechtkommen, sondern hoffnungsvoll unterwegs sein – wenn nicht als Akteur, so als kühl interessierter Beobachter eines Schauspiels, das hoffentlich nicht katastrophal ausartet.
Le Chasseur
"Der Begriff „Zeitenwende“ war gleichfalls nicht ernstzunehmen, denn in Deutschland wendete sich außer ein paar vorgespielte Gesten gar nichts. Der Staat stärkte sich nicht, er pumpte sich neues Geld, das er ebenso fragwürdig versenkt wie frühere Kredite."
Glückliches Amerika: "US-Präsident Donald Trump hat eine starke Erhöhung der US-Verteidigungsausgaben vorgeschlagen. Für 2027 sollten die Militärausgaben auf 1,5 Billionen Dollar steigen"
Natürlich alles auf Pump finanziert.
Hoffentlich verschwindet dieses von größenwahnsinnigen Kleptokraten regierte Land endlich im Abfluss der Geschichte.