»Sklaven kämpfen nicht« – ein Gespräch mit Alice Weidel

PDF der Druckausgabe aus Sezession 124/ Februar 2025

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Über­setzt aus The Ame­ri­can Con­ser­va­ti­ve von Nils Wegner

Die Zeit­schrift The Ame­ri­can Con­ser­va­ti­ve (TAC) wur­de 2002 von Jour­na­lis­ten um den Bera­ter meh­re­rer repu­bli­ka­ni­scher US-Prä­si­den­ten, Patrick Buchanan, gegrün­det. Sie soll­te als Gegen­stim­me zum poli­ti­schen Ein­fluß der inter­ven­tio­nis­ti­schen Neo­kon­ser­va­ti­ven die­nen, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der außen­po­li­ti­schen (krie­ge­ri­schen) Aben­teu­er nach dem 11. Sep­tem­ber 2001, und for­der­te ihre Leser gar dazu auf, zuguns­ten eines mög­lichst raschen Endes der Bush-Regie­rung für die Demo­kra­ten zu stim­men. Nach der zwei­ten Amts­zeit Geor­ge W. Bushs und dem Bedeu­tungs­ver­lust der Neo­kon­ser­va­ti­ven näher­te sich TAC inhalt­lich dem Wert­kon­ser­va­tis­mus und dem Liber­ta­ris­mus an.

Frau Wei­del, in einem Inter­view erwähn­ten Sie kürz­lich, im Hin­blick auf Steu­ern und auf den Krieg in der Ukrai­ne eine Liber­tä­re zu sein. Und doch wer­den Sie in Deutsch­land auf­grund Ihrer Ansich­ten zur Ein­wan­de­rung und zur EU als rechts­extrem ange­se­hen. Klä­ren Sie die Öffent­lich­keit auf: Sind Sie dafür, in der EU zu ver­blei­ben, oder dafür, sie zu ver­las­sen, weil sie immer weni­ger refor­mier­bar ist?

Ich muß Ihnen dan­ken für die Gele­gen­heit, mit Ihnen über die­se Din­ge zu spre­chen. Um es deut­lich zu sagen: Weder ich noch mei­ne Par­tei sind Rechts­extre­mis­ten. Sie müs­sen wis­sen, daß die­se Anschul­di­gung in Deutsch­land Kriegs­ge­schrei der Lin­ken ist, die den öffent­li­chen Dis­kurs beherrscht. Die Lin­ke hält es nicht ein­mal für not­wen­dig, die­se Anschul­di­gung zu bele­gen. Ganz egal, wor­um es geht, in ihren Augen ist alles »rechts­extre­mis­tisch«, was nicht wie sie sein will.

Um zu Ihrer Fra­ge nach einem EU-Aus­tritt zu kom­men: Das ist eine ein­fa­che Rech­nung. Deutsch­land braucht die EU nicht zum Über­le­ben; umge­kehrt ist das jedoch sehr wohl so. Nichts­des­to­we­ni­ger benimmt sich die EU so, als sei gera­de ers­te­res der Fall. Dort wird vor­ge­gan­gen, als hät­ten wir Deut­sche unse­re lebens­wich­ti­gen Inter­es­sen bei­sei­te zu schie­ben, um das »euro­päi­sche Pro­jekt« nicht zu gefähr­den. Das ist eine gro­tes­ke Ver­zer­rung. Ent­we­der lernt die EU, unse­ren natio­na­len Inter­es­sen Rech­nung zu tra­gen, oder sie wird ein Ende nehmen.

Es liegt also ganz bei der EU, zu bestim­men, wie Deutsch­land sich ver­hal­ten wird. Doch eine Sache ist sicher: Die EU muß ihr Cre­do aus der Ver­gan­gen­heit, daß ein star­kes Deutsch­land ein schwa­ches Euro­pa bedeu­te und die Deut­schen des­halb zum Woh­le aller kein Bewußt­sein für ihre natio­na­len Inter­es­sen ent­wi­ckeln dürf­ten, rest­los hin­ter sich las­sen. Fakt ist, daß das geschicht­lich unsin­nig ist. Wir sind das Herz Euro­pas und wer­den es immer blei­ben. An dem Tag, an dem die­ses Herz nicht mehr schlägt, wird Euro­pa sterben.

Ihr Ko-Bun­des­spre­cher Tino Chrup­al­la sag­te unlängst, daß Deutsch­land dazu gezwun­gen wer­de, nach Ame­ri­kas Pfei­fe zu tan­zen, und die NATO kein Bünd­nis im euro­päi­schen Inter­es­se sei. In Wirk­lich­keit haben wir aber einer­seits gese­hen, daß die meis­ten Ame­ri­ka­ner die USA nicht wei­ter inter­na­tio­nal ver­wi­ckeln oder den Krieg in der Ukrai­ne finan­zie­ren wol­len, und ande­rer­seits, daß die meis­ten Euro­pä­er, vom Bal­ti­kum über Polen bis nach Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich eben­so wie der Über­bau der EU, mehr Unter­stüt­zung für die Ukrai­ne wol­len. Was sagen Sie zu die­sem Widerspruch?

Das alles ist ein wenig kom­plex, also bit­te ent­schul­di­gen Sie, wenn ich etwas aus­ho­le. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten sind unzwei­fel­haft eine ein­zig­ar­ti­ge glo­ba­le Super­macht, die auf der gan­zen Welt gewal­ti­gen Ein­fluß ent­fal­tet hat. Das nen­nen wir übli­cher­wei­se ein Impe­ri­um. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten sind aber ein selt­sa­mes Impe­ri­um: ein Impe­ri­um, das von Mon­tag bis Mitt­woch über die Welt herrscht, von Don­ners­tag bis Sonn­tag hin­ge­gen kei­ne Lust dazu hat. Es ist der ewi­ge Kampf zwi­schen Expan­sio­nis­ten und Iso­la­tio­nis­ten, der wahr­schein­lich schon seit der Unab­hän­gig­keit der USA tobt.

Das macht es für ande­re Natio­nen etwas schwie­rig, ins­be­son­de­re für uns Deut­sche. Einer­seits beschwert sich die ame­ri­ka­ni­sche Füh­rung bei­spiels­wei­se über Deutsch­lands Ener­gie­po­li­tik, die sich – unter geo­po­li­ti­schen Gesichts­punk­ten eine Selbst­ver­ständ­lich­keit – mit Ruß­land eini­gen will. Welch rasen­den Zorn hat der Bau der »Nord Stream«-Pipelines auf ame­ri­ka­ni­scher Sei­te ent­facht! Wie konn­ten wir es wagen? Wir alle sehen noch die Bil­der vor uns, wie Prä­si­dent Joe Biden Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz wegen »Nord Stream« auf eine unsäg­li­che Wei­se öffent­lich demütigte.

Und dann wur­de »Nord Stream« durch eine Kriegs­hand­lung aus­ge­schal­tet. Die Angst der der­zei­ti­gen Bun­des­re­gie­rung, nur ja nicht den Angrei­fer klar zu benen­nen, sagt schon alles. Ist es das, was die USA wol­len? Deutsch­land als Kolo­nie? Eine Kolo­nie, die nicht das Recht hat, ihre eige­ne Ener­gie­po­li­tik zu bestim­men? Eine Nati­on, die nicht das Recht hat, ihren eige­nen Weg zu gehen, wohin die­ser auch füh­ren mag? Als strah­len­der Sie­ger der Geschich­te kön­nen die USA das alles tun. Aber dann müs­sen sie es auch wol­len, sie müs­sen es auch sagen, damit wir uns dar­auf ein­stel­len können.

Denn wir Deut­sche sind ein besieg­tes Volk. Der deut­sche Phi­lo­soph Johann Gott­lieb Fich­te beschreibt das so: »Was sei­ne Selb­stän­dig­keit ver­lo­ren hat, hat zugleich ver­lo­ren das Ver­mö­gen ein­zu­grei­fen in den Zeit­fluß, und den Inhalt des­sel­ben frei zu bestim­men«. Ein sol­ches Volk »hat von nun an gar kei­ne eige­ne Zeit mehr, son­dern zählt sei­ne Jah­re nach den Bege­ben­hei­ten und Abschnit­ten frem­der Völ­ker­schaf­ten und Rei­che«. Wir Deut­sche haben lan­ge in die­ser Lage gelebt, und das war ein­deu­tig zum Vor­teil der USA. Aber auch wir haben als Indi­vi­du­en davon pro­fi­tiert, das wer­de ich nicht abstreiten.

Es hat auch Vor­tei­le, ein Skla­ve zu sein. Es ist das vor­nehms­te Recht eines Die­ners, nicht an den Kämp­fen sei­nes Herrn teil­zu­neh­men, son­dern den Frie­den zu genie­ßen. Aber das paßt der US-Füh­rung wie­der­um auch nicht. Von uns wur­de erwar­tet, an all den vie­len Krie­gen der letz­ten 30 Jah­re in Euro­pa und im Nahen Osten auf Ersu­chen der USA teil­zu­neh­men. Aber war­um soll­ten wir? Wir müs­sen nicht län­ger Krie­ge füh­ren, wir haben uns schon aus der Geschich­te ver­ab­schie­det. Aus die­sem Grund haben wir unser Mili­tär bis zur Unkennt­lich­keit entstellt.

Doch nun, wo wir den Punkt der abso­lu­ten Nich­tig­keit erreicht haben, haben unse­re poli­ti­schen Füh­rer ihre Kriegs­be­geis­te­rung ent­deckt. Die Kriegs­lust ist zu einem staat­lich ver­ord­ne­ten Wahn gewor­den, wie wir ihn seit dem Ende des letz­ten Welt­kriegs nicht mehr gese­hen haben. Die größ­te Oppo­si­ti­ons­par­tei, die CDU, über­trifft die Regie­rungs­par­tei­en der­zeit im Wett­streit um das lau­tes­te, vul­gärs­te Kriegs­ge­schrei. Das alles trotz völ­li­gen mili­tä­ri­schen Unver­mö­gens. Was wir hier sehen, sind in Wahr­heit die wil­den sexu­el­len Phan­ta­sien impo­ten­ter Men­schen. Wir wer­den die­se gro­tes­ke Scha­ra­de so schnell wie mög­lich beenden.

Wir wer­den uns dabei mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten abstim­men. Aber dafür müs­sen sie wis­sen, in wel­cher Welt sie leben wol­len. Denn wenn sie ein Impe­ri­um sein wol­len, dann müs­sen sie selbst dafür kämp­fen, ihr eige­nes Gut und Blut opfern. Erwar­ten Sie nicht, daß Ihnen die Unfrei­en die­sen Kampf abneh­men. Das ist unmög­lich. Dazu wird es nicht kommen.

Ein Skla­ve, der kämpft, wird stets als Beloh­nung die Frei­heit ver­lan­gen. Aber Frei­heit bedeu­tet auch, daß Men­schen ihren eige­nen Weg gehen und ihr eige­nes Glück suchen. Wenn sie das nicht tun, sind sie Skla­ven. Und Skla­ven kämp­fen nicht. Machen Sie Ihnen das nicht zum Vorwurf.

Wenn Prä­si­dent Donald Trump for­dert, daß Deutsch­land zukünf­tig selbst für sei­ne Sicher­heit sor­gen sol­le, dann soll­te er sich dem­entspre­chend auch der Kon­se­quen­zen bewußt sein – daß wir uns sei­ne Sor­gen über »Nord Stream« und unse­re Ener­gie­ver­sor­gung freund­lich anhö­ren wer­den, daß wir aber unse­re Ent­schei­dun­gen selbst tref­fen wer­den und er sie akzep­tie­ren muß, ob sie ihm gefal­len oder nicht. Wir Deut­sche haben die­sen Frei­heits­geist ver­lo­ren; ande­re Völ­ker haben um ihn gekämpft und ihn sich bewahrt, etwa in den bal­ti­schen Staa­ten, die Sie erwähnt haben.

Sichern Sie die­sen bal­ti­schen Staa­ten ruhig Ihre vol­le Unter­stüt­zung zu. Aber sagen Sie ihnen auch, daß sie die Kon­trol­le über ihre Ener­gie­ver­sor­gung auf­ge­ben müs­sen; zukünf­tig wer­den ame­ri­ka­ni­sche Kon­zer­ne dar­über entscheiden.

Sagen Sie ihnen, daß sie auf ihre Gren­zen ver­zich­ten müs­sen; wer in ihr Land ein­rei­sen und sich dort ansie­deln darf, wird künf­tig von der EU vor­ge­schrie­ben. Sie kön­nen sich sehr sicher sein, daß zu der­ar­ti­gen Bedin­gun­gen die­se frei­heits­lie­ben­den Völ­ker ihre Rufe nach Unter­stüt­zung sofort ein­stel­len wür­den. Der Wider­spruch, den Sie erkannt zu haben glau­ben, hat viel mit dem wider­sprüch­li­chen Selbst­bild der USA zu tun.

Elon Musk hat Ihnen und auch Nigel Fara­ge in Groß­bri­tan­ni­en sei­ne Unter­stüt­zung aus­ge­spro­chen. Ent­steht hier eine euro­pa­wei­te Tech­no­lo­gie-Rech­te? Wenn das der Fall ist, wel­che Her­aus­for­de­run­gen lie­gen dann vor dieser?

Wir sind für die­se Unter­stüt­zung extrem dank­bar. Ich wür­de das nicht als Ent­ste­hung einer »euro­pa­wei­ten Tech­no­lo­gie-Rech­ten« bezeich­nen. In Wirk­lich­keit hat die poli­ti­sche Lin­ke über vie­le Jahr­zehn­te hin­weg ein gewal­ti­ges Mei­nungs­mo­no­pol auf­ge­baut. Das ist hier in Deutsch­land noch stär­ker der Fall als in den USA, vor allem des­halb, weil es hier viel mehr staat­lich kon­trol­lier­te und von Lin­ken domi­nier­te Insti­tu­tio­nen gibt.

Bei­spiels­wei­se haben wir einen öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk, der mit acht Mil­li­ar­den Euro im Jahr finan­ziert wird. Das ist welt­weit ein­zig­ar­tig. Wir soll­ten des­halb von einer »Tech­no­lo­gie-Lin­ken« spre­chen. Aber die­ses Mono­pol bröckelt.

Heut­zu­ta­ge kann jeder mit wenig Auf­wand sei­ne eige­nen Pro­gram­me pro­du­zie­ren und sie einem poten­ti­el­len Mil­lio­nen­pu­bli­kum zugäng­lich machen. Neh­men sie ein unter­neh­me­ri­sches Genie wie Elon Musk mit sei­ner glü­hen­den Lie­be zur Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit hin­zu, dann kann Goli­aths Geld­bör­se mit ihren acht Mil­li­ar­den Euro die Öffent­lich­keit nicht mehr so for­men, wie es die Lin­ken wollen.

Das hat weni­ger mit irgend­ei­ner »Tech­no­lo­gie-Rech­ten« als viel­mehr mit ein­fa­cher Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit zu tun. Lin­ke haben sel­ten Argu­men­te, sie belei­di­gen ihre Geg­ner nur. Bis­lang war das genug. Aber Prä­si­dent Donald Trumps inspi­rie­ren­der Sieg hat gezeigt, daß die­ses Mono­pol bricht.

Das ist die Ursa­che des unfaß­ba­ren Zorns der EU-Eli­ten auf Musk. Sie fürch­ten uns, sie fürch­ten Frei­heit. Vor allem fürch­ten sie die freie Rede.

Von Gior­gia Melo­ni in Ita­li­en bis zu den Le Pens in Frank­reich haben wir gese­hen, wie Wahl­pro­gram­me ent­schärft wur­den, um Regie­rungs­macht zu erlan­gen. Wenn Sie in Deutsch­land – so unwahr­schein­lich das auch ist – eine Koali­ti­on bil­den müß­ten: Über wel­che Stand­punk­te Ihrer Par­tei wür­den Sie Kom­pro­mis­se ein­ge­hen wol­len, und wel­che sind unver­han­del­bar?

Wir müs­sen kei­ne Kom­pro­mis­se ein­ge­hen. Die ein­zi­ge deut­sche Par­tei, die in den Umfra­gen noch vor uns liegt, ist die CDU. Wie kommt das? Weil die CDU für den Wahl­kampf ein­fach unser Par­tei­pro­gramm als ihre eige­nen For­de­run­gen abschreibt. Das ist wirk­lich unglaub­lich, aber tat­säch­lich wahr, bis hin zu ein­zel­nen For­mu­lie­run­gen. Natür­lich wol­len sie nichts von all dem auch umset­zen. Es ist nur eine Lüge. Die CDU hat eine Koali­ti­on mit uns aus­ge­schlos­sen, also bleibt ihr nur die Linke.

Viel­leicht wird die CDU ein wei­te­res Mal ihre Wäh­ler ver­ra­ten, wie sie es schon vie­le Male getan hat. Aber ich den­ke, die­ses Mal wird es ihr letz­ter Ver­rat sein. Denn es gibt jetzt eine Alter­na­ti­ve für Deutsch­land, ob wir nun die Mehr­heit bekom­men oder nicht. Viel­leicht ergreift die CDU ihre aller­letz­te Chan­ce, indem sie eine Koali­ti­on mit uns ein­geht. Dann wer­den wir ein­fach rea­li­sie­ren, was die CDU im Wahl­kampf selbst gefor­dert hat. Auf die eine oder ande­re Wei­se wer­den wir unse­ren Wil­len umsetzen.

Es gibt auch Dis­kus­sio­nen über eine deut­sche Wie­der­be­waff­nung und Refor­men der NATO. Kön­nen Sie Ihre Posi­tio­nen und die Ihrer Par­tei dies­be­züg­lich für das ame­ri­ka­ni­sche Publi­kum ver­ständ­lich darlegen?

Das Bedürf­nis nach Refor­men ist immens. Sie müs­sen wis­sen, daß wir wahr­schein­lich die inef­fi­zi­en­tes­ten Streit­kräf­te auf der Welt haben. Es spielt so gut wie kei­ne Rol­le, wel­ches Land uns angrei­fen wür­de; wir wür­den von fast jedem besiegt wer­den. Als nach dem rus­si­schen Ein­marsch die Ukrai­ne Waf­fen von Deutsch­land ver­lang­te, haben wir sie zunächst nur mit Hel­men versorgt.

Die ukrai­ni­sche Regie­rung dach­te, daß wir sie belei­di­gen woll­ten. Aber tat­säch­lich konn­ten wir ein­fach nicht mehr her­aus­ge­ben. Was wir seit­her in die Ukrai­ne gelie­fert haben, waren die noch funk­tio­nie­ren­den Waf­fen­sys­te­me aus unse­ren Depots. Aber jetzt kön­nen wir auch das nicht mehr. Alles ist fast aufgebraucht.

Über­ra­schen­der­wei­se geben wir schon mehr als 50 Mil­li­ar­den Euro im Jahr für den Ver­tei­di­gungs­etat aus. Das sind min­des­tens zwei Drit­tel des rus­si­schen Wehr­etats. Die­se Situa­ti­on ist wahr­haf­tig sur­re­al. Wir kön­nen es uns nicht län­ger leis­ten, so viel Geld für so wenig aus­zu­ge­ben. Ja, eine AfD-geführ­te Regie­rung wird den Ver­tei­di­gungs­etat deut­lich erhö­hen, aber wir wer­den das Geld auch klü­ger verwenden.

Die­se völ­li­ge Inef­fi­zi­enz ist das wah­re Pro­blem. So gese­hen, sind die deut­schen Streit­kräf­te nicht unser ein­zi­ges Sor­gen­kind. Im Bil­dungs­sys­tem bei­spiels­wei­se ist die Lage die glei­che. Wegen einer läh­men­den, Gel­der ver­schlin­gen­den Büro­kra­tie ersti­cken wir in allen Berei­chen des Lebens.

Die NATO ist momen­tan dabei, sich selbst neu zu defi­nie­ren. Wir sind gespannt, wel­chen Kurs der neue ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent vor­ge­ben wird. Viel kön­nen wir dazu nicht sagen; es wird sich in den nächs­ten paar Jah­ren erwei­sen. Eines jedoch steht bereits fest: In der frü­he­ren NATO gab es eine sehr kla­re Arbeits­tei­lung. Ver­schie­de­ne Natio­nen über­nah­men ver­schie­de­ne Auf­ga­ben, wobei wir Deut­sche uns einen Platz auf der Büh­ne sicherten.

Wie ich schon sag­te: Das ging so lan­ge gut, wie die Ver­ei­nig­ten Staa­ten wil­lens waren, ihre Füh­rungs­rol­le in Euro­pa wahr­zu­neh­men. Wenn sie sich jetzt bei­spiels­wei­se mehr auf den Pazi­fik kon­zen­trier­ten, wür­de sich das ändern müssen.

Dann wäre Eigen­ver­ant­wor­tung das Gebot der Stun­de. Aber unse­re Streit­kräf­te sind dar­auf nicht vor­be­rei­tet. Wir haben der Logis­tik einen völ­lig unge­sun­den Vor­rang gegen­über den Kampf­trup­pen gege­ben. Als Fol­ge dar­aus sind wir nicht fähig, selb­stän­dig gro­ße mili­tä­ri­sche Unter­neh­mun­gen durchzuführen.

Deut­sche Poli­ti­ker ver­kau­fen das ande­ren Län­dern gern als Pazi­fis­mus. Aber in mei­nen Augen ist ein Pazi­fist jemand, der Krieg füh­ren könn­te, es aber nicht tut und statt des­sen hän­de­rin­gend den Frie­den sucht, weil er ihn liebt. Ein Mann hin­ge­gen, der auf Frie­den hofft, weil er sich nicht ver­tei­di­gen kann, ist kein Pazi­fist. Er ist nur ein Schnee­mann, der auf einen mög­lichst lan­gen Win­ter hofft.

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