Jeffrey Epstein: Mythos und Wirklichkeit (3)

Täglich scheint ein neuer Kopf zu rollen, dessen Name in den Epstein-Akten aufgetaucht ist.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Auf­grund von Kon­takt­schuld tra­ten von öffent­li­chen Pos­ten unter ande­rem zurück: Mor­gan McS­weeney, Stabs­chef von Pre­mier­mi­nis­ter Star­mer; Bør­ge Bren­de, Chef des World Eco­no­mic Forum; der slo­wa­ki­sche Poli­ti­ker Miros­lav Lajčák; der fran­zö­si­sche Poli­ti­ker Jack Lang; die Gold­man-Sachs-Juris­tin Kathy Ruemm­ler und Hyatt-Chef Tho­mas Pritzker.

Streß ohne wei­te­re ernst­haf­ten Kon­se­quen­zen beka­men unter ande­rem die nor­we­gi­sche Kron­prin­zes­sin und Epstein-Intim­freun­din Met­te-Marit und die Clin­tons, die vor dem US-Kon­greß aus­sa­gen muß­ten (komi­scher­wei­se aber nicht Donald Trump, der einst sehr dicke mit Epstein war und des­sen Name unzäh­li­ge Male in den Akten auftaucht).

Es lau­fen nun auch eini­ge poli­zei­li­che Ermitt­lun­gen: Etwa gegen den ehe­ma­li­gen bri­ti­schen Prin­zen Andrew Mount­bat­ten-Wind­sor und den ehe­ma­li­gen bri­ti­schen Han­dels­mi­nis­ter Peter Man­dels­on wegen Ver­dacht auf Amts­miß­brauch. Ermitt­lun­gen wegen “schwe­rer Kor­rup­ti­on” lau­fen in Nor­we­gen gegen den ehe­ma­li­gen Pre­mier­mi­nis­ter Thorb­jørn Jagland und die Diplo­ma­ten Mona Juul und Ter­je Rød-Larsen.

Kei­nem der Genann­ten wird vor­ge­wor­fen, Kin­der oder Min­der­jäh­ri­ge miß­braucht oder Babies geges­sen zu haben.

Greg John­son hat ange­sichts die­ser “Säu­be­run­gen”, wenn man sie wirk­lich so nen­nen kann, einen Arti­kel dar­über geschrie­ben, “war­um die Wahr­heit über Epstein kei­ne Rol­le spielt”. Er spot­tet dar­in über Leu­te wie Micha­el Tracey, Richard Hana­nia, Patrick Casey und Nick Fuen­tes, die Was­ser ins Feu­er der “moral panic” und der wüs­ten Spe­ku­la­tio­nen gießen.

Denn die­ses Feu­er, so John­son, sei nütz­lich, gro­ße Tei­le der herr­schen­den Eli­ten zu dis­kre­di­tie­ren, einen popu­lis­ti­schen Zorn zu ent­fa­chen, Dis­si­den­ten, die das Sys­tem radi­kal ver­än­dern wol­len, mit pole­mi­schem Brenn­stoff zu versorgen.

Sein “Gedan­ken­ex­pe­ri­ment” lau­tet so:

Ich hal­te einen USB-Stick in der Hand, der Infor­ma­tio­nen ent­hält, die bewei­sen, daß die ein­zi­gen Per­so­nen, die laut den Epstein-Akten in kri­mi­nel­le Akti­vi­tä­ten ver­wi­ckelt sind, Jef­frey Epstein und Gis­lai­ne Max­well sind.

Wür­de ich die­se Bewei­se der Welt zugäng­lich machen? Schließ­lich wäre es eine gro­ße Erleich­te­rung für Leu­te wie Bill Clin­ton, Bill Gates, Ehud Barak, Les Wex­ner, Noam Chom­sky, Woo­dy Allen und ande­re Pro­mi­nen­te, da sie so ihre guten Wer­ke unge­stört fort­set­zen könn­ten, ohne von zor­ni­gen Bau­ern gestört zu wer­den, die Fackeln und Mist­ga­beln schwin­gen, weil sie von eifern­den Online-„Verschwörungstheoretikern” in mora­li­sche Panik ver­setzt wurden.

Seht her, wie ich die­sen USB-Stick in eines von Epsteins Fäs­sern mit Schwe­fel­säu­re werfe.

War­um?

Ich bin ein Dis­si­dent. Ich begrü­ße alles, was die der­zei­ti­ge Macht­struk­tur stört. Ich begrü­ße die Dele­gi­ti­mie­rung. Ich begrü­ße das Cha­os. Jede Minu­te, die das Estab­lish­ment mit Scha­dens­be­gren­zung im Fall Epstein ver­bringt, ist eine Minu­te, in der es kei­nen wei­te­ren Scha­den an Wei­ßen anrichtet.

Dar­über hin­aus gibt der Fall Epstein einen Ein­blick, wie eine feind­se­li­ge jüdi­sche Eli­te wei­ße Eli­ten durch ihre Las­ter unter­wan­dert und kon­trol­liert. Ich möch­te Eis­was­ser in die­se kusche­li­gen Bezie­hun­gen gie­ßen. Ich möch­te, daß ehr­gei­zi­ge Wei­ße Angst davor haben, sich mit Leu­ten wie Epstein bli­cken zu las­sen, statt um ihre Gunst zu buh­len. Wenn Bill Ack­man, Miri­am Adel­son oder Paul Sin­ger das nächs­te Mal einen poli­ti­schen Auf­stei­ger zum Abend­essen ein­la­den, möch­te ich, daß er sich fragt: „Wer­de ich des­we­gen eines Tages beschul­digt wer­den, Babys zum Früh­stück zu essen?“

Man neh­me dies als ein Bei­spiel, wie man­che Enthu­si­as­ten der Epstein-Bom­be sich auf “machia­vel­lis­ti­sche” Posi­tio­nen die­ser Art zurück­zie­hen, nun, da das Ergeb­nis des bis­her ver­öf­fent­lich­ten Mate­ri­als eher mager aus­ge­fal­len ist (wobei offen­bar eine gro­ße Men­ge Mate­ri­al immer noch unter Ver­schluß steht).

Ich bin davon ganz und gar nicht über­zeugt, wofür John­son hier plä­diert. Die Wahr­heit spielt immer eine Rol­le, und wer sei­ne poli­ti­sche Agen­da auf Lügen, Unsinn und Des­in­for­ma­ti­on auf­baut, weil er die Affek­te braucht, die Gift die­ser Art in den Mas­sen, Medi­en und Mas­sen­me­di­en aus­löst, schä­digt am Ende unwei­ger­lich nur sich selbst, oder erringt nur kor­rum­pier­te Sie­ge, die eine schlech­te zukünf­ti­ge Saat in sich tragen.

Was tat­säch­lich her­aus­ge­kom­men zu sein scheint, wird von Micha­el Shel­len­ber­ger so zusam­men­ge­faßt. Hier ein paar wich­ti­ge Stel­len sei­ner Analyse:

Nach­dem wir meh­re­re Wochen damit ver­bracht haben, die Akten und die damit ver­bun­de­nen Ermitt­lun­gen durch­zu­le­sen, ist für uns klar, daß die Gesamt­heit der ver­füg­ba­ren Bewei­se nicht das Bild einer von einer Regie­rung gesteu­er­ten sexu­el­len Erpres­sungs­ope­ra­ti­on stützt. Viel­mehr deu­tet alles dar­auf hin, daß Epstein in ers­ter Linie sei­nen eige­nen Inter­es­sen dien­te. Wenn Epstein über­haupt jeman­des Skla­ve war, dann sei­ner eige­nen Lei­den­schaf­ten und Perversionen.

Vicky Wards Behaup­tung, Epstein „war ein Geheim­dienst­mann“, ist nicht zuver­läs­sig. Sie sag­te, sie habe dies aus drit­ter Hand von einer anony­men Quel­le erfah­ren. Ihr ehe­ma­li­ger Redak­teur bei Vani­ty Fair und ihre Kol­le­gen sag­ten gegen­über dem New Yor­ker, daß ihre Bericht­erstat­tung nicht ver­trau­ens­wür­dig sei und daß sie schon in der Ver­gan­gen­heit unge­naue Zita­te gelie­fert habe.

Epstein mag für Regie­run­gen als „Ver­mitt­ler“ oder Finanz­be­ra­ter gear­bei­tet haben, auf­grund sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Fähig­keit, Ver­trau­en zu gewin­nen und zu bewah­ren, wäh­rend er kom­ple­xe recht­li­che Manö­ver beauf­sich­tig­te. Das bedeu­tet jedoch nicht, daß eine Regie­rung sei­ne Hand­lun­gen kon­trol­lier­te. Es gibt kei­ne aus­rei­chen­den Bewei­se für die Behaup­tung, daß sei­ne sexu­el­le Aus­beu­tung von Mäd­chen und Frau­en für die CIA oder den israe­li­schen Geheim­dienst erfolgte. (…)

Epsteins E‑Mails über die Instal­la­ti­on von Kame­ras und sei­ne E‑Mail mit kom­pro­mit­tie­ren­den Infor­ma­tio­nen über Gates las­sen eher auf ama­teur­haf­te Metho­den schlie­ßen als auf aus­ge­klü­gel­te Geheim­dienst­ope­ra­tio­nen. Wenn Epstein sei­ne Gäs­te heim­lich beim Sex film­te, dann ver­mut­lich, um sei­nen gro­ßen Appe­tit auf Por­no­gra­phie zu stil­len. Er könn­te sie auch ein­fach nur des­we­gen pho­to­gra­fiert haben, um sich Ein­fluß für sei­ne eige­nen Zwe­cke zu verschaffen.

Und wenn irgend­et­was, was Epstein tat, tat­säch­lich im Auf­trag des IC geschah, dann wür­de sei­ne E‑Mail, in der er einen Bera­ter bat, Kame­ras in Kleenex-Boxen zu instal­lie­ren, weit unter den Stan­dards des IC für ope­ra­ti­ve Sicher­heit lie­gen. Und es ist auch nicht so, daß alle Fotos von Epstein sexu­el­le Erpres­sung impli­zie­ren. Epsteins Foto von Man­dels­on, der in Unter­wä­sche neben einer Frau steht, ist zum Bei­spiel wahr­schein­lich kein sexu­el­les Kom­pro­mat, da Man­dels­on offen schwul ist. (…)

Die der­zeit ver­füg­ba­ren Bewei­se deu­ten dar­auf hin, daß Epstein der Strip­pen­zie­her und nicht die Mario­net­te war. Epsteins E‑Mails zei­gen, daß er ein außer­or­dent­lich begab­ter Mani­pu­la­tor war. Er stell­te sich in den Dienst mäch­ti­ger Men­schen, um ihnen dabei zu hel­fen, ihre sozia­len, sexu­el­len, finan­zi­el­len, beruf­li­chen, intel­lek­tu­el­len und sons­ti­gen Bedürf­nis­se zu befriedigen.

Epstein half dem ehe­ma­li­gen israe­li­schen Pre­mier­mi­nis­ter Ehud Barak beim Über­gang ins zivi­le Leben im Aus­tausch für den Zugang zum Ver­kauf von Cyber­si­cher­heit an die israe­li­sche Regie­rung; es gibt kei­ne Hin­wei­se auf einen Ein­fluß des Mos­sad auf die­sen Austausch.

Epstein arran­gier­te, daß Kath­ryn Ruemm­ler ihr Wis­sen und ihre Bezie­hun­gen im Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um nutz­te, um einen gegen Aria­ne de Roth­schild ange­streng­ten Pro­zeß bei­zu­le­gen. Es gibt kei­ne Hin­wei­se dar­auf, daß die CIA Epstein über Ruemm­ler kon­trol­lier­te. Und Epstein stell­te Roth­schild 25 Mil­lio­nen Dol­lar für sei­ne Diens­te und 10 Mil­lio­nen Dol­lar für die Diens­te Ruemm­lers in Rechnung.

Was den “Sex­han­del” angeht, so scheint er vor­ran­gig Epsteins eige­nen Begier­den gedient zu haben:

Im Jahr 2007 wur­de Epstein wegen Miß­brauchs von Teen­ager-Mäd­chen ange­klagt, die er unter dem Vor­wand, ihm „Mas­sa­gen” zu geben, ange­wor­ben hat­te. Er ver­büß­te 13 Mona­te im Gefäng­nis, wäh­rend­des­sen er Frei­gang zur Arbeit erhielt. Epsteins Kom­pli­zen waren Ange­stell­te und Geschäfts­part­ner wie Ghis­lai­ne Max­well, die Mäd­chen für ihn aus­fin­dig mach­te, ihnen Geschen­ke und Gefäl­lig­kei­ten ver­sprach und „Massage“-Sitzungen arrangierte.

Epstein mani­pu­lier­te auch vie­le jun­ge Frau­en aus Ost­eu­ro­pa, indem er ihnen Model­jobs anbot, bevor er sie zu sexu­el­len Hand­lun­gen dräng­te. Jean-Luc Bru­nel, ein fran­zö­si­scher Model­agent, half ihm dabei, jun­ge Models zu rekru­tie­ren. Nach einer Unter­su­chung wur­de Bru­nel in Frank­reich wegen sexu­el­ler Über­grif­fe, dar­un­ter auch auf Min­der­jäh­ri­ge, ange­klagt, die sich aus Beschwer­den über Hand­lun­gen unab­hän­gig von Epstein erga­ben. Er beging 2022 im Gefäng­nis Selbstmord.

Es scheint, daß Epstein Frau­en an ande­re Män­ner wei­ter­reich­te, um bei die­sen Män­nern ein Gefühl der Freund­schaft und Ver­pflich­tung ihm gegen­über zu erzeu­gen. Aber Sex war nicht sein ein­zi­ges Mit­tel, um Loya­li­tät zu gewin­nen. Mit ver­schie­de­nen Mit­teln pfleg­te Epstein Bezie­hun­gen zu mäch­ti­gen Per­so­nen, um an Infor­ma­tio­nen zu gelan­gen, die für sei­ne Inves­ti­tio­nen nütz­lich waren.

Die sexu­el­len Gefäl­lig­kei­ten und ande­re Arten des “vice bon­ding”, wie ich es nen­ne, waren dem­nach also nur ein Teil von Epsteins Sys­tem der Ein­fluß­nah­me und Mani­pu­la­ti­on, kei­nes­wegs die Haupt­sa­che oder gar das Zen­trum sei­nes “Unter­neh­mens”.

Auch die Fra­ge, war­um die­se Eli­ten­men­schen so weni­ge Hem­mun­gen hat­ten, mit Epstein in Kon­takt zu tre­ten, ist für Shel­len­ber­ger nicht all­zu schwer zu beantworten.

Libe­ra­le und welt­ge­wand­te Men­schen wie Ruemm­ler hal­ten es für nor­mal, daß mäch­ti­ge Män­ner wie Epstein pro­mis­kui­tiv sind. 150 Per­so­nen unter­schrie­ben sein Buch zum 50. Geburts­tag, wobei vie­le Kom­men­ta­re hin­ter­lie­ßen, die dar­auf hin­deu­ten, daß sie Epsteins Pro­mis­kui­tät als harm­los betrach­te­ten. „An Epsteins Per­ver­sio­nen war nichts Unge­wöhn­li­ches“, schreibt Kath­le­en Stock in UnHerd. „Er hat­te ein­fach die Mit­tel, sie in vol­len Zügen aus­zu­le­ben.“ Und selbst wenn Epsteins Freun­de und Kol­le­gen wuss­ten, daß er Pro­sti­tu­ier­te enga­gier­te, ist es kei­nes­wegs klar, daß sie dage­gen Ein­wän­de gehabt hätten. (…)

Die meis­ten Frau­en, die sich nach 2008 um Epstein her­um auf­hiel­ten, waren offi­zi­ell kei­ne Escorts oder Pro­sti­tu­ier­te. Vie­le waren ange­hen­de Models und Schau­spie­le­rin­nen, denen Zuwen­dun­gen und Chan­cen ange­bo­ten wur­den. Es ist daher nicht ver­wun­der­lich, daß nur weni­ge in Epsteins Umfeld glaub­ten, sein Ver­hal­ten ver­sto­ße gegen das Gesetz oder gegen gesell­schaft­li­che Normen.

Epstein wur­de also nicht als “Pädo­phi­ler” wahr­ge­nom­men, son­dern als rei­cher, mäch­ti­ger, pro­mis­kui­ti­ver Mann, der sich mit attrak­ti­ven jun­gen Frau­en umgab und gele­gent­lich etwas über die Strän­ge schlug. Das ist kon­sis­tent mit dem Inhalt des gro­ßen Arti­kels über Epstein aus dem Jahr 2002, den ich im zwei­ten Teil aus­führ­lich zitiert habe.

Was ist nun mit der Ent­zif­fe­rung der Lebensmittel-“Codes” in den Epstein-Akten, die angeb­lich Han­del mit Kin­der­fleisch – auf sexu­el­le oder gar kan­ni­ba­lis­ti­sche oder sonst­wie per­ver­se Wei­se – ver­de­cken sol­len? In der Tat gibt es wie auch schon in den Podes­ta-Leaks etli­che Fund­stü­cke, die sehr merk­wür­dig klin­gen und deren Kon­text dun­kel ist. Im Gegen­satz zu Greg John­son glau­be ich jedoch sehr wohl, daß die Wahr­heit über die­se Din­ge eine Rol­le spielt.

Aller­dings hat die “Pizzagate”-Brille, die den Blick auf Epstein seit 2019 bestimmt, die Wahr­neh­mung der Spür­hun­de mit einer erheb­li­chen Vor­ein­ge­nom­men­heit ver­se­hen. Schon eine ober­fläch­li­che Prü­fung, etwa die Suche nach dem Wort “Piz­za”, zeigt, daß die meis­ten Erwäh­nun­gen im Kon­text von Ein­kaufs­lis­ten, Essens­ver­ab­re­dun­gen und ähn­li­chem erfolgt sind.

Nun hat sich Eugyp­pi­us, von Haus aus Phi­lo­lo­ge, die­ser Behaup­tun­gen ange­nom­men und drei Bei­spie­le her­aus­ge­sucht, die als Kron­zeu­gen für den kodier­ten Cha­rak­ter man­cher Kor­re­spon­den­zen gehan­delt werden.

Ich könn­te es nicht bes­ser machen, als er es gemacht hat, und gebe im fol­gen­den sei­ne Betrach­tun­gen wie­der. Er schickt eini­ge Über­le­gun­gen vor­aus, etwa daß es unglaub­lich dumm wäre, der­art gra­vie­ren­de kri­mi­nel­le Tätig­kei­ten via Email über simp­le Sprach­codes zu kom­mu­ni­zie­ren, deren Bedeu­tung aus dem Kon­text erra­ten wer­den kann. Und er gibt zu bedenken:

Epsteins E‑Mail-Kor­re­spon­denz ist umfang­reich, lose, vol­ler Recht­schreib­feh­ler, schlecht for­ma­tiert und über­wie­gend neben­säch­lich und unin­ter­es­sant. Ein Groß­teil davon besteht aus Kom­men­ta­ren zu lang­wei­li­gen Nach­rich­ten, Gesprä­chen von Mit­ar­bei­tern über dum­me logis­ti­sche Ange­le­gen­hei­ten, Gruß­for­meln und all dem ande­ren Unsinn, der wahr­schein­lich auch Ihren Post­ein­gang und sicher­lich auch mei­nen füllt. Es sieht ganz so aus, daß auch rei­che und berühm­te Men­schen ger­ne aus­führ­lich und ohne ersicht­li­chen Grund ihre Lieb­lings­spei­sen und Frei­zeit­be­schäf­ti­gun­gen dis­ku­tie­ren. Wir soll­ten kei­ne Geheim­nis­se sehen, wo kei­ne sind.

Da wäre etwa die sechs­ma­li­ge Erwäh­nung von “Piz­za and Gra­pe Soda”, die auch der New York Times auf­ge­fal­len ist. Wesent­lich ist, daß sie im Zuge einer ein­zi­gen Kor­re­spon­denz mit einem ein­zi­gen Kor­re­spon­den­ten benutzt wird, näm­lich Epsteins Uro­lo­gen Har­ry Fish.

Er wird auf­grund die­ses Aus­tauschs aus dem April 2018 als sexu­ell kon­no­tiert ange­se­hen, in dem Epstein Fish bit­tet, sein Rezept für Sten­dra (ein Medi­ka­ment gegen erek­ti­le Dys­funk­ti­on) in einer Apo­the­ke ein­zu­lö­sen, wor­auf­hin Fish Epstein mit­teilt, daß er dies getan habe und daß sich die bei­den, nach­dem Epstein das Medi­ka­ment ein­ge­nom­men habe, „Piz­za und Trau­ben­saft holen“ sollten.

Fish erwähnt „Piz­za und Trau­ben­saft“ noch fünf wei­te­re Male, alle in der ers­ten Hälf­te des Jah­res 2018. (…) Im April schrieb er eine E‑Mail an Epstein, in der er erklär­te, daß irgend­et­was (mög­li­cher­wei­se eine ange­häng­te PDF-Datei zu sei­nem Unter­neh­men Veru Equi­ty) „bes­ser als ein chi­ne­si­scher Glücks­keks“ sei, und lud Epstein ein, „wie­der Piz­za und Trau­ben­saft zu essen“, was „nie­mand sonst ver­ste­hen kann. Go kno.“

Im Mai bat Fish einen unge­nann­ten Kor­re­spon­den­ten (wie­der­um wahr­schein­lich Epstein), ihn am 4. Juni auf ein Pop-Tart in „Green­bergs Bäcke­rei“ zu beglei­ten, und sag­te: Zuerst holen wir uns ein Stück Piz­za mit Trau­ben­saft.“ Dann sag­te er, er kön­ne „es kaum erwar­ten“ und pos­te­te ein unschar­fes Foto von Piz­za und Trau­ben­saft, auf­ge­nom­men in einem Raum, der wie eine Büro­pau­sen­ecke aus­sieht, mit Auto­ma­ten im Hintergrund.

Am 3. Juni schick­te Fish eine wei­te­re E‑Mail an Epstein und frag­te: Wann möch­test du mor­gen Piz­za und Trau­ben­saft trin­ken?“ (ihr Ter­min war in dem oben genann­ten E‑Mail-Aus­tausch ver­ein­bart wor­den). Am 6. Juni lud Fish erneut jeman­den, bei dem es sich wahr­schein­lich um Epstein han­del­te, zu „Piz­za und Trau­ben­saft mor­gen zum Mit­tag­essen ein. Nach­dem Epstein die­ses trost­lo­se Mit­tag­essen 48 Stun­den zuvor gera­de hin­ter sich gebracht hat­te, sag­te er sei­nem Arzt, er sol­le statt­des­sen „Bar­ry fragen“.

Die Vor­stel­lung, daß die bei­den, und nur die bei­den, hier tat­säch­lich so bei­läu­fig über den Kon­sum von min­der­jäh­ri­gen Sex­skla­ven reden, ist mei­nes Erach­tens völ­lig absurd. Offen­sicht­lich han­delt es sich hier um Insi­der-Wit­ze, die tat­säch­lich mit Essen zu tun haben.

Eugyp­pi­us kommentiert:

Ich behaup­te nicht, die vol­le Bedeu­tung die­ser Unter­hal­tun­gen oder die Bedeu­tung von „Go kno” zu ver­ste­hen, aber es scheint offen­sicht­lich, daß Fish es buch­stäb­lich genos­sen hat, mit Epstein Piz­za zu essen und Trau­ben­saft zu trin­ken, und daß die bei­den dies in der ers­ten Hälf­te des Jah­res 2018 etwa ein­mal im Monat getan haben.

Bemer­kens­wert ist auch, daß Fish sei­ne Kom­men­ta­re zu Piz­za und Trau­ben­saft mit eben­so belang­lo­sen Bemer­kun­gen zu ande­ren Junk­food-Pro­duk­ten wie Kek­sen und Pop-Tarts ver­mischt, was kei­ne Art von Code sein kann, da er oft Bil­der die­ser Din­ge ver­schickt, wäh­rend er dar­über spricht. Das Ein­zi­ge, was ich hier zuge­ste­hen kann, ist, daß „Piz­za und Trau­ben­saft“ durch­aus ein Kür­zel für einen Ort sein könn­te, an den Fish Epstein ger­ne in sei­ner Mit­tags­pau­se einlud.

Ein viel­zi­tier­tes Stück ist auch der Aus­tausch über “Cream Cheese Baby” in einer ande­ren Kor­re­spon­denz mit einem unbe­kann­ten Emp­fän­ger im Juli 2009. Hier soll es nun nach Mei­nung man­cher um den buch­stäb­li­chen Ver­zehr von Babies gehen.

“Cream cheese baby” ist der Hea­der der Email. Der Kor­re­spon­dent schreibt: “LOL ich weiß nicht ob Frisch­kä­se und Baby auf dem­sel­ben Level sind.” Epstein ant­wor­tet: “Es gibt Mil­lio­nen von Babies, aber nur wenig guten Frisch­kä­se mit Gemü­se (vege­ta­ble cream cheese).”

 

Eugyp­pi­us kommentiert:

„Frisch­kä­se“ (cream cheese) kann hier kein Code für Babys sein, da Epstein „Babys“ und „Frisch­kä­se“ im sel­ben Satz ein­an­der gegen­über­stellt. Was tat­säch­lich vor sich geht, wird aus einer voll­stän­di­gen Über­sicht über den Aus­tausch deut­lich, der damit beginnt, daß Epstein sei­nen Kor­re­spon­den­ten dafür zurecht­weist, ihmeinen wert­lo­sen Bagel mit etwas Frisch­kä­se­auf­strich ser­viert zu haben, der wider­lich war. (….)

Der fol­gen­de Aus­tausch lässt kei­nen Zwei­fel dar­an, daß Epstein und sein Kor­re­spon­dent buch­stäb­lich dar­über dis­ku­tie­ren, wo man am bes­ten Frisch­kä­se mit Gemü­se ver­mischt kau­fen kann. Die Ant­wort lau­tet laut Epstein: TooJay’s Deli in Lake Worth – ein ech­tes Lokal mit 379 Bewer­tun­gen auf Trip Advi­sor.

In der Tat scheint mir nicht mehr an der Geschich­te dran zu sein als dies. Die Herr­schaf­ten reden tat­säch­lich über Frisch­kä­se und Bagels.

Ich habe dar­über neu­lich auf Xit­ter mit Shlo­mo dis­ku­tiert, zum Ver­gleich sei­ne Inter­pre­ta­ti­on:

Naja, so schrei­ben sie dann wei­ter, nach­dem Epstein ihm den Code für Babys (+ vege­ta­ble) ver­ra­ten hat. Der Anfang: “Ich weiß nicht, ob Cream Cheese wirk­lich mit Baby ver­gleich­bar ist” Epstein: “Es gibt Mil­lio­nen von Babys, sehr guter klei­ner VEGETABLE Cream Cheese. Willst du mor­gen Veggie Cream Cheese? Ich wür­de ihn jetzt besor­gen.” Mei­ne Les­art ist: Der Typ kann­te nur “Cream Cheese” für Mäd­chen, aber nicht “Veggie Cream Cheese” für weib­li­che Babys, des­halb buch­sta­biert er den Baby-Teil erst­mal aus. Epstein sagt ihm “Ja Babys sind kein Pro­blem, ich besorg dir VEGGIE Cream Cheese” und dann reden sie wei­ter, als wenns um Frisch­kä­se ginge.

Aber der “Anfang” (7 Uhr 41) ist eben die Beschwer­de über den schlech­ten Bage­lauf­strich, und das “cream cheese baby” kommt erst viel spä­ter (15:34). Was Shlo­mo, er sei geehrt, hier hin­ein­liest, ist pure Phantasie.

Und als letz­tes (es gibt noch ande­re ver­däch­tig­te Wör­ter wie “beef jer­ky”) sei noch die Bezug­nah­me auf “Shrimp” (Gar­ne­len) erwähnt. Eugyp­pi­us schreibt:

Die Epstein-Akten ent­hal­ten Hun­der­te von Ver­wei­sen auf Gar­ne­len. Die über­wie­gen­de Mehr­heit davon sind zwei­fel­los unver­schlüs­sel­te, all­täg­li­che Dis­kus­sio­nen über ein gän­gi­ges Lebens­mit­tel. In eini­gen weni­gen Fäl­len wird „Gar­ne­le“ mög­li­cher­wei­se oder sogar wahr­schein­lich ver­wen­det, um sich auf Frau­en zu bezie­hen, viel­leicht in sexu­el­len Kon­tex­ten, obwohl selbst das nicht immer ganz klar ist.

Der am häu­figs­ten zitier­te, angeb­lich ver­schlüs­sel­te Shrimps-Aus­tausch stammt aus dem Juni 2013 und fand zwi­schen Epstein und dem ehe­ma­li­gen fran­zö­si­schen Diplo­ma­ten Oli­vi­er Colom statt. Man­che Leu­te glau­ben, daß die­se E‑Mails Ver­bre­chen wie Mord und Kan­ni­ba­lis­mus bele­gen, weil Epstein dar­in erklärt, daß eini­ge Mäd­chen „Shrimps“ sei­en, deren Köp­fe „man weg­wirft … und deren Kör­per man behält“.

Dies ist eine wil­de Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on, die kaum zu recht­fer­ti­gen ist, da sie grund­le­gen­de Zusam­men­hän­ge ausblendet.

Der Shrimps-Aus­tausch beginnt damit, daß Colom Epstein fragt, wo er sich befin­det, und die­ser ant­wor­tet: „Auf mei­ner Insel in der Kari­bik, mit einem Aqua­ri­um vol­ler Mädchen”.

Man erkennt sofort, daß es sich hier kei­nes­wegs um einen ver­schlüs­sel­ten Aus­tausch han­delt, son­dern um einen meta­pho­ri­schen. Epstein genießt die Gesell­schaft von „Mäd­chen” (die Models oder Pro­sti­tu­ier­te oder was auch immer sein könn­ten) auf Litt­le St. James. Colom ant­wor­tet, daß „der König von Sau­di-Ara­bi­en ein paar wei­ße Haie in sei­nem [Aqua­ri­um] in sei­nem Palast in Jed­dah hat”, aber daß er – Colom – Epsteins Frau­en die­sen „abso­lut vor­zieht”. Epstein ant­wor­tet, daß auch sei­ne Mäd­chen  „wei­ße Haie“ sein könn­ten, da „zwei davon Rus­sin­nen sind“, und Colom ant­wor­tet, daß er „wei­ße Haie mag“, vor­aus­ge­setzt, es han­delt sich nicht um „Ham­mer­haie”.

Nun folgt Epsteins angeb­lich mör­de­ri­sche Antwort:

Nein, eini­ge sind wie Gar­ne­len, man schmeißt den Kopf weg und behält den Körper

No, some are like shrimp, you throw away the head and keep the body

Es ist völ­lig nahe­lie­gend: Epstein spricht nicht von buch­stäb­li­chen Ent­haup­tun­gen von Frau­en auf sei­ner Insel, son­dern macht einen der­ben Witz dar­über, daß in sei­nen Augen man­chen Frau­en zwar attrak­ti­ve Kör­per, aber unat­trak­ti­ve Gesich­ter haben.

Dem folgt ein Aus­tausch über ras­si­sche Prä­fe­ren­zen. Colom und Epstein sind einer Mei­nung, daß sie weiß “jeder ande­ren Far­be vor­zie­hen” und kei­ne “schwar­zen Gar­ne­len” mögen (Jef­frey wird “schon bei ihrem Geruch” schlecht).

Es gibt noch mehr Stel­len die­ser Art, die Fra­gen auf­kom­men las­sen könn­ten. Dar­un­ter ziem­lich merk­wür­di­ge, wenn etwa ein Kor­re­spon­dent Epstein bei­läu­fig mit­teilt, er hal­te sich in Chi­na auf, und die­ser dar­auf­hin eben­so bei­läu­fig ant­wor­tet “Wo bist du? Geht es dir gut, ich moch­te das Fol­ter­vi­deo”. Es gibt min­des­tens ein wei­te­res Doku­ment, das ich hier nicht ver­lin­ke, das etli­che por­no­gra­phi­sche Datei­en ent­hält, dar­un­ter auch ein paar offen­bar kin­der­por­no­gra­phi­sche, die jedoch alle­samt nicht “selbst­ge­macht” zu sein scheinen.

Wer also noch immer nach “Pizzagate”-Material sucht, mag Ver­däch­ti­ges fin­den und über­prü­fen. Aber ich den­ke, daß dies eine grund­sätz­lich fal­sche Fähr­te ist, die den Blick auf den tat­säch­li­chen Epstein und sei­ne “Geschäf­te” verstellt.

– –

Und das war der Abschluß mei­ner drei­tei­li­gen Serie. Nun kann kom­men­tiert werden!

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (7)

RMH

4. März 2026 14:02

Danke für diesen wohltuend klaren und distanziert analysierenden 3-Teiler!
Ich hatte es unter den Beitrag von C. Sommerfeld vom 05.02.2026 schon geschrieben:
"Bei mir verstärkt sich mittlerweile ... der Eindruck, dass dieses ganze Sex- Thema durchaus ganz anderes trefflich verschleiern kann, was noch unbekannt ist & was, wenn man eine Verschwörung annimmt, wohl auch unbekannt bleiben soll. Das ganze Sex-Thema lenkt den billigen Voyeurismus der Öffentlichkeit auf sich & damit tiefere Blicke ab."
Was war also das System Epstein? Der wohlwollend als "schillernd" zu bezeichnende Florian Homm, der natürlich sich dabei völlig uneitel als absoluter Insider und extrem wichtiger "Player" darstellt, hat in einem aktuellen YT Beitrag seine Sicht auf Epstein dargestellt und ihn im Zentrum eines globalen Insiderhandels von Eliten dargestellt bzw. das Geschäftsmodell von Epstein als illegalen Insiderhandel herausgearbeitet.
https://www.youtube.com/watch?v=Of01x83W-bU
Ob er recht hat, weiß ich nicht, hört sich aber erst einmal in vielen Punkten logischer an, als all die beef jerkey und Shrimp-Cocktail-Thesen.  Vermutlich wird die Aufarbeitung des Epstein Falles aber noch Jahre andauern. Nix genaues weiß man nicht, sagt man bei uns in der Gegend.

Ekstroem

4. März 2026 14:11

Mit Ihrer Artikelserie zu Epstein ecken Sie sicherlich nicht an, werter ML. Man könnte auch Verharmlosung herauslesen. ?Fragezeichen? 

ofeliaa

4. März 2026 15:01

Dass Donald Trump auf mehreren Ebenen als Straftäter gelten sollte(!), auch im Zusammenhang sexualisierter Gewalt, war bereits vor den Epstein-Akten bekannt. Aber es interessiert offenbar so gut wie niemanden. Als ich auf der Website nacheinander die Begriffe „germany“, „rape“ und "minor" eingab, fand ich vor allem Anschuldigungen von Privatpersonen, die eben wahr oder nicht wahr sein können und eben keine Fakten sind, und zusätzlich allgemein zugängliche Informationen über politische Entwicklungen, Politiker, öffentliche Personen, Aktienkurse und Urlaube. All die Informationen, über die Epstein und seine Konsorten großspurig diskutierten, waren damals öffentlich verfügbar. Es handelte sich um Studien und Zeitungsartikel, die grundsätzlich zugänglich waren und nicht um signifikantes Insiderwissen. Die Großspurigkeit dieser Austausche bleibt etwas ekelerregend, aber das ist auch alles. Die "Akten" an sich enthalten meiner ersten Recherche nach keine Skandale, kein Insiderwissen, keine relevanten politischen Themen, die uns nicht selbst allen bekannt wären. Wichtig bleibt nur, dass eine Gesellschaft, die Frauen als minderwertig erachtet und behandelt, nicht mehr so lange bestehen können wird, wie das in der Vergangenheit der Fall war. Diesbezüglich brechen hoffentlich endlich andere Zeiten an. Man ist sensitiver für Missbrauch geworden und das ist zu begrüßen. Auf politischer Ebene sehe ich jedoch keine große Relevanz in diesen Akten. 

RMH

4. März 2026 15:22

"Mit Ihrer Artikelserie zu Epstein ecken Sie sicherlich nicht an, werter ML."
@Eckstroem,
aber evtl. eckt er beim hiesigen Publikum damit an - und das wäre doch auch mal was wert.  M.L. profiliert sich mit der Artikel-Serie erneut als echter, eigenständiger Denker, der nicht so einfach in eine Schublade gepackt werden kann und der eben nicht den x-ten Verschwörungs-Blut& Satan-Aufguss abliefert, den mittlerweile auch eine KI aus den üblichen Quellen bequem produzieren könnte. Hier hat sich einer noch eigene Arbeit gemacht. 

Claus Wolfschlag

4. März 2026 15:40

Martin Lichtmesz schreibt:"Nun folgt Epsteins angeblich mörderische Antwort: Nein, einige sind wie Garnelen, man schmeißt den Kopf weg und behält den Körper (...) Es ist völlig naheliegend: Epstein spricht nicht von buchstäblichen Enthauptungen von Frauen auf seiner Insel, sondern macht einen derben Witz darüber, daß in seinen Augen manche Frauen zwar attraktive Körper, aber unattraktive Gesichter haben."
Ich denke nicht, dass sich das auf unattraktive Gesichter bezieht. Mit "Kopf" dürfte eher der Geist gemeint sein, also dumme, ungehobelte Frauen oder Frauen mit einem schlechten, egozentrischen, dumpf-materialistischen Charakter. 
Ansonsten empfinde ich wohltuend an der Trilogie, dass Lichtmesz sehr vorsichtig mit Spekulationen umgeht. Letztere sind bei allen Geschichten, in denen "sex and crime" eine Rolle spielt, sehr stark vertreten. (Und hier neben dem Wunsch, die verhassten globalen Eliten zu diskreditieren.) Womöglich weil sie auch unbewusste, teils unterdrückte Sehnsüchte berühren, die sich dann in überspitzter, gesteigerter Form als Phantasie manifestieren, auf die mit Empörung reagiert werden kann.
Um das plastisch zu machen: So wie die ältere Dame, die darunter leidet, nach dem Tod ihres Mannes einsam und seit vielen Jahren für Männer unattraktiv geworden zu sein, das aber umleitet in Wissen aus der Bild-Zeitung und in Empörung über die angeblich verlotterten Jugendlichen, die nur an Sex dächten.

Majestyk

4. März 2026 16:06

Es ist im Prinzip gleichgültig was in den veröffentlichten Epstein-Akten steht. Gerede jene, die sich einen Komplex fabulieren, um ihr Weltbild bestätigt zu sehen, werden immer behaupten "da fehlt noch was". Umgekehrt kann man nie ausschließen, daß etwas fehlt. 
Kontaktschuldgelaber, mit dem gerade mißliebige Personen abgeschossen werden ist sowieso Unsinn, sowas weist man für sich selbst zurück, warum dies anderen andichten? Ein Freund von mir kannte einen der Mörder von Tom und Sonja. Hat das etwas zu bedeuten?
Bezüglich Epstein ist es doch so wie früher bei Tutti Frutti. Keiner hat es gesehen, aber jeder weiß Bescheid. Dabei gibt es mehr als genug reale Probleme dieser Art in einem Land wo Menschenhandel Hochkonjunktur hat und Sängerknaben nicht bloß singen lernen. Und Promiskuität? In Zeiten wo man sich über Datingseiten unverbindlich und schnell zum "Casual Sex" verabreden kann, wo im ÖRR Leute über OnlyFans berichten, da ist fast jeder promiskuitiv. Die Dimension wächst halt nur mit den Möglichkeiten: Ist wie bei der Korruption. Kleine Angestellte klauen Kugelschreiber, Vorstände verscherbeln ganze Unternehmensbereiche gegen "Provision". 

Maiordomus

4. März 2026 16:31

Die Epstein-Geschichte mutet insgesamt romanhaft an, man wird sie, wenn alle Beteiligten verstorben sind, dann wohl noch genauer "aufarbeiten" können. Derzeit geht es vor allem daran, jeweils visierten Beteiligten, Dreck, den sie vermutlich am Stecken haben, öffentlichwirksam nachzuwerfen. Ebenfalls scheint bei der heutigen Situation, da "Jude" plötzlich kein Bonus mehr ist, in dieser unappetitlichen Gesamtmischung noch das Prädikat "Hauptsache Jude" von Belang. Noch wichtig, dass auch Königshäuser von dieser Dreckgeschichte von Belang sind, echt involviert, weswegen Charles III. alles tut, seinen Bruder, dem ausser offensichtlichen Charakterschwächen noch zu wenig Justiziables nachgewiesen ist, aus Gründen der existentiell wichtigen Sorge um den Ruf der Familie, ihn als Unperson zu isolieren. Erinnere mich noch, Charles, seinen nunmehr  verfemten Bruder und dessen damals besonders auffällige Frau "Fergie" in einem Graubündner Bergdorf in Ski-Ausrüstung bei einer gemütlichen Jause getroffen zu haben. Wir gewöhnlich Sterblichen im selben Lokal durften sie mit gebührendem Abstand sogar fotografieren. Die Sicherheitslage an einem solchen Ort wurde damals noch in keiner Weise als gravierend eingeschätzt. Es war 1984 sogar möglich, die Herrentoilete des rustikalen Berglokals gleichzeitig oder fast gleichzeitig mit britischen Prinzen zu betreten. Heute undenkbar.