Citizen Vigilante – kein Kult!

Große Teile von Rechtstwitter sind momentan hellauf über einen neuen amerikanischen Film begeistert, dessen Kinoauswertung in Deutschland von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft durch Verweigerung einer Altersfreigabe blockiert wurde.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Vor allem über den Strea­ming-Markt hat Uwe Bolls Citi­zen Vigi­lan­te in den USA angeb­lich bereits über 67 Mil­lio­nen Dol­lar ein­ge­spielt (Nach­trag: Die Zahl ist wahr­schein­lich maß­los über­trie­ben). Sze­nen des Films wer­den nun flei­ßig geteilt, zitiert und zu Mems ver­wurs­tet, wäh­rend man abfei­ert, wie das de fac­to “Ver­bot” des Films in Deutsch­land den “Strei­sand-Effekt” unfrei­wil­li­ger Wer­bung aus­ge­löst hat.

Zu Uwe Boll, dem 1965 gebo­re­nen deut­schen Regis­seur die­ses “Meis­ter­werks”, gibt es eine Men­ge zu sagen, was ich mir bis zum Schluß die­ses Bei­trags auf­he­ben werde.

Boll, der vor­zugs­wei­se in Kana­da und den USA arbei­tet, und eine Jahr­zehn­te zurück­rei­chen­de Repu­ta­ti­on als einer der schlech­tes­ten Regis­seu­re aller Zei­ten hat, kos­tet die­se von ihm mit Sicher­heit ein­kal­ku­lier­te Kon­tro­ver­se um sei­nen Film nun reich­lich aus und fischt gezielt im MAGA-Pool nach Aufmerksamkeit.

Die rech­ten Mul­ti­pli­ka­to­ren bei­ßen rei­hen­wei­se an, denn offen­bar gilt es einen extrem poli­tisch unkor­rek­ten Film gegen “Zen­sur” und ähn­li­che Ver­hin­de­rer in Schutz zu nehmen.

Der Grund der all­ge­mei­nen Auf­re­gung ist schnell erzählt: Im Mit­tel­punkt des Films steht ein exor­bi­tant gut aus­se­hen­der selbst­er­nann­ter Rächer, in ele­gan­tes Schwarz geklei­det, mit mili­tä­ri­schem Haar­schnitt, der in einem fik­ti­ven euro­päi­schen Land kri­mi­nel­le Ein­wan­de­rer jagt und tötet, die auf­grund der herr­schen­den libe­ra­len Kuschel­jus­tiz ihrer Stra­fe ent­gan­gen sind.

Die ent­schei­den­de Pro­vo­ka­ti­on des Films ist, daß er sich ohne jeg­li­che kri­ti­sche Distanz auf die Sei­te der Sen­ti­ments, Ideen und sogar Taten sei­ner Haupt­fi­gur zu stel­len scheint: “This film is dedi­ca­ted to the thou­sands of rape and mur­der vic­tims who were betray­ed by our legal sys­tem”, ver­kün­det eine Tafel am Ende des Films.

Kurz zuvor hat­te man gese­hen, wie der “koole Kil­ler” eine Ban­de von jugend­li­chen ara­bi­schen und afri­ka­ni­schen Ver­ge­wal­ti­gern inklu­si­ve der gesam­ten Fami­lie eines der Täter kalt­blü­tig exe­ku­tiert hat (ins­ge­samt zehn Men­schen, dar­un­ter zwei Frau­en). Die letz­te Ein­stel­lung des Films zeigt das geräch­te min­der­jäh­ri­ge Ver­ge­wal­ti­gungs­op­fer, den Trä­nen nahe, hoff­nungs­voll erbe­bend, als es auf einen Bild­schirm starrt und zu ele­gi­scher Streich­mu­sik die fro­he Bot­schaft des Vigi­lan­ten vernimmt:

“Ich bin hier, um euch zu hel­fen, wie­der die Kon­trol­le zu erlan­gen. Ich bin hier, um euch zu zei­gen, daß ihr kei­ne Opfer mehr seid. Ich bin hier, um euch zu zei­gen, daß es an der Zeit ist, die­sen F*ckern klar­zu­ma­chen, daß sie damit nicht mehr davon­kom­men. Denkt dar­an: Ich tue das für euch, damit ihr lernt, es selbst in die Hand zu nehmen.”

Maxi­ma­le Emo­tio­nen wer­den gleich in der ers­ten Sequenz von Citi­zen Vigi­lan­te auf­ge­la­den: Mit allen Details wird gezeigt, wie einer blon­den jun­gen Frau von einem Afri­ka­ner ohne irgend­ei­nen ersicht­li­chen Grund die Keh­le auf­ge­schnit­ten wird und sie vor den ent­setz­ten Augen ihres etwa acht­jäh­ri­gen Soh­nes verblutet.

Unmit­tel­bar dar­auf, gleich nach dem Vor­spann, ver­kün­det die gleich­falls blon­de Spre­che­rin eines TV-Sen­ders namens “World News”, daß Migran­ten­ge­walt am Anstei­gen sei, aber Hoff­nung erblü­he in Gestalt der “enig­ma­ti­schen Figur” eines “vigi­lan­ti­schen Bür­gers”, der gewalt­sam dort ein­greift, wo das Jus­tiz­sys­tem ver­sagt hat.

Wer er ist, wird eben­falls sehr rasch ent­hüllt: Ein geheim­nis­vol­ler, rei­cher Ame­ri­ka­ner namens San­ders, der in Wahr­heit gar kein “Bür­ger” des Lan­des ist, in dem er sich auf­hält, dort aber meh­re­re Unter­neh­men und Immo­bi­li­en besitzt, mit denen er jähr­lich Mil­lio­nen Dol­lar ver­dient. Er ist von Anfang an ein­fach da, es gibt kei­ne Cha­rak­ter­ent­wick­lung, kei­nen Kipp­mo­ment, kei­ne Hintergrundgeschichte.

Gespielt von Armie Ham­mer (der teil­wei­se jüdi­scher Abstam­mung ist und ein gro­ßes hebräi­sches Aleph auf dem Bauch täto­wiert hat), ist San­ders eine Art Mischung aus “Bat­man” Bruce Way­ne (der Film soll­te ursprüng­lich The Dark Knight hei­ßen) und Paul Ker­sey aus Death Wish (dt. Ein Mann sieht rot), der Mut­ter aller Vigilantenfilme.

Er ist aber zugleich ein poli­ti­scher “Influen­cer” und Akti­vist, ein ehe­ma­li­ger Sol­dat und fana­tisch von sei­ner Mis­si­on über­zeug­ter Kreuz­rit­ter mit Zügen von Anders Brei­vik und Bren­ton Tar­rant. In der Tat ent­spricht er wohl ziem­lich genau dem heroi­schen, von Kino­hel­den inspi­rier­ten Phan­ta­sie­bild, das die­se bei­den Mas­sen­mör­der von sich selbst hatten.

Letz­te­re Zutat ist nun der durch­aus neue Aspekt, den Boll in die Tra­di­ti­on des Vigi­lan­ten­films ein­ge­führt hat. Nicht etwa, daß die Haupt­fi­gur, ein im wesent­li­chen doch recht gene­ri­scher Action-Held, “rechts­las­tig” oder “faschis­to­id” ist, son­dern daß die­se Tat­sa­che offen affir­ma­tiv, ja sogar glo­ri­fi­zie­rend gehand­habt wird.

In mei­nem Licht­spiel­füh­rer habe ich die­ses rechts­co­dier­te Sub­gen­re aus­führ­lich behan­delt: Da gibt es einer­seits den Strang der abge­brüh­ten Poli­zis­ten, die sich in ihrer not­wen­di­gen Schmutz­ar­beit gegen ein weich­ge­spül­tes Sys­tem aus libe­ra­len Geset­zen, Poli­ti­kern, Vor­ge­setz­ten, Jour­na­lis­ten und Anwäl­ten durch­set­zen müs­sen (etwa French Con­nec­tion, Dir­ty Har­ry, Tro­pa de Eli­te, Drag­ged Across Con­cre­te), ander­seits den der “Wut­bür­ger”, die meis­tens auf­grund von trau­ma­ti­schen Erfah­run­gen zur Selbst­jus­tiz grei­fen (etwa Death Wish, Mr. Majes­tik, Fal­ling Down, Har­ry Brown, Rohr­schach in Watch­men).

Scor­se­ses und Schr­a­d­ers Taxi Dri­ver (1976), eben­falls in mei­nem Buch behan­delt, hat das The­ma beson­ders ein­präg­sam auf­ge­grif­fen, gera­de weil er kein nai­ves Action­ki­no ist, son­dern die Fra­ge stellt, was die eigent­li­chen Impul­se hin­ter Gewalt­ta­ten sind, die sich eine mora­li­sche und poli­ti­sche Recht­fer­ti­gung geben.

“Hier ist ein Mann, der sich nicht mehr alles gefal­len läßt. Ein Mann, der sich gegen den Abschaum, die Nut­ten, die mie­sen Schwei­ne, den Dreck und die Schei­ße wehrt… hier ist jemand, der sich wehrt!”

Taxi Dri­ver ist aber auch ein Bei­spiel von Selbst­zen­sur auf­grund von poli­tisch kor­rek­ten Beden­ken: Der ursprüng­lich schwar­ze Zuhäl­ter “Sport” wur­de in einen Wei­ßen ver­wan­delt, der sich optisch zum India­ner sti­li­siert. Der “Ras­sis­mus” der Haupt­fi­gur Tra­vis Bick­le, wird in ein paar weni­gen Sze­nen nur “sub­li­mi­nal” angedeutet.

Auch das ist eine Neue­rung von Citi­zen Vigi­lan­te, daß der ras­si­sche oder “ras­sis­ti­sche” Sub­text sei­ner Vor­bil­der offen aus­buch­sta­biert wird, und hier expli­zit far­bi­ge Ver­bre­cher wei­ßen Opfern und einem wei­ßen Rächer gegen­über­ge­stellt wer­den. Aber auch hier kommt es zu selt­sa­men Ver­wi­schun­gen, wenn Boll etwa eine eher unrea­lis­ti­sche Gang auf­tre­ten läßt, die aus einem Schwar­zen, einem Ara­ber und einem sadis­tisch lächeln­den wei­ßen Mäd­chen zusam­men­ge­setzt ist, die in einer Sze­ne einen wei­ßen Jun­gen attackieren.

Eini­ge Selt­sam­kei­ten und Wider­sprü­che haben sich auch in die Figur des San­ders ein­ge­schli­chen, und ich bin mir nicht sicher, ob sie bewußt ins (wie immer bei Boll ziem­lich wir­re, ziem­lich schlecht struk­tu­rier­te) Dreh­buch geschrie­ben wur­den, um die Figur wenigs­tens ein biß­chen ambi­va­len­ter und drei­di­men­sio­na­ler zu machen. Ein Sinn für Iro­nie oder Dop­pel­bö­dig­keit macht sich in Bolls Insze­nie­rung jeden­falls kaum bemerk­bar. Das alles hat ent­fern­te Taran­ti­no-Vibes, aber es ist schier unmög­lich zu sagen, ob und wann der Regis­seur das alles nun “ernst” meint.

San­ders tritt einer­seits wie ein arro­gan­ter Her­ren­mensch auf, der jede Situa­ti­on sou­ve­rän unter Kon­trol­le hat, ande­rer­seits erscheint er auch als völ­lig humor­lo­ser, kalt zor­ni­ger Autist, der sei­nen Opfer lan­ge, aus­führ­li­che Moral­pre­dig­ten hält, ehe er sie exe­ku­tiert. Er sel­ber stellt sich nicht nur in Sachen Selbst­jus­tiz selbst­herr­lich über Moral und Gesetz, wie es ihm gera­de gutdünkt.

Wir erfah­ren nicht nur, daß er säu­mi­gen Mie­tern gedun­ge­ne Schlä­ger vor­bei­schickt, um sie zu pünkt­li­chen Zah­lun­gen zu “moti­vie­ren”, son­dern auch, daß er ein Bor­dell­be­sit­zer ist. In einer ziem­lich bizar­ren, über­flüs­sig aus­ge­dehn­ten Sex­sze­ne bricht San­ders sei­ne fleisch­li­che Inter­ak­ti­on mit einer (nicht-wei­ßen) “Ange­stell­ten” sei­nes Freu­den­hau­ses jäh ab, als er ent­deckt, daß sich an der Decke Schim­mel aus­ge­brei­tet hat. Nun hält er der Dame eine gestren­ge Stand­pau­ke, nach jeder war­men Dusche das Zim­mer zu lüf­ten, um sein Eigen­tum nicht zu beschädigen.

Einer­seits pflegt er eine popu­lis­ti­sche Rhe­to­rik, ande­rer­seits ist er eine Art Sozi­al­dar­wi­nist vol­ler “nietz­schea­ni­scher” Men­schen­ver­ach­tung. In einer Sze­ne ver­ur­sacht er absicht­lich den Tod eines ihm zufäl­lig ent­ge­gen­kom­men­den Auto­fah­rers, nur um einem gefan­ge­nen Rich­ter auf sei­nem Neben­sitz zu bewei­sen, daß Men­schen “Scha­fe” sei­en, die blind­lings das Gesetz befol­gen, auch wenn es ihr Leben gefähr­det. Inso­fern hat es eine gewis­se maka­bre Komik, wenn er am Ende des Films dem Vater einer mus­li­mi­schen Fami­lie vor­wirft, sein “archai­sches Wer­te­sys­tem und sei­ne Reli­gi­on über die Demo­kra­tie und alles ande­re” zu stel­len, “ein­schließ­lich der Rechtsstaatlichkeit.”

In der stärks­ten Sze­ne des Films schlach­tet San­ders die gesam­te Fami­lie die­ses Man­nes ab, ihn selbst, sei­ne Frau, sei­ne Toch­ter und sei­nen Sohn. Des letz­te­ren Schuld war es, sich an der Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gung einer 14jährigen betei­ligt zu haben; die sei­ner Fami­li­en­mit­glie­der, ihm Deckung gege­ben und kei­ne Reue gezeigt zu haben. Die Schwes­ter des Täters hat noch eins drauf­ge­setzt, indem sie in den sozia­len Medi­en die Mei­nung ver­tre­ten hat, daß Mäd­chen, die sich unzüch­tig-unis­la­misch klei­den, es ver­dient hät­ten, ver­ge­wal­tigt zu wer­den. Dafür ist aus­rei­chend für San­ders, auch an ihr eine Todes­stra­fe zu vollstrecken.

Die zwei­te Sze­ne, die im Gedächt­nis hän­gen­bleibt, ist die Ent­füh­rung und Ermor­dung eines libe­ra­len Rich­ters, der die migran­ti­schen Ver­ge­wal­ti­ger auf frei­en Fuß gesetzt hat, weil er sie für Opfer von Dis­kri­mie­rung und man­geln­der Inte­gra­ti­on hält. Abge­se­hen von die­sen bei­den Sze­nen gibt es im Film rela­tiv wenig “Vigi­lan­ten­tum” zu sehen. In einer Sequenz erweist sich San­ders als “wei­ßer Rit­ter”, der zwei (wei­ße) jun­ge Frau­en vor zwei zwie­lich­ti­gen (wei­ßen) Ver­füh­rern ret­tet, die sie mit einer “Date Rape”-Droge gefü­gig machen wol­len. Das ist hoch­i­ro­nisch ange­sichts der Tat­sa­che, daß sich Armie Ham­mer seit Jah­ren in einem Kar­rie­re-Nir­va­na befin­det, weil er von meh­re­ren Frau­en der Ver­ge­wal­ti­gung bezich­tigt wurde.

Einen erheb­li­chen Teil der Lauf­zeit des Films ver­geu­det Boll mit hirn­lo­sen han­dels­üb­li­chen Action­se­quen­zen, etwa einer, in der San­ders Dut­zen­de Poli­zis­ten umlegt, die sei­ne moder­nis­ti­sche Vil­la umstellt haben. Der schwer ver­wun­de­te Kom­mis­sar, der ihm auf der Spur ist, zeigt sich nichts­destrotz immer noch als Sym­pa­thi­sant (auch er “liebt Euro­pa und sei­ne tie­fe Geschich­te”), als San­ders ihn im Kran­ken­haus anruft, und davor warnt, daß das demo­kra­ti­sche Sys­tem, das er ver­tei­digt, von “isla­mis­ti­schen Extre­mis­ten und der ver­blen­de­ten woken Lin­ken” geka­pert und zer­stört wird.

Der Film spielt in einer ideo­lo­gisch abs­tra­hier­ten Phan­ta­sie­welt, die wenig Berüh­rung mit der kon­kre­ten Wirk­lich­keit hat. Ver­mut­lich aus Kos­ten­grün­den wur­de aus­ge­rech­net in Kroa­ti­en gedreht, ein Land, das iro­ni­scher­wei­se noch sehr wenig vom “gro­ßen Aus­tausch”, Isla­mis­mus und Migran­ten­kri­mi­na­li­tät bedroht ist. Der Schau­platz ist aber nicht das rea­le Kroa­ti­en, son­dern irgend­ein “euro­päi­sches” Land, stell­ver­tre­tend für alle, die es da geben mag.

In der Welt, in der der “Vigi­lant Citi­zen” ope­riert, sind nicht nur die Benut­zer der sozia­len Medi­en geschlos­sen auf sei­ner Sei­te, son­dern sur­real­er­wei­se auch der immer wie­der auf­tau­chen­de gro­ße TV-Sen­der “World News”, der ten­den­zi­ös zu sei­nen Guns­ten argu­men­tiert: Was sei denn nun eine grö­ße­re Bedro­hung für die Gesell­schaft, so die rhe­to­ri­sche Fra­ge der Nach­rich­ten­mo­de­ra­to­rin, die­je­ni­gen, die schreck­li­che Ver­bre­chen bege­hen, oder der Mann, der die­se Ver­bre­cher eliminiert?

Ich sehe nun Leu­te auf Rechtstwit­ter, die argu­men­tie­ren, daß die­ser Film end­lich “die Wirk­lich­keit” zei­ge, was Migran­ten­ver­bre­chen ange­he, und dar­um “ver­bo­ten” und “zen­siert” wer­de. Es ist ver­ständ­lich, daß man­che nun die pure Exis­tenz die­ses Films als “Mei­len­stein” und als “befrei­end” emp­fin­den, da er ein tat­säch­li­ches gra­vie­ren­des Pro­blem anspricht, das in allen euro­päi­schen Län­dern besteht, die sich der Mas­sen­ein­wan­de­rung geöff­net haben.

In der Tat scheint Boll gezielt nach einem Publi­kum zu hei­schen, das auf sei­nen Film ähn­lich reagiert wie sei­ne fik­ti­ven Social-Media-User auf sei­nen Vigi­lan­ten. Er tut es aber auf eine Art, wie es berüch­tig­te rechts­po­pu­lis­ti­sche Slop-Accounts à la “Radio Gen­oa” prak­ti­zie­ren, affek­tiv, sen­sa­ti­ons­hei­schend und ulti­ma­tiv gehirnverkleisternd.

Wo nun rechts­po­pu­lis­ti­sche Click­bait-Medi­en dazu nei­gen, eine “schwarz­ge­pill­te”, defai­tis­ti­sche Stim­mung zu ver­brei­ten (“Euro­pe has fal­len”), bemüht sich Boll ener­gisch um eine “posi­ti­ve”, “hoff­nungs­vol­le” Bot­schaft, die am Ende des Films ohne jeg­li­che Iro­nie und Distanz ser­viert wird, in Form eines Auf­rufs zu wehr­haf­ter zivi­ler Gegen­ge­walt, aus dem Mun­de eines als Mes­si­as auf­tre­ten­den, auto­ri­tä­ren star­ken Man­nes, der eben kalt­blü­tig eine gesam­te aus­län­di­sche Fami­lie auf­grund von rei­ner “Sip­pen­haf­tung” hin­ge­rich­tet hat.

Die­ser Mann, den man hier gese­hen hat, der attrak­ti­ve, über­le­ge­ne, küh­le Kino-Kil­ler, ist aller­dings ganz offen­sicht­lich ein Psy­cho­path. Kein nor­ma­ler, tat­säch­lich mora­lisch den­ken­der Mensch geht hin und exe­ku­tiert eigen­hän­dig Men­schen, die es sei­ner Ansicht nicht anders ver­dient haben, sys­te­ma­tisch und im von jedem Zwei­fel unbe­fleck­ten Voll­ge­fühl, der gerech­ten Sache zu die­nen. Wohin­ge­gen jener Typ von Sadist nicht sel­ten ist, der sei­ne Taten mit einem rigo­ro­sen Mora­lis­mus rechtfertigt.

Klar: Im Kino, in einem B‑Movie, in einem Action-Schlock-Film kann man eine sol­che Figur hin­neh­men oder unter­halt­sam fin­den oder gar genie­ßen, wenn einem der Sinn danach steht. Boll will das alles jedoch mit einer angeb­lich ernst gemein­ten poli­ti­schen Mes­sa­ge ver­knüp­fen. Man sieht sei­nem Film nicht an, daß es ihm wirk­lich um die Opfer geht. Er zele­briert viel­mehr genüß­lich, wie in unzäh­li­gen ande­ren sei­ner Fil­me, den Akt des Tötens und den Täter mit der Waf­fe in der Hand, der cool und mäch­tig aus­sieht, wenn er tötet.

Das kann man nun, wenn man will, als “sub­ver­siv” sehen oder es abfei­ern, weil es ach so kan­tig und gewagt und angeb­lich “basiert” ist. Ich tue das nicht, war­ne aber auch nicht davor, daß Citi­zen Vigi­lan­te “gefähr­lich” oder mora­lisch “frag­wür­dig” sei (was er auch – mit vol­ler Absicht – ist), aber ich sehe schon jetzt, wie die blin­de Begeis­te­rung für die­sen Film mal wie­der kräf­tig die Ver­dum­mung und Rea­li­täts­fer­ne (und den schlech­ten Geschmack) des rech­ten Spek­trums beschleunigt.

Als Bei­spiel sei die­ser Tweet des fran­zö­si­schen rech­ten Akti­vis­ten Dani­el Con­vers­a­no zitiert, den auch Boll (stets emp­fäng­lich für Schmei­che­lei­en) geteilt hat:

Eini­ge Men­schen, sogar in natio­na­lis­ti­schen Krei­sen, sind der Mei­nung, daß „Citi­zen Vigi­lan­te“ sub­ti­ler und klü­ger sein soll­te, weni­ger offen mili­tant. Haben Sie den Film „One Batt­le After Ano­ther“ mit Leo­nar­do Di Caprio gese­hen? Es ist ein Film, der einen weit links ste­hen­den Ter­ro­ris­mus ver­herr­licht. Eine anti­kon­ser­va­ti­ve Tira­de, die zu Gewalt gegen uns (Rech­te) aufruft.

Was Uwe Boll fehlt, ist nicht Sub­ti­li­tät: Es ist ein Bud­get von 100 Mil­lio­nen und gute Dreh­buch­au­to­ren. Eines Tages wird ein rechts­ge­rich­te­ter Regis­seur sicher­lich einen Film machen, der künst­le­risch gelun­ge­ner ist als „Citi­zen Vigi­lan­te“. Ok. Aber bis dato war nur Uwe mutig genug, den ers­ten Schritt zu tun, um mili­tan­te Wer­ke zu schaf­fen, die den Natio­na­lis­mus offen umarmen.

Oder auch die­ser, mit noch lau­ter auf­ge­dreh­ter Krafthuberei:

„Die Schön­heit wird die Welt ret­ten.“ Die­sen dum­men und fal­schen Satz kann man über­all lesen. Schön­heit ist kei­ne Nati­on; sie besitzt kei­ne Waf­fen, mit denen sie sich ver­tei­di­gen könn­te. Im Gegen­teil, Schön­heit muss vor dem Bösen und der Zer­stö­rung geschützt werden.

Uwe Boll ist kein sen­si­bler Fil­me­ma­cher. Er hat eine dio­ny­si­sche Per­sön­lich­keit. Er ist hier, um zu schrei­en. Er wur­de gebo­ren, um zu has­sen, was has­sens­wert ist. Wir brau­chen die­se Art von Europäer.

Was, denkt ihr, wer­den die deka­den­te Lin­ke und die Ein­dring­lin­ge mit der klas­si­schen Kunst anstel­len, die wir alle lie­ben, wenn wir sie gewin­nen las­sen? Was wird von Rim­baud, Berg­man, Leo­nar­do da Vin­ci oder Shake­speare übrig blei­ben, wenn wir uns nicht muti­ger und stär­ker erwei­sen, um alles zu ver­tei­di­gen, was es zu ver­tei­di­gen gilt?

Poli­ti­sche Rei­fe besteht dar­in zu ver­ste­hen, daß Auto­ri­tät (und manch­mal sogar ein Hauch von Gewalt) erfor­der­lich ist, um Schön­heit und Leich­tig­keit in unse­rer Welt exis­tie­ren zu las­sen. Wollt ihr ein ver­fei­ner­tes Euro­pa? Dann braucht ihr Gren­zen und Bar­ba­ren, die es vor der Außen­welt schüt­zen. Des­halb ist “Citi­zen Vigi­lan­te” ein groß­ar­ti­ger Film. Die Ener­gie in die­sem Film ist genau das, was wir jetzt brauchen.

Also die “Ener­gie” ist es, die “wir” brau­chen, auch wenn das Gan­ze, äh, eher eine “dio­ny­si­sche” Ange­le­gen­heit ist.

Natür­lich war dies alles zu erwar­ten, wenn man mit dem Œuvre von Uwe Boll ver­traut ist, der seit den frü­hen neun­zi­ger Jah­ren wie ein Beses­se­ner Inde­pen­dent-Fil­me am Fließ­band her­un­ter­rotzt, vor­zugs­wei­se im Action- und Hor­ror­gen­re, wovon etli­che den Ruf erlangt haben, zum übels­ten Müll zu zäh­len, der jemals gedreht wur­de. Wie vie­le Regis­seu­re die­ser Art hat er in den Augen man­cher, die es gern bra­chi­al, grell und stumpf mögen, eben dadurch “Kult­sta­tus” erlangt.

Das alles im Ver­bund mit sei­ner offen­sicht­li­chen Lie­be zu exzes­si­ven Gewalt­dar­stel­lun­gen macht Boll nun nicht gera­de zum ver­trau­ens­wür­digs­ten Kan­di­da­ten, wenn es um “seriö­se” The­men geht, an denen er sich hart­nä­ckig immer wie­der ver­sucht. Er erscheint viel­mehr als klas­si­scher “Exploitation”-Filmer, der kon­tro­ver­se und kras­se The­men auf sen­sa­tio­na­lis­ti­sche Wei­se benutzt, um damit Auf­merk­sam­keit zu erzeu­gen und Geld zu machen, dies aller­dings stets in mora­li­sche Recht­fer­ti­gun­gen und Beteue­run­gen ein­ge­wi­ckelt (nicht unähn­lich sei­nem “Citi­zen Vigilante”).

2011 dreh­te er einen etwa ein­stün­di­gen Film mit dem Titel Ausch­witz, was vie­le schon wegen Boll selbst als Sakri­leg und Pro­vo­ka­ti­on erfun­den haben: Aus­ge­rech­net der Schöp­fer von House of the Dead, Blood Ray­ne und Blub­be­r­el­la zeigt dar­in den Ersti­ckungs­tod von Men­schen in einer Nazi-Gas­kam­mer in Groß­auf­nah­me (den zu zei­gen ein Spiel­berg in Schind­lers Liste “takt­voll” ver­mie­den hat), natür­lich nur aus rein päd­ago­gi­schen Moti­ven: “Es ist wich­tig, daß wir nie­mals ver­ges­sen, was pas­siert ist”, erklär­te Boll im Abspann des Films, denn “nur so kön­nen wir sicher­stel­len, daß wir die­sel­ben Feh­ler nicht noch­mal machen”.

Ana­log zeigt er in Citi­zen Vigi­lan­te den qual­vol­len Tod einer jun­gen Mut­ter vor den Augen ihres Kin­des ver­mut­lich, um – was denn eigent­lich? “Wach­zu­rüt­teln”? An die Opfer von Migran­ten­ge­walt zu erin­nern? Die Zuschau­er so zor­nig und rach­süch­tig zu machen, wie “San­ders” im Film zor­nig und rach­süch­tig ist, damit sich das alles end­lich ändert? Oder gibt es nicht doch Moti­ve, die ein Stück­chen nied­ri­ger ange­sie­delt sind?

2022 dreh­te er einen sei­ner meist­ge­h­aß­ten Fil­me, Hanau (Unter­ti­tel “Deutsch­land im Win­ter”), eine gegen den Wil­len der betrof­fe­nen Stadt und der Opfer zusam­men­ge­schus­ter­te No-Bud­get-Rekon­struk­ti­on der Gedan­ken­welt und des Amok­lau­fes eines Psy­cho­ti­kers im Febru­ar 2019, der von den Medi­en zur “rechts­extre­men” Tat erklärt wor­den war.

Boll über­nahm die­ses Nar­ra­tiv voll­stän­dig, indem er am Schluß Bil­der von rech­ten Demons­tra­tio­nen, Trump, QAnon-Anhän­gern, Corona-”Schwurblern” usw. anhäng­te. Davor rück­te er den Täter Tobi­as Rath­jen und sei­ne psy­cho­ti­sche Welt­sicht unge­fil­tert und unkom­men­tiert ins Zen­trum. Wie­der­um bemän­gel­ten Kri­ti­ker die Unge­niert­heit, mit der er sein The­ma aus­beu­te­te, wäh­rend der Regis­seur selbst beteu­er­te, nichts ande­res als ein “Rea­list” zu sein.

Gegen­über dem Spie­gel erklär­te Boll, er wol­le vor “Rechts­extre­mis­mus” und “Ver­schwö­rungs­theo­rien” war­nen. Er insze­nier­te Rath­jen als in die­sem Fall wahn­haf­ten Möch­te­gern-Vigi­lan­ten, der ähn­lich wie San­ders im aktu­el­len Film dazu auf­ruft, den Main­stream-Medi­en kein Gehör zu schen­ken und zur Tat zu schrei­ten, in die­sem Fall gegen sata­ni­sche pädo­phi­le Eliten.

Ande­rer­seits publi­zier­te Boll im sel­ben Jahr ein Buch mit dem Titel War­um sich kei­ner mehr zu sagen traut, was wirk­lich ist, Unter­ti­tel: “Deutsch­land zwi­schen Can­cel Cul­tu­re, Poli­ti­cal Cor­rect­ness, und der neu­en Feig­heit, die Wahr­heit zu sagen”, und auch im Frei­lich-Maga­zin hat er sich mit einem Inter­view bli­cken lassen.

Dort zeig­te er sich als mode­ra­ter, Law & Order und kul­tu­rel­le Kom­pa­ti­bi­li­tät beto­nen­der Ein­wan­de­rungs­kri­ti­ker, und ver­wies auf sei­nen Film Run (2025), der als ers­ter Film über­haupt nicht nur die Stra­pa­zen der Boots­flücht­lin­ge auf dem Mit­tel­meer zei­ge, “son­dern auch, wie die­se Flücht­lin­ge Stress, Unru­he und Wohl­stands­ver­lust nach Euro­pa brin­gen.” Die­sen Film habe ich nicht gese­hen und kann dazu kein Urteil fällen.

Citi­zen Vigi­lan­te ist kein völ­lig schlech­ter Film. Im Gegen­satz zu ande­ren Boll-Wer­ken ist er gut pho­to­gra­phiert, flott geschnit­ten (von etli­chen über­lan­gen, red­un­dan­ten Sze­nen abge­se­hen), mit zwei, drei ein­präg­sa­men Sze­nen und einem ansehn­li­chen Haupt­dar­stel­ler, der aller­dings nicht all­zu viel zu tun bekommt.

In man­cher Hin­sicht han­delt es sich hier gewiß um einen “Mei­len­stein” und um einen kräf­ti­gen Tritt gegen das Over­ton­fens­ter. Auf man­che scheint er eine gera­de­zu opi­ati­sche Wir­kung aus­zu­üben, weil er trotz sei­ner man­gel­haf­ten Qua­li­tät gewis­sen unge­still­ten emo­tio­na­len Bedürf­nis­sen ent­ge­gen­kommt, als Rache­por­no oder juve­ni­le Erlösungsphantasie.

Es ist aber auch ein zwei­schnei­di­ges, sogar ein ein biß­chen ver­gif­te­tes Geschenk, das Uwe Boll, ein Mann der sei­nen Anti-Intel­lek­tua­lis­mus wie ein Ban­ner vor sich her­trägt, der ein­wan­de­rungs­kri­ti­schen Rech­ten mit die­sem Film gemacht hat.

Ich rate drin­gend davon ab, dar­aus einen “Kult­film” oder auch nur eine Mem-Mine machen zu wollen.

(Nach­trag 6. 7. : Die meta­po­li­ti­schen Aus­wir­kun­gen des Films sehe ich inzwi­schen etwas positiver.)

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (150)

Andreas J

25. Juni 2026 13:30

"Die rechten Multiplikatoren beißen reihenweise an, denn offenbar gilt es einen extrem politisch unkorrekten Film gegen “Zensur” und ähnliche Verhinderer in Schutz zu nehmen."Findet hier denn faktisch keine Zensur statt?

ML: Ein bißchen schon, aber jedermann kann den Film im Internet vie Streaming sehen, und so wird er ja auch von den allermeisten Zuschauern in den USA konsumiert.

RMH

25. Juni 2026 14:02

Mir fallen bei dem genannten Kontext der Vigilanten Filme auch die ersten Teile von "Mad Max" und die recht erfolgreiche Streaming-Serie "Dexter" ein.
Das "Recht in die eigene Hand" zu nehmen, kommt als "american way of life" natürlich auch in den Serien von Taylor Sheridan vor, dem ja auch eine gewisse Rolle am Erfolg der MAGA-Bewegung zugeschrieben wird.
Aber egal, soll ja kein Co-Referat werden, zumal ich den Film nicht gesehen habe. Boll scheint wohl ein Mensch zu sein, der gewissen Geschäftsfelder bedienen kann, bis vor 20 Jahren war er wohl am Steuerabschreibungsmarkt von sog. Filmfonds erfolgreich aktiv. Jetzt setzt er auf eine Exploitation-Welle. Und nachdem es bereits Blaxploitation, Sexploitation und Naziploitation und was weis ich für -ploitation Filme gab, macht er jetzt das Rightwingploitation Genre (oder, falls es das schon gibt, erschafft er besonders grelle Exemplare davon).
Man fragt sich nur: Was zur Hölle soll das Ganze mit "Rechts" zu tun haben? Warum feiern einige, die sich "Rechts" nenen, sowas ab? Für mich hat das so wenig mit Rechts zu tun, wie 150.000 in Nürnberg aufmarschierende Braunhemden.

Laurenz

25. Juni 2026 14:36

@ML ... danke erst mal für die Info überhaupt. Fand gleich 4 Filmkritiker (1er eher queer) auf YouTube, die alle keinen Zweifel daran lassen, wer Uwe Boll ist, aber den Film mehr oder weniger (2:2) gut finden. Unter dem I. Clip stand der Kommentar, daß es keine bessere PR für den Film gäbe, als "Haramstufe Rot" bei der FSK. Hier ist die 2. Film Besprechung. https://youtu.be/5VNRsGKZYBk Unter der queeren Filmkritik waren die Kommentatoren nicht wirklich nett zum Kritiker.

Paavo

25. Juni 2026 15:00

Wenn ein Film Kunst ist, und das ist ein Film, dann muß die Schwelle für Eingriffe besonders hoch sein. Denn die Kunstfreiheit genießt im GG einen höheren Stellenwert als die allgemeine Meinungsfreiheit, weil kein ausdrücklicher Gesetzesvorbehalt existiert.
Die eigentliche verfassungsrechtliche Frage lautet dann doch: Ist die Verweigerung einer Freigabe mit dem hohen Rang der Kunstfreiheit vereinbar, oder wurde hier übermäßig in die Freiheit künstlerischen Ausdrucks eingegriffen?

RWDS

25. Juni 2026 15:07

Kann an (Bolls) Anti-Intellektualismus nichts Verwerfliches entdecken. Gequatscht wurde lange genug. 

ML: Genau, jetzt müssen endlich dämliche Fantasy-Filme gedreht werden.

Mitleser2

25. Juni 2026 15:09

Sieht sich nicht die Antifa in einer ähnlichen Rolle, nur von der anderen Seite? Man muss nicht gleich die Weimarer Republik bemühen, aber irgendwann wird sich die Rechte der Frage stellen müssen, wie sie mit linker Gewalt umgeht. Und das ist völlig unabhängig von so einem Film. Beim Erfurter AfD-Parteitag wird man einiges sehen.

Andreas J

25. Juni 2026 15:24

Ohne das vermutlich erhebliche Risikopotenzial näher zu skizzieren, glaube ich, dass es kaum Kinobetreiber gäbe, die den Film zeigen würden. 
 

Ein gebuertiger Hesse

25. Juni 2026 15:32

Den letzten Satz des Artikels dreimal lesen everyone.

t.gygax

25. Juni 2026 16:50

Neuaufguss von "Ein Mann sieht rot,"1974 mit Charles Bronson.Nichts Neues unter der Sonne...aber: der erste Film, der die Migrantengewalt drastisch zeigt, und die nur in Amerika vorstellbare Antwort darauf.Antaios brachte vor genau 10 Jahren 2 Krimis zu diesem Thema heraus, die in Sachen Gewalt mehr als heftig waren( Chaos/ Der Aufstand). Aber eben nur fiktionale Wunschvorstellungen, wir sind in der BRD wehrlos. Und der Staat schützt uns nicht.Von daher ist der Film eigentlich Ablenkung....zur Gewalt: wenn im von meinen Steuern bezahlten Fernsehen um 20 15 Filme mit widerlich perversen Morden und Vergewaltigungen kommen, stört das niemand mehr.Ich habe vor 4 Jahren (leider!)einen  scheußlichen Magdeburger Polizeiruf 110 gesehen, der tat meiner Seele nicht gut.Die Bilder verfolgten mich noch lange  vor allem, weil es um Morde und Quälereien an Kindern ging....Und in der Szene, in der Bolls Filme angesagt sind, ist man etwas abgebrühter.....übrigens für den Schöngeist Lichtmesz und seine oft bekundete Bewunderung für eine Figur namens Werner Herzog: in der Woyzeck Verfilmung 1979, damals mit Kinski und Eva Matthes, zeigt Herzog das langsame Abstechen von Marie in Zeitlupe.....der hochgerühmte Werner Herzog hat genauso eine Affinität zum Zeigen von Grausamkeiten wie der offenbar etwas "kulturell niedriger" angelegte Boll..   

ML: "Genauso" ist stark übertrieben, und bei Herzog ist das immer wohldosiert und kein Selbstzweck.

Fordring

25. Juni 2026 16:59

"Ich rate dringend davon ab, daraus einen “Kultfilm” oder auch nur eine Mem-Mine machen zu wollen."
 
Ich rate dringend dazu.

Fordring

25. Juni 2026 17:06

@ML Warum haben Sie den zweiten Satz wegzensiert? Sie sind von allen Autoren hier der einzige, der bei polemischer Gegenrede sofort einen Trotzanfall kriegt.

Kositza: Wenn ich hier freischalte (tat ich in dem Fall) kürze ich Beleidigungen raus (die hier eh unzutreffend & peinlich waren, Sie könnten mir insofern dankbar sein) oder lösche auch mal ganze Kommentare. So läuft das hier.

ML: Ich mache das genauso. Und wer mir (und anderen) blöd kommt, wird mit Handkuß "zensiert".

Andreas J

25. Juni 2026 18:26

Elon Musk streamt den Film. Tja, FSK. 

Laurenz

25. Juni 2026 18:57

@Ein gebürtiger Hesse ... habe zum letzten Satz MLs, anders als Sie & @Fordring, überhaupt keine Meinung, weil ich darauf sowieso keinen Einfluß nehmen kann, auch vorab, nicht wirklich weiß, was richtig ist. Das Entscheidende hat Boll (in der von mir zitierten Filmkritik) Selbst gesagt. Nur Boll hatte die Eier, den Film so zu drehen, die Pussies (Bolls Kollegen) alle nicht (mal abgesehen von Kunst, flimisches Handwerk & Skript).

Heinrich Loewe

25. Juni 2026 19:26

Diese "Besprechung" ist ein dermaßener clusterfuck, daß ich gar nicht weiß wo anfangen. Kann man nicht EINMAL postiv sein und das Ganze zuallererst mal würdigen? Niemand redet von Kultfilm.
Es hat endlich mal einer die Eier gehabt, so einen brutal direkten, ehrlichen Film zu machen.
Frage trotzdem an den Film-Experten: Ist Das Heerlager Der Heiligen eigentlich verfilmbar? Das wäre höchste Zeit.

Kositza: Niemand redet von Kultfilm? Wo leben sie? Im ZDF?

ML: Ich finde nicht, dass das ein "ehrlicher" Film ist.

Majestyk

25. Juni 2026 20:28

Zensur in Deutschland ist nicht neu. Aufgrund von § 130 und § 131 wurde schon in meiner Jugend alles Mögliche beschlagnahmt. Was habe ich früher ein Heidengeld ausgegeben, um über Umwege an beschlagnahmte Filme zu kommen. Und die Zensur durch die Hintertür, diese infame Indizierung gibt es auch bereits seit 1961. Man soll auch nicht so tun als würden nur Linke zensieren, Rechte sind nicht besser, wenn es darum geht erwachsene Menschen erziehen zu wollen. Ich erinnere mich noch gut an die markigen Reden aus Reihen von CDU/CSU und an selbst ernannte Sittenwächter und Moralapostel. Solche Verhaltensweisen haben übrigens mit dazu beigetragen, daß die Jugend einst die Linken als cooler empfand. Art 5 GG ist ein Witz, wenn man sich mal Absatz 2 zum Gemüte führt. (2) "Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre." Damit kann ich alles und nichts begründen. Am Ende bleibt vom Zensurverbot nichts mehr übrig.

Monika

25. Juni 2026 20:45

Vielen Dank für diese nüchtern-sachliche Filmbesprechung! Die Realität ist viel härter. Der 17-jährige Louis wurde in Frankreich brutal zu Tode geprügelt. Wer harte Bilder braucht, findet die zu Genüge im Netz. Ich brauche sie nicht, um die Grausamkeit solcher Taten zu begreifen. Es gibt sicher andere Wege, diese Brutalitäten filmisch umzusetzen. Auch finde ich es nicht gut, mit solchen "ethnischen Schocks" das Overtonfenster nach rechts verschieben zu wollen. Wenn die Menschen nicht begreifen, was hier, in  sog. zivilisierten Ländern vor sich geht, dann hilft auch kein Brutalofilm. Eigentlich müsste man verstummen. https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/aus-aller-welt/migranten-zu-tode-getreten-lynchmord-louis-frankreich/

Majestyk

25. Juni 2026 21:09

In meiner Jugend las ich immer die Filmkritiken in der Tageszeitung. Viel Auswahl gab es nicht. Cinema oder ähnliches konnte ich mir fast nie leisten. Entweder Zeitschrift oder Eintrittskarte. Filmzeitschriften lasen wir am Zeitschriftenregal, zumindest immer so lange bis man uns wegjagte.
Der Kritik der Tageszeitung hieß Günter H. Jekubzik. Wenn der einen Film verriß, so ähnlich wie im legendär, berüchtigten Lexikon des Horrorfilms von Rolf M. Hahn und Volker Jansen, wußte ich genau, den Streifen mußt du sehen. Lobte er hingegen einen Film, war das eher ein Schnarchteil, wie später "Der englische Patient" oder diese französischen Filme, die in etwa so spannend sind wie trocknende Farbe auf der Wand. 
Uwe Boll ist normalerweise nicht meine Sorte Tee, aber wenn Herzogfan Martin Lichtmesz eher abrät, ist der Streifen fürs Wochenende gebongt. Auf Odnoklassniki gibt es das Teil übrigens kostenlos im Original. Auf Deutsch findet sich der Film nirgends und ist damit faktisch für alle Deutschen, die nur deutsch sprechen zensiert.

ML: Das ist doch Quatsch, es gibt eben noch keine deutsche Fassung.

Und wer zensiert hat Angst vor unbequemen Aussagen.
Der perfekte Vigilantefilm ist übrigens "The Exterminator" (1980). Da wird nichts relaiviert, dem Rächer auch kein Problem angedichtet, da wird der Oberbösewicht am Ende durch den Fleischwolf gedreht. Mir gefällt's.
 
 

Majestyk

25. Juni 2026 21:23

@ ML: 
"Ich mache das genauso. Und wer mir (und anderen) blöd kommt, wird mit Handkuß "zensiert"."
Ist OK. Sich dann aber bitte nicht beschweren, wenn man anderwo selber gecancelt wird. Entweder man ist für Redefreiheit oder nicht. Ansonsten kann man selbige abschaffen und dann gilt eben: Gesagt werden darf, was dem aktuellen König gefällt. Darauf läuft es im Netz und in den Medien ja auch hinaus.

ML: "Redefreiheit" heißt ja nicht, daß man dummdreist von jedermann fordern kann, nach Belieben auf seiner eigenen Plattform herumzupöbeln, und dann "Zensur" krähen, wenn die Pöbeleien gelöscht werden. Wer diese simple Unterscheidung nicht verstehen will oder kann, sollte lieber freiwillig den Mund halten.

Majestyk

25. Juni 2026 22:54

@ ML:
"Das ist doch Quatsch, es gibt eben noch keine deutsche Fassung."
Citizen Vigilante wurde sogar das SPIO/JK-Siegel verweigert. Damit kann er in Deutschland nicht vertrieben werden, nicht einmal wie früher indizierte Filme unter der Ladentheke. Das ist faktisch nicht nur ein Werbe-, sondern Vertriebsverbot. In der Form meines Wissens ein Novum. Einen Beschlagnahmebeschluß gibt es aber ebenfalls nicht, gegen den man mit Rechtsmitteln vorgehen könnte. Bleibt dem so, kann der Film in Deutschland nicht vertrieben werden. Es ist ein Verbot, ohne ein anfechtbares Verbot zu sein. Und wer soll nun bitte eine deutsche Sprachfassung fertigen, bei Kosten ab 60.000 Euro aufwärts? 
Selbst wenn, werden Sie den Film immer noch nicht in deutscher Sprache sehen können. Wer soll denn die deutsche Sprachfassung streamen und wozu? Ich streame auf deutsch für Deutsche und wenn ich das Produkt dort nicht anbieten darf, dann wird der Film nicht auf deutsch gestreamt. Der Rest der Welt schaut auf englisch oder in der Landessprache. Und was ist an meiner Aussage nun bitte Quatsch? 

ML: Es ist ja nicht einmal sicher, ob überhaupt eine deutsche Fassung geplant war.

Gracchus

25. Juni 2026 23:12

Für mich heißt das, ich schau mir den Film gar nicht erst an. 
@Majestyk: "Herzogfan"!
"Trocknende Farbe" - Zitate bitte kennzeichnen; das ist aus einem eher uninteressanten Arthur Penn-Film, konkret gemeint: Rohmer. 
Beide, Herzog + Rohmer, absolute Regiehelden. 

ML: Aber "Night Moves" ist schon sehr gut!

nom de guerre

25. Juni 2026 23:24

@ Majestyk
"...wird der Oberbösewicht am Ende durch den Fleischwolf gedreht." Das hat, wenn ich mich richtig erinnere, Tony Soprano auch mal mit einem seiner Mafiafeinde gemacht. Und Fritz Haarmann im echten Leben. Ist das für Sie ein Zeichen (filmischer) Qualität?
 

Laurenz

25. Juni 2026 23:51

@Majestyk & Heinrich Löwe ... Unterscheiden Sie, was Sie wollen. Ich formuliere immer dementsprechend. Wollen Sie 1., daß alle SiN-Interessierten Ihren Beitrag lesen oder wollen Sie 2., der Redaktion die Meinung geigen, abseits der Frage zu Recht oder Unrecht? Sie können in beiden Fällen davon ausgehen, daß die Redaktion Ihren Kommentar liest. Besonders treffend tut es weh, wenn Ihre Beweisführung offenkundig ist. Das muß dann auch kein SiN-Leser mitbekommen. Wenn Sie das anders wünschen, machen Sie einen Eigenen Blog auf, ziemlich aufwendig & gefährlich in Deutschland. Nochmal, unterscheiden Sie, mit wem Sie in unserem Lager konfrontierend kommunizieren wollen, mit dem Leser oder mit dem Autor.

ML: Wer höflich bleibt, darf hier alles sagen! Außer er geht mir sonstwie auf den Sack...

Majestyk

26. Juni 2026 01:28

@ Gracchus:
"Zitate bitte kennzeichnen"
Sie haben es doch trotzdem rausgefunden. Gibt aber kein Fleißkärtchen. Ich dachte, Sie hätten Rechtsverdreherei studiert und nicht Lehramt? Geht das jetzt als witzig durch oder muß ich die Antwort neu abfassen?
"Beide, Herzog + Rohmer, absolute Regiehelden."
Ja, für Leute, die auf stinklangweilige, snobistische Filme stehen, im Fall von Herzog zudem pathetisch und selbstverliebt. Herzog hat aber wenigstens noch Punch und einen absoluten Wiedererkennungswert. Filme von Rohmer sind so ziemlich das unmännlichste was je auf Zelluloid gebannt wurde. Kein Wunder, der Mann war bekennender Feminist. Achtung, abgewandeltes Zitat von Danisch "Welcher Mann schaut sowas?"

ML: Ich lach mich grad schlapp über das "snobistisch" und "unmännlich".

Um Independent-Filmer wie Boll richtig zu bewerten, muß man sich auch mal die Budgets anschauen. Erfolg scheint Citizen Vigilante zu haben. Bereits fast 70 Mio. Dollar eingespielt, bei 9 Mio. Produktionskosten. Über Actionfilme mögen manche ja müde lächeln, aber Populärkultur erreicht mehr Menschen als Podiumsdiskussionen oder Hochliteratur. Ich freu mich immer, wenn sich hierzulande das Establisment genötigt sieht etwas zu verbieten oder zumindest zu verfolgen, wie „L'amour toujours“ und an den eigenen Lügen erstickt.

EddyNova3122

26. Juni 2026 02:30

Vielleicht wollte UWE BOLL einfach nur einen Patria Mainstream Film drehen der wenig Synchronisation erfordert. Bei aller Kritik die ich partiell nachvollziehen kann kommt bei diesem Topic Boll's Hang zum Tabubruch bestens an.
Die beste Szene war die Rechtfertigung der Muselmanen - sie zeigt das Allahs Frauen alles andere als schuldlos sind. Diesse Perspektive war wirklich ein Alleinstellungsmerkmal des summiert durchaus gelungenem Film.
Das verrückte FSK Theater zeigt die Dummheit der Staatsorganisationen - Streisand -Effekt par excellence ! Voll in die Falle getappt : die Bilder des Film waren sicher nicht entscheidend für die FSK Verweigerung - wäre dem so ,wären Videotheken Regale leer.
Es war der Text - die Angst eine Übersetzung könnte diesen inhaltlichen Aspect noch verstärken ,faktisch das meines wissens erste de facto Verbot aus politischen Gründen fern der Shoa. FREE SPEECH - hier gilt der Dank Elon Musk der den Angriff der Schergen 'Unserer Democratia' ad absurdum

Mitleser2

26. Juni 2026 08:29

Führt eigentlich Antizionismus automatisch zur Relativierung des Islam? Denn darum geht es doch: Islamistische Migrantengewalt, und wie damit umzugehen ist. Dazu passt dann auch Benedikt Kaiser auf X: "Über prinzipielle Islamfeindschaft brauchen wir nicht reden, eh Schwachsinn". Da kann Sellner seine Remigration gleich vergessen.

Gracchus

26. Juni 2026 09:15

@Majestyk: Sie wollten sich mit fremden Federn schmücken - ist das etwa männlich? (Kommt wohl von Ihrem CDU-Hintergrund.)
Ich vermute, für Sie ist die gesamte europäische Kultur unmännlich, ich vermute, männlich ist in Ihren Augen nur, was eine Knarre hat und damit rumballert.
Rohmer war kein bekennender Feminist, sondern bekennender Katholik. Seine Filme erkennt man nach drei Sekunden. "Welcher Mann schaut sowas?" - solche zum Beispiel, die ihre Männlichkeit nicht durch markige Sprüche beweisen müssen. 
@ML: Mich, obwohl Noir-Fan,  hat "Night Moves" nicht so vom Hocker gerissen. 
 
 

RMH

26. Juni 2026 09:30

Irgendwie kommt mir der Film wie eine Art Porno vor, der Phantasien bedienen will. Wenn man das Werk jetzt zum Kult & zur Meme-Mine macht, wirkt das ein bisschen so, als ob man in alle Welt herausplärrt, ich habe auf den oder jenen Porno besonders gut onaniert. Und jeder, der darauf hinweist, dass man doch nicht mit seinen Wixphantasien hausieren geht, wird dann als prüder Klosterzögling verhöhnt.
Das Beste wird sicher noch kommen: Der Herr Boll kann jederzeit sagen, dass er mit seinem Film die Vielzahl an Rechten in der Gesellschaft am besten entlarven kann, in dem er ihnen ein Luder hinlegt, welches sie mit heruntergelassenen Hosen wie Exhibitionisten hinter den Büschen hervorspringen lässt. Am Ende kann er sich als der große Demaskierer & Aufklärer darstellen &  das, worauf es ihm ankommt, dass die Kasse klingelt, läuft nebenbei ungestört oder noch besser weiter. Es bleibt dann nicht bei 15 Minuten Ruhm.
PS: Entschuldigung für die sexualisierte Beschreibung. Es geht mir hier nicht um Sexualisierung, sondern um Mechanismen, die damit gut umschrieben werden können und der Vergleich liegt dann nah.

Mitleser2

26. Juni 2026 11:06

@RMH: geht's nicht etwas weniger pathetisch?
Die Rechte muss Mittel gegen die Antifa und deren Durchdringung der Gesellschaft finden. Dazu gibt es viele Wege. Einen davon niederzumachen ist nicht hilfreich.

Paavo

26. Juni 2026 11:09

Ein Film erlangt aus sich heraus, dazu der passenden Zeit und den herrschenden Umständen, Kultstatus oder eben nicht. Ich bin mir sicher, daß dieser Film Kultstatus erlangen wird. Ebenso wie damals "Ein Mann sieht rot" mit Charles Bronson, der nun ohne Frage auch nicht als filmisches Meisterwerk daherkam. Die Mahnung von Herrn Lichtmesz, ihn nicht zum Kultfilm zu machen, ist absurd. 

ML: Ich glaube nicht, dass es einer wird, ich rate eher davon ab, so zu tun, als wäre es bereits einer oder würde es einer.

RMH

26. Juni 2026 11:28

@Mitleser2, bitte mein "PS" zu meinem Beitrag nicht übersehen. Ich sehe hier nichts Pathetisches, sondern einen Wirkmechanismus und bitte nie übersehen, dass der gute Herr Boll mit hoher Wahrscheinlichkeit zwar vieles, aber sicher kein Rechter ist, der gerade Patrioten mit seinem Film einen Dienst erweisen wollte. Sein "Hanau" Film ist das abgeschmackte Gegenteil von einem Mittel gegen die Antifa. Filme wie diese, sind kein Dienst für Patrioten, eher ein Bärendienst.
Aber Hauptsache, die Kasse klingelt weiter bei Herrn Boll.

Laurenz

26. Juni 2026 12:26

@RMH ... Mitleser2 wird Ihnen gegenüber schon Recht haben. Die KI behauptet, die Produktionskosten von Citizen Vigilante seien nicht veröffentlicht worden, bat aber darum, Quellen zu nennen, wenn ich denn welche hätte. Boll beklagt generell den Finanzierungs-Zusammenbruch im Indi-Film-Genre. Man drehte, um Kosten, wie Steuern zu sparen, in Kroatien. Ein paar wenige Mio. wird der Film schon gekostet haben, heißt, Boll wird also einen oder mehrere, vielleicht auch politisch überzeugte Investoren gefunden haben. Glauben Sie ernsthaft, Boll erhält irgendwo Mittel aus einer Filmförderung, sprich aus Steuergeld? Die KI zweifelt übrigens auch die 67 Mio. $ Einnahmen an. Hier handele es sich um einen Internet-Fehler, der einfach übernommen wird. Der Film läuft seit dem 19.06. nur in wenigen Kinos (Limited Edition). Da Boll mit der Einwilligung von Musk den Film gratis auf X stellte, erhält Boll keinen Centavo für die Ausspielung auf X. Selbst wenn man den Film im weiteren Sinne als "rechts" einordnen wollte, wollen Sie Rechten ihre Sehnsüchte verbieten? Bei uns ist doch ML der Film-Pro. Ich gehe davon aus, daß ML Ihnen ein paar "linke" Lichspielstreifen liefern kann, für die Ihre Attribute genauso zutreffen, aber vom Steuerzahler finanziert wurden.

demeter

26. Juni 2026 12:38

Ich habe das jüngste Machwerk von Boll noch nicht in Gänze gesehen aber wenn man sich an seine bisherigen cineastischen Ergüsse erinnert, dann besteht sehr wenig Hoffnung auf einen filmischen Genusshappen.
Wie bei allen Themen, gibt es beim Thema "Vigilante" gute und weniger gute Werke und auch solche, die man sich komplett sparen kann. Und nicht jeder unterbudgetierte Film hat einen George Miller als Regisseur und Drehbuchautor, der das Thema estklassig bedient.
Martin Lichtmesz hat vollkommen Recht: Nur weil einem das Thema so dringend behagt, sollte man einen Film nicht auf eine Ebene heben, wo er einfach nicht hingehört.
Wer Herrn Lichtmesz's Lichtspielführer kennt, weiß, er ist ein echter Enthusiast undhingebungsvoller Liebhaber von Filmkunst. Hier mit der Betonung auf Kunst. Und dazu gehört soviel mehr als nur das Thema. Schnitt, Kamera, Tonality, Musik und natürlich sowieso die Darsteller und soviel mehr.

cubist

26. Juni 2026 13:00

Nach oberflächlicher Twitter/X-Sichtung des Films kann ich persönlich Herrn Lichtmesz zustimmen. Es ist kein superschlechter Film, aber auch nichts, wofür man Lebenszeit aufwenden müsste. Ob der Film rechts ist, überlasse ich anderen (das interessiert mich bei (Film-)Kunst i. d. R. nicht). Immerhin, er hält das Thema ein wenig am köcheln & die Mechanismen der medialen Empörung zu beobachten ist amüsant ... . Was mich aber etwas wundert: Wie verhält sich Lichtmesz' Verdikt "Uwe Boll, ein Mann der seinen Anti-Intellektualismus wie ein Banner vor sich herträgt" dazu, dass der gute Uwe sehr sehr gern mit seinem akadem. Grad kokettiert (sogar den offenen Brief, siehe Berliner Zeitung oder TE, an die FSK hat er mit "Dr. phil" gezeichnet). Ich denke, Bolls Schaffen ist eher (auch) mit gekränktem Narzissmus zu erklären als mit bloßem Hass auf das intellektuelle Establishment. (Ich gebe aber gerne zu, dass sich das überschneidet. Boll will vermutlich ein intellektueller Anti-Intellektueller sein. Das dumme ist, wenn ich mir Sprache und Stil seines offenen Briefes, die Dissertation habe ich nicht gelesen, und seiner Filme ansehe, und seiner Filme anschaue, dass er beides handwerklich nicht wirklich sauber beherrscht.)

dojon86

26. Juni 2026 13:34

@RMH Glänzend formuliert. Ich hatte nach der Lektüre der Lichtmeszschen Kritik ein ähnliches Gefühl, fand aber keine passenden Worte.

Herr K aus O

26. Juni 2026 13:48

Jetzt bin ich fast neugierig geworden. Aber: Horror habe ich seit dem Spiel gegen Ecuador genug. Für Musk ist das aber auch ein kleines Geschäftchen: Will man den Film runterladen, muss man einen Bezahlaccount haben.

Beta Jas

26. Juni 2026 14:33

Soweit ich den Film beurteilen kann, handelt es sich bei dem Streifen eben um ein Produkt von Uwe Boll, der mit dem Film alles und jeden verunglimpfen und diskreditieren will.
Dass es tatsächlich Leute in Europa und Nordamerika geben soll, die den Streifen als "heiße Ware" ansehen und nicht begreifen, was der Film eigentlich will, ist beeindruckend peinlich. Aber Alfred Tetzlaff hat schließlich auch seine Anhänger, obwohl die Figur sich über sie lustig macht.

Majestyk

26. Juni 2026 14:34

@ nom de guerre:"Ist das für Sie ein Zeichen (filmischer) Qualität?"
 
Nö, aber es hat einen kathartischen Unterhaltungswert.
Sopranos habe ich nie gesehen, schaue fast gar keine Serien. Gerne mal alte britische Krimis wie Poirot, Marple (Joan Hickson), Sherlock Holmes (Jeremy Brett) oder Sitcoms wie "Scrubs" oder "Two and a Half Men". Die einzige jener gepriesenen Wunderserien, die ich tatsächlich ganz gesehen habe, war "The Shield". Die war aber tatsächlich großartig. Generell sind Serien, Streaming und Digitalisierung der Tod des Kinos. 
 

Beta Jas

26. Juni 2026 15:06

@Majestyk
Der Exterminator?
Der Spielfilm ist durch und durch "politisch korrekt“. Was mit der Rassenkombination beginnt. Ein Weißer und ein Schwarzer kommen zurück aus dem Vietnamkrieg und arbeiten gemeinsam in einem Getränkelager. Der Schwarze wird später von einer Jugendbande in einem heruntergekommenen Stadtteil von New York von hinten angegriffen und so zusammengeschlagen, dass er querschnittsgelähmt im Krankenhaus liegt. Sein Kamerad macht einen Rachefeldzug durch New York, bringt die Jugendbande sowie einen Mafioso um und tötet einen Perversen, der sich an einem Jüngling in einem dreckigen darauf spezialisierten Club vergreifen wollte. Der Film beschreibt einen Rachefeldzug gegen das allgemeine Unrecht in New York, ungeachtet der Frage welche suppressiv soziologischen Aspekte von links seit den 60ern betrieben werden.
Natürlich darf zum Schluss keine Luftaufnahme von dem Stadtbild New Yorks mit der Freiheitsstatue fehlen. 
Ich kenne den Film und finde ihn wegen dem Zeitgeist und den Farben, die zusehen sind, interessant. Aber auch weil in ihm eine Selbstjustiz als "legitim" verkauft wird, was ich so gefährlich finde.

Gracchus

26. Juni 2026 15:22

Der Stoff liegt in der Luft. Habe mich schon gefragt, wann den jemand aufgreift. Aber nicht so einfach, stelle ich mir vor. Man will ja keinen Thesenfilm; dann fokussiert ein Film auf Einzelschicksale, auch ein Problem; in dem Buch Familie Gottmann war das nicht schlecht - durch Überdrehtheit, durch Spiel mit Klischees - gelöst; das eignet sich auch hervorragend für eine Verfilmung.
Zu erinnern ist, dass Kleists Kohlhaas auch eine Vigilante-Story ist. Kleist hielte ich überhaupt für geeignet, den Stoff diskurssprengend zu bewältigen.

Kurativ

26. Juni 2026 15:42

Gut zu wissen. Es gibt solche Produkte, welche beim ersten kurzen hinschauen valide und nützlich erscheinen, dann aber sich ins Gegenteil verkehren. Interessanter sind dienigen Impulse, welche zunächst einfach und unwichtig erscheinen und dann immer interessanter werden. Nachdem ich einen Haufen Filme gesehen habe, bietet Filmkunst keine Freude. Man ist dem zu sehr ausgeliefert. Eine Oper auf Schallplatte hat mehr zu entdecken. Wie zum Beispiel Cosi Fan Tutte von Mozart.

Majestyk

26. Juni 2026 16:07

Teil 1/3
@ Gracchus:
"Sie wollten sich mit fremden Federn schmücken - ist das etwa männlich?
Habe ich gar nicht nötig. Ich gehöre ja auch nicht zur Fraktion, die zur Unterstützung der eigenen Argumentation Referenzwerke benötigen. Ich bin kein Student, Akademiker oder Intellektueller. Ich schreibe wie ein normaler Mensch aus dem Bauch heraus.
"(Kommt wohl von Ihrem CDU-Hintergrund.)"
Haben Sie schon mehrmals behauptet. Verstehe zwar nicht, warum Sie als Katholik so ein CDU-Feindbild haben, aber ich war nie CDU-Wähler. Außer einmal bei einer Kommunalwahl und da habe ich noch verloren.. Ich glaube auch nicht, daß ich mich wie ein ehemaliger CDU-Wähler anhöre. 
"Rohmer war kein bekennender Feminist, sondern bekennender Katholik."
Wenn ich jetzt sage, daß dies die Sache nicht gerade besser machen würde, bekomme ich bestimmt Ärger, oder?
Was Sie schreiben stimmt aber auch nicht. Rohmer kritisierte das ominöse Patriarchiat, legte Wert auf weibliche Perspektiven, zeigte schwache Männer. Rohmer machte Filme für Frauen, nicht für Männer, siehe z.B.  hier.
Fortsetzung folgt.

Majestyk

26. Juni 2026 16:09

Teil 2/3
Mir erzähle keiner, französische Autorenkino sei nicht in weiten Teilen feministisch und generell links. Wer darin weder Feminismus noch linke Ideologie findet, sollte seine Prägung hinterfragen. Wenn ich mir Filme anschaue, in denen Männer mit Frauen die Macht in Beziehungen aushandeln, ist das zutiefst unmännlich. Wenn eine Frau sagt, "in unserer Beziehung entscheiden wir beide" und der Mann dem zustimmt, hat der Mann sich bereits untergeordnet. Eine traditionell geführte Beziehung zwischen Mann und Frau ist alles Mögliche, aber niemals eine Demokratie. 
Ich als Mann muß keine weibliche Sichtweise einnehmen. Meine Sichtweise ist männlich und daran ist nichts verwerflich. Dass Männer sich haben einreden lassen, sie müssen sich einer weiblichen Sicht anpassen ist Ursache des Dilemmas. Ich konsumiere keine Kunst, die Männlichkeit negativ darstellt. Maskulinität erreicht man durch eine maskuline Lebensweise. Dazu gehören auch maskuline Rollenvorbilder und keine dressierten Männer. Im modernen Film fehlen echt männliche positive Rollenvorbilder fast komplett (OK, in den USA gibt es derzeit ein leichtes Revival, siehe Taylor Sheridan), im realen Leben meist ebenfalls, siehe auch vaterlose Gesellschaft. 

Majestyk

26. Juni 2026 16:33

Teil 3/3
Der Film "Junior Bonner" ist z.B. ein sehr männlicher Film. Dort fällt kein einziger Schuß, abgesehen von Startschüssen beim Rodeo. Ein Mann zu sein ist toll, genau das sollten Filme für Männer auch zeigen, ist aber verloren gegangen. 
Ein Mann muß nicht gewalttätig leben, aber er muß fähig sein seine Frau und seine Familie beschützen zu können. Frauen sind auf entsprechende Männer genetisch programmiert. Seine eigene Frau nicht notfalls beschützen können ist unmännlich. Da können Sie mich nun auslachen oder auf mich hinuntersehen so viel Sie wollen. Daran fehlt es derzeit. Deutsche Männer schützen ihre Frauen und Kinder ungenügend. Deutsche Männer schützen auch die eigene Nation nicht mehr. 
Ich versuche das schon seit Jahren unterzubringen. Linke Ideologien richten sich doch nicht bloß gegen bestimmte Personenkreise, Kapitalisten oder alte, weiße, toxische Männer, sie richten sich gegen den kompletten Lebensraum, sie machen schwach.
Der Feminismus attackiert ja nicht nur toxische Männlichkeit, sondern stellt Abstammungsregeln infrage, siehe Namensrecht. Linkes Denken ist wie eine Abrißbirne. Wenn sich linkes oder feministisches Denken zu sehr ausbreitet, dann ist das so als würde man die Stadtmauern niederbrennen, das Zeughaus und den Kornspeicher. Straftäter laufen frei herum, Drogen werden legal verkauft, es herrscht Sodom und Gomorrha. Am Ende ist man Übernahmereif.

Majestyk

26. Juni 2026 16:35

@ RMH:
Ich wußte gar nicht, daß Sie Puritaner sind.

heinrichbrueck

26. Juni 2026 17:18

"The vile behavior of our antiwhite enemies must not contaminate us. There is no “tit for tat” in this struggle. There is us, struggling for what is right by moral (if sometimes stern) means. This is how we will save our race." (Kommentariat: https://counter-currents.com/2026/06/citizen-vigilante/)
Sanders scheint als Projektionsfigur angelegt worden zu sein. Werden auch Politiker angegriffen? 

Majestyk

26. Juni 2026 17:47

@ Mitlesr2:
"Führt eigentlich Antizionismus automatisch zur Relativierung des Islam?"
 
Ja. Frei nach dem Motto, der Feind meines Feindes ist mein Freund. 
Ich finde es sehr befremdlich, daß ausgerechnet ich als kulturloser Liberaler und katholischer Renegat seit Jahrzehnten gegen Islam, Kopftücher, Moscheen, Minarette, Muezzine, islamische Kulturvereine wettere und dafür einen auf die Mütze bekomme, Vollblutpatrioten aber kein Problem mit Palidemos und Dönerbuden haben. Muß man sich reinziehen, 25 Jahre Krieg gegen islamischen Terror inklusive Abschaffung vom Bankgeheimnis sowie Finger im Popo am Flughafen und gleichzeitg massiver Muslimenimport und 20 Jahre Proklamation "Islam gehört zu Deutschland.". 
Kein Tag ohne muslimische Ausländergewalt und hier debattiert man ob so ein Actionstreifen satisfaktionswürdig ist.

heinrichbrueck

26. Juni 2026 19:01

"Zu erinnern ist, dass Kleists Kohlhaas auch eine Vigilante-Story ist. Kleist hielte ich überhaupt für geeignet, den Stoff diskurssprengend zu bewältigen."
https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Kohlhaas_(2013) 
Mads Mikkelsen war nicht schlecht. Mußte natürlich ein Franzose verfilmen.
Kann ein Mensch für Gerechtigkeit kämpfen, ohne selbst ungerecht zu werden? Ist die Frage richtig gestellt? Wer darf sich die Hände nicht schmutzig machen? Die Weltgeschichte zeigt eine Zweigleisigkeit (eine Art Arbeitsteilung), eine Seite macht sich die Hände schmutzig, die Führung bleibt im Rahmen der Ordnung. In der Novelle MK ist die Führung nicht sauber. 

Beta Jas

26. Juni 2026 19:09

@Mitleser2
Antizionismus ist keine Relativierung sondern einfach Unsinn und auch entlarvend, denn dahinter steht meistens Antisemitismus und eben nicht die "altbekannte linksradikale Kritik" am US-Imperialismus und dem damit gezeichneten geopolitischen Bild, das Israel ein "Flugzeugträger" dieser Politik im nahen Osten wäre. Von Israel könnte man viel lernen und es als Referenz nehmen, denn die Staatsräson Deutschlands will ein Land geschützt sehen, das rechte Politik macht. Bitte hab grundsätzlich nichts dagegen.

Laurenz

26. Juni 2026 19:14

@Alle ... in diesem Artikel bei Tichys ist der direkte Link zum Film auf X. https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/citizen-vigilante-x-zensiert/

Laurenz

26. Juni 2026 19:20

@Herr K aus O ... Ich besitze nicht mal ein X-account & hatte vorhin den Film mit dem Link aus Tichys laufen lassen.

RMH

26. Juni 2026 19:38

Ich wußte gar nicht, daß Sie Puritaner sind.
@Majestyk, bin ich auch nicht und ich habe diesen Einwand auch bereits in meinem obigen Beitrag #26. Juni 2026 09:30 antizipiert.

Ein gebuertiger Hesse

26. Juni 2026 19:41

@Majestyk
"Der Film 'Junior Bonner' ist z.B. ein sehr männlicher Film. Dort fällt kein einziger Schuß, abgesehen von Startschüssen beim Rodeo. Ein Mann zu sein ist toll, genau das sollten Filme für Männer auch zeigen, ist aber verloren gegangen."
Schöner Hinweis, volle Zustimmung. Und aber auch die Frauen sind stark in dem Film - Ida Lupino etwa als Steve McQueens Mutter.
Kennen Sie den? Spielt auch im Rodeo-Ambiente und hat nen ähnlichen inneren Antritt.

RMH

26. Juni 2026 19:55

Da der Film barrierefrei zugänglich ist, habe ich ihn mir angesehen. Wer es auch tun will, braucht keine Angst davor zu haben, dass es keine deutsch-synchronisierte Fassung gibt & nur die englische. Die Sätze sind allesamt recht simpel & man kann auch mit normalen Englisch-Kenntnissen sehr gut folgen. Die Besprechung von @M.L. trifft alles sehr gut & lässt den Film eigentlich handlungsdichter erscheinen, als er es ist, denn er hat meiner Meinung nach seine echten Längen. Da man nicht mehr groß "spoilern" kann: Die Szene des großen shoot-outs mit den Polizeikräften ist geradezu lächerlich irreal. So doof sind ja nicht mal "unsere" Bullen. Komplette, hanebüchene Phantasie ist es, wenn ausgerechnet TV-Nachrichten fast schon positiv den Vigilanten begleiten & eine Faktenunterlegung (!) für sein Tun liefern. Die stärkste Szene ist die Schlussszene, die Abrechnung in der MiHiGru Wohnung, auch hier liegt M.L. richtig. Die Gesamtqualität des Films ist (nicht die Bildqualität, die ist HD) aber unterirdisch & ohne die gute Leistung des Hauptdarstellers, der immerhin Profi-Schauspieler ist, wäre es rein gar nichts geworden. An die Klassiker der Selbstjustiz- Filme mit Charles Bronson und die Dirty Harry Reihe kommt der Streifen nicht einmal ansatzweise heran & die Filme waren letztlich auch keine cineastischen Höchstleistungen. Eine Rechte macht sich lächerlich, wenn sie auf den Film referiert oder meint, daraus Vorteil ziehen zu können.

Gracchus

26. Juni 2026 21:05

Da ich mir gleich einen Film ansehen will - nicht Rohmer (den aber vielleicht danach), sondern Martial Arts - nur kurz @Majestyk:
1. Irgendwie erinnern Sie mich an Leute, die, wenn man ihnen gesagt hat, man höre auch mal Klassik, "wie unmännlich" ausgerufen haben. Ihr Maskulinitäts-Plädoyer in allen Ehren, dies dient aber kaum als künstlerische Massgabe. Für positive Männerbilder können Sie meinetwegen  Ratgeber zur Hand nehmen. Mich langweilen eben Filme, in denen alles vorhersehbar ist und Rollenmuster bedient werden, statt von facettenreichen - mindestens ambivalenten - Figuren zu erzählen und Dinge offen zu lassen. "Junior Bonner" kenn ich nicht, aber die Filme von Peckinpah, die ich kenne und gut finde (The Wild Bunch, Getaway, zwei Spätwestern), vermitteln mir keine männlichen Rollenvorbilder - im Gegenteil! 
 

Gracchus

26. Juni 2026 21:18

@Majestyk:
2. Wenn Frauen, wie Sie sagen, so programmiert sind (gruselige Vorstellung), dass sie im Mann den Beschützer wollen, und Sie als Mann diese Rolle ausfüllen, schließe ich daraus, dass Sie Held sich nach deren Erwartungen richten und nach deren Pfeife tanzen. Wie man aus einem der vorherigen Stränge lernen konnte, können Sie dafür der größte Nerd sein, wenn Sie nur die richtige Technik haben, die ihre Familie schützt; Sie können auch Bodyguards anstellen; in Ihrer Fantasie brennt dann die Frau mit dem mittellosen, aber geilen Bodyguard durch, klar.  

Gracchus

26. Juni 2026 21:36

@Majestyk
3.  "Ich habe es nicht nötig ..." schrieb er und verlinkte - auf einen Beitrag, dem ich kein feministisches Bekenntnis Rohmers entnehmen kann. Dass er mal eine Kamerafrau eingesetzt hat? Unter Bekenntnis verstehe ich: "Ich bin Katholik!" Oder "Ich weiß nicht, ob ich rechts bin, aber eines ist sicher: Ich bin nicht links." Das hat Rohmer tatsächlich gesagt. 
Zugegeben stehen oft Frauen im Mittelpunkt, aber obwohl viel geredet wird, nie über Feminismus, kein gender-pay-gap wird bejammert, ihr Begehren ist heterosexuell, und die erotischen Wirrungen führen nie zu Zweifel an der weiblichen Identität. Ich sehe auch nicht, dass alle Männer als schwach dargestellt würden und Frauen als stark; was stark und schwach ist, verschiebt sich eh. Es kriegen auch eher die intellektuellen Typen ihr Fett weg. Rohmer ist Moralist in der französischen Tradition. 
Wie bei allen Kunstwerken, die mich beeindrucken, kann ich auch bei Rohmer nicht genau sagen, warum. Es ist eine unbekannte Ingredienz. 
 

Laurenz

26. Juni 2026 21:51

@RMH ... den Ton empfinde ich auf X als extrem leise. Es ist aber berechtigt, daß ML uns den Film vorgestellt hat. Es geht nicht darum, ob Boll mit wenig Geld mit mehr teuren Produktionen mithalten kann oder nicht. Es geht schlicht nur um die FSK & die Darstellung einer Realität, die verhindert werden soll. Daß der Film, wie tausende andere Ami-Schinken einen Rächer als Quasi-Superhelden installiert, der mit irgendeiner Realität nichts zu tun hat, ist der filmisch fiktionale Normalzustand in diesem Gewerbe.

FraAimerich

26. Juni 2026 22:04

@RMH: "Eine Rechte macht sich lächerlich, wenn sie auf den Film referiert oder meint, daraus Vorteil ziehen zu können."
 
So ist es. Den eigentlichen Vorteil dürften jene ziehen, die das Filmchen als "authentische" rechte Rächerphantasie ausgeben können. Um so verstörender und wenig hilfreich, daß einige "Traumatisierte" sich offenbar wirklich mit diesem Aleph-Rüden-Trash identifizieren mögen.

Rheinlaender

26. Juni 2026 22:04

@RMH
Sie liegen mit Ihrem Pornovergleich richtig. Solches Material spricht die niedrigsten Aspekte der Natur des Menschen an und korrumpiert den Betrachter, indem es ihn durch manipulative Darstellungen dazu bringen will, Kontrollverlust emotional zu bejahren. Real wirkt die entsprechende Tat aber nicht kathartisch, sondern der Täter geht daran zugrunde oder verwahrlost über seinen Verbrechen. Es gibt einen guten, gerechten Zorn, aber dieser ist nicht auf blinde Entladung und das Abreagieren von Trieben ausgerichtet, sondern auf die Beseitigung eines Missstands und darauf, nüchtern das Notwendige tun. Eine verantwortlich handelnde Führung schlägt hart drein, wenn sich derart zersetzender Dreck in den eigenen Reihen verbreitet.

Majestyk

26. Juni 2026 22:12

@ Ein gebürtiger Hesse:
"Kennen Sie den?"
Ja klar, dennoch danke. Filme von Nicholas Ray sind meistens interessant und Robert Mitchum war eh immer einer meiner Lieblinge. 
Kenne spontan noch drei weitere interessante Filme im Rodeo-Milieu. 
When the Legends Die mit Richard Widmark, hieß bei uns Die Legende vom Killer Tom oder The Honkers/ Sein letzter Ritt mit James Cobunr, beide von 1972. Bekannter ist sicher The Electric Horseman/ Der elektrische Reiter mit Robert Redford von 1979.
Ida Lupino ist immer toll. 
Um etwas klarzustellen. Ich mag starke Frauen, liebe Frauen. Mag auch die Gesellschaft von Frauen. Was ich nicht mag sind Lügen und Ideologien. Noch weniger mag ich es, wenn behauptet wird, es habe nie eine mediale Umerziehung stattgefunden. Dabei können kommunistische Filme kaum ideologischer gewesen sein, als dieses westliche von 68er Ideen dominierte Kino, nur war es bei uns halt nicht so offensichtlich, sondern eher so hintenrum und knalliger verpackt.

Laurenz

26. Juni 2026 22:39

Falls wen interessiert, hier ist ein Interview mit Boll https://www.tichyseinblick.de/video/interview/uwe-boll-citizen-vigilante-zensur-im-kino/

Majestyk

26. Juni 2026 22:45

@ Gracchus:
Ich liebe klassische Musik. Die zwei ersten CDs, die ich erworben habe waren Werke von Mendelssohn und Verdi. Früher ging ich auch gerne zu Sinfoniekonzerten und war auch einige Male in der Oper.
Wenn Sie sich hinstellen und behaupten erwachsene Frauen würden keine maskulinen Männer zu bevorzugen, geht das an der Realität vorbei. Fehlende Maskulinität und Erwachsenheit kann man nicht mit Geld ausgleichen, auch nicht mit gekauften Bodyguards. 
Wir können ja hier nicht so ganz frei debattieren, sonst würde ich gerne mal ergründen, warum Sie sich derart angegriffen fühlen, nur weil ich bestimmte Filmemacher als links oder feministisch bezeichne. 
"We're not gonna get rid of anybody! We're gonna stick together, just like it used to be! When you side with a man, you stay with him!" - William Holden als Pike in The Wild Bunch. Wenn das kein Kodex ist, der Sie berührt, dann finde ich das traurig. Warum schauen Sie Western, wenn Ihnen die vermittelten Ideale nicht gefallen? 

Majestyk

26. Juni 2026 22:51

@ Laurenz:
"Es geht schlicht nur um die FSK & die Darstellung einer Realität, die verhindert werden soll."
Genau so ist es. Kleine Anmerkung, die IMDb listet als Herkunftsländer Kroatien und Deutschland. 

RMH

26. Juni 2026 23:09

In der Serie Dexter sagt der ermittelnde FBI Special Agent Lundy, als die Selbstjustiz des Triebtäters Dexter an die Öffentlichkeit kommt & eine Welle der Zustimmung erfährt, "Selbstjustiz ist bürgerlicher Terrorismus" & müsse daher vom Staat bekämpft werden. In diesem Sinne ist der Film von Boll schon ein Objekt, welches staatliche Beobachtung & Verhinderungsstrategien auslöst, die aber dann - wie so oft - ins Gegenteil geraten & das zu Verhindernde weiter verbreiten, als erwünscht. Die populistische Kernaussage des Films Citizen Vigilante, Euer Staat lässt Euch im Stich & beleügt Euch, also müsst ihr selber für Eure Sicherheit sorgen, ist eigentlich die Grundthese jeder Selbstjustiz. Wenn die Justiz den Opfern & ihren Angehörigen "Gerechtigkeit" verschaffen würde, gäbe es keinen Anlass zur Selbstjustiz.  Insofern halte ich Selbstjustiz nicht für bürgerlichen Terrorismus, sondern für etwas, was erruptiv herrvorbricht, wenn staatliches Versagen sich breit macht. Genauso wie Attentate auftreten, wenn Machthabende es übertreiben oder durch Unterlassen ihren job nicht richtig machen. Sehe hier wenig Raum für Verschwörungen oder "Aufhetzungen", eher eine Art "Naturgesetzlichkeit" & Berufsrisiko (was keine Billigung meinerseits bedeutet).

dojon86

26. Juni 2026 23:11

@Majestyk Der Verdienst von Kubischek/Kositza und der Sezession im Netz war es immer, das linke Klischee von den rechten ungebildeten Glatzen zertrümmert zu haben. Darum ist es auch für Lichtmesz wohl logisch, gegen diesen milde gesagt unintellektuellen Film zu polemisieren. Er hat damit aber letztlich auf elegante Art Werbung für den Film gemacht. Das sollte ihnen wohl klar sein. Was mich betrifft, ich werde ihn mir sicher nicht anschauen. Gegen Islamversteher oder besser Islamrelativierer bin ich übrigens genau wie sie. Und auch seit langem. 

ede

26. Juni 2026 23:32

"Es ist aber auch ein zweischneidiges, sogar ein ein bißchen vergiftetes Geschenk, das Uwe Boll, ein Mann der seinen Anti-Intellektualismus wie ein Banner vor sich herträgt, der einwanderungskritischen Rechten mit diesem Film gemacht hat.
Ich rate dringend davon ab, daraus einen “Kultfilm” oder auch nur eine Mem-Mine machen zu wollen."
Sehe ich genauso.
Das anti-intellektuelle stört mich nicht mal so, der Film ist einfach nur Tatortniveau. Ob der Hauptdarsteller gut ist, kann ich gar nicht erkennen, er spielt ja keinen Menschen. RMH hat recht, das Ding hat was pornohaft onanierendes, und stärkt ganz sicher nicht Männlichkeit.
PS. Womit ich keineswegs sagen will das ich Majestik für eine Memme halte ;) 

heinrichbrueck

26. Juni 2026 23:44

Ich finde den Film interessant. Könnte man ihn als einen Dialog zwischen Uwe Boll und Deutschland beschreiben? Manche schreiben Tagebuch, Boll macht einen Film. "Deutsche Politik" ist ihm ein Ärgernis, wie man sehen kann. 
"Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet..." Herrschen. Der Film ist harmlos. Die meisten Europäer haben keine Ahnung, was auf sie zukommt. 

Mitleser2

27. Juni 2026 08:21

@Rheinlaender: "Es gibt einen guten, gerechten Zorn ..."
Dann erklären Sie mal, wie der gegen Migranten- und Antifa-Gewalt umgesetzt werden soll. Denn wenn nichts geschieht, wird es irgendwann zu Selbstjustiz kommen. Völlig unabhängig von solchen Filmen.
Aber letztlich hat Laurenz recht, es geht nur um die Darstellung einer Realität, die verhindert werden soll. Denn das Abstechen ist die Realität.

Raeuspern

27. Juni 2026 08:59

Ich kenne nichts von Boll. Aufgrund MLs Artikel und den Kommentaren darunter vermute ich das Boll ein Troll vom alten Schlag ist und erfolgreich getrollt hat.

Laurenz

27. Juni 2026 09:09

@ML ... Kassandra zitiert Sie auf Tichys. Ich kriege dort gerade einen kleinen Shit-Furz ab. Die Leute dort glauben jeden Scheiß. Jegliche Erzählung, die ihren Träumen widerspricht, löst sozusagen Haß aus. Ich habe gerade nochmal die 67 Mio. $ Einspielergebnisse seit Launch 19.06. abgefragt. Die KI sagt immer noch, das sei ein falscher Eintrag, auf "The Numbers" (Box-Office-Zahlen) stünde nichts davon. Der Film Citizen Vigilante steht bis heute 16:00 Uhr Deutscher Zeit weltweit auf X & wird dann von Boll wieder runter genommen. Der Distributor, Quiver Distribution, bringt den Film in Nordamerika nach wie vor unter "Limited Release" in wenigen Kinos. Es gibt nachwievor weltweit keine Plattform (wie zB Netflix), die den Film streamt.

Rheinlaender

27. Juni 2026 09:18

@Mitleser 2
Das eindrucksvollste mir bekannte gegenwärtige Beispiel für wirksamen gerechten Zorn ist Nayib Bukele (hier im Bild), der das zuvor dort bestehende enorme Bandenproblem in seinem Land innerhalb kürzester Zeit auf kontrollierte und geordnete Weise weitestgehend gelöst hat. Eine optimale Lösung wird es unter realen Bedingungen nicht geben, aber Bukele nähert sich dieser im historischen Vergleich m.E. hinreichend an.
Wer sich darauf einlässt, den Mord an ganzen Familien als emotional befriedigende Antwort auf solche Probleme wahrzunehmen, konditioniert sich damit in eine grundsätzlich falsche Richtung. Diese Türe darf man nicht öffnen; nicht einmal in fiktiven Darstellungen. 

Freier

27. Juni 2026 09:50

Guter Artikel, danke dafür.
 
Mir kommt die Idee, machen wirs doch besser. Ein Wettbewerb, vielleicht erstmal nur für Kurzgeschichten und einzelne Szenen, Vigilante in deutsch und besser. Das Thema scheint jedenfalls zu ziehen. Schade, dass ich da nicht begabt bin.
Der BRDler in mir fragt sich natürlich, dürfen die das?
 
Oder andersrum, wie würde denn ein guter Film zur Lage aussehen? Welche Themen würde er setzen?
 

Jan

27. Juni 2026 10:58

Boll kann als erfahrener Filmemacher über die Indizierung nicht wirklich überrascht sein. Von rechts gelesene Selbstjustiz, "Gewaltverherrlichung" und ein gutaussehnder Killer? Kein Wunder, dass bei der Prüfstelle die roten Lampen angehen. Sowas darf nur ein Tarantino von links. Es herrscht natürlich zweierlei Maß. Bloß keine rechten Indentifikationsfiguren schaffen, bloß kein Glamour auf der falschen Seite. Beispiel: Teuflische Klasse (OT: Dangerously Close, 1986). Eine Gruppe elitärer Jugendlicher aus reichem Haus drangsaliert nonkonforme ärmere Mitschüler, die nicht zu ihren Vorstellungen von sozialer Hygiene passen. Obwohl diese Gruppe deutlich als Antagonist aufgebaut ist, zweifelnde Abweichler hat und am Ende scheitert, ist der Film bis heute in D indiziert. Meine Einschätzung: Allein das Zeigen von (faschistoidem) Sozialdarwinismus und eine nicht klar genügende Verurteilung davon, haben zur Zensur gerreicht. Zudem wirkten Aussehen und Umfeld immer noch zu attraktiv auf Jugendliche. Merke: Am Ende muss ein nicht-links-gelesener Bösewicht irgendwie immer ein erbärmlicher und hässlicher Wicht sein, damit sich bloß niemand mit ihm, seinen Taten und seinem Weltbild identifiziert. Ist dem nicht so, bekommt ein Film schnell Probleme.     

Jan

27. Juni 2026 12:05

@Majestyk
"Muß man sich reinziehen, 25 Jahre Krieg gegen islamischen Terror inklusive Abschaffung vom Bankgeheimnis sowie Finger im Popo am Flughafen und gleichzeitg massiver Muslimenimport und 20 Jahre Proklamation "Islam gehört zu Deutschland.". Kein Tag ohne muslimische Ausländergewalt..."
Zwar Off-Topic, aber Sie sprechen da einen interessanten Punkt an, über den ich auch schon nachgedacht habe. Schlage vor, zum 25-jährigen Jubiläum des "War On Terror" im September 2026 eine Debatte über diesen absurden Widerspruch zu beginnen. Kann sehr interessant werden.

dojon86

27. Juni 2026 12:09

@heinrichbrueck Ja, die Europäer sind ahnungslos. Jahrhundertelange Dominanz macht dumm. Dabei müssten sie nur einen Kopten fragen.

Kurativ

27. Juni 2026 12:51

Es macht immer Sinn, sich immer selber ein Bild zu machen.
Elon Musk hat den Film auf X für zwei Tage frei zur Verfügung gestellt und hat mal wieder einen Coup gelandet. Es war genau die Lücke, welche noch übrig war. Mit Hilfe der ablehnenden Hauptpresse gehen Zuschauerzahlen durch die Decke.
Am Inhalt wundert man sich zunächst, warum der "große Rächer" sich nicht an die zuständigen Stellen wie Merkel, Starmer und deren Hintermänner mit den ganzen Geld wendet? Aber er könnte dann auch sagen "nun sind sie nunmal hier".
Die Wahl des "große Rächer" ging auf einen Immobilienbesitzer, welche von dieser Migration profitiert. Da hätte es dann interessanter werden können.
Hier wird es lustig: "Ich rate dringend davon ab, daraus einen “Kultfilm” oder auch nur eine Mem-Mine machen zu wollen".
Der im Firm gespielte Titanismus scheint anzustecken.
Wirkliche Macht und gefühlte Macht (wie bei Nietzsche) sind zwei verschiedene Dinge.

Gracchus

27. Juni 2026 13:09

@Majestyk: 
"Ich liebe klassische Musik" - aha! Erwischt. Ich sehe unseren Schlagabtausch eher als Spaß. Es ist mir natürlich wurscht, ob Sie Zitate kennzeichnen. Sie wollten mich mit Ihrem Herzog- und Rohmer-Bashing provozieren, und ich habe mich provozieren lassen.
"The Wild Bunch" könnte ich nochmal sehen, tatsächlich hat mich die Szene mit dem Ehrenkodex berührt, soweit ich mich erinnere, aber doch vor dem Hintergrund, dass Pike ein Bandit ist. Er ist doch kein strahlender Held, sondern ein gebrochener Charakter, der angesichts dessen, dass seine Zeit abgelaufen ist - im doppelten Sinn - eine Art moralischer Wandlung erfährt. 
 

Gracchus

27. Juni 2026 13:29

@Makestyk: Ich kann Ihnen jetzt tausend Gründe nennen, warum ich Western mag, der erste wäre, dass ich Männer mit Knarren mag. Western sind existenzialistisch; eine echte staatliche Ordnung ist noch nicht hergestellt; das birgt existenzielle, aber auch moralische Konflikte. Ausserdem war Hollywood damals noch an Figurenzeichnung und Geschichtenerzählen interessiert. Schlicht, schnörkellos.
Western ist aber nicht Western. Die Spät-Western von Peckinpah sind doch - wenn auch feierliche - Abgesänge auf das Genre.
Auch in der klassischen Ära wurde der Heldenmythos auch schon dekonstruiert, z. B. "Der Mann, der Liberty Valance erschoss".
Was Frauen anziehend finden - ich bestreite nicht, dass es im Durchschnitt, der mich nicht interessiert sind, maskuline Männer sind, nur ist ihre Definition von "maskulin" zu eng; der soziale Status spielt doch auch eine entscheidende Rolle.
Und Rohmer war eben kein bekennender Feminist und nicht links. 

Mitleser2

27. Juni 2026 13:36

@Rheinlaender: Ja, El Salador hat sich massiv gewandelt. Das geht aber nicht "demokratisch", vermutlich nur mit einer charismatischen Einzelperson, wie auch Paul Kagame in Ruanda. In Europa sehe ich niemand, der das umsetzen könnte. Dazu müsste auch erst mal Brüssel entmachtet werden. Und nicht vegessen, wir haben das Problem inkompatibler Ethnien und Kulturen ("jetzt sind sie halt da").

Gracchus

27. Juni 2026 13:39

@heinrichbrueck: Die Kohlhaas-Verfilmung mit Mikkelsen kenne ich nicht, auch sonst keine. 

Gracchus

27. Juni 2026 13:47

@Sozialdarwinisten: Wenn der Islam sich evolutionär durchsetzt, setzt er sich eben durch. Warum lamentieten, wenn das einzige, was zählt, evolutionärer Erfolg ist? (Das ist natürlich nicht meine Haltung, ich spiegle nur.)

Laurenz

27. Juni 2026 14:09

@Jan ... ich bezeichne die Amis gerne als Kuhtreiber. Es war Hollywood, welches dieses Bild des selbstgerechten Amerikaners, der abseits jeder Rechstaatlichkeit die Schwierigkeiten seines Umfelds (selbst)gerecht (Höcke sagt christlich) löst. Davon zeugen hunderte, wenn nicht tausende Western, noch brutaler, weniger glänzend, Italo-Western. Hier ensteht die filmische Perversion zu Boll. Citizen Vigilante ist nichts anderes, als ein moderner Westernheld, vielleicht ein bißchen an Dirty Harry angelehnt.

Le Chasseur

27. Juni 2026 14:18

@Rheinlaender
"Wer sich darauf einlässt, den Mord an ganzen Familien als emotional befriedigende Antwort auf solche Probleme wahrzunehmen, konditioniert sich damit in eine grundsätzlich falsche Richtung."
Vielleicht ist das ja genau das, was mit dem Film erreicht werden soll? Es gibt einen Staat, der sich genauso aufführt wie das kranke Arschloch Sanders in Bolls Machwerk:
https://youtube.com/shorts/HCkVGJY_gG8?si=75evfGj5Ja424pQW
https://www.haaretz.com/israel-news/israel-politics/2026-03-26/ty-article/.premium/no-innocent-children-israeli-lawmaker-defends-killing-of-palestinian-family/0000019d-2976-d8a3-abff-39764b2e0000
 

Bela

27. Juni 2026 16:15

Sehr gute Kritik von Martin Lichtmesz.
Uwe Bolls Ansehen in der Szene (damit meine ich die Horrorfilmszene)  war ja schon immer recht zwiespältig und das wird sich hiermit sicher nicht ändern. 
Man muss allerdings auch berücksichtigen, dass nicht alle "Rechten" zwangsläufig Cineasten sind, und viele diesen Film nach eher volkstümlichen oder soll ich sagen dumpfen Standards bewerten, dann passt es sicher.
Ist wie mit dem Song "Toujours lamour", ich konnte nie verstehen wie man sowas feiern kann. 
Witzig dann allerdings die Mordszene in Herzogs Woyzeck (eine anspruchsvolle Literaturverfilmung) mit den Mordszenen in diesem Machwerk zu vergleichen.
Irgendwie erinnert mich die Hysterie um diesen Film an die Kontroverse um "Tal der Wölfe" damals, falls sich noch wer erinnert.

RMH

27. Juni 2026 16:44

Das Thema Selbstjustiz, Bürgerwehr, einschließlich Verhöhnung eines auch dahinter stehenden, konserverativ-rechten Weltbildes, konnten wir vor über 20 Jahren bei Muxmäuschenstill sehen. Dafür gibt es dann Filmpreise (und evtl. auch Folmförderung?). Insofern ist Boll mit seiner "F.. Y..." Mittelfinger- Attitude dann doch schon ziemlich Punk & Contra. Das darf man ihm am Ende schon zubilligen. Aus der Idee hätte man aber klar mehr machen können, selbst bei unveränderten Budget. Bspw. mal ein gescheites Drehbuch schreiben.
PS: Hat jemand schon die Fortsetzung, Muxmäuschenstill X gesehen? Ich hab erst mit den Blick in den Wikiblödia-Eintrag mitbekommen, dass es eine Fortsetzung geben soll. Meine Neigung, mir das anzusehen, ist aber sehr gering.

Monika

27. Juni 2026 16:58

ML Sie haben sich als einer der ersten, wenn nicht gar als erster, klug zu dem Film geäußert und eine Warnung zum Schluss ausgesprochen. Damit ist eine Marke gesetzt. Von nun an geht alles seinen Gang. Die Wirkungsgeschichte löst sich vom Machwerk ab und braucht außer einem meme und einem harten Spruch dieses nicht mehr. Die Wirkungsgeschichte ist von nun an das  Interessantere.

Majestyk

27. Juni 2026 17:21

@ Gracchus:
Dekonstruktionen des Westernmythos gab es früh, z.B. Der große Bluff (1939) von G. Marshall, mit J. Stewart, M. Dietrich oder Ritt zum Ox-Bow (1943) von W. Wellman mit H.Fonda. Der Western war nie so eindimensional wie eine bestimmte Richtung der Filmkritik behauptet hat, auch gab es nie jene eindimensional indianerfeindlichen Western, jedenfalls keinen aus der A-Liga. Und selbst B Regisseure wie Budd Boetticher, Burt Kennedy oder André de Toth hätten sich dazu nie hinreißen lassen. Natürlich triggere ich. ML wegen Herzog, den ich z. T. schätze, dem ich die geklaute Lebenszeit wegen Aguirre aber nie verzeihen werde. Bei Rohmer bleibe ich unnachgiebig, aber egal. Das deutsche Kino der 70er finde ich auch überwiegend furchtbar. Die Amis haben ihre linken Filme ja wenigstens noch unterhaltsam verpackt. Seit Kino tarantinoesk wurde (den finde ich auch furchtbar) und zur Franchisevermarktung verkam, siehe Star Wars o. Marvel ist es eh überflüssig. 
Wild Bunch: Ja, Pike ist ein Gangster, Deke aber ebenso, die angeheuerten Kopfgeldjäger der letzte Mob. Schaut man sich historische Quellen an, beschäftigte Pinkerton gerne gedungene Mörder, die oft erheblich schlimmer waren als die Männer, die von ihnen gejagt wurden. Der echte Wilde Westen war gemein, gesetzlos, gewalttätig und es herrschte das Recht des Stärkeren und Mächtigeren, siehe Weidedetektive, die Jagd auf Siedler machten. Wo kein Recht ist, da herrscht Gewalt. So könnte Europa morgen ebenfalls aussehen. 

Majestyk

27. Juni 2026 17:36

Zu Citizen Vigilante. Der Film ist m.E. unter gutem TV-Niveau. Im Vergleich dazu sind die Universal Soldiers Filme von John Hyams Kunst. Will ich gute DTV Action, schaue ich sowas wie Debt Collector von Jesse Johnson. Arnie Hammer ist kein Jason Statham, nicht mal ein Scott Adkins. M.E. lohnt sich der Film an sich nicht, gegen Gebühr sowieso nicht. Falls der Film wie angegeben 9 Mio. Dollar gekostet haben soll, weiß ich nicht wohin das Geld geflossen ist. Im fertigen Film sieht man davon nichts. Man kann das Teil auch nicht mit alten Selbstjustizstreifen wie Rolling Thunder (1977) von John Flynn oder Vigilante (1982) von William Lustig vergleichen. Letztgenannten finde ich kultig. Nicht zu vergessen Class of 1984 von Mark Lester, tatsächlich sowas wie ein Kultfilm in meiner Generation. Death Sentence (2007) von James Wan, mit Kevin Bacon hat mich schon nicht umgehauen, war aber um Längen besser und differenzierter. Schocken kann man heutzutage ja eh keinen mehr, es gibt keine Tabus mehr zu brechen. Die Publicity ist aber Gold wert.
 

Ein gebuertiger Hesse

27. Juni 2026 17:58

@Mayestyk
"Schocken kann man heutzutage ja eh keinen mehr, es gibt keine Tabus mehr zu brechen."
Es würde darum gehen, "Angst" zu machen, "Furcht" einzuflößen (was kaum ein Film kann), nicht um den Schock oder den Skandal - für Letzteres ist die Zeit schon lange vorbei.

Bela

27. Juni 2026 18:03

@Majestyk
Wenn Ihnen "Die Klasse von 1984" gefällt, empfehle ich noch "Savage Streets" mit Linda Blair, ungefähr gleiche Zeit und gleiches Setting, leicht trashig aber sehr unterhaltsam, aber eher unbekannt.

Le Chasseur

27. Juni 2026 18:11

Frage an die Western-Fans hier: Kennt jemand "Der schwarze Falke" mit John Wayne?

Majestyk

27. Juni 2026 18:18

@ Laurenz:
Sie brauchen filmische Nachhilfe :-). Ich nenne um die tausend Western mein Eigen, habe sicher noch ein paar hundert weitere gesehen. Gewalt wird in vielen Western hinterfragt. Berühmtes Beispiel Weites Land (1958) von William Wyler oder einer DER Western Shane (1953) von George Stevens. Man sollte nicht vergessen, die meisten Regisseure und Autoren waren Einwanderer, mit europäischem Blick auf Amerika, meist waren es Deutsche wie Lang, Wyler, Zinneman oder Ungarn wie de Toth und Curtiz. Die Produzenten hatten meist jüdische Wurzeln. Jene Regisseure mit amerikanischen Wurzeln waren spätestens nach dem Krieg meist Liberale, siehe Aldrich oder auch Don Siegel, Regisseur von Dirty Harry. Überzeugte Republikaner wie Howard Hawks oder George Stevens waren in Hollywood sehr selten und nach den 1980ern kam auch selten mal ein konservativer Schauspieler nach oben.
Früher hielten Filmemacher und Produzenten die Politik nur aus den Unterhaltungsfilmen raus. So ab den 1970ern waren Großproduktionen aber auch gerne mal anti-amerikanische Propaganda, ähnlich wie bei uns die antideutsche Grundhaltung. Die Deutschen mögen Spitzenreiter sein, aber sich selber niedermachen können auch Amis, Briten, Franzosen oder Italiener.
Italienisches Kino war bis auf wenige Ausnahmen eh links, glaubt mir nur keiner. Da wimmelt es von linken Sympathisanten und echten Kommunisten wie Petri oder Corbucci. Italowestern sind linkes Kino, auch Leone. Nur die Poliziotteschi wirkten eher rechts.

Majestyk

27. Juni 2026 19:04

@ ML und/oder EK:
Dass ich mich von Beta Jas derart rundmachen lassen muß, ohne ziemlich höflich antworten zu dürfen, nehme ich Ihnen persönlich übel.

ML: Oida...

heinrichbrueck

27. Juni 2026 19:08

Ohne die Befriedigung des Vergeltungsbedürfnisses scheitert die Ordnung. Im Opfer entsteht durch die Tat der Verletzung ein Ungleichgewicht, und dieses bedarf der Auflösung, d. h. die Gleichgewichtsherstellung geht nicht ohne Rache. Fällt der Staat aus, wird das Opfer dem Tod überlassen. 
(Kleiner Tip: Johannes Dornseiff - Recht und Rache. Der Rechtsanspruch auf Wiederverletzung). 

RMH

27. Juni 2026 20:41

"Frage an die Western-Fans hier: Kennt jemand "Der schwarze Falke" mit John Wayne?"
Ja, absoluter Pflichtfilm für das Genre. Einer der besten Filme, in denen John  Wayne je mitgespielt hat. Klassiker von John Ford. Aber Achtung, die indigenen Völker Nordamerikas werden recht realistisch dargestellt, nichts für Fans des Mythos vom edlen Wilden.

ML: Ausführlich behandelt im "Lichtspielführer".

Carsten Lucke

27. Juni 2026 21:02

Ich riskier's mal und mach' mich hier ehrlich : Die "stärkste Szene des Films" (M.L.) geht einem doch runter wie Öl, wenn man sich denn diesem Streifen zunächst wohlwollend widmet. Was ich immer tue.
Rede mir doch hier niemand von "niedrigen Instinkten" oder ähnlichem Moralunfug, der hier bedient würde. Wir haben das alle in uns.
Der Film wäre wesentlich einfacher und wirksamer gemacht worden, hätte man ein simples, aber ordentliches Drehbuch gehabt.
P.s.: Das waren 10, nicht 8 Tote (M.L.). Und wohin ist eigentlich das "weiße" Mädchen in der Park-Szene so plötzlich entschwunden ? - Und was reitet mich eigentlich gerade, das hier zu schreiben ?!

Ein gebuertiger Hesse

27. Juni 2026 21:03

"Der schwarze Falke" ist so mit der reichhaltigste Film der Welt. Punkt. Und, was ML in seinem Buch gut herausgearbeitet hat, auch DER Film, ohne den gehörig viel des amerikanischen Kinos der nächsten Jahrzehnte+++ gar nicht erst entstanden wäre. ESSENTIAL VIEWING, immer wieder.

RMH

27. Juni 2026 21:18

@M.L. - Habe Ihren Lichtspielführer bei Erscheinen gekauft. Das einzige, was ich bislang vermisst habe, war ein Filmregister bzw. Filrmverzeichnis. Habe das Buch aber noch nicht komplett durchgelesen. Für mich, als Nicht-Cineasten, ein sehr interessantes Buch. Danke.

Karl Otto

27. Juni 2026 21:33

Es gab da diesen dänischen Dichter Yahya Hassan, Sohn palästinensischer Einwanderer. Der schrieb Gedichte und kritiserte scharf die Einwanderergeneration seiner Eltern, die "sich am Koran festklammern, während sie den Sozialstaat betrügen, ihre Kinder verprügeln und verhindern, dass diese sich in die Gesellschaft integrieren". Mir ist eine Zeile von ihm erinnerlich "Ich hasse eure Kopftücher und eure Korane", damit begab er sich natürlich in Lebensgefahr. Er starb 2020 mit 24 Jahren unter ungeklärten Umständen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Yahya_Hassan
Evtl. ein ähnlicher Fall?

RMH

27. Juni 2026 21:48

"Und wohin ist eigentlich das "weiße" Mädchen in der Park-Szene so plötzlich entschwunden ? "
@Carsten Lucke, korrekt, das Biest hätte normalerweise auch was abbekommen müssen. Das der Vigilant auch ein unschuldig entgegenkommendes Autos zum Ausweichen und damit in den Tod treibt, nur um den Richter, den er danach umbringt, etwas vorzuführen, ist auch so ein Bruch in der Figur. Denn das war eiskalter Mord ohne Rechtfertigung oder "Selbstjustiz"-Motiv. Ganz sauber ist die Figur also nicht - siehe auch die schräge Bordell-Szene. Sie haben recht, aus dem gesamten Thema hätte man viel mehr machen können, alleine die schwachen Dialoge etc.  - das kommt halt dabei heraus, wenn man keinen gescheiten Drehbuchschreiber hat und das selber macht. Das man x-mal an irgendwelchen Magazinen rumfummelt und ständig durchlädt, ist auch ein bisschen seltsam. Außerdem trinkt er ausgerechnet Jack Daniels als ob es ein gescheiter Whisky wäre. Wie aber auch andere schon geschrieben haben, dass ist wahrlich kein Top-Film, mal unabhängig davon, dass "uns" das Thema anspricht.

Laurenz

27. Juni 2026 21:57

@Majestyk @L. ... ich habe The Big Country locker schon 10x gesehen, schöner Science Fiction.

Diogenes

27. Juni 2026 22:33

Filme vermitteln mehr als den Inhalt ihrer Macher und ihnen bewusst ist - sie können Symbolik sein, ein Teil der Standarte, die das empathische Lebewesen den Seinigen bewusst mitträgt (Nationales Sozialbegreifen/Gruppenfliegen (um den stolzen Adler, unser Hoheitszeichen, zu bemühen)). Hier treffen Welten aufeinander. Die eine Welt ist verkehrt, gehört nicht hier her, die andere benötigte einen Filmemacher der sich ihrer und des Einflusses der fremden Welt auf die unsrige annahm und in Fiktion stellte.
 
Alles Maulen ist des Königs Heuchler geschuldet, welche sich im System bequem eingenistet haben. Und ihr Oberster Strohmann auf der Bühne der Volksblender reiht Lüge an Lüge, als ob er eine Kette spinnen wollte.
 
Ich musste die letzten beiden Monate unter anderem ab und an eine alte Filmserie aus den 90ern denken: "Outer Limits", und darin an die Folge "Das Lager" - Eine passende Parabel auf die unter Wasser gehaltene deutsche Jetztzeit/Jetztkörper, auch wenn es in Romanen sicherlich Entsprechendes im Vergleich gekleidet gibt (gibt es das? Warum ist es dann noch nicht hier erwähnt worden?!).... Sind unsere "Bewacher" nicht überaltert, kaputt, dienen nur ihrer überholten "Programmierung", die sich gesunder Entwicklung des Volkes entgegen und auf Seiten von Fremdherrschen stellt!? 
 
Kostenlose Folge "Das Lager": https://pluto.tv/gsa/on-demand/series/69a54a884b1996b7d1c8f00a/season/3/episode/69b0335fb2d615a4c0ca76b0 

nom de guerre

27. Juni 2026 23:22

@ Laurenz Sie können, was das Schauen von Weites Land angeht, meiner Mama Konkurrenz machen. Aber wieso ist das Science Fiction? Eine echt realistische Darstellung des "Wilden Westens" (der in dem Film ja auch gar nicht mehr so wild ist, die zwei hasserfüllten alten Männer stammen schon aus einer anderen Zeit als die Figuren von Heston und Peck) wird es wohl kaum geben. Am interessanten an dem Film - und letztlich rätselhaft - ist für mich, wie sich dieser gestandene, die ganzen Herrschaften aus dem Big Country mühelos in Tasche steckende Mann, den Peck spielt, so schnell ent- und auch wieder verlieben kann. Ich habe nie verstanden, was er von dem Fräulein, für das er zu Hause alles aufgegeben hat, eigentlich erwartete 

heinrichbrueck

27. Juni 2026 23:58

"Denn das war eiskalter Mord ohne Rechtfertigung oder "Selbstjustiz"-Motiv."
Es war nur ein Film. Der Kerl hätte auch auf die rechte Spur ausweichen können, aber diese unflexible Denke, auf der linken Seite bleiben zu müssen, weil er es so gelernt hatte, war wohl eher eine Botschaft des Filmemachers. Dieser Typ Autofahrer könnte auch ein bißchen mit dem Staat verwechselt worden sein (der sich nicht unbedingt so sehr um die täglichen Verkehrsunfälle schert). 

Gracchus

28. Juni 2026 00:21

@Majestyk: Ich habe gerade einen Film von Robert Bresson geschaut, Au hazard balthasar, weiß nicht zum wievielten Mal. Im Lichtspielführer ist Bresson gleich 3x vertreten, ich glaube Rekord. Mögen Sie auch nicht mögen. Gibt es überhaupt europäische Filme, die Sie mögen?
Die italienischen Neorealisten waren wohl alle links, zugegeben, aber man merkt den katholischen Hintergrund, und es sind großartige Filme darunter, Fahrraddiebe (de Sica), Accattone (Pasolini), auch einiges von Rossellini. Es ist doch wurscht, ob rechts oder links - was zählt ist aufm Platz.
Bud Boetticher find ich gar nicht so B-mässig. 
 
 
 
 

Laurenz

28. Juni 2026 06:10

@Nom de Guerre @L. ... Unterhalten Sie Sich doch mal mit der KI über den Film Weites Land. Der Film wurde hoch & runter analysiert. Der Film ist deswegen episch, weil Wyler mit extrem teurer Kamera-Technik die Weite einfängt, ein seltenes Faktum in der Filmkunst. Findet man noch bei Der Schwarze Falke, Lawrence von Arabien & Der mit dem Wolf tanzt, sehr aufwendig. Herzog nutzt die weite Perspektive auch in der Anfangssequenz von Aguirre. Herzog behauptete, gegen den Willen Kinskis. Das Casting von Weites Land ist auch grandios, der Hollywood-Stern Heston in einer Nebenrolle, kurz vor Ben Hur. Woran man die schauspielerische Qualität erkennt, ist die neue Liebe (die alte nervt wie die Sau, quasi ein Umerziehungslager) zwischen McKay & Maragon. Kommt quasi völlig ohne das typische Hollywood-Gedöns aus, quasi ohne Umarmung, ohne Küsse, rein mit Blicken des gegenseitigen Verständnisses & Einvernehmens. Ich behaupte nicht, daß jeder US-Rancher/Farmer konfliktsüchtig war. Aber die USA basieren auf kollektivem Raubmord. Aber, das Bild, was Wyler in Szene setzt, ist eines, wie die intellektuelle USA sich in Person McKays & seiner zukünftigen Frau selbst gerne sehen würden, reine Phantasie oder eben Fiktion.

nom de guerre

28. Juni 2026 10:57

@ Laurenz 
Ihr letzter Satz (das Paar Peck/Simmons als Projektionsfläche für das intellektuelle Amerika) ist interessant, so habe ich das noch nie gesehen. Die beiden sind eben auch die einzigen Figuren mit nach europäischen Maßstäben normalem Sozialverhalten. Das Sichverlieben kann aber nur ohne Küsse etc stattfinden, weil Peck währenddessen immer noch anderweitig verlobt ist und der Zuschauer ihn nicht als Fremdgänger wahrnehmen soll.

MarkusMagnus

28. Juni 2026 11:11

"Selbstjustiz ist besser als keine Justiz"
Thomas E. Watson
https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_E._Watson_(Politiker)
 

RMH

28. Juni 2026 12:13

@heinrichbrueck,
für mich war die Auto-Fahrbahnspurszene, ebenso wie die Bordell-Szene und die korinthenkackerischen Berechnungsbelehrungen bei den Kids und im Büro der klägliche Versuch, der Eindimensionalität der Filmfigur ein paar Schichten mehr hinzuzufügen. Der Versuch ist aber gescheitert, der Film setzt auf Bilder, Musik, Clips von News-Flashs bei ansonsten in aller Regel sehr unterentwickelten Dialogen. Da hilft auch das Bild von der bröckelnden Fassade nicht mehr.
PS: Finde "The Searchers" besser als "The Big Country" und beim Thema Western hat Kevin Costner für die Neuzeit viel geleistet (Open Range etc.).

Laurenz

28. Juni 2026 12:24

@Nom de Guerre @L. ... Kann sein, daß Sie mit dem Anstand Pecks/Simmons Recht haben. Aber in den langen letzten Sequenzen ist die Trennung zu Baker längst vollzogen. Wenn Peck/Simmons am Ende die Szenerie mit Ihrem Hausmeister, Bedoya (starb direkt nach den Dreharbeiten am Suff), in das Weite Land reitend verlassen, weiß jeder Zuschauer, daß Sie zur Big Muddy reisen, um sich Ihrem Eigenen Projekt zu widmen. Das hat unglaubliche Kraft um Zuneigung/Liebe/Treue/Kamderadschaft Ausdruck zu verleihen. Die Familien Terril & Hannassey sind ja nicht aus der Welt, haben aber in der Romantik von Peck/Simmons für den Zuschauer keinen Platz mehr. Wyler, als Schweizer-Deutscher, ist schon ein brutaler Profi im sanften Drama durch Peck/Simmons. Er hält dem Ami-Proletenpack in den Kinos den Spiegel vor, ohne, daß das zu dessen Wahrnehmung kommt. Selbst ich habe das mindestens 5x sehen müssen, um dahinter schauen zu können & mich nicht von der Schönheit der Bilder einlullen zu lassen.

Herold

28. Juni 2026 14:52

Habe den Streifen nun gesehen. Mein Gott, habe ich großes Kino erwartet? Nein. Ist der Film ein Meilenstein? Ja. Nicht, weil er besonders toll gemacht ist, sondern weil er etwas zeigt, was sein könnte, weiter oben von ML als "Fantasy" verunglimpft.

ML: Genau das meinte ich, als ich vor der Verblödungsgefahr des Filmes warnte.

Er kam zur rechten, pun intended, Zeit. Das ist seine Merite.
Ich glaub, die schwafelnde Rechte leidet einfach komplett unter der Wahnvorstellung, dass alles ein Kontinuum ist. Ob Boll gestern noch einen Pro-Migrations-Streifen, Auschwitz-Porno oder was auch immer gedreht hat oder ob er "our guy" ist, ist völlig egal. Er hat mit CV etwas produziert, was die Gedankenwelt der Szene verändert hat und noch verändern wird. Das Werk ist losgelöst von der Person, die es erzeugt hat. Der Barbie-Film hat auch Bilder produziert, die man für unsere Sachen nutzen kann, auch wenn der Kontext im Film komplett ein anderer ist, weil Kontext keinen mehr interessiert, außer den Typen mit dem Lichtspielführer und die fünf Boomer mit den Filmen aus den 80ern. Und von gewissen Balkonszenen im Unterhemd fange ich gar nicht erst an ...

Le Chasseur

28. Juni 2026 15:05

@RMH
"Mir fallen bei dem genannten Kontext der Vigilanten Filme auch die ersten Teile von "Mad Max" und die recht erfolgreiche Streaming-Serie "Dexter" ein."
Als Beispiel aus der Trump -Ära wäre vielleicht noch "Rambo - Last Blood" zu nennen, den ich mir aber nicht angeschaut habe, weil mir Rambo IV schon zuviel war (Stichwort Gewalt-Porno). Bei Stallone müssen aber zumindest keine Unbeteiligten dran glauben.

Majestyk

28. Juni 2026 16:31

@ Laurenz:
"ich habe The Big Country locker schon 10x gesehen, schöner Science Fiction."
Sehen Sie, da haben wir doch was gemeinsam. Filme wie Weites Land sind für mich immer ein bißchen wie nach Hause kommen. Ich habe quasi direkt neben der Big Muddy ein Stück Land gepachtet. Ich fahre ja auch jeden Winter mit den drei Männern in den Schnee. Praktisch bin ich Kasimir.
Weiß nicht, was Sie von Wyler kennen. Ich kann unbedingt Die besten Jahre unseres Lebens (1946) empfehlen. Hierzulande mittlerweile eher in Vergessenheit geraten. Ein wirklich sehr guter Film über Kriegsheimkehrer.

Majestyk

28. Juni 2026 16:35

@Gracchus:
"Es ist doch wurscht, ob rechts oder links - was zählt ist aufm Platz."
Habe nicht behauptet, daß man keine Filme von Linken sehen darf oder Musik von Linken hören. Würde auch die Auswahl extrem verkleinern, die meisten Künstler sind links. Kunst hat ja was mit Emotionen zu tun. 
Nur sollte man nicht so tun als wären Nouvelle Vague, New British Cinema, New Hollywood, Neuer Deutscher FIlm kein Linksrutsch gewesen, inklusive Vermittlung einer anderen Weltsicht als eben beim klassischen Kino zuvor. Filme haben eine prägende Wirkung, vor allem, wenn man eine solche Weltsicht übernimmt, ohne diese zu hinterfragen. Der allgemeine Linksrutsch, auch bezüglich gesellschaftlicher Positionen hat eben auch was mit linker Mediendominanz zu tun.
Schauen, hören, lesen soll jeder was ihm Spaß macht. Selbstverständlich kenne und schätze ich z.B. Fahrraddiebe.
Boetticher war als Künstler vermutlich freier als mancher Regisseur von Großproduktionen. B-Film meint ja nicht Qualität, sondern Budget. Der B-Film wurde ab den 30ern in den USA vor dem Hauptfilm gezeigt. Diese Filme waren oft auch Talentschule, so wie später die Fernsehfilme, mit denen sich Friedkin, Spielberg und Co. die ersten Sporen verdienten. 
Natürlich sind Diskussionen über Geschmack, erstens sinnlos zweitens immer auch Battle. Nur verkaufen Sie mir die meisten dieser Franzosen nicht als unpolitisch. Bezüglich linker oder feministischer Denker und Künstler ist Frankreich Weltspitze.

Franz Bettinger

28. Juni 2026 16:38

Was mich an Wildwest-Filmen früh störte, ist die völlig falsche Darstellung vom "Mensch in der Landschaft“. In den öden Landstrichen mit den (ja, pittoresken) Sandstein-Felsen, da lebte nahezu niemand. Da wächst nichts. Da ist kaum Wasser. Es ist leicht bei Reisen durch die USA die wahren Heimstätten der Siedler und Indianer aufzusuchen (Chihuahua NP, Santa Fee …) und sich ein realistisches Bild vom Leben damals zu machen. Die Western von Kevin Kostner sind realistischer. Die Indianer lebten oft in herrlicher Umgebung, in fruchtbaren Flusstälern, grünen Canyons, in den bewaldeten Hochlagen Mesa Verde’s, auch im wildreichen Yosemite Valley, wo Szenen aus 'Der letzte Mohikaner' gedreht wurden. Genauso idiotisch verfälschend ausgewählt waren die Landschaften vieler Karl-May-Filme. (Die um die Plitwitzer Seen sind dank Aufforstungen mittlerweile wieder grüner und waldreicher geworden.)

Majestyk

28. Juni 2026 16:41

@ Bela:
"Wenn Ihnen "Die Klasse von 1984" gefällt, empfehle ich noch "Savage Streets" mit Linda Blair"
Savage Streets kenne ich, dennoch vielen Dank. Weiß nicht, ob mir Klasse von 1984 wirklich gefällt. Er ist zumindest sehr wirkungsvoll und zumindest damals war der Streifen Kult. Solche Filme können ja ein Ventil sein, siehe auch Citizen Vigilante. Klasse von 1984 ist ja im Prinzip eine modernisierte und schmuddeligere Version von Saat der Gewalt mit Sidney Poitier. Ist nicht so, daß ich heutzutage gar keine Action oder Kriegsfilme schaue. Neulich der deutsche Film Der Tiger und der amerikanische Panzerfilm Fury/ Herz aus Stahl. Trotz moderner Mittel finde ich alte Kriegsfilme aber oft authentischer, z.B. Der große Atlantik oder U-Boote westwärts! 
Früher waren Splatterfilme etc. natürlich toll. Hatte ja irgendwie auch was mit Rebellion zu tun, heutzutage mag ich es gern, wenn Filme eher die Seele streicheln. Dürfen andere gern als kitschig empfinden, wie Sommer der Erwartung. Sehe manchmal sogar Heimatfilme, wie Rosen blühen auf dem Heidegrab. Und ich lasse mich gern zum Lachen verführen, mal gewitzt, gern aber auch mal Wirtshaus statt Feinschmeckerlokal. Irgendwie schaut man ja die Filme, auf die man gerade Lust hat und die man vielleicht in dem Moment braucht. Man hat ja auch nicht jeden Tag auf dasselbe Essen Appetit.

Laurenz

28. Juni 2026 17:04

@RMH @HeinrichBrück ... Das Kundtun Ihres persönlichen Gustos ist völlig ok, den brauchen wir auch nicht debattieren. "The Searchers" ist eine Ausnahme, wie auch The Big Country, Lawrence of Arabia & Der mit dem Wolf tanzt. Ford hatte bei diesem Film wesentlich mehr Geld zu Verfügung, als sonst. Die Gründe sind Fords bombastischer Ruhm, die Angst Hollywoods vor dem TV & der milliardenschwere Sponsor C.V. Whitney, dem nichts zu teuer war. Deswegen konnte auch Ford mit extrem teurer Kameratechnik diese Weite inszenieren. Das ist ein Aspekt der Kunst, der nicht ohne viel Geld funktioniert, zumindest damals. Bei Open Range, ähnlich bei Quigley Down Under merkt man, daß die epische Weite auf halber Strecke verdurstet, obwohl das Skript die Weite hergeben würde. Bei diesen Filmen/Western sind die Hauptdarsteller viel zu sehr im nahen Fokus. Weite braucht den Protagonisten als Punkt in der Landschaft. Wenn man die Western-Rollen Costners eingehender betrachtet, wirkt hier ein subtiler Karl-May-Effekt. Costners Charaktere sind ihrer Umwelt unterschwellig intellektuell überlegen, also eher un-amerikanisch. In Der mit dem Wolf tanzt ist Dunbar im Grunde ein Intellektueller, der spirituelle Freiheit sucht. In Open Range bemerkt man das daran zB, was für eine Frau (die Schwester des Arztes, besitzt Bildung) auf Charley Waite reagiert. Beide haben Sich, ohne viel zu sagen, mehr zu sagen, mehr zu teilen, als der Rest der Kuhtreiber-Gesellschaft.

Majestyk

28. Juni 2026 17:05

The Searchers ist nichts weniger als die Quintessenz des amerikanischen Western und Bild gewordener Mythos. Western mit ähnlicher Bedeutung sind vielleicht noch Rio Bravo, Red River oder eben Shane, natürlich als Vorläufer auch Stagecoach oder The Big Trail. Rein persönlich gefällt mir The Big Sky noch ausgesprochen gut.
Spiel mir das Lied vom Tod ist im Prinzip Echo von eben The Searchers und selbst in Star Wars wird John Ford zitiert, man denke an die niedergebrannte Farm von Luke Skywalkers Zieheltern. John Ford hat ja u.a. auch Akira Kurosawa inspiriert. Gibt nur wenige Filme mit solch einem Nachhall wie The Searchers. La grande illusion von Jean Renoir z.B. 
Im Prinzip kann man jede einzelne Aufnahme von The Searchers als Kunstdruck verwenden. Der Film hat ja gar nicht mal eine so lange Laufzeit, wirkt aber erheblich epischer, da jede Szene eine Bedeutung hat. Schafft heute keiner mehr. Es muß alles auserzählt werden. The Searchers heute wäre eine Serie mit mindestens 7-8 Staffeln und einer Gesamtlaufzeit von 60 Stunden.

Franz Bettinger

28. Juni 2026 17:30

Korrektur: Die Verfilmung Der letzte Mohikaner (Daniel Day-Lewis) wurde in den Blue Ridge Mountains in North Carolina gedreht. Die grandiose End-Szene auf dem Felsenpfad in der Steil-wand erinnerte mich an die Wände im Yosemite. 

Lars Seemann

28. Juni 2026 19:10

1/2 Die Kritik mag kunstkulturell, cineastisch - ästhetisch gut begründet sein oder an der Person des Regisseurs sich nationalpolitisch zu recht abwertend reiben. Sie verfehlt die eigentliche Fragestellung, zu der man aber, will man diese Perspektive einnehmen können, eine gewisse Lebens- und Berufserfahrung im sofortigen und nachhaltigen Beantworten von lebensbedrohlichen Situationen gesammelt haben muß. Ich unterstelle dem Kritiker, daß er über diesen Erfahrungsschatz nicht verfügt - was ausdrücklich kein Vorwurf ist. Um passend zur Fußball-WM bildlich nachvollziehbar zu beschreiben, was in den zahllosen, weniger intellektuellen Köpfen vorgehen dürfte: Das Spiel ist fast verloren, die gegnerische Mannschaft hat das stärkere Potential, alle Spielrichter sind gekauft und auch sonst gegen uns. Es regnet in Strömen, der Regen klatscht uns in die Fresse, das ausverkaufte Stadion stimmt Hohngesänge an. Und jetzt kommt der Kritiker, der bemängelt, warum wir nicht schön spielen.

Lars Seemann

28. Juni 2026 19:10

2/2 Weil dafür keine Zeit mehr ist. Weil es uns scheißegal ist, wie es am Bildschirm aussieht. Wir wollen gewinnen und ob der Torschütze ein Haus an Bordellbetreiber vermietet oder es als Kunde besucht, ob er ein Verkehrsrowdy ist und auch sonst alle möglichen charakterlichen Deformationen aufweist: Es ist uns das egal! Allein zählt, daß er das Ding reinmacht. Dieser Film wird bei allen, die zwar nicht die Sezession abonnieren aber sonst mit ehrlichen Tränen in den Augen den Untergang ihrer Heimat erleben, wenigstens wie ein kurzer Befreiungsschlag wirken. Einem seit Jahrzehnten gegängelten, gedrängten, geplünderten, verächtlich gemachten, verratenen und verkauftem Volk wird vor Augen geführt, was eigentlich wäre, wenn es endlich aufhört, schön spielen zu wollen. Und sich einfach in gleicher Weise wehrt. Die anderen Adressaten werden es auch sehen.

MarkusMagnus

28. Juni 2026 19:51

"Habe den Streifen nun gesehen. Mein Gott, habe ich großes Kino erwartet? Nein. Ist der Film ein Meilenstein? Ja. Nicht, weil er besonders toll gemacht ist, sondern weil er etwas zeigt, was sein könnte, weiter oben von ML als "Fantasy" verunglimpft.

ML: Genau das meinte ich, als ich vor der Verblödungsgefahr des Filmes warnte.

@ML
Sie verkennen das es schon echte Vigilanten in Deutschland gab.
Zum einen der Fall Bachmeier/Grabowski, zum Anderen der Fall Ernst/Lübcke. Das sind zumindest die Fälle die wir kennen bzw. wo die Täter erwischt wurden. 
Die Gefahr von der sie reden existiert so nicht, denn das alles gab/gibt es schon. Selbstjustiz entsteht zwangsläufig wenn die Justiz ihre Arbeit nicht macht.
Vielleicht wollte Boll auch davor warnen?

RMH

28. Juni 2026 20:02

@Majestyk, bei "Rio Bravo" hat mich gestört, dass es viele Studio-Aufnahmen gab & vor allem, weil hier versucht wurde, Ricky Nelson als Sänger zu pushen, sprich so eine Art cross-selling mit der Plattenindustrie gemacht wurde (evtl. einer der ersten von derartigen Versuchen? Kenne mich zu wenig aus). Bei den John Wayne Western darf m.M.n. "True Grit" nicht fehlen, wo auch das Remake gelungen ist (wie ich finde). "Shane" muss ich noch schauen, Bildungslücke, bin aber auch kein vertiefter Filmeseher, hier kenne ich aber "Pale Rider", welcher den Stoff auch verwenden soll. Und wenn man bei Clint Eastwood ist, darf aus meiner Sicht nicht Der Texaner bzw. The Outlaw Josy Wales fehlen (das Buch von Forrest Carter kann man auch lesen). @Laurenz hat auch Recht, wenn er Big Country hervorhebt, aber irgendwie hat Gregory Peck in dem Film fast schon den Atticus Finch vorweg genommen, eine Rolle, für die er den Oscar bekommen hat (Wen interessieren heute noch die Oscars?).
Insgesamt bin ich aber wohl vermutlich eher einer von den 5 Boomern mit dem Lichtspielführer, die @Herold so treffend beschreibt, auch wenn ich schon GenX bin.

Laurenz

28. Juni 2026 21:35

@Franz Bettinger ... Die Schlußsequenz von "The Last Mohican" auf dem Felsenpfad wurde im Chimney Rock State Park in den Blue Ridge Mountains in North Carolina gedreht. Obwohl die Geschichte des Films eigentlich im kolonialen New York spielt, fand Michael Mann dort keine unberührte Natur mehr vor & verlegte die Dreharbeiten in den Süden. Der Park gehört zu den Apalachen. Die sind wesentlich älter, als die Rockys in Kalifornien. Der Wasserfall, auf dem Magua stirbt, sind die Hickory Nut Falls, ca. 120 Meter hoch (750 Meter über dem Meeresspiegel).
Auch wenn man, wie der Teilnehmer @Herold, die Meinung ML' zum Film Citizen Vigilante nicht ganz teilt, haben wir eine schöne Film-Debatte, macht sehr viel Spaß. Dieser Boll-Film ist zutiefst Amerikanisch, spielt aber eben in Europa (Drehort Zagreb), was ihn zu einem berechtigten Politikum macht. Die Kritik ML' am Film ist vielleicht etwas zu filmakademisch. Aber nach meinen Erfahrungen auf Tichys, kann ich die Bedenken ML', was den Kult angeht, zumindest nachvollziehen. Am Ende mußte ich meine Hater auffordern, doch meine Angaben selbst zu überprüfen. Diese Hater hoffen irgendwie auf eine Art rechter Weltrevolution, die sich durch Verkaufserlöse offenbart, manifestiert. Illusionen sind aber nicht rechter Natur.

Gracchus

28. Juni 2026 21:52

@Majestyk: Ich weiß nicht, was "links" besagen soll. Die nouvelle vague, ohnehin eine Zuschreibung von aussen, war m. E. nicht links, es sei denn die ödipale Geste - um es im Jargon zu sagen - gegen das französische Nachkriegskino, aber nicht gegen Renoir - und man hat sich mit u. a. Ford, Hitchcock, Hawks Ersatz-Daddys beschafft - oder die Autorentheorie werten Sie schon als Vorstufe der Revolution - und selbst wenn es einige ihrer Protagonisten waren, Godard vorneweg, dessen "Kleiner Soldat" aber noch als kryptofaschistisch bezeichnet wurde. Godard war m. E. der einzige, der sich, beeinflusst von Brecht, um eine politische Ästhetik bemüht hat; allerdings ohne große Resonanz. Sie haben noch das Nischen-Phänomen Straub/Huillet. Der neue deutsche Film hat die ödipale Geste imitiert und hatte auch einen Linksdrall, aber auch abgestuft von Regisseur zu Regisseur. New Hollywood ist wohl eher eine Marketing- oder Journalistenerfindung. British New Cinema war links, angesichts Thatcher nicht verwunderlich. 

Gracchus

28. Juni 2026 22:15

Klar, The Searchers, gehört auch zu meinen Lieblingsfilmen (auch genre-übergreifend). Hatte ich neulich auch mit @Majestyk besprochen. Stimme Ihnen @Majestyk auch zu, es ist die Essenz des Western und es ist wie ein Heimkommen. Weites Land finde ich auch gut. Ausserdem fallen mir spontan Stagecoach, My darling Clementine, Rio Grande, Der Teufelshauptmann, Red River, Rio Bravo, High Noon, Johnny Guitar (Ihnen wohl zu "feministisch"), Die Glorreichen Sieben (von Sturges), True Grit (Original und Remake) Sachen von Jacques Tourneur, Anthony Mann und Monte Hellman, Eastwood, aber auch Leone und Corbucci ein. Ja mir gefallen sogar einige Karl May. 

Gracchus

28. Juni 2026 22:32

@Herold: trotz gepflegter Checker-Attitüde: blablabla. Es geht nicht um irgendein "Kontinuum", es geht einfach ums Können. 
@Lars Seemann: um Ihre Metapher aufzugreifen: Boll schiesst meilenweit drüber, und es ist unklar, für welches Team.
Gegen einen ehrlichen dreckigen Film ist auch nichts einzuwenden, das muss man aber auch "Können"! Offenbar wirkt der Film nicht mal ehrlich.
 

FraAimerich

29. Juni 2026 02:22

Unterschiedlich sind die Geschmäcker - "My Rifle, My Pony and Me" mit Dean Martin und Ricky Nelson war für mich alten Gemütsmenschen einst der Hauptgrund, mir "Rio Bravo" auf DVD zuzulegen. Schade, daß John Wayne nicht mit einstimmte. U.a. in "Riders of Destiny" hatte sich dieser, freilich noch ganz am Anfang seiner Mannesbahn, selbst mal aufs amüsanteste als "Singing Cowboy" versucht:
 
"Grease-up your guns, outlaw,
and chinch them on tight.
There'll be blood a-running in town before night.
There'll be guns a-blazing and singing with lead -
tonight you'll be drinking your drinks with the dead!"
 
Der Hinweis, daß Godards "Chinesin" wohl mehr über die "68er" verrät, als die meisten rechten Bücher zum Thema, wird die gute Stimmung hoffentlich ebensowenig stören wie die bekannte Indianerweisheit, wonach noch der stolzeste Adler beide Flügel braucht, um sich in die Lüfte zu erheben - den rechten wie den linken.  

Laurenz

29. Juni 2026 06:48

@Majestyk @L. ... da ich weißgott nicht alles aus meinem Hut zaubern kann, habe ich natürlich recherchiert, viele Film-Details weiß ich einfach nicht auswendig. Während die Farm der Terrils aus 2 Papp- oder Sperrholzwänden bestand, die gegen den Kalifornischen Wind mit Tonnen von Gewichten gesichert werden mußten, ist das Gebäude der Big Muddy echt, wurde aber vom Film-Team noch mehr auf alt getrimmt, als es tatsächlich war. Der Punkt ist, Majestyk, Sie können kein Stück Land daneben gepachtet haben, weil diese schöne Tal 1971 durch den Farmington-Staudamm überflutet wurde. Der originale Blanco Canyon ist nur eine flache Senke. Im Film drehte man am Red Rock Canyon State Park (Jawbone Canyon) in der Mojave-Wüste. Da gibt es keinen Tropfen Wasser. Alle Versorgung für hunderte Darsteller & Tiere mußte in die Wüste gekarrt werden. Die Hütten & Wassertanks der Hannasseys-Ranch wurden auf- & nach den Dreharbeiten wieder abgebaut, weil es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. Nobel geht die Welt zugrunde.

Mboko Lumumbe

29. Juni 2026 07:30

Massengeschmack.TV:
„Warum ist jetzt speziell dieser Film so ein Problem?Weil die politische Aussage die Falsche ist, oder wie?
 
Uwe Boll:
„Absolut. Also wenn, ich habe auch gesagt, sagen wir mal provokativ, ja, man hat sechs Neonazis, die ´ne 15-jährige Iranerin vergewaltigen, dann wär ich wahrscheinlich schon der Filmtipp von Dunja Hayali im Heute-Journal. Ja, ich meine, das ist einfach so.
Es ist einfach ganz klar, dass, eh, das hab ich in dem Film auch gemacht, weil es mir einfach so auf den Sack gegangen ist, dass weltweit, ja weltweit, nicht nur in Deutschland, gibt’s nur so Gewinnerstories von Migranten. Ja, die sind super integriert, sprechen perfekt deutsch, ne, usw., und es läuft super. Ja, bis man dann an den Hauptbahnhof geht, nich.“
 
Quelle:
https://www.instagram.com/p/DaIkbBXNkjD/

Le Chasseur

29. Juni 2026 08:53

Quiver Acquires Uwe Boll’s ‘Citizen Vigilante’ Starring Armie Hammer, Readies Summer Release (...)
Larry Greenberg negotiated the deal on behalf of Quiver.
“After working with Uwe on so many movies, we’re more than excited to release ‘Citizen Vigilante,’ which feels like a ‘Death Wish’ for the 21st century,” Quiver co-presidents Berry Meyerowitz and Jeff Sackman said in a statement. (...)
https://variety.com/2026/film/global/quiver-uwe-boll-citizen-vigilante-armie-hammer-efm-1236657975/
 
 
 
 

Ein gebuertiger Hesse

29. Juni 2026 10:06

FraAimerich
Mit "Die Chinesin" von Godard nennen Sie einen bizarrsten und immer noch frischesten Filme zum Thema 68. Sowas gab es nur hier: daß diese Pro-Mao-Kommune da von dem Film total auf die Schippe genommen wird, Godard als Regisseur sich jedoch nur 1, 2 Jahre später in eine fast gleiche Richtung radikalisierte wie die. Man staunt als Zuschauer, immer noch. 

Lars Seemann

29. Juni 2026 10:35

@Gracchus
Sehr schöner Konter mit Uli Hoeneß! Geht aber leider auch am Kern vorbei, denn Sie bewerten, wie zuvor Lichtmesz, die Leistung des Regisseurs, was vielleicht eine Diskussion unter Fachleuten in einem elitären Kreis wert wäre.

ML: Das hat überhaupt nichts mit Fachleuten oder Eliten zu tun.

Das Endergebnis des Spiels wird aber allein dadurch bestimmt, wie dessen Botschaft in breiten, einfachen, wenig politisierten Bevölkerungskreisen antizipiert wird. Und dort wird das Ding nach meiner völlig subjektiven Wahrnehmung grandios gefeiert.

FraAimerich

29. Juni 2026 12:26

@Gracchus: "Boll schiesst meilenweit drüber, und es ist unklar, für welches Team."
 
Ich hab da zumindest einen begründeten Verdacht. Aber "Kontext" interessiert ja heutzutage nicht mehr. Der erlebnisorientierte Teil der Undercut-Jugend wittert Morgenluft. Man scheiterte zwar regelmäßig bereits an Sitzblockaden der Enkel der Omas gegen Rechts, fühlt sich aber offenbar den von interessierten Weichenstellern vorbereiteten künftigen Herausforderungen der Straße gewachsen. 
Ihre Väter und Großväter setzen derweil immer offener auf den Vernichtungswillen der westlichen Zivilisation. Aussagen wie "die USA basieren auf kollektivem Raubmord" lösen entsprechend keine empörte Ablehnung mehr aus - sondern immer häufiger affirmative Zustimmung. Da wird dann sicherheitshalber auch gern mal erwähnt, daß diese Indianer ganz schön rauhe Sitten und Umgangsformen pflegten. Möglicherweise so eine Art Untermenschen, ähnlich wie heute die Palästinenser oder Iraner. Kann und muß alles weg - "unser" Öl, "unser" Gas - und "unsere" neue Friedensweltmacht. Schau mer mal... Zur Not macht Boll einen zu Tränen rührenden Film drüber.

Gracchus

29. Juni 2026 15:43

@Fra Aimerich: "Die Chinesin" habe ich nicht gesehen. Dafür "Pierot le fou"; da dort Sam Fuller mitspielt, muss ich meine Westernliste unbedingt um "Vierzig Gewehre" ergänzen. Von Godard finde ich "Die Verachtung" hervorragend, auch "Ausser Atem". Verkörpert der Produzent Prokosch im Film "Die Verachtung" das Verhältnis "Rechte und Film"? Godard ist zwar nicht mein bevorzugter Regisseur, aber wenn es um politisches Kino geht, sollte man sich mit seinem Konzept befassen.
Pasolini hat sich im Übrigen über die 68er lustig gemacht. Links ist nicht immer links.
 

Majestyk

29. Juni 2026 15:50

@ Gracchus:
Schöne Aufzählung. Johnny Guitar ist toll. Feministisch? Vielleicht. Die von Joan Crawford gespielte Vienna braucht aber keinen Feminismus, sondern ist eine Frau mit starker Persönlichkeit. Ähnlich wurde auch Barbara Stanwyck gerne besetzt oder Marlene Dietrich. Starke Frauen im Western? Schauen Sie die Karawane der Frauen von William A. Wellman, mit dem heute eher in Vergessenheit geratenen Robert Taylor. Das Fort der mutigen Frauen von George Marshall mit Audie Murphy geht in eine ähnlich Richtung. Finden sich bei John Ford oder Howard Hawks etwa schwache Frauen oder stereotyp böse Indianer?Eigentlich will kein Mann schwache Frauen, es sei denn er ist selber schwach. Im Grunde will doch jeder eine Frau, die zwar gefallen soll, aber wenn es darauf ankommt einen Planwagen durch die Prärie steuern kann, wie in Karawane der Frauen oder Debbie Reynold als Lilith Prescott in How the West Was Won. Da fällt mir ein, wie sehr heute markante Filmmusik fehlt. Was wäre The Last Mohican ohne den Score von Trevor Jones. Elmar Bernsteins Musik zu Die glorreichen Sieben kennt jeder. They don't it like this anymore.Welcher Regisseur noch gar nicht zur Sprache kam ist Anthony Mann, dessen Winchester '73 ebenfalls essentiell ist oder sein Meuterei am Schlangenfluß. Die Geschichte war anders. Western sind Märchen, aber ich persönlich glaube, daß es Märchen braucht. 

Gracchus

29. Juni 2026 16:00

@Lars Seemann: An Uli Hoeneß habe ich nicht gedacht. "Allein zählt, dass er das Ding reinmacht", schrieben Sie, und ob er das Ding reingemacht hat, hängt nicht davon ab, ob die Zuschauer auf den Rängen den Torschützen feiern. Um das zu beurteilen, braucht man auch kein Fachmann zu sein. Da kommt also die gewählte Analogie an ihre Grenzen. So wie die Analogie aufgebaut haben, würde doch sowieso von den bestochenen Schiedsrichtern jedes Tor aberkannt.  

heinrichbrueck

29. Juni 2026 16:08

Der weiße Streit darüber, wie man leben möchte, wird nicht aufhören. Eine Konstante dürfte bewiesen werden, daß es nicht möglich ist, ungestraft die Naturgesetze zu verletzen. Kontext interessiert schon; Lichtmesz hat seinen Standpunkt klargemacht. 
Konkurrenzdruck ist nicht überall gleich groß. Man kann auch das Thema wechseln und bei irgendwelchen Western landen; das ist halt Kinderkram und hat mit 2026 nichts zu tun. Die Herausforderungen in der eigenen Wohnung, bei diesen Temperaturen, sind schon flächendeckend sichtbar. Herausforderungen der Straße? Die Abrechnungen werden in den Köpfen stattfinden müssen, und zuerst untereinander. Diese Brutalität wird unterschätzt. Danach, vielleicht, wird man eine Sprache haben, derer man sich nicht schämen muß. Auch eine Voraussetzung, die die Medienlandschaft nicht kümmert, um ernstgenommen zu werden. Sogar die Politiker reden dämlich. Die Kontextsprache verrät eine Menge, aber nicht unbedingt das Ziel. Der Normalmensch mag keine intellektuellen Lücken, die ihm Unsicherheit bringen.

Ein gebuertiger Hesse

29. Juni 2026 16:36

@Gracchus
Den Vorwurf, daß "Johnny Guitar" manchen Leuten zu feministisch sein könnte, sollten Sie nicht mal denken!, schon gar nicht vorauseilend. Sie wissen es selbst: die Figur von Joan Crawford ist eine kraß starke Frau. Die eine Szene, wo sie nachts in die Küche des von ihr selbst aufgebauten Kasinos kommt und Sterling Hayden, der Ex-Lover, dort vor sich hinsaufend vorfindet, ist eine der, wie man heute leichtfertig sagt, "geilsten" Mann-Frau-Szenen der Filmgeschichte. Der Dialog, der sich zwischen denen da entwickelt - bittersüßer Zucker deluxe! Nur hört er zu früh auf; 20 Jahre später, als das Phänomen Cassavetes bereits in der Welt war, wäre der Dialog noch weitergegangen.

Majestyk

29. Juni 2026 16:40

Die Diskussion mäandert ganz schön. Ist aber wohltuend. Wer hätte gedacht, daß ich mit FraAimerich eine Vorlieb für Dean Martin teile und wir beide dasselbe Lied mögen? Dann aber noch als Zugabe Get Along Home, Cindy.
 @ Herr Lichtmesz vielen Dank dafür, das ist so ziemlich einer der schönsten Kommentarstränge und dennoch gehaltvoll. Was diesen Strang von anderen positiv unterscheidet, er verbindet mehr als er trennt. Ich finde, das kann nicht schaden.
@ RMH:
"irgendwie hat Gregory Peck in dem Film fast schon den Atticus Finch vorweg genommen"
Stimmt. Auch ein tolles Buch/ Film. Peck gehörte ja zu den Stars, die stets integer wirkten, auch bei öffentlichen Auftritten. Selbst in Bösewichtrollen wirkte Peck noch gut, wohingegen Robert Mitchum selbst als Guter immer auch ein bißchen Bad Guy blieb. 
Vielleicht können Sie mir weiterhelfen. Was ist schlecht daran ein Boomer oder Gen X zu sein? Ist das jetzt ein neues Feindbild? 
@ Laurenz:
Natürlich habe ich dort kein Land gepachtet, bin auch im Winter kein Schneemann. Aber ich finde es schön, wie Sie mitspielen und was Sie so an Fakten zu Tage fördern. 

Le Chasseur

29. Juni 2026 18:00

@Laurenz
Dass Tichys Einblick CV abfeiert, ist eigentlich alles, was man über dieses Machwerk wissen muss.
Kürzlich hat sich einer der Schreiberlinge von TE darüber mokiert, dass eine Frau in Klein Britannien zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, nachdem sie dazu aufgerufen hatte, Asylantenheime anzuzünden.

RMH

29. Juni 2026 18:53

"Was ist schlecht daran ein Boomer oder Gen X zu sein?"
@Majestyk, Nichts, reine Selbstironie. Im Übrigen gibt es überall solche und solche. Bei den Alten, bei den Mittleren, bei den Jungen.
@heinrichbrueck,
im Abschweifen und Kinderkram lässt sich einiges finden, daher Danke, dass man den Faden hier einmal etwas länger offen gehalten hat.

MarkusMagnus

29. Juni 2026 19:17

"So wie die Analogie aufgebaut haben, würde doch sowieso von den bestochenen Schiedsrichtern jedes Tor aberkannt."
@ Gracchus
So haben sie es gerade tatsächlich bei der WM in den USA mit dem Iran gemacht. Die WM hätte nie an ein Land wie die USA vergeben werden dürfen. 
Ein mieser und unfairer Gastgeber.
 
 

FraAimerich

29. Juni 2026 20:07

@Ein gebuertiger Hesse
Godard nimmt das Scheitern der 68er ahnungsvoll vorweg und verweist recht deutlich auf die Gründe, nicht zuletzt eine verträumte, bourgeoise Weltfremdheit und Naivität sowie theoretische Orientierungslosigkeit, die durch übereifrigen Dogmatismus kaschiert wurde.
Wir haben es heute im rechten Widerstandsmilieu mit einer nicht unähnlichen Konstellation zu tun, auch was gewisse Formen der Gewalt- und Kriegsverherrlichung angeht, wenn es nur gegen den vermeintlich richtigen Feind geht. Und zumindest meiner Wahrnehmung nach sind viele auch nurmehr "aus dem Bauch heraus", irgendwie "halbherzig" und ohne echte Zuversicht dabei. 
Einige versuchen, möglichst starke Kräfte des Widerstands auf den (vermeintlichen) "Hauptfeind" zu lenken, um diesen wenigstens nicht ungeschoren davonkommen zu lassen; man "hat ja nichts anderes", keine bessere Option - weitreichendere Ambitionen/Hoffnungen offenbar ohnehin nicht. Godard stand 1968 vor ähnlichen Problemen.
Es zeichnet sich m.E. auch immer deutlicher ab, daß "interne Abrechnungen" bereits vor dem - teils wohl antizipierten - Scheitern (oder um diese Gefahr abzuwenden) angedacht werden. Kein gutes Zeichen, denn aus derlei Scharmützeln geht oft das größte Elend als "Sieger" hervor ... oder gleich der Feind.

RMH

29. Juni 2026 20:40

War das heute in Stade Selbstjustiz? Aber diesesmal von einem mit MiHiGru?

Ein gebuertiger Hesse

29. Juni 2026 22:17

@FraAimerich bzgl. "La Chinoise"
Hossa.
Ihren Kommentar sollte jeder der hier Lesenden ... lesen. Und dann nochmal.
Ich mag ja auch sehr den Trailer zu dem Film, von Godard selbst gebastelt, mit diesem lächerlichen "Mao, Mao"-Pop-Ohrwurm als Untergrund.
Sah vorhin eine Viertelstunde von "Citizen Viginante" und machte dann aus, wollte mich waschen.
 
 
 

Olmo

29. Juni 2026 22:31

Der Film hätte subtiler und klüger sein sollen, Europa hätte es verdient— und ja,  Schönheit wird die Welt retten.
Einer der besten Western, die ich kenne, ist, The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford (2007).

Speng

29. Juni 2026 22:32

Ui, Lichtmesz-Beitrag zu kontroversen Filmen und Filmkontroversen. Da darf ich mich doch auch mal melden ("Ja, ja, schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem"). Ist der Film Schund?  Ja, aber es ist überraschend, wie sehr Boll mittlerweile technisch/handwerklich mit dem gängigen Müll mithalten kann, der die Streaming-Plattformen überschwemmt. Der Abstand war in der DVD-Ära "vor langer Zeit" noch etwas größer. Für den Budgetbereich recht solide (größtenteils). Ein paar optische Effekte (digitales Blut etc.) sind wirklich zum Davonlaufen und er leidet auch an der alten B-Movie-Krankheit, irgendwie die 90-Minuten-Marke zu knacken zu müssen (deswegen dürfen sie u. a. mit der Polizei durch Halb-Zagreb mitfahren). Das Drehbuch ist auch eher ungelenkt, da verhebt sich Boll auch ein bisschen mit den Interviewsequenzen, Zeitebenen und Erzählsträngen, weil Nolan und Tarantino "das auch so machen". Solche Spirenzchen wären gar nicht nötig gewesen.
Auf der Habenseite ist aber zu verbuchen, dass er nicht nur "das heiße Eisen" anpackt, sondern auch die dreiste, unverfrorene Art, wie er dies tut. Coitus interruptus wegen Schimmelbelehrung, Massenhinrichtung von Polizisten untermahlt mit Bossa-Nova-artigem Easy-Listening-Jazz, die Hinrichtung der arabischen Familie, bei der er dann durch deren telefonische Mithilfe die anderen Vergewaltiger antanzen lässt, welche sich ohne etwas zu denken, einer nach dem anderen, im Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip kaltmachen lassen.

MarkusMagnus

30. Juni 2026 00:20

@RMH
Könnte man so sehen. Ich habe leider keine Kinder. 
Kann aber durchaus verstehen wenn sich einer von einem Amt, in dem solche Leute wie Esken und Bas arbeiten, nicht mehr weiter gängeln lässt. 
Wenn es um meine Kinder gehen würde, dann würde ich auch zum Wolf werden. 
 
 
 

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