Citizen Vigilante – kein Kult!

Große Teile von Rechtstwitter sind momentan hellauf über einen neuen amerikanischen Film begeistert, dessen Kinoauswertung in Deutschland von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft durch Verweigerung einer Altersfreigabe blockiert wurde.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Vor allem über den Strea­ming-Markt hat Uwe Bolls Citi­zen Vigi­lan­te in den USA angeb­lich bereits über 67 Mil­lio­nen Dol­lar ein­ge­spielt. Sze­nen des Films wer­den nun flei­ßig geteilt, zitiert und zu Mems ver­wurs­tet, wäh­rend man abfei­ert, wie das de fac­to “Ver­bot” des Films in Deutsch­land den “Strei­sand-Effekt” unfrei­wil­li­ger Wer­bung aus­ge­löst hat.

Zu Uwe Boll, dem 1965 gebo­re­nen deut­schen Regis­seur die­ses “Meis­ter­werks”, gibt es eine Men­ge zu sagen, was ich mir bis zum Schluß die­ses Bei­trags auf­he­ben werde.

Boll, der vor­zugs­wei­se in Kana­da und den USA arbei­tet, und eine Jahr­zehn­te zurück­rei­chen­de Repu­ta­ti­on als einer der schlech­tes­ten Regis­seu­re aller Zei­ten hat, kos­tet die­se von ihm mit Sicher­heit ein­kal­ku­lier­te Kon­tro­ver­se um sei­nen Film nun reich­lich aus und fischt gezielt im MAGA-Pool nach Aufmerksamkeit.

Die rech­ten Mul­ti­pli­ka­to­ren bei­ßen rei­hen­wei­se an, denn offen­bar gilt es einen extrem poli­tisch unkor­rek­ten Film gegen “Zen­sur” und ähn­li­che Ver­hin­de­rer in Schutz zu nehmen.

Der Grund der all­ge­mei­nen Auf­re­gung ist schnell erzählt: Im Mit­tel­punkt des Films steht ein exor­bi­tant gut aus­se­hen­der selbst­er­nann­ter Rächer, in ele­gan­tes Schwarz geklei­det, mit mili­tä­ri­schem Haar­schnitt, der in einem fik­ti­ven euro­päi­schen Land kri­mi­nel­le Ein­wan­de­rer jagt und tötet, die auf­grund der herr­schen­den libe­ra­len Kuschel­jus­tiz ihrer Stra­fe ent­gan­gen sind.

Die ent­schei­den­de Pro­vo­ka­ti­on des Films ist, daß er sich ohne jeg­li­che kri­ti­sche Distanz auf die Sei­te der Sen­ti­ments, Ideen und sogar Taten sei­ner Haupt­fi­gur zu stel­len scheint: “This film is dedi­ca­ted to the thou­sands of rape and mur­der vic­tims who were betray­ed by our legal sys­tem”, ver­kün­det eine Tafel am Ende des Films.

Kurz zuvor hat­te man gese­hen, wie der “koole Kil­ler” eine Ban­de von jugend­li­chen ara­bi­schen und afri­ka­ni­schen Ver­ge­wal­ti­gern inklu­si­ve der gesam­ten Fami­lie eines der Täter kalt­blü­tig exe­ku­tiert hat (ins­ge­samt acht Men­schen, dar­un­ter zwei Frau­en). Die letz­te Ein­stel­lung des Films zeigt das geräch­te min­der­jäh­ri­ge Ver­ge­wal­ti­gungs­op­fer, den Trä­nen nahe, hoff­nungs­voll erbe­bend, als es auf einen Bild­schirm starrt und zu ele­gi­scher Streich­mu­sik die fro­he Bot­schaft des Vigi­lan­ten vernimmt:

“Ich bin hier, um euch zu hel­fen, wie­der die Kon­trol­le zu erlan­gen. Ich bin hier, um euch zu zei­gen, daß ihr kei­ne Opfer mehr seid. Ich bin hier, um euch zu zei­gen, daß es an der Zeit ist, die­sen F*ckern klar­zu­ma­chen, daß sie damit nicht mehr davon­kom­men. Denkt dar­an: Ich tue das für euch, damit ihr lernt, es selbst in die Hand zu nehmen.”

Maxi­ma­le Emo­tio­nen wer­den gleich in der ers­ten Sequenz von Citi­zen Vigi­lan­te auf­ge­la­den: Mit allen Details wird gezeigt, wie einer blon­den jun­gen Frau von einem Afri­ka­ner ohne irgend­ei­nen ersicht­li­chen Grund die Keh­le auf­ge­schnit­ten wird und sie vor den ent­setz­ten Augen ihres etwa acht­jäh­ri­gen Soh­nes verblutet.

Unmit­tel­bar dar­auf, gleich nach dem Vor­spann, ver­kün­det die gleich­falls blon­de Spre­che­rin eines TV-Sen­ders namens “World News”, daß Migran­ten­ge­walt am Anstei­gen sei, aber Hoff­nung erblü­he in Gestalt der “enig­ma­ti­schen Figur” eines “vigi­lan­ti­schen Bür­gers”, der gewalt­sam dort ein­greift, wo das Jus­tiz­sys­tem ver­sagt hat.

Wer er ist, wird eben­falls sehr rasch ent­hüllt: Ein geheim­nis­vol­ler, rei­cher Ame­ri­ka­ner namens San­ders, der in Wahr­heit gar kein “Bür­ger” des Lan­des ist, in dem er sich auf­hält, dort aber meh­re­re Unter­neh­men und Immo­bi­li­en besitzt, mit denen er jähr­lich Mil­lio­nen Dol­lar ver­dient. Er ist von Anfang an ein­fach da, es gibt kei­ne Cha­rak­ter­ent­wick­lung, kei­nen Kipp­mo­ment, kei­ne Hintergrundgeschichte.

Gespielt von Armie Ham­mer (der teil­wei­se jüdi­scher Abstam­mung ist und ein gro­ßes hebräi­sches Aleph auf dem Bauch täto­wiert hat), ist San­ders eine Art Mischung aus “Bat­man” Bruce Way­ne (der Film soll­te ursprüng­lich The Dark Knight hei­ßen) und Paul Ker­sey aus Death Wish (dt. Ein Mann sieht rot), der Mut­ter aller Vigilantenfilme.

Er ist aber zugleich ein poli­ti­scher “Influen­cer” und Akti­vist, ein ehe­ma­li­ger Sol­dat und fana­tisch von sei­ner Mis­si­on über­zeug­ter Kreuz­rit­ter mit Zügen von Anders Brei­vik und Bren­ton Tar­rant. In der Tat ent­spricht er wohl ziem­lich genau dem heroi­schen, von Kino­hel­den inspi­rier­ten Phan­ta­sie­bild, das die­se bei­den Mas­sen­mör­der von sich selbst hatten.

Letz­te­re Zutat ist nun der durch­aus neue Aspekt, den Boll in die Tra­di­ti­on des Vigi­lan­ten­films ein­ge­führt hat. Nicht etwa, daß die Haupt­fi­gur, ein im wesent­li­chen doch recht gene­ri­scher Action-Held, “rechts­las­tig” oder “faschis­to­id” ist, son­dern daß die­se Tat­sa­che offen affir­ma­tiv, ja sogar glo­ri­fi­zie­rend gehand­habt wird.

In mei­nem Licht­spiel­füh­rer habe ich die­ses rechts­co­dier­te Sub­gen­re aus­führ­lich behan­delt: Da gibt es einer­seits den Strang der abge­brüh­ten Poli­zis­ten, die sich in ihrer not­wen­di­gen Schmutz­ar­beit gegen ein weich­ge­spül­tes Sys­tem aus libe­ra­len Geset­zen, Poli­ti­kern, Vor­ge­setz­ten, Jour­na­lis­ten und Anwäl­ten durch­set­zen müs­sen (etwa French Con­nec­tion, Dir­ty Har­ry, Tro­pa de Eli­te, Drag­ged Across Con­cre­te), ander­seits den der “Wut­bür­ger”, die meis­tens auf­grund von trau­ma­ti­schen Erfah­run­gen zur Selbst­jus­tiz grei­fen (etwa Death Wish, Mr. Majes­tik, Fal­ling Down, Har­ry Brown, Rohr­schach in Watch­men).

Scor­se­ses und Schr­a­d­ers Taxi Dri­ver (1976), eben­falls in mei­nem Buch behan­delt, hat das The­ma beson­ders ein­präg­sam auf­ge­grif­fen, gera­de weil er kein nai­ves Action­ki­no ist, son­dern die Fra­ge stellt, was die eigent­li­chen Impul­se hin­ter Gewalt­ta­ten sind, die sich eine mora­li­sche und poli­ti­sche Recht­fer­ti­gung geben.

“Hier ist ein Mann, der sich nicht mehr alles gefal­len läßt. Ein Mann, der sich gegen den Abschaum, die Nut­ten, die mie­sen Schwei­ne, den Dreck und die Schei­ße wehrt… hier ist jemand, der sich wehrt!”

Taxi Dri­ver ist aber auch ein Bei­spiel von Selbst­zen­sur auf­grund von poli­tisch kor­rek­ten Beden­ken: Der ursprüng­lich schwar­ze Zuhäl­ter “Sport” wur­de in einen Wei­ßen ver­wan­delt, der sich optisch zum India­ner sti­li­siert. Der “Ras­sis­mus” der Haupt­fi­gur Tra­vis Bick­le, wird in ein paar weni­gen Sze­nen nur “sub­li­mi­nal” angedeutet.

Auch das ist eine Neue­rung von Citi­zen Vigi­lan­te, daß der ras­si­sche oder “ras­sis­ti­sche” Sub­text sei­ner Vor­bil­der offen aus­buch­sta­biert wird, und hier expli­zit far­bi­ge Ver­bre­cher wei­ßen Opfern und einem wei­ßen Rächer gegen­über­ge­stellt wer­den. Aber auch hier kommt es zu selt­sa­men Ver­wi­schun­gen, wenn Boll etwa eine eher unrea­lis­ti­sche Gang auf­tre­ten läßt, die aus einem Schwar­zen, einem Ara­ber und einem sadis­tisch lächeln­den wei­ßen Mäd­chen zusam­men­ge­setzt ist, die in einer Sze­ne einen wei­ßen Jun­gen attackieren.

Eini­ge Selt­sam­kei­ten und Wider­sprü­che haben sich auch in die Figur des San­ders ein­ge­schli­chen, und ich bin mir nicht sicher, ob sie bewußt ins (wie immer bei Boll ziem­lich wir­re, ziem­lich schlecht struk­tu­rier­te) Dreh­buch geschrie­ben wur­den, um die Figur wenigs­tens ein biß­chen ambi­va­len­ter und drei­di­men­sio­na­ler zu machen. Ein Sinn für Iro­nie oder Dop­pel­bö­dig­keit macht sich in Bolls Insze­nie­rung jeden­falls kaum bemerk­bar. Das alles hat ent­fern­te Taran­ti­no-Vibes, aber es ist schier unmög­lich zu sagen, ob und wann der Regis­seur das alles nun “ernst” meint.

San­ders tritt einer­seits wie ein arro­gan­ter Her­ren­mensch auf, der jede Situa­ti­on sou­ve­rän unter Kon­trol­le hat, ande­rer­seits erscheint er auch als völ­lig humor­lo­ser, kalt zor­ni­ger Autist, der sei­nen Opfer lan­ge, aus­führ­li­che Moral­pre­dig­ten hält, ehe er sie exe­ku­tiert. Er sel­ber stellt sich nicht nur in Sachen Selbst­jus­tiz selbst­herr­lich über Moral und Gesetz, wie es ihm gera­de gutdünkt.

Wir erfah­ren nicht nur, daß er säu­mi­gen Mie­tern gedun­ge­ne Schlä­ger vor­bei­schickt, um sie zu pünkt­li­chen Zah­lun­gen zu “moti­vie­ren”, son­dern auch, daß er ein Bor­dell­be­sit­zer ist. In einer ziem­lich bizar­ren, über­flüs­sig aus­ge­dehn­ten Sex­sze­ne bricht San­ders sei­ne fleisch­li­che Inter­ak­ti­on mit einer (nicht-wei­ßen) “Ange­stell­ten” sei­nes Freu­den­hau­ses jäh ab, als er ent­deckt, daß sich an der Decke Schim­mel aus­ge­brei­tet hat. Nun hält er der Dame eine gestren­ge Stand­pau­ke, nach jeder war­men Dusche das Zim­mer zu lüf­ten, um sein Eigen­tum nicht zu beschädigen.

Einer­seits pflegt er eine popu­lis­ti­sche Rhe­to­rik, ande­rer­seits ist er eine Art Sozi­al­dar­wi­nist vol­ler “nietz­schea­ni­scher” Men­schen­ver­ach­tung. In einer Sze­ne ver­ur­sacht er absicht­lich den Tod eines ihm zufäl­lig ent­ge­gen­kom­men­den Auto­fah­rers, nur um einem gefan­ge­nen Rich­ter auf sei­nem Neben­sitz zu bewei­sen, daß Men­schen “Scha­fe” sei­en, die blind­lings das Gesetz befol­gen, auch wenn es ihr Leben gefähr­det. Inso­fern hat es eine gewis­se maka­bre Komik, wenn er am Ende des Films dem Vater einer mus­li­mi­schen Fami­lie vor­wirft, sein “archai­sches Wer­te­sys­tem und sei­ne Reli­gi­on über die Demo­kra­tie und alles ande­re” zu stel­len, “ein­schließ­lich der Rechtsstaatlichkeit.”

In der stärks­ten Sze­ne des Films schlach­tet San­ders die gesam­te Fami­lie die­ses Man­nes ab, ihn selbst, sei­ne Frau, sei­ne Toch­ter und sei­nen Sohn. Des letz­te­ren Schuld war es, sich an der Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gung einer 14jährigen betei­ligt zu haben; die sei­ner Fami­li­en­mit­glie­der, ihm Deckung gege­ben und kei­ne Reue gezeigt zu haben. Die Schwes­ter des Täters hat noch eins drauf­ge­setzt, indem sie in den sozia­len Medi­en die Mei­nung ver­tre­ten hat, daß Mäd­chen, die sich unzüch­tig-unis­la­misch klei­den, es ver­dient hät­ten, ver­ge­wal­tigt zu wer­den. Dafür ist aus­rei­chend für San­ders, auch an ihr eine Todes­stra­fe zu vollstrecken.

Die zwei­te Sze­ne, die im Gedächt­nis hän­gen­bleibt, ist die Ent­füh­rung und Ermor­dung eines libe­ra­len Rich­ters, der die migran­ti­schen Ver­ge­wal­ti­ger auf frei­en Fuß gesetzt hat, weil er sie für Opfer von Dis­kri­mie­rung und man­geln­der Inte­gra­ti­on hält. Abge­se­hen von die­sen bei­den Sze­nen gibt es im Film rela­tiv wenig “Vigi­lan­ten­tum” zu sehen. In einer Sequenz erweist sich San­ders als “wei­ßer Rit­ter”, der zwei (wei­ße) jun­ge Frau­en vor zwei zwie­lich­ti­gen (wei­ßen) Ver­füh­rern ret­tet, die sie mit einer “Date Rape”-Droge gefü­gig machen wol­len. Das ist hoch­i­ro­nisch ange­sichts der Tat­sa­che, daß sich Armie Ham­mer seit Jah­ren in einem Kar­rie­re-Nir­va­na befin­det, weil er von meh­re­ren Frau­en der Ver­ge­wal­ti­gung bezich­tigt wurde.

Einen erheb­li­chen Teil der Lauf­zeit des Films ver­geu­det Boll mit hirn­lo­sen han­dels­üb­li­chen Action­se­quen­zen, etwa einer, in der San­ders Dut­zen­de Poli­zis­ten umlegt, die sei­ne moder­nis­ti­sche Vil­la umstellt haben. Der schwer ver­wun­de­te Kom­mis­sar, der ihm auf der Spur ist, zeigt sich nichts­destrotz immer noch als Sym­pa­thi­sant (auch er “liebt Euro­pa und sei­ne tie­fe Geschich­te”), als San­ders ihn im Kran­ken­haus anruft, und davor warnt, daß das demo­kra­ti­sche Sys­tem, das er ver­tei­digt, von “isla­mis­ti­schen Extre­mis­ten und der ver­blen­de­ten woken Lin­ken” geka­pert und zer­stört wird.

Der Film spielt in einer ideo­lo­gisch abs­tra­hier­ten Phan­ta­sie­welt, die wenig Berüh­rung mit der kon­kre­ten Wirk­lich­keit hat. Ver­mut­lich aus Kos­ten­grün­den wur­de aus­ge­rech­net in Kroa­ti­en gedreht, ein Land, das iro­ni­scher­wei­se noch sehr wenig vom “gro­ßen Aus­tausch”, Isla­mis­mus und Migran­ten­kri­mi­na­li­tät bedroht ist. Der Schau­platz ist aber nicht das rea­le Kroa­ti­en, son­dern irgend­ein “euro­päi­sches” Land, stell­ver­tre­tend für alle, die es da geben mag.

In der Welt, in der der “Vigi­lant Citi­zen” ope­riert, sind nicht nur die Benut­zer der sozia­len Medi­en geschlos­sen auf sei­ner Sei­te, son­dern sur­real­er­wei­se auch der immer wie­der auf­tau­chen­de gro­ße TV-Sen­der “World News”, der ten­den­zi­ös zu sei­nen Guns­ten argu­men­tiert: Was sei denn nun eine grö­ße­re Bedro­hung für die Gesell­schaft, so die rhe­to­ri­sche Fra­ge der Nach­rich­ten­mo­de­ra­to­rin, die­je­ni­gen, die schreck­li­che Ver­bre­chen bege­hen, oder der Mann, der die­se Ver­bre­cher eliminiert?

Ich sehe nun Leu­te auf Rechtstwit­ter, die argu­men­tie­ren, daß die­ser Film end­lich “die Wirk­lich­keit” zei­ge, was Migran­ten­ver­bre­chen ange­he, und dar­um “ver­bo­ten” und “zen­siert” wer­de. Es ist ver­ständ­lich, daß man­che nun die pure Exis­tenz die­ses Films als “Mei­len­stein” und als “befrei­end” emp­fin­den, da er ein tat­säch­li­ches gra­vie­ren­des Pro­blem anspricht, das in allen euro­päi­schen Län­dern besteht, die sich der Mas­sen­ein­wan­de­rung geöff­net haben.

In der Tat scheint Boll gezielt nach einem Publi­kum zu hei­schen, das auf sei­nen Film ähn­lich reagiert wie sei­ne fik­ti­ven Social-Media-User auf sei­nen Vigi­lan­ten. Er tut es aber auf eine Art, wie es berüch­tig­te rechts­po­pu­lis­ti­sche Slop-Accounts à la “Radio Gen­oa” prak­ti­zie­ren, affek­tiv, sen­sa­ti­ons­hei­schend und ulti­ma­tiv gehirnverkleisternd.

Wo nun rechts­po­pu­lis­ti­sche Click­bait-Medi­en dazu nei­gen, eine “schwarz­ge­pill­te”, defai­tis­ti­sche Stim­mung zu ver­brei­ten (“Euro­pe has fal­len”), bemüht sich Boll ener­gisch um eine “posi­ti­ve”, “hoff­nungs­vol­le” Bot­schaft, die am Ende des Films ohne jeg­li­che Iro­nie und Distanz ser­viert wird, in Form eines Auf­rufs zu wehr­haf­ter zivi­ler Gegen­ge­walt, aus dem Mun­de eines als Mes­si­as auf­tre­ten­den, auto­ri­tä­ren star­ken Man­nes, der eben kalt­blü­tig eine gesam­te aus­län­di­sche Fami­lie auf­grund von rei­ner “Sip­pen­haf­tung” hin­ge­rich­tet hat.

Die­ser Mann, den man hier gese­hen hat, der attrak­ti­ve, über­le­ge­ne, küh­le Kino-Kil­ler, ist aller­dings ganz offen­sicht­lich ein Psy­cho­path. Kein nor­ma­ler, tat­säch­lich mora­lisch den­ken­der Mensch geht hin und exe­ku­tiert eigen­hän­dig Men­schen, die es sei­ner Ansicht nicht anders ver­dient haben, sys­te­ma­tisch und im von jedem Zwei­fel unbe­fleck­ten Voll­ge­fühl, der gerech­ten Sache zu die­nen. Wohin­ge­gen jener Typ von Sadist nicht sel­ten ist, der sei­ne Taten mit einem rigo­ro­sen Mora­lis­mus rechtfertigt.

Klar: Im Kino, in einem B‑Movie, in einem Action-Schlock-Film kann man eine sol­che Figur hin­neh­men oder unter­halt­sam fin­den oder gar genie­ßen, wenn einem der Sinn danach steht. Boll will das alles jedoch mit einer angeb­lich ernst gemein­ten poli­ti­schen Mes­sa­ge ver­knüp­fen. Man sieht sei­nem Film nicht an, daß es ihm wirk­lich um die Opfer geht. Er zele­briert viel­mehr genüß­lich, wie in unzäh­li­gen ande­ren sei­ner Fil­me, den Akt des Tötens und den Täter mit der Waf­fe in der Hand, der cool und mäch­tig aus­sieht, wenn er tötet.

Das kann man nun, wenn man will, als “sub­ver­siv” sehen oder es abfei­ern, weil es ach so kan­tig und gewagt und angeb­lich “basiert” ist. Ich tue das nicht, war­ne aber auch nicht davor, daß Citi­zen Vigi­lan­te “gefähr­lich” oder mora­lisch “frag­wür­dig” sei (was er auch – mit vol­ler Absicht – ist), aber ich sehe schon jetzt, wie die blin­de Begeis­te­rung für die­sen Film mal wie­der kräf­tig die Ver­dum­mung und Rea­li­täts­fer­ne (und den schlech­ten Geschmack) des rech­ten Spek­trums beschleunigt.

Als Bei­spiel sei die­ser Tweet des fran­zö­si­schen rech­ten Akti­vis­ten Dani­el Con­vers­a­no zitiert, den auch Boll (stets emp­fäng­lich für Schmei­che­lei­en) geteilt hat:

Eini­ge Men­schen, sogar in natio­na­lis­ti­schen Krei­sen, sind der Mei­nung, daß „Citi­zen Vigi­lan­te“ sub­ti­ler und klü­ger sein soll­te, weni­ger offen mili­tant. Haben Sie den Film „One Batt­le After Ano­ther“ mit Leo­nar­do Di Caprio gese­hen? Es ist ein Film, der einen weit links ste­hen­den Ter­ro­ris­mus ver­herr­licht. Eine anti­kon­ser­va­ti­ve Tira­de, die zu Gewalt gegen uns (Rech­te) aufruft.

Was Uwe Boll fehlt, ist nicht Sub­ti­li­tät: Es ist ein Bud­get von 100 Mil­lio­nen und gute Dreh­buch­au­to­ren. Eines Tages wird ein rechts­ge­rich­te­ter Regis­seur sicher­lich einen Film machen, der künst­le­risch gelun­ge­ner ist als „Citi­zen Vigi­lan­te“. Ok. Aber bis dato war nur Uwe mutig genug, den ers­ten Schritt zu tun, um mili­tan­te Wer­ke zu schaf­fen, die den Natio­na­lis­mus offen umarmen.

Oder auch die­ser, mit noch lau­ter auf­ge­dreh­ter Krafthuberei:

„Die Schön­heit wird die Welt ret­ten.“ Die­sen dum­men und fal­schen Satz kann man über­all lesen. Schön­heit ist kei­ne Nati­on; sie besitzt kei­ne Waf­fen, mit denen sie sich ver­tei­di­gen könn­te. Im Gegen­teil, Schön­heit muss vor dem Bösen und der Zer­stö­rung geschützt werden.

Uwe Boll ist kein sen­si­bler Fil­me­ma­cher. Er hat eine dio­ny­si­sche Per­sön­lich­keit. Er ist hier, um zu schrei­en. Er wur­de gebo­ren, um zu has­sen, was has­sens­wert ist. Wir brau­chen die­se Art von Europäer.

Was, denkt ihr, wer­den die deka­den­te Lin­ke und die Ein­dring­lin­ge mit der klas­si­schen Kunst anstel­len, die wir alle lie­ben, wenn wir sie gewin­nen las­sen? Was wird von Rim­baud, Berg­man, Leo­nar­do da Vin­ci oder Shake­speare übrig blei­ben, wenn wir uns nicht muti­ger und stär­ker erwei­sen, um alles zu ver­tei­di­gen, was es zu ver­tei­di­gen gilt?

Poli­ti­sche Rei­fe besteht dar­in zu ver­ste­hen, daß Auto­ri­tät (und manch­mal sogar ein Hauch von Gewalt) erfor­der­lich ist, um Schön­heit und Leich­tig­keit in unse­rer Welt exis­tie­ren zu las­sen. Wollt ihr ein ver­fei­ner­tes Euro­pa? Dann braucht ihr Gren­zen und Bar­ba­ren, die es vor der Außen­welt schüt­zen. Des­halb ist “Citi­zen Vigi­lan­te” ein groß­ar­ti­ger Film. Die Ener­gie in die­sem Film ist genau das, was wir jetzt brauchen.

Also die “Ener­gie” ist es, die “wir” brau­chen, auch wenn das Gan­ze, äh, eher eine “dio­ny­si­sche” Ange­le­gen­heit ist.

Natür­lich war dies alles zu erwar­ten, wenn man mit dem Œuvre von Uwe Boll ver­traut ist, der seit den frü­hen neun­zi­ger Jah­ren wie ein Beses­se­ner Inde­pen­dent-Fil­me am Fließ­band her­un­ter­rotzt, vor­zugs­wei­se im Action- und Hor­ror­gen­re, wovon etli­che den Ruf erlangt haben, zum übels­ten Müll zu zäh­len, der jemals gedreht wur­de. Wie vie­le Regis­seu­re die­ser Art hat er in den Augen man­cher, die es gern bra­chi­al, grell und stumpf mögen, eben dadurch “Kult­sta­tus” erlangt.

Das alles im Ver­bund mit sei­ner offen­sicht­li­chen Lie­be zu exzes­si­ven Gewalt­dar­stel­lun­gen macht Boll nun nicht gera­de zum ver­trau­ens­wür­digs­ten Kan­di­da­ten, wenn es um “seriö­se” The­men geht, an denen er sich hart­nä­ckig immer wie­der ver­sucht. Er erscheint viel­mehr als klas­si­scher “Exploitation”-Filmer, der kon­tro­ver­se und kras­se The­men auf sen­sa­tio­na­lis­ti­sche Wei­se benutzt, um damit Auf­merk­sam­keit zu erzeu­gen und Geld zu machen, dies aller­dings stets in mora­li­sche Recht­fer­ti­gun­gen und Beteue­run­gen ein­ge­wi­ckelt (nicht unähn­lich sei­nem “Citi­zen Vigilante”).

2011 dreh­te er einen etwa ein­stün­di­gen Film mit dem Titel Ausch­witz, was vie­le schon wegen Boll selbst als Sakri­leg und Pro­vo­ka­ti­on erfun­den haben: Aus­ge­rech­net der Schöp­fer von House of the Dead, Blood Ray­ne und Blub­be­r­el­la zeigt dar­in den Ersti­ckungs­tod von Men­schen in einer Nazi-Gas­kam­mer in Groß­auf­nah­me (den zu zei­gen ein Spiel­berg in Schind­lers Liste “takt­voll” ver­mie­den hat), natür­lich nur aus rein päd­ago­gi­schen Moti­ven: “Es ist wich­tig, daß wir nie­mals ver­ges­sen, was pas­siert ist”, erklär­te Boll im Abspann des Films, denn “nur so kön­nen wir sicher­stel­len, daß wir die­sel­ben Feh­ler nicht noch­mal machen”.

Ana­log zeigt er in Citi­zen Vigi­lan­te den qual­vol­len Tod einer jun­gen Mut­ter vor den Augen ihres Kin­des ver­mut­lich, um – was denn eigent­lich? “Wach­zu­rüt­teln”? An die Opfer von Migran­ten­ge­walt zu erin­nern? Die Zuschau­er so zor­nig und rach­süch­tig zu machen, wie “San­ders” im Film zor­nig und rach­süch­tig ist, damit sich das alles end­lich ändert? Oder gibt es nicht doch Moti­ve, die ein Stück­chen nied­ri­ger ange­sie­delt sind?

2022 dreh­te er einen sei­ner meist­ge­h­aß­ten Fil­me, Hanau (Unter­ti­tel “Deutsch­land im Win­ter”), eine gegen den Wil­len der betrof­fe­nen Stadt und der Opfer zusam­men­ge­schus­ter­te No-Bud­get-Rekon­struk­ti­on der Gedan­ken­welt und des Amok­lau­fes eines Psy­cho­ti­kers im Febru­ar 2019, der von den Medi­en zur “rechts­extre­men” Tat erklärt wor­den war.

Boll über­nahm die­ses Nar­ra­tiv voll­stän­dig, indem er am Schluß Bil­der von rech­ten Demons­tra­tio­nen, Trump, QAnon-Anhän­gern, Corona-”Schwurblern” usw. anhäng­te. Davor rück­te er den Täter Tobi­as Rath­jen und sei­ne psy­cho­ti­sche Welt­sicht unge­fil­tert und unkom­men­tiert ins Zen­trum. Wie­der­um bemän­gel­ten Kri­ti­ker die Unge­niert­heit, mit der er sein The­ma aus­beu­te­te, wäh­rend der Regis­seur selbst beteu­er­te, nichts ande­res als ein “Rea­list” zu sein.

Gegen­über dem Spie­gel erklär­te Boll, er wol­le vor “Rechts­extre­mis­mus” und “Ver­schwö­rungs­theo­rien” war­nen. Er insze­nier­te Rath­jen als in die­sem Fall wahn­haf­ten Möch­te­gern-Vigi­lan­ten, der ähn­lich wie San­ders im aktu­el­len Film dazu auf­ruft, den Main­stream-Medi­en kein Gehör zu schen­ken und zur Tat zu schrei­ten, in die­sem Fall gegen sata­ni­sche pädo­phi­le Eliten.

Ande­rer­seits publi­zier­te Boll im sel­ben Jahr ein Buch mit dem Titel War­um sich kei­ner mehr zu sagen traut, was wirk­lich ist, Unter­ti­tel: “Deutsch­land zwi­schen Can­cel Cul­tu­re, Poli­ti­cal Cor­rect­ness, und der neu­en Feig­heit, die Wahr­heit zu sagen”, und auch im Frei­lich-Maga­zin hat er sich mit einem Inter­view bli­cken lassen.

Dort zeig­te er sich als mode­ra­ter, Law & Order und kul­tu­rel­le Kom­pa­ti­bi­li­tät beto­nen­der Ein­wan­de­rungs­kri­ti­ker, und ver­wies auf sei­nen Film Run (2025), der als ers­ter Film über­haupt nicht nur die Stra­pa­zen der Boots­flücht­lin­ge auf dem Mit­tel­meer zei­ge, “son­dern auch, wie die­se Flücht­lin­ge Stress, Unru­he und Wohl­stands­ver­lust nach Euro­pa brin­gen.” Die­sen Film habe ich nicht gese­hen und kann dazu kein Urteil fällen.

Citi­zen Vigi­lan­te ist kein völ­lig schlech­ter Film. Im Gegen­satz zu ande­ren Boll-Wer­ken ist er gut pho­to­gra­phiert, flott geschnit­ten (von etli­chen über­lan­gen, red­un­dan­ten Sze­nen abge­se­hen), mit zwei, drei ein­präg­sa­men Sze­nen und einem ansehn­li­chen Haupt­dar­stel­ler, der aller­dings nicht all­zu viel zu tun bekommt.

In man­cher Hin­sicht han­delt es sich hier gewiß um einen “Mei­len­stein” und um einen kräf­ti­gen Tritt gegen das Over­ton­fens­ter. Auf man­che scheint er eine gera­de­zu opi­ati­sche Wir­kung aus­zu­üben, weil er trotz sei­ner man­gel­haf­ten Qua­li­tät gewis­sen unge­still­ten emo­tio­na­len Bedürf­nis­sen ent­ge­gen­kommt, als Rache­por­no oder juve­ni­le Erlösungsphantasie.

Es ist aber auch ein zwei­schnei­di­ges, sogar ein ein biß­chen ver­gif­te­tes Geschenk, das Uwe Boll, ein Mann der sei­nen Anti-Intel­lek­tua­lis­mus wie ein Ban­ner vor sich her­trägt, der ein­wan­de­rungs­kri­ti­schen Rech­ten mit die­sem Film gemacht hat.

Ich rate drin­gend davon ab, dar­aus einen “Kult­film” oder auch nur eine Mem-Mine machen zu wollen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (46)

Andreas J

25. Juni 2026 13:30

"Die rechten Multiplikatoren beißen reihenweise an, denn offenbar gilt es einen extrem politisch unkorrekten Film gegen “Zensur” und ähnliche Verhinderer in Schutz zu nehmen."Findet hier denn faktisch keine Zensur statt?

ML: Ein bißchen schon, aber jedermann kann den Film im Internet vie Streaming sehen, und so wird er ja auch von den allermeisten Zuschauern in den USA konsumiert.

RMH

25. Juni 2026 14:02

Mir fallen bei dem genannten Kontext der Vigilanten Filme auch die ersten Teile von "Mad Max" und die recht erfolgreiche Streaming-Serie "Dexter" ein.
Das "Recht in die eigene Hand" zu nehmen, kommt als "american way of life" natürlich auch in den Serien von Taylor Sheridan vor, dem ja auch eine gewisse Rolle am Erfolg der MAGA-Bewegung zugeschrieben wird.
Aber egal, soll ja kein Co-Referat werden, zumal ich den Film nicht gesehen habe. Boll scheint wohl ein Mensch zu sein, der gewissen Geschäftsfelder bedienen kann, bis vor 20 Jahren war er wohl am Steuerabschreibungsmarkt von sog. Filmfonds erfolgreich aktiv. Jetzt setzt er auf eine Exploitation-Welle. Und nachdem es bereits Blaxploitation, Sexploitation und Naziploitation und was weis ich für -ploitation Filme gab, macht er jetzt das Rightwingploitation Genre (oder, falls es das schon gibt, erschafft er besonders grelle Exemplare davon).
Man fragt sich nur: Was zur Hölle soll das Ganze mit "Rechts" zu tun haben? Warum feiern einige, die sich "Rechts" nenen, sowas ab? Für mich hat das so wenig mit Rechts zu tun, wie 150.000 in Nürnberg aufmarschierende Braunhemden.

Laurenz

25. Juni 2026 14:36

@ML ... danke erst mal für die Info überhaupt. Fand gleich 4 Filmkritiker (1er eher queer) auf YouTube, die alle keinen Zweifel daran lassen, wer Uwe Boll ist, aber den Film mehr oder weniger (2:2) gut finden. Unter dem I. Clip stand der Kommentar, daß es keine bessere PR für den Film gäbe, als "Haramstufe Rot" bei der FSK. Hier ist die 2. Film Besprechung. https://youtu.be/5VNRsGKZYBk Unter der queeren Filmkritik waren die Kommentatoren nicht wirklich nett zum Kritiker.

Paavo

25. Juni 2026 15:00

Wenn ein Film Kunst ist, und das ist ein Film, dann muß die Schwelle für Eingriffe besonders hoch sein. Denn die Kunstfreiheit genießt im GG einen höheren Stellenwert als die allgemeine Meinungsfreiheit, weil kein ausdrücklicher Gesetzesvorbehalt existiert.
Die eigentliche verfassungsrechtliche Frage lautet dann doch: Ist die Verweigerung einer Freigabe mit dem hohen Rang der Kunstfreiheit vereinbar, oder wurde hier übermäßig in die Freiheit künstlerischen Ausdrucks eingegriffen?

RWDS

25. Juni 2026 15:07

Kann an (Bolls) Anti-Intellektualismus nichts Verwerfliches entdecken. Gequatscht wurde lange genug. 

ML: Genau, jetzt müssen endlich dämliche Fantasy-Filme gedreht werden.

Mitleser2

25. Juni 2026 15:09

Sieht sich nicht die Antifa in einer ähnlichen Rolle, nur von der anderen Seite? Man muss nicht gleich die Weimarer Republik bemühen, aber irgendwann wird sich die Rechte der Frage stellen müssen, wie sie mit linker Gewalt umgeht. Und das ist völlig unabhängig von so einem Film. Beim Erfurter AfD-Parteitag wird man einiges sehen.

Andreas J

25. Juni 2026 15:24

Ohne das vermutlich erhebliche Risikopotenzial näher zu skizzieren, glaube ich, dass es kaum Kinobetreiber gäbe, die den Film zeigen würden. 
 

Ein gebuertiger Hesse

25. Juni 2026 15:32

Den letzten Satz des Artikels dreimal lesen everyone.

t.gygax

25. Juni 2026 16:50

Neuaufguss von "Ein Mann sieht rot,"1974 mit Charles Bronson.Nichts Neues unter der Sonne...aber: der erste Film, der die Migrantengewalt drastisch zeigt, und die nur in Amerika vorstellbare Antwort darauf.Antaios brachte vor genau 10 Jahren 2 Krimis zu diesem Thema heraus, die in Sachen Gewalt mehr als heftig waren( Chaos/ Der Aufstand). Aber eben nur fiktionale Wunschvorstellungen, wir sind in der BRD wehrlos. Und der Staat schützt uns nicht.Von daher ist der Film eigentlich Ablenkung....zur Gewalt: wenn im von meinen Steuern bezahlten Fernsehen um 20 15 Filme mit widerlich perversen Morden und Vergewaltigungen kommen, stört das niemand mehr.Ich habe vor 4 Jahren (leider!)einen  scheußlichen Magdeburger Polizeiruf 110 gesehen, der tat meiner Seele nicht gut.Die Bilder verfolgten mich noch lange  vor allem, weil es um Morde und Quälereien an Kindern ging....Und in der Szene, in der Bolls Filme angesagt sind, ist man etwas abgebrühter.....übrigens für den Schöngeist Lichtmesz und seine oft bekundete Bewunderung für eine Figur namens Werner Herzog: in der Woyzeck Verfilmung 1979, damals mit Kinski und Eva Matthes, zeigt Herzog das langsame Abstechen von Marie in Zeitlupe.....der hochgerühmte Werner Herzog hat genauso eine Affinität zum Zeigen von Grausamkeiten wie der offenbar etwas "kulturell niedriger" angelegte Boll..   

ML: "Genauso" ist stark übertrieben, und bei Herzog ist das immer wohldosiert und kein Selbstzweck.

Fordring

25. Juni 2026 16:59

"Ich rate dringend davon ab, daraus einen “Kultfilm” oder auch nur eine Mem-Mine machen zu wollen."
 
Ich rate dringend dazu.

Fordring

25. Juni 2026 17:06

@ML Warum haben Sie den zweiten Satz wegzensiert? Sie sind von allen Autoren hier der einzige, der bei polemischer Gegenrede sofort einen Trotzanfall kriegt.

Kositza: Wenn ich hier freischalte (tat ich in dem Fall) kürze ich Beleidigungen raus (die hier eh unzutreffend & peinlich waren, Sie könnten mir insofern dankbar sein) oder lösche auch mal ganze Kommentare. So läuft das hier.

ML: Ich mache das genauso. Und wer mir (und anderen) blöd kommt, wird mit Handkuß "zensiert".

Andreas J

25. Juni 2026 18:26

Elon Musk streamt den Film. Tja, FSK. 

Laurenz

25. Juni 2026 18:57

@Ein gebürtiger Hesse ... habe zum letzten Satz MLs, anders als Sie & @Fordring, überhaupt keine Meinung, weil ich darauf sowieso keinen Einfluß nehmen kann, auch vorab, nicht wirklich weiß, was richtig ist. Das Entscheidende hat Boll (in der von mir zitierten Filmkritik) Selbst gesagt. Nur Boll hatte die Eier, den Film so zu drehen, die Pussies (Bolls Kollegen) alle nicht (mal abgesehen von Kunst, flimisches Handwerk & Skript).

Heinrich Loewe

25. Juni 2026 19:26

Diese "Besprechung" ist ein dermaßener clusterfuck, daß ich gar nicht weiß wo anfangen. Kann man nicht EINMAL postiv sein und das Ganze zuallererst mal würdigen? Niemand redet von Kultfilm.
Es hat endlich mal einer die Eier gehabt, so einen brutal direkten, ehrlichen Film zu machen.
Frage trotzdem an den Film-Experten: Ist Das Heerlager Der Heiligen eigentlich verfilmbar? Das wäre höchste Zeit.

Kositza: Niemand redet von Kultfilm? Wo leben sie? Im ZDF?

ML: Ich finde nicht, dass das ein "ehrlicher" Film ist.

Majestyk

25. Juni 2026 20:28

Zensur in Deutschland ist nicht neu. Aufgrund von § 130 und § 131 wurde schon in meiner Jugend alles Mögliche beschlagnahmt. Was habe ich früher ein Heidengeld ausgegeben, um über Umwege an beschlagnahmte Filme zu kommen. Und die Zensur durch die Hintertür, diese infame Indizierung gibt es auch bereits seit 1961. Man soll auch nicht so tun als würden nur Linke zensieren, Rechte sind nicht besser, wenn es darum geht erwachsene Menschen erziehen zu wollen. Ich erinnere mich noch gut an die markigen Reden aus Reihen von CDU/CSU und an selbst ernannte Sittenwächter und Moralapostel. Solche Verhaltensweisen haben übrigens mit dazu beigetragen, daß die Jugend einst die Linken als cooler empfand. Art 5 GG ist ein Witz, wenn man sich mal Absatz 2 zum Gemüte führt. (2) "Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre." Damit kann ich alles und nichts begründen. Am Ende bleibt vom Zensurverbot nichts mehr übrig.

Monika

25. Juni 2026 20:45

Vielen Dank für diese nüchtern-sachliche Filmbesprechung! Die Realität ist viel härter. Der 17-jährige Louis wurde in Frankreich brutal zu Tode geprügelt. Wer harte Bilder braucht, findet die zu Genüge im Netz. Ich brauche sie nicht, um die Grausamkeit solcher Taten zu begreifen. Es gibt sicher andere Wege, diese Brutalitäten filmisch umzusetzen. Auch finde ich es nicht gut, mit solchen "ethnischen Schocks" das Overtonfenster nach rechts verschieben zu wollen. Wenn die Menschen nicht begreifen, was hier, in  sog. zivilisierten Ländern vor sich geht, dann hilft auch kein Brutalofilm. Eigentlich müsste man verstummen. https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/aus-aller-welt/migranten-zu-tode-getreten-lynchmord-louis-frankreich/

Majestyk

25. Juni 2026 21:09

In meiner Jugend las ich immer die Filmkritiken in der Tageszeitung. Viel Auswahl gab es nicht. Cinema oder ähnliches konnte ich mir fast nie leisten. Entweder Zeitschrift oder Eintrittskarte. Filmzeitschriften lasen wir am Zeitschriftenregal, zumindest immer so lange bis man uns wegjagte.
Der Kritik der Tageszeitung hieß Günter H. Jekubzik. Wenn der einen Film verriß, so ähnlich wie im legendär, berüchtigten Lexikon des Horrorfilms von Rolf M. Hahn und Volker Jansen, wußte ich genau, den Streifen mußt du sehen. Lobte er hingegen einen Film, war das eher ein Schnarchteil, wie später "Der englische Patient" oder diese französischen Filme, die in etwa so spannend sind wie trocknende Farbe auf der Wand. 
Uwe Boll ist normalerweise nicht meine Sorte Tee, aber wenn Herzogfan Martin Lichtmesz eher abrät, ist der Streifen fürs Wochenende gebongt. Auf Odnoklassniki gibt es das Teil übrigens kostenlos im Original. Auf Deutsch findet sich der Film nirgends und ist damit faktisch für alle Deutschen, die nur deutsch sprechen zensiert.

ML: Das ist doch Quatsch, es gibt eben noch keine deutsche Fassung.

Und wer zensiert hat Angst vor unbequemen Aussagen.
Der perfekte Vigilantefilm ist übrigens "The Exterminator" (1980). Da wird nichts relaiviert, dem Rächer auch kein Problem angedichtet, da wird der Oberbösewicht am Ende durch den Fleischwolf gedreht. Mir gefällt's.
 
 

Majestyk

25. Juni 2026 21:23

@ ML: 
"Ich mache das genauso. Und wer mir (und anderen) blöd kommt, wird mit Handkuß "zensiert"."
Ist OK. Sich dann aber bitte nicht beschweren, wenn man anderwo selber gecancelt wird. Entweder man ist für Redefreiheit oder nicht. Ansonsten kann man selbige abschaffen und dann gilt eben: Gesagt werden darf, was dem aktuellen König gefällt. Darauf läuft es im Netz und in den Medien ja auch hinaus.

ML: "Redefreiheit" heißt ja nicht, daß man dummdreist von jedermann fordern kann, nach Belieben auf seiner eigenen Plattform herumzupöbeln, und dann "Zensur" krähen, wenn die Pöbeleien gelöscht werden. Wer diese simple Unterscheidung nicht verstehen will oder kann, sollte lieber freiwillig den Mund halten.

Majestyk

25. Juni 2026 22:54

@ ML:
"Das ist doch Quatsch, es gibt eben noch keine deutsche Fassung."
Citizen Vigilante wurde sogar das SPIO/JK-Siegel verweigert. Damit kann er in Deutschland nicht vertrieben werden, nicht einmal wie früher indizierte Filme unter der Ladentheke. Das ist faktisch nicht nur ein Werbe-, sondern Vertriebsverbot. In der Form meines Wissens ein Novum. Einen Beschlagnahmebeschluß gibt es aber ebenfalls nicht, gegen den man mit Rechtsmitteln vorgehen könnte. Bleibt dem so, kann der Film in Deutschland nicht vertrieben werden. Es ist ein Verbot, ohne ein anfechtbares Verbot zu sein. Und wer soll nun bitte eine deutsche Sprachfassung fertigen, bei Kosten ab 60.000 Euro aufwärts? 
Selbst wenn, werden Sie den Film immer noch nicht in deutscher Sprache sehen können. Wer soll denn die deutsche Sprachfassung streamen und wozu? Ich streame auf deutsch für Deutsche und wenn ich das Produkt dort nicht anbieten darf, dann wird der Film nicht auf deutsch gestreamt. Der Rest der Welt schaut auf englisch oder in der Landessprache. Und was ist an meiner Aussage nun bitte Quatsch? 

ML: Es ist ja nicht einmal sicher, ob überhaupt eine deutsche Fassung geplant war.

Gracchus

25. Juni 2026 23:12

Für mich heißt das, ich schau mir den Film gar nicht erst an. 
@Majestyk: "Herzogfan"!
"Trocknende Farbe" - Zitate bitte kennzeichnen; das ist aus einem eher uninteressanten Arthur Penn-Film, konkret gemeint: Rohmer. 
Beide, Herzog + Rohmer, absolute Regiehelden. 

ML: Aber "Night Moves" ist schon sehr gut!

nom de guerre

25. Juni 2026 23:24

@ Majestyk
"...wird der Oberbösewicht am Ende durch den Fleischwolf gedreht." Das hat, wenn ich mich richtig erinnere, Tony Soprano auch mal mit einem seiner Mafiafeinde gemacht. Und Fritz Haarmann im echten Leben. Ist das für Sie ein Zeichen (filmischer) Qualität?
 

Laurenz

25. Juni 2026 23:51

@Majestyk & Heinrich Löwe ... Unterscheiden Sie, was Sie wollen. Ich formuliere immer dementsprechend. Wollen Sie 1., daß alle SiN-Interessierten Ihren Beitrag lesen oder wollen Sie 2., der Redaktion die Meinung geigen, abseits der Frage zu Recht oder Unrecht? Sie können in beiden Fällen davon ausgehen, daß die Redaktion Ihren Kommentar liest. Besonders treffend tut es weh, wenn Ihre Beweisführung offenkundig ist. Das muß dann auch kein SiN-Leser mitbekommen. Wenn Sie das anders wünschen, machen Sie einen Eigenen Blog auf, ziemlich aufwendig & gefährlich in Deutschland. Nochmal, unterscheiden Sie, mit wem Sie in unserem Lager konfrontierend kommunizieren wollen, mit dem Leser oder mit dem Autor.

ML: Wer höflich bleibt, darf hier alles sagen! Außer er geht mir sonstwie auf den Sack...

Majestyk

26. Juni 2026 01:28

@ Gracchus:
"Zitate bitte kennzeichnen"
Sie haben es doch trotzdem rausgefunden. Gibt aber kein Fleißkärtchen. Ich dachte, Sie hätten Rechtsverdreherei studiert und nicht Lehramt? Geht das jetzt als witzig durch oder muß ich die Antwort neu abfassen?
"Beide, Herzog + Rohmer, absolute Regiehelden."
Ja, für Leute, die auf stinklangweilige, snobistische Filme stehen, im Fall von Herzog zudem pathetisch und selbstverliebt. Herzog hat aber wenigstens noch Punch und einen absoluten Wiedererkennungswert. Filme von Rohmer sind so ziemlich das unmännlichste was je auf Zelluloid gebannt wurde. Kein Wunder, der Mann war bekennender Feminist. Achtung, abgewandeltes Zitat von Danisch "Welcher Mann schaut sowas?"

ML: Ich lach mich grad schlapp über das "snobistisch" und "unmännlich".

Um Independent-Filmer wie Boll richtig zu bewerten, muß man sich auch mal die Budgets anschauen. Erfolg scheint Citizen Vigilante zu haben. Bereits fast 70 Mio. Dollar eingespielt, bei 9 Mio. Produktionskosten. Über Actionfilme mögen manche ja müde lächeln, aber Populärkultur erreicht mehr Menschen als Podiumsdiskussionen oder Hochliteratur. Ich freu mich immer, wenn sich hierzulande das Establisment genötigt sieht etwas zu verbieten oder zumindest zu verfolgen, wie „L'amour toujours“ und an den eigenen Lügen erstickt.

EddyNova3122

26. Juni 2026 02:30

Vielleicht wollte UWE BOLL einfach nur einen Patria Mainstream Film drehen der wenig Synchronisation erfordert. Bei aller Kritik die ich partiell nachvollziehen kann kommt bei diesem Topic Boll's Hang zum Tabubruch bestens an.
Die beste Szene war die Rechtfertigung der Muselmanen - sie zeigt das Allahs Frauen alles andere als schuldlos sind. Diesse Perspektive war wirklich ein Alleinstellungsmerkmal des summiert durchaus gelungenem Film.
Das verrückte FSK Theater zeigt die Dummheit der Staatsorganisationen - Streisand -Effekt par excellence ! Voll in die Falle getappt : die Bilder des Film waren sicher nicht entscheidend für die FSK Verweigerung - wäre dem so ,wären Videotheken Regale leer.
Es war der Text - die Angst eine Übersetzung könnte diesen inhaltlichen Aspect noch verstärken ,faktisch das meines wissens erste de facto Verbot aus politischen Gründen fern der Shoa. FREE SPEECH - hier gilt der Dank Elon Musk der den Angriff der Schergen 'Unserer Democratia' ad absurdum

Mitleser2

26. Juni 2026 08:29

Führt eigentlich Antizionismus automatisch zur Relativierung des Islam? Denn darum geht es doch: Islamistische Migrantengewalt, und wie damit umzugehen ist. Dazu passt dann auch Benedikt Kaiser auf X: "Über prinzipielle Islamfeindschaft brauchen wir nicht reden, eh Schwachsinn". Da kann Sellner seine Remigration gleich vergessen.

Gracchus

26. Juni 2026 09:15

@Majestyk: Sie wollten sich mit fremden Federn schmücken - ist das etwa männlich? (Kommt wohl von Ihrem CDU-Hintergrund.)
Ich vermute, für Sie ist die gesamte europäische Kultur unmännlich, ich vermute, männlich ist in Ihren Augen nur, was eine Knarre hat und damit rumballert.
Rohmer war kein bekennender Feminist, sondern bekennender Katholik. Seine Filme erkennt man nach drei Sekunden. "Welcher Mann schaut sowas?" - solche zum Beispiel, die ihre Männlichkeit nicht durch markige Sprüche beweisen müssen. 
@ML: Mich, obwohl Noir-Fan,  hat "Night Moves" nicht so vom Hocker gerissen. 
 
 

RMH

26. Juni 2026 09:30

Irgendwie kommt mir der Film wie eine Art Porno vor, der Phantasien bedienen will. Wenn man das Werk jetzt zum Kult & zur Meme-Mine macht, wirkt das ein bisschen so, als ob man in alle Welt herausplärrt, ich habe auf den oder jenen Porno besonders gut onaniert. Und jeder, der darauf hinweist, dass man doch nicht mit seinen Wixphantasien hausieren geht, wird dann als prüder Klosterzögling verhöhnt.
Das Beste wird sicher noch kommen: Der Herr Boll kann jederzeit sagen, dass er mit seinem Film die Vielzahl an Rechten in der Gesellschaft am besten entlarven kann, in dem er ihnen ein Luder hinlegt, welches sie mit heruntergelassenen Hosen wie Exhibitionisten hinter den Büschen hervorspringen lässt. Am Ende kann er sich als der große Demaskierer & Aufklärer darstellen &  das, worauf es ihm ankommt, dass die Kasse klingelt, läuft nebenbei ungestört oder noch besser weiter. Es bleibt dann nicht bei 15 Minuten Ruhm.
PS: Entschuldigung für die sexualisierte Beschreibung. Es geht mir hier nicht um Sexualisierung, sondern um Mechanismen, die damit gut umschrieben werden können und der Vergleich liegt dann nah.

Mitleser2

26. Juni 2026 11:06

@RMH: geht's nicht etwas weniger pathetisch?
Die Rechte muss Mittel gegen die Antifa und deren Durchdringung der Gesellschaft finden. Dazu gibt es viele Wege. Einen davon niederzumachen ist nicht hilfreich.

Paavo

26. Juni 2026 11:09

Ein Film erlangt aus sich heraus, dazu der passenden Zeit und den herrschenden Umständen, Kultstatus oder eben nicht. Ich bin mir sicher, daß dieser Film Kultstatus erlangen wird. Ebenso wie damals "Ein Mann sieht rot" mit Charles Bronson, der nun ohne Frage auch nicht als filmisches Meisterwerk daherkam. Die Mahnung von Herrn Lichtmesz, ihn nicht zum Kultfilm zu machen, ist absurd. 

ML: Ich glaube nicht, dass es einer wird, ich rate eher davon ab, so zu tun, als wäre es bereits einer oder würde es einer.

RMH

26. Juni 2026 11:28

@Mitleser2, bitte mein "PS" zu meinem Beitrag nicht übersehen. Ich sehe hier nichts Pathetisches, sondern einen Wirkmechanismus und bitte nie übersehen, dass der gute Herr Boll mit hoher Wahrscheinlichkeit zwar vieles, aber sicher kein Rechter ist, der gerade Patrioten mit seinem Film einen Dienst erweisen wollte. Sein "Hanau" Film ist das abgeschmackte Gegenteil von einem Mittel gegen die Antifa. Filme wie diese, sind kein Dienst für Patrioten, eher ein Bärendienst.
Aber Hauptsache, die Kasse klingelt weiter bei Herrn Boll.

Laurenz

26. Juni 2026 12:26

@RMH ... Mitleser2 wird Ihnen gegenüber schon Recht haben. Die KI behauptet, die Produktionskosten von Citizen Vigilante seien nicht veröffentlicht worden, bat aber darum, Quellen zu nennen, wenn ich denn welche hätte. Boll beklagt generell den Finanzierungs-Zusammenbruch im Indi-Film-Genre. Man drehte, um Kosten, wie Steuern zu sparen, in Kroatien. Ein paar wenige Mio. wird der Film schon gekostet haben, heißt, Boll wird also einen oder mehrere, vielleicht auch politisch überzeugte Investoren gefunden haben. Glauben Sie ernsthaft, Boll erhält irgendwo Mittel aus einer Filmförderung, sprich aus Steuergeld? Die KI zweifelt übrigens auch die 67 Mio. $ Einnahmen an. Hier handele es sich um einen Internet-Fehler, der einfach übernommen wird. Der Film läuft seit dem 19.06. nur in wenigen Kinos (Limited Edition). Da Boll mit der Einwilligung von Musk den Film gratis auf X stellte, erhält Boll keinen Centavo für die Ausspielung auf X. Selbst wenn man den Film im weiteren Sinne als "rechts" einordnen wollte, wollen Sie Rechten ihre Sehnsüchte verbieten? Bei uns ist doch ML der Film-Pro. Ich gehe davon aus, daß ML Ihnen ein paar "linke" Lichspielstreifen liefern kann, für die Ihre Attribute genauso zutreffen, aber vom Steuerzahler finanziert wurden.

demeter

26. Juni 2026 12:38

Ich habe das jüngste Machwerk von Boll noch nicht in Gänze gesehen aber wenn man sich an seine bisherigen cineastischen Ergüsse erinnert, dann besteht sehr wenig Hoffnung auf einen filmischen Genusshappen.
Wie bei allen Themen, gibt es beim Thema "Vigilante" gute und weniger gute Werke und auch solche, die man sich komplett sparen kann. Und nicht jeder unterbudgetierte Film hat einen George Miller als Regisseur und Drehbuchautor, der das Thema estklassig bedient.
Martin Lichtmesz hat vollkommen Recht: Nur weil einem das Thema so dringend behagt, sollte man einen Film nicht auf eine Ebene heben, wo er einfach nicht hingehört.
Wer Herrn Lichtmesz's Lichtspielführer kennt, weiß, er ist ein echter Enthusiast undhingebungsvoller Liebhaber von Filmkunst. Hier mit der Betonung auf Kunst. Und dazu gehört soviel mehr als nur das Thema. Schnitt, Kamera, Tonality, Musik und natürlich sowieso die Darsteller und soviel mehr.

cubist

26. Juni 2026 13:00

Nach oberflächlicher Twitter/X-Sichtung des Films kann ich persönlich Herrn Lichtmesz zustimmen. Es ist kein superschlechter Film, aber auch nichts, wofür man Lebenszeit aufwenden müsste. Ob der Film rechts ist, überlasse ich anderen (das interessiert mich bei (Film-)Kunst i. d. R. nicht). Immerhin, er hält das Thema ein wenig am köcheln & die Mechanismen der medialen Empörung zu beobachten ist amüsant ... . Was mich aber etwas wundert: Wie verhält sich Lichtmesz' Verdikt "Uwe Boll, ein Mann der seinen Anti-Intellektualismus wie ein Banner vor sich herträgt" dazu, dass der gute Uwe sehr sehr gern mit seinem akadem. Grad kokettiert (sogar den offenen Brief, siehe Berliner Zeitung oder TE, an die FSK hat er mit "Dr. phil" gezeichnet). Ich denke, Bolls Schaffen ist eher (auch) mit gekränktem Narzissmus zu erklären als mit bloßem Hass auf das intellektuelle Establishment. (Ich gebe aber gerne zu, dass sich das überschneidet. Boll will vermutlich ein intellektueller Anti-Intellektueller sein. Das dumme ist, wenn ich mir Sprache und Stil seines offenen Briefes, die Dissertation habe ich nicht gelesen, und seiner Filme ansehe, und seiner Filme anschaue, dass er beides handwerklich nicht wirklich sauber beherrscht.)

dojon86

26. Juni 2026 13:34

@RMH Glänzend formuliert. Ich hatte nach der Lektüre der Lichtmeszschen Kritik ein ähnliches Gefühl, fand aber keine passenden Worte.

Herr K aus O

26. Juni 2026 13:48

Jetzt bin ich fast neugierig geworden. Aber: Horror habe ich seit dem Spiel gegen Ecuador genug. Für Musk ist das aber auch ein kleines Geschäftchen: Will man den Film runterladen, muss man einen Bezahlaccount haben.

Beta Jas

26. Juni 2026 14:33

Soweit ich den Film beurteilen kann, handelt es sich bei dem Streifen eben um ein Produkt von Uwe Boll, der mit dem Film alles und jeden verunglimpfen und diskreditieren will.
Dass es tatsächlich Leute in Europa und Nordamerika geben soll, die den Streifen als "heiße Ware" ansehen und nicht begreifen, was der Film eigentlich will, ist beeindruckend peinlich. Aber Alfred Tetzlaff hat schließlich auch seine Anhänger, obwohl die Figur sich über sie lustig macht.

Majestyk

26. Juni 2026 14:34

@ nom de guerre:"Ist das für Sie ein Zeichen (filmischer) Qualität?"
 
Nö, aber es hat einen kathartischen Unterhaltungswert.
Sopranos habe ich nie gesehen, schaue fast gar keine Serien. Gerne mal alte britische Krimis wie Poirot, Marple (Joan Hickson), Sherlock Holmes (Jeremy Brett) oder Sitcoms wie "Scrubs" oder "Two and a Half Men". Die einzige jener gepriesenen Wunderserien, die ich tatsächlich ganz gesehen habe, war "The Shield". Die war aber tatsächlich großartig. Generell sind Serien, Streaming und Digitalisierung der Tod des Kinos. 
 

Beta Jas

26. Juni 2026 15:06

@Majestyk
Der Exterminator?
Der Spielfilm ist durch und durch "politisch korrekt“. Was mit der Rassenkombination beginnt. Ein Weißer und ein Schwarzer kommen zurück aus dem Vietnamkrieg und arbeiten gemeinsam in einem Getränkelager. Der Schwarze wird später von einer Jugendbande in einem heruntergekommenen Stadtteil von New York von hinten angegriffen und so zusammengeschlagen, dass er querschnittsgelähmt im Krankenhaus liegt. Sein Kamerad macht einen Rachefeldzug durch New York, bringt die Jugendbande sowie einen Mafioso um und tötet einen Perversen, der sich an einem Jüngling in einem dreckigen darauf spezialisierten Club vergreifen wollte. Der Film beschreibt einen Rachefeldzug gegen das allgemeine Unrecht in New York, ungeachtet der Frage welche suppressiv soziologischen Aspekte von links seit den 60ern betrieben werden.
Natürlich darf zum Schluss keine Luftaufnahme von dem Stadtbild New Yorks mit der Freiheitsstatue fehlen. 
Ich kenne den Film und finde ihn wegen dem Zeitgeist und den Farben, die zusehen sind, interessant. Aber auch weil in ihm eine Selbstjustiz als "legitim" verkauft wird, was ich so gefährlich finde.

Gracchus

26. Juni 2026 15:22

Der Stoff liegt in der Luft. Habe mich schon gefragt, wann den jemand aufgreift. Aber nicht so einfach, stelle ich mir vor. Man will ja keinen Thesenfilm; dann fokussiert ein Film auf Einzelschicksale, auch ein Problem; in dem Buch Familie Gottmann war das nicht schlecht - durch Überdrehtheit, durch Spiel mit Klischees - gelöst; das eignet sich auch hervorragend für eine Verfilmung.
Zu erinnern ist, dass Kleists Kohlhaas auch eine Vigilante-Story ist. Kleist hielte ich überhaupt für geeignet, den Stoff diskurssprengend zu bewältigen.

Kurativ

26. Juni 2026 15:42

Gut zu wissen. Es gibt solche Produkte, welche beim ersten kurzen hinschauen valide und nützlich erscheinen, dann aber sich ins Gegenteil verkehren. Interessanter sind dienigen Impulse, welche zunächst einfach und unwichtig erscheinen und dann immer interessanter werden. Nachdem ich einen Haufen Filme gesehen habe, bietet Filmkunst keine Freude. Man ist dem zu sehr ausgeliefert. Eine Oper auf Schallplatte hat mehr zu entdecken. Wie zum Beispiel Cosi Fan Tutte von Mozart.

Majestyk

26. Juni 2026 16:07

Teil 1/3
@ Gracchus:
"Sie wollten sich mit fremden Federn schmücken - ist das etwa männlich?
Habe ich gar nicht nötig. Ich gehöre ja auch nicht zur Fraktion, die zur Unterstützung der eigenen Argumentation Referenzwerke benötigen. Ich bin kein Student, Akademiker oder Intellektueller. Ich schreibe wie ein normaler Mensch aus dem Bauch heraus.
"(Kommt wohl von Ihrem CDU-Hintergrund.)"
Haben Sie schon mehrmals behauptet. Verstehe zwar nicht, warum Sie als Katholik so ein CDU-Feindbild haben, aber ich war nie CDU-Wähler. Außer einmal bei einer Kommunalwahl und da habe ich noch verloren.. Ich glaube auch nicht, daß ich mich wie ein ehemaliger CDU-Wähler anhöre. 
"Rohmer war kein bekennender Feminist, sondern bekennender Katholik."
Wenn ich jetzt sage, daß dies die Sache nicht gerade besser machen würde, bekomme ich bestimmt Ärger, oder?
Was Sie schreiben stimmt aber auch nicht. Rohmer kritisierte das ominöse Patriarchiat, legte Wert auf weibliche Perspektiven, zeigte schwache Männer. Rohmer machte Filme für Frauen, nicht für Männer, siehe z.B.  hier.
Fortsetzung folgt.

Majestyk

26. Juni 2026 16:09

Teil 2/3
Mir erzähle keiner, französische Autorenkino sei nicht in weiten Teilen feministisch und generell links. Wer darin weder Feminismus noch linke Ideologie findet, sollte seine Prägung hinterfragen. Wenn ich mir Filme anschaue, in denen Männer mit Frauen die Macht in Beziehungen aushandeln, ist das zutiefst unmännlich. Wenn eine Frau sagt, "in unserer Beziehung entscheiden wir beide" und der Mann dem zustimmt, hat der Mann sich bereits untergeordnet. Eine traditionell geführte Beziehung zwischen Mann und Frau ist alles Mögliche, aber niemals eine Demokratie. 
Ich als Mann muß keine weibliche Sichtweise einnehmen. Meine Sichtweise ist männlich und daran ist nichts verwerflich. Dass Männer sich haben einreden lassen, sie müssen sich einer weiblichen Sicht anpassen ist Ursache des Dilemmas. Ich konsumiere keine Kunst, die Männlichkeit negativ darstellt. Maskulinität erreicht man durch eine maskuline Lebensweise. Dazu gehören auch maskuline Rollenvorbilder und keine dressierten Männer. Im modernen Film fehlen echt männliche positive Rollenvorbilder fast komplett (OK, in den USA gibt es derzeit ein leichtes Revival, siehe Taylor Sheridan), im realen Leben meist ebenfalls, siehe auch vaterlose Gesellschaft. 

Majestyk

26. Juni 2026 16:33

Teil 3/3
Der Film "Junior Bonner" ist z.B. ein sehr männlicher Film. Dort fällt kein einziger Schuß, abgesehen von Startschüssen beim Rodeo. Ein Mann zu sein ist toll, genau das sollten Filme für Männer auch zeigen, ist aber verloren gegangen. 
Ein Mann muß nicht gewalttätig leben, aber er muß fähig sein seine Frau und seine Familie beschützen zu können. Frauen sind auf entsprechende Männer genetisch programmiert. Seine eigene Frau nicht notfalls beschützen können ist unmännlich. Da können Sie mich nun auslachen oder auf mich hinuntersehen so viel Sie wollen. Daran fehlt es derzeit. Deutsche Männer schützen ihre Frauen und Kinder ungenügend. Deutsche Männer schützen auch die eigene Nation nicht mehr. 
Ich versuche das schon seit Jahren unterzubringen. Linke Ideologien richten sich doch nicht bloß gegen bestimmte Personenkreise, Kapitalisten oder alte, weiße, toxische Männer, sie richten sich gegen den kompletten Lebensraum, sie machen schwach.
Der Feminismus attackiert ja nicht nur toxische Männlichkeit, sondern stellt Abstammungsregeln infrage, siehe Namensrecht. Linkes Denken ist wie eine Abrißbirne. Wenn sich linkes oder feministisches Denken zu sehr ausbreitet, dann ist das so als würde man die Stadtmauern niederbrennen, das Zeughaus und den Kornspeicher. Straftäter laufen frei herum, Drogen werden legal verkauft, es herrscht Sodom und Gomorrha. Am Ende ist man Übernahmereif.

Majestyk

26. Juni 2026 16:35

@ RMH:
Ich wußte gar nicht, daß Sie Puritaner sind.

heinrichbrueck

26. Juni 2026 17:18

"The vile behavior of our antiwhite enemies must not contaminate us. There is no “tit for tat” in this struggle. There is us, struggling for what is right by moral (if sometimes stern) means. This is how we will save our race." (Kommentariat: https://counter-currents.com/2026/06/citizen-vigilante/)
Sanders scheint als Projektionsfigur angelegt worden zu sein. Werden auch Politiker angegriffen? 

Majestyk

26. Juni 2026 17:47

@ Mitlesr2:
"Führt eigentlich Antizionismus automatisch zur Relativierung des Islam?"
 
Ja. Frei nach dem Motto, der Feind meines Feindes ist mein Freund. 
Ich finde es sehr befremdlich, daß ausgerechnet ich als kulturloser Liberaler und katholischer Renegat seit Jahrzehnten gegen Islam, Kopftücher, Moscheen, Minarette, Muezzine, islamische Kulturvereine wettere und dafür einen auf die Mütze bekomme, Vollblutpatrioten aber kein Problem mit Palidemos und Dönerbuden haben. Muß man sich reinziehen, 25 Jahre Krieg gegen islamischen Terror inklusive Abschaffung vom Bankgeheimnis sowie Finger im Popo am Flughafen und gleichzeitg massiver Muslimenimport und 20 Jahre Proklamation "Islam gehört zu Deutschland.". 
Kein Tag ohne muslimische Ausländergewalt und hier debattiert man ob so ein Actionstreifen satisfaktionswürdig ist.