Christopher Nolans “Odyssee”

Endlich habe ich meine Pflicht als Lichtspielführer erfüllt und mir Christopher Nolans dreistündige Odyssee angesehen. Es war eine Tortur von Anfang bis Ende.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Der Film ist genau so woke, wie wir es alle befürch­tet hat­ten, als wir erfuh­ren, daß Hele­na von einer 43jährigen raben­schwar­zen Kenia­ne­rin dar­ge­stellt wird, auch wenn uns Legio­nen von Kom­men­ta­to­ren, berauscht von ihrem eige­nen “vir­tue signal­ling”, schon im vor­aus gas­lich­tern woll­ten, daß die­se Annah­me völ­li­ger “Quatsch” sei.

Ich rede hier wohl­ge­merkt nicht nur vom “Diver­si­ty, Equi­ty and Inclusion”-Casting, das weit über die derb iko­no­klas­ti­sche Beset­zung der mythi­schen “schöns­ten Frau” der Anti­ke hin­aus­geht. Reden wir also zuerst über den größ­ten Ele­fan­ten im Raum. Ich will dabei wohl begrün­den, war­um er für die Beur­tei­lung des Films signi­fi­kant ist, obwohl das eigent­lich auf der Hand lie­gen sollte.

Buch­stäb­lich die ers­te Ein­stel­lung des Films zeigt einen Schwar­zen mit lan­gen Ras­ta­zöp­fen, gespielt von einem Rap­per namens Tra­vis Scott, der einen anti­ken Bar­den reprä­sen­tie­ren soll, offen­bar weil Chris­to­pher Nolan der inter­es­san­ten Mei­nung ist, Rap­per wären das zeit­ge­nös­si­sche Äqui­va­lent zu den home­ri­schen Rhapsoden.

Singt der aus uner­find­li­chen Grün­den in Itha­ka anwe­sen­de, voll­in­te­grier­te Mohr nun mit der Lyra im Hexa­me­ter von den “Taten des viel­ge­wan­der­ten Man­nes, wel­cher so weit geirrt, nach der hei­li­gen Tro­ja Zer­stö­rung”? Das hät­te die Sze­ne wohl voll­ends der Lächer­lich­keit preis­ge­ge­ben, wes­halb Tra­vis nur ein biß­chen mit sei­nem Spre­cher­stab Bumm-Bumm-Bumm macht und Sub­stan­ti­ve dekla­miert: “Eine Stadt! Ein Krieg! Ein Mann!” (Man ver­zei­he mir, wenn ich ein paar Zita­te nur unge­nau aus der Erin­ne­rung wiedergebe.)

In der nächs­ten Ein­stel­lung sieht man das Publi­kum, Pene­lo­pes Frei­er, und unter ihnen, ins Zen­trum des Bil­des gerückt, damit man ihn bloß nicht über­sieht, einen ost­asia­ti­schen (chi­ne­si­schen, korea­ni­schen?) Mann. Gleich als nächs­tes folgt eine Rück­blen­de, in der Ellen bzw. Eli­ot Page auf­taucht, eine trans­se­xu­el­le Schau­spie­le­rin, die ihren Kör­per ver­stüm­meln ließ, um ihn einer männ­li­chen Form anzugleichen.

Damit sind wir ab Minu­te Eins mit­ten im Diver­si­ty Land ange­langt. Die mul­t­iras­si­sche Bevöl­ke­rung, die etwa einem ame­ri­ka­ni­schen Mall ent­spricht, wird als gege­ben und selbst­ver­ständ­lich vor­aus­ge­setzt. Es gibt kei­ner­lei Hin­ter­grund­ge­schich­ten, wie die­se gan­zen Leu­te aus Schwarz­afri­ka, Asi­en und Indi­en ins anti­ke Grie­chen­land gelangt sind.

Zwar ist die Crew von Odys­seus mehr­heit­lich weiß, aber in Zwi­schen­schnit­ten und Reak­ti­ons­auf­nah­men wird stän­dig her­vor­ge­ho­ben, daß sich auf sei­nem Schiff auch ein gel­ber und ein schwar­zer Mann befin­den, Figu­ren, die buch­stäb­lich nichts wei­ter zu tun haben als anwe­send zu sein. Lei­der nicht sagen kann man dies von dem Steu­er­mann Eury­loch­os, in der Bord­hier­ar­chie der zwei­te Mann nach Odys­seus, der von einem rot­brau­nen Inder namens Hime­sh Patel gespielt wird.

Aus­ge­rech­net ihm wird der Satz “Wir sind Grie­chen aus Itha­ka” in den Mund gelegt, wäh­rend neben ihm ein behelm­ter Schwarz­afri­ka­ner aus Odys­seus Mann­schaft steht, offen­bar eben­falls ein “Grie­che aus Itha­ka”. In sol­chen unfrei­wil­lig selbst­par­odis­ti­schen Momen­ten wähnt man sich in einem Mel-Brooks-Film.

Athe­ne, die Schutz­göt­tin des Odys­seus, erscheint in der äußerst ungött­li­chen Gestalt der äußerst unat­trak­ti­ven halb­schwar­zen Schau­pie­le­rin Zen­da­ya, die aus­sieht wie ein schlecht gelaun­ter mexi­ka­ni­scher Last­wa­gen­fah­rer. Jede Minu­te, die sie auf der Lein­wand zu sehen war, war pure Fol­ter, nicht nur, weil die Rol­le nicht zu ihrem eth­ni­schen Typus paßt, son­dern auch weil sie völ­lig bar jeg­li­chen Cha­ris­mas ist.

Zen­da­yas Kar­rie­re ist mir gene­rell völ­lig uner­klär­lich. Sie hat fast schon Psy-Op-Cha­rak­ter. Vor der Pro­jek­ti­on der Odys­see lief ein kur­zes Show­re­el, in dem Zen­da­ya als der tolls­te, schöns­te, talen­tier­tes­te, popu­lärs­te Star ihrer Gene­ra­ti­on prä­sen­tiert wur­de. Ich habe so etwas noch nie gese­hen. Hat man der­glei­chen mit Michel­le Pfeif­fer, Dia­ne Kru­ger oder Scar­lett Johans­son auch nötig gehabt?

Was nun Lupi­ta Nyong’o in der Dop­pel­rol­le Hele­na-Kly­taim­nes­tra angeht, so han­delt es sich auch hier um einen nack­ten iko­no­klas­ti­schen Akt, der genau das und nichts wei­ter ist, was er zu sein hat. Mir kann nie­mand erzäh­len, daß die woken, lin­ken oder sich heuch­le­risch “far­ben­blind” stel­len­den Ver­tei­di­ger die­ser Beset­zung nicht ganz genau wis­sen und nicht genau das abfei­ern, was Nolan hier gemacht hat, vor Kri­tik geschützt durch die herr­schen­den Ras­sen­ta­bus und Gleichheitsdogmen.

Die alten Grie­chen waren wei­ße, euro­päi­sche Men­schen. Wir wis­sen es aus über­lie­fer­ten DNA-Ana­ly­sen, wir wis­sen es aus Homers Beschrei­bun­gen, wir wis­sen es vor allem aus der Kunst der Grie­chen, die das euro­päi­sche Schön­heits­ide­al bis auf den heu­ti­gen Tag maß­geb­lich geprägt hat. Lupi­ta Nyong’o ent­spricht nicht die­sem Schön­heits­ide­al, allein schon des­we­gen, weil sie eine Schwarz­afri­ka­ne­rin ist.

Und allein des­we­gen ist es unglaub­wür­dig, daß anti­ke Grie­chen die­se Frau für der­art begeh­rens­wert hal­ten, um einen zehn­jäh­ri­gen Krieg um sie zu füh­ren. Das gilt sogar dann, wenn der Raub der Hele­na nur ein Vor­wand für geo­po­li­ti­sche Inter­ven­tio­nen ist, wie eine Dia­log­zei­le des Films expli­zit nahe­legt, denn auch Vor­wän­de müs­sen glaub­wür­dig sein.

Ich weiß nicht, wie ein ent­spre­chen­des schwar­zes Schön­heits­ide­al, eine schwar­ze Venus aus­se­hen wür­de (wie Grace Jones?). Aber ich weiß, daß es irre­füh­rend ist, Äpfel und Bir­nen zu ver­glei­chen, und ich weiß auch, was jeder Mensch weiß, daß die aller­meis­ten wei­ßen Män­ner Nico­le Kid­man jeder noch so voll­kom­me­nen schwar­zen Frau vor­zie­hen wür­den. Auch ich bin ein wei­ßer Mann und wenig emp­fäng­lich für afri­ka­ni­sche weib­li­che Schön­heit. Wozu also die­se Scha­ra­de? Zu recht inkri­mi­nie­rend ist der auf Xit­ter viel­fach gepos­te­te Sze­nen­aus­schnitt, in dem Kly­taim­nes­tra (nicht Hele­na, wie oft fälsch­lich behaup­tet wird) Aga­mem­non ermor­det und dabei aus­sieht wie ein brül­len­der Gorilla.

Das Diver­si­ty-Pro­blem ist sogar noch in der Figur des Die­ners Eumai­os spür­bar, gespielt von John Leguiz­a­mo, der exor­bi­tant latein­ame­ri­ka­nisch aus­sieht, obwohl er eine der bes­se­ren schau­spie­le­ri­schen Leis­tun­gen in die­sem durch­weg leb­los und vor­her­seh­bar insze­nier­ten Film liefert.

Abge­se­hen von den ras­sisch-eth­ni­schen Unglaub­wür­dig­kei­ten ist natür­lich auch Eli­ot-Ellen Page ein mas­si­ves Pro­blem. Obwohl alle Welt so tun muß als ob, sieht Page nicht aus wie ein Mann, son­dern wie ein fal­ti­ger, ver­grei­sen­der Vier­zehn­jäh­ri­ger. Eine win­zi­ge Figur mit Spa­ghet­ti-Armen und Stimm­bruch­stim­me wird dem Zuschau­er als anti­ker grie­chi­scher Krie­ger ser­viert. Es ist die glei­che Art ideo­lo­gi­scher Zumu­tung, die auch alle ande­ren “divers” besetz­ten Rol­len kenn­zeich­net. Auch wenn Page nur ein paar Minu­ten im Film auf­taucht, so hat ihre Figur doch eine zen­tra­le Rol­le, auf die ich noch zu spre­chen kom­men werde.

Nun wird so man­cher Schlau­mei­er ein­wen­den: Wenn Lupi­ta Nyong’o und Hime­sh Patel nicht pas­sen, war­um dann ein nord­west­eu­ro­päi­scher Ang­lo-Typ wie Matt Damon oder eine blon­de und blau­äu­gi­ge Afri­ka­a­ner-Schön­heit wie Char­li­ze The­ron? Die Fra­ge ist meis­tens mala fide gestellt, die Ant­wort sehr ein­fach: Eben­so wie die Bibel hat das Homer zuge­schrie­be­ne Werk eine jahr­hun­der­te­al­te iko­no­gra­phi­sche Dar­stel­lungs­ge­schich­te hin­ter sich, die man nicht ein­fach so igno­rie­ren kann. Die Vor­stel­lung, man müß­te ent­spre­chen­de Ver­fil­mun­gen nun “akku­rat” mit nah­öst­li­chen oder medi­ter­ra­nen Men­schen beset­zen, ist ziem­lich neu und Bestand­teil der anti­wei­ßen Trends, die den Wes­ten zerwurmen.

Das heißt, daß im Rah­men der eta­blier­ten Iko­no­gra­phie wei­ße Dar­stel­ler im all­ge­mei­nen natür­lich völ­lig legi­ti­miert sind, anti­ke Grie­chen zu spie­len. Die Wer­ke Homers gehö­ren nicht bloß den Grie­chen allein, son­dern sind ein Fun­da­ment der gesam­ten euro­päi­schen Zivi­li­sa­ti­on. Jeder weiß das, jeder ver­steht das. Man muß die Dar­stel­ler nicht unbe­dingt “grie­chisch” her­rich­ten, wie es etwa mit Gerard But­ler in 300 geschah (kurz zuvor hat­te er Beowulf gespielt).

Kein Mensch, kein Grie­che und kein Ita­lie­ner, hat sich 1954 beschwert, daß in einer ita­lie­ni­schen Pro­duk­ti­on Odys­seus von einem ukrai­ni­schen Juden mit “nor­di­schen” Zügen und kei­nem Grie­chen, Ita­lie­ner oder Alba­ner gespielt wur­de. Das sah bei Brad Pitt 2004 in Troy schon anders aus – aber nicht, weil sein Achil­les wie von Homer beschrie­ben blon­des Haar trug, son­dern weil er so aus­sah und sich so benahm wie ein jun­ger Ame­ri­ka­ner namens Brad.

Ich hof­fe, daß spä­tes­tens hier ver­stan­den wird, daß ich von einem epi­schen Film kei­ne “his­to­ri­sche Genau­ig­keit” ver­lan­ge (ohne­hin ein wacke­li­ger Boden, wie ich in mei­nem Buch Besetz­tes Gelän­de aus­ge­führt habe) und von einer Klas­si­ker-Adap­ti­on kei­ne skla­vi­sche Vor­la­gen­treue. Im Gegen­teil habe ich im Kapi­tel über Mythen, Sagen und Legen­den im Film auch und sogar vor allem “revi­sio­nis­ti­sche” Wer­ke wie Paso­li­nis Medea (1969) oder Bres­sons Lan­ce­lot du Lac (1974) hoch bewertet.

Wor­um es hier geht, ist viel­mehr die Stim­mig­keit der Ent­schei­dun­gen eines Regis­seurs. Ist er imstan­de, eine in sich glaub­wür­di­ge Welt zu schaf­fen, in der man als Zuschau­er “ver­sin­ken” kann (oder auch nicht, wenn er dezi­diert wünscht, “brech­tisch” zu insze­nie­ren)? Inso­fern habe ich nie das Argu­ment ver­stan­den, man kön­ne zum Bei­spiel über ein schlech­tes oder gar idio­ti­sches Cas­ting hin­weg­se­hen, wenn der Film “ansons­ten gelun­gen ist”. Die Mona Lisa ist auch nicht “ansons­ten gelun­gen”, wenn man ihr wie Mar­cel Duch­amp einen Schnurr­bart malt und sie mit die­ser ein­fa­chen Ges­te rui­niert. Man trinkt auch kei­nen noch so edlen und teu­ren Wein, wenn dar­in ein Stück­chen Schei­ße her­um­schwimmt, und sei es noch so winzig.

Kei­ne ein­zi­ge von Nolans Cas­ting-Ent­schei­dun­gen trägt etwas zum Gelin­gen oder zur Stim­mig­keit des Films bei. Sie sind stö­ren­de Miß­klän­ge, die die Glaub­wür­dig­keit der Welt unter­mi­nie­ren, die der Film beschwö­ren will. Sie beru­hen auf rei­ner Ideo­lo­gie und ver­ber­gen das nicht ein­mal. Kei­ne die­ser Rol­len ist besetzt wor­den, weil es kei­ne ande­ren, optisch pas­sen­de­ren Schau­spie­ler gäbe, die sie nicht über­neh­men könnten.

Von Anfang an belei­digt Nolan die Intel­li­genz des Zuschau­ers und mutet ihm zu, eine dümm­li­che, selbst­zweck­haft ser­vier­te Pro­pa­gan­da zu schlu­cken. Die­se Unver­schämt­heit wird noch gar­niert durch Dia­log­zei­len, die ein­fach gera­de­aus behaup­ten, was man nicht sehen kann: Hele­na wird als “die schöns­te Frau der Welt” ange­spro­chen, Inder und Afri­ka­ner nen­nen sich sel­ber “Grie­chen aus Itha­ka”, der von Page gespiel­te Cha­rak­ter Sinon wird als “einer der tap­fers­ten Krie­ger, die ich je kann­te” cha­rak­te­ri­siert (so Odys­seus zu Anti­no­os, der sich sei­ner­zeit vom Kriegs­dienst frei­ge­kauft hat und Sinon an sei­ne Stel­le tre­ten ließ). Das ist alles lächer­lich schlecht geschrie­ben: Ein Film soll Din­ge zei­gen und nicht durch Wor­te bloß behaup­ten.

Ich habe nun eini­ge Ver­su­che gese­hen, die­ses Cas­ting auch aus kon­ser­va­ti­ver Sicht zu recht­fer­ti­gen. Hier hat zum Bei­spiel ein You­Tuber namens Jona­than Pigeau ver­sucht, es als eine Art “tro­ja­ni­sches Pferd” hin­zu­stel­len, ein lis­tig über­ge­wor­fe­nes wokes Gewand, das es Nolan erlaubt, die eher “rech­te” mytho­poe­ti­sche Struk­tur der Geschich­te gleich­sam vor­bei­zu­schmug­geln und zu universalisieren.

Nun: Wenn heu­te jemand mit einem undi­ver­sen Cas­ting davon­ge­kom­men wäre, dann Nolan (er hat das immer­hin auch in Oppen­hei­mer eini­ger­ma­ßen hin­be­kom­men). Und falls das Cas­ting wirk­lich eine Art Stra­te­gie war, wie Pigeau glaubt, dann wäre das ein Zei­chen, daß Nolan bereit ist, erheb­li­che Kon­zes­sio­nen gegen­über der herr­schen­den Ideo­lo­gie zu machen, also sei­ne künst­le­ri­sche Inte­gri­tät zu kom­pro­mit­tie­ren. Und falls es ihm um “Uni­ver­sa­li­sie­rung” ging, dann ist das eine ziem­lich ober­fläch­li­che Auf­fas­sung, wie man der­glei­chen bewerk­stel­ligt (sicher nicht mit­hil­fe des­sen, was ich mal “Smar­ties-Dog­ma” genannt habe).

Das sind alles unnö­ti­ge Ver­ren­kun­gen, die nach tie­fe­ren Bedeu­tun­gen suchen, wo kei­ne sind. Die ein­fa­che­re Erklä­rung ist, daß Nolan ein “true belie­ver” ist und die Wert­vor­stel­lun­gen sei­nes links­li­be­ra­len Milieus, das ihn als Genie fei­ert und über­schätzt, unge­bro­chen teilt. Das wird auch in Inter­views deut­lich, wo er mit aller­lei Platt­hei­ten um sich wirft, etwa, daß die mora­li­sche Kern­aus­sa­ge sei­nes Films sei, eine Gesell­schaft kön­ne nur funk­tio­nie­ren, wenn sie “Respekt vor Frem­den” habe.

Die­se “Gol­de­ne Regel” stellt er nun allen Erns­tes ins Zen­trum sei­nes Films und nennt sie dar­in “Gesetz des Zeus” (Zeus’ Law). Dies exem­pli­fi­ziert er nun nicht an der im Epos in der Tat eine gro­ße Rol­le spie­len­den Sit­te der Gast­freund­schaft, die von den Frei­ern so fre­vel­haft miß­braucht wird, son­dern weni­ger ein­leuch­tend an dem Schuld­ge­fühl, von dem sein Odys­seus geplagt wird, weil er die Tro­ja­ner mit einem mie­sen Trick in die Pfan­ne gehau­en hat und somit den zivi­li­sa­to­ri­schen Ver­fall des “Bron­ze­zeit­al­ters” (das im Film in einem Dia­log tat­säch­lich so bezeich­net wird) beschleu­nigt hat.

Nolan inji­ziert in den Stoff also eine fla­che post-christ­li­che, poli­tisch kor­rek­te, zeit­geis­ti­ge Moral, die den home­ri­schen Hel­den völ­lig fremd ist. Noch mehr als das: Er höhlt sys­te­ma­tisch aus, was an Odys­seus home­risch, hel­den­haft und “odys­see­isch” ist. Wir sehen ihn, stumpf­sin­nig und lang­wei­lig gespielt von Matt Damon, als stän­dig bedrück­ten, melan­cho­li­schen Kriegs­ve­te­ran, der den gesam­ten Film hin­durch in einer ein­zi­gen Stim­mung und Gemüts­la­ge schwelgt, ohne eine erkenn­ba­re Charakterentwicklung.

Was wir nicht sehen, ist die arche­ty­pi­sche Figur des Odys­seus: Poly­tro­pos und poly­me­tis, der “viel­ge­wan­der­te” und “viel­klu­ge”, der “lis­ten­rei­che”, wie es in der Über­set­zung von Voß heißt, der Trick­ser, Auf­schnei­der und Lüg­ner, des­sen Geschich­ten womög­lich nur See­manns­garn sind, stolz, neu­gie­rig, mer­ku­risch. Die Essenz die­ser Figur wur­de viel bes­ser von Sean Bean in dem ansons­ten eher miß­ra­te­nen Film Troy ein­ge­fan­gen.

Die reduk­tio­nis­ti­sche Dar­stel­lung des Odys­seus führt dazu, daß eine Epi­so­de nach der ande­ren ihres erzäh­le­ri­schen Sin­nes beraubt oder gar ver­kehrt wird. Das Aben­teu­er mit dem Zyklo­pen Poly­phem (hier hät­te Nolan eine Figur gehabt, die das Gast­recht ver­höhnt) dient in der ori­gi­na­len Erzäh­lung dazu, die Lis­tig­keit des Odys­seus zu zei­gen: Er seift den Men­schen­fres­ser mit schmei­chel­haf­ten Wor­ten ein, bin­det ihm den kin­di­schen Bären auf, er hei­ße “Nie­mand”, macht ihn betrun­ken, blen­det ihn, sobald er ein­ge­schla­fen ist, ent­kommt mit sei­nen Män­nern unter dem Rücken der Scha­fe, die der Erblin­de­te abtas­tet. Am Ende wird ihm sein Stolz auf sei­ne Klug­heit zum Ver­häng­nis, als er dem geprell­ten Unge­heu­er sei­nen wah­ren Namen zuruft, und die­ser nun sei­nen Vater Posei­don um Rache anfle­hen kann.

Bei Nolan legt sich Poly­phem (der zumin­dest optisch gelun­gen ist) ein­fach schla­fen, nach­dem er einen von Odys­seus Män­nern zer­kaut hat und wird von dann von den Grie­chen geblen­det. Dann gibt es ein paar rou­ti­nier­te Action-Sze­nen, und am Ende inter­pre­tie­ren die Män­ner ein paar unver­ständ­li­che Wor­te, die der Zyklop geäu­ßert hat, als Ver­weis auf Poseidon.

Das ist alles.  War­um ist die Epi­so­de über­haupt im Film? Um ein biß­chen Action- und Fan­ta­sy-Gedöns hin­ein­zu­brin­gen? Nicht ein­mal die Nicht­be­fol­gung des omi­nö­sen “Zeus’s Law” wird von Nolan thematisiert.

Die bei wei­tem übels­te Epi­so­de des Films ist die Begeg­nung mit der Zau­be­rin Kir­ke. Sie war so uner­träg­lich dumm, daß ich bei­nah aus dem Kino­saal geflüch­tet wäre. Lei­der war zu die­sem Zeit­punkt erst ein Drit­tel der Lauf­zeit ver­gan­gen, und ich woll­te kei­ne vor­zei­ti­ge Fah­nen­flucht begehen.

In die­ser Sequenz lie­gen Nolans revi­sio­nis­ti­sche und woke Inten­tio­nen offen zuta­ge. Kir­ke, Arche­typ der dunk­len, exo­ti­schen Ver­füh­re­rin, wird von einer fünf­zig­jäh­ri­gen, rund­li­chen, ver­hut­zel­ten, gezielt reiz­los her­ge­rich­ten (wei­ßen) Schau­spie­le­rin dar­ge­stellt. Sie bricht in krei­schen­de Panik aus, als Eury­loch­os sie anspricht, ganz offen­sicht­lich ein trau­ma­ti­sier­tes Ver­ge­wal­ti­gungs­op­fer, das üble Erfah­run­gen mit Män­nern gemacht hat.

Von die­sem Punkt an wird die Insze­nie­rung plat­ter und plat­ter: Die Män­ner schlin­gen das von Kir­ke ser­vier­te Essen unma­nier­lich schmat­zend in sich hin­ein, beneh­men sich buch­stäb­lich “wie Schwei­ne”, ein Motiv, das zu die­sem Zeit­punkt zum ers­ten Mal und wie aus dem Nichts auf­taucht (und nach­her wie­der völ­lig aus dem Film ver­schwin­det). Nun offen­bart die unschein­ba­re, so hilf­los wir­ken­de Frau ihre Zau­ber­kräf­te und “kne­tet” gleich­sam Odys­seus Gefähr­ten zu tat­säch­li­chen Schweinen.

Der Grund dafür wird gleich im Anschluß in einem der vie­len schlech­ten, weil gna­den­los pla­ka­ti­ven Dia­lo­ge des Films unsub­til erklärt: Bers­tend vor Bit­ter­keit und Res­sen­ti­ment erklärt Kir­ke Odys­seus, daß Män­ner nun­mal Schwei­ne wären und sie ledig­lich ihre wah­re Gestalt sicht­bar gemacht habe.

Bei Homer bannt Odys­seus Kir­kes Zau­ber­kräf­te mit einem von Her­mes über­reich­ten magi­schen Kraut und macht sie sich mit Waf­fen­ge­walt gefü­gig. Bei Nolan über­re­det er sie irgend­wie, sei­ne Män­ner wie­der in Men­schen zurück­zu­ver­wan­deln, war­um sie das dann auch wirk­lich tut, habe ich nicht so recht ver­stan­den. Jeden­falls hat das Gela­ber des Odys­seus ausgereicht.

Es ist aber nicht nur die auf die Nase gedrück­te femi­nis­ti­sche “MeToo”-Message, die die­se Sequenz miß­glü­cken läßt, son­dern ihre inne­re Unstim­mig­keit. Kir­ke ist einer­seits ein ver­wund­ba­res, ängst­li­ches, phy­sisch unter­le­ge­nes Wesen, ande­rer­seits hat sie erstaun­li­che magi­sche Fähig­kei­ten. Einer­seits ist sie bar jeg­li­chen weib­li­chen Rei­zes (ich ver­ste­he schon, daß anti­ke see­fah­ren­de Krie­ger wahr­schein­lich nicht sehr wäh­le­risch waren, wenn sie die Brunst über­kam), ande­rer­seits ist sie umge­ben von exo­ti­schen Raub­kat­zen wie Löwen, Tiger, Leo­par­den, bei Homer und in der tra­dier­ten Iko­no­gra­phie Insi­gni­en einer gefähr­li­chen Ero­tik. Es paßt hier nichts zusam­men, es will kei­ne Atmo­sphä­re auf­kom­men, weder eine ero­ti­sche noch eine magi­sche. Wie wird aus dem Opfer Kir­ke die Zau­be­rin Kir­ke? Ihre Kräf­te wer­den ein­fach behaup­tet statt über­zeu­gend evo­ziert. Erneut begeg­nen wir dem Mus­ter, daß Nolan Moti­ve aus der Odys­see ein­fach abfilmt, ohne ihren Sinn zu erfassen.

Und hier haben wir gleich zwei wei­te­re Din­ge, die in die­ser Ver­si­on der Odys­see bei­na­he völ­lig abwe­send sind: die Magie und die Sinn­lich­keit. Sinn­li­che, jun­ge, gött­li­che Frau­en, die bei Homer eine gro­ße Rol­le spie­len (Kir­ke, Kalyp­so, Nau­si­kaa), tau­chen bei Nolan nicht auf. Es ist 2026 offen­bar poli­tisch unkor­rekt und undenk­bar, Odys­seus in einer “age gap” Bezie­hung zu zei­gen. Alle Frau­en, mit denen er ero­tisch ver­bun­den ist, sind in ihren Fünf­zi­gern, brav sei­nem eige­nen Alter angepaßt.

Auch sein Ver­hält­nis zu Kalyp­so ist so gut wie jeder Sinn­lich­keit beraubt. Man spürt nicht, daß sie die­sen Mann fleisch­lich begehrt und dar­um durch einen Zau­ber auf ihrer Insel fest­hält. Eines der stärks­ten und bewe­gends­ten Moti­ve bei Homer wird igno­riert: Odys­seus schlägt das Ange­bot der Nym­phe aus, ihn unsterb­lich zu machen, und zieht es statt­des­sen vor, zu sei­ner geal­ter­ten Frau zurück­zu­keh­ren, von der er noch nicht ein­mal weiß, ob sie lebt. Bei Nolan gibt es statt­des­sen nur moder­nes, the­ra­peu­ti­sches Gela­ber, an des­sen Ende sich das Paar ein­ver­nehm­lich trennt und Odys­seus lernt, “auf Frau­en zu hören”.

Die Odys­see beginnt mit dem Titel “In a time of appa­rent magic”, aber sehr “appa­rent” ist die­se “magic” nicht gera­de. Völ­lig abwe­send sind die Göt­ter. Nicht ein­mal ihr Wir­ken in der Natur ist zu spü­ren, etwa in der “hei­li­gen Meers­flut” oder in der berühm­ten “rosen­fing­ri­gen” Morgenröte.

Man ver­glei­che Nolans Welt mit den Wel­ten, die Robert Eggers (mit dem ich frei­lich auch so mei­ne Pro­ble­me habe) zu gestal­ten ver­steht. Sein North­man nimmt nicht nur die Welt und Moral der Wikin­ger auf ver­stö­ren­de Wei­se ernst, son­dern zeigt sie durch­wirkt von magi­schen, gött­li­chen Kräf­ten, die bei ihm frei­lich immer eine über­wie­gend düs­te­re und dämo­ni­sche Note haben.

Klar, es gibt bei Nolan eine Hand­voll über­na­tür­li­cher Erschei­nun­gen: der Zyklop, ein rät­sel­haf­tes Rie­sen­volk, das die Mann­schaft des Odys­seus abschlach­tet, die Zau­ber­kraft der Kir­ke. Es gibt das See­unge­heu­er Scyl­la und es gibt eine Sze­ne, in der Odys­seus die Toten mit dem Blut eines Scha­fes beschwört. Auch hier trifft Nolan eine eher unglück­li­che Wahl, die das von ihr behan­del­te Motiv nicht zu ver­ste­hen scheint: Anstel­le der Sche­men und Schat­ten Homers, die erst durch das Trin­ken des Blu­tes an Kraft und Kon­tur gewin­nen, kom­men sehr fleisch­li­che, blu­ti­ge Kör­per wie Zom­bies buch­stäb­lich aus der Erde gekrochen.

Und auch hier feh­len zwei gewal­ti­ge Moti­ve, aus denen ein guter Regis­seur eine Men­ge hät­te machen kön­nen: Die erschüt­tern­de Erschei­nung von Odys­seus Mut­ter, von der er gar nicht wuß­te, daß sie bereits gestor­ben ist, und der Auf­tritt Achills, der Odys­seus mit­teilt, daß er lie­ber ein leben­di­ger Skla­ve auf Erden als ein toter Held im Hades wäre.

Ver­mut­lich hat letz­te­re Sze­ne zum Gerücht geführt, daß Ellen-Elli­ot Page Achil­les spie­len wür­de. Tat­säch­lich hat sie hier einen zen­tra­len Auf­tritt als der tote Krie­ger Sinon (eine Figur, die nicht bei Homer, wohl aber bei Ver­gil auf­taucht), der die Auf­ga­be hat­te, den Tro­ja­nern das höl­zer­ne Pferd zu über­ge­ben und dabei getö­tet wur­de. Es ist Sinon, der die zen­tra­le Ankla­ge­re­de gegen Odys­seus hält. Die­ser hat­te ihm erzählt, daß es sich bei dem höl­zer­nen Pferd um ein genui­nes Geschenk und kei­ne Fal­le gehan­delt hat­te, hat ihn also durch eine Lüge dazu gebracht, sich für den End­sieg der Grie­chen aufzufopfern.

Die Sire­nen, die man nur aus wei­ter Fer­ne sieht, könn­ten auch nur eine Sin­nes­täu­schung sein. Die “Göt­tin” Athe­ne, völ­lig ungött­lich gespielt von der unse­li­gen Zen­da­ya, wird gegen Ende des Films als psy­chi­scher Kom­plex ent­hüllt, das Trau­ma und die Schuld­ge­füh­le des Odys­seus per­so­ni­fi­zie­rend: Sie trägt das Gesicht eines Mäd­chens, viel­leicht einer Pries­te­rin der Athe­ne, die im Zuge der Plün­de­rung Tro­jas von den Grie­chen getö­tet wurde.

Was nun das zen­tra­le von Nolan ein­ge­führ­te Motiv angeht, das so ung­rie­chi­sche Schuld­ge­fühl über die Zer­stö­rung Tro­jas und die unlau­te­ren Mit­tel, die dazu nötig waren, so ist auch die­ses ohne jeg­li­che Kühn­heit und Ori­gi­na­li­tät aus­ge­führt wor­den. Erneut ver­läßt sich Nolan auf pseu­do-tief­sin­ni­ges Gere­de, Gere­de, Gere­de über den “Kol­laps der Zivi­li­sa­ti­on” und Odys­seus Mit­schuld an sel­bi­ger, anstel­le zu zei­gen.

Und da hät­te ich gesagt: Wenn schon, denn schon. Nolan hät­te sich hier erneut Robert Eggers zum Vor­bild neh­men kön­nen, ins­be­son­de­re die berüch­tig­te Sequenz aus The North­man, in der die Wikin­ger ein Dorf in der heu­ti­gen Ukrai­ne platt­ma­chen, alles tot­schla­gen, was ihnen in die Que­re kommt, Frau­en ver­ge­wal­ti­gen und Kin­der ver­schlep­pen, ohne dabei mit der Wim­per zu zucken.

Dem­ge­gen­über ist die Brand­schat­zung Tro­jas in Nolans Film ver­gleichs­wei­se zahm aus­ge­fal­len. Klar, es gibt Feu­er, Lärm und Gekrei­sche, ab und zu wird eine Frau in eine Ecke gezerrt oder ein tro­ja­ni­scher Krie­ger erschla­gen, des­sen Gesicht von einem sand­far­be­nen Helm ver­deckt ist.

War­um es aber nicht rich­tig, radi­kal und ver­stö­rend machen? Etwa so, wie es Micha­el Köhl­mei­er in sei­nem Sagen­buch des klas­si­schen Alter­tums beschrie­ben hat:

Die Sol­da­ten mar­schier­ten in die Stadt und met­zel­ten alles nie­der, was leben­dig war. Sie ver­schon­ten weder Frau­en noch Kin­der noch alte Män­ner, sie töte­ten die Hun­de und die Kat­zen, die hüb­schen Vögel in den hüb­schen Käfi­gen, das Vieh, alles. Frau­en, die hübsch genug waren, den grie­chi­schen Sol­da­ten als Dir­nen und Skla­ven zu die­nen, blie­ben am Leben. Sie wur­den auf­ge­teilt. Aga­mem­non nahm sich die Kas­san­dra. Neop­to­le­mos, der Sohn des Achill, nahm sich die Gat­tin des Hek­tor. Odys­seus, heißt es, bekam die alte Heka­be. Aber es heißt auch, er ließ sie ziehen.

Man hät­te es ohne wei­te­res machen kön­nen: zuerst Odys­seus’ Freu­de über sei­ne eige­ne Schlau­heit und Kühn­heit, mit der er die­sem “fuck­ing war” (Ori­gi­nal­zi­tat aus dem Film) end­lich ein Ende setzt, dann sei­nen fre­ne­ti­schen Blut­rausch wäh­rend der Erobe­rung Tro­jas, dann sei­ne Ernüch­te­rung und wach­sen­de Scham über das Aus­maß der sinn­lo­sen Zer­stö­rung, die er mit­ver­ant­wor­tet hat, und schließ­lich die Ver­klä­rung die­ses Grau­ens in den Lie­dern der fah­ren­den Sän­ger, denen er unter Trä­nen uner­kannt als Gast am Hof des Alki­no­os lauscht.

Dafür hät­te man den durch­weg anony­men und gesichts­lo­sen Tro­ja­nern mensch­li­che Kon­tu­ren ver­lei­hen kön­nen, hät­te in der Neky­ia-Sze­ne wie bei Homer Frau­en, Kin­der, Grei­se auf­tre­ten las­sen kön­nen, die in Tro­ja geschlach­tet wur­den, anstel­le aus­schließ­lich gefal­le­ner Krieger.

Und man hät­te auch bei Kir­ke ähn­lich vor­ge­hen kön­nen, wenn es denn schon unbe­dingt sein muß: Zei­gen, daß sich Odys­seus und sei­ne Män­ner wie Schwei­ne ver­hal­ten, und den Zuschau­er für intel­li­gent genug hal­ten, es sel­ber zu bemerken.

Ich hof­fe, all­mäh­lich wird klar, wie safe und flach und ein­falls­los das alles von Nolan durch­de­kli­niert wird. Aber die­se 250 Mil­lio­nen Dol­lar teu­re Odys­see soll ja auch ein Block­bus­ter für den Mas­sen­ge­schmack sein, der sein Geld ein­spie­len muß und kein guter, kein kom­ple­xer, kein wirk­lich muti­ger Film.

Eini­ger­ma­ßen erträg­lich ist der letz­te Teil, in dem Odys­seus zurück­kehrt und sein König­reich wie­der in Besitz nimmt, nicht zuletzt durch die Prä­senz des Schur­ken Anti­no­os, her­vor­ra­gend gespielt von Robert Patt­in­son, der schon Nolans Tenet vor der tota­len Lang­wei­le geret­tet hat. Aber auch hier wird nach Kräf­ten geschwä­chelt, ver­wäs­sert und Poten­ti­al ver­sem­melt (ich den­ke hier beson­ders an den ster­ben­den alten Hund Argos). Gelun­gen ist die berühm­te Sze­ne, in der Odys­seus sei­nen Bogen spannt, ihn erklin­gen läßt wie die Sai­te einer Har­fe und die Löcher der auf­ge­reih­ten Äxte durch­schießt. Weni­ger inter­es­sant ist das dar­an anschlie­ßen­de Mas­sa­ker, das sich wie­der im Bereich der Action-Rou­ti­ne bewegt.

Hier haben wir mei­net­we­gen ein mythi­sches, auch heu­te wie­der rele­van­tes und durch­aus rechts­co­dier­tes Motiv vor uns: Der König kehrt zurück und säu­bert sein ver­fal­le­nes Reich von den schma­rot­zen­den Fremd­lin­gen. Aber auch die­ses Motiv wird unter­mi­niert, indem er am Schluß abdankt und mit Pene­lo­pe ins Exil geht. Signi­fi­kant erscheint mir auch, daß sich Tele­mach im Gegen­satz zu Homer nicht am Mas­sa­ker betei­ligt (ein initia­to­ri­scher Moment der Mann­bar­keit), son­dern sich am dre­cki­gen Kampf nicht betei­li­gen, son­dern sau­ber blei­ben soll.

Es gibt noch unzäh­li­ge ande­re Din­ge, die in die­sem Film schief­ge­gan­gen sind. Die schlech­ten Kos­tü­me (Aga­menon sieht aus wie Bat­man), der schlam­pi­ge Schnitt, die gene­ri­sche Bumm-Bumm-Gong-Gong-Musik, die plat­ten, vor­her­sag­ba­ren Dia­lo­ge im moder­nen ame­ri­ka­ni­schen Slang (Tele­mach spricht von Odys­seus als sei­nem “Dad”).

Die zer­split­ter­te, non-linea­re Erzähl­wei­se läßt kein Gefühl für Raum und Zeit auf­kom­men, das für die­se Geschich­te so essen­ti­ell ist. Die Heim­kehr des Odys­seus, immer­hin ein zen­tra­les Motiv des Epos, ver­liert dadurch stark an emo­tio­na­ler und kathar­ti­scher Wir­kung. Über­haupt will sich zu kei­nem Zeit­punkt eine wahr­haft epi­sche Stim­mung ein­stel­len; es han­delt sich weni­ger um ein Epos, als um einen lan­gen, lan­gen Film.

Nolan ist einer der letz­ten Regis­seu­re, der immer noch auf Film dreht. Das wäre an sich erfreu­lich, wenn er mehr dar­aus machen wür­de. Die Optik sei­ner Odys­see ist durch­ge­hend gut und kino­wirk­sam, aber nur sel­ten gelin­gen ihm wirk­lich ein­drucks­vol­le und außer­ge­wöhn­li­che Bil­der (ich den­ke bei­spiels­wei­se an die tro­ja­ni­schen Rei­ter auf wei­ßen Pfer­den, die auf das am Strand zurück­ge­las­se­ne “Geschenk” zuga­lop­pie­ren; oder an das zufäl­li­ge Auf­tau­chen von Del­phi­nen, die das Schiff des Odys­seus beglei­ten). Das 70mm-For­mat ist hier ver­geb­li­che Lie­bes­müh: Was man auf der Lein­wand sieht, ist net­flix­kom­pa­ti­bel und hät­te genau­so gut digi­tal gedreht wer­den können.

Beson­ders gra­vie­rend: Der Eng­län­der Nolan bringt es fer­tig, am Mit­tel­meer zu dre­hen, und es fast durch­ge­hend grau, düs­ter und neb­lig erschei­nen zu las­sen, sei­ne Far­ben und sei­nen sinn­li­chen Zau­ber weit­ge­hend her­un­ter­zu­dim­men, obwohl sich gera­de die­ser treff­lich mit der Gewalt und der Tra­gik der Hand­lung kon­tras­tie­ren ließe.

Das kann man als bewuß­te Ent­schei­dung des Regis­seurs akzep­tie­ren oder gut­hei­ßen, aber auch als eine haar­sträu­bend ver­ge­be­ne Chan­ce sehen. Ich den­ke, daß nie­mand, der Homer kennt und liebt, mit die­sem Film sehr glück­lich sein wird, da er gesäumt ist mit Ver­fla­chun­gen, Ver­dre­hun­gen und Spiel­ver­der­be­rei­en, die kein geschlos­se­nes künst­le­ri­sches Gan­zes erge­ben und all­zu offen dem Zeit­geist huldigen.

Mit all dem schei­ne ich mich in einer Min­der­hei­ten­mei­nung zu befin­den, da der Film bereits jetzt – von wegen “go woke, go bro­ke”! – zu einem gigan­ti­schen Kas­sen­schla­ger gewor­den ist und enorm posi­ti­ven Kri­ti­ker­zu­spruch bekom­men hat. Chris­to­pher Nolan, der auch das mise­ra­ble Dreh­buch ver­zapft hat, und den Jah­re des über­mä­ßi­gen Lobes faul, selbst­ge­fäl­lig und prä­ten­ti­ös gemacht haben, ist also einst­wei­len nicht von den Göt­tern für sei­ne mul­ti­plen Fre­vel bestraft wor­den. Im Gegen­teil darf er sich ein­mal mehr in dem Gefühl son­nen, alles rich­tig gemacht zu haben.

Man muß den Film wohl vor allem als Sym­ptom unse­rer Zeit lesen, wie es Mar­vin T. Neu­mann hier ver­sucht hat. Ein selbst­si­che­rer, fröh­li­cher Odys­seus wie Anno 1954 paßt nicht zu den Selbst­zwei­feln, die heu­te die See­le des wei­ßen Man­nes heimsuchen.

War­um ich Fil­me die­ser Art für kul­tu­rell signif­kant und aus rech­ter Sicht rele­vant hal­te, kann man in dem Kapi­tel “Mythen und Sagen” mei­nes Licht­spiel­füh­rers nach­le­sen – hier bestell­bar. Dar­in gehe ich auch kurz auf die bis­he­ri­gen Ver­fil­mun­gen der Odys­see ein, und äuße­re den nun­mehr voll­auf bestä­tig­ten Ver­dacht, daß Nolans Cas­tin­gent­schei­dun­gen nichts Gutes verheißen.

Wer noch nicht genug hat von mei­ner Kri­tik an die­sem Film, kann sich hier mein Gespräch dar­über mit Mil­len­ni­al Woes anhö­ren, auf­ge­nom­men unmit­tel­bar nach­dem ich dem Kino ent­flo­hen bin.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (118)

Maiordomus

28. Juli 2026 14:05

ML wirkt unheimlich glaubhaft. Immerhin vernimmt man, dass da und dort ein Motiv dennoch gelungen ins Bild gesetzt zu sein scheint Es gibt Filme, die sich wegen einer einzigen Sequenz lohnen. Persönlich grösstes Kinoerlebnis dieses Jahr war für mich "Satantango" von Bela Tarr. Kann mir nicht vorstellen, dass Nolan ausser über mehr Geld über ähnliche Begabung verfügt, zu schweigen von Kubrick, dem man diese Geschichte um ihrer Brutalität willen durchaus zugetraut hätte. Aber auch sowas muss man können, siehe "Full metal jacket". Ohne das Homerische Gelächter der Götter muss man, falls ML es nicht übersah, den Film mutmasslich abschreiben.

dojon86

28. Juli 2026 14:47

Die amerikanische Filmindustrie war nie besonders gut darin, Menschen anderer Zeiten und Kulturen darzustellen. Eine dominante Kultur kann das in der Regel nur schlecht. Obwohl deren Menschen meist die Mittel haben, andere Kulturen kennenzulernen fehlt ihnen jedes Verständnis dafür, dass Menschen anderer Kulturen und Zeiten anders denken und anders gedacht haben. Ein weiteres Problem liegt darin, dass Filme eine Menge Geld kosten. Damit sie das wieder einspielen m, dürfen die Experimente nicht all zu gewagt sein. Kurz gefasst, um den ökonomischen Erfolg zu gewährleisten, hat man sich an den Mainstream anzupassen.

Der Gehenkte

28. Juli 2026 14:51

Danke! Daß ich endlich begreifen durfte, was da in einem passiert, wenn diese Wand auf einen zurennt und man spürt - ohne es im Moment zu begreifen - warum einen das alles stört.
Diese und Neumanns Rezension haben mich aufgeklärt, sehend gemacht ... und auch in der Meinung bestärkt, Kino und TV weiterhin vor allem zu meiden. 

paterfamilias

28. Juli 2026 14:57

"Athene, die Schutzgöttin des Odysseus, erscheint in der äußerst ungöttlichen Gestalt der äußerst unattraktiven halbschwarzen Schaupielerin Zendaya, die aussieht wie ein schlecht gelaunter mexikanischer Lastwagenfahrer."
Man schreibt das oft so dahin, aber hier stimmt es einmal: Ich musste losbrüllen vor Lachen!
Danke aus tiefestem Herzen, dass Sie diese gequirlte Scheiße angeschaut und auch noch verarbeitet haben, sodass wir das nicht tun müssen.
Ich hoffe, Sie mussten die Kinokarte nicht aus eigener Tasche oder der des Verlags bezahlen. Schade um jeden Cent.
 

Majestyk

28. Juli 2026 16:02

Griechische Sagen ohne Götter sind sinnfrei. Daran scheiterte schon Petersens Troja. Man stelle sich Die 10 Gebote mit Charlton Heston ohne Gott vor. Sagenverfilmungen benötigen die Legende. Gilt auch für Western, weswegen es nach Lonesome Dove oder Open Range nie wieder einen echten Western geben wird. Wenn man sich dann noch dem Zeitgeist anbiedert, siehe schwarze Helena, ist so ein Projekt vollends gescheitert. Mal abgesehen davon, daß ein Milchbubi Matt Damon als Haudegen Odysseus unglaubwürdig wirken muß. Kirk Douglas war hingegen ein Mann. Odysseus hätte man lieber mit einem Typ wie Gerald Butler besetzt. Ich selber habe seit den Batmanfilmen keinen Nolan mehr im Kino gesehen (und fand auch die durchwachsen), meiner unmaßgeblichen Meinung nach kann Nolan zwar Filme drehen, die gut ausschauen, kein Wunder bei den Budgets, ist aber ein Taschenspieler, wie seine Hauptfiguren in The Prestige. Überwiegend produziert Nolan heiße Luft, wie in Interstellar oder Dunkirk. Oppenheimer habe ich sogar nach einer Stunde ausgemacht, Nolans Filme sind zudem unerträglich in die Länge gezogen, heute leider oft Standard. Als Filmemacher paßt Nolan perfekt in unsere Zeit, viel Stil ohne Substanz.
@ dojon86: 
"Die amerikanische Filmindustrie war nie besonders gut darin, Menschen anderer Zeiten und Kulturen darzustellen."
Also ich fand Filme wie Ben Hur oder Hawaii gut. Ich erwarte aber auch keine Geschichtsstunde, sondern Unterhaltung. Wessen Filmindustrie kann es denn besser?
 

ML: Stimme allem zu.

Le Chasseur

28. Juli 2026 16:13

Was sagt die Altphilologin Emily Wilson über den Film, deren Odyssee-Übersetzung laut Nolan großen Einfluss auf seine Adaption des Werks hatte?
"[Nolans Odyssee] hat nichts Überzeugendes über Zeit, Erinnerung, Geschichte, Krieg oder über die Beziehung zwischen der glorreichen Rückkehr eines Kriegers und dem Leben seiner Familie, seiner Gegner, Kameraden, Freunde und Nachbarn zu sagen. Es fehlt ihm an psychologischer, emotionaler, politischer und ethischer Tiefe. Seine Erzählstruktur ist effekthascherisch. Der Schreibstil ist miserabel. Keine der Figuren hat eine überzeugende Motivation für ihre Handlungen oder Worte. Es gibt keine Sexszenen, und das Essen sieht durchweg furchtbar aus.
Ich würde mich schämen, auch nur einen Teil dieses Drehbuchs geschrieben zu haben."
Quelle
Autsch! XD
 
 
 

Adler und Drache

28. Juli 2026 16:19

Zwei Dinge scheinen mir offensichtlich: 1. will Nolan durch das Casting den Stoff von einem Klassiker der europäischen Identität zu einem Klassiker der Weltidentität upgraden. Dem Multikultiensemble als äußerlichem Gewand hat dabei 2. der moralische Kern zu entsprechen: die Todsünde der "Xenophobie", die, wenn man sie einmal begangen hat, keinerlei Erlösung, sondern nur den Untergang nach sich ziehen kann. 
Nolan benutzt also (übertrieben gesagt) den "Gründungsmythos des Westens", um mittels "rewriting" den Untergang des Westens zu erklären (in der Doppelbedeutung des Worts) und den Nachfolgenden eine moralische Warnung und Weisung auf den Weg zu geben. Er führt das Ende auf den Anfang zurück und deckt dabei die bisher verschwiegene, unterdrückte Schuld auf. Das ist in sich schon konsistent. 
Zur künstlerischen Form nur soviel: Auch Houellebecq ist ein Vertreter des "hässlichen Stils". Es war sicher Nolans Absicht, dass kein episches, erhebendes oder gar erhabenes Gefühl aufkommt, das würde ja auch die Botschaft sabotieren.
Ich denke, Nolan sieht sich selbst in der Rolle des Offenbarers und Propheten, der hier sozusagen das "Testament des westlichen Liberalismus" abgeliefert hat. Auch das sagt viel.  
Das Ende einer Epoche sehen wir wohl alle, und zu einer Kunst des "neuen Aufbruchs" hat sich bislang noch keiner durchringen können. 
 

JungspundF

28. Juli 2026 16:22

Jean-François Gariépy hat eine hervorragende Interpretation zum Film Odyssee (2026) auf YouTube (JFGT #1505) abgeliefert. Wer sich darüber echauffiert, dass der Film nicht das antike (noch-nicht-) Griechenland abbildet, der hat nicht verstanden, dass die alte europäische Mythologie nur als Aufhänger für aktuelle Gesellschaftskritik der USA verwendet wird. Es wäre geradezu reflexhaft-reaktionär, sich an der dargestellten Diversität der Personen im FIlm zu reiben. Wie deutlich muss es dem Zuschauer noch gemacht werden, dass es sich nicht um das alte (noch-nicht-) Griechenland handelt, sondern um das Los Angeles der heutigen USA? Auch die Themen Onlinepornografie, unwillkommene Gäste, Sozialstaat, Schwächen des Christentums, Incels und inhärente Komplexe heutiger Feministinnen werden im Film behandelt. Muss man natürlich auch wahrnehmen wollen, anstatt sich nur an der Diversität zu stoßen.
Grüße
JungspundF

ML: Selten eine derart schiefe Argumentation gehört.

Majestyk

28. Juli 2026 16:22

"Mit all dem scheine ich mich in einer Minderheitenmeinung zu befinden, da der Film bereits jetzt – von wegen “go woke, go broke”! – zu einem gigantischen Kassenschlager geworden ist und enorm positiven Kritikerzuspruch bekommen hat."
Wundert Sie das? Die meisten Zuschauer haben es verlernt Bilder zu interpretieren. Schauen Sie mal mit jüngeren Leuten The Searchers oder The Birds, Sie werden Ihr blaues Wunder erleben. Ich habe beides getan, auch mal mit einer Freundin Alien, die hat mir den kompletten Film auf ewig vermiest. Filmkritik fand ich schon immer oft komisch, aber Filmkritiker bei Mainstreammedien können gar nicht anders als Zeitgeistprodukte toll zu finden. 
Der durchschnittliche Kinogänger, bzw. ja wohl eher Streamingnutzer wurde von Tarantino, Star Wars oder Marvel konditioniert. Da kann sich kein vernünftiger Geschmack entwickeln. 
Einen Abgleich zum Text kann keiner mehr vornehmen, weil sowas heute keiner mehr liest und die Jugend schaut auch nicht den Odysseus von 1954, obwohl der recht oft im Fernsehen läuft. 
Ich wundere mich über gar nichts, höchstens darüber, daß Sie und andere sich wundern und nach wie vor hoffen, daß es mal wieder grundlegend besser wird, im Kino und außerhalb. 
"Was man auf der Leinwand sieht, ist netflixkompatibel und hätte genauso gut digital gedreht werden können."
Eben. Und das wird sich auch nicht mehr ändern. Weswegen ich finde, daß man sowas auch nicht mehr Kino nennen sollte.
Danke für Ihre Kritik.

Adler und Drache

28. Juli 2026 16:28

@ dojon86
Die amerikanische Filmindustrie war nie besonders gut darin, Menschen anderer Zeiten und Kulturen darzustellen.
Da ist was dran. Mir ist das besonders bei den Filmen "Kind 44" und "The Death of Stalin" aufgefallen. Sie spielen beide im tiefsten Sozialismus, vermitteln aber wirklich nicht das geringste Gefühl, wie sich das Leben hinter dem "eisernen Vorhang" angefühlt hat. Das führt zu dem starken Eindruck eines "als ob" - als hätten sich die Charaktere nur verkleidet und würden eine Geschichte aus dem Ostblock spielen. Null Immersion. Das wurde mit "1984" viel besser gemacht. 

Rabenkaiser

28. Juli 2026 16:31

Vielen Dank! Das ist hervorragend ausformuliert, was ich persönlich nur 'gefühlt' habe, als ich aus dem Kino kam.

Adler und Drache

28. Juli 2026 16:34

@ Le Chasseur
Es gibt keine Sexszenen
Na, das ist ja dann ein Pluspunkt. Nichts ist dröger als die Pflichtsexszene!

MARCEL

28. Juli 2026 16:46

Dicitur Homerus caecus fuisse...
Kino, Internet, Unterhaltung ist in woker Hand, war auch beim Napoleon-Film mit dem dauernd etwa 50jährigen Napoleon (J. Phoenix) zu bestaunen oder bei diversen Gladiatoren-Machwerken. Dazu die notorisch anti-deutschen Tom Hanks-Kriegsgemälde.
Kino ist Erziehung, Angriff auf das Bewusstsein und "Platonische Höhle". Manchmal aber auch notwendige Katharsis.
Letzte Hoffnung: Mel Gibsons The Passion-Fortsetzung? 
War Spaß

das kapital

28. Juli 2026 16:54

Sollen sie doch N.märchen verfilmen, statt die griechischen Sagen und Mythen zu verunreinigen. Es ist aber nun leider der neue Kult, alles einzukoten, worauf die westliche und abendländische Kultur aufgebaut ist. Es reicht immer nur dazu, den kulturellen Standard zu fäkalisieren. Es reicht nicht dafür neuen zukunftsträchtigen Kult zu schaffen. No mater if you´re black or white. No mater if you´re boy or girl. No mater if you are 800 b.C. or 2026. Aristoteles Platon Sokrates alles Afrikaner. Afrika war immer schon der Leuchtturm der Weltkultur. Ja wussten Sie das etwa nicht. Alexander der Große war ein Sohn von Kunta Kinte. Kants Mutter stammte von der Elfenbeinküste und war Professorin für Afrikanistik in Königsberg. Merkwürdige Geschichtsschreibung. Bin doch leicht angewidert und weiss noch nicht ganz, wieso. /// Ähnlich angewidert bin ich von der kulturellen Zersetzung der christlichen Ästhetik durch die Besteuerungskirchen selbst. Gott ist queer. Christus ist, siehe Christmesse Stuttgart 2025, eine schleimige Kröte. Der Heiland wird jetzt in Paderborn zum Grillhähnchen in Windeln, das artgerecht durch die Kirche gewirbelt wird. Und in Wien stürzt sich ein 12jähriges Mädchen wegen eines leicht satanistisch veranlagten Pflegechefs aus dem Fenster. Dekonstruktion wird zum neuen Normal.

Diogenes

28. Juli 2026 17:24

Armer Nolan. Wie Scott (Alien, Gladiator) hat er seinen Nimbus verspielt (Scott bei Gladiator 2) Nolan mit Odysee. Strafe jene, die dich anwidern mit Nichtachtung. Lass sie an sich selbst zugrunde gehen und scheitern. 

Diogenes

28. Juli 2026 17:34

Muss man natürlich auch wahrnehmen wollen, anstatt sich nur an der Diversität zu stoßen.
 
Ach, muss man ein die Odysee als Aufhänger nehmen und verfälschen um Kritik üben zu können? Lächerliches Argument. Für eine eigene Kreativgeschichte hat es nicht gereicht, also muss wieder der VSA-"Liberator" ran und diabolisch-durcheinanderbringend wirken. Natürlich war auch Kleopatra negrid... Und als nächste Verfälschung wird Cäsar schwul gemacht und Siegfried läuft durch den Wald und sing: "Ein Männlein steht im Walde...", dann wird er vom Drachen gefressen und die Essenz von der Geschichte: Wahrheit ist Lüge! 

Ein gebuertiger Hesse

28. Juli 2026 17:37

Nolan ist stets so falsch wie nur was. Der hat es im schlechten Sinn sogar hinbekommen, Robin Williams in einer 08/15-Deppen-Killer-Rolle unterhalb jeglich angemessenen Niveau zu besetzen. Von Al Pacino im gleichen Film mal abgesehen. Von DEM zu rden hier, und zwar auf DIESER Plattform, das wäre es Wert. ML, how about it?

dojon86

28. Juli 2026 18:12

@Majestyk Ihre Frage, welche Filmindustrie es besser kann, fremde Zeiten und Kulturen darzustellen, ist natürlich berechtigt. So gut wie keine. Meiner Meinung haben die Franzosen manchmal bei historischen Filmen ihrer eigenen Geschichte manchmal etwas zusammengebracht. Aber auch eher selten. Aber um ehrlich zu sein, bin ich nicht berufen, darüber zu urteilen. Der letzte Film, den ich sah, hat mich dermaßen verärgert, dass ich keine Filme mehr anschaue. Und das ist jetzt schon gute 15 Jahre her. Somit fehlen mir Kenntnisse des Genres. ML's Filmkritik hat mich nicht wirklich überrascht. 

Ein gebuertiger Hesse

28. Juli 2026 18:14

Es gibt im US-Besatzertum, da wie dort, nicht DIE anderen, sondern, den nächstbeste Döner - wird dir immer nur reingereicht bekommst was auf der Karte steht. Alles andere machste selbst. Heißt nicht, daß der Döner nicht schmeckt.

dojon86

28. Juli 2026 18:32

@JungspundF Wenn ich etwas über das moderne LA erfahren will, dann sehe ich mir LA Crash (oder Los Angeles Crash) an. Hat mir damals trotz durchwachsener Kritiken ganz gut gefallen. Nicht aber die Odyssee. Wer für sein Thema unbedingt alte europäische Mythen völlig verfremden will, beweist damit nur, dass er es nicht schafft, eigene Mythen zu schaffen. Es gäbe in der Geschichte der Afrikaner und ihrer unfreiwillig an andere Punkten des Globus transferierte Stammesgenossen gewiss manches lohnenswertes zu erzählen. Das wird aber nicht geschehen, weil die in der Kulturindustrie dominanten europäischen woken Universalisten in Wahrheit die schlimmsten Eurozentriker sind.

RMH

28. Juli 2026 18:48

"dass es sich nicht um das alte (noch-nicht-) Griechenland handelt, sondern um das Los Angeles der heutigen USA?"
@JungspundJF,
vom Odysee-Stoff gibt es vermutlich tausende von Adaptionen (bis hin zu einer Folge bei den Simpsons). Wenn Nolan die aktuelle USA oder LA darstellen wollte, warum wählte er dann dennoch klassische Sandalen-Optik und antike Sujets? 
Das passt doch nicht - er hätte das Ganze durchaus aktualisiert mit allen aktuellen Ethnien dieser Welt drehen können, aber er wollte die Anknüpfung ans Alte, wo es das eben noch nicht so ausgeprägt gab, um eben dieses Alte umzudrehen und zu verändern.
Das der Film eine Dystopie ist, wurde mir von Freunden, die den Film schon gesehen haben, ebenfalls mitgeteilt.
Ich seh ihn mir privat an, wenn er im Streaming landet. Vorher nicht.

Monika

28. Juli 2026 19:48

Ich habe den Film nicht gesehen und auch keine Ahnung von Filmen, aber ich habe eine dumme Frage, auch wenn es heißt, es gibt keine dummen Fragen. Warum kann die schöne Helena nicht schwarz sein, wenn z.B. der Indianer Winnetou von einem Franzosen gespielt werden kann und Cleopatra von Elisabeth Taylor ? Das empfinde ich als mindestens genauso seltsam.

ML: Ernsthaft? Pierre Brice ist doch als Rothaut geschmninkt (auch wenn man das lächerlich finden kann), und wo nun das Problem mit Elizabeth Taylor liegen soll, finde ich nun eine ziemlich mysteriöse Frage.

Eine schwarze Frau kann wunderschön und königlich aussehen und das Gemeinte "transportieren".

ML: Und Lupita ist "wunderschön" und "transportiert das Gemeinte" Ihrer Meinung nach?

Wo genau liegt das Problem ?

ML: Ich kann es nicht mehr ernstnehmen, wenn Leute sich absichtlich so dumm stellen. Sorry.

Wie empfinden echte Indianer es, wenn sie Winnetoufilme sehen ? 🤔

Quantolino

28. Juli 2026 20:00

Ich sehe das Publikum im Kino. Es ist begeistert. Einfach von dem, was es sieht. Ob Helena schwarz oder weiß ist - egal. Die woke Botschaft kommt gar nicht an. Mir hat er gefallen.

Gracchus

28. Juli 2026 20:21

Wenn es nach mir ginge, könnte man Ilias/Odyssee in den biblischen Kanon aufnehmen. 
Ich stimme @Majestyk zu. Ich mag Nolans Kino nicht. Ich würde es so sagen: Nolan kann nicht erzählen. Wo ist der Glaube an die Kraft des Erzählens? Vielleicht hilft das ja auch gegen PBTS. An dem Trailer hat mich schon das typische Hollywood-Pathos angewidert. 
 

das kapital

28. Juli 2026 20:42

@ monika Winnetou ist kein indianischer Mythos sondern ein rein deutscher Mythos. Der muss den verbliebenen Ureinwohnern Amerikas rein gar nichts sagen. /// Wenn ich mal einen farbigen Mythos sehen will, dann schaue ich "der Prinz aus Zamunda". Saulustig. Und natürlich auch provokativ. Weil da superreiche Farbige geschildert werden,die ein ganzes Land beherrschen. Ein Gag mit Tiefgang. ///  Griechische Schönheit wächst blüht und gedeiht nicht in Schwarzafrika. Cleopatra übrigens entstammte der makedonisch-griechischen Dynastie der Ptolemäer. Nix Afrika. Die Weißen sind die Weißen sind die Weißen. Da irgendwo verbirgt sich das Problem. Die griechische Kultur war anderen Kulturen überlegen. Sogar die Römer, die militärisch gesiegt hatten, haben das anerkannt. Durch das "Blackfacing" der besonderen Art aber wird diese kulturelle Überlegenheit, die nicht eingebildet, sondern echt ist, eingeebnet. ///

dojon86

28. Juli 2026 20:49

@Monika Ich finde die Karl May Verfilmungen aus diesem und anderen Gründen ziemlich dämlich. Eine Fundgrube unfreiwilliger Komik. Ein Indianer sollte tatsächlich wie ein Indianer aussehen. Oder meinetwegen auch wie ein Nordostasiatischer Typ. Ein schwarz angemalter Othello ? Meine Sache ist das nicht. War vielleicht notwendig, als in der  europäischen Theaterlandschaft schwarze Schauspieler noch schwer zu finden waren.

Majestyk

28. Juli 2026 21:18

@ dojon86:
Stimmt, die Franzosen konnten gut historische Filme, aber meist deren Historie. Die Engländer waren auch oft gut, auch die Italiener. Ist aber alles lange her. Einer der besten Historienfilme übers Mittelalter ist tschechischen Ursprungs und heißt Marketa Lazarová
Grundsätzlich ist es unmöglich einen wirklich authentischen Film über die Vergangenheit zu drehen. Filme verraten mehr über ihre Entstehungszeit als über die Zeit, in der sie spielen. Und eine andere Kultur kann man nur mit den Augen des Fremden sehen. 
Vor Corona ging ich noch dann und wann ins Kino, meistens zu Besuch in Weimar am Nachmittag. Manchmal waren wir oder ich sogar ganz alleine. Dann und wann gibt es schon noch gute Filme, was mich aber schon sehr lange nervt, ist das Benehmen anderer Kinobesucher. Da ich bei Unverschämtheiten eine niedrige Toleranzschwelle habe, gehe ich potenziellen Konflikten lieber aus dem Weg.
Von den zwei Filmclubs die ich früher besucht habe, existiert einer nicht mehr und der andere kämpft gegen rechts. Programmkino gibt es für mich also auch nicht mehr. 

RWDS

28. Juli 2026 21:47

Es wirkt wie das letzte Aufbäumen der Wokeness.
Nochmal einen raushauen, bevor das Kapitel Woke und PC ad acta gelegt wird. Dass das natürlich eine rein anti-weiße Veranstaltung ist und nicht irgendeine verkappte Gesellschaftskritik erklärt sich schon dadurch, dass es umgedreht sehr wichtig ist, wer zb mystische Erzählungen aus dem Orient oder Ozeanien (Moana) darstellt oder sogar nur spricht.
Ich hätte ja gern Sydney Sweeney als Pocahontas.

Adler und Drache

28. Juli 2026 22:28

@ Monika
Ich stimme Ihnen zu. Ergänzend 1: Mir war der Hintergrundgedanke sofort klar: Wie besetzt man die "schönste Frau der Welt"? Egal wie man sie besetzt, wenn man sie nach den klassischen Kriterien besetzt, kommt sie niemals an den Mythos heran. Keine Schauspielerin kann das glaubhaft machen. Es gibt zu viele superschöne weiße Frauen, aber keine ist so besonders, dass man glauben würde, ihretwegen sei ein zehnjähriger Krieg ausgebrochen. Der Gedanke, diese Rolle mit einer schwarzen Frau, also mit einem Phänotyp zu besetzen, der den Vorstellungsrahmen komplett sprengt. weil sie intradiegetisch eben wirklich einzigartig ist, um somit den Krieg zu rechtfertigen, leuchtet mir schon ein. Das Problem ist aus meiner Sicht eigentlich nicht, dass die Darstellerin von Helena schwarz ist, sondern dass sie (bestenfalls) durchschnittlich schön ist. Das andere Problem ist, dass eben nicht nur sie schwarz ist, was ihr das ganz Besondere wieder wegnimmt.  
Ergänzend 2: Nolan hat in "Batman Begins" die Figur des R'as al Ghul eben auch nicht mit einem Araber oder Asiaten besetzt, sondern mit Liam Neeson.  

Gracchus

28. Juli 2026 23:20

@Majestyk: Danke. Marketa Lazarova werde ich mir ansehen. 
Gehe ebenfalls kaum mehr ins Kino. Ich war zuletzt in Pinocchio von del Torro. Fand ich auch verhunzt. Es stimmt natürlich, was Sie sagen, historische Filme sind nie authentisch. Müssen Sie auch nicht. Wenn man solche Stoffe verfilmt, erwarte ich, dass sie meiner Phantasie was hinzufügen. Insoweit konstatiere ich einen Mangel an Phantasie. Wokeness ist ein Feind der Phantasie. 

Gracchus

28. Juli 2026 23:27

@Monika/Adler und Drache: Tatsächlich stört mich ein multiethnischer Cast zumindest auf dem Papier nicht. Müsste ich mir ansehen.
Homer hat den Vorteil, dass er das Aussehen Helenas der Phantasie des Leser überlassen kann. Dieser kann einsetzen, wen er am schönsten findet. Also könnte man Helena auch nicht besetzen bzw. nicht zeigen. 
 

Majestyk

29. Juli 2026 00:25

@ Adler und Drache:
"Ergänzend 2: Nolan hat in "Batman Begins" die Figur des R'as al Ghul eben auch nicht mit einem Araber oder Asiaten besetzt, sondern mit Liam Neeson."
Paßt doch. Die Intention ist doch eindeutig. Das Schöne, alles nur nicht weiß. Das Böse stets weiß und nichts anderes. 

Rabenfeder

29. Juli 2026 03:42

 
Des Kraehens erster Teil:
RMH,
Sie schreiben: " Ich sehe ihn mir privat an, wenn er im Streaming landet. Vorher nicht."
So ist es. Ich begreife nicht warum so viele ins Kino stroemen, die sich vorher
massiv ueber den Film und seine Besetzung mokiert haben. Wer ihn unbedingt sehen will (wie ich) und nicht am finanziellen Erfolg mitwirken moechte, der  wartet wie Sie oder findet andere, leicht zugaengliche Optionen in passabler Qualitaet.
Dabei will ich gerne einraeumen, dass auf begrenztem Bildschirm der laute Bombast seine Wirkung nicht voll entfalten kann; manchmal ist Kino eben auch
schlicht das: Laut und wuchtig.
Nolan gelingt solche Wucht gelegentlich; so in "Interstellar" die ganze Sequenz vor
dem Eintritt in das schwarze Loch. 
In "The Odyssey" koennte das Oeffnen des Tores mit Darth Vader-Agamemnon
und der anschliessende Sturm in die Stadt unter draengender, klopfend hypnotischer Musik eine solche Szene sein, die im Kino einen mitnimmt, ob man will oder nicht.

Rabenfeder

29. Juli 2026 04:04

des Kraehens zweiter Teil:
Im Gegensatz zu vielen, die das Kostuem Agamemnons eher laecherlich finden, gefaellt mir Nolans Agamemnon. Das Gesicht weitgehend verborgen, eine machtvolle, mythische Gestalt, der nach der Rueckkehr ganz lapidar von seiner untreuen Gattin ermordet wird. Das war gut!
Aber leider war es das auch. Ist "Interstellar" abgesehen von vereinzelt guten Szenen ueberfrachtet und praetenzioes, so ist dieser Film schlicht schlecht erzaehlt, ganz abgesehen von allem woken und pseudo-feministischen Muell.
Eine Aneinanderreihung von Sequenzen in duesterem Anstrich mit modernem Schuldballast ohne jedes Abenteuer, jeden Charme, jeden Tiefgang.
Eigentlich nicht der Rede wert und deshalb soll es hier auch genuegen.
 
Herr Lichtmesz,
eine Bemerkung moechte ich noch machen in Bezug zu Nicole Kidmann in "The Northman":
Ich kann keinen Historienfilm schauen mit modernen operierten Botoxgesichtern; das ist kaum anders als die guten alten tuerkischen "Historienfilme" mit Cuneyt Arkin, der am Handgelenk seines das Schwert voller gerechtem Zorn schwingenden Armes eine Armbanduhr traegt, waehrend im Hintergrund ein Bus durch das Bild faehrt.
Da kann der Regisseur heissen wie er will...
 

Laurenz

29. Juli 2026 06:57

@ML ... war letzten Donnerstag eingeladen, Nolans Odyssee zu sehen. Stimme Ihrer Kritik in Dramaturgie & Erzählung vorbehaltlos 100% zu, der Film war auch Deutsch gesagt, reine Zeitverschwendung. Bei der Produktion widerspreche ich Ihnen. Der Film war nicht nur im mediterranen Umfeld dämlich düster, sondern der Hintergrund immer diffus, ähnlich wie bei "300". Das spart natürlich viel Geld beim Szenenbild & bei der Kostümierung der Komparsen. Bei "Braveheart" sieht man eben haarscharf, daß die Komparsen völlig lächerlich angezogen waren & Szenenbilder viel zu ärmlich gestaltet wurden. Ich könnte bei Nolan noch 100 weitere Fehler hinzufügen. ZB wenn Nolan schon personell Vergil zitiert, kann er im Drehbuch nicht Troja mit Mann & Maus umkommen lassen. Aeneas & Co. hauten ab. Politisch denke ich auch anders. Nolan war einer der letzten Regisseure,welche die Wokeria aufbieten konnte, um nicht den nächsten Pleite-Film zu liefern. Aber Nolans Ruf ist doch jetzt mit diesem fäkalen Scheißfilm völlig ruiniert. Als Historien-Freak kann mir natürlich kein Film authentisch genug produziert sein. Man kann aber im Film keine Perfektion erwarten, aber das Bemühen, die Tendenz sollte stimmen. Auch beim "Ring" oder der GoT-Serie kann man versuchen, die literarischen Welten einigermaßen authentisch einzufangen. Ein Drachenboot der Wikinger in der Bronzezeit auf dem Mittelmeer ist echt nur was für völlig verblödete Kuhtreiber.

Laurenz

29. Juli 2026 07:00

@ML (2) ... Der am besten produzierte Film aller Zeiten, was Authentizität betrifft, ist "Master & Commander". Der Film wurde aber zeitgleich mit dem Ring plaziert & brachte daher nicht genug Geld ein, so gab es nie einen II. Teil, obwohl die "lucky" Jack Aubrey Bücher Serien mehr hergegeben hätten. Wie man mit Homer umgeht, ist schwer zu sagen. Homer gleicht in der literarischen Systematik King Arthur oder dem Ninbelungenlied, erzählt wohl die Geschichte eines wahren Krieges, ein paar hundert Jahre später nach, allerdings im Zeitgeist Seiner Eigenen Epoche & wie Karl May nutzte Homer literarisch die Landschaft Seiner Eigenen Heimat, wohl aus Unkenntnis, nicht die Landschaft des originalen Trojas. Der Trojanische Krieg passierte zur Zeit des bronzezeitlichen Kollapses. Wir wissen auch nicht, ob es Archaische (also orientalische) Griechen waren, ob Mykene überhaupt noch existierte, & ob nicht vielleicht die aus Europa stammenden "Seevölker" Troja angriffen. Zu Lebzeiten Homers war der Seevölkersturm bereits gelaufen & das Hellenistische Griechenland beherrschte nach den Dorischen Wanderungen das Mittelmeer. Insofern sind in der Homerischen Darstellung die Griechischen Helden ursprüngliche Mitteleuropäer, die bereits mit dem aus Europa mitgebrachten & entscheidenden Naue-II-Schwert kämpften. Dramaturgisch sind die beiden Werke Homers Europäische Erzählungen.

Laurenz

29. Juli 2026 07:20

@Monika, Dojon86, Gracchus, Adler & Drache, wie sonstige Pierre-Brice-Basher ... Nur Leute, wie Sie regen sich über Karl Mays Winnetou im Film auf. Jene, die es betrifft, die heutigen Indianer nicht. Die würden alle gerne selbst gerne, wie Pierre Brice als Winnetou aussehen. Und alle wissen, Karl May hatte mehr für die Indianer geleistet, als sonstwer. Wenn der Film Zulu (1964), erneut produziert würde & die halbe Armee der Zulus aus halbnackten Weißen, Chinesen, Anden-Indianern & ein paar Eskimos/Inuit bestehen würde, die sich alle als Zulus identifizieren, wäre der woke Aufschrei vernichtend.

Monika

29. Juli 2026 07:29

#Adler und Drache Danke 
Wie besetzt man die schönste Frau der Welt ? Martin Lichtmesz kann sich keine schwarze Venus vorstellen. Grace Jones oder Nicole Kidman ? Weder noch! Nicole Kidman ist inzwischen dermaßen steril operiert und im letzten Film soll sie eine alternde Frau mit jungem Liebhaber spielen. Die schönste Frau, die ich je im echten Leben gesehen habe, war tatsächlich eine schwarze Frau. In afrikanischer Tracht, hier im Bus neben fetten, tätowierten Einheimischen. Wäre ich Annie Leibowitz, hätte ich sie gefragt, ob ich sie fotografieren darf. Eine königliche Schönheit mit klassischen Gesichtszügen. So viel zu Schönheit. Diese Art von Schönheit weckt zunächst kein erotisches Begehren, sondern eher Verehrung. "die Schönste von allen, von fürstlichem Stand..." heißt es in einem Marienlied. Aber, ich bin hoffnungslos altmodisch, was Schönheit betrifft. Und Schönheit ist tatsächlich in einen ethnischen Kontext ( Kultur, Tracht, usw.) eingebettet. 

ML: Es ist doch alles so einfach wie eine Watschen, ich kann dieses hartnäckige Dummstellen nicht nachvollziehen.

Monika

29. Juli 2026 07:38

#Laurenz Ich rege mich nicht über Pierre Priece als Winnetou auf. Ich habe die Filme als Kind geliebt und gerne Cowboy und Indianer gespielt. Ich wollte lieber ein Indianer sein. Als ich dann mal ein Buch mit echten Indianern gesehen habe, war ich zunächst enttäuscht, daß richtige Indianer ganz anders aussehen als im Film. Warum soll dieses Phänomen nicht auch anders rum funktionieren? Daß eine weiße Frau von der Schönheit einer schwarzen Helena fasziniert ist ? Es geht eben um mehr als um Äußerlichkeiten.

Le Chasseur

29. Juli 2026 08:24

@Laurenz
"Aber Nolans Ruf ist doch jetzt mit diesem fäkalen Scheißfilm völlig ruiniert."
Definitiv. Der fäkale Scheißfilm ist zwar finanziell ein voller Erfolg , die aktuelle IMDB-Bewertung  liegt bei 8,5 von 10 möglichen Punkten, aber Nolan wird vermutlich von keinem Studio mehr als Regisseur verpflichtet werden.
P.S.: Nolans "The Odyssey" entfacht neues Interesse an Homer und griechischer Sprache
 
 
 
 

RMH

29. Juli 2026 08:40

Die Vergleich mit den Winnetou Filmen ist komplett ahistorisch & hinkt massiv. Der Kernbestand an W- Filmen wurde in den 60er Jahren vom Atze Brauner Konkurrenten Wendlandt in Europa für maßgeblich den dt & europ Markt produziert. Entsprechend castete man ohne vertiefte Überlegungen zur ethn. Korrektheit Schauspieler aber auch Drehorte (Jugoslawien). Gralshüter des lit. Erbes von K. May haben sich dann auch eher an Lex Barker - als urtypischen US-Amerikaner - in der Rolle des eigentlich dt Old Shatterhand gestört. Deren Stimmen waren aber leise & klein. Nolan hingegen castete ganz bewusst so, wie er gecastet hat, um damit den abendl. Stoff zu globalisieren. Wenn dann die aus der halben Welt zusammengecastete Gefolgschaft von Odysseus "wir sind Griechen" sagt, dann wird es eben albern. Auch das hätte man bei Beibhaltung des Casts korrekt erzählen können, aber Nolan ist eben kein guter Erzähler, sondern ein in dunklen Atmosphären zeichnender Filmemacher. Von den Batm,-Verfilm. habe ich die Dark Knight Reihe stets für überbewertet gehalten. Mein Favorit ist hier "Joker" (Regie Todd Philipps). Eine unpolitische, rein filmische Rezenssion, die Nolans Werk gründlich zerlegt, findet man bei YT im Kanal der MovieAmphs (>45Min, ich verlinke daher nicht).

Klaus Kunde

29. Juli 2026 08:54

Produktionskosten von 250 Millionen Dollar werden angegeben. Was machen Blockbuster oder solche, die es vorhaben zu werden, so verdammt teuer? Dreierlei. Wahnsinnig hohe Gagen für die Protagonisten, Special effects sowie die Promotion.
Christopher Nolan ist mir bislang nur mit einer respektablen Produktion aufgefallen, Dunkirk. Kostete 150 Millionen Dollar und ging mit Special effekts eher sparsam um. Genau das war es denn auch, das mein Gefallen fand.
Mein Spezialgebiet sind Krimis aus den siebziger und achtziger Jahren; oft sind die Erstlingswerke, noch Low Budget Produktionen, die besten Werke späterer Kultregisseure. Fast alles US-Produktionen, wenige französische und italienische darunter, keine einzige deutsche.

Sandstein

29. Juli 2026 09:39

Danke für diese Kritik, auch wenn man raushören und erahnen kann, dass einiges an MLs Urteil schon vorab feststand. Habe lange überlegt, mal wieder ins Kino zu gehen, werde mir den Besuch klemmen. Zur Wahrheit gehört aber auch: bisher ist The Oddyssy Nolans erfolgreichster Kinostart, und steht jetzt nach zwei Wochen bei über 640 Millionen Einspielergebnis. Die Milliarde dürfte geknackt werden. Muss einem nicht gefallen, gehört aber zum Bild dazu.
@Majestyk Interstellar hat Ihnen nicht gefallen? Ich fand ihn großartig 

Laurenz

29. Juli 2026 09:50

@Monika @L. ... um es anders zu vermitteln, was ich sagen will, lesen Sie die Wikipedia des Prinzen Maxilmilian zu Wied-Neuwied, der auf Entdeckungsreise https://de.wikipedia.org/wiki/Maximilian_zu_Wied-Neuwied den Missouri flußaufwärts zog. Der Schweizer Maler Karl Bodmer, der Max zu Neuwied begleitete, lieferte sehr detailiierte Zeichnungen der besuchten Indianerstämme, die nur aufgrund Bodmers Zeichnungen ihre Trachten-Tradition wiederherstellen konnten. Das zentrale Werk Neuwieds & Bodmers wurde vor der Geburt Karl Mays veröffentlicht & May kannte das Werk explizit & nutze es für Seine Erzählungen. Da es damals noch Deutsche Tugenden gab, war die Genauigkeit Deutscher Forschungsreisenden auf dem höchsten Niveau, weltweit. Wie sehen denn die Links-Woken oder Sie die Entwicklung der einzigen Schwarzafrikanischen Schriftsprache, Kishuaheli, durch Deutsche Missionare? Wir dürfen davon ausgehen, daß diese linken Dummbatzen gar nichts davon wissen. Das war früher mal anders. Denn, da in woker Equality eh alle gleich sind & der Rest aus sozialen Knstrukten besteht, kann man auch, als Links-Woker, auf jegliche Bildung verzichten. Unser Ex-Außenminister, Bärziege, wie auch unser aktueller Grüßonkel ins Ausland, WhatAFool, wissen rein gar nichts über die eigene oder fremde Kulturen, wie erbärmlich.

Laurenz

29. Juli 2026 10:11

@Monika @Adler & Drache ... selbst für Historiker & Kulturanthropologen ist es extrem schwierig, die spirituelle Wahrnehmung, wie Einordnung von Werten & (Schönheits-)Idealen der Epoche Homers nachzuvollziehen. Wie ML berichtete, wußten die Hellenen/Danaer ja nur zu genau, daß die Götter mit den Sterblichen ihren Schabernack trieben, kein Grund für schlechte Laune. Und es war moralisch völlig legitim, den Gegner abzustechen, um seines Besitzes habhaft zu werden. Anders als bei christlicher Moral, gab es nie ein schlechtes Gewissen, nur unangenehme Verluste. Sie brauchen mein Urteil nicht, um festzustellen, welche Lebensart, welche Moral das Überleben besser sichert. Die verläßlichsten Zeugen für das Schönheitsideal zu Zeiten Homers sind nicht Historiker, sondern Kunsthistoriker. Hellenen idealisierten in der Kunst, die Römer nicht oder weniger. Man kann also ziemlich genau festmachen, wie die 3 Göttinnen aussahen, unter denen Paris wählen mußte, wem er nun den Apfel zukommen läßt. Göttliche Schwarzafrikaner waren keine dabei. Nolan ist studierter Literat. Der kann sich nicht rausreden, daß er nicht Bescheid wüßte. Ich will auch noch auf die Spiritualität Homers hinweisen. Zeitgenossen konnten viel besser diesbezügliche Anspielungen (wie das sprichwörtliche Pferd) im Text verstehen, was uns verschlossen bleibt.

Licht

29. Juli 2026 10:24

Ideologisch determinierte Verbitterung at its best, Lichtmesz.
Der Gang vorbei an den schwarzen Madonnen Tschechiens muss stets einem Spießrutenlauf gleichen.

ML: Danke für den Lacher, ich find's immer wieder geil, dass es Leute gibt, die ernsthaft denken, diese Madonnen repräsentieren Afrikanerinnen. :D

Und dass der – ebenso wie die Odyssee – absolut fiktive neutestamentarische Bibelstoff mit seinen erdachten Protagonisten und Protagonistinnen (Fabelwesen wir Gott inkl.) aus dem Nahen und Mittleren Osten durch Kirche, Mäzene und Künstler ungeniert in bspw. mitteldeutsche Architektur, Landschaft, Kleidung und dominante Phänotypen mühelos transferiert wurde, stört die White-Supremacy-Snowflakes natürlich nicht.

ML: Nö, warum auch? :D

fw87

29. Juli 2026 10:46

@Monika: Natürlich sind die Winnetou-Verfilmungen recht schön, blenden aber vieles aus, was im Roman eine zentrale Rolle spielt. Beispielsweise werden dort ethnische Fragen sehr stark verhandelt. Old Shatterhand wird einmal gefragt, ob es denn für einen weißen Mann "moralisch in Ordnung" sei, eine indianische oder sogar schwarze Frau zu heiraten. Er antwortet darauf sinngemäß, dass das prinzipiell schon geht, wenn die Frau vorher den christlichen Glauben annimmt. Ansonsten sind die kulturellen Unterschiede zu groß. Gleichzeitig lässt Shatterhand durchblicken, dass er - Christentum hin oder her - solche Verbindungen nicht für optimal hält und sich persönlich dagegen entscheiden würde. Auch ist es im Roman so, dass Winnetou durch die Ave-Maria-Gesänge bayerischer Aussiedler ein Bekehrungserlebnis hat und als Christ stirbt. Diese Themen sind natürlich Minenfelder und kommen deswegen im Film nicht vor. 

RMH

29. Juli 2026 10:55

"Anders als bei christlicher Moral, gab es nie ein schlechtes Gewissen, nur unangenehme Verluste."
Wie sich die Leute damals fühlten, können wir Europäer nach 2tsd Jahren Christentum nun auch nicht mehr wissen, insofern ist dieser Satz anmaßend. Ein Gewissen werden die Menschen damals aber auch gehabt haben, denn dass ist Teil des menschlichen Grund-Set-Ups, welches normale Menschen, also solche, die keine Psychopathen sind, unabhängig von ihrem Glauben oder Nichtglauben haben. Historisch nachweisbar ist aber, dass die Menschen ein Nehmen durchaus mit einem Geben als Ausgleich verbanden, denn die menschlichen Eingriffe verlangten nach "Heil-ung" durch Opfer. Die zentralen Opfermysterien sind untrennbarer Teil der Antike. Diese Opfergaben kann man nicht als schlichte "Bestechung" der Götter verstehen, wie wir modernen Menschen dies oft fälschlicherweise & oberflächlich interpretieren. Sie sind eher der Versuch, Ausgleiche herzustellen, eine kosmogonisch erklärte Ordnung aufrechtzuerhalten. Der vestorbene Altphilologe Walter Burkert hat dazu einige, sehr interessante Bücher veröffentlicht. Überhaupt sind die antiken Mysterienkulte, zu denen Opferriten maßgeblich gehörten, ein Schlüssel zum Verständnis von Werken wie der Odyssee.

dojon86

29. Juli 2026 10:58

@Laurenz Mag schon sein, dass die Helden Homers kein Schuldgefühl kannten, wenn sie die Verlierer massakrierten, deren Frauen raubten und vergewaltigten und deren Hab und Gut an sich nahmen. Trotzdem kannten sie das Mitgefühl mit den Besiegten. Dies kommt in der Ilias und auch in der Odyssee mehrmals zur Sprache. Hektor ist kein finsterer Protagonist des Bösen sondern ein tapferer Verteidiger der Seinen. Dergleichen Stellen wird man im AT bei der Vollstreckung von Gottes Vernichtungsbefehl an den Kanaanitern oder den Amalekitern, vergeblich suchen. Siehe Buch Josuah und auch Samuel.

Gracchus

29. Juli 2026 11:07

@Laurenz: Pierre Brice hab ich gar nicht gebasht. Als Winnetou wurde er übrigens synchronisiert. Bei "Winnetous Erben" nicht - da hat Winnetou plötzlichen einen komischen französischen Akzent.

Monika

29. Juli 2026 11:30

@ Laurenz Das von dem Prinzen Maximilian lese ich nicht. Aber ich habe mir das Buch "Die Sagen des klassischen Altertums" von Gustav Schwab aus dem Erbe meiner Eltern aus meinen Büchern rausgezogen u. werde da mal wieder über die Irrfahrten des Odysseus nachlesen. Schwab hat diese Stoffe ja in "schlichter Prosa" für Kinder u. Frauen zugänglich gemacht. Das dürfte Ihnen gefallen, der schlichte Zugang für Frauen. 😉Auch die spirituelle Einordnung von Werten wie Schönheit beschäftigt mich erneut. "Nigra sum sed formosa", d.h. schwarz bin ich, aber schön ", heißt es im Hohen Lied 1,5 im At . Auch über die Bedeutung der schwarzen Madonnen wäre nachzudenken. So hat der Film gerade in seiner Umstrittenenheit doch gute Nebenwirkungen. 3 Stunden im Kino hocken, das war nie meine Sache. 

ofeliaa

29. Juli 2026 11:56

Mein aufrichtiges Beileid, dass Sie in diesen Film gehen mussten. Ich habe vor Kurzem 'Evil Dead Burn' im Kino gesehen - falls der noch in Ihrem Kino läuft, einfach reingehen und sich mithilfe ganz vielen Blutes und eines sauguten Soundtracks von der süffisant-woken Odyssee reinwaschen lassen. *engelsmiley*

ofeliaa

29. Juli 2026 12:04

Bei diesem Film juckt einen der diverse "Cast" definitiv nicht, aber ja ich kann so viel verraten: zufällig sterben in diesem Film zwei Schwarze und eine Asiatin zuerst. Wahrscheinlich ist der Film deswegen FSK 18. Scherz.  
https://youtu.be/QCX8Sxz0sr4?si=UiUbxOW1of0_zAOw

Monika

29. Juli 2026 12:13

@RMH, Was ist grundsätzlich daran verkehrt, "abendl. Stoff zu globalisieren" ? Es macht ja gerade  den Erfolg des Abendlandes aus, daß seine Stoffe universalierbar ( globalisierbar) sind.

ML: Jeder gute Stoff hat universale Bedeutung, dazu braucht man kein Diversity-Casting.

Seien es die Märchen der Gebrüder Grimm, Johanna Spyris Heidi, klassische Musik, biblische Erzählungen, usw. Es gibt die Weihnachtsgeschichte, d.h. die Krippe, mit asiatischen und afrikanischen Figuren. Ob der historische Jesus so aussah, wie wir ihn in Europa Gemälden darstellen, wer weiß das. Die Frage ist doch eher, wie geschieht eine Umsetzung universalisierbarer Stoffe angemessen und was geht durch eine "falsche"Umsetzung verloren. Das ist ein weites Feld. 

Malina

29. Juli 2026 12:38

Dieser Film ist ein seelenloses technokratisches Machwerk, nur Kitsch und Gemetzel und in nahezu allen tragenden Rollen fehlbesetzt, ganz ungeachtet phänotypischer Fragen. Neben dem wie stets geheimnis- und charismafreien Matt Damon spielen selbst die wenigen Schauspieler schlecht, die man aus anderen Filmen besser in Erinnerung hat, doch die sagenhaft törichten Dialoge lassen eben auch wenig "Spielraum." Nach dem ersten Wutanfall tröste ich mich in solchen Fällen damit, daß es für das Urteilsvermögen immerhin lehrreich und notwendig sei, Mißglücktes und Schlechtes anzusehen, frei nach dem Motto: "Everything bad is good for you..."
Im Grunde ist Nolan ein Paradebeispiel dafür, was Heiner Müller 1990 in einem Gespräch über Shakespeare und das Theater im wiedervereinten Deutschland prophezeite: "Dark matter, die dunkle, die unsichtbare Materie. Wenn Theaterstücke nicht Raum lassen für diese dunkle Materie, dann sind die uninteressant. Und dieser Raum wird dauernd besetzt von Kommerz, von Mitteln, von Techniken – von Design. ... Ein rein autistisch kommerzielles Theater. Das ist die Zukunft für einige Zeit."
Wer einen (Historien)Film sehen will, der mit einfachen Mitteln größte Wirkung erzielt und Bilder schafft, die für immer im Gedächtnis bleiben, dem empfehle ich "Andrej Rubljow" von Tarkowski.

ML: Das und "Barry Lyndon" ist ein Goldstandard!

Majestyk

29. Juli 2026 12:57

ML: Es ist doch alles so einfach wie eine Watschen, ich kann dieses hartnäckige Dummstellen nicht nachvollziehen.
Tja das frage ich mich auch immer. Da scheint bei manchem wohl die ursprüngliche Prägung durch. Ich finde ja, daß Filme manches vorweggreifen, was später zum gesellschaftlichen Thema wird. Der Klimawahn und die Untergangshysterie wurde ja auch schon im Kino thematisiert, ehe man Kinder freitags auf die Straße schickte, siehe auch Interstellar, Geostrom, The Day After Tomorrow. Hollywood leitete den neuen Kalten Krieg ja auch vor 2022 ein, siehe Atomic Blonde oder Red Sparrow. Die Renaissance des Kriegsfilms Fury, Dunkirk, 1917 kann man auch als eine Art medialer Wehrertüchtigung betrachten. Mit der Weißscham ist es ähnlich. Im Grunde ist Avatar nichts anderes. Für eine Leserschaft, die sich gerne sehr "sophisticated" gibt, ist es erstaunlich, wie blind und taub sich manche Stellen. 

RMH

29. Juli 2026 13:21

@Monika, ich hätte dann wohl besser statt "Globalisierung" schreiben sollen, dass Nolan aus ganz konkreten, griechischen "somewheres", die auch wieder in ihre Heimat wollen, irgendwelche, beliebigen "anywheres" macht, um seine PTBS-Dekonstruktion eines antiken Helden universell vermarktbar zu machen. Und wie ich auch geschrieben habe: Wenn man so castet, wie es gemacht wurde, dann hat man beim Storytelling, scripting (ich verwende bei einem Hollywood Produkt englische Ausdrücke) eben auch entsprechende Anpassungen zu machen, damit man sich als Zuschauer nicht veralbert vorkommt.
Da Sie die Schwabsche Sammlung ansprechen: Die ist sollten in der Tat heute Jugendliche einmal wieder lesen.
Wenn man eine reimfreie Adaption der alten Sagenstoffe lesen will, würde ich aber eher zu Fühmanns "Die Sage von Trojas Fall" und "Irrfahrt und Heimkehr des Odysseus" greifen. Das liest sich runder, schöner als die Sammlung von Schwab.

Speng

29. Juli 2026 13:28

Tja, vielleicht bin ich etwas zu sehr von esoterischen und exoterischen Lesarten von Popkultur a la Mark Brahmin und Jay Dyer beeinflusst, aber ich kann den oben genannten „Gegen den Strich“ bürstenden Rezensionen (Pageau, Neumann, Gariepy) schon etwas abgewinnen. Hier auch eine schöne Lesart, die die Odyssee nach Nolan zu einem Vietnam-verbrannten Heimkehrer-Drama macht.
Unter Umständen läutert sich der Engländer Nolan ja nicht nur für den nicht perfektionierten Liberalismus der modernen, globalen Weltoffenheit, sondern für die Verbrechen, welche in seinem Namen begangen wurden. Und damit meine ich jetzt nicht nur den Kolonialismus u. Ä. sondern die Verbrechen in den Weltkriegen.
Und ja, seine Darstellung der Deutschen in „Dunkirk“ und sein Sittengemälde von Oppenheimer könnten Hinweise darauf geben. Zur Erläuterung: Einen großen Film über den Zweiten Weltkrieg zu machen und weder Juden zu erwähnen noch die Deutschen zu dämonisieren, ist jetzt nicht der Weg des geringsten möglichen Widerstandes.
n "Oppenheimer" gibt es eine Szene, in der die Jubelrede zu den Atombombenabwürfen über Japan in Los Alamos zu einer Art radioaktivem Hexensabbat wird, in dem die Zuhörerschaft bildlich verglüht.
In einer anderen entscheidenden Szene werden die zwei wichtigsten jüdischen Wissenschaftler (einer davon ist sogar Einstein) als größenwahnsinnige Psychopathen inszeniert, die keine Skrupel hätten, die Welt in Flammen aufgehen zu lassen, so lange sie nur Deutschland vernichteten (Rekurs auch auf die vorherige Siegesrede).
Aber vielleicht ist ja hier der Wunsch Vater des Gedankens.
@Le Chasseur: Das ist aber schon ein wenig wohlfeil und geheuchelt von der Frau Watson, ist sie doch für den beschissenen Zustand in Hinblick auf die Klassiker aktiv mitverantwortlich.
 
PS: Schön, dass Lichtmesz langsam ins Eggers-Fanlager einschwenkt. Ja, der hätte die mykenische Zeit, die homerische Zeit, und den mythologischen Zauber dazwischen ganz anders einzufangen gewusst. Tja...

ML: Ganz im Gegenteil, ich schwenke zunehmend aus aus dem Eggers-Fanlager!

Laurenz

29. Juli 2026 13:30

@RMH & Dojon86 @L. ... Es ist, mit Verlaub, etwas nervig, ausholen zu müssen. Natürlich bestand das Hellas Homers aus einer hohen Zivilisation, zumindest im Beginn dieser. Natürlich bildeten diese sehr föderalen Einheiten soziale Gemeinschaften, wie heute auch, mit gleicher Herkunft & Kultur, aber ohne (staats-)politische Einheit. Natürlich liebten die Hellenen die ihren genau wie wir. Es gab auch einen dezidierten Ehrbegriff mit entsprechenden Bestattungsritualen. Allerdings liegt ML richtig & RMH völlig daneben. Die Sicht auf gefallene Gegner, gerade bei harten Konflikten mit einem großen politischen Zweck sind literarisch exakt festgehalten. Man sah gefallene Gegner als Fisch-, Vogel- & Hundefutter. Aber nur sauber bestattete Leichnahme konnten den Acheron überqueren, um in die Unterwelt zu gelangen. Wer an die Hunde verfüttert wurde, blieb in der Ewigen Verdammnis. Priamos schlich sich nachts zu Achill, um um den Leichnam Hektors zu betteln, beide weinten ob ihrer Verluste. Aber genau 2 Stellen in der Ilias wird das Beschriebene deutlich. Im Kampf schlachtet Achilles die Trojaner massenhaft ab, dass sich die Leichen im Fluß stauen. Er wirft den Trojanischen Helden Lykaon in die Fluten & ruft ihm hinterher ... „Dort lieg nun unter den Fischen, die dir unbesorgt das Blut von der Wunde lecken! Der silberwirbelnde Fluss wird dich tragen in den breiten Schoß des Meeres; dort springt mancher Fisch durch die dunkle Flut empor, um das weiße Fett des Lykaon zu fressen!“

Blue Angel

29. Juli 2026 13:32

Zustimmung, Majestyk. Und kein Wunder, "daß Filme manches vorweggreifen", denn Hollywood ist eine der mächtigsten PR-Maschinen der Globalisten zur Vorbereitung und Umsetzung ihrer Agenden. 
Vielleicht hatte ich deshalb schon vor Jahrzehnten eine Aversion gegen filmischen "Ami-Dreck". Ganz abgesehen von der gegen das Eingezwängtsein in einer Menschenmenge und das Ausgeliefertsein an überlaute Geräusche und eine "übergriffig" überdimensionale Leinwand. Zuletzt bei irgendeinem Pferdefilm als Versprechenseinlösung an eine damals sehr junge Tochter - und nie wieder.
Dank an Herrn Lichtmesz, daß er sich sowas antut um über ein weiteres Zeugnis des allgemeinen, westlichen Zerfalls zu berichten. 

Majestyk

29. Juli 2026 13:40

@ Sandstein:
"Interstellar hat Ihnen nicht gefallen? Ich fand ihn großartig"
Wenn man auf fast dreistündige Redundanz steht, mit einem Twist, der so ähnlich schon in den 1960ern in Am Rande des Rollfelds oder Planet der Affen erzählt wurde, in den 1990ern dann in Twelve Monkeys
Ich weiß noch wie ich in The Sixth Sense saß, nach einer Viertelstunde denselben Twist wie aus Carnival of Souls erkannte und mich 90 Minuten zusammenreißen mußte, um nicht zu rufen, "Bruce Willis ist tot". Moderne Filme überraschen meist nur, wenn man alte Filme nicht kennt. 
Die großen Hollywood SF Filme stellen meist jene Fragen, die sie stellen sollen. Themen wie Dauerüberwachung, KI oder Transhumanismus, damit beschäftigen sich eher Streifen der zweiten Garnitur wie Moon, Mars Express oder Upgrade
Im Übrigen sind Einspielergebnisse kein Beleg für Qualität. Viele Fliegen umschwirren jeden Mist.
@ Klaus Kunde:
Dunkirk fand ich eigentlich nur in dem Erzählstrang gut, wo es um den Vater, seinen Sohn und deren Boot ging. Hier wurde der Film menschlich.
Was Krimis/ Thriller angeht, deutschen Produktionen fehlt das Timing und die nötige Fähigkeit auch mal schmuddelig werden zu können. Vor allem mutieren Krimis in Deutschland meistens zu Sozialdramen. Bezüglich der Italiener würde ich einwenden, was ist z.B. mit den poliziotteschi oder Thrillern wie Ich habe Angst oder Das Syndikat?

Laurenz

29. Juli 2026 13:46

@Monika @L. ... Ich weiß nicht, was Sie wollen? ML hat Sie schon geduldig auf die Faktenlage hingewiesen. Weder ML, noch meine Wenigkeit haben etwas gegen kulturell schwarze Filme, die auch von Schwarzen produziert werden/wurden. Ich selbst schau gerne Dave Chappelle, finde Sein Ausnahmetalent bemerkenswert. In der Konsequenz Ihres linken Denkens hat eine Schwarze Madonna keine kulturelle Bedeutung mehr, verstehen Sie das nicht? Sie wollen (auch im Kommentar @RMH) Ungleiche, die gar nicht gleich sein wollen, gleichschalten. Menschliche Vielfalt entsteht nur durch klare Unterschiede. Wenn alle globalisiert gleich sind, alle Kultur scheißegal ist, herrscht nur noch Einfalt. Sie wollen den Menschen jegliche Identifikation nehmen, ihn ausnahmslos zum Homo sovieticus degradieren, mir graut vor Ihnen. Man kann mit Fug & Recht behaupten, Sie sind, gesellschaftlich & kulturell betrachtet, ein Trojanisches Pferd.

Majestyk

29. Juli 2026 13:56

@ Monika:
Fällt es wirklich so schwer zu verstehen, daß solche Filme das Abendland eben nicht erweitern, sondern entkernen? 
Das sind Urmythen europäischer Geschichte. Der griechischen Mythologie verdankt Europa sogar seinen Namen. Ausgerechnet die Helena schwarz zu besetzen ist keine Banalität. Laurenz hat doch schon erklärt, warum das eben keine Zufälligkeit sein kann. 
Liegt es eigentlich am unterschwellig vorhandenen Weltbürgerdenken, daß man mediale Agitation nicht erkennen will? 
Solche Filme beflügeln eben nicht die Gegenströmung gegen linken Zeitgeist, sondern sollen ihr Wind aus den Segeln nehmen und umlenken. Schon The Dark Knight Rises dämonisierte Systemkritik. Wie schauen manche Leute eigentlich Filme? 
300 war ein pro-europäischer Film, Nolans Odyssee kann es nicht sein, dafür muß man den Film nicht einmal gesehen haben, die Synopsis reicht schon und die Vita des Regisseurs ebenfalls. 

Majestyk

29. Juli 2026 14:25

Stichwort Apachen.
Kaum ein Film dürfte näher an der Realität sein als Ulzana's Raid von Robert Aldrich. Die Apachen waren weder Unmenschen noch edle Wilde. Natürlich waren die Europäer Eindringlinge, aber speziell die Lebensweise der Apachen komplett inkompatibel mit den Siedlern. Die Mexikaner gingen mit den Apachen übrigens unsanfter um als die Nordamerikaner. In den USA gab es Skalpprämien nie von der Zentralregierung, anders als noch unter den Briten. oder in Mexiko. Und niemand hat die Apachen härter bekämpft als die Comanchen. Was jetzt nicht heißt, daß ich die Reservatspolitik im Rückblick toll finde, falls wer fragt.
Von Winnetou und Old Shatterhand hatte ich als Kind ein Poster und diese Mattelpuppen. Karneval ein selbst genähtes Winnetoukostüm, noch lieber war ich aber Marshall. Aber Winnetou hat wenig mit der Historie zu tun, ist auch kein Western, sondern ein deutsches Märchen.

Ein gebuertiger Hesse

29. Juli 2026 14:26

Aber, Leute, macht mal nicht die Ami-Filme pauschal herunter. Ohne die würden wir heute nicht sprechen über das, worüber wir sprechen.
Wir sind besetzt seit 80 Jahren, mit allen Vor- wie Nachteilen.
"Cape Fear", Scorsese 1991, besteht - und das ist ein Remake eines viel besseren Films - aus menschlichem Dreck. Und Nolan haut in die gleiche Kerbe. Am besten gar nicht erst anschauen. Es ist Dienstag, Juli irgendwas, la vie est belle.

ede

29. Juli 2026 15:15

Also erstmal vielen Dank für die grandiose Rezension Herr Lichtmesz. 
Mir ist, als hätte ich den Film gesehen. Mein erster Gedanke war, 1984, aktualisierte Umschreibung der Vergangenheit, hier des historischen Erbes. 
Film ist im Regelfall Unterhaltung, manchmal gute, und sehr selten Kunst. Zu Kunst gehört immer Magie, der Zauber, als wäre man dabei. Und wenn einer schon auf 70mm macht... 
Das Gegenteil ist blöde Propaganda und Ödnis. Und da guckt man halt auf die Uhr und der Kinostuhl wird unbequem. 
Was ich schon geraume Zeit denke: das amerikanische Zeitalter ist vorbei, Hollywood stirbt. 
Mich tät ja interessieren, ob die in China schon was Bemerkenswertes zustande bringen. 
@Majestyk, da scheinen Sie ja in der Nähe von Weimar zu sein, ich bin von Hause aus Puffbohne :) 
 

Monika

29. Juli 2026 15:42

Wenn ich dumme Fragen stelle, dann tue ich dies zumeist aus der Absicht, für den geneigten Mitleser und auch mich selbst zu einer Ent-Scheidung über die Qualität eines Werkes zu kommen. In der katholischen Tagespost wurde der Film auch besprochen und gefragt, ob der Film nicht zu woke und zu antiweiß sei oder nicht auch konservativ und christlich. Es gibt wohl unterschiedliche Deutungen und manch einer möchte es deshalb genauer wissen. Schade, daß mancher das schon als Affront versteht. Soll die gebotoxte Nicole Kidman die schöne Helena spielen und Sydney Sweeney mit ihrer üppigen Auslage die Männer becircen. Auch gut. Ich lese derweil lieber Gustav Schwabs "Sagen des klassischen Altertums". https://www.die-tagespost.de/leben/aus-aller-welt/wandlungsreicher-odysseus-art-277330

Sandstein

29. Juli 2026 17:03

"Im Übrigen sind Einspielergebnisse kein Beleg für Qualität. Viele Fliegen umschwirren jeden Mist."
@Majestyk 
So war mein Hinweis auf das Einspielergebnis  auch nicht gemeint. Nolans Odyssey scheint ein Kassenschlager zu werden und ich vermute mal, dass 95% der Kinobesucher weder was mit Homer noch der griechischen Antike anzufangen wissen. Jedenfalls nicht im engeren Sinn. Die Leute wollen unterhalten werden, und das schafft Nolan regelmäßig.
Was Ihre Zeilen zum Film allgemein angeht kann ich nicht mitreden. Andere Generation und habe von Filmkunst keine Ahnung, kann also nur subjektiv beurteilen, was mir gefällt. Heat, Watchman, 3:10 to Yuma, das sind Filme, die ich mir alle paar Jahre wieder anschauen kann. 

Beta Jas

29. Juli 2026 17:52

Spielfilme, die wie in dem Streifen hier, europäische Geschichte vergewaltigen, sind im Kino Beiwerk zu dem was im Fernsehen in Form von Serien läuft. Schauen Sie sich "Krapopolis" auf Comedy Central an, ich glaube Sie werden da begreifen wo freche Propaganda in Form von redundanten "Sex-Gags" ihre Krönung erlebt und wie selbstverständlich dabei weiße Geschichte "modifiziert" wird. 
Neben den unzähligen anderen Sendungen des Senders wie "Modern Family" oder  "American Dad". American Dad, ist eine Serie um einen äußerst patriotischen CIA-Mitarbeiter; wo Camille Paglia gleich in einer der ersten Folgen als Bemerkung eines Stripclub Besuchers vorkommt, was in der deutschen Synchronisation als "Sextherapeutin" übersetzt wird, wenn ich mich richtig erinnere, und man dabei sieht - wenn man das Bewusstsein hat - wie die Denke der anonymen Drehbuchautoren ist. Das wichtigste Thema ist wie immer Sexualität in Filmen und Serien, und da sind insbesondere Serien aber auch bestimmte Spielfilme das entscheidende Mittel zur Manipulation. Die leider erfolgreich ist, sie läuft ja ungestört seit Jahrzehnten.

Gracchus

29. Juli 2026 18:09

@Monika, Majestyk, Laurenz et. al.
In meiner Vorstellung ist Helena tatsächlich käseweiss, wenn auch dunkelhaarig. Trotzdem hab ich schon an Sydney Sweeney mit "ihrer üppigen Auslage" gedacht. Mit wem hätte Boris Becker Helena besetzt?
Die ethnozentrische Sichtweise ist mir fremd, der Stoff universell. Der Inkriminierung kultureller Aneignung ab- und der Freiheit der Phantasie zugeneigt, habe ich a priori keine Regeln für den Cast. Ob mich das Ergebnis - wenn z. B. alle von Krüppeln, Chinesen oder Homosexuellen gespielt würden - überzeugt, ist eine andere Frage. 
Wenn die Odyssee verfilmt werden soll, erwarte ich eher eine Einfühlung in Homers Welt, wozu auch ein historisch-geographisch stimmiger Cast gehört.
Nolan will einer multiethnischen Gesellschaft ein Identifikationsangebot machen, was ich nicht von vorneherein verwerflich finde - es kommt eben auf die Umsetzung an, und mit der scheint es zu hapern. 
 

Gracchus

29. Juli 2026 18:12

@Majestyk: Carnival of souls - m. E. ein starker Film.
P. S. @Monika: Was Ostritsch über den Film schreibt, würde mich interessieren, steckt aber hinter einer Bezahlschranke.
@RMH: Von Walter Burkert ist das Nachwort zur Odyssee-Übersetzung von Kurt Steinmann. 

Majestyk

29. Juli 2026 19:27

@ ML: Ganz im Gegenteil, ich schwenke zunehmend aus aus dem Eggers-Fanlager! 
Na, dann darf ich es ja laut äußern. Habe mir dessen Nosferatu neulich angeschaut und meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Dann doch lieber Herzog und Kinski, wenn schon nicht das Original.
@ Ein gebuertiger Hesse:
Ich fand Scorseses Cape Fear immer platt und irgendwie zugedröhnt. Kein Vergleich zum Original. Auch wenn ich anecke, De Niro kann so viel Method Acting betreiben wie er will, für mich kommt er an Robert Mitchum nicht heran. Jetzt gibt es den Stoff sogar als Serie. Wer braucht sowas?
@ ede:
Ich hatte eine Fernbeziehung nach Weimar, die ist aber seit diesem Jahr Geschichte. Selber bin ich Rheinländer. Ihre Heimatstadt gefällt mir auch sehr gut.
@ Monika:
Ich fasse es nicht als Affront auf, ich verstehe Sie nur nicht. Blond paßt auch nicht zur Helena. Falls ich irgendwann mal die Zeit finde, auf Die Sagen des klassischen Altertums hätte ich auch nochmal Lust. Habe ich als Kind rauf und runter gelesen. 
@ Sandstein:
3:10 to Yuma ist toll. Gibt es inzwischen aber auch zwei Versionen, ich ziehe das Original vor. Das Remake ist aber nicht verkehrt. James Mangold versteht sein Handwerk, sein Rennsportfilm Ford vs Ferrari ebenfalls gut. Da gefällt mir sogar Matt Damon. Heat ist großartig, wie vieles von Michael Mann. Watchman nicht so ganz mein Genre, mochte ich aber, hatte mir sogar die Graphic Novel gekauft, würde ich mir aber vermutlich nicht noch einmal ansehen. 

Gracchus

29. Juli 2026 19:39

@Sandstein: Heat schaue ich mir auch immer wieder an. Toller Film!

Laurenz

29. Juli 2026 20:48

@Majestyk ... Apaches ... Die Comanches waren die besten Reiter seit Pferde in den Staaten verfügbar waren. Sie expandierten (kolonialsierten) staatspolitisch, ähnlich Inkas, Azteken oder besser, Mongolen. Die Apaches wurden durch die Comanches in die Wüsten & Berge Arizonas verdrängt & es machte keinen Unterschied, ob Weiße oder Comanches sie unterjochten. ... @Gracchus @Monika, Majestyk, Laurenz et. al. ... Es spielt eben keine Geige, welche Vorstellung Sie oder Boris Becker von Helena haben. Boris Becker wußte noch nie, wer Helena überhaupt ist, insofern stellt sich ihm die Frage auch nicht. Schwarze oder Asiatische Frauen zu bekommen, war als Weißer bisher ziemlich simpel. Denn die ganze Menschheit will weiß sein, weil Weiße der letzte Schrei der Evolution sind, siehe Michael Jackson. Mann kann weder Tolkien, Martin oder Homer interpretieren, wenn man nicht auf die entsprechend geschilderten Welten eingeht. Lichtarmut erzeugt nun mal weiße Menschen. Blaue Augen bei Erwachsenen gibt es erst seit ca. 8k Jahren. Hellblonde kommen ursprünglich etwa aus derselben Region, dem östlichen Europa. Diese äußeren Umstände, die auf uns wirken, wirken eben auch auf die jeweilige Kultur. Hatte das neulich schon gepostet, wir sind die kulturelle Wiege der Menschheit, obwohl wir so jung sind. Hier dazu eine der ARTE-Dokus über die Kunst der Chauvet-Höhle, die auch Höhlen der Schwäbischen Alb miteinbezieht. https://youtu.be/GGEimzf1Ppg

RMH

29. Juli 2026 20:50

Habe mir dessen Nosferatu neulich angeschaut und meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Dann doch lieber Herzog und Kinski, wenn schon nicht das Original.
@Majestyk, sehe ich auch so. Nosferatu in der Eggers Fassung kann man sich 100% sparen. The Northmann hingegen fand ich klasse. Fast jeder Filmemacher hat auch mal schwache Werke. Ich schreib den Eggers daher noch nicht ab.
Ich schließe mich manchem versöhnlicherem Urteil zum Nolan Film an: Wenn es die Leute wieder zu den klassischen Stoffen bringt, dann hat es wenigstens etwas Gutes. Wie ich schon geschrieben habe: Wer die Versform nicht braucht, kann sich auch die Nacherzählungen von Fühmann anschaffen.

Gracchus

29. Juli 2026 21:02

@Majestyk: Wieso denken Sie anzuecken? Ich mag beide, würde allgemein aber auch Mitchum den Vorzug geben (das Original zu Cape Fear kenne ich nicht). Zumal er in einem meiner Top 5-Filme mitspielt, The Night Of The Hunter. De Niros Spiel wirkt nicht selten overacted, so, als würde sich um den Schauspiel-Weltmeister bewerben. Mitchum ist da lässiger. Cape fear finde ich nicht so toll. Die Serie braucht niemand.  

Boreas

29. Juli 2026 22:29

Alternative zu Nolan: "The Return" mit Juliette Binoche und Ralph Fiennes.

nom de guerre

29. Juli 2026 23:06

Lese hier wiederholt, der Stoff sei universell - aber ist er das wirklich? Für die Vorstellung des aus Krieg und Irrfahrt heimkehrenden Helden mag das ja zutreffen, aber ein zentrales Thema der Geschichte ist doch auch Penelope bzw. die sie belagernden Freier, die nur durch die Heirat mit Penelope König von Ithaka werden können. Dass für diese Heirat das Einverständnis Penelopes notwendig ist, ist m.E. gerade nicht allgemein übertragbar, weil das entsprechende Frauenbild eben nicht universell ist.
Davon abgesehen finde ich es ziemlich fernliegend, auch nur darüber nachzudenken, dass Helena schwarz gewesen sein könnte. Oder anders: warum hätte sie es denn sein sollen? Sie war, glaube ich, eine Tochter des Zeus. Sollen die Griechen also schwarze Götter verehrt haben?

Speng

29. Juli 2026 23:06

ML: "Ganz im Gegenteil, ich schwenke zunehmend aus aus dem Eggers-Fanlager!"
Dann habe ich das wohl ein wenig falsch verstanden, da die Verweise auf seine Filmografie hier sich etwas versöhnlicher, als in der Nosferatu-Rezension lasen.
@Licht "...stört die White-Supremacy-Snowflakes natürlich nicht."  
Natürlich nicht! Kulturelle Aneignung ist für alle da. Sie glauben gar nicht, was die Japaner so mit ihren Zeichentrickfilmen und Comics so treiben. Nebenbei, woher wollen den SIE wirklich wissen, wie verschiedene Stämme im nahen Osten vor zweitausend Jahren so aussahen?
@ede "Mich tät ja interessieren, ob die in China schon was Bemerkenswertes zustande bringen." 
Das Hong-Kong-Kino hatte mal einen ziemlichen Lauf, bis ungefähr 2000.
@Gracchus "Homer hat den Vorteil, dass er das Aussehen Helenas der Phantasie des Leser überlassen kann." 
Naja, eine Schwarzafrikanerin wird er bei "mit weißen Armen" und "lieblichen/schönen Haaren" wohl nicht gemeint haben.
 
 
 

Speng

29. Juli 2026 23:14

@Boreas: Bei "The Return" von 2024 kann man wirklich, bis auf die Odysseusdarstellung, die komplett identischen Kritikpunkte anbringen wie bei Herrn Nolan. Auch nach Aussage des Regisseurs, ein Pasolini btw., eine "moderne Neuinterpretation".

ML: Ich hab den Film im Lichtspielführer en passant als "minusbeseelt" bezeichnet, nachdem ich nun Nolans Version gesehen habe, kommt mir das ziemlich
ungerecht vor. Dieser Pasolini ist nicht mit PPP verwandt, lustigerweise aber mit Luchino Visconti.

Ich muss mich im Übrigen für einen vorherigen Beitrag entschuldigen, bei dem ich die nervige Feministin Emily Wilson mit der nervigen Feministin Emma Watson verwechselt habe. Mea Culpa!

Ein gebuertiger Hesse

30. Juli 2026 00:21

@Gracchus und @Majestyk
"Cape Fear" von Scorsese ist ein Eskalationsfilm, der beständig TERROR um sich schmeißt. Aber das ist seine Prämisse, das heftige Overacting von De Niro ist Teil davon. Mitchum in dem beschaulichen Original stellt dagegen eine Art Naturgewalt dar, die sich ABHEBT von dem Rest und deshalb umso erschreckender wirkt. Scorsese hat diesen Effekt in seinem Film praktisch auf totalitär gestellt.

Ein gebuertiger Hesse

30. Juli 2026 00:27

"Nosferatu" von Eggers ist Schmutz. Und zwar (das mußt man erstmal hinkriegen) langweiliger Schmutz. Die Besprechung des Films auf der hiesigen Seite lag vollkommen richtig. 

Majestyk

30. Juli 2026 00:47

@ Laurenz:
"Die Apaches wurden durch die Comanches in die Wüsten & Berge Arizonas verdrängt & es machte keinen Unterschied, ob Weiße oder Comanches sie unterjochten. ..."
Sage ich doch. Die größten Feinde der Indianer waren gerne mal andere Indianer. Liest man schon bei James Fenimore Cooper. Im Siebenjährigen Krieg hatten Briten und Franzosen ihre jeweiligen indianischen Hilfstruppen, die sich zum Teil bis aufs Blut bekämpften. Müßte uns Deutschen bekannt vorkommen. In den napoleonischen Kriegen fanden sich Deutsche auf beiden Seiten. Und wer weiß. Wäre der Kalte Krieg heiß geworden hätten vielleicht Deutsche auf Deutsche geschossen. Ganz schön schräg.
@ RMH:
Ich glaube ehrlich gesagt nicht, daß die Mehrheit des Blockbusterkinos für klassische Stoffe begeistert werden kann. Heute ist es Odysseus, morgen wieder Skywalker, übermorgen was anderes. Bei Luhmanns Romeo +Juliet saß eine Gruppe junger Mädchen und fragte sich verzweifelt "die werden doch nicht etwa sterben". Wir wissen doch beide, daß man sich Bildung ein Stück weit selber aneignen muß, wenn man nicht das Glück hat Eltern zu haben, die Bildung fördern. In der Schule läuft da meistens nicht viel, gewiß nicht in meinem Heimatbundesland. Und wer will sich heute wirklich noch selber Wissen aneignen, wenn er ein Smartphone besitzt und die KI doch sowieso schon alles weiß? Sie sind ein unverbesserlicher Optimist. Nicht böse gemeint.

Majestyk

30. Juli 2026 01:01

@ Gracchus:
"Wieso denken Sie anzuecken? "
Weil man schon in jedem Filmforum aneckt, wenn man De Niro oder andere Schauspieler als überbewertet betrachtet. De Niro war toll in den 70ern und 80ern. Irgendwann ist dem schleichend sein Erfolg zu Kopf gestiegen und er spielte zuweilen seine eigene Karikatur. Ist bei Jack Nicholson und einigen anderen ähnlich. Beim Buddha der Method Actor Marlon Brando war es nicht anders. Schauspieler wie Grant, Mitchum, Fonda oder Stewart, die ihr Handwerk mehr als Arbeit auffaßten ist das so nie passiert. Die hatten auch Flops, sich selber aber nie zum Pfau gemacht. Dieses Overacting scheint zudem eine Hollywood-Erkrankung zu sein, bei Engländern oder Franzosen ist mir das so geballt noch nie aufgefallen. Gut, wir hatten Kinski. Der war der unangefochtene Kaiser des Overacting. Aber Kinski ist Kult. 
The Night Of The Hunter ist einer der besten Filme der 50er Jahre. DAS ist Kunst. Film als düstere Poesie. Holen Sie unbedingt das Original von Cape Fear nach. Scorseses Departed kommt auch nicht an das Original aus Hongkong heran. Hieß bei uns Internal Affairs.
@ ede:
Bezüglich China habe ich keine Ahnung, aber die Koreaner machen zum Teil richtig gutes Spannungskino. Wenn man sich auf die fremden Gesichter einläßt, gibt es da einige Perlen zu entdecken. Park Chan-wook z.B. läßt viele gehypte westliche Filmemacher alt aussehen. 

RMH

30. Juli 2026 08:30

"Lese hier wiederholt, der Stoff sei universell - aber ist er das wirklich?"
@nom der guerre, in der Urfassung ist es natürlich das Produkt einer ganz spezifischen Kultur, der hellenischen Kultur (die Griechen nannten sich selbst wohl nicht Griechen, das Wort Grieche soll von den Römern stammen. Eigenbezeichnung der "Griechen" war Hellenen, ihr Stammland hieß auch Hellas).
Darin enthaltene Leitmotive sind aber universell. Ich picke einmal nur eines davon heraus: Alles, was der Mensch tut, hat seinen Preis, seine Folgen und Konsequenzen (instant karma). Er kann nicht denken, er verhält sich kurz mal so oder so und danach geht das Leben einfach friedlich weiter. Bei den Hellenen zog man den Zorn der Götter auf sich. Die Götter wiederum konnten den Menschen auch einfach nur so, ohne erkennbaren Grund, zu ihrem Spielball machen. Götter wiederum waren die Welt, ihre Naturkräfte etc. Wenn Odyseus den Polyphem an der Nase herumführt und blendet, hat er eben die Rechnung nicht mit dem Wirt Poseidon gemacht etc. Das sind für mich universelle Tiefenstrukturen menschlichen Lebens, ausgedrückt mit den Figuren und Bildern einer konkreten Kultur, der hellenischen.
PS: Helena heißt die Strahlende, die Helle, die Sonnenhafte etc. Sorry for all colored people: Auf Euch passt das nicht. Auf uns weiße passt dann eben anderes nicht - das ist eben Vielfalt!

Le Chasseur

30. Juli 2026 08:41

@nom de guerre"Lese hier wiederholt, der Stoff sei universell - aber ist er das wirklich? Für die Vorstellung des aus Krieg und Irrfahrt heimkehrenden Helden mag das ja zutreffen"
Auch da wäre ich mir nicht so sicher. Übers Meer fahren und andere Völker zu überfallen ist doch ziemlich europäisch*. ;-)
*) Amis sind ja auch nur amerikanisch sprechende Europäer. ;-)

MarkusMagnus

30. Juli 2026 09:16

"Dieses Overacting scheint zudem eine Hollywood-Erkrankung zu sein, bei Engländern oder Franzosen ist mir das so geballt noch nie aufgefallen. Gut, wir hatten Kinski. Der war der unangefochtene Kaiser des Overacting. Aber Kinski ist Kult."
@ Majestyk
Die Franzosen hatten ihren Louis de Funes.
Wenn der nicht overacted hat, wer dann? 
Alleine diese Szene...wer heute noch nicht gelacht hat:
https://youtu.be/F4Iam0Q8OBc?is=XSKrRmfIXNMCqhuz
 

Monika

30. Juli 2026 09:36

Im Vorwort zu meiner Gustav Schwab Ausgabe "Sagen des klassischen Altertums" 1961 heißt es: "Hinter der dichterischen Schönheit dieser Erzählungen schimmert ihre universale Bedeutung auf. Das war Gustav Schwabs Anliegen, als er daran ging, die Sagen des klassischen Altertums schlicht und doch eindrucksvoll nachzuerzählen."

Die KI zu dem Film befragt,

ML: Und ich springe jetzt aus dem Fenster.

liest man als Fazit: "Es ist kein reines Woke Manifest oder antiweißes Werk-das wäre bei Nolan und dem Stoff auch absurd...Es ist eine großbudgetierte unterhaltsame Hollywood Adaption mit diversem Casting ( wie bei fast allen aktuellen Blockbustern) und einigen Aktualisierungen, die nicht jedem gefallen. Ob du ihn gut findest, hängt mehr vom Nolan Fan Sein und Lust auf großes Kino ab als von Ideologie...Bilde dir selbst eine Meinung."  Die smarte Unterhaltung ist jedenfalls weniger anstrengend als die analoge.🤪Das sollte uns eher zu denken geben. P.s. Als Kind habe ich mal einen Film  über Odysseus im Fernsehen gesehen, der Zyklop hat mich beeindruckt. Keine Ahnung, von wem der Film war. Grok frage ich jetzt nicht. 

Ruediger Plantiko

30. Juli 2026 09:41

Danke für die wertvolle Kritik. Ich werde als Seltenkinogänger den Film zwar sowieso nicht ansehen, erfahre aber auf diese Weise immerhin, was ich diesmal wieder nicht verpasst habe. 
Es gibt diesmal Boykottaufrufe auch von links, wegen der Drehorte in der Westsahara (Kolonialismus-Schuldkult). Der bekannte katholische Apologet Trent Horn boykottiert den Film ebenfalls, da er jede Art von positiver oder in irgendeiner Form vorbildhaft wirkende Darstellung von Transmenschen (wie hier E. Page) als Beihilfe zur Selbstverstümmelung hunderter Jugendlicher ansieht. Die Rezension von Bruno Wolters im freilich-magazin fand ich interessant, weil sie - über diesen konkreten Film hinausgehend - den größeren Einschmelzvorgang der Kulturindustrie in Augenschein nimmt, in dem alles Vorgefundene kommerzialisiert, verwertet und verflacht wird. 

Monika

30. Juli 2026 10:22

Gustav Schwab hat seine Sagen des klassischen Altertums nach 20Jähriger Arbeit 1837 vollendet. In dieser Zeit war die Antike, das klassische Altertum noch Vorbild und Maß. 1961 schrieb Richard Seewald im Vorwort der Neuauflage: " Wenn heute ( 1961) das gleiche Buch ( Anmerkung: Die Odyssee befindet sich in Teil 3) wiederum hinausgeht, trifft es auf eine völlig veränderte Welt. Niemals zuvor war im Abendland ( und dem sich kulturell zu ihm rechnenden Amerika) die menschliche Gesellschaft so fern jenem Maß, an dem sie mehr als zwei Jahrtausende ihr Denken und ihre Kunst gemessen hat, in immer neuen "Renaissancen" das etwa verlorene wieder suchend und findend". Das läßt doch etwas Hoffnung, daß das Verlorene auch heute wieder gefunden werden kann. Nach einer Zeit diverser Verirrungen und arabischer Adaptionen.😵‍💫deshalb Herr Lichtmesz: Bitte nicht aus dem Fenster springen ! Früher hatte jede deutsche Familie die "Sagen des klassischen Altertums sowie die germanischen Heldensagen neben der Bibel im Bücherregal. Das sollte fürs Erste genügen. 

ML: Nicht wegen Schwab will aus dem Fenster hupfen, sondern weil (sogar) Sie allen Ernstes eine KI befragen als wär's das Orakel von Delphi! :P

Laurenz

30. Juli 2026 10:30

@Monika ... Nolans Odyssee spielt aufgrund der bisherigen Reputation Nolans etwas Geld ein. Aber schon Villeneuves "Dune" ist unter aller Sau, Lynch um Lichtjahre besser. Und die gute Technik im neuen Dune wächst ja nicht auf dem Mist des Regisseurs, sondern auf dem von 100 anonymen IT-Editoren, die monatelang am Film arbeiten. Aber ansonsten sind alle woken Besetzungslisten Hollywoods in einer Pleite gescheitert. Wie im Deutschen Krimi sind die weiblichen Hauptdarsteller, wie Zendaya & Timothée Chalamet, im filmischen Pippi-Langstrumpf-Syndrom völlig irreal. Disney versucht den woken Niedergang zB durch populäre Fußball-TV-Rechte aufzuhalten.

RMH

30. Juli 2026 10:41

In meiner späten Kindheit, frühen Jugend lief im Fernsehen "Unterwegs mit Odysseus", gesprochen von Hans Clarin, der mehr als nur Pumuckl konnte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Unterwegs_mit_Odysseus
Das war auch die Zeit, in der ich alle möglichen Ausgaben von Sagen verschlungen habe (einschließlich der Schwabschen Sammlung), ausgeliehen aus der örtlichen Stadtteil-Bibliothek. Da gabs dann auch Titel wie "Deutsche Heldensagen". Damals normal, heute wirkt bereits der Titel unkorrekt und das sagt schon viel über die Jetzt-Zeit aus.

Monika

30. Juli 2026 10:50

ML Sie lassen sich aber schnell ärgern. Ich befrage die KI doch nicht als Orakel von Delphi !!! Sondern aus reiner Verzweiflung. Hier kriegen sie entspannte Antworten, lieb und nett. Das ist das Erschreckende. Manche reden lieber mit der KI als mit ihrer Frau oder ihrem Mann. Soweit ist es gekommen. Ich rede dann lieber garnicht mehr. 😟

Olmo

30. Juli 2026 10:52

"In afrikanischer Tracht, hier im Bus neben fetten, tätowierten Einheimischen."
Die fetten, tätowierten Einheimischen dürfen natürlich im Topos vom edlen Fremden nicht fehlen— gähn ...
Dann sind wir halt die Hobbits, und? ich schmeiß auch Elben aus dem Auenland. Das ist unsere Scholle!
Abgesehen davon, vielleicht wäre Ihre Wahrnehmung eine andere gewesen, wäre eine Schulklasse vom Mädchengymnasium,  anwesend gewesen, aber höhere Töchter  gurken natürlich nicht mit dem Bus durch die Gegend. Wie dem auch sei, voll Banane, der Film.  

tearjerker

30. Juli 2026 11:16

Derlei Geschichten eignen sich einfach um Haufen von beliebten Schauspielern und Gesichtern aufzufahren, die Voraussetzung sind den weltweiten Markt mit diesem Film zu bedienen. Kino nährt sich inzwischen in erster Linie von solchen Superproduktionen, die ohne Ende Kohle verschlingen und allein deshalb unterschiedliche Haurfarben und Nationalitäten einbeziehen müssen, damit die Kasse auch in Asien, Südamerika oder Afrika klingelt. Marvel, DC, etc. Damit wird mehr für die Überlieferung von Mythen- und Sagenwelt getan als sonstwo in den letzten 50 Jahren. Die steckt in der alten Welt immer noch in Bildern des Theater- und Musiktheater-Betriebes der 1800er Jahre fest. Die Polarisierung ist willkommen und Teil der PR. Läuft.

das kapital

30. Juli 2026 12:10

@ ML Immer schön stark bleiben. Ich bin ja nun auch recht unzufrieden, wie sehr sich Deutschland und der Rest der Welt seit 1990 nach einem kleinen Zwischenhoch verschlechtert haben. Es sollten aber die Verursacher aus den Fenstern springen oder gesprungen werden, nicht diejenigen, denen das stinkt. Lieber ein Prager Fenstersturz, als selbst zu stürzen. ;.) /// KI wird anscheinend zu einer echten transhumanistischen Bedrohung. Connor Leahy ist da ein echter Insider, der auch einen Verein zum Schutz gegründet hat. /// Billiger Gag am Rande: Wird das Fernsehen jemals die Zeitung ersetzen? Nein. Man kann keine Fische darin einwickeln. Mal übertragen auf KI: das Streben der Menschheit nach Freiheit ist ungebrochen, egal wieviel KI kann. Ein totalitärer Staat aber in der Hand totalitärer Kapitalisten erfordert jetzt Gegenwehr.

Ein gebuertiger Hesse

30. Juli 2026 12:28

@Filmdiskussion
Mit Widersprüchen leben: Das Method Acting hat allemal eins, nämlich das Tor zur Hölle eines immer weiter fortschreitenden Naturalismus aufgestoßen. So gesehen waren Leute wie Kazan und Cassavetes die Totengräber der klassischen Schauspielkunst. Und dennoch sind ihre Errungenschaften sensationell, immer noch. Hier eins der besten Enden der Filmgeschichte.

Joerg

30. Juli 2026 12:54

Mir tut es immer weh, wenn sich einer meiner Lieblingsschauspieler, hier Matt Damon, für sowas hergibt. 
Aber ich mache mir dann immer bewusst,dass Schauspieler im Grunde nur Nutten sind: Sie spielen dem Käufer Gefühle vor. 

Monika

30. Juli 2026 13:39

Es gibt noch eine Filmbetrachtung von Marco Gallina auf Corrigenda. Da wird nicht das woke zum Thema , sondern die Entzauberung der Welt im technischen Zeitalter, welches keine Mythen, keine Transzendenz, keine Religion kennt. Der Mythos, auf dem die Odyssee beruht, wird dekonstruiert. Dadurch, so Gallina, würde der Held zum Fall für die Psychotherapie. Diesen Aspekt finde ich interessanter als etwa die Diskussion über Hautfarben. Wenn das so ist, dann stellt sich eher die Frage, wie der "Geheimnischarakter"  der Welt in dieser Zeit ( KI, Transhumanismus usw. ) gerettet werden kann. Gerade auch durch Filme. https://www.corrigenda.online/kultur/marco-gallina-ueber-den-nolan-film-die-odyssee-der-homerische-patient

Majestyk

30. Juli 2026 14:07

@ Speng:
"Das Hong-Kong-Kino hatte mal einen ziemlichen Lauf, bis ungefähr 2000."
Das Hongkong Kino war aber eben nicht großchinesisch und neben kantonesischen, auch von westlichen Einflüßen geprägt. Warum wohl könnte es 2000 zu einem Einbruch gekommen sein? Taiwan erzielt auch immer wieder Achtungserfolge. Der berühmte Regisseur Ang Lee stammt von dort. Taiwan unterscheidet sich aber auch von Festlandchina, trotz gemeinsamer Wurzeln. 
@ MarkusMagnus:
De Funes war aber Komiker, so wie Jerry Lewis, der spielte keine ernsten Rollen. Was in Komödien funktioniert, siehe auch Pierre Richard oder Adriano Celentano funktioniert in ernsten Filmen noch lange nicht. Overacting/ Theatralik in ernsten Rollen führt normalerweise dazu, daß man den gespielten Charakter nicht mehr ernst nimmt. 
@ Monika:
Sie befragen ernsthaft die KI ob Nolans Odyssee woke ist und vertrauen der Antwort der KI? Es freut mich trotzdem für Sie, wenn Sie in der KI einen Gesprächspartner gefunden haben, der Ihnen nicht widerspricht und daher weniger anstrengend ist.

Majestyk

30. Juli 2026 14:27

@ RMH:
Jetzt wo Sie es schreiben, an die Serie kann ich mich auch noch erinnern, genau wie an Es war einmal der Mensch. Man vergleiche mal mit dem heutigen Kinderprogramm. Wir hatten echt Glück.
Deutsche Heldensagen habe ich auch noch im Regal stehen, neben Schwab. Es wäre die Aufgabe von Eltern, Verwandten etc. solche Bücher Kindern näherzubringen, genau wie kindgerechte Klassiker. Ich habe das damals bei den Kindern meiner Schulfreunde versucht. Die Eltern waren entweder desinteressiert oder nicht so begeistert. Der Nachbarjunge, inzwischen ein Mann, hat in seinem Leben noch nie ein Buch gelesen. 
Ich bin mir nicht so sicher, daß Bücher am Ende dieses Jh. noch ein zentraler Bestandteil menschlicher Kultur sein werden. Und ich bin mir gleichfalls nicht sicher, daß dank Digitalisierung der Zugang für alle aufrechterhalten bleibt. Aber meine Wahrnehmung von Techkonzernen und Dingen wie KI oder Transhumanismus ist auch eher dystopisch. Ich teile die Begeisterung nicht, genau wie ich sie bei den Smartphones nicht geteilt habe, bei Bezahlapps oder bei der Gründung sozialer Netzwerke. Aber was weiß ich schon.

Monika

30. Juli 2026 15:26

@ Majestyk ich nutze, wenn überhaupt, KI als reines Handwerkszeug. Originäre oder kreative Gedanken erwarte ich dort nicht, auch keine Wahrheiten. Es soll allerdings Leute geben, die da keinen Unterschied sehen. Im normalen Alltag kann das sogar funktionieren . Ob das schon eine medizinische Indikation ist? Oliver Sacks ( "Der Mann der seine Frau mit einem Hut verwechselte") würde das wahrscheinlich so sehen. Ansonsten habe ich hier einen netten, analogen Lesekreis. Der widerspricht auch, ist trotzdem nicht anstrengend, sondern anregend. Darum geht's.

ML: KI ist halt kein "reines Handwerkszeug" und kann auch keines sein. Aber das scheint einmal wieder niemand außer mir so zu sehen...

Jan

30. Juli 2026 16:24

Mein Senf:
An die zunehmende Besetzung eigentlich klassisch weißer Rollen im Kino durch Farbige werden wir uns leider gewöhnen müssen, auch bei Filmen im historischen Kontext. Aufhören tut das nur, wenn die Filme an den Kassen floppen. Ich persönlich boykottiere sowas. U.a. war das ein Grund für die Kündigung meines Netflix-Abos vor drei Jahren, weil zuviele Serien mit entprechendem Cast daher kamen. Die bösen Weißen und die Herzensguten of Color - WTF?! Die Helene mit einer Schwarzen zu besetzen, war natürlich eine blöde Provokation von Nolan. Dass soviele Leute trotzdem ins Kino rennen, ist enttäuschend. 
Ansonsten:
Mir fällt auf, dass das Kino besonders ab den 2000ern zunehmend pubertärer geworden ist. Superheldenfilme, Fantasy und Horror en masse, im Prinzip Eskapismus total. Wird hier der Inantilisierung der Gesellschaft Rechnung getragen? Wer kann sich als Erwachsener ernsthaft diesen Batman- und Joker-Quatsch geben? Ich vermisse den Erwachsenen-Film vom Typus "Eine verhängnisvolle Affäre" oder "Die schwarze Witwe" mit Debra Winger. Ein Genre, das mittlerweile ausgestorben zu sein scheint. Ab und zu gab es nochmal ein paar gute Polit-Thriller wie "The International" oder "State Of Play". Leider nur Ausnahmen. 

nom de guerre

30. Juli 2026 16:54

@ LeChasseur Die Mongolen bspw. mussten, um andere Völker zu überfallen, halt den Landweg nutzen...
Nochmal zur Universalität: Wenn 1961 im Vorwort zu Schwab die universale Bedeutung der griechischen Mythen hervorgehoben wird, bezieht sich dies m.E. ausschließlich auf einen europäischen Kontext, einfach weil das damals selbstverständlich war. Welche Motive eine Geschichte mit ähnlicher Ausgangssituation mit afrikanischen oder australischen Stammeskriegern als Protagonisten gehabt hätte (und welche Unterschiede dabei wiederum aufgetreten wären), weiß denke ich niemand von uns und hätte auch Gustav Schwab oder dessen späterer Herausgeber nicht zu beurteilen gewagt. Aber ich lasse mich natürlich gern eines Besseren belehren. 1/2

Diogenes

30. Juli 2026 16:55

@Boreas: Eine Alternative zu Nolans Machwerk ist "Die Abenteuer des Odysseus" von 1997. Kommt komplett ohne diese ideologische "Div."-Propaganda von diesen Wahnsinnigen aus, die die Welt auf den Kopf stellen wollen. 

nom de guerre

30. Juli 2026 16:55

@ RMH Was Sie über die Rolle der Götter oder des Schicksals (denn das sind sie letztlich, gerade wenn sie den Menschen "einfach so" zum Spielball machen) schreiben, stimmt natürlich. Trotzdem ist die bei Homer geschilderte Sichtweise m.E. nicht auf jede Kultur dieser Welt übertragbar. Sie leuchtet uns als kulturellen Nachfahren der Antike ein. Aber schon allein die Besonderheit, dass beide Parteien die gleichen Götter verehren (z.B. der ganze Streit um die Briseis entsteht ja dadurch, dass Agamemnon seine eigene Kriegsbeute, die Chryseis, wieder herausgeben musste, weil deren Vater Chryses ein Priester des Apoll war und dieser wiederum den Achaiern eine Seuche ins Lager geschickt hatte), wäre im alttestamentarischen Kontext undenkbar.
Die aktuelle Verfilmung kenne ich nicht, was auch so bleiben wird, ich fand aber auch den Film aus den 50ern mit Kirk Douglas nicht toll. Dabei ging es mir ähnlich wie bei dem Vikings-Film von 1958, in dem Douglas einen Sohn von Ragnar Lodbrok spielte. Ich sehe da immer nur kostümierte Hollywood-Schauspieler. 2/2

Umlautkombinat

30. Juli 2026 17:09

Sehe das in ziemlich allen Punkten wie @Jan. Ich gehe seit zwanzig Jahren nicht mehr ins Kino, obwohl wir hier in der Stadt sogar einmal eine ganz ordentliche Programmkinoszene hatten. Da lief auch viel anderes, regional gesehen z.B. aus Osteuropa, ohne erschlagend artsy zu sein. Mittlerweile alles auf links gedreht, aber auch eigene Entwicklung fuehrt inhaltlich weg.
 
Im Standardkino ist eigentlich nichts mehr zu ertragen, der komplette Nichtfilmanteil allein ist schon hinreichend. Popcornfresserei, Quatscherei, andere Auswuechse an Konzentrationsunfaehigkeit und endlose Werbung bis endlich mal das (immer magerere) Fleisch kam. Ich ziehe Filme/Serien nach Bedarf, es gibt andere und vollstaendigere Quellen als Netflix oder Amazon. Da bekomme ich was ich moechte in welchen Tonspuren ich moechte und ich kann das ablegen. 
 
Wobei ich auch das immer seltener tue, selbst einmaliges Reinziehen entfaellt mehr und mehr. Kuerzlich flogen mal 5TB (der Grossteil) von der Platte, die ganze Kunstform wird immer irrelevanter. 

das kapital

30. Juli 2026 17:14

@ Jan Kino für Erwachsene. Ganz schwierig. In der Regel doch wohl eher gut erzählte Märchen. Filme, die ich mir ein Dutzend mal anschauen kann, ohne mich zu langweilen. Das könnten Filme für Erwachsene sein. Beispiele mal "Schatten und Nebel" von Woody Allen, Some like it hot und 1,2,3 von Billy Wilder, Staatsfeinde von Eric Valette .

Le Chasseur

30. Juli 2026 17:35

@Jan
"Mir fällt auf, dass das Kino besonders ab den 2000ern zunehmend pubertärer geworden ist. Superheldenfilme, Fantasy und Horror en masse, im Prinzip Eskapismus total."
Gegen Eskapismus ist grundsätzlich nichts einzuwenden, finde ich. Die heutige Realität ist für jeden halbwegs sensiblen Menschen unerträglich.
"Ich vermisse den Erwachsenen-Film vom Typus "Eine verhängnisvolle Affäre" oder "Die schwarze Witwe" mit Debra Winger. Ein Genre, das mittlerweile ausgestorben zu sein scheint. Ab und zu gab es nochmal ein paar gute Polit-Thriller wie "The International" oder "State Of Play"."
Mit solchen Filmen sind nunmal keine Milliardeneinnahmen zu generieren. Und die Studios sind risikoscheu. Bei Thema Superhelden weiß man, da gibt es eine so und so große Fanbase weltweit, von der man relativ sicher annehmen kann, dass sie sich den Film ansehen wird. Aus einem Polit-Thriller lässt sich auch kein Franchise machen, mit einer ganzen Reihe von Filmen. Und man kann auch keine Lizenzen für Merchandising-Produkte verkaufen.

Majestyk

30. Juli 2026 18:41

@ Monika:
"Der widerspricht auch, ist trotzdem nicht anstrengend, sondern anregend."
Wie darf ich denn widersprechen, ohne Sie anzustrengen?
@ Joerg:
Etwas vorspielen, vortäuschen und zuweilen lügen tun auch Anwälte und Politiker. Ich durfte dank meiner Ex einige Schauspieler kennenlernen, auch ein paar recht Bekannte. Nach meiner Erfahrung sind so einige von der Persönlichkeit her wie Flummi. Die müssen ja in eine andere Person schlüpfen, zu viel eigene Persönlichkeit ist da vermutlich hinderlich. Zumal heute, wo Ecken und Kanten eh nicht mehr gefragt sind. Und dann fragt man sich wie beim Fußball, wo sind die echten Typen geblieben? 
@ Jan:
Der Niedergang des Kinos liegt aber nicht nur an den Produzenten, sondern auch am Publikum. Es könnte so wie Sie auch mal Nein sagen. Das ist eine Wechselwirkung. Wenn das Publikum überwiegend auf Schrott steht, müssen Produzenten eben mehr Schrott produzieren. Es ist ja nicht so, als hätte es z.B. in Hollywood nie kreative Phasen gegeben oder gar keine anspruchsvollen Produktionen. Wen jene sich am Markt aber nicht durchsetzen, dümmliche Filme für infantile Erwachsene aber schon, werden eben Filme für Dummies gemacht. Und wie infantil Erwachsene heute sind, sieht man schon am Kleidungsstil, von politischen Überzeugungen à la Pippi Langstrumpf ganz zu schweigen. 
 

Monika

30. Juli 2026 20:22

@ Majestyk ach, einfach mal was Nettes, Solidarisches, aufbauendes usw. 
Wenigstens das "Heerlager der Heiligen" braucht man nicht verfilmen. Das Drehbuch wird gerade live geschrieben , # CEUTA 

Gracchus

30. Juli 2026 20:41

@alle
Die Ressentiments sind berechtigt, ändern aber nichts. Wie wäre es, wenn jeder sein Sparbuch auflöst oder sein Aktiendepot und das Geld an mich überweist, um die Odyssee zu verfilmen. Ich würde ML als Regisseur verpflichten. @Laurenz wäre für das Finanzielle zuständig, @RMH für das Rechtliche, @Majestyk beratend. 

Gracchus

30. Juli 2026 20:55

@Laurenz: Leider weiß ich wieder nicht, was Sie mir genau sagen wollen. 
Wenn Kurosawa einen Shakespeare-Stoff adaptiert, stört doch niemanden, wenn Ort und Handlung nach Japan verlegt und japanische Schauspieler besetzt werden. 
Wären nicht auch braungebrannte Südländer in HdR komisch? Mir erschließt sich die Logik nicht. Von Weißen ersonnene Mythen gehören allen Weißen? "Weißsein" ist doch keine einheitliche Kultur.
Wenn Sie naturalistische Treue (ein modernes Konzept) - bei einem mythischen Stoff - einfordern, warum nicht Werktreue, und die Schauspieler deklamieren altgriechische Hexameter? (Letzteres wäre mein Ansatz für eine Verfilmung.)
 

Majestyk

31. Juli 2026 01:37

@ Rabenfeder:
"Dabei will ich gerne einraeumen, dass auf begrenztem Bildschirm der laute Bombast seine Wirkung nicht voll entfalten kann"
Weiß nicht mehr von wem das Zitat stammt, aber es bezieht sich darauf, daß ein Film, welcher nicht mehr Wirkung entfaltet, wenn er auf der großen Leinwand betrachtet wird, es nicht wert ist überhaupt gesehen zu werden. Es gibt Kino und es gibt Fernsehen, manchmal läuft Fernsehen auch im Kino, ist aber nicht dasselbe. Fernsehen kann auch unterhalten, aber nur Kino kann Kunst werden. Godard meinte, im Fernsehen schaue man nach unten, im Kino nach oben. Mal ganz abgesehen davon, daß nur Kino ein Gemeinschaftserlebnis bieten kann. 
@ nom de guerre:Ich sehe da immer nur kostümierte Hollywood-Schauspieler." 
Finde ich normal, wenn man reifer wird und versteht, wie Filme entstehen. Faktisch besteht Kino ja aus Make-up, Kulissen, Requisiten, dem Spiel mit Licht und Schnitttechnik. Was Vikings angeht, den sah ich zuerst so mit elf oder zwölf und war natürlich schwer beeindruckt. Ich kann solche Filme gar nicht neutral betrachten. Natürlich ist das albern, wenn man erwachsen ist, aber ich finde es schön, mir das eine oder andere sentimentale Gefühl bewahrt zu haben. Nüchtern und zynisch bin ich schon so oft genug. Hin und wieder gelingt es mir sogar immer noch auf Filme nicht drauf zu schauen, sondern einzutauchen. Mein Gehirn weiß natürlich, daß dies Eskapismus ist, meinem Herz ist das schnurz.

Majestyk

31. Juli 2026 02:02

@ Laurenz:
Sie mögen Master and Commander? Nach meiner bescheidenen Meinung der beste Film unseres Jh., mindestens in den Top 3. Es ist eine schreiende Ungerechtigkeit, das solch ein Film kein größeres Publikum gefunden hat und Die Rückkehr des Königs, Matrix Reloaded oder Terminator 3 an solch einem Meisterwerk vorbeigezogen sind, Gott hat kein Herz für gutes Kino. Ich halte Homer auch für sehr europäisch und der einzige Grund, warum europäische Stoffe und überhaupt unsere Art von Filmen weltweit ziehen, dürfte sein, daß die sein wollen/ wollten wie wir, was Sie schon angesprochen haben. "wir sind die kulturelle Wiege der Menschheit, obwohl wir so jung sind." Vielleicht nicht die Wiege, aber der bisherige Höhepunkt. Und genau das greift der Wokismus an. Was andere von deren Kulturen wissen, haben recht häufig Europäer, insbesondere Deutsche vor dem Vergessen bewahrt. Wer auch immer die Welt erschaffen hat, erst wir Europäer machten sie zu einem angenehmen Ort. Nehmt das ihr Vielfaltsapologeten!
@ ML: KI ist halt kein "reines Handwerkszeug" und kann auch keines sein. Aber das scheint einmal wieder niemand außer mir so zu sehen...
Es ist schon auch Handwerkszeug, für jene, die damit arbeiten. Aber es geht deutlich darüber hinaus. Und ich denke, es wird nicht gut ausgehen. Sie sind also nicht ganz allein.
 

das kapital

31. Juli 2026 08:28

@alle KI als "Teufelszeug". In gewisser Weise ja, da sie schneller ist, als der Mensch und wir da irgendwann generell unterlegen sein werden. Siehe z.B. im Interview mit Bömingshaus "Die KI bekommt in einer guten Stunde programmiert, wofür wir "echten" Programmierer Wochen oder gar Monate brauchen." Das Schlimme ist aber mal, dass Deutschland da gar nicht vernünftig technisch und organisatorisch aufgestellt ist. Wir sind da soweit hinterher, dass wir eigenständig nicht mehr zukunftsfähig sind. Die Schnellen fressen die Langsamen. Und Deutschland wird gefressen. /// Unser Leben wird von Feinden der Technik Feinden der unternehmerischen Tätigkeit Feinden der Leistung Feinden der Industrie beherrscht. Das führt dazu, dass die Innovatoren und technischen Genies abwandern, weil sie anderswo technisch wie finanziell die Freiheit haben, die sie wollen und brauchen. Im Übrigen ist  das Leistungsprinzip in Deutschland durch Steuern Abgaben Regulierung und Energiekosten bereits weitgehend abgeschafft worden. Mehr arbeiten lohnt sich für die meisten nicht mehr.

Laurenz

31. Juli 2026 08:41

@Gracchus @L. ... Es gibt im HdR braungebrannte Menschen, die Piratenvölker aus dem Südosten. Wenn die aus Gondor/Rohan & die Piraten divers oder gar mit Orks gemischt wären, ginge der ganze Effekt flöten. Kurosawa hatte den Shakespeare-Stoff radikal an die Japanische Kultur im Feudalismus angepaßt. Da bleibt maximal nur noch was in der Dramaturgie von Shakespeare übrig. & Kurosawa hat auch nicht divers inszeniert. ... @Majestyk @L. ... lassen Sie uns unter einer Film-Rezension MLs im Detail bleiben. Wir befinden uns bei Master & Commander im Historien-Film-Genre. Man muß sich dann schon mit dem Stoff von O'Brain, (Forester, Kent) anfreunden können. Der Film wurde eben mit falschem Timing auf den Markt gebracht. Master & Commander ist in der Authentizität der Darstellung während der Napoleonischen Seekriege quasi perfekt produziert worden. Es gibt daher keinen genauer produzierten Historien-Film, man hört permanent sogar das Knarren des Eichenholzes im Schiff. Das war teuer, 2002/03 gab man 150 Mio. $ aus. Auch Des Königs Admiral/Captain Horatio Hornblower mit Gregory Peck (1950/51) wurde ziemlich einfühlsam produziert. Auch die Serie mit Ioan Graffudd ist nicht schlecht gemacht. Aber historische Seefilme gescheit zu produzieren, ist sauteuer, deswegen gibt es selten Folge-Projekte.

Monika

31. Juli 2026 09:05

ML , "KI kann kein reines Handwerkszeug sein. Aber das scheint einmal wieder niemand außer mir so zu sehen." Also bitte, Herr Lichtmesz Jan A. Karon sieht das in seinem Buch Bastardmoderne genauso!!! S. 170: "Diese Technololgie ( KI)  ist keine bloße Werkzeugerweiterung mehr, sondern die Maschine, die Maschinen baut: generativ, rekursiv selbstverbessernd und kognitiv überlegen." Seine weiteren Ausführungen verschlagen einem den Atem. Ich sehe das auch so, persönlich "nutze" ich kleines Licht aber die Bequemlichkeit schneller Informationssuche, allerdings noch vor dem Hintergrund einer analogen Sozialisation. Das macht wohl einen Unterschied.

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