Verwaltete Jugend

von Torben Braga -- Unter dem Titel „Die Sackgasse der Generation Deutschland" hat Mike Gutsing im FREILICH Magazin dieser Tage eine Analyse der Bilder vorgelegt, die am Schweriner Tag der Deutschen Jugend vom 1. August entstanden sind, und sein Befund lautet: Die Jugendorganisation der AfD habe bis heute keine kohärente politische Identität ausgebildet. „Parolen ersetzen kein Profil“.

Dem ist wenig ent­ge­gen­zu­set­zen, aber eini­ges hin­zu­zu­fü­gen. Denn die Sack­gas­se, in der die Gene­ra­ti­on Deutsch­land steht, hat eine Vor­ge­schich­te, die bei Gutsing allen­falls am Ran­de vor­kommt und ohne die weder ihre Gegen­wart noch ihr Per­so­nal zu ver­ste­hen ist: die Auf­lö­sung der Jun­gen Alter­na­ti­ve. Wer wis­sen will, war­um die neue Par­tei­ju­gend ist, was und wie sie ist, muß betrach­ten, was mit der alten geschah, war­um es geschah und von wes­sen Hand.

Rund vier­hun­dert (oder sechs­hun­dert? Es ist uner­heb­lich!) jun­ge Leu­te zogen an jenem 1. August mit Deutsch­land­fah­nen durch Schwe­rin. Die Bil­der der Kund­ge­bung ver­wei­sen auf eine Tra­di­ti­on. An der Spit­ze wur­de ein Ban­ner mit­ge­führt, das die Wie­der­erken­nung zur Gewiss­heit macht: „Jugend geht vor­an“. Die Losung zitiert, kaum ver­scho­ben, jene Wen­dung von der „Jugend, die vor­an­geht“, die in der Jun­gen Alter­na­ti­ve kur­sier­te und die vor andert­halb Jah­ren man­chem in der Par­tei noch als Beleg dafür galt, dass mit die­ser Jugend etwas nicht stimme.

Der Wort­laut ist ver­än­dert, die Sache ist die­sel­be – heu­te frei­lich unter par­tei­of­fi­zi­el­ler Ägi­de und ohne dass sich jemand dar­an störte.

Ver­gleicht man die bei­den Orga­ni­sa­tio­nen, ergibt sich ein bemer­kens­wer­ter Befund. Hier die Jun­ge Alter­na­ti­ve, der ihre Bewe­gungs­äs­the­tik, ihre Stra­ßen­po­li­tik und ihre Nähe zum Vor­feld, nament­lich zur Iden­ti­tä­ren Bewe­gung, so lan­ge vor­ge­hal­ten wur­den, bis sie Geschich­te war; dort die Gene­ra­ti­on Deutsch­land, die mit den­sel­ben Losun­gen durch Schwe­rin zieht, beglei­tet von einer Medi­en­ar­beit, die zu wesent­li­chen Tei­len bei Akteu­ren aus eben jenem Umfeld liegt.

Wo sind die Unter­schie­de? Es gibt sie kaum – bis auf einen. War­um also muß­te die Jun­ge Alter­na­ti­ve auf­ge­löst wer­den? Und wer trägt dafür die Verantwortung?

Man soll­te den Vor­gang genau benen­nen, denn die Betei­lig­ten haben eini­ge Mühe dar­auf ver­wen­det, ihn zu ver­schlei­ern. In Rie­sa, am 12. Janu­ar 2025, beschloß der AfD-Bun­des­par­tei­tag zwar knapp, gleich­wohl mit der erfor­der­li­chen Zwei­drit­tel­mehr­heit eine Sat­zungs­än­de­rung, die die Jun­ge Alter­na­ti­ve als offi­zi­el­le Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der AfD ablös­te und durch eine neue, eng an die Par­tei gebun­de­ne, noch zu grün­den­de und zu benen­nen­de Orga­ni­sa­ti­on ersetz­te. Die Ände­rung soll­te zum 1. April in Kraft tre­ten. Die Jun­ge Alter­na­ti­ve, in die Enge getrie­ben, beschloß sodann auf ihrem Bun­des­kon­greß am 1. Febru­ar 2025 im thü­rin­gi­schen Apol­da ihre eige­ne Auf­lö­sung, wirk­sam zum 31. März 2025 – ein Beschluß, den man schwer­lich frei­wil­lig nen­nen kann, wenn der Par­tei­tag der Mut­ter­par­tei drei Wochen zuvor bereits die Nach­fol­ge beschlos­sen hatte.

Die offi­zi­el­le Begrün­dung lau­te­te Ver­bots­schutz, und sie hat­te durch­aus einen wah­ren Kern. Die Jun­ge Alter­na­ti­ve war ein Ver­ein, den das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz seit 2023 als gesi­chert rechts­extrem führ­te, und als Ver­ein unter­lag sie dem Ver­eins­ge­setz, des­sen Ver­bots­hür­den bekannt­lich nied­ri­ger lie­gen als die des Par­tei­en­pri­vi­legs aus Art. 21 GG. Eine par­tei­ei­ge­ne Jugend, so das Kal­kül, lie­ße sich nicht wie ein schlich­ter Ver­ein aus dem Ver­kehr ziehen.

Der schei­den­de Vor­sit­zen­de der Jun­gen Alter­na­ti­ve, Han­nes Gnauck, trug die­ses Argu­ment selbst vor, und in der Ein­brin­gungs­re­de zum Antrag des Bun­des­vor­stands wur­de eine Stel­lung­nah­me der Jun­gen Alter­na­ti­ve Baden-Würt­tem­berg ver­le­sen, die den Gedan­ken auf die Spit­ze trieb: Ein Ver­bot einer Par­tei bei über 20 Pro­zent sei unrea­lis­tisch, ein Angriff aber dort, wo man am schwächs­ten sei, näm­lich beim nicht ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein der Jun­gen Alter­na­ti­ve, sehr wohl.

Nun ist gegen die­se Begrün­dung nicht nur ein­zu­wen­den, daß sie sich erst noch hät­te als taug­lich erwei­sen müs­sen – sie war recht­lich von Anfang an min­des­tens zwei­fel­haft. Zwar ist rich­tig, daß die Jun­ge Alter­na­ti­ve als nicht ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein grund­sätz­lich jeder­zeit der abs­trak­ten Gefahr eines Ver­eins­ver­bots nach Art. 9 Abs. 2 GG in Ver­bin­dung mit dem Ver­eins­ge­setz unter­lag. Doch die Rechts­form ist nicht das­sel­be wie die Rechts­na­tur, und es gab gute Grün­de für die Annah­me, dass die Jun­ge Alter­na­ti­ve trotz ihrer Ver­eins­form de fac­to die Qua­li­tät einer Par­tei­glie­de­rung besaß, jeden­falls die einer qua­li­fi­zier­ten Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on der Mutterpartei.

Kath­rin Groh, Pro­fes­so­rin für Öffent­li­ches Recht an der Uni­ver­si­tät der Bun­des­wehr Mün­chen, publi­zier­te bereits im Febru­ar 2024 im der AfD sicher nicht nahe­ste­hen­den „Ver­fas­sungs­blog” unter dem tref­fen­den Titel „Das klei­ne Par­tei­ver­bot“ und argu­men­tier­te dort, Par­tei­ju­gend­or­ga­ni­sa­tio­nen sei­en qua­li­fi­zier­te Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen ihrer Mut­ter­par­tei, die – unab­hän­gig von ihrer kon­kre­ten recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­form – am Par­tei­en­pri­vi­leg des Art. 21 GG teil­ha­ben und des­halb gera­de nicht durch ein ein­fa­ches Ver­eins­ver­bot der Exe­ku­ti­ve, son­dern allen­falls im Par­tei­ver­bots­ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus dem Ver­kehr gezo­gen wer­den könnten.

Kath­rin Groh steht mit die­ser Auf­fas­sung kei­nes­wegs allein – sie bewegt sich auf einer Linie, die bereits Mar­tin Mor­lok ver­trat (Drei­er, GG, 3. Aufl. 2015, Art. 21 Rn. 42 ff.) und der sich Rudolf Streinz anschloss (v. Mangoldt/Klein/Starck, GG, 7. Aufl. 2018, Art. 21 Rn. 71).

Katha­ri­na Leusch ord­ne­te die Par­tei­ju­gend­or­ga­ni­sa­tio­nen bereits im Mai 2023 aus Anlaß der Hoch­stu­fung durch das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz eben­falls im „Ver­fas­sungs­blog“ als qua­li­fi­zier­te Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen ein, für die die ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen des Art. 21 GG ein­schließ­lich des Par­tei­en­pri­vi­legs gel­ten. Und selbst das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hielt in sei­nem Urteil zur Beob­ach­tung der Jun­gen Alter­na­ti­ve vom 8. März 2022 bei­läu­fig fest, die Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on neh­me an der Bestands- und Schutz­ga­ran­tie teil, die das Grund­ge­setz den Par­tei­en gewährt.

Die durch­aus vor­han­de­ne Gegen­auf­fas­sung beruft sich dage­gen auf Karls­ru­her For­meln aus den 1950er Jah­ren – nur hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über den Fall einer Par­tei­ju­gend in Ver­eins­form nie ent­schie­den, und das jün­ge­re Köl­ner Urteil deu­tet an, wohin ein Gericht nei­gen kann, wenn es ent­schei­den muß.

Auch die bis zum Beschluß des Bun­des­par­tei­tags in Rie­sa Anfang 2025 gül­ti­ge Fas­sung der AfD-Bun­des­sat­zung, die die Jun­ge Alter­na­ti­ve aus­drück­lich zur offi­zi­el­len Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on erklär­te und in die Wil­lens­bil­dung der Par­tei ein­band, war ein gewich­ti­ges Indiz für die Rich­tig­keit die­ser Köl­ner Einordnung.

Hin­zu kommt eine Beob­ach­tung aus der Pra­xis: Nan­cy Fae­ser, die im Som­mer 2024 nicht zöger­te, die Com­pact-Maga­zin GmbH im Wege des Ver­eins­ver­bots aus­zu­schal­ten, hät­te ein sol­ches Ver­bot gewiß auch gegen die Jun­ge Alter­na­ti­ve längst aus­ge­spro­chen, wenn es auch nur im Ansatz eine Aus­sicht auf Erfolg beses­sen hät­te. Dass sie es unter­ließ, spricht Bän­de. Die Befür­wor­ter der Auf­lö­sung lasen das Com­pact-Ver­bot sei­ner­zeit frei­lich als Blau­pau­se für das, was der Jun­gen Alter­na­ti­ve dro­he – bei Licht bese­hen taug­te der Fall aber von Anfang an als Beleg für das Gegenteil.

Denn wie ein sol­ches Ver­bot aus­geht, wenn der Staat es tat­säch­lich wagt, hat man an Com­pact besich­ti­gen kön­nen. Das im Juli 2024 ver­häng­te Ver­bot schei­ter­te vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, das die Ver­fü­gung mit Urteil vom 24. Juni 2025 auf­hob. Und dies, obwohl die Fra­ge nach dem Schutz­be­reich des Art. 21 GG sich dabei gar nicht erst stell­te. Denn die Com­pact-Maga­zin GmbH konn­te kein Par­tei­en­pri­vi­leg für sich in Anspruch neh­men. Sie stand bes­ten­falls unter dem Schutz, der jedem Pres­se­or­gan zukommt. Und schon dar­an schei­ter­te die Verbotsverfügung.

Wie ein Ver­eins­ver­bot der Jun­gen Alter­na­ti­ve aus­ge­gan­gen wäre, bei dem also oben­drein das Par­tei­en­pri­vi­leg im Raum gestan­den hät­te, läßt sich danach unschwer aus­ma­len: mit einem noch ein­deu­ti­ge­ren Schei­tern. Com­pact jeden­falls ging, nach allem was man hört und liest, eher gestärkt als geschwächt aus dem Ver­fah­ren her­vor, und der Staat ent­stell­te sich in sei­ner Repres­si­on gegen eine zwei­fels­oh­ne dem AfD-Umfeld zuzu­rech­nen­de Publi­ka­ti­on ein wei­te­res Mal zur Kenntlichkeit.

Die­sel­ben Fol­gen hät­te auch ein Ver­bots­ver­such gegen die Jun­ge Alter­na­ti­ve gehabt. Gera­de im Lich­te des Com­pact-Ver­fah­rens kann daher schwer­lich behaup­tet wer­den, ein Ver­bot der Jun­gen Alter­na­ti­ve sei eine der­art zwin­gen­de, unmit­tel­bar bevor­ste­hen­de Gefahr gewe­sen, dass ihr nur durch die vor­sorg­li­che Selbst­zer­schla­gung zu begeg­nen war.

Soweit die Fas­sa­de also, die der Prü­fung nur halb stand­hält. Und es waren aus­ge­rech­net die Dele­gier­ten, die in Rie­sa einen Gegen­an­trag zur Auf­lö­sung der JA ein­brach­ten, die die ver­blie­be­ne Bruch­stel­le benann­ten. Bemer­kens­wert hier: Antrag­stel­ler waren unter ande­rem die Mehr­heit des Bun­des­kon­vents und des Bun­des­vor­stands der Jun­gen Alter­na­ti­ve selbst, die sich damit im Wider­spruch zu ihrem Vor­sit­zen­den Han­nes Gnauck und – wie er selbst beton­te – „sämt­li­chen Vor­sit­zen­den der Jun­gen Alter­na­ti­ve der letz­ten zehn Jah­re“ setz­ten. Der mar­ken­recht­lich geschütz­te Alt­ver­ein müs­se sich liqui­die­ren, sei­ne Mit­tel und Struk­tu­ren abwi­ckeln, und die Mit­glie­der stün­den in der Zwi­schen­zeit schutz­los da.

Der Ver­bots­schutz, für den man antrat, ver­schlech­te­re also die Rechts­la­ge der Betrof­fe­nen, statt sie zu ver­bes­sern. Der Antrag sei, so der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Jun­gen Alter­na­ti­ve Kachelm­ann, kei­ne Reform, son­dern eine Abglie­de­rung und letzt­lich eine Ver­nich­tung der Jun­gen Alter­na­ti­ve. Sei­ne Mit­strei­ter und er unterlagen.

Unter der Ver­bots­schutz-Erzäh­lung liegt ohne­hin ein zwei­ter Grund, der in den offi­zi­el­len Reden nur ver­klau­su­liert auf­tauch­te, in der par­tei­in­ter­nen Debat­te aber offen zuta­ge lag: Es ging um Zugriff. Die Jun­ge Alter­na­ti­ve agier­te als auto­no­mer Ver­ein, der AfD-Bun­des­vor­stand hat­te kaum dis­zi­pli­na­ri­sche Hand­ha­be über ihre Kader.

Hät­te man die­se Jugend im Ernst refor­mie­ren, hät­te man sie ein­nor­den wol­len, wäre das nur in müh­sa­mer Kleinst­ar­beit zu haben gewe­sen: Miss­lie­bi­ge Per­so­nen hät­ten ein­zeln aus­ge­schlos­sen wer­den müs­sen, teils aus der Par­tei, teils – über die Gre­mi­en des Ver­eins – auch aus der Jun­gen Alter­na­ti­ve selbst. In ein­zel­nen Ver­bän­den hät­te man über Jah­re Mehr­hei­ten ver­schie­ben, Dele­gier­te gewin­nen, Kon­gres­se umstim­men müssen.

Die­sen Weg woll­te man nicht gehen, denn er ist lang und müh­sam, sein Aus­gang ist unge­wiss, und er hät­te die offe­ne Aus­ein­an­der­set­zung in der Sache ver­langt. Also wähl­te man den kur­zen: Auf­lö­sung und Neu­grün­dung, mit geneh­men Per­so­nen an der Spitze.

Durch die Reform, so berich­te­ten es damals zahl­rei­che Medi­en, ver­folg­te die Par­tei das Ziel, mehr Kon­trol­le über den Nach­wuchs zu gewin­nen: Künf­tig soll­te nur mit­ma­chen dür­fen, wer Par­tei­mit­glied war, was der Füh­rung erlaub­te, unbe­que­me Köp­fe aus­zu­sie­ben. Ein Red­ner des Bun­des­vor­stands – des­sen dama­li­ger „Jugend­be­auf­trag­ter – sprach es in der Ein­brin­gung unver­hüllt aus: Eine pro­fes­sio­nel­le Par­tei brau­che Sicher­heit, daß Per­so­nen, die sich inner­halb der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on bewe­gen, kein Schind­lu­der mit ihr trei­ben, und des­halb müs­se die neue Orga­ni­sa­ti­on unter die Kon­trol­le und Schieds­ge­richts­bar­keit der Par­tei gestellt werden.

Wie sehr es dabei um die Rich­tung ging, die die Jun­ge Alter­na­ti­ve aus eige­nem Antrieb ein­ge­schla­gen hat­te, erschließt sich erst aus ihrer Ent­wick­lung. In ihren Grün­dungs­jah­ren wur­de die Orga­ni­sa­ti­on von den Anzug­trä­gern des Betriebs domi­niert – von jun­gen Leu­ten, die selbst Man­da­te erran­gen, für Abge­ord­ne­te und Frak­tio­nen arbei­te­ten und der Jugend das Image einer Vor­schu­le des Berufs­po­li­ti­ker­tums ver­lie­hen: ehr­gei­zig, ange­passt, ein wenig spießig.

Irgend­wann ent­schied man sich, einen ande­ren Weg zu gehen – eine ande­re Anspra­che, ande­re Inhal­te, eine ande­re Ästhe­tik, ein ande­res Auf­tre­ten, gerich­tet an jun­ge Men­schen von idea­lis­ti­schem, akti­vis­ti­schem Schlag, mit dem Ziel, in der Jugend eine kul­tu­rel­le Hege­mo­nie aus eige­ner Stär­ke zu errin­gen und eben nicht bloß das Instru­ment der Par­tei zur Her­an­bil­dung der künf­ti­gen Funk­tio­närs­kas­te zu sein.

Genau die­se Wen­dung wur­de der Par­tei zum Dorn im Auge, und genau ihret­we­gen ent­schied man sich am Ende für Auf­lö­sung und Neu­grün­dung. Dass die Nach­fol­ge­rin nun mit Bil­dern wie denen aus Schwe­rin in die­sel­be Ker­be schlägt, die zur Auf­lö­sung der Jun­gen Alter­na­ti­ve geführt hat­te, voll­endet die Pointe.

Von Mäßi­gung war bei alle­dem übri­gens intern nie die Rede, und es dürf­te in der AfD auch kaum jeman­den geben, der der­glei­chen ernst­haft ange­nom­men hat. Die­se Deu­tung stammt aus Tei­len der Pres­se, die es sich ein­fach mach­ten: Die Par­tei fürch­te ein Ver­bot ihrer zu radi­kal gewor­de­nen Jugend, löse sie des­halb auf und gebe sich damit nach außen geläu­tert. Diver­se Par­tei­funk­tio­nä­re, dar­un­ter immer­hin die Bun­des­vor­sit­zen­de und Kanz­ler­kan­di­da­tin Ali­ce Wei­del, haben die­ser Les­art wie­der­holt den Boden ent­zo­gen. Auf die Not­wen­dig­keit einer Mäßi­gung ange­spro­chen, erklär­te sie stets, kei­ne Ver­an­las­sung dafür zu sehen.

Wer also glaubt, die AfD habe sich in Rie­sa von den Inhal­ten der Jun­gen Alter­na­ti­ve getrennt, ver­kennt den Vor­gang von Grund auf. Getrennt hat sich die AfD nie von den Inhal­ten. Getrennt hat sie sich von der Eigen­stän­dig­keit, die ihr die­se Inhal­te ent­zog. Was als Distan­zie­rung wahr­ge­nom­men wer­den konn­te, war der Sache nach ein Akt der Aneignung.

Die Jun­ge Alter­na­ti­ve wur­de nicht zer­schla­gen, weil sie zu radi­kal war. Zer­schla­gen wur­de sie, weil sie eigen­stän­dig radi­kal war, weil sie eine bewe­gungs­för­mi­ge, stra­ßen­po­li­ti­sche, akti­vis­ti­sche Signa­tur besaß (oder zumin­dest zu besit­zen such­te), die der Par­tei ent­glitt. Man woll­te die­se Bewe­gung nicht abschaf­fen, man woll­te sie kon­trol­lie­ren. Und weil eine gan­ze Ent­wick­lung anders nicht mehr ein­zu­fan­gen war, zer­schlug man die Orga­ni­sa­ti­on, die sie trug, und grün­de­te sie unter eige­nem Dach neu.

Es gehört zu den auf­schluss­rei­che­ren Zügen die­ses Vor­gangs, dass aus­nahms­los alle, die an der Zer­schla­gung füh­rend mit­wirk­ten, dafür letzt­lich belohnt wur­den. Han­nes Gnauck, der letz­te Vor­sit­zen­de der Jun­gen Alter­na­ti­ve, der damals als Bei­sit­zer im Bun­des­vor­stand für die Ände­rung stimm­te und die Ver­bots­schutz-Begrün­dung gegen die eige­nen Mit­glie­der vor­trug, amtiert heu­te als Schatz­meis­ter im Bun­des­vor­stand der AfD.

Den­nis Hoh­loch, der den Antrag in Rie­sa gemein­sam mit Gnauck ein­brach­te, war damals bereits Schrift­füh­rer und Jugend­be­auf­trag­ter des Bun­des­vor­stands; das Schrift­füh­rer­amt beklei­det er bis heute.

Hin­ter den bei­den Antrag­stel­lern ver­sam­mel­te sich auf der Büh­ne von Rie­sa die Rie­ge der frü­he­ren Bun­des­vor­sit­zen­den, und auch deren Wege wei­sen seit­her nach oben: Mar­kus Frohn­mai­er, der den Antrag gewohnt laut­stark unter­stütz­te, ist heu­te außen­po­li­ti­scher Spre­cher der Bun­des­tags­frak­ti­on und führ­te die AfD als Minis­ter­prä­si­dent­schafts­kan­di­dat in die baden-würt­tem­ber­gi­sche Landtagswahl.

Sven Trit­sch­ler stieg in Erfurt zum stell­ver­tre­ten­den Par­tei­vor­sit­zen­den auf. Dami­an Lohr wur­de weni­ge Mona­te spä­ter auf Platz zwei der rhein­land-pfäl­zi­schen Lan­des­lis­te zur Land­tags­wahl gewählt und spä­ter Gene­ral­se­kre­tär sei­nes Lan­des­ver­bands. Und Jean-Pas­cal Hohm schließ­lich, der Vor­sit­zen­de der neu­en Gene­ra­ti­on Deutsch­land – jener Mann, unter des­sen Füh­rung in Schwe­rin das Ban­ner getra­gen wur­de, zog im Juli 2026 auf dem Erfur­ter Par­tei­tag als Bei­sit­zer in eben die­sen Bun­des­vor­stand ein.

Man kann die­se Kar­rie­re­we­ge als Rei­he lesen, und die Rei­he ergibt ein Mus­ter: Wer die eige­ne Jugend an die Par­tei aus­lie­fer­te, wur­de von der Par­tei mit Ämtern ver­se­hen, die ihn über die­se Jugend setzen.

Jun­ge Men­schen, die für die­se Par­tei durchs Feu­er gegan­gen sind, als sie selbst noch gar nicht Mit­glied waren, wur­den von ihren eige­nen Vor­sit­zen­den abge­wi­ckelt, damit die­se Vor­sit­zen­den auf­stei­gen konn­ten. Einen ande­ren Namen als Loya­li­täts­bruch hat der­glei­chen nicht. In Rie­sa dank­te Den­nis Hoh­loch jenen jun­gen Leu­ten, die jah­re­lang selbst­los und ohne jed­we­de Kar­rie­re­aus­sicht ihr Gesicht ins media­le Feu­er gehal­ten hät­ten – ein Dank, der auf­rich­tig gemeint war und im sel­ben Atem­zug ent­lar­vend, denn Kar­rie­re­aus­sich­ten hat­ten am Ende vor allem die, die den Dank aussprachen.

Die eigent­li­che Ver­lo­gen­heit des Vor­gangs aber erweist sich erst an der Nach­fol­ge, und des­halb ist Schwe­rin mehr als eine Epi­so­de. Wäre die Zer­schla­gung gewe­sen, als was sie sich aus­gab, ein Schritt zur insti­tu­tio­nel­len Zäh­mung einer aus dem Ruder lau­fen­den Jugend, dann müss­te die Gene­ra­ti­on Deutsch­land heu­te anders auf­tre­ten als die Jun­ge Alter­na­ti­ve. Sie tut es aber nicht. Sie setzt deren Kurs fort und über­bie­tet ihn pha­sen­wei­se – die­sel­be Bewe­gungs­äs­the­tik, die­sel­ben Losun­gen auf Kund­ge­bun­gen, das­sel­be (straßen)politische Selbst­ver­ständ­nis, das eine Ver­an­stal­tung wie Schwe­rin über­haupt ermöglicht.

Auch die Vor­feld-Nähe, die der Jun­gen Alter­na­ti­ve als Haupt­sün­de ange­las­tet wur­de, hat den Trä­ger­wech­sel unbe­scha­det über­stan­den. Zur Erin­ne­rung: In der Par­tei kur­sier­te hart­nä­ckig die War­nung, die Jun­ge Alter­na­ti­ve wol­le zu einer Kopie der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung wer­den, und als auf einem ihrer Bun­des­kon­gres­se Ver­la­ge, Zeit­schrif­ten und Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen ihre Stän­de auf­bau­en und ihre Erzeug­nis­se anbie­ten durf­ten, lau­te­te der Vor­wurf, hier wer­de eine rech­te Mes­se ver­an­stal­tet und kei­ne Par­tei­ju­gend geführt.

Bei der Grün­dung der Gene­ra­ti­on Deutsch­land in Gie­ßen im Novem­ber 2025 hiel­ten teils die­sel­ben Ver­la­ge und Orga­ni­sa­tio­nen ihre Stän­de ab, des­glei­chen auf dem Erfur­ter AfD-Bun­des­par­tei­tag Anfang 2026.

In Schwe­rin lag die media­le Beglei­tung des Tages der Deut­schen Jugend zu wesent­li­chen Tei­len bei Akteu­ren, die ein­deu­tig der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung zuzu­rech­nen sind, und ein erheb­li­cher Teil der Teil­neh­mer der Kund­ge­bung ist zugleich in Bur­schen­schaf­ten und wei­te­ren Zusam­men­hän­gen rechts der Mit­te aktiv.

Ich beto­ne ein­mal mehr: Nichts davon ist zu bean­stan­den. Zu bean­stan­den ist ledig­lich, dass eben­dies der einen Orga­ni­sa­ti­on als Grund ihrer Abwick­lung aus­ge­legt wur­de und der ande­ren als Selbst­ver­ständ­lich­keit durchgeht.

Was der Jun­gen Alter­na­ti­ve als unkon­trol­lier­ba­rer Akti­vis­mus vor­ge­hal­ten wur­de, prangt heu­te auf dem Trans­pa­rent der par­tei­of­fi­zi­el­len Nach­fol­ge, und die­sel­ben Per­so­nen, die es der Vor­gän­ge­rin zum Vor­wurf mach­ten, sehen bei der Nach­fol­ge­rin wohl­wol­lend dar­über hin­weg. Ver­bo­ten war eben nie die Paro­le, und ver­bo­ten war auch nie die Nähe zum Vor­feld. Ver­bo­ten war, dass jemand ande­res als die Par­tei dar­über ver­füg­te. Damit ist zugleich der eine Unter­schied benannt, der bleibt: die Kon­trol­le – eine Jugend unter Auf­sicht, geführt von einem Vor­sit­zen­den, des­sen Auf­stieg in den Bun­des­vor­stand an das Wohl­wol­len der Par­tei­spit­ze gebun­den ist. Nun führt die Par­tei die Paro­len selbst, und alles ist gut.

Daß ich mit einer kri­ti­schen Bewer­tung die­ser Ent­wick­lung nicht allein ste­he, zeigt sich auch am Podi­um, auf dem ich erst kürz­lich in Schnell­ro­da neben Dr. Hans-Chris­toph Berndt sit­zen durf­te, dem Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den der AfD im Bran­den­bur­ger Land­tag. Berndt sprach dort eine Dia­gno­se aus, der ich mich aus­drück­lich anschlie­ße: Er beschrieb die AfD als Par­tei, die – wie eben jede ande­re – den eher­nen Geset­zen der Olig­ar­chi­sie­rung fol­ge, und warn­te, sie dro­he vor der Zeit zu altern und zur Alt­par­tei zu wer­den. Der weni­ge Tage zuvor abge­hal­te­ne Bun­des­par­tei­tag in Erfurt, auf dem alles betont glatt und rei­bungs­los durch­lief, sei zwar Aus­druck des Erwach­sen­seins gewe­sen, doch eben dar­in lie­ge die Gefahr: Wer so erwach­sen sei, müs­se auf­pas­sen, nicht schnell alt auszusehen.

Dage­gen setz­te Berndt das Vor­feld, das er nicht Vor­feld nen­nen woll­te, son­dern Vor­hut, Avant­gar­de, mit der Auf­ga­be, dafür zu sor­gen, dass die Par­tei nicht ver­fla­che, nicht vor der Zeit alte­re, son­dern in Bewe­gung blei­be – und er benann­te die Adres­sa­ten die­ser Ein­fluss­nah­me, unter ihnen aus­drück­lich die Gene­ra­ti­on Deutschland.

Man muß die­sen Gedan­ken nur zu Ende füh­ren, um die gan­ze Iro­nie zu ermes­sen. Eben jene bewe­gungs­för­mi­ge Vita­li­tät, die Berndt vom Vor­feld in die Par­tei zurück­ge­tra­gen sehen will, hat­te die Par­tei andert­halb Jah­re zuvor in ihrer eige­nen Jugend zer­schla­gen. Die Bewe­gung, die von außen her­bei­ge­wünscht wird, wur­de von innen liquidiert.

Berndts Wort, die AfD müs­se radi­kal sein, und zwar im Wort­sinn, an die Wur­zel gehend, steht damit in einem Span­nungs­ver­hält­nis zur Pra­xis der eige­nen Füh­rung, denn radi­kal, an die Wur­zel gehend, stra­ßen­po­li­tisch, bewe­gungs­ori­en­tiert – das war die Jun­ge Alter­na­ti­ve. Man hat sie ihret­we­gen abge­wi­ckelt, nicht etwa trotz die­ser Eigen­schaf­ten, und ruft nun, da die Kon­trol­le gesi­chert ist, nach eben der Radi­ka­li­tät zurück, die man aus­ge­trie­ben zu haben glaub­te. Die Vor­hut soll die Par­tei in Bewe­gung hal­ten, doch die Bewe­gung soll der Par­tei gehö­ren. Das ist kein Wider­spruch, den Berndt zu ver­ant­wor­ten hät­te. Es ist der Wider­spruch der Par­tei, den sei­ne Rede unfrei­wil­lig ausleuchtet.

Womit man wie­der bei Gutsing wäre, des­sen Befund von der feh­len­den Iden­ti­tät sich von hier aus genau­er fas­sen läßt. Der Vor­hut­ge­dan­ke, den die Gene­ra­ti­on Deutsch­land im Auf­tre­ten so ent­schlos­sen pflegt, müss­te, soll er mehr sein als Habi­tus, ein pro­gram­ma­ti­scher sein. Eine Vor­hut, die die­sen Namen ver­dient, denkt der Par­tei vor­aus: Sie erprobt Posi­tio­nen, ehe die Par­tei sie sich leis­ten kann, sie besetzt Fra­gen, die die Frak­tio­nen noch scheu­en, sie prägt die Begrif­fe, mit denen spä­ter alle arbeiten.

Gemes­sen dar­an ist der Ertrag schmal. Jen­seits der Remi­gra­ti­on, deren Berech­ti­gung hier nicht zur Debat­te steht, hat weder die Jun­ge Alter­na­ti­ve noch ihre Nach­fol­ge­rin einen Bei­trag zur pro­gram­ma­ti­schen Ent­wick­lung der Par­tei geleis­tet, der die­sen Namen ver­dien­te, und wo sich Funk­tio­nä­re der Gene­ra­ti­on Deutsch­land an ande­ren Fra­gen ver­su­chen, etwa an der Wehr­pflicht, gerät es rasch zur Anbie­de­rung an eine Wehr­haf­tig­keits­rhe­to­rik, deren Dring­lich­keit sich den Deut­schen des Jah­res 2026 nicht ohne wei­te­res erschließt.

Das ist die Fol­ge einer gewoll­ten Ent­ker­nung, kei­ne Jugend­sün­de, die sich aus­wächst. Eine Jugend, die pro­gram­ma­tisch arbei­tet, ent­wi­ckelt eige­ne Posi­tio­nen, und eige­ne Posi­tio­nen sind das letz­te, was man ihr nach dem Umbau zuge­ste­hen möch­te. Her­an­ge­zo­gen wer­den statt­des­sen jun­ge Con­tent-Pro­du­zen­ten, die den Vlog von der Anrei­se nach Schwe­rin beherr­schen und in der Sache blank blei­ben. Die Sprach­lo­sig­keit, die Gutsing beschreibt, ist inso­fern das Kon­struk­ti­ons­prin­zip der neu­en Orga­ni­sa­ti­on, kein Defekt – ange­legt war sie frei­lich schon in der Jun­gen Alternative.

Es bleibt ein Vor­gang, der sich als Ver­bots­schutz tarn­te, in Wahr­heit ein Kon­troll­ma­nö­ver war und im Ergeb­nis nichts von dem ver­hin­der­te, was er zu ver­hin­dern vor­gab. Die „Radi­ka­li­tät“ ist geblie­ben, sie mar­schiert in Schwe­rin unter neu­em Namen. Die Ästhe­tik ist geblie­ben, das Ban­ner for­mu­liert sie bei­na­he wört­lich wie zuvor. Erneut: Ich bekla­ge das nicht, im Gegen­teil! Ver­schwun­den ist aber die Eigen­stän­dig­keit einer Jugend, die ein­mal für sich selbst sprach, und mit ihr das Ver­trau­en jener, die man abwi­ckel­te, um sie bes­ser ver­wal­ten zu können.

Was also wäre zu tun? Dia­gno­sen, die bei der Kla­ge blei­ben und nicht in eine Auf­ga­be wen­den, sind wert­los. Eine Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on, die für sich in Anspruch nimmt, Vor­hut und Zukunft der Par­tei zu sein, hät­te längst zur Kader­schmie­de die­ser Par­tei wer­den müssen.

War­um aber erschöpft sich das Leben die­ser Orga­ni­sa­ti­on, ges­tern wie heu­te, in Som­mer­fes­ten, Lager­feu­er­ro­man­tik und der einen oder ande­ren gro­ßen Stra­ßen­kund­ge­bung? Wo blei­ben die Schu­lun­gen, wo die par­la­men­ta­ri­schen Paten­schafts- und Prak­ti­kums­pro­gram­me, die den jun­gen Leu­ten schon heu­te das Hand­werk ver­mit­teln, das sie mor­gen brau­chen, wenn sie die Zukunft der Par­tei sein sollen?

Das ein­zi­ge mir bekann­te Ange­bot die­ser Art, die Poli­ti­sche Aka­de­mie in Thü­rin­gen und ihre jüngst gegrün­de­te Kopie etwa in Bay­ern, ver­dankt sich – er wird es mir nach­se­hen, dass ich ihn nicht zur Jugend zäh­le – Björn Höcke, gera­de nicht der Jugend selbst. Die Jun­ge Alter­na­ti­ve wie die Gene­ra­ti­on Deutsch­land haben dazu nichts bei­getra­gen, und ein Bemü­hen in die­se Rich­tung ist von dort nicht zu erken­nen. Statt­des­sen reist man zu Rand­ak­teu­ren nach Frank­reich, Ungarn oder Est­land, damit die eige­ne Füh­rung Euro­pa sieht.

Immer­hin! Dar­in läge, woll­te man den Vor­hut­an­spruch ernst neh­men, die eigent­li­che Arbeit, und an ihrem Aus­blei­ben bemißt sich, wie ernst er gemeint ist. Wie sehr die Nach­wuchs­ar­beit brach­liegt, belegt Gutsing mit einer ernüch­tern­den Beob­ach­tung: In man­chem mit­tel­deut­schen Land­kreis, in dem die AfD über vier­zig Pro­zent erreicht, fin­det sich kaum eine Hand­voll oder gar kein ein­zi­ges Mit­glied der Gene­ra­ti­on Deutsch­land, ein Miß­ver­hält­nis, das den Begriff der gro­ben Ver­nach­läs­si­gung durch die Mut­ter­par­tei verdient.

Wer die Jun­ge Alter­na­ti­ve zer­schlug, hat der Par­tei kei­ne Mäßi­gung ver­schafft, denn Mäßi­gung war nie das Ziel, und kei­nen Ver­bots­schutz, des­sen Not­wen­dig­keit je erwie­sen wäre. Ver­schafft hat er ihr den Zugriff auf eine Jugend, die wei­ter­macht wie zuvor, nur folg­sa­mer, geführt von einem Mann, der zugleich ihr Vor­sit­zen­der und Bei­sit­zer im Bun­des­vor­stand der Par­tei ist, die ihn kontrolliert.

Eine Bewe­gung, die man besitzt, ist aber kei­ne Bewe­gung mehr. Was bleibt, ist ein Appa­rat, der sich wie eine Bewe­gung klei­det. Doch mit dem blo­ßen Gewäh­ren­las­sen ist es nicht getan. Der Ein­wand liegt auf der Hand, daß mit dem vor­han­de­nen Per­so­nal auch eine sich selbst über­las­se­ne Jugend kaum etwas ande­res her­vor­bräch­te als das, was heu­te zu besich­ti­gen ist.

Die Auf­ga­be ist des­halb eine dop­pel­te. Die Par­tei muß ihre Jugend gewäh­ren las­sen und sie zugleich als das begrei­fen, was eine Par­tei­ju­gend sein kann: Inno­va­ti­ons­mo­tor, inhalt­li­che Vor­hut, Platt­form zum Aus­tes­ten von Ideen und Posi­tio­nen, die sich die Mut­ter­par­tei noch nicht leis­ten kann.

Und die Jugend muss die­se Auf­ga­be ernst neh­men. Sie muß wis­sen, was die Par­tei von ihr braucht und was sie ihr zu leis­ten imstan­de ist. Auch dar­an fehlt es. Die Gene­ra­ti­on Deutsch­land ist einst­wei­len ein Anhäng­sel der AfD, eine schwä­che­re Kopie der Jun­gen Alter­na­ti­ve, die weder weiß, was sie will, noch, was sie sein will. Das liegt an ihrer Ent­ste­hungs­ge­schich­te, wie sie hier dar­ge­legt wur­de – nur ent­bin­det die Her­kunft nicht von der Emanzipation.

Die­se Fra­gen kann ihr nie­mand abneh­men, am wenigs­ten die Par­tei, die sie schuf. Die Fra­ge, die Berndt in Schnell­ro­da stell­te, ob die Par­tei zu früh alte­re, beant­wor­tet die­ser Vor­gang auf sei­ne Wei­se: Eine Par­tei, die ihre eige­ne Jugend ver­wal­tet, statt sie als Vor­hut zu begrei­fen und ernst zu neh­men, ist bereits alt gewor­den, ehe sie je regiert hat.

– –

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Sezession
DE58 8005 3762 1894 1405 98
NOLADE21HAL

Kommentare (1)

das kapital

14. August 2026 10:28

In einer durch und durch feindlich gesonnenen durchpolitisierten Gesellschaft darf die Jugendorganisation einer Partei nicht zum Strick werden, an dem die ganze Partei aufgehängt wird. Deshalb muss sie moderat agieren. Sie darf nicht so auftreten, dass die Erfolge im September in Frage gestellt werden. Jusos dürfen sich gerne als Fans von Hammerbande Vulkangruppe und "Angry Birds" outen und in Gießen und Erfurt Journalisten durch die Straßen prügeln, die Generation Deutschland darf das genauso selbstverständlich nicht. Zweierlei Mass gilt durch und durch. Wie in Deutschland mit Martin Sellner und der Remigration umgesprungen wird, ist ein historisches Lehrstück für Machtmissbrauch. Ludwigshafen, Niedersachsen und das Streichen von Kandidaten bei kommunalen Wahlen auch. Pack noch den Stasi Hüber von den Grenztruppen der Polizeigewerkschaft dazu, dann weisst Du, was Du hast. Der hat für Nancy Faeser gearbeitet und gibt jetzt eine Aufforderung an die Landespolizei, generell der neuen Landesregierung den Befehl zu verweigern. Aber gegen das widerrechtliche Compact Verbot hatte er nichts einzuwenden. Die Neugründung ist ein schwieriger Akt, der vielen auch Schmerzen bereitet. Zum Schutz der eigenen Wahlerfolge in einem massiv restriktiven Umfeld ist er aber unverzichtbar.