Verwaltete Jugend

von Torben Braga -- Unter dem Titel „Die Sackgasse der Generation Deutschland" hat Mike Gutsing im FREILICH Magazin dieser Tage eine Analyse der Bilder vorgelegt, die am Schweriner Tag der Deutschen Jugend vom 1. August entstanden sind, und sein Befund lautet: Die Jugendorganisation der AfD habe bis heute keine kohärente politische Identität ausgebildet. „Parolen ersetzen kein Profil“.

Dem ist wenig ent­ge­gen­zu­set­zen, aber eini­ges hin­zu­zu­fü­gen. Denn die Sack­gas­se, in der die Gene­ra­ti­on Deutsch­land steht, hat eine Vor­ge­schich­te, die bei Gutsing allen­falls am Ran­de vor­kommt und ohne die weder ihre Gegen­wart noch ihr Per­so­nal zu ver­ste­hen ist: die Auf­lö­sung der Jun­gen Alter­na­ti­ve. Wer wis­sen will, war­um die neue Par­tei­ju­gend ist, was und wie sie ist, muß betrach­ten, was mit der alten geschah, war­um es geschah und von wes­sen Hand.

Rund vier­hun­dert (oder sechs­hun­dert? Es ist uner­heb­lich!) jun­ge Leu­te zogen an jenem 1. August mit Deutsch­land­fah­nen durch Schwe­rin. Die Bil­der der Kund­ge­bung ver­wei­sen auf eine Tra­di­ti­on. An der Spit­ze wur­de ein Ban­ner mit­ge­führt, das die Wie­der­erken­nung zur Gewiss­heit macht: „Jugend geht vor­an“. Die Losung zitiert, kaum ver­scho­ben, jene Wen­dung von der „Jugend, die vor­an­geht“, die in der Jun­gen Alter­na­ti­ve kur­sier­te und die vor andert­halb Jah­ren man­chem in der Par­tei noch als Beleg dafür galt, dass mit die­ser Jugend etwas nicht stimme.

Der Wort­laut ist ver­än­dert, die Sache ist die­sel­be – heu­te frei­lich unter par­tei­of­fi­zi­el­ler Ägi­de und ohne dass sich jemand dar­an störte.

Ver­gleicht man die bei­den Orga­ni­sa­tio­nen, ergibt sich ein bemer­kens­wer­ter Befund. Hier die Jun­ge Alter­na­ti­ve, der ihre Bewe­gungs­äs­the­tik, ihre Stra­ßen­po­li­tik und ihre Nähe zum Vor­feld, nament­lich zur Iden­ti­tä­ren Bewe­gung, so lan­ge vor­ge­hal­ten wur­den, bis sie Geschich­te war; dort die Gene­ra­ti­on Deutsch­land, die mit den­sel­ben Losun­gen durch Schwe­rin zieht, beglei­tet von einer Medi­en­ar­beit, die zu wesent­li­chen Tei­len bei Akteu­ren aus eben jenem Umfeld liegt.

Wo sind die Unter­schie­de? Es gibt sie kaum – bis auf einen. War­um also muß­te die Jun­ge Alter­na­ti­ve auf­ge­löst wer­den? Und wer trägt dafür die Verantwortung?

Man soll­te den Vor­gang genau benen­nen, denn die Betei­lig­ten haben eini­ge Mühe dar­auf ver­wen­det, ihn zu ver­schlei­ern. In Rie­sa, am 12. Janu­ar 2025, beschloß der AfD-Bun­des­par­tei­tag zwar knapp, gleich­wohl mit der erfor­der­li­chen Zwei­drit­tel­mehr­heit eine Sat­zungs­än­de­rung, die die Jun­ge Alter­na­ti­ve als offi­zi­el­le Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der AfD ablös­te und durch eine neue, eng an die Par­tei gebun­de­ne, noch zu grün­den­de und zu benen­nen­de Orga­ni­sa­ti­on ersetz­te. Die Ände­rung soll­te zum 1. April in Kraft tre­ten. Die Jun­ge Alter­na­ti­ve, in die Enge getrie­ben, beschloß sodann auf ihrem Bun­des­kon­greß am 1. Febru­ar 2025 im thü­rin­gi­schen Apol­da ihre eige­ne Auf­lö­sung, wirk­sam zum 31. März 2025 – ein Beschluß, den man schwer­lich frei­wil­lig nen­nen kann, wenn der Par­tei­tag der Mut­ter­par­tei drei Wochen zuvor bereits die Nach­fol­ge beschlos­sen hatte.

Die offi­zi­el­le Begrün­dung lau­te­te Ver­bots­schutz, und sie hat­te durch­aus einen wah­ren Kern. Die Jun­ge Alter­na­ti­ve war ein Ver­ein, den das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz seit 2023 als gesi­chert rechts­extrem führ­te, und als Ver­ein unter­lag sie dem Ver­eins­ge­setz, des­sen Ver­bots­hür­den bekannt­lich nied­ri­ger lie­gen als die des Par­tei­en­pri­vi­legs aus Art. 21 GG. Eine par­tei­ei­ge­ne Jugend, so das Kal­kül, lie­ße sich nicht wie ein schlich­ter Ver­ein aus dem Ver­kehr ziehen.

Der schei­den­de Vor­sit­zen­de der Jun­gen Alter­na­ti­ve, Han­nes Gnauck, trug die­ses Argu­ment selbst vor, und in der Ein­brin­gungs­re­de zum Antrag des Bun­des­vor­stands wur­de eine Stel­lung­nah­me der Jun­gen Alter­na­ti­ve Baden-Würt­tem­berg ver­le­sen, die den Gedan­ken auf die Spit­ze trieb: Ein Ver­bot einer Par­tei bei über 20 Pro­zent sei unrea­lis­tisch, ein Angriff aber dort, wo man am schwächs­ten sei, näm­lich beim nicht ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein der Jun­gen Alter­na­ti­ve, sehr wohl.

Nun ist gegen die­se Begrün­dung nicht nur ein­zu­wen­den, daß sie sich erst noch hät­te als taug­lich erwei­sen müs­sen – sie war recht­lich von Anfang an min­des­tens zwei­fel­haft. Zwar ist rich­tig, daß die Jun­ge Alter­na­ti­ve als nicht ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein grund­sätz­lich jeder­zeit der abs­trak­ten Gefahr eines Ver­eins­ver­bots nach Art. 9 Abs. 2 GG in Ver­bin­dung mit dem Ver­eins­ge­setz unter­lag. Doch die Rechts­form ist nicht das­sel­be wie die Rechts­na­tur, und es gab gute Grün­de für die Annah­me, dass die Jun­ge Alter­na­ti­ve trotz ihrer Ver­eins­form de fac­to die Qua­li­tät einer Par­tei­glie­de­rung besaß, jeden­falls die einer qua­li­fi­zier­ten Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on der Mutterpartei.

Kath­rin Groh, Pro­fes­so­rin für Öffent­li­ches Recht an der Uni­ver­si­tät der Bun­des­wehr Mün­chen, publi­zier­te bereits im Febru­ar 2024 im der AfD sicher nicht nahe­ste­hen­den „Ver­fas­sungs­blog” unter dem tref­fen­den Titel „Das klei­ne Par­tei­ver­bot“ und argu­men­tier­te dort, Par­tei­ju­gend­or­ga­ni­sa­tio­nen sei­en qua­li­fi­zier­te Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen ihrer Mut­ter­par­tei, die – unab­hän­gig von ihrer kon­kre­ten recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­form – am Par­tei­en­pri­vi­leg des Art. 21 GG teil­ha­ben und des­halb gera­de nicht durch ein ein­fa­ches Ver­eins­ver­bot der Exe­ku­ti­ve, son­dern allen­falls im Par­tei­ver­bots­ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus dem Ver­kehr gezo­gen wer­den könnten.

Kath­rin Groh steht mit die­ser Auf­fas­sung kei­nes­wegs allein – sie bewegt sich auf einer Linie, die bereits Mar­tin Mor­lok ver­trat (Drei­er, GG, 3. Aufl. 2015, Art. 21 Rn. 42 ff.) und der sich Rudolf Streinz anschloss (v. Mangoldt/Klein/Starck, GG, 7. Aufl. 2018, Art. 21 Rn. 71).

Katha­ri­na Leusch ord­ne­te die Par­tei­ju­gend­or­ga­ni­sa­tio­nen bereits im Mai 2023 aus Anlaß der Hoch­stu­fung durch das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz eben­falls im „Ver­fas­sungs­blog“ als qua­li­fi­zier­te Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen ein, für die die ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen des Art. 21 GG ein­schließ­lich des Par­tei­en­pri­vi­legs gel­ten. Und selbst das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hielt in sei­nem Urteil zur Beob­ach­tung der Jun­gen Alter­na­ti­ve vom 8. März 2022 bei­läu­fig fest, die Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on neh­me an der Bestands- und Schutz­ga­ran­tie teil, die das Grund­ge­setz den Par­tei­en gewährt.

Die durch­aus vor­han­de­ne Gegen­auf­fas­sung beruft sich dage­gen auf Karls­ru­her For­meln aus den 1950er Jah­ren – nur hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über den Fall einer Par­tei­ju­gend in Ver­eins­form nie ent­schie­den, und das jün­ge­re Köl­ner Urteil deu­tet an, wohin ein Gericht nei­gen kann, wenn es ent­schei­den muß.

Auch die bis zum Beschluß des Bun­des­par­tei­tags in Rie­sa Anfang 2025 gül­ti­ge Fas­sung der AfD-Bun­des­sat­zung, die die Jun­ge Alter­na­ti­ve aus­drück­lich zur offi­zi­el­len Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on erklär­te und in die Wil­lens­bil­dung der Par­tei ein­band, war ein gewich­ti­ges Indiz für die Rich­tig­keit die­ser Köl­ner Einordnung.

Hin­zu kommt eine Beob­ach­tung aus der Pra­xis: Nan­cy Fae­ser, die im Som­mer 2024 nicht zöger­te, die Com­pact-Maga­zin GmbH im Wege des Ver­eins­ver­bots aus­zu­schal­ten, hät­te ein sol­ches Ver­bot gewiß auch gegen die Jun­ge Alter­na­ti­ve längst aus­ge­spro­chen, wenn es auch nur im Ansatz eine Aus­sicht auf Erfolg beses­sen hät­te. Dass sie es unter­ließ, spricht Bän­de. Die Befür­wor­ter der Auf­lö­sung lasen das Com­pact-Ver­bot sei­ner­zeit frei­lich als Blau­pau­se für das, was der Jun­gen Alter­na­ti­ve dro­he – bei Licht bese­hen taug­te der Fall aber von Anfang an als Beleg für das Gegenteil.

Denn wie ein sol­ches Ver­bot aus­geht, wenn der Staat es tat­säch­lich wagt, hat man an Com­pact besich­ti­gen kön­nen. Das im Juli 2024 ver­häng­te Ver­bot schei­ter­te vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, das die Ver­fü­gung mit Urteil vom 24. Juni 2025 auf­hob. Und dies, obwohl die Fra­ge nach dem Schutz­be­reich des Art. 21 GG sich dabei gar nicht erst stell­te. Denn die Com­pact-Maga­zin GmbH konn­te kein Par­tei­en­pri­vi­leg für sich in Anspruch neh­men. Sie stand bes­ten­falls unter dem Schutz, der jedem Pres­se­or­gan zukommt. Und schon dar­an schei­ter­te die Verbotsverfügung.

Wie ein Ver­eins­ver­bot der Jun­gen Alter­na­ti­ve aus­ge­gan­gen wäre, bei dem also oben­drein das Par­tei­en­pri­vi­leg im Raum gestan­den hät­te, läßt sich danach unschwer aus­ma­len: mit einem noch ein­deu­ti­ge­ren Schei­tern. Com­pact jeden­falls ging, nach allem was man hört und liest, eher gestärkt als geschwächt aus dem Ver­fah­ren her­vor, und der Staat ent­stell­te sich in sei­ner Repres­si­on gegen eine zwei­fels­oh­ne dem AfD-Umfeld zuzu­rech­nen­de Publi­ka­ti­on ein wei­te­res Mal zur Kenntlichkeit.

Die­sel­ben Fol­gen hät­te auch ein Ver­bots­ver­such gegen die Jun­ge Alter­na­ti­ve gehabt. Gera­de im Lich­te des Com­pact-Ver­fah­rens kann daher schwer­lich behaup­tet wer­den, ein Ver­bot der Jun­gen Alter­na­ti­ve sei eine der­art zwin­gen­de, unmit­tel­bar bevor­ste­hen­de Gefahr gewe­sen, dass ihr nur durch die vor­sorg­li­che Selbst­zer­schla­gung zu begeg­nen war.

Soweit die Fas­sa­de also, die der Prü­fung nur halb stand­hält. Und es waren aus­ge­rech­net die Dele­gier­ten, die in Rie­sa einen Gegen­an­trag zur Auf­lö­sung der JA ein­brach­ten, die die ver­blie­be­ne Bruch­stel­le benann­ten. Bemer­kens­wert hier: Antrag­stel­ler waren unter ande­rem die Mehr­heit des Bun­des­kon­vents und des Bun­des­vor­stands der Jun­gen Alter­na­ti­ve selbst, die sich damit im Wider­spruch zu ihrem Vor­sit­zen­den Han­nes Gnauck und – wie er selbst beton­te – „sämt­li­chen Vor­sit­zen­den der Jun­gen Alter­na­ti­ve der letz­ten zehn Jah­re“ setz­ten. Der mar­ken­recht­lich geschütz­te Alt­ver­ein müs­se sich liqui­die­ren, sei­ne Mit­tel und Struk­tu­ren abwi­ckeln, und die Mit­glie­der stün­den in der Zwi­schen­zeit schutz­los da.

Der Ver­bots­schutz, für den man antrat, ver­schlech­te­re also die Rechts­la­ge der Betrof­fe­nen, statt sie zu ver­bes­sern. Der Antrag sei, so der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Jun­gen Alter­na­ti­ve Kachelm­ann, kei­ne Reform, son­dern eine Abglie­de­rung und letzt­lich eine Ver­nich­tung der Jun­gen Alter­na­ti­ve. Sei­ne Mit­strei­ter und er unterlagen.

Unter der Ver­bots­schutz-Erzäh­lung liegt ohne­hin ein zwei­ter Grund, der in den offi­zi­el­len Reden nur ver­klau­su­liert auf­tauch­te, in der par­tei­in­ter­nen Debat­te aber offen zuta­ge lag: Es ging um Zugriff. Die Jun­ge Alter­na­ti­ve agier­te als auto­no­mer Ver­ein, der AfD-Bun­des­vor­stand hat­te kaum dis­zi­pli­na­ri­sche Hand­ha­be über ihre Kader.

Hät­te man die­se Jugend im Ernst refor­mie­ren, hät­te man sie ein­nor­den wol­len, wäre das nur in müh­sa­mer Kleinst­ar­beit zu haben gewe­sen: Miss­lie­bi­ge Per­so­nen hät­ten ein­zeln aus­ge­schlos­sen wer­den müs­sen, teils aus der Par­tei, teils – über die Gre­mi­en des Ver­eins – auch aus der Jun­gen Alter­na­ti­ve selbst. In ein­zel­nen Ver­bän­den hät­te man über Jah­re Mehr­hei­ten ver­schie­ben, Dele­gier­te gewin­nen, Kon­gres­se umstim­men müssen.

Die­sen Weg woll­te man nicht gehen, denn er ist lang und müh­sam, sein Aus­gang ist unge­wiss, und er hät­te die offe­ne Aus­ein­an­der­set­zung in der Sache ver­langt. Also wähl­te man den kur­zen: Auf­lö­sung und Neu­grün­dung, mit geneh­men Per­so­nen an der Spitze.

Durch die Reform, so berich­te­ten es damals zahl­rei­che Medi­en, ver­folg­te die Par­tei das Ziel, mehr Kon­trol­le über den Nach­wuchs zu gewin­nen: Künf­tig soll­te nur mit­ma­chen dür­fen, wer Par­tei­mit­glied war, was der Füh­rung erlaub­te, unbe­que­me Köp­fe aus­zu­sie­ben. Ein Red­ner des Bun­des­vor­stands – des­sen dama­li­ger „Jugend­be­auf­trag­ter – sprach es in der Ein­brin­gung unver­hüllt aus: Eine pro­fes­sio­nel­le Par­tei brau­che Sicher­heit, daß Per­so­nen, die sich inner­halb der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on bewe­gen, kein Schind­lu­der mit ihr trei­ben, und des­halb müs­se die neue Orga­ni­sa­ti­on unter die Kon­trol­le und Schieds­ge­richts­bar­keit der Par­tei gestellt werden.

Wie sehr es dabei um die Rich­tung ging, die die Jun­ge Alter­na­ti­ve aus eige­nem Antrieb ein­ge­schla­gen hat­te, erschließt sich erst aus ihrer Ent­wick­lung. In ihren Grün­dungs­jah­ren wur­de die Orga­ni­sa­ti­on von den Anzug­trä­gern des Betriebs domi­niert – von jun­gen Leu­ten, die selbst Man­da­te erran­gen, für Abge­ord­ne­te und Frak­tio­nen arbei­te­ten und der Jugend das Image einer Vor­schu­le des Berufs­po­li­ti­ker­tums ver­lie­hen: ehr­gei­zig, ange­passt, ein wenig spießig.

Irgend­wann ent­schied man sich, einen ande­ren Weg zu gehen – eine ande­re Anspra­che, ande­re Inhal­te, eine ande­re Ästhe­tik, ein ande­res Auf­tre­ten, gerich­tet an jun­ge Men­schen von idea­lis­ti­schem, akti­vis­ti­schem Schlag, mit dem Ziel, in der Jugend eine kul­tu­rel­le Hege­mo­nie aus eige­ner Stär­ke zu errin­gen und eben nicht bloß das Instru­ment der Par­tei zur Her­an­bil­dung der künf­ti­gen Funk­tio­närs­kas­te zu sein.

Genau die­se Wen­dung wur­de der Par­tei zum Dorn im Auge, und genau ihret­we­gen ent­schied man sich am Ende für Auf­lö­sung und Neu­grün­dung. Dass die Nach­fol­ge­rin nun mit Bil­dern wie denen aus Schwe­rin in die­sel­be Ker­be schlägt, die zur Auf­lö­sung der Jun­gen Alter­na­ti­ve geführt hat­te, voll­endet die Pointe.

Von Mäßi­gung war bei alle­dem übri­gens intern nie die Rede, und es dürf­te in der AfD auch kaum jeman­den geben, der der­glei­chen ernst­haft ange­nom­men hat. Die­se Deu­tung stammt aus Tei­len der Pres­se, die es sich ein­fach mach­ten: Die Par­tei fürch­te ein Ver­bot ihrer zu radi­kal gewor­de­nen Jugend, löse sie des­halb auf und gebe sich damit nach außen geläu­tert. Diver­se Par­tei­funk­tio­nä­re, dar­un­ter immer­hin die Bun­des­vor­sit­zen­de und Kanz­ler­kan­di­da­tin Ali­ce Wei­del, haben die­ser Les­art wie­der­holt den Boden ent­zo­gen. Auf die Not­wen­dig­keit einer Mäßi­gung ange­spro­chen, erklär­te sie stets, kei­ne Ver­an­las­sung dafür zu sehen.

Wer also glaubt, die AfD habe sich in Rie­sa von den Inhal­ten der Jun­gen Alter­na­ti­ve getrennt, ver­kennt den Vor­gang von Grund auf. Getrennt hat sich die AfD nie von den Inhal­ten. Getrennt hat sie sich von der Eigen­stän­dig­keit, die ihr die­se Inhal­te ent­zog. Was als Distan­zie­rung wahr­ge­nom­men wer­den konn­te, war der Sache nach ein Akt der Aneignung.

Die Jun­ge Alter­na­ti­ve wur­de nicht zer­schla­gen, weil sie zu radi­kal war. Zer­schla­gen wur­de sie, weil sie eigen­stän­dig radi­kal war, weil sie eine bewe­gungs­för­mi­ge, stra­ßen­po­li­ti­sche, akti­vis­ti­sche Signa­tur besaß (oder zumin­dest zu besit­zen such­te), die der Par­tei ent­glitt. Man woll­te die­se Bewe­gung nicht abschaf­fen, man woll­te sie kon­trol­lie­ren. Und weil eine gan­ze Ent­wick­lung anders nicht mehr ein­zu­fan­gen war, zer­schlug man die Orga­ni­sa­ti­on, die sie trug, und grün­de­te sie unter eige­nem Dach neu.

Es gehört zu den auf­schluss­rei­che­ren Zügen die­ses Vor­gangs, dass aus­nahms­los alle, die an der Zer­schla­gung füh­rend mit­wirk­ten, dafür letzt­lich belohnt wur­den. Han­nes Gnauck, der letz­te Vor­sit­zen­de der Jun­gen Alter­na­ti­ve, der damals als Bei­sit­zer im Bun­des­vor­stand für die Ände­rung stimm­te und die Ver­bots­schutz-Begrün­dung gegen die eige­nen Mit­glie­der vor­trug, amtiert heu­te als Schatz­meis­ter im Bun­des­vor­stand der AfD.

Den­nis Hoh­loch, der den Antrag in Rie­sa gemein­sam mit Gnauck ein­brach­te, war damals bereits Schrift­füh­rer und Jugend­be­auf­trag­ter des Bun­des­vor­stands; das Schrift­füh­rer­amt beklei­det er bis heute.

Hin­ter den bei­den Antrag­stel­lern ver­sam­mel­te sich auf der Büh­ne von Rie­sa die Rie­ge der frü­he­ren Bun­des­vor­sit­zen­den, und auch deren Wege wei­sen seit­her nach oben: Mar­kus Frohn­mai­er, der den Antrag gewohnt laut­stark unter­stütz­te, ist heu­te außen­po­li­ti­scher Spre­cher der Bun­des­tags­frak­ti­on und führ­te die AfD als Minis­ter­prä­si­dent­schafts­kan­di­dat in die baden-würt­tem­ber­gi­sche Landtagswahl.

Sven Trit­sch­ler stieg in Erfurt zum stell­ver­tre­ten­den Par­tei­vor­sit­zen­den auf. Dami­an Lohr wur­de weni­ge Mona­te spä­ter auf Platz zwei der rhein­land-pfäl­zi­schen Lan­des­lis­te zur Land­tags­wahl gewählt und spä­ter Gene­ral­se­kre­tär sei­nes Lan­des­ver­bands. Und Jean-Pas­cal Hohm schließ­lich, der Vor­sit­zen­de der neu­en Gene­ra­ti­on Deutsch­land – jener Mann, unter des­sen Füh­rung in Schwe­rin das Ban­ner getra­gen wur­de, zog im Juli 2026 auf dem Erfur­ter Par­tei­tag als Bei­sit­zer in eben die­sen Bun­des­vor­stand ein.

Man kann die­se Kar­rie­re­we­ge als Rei­he lesen, und die Rei­he ergibt ein Mus­ter: Wer die eige­ne Jugend an die Par­tei aus­lie­fer­te, wur­de von der Par­tei mit Ämtern ver­se­hen, die ihn über die­se Jugend setzen.

Jun­ge Men­schen, die für die­se Par­tei durchs Feu­er gegan­gen sind, als sie selbst noch gar nicht Mit­glied waren, wur­den von ihren eige­nen Vor­sit­zen­den abge­wi­ckelt, damit die­se Vor­sit­zen­den auf­stei­gen konn­ten. Einen ande­ren Namen als Loya­li­täts­bruch hat der­glei­chen nicht. In Rie­sa dank­te Den­nis Hoh­loch jenen jun­gen Leu­ten, die jah­re­lang selbst­los und ohne jed­we­de Kar­rie­re­aus­sicht ihr Gesicht ins media­le Feu­er gehal­ten hät­ten – ein Dank, der auf­rich­tig gemeint war und im sel­ben Atem­zug ent­lar­vend, denn Kar­rie­re­aus­sich­ten hat­ten am Ende vor allem die, die den Dank aussprachen.

Die eigent­li­che Ver­lo­gen­heit des Vor­gangs aber erweist sich erst an der Nach­fol­ge, und des­halb ist Schwe­rin mehr als eine Epi­so­de. Wäre die Zer­schla­gung gewe­sen, als was sie sich aus­gab, ein Schritt zur insti­tu­tio­nel­len Zäh­mung einer aus dem Ruder lau­fen­den Jugend, dann müss­te die Gene­ra­ti­on Deutsch­land heu­te anders auf­tre­ten als die Jun­ge Alter­na­ti­ve. Sie tut es aber nicht. Sie setzt deren Kurs fort und über­bie­tet ihn pha­sen­wei­se – die­sel­be Bewe­gungs­äs­the­tik, die­sel­ben Losun­gen auf Kund­ge­bun­gen, das­sel­be (straßen)politische Selbst­ver­ständ­nis, das eine Ver­an­stal­tung wie Schwe­rin über­haupt ermöglicht.

Auch die Vor­feld-Nähe, die der Jun­gen Alter­na­ti­ve als Haupt­sün­de ange­las­tet wur­de, hat den Trä­ger­wech­sel unbe­scha­det über­stan­den. Zur Erin­ne­rung: In der Par­tei kur­sier­te hart­nä­ckig die War­nung, die Jun­ge Alter­na­ti­ve wol­le zu einer Kopie der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung wer­den, und als auf einem ihrer Bun­des­kon­gres­se Ver­la­ge, Zeit­schrif­ten und Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen ihre Stän­de auf­bau­en und ihre Erzeug­nis­se anbie­ten durf­ten, lau­te­te der Vor­wurf, hier wer­de eine rech­te Mes­se ver­an­stal­tet und kei­ne Par­tei­ju­gend geführt.

Bei der Grün­dung der Gene­ra­ti­on Deutsch­land in Gie­ßen im Novem­ber 2025 hiel­ten teils die­sel­ben Ver­la­ge und Orga­ni­sa­tio­nen ihre Stän­de ab, des­glei­chen auf dem Erfur­ter AfD-Bun­des­par­tei­tag Anfang 2026.

In Schwe­rin lag die media­le Beglei­tung des Tages der Deut­schen Jugend zu wesent­li­chen Tei­len bei Akteu­ren, die ein­deu­tig der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung zuzu­rech­nen sind, und ein erheb­li­cher Teil der Teil­neh­mer der Kund­ge­bung ist zugleich in Bur­schen­schaf­ten und wei­te­ren Zusam­men­hän­gen rechts der Mit­te aktiv.

Ich beto­ne ein­mal mehr: Nichts davon ist zu bean­stan­den. Zu bean­stan­den ist ledig­lich, dass eben­dies der einen Orga­ni­sa­ti­on als Grund ihrer Abwick­lung aus­ge­legt wur­de und der ande­ren als Selbst­ver­ständ­lich­keit durchgeht.

Was der Jun­gen Alter­na­ti­ve als unkon­trol­lier­ba­rer Akti­vis­mus vor­ge­hal­ten wur­de, prangt heu­te auf dem Trans­pa­rent der par­tei­of­fi­zi­el­len Nach­fol­ge, und die­sel­ben Per­so­nen, die es der Vor­gän­ge­rin zum Vor­wurf mach­ten, sehen bei der Nach­fol­ge­rin wohl­wol­lend dar­über hin­weg. Ver­bo­ten war eben nie die Paro­le, und ver­bo­ten war auch nie die Nähe zum Vor­feld. Ver­bo­ten war, dass jemand ande­res als die Par­tei dar­über ver­füg­te. Damit ist zugleich der eine Unter­schied benannt, der bleibt: die Kon­trol­le – eine Jugend unter Auf­sicht, geführt von einem Vor­sit­zen­den, des­sen Auf­stieg in den Bun­des­vor­stand an das Wohl­wol­len der Par­tei­spit­ze gebun­den ist. Nun führt die Par­tei die Paro­len selbst, und alles ist gut.

Daß ich mit einer kri­ti­schen Bewer­tung die­ser Ent­wick­lung nicht allein ste­he, zeigt sich auch am Podi­um, auf dem ich erst kürz­lich in Schnell­ro­da neben Dr. Hans-Chris­toph Berndt sit­zen durf­te, dem Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den der AfD im Bran­den­bur­ger Land­tag. Berndt sprach dort eine Dia­gno­se aus, der ich mich aus­drück­lich anschlie­ße: Er beschrieb die AfD als Par­tei, die – wie eben jede ande­re – den eher­nen Geset­zen der Olig­ar­chi­sie­rung fol­ge, und warn­te, sie dro­he vor der Zeit zu altern und zur Alt­par­tei zu wer­den. Der weni­ge Tage zuvor abge­hal­te­ne Bun­des­par­tei­tag in Erfurt, auf dem alles betont glatt und rei­bungs­los durch­lief, sei zwar Aus­druck des Erwach­sen­seins gewe­sen, doch eben dar­in lie­ge die Gefahr: Wer so erwach­sen sei, müs­se auf­pas­sen, nicht schnell alt auszusehen.

Dage­gen setz­te Berndt das Vor­feld, das er nicht Vor­feld nen­nen woll­te, son­dern Vor­hut, Avant­gar­de, mit der Auf­ga­be, dafür zu sor­gen, dass die Par­tei nicht ver­fla­che, nicht vor der Zeit alte­re, son­dern in Bewe­gung blei­be – und er benann­te die Adres­sa­ten die­ser Ein­fluss­nah­me, unter ihnen aus­drück­lich die Gene­ra­ti­on Deutschland.

Man muß die­sen Gedan­ken nur zu Ende füh­ren, um die gan­ze Iro­nie zu ermes­sen. Eben jene bewe­gungs­för­mi­ge Vita­li­tät, die Berndt vom Vor­feld in die Par­tei zurück­ge­tra­gen sehen will, hat­te die Par­tei andert­halb Jah­re zuvor in ihrer eige­nen Jugend zer­schla­gen. Die Bewe­gung, die von außen her­bei­ge­wünscht wird, wur­de von innen liquidiert.

Berndts Wort, die AfD müs­se radi­kal sein, und zwar im Wort­sinn, an die Wur­zel gehend, steht damit in einem Span­nungs­ver­hält­nis zur Pra­xis der eige­nen Füh­rung, denn radi­kal, an die Wur­zel gehend, stra­ßen­po­li­tisch, bewe­gungs­ori­en­tiert – das war die Jun­ge Alter­na­ti­ve. Man hat sie ihret­we­gen abge­wi­ckelt, nicht etwa trotz die­ser Eigen­schaf­ten, und ruft nun, da die Kon­trol­le gesi­chert ist, nach eben der Radi­ka­li­tät zurück, die man aus­ge­trie­ben zu haben glaub­te. Die Vor­hut soll die Par­tei in Bewe­gung hal­ten, doch die Bewe­gung soll der Par­tei gehö­ren. Das ist kein Wider­spruch, den Berndt zu ver­ant­wor­ten hät­te. Es ist der Wider­spruch der Par­tei, den sei­ne Rede unfrei­wil­lig ausleuchtet.

Womit man wie­der bei Gutsing wäre, des­sen Befund von der feh­len­den Iden­ti­tät sich von hier aus genau­er fas­sen läßt. Der Vor­hut­ge­dan­ke, den die Gene­ra­ti­on Deutsch­land im Auf­tre­ten so ent­schlos­sen pflegt, müss­te, soll er mehr sein als Habi­tus, ein pro­gram­ma­ti­scher sein. Eine Vor­hut, die die­sen Namen ver­dient, denkt der Par­tei vor­aus: Sie erprobt Posi­tio­nen, ehe die Par­tei sie sich leis­ten kann, sie besetzt Fra­gen, die die Frak­tio­nen noch scheu­en, sie prägt die Begrif­fe, mit denen spä­ter alle arbeiten.

Gemes­sen dar­an ist der Ertrag schmal. Jen­seits der Remi­gra­ti­on, deren Berech­ti­gung hier nicht zur Debat­te steht, hat weder die Jun­ge Alter­na­ti­ve noch ihre Nach­fol­ge­rin einen Bei­trag zur pro­gram­ma­ti­schen Ent­wick­lung der Par­tei geleis­tet, der die­sen Namen ver­dien­te, und wo sich Funk­tio­nä­re der Gene­ra­ti­on Deutsch­land an ande­ren Fra­gen ver­su­chen, etwa an der Wehr­pflicht, gerät es rasch zur Anbie­de­rung an eine Wehr­haf­tig­keits­rhe­to­rik, deren Dring­lich­keit sich den Deut­schen des Jah­res 2026 nicht ohne wei­te­res erschließt.

Das ist die Fol­ge einer gewoll­ten Ent­ker­nung, kei­ne Jugend­sün­de, die sich aus­wächst. Eine Jugend, die pro­gram­ma­tisch arbei­tet, ent­wi­ckelt eige­ne Posi­tio­nen, und eige­ne Posi­tio­nen sind das letz­te, was man ihr nach dem Umbau zuge­ste­hen möch­te. Her­an­ge­zo­gen wer­den statt­des­sen jun­ge Con­tent-Pro­du­zen­ten, die den Vlog von der Anrei­se nach Schwe­rin beherr­schen und in der Sache blank blei­ben. Die Sprach­lo­sig­keit, die Gutsing beschreibt, ist inso­fern das Kon­struk­ti­ons­prin­zip der neu­en Orga­ni­sa­ti­on, kein Defekt – ange­legt war sie frei­lich schon in der Jun­gen Alternative.

Es bleibt ein Vor­gang, der sich als Ver­bots­schutz tarn­te, in Wahr­heit ein Kon­troll­ma­nö­ver war und im Ergeb­nis nichts von dem ver­hin­der­te, was er zu ver­hin­dern vor­gab. Die „Radi­ka­li­tät“ ist geblie­ben, sie mar­schiert in Schwe­rin unter neu­em Namen. Die Ästhe­tik ist geblie­ben, das Ban­ner for­mu­liert sie bei­na­he wört­lich wie zuvor. Erneut: Ich bekla­ge das nicht, im Gegen­teil! Ver­schwun­den ist aber die Eigen­stän­dig­keit einer Jugend, die ein­mal für sich selbst sprach, und mit ihr das Ver­trau­en jener, die man abwi­ckel­te, um sie bes­ser ver­wal­ten zu können.

Was also wäre zu tun? Dia­gno­sen, die bei der Kla­ge blei­ben und nicht in eine Auf­ga­be wen­den, sind wert­los. Eine Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on, die für sich in Anspruch nimmt, Vor­hut und Zukunft der Par­tei zu sein, hät­te längst zur Kader­schmie­de die­ser Par­tei wer­den müssen.

War­um aber erschöpft sich das Leben die­ser Orga­ni­sa­ti­on, ges­tern wie heu­te, in Som­mer­fes­ten, Lager­feu­er­ro­man­tik und der einen oder ande­ren gro­ßen Stra­ßen­kund­ge­bung? Wo blei­ben die Schu­lun­gen, wo die par­la­men­ta­ri­schen Paten­schafts- und Prak­ti­kums­pro­gram­me, die den jun­gen Leu­ten schon heu­te das Hand­werk ver­mit­teln, das sie mor­gen brau­chen, wenn sie die Zukunft der Par­tei sein sollen?

Das ein­zi­ge mir bekann­te Ange­bot die­ser Art, die Poli­ti­sche Aka­de­mie in Thü­rin­gen und ihre jüngst gegrün­de­te Kopie etwa in Bay­ern, ver­dankt sich – er wird es mir nach­se­hen, dass ich ihn nicht zur Jugend zäh­le – Björn Höcke, gera­de nicht der Jugend selbst. Die Jun­ge Alter­na­ti­ve wie die Gene­ra­ti­on Deutsch­land haben dazu nichts bei­getra­gen, und ein Bemü­hen in die­se Rich­tung ist von dort nicht zu erken­nen. Statt­des­sen reist man zu Rand­ak­teu­ren nach Frank­reich, Ungarn oder Est­land, damit die eige­ne Füh­rung Euro­pa sieht.

Immer­hin! Dar­in läge, woll­te man den Vor­hut­an­spruch ernst neh­men, die eigent­li­che Arbeit, und an ihrem Aus­blei­ben bemißt sich, wie ernst er gemeint ist. Wie sehr die Nach­wuchs­ar­beit brach­liegt, belegt Gutsing mit einer ernüch­tern­den Beob­ach­tung: In man­chem mit­tel­deut­schen Land­kreis, in dem die AfD über vier­zig Pro­zent erreicht, fin­det sich kaum eine Hand­voll oder gar kein ein­zi­ges Mit­glied der Gene­ra­ti­on Deutsch­land, ein Miß­ver­hält­nis, das den Begriff der gro­ben Ver­nach­läs­si­gung durch die Mut­ter­par­tei verdient.

Wer die Jun­ge Alter­na­ti­ve zer­schlug, hat der Par­tei kei­ne Mäßi­gung ver­schafft, denn Mäßi­gung war nie das Ziel, und kei­nen Ver­bots­schutz, des­sen Not­wen­dig­keit je erwie­sen wäre. Ver­schafft hat er ihr den Zugriff auf eine Jugend, die wei­ter­macht wie zuvor, nur folg­sa­mer, geführt von einem Mann, der zugleich ihr Vor­sit­zen­der und Bei­sit­zer im Bun­des­vor­stand der Par­tei ist, die ihn kontrolliert.

Eine Bewe­gung, die man besitzt, ist aber kei­ne Bewe­gung mehr. Was bleibt, ist ein Appa­rat, der sich wie eine Bewe­gung klei­det. Doch mit dem blo­ßen Gewäh­ren­las­sen ist es nicht getan. Der Ein­wand liegt auf der Hand, daß mit dem vor­han­de­nen Per­so­nal auch eine sich selbst über­las­se­ne Jugend kaum etwas ande­res her­vor­bräch­te als das, was heu­te zu besich­ti­gen ist.

Die Auf­ga­be ist des­halb eine dop­pel­te. Die Par­tei muß ihre Jugend gewäh­ren las­sen und sie zugleich als das begrei­fen, was eine Par­tei­ju­gend sein kann: Inno­va­ti­ons­mo­tor, inhalt­li­che Vor­hut, Platt­form zum Aus­tes­ten von Ideen und Posi­tio­nen, die sich die Mut­ter­par­tei noch nicht leis­ten kann.

Und die Jugend muss die­se Auf­ga­be ernst neh­men. Sie muß wis­sen, was die Par­tei von ihr braucht und was sie ihr zu leis­ten imstan­de ist. Auch dar­an fehlt es. Die Gene­ra­ti­on Deutsch­land ist einst­wei­len ein Anhäng­sel der AfD, eine schwä­che­re Kopie der Jun­gen Alter­na­ti­ve, die weder weiß, was sie will, noch, was sie sein will. Das liegt an ihrer Ent­ste­hungs­ge­schich­te, wie sie hier dar­ge­legt wur­de – nur ent­bin­det die Her­kunft nicht von der Emanzipation.

Die­se Fra­gen kann ihr nie­mand abneh­men, am wenigs­ten die Par­tei, die sie schuf. Die Fra­ge, die Berndt in Schnell­ro­da stell­te, ob die Par­tei zu früh alte­re, beant­wor­tet die­ser Vor­gang auf sei­ne Wei­se: Eine Par­tei, die ihre eige­ne Jugend ver­wal­tet, statt sie als Vor­hut zu begrei­fen und ernst zu neh­men, ist bereits alt gewor­den, ehe sie je regiert hat.

– –

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Kommentare (57)

das kapital

14. August 2026 10:28

In einer durch und durch feindlich gesonnenen durchpolitisierten Gesellschaft darf die Jugendorganisation einer Partei nicht zum Strick werden, an dem die ganze Partei aufgehängt wird. Deshalb muss sie moderat agieren. Sie darf nicht so auftreten, dass die Erfolge im September in Frage gestellt werden. Jusos dürfen sich gerne als Fans von Hammerbande Vulkangruppe und "Angry Birds" outen und in Gießen und Erfurt Journalisten durch die Straßen prügeln, die Generation Deutschland darf das genauso selbstverständlich nicht. Zweierlei Mass gilt durch und durch. Wie in Deutschland mit Martin Sellner und der Remigration umgesprungen wird, ist ein historisches Lehrstück für Machtmissbrauch. Ludwigshafen, Niedersachsen und das Streichen von Kandidaten bei kommunalen Wahlen auch. Pack noch den Stasi Hüber von den Grenztruppen der Polizeigewerkschaft dazu, dann weisst Du, was Du hast. Der hat für Nancy Faeser gearbeitet und gibt jetzt eine Aufforderung an die Landespolizei, generell der neuen Landesregierung den Befehl zu verweigern. Aber gegen das widerrechtliche Compact Verbot hatte er nichts einzuwenden. Die Neugründung ist ein schwieriger Akt, der vielen auch Schmerzen bereitet. Zum Schutz der eigenen Wahlerfolge in einem massiv restriktiven Umfeld ist er aber unverzichtbar.

Maiordomus

14. August 2026 11:48

@das kapital. Ihr Durchblick könnte nicht professioneller sein. Wunderte mich anfänglich, dass nicht mal ein Dutzend genervte Jungparteiler sich aufführen, wie es für den späteren Aussenminister mit seiner "Putztruppe" nach 1968 noch durchging. Wenn ich denke, dass mich noch 1970 eine schwangere Studentin in Zürich am Betreten eines Vorlesungssaals behindert hat, der "offiziell von der Studentenschaft boykottiert" war, damals bei einer Stimmbeteiligung von ca 8% sogar legitimiert, wiewohl nicht gerade für eine solche Massnahme gegen einen von mir geschätzten Prof. und Armee-Vorgesetzten. Dabei war ich versucht, die Frau niederzustrecken, hatte aber schon im Kindergarten mal bei einer Rauferei gegen Gespänlein verloren. Aber: wer Leute wie AW oder TC sowie BH mit einem Club auch nur schon mit der Millionen-Privatarmee SA incl. SS vergleicht, die politimpotente Nichtstalinistin Wagenknecht allenfalls mit Pol Pot verwechselt, sollte, falls nicht kriminell verlogen, anerkanntermassen psychiatrisch interniert werden. Entsetzt kann man aber sein über den unfähigsten Kanzler aller Zeiten. Hätte ich noch vor 2 Jahren so nicht vermutet! 

Dietrichs Bern

14. August 2026 12:01

Ich bin grundsätzlich gegen Jugendorganisationen von Parteien, sie bringen letztlich den Berufsfunktionär hervor, der dieses Land in den Abgrund reißt. Ich kann auch nichts mit Fahnenaufmärschen anfangen, die die Ästhetik des Totalitarismus aufweisen - Rot wie braun - und den Eindruck vermitteln, das sich hinter guten Worten und Absichtserklärungen eben doch Schwefelgeruch verbirgt. 

Beta Jas

14. August 2026 12:01

Ich hoffe, dass die Mitglieder der AfD, die im entsprechenden Alter sind, die Jugendorganisation als Plattform des Kennenlernens nutzen und nicht glauben, rebellische Aktionen nach dem Vorbild der Jusos bewerkstelligen zu müssen. Selbst dort ist es aber auch nur eine ritualisierte Show und wird kaum von den Medien aufgegriffen – ganz im Gegensatz zu jedem Krümel an Dummheit von einzelnen AfD-Mitgliedern. Die Jusos können sich sehr viel mehr Narrenfreiheit erlauben. Obwohl ich mich andererseits daran erinnern kann, dass es eine Juso-Vorsitzende gegeben hatte, die nassforsch ihre Mitgliedschaft in der Roten Hilfe verteidigte und die leise Kritik in den etablierten Medien durchgestanden hatte.

Umlautkombinat

14. August 2026 12:18

Eine neue Partei muss Jugend sein, nicht als Anhaengsel andocken. Alle erfolgreichen Parteien quer ueber das Spektrum - und gerade deren Enden, ob Nazis oder Bolschewisten - waren originaer jung. Alle alten Parteien, ebenfalls ueber das gesamte Spektrum, sind in ihren Jugendorganisationen blutleer, weil spezifische jugendliche Charakteristika nicht genuinen Kern ausmachen.
 
Die AfD ist eine junge Partei, die habituell alt ist. Schon in der Gruendung indiziert ("Professorendatei"), aber auch in der Weiterentwicklung aus Gruenden, die nicht bei ihnen oder in einer natuerlichen Entwicklung von jung zu alt liegen.
 
Demographie ist dabei das eine, der junge Pool ist zu klein. Auf diesen kleinen Pool wirken dann die generellen Regressionen dieser zerfallenden Gesellschaft, spezifisch politische wie der in allen Akten der sedierenden Hand Merkels. Bildungsmaessige - fuehe Linksausrichtung, die im selben Kontext stehende Verriegelung hoeher Bildung und freier entwicklungsfaehiger Wissenschaft. Dasselbe fuer Wirtschaft, hier speziell Gruendungen. Apolitisierungen durch Brot und Spiele. Alle menschlichen Spielwiesen sind kontaminiert. Der totalitaere Querschnitt macht es.
Quintessenz: Jugend muss aus ihrem aktuellen maximal aktivistischen Zustand heraus und eigene Organisationsformen aufbauen. Die mag eine Partei sein (wird anders, denke ich persoenlich), aber von Beginn und Substanz her Ihre.

Christa

14. August 2026 12:33

Dem Autoren dieses Textes kann ich nur zustimmen. Die Gründe, die zur Auflösung der Jugendorganisation geführt haben, sind mehr als hinterfragbar. Hier wird nun eine Ideenwerkstatt vernichtet. 
Ich lese gerade das Buch "Fangschuss" von Kurt Hätttasch, das im Juli erschienen ist. Dort beschreibt er, das nicht nur er Opfer des Mythos der sogenannten Sächsischen Separatisten ist, sondern diese angeblich ein Grund mit dafür gewesen wären, die Junge Alternative aufzulösen. Eine Welt voller Lügen. 

Le Chasseur

14. August 2026 12:47

@Maiordomus
"Wenn ich denke, dass mich noch 1970 eine schwangere Studentin in Zürich am Betreten eines Vorlesungssaals behindert hat (...) Dabei war ich versucht, die Frau niederzustrecken"
Das wird ja immer toller.

Le Chasseur

14. August 2026 13:14

Ulrich Siegmund - der gefährlichste Mann Deutschlands
Vielleicht bringt er's ja noch bis zum gefährlichsten Mann Europas.
 

Martha

14. August 2026 13:27

Dem Artikel kann man voll zustimmen. Leider ist die neue Parteijugend in ganzen Landstrichen völlig unsichtbar. In meiner Region gibt es in 5 umliegenden Kreisverbänden keinerlei Aktivitäten der Parteijugend. In meiner Stadt (Großstadt) kenne ich nicht einen einzigen davon. Das war vor Jahren noch anders. Die AfD hat hier einen Fehler gemacht, der die Jugendarbeit weitgehend erstickt hat. Es paßt zu den Fehlern der Vernachlässigung der Medien, der Kultur und des Vorfelds. Von jenen ganz abgesehen, die die AfD teilweise kritisch betrachten, aber als Verbündete wertvoll wären.

Freier

14. August 2026 13:54

Vielen Dank für die Hintergründe.Für mich hat es damals nach enormem Energieverlust ausgesehen, und ich denke das spürt man auch weiterhin. Gerade nach dem Aufwallen bei der Europa-Wahl fand ich das sehr schade.Vielleicht war das auch das eigentliche Ziel, ob von Wohlmeinenden oder vom Feind fabriziert.

Maiordomus

14. August 2026 14:03

@Le Chasseur. Danke, es musste aber heissen: "gehindert". Die Vorlesung konnte tatsächlich nicht stattfinden, fand jedoch dann in einem anderen Hause, dem entsprechenden Fachseminar statt. Sowieso beachten Sie bitte den Rest des Satzes mit Erinnerung an eine Niederlage gegen ein (weibliches) Gepänlein im Kindergarten. 

Maiordomus

14. August 2026 14:23

PS. Zum Inhalt der Jugendarbeit habe ich mich nicht geäussert. Nahm als Jugendlicher an Jugendparlamenten und dergleichen nie teil, weil mich ab 20 als mündig betrachtete und die sog. erwachsenen Politiker oft als unfähig einschätzte. Der Anspruch einer Jugendgruppe unweit den Ansprüchen der Linken war klar, "erwachsene Politik" zu betreiben einschliesslich Theoriearbeit, die in der damaligen Zeit in Deutschland und in der Schweiz bei bürgerlichen Politikern unterentwickelt war, und ein intelligenter junger Mann kann auch schon mit 18 Jahren in Erfahrung bringen, dass das, was in den Medien oder Nachrichten steht, nun mal oft nicht stimmt, wirklich tendenziös. Umgekehrt, warum soll ein 16Jähriger nicht einem hochqualifizierten Kenner der Politik oder eines bestimmten Landes nicht schreiben, um es besser gewusst zu bekommen? Mit Erfolg! Auch genügte es 1962 zum Beispiel "Die Jungen Herren der Alten Erde" von J.S. Schlamm zu lesen oder von demselben "Die Grenzen des Wunders", um zum Beispiel auf Kennedy nicht reinzufallen oder ein zwar einseitiges, aber informatives Bild der Bundesrepublik zu erhalten, sicher profilierter als bei damaligen Durchschnittspolitikern. Von solchen kann man auch heute objektiv nichts lernen. Ehrlich gesagt war aber das Bild der DDR zu negativ, wenn man nur von Springer u.  Co.  ausging. Hans Habe überschätzte ich leider ebenfalls.              

Monika

14. August 2026 14:58

Ich hatte den Beitrag im freilich Magazin gelesen. "DIe Sackgasse der Generation Deutschland" , mit der traurigen Feststellung, wonach die Jugend keine eigene Identität ausgebildet habe. Ich frage: "Woher soll eine eigene (politische) Identität unserer Jugend überhaupt kommen? 2 Beispiele: a) die 14jährige Enkelin einer Bekannten kommt traurig aus der Schule ( nach Geschichtsunterricht) und sagt: "Ich schäme mich, Deutsche zu sein." B) Familie, reist nach Polen in Urlaub ( Vater ist poln. Herkunft). Tochter, 12 fragt: "Warum hängen in Polen überall poln. Flaggen und in Deutschland keine deutschen ? " Die Neue Generation Deutschland wird ihre Identität in der "Bastardmoderne"( Karon) suchen, finden und ausbilden müssen. Als zukünftige Minderheit. Jeder fünfte junge Deutsche will sein Land verlassen. Ob diese Jugend noch zusätzlich von einer Partei gegängelt wird, ist m.E. eher von geringer Bedeutung. Wo ist denn die Identität der Alten geblieben? Wenn die AfD die wiederfindet, kann sie der Jugend was erzählen.

Majestyk

14. August 2026 16:34

@ Dietrichs Bern:"Ich bin grundsätzlich gegen Jugendorganisationen von Parteien, sie bringen letztlich den Berufsfunktionär hervor, der dieses Land in den Abgrund reißt."
Sehe ich genauso. Irgendwer schrieb hier mal vor ein paar Monaten, vom Kreißsaal über den Hörsaal in den Plenarsaal. Diesbezüglich unterscheidet sich die AfD aber jetzt schon nicht mehr von den Altparteien. Politische Jugendorganisationen gehen mir komplett gegen den Strich und Fahnenaufmärsche sind eine Peinlichkeit. Ich bin übrigens genauso dagegen, daß parteinahe Stiftungen vom Steuerzahler subventioniert werden. Ginge es nach mir, gäbe es nicht einmal Wahlkampfkostenerstattung. Weiß eh nicht warum vor Wahlen die Straßen tapeziert werden müssen. Wage zu bezweifeln, daß dies signifikante Stimmerfolge bringt. Kritik ist aber unerwünscht, da kann man genauso gut in die Wüste rufen und aufs Echo warten. Frage mich nur immer, wie sich was ändern soll, wenn alles gleich bleiben muß.

Majestyk

14. August 2026 16:44

@ Dietrichs Bern:
"und den Eindruck vermitteln, das sich hinter guten Worten und Absichtserklärungen eben doch Schwefelgeruch verbirgt"
Es gibt auch so etwas wie sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Ist der Ruf erst ruiniert, radikalisiert es sich völlig ungeniert.

Dietrichs Bern

14. August 2026 19:29

@Majestyk: Ich unterschreibe alles was Sie sagen. Ich verspreche mir auch nichts von Menschen, die möglichst früh Politik als Lebensinhalt begreifen und teile auch die Einschätzungen zur Ausschüttung von Steuermitteln an diverse Untergliederungen. Was die Radikalisierung angeht, würde ich auch gerne noch mal darauf hinweisen, das die AFD - trotz aller Freude um "rechte Übernahmen" im Moment aus Ärger über das restliche Angebot  gute Umfragewerte hat und nicht, weil man sich einer bestimmten Ästhetik bedient.

Maiordomus

14. August 2026 19:50

Politische Erziehung, auch wenn junge Leute diesbezüglich nicht erzogen werden wollen: das Wichtigste, was ich als Bücherleser und Filmfreund, etwa "Wege zum Ruhm", auch schon Jünger-Leser und immerhin von Mohler wenigstens gehört, ohne ihm je voll zu vertrauen: die Einsicht, dass die westlichen Intellektuellen trotz oft vorhandener Intelligenz ein unintelligentes masochistisches antiwestlich selbstmörderisches Verhältnis zur Macht haben. Erfuhr ich von exlinken Juden wie Burnham und Schlamm, auch vom hier oft negativ apostrophierten Hayek, vom Franzosen Rougier, dem Ungarn Molnar, Kuehnelt-Leddihn und Leuten aus Umfeld des konservativen Widerstandes wie K.Th. v.  Guttenberg auch Alt-Habsburgern, die sich alle als "rechts" und "konservativ" verstanden, unter Frauen Ida Friederike Görres, zwar Schwester von Coudenhove -  Kalergi, dessen Europabild antikommunistisch war. Das Kennenlernen des Subsidiaritätsprinzip war der wichtigste Grundsatz, der mich in der Alltagspoltik davon abhielt, "links" zu denken. Statt Menschenrechte stand das klassische, non-egalitäre  Naturrecht im Vordergrund.

Maiordomus

14. August 2026 20:09

Betrifft noch die theologische Dimension der Politik, die meines Erachtens heute in SiN-Kreisen etwa noch bei @Sommerfeld wichtig geworden scheint. Sie schwingt auf jeden Fall immer mit. Um 1968 waren zum Beispiel Misstrauen und zumindest Vorbehalte gegen das 2. Vatikanische Konzil wichtig weil als potentielles Eingangstor für linkes Gedankengut verdächtigt. Desgleichen galt hingegen der Bischof Lefebvre als rechts, jedoch etwas sehr vichy-freundlich und französisch-reaktionär. Von Adenauer und dem älteren Guttenberg wurde bekannt, dass sie Kennedy und Kardinal Frings gegenüber misstrauisch blieben und vor allem den Katholizismus des US-Präsidenten nicht automatisch als Vertrauensbonus vermerkten.  Als beim Deutschland und Berlin-Besuch Kennedys bei Adenauer eine gewisse Zurückhaltung vermerkt wurde, sagte ihm einer seiner Berater: "Aber, Herr Bundeskanzler, Kennedy ist doch katholisch!" Antwort des Alten; "Der Frings ist ooch katholisch!" Jener Besuch und das Verhalten rund um den Mauerbau vor 65 Jahren signalisierten den Abstieg des 1. BRD-Kanzlers. 

Majestyk

14. August 2026 20:12

@ Maiordomus:
"um zum Beispiel auf Kennedy nicht reinzufallen"
Yep, Kennedy. Der Prototyp des politischen Blenders. Schon allein dieses Camelot Gequatsche. Vorbild für Figuren wie Clinton, Blair, Schröder. Angeblicher Held einer Krise, die man selber erzeugt hatte. Forcierte völlig unnötig das Wettrüsten, intensivierte die Interventionspolitik und betrieb ungeniert Nepotismus. Mal ganz abgesehen davon, daß JFK seine Hosen nicht anbehalten konnte. Auch so ein Moralist ohne jede persönliche Moral. Danke für den Lesetip, werde mal bei den antiquarischen Büchern nachschauen. 

dojon86

14. August 2026 20:17

@Monika Ihre Zukunftsprognose entspricht der meinen. Das von ihnen erwähnte Buch werde ich mir besorgen. @Majestyk @Dietrichs Bern Wenn eine Jugendorganisation grundsätzlich abzulehnen ist, warum nicht gleich auch jede Partei ?  Bloß, wer regiert dann ?

Majestyk

14. August 2026 20:34

@ Dietrichs Bern:
Ginge es nach mir, das aktive Wahlrecht bzw. die Volljährigkeit ging wieder auf 21 Jahre hoch, das passive Wahlrecht auf 27. Mindestens 5 Jahre sollte ein potenzieller Mandatsinhaber in der freien Wirtschaft gearbeitet haben. Beamten würde ich auch den Zugang zu den Parlamenten erschweren. Sowas wie die Polizeigewerkschaft gehört eh abgeschafft. Berufsbeamte brauchen keine Gewerkschaft. Wobei ich ja noch lieber das Berufsbeamtentum abschaffen würde. Im Gegenzug kann man darüber nachdenken, ob ein Heimbewohner, der seine Selbstständigkeit aufgibt wirklich noch wählen muß. 
Was die Umfragewerte betrifft, ich sehe es ähnlich. Vor allem ist die AfD ja im Osten stark, da kommen paternalistische Ideen gut an. Wie man den Spagat mit Marktliberalen im Westen bewältigen will, wird sich zeigen. Gesamtdeutsche Wahlen werden aber im Westen gewonnen, auch wenn man hier anders belehrt wird. Die weitgehende Übernahme der Ost-AfD durch die Neue Rechte ist aus deren Sicht eine Erfolgsgeschichte. Ob es auch eine Erfolgsgeschichte für Deutschland wird, zeigt sich erst dann, wenn die AfD die Wirtschaft drin oder sogar wieder zurückholen kann, ohne vom Remigrationsgedanken grundlegend abzuweichen. Jene Remigration kann aber nur gelingen, wenn man in Themen wie Robotik, Digitalisierung etc. voranschreitet. Man kann ein Pferd nicht in zwei Richtungen reiten.

RMH

14. August 2026 20:43

Als nicht Parteimitglied & auch nicht "Hangaround" bei irgendwelchen Parteizirkeln konnte ich mit dem Artikel herzlich wenig anfangen. Irgendwer oder irgendwas scheint zu kurz zukommen & wenn man aus meiner Sicht etwas "selbstlos" macht, braucht man nicht greinen, wenn andere abstauben oder nen job bekommen, denn wenn es wirklich selbstlos war, kann einem das egal sein. Aber vermutlich sollte die Veröffentlichung hier irgendwas anstoßen, was man als Außenstehender natürlich nicht nachvollziehen kann. Wie auch immer, ich bin bei den Beiträgen von @Dietrichs Bern & @Majestyk. Sehe keine Notwendigkeit für Parteijugenden. Meist tummelt sich da nur die Brut von Parteimitgliedern, damit die Pfründe & Beziehungen weitervererbt werden können. Wenn jemand in jungen Jahren parteipolitisch aktiv werden will, soll er doch mit 18 in "seine" Partei eintreten. Im Übrigen erwarte ich mir von einer "alternativen Partei", dass sie stets offen für Quereinsteiger auf allen Ebenen ist & gerade auf kommunaler Ebene auch so etwas wie offene Listen macht, also auch Nichtparteimitglieder kandidieren lässt. Aktuell erscheint mir das, was ich von der örtlichen AfD bei mir in der Gegend mitbekomme, ein ziemlicher closed shop zu sein, mit starken "Familienverbänden" (was zu den bekannten Problemen führen kann).

der michel

14. August 2026 21:05

noch nirgends "an der macht" - aber schon eifrig dabei, ihre "jugendorganisation"
zu erden, wofür die "etablierten parteien" jahre, jahrzehnte gebraucht haben.
gratuliere, afd.
ob das  je eine "alternative" (!) für deutschland gibt?

Dietrichs Bern

14. August 2026 21:30

@Maiordomus. Danke, für die kenntnisreiche Darlegung. Ich bin auf Mohler erst hier gestoßen und kann ihm soweit zustimmen, dass der Liberalismus sich nicht aus eigenen Wurzeln speisen kann. Ich habe auch einige alte Diskussionen mit ihm auf YT verfolgt und bin auch eher vorsichtig in seiner Wertung. Umgekehrt finde ich das die wirtschaftliche Expertise, wie sie aus dem Libertarismus a la Hayek spricht, eben nur dort zufinden ist und die kritische Haltung, was einen ausufernden Staatsglauben angeht. Mir scheint ganz rechts und ganz links wünschen sich das technikfreie Langhaus in Altgermanischem Moor zurück, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Das ist für mich keine Zukunftsperspektive.

Le Chasseur

14. August 2026 22:14

@dojon86
Nehmen wir nur mal die Trampolinspringerin, die einige Zeit als deutsche Außenministerin dilettieren durfte. Wenn Sie aus einer Fußgängerzone wahllos jemanden herausgreifen würden, hätten Sie gute Chancen, dass der- oder diejenige den Job besser machen würde als das grüne Hohlmantelgeschoss.

Majestyk

14. August 2026 22:32

@ dojon86:
"Wenn eine Jugendorganisation grundsätzlich abzulehnen ist, warum nicht gleich auch jede Partei ?"
Welchen Sinn hat selbige denn, außer Politikfunktionäre heranzuzüchten? Wieso kann die Jugend nicht einfach in die Partei eintreten?
"Bloß, wer regiert dann ?"
Auf kommunaler Ebene braucht es im Prinzip keine Partei, außer Filz wüßte ich nicht, was die beitragen. Von mir aus kann morgen die KI übernehmen. Vermutlich ist die rationaler und unbestechlicher als Politiker. Schlechter geht kaum.
Im Prinzip kann man sowas wie einen Bund Deutscher Länder betreiben mit Bundesversammlung aus Gesandten der Kommunen und vielleicht Vertreter der Berufsstände. An die Spitze wählt man sich einen Kaiser oder was auch immer. 
Man darf mich Unke nennen, das Modell Demokratie wie wir es kennengelernt haben, wird in Zeiten von Palantir und Co. eh aussterben. Spielt keine Rolle wie ich das finde. Wettbewerbsfähig sind Demokratien nicht mehr und sie sind kaum vor inneren Feinden zu verteidigen. Soll etwa die Regierungsverantwortung zukünftig zwischen AfD und Kartell hin und her switchen? Wird man kaum vom Fleck kommen. Wenn nächstes Mal in den USA wieder Demokraten übernehmen, werden diese alles rückgängig machen, was Trump gemacht hat. Wie will man so eine Nation verwalten, angesichts globalen Herausforderungen? Wir erleben in vielfacher Hinsicht einen Zeitenwandel.
 

Dietrichs Bern

14. August 2026 22:36

@dojon86:Also etwas komplexer darf es doch sein, wobei man durchaus nachdenken sollte, welchen Einfluss Parteien haben sollten. Das ein Berufsfunktionär, der im Prinzip seit frühester Jugend nie etwas anderes gewesen ist, für niemanden außer sich selbst eintritt, sollte aber klar nachvollziehbar sein.

Dietrichs Bern

14. August 2026 22:48

@Majestyk: Ja, wobei eine AfD als sozusagen Ost-CSU wäre ja zumindest schon einmal ein Anfang. Und entweder sie machen was draus, was die Leute auch im Westen überzeugt, oder sie liefern Fahnenumzüge und sonst nichts. Ich glaube aber zunächst an eine Allparteienregierung, die dann die CDU zerlegt. Das könnte interessant werden.

das kapital

15. August 2026 04:04

@dojon86 "Bloß wer regiert dann?" Dieselben wie immer? Mossad CIA NATO Gladio tiefer Staat Jeffrey Epstein Robert und Ghislaine Maxwell JWC Blackrock Larry Fink Nuland Selensky WEF Bilderberg Trilaterale Kommission Soros Bill Gates Anthony Fauci Pfizer von der Leyen und ihre willigen Helfer der Macht. Parteien sind Opium für das Volk. Die Basis wird verraten und verkauft. Egal ob mit oder ohne Parteibuch. Die Blauen können da in gewissem Maße gegensteuern. Aber auch sie gelangen an die engen Grenzen, die ihnen Akteure jenseits des hiesigen Systems setzen. Weil die hiesigen Parteien ihre Macht nicht vom Volk ableiten, das aber behaupten. Du kannst dich für Klingbeil Bas und Esken in den Straßenwahlkampf begeben, wie immer Du willst. Es nützt Dir nichts, deinem Land nicht und deinem Volk auch nicht. Weil die Leute die Basis vergessen, sobald sie in den Parlamenten sitzen. Ich hatte da vor Jahren und Jahrzehnten mal Innenschau. Ein junger Kandidat hatte es in den Landtag geschafft und später auch in den Bundestag. Kam dann auch in das Nachwuchsförderprogramm einer Partei. Nach einem Treffen der Kreisvorstände erklärte er dann intern und überrascht: "Das Erste, was man mir beigebracht hat, ist die Dankbarkeit zu verlernen." Sprich: orientiere dich nach oben und vergiss die Basis, die für Dich Plakate hängt. So geht Aufstieg auch bei Friedrich Merz. Verspreche alles und halte nichts davon ein.

Maiordomus

15. August 2026 06:04

@Mayestik/Dietrich Bern. Um es klar zu machen. Was in den letzten Jahren auch mit Berufung auf Hayek vielfach als "Neoliberalismus" verkauft wurde, war zumindest nicht die Mittelstandsideologie Röpkes und ganz sicher auch nicht der Geist des wichtigsten Buches von Hayek, "Der Weg zur Knechtschaft". Und was die beiden Bücher von Schlamm betrifft, gewaltige Bestseller, "Die Grenzen des Wunders", ist allein schon der Titel genial, weil die Sache mit dem Wirtschaftswunder 2 Seiten hatte, siehe den Kritiker Böll. Aber "Die Jungen Herren der Alten Erde" war, nebst einem vielleicht sogar pathologisch weltuntergangssüchtigen Antikommunismus, dennoch eine völlig richtige Abrechnung mit dem Kult der Jugend und des Kicks, ebenfalls einer falschen Intellektualität der "Eierköpfe", später rechnete Schlamm noch mit der Pornowelle ab, freilich zum Teil mit den falschen Opfern und Autoren, weil Mary McCarty oder gar Ingmar Bergman nicht das Problem war, dessen bedenkenswert pessimistischer Film "Das Schweigen" nur ein Vorwand, pornografischen Film-Müll nun mal durchgehen zu lassen, auch Oswalt Kolle wurde zu negativ gesehen. Aber die Richtung der Zivilisationskritik der Dekadenz stimmte im Prinzip. Siehe auch der damalige Beginn des Kultes der Abtreibung.  

Maiordomus

15. August 2026 06:39

Noch was: Ich glaube nicht, dass man in Schnellroda "regieren" lernen kann und auch nicht, dass ein Herr Siegmund hier Nachhilfe lernen kann. Nur sollte man Literatur und Philosophie tatsächlich nicht unterschätzen,  zumal dann, wenn sich angesichts des Niedergangs von Hochschulen Nischen ergeben.  

RMH

15. August 2026 10:18

Ich sehe Parteien vom Grundsatz betrachtet nicht so negativ wie andere. Sie sind auch Ausdruck des menschlichen Grundbedürfnisses, Netzwerke, Beziehungen & Organisationsformen über eine Familie, einen Clan hinaus zu bilden & damit zweckmäßig für einen demokr. Aufbau eines Landes, wenn es mal größer als kleine Stammesgrenzen wird. & gerade den deutschen wird ja ein gewisser Drang zum Verein (& Parteien sind eben politischen Vereine) nachgesagt. Durch Parteien wissen die Wähler, die wiederum keine kollketive sind, sondern Individuen, wer in etwa für was steht. Wie bei allen gesellschaftlichen, ursprünglich gar nicht mal so verkehrten Ideen & Institutionen, gibt es eben auch bei Parteien klare Dekadenz- & Abweichungserscheinungen. Daher ist ja auch der Wettbewerb unter Parteien, die Möglichkeit, dass sich neue bilden können, eminent wichtig. & hier sind wir dann schon mitten drin um großen Bereich Altparteien versus Neugründungen, von denen sich bislang, nach den Grünen in den 80ern & den Linken als Erbe der DDR, nur die AfD ernsthaft etablieren konnte. BSW hatte gute Chancen, verblüht aber gerade & "Die Basis" bekam nie eine echte Chance, trotz einer durchaus vorhandenen metapolitischen Wirkung.

dojon86

15. August 2026 10:25

@Majestyk In der Kommunalpolitik könnte die KI übernehmen ? Ich hoffe das war nur so dahin gesagt. Die KI beherrscht der, der sie programmiert. Und das besonders Gefährliche an der Sache ist, diese Person kann völlig anonym bleiben.

dojon86

15. August 2026 10:33

@Dietrichs Bern In einer Gesellschaft der Radikalindividualisten in der alle Bindungen zerstört sind, steht nicht nur der Berufsfunktionär sondern jeder nur für sich und seine Interessen. Das einzige mögliche Korrektiv dagegen wäre erstens mehr direkte Demokratie nach Schweizer Muster, zweitens das direkte Mandat, das die Grünen in ihrer Frühzeit, wo sie sehr wenig mit der heutigen Partei gemein hatten, predigten. Direktes Mandat hieße die Möglichkeit der Abberufung eines Abgeordneten in der Legislaturperiode, wenn sein Abstimmungsverhalten nicht seinen Versprechungen entspricht. Natürlich mit einer finanziellen Absicherung für den Abgeordneten weil man dessen Recht auf eine stabile Lebensplanung auch berücksichtigen sollte, will man nicht nur die letzten Versager in der Politik haben.

Dieter Rose

15. August 2026 11:15

@Monika
Bei zwei Themen kann ich mitreden:
1 wie eine best ausgebildete Historikern durch das Nur-Angebot von Zeitverträgen aus dem Land vertrieben wurde - zu "jeder 5. will auswandern"
2 Wie es sich für eine Mutter (i.e. meine Frau) anfühlt und beschäftigt, wenn ihr die eigene Mutter nach der Geburt entzogen wird - zu z. B. "Leihmutterschaft"

das kapital

15. August 2026 11:58

@ Maiordomus Regieren ist eine gute Voraussetzung, um Regieren zu lernen. In Sachsen-Anhalt wird eine Mannschaft das Regieren lernen, die bundesweit regieren kann und sollte. Ich freu mich drauf. Wenn die dem Selbstbedienungs-laden der Anderen ein Ende bereiten, gleich doppelt. Schnellroda gibt allen das Rüstzeug für gutes Regieren. Und das Rüstzeug, um Mehrheiten für gutes Regieren zu organisieren. Beziehungsmanagement Vorauswahl aber eben auch rechtzeitige Erkenntnis, was falsch und schädlich ist und nicht funktioniert. /// Wir alle haben kein zweites Leben in Reserve. Sachsen-Anhalt ist eine außergewöhn-liche Chance für langfristigen Erfolg. Das ist zu einem erheblichen Teil  in Schnellroda vorgedacht worden. Deshalb auch steht Schnellroda auch so unter Druck von den Etablierten. Weil es für Vernetzung sorgt und eine wertvolle Denkfabrik ist, die alle die nicht ausgrenzt, die anderswo ausgegrenzt werden, und dennoch die Mitte wirkungsvoll einbezieht. 690 Millionen für die Parteistiftungen der verkorkst Regierenden. Dennoch 42 Prozent in Sachsen-Anhalt. Auf Bundesebene gibt es ja schon einen internen AK, der sich über gutes Personal Gedanken macht. Wenn ich mir was wünschen dürfte: Dr. Maaßen als Innenminister, Manuel Ostermann als Staatssekretär, Corinna Westermann als Finanzstaatssekretärin, Anthony Lee für die Landwirtschaft. Egal in welcher Partei,s o entsteht Qualität.

Carsten Lucke

15. August 2026 12:00

@ Maiordomus
Nachhilfe "lernt" man nicht; wennschon, dann bekommt man sie. - Daß man Ihnen das sagen muß ... !
Herr Siegmund braucht sie nicht, er macht alles richtig. Ein Naturtalent, ein Phänomen, ein grandioser "Kerl" ! Der beste Wahlkämpfer, den Deutschland seit langer Zeit hatte.
Ich bete nie - doch für ihn mach' ich 'ne Ausnahme : Für Gesundheit, Unversehrtheit und weiter anschwellende Kraft ohne Hybris - erstmal bis zum 6. September !
 

heinrichbrueck

15. August 2026 13:07

"technikfreie Langhaus in Altgermanischem Moor" - was soll das bedeuten? Natur statt Technik, Gemeinschaft statt moderner Institutionen, vorindustrielle Lebensweise statt Fortschritt? 
Das germanische Langhaus ist leider ein schiefes Bild. Das Langhaus war eine Überlebensstrategie – im Gegensatz zur römischen Villa bei -20 Grad (Hypokaustum und Abholzung ganzer Wälder) – sowie eine Meisterleistung der Baukunst. Solche Gebäude waren das Ergebnis erheblicher technischer, handwerklicher und organisatorischer Fähigkeiten. Man mußte Holz auswählen und bearbeiten, tragende Konstruktionen planen, Dächer konstruieren, Lasten ableiten, Feuerstellen integrieren, mit Feuchtigkeit umgehen und ein Gebäude errichten, das unter den jeweiligen klimatischen Bedingungen funktionierte. 
Man kann eine vergangene Lebensweise würdigen, ohne sie als Zukunftsmodell zu verklären. Die Naturgesetze sind dieselben geblieben, wenn auch die Möglichkeiten, mit ihnen umzugehen, mehr Spielraum bekommen haben. Ohne Erfahrungswissen keine Moderne. 

Kurativ

15. August 2026 17:37

Es gibt in den höheren Registern immer noch Tendenzen zum Alt-CDUler-tum. Das sind Menschen welche die Zeiten von Helmut Kohl zurückwollen. Wir haben aber 2026 und leben in einer völlig anderen Welt. Stichwörter dazu lauten: Ceuta, Ukraine, EU, Klima, China, Bildung, Medien, usw.
Die Zeiten lassen sich nicht zurückdrehen. Die Umstände sind einfach völlig andere. Diese Leute gehen mit maximalen Vernichtungswillen z.B. gegen Vertreter und Interessenten der Neuen Rechten los. Dabei sind die inhaltlichen Unterschiede gar nicht so groß.
Es ist zum einen hauptsächlich ein ästhetisches Problem, wie man bei der Diskussion nach dem Vortrag von Benedikt Kaiser auf der letzten FBi Akademie sehen konnte.
Zum anderen ist es ein Problem der Unwissenheit, wie sich bei der Moderation im nius-Kanal zur Causa Martenstein/Alexander/Raspail zeigte. Schnellroda und die neue Rechte wurde dort mit Springerstiefeln und Alt-Nazis in Verbindung gebracht. Völlig absurd wenn man die Videos und die Bücher liest. Der nius-Artikel war dann einigermaßen korrekt recherchiert.  
Mein Vorschlag: Diese Alt-CDUler sollten in Merkels CDU kämpfen und die AfD mit ihren nostalgischen Tendenzen in Ruhe lassen. Aber das scheint denen zu anstrengend. Die AfD sollte sich nicht zu einer leichten Beute für Alt-CDUler machen lassen.

Kurativ

15. August 2026 17:49

Hirachien und Gehorsam sind schmerzhaft und erzeugen Verluste. Auf der anderen Seite sorgen sie für Ordnung und Übersicht.
Flache Strukturen oder Einzelleistungen sind effektiver und wirkungsvoller, neigen aber zur unkoordinierten Vorgehensweise.

Majestyk

15. August 2026 18:35

@ dojon86:
"In der Kommunalpolitik könnte die KI übernehmen?"
Habe ich nicht geschrieben. Das sind zwei Sätze. Der Satz mit der KI mag flapsig sein, in der Realität werden Algorithmen unser Leben immer mehr bestimmen und niemand wird sich den Datenkraken entziehen können, es sei denn er zieht tief in den Regenwald. Ich werde irgendwann auch nicht mehr alles bar zahlen können, ob ich will oder nicht. Irgendwann werde ich sogar meine Verweigerungshaltung gegenüber Smartphones aufgeben müssen. Geht nicht darum, ob ich das gut finde, ich bin aber Realist.
In der Kommunalpolitik braucht man definitiv nicht unbedingt Parteien. Man kennt sich doch. Wenn ich sehe, daß in meiner Heimatstadt nun nach 55 Jahren SPD Herrschaft mal die CDU regiert, sich aber rein gar nichts ändert, betrachte ich Parteistrukturen als schädlich. Es wäre besser, so mancher Individualist und Einzelkämpfer bekäme mal eine Chance oder Bürgergruppen, die sich in ihrer Gemeinde verortet sehen. Selbst wenn doch mal einer von der CDU oder SPD ausscheren will, am Ende siegt die Parteidisziplin. Mein Bundesland wurde im Prinzip durch Parteifilz ruiniert.

Majestyk

15. August 2026 18:50

@ RMH:
"Ich sehe Parteien vom Grundsatz betrachtet nicht so negativ wie andere."
Sie hatten recht zu Zeiten als Partein noch nicht zu reinen Versorgungsanstalten mutiert waren. Ein Schmidt oder Strauß wären auch ohne Parteibuch etwas geworden, bei vielen modernen Politikkapsern ist das Parteibuch die Existenzgrundlage. Und geht es im Parlament nicht weiter, landet man bei einer NGO oder sonstwo als Funktionär, notfalls beim DFB. Damit schwindet nicht nur die Qualität, sondern auch die Souveränität der einzelnen Mandatsinhabers. 

Maiordomus

15. August 2026 19:37

@Lucke. "Nachhilfe" lernt man insofern, als sie einem im Sinne der berüchtigten Konsens-Objektivität beigebracht wird.  Dramatisch ging es da zu mit der Zahl  zum Beispiel der sowjetischen Kriegsopfer, die zwische 8 und 10 Millionen betragen haben können, wohl eher weniger, während sie permanent, zuletzt noch von Gorbatschow heraufgerechnet wurden und mit grösster Wahrscheinlichkeit  schon länger mit den Gulag-Opfer zusammengerechnet wurden. Relativ zuverlässig scheint Zahl der Opfer der Belagerung von Leningrad, die mindestens eine halbe Million, realistisch um 630 000 umfasste. Sämtliche Zahlenangaben gelten als politisch tendenziös, mit einiger Sicherheit bleibt zu sagen,  dass die deutschen MainstreamHistoriker zu den weltweit fast einzigen der neueren Epochen gehören, welche die eigenen Opfer herunterrechnen. Dies war in Sachen Dresden regelmässig der Fall. Von Auschwitz und bei Auschwitz sollte man konsequent dabei bleiben, dass kein realer Totesfall, meist Mord,  geleugnet werden sollte. Über alles andere muss man die gesetzliche Freigabe der Ergebnisoffenheit abwarten, gewiss waren es zu viele! Im Mittelalter, bei den Schweizern, pflegte man die Zahl der Feindopfer regelmässig zu verhundertfachen, die eigenen aber kleinzuschreiben, was übrigens Stalin anfänglich mit den Sowjet-Opfern praktizierte.    

das kapital

15. August 2026 20:23

@ Kurativ "Die AfD sollte sich nicht zur leichten Beute für Alt-CDU ler machen lassen." War Lucke nicht CDU? Ist nicht der Alt-CDUler Alexander Gauland Ehrenvorsitzender in Brandenburg und im Bund. Nach 50 Jahren CDU. Nach CDU Staatssekretär in Hessen. Die trüben Tassen, die Merkel gefolgt sind und Merz und Söder und anderen weiterhin folgen, braucht hier keiner. Aber so eine Vorsitzende der JU Brandenburg, die gerade rausgegangen ist, wäre für die Generation D eine Zier, falls sie sich traut. /// Ach ja, für Rheinland Pfalz fällt mir auch noch jemand ein, der Gestaltungskraft hat. Michael Büge, der in Berlin Staatssekretär war, bis öffentlich rumdiskutiert wurde, dass er ja in der "bösen" Burschenschaft Gothia war und ist. Dann musste er gehen. Aber Regierungserfahrung hat auch er (als CDUler!) gesammelt. Und in Berlin Spandau war Andreas Otti Beigeordneter für die AfD. Nett und umgänglich. Der kam von der CSU. Es gibt Leute aus der Unionsrichtung, die einer AfD und einer AfD Regierung gut zu Gesicht stehen. Selbst wenn sie nicht Männer der ersten Stunde sind. Die Ansage von Ulli Siegmund war ja, dass bis zu 150 Führungskräfte in der Landesverwaltung ausgetauscht werden müssen. Soviele geeignete Leute kann die AfD dort nicht vorrätig haben. Da müssen welche von außerhalb mit ran. Räumlich wie parteilich.

Dietrichs Bern

15. August 2026 20:36

@dojon86 Grundsätzlich eigentlich kein Dissens, ich bewerte nur den Berufsfunktionär besonders kritisch, weil die Technik seines Aufstiegs nur über soziopathische Verhaltensweisen möglich ist. Und er erfüllt keinen Zweck für den Wähler.

Dietrichs Bern

15. August 2026 21:02

@heinrichbrueck: Es ging mir keineswegs um die Herabsetzung der Überlebenstechnik Langhaus, oder ungehemmter Naturzerstörung das Wort zu reden. Mir erscheint aber eine gewisse Zivilisationsmüdigkeit, links wie rechts um sich zu greifen, die in letzter Konsequenz Hungersnot und Überlebenskampf als Folge hätte. 

dojon86

15. August 2026 21:06

@RMH Parteien sind notwendig. Keine Frage. Die Betonung liegt auf der Mehrzahl.

Der mit dem Wolf tanzt

15. August 2026 21:10

@Majestyk:
Ihre Gedanken zum Parteien-Staat sind wegweisend. Sie gehören in den Fokus jener  Kreise getragen, die begriffen haben, daß unser eigentliches Problem nicht ökonomischer, sondern struktureller, kultureller Natur ist!
Das Grund-Übel ist der Parteien-Staat als solcher, weil er fremde Einflußnahme erst möglich macht, Parteien erodieren lässt.
Eine zeitgemäße Alternative zu unserer Demokratie-Simulation wäre ein System in dem alle politische Gewalt vom Volk direkt, über Volksentscheide einerseits, durch direkt gewählte Volksvertreter andererseits ausgeht!
Ein weiteres, wesentliches Element wäre die Einfühlung der vollen rechtlichen Haftung für Mandatsträger mit deren Privatvermögen.   Ich bin mir ziemlich sicher, daß wir mit dieser radikalen, neuen Form von Politik, die meisten aller systemisch-bedingten Probleme lösen könnten.
Wenn wir doch wenigstens den Mut hätten, diese Gedanken ernsthaft zu prüfen, um in die Selbstermächtigung zu gehen!
 

Dietrichs Bern

15. August 2026 21:13

@RMH: Sie bewerten Parteien eben aus Sicht der Alten, die noch Strauß,Wehner, Schmidt, ja sogar Westerwelle kennen. Keine Heiligen, aber Klüssendorf, Türmer, Voigt, Baerbock, Pantisano usw.? Zitat aus Conair: "Eine Mischung aus Kakerlake und dem weißen Zeug, das sich im Mundwinkel sammelt, wenn man richtig Durst hat." Punkt.

Maiordomus

16. August 2026 05:00

@Kurativ. Natürlich hat man es im Zusammenhang mit  Sprüchen betr. Springerstiefeln und dergleichen mit auch politischen und geistigen Analphabeten zu tun. Müssen Sie mir nicht erklären, der schon Criticion gelesen hat und sich jeweils am gedruckten Heft erfreut und überhaupt an der Arbeit des Verlages. Natürlich sah ich aber Herrn Kubitschek nicht als Redner bei Pegida-Veranstaltungen. Und auch ein Herr Kickl ist nun mal ein anderer Typus als Herr Sellner und es gilt Überlegungen zu machen, warum der eine vom andern nur bedingt findet, von ihm lernen zu können. Es gab übrigens einen Schweizer Schriftsteller und Philosophen, den ich biografierte, der ein Buch über Reden und Schweigen im Parlament schrieb. Derzeit ist das, was  im Berliner Bundestag passiert, über weite Strecken gewiss vor allem "a vaste of time and monney".  Ernst Jünger lehnte es immer ab, ein Parlamentsmandat anzunehmen, weigerte sich sogar, im Rundfunk zu lesen trotz Angebot.  

Maiordomus

16. August 2026 05:35

@das kapital. Regieren ja, nur aufpassen vor einer neuen Arroganz der Macht, etwa nunmehr statt die NGOs abstellen eine umgekehrte, sozusagen deutschlandfreundliche Kultursubventionenpolitik zu machen. Diejenigen, die ihr Potential bisher gerade aus der Opposition geschöpft haben, sollen hoffentlich nicht im Stil der Bisherigen die hohle Hand machen nach dem Motto: "Jetzt sind wir dran." Eher sollte eine Entstaatlichung der Kultur das Programm sein. Zusätzlich war ich erschrocken, als ich mal ein im Netz gefilmtes Pro-afd-Plakat an einer Kirchenmauer sah, worüber sich Herr Siegmund freute, aus dem Augenblick wohl erklärbar. Es braucht aber auf keinen Fall solche Plakate., Würde mir vom in diesem Fall brauchbaren antifrommen @Laurenz wünschen, dass er sie abreisst. Oder doch nicht? Eher würde, wenn schon, für Rechtsfromme eine alte konservative Losung gelten: "Getrennt beten. Vereint schlagen!" 

Kositza: Sie haben apropos Kirchenmauer/Plakat leider die Ironie übersehen. Auf dem Plakat stand das übliche "Gegen Haß & Hetze", und Siegmund eignete sich lustig den Spruch an.

NC472

16. August 2026 11:36

@Der mit dem Wolf tanzt
"Ein weiteres, wesentliches Element wäre die Einfühlung der vollen rechtlichen Haftung für Mandatsträger"
Hier kann man auf Singapur verweisen. Das Vermögen angehender Mandatsträger wird dort bis zum Ausscheiden eingefroren. Sollte der Mandatsträger sich im Amt etwas zu Schulden kommen lassen, ist es das Vermögen weg bishin zur Todesstrafe. Außerdem besteht ein 5 jähriges allgemeines Verbot nach dem Auscheiden bei einer Organisation unterzukommen die öffentliche Finanzierung erhält.
Das wäre ein gutes Beispiel für die Zukunft und könnte auf den gesamten Staats Apparat ausgeweitet werden. Es löst aber nicht das Problem mit den derzeitigen Klubs und Individuen aus Neu-Versaille und ihren legislativ abgesicherten Ansprüchen. Hier stellt sich die Frage, wenn man optimistisch ist und an ein unblutiges Ende des dritten gescheiterten Deutschen Sozialistischen Parteienstaat in weniger als 100 Jahren glaubt, was macht man mit den verantwortlichen Klubs und Individuen? Folgt man einem Adenauer und Kohl und spricht wieder eine General Amnestie für die Kleinen, Mittleren und Großen wahren Gläubigen und Mitläufer aus, und gibt ihnen die Möglichkeit wieder doppelt zu profitieren, oder hat man aus den 80 Jahren Fehlern gelernt, dass falscher Pragmatismus und Gnade bei der Minderheit nicht angebracht ist.

anatol broder

16. August 2026 11:44

«zerschlagen wurde sie, weil sie eigenständig radikal war, weil sie eine bewegungsförmige, straßenpolitische, aktivistische signatur besaß (oder zumindest zu besitzen suchte), die der partei entglitt.»
die erklärung wirkt etwas hilflos.

Mitleser2

16. August 2026 12:18

Ein überlanger Artikel zu einem singulären Thema. Aber was möchte Herr Braga denn eigentlich sagen? Das mit der alt gewordenen Partei ist es wohl kaum. Geht es da nicht eher um eine verspätete Abrechnung? Irgendwie nicht zielführend. 

Majestyk

16. August 2026 12:46

@ Der mit dem Wolf tanzt:
"Ihre Gedanken zum Parteien-Staat sind wegweisend. Sie gehören in den Fokus jener Kreise getragen, die begriffen haben, daß unser eigentliches Problem nicht ökonomischer, sondern struktureller, kultureller Natur ist!"
Danke. Dazu fehlen mir die Mittel, ich bin ein zu kleines Licht. 
Ich habe mich seit jeher an Art. 21 (1) GG gestört: Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. Erstens sehe ich es andersherum, Parteien haben den Willen des Volkes/ Wählers umzusetzen, zweitens gehören Phrasen nicht in eine Verfassung. Je älter ich werde, desto mehr denke ich, die Väter des GG haben dem Volk überhaupt nicht getraut und eine Struktur geschaffen, die eben nicht dem Volk eine Stimme verleihen soll. Deswegen darf das Volk sich noch nicht einmal seinen Präsidenten wählen, angeblich als Lehre aus der Geschichte. Dabei wurde Hitler gar nicht ins Amt gewählt, sondern von Eliten an die Macht intrigiert. Auf mich persönlich wirkt unser System nach wie vor von Standesdenken geprägt. So kommt mir auch der Justizapparat vor. Es gibt zwar konkrete Verfahrensabläufe, ergo Rechtsstaatlichkeit, die Schaffung des Rechtsrahmens erfolgt aber nicht nach demokratischen Prinzipien. Warum nominieren Parteien wichtige Richterämter? Warum sitzen Parteimitglieder in Medienräten? Warum wurde das Volk bei wichtigen Entscheidungen nie befragt? Parteien, Juristen, Beamte, Lobbykreise haben viel zu viel Macht.

Ekstroem

16. August 2026 12:55

@dojon86 "warum nicht auch gleich jede Partei (ablehnen)? Bloß, wer regiert dann?" Gute und wichtige Frage, die einen weiten Horizont erschließen kann.

heinrichbrueck

16. August 2026 17:33

Text: Die AfD wollte nicht die politische Radikalität der Jugend beseitigen, sondern die Eigenständigkeit dieser Radikalität. Die AfD wollte die Kontrolle. 
Frage: Was geschieht mit kontrollierter Eigenständigkeit? 
Als Bismarck durch den Reichstag spazierte, hätten die meisten Politiker, die wir jetzt im Parlament der Glaskuppel sehen, den Reichstag nicht einmal putzen dürfen. Die Demokratie sieht nicht gut aus, und mit einem Langhaus verglichen wird der Überlebenskampf für über 90 Prozent unvorstellbar (wenn man es nett formulieren will). Den Krebspatienten läßt man sterben, vorsichtig gesagt, ohne Zeitinvestitionen in irgendwelche Therapien. Und fängt mit dem gesunden Willen neu an. 

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