Die GD sei einstweilen ein „Anhängsel“ der AfD und eine „schwächere Kopie“ der Jungen Alternative, die „weder weiß, was sie will, noch, was sie sein will“. Ihre Führung produziere zwar öffentlichkeitswirksame Inhalte, bleibe aber „in der Sache blank“. Hinter ihrer bisherigen Arbeit stehe keine erkennbare Strategie. Das sind weitreichende Urteile über eine Organisation, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seines Beitrags noch nicht einmal neun Monate existierte. Vor allem aber treffen sie nicht zu.
1. Zunächst zum Ausgangspunkt, bei dem Braga und ich näher beieinanderliegen, als es diese Erwiderung vielleicht vermuten läßt: Auch ich gehörte zu den Gegnern der Auflösung der Jungen Alternative. Die JA hatte über Jahre hinweg eine eigenständige politische Kultur entwickelt. Sie verband Parteiarbeit, Bewegung und rechte Jugendkultur, bot jungen Aktivisten einen politischen Raum und konnte Positionen zuspitzen, die die Mutterpartei noch nicht tragen wollte.
Die Art und Weise, wie ihre Abgliederung von der AfD vorbereitet und vollzogen wurde, hat viele junge Mitglieder vor den Kopf gestoßen. Was von der Parteiführung als Professionalisierung und Verbotsschutz dargestellt wurde, kam an der Basis vielfach als Mißtrauensvotum und Entmachtung an. Es entstand der Eindruck, die Jugend sei der AfD zu radikal, zu eigensinnig und müsse deshalb unter Kontrolle gebracht werden.
Braga hat auch recht damit, daß es zum Verbotsschutzargument Gegenargumente gab. Auch ist nicht zu bestreiten, daß die AfD mit der neuen Konstruktion größere Durchgriffs- und Kontrollmöglichkeiten gegenüber ihrer Jugendorganisation erhalten hat.
Doch die Geschichte ist komplizierter als die Erzählung von einer intakten Jugendbewegung, die allein aus Kontrollbedürfnis zerschlagen wurde und die man vorgeblich vor einem Vereinsverbot schützen wollte.
- Die JA litt unter chronischer Unterfinanzierung,
- einer schwachen Verankerung in vielen Regionen und
- einem teilweise zerrütteten Verhältnis zur Mutterpartei.
- Ihre Fähigkeit, in die AfD hineinzuwirken, hatte erheblich abgenommen.
- In der organisatorischen Frage war sie selbst gespalten.
Auf dem Bundesparteitag in Riesa warben deshalb nicht nur Vertreter der Parteiführung, sondern – wie Braga selbst aufführt – auch sämtliche in der Partei verbliebenen ehemaligen JA-Bundesvorsitzenden für den Neuanfang; obendrein zahlreiche Funktionsträger der Landesverbände.
Man kann die vollzogene Auflösung daher für falsch halten und dennoch anerkennen, daß das Verhältnis zwischen Partei und Parteijugend reformbedürftig war. Und man kann die Motive einzelner Beteiligter kritisch hinterfragen, ohne jeden späteren politischen Aufstieg zum Beweis eines vorherigen Karrierehandels zu erklären. Zeitliche Abfolgen begründen noch keinen ursächlichen Zusammenhang.
Für Jean-Pascal Hohm kann ich aus unmittelbarer Erfahrung sagen: Seine Kandidatur für den AfD-Bundesvorstand war keine Belohnung, die ihm von der Parteispitze für Wohlverhalten gewährt wurde. Mehrere Mitglieder des GD-Bundesvorstands haben ihn vielmehr wiederholt zu dieser Kandidatur ermutigt, weil wir zu der Überzeugung gelangt waren, daß die neue Jugendorganisation eine starke Stimme im höchsten Führungsgremium der Partei benötigt. Gewählt wurde er schließlich von den Delegierten des Bundesparteitags.
2. Bragas zentraler Vorwurf lautet, die Generation Deutschland wisse nicht, was sie wolle und was sie sein wolle. Diese Behauptung verwundert mich.
Bereits am 24. Januar 2026 habe ich dem Bundesvorstand der GD auf einer Klausurtagung in Nordhausen ein strategisches Konzept zur Rolle der neuen Jugendorganisation innerhalb der AfD vorgestellt. Ausgangspunkt war die Überalterung von Volk und Partei. Eine Partei, die einen grundlegenden politischen Wandel herbeiführen will, darf sich nicht im Bestehenden einrichten. Sie muß innovativer, beweglicher und zukunftsorientierter sein als diejenigen, die sie ablösen möchte. Dafür braucht sie jugendliche Dynamik und weltanschauliche Tiefe.
Aus dieser Diagnose folgte ein klarer Auftrag: Die Generation Deutschland darf kein beliebiges Anhängsel der AfD sein. Sie soll Innovationsmotor, Zukunftsschmiede und Avantgarde der Partei werden. Ihre Kernaufgaben bestehen darin,
- junge Patrioten zu gewinnen,
- sie politisch, fachlich, weltanschaulich und strategisch auszubilden und
- sie systematisch in die Strukturen der Partei einzubinden.
Zugleich haben wir von Anfang an den besonderen Balanceakt benannt, den die GD zu bewältigen hat: Sie braucht genügend Freiheit, um eigene Impulse setzen zu können, und gleichzeitig eine so feste Verankerung in der AfD, dass sie diese Impulse auch in die Partei hineintragen kann. Unsere strategische Leitlinie lautet deshalb: möglichst große Freiheit in der inneren Organisation bei zugleich möglichst stark abgesichertem Einfluss in die Partei hinein.
Das neue Selbstverständnis der Generation Deutschland bedeutet also einen teilweisen Rollenwechsel gegenüber der Jungen Alternative. Als eigenständiger Verein war die JA zugleich experimentierfreudige Außengrenze der Partei und Ausgriff ins aktivistische Vorfeld hinein. In der Anfangsphase des rechten Aufbruchs war das richtig und notwendig, auch weil vielerorts erst Anlaufpunkte für junge Patrioten geschaffen werden mußten. Inzwischen ist ein vielfältigeres rechtes Ökosystem entstanden, in dem junge Menschen auch jenseits der Parteiarbeit ihren Platz finden können.
Die GD muß daher nicht länger zwischen Partei und Vorfeld pendeln, sondern kann sich auf ihre besondere Aufgabe als Parteijugend konzentrieren: Nachwuchs gewinnen und ausbilden sowie in und an der AfD arbeiten. Die Verbindung zum Vorfeld bleibt bestehen, folgt aber einer klaren Arbeitsteilung: Kooperation statt Rollenvermischung, Synergie statt Imitation. Daraus ergibt sich ein anderer Habitus: weniger Aktivismus, mehr Bildungs‑, Basis- und Programmarbeit; weniger Lifestyle, mehr Inhalt und Seriosität – ohne zum Reservoir aalglatter Nachwuchskarrieristen zu werden.
Diese Arbeitsteilung bedeutet keinen Rückzug von der Straße. Eine kraftvolle Großdemonstration wie in Schwerin kann Gemeinschaft stiften und öffentliche Präsenz zeigen. Legaler Straßenaktivismus bleibt ein wichtiges Instrument, darf aber nicht zum alleinigen Organisationszweck werden. Die GD soll Teil einer größeren patriotischen Jugendbewegung sein – weder Kopie der Identitären Bewegung noch rechte Variante der Jungen Union.
All das kann man kritisieren. Man kann andere Schwerpunkte setzen und andere strategische Schlußfolgerungen ziehen. Aber man kann angesichts dieser Überlegungen schwerlich behaupten, innerhalb der GD bestehe keinerlei Vorstellung davon, was sie sein wolle.
3. Braga erkennt zutreffend, daß die GD stärker vom Wohlwollen der Partei abhängig sei als die frühere JA. Nur zieht er daraus einen zu statischen Schluß. Er behandelt die gegenwärtigen Abhängigkeiten so, als seien sie bereits das endgültige Schicksal der neuen Organisation.
Auch wir wissen, dass sich die Generation Deutschland emanzipieren muß. Die Frage ist nicht, ob, sondern wie das unter den gegebenen Bedingungen gelingen kann. Wer in der Lage lebt, geht nicht mit dem Kopf durch jede Wand. Die GD muß zunächst Vertrauen aufbauen, sich als verlässlicher und professioneller Partner erweisen und auf dieser Grundlage schrittweise größere Handlungsspielräume einfordern.
Das ist keine Unterwerfung, sondern eine Strategie. Demonstrative Konflikte mit der Parteiführung können den Anschein von Unabhängigkeit erzeugen, ohne tatsächlichen Einfluß zu begründen. Umgekehrt bedeutet eine feste institutionelle Einbindung nicht automatisch politische Fremdbestimmung. Entscheidend ist, ob es gelingt, die Verankerung in der Partei auch zur Einwirkung auf die Partei zu nutzen.
Genau hier unterschätzt Braga den qualitativen Unterschied zwischen formaler Autonomie und tatsächlicher Einflußmöglichkeit. Die JA war rechtlich eigenständig, hatte am Ende aber nur noch begrenzten Zugriff auf die Willensbildung in der AfD. Die GD besitzt weniger rechtliche Distanz, hat sich dafür inzwischen Zugänge zu nahezu allen maßgeblichen Parteigremien geschaffen. Einflußnahme funktioniert grundsätzlich in beide Richtungen.
Der Fall Kevin Dorow belegt zunächst, wie schlecht die Ausgangslage war. Der AfD-Bundesvorstand traf eine weitreichende Entscheidung gegen ein Mitglied des GD-Bundesvorstands, ohne die Jugendorganisation angemessen einzubeziehen. Eine zugesagte Anhörung fand zunächst nicht statt. Das war kein Umgang mit einer Parteijugend, die als Partner ernst genommen wird.
Der Fall endete jedoch nicht dort. Nach der Intervention des GD-Bundesvorstands wurde der ursprüngliche Kurs korrigiert. Das Ergebnis entsprach nicht in jeder Hinsicht unseren Vorstellungen, aber das zunächst verfolgte Parteiausschlußverfahren wurde nicht aufrechterhalten. In der Folge gelang es, die Zusammenarbeit auf eine neue Grundlage zu stellen: Dem GD-Bundesvorsitzenden wurden Teilnahme- und Rederecht in den Sitzungen des AfD-Bundesvorstands eingeräumt. Zudem wurde verbindlich festgelegt, dass die GD bei Ordnungsmaßnahmen gegen ihre Mitglieder angehört wird.
Man kann darin weiterhin unzureichende Zugeständnisse sehen. Man kann auch bezweifeln, ob die neue Zusammenarbeit auf Dauer trägt – sie hängt sowieso in höherem Maße davon ab, wie die handelnden Personen miteinander auskommen, als von formalen Strukturen. Aber der Fall Dorow beweist gerade nicht, daß der institutionelle Kanal ausschließlich von der Partei in die Jugend funktioniert. Er zeigt vielmehr einen Konflikt, in dem die GD zunächst übergangen wurde, anschließend aber eine Korrektur und dauerhafte Verfahrensverbesserungen erreichen konnte.
Noch deutlicher wird die Stoßrichtung beim Blick auf den Erfurter Bundesparteitag. Auf der Klausurtagung im Januar hatten wir als erste praktische Aufgabe festgelegt, realistische Änderungen der Bundessatzung und der Finanz- und Beitragsordnung zu entwickeln. Ziel war es, die GD institutionell in den Entscheidungsprozessen und der Programmarbeit der Partei zu verankern, die finanzielle Belastung ihrer Mitglieder zu senken, ihr die eigenständige Verteilung der ihr zustehenden Mittel zu ermöglichen und bestehende Hürden beim organisatorischen Aufbau zu beseitigen.
Ein halbes Jahr später wurden wesentliche Teile dieses Arbeitsprogramms vom Bundesparteitag beschlossen.
Der Bundesvorstand der GD besitzt nun ein eigenes Antragsrecht zum Bundesparteitag. Die Jugendorganisation ist an der programmatischen Antragskommission beteiligt, wenn Grundsatz- und Wahlprogramme beraten werden. Sie entsendet zwei stimmberechtigte Vertreter in den Bundeskonvent und ist in die Schatzmeisterkonferenz eingebunden. Sie kann eigene Anträge an den Konvent stellen und gemeinsam mit zwei AfD-Landesvorständen dessen Einberufung verlangen.
Darüber hinaus entsendet die GD künftig einen Vertreter in die Bundesprogrammkommission und jeweils ein Mitglied in sämtliche Bundesfachausschüsse. Damit ist sie unmittelbar in jenen Gremien vertreten, in denen die programmatische und fachpolitische Entwicklung der AfD vorbereitet wird.
Auch der organisatorische Aufbau wurde erleichtert. Die Landesverbände der GD können nun grundsätzlich Untergliederungen entsprechend den Parteistrukturen bilden, ohne daß zuvor sämtliche Landessatzungen der AfD geändert werden müssen. Schließlich wurde die finanzielle Grundlage verbessert: Ein festgelegter Anteil der von GD-Mitgliedern gezahlten Parteibeiträge fließt an die Jugendorganisation; über die Verteilung zwischen Bundes- und Landesverbänden entscheidet deren Bundesvorstand nunmehr selbst.
Diese Anträge wurden innerhalb der GD entwickelt, mit dem AfD-Bundesvorstand abgestimmt und teilweise von diesem beim Bundesparteitag eingebracht. Natürlich garantieren Gremiensitze noch keinen politischen Erfolg. Ein Entsendungsrecht ersetzt weder gute Ideen noch Durchsetzungsfähigkeit. Aber wer behauptet, der institutionelle Kanal funktioniere bislang nachweislich nur von der Partei in die Jugend, muß zur Kenntnis nehmen, daß die GD bereits innerhalb weniger Monate auf die Satzung und Organisationsordnung der AfD eingewirkt hat.
Sie hat die Parteiführung beim Wort genommen: Wenn die GD integraler Bestandteil der AfD sein soll, dann muß ihre Einbindung konsequent vollzogen werden – nicht nur durch Aufsicht und Schiedsgerichtsbarkeit, sondern ebenso durch Antragsrechte, Gremiensitze und programmatische Mitsprache.
Die Partei hat damit nicht bloß zusätzlichen Zugriff auf ihre Jugend erhalten. Die Jugend hat sich umgekehrt erstmals einen institutionell abgesicherten Zugriff auf die Partei geschaffen. Ob wir diese Möglichkeiten klug nutzen, wird sich zeigen müssen. Dass hinter ihnen eine erkennbare Strategie steht, ist jedoch kaum zu bestreiten.
4. Braga verweist darauf, daß die Generation Deutschland in ihrem Auftreten, ihrer Bewegungsästhetik und ihrem Verhältnis zum Vorfeld vielfach an die JA anknüpft. Das ist richtig. Es ist aber kein Beleg dafür, daß die GD lediglich deren schwächere Kopie sei.
Die neue Jugendorganisation ist nicht mit dem Ziel gegründet worden, die politischen Inhalte der JA zu widerrufen oder jede personelle und kulturelle Kontinuität zu beseitigen. Führende Vertreter der AfD haben wiederholt klargestellt, daß es bei der Strukturreform nicht um eine inhaltliche Mäßigung gegangen sei. Es ist daher kein Widerspruch, wenn bei der Gründung der GD rechte Verlage und Organisationen vertreten waren, wenn Verbindungen zum Vorfeld gepflegt werden oder wenn bei einer Demonstration bekannte Losungen aufgegriffen werden.
Im Gegenteil: Daß ein straßenpolitischer Auftritt wie in Schwerin und eine Zusammenarbeit mit Akteuren des Vorfelds heute innerhalb des neuen Organisationsmodells möglich sind, ohne dieselben Verwerfungen zwischen Partei und Jugend hervorzurufen wie früher, kann man als Fortschritt betrachten. Die größere institutionelle Einbindung hat bislang jedenfalls nicht zu der von vielen befürchteten vollständigen politischen Zähmung geführt.
Gleichzeitig erschöpft sich die Identität einer Jugendorganisation nicht in Transparenten, Kleidung, Frisuren oder der Frage, welche Milieus sich auf einer Kundgebung begegnen. Politische Identität ist mehr als Ästhetik. Sie zeigt sich in ihrem Auftrag, ihrer Arbeitsweise, ihrer Programmatik und ihrer Stellung innerhalb des politischen Gesamtgefüges.
Der „Tag der deutschen Jugend“ war eine wichtige Veranstaltung, deren Verlauf und öffentliche Wirkung selbstverständlich kritisch ausgewertet werden dürfen. Berechtigt sind auch Fragen danach, wie angemessen sich einzelne Teilnehmer in der konkreten Konfrontationslage mit gewaltbereiten linken Gegendemonstranten verhalten haben und ob die anschließende Verbreitung bestimmter Aufnahmen sinnvoll war. Wo Verbesserungsbedarf besteht, muß verbessert werden. Aus einer einzelnen Straßenszene lassen sich jedoch weder die politische Substanz noch die langfristigen Erfolgsaussichten der GD ableiten.
Ebenso wenig ist es widersprüchlich, daß zahlreiche frühere JA-Mitglieder heute am Aufbau der GD mitwirken. Wer nach der Auflösung der Vorgängerorganisation zugleich einen vollständigen personellen Bruch erwartet, verlangt, daß auf Erfahrungen, Netzwerke und politisch sozialisierte Mitglieder verzichtet wird, die für den Neuaufbau unverzichtbar sind. Kontinuität ist nicht dasselbe wie Kopie.
5. Braga hat recht, wenn er politische Bildung, Schulungsangebote, Patenschaftsprogramme, programmatische Vorstöße und eine flächendeckende Nachwuchsarbeit einfordert. All das gehört zum Auftrag der Generation Deutschland. All das haben wir selbst bereits im Januar als notwendige Voraussetzung ihres Erfolgs benannt.
Aber eine Organisation, die noch kein Jahr existiert, kann nicht sämtliche dieser Strukturen gleichzeitig aus dem Boden stampfen. Zunächst mußten Bundes- und Landesverbände gegründet, Mitgliedsverfahren aufgebaut, Finanzen geordnet, eine Geschäftsstelle eingerichtet, rechtliche Fragen geklärt und arbeitsfähige Vorstände gebildet werden. Parallel dazu wurden die Satzungsänderungen für den Erfurter Bundesparteitag vorbereitet.
Der Aufbau einer eigenen Akademie oder eines umfassenden Schulungssystems ist damit nicht erledigt. Er bleibt eine zentrale Aufgabe. Eine bloße Organisationshülle zu gründen, bevor Inhalte, Lehrpersonal, Finanzierung und Teilnehmerbasis geklärt sind, wäre jedoch genau jener Aktionismus um seiner selbst willen, den Braga an anderer Stelle zu Recht kritisiert.
Auch programmatisch stehen wir erst am Anfang. Auf dem bevorstehenden Bundeskongress am 29. August soll unter anderem eine eigenständige Positionierung zum Thema Europa beraten werden. Weitere Themen müssen folgen. Der Anspruch, Innovationsmotor zu sein, darf nicht bei einem Etikett stehen bleiben. Aber zwischen dem berechtigten Hinweis, dass noch zu wenig sichtbar ist, und dem Urteil, die GD sei programmatisch zur Sprachlosigkeit konstruiert worden, liegt ein erheblicher Unterschied.
Dasselbe gilt für die Mitgliederentwicklung. Es ist ein reales Problem, wenn die AfD in einem Landkreis mehr als vierzig Prozent erreicht, dort aber kaum junge Parteimitglieder organisiert sind. Diese Kritik trifft auch Bragas und meinen eigenen AfD-Landesverband. Die Nachwuchsarbeit wurde über Jahre vernachlässigt, und die Unterbrechung zwischen JA und GD hat bestehende Strukturen zusätzlich geschwächt.
Dies belegt aber nicht, daß die neue Organisation keine Vorstellung von ihrer Aufgabe besitze. Es beschreibt vielmehr die Größe dieser Aufgabe. Die GD muß wachsen, junge Leute müssen für die Parteiarbeit begeistert werden.
Auch internationale Kontakte sind kein Ersatz für Basis- und Bildungsarbeit. Sie sind aber ebenso wenig bloße Reisen, damit „die eigene Führung Europa sieht“. Wer eine politische Jugendorganisation aufbauen will, sollte sich mit Gleichgesinnten in anderen europäischen Ländern austauschen, Erfahrungen vergleichen und Netzwerke schaffen. Entscheidend ist, dass aus solchen Kontakten politischer und organisatorischer Mehrwert erwächst.
Fazit: Nichts davon ist ein Freibrief für die Generation Deutschland. Unsere Strategie kann scheitern. Die institutionelle Einbindung kann in dauerhafte Abhängigkeit umschlagen. Aus Professionalisierung kann Anpassung werden. Eine vermeintliche Kaderschmiede kann zum Karrieristenreservoir verkommen, und der Anspruch programmatischer Vorhut kann in bloßer Öffentlichkeitsarbeit enden.
Die GD muß sich daran messen lassen, ob sie ihre neuen Gremienrechte tatsächlich nutzt, ob sie ein ernsthaftes Bildungsangebot aufbaut, eigene programmatische Impulse entwickelt, junge Menschen gewinnt und ihnen Verantwortung überträgt. Braga stellt insoweit die richtigen Fragen.
Seine Antworten fallen jedoch zu früh und zu endgültig aus. Eine Organisation, die sich noch im Aufbau befindet, als Sackgasse, Apparat oder schwächere Kopie zu beschreiben, erschwert ausgerechnet die Gewinnung jener fähigen jungen Menschen, deren Fehlen anschließend beklagt wird. Kritik sollte Maßstäbe setzen und zu besserer Arbeit zwingen. Sie sollte nicht den Eindruck erwecken, das Ergebnis des Versuchs stehe bereits fest.
Die Auflösung der JA läßt sich nicht rückgängig machen. Was sich beeinflussen läßt, ist die Zukunft der Generation Deutschland. Entweder gelingt es, aus ihr eine starke, eigenständige und einflussreiche Jugendorganisation zu formen, oder die AfD wird tatsächlich vorzeitig altern und ihren Anspruch auf grundlegende Veränderung verlieren.
Braga schreibt sinngemäß, eine Partei, die ihre Jugend lediglich verwalte, sei bereits alt geworden, bevor sie regiert habe. Dem ist zuzustimmen. Aber eine Jugend, die nur ihre Verletzung kultiviert, bleibt in der Vergangenheit gefangen, statt Zukunft zu gestalten.
Die Generation Deutschland hat ihren Auftrag noch nicht erfüllt. Aber sie hat ihn formuliert, erste institutionelle Voraussetzungen geschaffen und mit seiner Umsetzung begonnen. Sie ist weder fertig noch so eigenständig, wie sie eines Tages sein sollte. Sie ist aber auch nicht orientierungslos, denn sie kennt ihre Aufgaben. Nun muß sie zeigen, was sie kann.
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Alexander Claus ist Mitglied im Bundesvorstand der Generation Deutschland und gehört dem Landesverband Thüringen der AfD an.
das kapital
Die Generation Deutschland darf zuversichtlich sein. Eure Zeit wird kommen. Intern schon jetzt bei den Wahlkämpfen. Nach den Wahlkämpfen auch wieder verstärkt nach außen hin. Es wird versucht werden, euch genauso zu diskre-ditieren, wie die Junge Alternative. Blut und Boden, haha, Frauen in die Küche, haha. Angefangen mit Alice Weidel und Beatrix von Storch und Fürstin Gloria (die ja durchaus parteilos ist). Nur merkwürdig, dass moderne Konservative so gar nicht nach Küche riechen, sondern nach großer Welt. Z. B. auch eine Eva Vlaardingerbroek. Ansehnlich, klug, präsent. Und vom Geheimdienst des eigenen Landes diffamiert. Wenn Europa sich nicht mehr verteidigt, geht es unter. Die GD kann und muss dazu beitragen, es zu verteidigen./// Die GD kann und muss in der Mitte aktive Menschen gewinnen und den nachfolgenden Generationen eine echte Zukunftsperspektive bieten. Dazu gehört auch, junge Konservative aktiv anzuwerben, die von CDU und CSU unendlich enttäuscht werden. Wenn die sich trauen. Denn noch ist blau eine massive Gefahr für den eigenen Beruf , das eigene Geschäft, die eigene Karriere.