Postrassischer Sozialismus (2)

Manchmal hat man wirklich den Eindruck, man lebe längst in einer Art "Global Village" mit den USA als großem Leitgestirn, ...

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

… um das sich der Rest der west­li­chen Welt sam­melt. Kurz nach­dem ich mei­nen ers­ten Bei­trag über den “post-ras­si­schen Sozia­lis­mus” Barack Oba­mas ver­faßt hat­te, ver­zier­te ein eif­ri­ger Akti­vist die Stra­ße, in der ich woh­ne, mit Auf­kle­bern, die den US-Prä­si­den­ten in der Mas­ke des “Jokers” aus dem Bat­man-Film “The Dark Knight” zeigen.

Die­se Anti-Iko­ne hat im Inter­net mas­si­ve Ver­brei­tung gefun­den und ist sozu­sa­gen zur Erken­nungs­flag­ge der Oba­ma-Geg­ner und ‑skep­ti­ker gewor­den. Die Auf­kle­ber ent­hiel­ten auch den Auf­ruf “Wacht auf, ehe es zu spät ist”, sowie einen Ver­weis auf eine der vie­len Netz­sei­ten des popu­lä­ren Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kers Alex Jones.

Was Jones auf Sei­ten wie Info­wars und in viel­ge­se­he­nen Vide­os wie “The Oba­ma Decep­ti­on” anzu­bie­ten hat, ist star­ker Tobak:  dem­zu­fol­ge ist Oba­ma, dar­in in einer Rei­he mit Geor­ge W. Bush ste­hend, nichts wei­ter als eine Mario­net­te der “Hoch­fi­nanz” und der damit ver­knüpf­ten Macht­eli­ten, die dar­auf abzie­len, eine glo­ba­le “Neue Welt­ord­nung” zur errich­ten und die USA in einen Über­wa­chungs- und Poli­zei­staat zu ver­wan­deln, kom­plett mit angeb­lich bereits ein­ge­rich­te­ten Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern.  (Das sind War­nun­gen, die übri­gens zum Stan­dard­re­per­toire der inzwi­schen ver­stumm­ten links­li­be­ra­len Bush-Geg­ner der Pos­t‑9/11-Peri­ode gehörten.)

Oba­ma ist hier alles ande­re als der Voll­ender eines Trau­mes von Demo­kra­tie, Frei­heit und Ras­sen­gleich­heit, son­dern der post­de­mo­kra­ti­sche Cäsar eines Impe­ri­ums in sei­ner Spät­pha­se, der, frei nach Arnold Geh­len, wie der Anti­christ “die Mas­ke des Erlö­sers” trägt. Das zeugt von orwel­li­an­schen und apo­ka­lyp­ti­schen Ängs­ten, wie sie sich auch wäh­rend der zum Teil semi-hys­te­ri­schen Anti-Health­ca­re-Demons­tra­tio­nen Luft mach­ten, in denen Oba­mas Kon­ter­fei mit Haken­kreu­zen und Ham­mer & Sichel-Sym­bo­len ver­se­hen wurde.

Die Kehr­sei­te und ver­mut­lich auch Ursa­che die­ser hef­ti­gen Reak­tio­nen ist der bizar­re,  rhi­no­ze­rosar­tig gras­sie­ren­de  Per­so­nen­kult um den Prä­si­den­ten, wie er sich etwa in einem debil-ver­zu­cker­ten, von (vor allem wei­ßen, weib­li­chen) Hol­ly­wood-Stars prä­sen­tier­ten Video äußert, das wirkt, als wäre es direkt dem Roman “Die Wel­le” oder der Anwer­be-Abtei­lung von Sci­en­to­lo­gy entsprungen:

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=51kAw4OTlA0]

Ande­re bizar­re, zum Teil erschre­cken­de Blü­ten des Oba­ma-Kults, kur­sie­ren zuhauf über Kanä­le wie You­tube. Berüch­tigt wur­de etwa die­ses Video, das eine Grup­pe schwar­zer, männ­li­cher Jugend­li­cher, eine Art “Oba­ma-Jugend” beim Drill im para­mi­li­tä­ri­schen Ein­heits­out­fit zeigt.

Wie auch immer man sol­che Aus­wüch­se beur­tei­len mag: daß Publi­zis­ten wie Alex Jones inzwi­schen unge­heu­ren Erfolg haben, ist zwei­fel­los ein Sym­ptom für das wach­sen­de Miß­trau­en der (tra­di­tio­nell staats­skep­ti­schen) Ame­ri­ka­ner gegen­über der eige­nen Regie­rung und den Main­stream­m­edi­en. Das hängt nicht nur mit der zuneh­men­den Vir­tua­li­sie­rung des täg­li­chen Lebens und der inter­ak­ti­ven Ein­bin­dung des Ein­zel­nen in den Infor­ma­ti­ons­dschun­gel des Inter­nets zusam­men – son­dern auch mit dem Trau­ma der von Krieg und Ter­ror­angst gepräg­ten Jah­re unter Bush, die so vie­le Gewiss­hei­ten und Sicher­hei­ten erschüt­tert haben.

In die­ser Lage wäre es selt­sam, wenn sich kein tie­fes Miß­trau­en ent­wi­ckelt hät­te, das wohl nur die Kehr­sei­te einer bei­nah auto­hyp­no­ti­schen, regres­si­ven Glau­bens­be­reit­schaft an den “chan­ge” und den “Erlö­ser” ist.  Für die Mas­se der Ame­ri­ka­ner, die kaum Ein­blick in die Pra­xis der Poli­tik haben, wird der Mann an der Spit­ze zur trü­ge­ri­schen Pro­jek­ti­ons­flä­che. Denn es steht außer Fra­ge, daß auch der US-Prä­si­dent nur der Front­mann von Macht­struk­tu­ren, Insti­tu­tio­nen und Sach­zwän­gen ist,  die sei­ner Amts­zeit vor­an­ge­hen und sie auch über­le­ben wer­den.  Ein gro­ßer Teil der Ame­ri­ka­ner, wie gebannt vom Bild des obers­ten Staats­re­prä­sen­tan­ten,  scheint zu glau­ben, man müs­se wie im Film ein­fach den Bad Guy gegen einen Good Guy erset­zen.

Mas­sen­me­di­en­kri­tisch betrach­tet liegt es nahe, Barack Oba­ma als Kunst­fi­gur, als Pro­dukt eines der raf­fi­nier­tes­ten Polit-Mar­ke­tings zu begrei­fen, das es je gab. Sys­te­ma­tisch wur­de Oba­ma zum maß­ge­schnei­der­ten, all­zu-per­fek­ten Anti-Bush auf­ge­baut.  Die Far­ce der Ver­lei­hung des Frie­dens­no­bel­prei­ses paßt glän­zend in die­ses längst schon am Ran­de des Grö­ßen­wahns ent­lang­tan­zen­de Konzept.

Die Dead­line für die Nobel-Preis-Nomi­nie­run­gen des Jah­res ende­te am 1. Febru­ar 2009, Oba­ma trat die Prä­si­dent­schaft kei­ne zwei Wochen vor­her, am 20. Janu­ar, an. Was hat er in die­ser kur­zen Zeit­span­ne geleis­tet, das einen sol­chen Preis recht­fer­ti­gen wür­de? Ist die­se absur­de Preis­ver­lei­hung als ein wei­te­rer, geschickt ein­ge­fä­del­ter poli­ti­scher Schach­zug im Oba­ma-Mar­ke­ting, qua­si als “affir­ma­ti­ve action” grö­ße­ren Stils zu wer­ten? Oder ist sie bloß ein wei­te­res Sym­ptom der unter den west­li­chen libe­ra­len Eli­ten gras­sie­ren­den Oba­ma-Psy­cho­se? Oder eine Kom­bi­na­ti­on aus beidem?

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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