Gott strafe England

Nachrichten aus Großbritannien verfolge ich nur sporadisch und mit der größten Unlust, was paradoxerweise damit zu tun hat, daß ich grundsätzlich anglophil veranlagt bin.  Es ist schmerzvoll mitanzusehen, wie tragisch sich auch diese einst stolze Nation heruntergewirtschaftet hat.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Es gibt heu­te wohl kaum ein Land in Euro­pa, in dem der Poli­ti­cal Cor­rect­ness – Ter­ror und das  mul­ti­kul­tu­ra­lis­ti­sche Stock­holm-Syn­drom fieb­ri­ger wüten als in Eng­land, selbst gemes­sen an den deut­schen Exzes­sen. Ich fra­ge mich oft, wie aus­ge­rech­net die Bri­ten das zulas­sen konnten.

Eine Link­samm­lung spa­re ich mir an die­ser Stel­le. Da hat sich eine christ­li­che alte Dame in einem Brief an den Gemein­de­rat ihrer Hei­mat­stadt über deren Ent­schei­dung beschwert, einen “Gay Pri­de March” statt­fin­den zu las­sen. Dabei hat sie sich in der dras­ti­schen Spra­che bibli­scher Ent­rüs­tung über die “Sodo­mi­ter” aus­ge­drückt. Eine Gemein­de­rats­vor­sit­zen­de hat dar­auf­hin allen Erns­tes den Brief wegen Ver­dacht auf einen “hate inci­dent” an die Poli­zei wei­ter­ge­lei­tet, die kurz dar­auf wie die rosa Gesta­po an die Tür der Gedan­ken­ver­bre­che­rin klopf­te und sie einem Ver­hör unterzog.

Der­ar­ti­ge Vor­fäl­le gab es in Eng­land nun schon mehr­fach, und man mag es kaum fas­sen, daß der­glei­chen in einem tra­di­tio­nell kon­ser­va­ti­ven und sit­ten­stren­gen Land geschieht, von dem der Humo­rist Geor­ge Mikes ein­mal schrieb: “Nor­mal Euro­peans have sex lifes. The Eng­lish have hot water bottles.”

Vor allem aber sind inzwi­schen alle Alp­träu­me Enoch Powells Wirk­lich­keit gewor­den. Die Insel ist in den letz­ten Jahr­zehn­ten von einer Flut von Ein­wan­de­ren, vor allem aus den alten Kolo­nien des Impe­ri­ums, über­schwemmt wor­den, die ver­hee­ren­de sozia­le und demo­gra­phi­sche Ände­run­gen mit sich brachten.

Im Jahr 2007 ver­ur­sach­te der wahr­lich nicht kon­ser­va­ti­ve Pop­sän­ger Mor­ris­sey einen Eklat, als er öffent­lich den Ver­lust der “bri­ti­schen Iden­ti­tät” durch die Mas­sen­ein­wan­de­rung beklag­te.  Das alte Eng­land sei “nur mehr eine Erin­ne­rung … Trau­rig, daß wir soviel ver­lo­ren haben.” Wenn er durch die Stra­ßen gehe, höre er “jeden Akzent unter der Son­ne, nur kei­nen bri­ti­schen”. Jeder, der schon ein­mal Lon­don besucht hat, wird das bestä­ti­gen können.

Nun wird all­mäh­lich offen­bar, wie sehr die­ser Pro­zeß von den herr­schen­den Eli­ten des Lan­des offen­bar gewollt und bewußt geför­dert wor­den ist.  Der Dai­ly Tele­graph vom 23. Okto­ber zitier­te einen ehe­ma­li­gen Bera­ter von Tony Blair und Jack Straw, der offen­leg­te, daß die Labour Par­ty im letz­ten Jahr­zehnt bewußt die Ein­wan­de­rungs­kon­trol­len gelo­ckert hät­te, um das Land der “Mas­sen­ein­wan­de­rung zu öff­nen”, es im Sin­ne des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus “radi­kal zu ver­än­dern” und damit “die Rech­ten mit der Nase in die Viel­falt zu tun­ken” (“to rub the Right’s nose in diver­si­ty”.)  Natür­lich sei die­ser Plan geheim­ge­hal­ten wor­den, vor allem, um die Wäh­ler­schaft aus der Arbei­ter­klas­se nicht zu ent­frem­den. (Mehr über die Hin­ter­grün­de gibt es hier zu lesen. )

Die bri­ti­sche Lin­ke ist also offen­bar nicht weni­ger fana­tisch und skru­pel­los als ihre deut­schen Pen­dants, was die ziel­ge­rich­te­te, gegen das eige­ne Staats­volk gerich­te­te Durch­set­zung einer Stra­te­gie betrifft, die im Ein­he­gen von Außen und Hete­ro­ge­ni­sie­ren von innen besteht.

Die Quit­tung kam inzwi­schen im uner­war­te­ten Erfolg der Rechts­au­ßen-Par­tei BNP (Bri­tish Natio­nal Par­ty), die eine wach­sen­de Wäh­ler­schaft ver­zeich­net.  Ange­sichts der Ent­hül­lun­gen über Blair und sein Kabi­nett klingt es wie ein schlech­ter Witz, daß die bri­ti­schen Medi­en dem BNP-Vor­sit­zen­den Nick Grif­fin for­mel­ar­tig vor­wer­fen, er “tei­le” die Nati­on. Grif­fin wird in der Regel in der nur denk­bar übels­ten und dämo­ni­sie­rends­ten Wei­se dar­ge­stellt, sodaß es wüten­de Pro­tes­te gab, als sei­ne Ein­la­dung in die BBC-Sen­dung “Ques­ti­on Time” bekannt­ge­ge­ben wur­de. Die Empö­rung war umsonst, denn selbst­ver­ständ­lich war die Fra­ge­run­de als öffent­li­che Hin­rich­tung auf­ge­zo­gen. Einer der gela­de­nen Gegen­spie­ler Grif­fins war iro­ni­scher­wei­se eben jener Jack Straw, der als Innen­mi­nis­ter Blairs maß­geb­lich an dem Mul­ti­kul­tu­ra­li­sie­rungs­plan der Regie­rung betei­ligt war.

Der bri­ti­sche Schrift­stel­ler Alex Kur­ta­gic beschrieb den Auf­tritt sar­kas­tisch folgendermaßen:

Die BBC über­trug die Sen­dung aus dem stark mul­ti­kul­tu­rel­len Lon­don, um eine erheb­li­che Prä­senz von eth­ni­schen Min­der­hei­ten sicher­zu­stel­len, wäh­rend sie es gleich­zei­tig ver­mied, ihrer mora­li­schen Ver­pflich­tung nach­zu­kom­men, ein für die bri­ti­sche Bevöl­ke­rung reprä­sen­ta­ti­ves Publi­kum einzuladen.

Die Zusam­men­set­zung der Kon­tra­hen­ten Grif­fins schil­dert Kur­ta­gic als

… bei­nah comi­c­ar­tig in ihrer Ten­den­ziö­si­tät. (…) Das resul­tie­ren­de Spek­ta­kel der BBC war eine Schan­de.  Die Teil­neh­mer waren kin­disch, ihre Argu­men­te schwach­sin­nig, ihre ad homin­ems unter­grif­fig, ihre Sophis­te­rei­en unglaub­wür­dig, ihre Selbst­täu­schung nicht min­der. Und ihre Angst, ihr ins­ge­hei­mes Wis­sen, daß ihre Stel­lung in die­sen pro­ble­ma­ti­schen Zei­ten schwä­cher und gefähr­de­ter ist, als die Öffent­lich­keit ahnt, war ihnen deut­lich anzusehen.

Was das Publi­kum betrifft, so stach jedem, der noch eine meß­ba­re Gehirn­ak­ti­vi­tät besitzt, die kaba­rett­rei­fe Gründ­lich­keit der BBC ins Auge, mit der man das Stu­dio mit allen mög­li­chen joh­len­den Affen, from­men Libe­ra­len, schäu­men­den Anti-Ras­sis­ten, selbst­has­sen­den Wei­ßen, erreg­ba­ren Schwar­zen, mili­tan­ten Homo­se­xu­el­len und poli­tisch agi­tie­ren­den Mus­li­men ange­füllt hatte.

Grif­fin selbst kam kaum zu Wort und kämpf­te eben­so ver­bis­sen wie ver­geb­lich dar­um, einen guten Ein­druck zu wahren:

Er war ner­vös und zöger­lich, er such­te nach Aner­ken­nung, um sein Medi­en-Image als Has­ser, als Nazi, als Ras­sist und poten­ti­el­ler Mas­sen­mör­der im Anzug zu widerlegen.

Den Ein­druck eines real­sa­ti­ri­schen Schau­pro­zes­ses teil­ten offen­bar nicht weni­ge Zuschau­er. Derek Tur­ner berich­tet in der neu­en JF, daß laut einer weni­ge Stun­den nach der Sen­dung durch­ge­führ­ten Umfra­ge 22% der Bri­ten es sich bei zukünf­ti­gen Wah­len “ernst­haft über­le­gen” wür­den,  der BNP ihre Stim­me zu geben.

In der­sel­ben Aus­ga­be der JF beschreibt Robert Hepp in einer Rezen­si­on eines Buches von Chris­to­pher Cald­well den post­ko­lo­nia­len Schuld­kom­plex der Bri­ten als psy­cho­lo­gi­sche Grund­la­ge ihrer Wehrlosigkeit:

“Sie sind hier, weil wir dort waren”… “Sie sind arm, weil wir reich sind”. Die Kul­pa­bi­li­sie­rung (Erzeu­gung von Schuld­ge­füh­len) der Ein­ge­bo­re­nen, für die in Eng­land die sys­te­ma­ti­sche Anschwärzung des wei­ßen Man­nes sorg­te, leis­te­te in Deutsch­land die Kol­lek­tiv­scham wegen der Ver­fol­gung der Juden.

Was lehrt uns das Bei­spiel Eng­land? Wir Deut­schen spre­chen ja so ger­ne von Euro­pa, wol­len nur mehr Euro­pä­er sein und sonst nichts. Aber was bedeu­tet das in einem Euro­pa, des­sen geschichts- und kul­tur­träch­tigs­te Natio­nen sich selbst frei­wil­lig in den Dreck schmei­ßen, ganz ohne einen gro­ßen Krieg ver­lo­ren zu haben? In was für ein Euro­pa sol­len wir Deut­schen uns ein­ord­nen und auf­lö­sen, wenn in ihm alles, was sei­ne Beson­der­heit aus­macht, alles, was man an ihm lie­ben kann, ver­schwin­det, ver­däch­tigt und ver­gif­tet wird?

Ver­gli­chen mit den bro­deln­den Mul­ti-Kul­ti-Höl­len von Eng­land und Frank­reich ist Deutsch­land noch eine Insel der Seli­gen. Es liegt also mal wie­der an uns.  Erst wenn wir ganz Deut­sche sind und blei­ben wol­len, wer­den wir gute Euro­pä­er sein.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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