Sezession
8. Dezember 2009

Wie wir bildungspolitisch die Weichen stellen sollten

Felix Menzel / 36 Kommentare

Das Thema "Bildung" löst unter Konservativen wenig Emotionen aus – wahrscheinlich, weil alle glauben, sich in diesen Fragen sowieso einig zu sein. Ich kann mich noch gut an ein Berliner Kolleg zu "Bildung" erinnern, das ohne Kontroversen ablief und bestätigenden Charakter hatte.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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Deswegen ist es schön, daß Sie auf „weiter“ geklickt haben und meine Ausführungen zu diesem wenig sensationalistischem Thema hören möchten. Die aktuellen Ereignisse rund um den Bildungsstreik müßten uns eigentlich dazu drängen, endlich Position zu beziehen.

Ich möchte beginnen mit einer Prognose: Der hauptsächlich von Linken angeführte Bildungsstreik wird diejenigen Forderungen durchsetzen können, die den Staat kein Geld kosten. Das heißt:

  1. Zulassungsbeschränkungen werden weiter gelockert. Selbst Bundespräsident Horst Köhler hat am letzten Mittwoch in seiner Rede zum 600. Geburtstag der Uni Leipzig dafür plädiert, die Hürden für ein Studium zu verringern und den Universitätszugang jungen Leuten aus allen sozialen Schichten zu ermöglichen. Im Klartext: Das Abitur soll nicht länger die zwingende Voraussetzung für ein Universitätsstudium sein.
  2. Das Niveau wird weiter herabgesetzt. Die Abschaffung der Anwesenheitspflicht war die erste Forderung, die der Bildungsstreik an der TU Chemnitz gegenüber dem Rektorat durchsetzen konnte. Nun wird es nicht dabei bleiben, daß man als Student künftig einfach häufiger fehlen darf. In einem zweiten Schritt werden die Klausuren einfacher, damit auch die Studenten, die nicht vor um Zwölf aufstehen, ihren Abschluß schaffen können.
  3. Die Studenten werden noch mehr Macht in den Hochschulgremien bekommen. Dort sitzen dann wahrscheinlich noch mehr linke Langzeitstudenten, die auf ihren Pöstchen den Klassenkampf gegen die Wirtschaft, Studiengebühren und pragmatische Professoren führen.

Ferner ist eins aber auch sicher: Der Verfall des Bildungssystems schreitet unaufhaltsam voran. Bundesbildungsministerin Anette Schavan (CDU) hat letzte Woche einen „Bologna-Gipfel“ für April 2010 angekündigt. Dort werden dann häppchenweise einige Forderungen der Studenten erfüllt und ein paar Euro zur Verfügung gestellt, um ein paar alte Fenster in den Unis auszuwechseln.

Daß dies eine Politik des faulen Kompromisses ist, brauche ich hier niemandem zu erklären. Bei der Frage, was wirklich getan werden müßte, wird es trotzdem schwierig. Als Diskussionsgrundlage möchte ich deshalb kurz zu den wesentlichen Kernproblemen Stellung beziehen:

  1. Weg von der Schulpflicht hin zu einer Bildungspflicht. Hausunterricht sollte also legalisiert werden.
  2. Stärkung der MINT-Fächer (Mathe, Informatik, Physik, Bio, Chemie). Um den Fachkräftebedarf in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen abdecken zu können, müssen die dazu notwendigen Kompetenzen früher erlernt werden. Der Freistaat Sachsen ist hier ein erfolgreicher Vorreiter. Mathe, Physik, Bio und Chemie müssen hier bis zum Abitur belegt werden. Die Schüler können diese Fächer nicht abwählen. Aus eigener Erfahrung: Wenn man nicht einen Karlheinz Weißmann als Lehrer hat, wird in den geisteswissenschaftlichen Fächern sowieso zuviel rumgequasselt. Wöchentlich ein paar Stunden weniger hiervon stellen meines Erachtens kein Problem dar. Damit verbunden muß auch eine Entpolitisierung der Bildung und eine Stärkung des praktischen Sinns sein.
  3. Stufenweise Selektion I. Um drohende Jugend-Arbeitslosigkeit zu verschleiern, hat die Bundesrepublik ab den 70er-Jahren immer mehr Menschen ein Hochschulstudium ermöglicht. Die nicht ausgesprochene Logik dahinter: Wenn jemand bis 30 studiert, ist er zumindest nicht arbeitslos. Gerade im Hinblick auf die demographische Entwicklung wird sich diese Strategie als ein Irrweg erweisen. Deshalb brauchen wir eine Kehrtwende: Lieber mit 16 eine gute Ausbildung beginnen, als orientierungslos mit 28 im überfüllten Hörsaal sitzen. Um dies zu erreichen, müssen frühzeitig die richtigen Weichen gestellt werden: Die Guten (Schnitt 2,0 oder besser) gehen nach der Grundschule aufs Gymnasium. Die weniger Guten auf die Realschule.
  4. Stufenweise Selektion II. Derzeit sind an deutschen Hochschulen über zwei Millionen Studenten immatrikuliert. Das ist viel zu viel, um eine echte Elite herauszubilden. Mittelfristig sollten 500.000 bis eine Million junge Menschen ein wirklich gutes Studium absolvieren. Nur durch eine Verringerung der Studentenzahlen sind kleine Seminare und ein gutes Betreuungsverhältnis möglich. Die Zulassungsbeschränkungen müssen dafür deutlich erhöht werden. Es sollte zur Regel werden, daß für ein Studium mindestens ein Abitur mit 2,5 oder besser nötig ist. Für den Rest ist es sowieso besser, eine gute Ausbildung anzufangen.
  5. Studiengebühren: Um eine hochwertige Lehre zu gewährleisten, sind Studiengebühren derzeit leider unumgänglich. Die Universitäten helfen allerdings Studenten aus einkommensschwachen Familien durch die Vermittlung von Stipendien und Ausnahmeregelungen für sozial Schwache.
  6. Bachelor/Master haben ihre Untauglichkeit unter Beweis gestellt. Mittelfristig müssen wieder mehr Magister- und Diplomstudiengänge angeboten werden.
  7. Nicht weniger, sondern mehr Kooperation mit der Wirtschaft. Überall dort, wo Unternehmen Forschung und Lehre sinnvoll unterstützen, entsteht eine Gewinnsituation für alle. Die Hochschulen erhalten Geld und Praxiserfahrung. Die Unternehmen können talentierte Arbeitskräfte an sich binden. Und die Studenten schnuppern früh Praxisluft.
  8. Elite-Universitäten: Es ist sinnlos, bestimmten Unis ein bißchen mehr Geld hinterherzuwerfen. Statt dessen sollten wir den guten außeruniversitären Forschungseinrichtungen vertrauen.

Bild: Logo „Bildungsstreik 2009“


Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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Kommentare (36)

Freedy
8. Dezember 2009 11:21

Im Grunde werden Uni-Abschlüsse heute kaum weniger inflationär ausgegeben als Papiergeld. Ihre Entwertung geht damit einher.

Es bleibt nicht viel mehr, als die Idee der Universität neu zu beleben. Fern vom Staat und seinen Vorschriften, Eingriffen und Belohnungen für Anpassung. Bildung war und bleibt ein schwer erreichbares Gut.

https://ef-magazin.de/2009/12/01/1707-falsche-bildung-als-wahnvorstellung-von-fdp-bis-linke-wollt-ihr-die-totale-bildung

Druide
8. Dezember 2009 11:30

1 (b). An den öffentlichen Schulen, insbesondere an den Hauptschulen, sind Zucht und Ordnung zu gewährleisten. Der Lehrer muss berechtigt sein, psychische wie physische Gewalt von Schülern gegen andere Schüler wie sich selbst mit adäquaten Gegenmaßnahmen zu beantworten. Zwang und Autorität sind zu enttabuiseren, um den Schülern beizubringen, wie man angemessen mit seinem Gegenüber umgeht. Dem Lehrer muss überdies erlaubt sein, seinen Schülern die Begrenzheit ihres kärglichen Wissensstandes jederzeit unmissverständlich klar zu machen. Streng aber gerecht! sei die Losung der Zukunft.

Thomas Schütz
8. Dezember 2009 11:50

Guter Herr Menzel,

Sie landen als Bettvorleger. Auf das, was Sie vortragen, könnten sich alle ernstlich an "Bildung" im engeren Sinne Interessierten in einer halben Stunde einigen. Aber wie Sie ja selbst bemerkt haben, besteht die Tragödie der deutschen Universität ja gerade darin, daß sie in so hohem Maße zum Instrument allgemein- bzw. gesellschaftspolitischer Zwecke entartet ist (Bsp. Arbeitslosigkeit!).

Ihre Analyse bleibt ebenso ressentimenthaft wie die Ihrer Gegner, wenn Sie nicht sagen, welche Institutionen das soziale Problem auffangen sollten, das mit der Entlastung der Universitäten von subkulturellen Biotopen zwangsläufig entstünde.

Herzlich!

Th.S.

Thomas Werner
8. Dezember 2009 11:56

Die Forderung irgendwelche Fächer am Gymnasium gegenüber anderen zu bevorzugen, halte ich für äußerst dümmlich. Bildung stellt ja einen Wert an sich dar - da muss die Frage, ob der Schüler später die deutsche Wirtschaft ordentlich zum Brummen bringen wird, zurückgestellt werden. Denn gerade das ist das Ende aller Bildung: die Frage nach dem Zweck (Oder wie wir früher in der Schule den Lehrer nervten: Wofür brauch ich das denn später?).
D.h., Erlernen, wie man eine Kurvendiskussion führt und worum es im Peloponnesischen Krieg ging, ohne dass man weiß, ob man es später noch mal braucht. Das ist die Schönheit der Bildung, Erhöhung der Persönlichkeit.
Diese Wertigkeit wird seit Jahren/Jahrzehnten untergraben und nun tut auch Herr Menzel mit.
Vielleicht wäre die Forderung nach Pflichtbesuch einer alten Sprache sinnvoll, weil in einer durchanglisierten scheinbar sinnlos…

Konrad Lenkman
8. Dezember 2009 12:15

Die hier vorgebrachten Forderungen sind nicht konservativ, sondern entsprechen jener Denkungsart, die nachträglich zur Zersetzung aller altehrwürdigen Errungenschaften beiträgt. Wir haben hier vor uns nur die zweite Seite der Medaille einer linken Reaktion auf die Drangsale des Zeitalters. Zu einigen Punkten im Einzelnen:

2.) Bei der Förderung der Naturwissenschaften, fragt man sich doch seit der Erfindung des Tamagotchi und der elektrischen Zahnbürste: Wozu? Man soll einmal ein paar noch nicht gemachte und doch notwendige Erfindungen vorbringen, die man unbedingt für notwendig hält und zu deren Schaffung man eine naturwissenschaftlastige Schule wichtig hält. Oder geht es hier vielleicht doch nur darum rein ökonomisch Schritt zu halten mit dem Produktionswahnsinn unseres Zeitalters?

3.) Auch hier sei die Frage erlaubt, warum jemand, statt sich an den Früchten einer guten Bildung zu laben, lieber solle Schrauben drehen oder sinnlose Dienstleistungen verrichten? An was genau fehlt es denn in diesem Land, welche Produkte hat man neulich nicht mehr im Ladengeschäft gefunden? Welche Dienstleistung - bis auf das glücklicherweise ausgestorbene Schuhputzen, war neulich nicht mehr zu bekommen?

4.) Ausbildung zu was, wenn man fragen darf? Ich würde ja noch mitgehen, wenn man - wie ich - ein gutes paar rahmengenähter Schuhe schätzt, für dessen Anschaffung man bereit ist einige Hundert Euro auszugeben und was einen dann wünschen läßt, altes Schusterhandwerk würde zu neuer Blüte gereifen. Diese Vorbedingung eines "Schuster, bleib bei deinen Leisten" kann ich aber, so weit mein lesendes Auge reicht, nicht bei den Konservativen erkennen.

7.) Dieser Punkt trifft schon seiner Natur nach fast ausschließlich auf Ingenieurs- und Naturwissenschaften zu. Denn man soll mir einmal erklären, inwiefern ein literaturwissenschaftliches Seminar bei der Stahlgewitterlektüre von wirtschaftlicher "Praxisnähe" profitieren soll. Ansonsten halte ich Drittmittelabhängigkeit in den anderen beiden genannten Fachbereichen immer für eine Gefährdung des Standorts Deutschland, was Grundlagenforschung betrifft. Man stelle sich mal eine Evaluierung der Arbeit des CERN der letzten 10 Jahre auf wirtschaftliche Brauchbarkeit vor. Ohne solche Evaluierungsbögen, wird aber kein Unternehmen bereit sein, sich langfristig an der vermeintlichen Sickergrube Grundlagenforschung zu beteiligen.

8.) Den Appell ans "Vertrauen" muß ich ebenfalls skeptischen Blicks zurückweisen. Die mir bislang bekannten Elite Schulen- und Hochschulen haben soweit überwiegend zum Programm, die schlecht motivierten Schnösel des bürgerlichen Geldadels irgendwie zum Universitätsabschluß zu schleifen, damit Herr Papa nicht ganz gesichtslos dasteht. Die sogenannte Elite dort ist von konservativ-kritischem Denken und sozialkritischer Denke in dem Moment wieder befreit, wo sie im 3er-BMW die Heimfahrt von der Uni antritt. An intensives Arbeiten ist für Kommilitone dieser "Elite" nicht zu denken. Wer einmal gesehen hat, wie sich der Schlechtweggekommene in die Texte großer Denker beißt - ohne daß man dabei zwangsläufig links werden müsste! - der weiß, wo er seinen Waffenbruder hat.

Isa
8. Dezember 2009 12:59

Ich schätze sonst durchaus, was Du schreibst.
Aber bei diesem Artikel stellen sich bei mir wirklich alle Nackenhaare auf, obwohl auch hier einzelne Passagen meine Zustimmung finden.
Doch nun ins Konkrete:

1. Die Abschaffung der Anwesenheitspflicht wäre bei gleichbleibender Leistungsanforderung, d.h. Ansprüchen an die Qualität der Hausarbeit etc., eine echte Errungenschaft, würde dadurch nämlich eine gleichzeitige Berufstätigkeit wesentlich erleichtert. Daß Klausuren leichter werden oder die Ansprüche an Hausarbeiten sinken, muß keine automatische Folge sein.

2. Hausunterricht: Das allgemeine und öffentliche Schulwesen hatte über lange Zeiträume hinweg neben der Bildung die Funktion, Menschen - auch aus verschiedenen sozialen Schichten - in Kontakt miteinander zu bringen und so Verständnis und Solidarität zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu erzeugen. Eine Legalisierung des Hausunterrichts fördert die Möglichkeit der Herausbildung sektenartiger Strukturen und schafft Eltern die Option, ihre Kinder von "unerwünschter Umwelt" gänzlich abzuschotten. Meine deutliche Ablehnung solcher Modelle basiert auf Negativerfahrungen mit evangelikalen Christen.

3. Noch weitere Reduzierung "geisteswissenschaftlicher" Fächer in der Schule: Schule hat nicht allein die Funktion, für den Arbeitsmarkt nötige Fähigkeiten zu produzieren, sondern ist auch - oder sollte - ein Ort der Charakterbildung sein. Dazu gehören geisteswissenschaftliche Fächer unter allen Umständen - Gequatsche hin oder her. Letzteres ist letztlich eine Frage der Lehrer- und Lehrplanauswahl, und dort müßte angesetzt werden - nicht an der Vorhandenheit der Fächer selbst.
Auch in naturwissenschaftlichen Fächern kann Unterricht sinnvoll oder sinnlos gestaltet werden. Sinnlos ist er dann, wenn es nicht um das Training von Denkstrukturen, sondern um bloßes Auswendiglernen geht - letzteres hat kaum qualifizierende Funktion, außer für ein Medizinstudium (eigene Erfahrung).
Wichtig wäre meines Erachtens aber eine stärkere Fokussierung auf Logik, was sich in vielen Fächern einbauen ließe.

4. Zugang zum Studium nur mit einerm Abiturschnitt von 2,5 oder besser: Es gibt durchaus eine nicht geringe Anzahl von Menschen, die einseitige Begabungen aufweisen. Aus welchen Grund sollte ihnen ein Studium verwehrt werden, das genau diese Begabung zum Inhalt hat? Des weiteren gibt es Menschen, die als "Spätentwickler" erst während des Studiums ihren ganzen Fleiß, Ehrgeiz und ihre ganze Begabung entfalten, ohne jedoch auf einen Abischnitt von 2,5 gekommen zu sein.

7. Mehr Kooperation mit der "Wirtschaft": An sich keine schlechte Idee, die auch bereits stark praktiziert wird, jedoch verstärkt dies die Tendenz, daß es bereits heute kaum noch unabhängige Forschung gibt. Das ist nicht zu unterschätzen. Drittmittel werden durchaus häufiger nur für kurzfristige Studien zur Verfügung gestellt und mit einer gewissen Wunschtendenz versehen.

Fazit: nochmal drüber nachdenken.

Martin
8. Dezember 2009 13:00

Oh weh ... eine Bildungsdiskussion!

Weil ja jeder diesen Prozeess mehr oder weniger in seinem Leben durchlaufen hat, meint daher jeder, kompetent mitreden zu können (ich gestehe: Ich tu´s ja mit diesem Beitrag auch irgendwie...) ...

ich persönlich stelle mir bei der "Bildungsdiskussion" nur die Frage: Cui bono?

Wem nützt die derzeitige universitäre Ausbildung ?

Und hier kann man ganz klar feststellen, dass seit Jahrzehnten ein akademisches Proletariat herangezüchtet werden soll, welches als useful tool passgenau für die Bedürfnisse unseres technologisch industriellen Systems verwendet werden kann.

Die "Fachidiotie" feiert mit dem verschulten Bachelor & Mastersystem fröhliche Urständ und Herr Menzel singt auch hier das Lied des Kapitals ...
und das als "rechte" und "konservative" ... ich muss schmunzeln!

Die Bildung zu einem Menschen, der einen Wertekompass hat und der selbständig sein Leben gestalten kann und zur eigenen Meinungsbildung fähig ist, dass sollte eines der Ziele sein, das man bei allen "Bildungsdiskussionen" nicht vergessen darf.

Und eines als ganz persönliche Anmerkung:

Ich persönlich habe jetzt schon mehr als ein Jahrzehnt Abstand seit meinem akademischen Abschluss und muss feststellen, dass bei den Kommilitonen, die über jedes Stöckchen gesprungen sind, das man ihnen hingehalten hat, die nur nach "Bestnoten" gestrebt haben und nach dem vermeintlichen "Superjob" eine erstaunliche Anzahl mittlerweile vor dem "Scherbenhaufen" ihres Lebens in Form von burn out, gescheiterten Ehen (wenn sie überhaupt einen Partner finden konnten - auch ein Riesenproblem unter Akademikern!) etc. stehen ... ein paar wenige leben sogar nicht mehr, da sie den Freitod für attraktiver hielten!

Aber ein NC ist ja so sinnvoll ... Selektion das einzig wahre .... etc. Herr Menzel, werden Sie mal trocken hinter den Ohren!

Um ein Bild aus dem Film "Steiner, das eiserne Kreuz" zu gebrauchen:

Es wird Zeit, dass Ihnen jemand zeigt, wo die eisernen Kreuze wachsen ...

dann hätten Sie evtl. die nötige Distanz, um nicht Vorstellungen von Julis, Arbeitgeberverbänden & Co. nachzuplappern ...

Mit Konservatismus haben diese Forderungen nämlich nichts zu tun - wohl eher etwas mit Strebertum, welches nicht von dem "armen, faulen, anderen Pack" behelligt werden will, wenn es dem "großen Professor" in den .... kriecht - sowas nennt sich dann "Elite" ...

Isa
8. Dezember 2009 13:11

Kommentar 2:

Als weitere wichtige Punkte, Universitäten betreffend, würde ich anführen:

- Die Anpassung der Semesterferien an das jeweilige Studienfach zwecks Verkürzung der Studienzeiten - nicht in jedem Studienfach sind die Semesterferien mit Praktika und Prüfungen gefühllt -, oder die Schaffung der Möglichkeit, auf ausgedehnte Semesterferien zu verzichten. (Wobei der Organisationsaufwand vielleicht dafür zu groß ist).

- Die standardmäßige Überprüfung der Situation von Doktoranden, um lange Verzögerungen und damit einhergehende Demotivation aufgrund miserabler Betreuung zu vermeiden. Schlechte Betreuung, Hinhalten der Kandidaten muß Konsequenzen für die Betreuungsperson haben, ein Doktorand darf vom Betreuer nicht als quasi leibeigen betrachtet werden.

- Die Abschaffung des Professorenstatus auf Lebenszeit, regelmäßige Qualitätskontrolle anhand fester Kriterien.

Hermann
8. Dezember 2009 13:35

Die Debatte scheint nicht sehr in Gang zu kommen. Dies ist kein Wunder, da Ihnen in allen Punkten zuzustimmen ist.

S. W.
8. Dezember 2009 13:51

Mein Senf zu Herrn Menzels Lösungsvorschlägen:

1. Bildungspflicht statt Schulpflicht: Frau Kositzas Meinung in Ehren, aber würde man als Konservativer nicht davon ausgehen, daß vom Staat getragene Institutionen, in denen junge Menschen zusammengeführt werden - etwa Schule und Militär - hochgradig gemeinschaftsbildende Wirkung haben, daß sie zum Zusammenhalt eines Volkes über regionale und soziale Grenzen hinweg (siehe Deutschland in den 1870ern oder, vielleicht, nach der Wende) und der Integration von Einwanderern erheblich beitragen? Würde Hausunterricht nicht eine Fragmentierung, eine "Ver-einzelung" der Gesellschaft begünstigen? Zugegeben, die gemeinschaftsbildende Wirkung einer Schule mit 80% Migrantenanteil kann man mit Recht bezweifeln. Aber bevorzugen Sie von der DITIB bereitgestellte Geschichts-, Politik- und Religionslehrer in den Haushalten deutscher Städte?

2. Stärkung der MINT-Fächer: In Deutsch, Geschichte, Englisch etc. wird also nur gequatscht? Interessant. Ich hätte jetzt gesagt, hier werden die Grundlagen zur Vermittlung eines deutschen und europäischen Kulturbewußtseins gelegt, nicht zuletzt auch die von Wirtschaftsverbänden gefordertem Kommunikations- und Fremdsprachenkenntnisse vermittelt. Nun gut - als Student geisteswissenschaftlicher Fächer bin ich da voreingenommen.

3. und 4. Selektion: Natürlich ist Selektion richtig und wichtig bzw. geschieht ohnehin. Aber damit der Laden läuft, brauchen wir nunmal jede Menge Ingenieure, Ärzte, Architekten, Lehrer etc. Vielleicht verstehe ich Ihren Elitenbegriff falsch - doch auch ein Hausarzt in Klein-Butzelsdorf braucht einen Hochschulabschluß. Sollen wir das nötige Personal (weiterhin) aus Tschechien importieren?

Eine hohe Zahl an Hochschulabgängern ist nötig. Und schließlich können doch die eigentlichen Spitzenkräfte sich bei einer hohen Studentenzahl aus einem größeren Personenkreis rekrutieren. Das hat Vorteile - eine kleine, abgeschlossene, sich selbst reproduzierende Elite wie in der DDR ist nicht unbedingt leistungsfähiger. Sie fürchten, der einzelne gehe in der Masse unter? Nun - auch an einer Massenuni kann man über herausragende Leistungen schnell Kontakt zu Dozenten knüpfen und mit etwas Glück eine Hilfskraftstelle erlangen. Das werden Sie doch aus eigener Erfahrung kennen, vermute ich mal.

Selektion als Königsweg (oder: Selbstzweck?) halte ich für Schwachsinn. Menschen, die unter Umständen brauchbare Lehrer, Ärzte, Offiziere hätten werden können, siebt man vorzeitig aus und macht sie zu Drehern, Gerüstbauern und Kfz-Mechanikern. Das sind ehrenwerte Berufe, die einiges abverlangen, keine Frage, aber wir brauchen eben nur eine begrenzte (und kleiner werdende) Anzahl davon. Das Interesse sollte doch sein, das in der Gesellschaft vorhandene Potenzial zu maximieren.

So recht Sie in manchen Punkten haben - wie wollen Sie mit Ihren Forderungen eine nennenswerte Anzahl von Studenten für sich gewinnen? Das spricht doch nur jene an, die sich für eine Elite halten und diesen Anspruch ostentativ nach außen vertreten wollen. Ich kann mich damit nicht identifizieren und werde mich wie bisher am 'Bildungsstreik' nicht beteiligen. In der bisherigen Form sagt er mir ja ohnehin nicht zu. Schließlich halte ich Kapitalismus und Staat für eigentlich ganz gut...

d.n.
8. Dezember 2009 13:58

@ Felix

Ganz überschlägig stimme ich den meisten Deiner Thesen zu. Von starren Zulassungsvoraussetzungen für ein Studium und festgesetzten Kapazitätsbeschränkungen halte ich jedoch wenig.
Es sollten schlicht die Anforderungen an die Studenten massiv erhöht werden. Damit einhergehend, sollte das Studium von seinem ganzen Spaßballast (Partys, Singlebörsen am Schwarzen Brett, Schwulen- & Lesbenbeiräte und ähnliche Kuriositäten) befreit werden. Dann würde sich vorab und völlig frei von Zwängen die Spreu vom Weizen trennen: jener Typus würde bereits in den ersten Semestern scheitern, der mir neulich erklärt hat, er habe seine Diplomarbeit innerhalb von zwei Wochen und ausschließlich mithilfe von „Internetrecherche“ geschafft; jene würden abgeschreckt werden, die sich in der U-Bahn beim Blick auf ein Werbeplakat angesprochen fühlen, das ein „Studium mit Bachelor-Abschluß neben dem Job“ verspricht; jene, denen einzig Studentenpartys und nicht die Anforderungen des Studiums schlaflose Nächte bereiten, dürften bald zur Minderheit werden.

Das Studium als „verlängerte Schulzeit“ oder „Orientierungsphase“ ist einfach für zu viele zu attraktiv: es sollte nur jenen Typ ansprechen, dem Wissensdurst, wissenschaftliche Exaktheit und Fleiß nicht Bürde sondern Ansporn sind. Dies läßt sich eher durch einen entsprechenden Ruf erreichen als durch ausschließlich zahlenmäßige Beschränkungen.

S. W.
8. Dezember 2009 14:13

Entschuldigung, noch ein Zusatz: Herr Menzel, Sie hatten sich eine 'Entpolitisierung der Bildung' gewünscht. Das halte ich für fatal. Jeder Staat hat das legitime Interesse, die junge Generation in seinem Sinne zu formen. Das ist eine der wesentlichen Aufgaben der Schule. Ich halte es für richtig und wichtig, daß etwa ein Geschichtslehrer im Unterricht nicht nur Fakten vermittelt, sondern auch eine kritische Solidarität mit der eigenen Vergangenheit: Ein Gefühl, daß der alte Fritz, die schlesischen Weber, der Bismarck und auch die Moorsoldaten Teil unseres Volkes, unserer Erinnerungsgemeinschaft sind. Natürlich kann man sich über eine tatsächliche oder vermeintliche Linksorientierung der Lehrerschaft beklagen und die Betonung von Kritik, nicht Solidarität, im deutschen Geschichtsunterricht feststellen - das aber wäre eine momentane, empirische Ausprägung, die das Prinzip 'politisierte Bildung' nicht unbedingt falsch macht.

[An die Administratoren: Vielleicht könnten Sie diesen Zusatz meinem ersten Beitrag beifügen. Danke, S. W.]

Martin
8. Dezember 2009 14:27

Nachtrag zum Thema Studiengebühren:

Was mich ärgert, ist, dass zumeist Leute, die unter Voll-BaFöG Bedingungen Studiengebührenfrei studiert haben, jetzt Studiengebühren fordern.

Klar muss die Chose irgendwie finanziert werden und es ist nicht einzusehen, dass man für Kindergärten und Meisterausbildung kräftig zu zahlen hat, während das Studium frei ist. Mein Vorschlag daher:

Nachgelagert ist zu finanzieren! Alle, die jemals eine Uni in Deutschland besucht haben - also auch die, die in den 60er und 70er Jahren studiert haben - zahlen für 10 Jahre 2- 5 % mehr Einkommensteuer!

Nur so lässt sich auch Generationengerechtigkeit herstellen!

Ich kann nur das fordern, was ich selbst bereit bin zu geben - und mir hätte Studiengebühren zu meiner Studienzeit weh getan - Eine nachgelagerte "Bildungssteuer" für Akademiker könnte ich dagegen ohne Probleme erfüllen ...

bernardo
8. Dezember 2009 15:30

So weit zu sehen, kommen in Menzels Beitrag die Begriffe Staat, Volk und Nation gar nicht und in der Debatte ebenfalls so gut wie nicht vor.

Bildung und Elite wozu?

Englischsprachige, global flexible Eliten ohne Bindung an irgend etwas außer der Arbeit und Karriere wären der Wirtschaft am liebsten.

Jede "neurechte" oder konservative Haltung zu Bildung kann das nicht wollen und muß von dieser Kernforderung her denken.

Coriolan
8. Dezember 2009 15:48

Also sprach der Zeitgeist.

Wer etwas wirklich Durchdachtes und Gehaltvolles zu "Bildung" und "Ausbildung" (und zum Unterschied zwischen beiden) lesen will, dem seien Friedrich Nietzsches fünf Vorträge "Über die Zukunft unserer Bildungs-Anstalten" anempfohlen.
(www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/Über+die+Zukunft+unserer+Bildungs-Anstalten)

Sie sind nicht nur ungeheuer luzide, sondern auch so frappierend aktuell, daß man glauben könnte, sie seien nach und als Antwort auf Herrn Menzels Thesen veröffentlicht worden.

Eine Kostprobe:

Ich will Ihnen gern beschreiben, welche Signatur ich an den jetzt so lebhaft und zudringlich sich bewegenden Bildungs- und Erziehungsfragen vorgefunden habe. Es schien mir, daß ich zwei Hauptrichtungen unterscheiden müsse – zwei scheinbar entgegengesetzte, in ihrem Wirken gleich verderbliche, in ihren Resultaten endlich zusammenfließende Strömungen beherrschen die Gegenwart unsrer Bildungsanstalten: einmal der Trieb nach möglichster Erweiterung und Verbreitung der Bildung, dann der Trieb nach Verringerung und Abschwächung der Bildung selbst. Die Bildung soll aus verschiedenen Gründen in die allerweitesten Kreise getragen werden – das verlangt die eine Tendenz. Die andere mutet dagegen der Bildung selbst zu, ihre höchsten, edelsten und erhabendsten Ansprüche aufzugeben und sich im Dienste irgendeiner andern Lebensform, etwa des Staates, zu bescheiden.
Ich glaube bemerkt zu haben, von welcher Seite aus der Ruf nach möglichster Erweiterung und Ausbreitung der Bildung am deutlichsten erschallt. Diese Erweiterung gehört unter die beliebten national- ökonomischen Dogmen der Gegenwart. Möglichst viel Erkenntnis und Bildung – daher möglichst viel Produktion und Bedürfnis – daher möglichst viel Glück – so lautet etwa die Formel. Hier haben wir den Nutzen als Ziel und Zweck der Bildung, noch genauer den Erwerb, den möglichst großen Geldgewinn. Die Bildung würde ungefähr von dieser Richtung aus definiert werden als die Einsicht, mit der man sich ›auf der Höhe seiner Zeit‹ hält, mit der man alle Wege kennt, auf denen am leichtesten Geld gemacht wird, mit der man alle Mittel beherrscht, durch die der Verkehr zwischen Menschen und Völkern geht. Die eigentliche Bildungsaufgabe wäre demnach, möglichst ›courante‹ Menschen zu bilden, in der Art dessen, was man an einer Münze ›courant‹ nennt. Je mehr es solche courante Menschen gäbe, um so glücklicher sei ein Volk: und gerade das müsse die Absicht der modernen Bildungsinstitute sein, jeden so weit zu fördern, als es in seiner Natur liegt, ›courant‹ zu werden, jeden derartig auszubilden, daß er von seinem Maß von Erkenntnis und Wissen das größtmögliche Maß von Glück und Gewinn hat. Ein jeder müsse sich selbst genau taxieren können, er müsse wissen, wie viel er vom Leben zu fordern habe. Der ›Bund von Intelligenz und Besitz‹, den man nach diesen Anschauungen behauptet, gilt geradezu als eine sittliche Anforderung. Jede Bildung ist hier verhaßt, die einsam macht, die über Geld und Erwerb hinaus Ziele steckt, die viel Zeit verbraucht: man pflegt wohl solche andere Bildungstendenzen als ›höheren Egoismus‹, als ›unsittlichen Bildungsepikureismus‹ abzutun. Nach der hier geltenden Sittlichkeit wird freilich etwas Umgekehrtes verlangt, nämlich eine rasche Bildung, um schnell ein geldverdienendes Wesen werden zu können, und doch eine so gründliche Bildung, um ein sehr viel Geld verdienendes Wesen werden zu können. Dem Menschen wird nur so viel Kultur gestattet als im Interesse des Erwerbs ist, aber so viel wird auch von ihm gefordert. Kurz: die Menschheit hat einen notwendigen Anspruch auf Erdenglück – darum ist die Bildung notwendig – aber auch nur darum!

Timotheus
8. Dezember 2009 15:52

Ich kann den allermeisten Thesen zustimmen, auch wenn ich Bologna prinzipiell für einen Fortschritt bzw. eigentlich eine Rückbesinnung halte. In der Nachkriegszeit war ein Studium nicht minder straff und prüfungsreich organisiert, als es jetzt v.a. der Bachelor ist. Meiner Meinung nach wurde hier lediglich das Rad der Zeit auf einen früheren, wünschenswerten Zustand zurückgedreht.

Studiengebühren, und da muß ich ebenfalls widersprechen, halte ich ebenfalls für ein Unding. Weniger aus sozialen Erwägungen heraus, denn wer keine 500€ pro Monat in seine Zukunft investieren möchte, der sollte ohnehin gleich abbrechen, sondern weil ich sehe und höre, was mit dem Geld veranstaltet wird. Da werden Aufgaben, die vor der Einführung von Studiengebühren aus dem Haushalt beglichen worden sind, nun mit Studiengebühren finanziert, während man die so freigewordenen Mittel dazu verwendet, um Terracottaböden gegen Granit auszutauschen, windige Zeitungen publiziert, riesige Flachbildfernseher in Atrien aufhängt usw., woraus ich folgere, daß die wenigsten Hochschulen das Geld überhaupt benötigen. Mir erscheint es oft genug nur der Verschwendung anheim zu fallen. Diese Beispiele sind übrigens kein Einzelfall...

Martin
8. Dezember 2009 16:56

Danke Coriolan für die Einstellung des Nietzsche Zitats.

Ich sehe die Fragen von bernardo "Bildung und Elite wozu?" und meine nach dem "Cui bono ?" darin bestätigt.

Es kann im Ernst nicht konservativ sein, Universitäten zu verlängerten Werkbänken zu machen ... was würden Schiller und Goethe dazu sagen?

Thorsten
8. Dezember 2009 17:21

Die Verflachung der breiten allgemeinen Bildung ergibt sich zwangsläufig aus der Fortentwicklung der Menschheit welche an der Masse von Information und Wissen zu ersticken droht. Ein Goethe konnte das Wissen seiner zeit überschauen und sich die notwendige Primärliteratur selbst anlesen. Uns ist dies nicht mehr möglich und wird dies nie mehr möglich sein. Das Bildungssystem muß zwangsläufig der Zeit angepaßt werden. Ein zurück, ist dabei die falsche Antwort, weil die Gegebenheiten völlig andere waren. Die Verflachung der allgemeinen und die Spezialisierung der besonderen Bildung ist deshalb eine Notwendigkeit. Die Herausbildung einer Vielzahl speziellster Studienrichtungen und die Förderung einer hohen Zahl an Studienabsolventen ist eine für dieses System notwendige Reaktion. Wir leben schließlich nicht mehr in vorindustrieller Zeit und auch nicht im Arbeiter- und Bauernstatt. Die Anforderungen des Wirtschaftssystems an seine Diener sind gänzlich andere als noch vor 50 Jahren. Wer das eine will, kann das andere nicht ablehnen. Klar wären die allgemeinen Anforderungen deutlich zu erhöhen. Dieses System hat daraus aber keinen Nutzen, ganz im Gegenteil. Auch die Bildungsdiskussion ist deshalb eine Systemdiskussion.

Elite ist schön und gut, aber kein Selbstzweck. Wem ein gewöhnliches Studium zu unelitär ist, der hat auch in diesem System jederzeit die Möglichkeit zu promovieren, auch mehrfach, oder zu habilitieren. Wer Anspruch sucht, kann immer noch fündig werden, und sogar preiswert fündig werden. Bildung ist immer noch billig zu haben. Wer sich in dieser Runde für ungebildet hält, hebe die Hand. Keiner? Aha, es geht doch, wenn man will. Sagt einer der immer noch sein Bafög abbezahlt.

Hesperiolus
8. Dezember 2009 17:22

Vermutlich gibt es wenig, das den anti-demokratischen und anti-egalitären Erkenntnisgewinn mehr fördert als die gemeinsame Schulstube; doch wäre das etwas teuer bezahlt. Immerhin das ex-malo-bonum-Argument nicht vergessen. Mich haben die zwei Jahre niedersächsischer Orientierungsstufe (Unfähigkeit überforderter und ideologisierter Junglehrer, Chaos, Anarchie, der Anti-Charme schon damaliger Lernmittel, soziale Mischung, Türken, Schmiereien und körperlicher Gestank) auf ewig zum "Rechten" gemacht. Die zwei Imperative unserer Bildungspolitik können nur lauten: 1. Selektion (nach Begabung und nach Benimm) 2. Härte (Anforderung und Leistung). Die intellektuelle Anstrengung für ein bestandenes Philosophiestudium darf nicht hinter der eines in Physik oder Maschinenbau zurückstehen, im Gegenteil! Nie werde ich eine in Deutschland promovierte Ausländerin, Germanistin, vergessen, welcher der Name Stefan George - auf mehrmalige Nachfrage mit besonders deutlicher Aussprache - unbekannt war. Aber dies ist mehr eine "Campus"-Geschichte, der die charakterliche Befähigung manches unserer Lehrkörper in Frage stellt. Im Übrigen Ordinarienuniversität wieder her!

DieQuadratur
8. Dezember 2009 18:05

"Die hier vorgebrachten Forderungen sind nicht konservativ, sondern entsprechen jener Denkungsart, die nachträglich zur Zersetzung aller altehrwürdigen Errungenschaften beiträgt."

Hier kann man Herrn Lenkmann nur zustimmen.

Herrn Menzel wäre angeraten seine Gomez Davila Exzerpte noch einmal aus dem Studierzimmer hervorzuholen.
Denn unser allseits beliebter Reaktionär hat es einmal sehr gut auf den Punkt gebracht als er sagte die Universitäten seinen zu "Multiversitäten" geworden um gesellschaftlich nützliches Wissen zu produzieren und der globalisierten Wirtschaft zu Diensten zu sein.
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"Stärkung der MINT-Fächer (Mathe, Informatik, Physik, Bio, Chemie). Um den Fachkräftebedarf in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen abdecken zu können,[...]"

"Nicht weniger, sondern mehr Kooperation mit der Wirtschaft."

--> Solche Aussagen der Anbiederung an die Moderne und ihre Prinzipien lässt man am besten unkommentiert!
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Was Deutschland braucht sind die "Gebildeten" und nicht die "Gelehrten". (Frei nach Davila und laut Till Kinzel auch nach Jose Ortega y Gasset in "Barberei des Spezialistentums". Da sind meine eigenen Exzerpte wohl auch nicht ganz lückenlos ;) )

"In einer ehrwürdigen Universität müßte die bloße Erwähnung eines zeitgenössischen Problems verboten sein." (Gomez Davila Einsamkeiten, S. 124)

rautenklausner
8. Dezember 2009 18:10

Viele der angebotenen vorschlaege kommen mir bekannt vor. Das waren marken des weges, den man in der ddr einst gegangen ist, mit polytechnischen schulen und dem rueckbau der geisteswissenschaften an den universitaeten, zugunsten der ing.- und naturwissenschaften, immer streng bedarfsorientiert und nach plan. Latein und altgriechisch? - Sprachen der sklavenhaltergesellschaft. Musische erziehung? Opium fuers volk.
Die Sezessionisten muessen, bevor sie ihre bildungsdebatte fuehren, erst einmal grundstaendig ihren konservatismusbegriff klaeren.
Der kotau vor weissmann bleibt im text rhetorisch, ich sehe hier einen abgrund zwischen zwei welten.

M.
8. Dezember 2009 19:29

Kann mich den oben von Konrad Lenkman und Isa gemachten Aussagen nur anschließen. Zum Glück hat Menzel in der Bildungspolitik nichts zu sagen.

Schloßprinz
8. Dezember 2009 20:12

Demnächst könntest Du im RCDS oder in der Jungen Union eintreten. Zwischen Konservatismus und Neoliberalismus oder dem Bekenntnis zur (a-)sozialen Marktwirtschaft machen die auch keinen Unterschied.
Hauptsache, man kommt als Rechtskonservativer bloß nicht dazu, zufällig mit den bösen Linken auch nur eine Gemeinsamkeit zu haben. Einfach überall und um jeden Preis gegen irgendeinen imaginären linkssozialen Strom schwimmen, stets das Gegenteil von den bösen Feinden, die immer nur links stehen können, meinen und fordern...
Daher bitte nicht wagen, das verkorkste Bachelor-/Master-System an sich infrage zu stellen; nein, geh bitte noch weiter und treib die Technisierung und Praxisorientierung, mit denen der deutsche Geist zweckmäßig zugrunde gerichtet wird, bis zum Äußersten! Vom Humboldtschen, vom deutschen Bildungsideal zu reden, ist ja doch nur eine romantische Träumerei, die nicht zu erreichen ist usw. usf...
Leistung muß sich wieder lohnen... Sozial ist, was Arbeit schafft... Und sozial will die Linke sein, also ist es generell schlecht, sozial sein zu wollen... Lieber in die radikale liberale Mitte, für die 'Leistung' nur von Managern und Großunternehmern erbracht werden kann, rutschen - nicht wahr? Meine Einwände sind ja nur sozialistisches Gewäsch, so wie die Feinde auch nur Sozialisten sein können... Vielleicht solltet Ihr Euch in Libertäre-konforme Aktion (LKA) umbenennen. Dafür gibt's dann den achso konservativen Gerhard-Löwenthal-Preis.
Freunde, Ihr seid einem Trugschluß verfallen.

derherold
8. Dezember 2009 21:55

Menzel muß man Dank aussprechen.
Die Kommentare zu seinem Artikel beweisen, daß in "hiesigen Kreisen" wohl nur rudimentäre Beschäftigung mit dem Bildungssektor vorhanden ist.

Es ist völlig korrekt: Die Massenuniversität (insbes. mit ihrem Langzeitstudium) diente dazu, die geburtenstarken Jahrgänge zu beschäftigen und domestizieren, was besonders ab Mitte der 70iger dringend notwendig schien.

Die Zeiten sind vorbei. Die straffe Verschulung ist notwendig, da a) nur noch die Hälfte der Studenten als studierfähig bezeichnet werden kann und b) ähnliche "Rekorde" in Sachen Studienabbrecher und Langzeitstudenten angesichts geburtenschwacher Jahrgänge volkswirtschaftlicher Selbstmord wären.

MINT-Stärkung ? Ja, ja und ja !
Aus jedem Abiturientenjahrgang eignen sich bestenfalls 10% für ein geisteswissenschaftliches (oder künstlerisches) Studium. Der Rest sollte bitte ein Lehre beginnen oder ein Brot-und-Butter-Studium belegen.

Wohin mit den "aus-selektierten" Minderintelligenten, die unter Kultusminister Menzel nicht mehr studieren dürften ?
Leute, Leute, die Frage stellt sich überhaupt nicht: Angesichts des demograph. Wandels und der partiellen Nicht-Eignung großer Teile der Bevölkerung gibt es einen kaum zu deckenden Bedarf an nicht-akademischen Fachleuten.

Martin
9. Dezember 2009 00:47

... und auch bei "derherold" wieder dieses unsägliche Bedarfsdenken!

Wer ne Berufsausbildung will, der soll bitteschön eine machen, wer eine mit mehr Tiefgang will, der kann zur Berufsakademie gehen oder zur Fachhochschule (dort gibt es auch duale Modelle), aber er soll von der Universität weg bleiben!

Aber nein, Akademiker will man ja sein und das geht ja nur auf der "Uni". Also wurde noch so jeder blanke Beruf eben auch "universitär" angeboten ... und die zu meiner Zeit spöttisch als "Fast-Hochschulen" bezeichneten FHs wurden, um nur ja nicht zu diskriminieren jetzt in "universities of applied sciences" umbenannt ... hört sich ja soooo sexy an und ist garantiert diskriminierungsfrei! (Und angesichts des Etikettenschwindels, welcher im Ausland Gang und Gebe ist, kann ich es sogar z.T. verstehen, warum man hier von deutscher Seite aus ein Stück weit nachgezogen ist, aber das ist ein anderes Thema)

Es gab einmal eine Zeit, da wurden Lehrer auf der Lehrerbildungsanstalt ausgebildet - das waren oft keine schlechten Lehrer, aber NEIN, heute MUSS es die Universität sein ...

Für den Beruf muss es eben die Fachhochschulen etc. geben - an den Universitäten sollte stattdessen der Geist der Freiheit herrschen. Wer hier mehr "Verschulung" fordert, hat nicht begriffen, worum es an einer Universität gehen sollte: Um Menschenbildung!

Und wer mit der Verantwortung, die einem die Freiheit in Forschung und Lehre aufbürdet, nicht zurecht kommt und stattdessen lieber in Kneipen abhängt, der ist früher gescheitert, wenn er sich nicht mal am Riemen gerissen hat und wird auch heute scheitern und das ist auch gut so! Nur wer es erfährt, sich eben selbst zu disziplinieren und mit der Freiheit umzugehen und keinen "Tutor" oder ähnlichen Quatsch braucht, der ihm sagt, wann er was zu lernen hat und wann er Feiern darf (was zur Persönlichkeitsbildung übrigens auch dazu gehört), der wird beispielsweise überall seinen Mann stehen können, da er sich zwangsweise die Methoden der Wissensbeschaffung auf eigene Faust beigebracht hat und auch kennengelernt hat, wie er sich auf einen Tag "X" vorzubereiten hat.

Wer nicht durch die scheinbare "Zügellosigkeit" der Universität gesintert wurde, sondern schön verschult den Stoff "bröckchenweise" mundgerecht zu sich genommen hat, der ist eben kein "Akademiker". Aber vermutlich eben bequemer in die allgemeinen Wirtschaftsprozesse einzubauen - Hinterfragung und eine störende eigene Meinung droht bei ihm auch viel weniger.

Also, es hat nichts mit bildungspolitischer Blindheit zu tun, wenn man fordert: Weg mit der Verschulung der Universitäten!

Bauer Gerhard
9. Dezember 2009 05:49

Ausbildung ist nicht mit Bildung zu verwechseln.

derherold
9. Dezember 2009 10:17

Die Universität bildet nicht !

Unter jetzigen Bedingungen ist eine Verschulung unumgänglich (s.o.) Die "freie" Universität könnte es nur geben,wenn die Studierendenzahl nur ein Viertel betrüge ... dann könnte man auch getrost auf Gebühren verzichten.

Selbstverständlich ist auch der Bedarf maßgeblich: Jedes Jahr verlassen in D. so viele Architekten die Uni wie in fast ganz Westeuropa zusammen, jeder zweite habilitierte Geisteswissenschaftler wird keinen Lehrstuhl finden und mit Müh und Not hat man die Juristen-Schwemme abbauen können. Ach ja, die Zahl der Studenten an der Kunsthochschule in Leipzig dürfte sich seit 1990 verfünfacht haben.

Druide
9. Dezember 2009 11:34

Die polemischen Ausfälle gegen Herrn Menzel scheinen auf einem eklatanten Missverständnis zu beruhen:

Menzel sagt (unausgesprochen):
- das, was sich Universität nennt, ist gar nicht mehr die alte Universität, sondern eigentlich heute schon eine Fachhochschule für alles Mögliche
- die alte Universität ist bereits TOT und von innen her NICHT rerformierbar
--> dasselbe gilt übrigens für das Gymnasium
- auch der Staat ist nicht mehr "unser" Staat, scheidet als Maßstab der Bildungsziele daher aus
&
- daraus folgen die oben genannten Thesen

Menzels Kritiker setzen hingegen voraus:
- die Universität muss wieder echt werden, und das ist möglich
- auch das Abitur muss man wieder aufwerten
- der deutsche Staat, muss sich wieder auf sich selbst besinnen, und dann im konservativen Sinne umlenken
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Persönlich halte ich Menzels Einschätzung für realistischer. Die von uns so geliebte universale Bildung wird nur noch durch privates Mäzenatentum erhalten werden können. Der Staat ist eben - außer Unvorhergesehenes tritt dazwischen - nicht aus sich selbst reformierbar. Der Staat muss zudem heute zweckrational arbeiten, weil die alte Homogenität das idealistische Denken erst möglich machte. Auch Bildung muss (leider) von Deutschen für Deutsche (ethisch sozial) privatisiert werden, um überhaupt noch etwas zu retten.

Gemeinschaftsbildung durch Militär und Schule klingt gut, benötigt aber heute andere Formen.

MaxHats
9. Dezember 2009 12:06

Nun ja. Ich bezeichne mich selbst auch als rechts. Was wir hier als bildungspolitischen WEICHEN präsentiert bekommen, enttäuscht mich. Ich möchte auch nur recht allgemein antworten: Es ist einfach zu dünn. Leider bewegen sich die Aussagen auf JU-Niveau, mehr als selektiv zusammengewürfelte JU-Gestammel ist es nicht.
Es lässt nicht nur so viele Dinge außer acht, sondern entbehrt auch jeder Vision. Es ist eine Mischung aus neoliberalerem Verwertbarkeitsfetischismus und pseudo(!)elitärem Gehabe. Abgesehen vom Punkt Bildungspflicht statt Schulpflicht könnte man nun beginnen, die einzelnen Thesen zu erörtern und auseinanderzunehmen. Aber wer beschäftigt sich schon mit JU-Phrasen.
Dies ist nicht böse gemeint, aber die Stärken des Verfassers liegen in anderen Bereich, jedenfalls nicht in bildungspolitischen Fragen.

Pat Bateman
9. Dezember 2009 15:34

Erstaunlich, wie viele Geisteswissenschaftler sich hier rumtreiben. Da hatte ich immer die Hoffnung, bei den Konservativen von den Sozialpädagogen und Uni Philosophen verschont zu bleiben, war wohl doch nichts. Aber vielleicht eine Antwort darauf, warum scheinbar nur noch der Papiertiger geritten wird. Die Macher dieser Seite nehme ich davon ausdrücklich aus.

derherold
9. Dezember 2009 18:08

Wenn man gar nicht mehr weiter weiß, sagt man einfach "neoliberal", ein Begriff, den Linke gerne verwenden, wenn sie sich nicht trauen, "faschistisch" zu sagen.

Wenn die Zuschneidung auf Leistung hinsichtlich der Zulassung zur Universität "neoliberal" ist, dann war die DDR der erste neoliberale Staat auf deutschem Boden.

Es ist doch bemerkenswert, daß genau diejenigen, die so gerne "freie Wissenschaften" sehen, genau diejenigen sind, die nach Abschluß des Studiums eine Stelle im Öffentlichen Dienst fordern(!) ... soweit kann es also mit der "Freiheit" nicht gediehen sein. Diese Selbstbedienungsmentalität ist alles mögliche aber mit Sicherheit nicht "konservativ". Aber es war schon Bourdieu bekannt, das das wichtigste Ziel eines Soziologen seine Verbeamtung ist.

Bereits 1990 kuriserten Meinungen diverser Jungtürken (in Büros, als habilitierte Dozenten oder mit frischem Uni-Diplom), die Studierquote eher abzusenken und sich hinsichtlich der Lenkung lieber östlich zu orientieren.

Im übrigen wird trotz Verschulung genügend Zeit bleiben, um "alles Mögliche" an Studier-und Bildungsmöglichkeiten an der Universität zu nutzen - Bologna als Prügelknaben für eigene Lethargie zu verwenden, ist unsinnig.

Schloßprinz
9. Dezember 2009 22:47

"Links", "DDR", "Selbstbedienungsmentalität", "Lethargie",
wie berechenbar diese pseudokonservativen Radikalliberalen sind. Andere Meinung = links, sozialistisch, Charakterschwein, faul - immer die gleiche Leier; links steckt die Wurzel allen Übels...
Nicht nur volks-, auch menschenfeindlich, weil völlig abgehoben sind diese libertär-elitären Ansichten, genauso kaltherzig und materialistisch, wie es sich eine CDU-/FDP-Koalition nur wünschen kann. Ich sehe nichts Subversives, nichts Nonkonformistisches an dieser Art "Konservatismus", nur die Eitelkeit einer Klasse, die sich noch nicht durchgesetzt hat.

Martin
9. Dezember 2009 23:36

@derherold:

Kleines Gegenbeispiel: Ich fordere die freien Wissenschaften und habe seit Jahren mein eigenes Unternehmen!

Aber wer verschult lernt, der läuft eben Gefahr in Schubladen und Stereotypen zu denken, da so dann ja auch zumeist abgeprüft wird ...

Mellel
10. Dezember 2009 01:07

@ Konrad Lenkmann

2.) Bei der Förderung der Naturwissenschaften, fragt man sich doch seit der Erfindung des Tamagotchi und der elektrischen Zahnbürste: Wozu? Man soll einmal ein paar noch nicht gemachte und doch notwendige Erfindungen

Je nun, nur mit Naturwissenschaftlern und Ingenieuren ist freilich kein Staat zu machen, d'accord. Nur mit verkrachten Intellektuellen, Carl-Schmitt-Interpolierern, Plattärschen und Bücherwürmchen freilich noch viel weniger. (Und mit Tiefschürfern und Herunterbrechern schon mal gar nicht.)

"Euer" Kaltenbrunner schreibt doch schon ganz nett über die Wichtigkeit von Funktionseliten, und da solltet Ihr ansetzen. Mit der Frankfurter Schule (die übrigens haargenau das gleiche Möchtegern-"Reflexionseliten"-Ressentiment gegen die Techniker hatte wie Ihr) könnt ihr eh nicht mithalten.

Für Euer Deutschland (das Gott sei Dank nicht das meine ist), ist es ganz unerheblich, ob irgendwo ne Diss über Eure obskuren Zwischen-Kriegs-Geistes-Heroen angenommen wird oder ob ein sehr ästhetischer Kurzfilm über zurückgebliebene Deutsche in Ex-Ostdeutschland gedreht wird. Das ist Banane, es interessiert niemanden. Ihr braucht Patente und Nobelpreise. ;-) Vor allem auch die Fähigkeit, die besten ausländischen Studenten anzuziehen und die besten inländischen nicht ins Ausland zu vergraulen. Quantifizierbares halt, auch wenn Euch gerade das besonders hart ankommt. :-)

Ich finde das auch ein wenig bedauerlich, aber Schreiberlinge gibt's im Dutzend billiger, immer und überall, auch im Iran und auch in Afrika -- Wissenschaftler und Techniker nun einmal nicht.

Also los, kommt runter vom Balkon. Und macht mal. ;-)

derherold
10. Dezember 2009 12:03

@Schloßprinz, ich weiß nicht, warum DDR noch mit Anführungszeichen geschrieben wurde. Ich sage, daß die DDR weit eher an einem bürgerlich, klassischen Bildungsideal festgehalten hat als die BRD. Das ist (deshalb ?) nicht "neoliberal". Und jetzt genug mit der Phrasendrescherei.

@Martin:"Ich fordere die freien Wissenschaften ... "
Dann würde ich an ein liberal arts college in den USA wechseln. ;-)

Vielleicht sollte man sich mehr mit der Realität als mit Wunschdenken beschäftigen. Die "freien Wissenschaften" bis zur Einführung des Bologna-Prozeses haben eben keine "freie Republik" gebracht, sondern das Gegenteil. Die Funktionäre des Kulturmarxismus haben alle "frei" studiert.

An einer Massenuniversität geht es nicht um Bildungsinhalte; Bildung selbst wird eher von der Schule vermittelt und ... vor allem...
kein B.A./M.A.-Studium hindert an "freiem Denken" - zumindest nicht mehr als zuvor.

Ich wußte zwar nicht, daß Berufsknüppel wie Benn oder Nolte Anti-Intellektuelle waren/sind aber das "Bildungsideal", das hier propagiert wird (siehe auch Birger Priddat zu dem Thema), ist das Ideal von Oxbridge des 19. Jahrhunderts.

Und das ist, ceterum censeo, an einer Massenuniversität mit einer Studierquote von rd. 40% nicht zu gewährleisten.

Julius
11. Dezember 2009 22:09

Eine kurze Besprechung des Artikels aus liberaler Sicht findet man hier

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