Sezession
11. Dezember 2009

Die jungen Männer

Götz Kubitschek / 35 Kommentare

Junge Leute haben das Recht zur Rüge, sie haben das Recht zur Attacke, zur Anmaßung, zur Arroganz des Neubeginns. Manchmal holen sie sich dabei eine blutige Nase -- oder man versteht ihre Verve nicht ganz: War es nötig, so zu poltern? Qualitätssicherung und Zurückweisung sollte auf dem Felde der Publizistik streng betrieben werden -- zumal, wenn es sich um das Netz-Tagebuch der schönsten, besten und wahrsten Rechten handelt.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Warum also darf Martin Böcker, 1981, hier bei uns den Binnenpluralismus bis an die Grenze der Respektlosigkeit strapazieren und unter dem selbstgewählten, übertrieben forschen Titel Verwesung und Larmoyanz zwei Mal sich selbst und seine Vorsätze mit denen der Normalbürger verwechseln -- und uns Jammerei und Defätismus vorwerfen? Stand er schon im Feuer?

Böcker darf, weil wir ihm den Zugang verschafft haben -- in den Kreis derer, die über Dekadenz, Aussichtslosigkeit, Volkstod und den Widerstreit von Vision und Realität schon bis zur Ermüdung debattiert hatten, als Böcker gerade die Grundschule verließ. Er darf es, weil er uns kennenlernen soll.

Vorweg: Wir sind kein "Bund" und keine Gesinnungsgemeinschaft, sondern eine Gruppe, die wahlweise und je nach Situation als konservativ, rechts, nonkonform, Neue Rechte, Kalte Rechte, Sezessionisten usf. bezeichnet wird -- und mit all diesen Zuschreibungen leben kann. Es kommt darauf nicht an, noch nicht.

Und nun, um es kurz zu machen: Böcker überschätzt sich und uns alle mit (damit meine ich: unser Volk), und er kennt auf der anderen Seite den Respekt vor dem alltäglichen Leben noch nicht (so scheint es jedenfalls). Er rügt reihum und übersieht das Geleistete, das tagtägliche Durchhalten, den zähen Aufbau (und damit meine ich im kleinen die vielfältige Verlags- und Strukturarbeit, von der er nun profitiert, und im großen die unzähligen Leute, die in der kleinsten Zelle des Volkes -- der Famlie -- Tag für Tag etwas für unser aller Zukunft tun). Er wettert zurecht gegen die Prediger der Aussichtslosigkeit und sieht den Ausweg doch nur dort, wo wiederum ich von einer totalen Kapitulation sprechen möchte -- in der Akzeptanz der Überfremdung.

Das ist der gefährlichste, weil geschmeidigste Punkt in Böckers Pamphleten: dieser Verweis auf "das Realistische", mit dem man leben müsse, und zwar nicht flennend, sondern zupackend, akzeptierend, weiterformend.

Aber nein:  Nur wer tatkräftig ins Politische vorstößt und das Machbare betreiben muß, wird mit dem "Realistischen" liebäugeln und ihm verfallen. Aber wir? Wir Metapolitiker? Wir Begriffesetzer, Wirklichkeitsbeschreiber, Szenarienbauer und Prognosensteller? Wie weit sprängen wir denn, wenn wir bereits geistig abrutschten? Wer so denkt wie wir, der geht wohl von Realitäten aus, aber dann beginnt er zu setzen, zu entwerfen -- große Loslösung, Sezession.

Und mit Verlaub: Böckers Entwurf wirkt nur realitätsnah oder irgendwie vernünftig. Das liegt an einer weitverbreiteten Harmoniesucht und einem weichen touch: Aus beidem erwächst der liebenswürdige Vorsatz, es doch immer wieder mit der Verständigung, der individuellen Ansprache, der Herausarbeitung von Gemeinmenschlichkeiten zu versuchen, wenn man dem Fremden in der U-Bahn oder am Imbißstand begegnet. Böcker umtanzt die harten Kriterien: die der Unvereinbarkeit, der ethnisch-kulturellen Distanz, der Brückenkopfmentalität, der Dynamik der schieren Zahl, der Unter- und der Oberschicht.

Nun, es wird nicht lange dauern, dann hat Böcker die Fakten akzeptiert, und die daraus abgeleiteten Prognosen für die nächsten zehn, zwanzig Jahre. Ich bin gespannt, ob er dann immer noch meint, daß der Durchschnitt der Eingewanderten dem deutschen Durchschnitt entspreche, und ich bin gespannt, ob er seine Kinder dann nicht doch lieber dort zur Schule gehen weiß, wo "das Gleiche" ein wenig gleicher ist als anderswo. Vielleicht läßt er sich von dem Umstand überzeugen, daß der Wind sich dreht: Hier im Deutschlandfunk etwa, wo einem Sebastian Edathy in der Diskussion über die Minarett-Entscheidung die Gutmenschenrolle einfach absprach und ihm Wirklichkeitsverweigerung vorgewarf -- man kann das hier nachhören.

Das Gute an den jungen Männern ist, daß sie ihre Lebenserfahrung noch vor sich haben und daß sie dabei hoffentlich begreifen, wieviel Anstrengung es kostet, etwas zu schaffen, zu erhalten und weiterzugeben. Der Respekt davor stellt sich nur bei Rüpeln nicht von selber ein. Das Leben (gerade das am metapolitischen Rammbock) ist eine Schule der Demut. Das meine ich gar nicht herablassend: Was mir mit 28 noch so an Machbarkeiten auf der Zunge lag! Wie konkret und nüchtern und damit lebensnäher und fruchtbar läuft das doch mittlerweile.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (35)

Nils Wegner
11. Dezember 2009 11:16

Nun, es ist gerade in der heutigen Zeit eben nicht leicht, von einer mit der Muttermilch aufgesogenen Ideologie des Abwägens, der Mehrheitsweisheit und der (auch und gerade marktwirtschaftlichen) totalen Berechenbarkeit aller Lebensfaktoren zum Irrationalismus zu finden, der ja eine genuin rechte gedankliche Triebfeder war und ist.

Dennoch darf und muss gegen die Larmoyanz in unseren Kreisen angegangen werden, und zwar so scharf wie nur irgend möglich. Allzuviele haben es sich auf dem Standpunkt "Es ist noch viel schlimmer" unheimlich bequem gemacht und pochen auf ihre "Ich habe es ja immer schon gesagt"-Wahrheit, ohne auch nur im Traum darauf zu kommen, ihre Kräfte einer möglichen Veränderung anheimzustellen.
Sicherlich, wenn diese Veränderung irgendwann kommen mag, stehen sie sogleich auf der "richtigen" Seite und frohlocken mit den Siegern, aber wie schal schmeckt ein Triumph, zu dem man selbst keinen Beitrag geleistet hat?

Wie dem auch sei; in jedem Fall finde ich den hiesigen Umgang mit dem Aufruhr, den Böckers Polemik scheinbar ausgelöst hat, sehr charmant. Bei den Kameraden von der anderen Feldpostnummer wird auf derartige Entwicklungen üblicherweise mit einer damnatio memoriae im Sinne von rigoroser Tilgung aller Hinweise auf eine Uneinigkeit reagiert.
Es ist schön, dass wir hier vernünftiger damit umgehen können.

Andreas Lehmann
11. Dezember 2009 11:39

Diesem Beitrag ist zuzustimmen.

1. Mindestens in diesem metapolitischen Feld wie es G.K. beschreibt sollte man klare Forderungen aufstellen, man sollte alles fordern, gerade weil man eben niemals alles bekommt was man fordert. Jeder kluge "Extremist" plant den "Kompromiss" stillschweigend ein. Eindeutigkeit als Stärke verstanden ist nicht nur ein Signal an den politischen Gegner, es hält auch die eigenen Reihen zusammen bzw. trennt die Spreu vom Weizen. Gemäßigtere Zeitgenossen können da trotzdem ihren Platz finden, ja sie haben auch ihre ganz eigene Berechtigung, dürfen aber nicht verwässern (jedenfalls nicht wenn es nicht vorher abgesprochen wurde).
Die verschiedenen Schritte hin zur (gesellschaftlichen) Dominanz, im kleinen wie im großen, bedürfen immer der Planung. Planung aber, taktieren, täuschen, überwältigen erfordert Erfahrung, Können und Maß halten. Erfahrung bedeutet zu wissen wie schlecht der Mensch ist, zu welchem Verhalten er bereit ist (der politische Gegner), Maß halten heisst nicht selbst "schlecht" zu werden.
Heiligt also der Zweck die Mittel? Manchmal, viel öfter als man denkt.

2. Harmoniesucht ist ein großes Problem, ein Problem das mittlerweile einfach alle Autochthonen betrifft. Sogar die Kommunisten sind weicher als zuvor.
Allgemein gesprochen ist es der Dekadenz geschuldet (Feminisierung, Verhausschweinung, Pazifismus etc). Wer Berichte aus vergangenen Zeiten liest weiss was gemeint ist. Der Unterschied ist fundamental, der (Lebens-)Wille springt einen geradezu an.

Harmoniesucht ist immer auch ein Zeichen von Angst und Schwäche. Berücksichtigend das wir im ethnischen Bereich vor allem orientalischen Zeitgenossen gegenüber stehen, sollte das besonders berücksichtigt werden. Funktionieren deren Gesellschaften (in denen es keinen deutschen, europäischen Ordnungstrieb gibt) doch immer noch weitestgehend nach dem Raubtier-Prinzip: wer Angst und Schwäche ausstrahlt wird nicht nur absolut respektlos behandelt (für ihn gelten keine Umgangsregeln mehr), er wird auch als erster zur Schlachtbank geführt.

Harmoniesucht, wenn sie zur Sucht wird, ist Todessehnsucht.

Bremer Roland
11. Dezember 2009 14:57

Ich war von Böckers Beitrag enttäuscht - die Überschrift ließ eine ganz andere Stoßrichtung des Textes erwarten: Eine Aufforderung zum Kampf um das Eigene, kein möglichst trickreiches Management des Status Quo. Ich habe schon viele gute Leute mit konservativen Idealen so in die Politik starten sehen. Sie waren alle der Meinung, sie könnten ihre Ideale in der Realpolitik durchsetzt. Entweder haben sie sich dann irgendwann zynisch abgewandt oder - so spätestens ab Kreisvorstandsebene - entdeckt, dass die wachsende Anzahl türkischer Wahlberechtigter doch irgendwie auch dem Nutzen der eigenen Partei (der eigenen Karriere) dienen könnte und man deshalb unbedingt auf diese wachsende Wählergruppe zugehen müsse... das Ende vom Lied ist bekannt und kann in jeder Großstadt-CDU besichtigt werden.

S.R.
11. Dezember 2009 15:49

Ich denke, es ging in Böckers Beitrag indirekt/unbewusst(?!) auch um die grundsätzliche Abwehr/ das Abtasten sektiererischer Tendenzen innerhalb der neuen Rechten.
Natürlich gehört es zum gesunden Menschenverstand, ein Übermaß an Zuwanderung abzulehnen, und selbstverständlich sollte gerade die neue Rechte auf ihren "Maximalforderungen" beharren.

Rational betrachtet spricht dennoch Nichts dagegen, innerhalb einer Situation wie Böcker sie beschreibt (starkes Land, dynamische Deutsche) integrierbare Mengen kulturfremder Menschen aufzunehmen. Dass dem nicht so ist, und wir uns momentan folglich überhaupt nicht in der Lage befinden, solche Debatten mit einer realistischen Perspektive auf Umsetzung zu führen, sollte man bedauern, ohne die Situation künstlich herbeiträumen zu wollen.

Was lässt sich also aus Böckers Text noch schließen?

Ein Bezug zu dem oben verlinkten, wirklich interessanten Beitrag des Deutschandfunk beispielsweise : Was spräche dagegen, einen Herrn Aldoan (ab Min. 55:17), der sich selbst als deutscher Sohn türkischer Einwanderer bezeichnet, als einen der "Unsrigen" wahrzunehmen?

Grundsätzlich kann ich für mich nur sagen, dass ich Zuwanderern gegenüber im alltäglichen Umgang offen bin, ohne Sie zwanghaft in meinen "inneren" Zirkel aufzunehmen zu wollen. - Was oft auch auf gegenseitigem freundlichem Desinteresse beruht.
Dennoch würde ich einem eingebürgerten Deutschen niemals prinzipiell das Recht absprechen, einer von "Uns" zu werden. Es gibt durchaus Migranten, die wesensmäßig durch und durch deutsch sind.

Abzuwehren gilt die Dominanz eines irrationaler völkischen Radikalismus. Dem "erfahrenen" Leser dieser Seite mag die Problematik überhaupt nicht aufgehen, der Vorwurf an sich ungeheuer erscheinen, aber jede "neue" Generation junger Sezessionisten möchte schließlich sichergehen, auf was sie sich einlässt, bevor eine ernsthafte Bindung in Frage kommt.

Womit wir zum eigentlich Kern meines Beitrages kommen:

Es wird in Deutschland viele verantwortungsbewusste junge Männer geben, die sich über kurz oder lang von dem intellektuellen Angebot der Sezessionisten angesprochen fühlen.
Niemand möchte allerdings seine Kraft und sein Engagement in eine Sache stecken, die sich in Engstirnigkeit oder sektiererischem Verhalten verfährt. Trotz aller Entschlossenheit sollte die Lageanalyse letztliche rational bleiben. Wäre die Situation, wie von Böcker beschrieben/erlebt, wäre sein Standpunkt absolut vertretbar.
Dass diese Diskussion hier zugelassen wurde spricht für die Kraft und das Potential des Projektes Sezession.

Noch etwas:
Debatten wie diese sollten mit weniger Angst geführt werden. Mir kam es oft so vor, als würde in den Antworten auf Böckers Einstand die diffuse Angst mitschwingen, jetzt stünde selbst die "letzte Bastion", der deutsche Rechtskonservatismus kurz vor ihrer Schleifung. Sind die Fundamente so unsicher?
Debatten zu unterdrücken, weil sie unter Umständen einer Art "Overton-Window"-Effekt erzeugen, halte ich für das Falscheste, weil intellektuell Einschränkendste überhaupt. Im Gegenteil, gerade dass solche Debatten geführt werden,... siehe oben...

Die Schere im Kopf sitzt ohne Zweifel tief. Mir ist klar, dass auch aus meinem Kommentar im Grunde genommen ein hässliches Vorurteil, eine pädagogische Anmaßung spricht, die mir als jungem Menschen schlecht zu Gesicht steht. Sie ist anerzogen, und damit jede Diskussion über das Thema auch immer extrem selbstreferentiell.
Es mag den Kreis der "alten" Sezessionisten deswegen vielleicht vor den Kopf stoßen, wenn alte Diskussionen, Lagebestimmungen und Überlegungen großspurig mit dem Eifer der Jugend übergangen werden, sie sollten aber Verständniss haben, dass auch "unsere" Generation diesen Kampf um innere Form und Haltung noch zu führen hat. Die Hilfestellung, die Projekte wie die Sezession dabei liefern, sind in meinen Augen eine große Hilfe, die gewürdigt werden sollte.

Preußischer! Junker!
11. Dezember 2009 15:52

Die einzige Erkenntnis, die ich für mich gewonnen habe, ist doch, dass diejenigen, welche zu schwach sind neokonservativ, christlich-konservativ, rechts-konservativ, national-konservativ und wirtschaftspolitisch neo-liberal bzw ordo-liberal zu denken, einfach gänzlich unfähig sind, Willenserklärungen basierend auf Fakten und nicht Wunschdenken abgeben zu können.
Wie heisst es schon in der einfachen doppelten Buchführung:
das Geld kommt von rechts und geht nach links!
Die einzige realistische Hoffnung zum Guten, ist die Hoffnung auf Entscheidungen erwirkt durch das Kapital, welche dann von den stärksten konservativen Individuen aufgenommen werden können, um Ansätze einer konservativen Ordnung in Deutschland wieder herstellen zu können.

Rudolf
11. Dezember 2009 16:58

Danke, GK.
Wobei ich Böcker hier, nur etwas polemisch gemeint, eher als "junge Frau" wahrnehme.

Man kann doch eh nichts daran ändern, also passen wir uns halt daran an.
Das ist keine kraftvolle, stolze Haltung, sondern eine sich unterwerfende.

Emorechter
11. Dezember 2009 18:12

Ich glaube nicht, daß Herr Böcker wirklich die Macher der Sezession angreifen wollte, obwohl sein Seitenhieb auf die letzte Aktion der KSA darauf hindeutet.

Nähert man sich aus konservativer Position der aktuellen Rechten, so kann ich seine Einlassungen aber durchaus nachvollziehen. Wer sich angenervt von der konturlosen CDU nach einer konservativen Alternative umguckt, ist im Normalfall nicht ausschließlich von der Ausländerproblematik getrieben, denn dann hätte er schon lange nicht mehr CDU wählen können. Vielleicht stört einen die EU-Hörigkeit, das "moderne" Familienbild, schlechte Bildung, ein mangelndes deutsches Selbstbewußtsein und kriminelle Ausländer will man auch nicht haben. Aber ethnische Säuberungsphantasien hat man in der Regel nicht. Auf der Rechten sieht man dann aber, dass die deutsche Vergangenheit und die ethnische Frage der einzige gemeinsame Nenner einer höchst disparaten Gruppe ist, die ansonsten kaum politische Ziele formuliert. Noch weniger als Ziele findet man aber Pläne, wie man ernsthaft an Einfluß gewinnen kann, da das von den meisten für unmöglich gehalten wird. Das nervt, selbst wenn man bereit ist, sich auf die Argumente für ein ethnisch homogeneres Deutschland einzulassen.

Die hier geäußerte Kritik an "der Rechten" trifft meiner Meinung nach nicht die Macher der Sezession, die kein so schmales Themenspektrum haben, sich ausdrücklich nicht einer konkreten Politik verschrieben haben und doch durch dieses Netztagebuch und die KSA in vorbildlicher Weise aktiv sind.

Wenn es ein Ziel der Macher der Sezession ist, eine Einigung im konservativ-rechten Lager herbeizuführen, dann ist Herr Böcker vielleicht ein Kandidat hier mitzuwirken. Man sollte ihm etwas Zeit geben.

Was die Frage aufwirft, ob die Macher dieses Netztagebuchs ein bestimmtes Ziel haben oder eine Hoffnung hegen, wozu diese Debatten hier führen könnten. Wie wäre es mit einem Metadiskurs über Qualität und Sinn der hier geführten Debatten? Hat hier schon mal jemand ernsthaft seine Meinung zu einem Thema revidiert oder suchen wir nur Bestätigung? An wen richten sich unsere Beiträge eigentlich? Wie weit lassen wir uns wirklich auf Argumente der Gegenposition ein? Usw.

Harry
11. Dezember 2009 18:12

@ Götz Kubitschek

Sie schreiben, Böcker "...sieht den Ausweg doch nur dort, wo wiederum ich von einer totalen Kapitulation sprechen möchte - in der Akzeptanz der Überfremdung."

Ich darf es genauer sagen, wie ich Sie verstanden habe: in der ETHNISCHEN Überfremdung.

Und darum geht es ja bei der Debatte: sieht man das Problem der Überfremdung als ethnisches oder als kulturelles Problem.

Ist es ein kulturelles Problem, dann kann das Rezept von Martin Böcker grundsätzlich greifen, nämlich der Nationalisierung der Ausländer, der geistigen Assimilation, wenn man so will. Auch hier ist es notwendig, Parallelgesellschaften zu verhindern und gewisse nicht erwünschte Personen (Kriminelle, Transferleistugnsempfänger, Islamisten etc) loszuwerden, verbunden mit der offensiven gestigen Assimilation der hier lebenden Ausländer unter die deutsche Leitkultur.

Ist es ein ethnisches Problem, dann gelten - zumindest wenn es nach Ihnen geht - die ungefähr gleichen Maßnahmen; hier um zu erreichen, dass die biologische und kulturelle Substanz des deutschen Volkes erhalten bleibt.

Auf der Ebene der sinnvollen und möglichen staatlichen Maßnahmen (Abschiebung krimineller Ausländer, Rückführung der ausländischen Transferleistungsempfänger etc.) ist der Abstand zwischen diesen beiden Positionen nicht zwangsläufig sehr groß, vielleicht wollen Sie etwas mehr, Martin Böcker womöglich etwas weniger, aber das ist nicht wirklich wichtig für dieses Thema. Für einen völkischen Hardliner, der alle Ausländer hinauswerfen will, halte ich Sie jedenfalls nicht. Aber die Weichen sind so gestellt und gerade WEIL Sie diese metapolitisch so stellen, wie Sie es getan haben, finden Sie sich - früher oder später - in einer Gesellschaft und mit Anhängern, die mir suspekt sind, weil diese Kräfte weit über das hinausgehen würden, was ihnen vorschwebt.

Gerade in Ihrem Beitrag "Wir und die Anderen" haben Sie noch die Möglichkeit der Integration bestimmter Migrantengruppen ausdrücklich genannt, die scheitern kann an a) einem schwachen Staat und einer Gesellschaft, die kein Selbstbewusstsein mehr hat, sowie b) an der Unfähigkeit zur Integration bestimmter Gruppen. Mithin wäre die Option, die Martin Böcker bietet, davon zumindest nicht weit entfernt.

Was diese geänderte Ansicht (oder habe ich das etwas missverstanden???) soll, verstehe ich nicht. Neue Rechte = Alte Rechte?

Noch eine Bemerkung zum Umgang mit Martin Böcker: Die Reaktion der völkischen Verfechter war bezeichnend. Unfähig zum Gespräch (sic!), unmöglich im Benimm. Und was machen Sie? Noch ein Tritt. Junger Kerl... leiste erstmal was... wird schon noch schlau...

Ich bin sprachlos.

Turm König
11. Dezember 2009 18:40

Martin Böcker: zu antinational für die Nationalen, zu national für die Antinationalen; zu liberal für die Konservativen, zu konservativ für die Liberalen; zu links für die Rechten, zu rechts für die Linken - auch für mich so liberal, daß ich mich selten seiner Meinung anschließen kann.
In seiner JF-Kolumne hob er den patriotischen Ansporn als Grund seines Engagements in der konservativen Publizistik hervor. Gebt dem "jungen Mann" ruhig eine Chance, egal, wieviel harten, genauer gesagt "weichen" Tobak von ihm die "alten, starken Männer" rauchen müssen!

Dennoch solltet Ihr Euch und Euren Lesern vielleicht einmal klarmachen, worin Euer Konservatismus sich vom Wirtschafts- und auch vom Nationalliberalismus unterscheidet. Mir leuchtet beispielsweise nicht ein, wieso ausgerechnet mit den Radikalliberalen, den Libertären vom EF-Magazin, eine Art Bündnis geschlossen wurde. Beiden Gruppierungen eint die zivilgesellschaftliche Isolation, die aus der politischen Unkorrektheit ihrer Ansichten resultiert - und sind sie deshalb schon weltanschaulich kompatibel? Hier herrscht Diskussionsbedarf, denn bisher wurde eine offene Auseinandersetzung "konservativ vs. liberal" diskret gemieden, wie mir scheint.

Preußischer! Junker!
11. Dezember 2009 21:31

Ich dachte immer wir seien das Tätervolk, dass sich seiner Schuld andauert bewusst sein müsste? Ein Tätervolk, welches Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus übernehmen müsse. Jetzt sollen ja Juden, andere Kanakken und Neger auch richtige Deutsche sein...schämen die sich denn jetzt auch und hassen sich selbst wegen Verbrechen des vorangehenden Jahrhunderts?

Thorsten
11. Dezember 2009 22:37

"...Netz-Tagebuch der schönsten, besten und wahrsten Rechten handelt."

Das ist schon so übertrieben formuliert, dass man es fast für ironisch halten könnte, wenn man nicht wüßte, dass es wirklich ernst gemeint ist.

Ansonsten: Bevor man einen Böcker hier dummdreist schreiben läßt wüßte ich noch ein paar andere. Ganz ernsthaft. Junge Männer gibt es so viele. Und manche verstehen durch Provokation nicht zu lähmen sondern zu aktivieren.

Ist Böcker nicht der, der auch im JF-Blog nicht verstanden wird?

Martin
11. Dezember 2009 23:17

... ein paar Beiträge vor diesem Beitrag von Herrn Kubitschek findet der aufmerksame Sezession Leser den Aufsatz zum 65. Geburtstag von Botho Strauß und kann dort folgenden Satz finden:

...konstatierte Strauß angesichts der massenhaften Armutswanderung nach Deutschland: »Da die Geschichte nicht aufgehört hat, ihre tragischen Dispositionen zu treffen, kann niemand voraussehen, ob unsere Gewaltlosigkeit den Krieg nicht bloß auf unsere Kinder verschleppt.«

Ich meine, dies ist bei allem Willen zur Realitätsakzeptanz im Böckerschen Sinne das Argument, dass einem den Willen zur Harmonie schlicht abschnürt.

Zu Böckers bisherigen Ausführungen nur noch eines:

Wer Realist sein will, der darf nicht von einem machtvollen Deutschland sprechen, nur weil man ab und an einen Überschuss in der Außenhandelsbilanz Deutschlands feststellen kann ... ansonsten lese ich Böcker genau so, wie ich die anderen Autoren der Sezession lese ... weitermachen also!

Zum Abschluss:

Ich musste doch leicht lachen, als ein Herr des Jahrgangs 1970 (!), der also noch nicht mal 40 ist, in altväterlicher Attitüde über die "jungen Männer" am Beispiel eines Mannes des Jahrgangs ´81 spricht ...

Kiki
12. Dezember 2009 00:27

@martin
Nur daß der Herr Jahrgangs 1970 Vater von sechs Kindern ist und diese auch selbst ernährt - im Unterschied zu manch ewigknusprigem Kinderlosen jenseits der 40er.

Nicht die Jahre, sondern die Leistung machen die Lebensfülle.

bernardo
12. Dezember 2009 13:33

@thorsten „…Netz-Tagebuch der schönsten, besten und wahrsten Rechten handelt.“

Wer nicht spätestens beim "wahrsten" lacht, der hat das Lachen ganz verlernt. Wenn ich das nicht für eine Veranstaltung mit Selbstironie halten würde, würde ich hier gar nicht reinsehen.

@Preussenjunker "Wenn man sich die Geschichte der Menschheit anschaut, dann gibt es eigentlich nicht einen Staat, in dem Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft, reibungslos miteinander auskommen konnten."

Wenn man sich die Geschichte der Menschheit GENAU anschaut, dann gibt es eigentlich nicht einen Staat, in dem nicht Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft, reibungsvoll miteinander auskommen mussten.

Das Leben ist eins der schwersten, sollten Rechte eigentlich wissen.

Zentralwerkstatt
12. Dezember 2009 14:58

Publius Cornelius Tacitus vor 2.000 Jahren:

"..., wer möchte Asien, Afrika oder Italien verlassen und Germanien aufsuchen, wo ungestaltet der Boden, rauh der Himmel, das Land nur von Heimischen mit Freuden zu bebauen und anzublicken ist?"

Warum das Land heute auch für weniger Wetterbeständige so attraktiv ist, weiß jeder Arbeitende, der auf seinen Lohnstreifen sieht.

Unsere Ahnen, die den einst ungestalteten Boden hier in Jahrhunderten gestaltet haben - mit Schweiß und auch Blut – räumten uns sicherlich ein Vorrecht auf diesen Boden ein. Aber ich selbst fühle mich diesem Erbe auch verpflichtet.

Es gibt keinen „öffentlichen Raum“ in dem Sinne, dass da eine politische Klasse nach Belieben und Zeitgeist darüber bestimmen oder ihn für „alle Welt“ öffnen könnte. Hier stand vor Jahrtausenden nichts als Urwald! Die Kennzeichen der Zivilisation wurden von den zur jeweiligen Zeit hier lebenden Einheimischen erbaut. Welche Berechtigung hätten denn die meisten Einwanderer, hier einen Anspruch auf Bleiberecht zu erheben? Was haben sie dem Land gebracht?

Es ist eine Tragödie für die Menschen beider Seiten. Hier muß aber das Recht des einen gegen das Recht des anderen abgewogen werden. Eigentum ist Menschenrecht. Und wenn es gerecht zugehen soll, muß man den Einwanderern den Kredit durch das deutsche Volk endlich auch in Rechnung stellen. Das wäre aber wohl so verheerend für die Kulturfolger, dass niemand mehr zweifelte, dass es notwendig ist, sich von den Gästen und ihren Nachkommen zu trennen.

Wer Multikulti will, bitte sehr, für ihn privat - soweit er seine Geldbörse öffnen kann!

Nihil
12. Dezember 2009 15:04

Andreas Lehmann: "Harmoniesucht, wenn sie zur Sucht wird, ist Todessehnsucht." -- völlig richtig! Die Alternative: der freudige(!) Kampf.

Turm König: "Hier herrscht Diskussionsbedarf, denn bisher wurde
eine offene Auseinandersetzung 'konservativ vs. liberal' diskret
gemieden, wie mir scheint."
-- Ja, das ist so. Man scheut damit auch die wirtschaftlichen Fragen (die ich ohnehin nicht für so wichtig halte), man scheut die Frage nach dem "Fundament" (Christentum, "Heidentum" / für mich - was die Theoriedebatte betrifft - entscheidend), die Systemfrage "westliche Demokratie" (eigentlich auch nicht so wichtig) -- kurzum: man umschifft relativ gekonnt mögliche Bruchlinien innerhalb der "eigenen" Reihen aus strategisch-taktischem Kalkül wie es allen politischen Bewegungen zu eigen sein muß. Das hat die franz. "Neue Rechte" nicht notwendig, und dafür schätze ich sie auch so sehr.

Kiki: "Nicht die Jahre, sondern die Leistung machen die Lebensfülle." -- Lassen Sie uns "Leistung" durch "Erfahrung" ersetzen, denn manche "leisten" unheimlich viel und haben trotzdem nichts kapiert.

Thorsten
12. Dezember 2009 17:07

@Frau Kikitza

Ich mag Frauen, die den eigenen Mann verteidigen. Genau so muß es sein. Ganz im Ernst.

Aber Leistung bemißt sich nicht nur an Kindern. Dann hätten manche Größen unseres Volkes nichts geleistet (unter vielen anderen z.B. Friedrich der Große). Jeder hat seine Berufung, der er gerecht werden muß.

Hesperiolus
13. Dezember 2009 12:57

Dieser ganze JU-Konservatismus betreibt Landschaftsgärtnerei auf Abraumhalden. Im Bloyschen Sinne brauchts Abbruchunternehmer. Tiefe bohren....dann Sprengladungen einsetzen. Valet.

Rautenklause
13. Dezember 2009 14:01

@Thorsten

Aber Leistung bemißt sich nicht nur an Kindern. Dann hätten manche Größen unseres Volkes nichts geleistet (unter vielen anderen z.B. Friedrich der Große). Jeder hat seine Berufung, der er gerecht werden muß.

Richtig, aber es ist doch oft der Fall, daß sich Kinderlose in rechten Kreisen gerade mit mystischen Berufungen, Härte des Kampfes etc.pp aus der Verantwortung ziehen. Unerträgliches Gesabbere

Thorsten
13. Dezember 2009 19:35

@Rautenklause

Stimmt, unerträgliches Gesabbel. Aber auch das ständige "ich habe soundsoviel Kinder, achte mich gefälligst" ist unerträglich.

Wer keine Kinder hat bestraft sich vor allem selbst. Dem müssen wir dies nicht noch vorhalten. Es sei denn, wir halten unsere eigene Kinder für eine unangemessene Belastung. Dann aber sollten wir besser keine haben.

Turm König
13. Dezember 2009 20:42

An Nihil und alle anderen Rechtskonservativen: Ich halte es für einen Fehler, die sozioökonomischen Fragen außer acht zu lassen. Ob man es nun für gut hält oder nicht - das Wirtschafts- und Sozialpolitische bewegt das Volk und entscheidet demzufolge auch über die Wahlergebnisse von den etablierten Parteien. Sich mit der weltweiten Finanzkrise allein geistig, moralisch und metapolitisch auseinanderzusetzen, reicht nicht aus - ebensowenig die den arbeitenden Normalbürger nervenden ewigen (mehr liberalen) Appelle an "Selbstverantwortung" und "Eigenleistung". Das Bild vom mehrheitlich wegen persönlicher Faulheit und Dummheit arbeits- und zukunftslosen Proletendeutschen ist sowieso wirklichkeitsfern. Die Mehrzahl ist tatsächlich "Opfer der Verhältnisse", die es irgendwann mal (nicht nur von Links) zu analysieren gilt.
Ich behaupte, daß den meisten politisch interessierten Leuten keine Dauerbeschäftigung mit Ernst Jünger und Carl Schmitt unter den Nägeln brennt, sondern wenigstens ab und an ein Blick auf die kleine Welt ihres Arbeitsalltags. Wird nicht immer gesagt, die Rechten stünden für "das Konkrete" und die Linken für "das Abstrakte"? Also wie die Neue Rechte zu unserer Wirtschaftsordnung, zum Liberalkapitalismus oder überhaupt zur BRD-Arbeitsmarktpolitik steht, habe ich bis heute nicht mitbekommen. Welche sozial-wirtschaftliche Ideologie (böses, böses Wort, hier gleichbedeutend mit 'Anschauung') wird bevorzugend behandelt?
Weil in derlei Fragen die konservativen Rechten zu keinem konkreten Standpunkt neigen, werden sie immer nur eine achso kultivierte bildungsbürgerliche Menschengruppe ansprechen, deren eigene kleine naheliegende Welt noch in Ordnung ist: Das ist der Nachteil vom elitären Anti-Massen-Gehabe, das sich vom Volk mehr entfernt, als sich ihm zu nähern. Der große "Rest" wird von sozialistischen Traumfängern aufgegriffen, weil diese sich scheinbar als einzige gegen das "im schlechten Sinne [B]ürgerlich[e]" (aus Götz Kubitscheks Brief an Wolfram Weimer) und dagegen, was man "soziale Kälte/Ungerechtigkeit" nennt, zur Wehr setzen. Oder hängt diese Schwerpunktsetzung nun der "Idee/Logik der Gleichheit" (aus Frank Lissons "Wozu provozieren?") an und riecht nach zuviel NPD, ist somit nicht diskussionswürdig?

Nikodemus
14. Dezember 2009 12:55

Böckers Text vermittelt mir als zentrale Botschaft: Das Problem sind nicht in erster Linie die Fremden, sondern wir selbst, weil wir selbst keine Identität haben (wollen), die die Zuwanderer annehmen können oder auch anzunehmen hätten.

Ich halte es zwar für falsch davon auszugehen, dass die Mehrheit der Zuwanderer tatsächlich eine deutsche Identität sucht - das mag in anderen Zuwanderungsländern so sein, hier nicht -, aber der Mangel an deutschem Profil ist sicher ein wichtiger Faktor. Solange sich die Deutschen selbst nicht ernst nehmen, tut es auch kein anderer. Den Einwurf muss man schon ernst nehmen. Und um ein Profil zu finden, reichen eben Anknüpfungspunkte nur in der Geschichte nicht aus.

Ich ergehe mich selbst gerne in Dekadenz-Beschimpfungen, aber auch die Rechte muss zuschauen, dass sie Anknüpfungspunkte in die de-facto-Gesellschaft findet. Dass bedeutet nicht, sie in allem oder auch nur grundsätzlich abzunicken. So habe ich den böckerschen Text aber auch nicht verstanden. Nur muss man letztlich mit dem Material arbeiten, das da ist. Wir bekommen keine andere Welt.
Was dann aber auch gilt: Etwas als de-facto akzeptieren darf nie dazu werden, es auch automatisch gut zu heißen. Das ist die Gefahr. Aber für die Neue Rechte in ihrer derzeitigen Zusammensetzung ist diese Gefahr reichlich theoretisch.

Artisan
14. Dezember 2009 20:55

@Thorsten:
Sicher ist das Kinder haben an sich noch nichts, was den einen (mit Kind) über den anderen moralisch erhaben macht.
Mich wundert es trotzdem immer wieder, daß gerade in rechtskonservativen Kreisen, wo so gerne von der deutschen Familie als Pfeiler der Gesellschaft schwadroniert wird, die größten Schwadronierer dann doch erstmal Karriere, Hobby, Lebensabschnittsbegleitung etc. vorziehen. Sollen sie doch, aber mir ist der Durchschnittsdeutsche von der Straße, der täglich seine Kinder ordentlich versorgt und erzieht, ein besserer "Rechter" als so mancher Phrasendrescher, von denen es ja hier auch den ein oder anderen gibt....
Wie gesagt, sollen alle machen, was sie wollen. Aber wessen ständiges Thema die ethnische Überfremdung ist, der kann sich schon mal an den eigenen Kopf (oder Unterleib) fassen. DIE werden immer mehr, WIR immer weniger. Aber bitte.... ;-)

Olaf
14. Dezember 2009 22:29

@Turm
Sie sind offenbar sozialdemokratisch bewegt. Sowas wurde ja auch schon diskutiert, zB letztens von Herrn Sloterdijk in der Cicero, dass die heutige "Rechte" von sozialdemokratischen Paradigmen vereinnahmt wurde. Brauchen wir wirklich, neben den fünf sozialdemokratischen Parteien im Bundestag, noch eine weitere, die sich "Die Rechte" nennt? Kann sich Deutschland sowas weiter leisten? Gerade, wo die Unterschicht - bei x hundert tausend Zuwanderern pro Jahr - immer multikultureller und "bunter" wird?
Und die wenigen deutschen Unterschichtler, die national sind, neigen meist wegen ihrer Frustration zur politischen Radikalität, nach dem Muster der NPD und der Freien Kameradschaften. Also gerade ein Image, dass das IfS nicht für sich in Anspruch nehmen will, wenn ich GK halbwegs richtig verstehe.
Es wäre auch unglaubwürdig, der Unterschicht den Milliardensegen in der Sozialpolitik zu versprechen, wenn man dieses Versprechen nicht halten will (oder kann, bei der kommenden Demographie). Die riechen das, und wenden sich dann gleich dem "Original" zu, sei es NPD oder Linke. Nein, ich finde die Rechte sollte nicht auf x-te Kopie der Sozialdemokratie machen, sondern einen grundlegende Sezession von diesem falschen Politikansatz anstreben.

Ellen Kositza
15. Dezember 2009 11:07

Thorsten, das sehe ich jetzt erst: Was für eine alberne Vorstellung, daß ich mich hier als "Kiki" verkleidet anstelle, um "den eigenen Mann zu verteidigen". Ich sehe auch nicht, daß ich mich je "gebrüstet" haben sollte, sechs Kinder zu haben. Wer bewußt keine hat, tut mir auch nicht "leid" - ist schon alles recht so!

Überhaupt kann ich mit mit dem Jammer-Vorwurf nichts anfangen. Heulsusen-Rechte kenn ich mehr vom Hörensagen, jedenfalls kaum aus den Reihen der Sezession.
Wenn es Larmoyanz sei soll, Kritik zu äußern oder den berühmten Finger in die Wunde zu legen - also bitte! Dann jammern wohl alle, die sich, wo auch immer, anders als affirmativ zu Wort melden: Die Antifas über den repressiven "Bullenstaat", die Linken, daß ihnen die Gelder gg. "Rechts" gekürzt werden, die Feminstinnen über Nichterfüllte Frauenquoten, die Ausländer wg. Ausgrenzung, die Ökos über blinden Konsum, die Libertären über Sozialismus, usw., usf. Dann wär wohl jede kritische Zeitung ein Jammerblatt.
Und da soll ausgerechnet die Neue Rechte sich ihr Alleinstellungsmerkmal damit verdienen, daß sie durch die Gegend frohlockt?

Thorsten
15. Dezember 2009 12:23

@Kositza

Nun denn, dann war es einmal weniger nicht so (die Verteidigung, nicht die Verkleidung). Asche auf mein Haupt, ich kann das Lob nicht loswerden ;-)

Der andere Text ging an "Rautenklause". Insofern hatte dieser weder etwas mit Kiki noch Kositza zu tun. Wenn ich gewußt hätte, dass das so interpretiert wird, hätte ich Dich ausgenommen, und auch die meisten anderern Großfamilien. Tatsächlich sind es meist nur Kleinfamilien, die sich derart äußern, weil Familie nur bürgerliche Erwartung und keine Überzeugung war, dann bei 2 oder 3 Kindern auch endete, und man dem nachtrauert was man eigentlich gewollt hätte: Persönliche Freiheit und Selbstverwirklichung.

Zu Deinem zweiten Absatz, mit dem wir wieder zur eigentlichen Diskussion zurückfinden: Zustimmung. Das Jammern über das Jammern ist nun wirklich völlig daneben.

Andreas Lehmann
15. Dezember 2009 14:18

@ Olaf

Ich gebe Ihnen ganz klar recht. Wenn die Rechte nicht sozialdemokratisch sein soll, und schon gar nicht sozialistisch, kann sie nur (von mir aus gemäßigt) wirtschaftsliberal sein. Sie könnten sich ohne Preisabgabe irgendeines Teils genuin rechten Gedankengutes auf die konservativ-liberal geprägte Wirtschaftsordnung der jungen Bundesrepublik berufen, ja besinnen: die soziale Marktwirtschaft. Und bei Bedarf könnte sie sogar noch wirtschaftsliberaler werden, und sich an der ökonomischen Ordnungspolitik der beiden deutschen Kaisserreiche orientieren.

Um einen ersten Anstoß zur Debatte habe ich mich hier zweimal bemüht, und werde das auch fortführen:
https://ef-magazin.de/2009/11/26/1692-wandel-durch-annaeherung-zwischen-konservativen-und-liberalen-vol-1-strukturelle-oder-konjunkturelle-krisenbewaeltigung

Kollektivismus und (übertriebener) Etatismus stehen linken Massenmenschen gut an, Menschen die andere Menschen brauchen um in der Welt stehen zu können. Eindeutig rechte Staatsformen, nehmen wir das alte Preußen, haben immer zuerst auf den Einzelnen, die Person gesetzt. Dann kam die privat konstituierte Gemeinschaft (um gerade auch die Schwächeren einzubinden), Familie etc. Und dann erst der Staat, erst mein badischer Großherzog, und dann der Kaiser in Berlin.
Und im ökonomischen Bereich läuft es ganz genauso. Es sind grundsätzliche Prinzipien die sich da fundamental gegenüberstehen. Entweder oder!

Zur Jammerthematik:
Die Rechten sind nun mal diejenigen die die Realität am besten erfassen, und dadurch die Probleme frühzeitig und umfassend erkennen und beschreiben können. Das andere das jammern nennen, sollte uns auf deutsch gesagt am Allerwertesten vorbeigehen. Rechte sollten ihr Ding durchziehen und auf ihr angelegtes Potential hören. In der jetzigen Situation, wo uns das Wasser bis zum Halse steht, auf die Lauwarmen zu hören wäre grundfalsch. Was soll das bringen? Rauszögern? Weitersaufen? Konsens mit denen die uns seit Jahrzehnten die Debatte verweigern und uns wie Dreck behandeln?

Zum Kinderkriegen:
Ich kann nur von mir selbst sprechen (27 Jahre). Ja ich würde gerne Kinder bekommen, und ich habe das schon mit 16 so gesehen. Aber:

1. Ökonomisch
Die Lage war und ist bei vielen jungen Leuten nicht rosig, wer vielleicht gar selbständig tätig ist wird das nachvollziehen können. Bruder Staat saugt ab was geht (ich weiß, das ökonomische ist ja nicht wichtig...). Ich aber werde niemals eine Familie gründen wenn ich sie nicht versorgen kann. Ich habe weder kostenintensive Hobbies noch teure Lebensabschnittsgefährtin, und trotzdem ist es bockschwer. Es sind einfach zu viele Kostenpunkte die ich niemals wollte und trotzdem bezahlen muß.

2. Anderes Geschlecht
Mit der feministischen-egoistisch-modernen Anspruchshaltung (der ich in meinem Umfeld ständig begegne) werde ich mich nicht arrangieren. In einem deutschen, christlichen Sinne verstanden ist der Mann der Mann und die Frau die Frau. Das ist so grundsätzlich das man darüber keine Sekunde diskutieren muß. Ich kenne nicht wenige Männer die es aus sexuellen oder sentimentalen Gründen nicht mehr ausgehalten haben, und nun unter der Fuchtel schwer ertragbarer Weiber leben (es gibt Damen und Weiber). Das lasse ich lieber gleich sein bevor es zur Eskalation kommt.

Also ja, Familie und Kinder sind eine gute und notwendige Sache. Aber die oben genannten Themen spielen eine gewichtige Rolle, und man sollte dabei trennen zwischen dekadenten und ernsthaften Alleinstehenden.

Im Übrigen gibt es ja auch noch andere rechte Existenzformen, Priester, Soldaten (oft genug kinderlos), Solitäre. Sonderfälle natürlich, aber sie erweitern immerhin das Blickfeld.

Turm König
15. Dezember 2009 21:04

Zu Olaf:
Mich hat noch niemand einen 'sozialdemokratisch Bewegten' genannt, daher mußte ich schmunzeln, als ich das las. Ich teile nämlich Ihr Empfinden, daß die bekannten etablierten Parteien alles nur verschiedene Fraktionen eines sozialdemokratisch-liberalen Einheitsklüngels sind, was den BRD-Parlamentarismus für mich wie ein lahmes Schauspieltheater erscheinen läßt. Mit meinem letzten Kommentar wollte ich lediglich ausdrücken, daß die Neue Rechte sich auch mit den (kühlen) sozialen und wirtschaftlichen Themen, nicht nur mit den (warmen) kulturellen und geisteswissenschaftlichen beschäftigen sollte. Dabei sollte sie keine bloße Wiederholung alter Patentrezepte liefern - weder von der sozialistischen noch von der libertären Seite.
Was ich mich einfach nur frage, ist: War es wieder mal ein Sozialismus, der die Wirtschafts- und Finanzkrise herbeiführte, oder ist es nicht langsam mal an der Zeit, darüber nachzudenken, ob es noch andere Widersacher und -sachen gibt? Dem Anti-Links- und Anti-Sozialismus-Standpunkt ist doch nichts mehr hinzuzufügen; ich teile ihn mit Ihnen. Doch sind die "wahren Feinde" heute nicht auch andere und größere, weil anonyme?

Zu Herrn Lehmann:
Vereinfachen, vereinfachen, vereinfachen; eine Schublade aufmachen, jede anderslautende Meinung dort hineinpacken und ihr beliebige Etiketten ('sozialdemokratisch', 'sozialistisch', 'links'='*übertrieben* etatistisch', 'kollektivistisch' und 'Massenmensch') verpassen; dazu Geschichte ein bißchen um- und ein bißchen viel Süßstoff in sie hineininterpretieren (das alte Preußen als 'rechte Staatsform', die 'immer zuerst auf den Einzelnen' setzte) und einfach voller Hoffnung das Prinzip des Privat-Familiären auf die Ökonomie übertragen; und ganz wichtig - nicht zu vergessen - ist das Entweder-Oder, keine Kompromisse eingehen, Freiheit oder Tod! Wer ist hier ideologisch?
Darüber hinaus:
Der Mann ist der Mann und die Frau die Frau, basta, egal, was das heißen soll. Aber ich will, daß die Natur verlangt, daß meine Frau ist, wie es MEINEM Traumideal entspricht; ist das nicht der Fall, bin ich eigentlich nur ein Opfer, das keine ECHTE Frau abbekommt und somit keine Kinder zeugt, trotzdem aber immer noch aus einer Überlegenheitsposition heraus entscheiden darf, wer 'dekadenter' und wer 'ernsthafter' Alleinstehender ist. Zu allem Überfluß ist der Staat heutzutage und gerade hierzulande so raffgierig und böse wie nie...
So einfach kann die Welt für jemanden sein, der gegen alles poltert und zu allem etwas zu sagen hat, aber niemals sich selbst und sein Tun und Lassen infrage stellt. Das ist die wirkliche Kehrseite der rechten Larmoyanz, von der so viel die Rede hier ist. Wenn das alles konservativ und nicht nur der neue alte Liberalismus einer neuen alten Bürgerlichkeit sein soll, weíß ich nicht weiter. Ein Konservativer ist ein nachdenklicher Mensch, dem es nicht schwerfällt, zuallererst sich selbst zu hinterfragen und zu kritisieren. Überhaupt stellt er erst mal mehr Fragen, als er Antworten parat hätte. Das wäre dann unideologisch oder ideologiefrei.

b.c. richter
15. Dezember 2009 22:40

Böckers Entwurf wirkt nur realitätsnah oder irgendwie vernünftig.

…es fehlt hier nur noch das Wort vom "Verblendungszusammenhang". Und sicher würde es fallen, hätte es nicht die Frankfurter Schule geprägt. Aber egal, der Sachverhalt bleibt derselbe: eine Minderheit, sich im Begriff einer höheren, klareren Einsicht in die Machinationen des Wirklichen wähnend, spricht der Mehrheit — hier verkörpert durch Martin Böcker — diese Erkenntnisfähigkeit ab, sei es, weil diese Mehrheit opportunistisch, "umerzogen", ängstlich, konsumorientiert, unreif oder schlicht unpolitisch ist. Das Problem ist nur: diese Meta-Argumentation ist wasserdicht. Was immer Böcker nun noch einwenden mag, wird mit Hinweis auf seinen Mangel an Einsicht ins Wirkliche erledigt. So hat man seine Einwände schon auf der methodischen Ebene neutralisiert.

Indes, der Realitätsgehalt rechter Thesen und Weltanschauungen muß offenbar auch nicht bewiesen, sondern bloß bekräftigt werden, so als ob Fettdruck ein Mehr an Realität bedeute. Ein bezeichnendes Beispiel dafür liefert der Kommentar von Andreas Lehmann, wo es heißt:

Die Rechten sind nun mal diejenigen die die Realität am besten erfassen, und dadurch die Probleme frühzeitig und umfassend erkennen und beschreiben können.

Dabei könnte Böcker den Spieß einfach umdrehen — de facto hat er es ja auch getan, wenn er fragt, was der ganze vorgestrige Quark mit der politischen Wirklichkeit von heute zu tun hat. Die Mutmaßung, daß eine gerade Linie von Versailles (oder alternativ: von der Re-Education) zur heutigen Einwanderungspolitik führe, findet er wahrscheinlich abstrus, mit Recht. Ihn stört der Mangel an Pragmatismus hinsichtlich der Einwanderungsfrage zugunsten eines hypertrophen Nationbegriffs, der noch nie etwas mit der Realität zu tun hatte, sondern seit je ideologisch überhöht worden ist.

Immerhin: man rechnet Böcker seine "Jugend" (allerdings: mit 28 ist man auch kein unbedarfter Teenager mehr) "mildernd" an, und ist gewiß, daß ihm mit zunehmender Reife auch die Einsicht komme. Wenn aber nicht? Wie, wenn er auch in zehn Jahren noch findet, daß der Vertrag von Versailles, die Vertreibung der Deutschen aus den sog. "Ostgebieten", die in rechten Kreisen immer wieder auf's Tapet gebrachte "Kriegsschuldfrage", die angebliche "Re-Education" (die für viele hier gleichbedeutend ist mit Gehirnwäsche), keine Relevanz für seine politische Meinungsbildung haben?

Für mich jedenfalls haben diese Dinge keine Relevanz. Und der Begriff der "Überfremdung" und was so alles damit assoziiert wird, gehört nicht zu meinem politischen Vokabular und Selbstverständnis. Sollte ich mir aber deshalb Unreife, Blödheit, Verblendung oder Wahn attestieren lassen?
Eine argumentativ geschlossene, auf ideologischen Tautologien gegründete Gesellschaft gegen eine andere gleichen Strickmusters zu setzen, kann wohl kaum die Lösung sein. Schon deshalb hat Böcker recht.

Martin
16. Dezember 2009 10:40

Für mich jedenfalls haben diese Dinge keine Relevanz. Und der Begriff der „Überfremdung“ und was so alles damit assoziiert wird, gehört nicht zu meinem politischen Vokabular und Selbstverständnis. Sollte ich mir aber deshalb Unreife, Blödheit, Verblendung oder Wahn attestieren lassen?

@ b.c.richter:

Bis vor wenigen Jahren und evtl. sogar bis heute konnte man derartige, mit den oben genannten Begriffen umschriebene (ob die Begriffe auch treffend sind, ist eine andere Diskussion) Umstände, Tatsachen durchaus ausblenden und auch gar nicht erst ins "Vokabular" aufnehmen.

Nur, was sind die Ergebnisse dieses Weglassen heute? Was werden die Folgen morgen und was übermorgen sein?

Das Politische bildet sich auch unabhängig von Meinungsmaschinen wie hier, Seiten wie diese sind bestenfalls Katalysatoren, die zur Reaktionsbeschleunigung taugen ... ausbleiben werden aber Fragen und Forderungen und evtl. auch aktive Verteidigungshandlungen aufgrund der gegebene Umstände und Tatsachen in diesem Lande nicht.

Wer war dan schlauer? Derjenige, der derartige Begriffe in die Diskussion eingeführt hat oder eine breite Masse, die meint, war alles gut, wird alles gut, was soll ich mir die Diskussion aufdrücken lassen?

Die institutionalisierte Kohlsche Aussitzhaltung haben wir mit Frau Merkel wieder und sie wird wieder und wieder kommen, da es offensichtlich die erfolgreichste Art des Regierens in einer Mediendemokratie ist - will man das?

Gut, ich kann mir auch ne flasche Bier holen - für meine Lebensspanne wird unser System noch taugen - aber ist das Zielführend ?

Klar bilden sich "geschlossene Weltbilder" - aber wer hat die, wie Sie ja selbst einräumen, nicht? Kann man aus Diskussionsbeiträgen in einem virtuellen Forum auf die dahinter stehenden Menschen schließen und ihne per se aufgrund ihrer argumentativ "geschlossenen" Äußerungen eine generelle Apperzeptionsverweigerung vorwerfen?

Böcker geht davon offensichtlich nicht aus und führt daher "Gespräche" und Sie schreiben hier einen Beitrag, der außer einer evtl. selbstrefferenziellen Befriedung sinnlos wäre, wenn sie nicht auch (instinktiv ?) nicht davon ausgingen, oder?

Andreas Lehmann
16. Dezember 2009 15:35

@ Turm König

Zu einigen Punkten möchte ich Stellung nehmen.

1. Verantwortlich war wohl nicht der dogmatisch verstandene Sozialismus, wohl aber seine weichere, schleichende Variante. Ich meine das der Ausdruck Sozial-Demokratismus (Menschewismus?) gut passt, aber das ist ja nicht so wichtig. Zentralismus, Etatismus und Demokratismus waren schon immer Forderungen der politischen Linken.

Das es neben den linken Parteien, Gruppen und Intellektuellen noch ganz andere Feinde gibt, "anonyme" wie Sie das richtig feststellen, ist wohl kaum zu bestreiten. Man kann in vielen Bereichen wohl davon sprechen das sich da in die Hand gearbeitet wird, ohne das gerade die - mittelmäßigen - Linken das je begreifen würden.
Klüngelwirtschaft und Machenschaften obskurer Logen werden dann noch gefährlicher wenn es möglich ist denn Staat einzubeziehen. Um eine Gesellschaft vollständig zu korrumpieren, und um die negativen Ergebnisse zu sozialisieren, bedarf es des interventionistischen Staates.

Hinzuzufügen ist dem Anti-Sozialismus eigentlich nichts mehr, gesagt wurde das ja im Großen und Ganzen sogar bereits schon in den 20er und 30er Jahren. Das Problem ist doch vielmehr das die Ausstrahlung sozialistischer Ideen weiterhin wirkt, auch bei Rechten und Konservativen.

2. Ich muß gar nichts vereinfachen. Wenn ein Konservativer sozial-demokratische oder noch weiter links stehende Ansichten vertritt nenne ich das auch so. Wer solche Ansichten vertritt sollte sich vielleicht eher mal überlegen wessen Geisteshaltung er dabei verinnerlicht hat. Lenin sprach nicht umsonst von den nützlichen Idioten. Die Fülle der sozialistischen Ansichten (vor allem in der Ökonomie) die mittlerweile auch von Konservativen vertreten werden, zeigt wie weit diese Ideologie in die bürgerlichen Lager vorgedrungen ist. Leute wie Kühnelt-Leddihn haben das jahrzehntelang versucht darzulegen, aber sie standen immer relativ einsam da.

Sozialismus vernichtet, Sozialdemokratismus verzehrt. Wie hat es doch der ökonomische Heilsbringer aller "liberalen" Etatisten, ein gewisser John M. Keynes gesagt "at the end we are all dead" (übrigens auf die logischen Fehler in seinem System angesprochen). Und auch der deutsche Sozialismus (auch in seiner etwas weicheren Variante des Sozial-Demokratismus), der vielleicht ein bißchen besser läuft als der russische, hat nicht nur Weimar drangsaliert, das dritte Reich und die DDR ökonomisch ruiniert, er wird das auch mit der BRD machen.

3. Ihr Problem bleibt bestehen. Wer Sozialdemokratismus ablehnt (und alles was noch weiter links beheimatet ist) wird sich in ökonomischer Hinsicht zwangsläufig den liberalen Ansätzen zuneigen müssen. Möge man auch noch so eine große Abneigung ggü dem Liberalismus haben, der Gegenentwurf zu den größtenteils etatistisch-sozialdemokratisch geprägten Vorstellungen der Parteien der jungen BRD, war die "soziale Marktwirtschaft" der Freiburger Schule für Nationalökonomie. Diese dezidiert liberale Ordnungspolitik war verantwortlich für die Segnungen des Wirtschaftswunders. Es war der berühmte, verteufelte Neoliberalismus (fast in seiner Reinform) der unser Vaterland aufsteigen ließ wie Phönix aus der Asche.

Die ökonomische Ordnungspolitik der deutschen Kaiserreich war sogar noch liberaler, sie war eigentlich klassisch-liberal inspiriert.

4. Ich spreche nicht von einem libertären Utopia, habe ich noch nie getan. Aber das alte Preußen war im Vergleich zur BRD geradezu ein Hort an Freiheit und Privatismus. Ich meine damit nicht die Freiheitsrechte der BRD (vom Gürtel abwärts), ich spreche von Ökonomie, Kontrolle, Gesetzgebung, Bürokratie. Ich spreche von alten, gewachsenen Rechten, zu deren Entwicklung es den Staat nur insofern bedurfte als das er sie schützen sollte.

Ich hätte ebenso Österreich-Ungarn oder Russland für diesen Vergleich zur Hand nehmen können. Die Unterschiede waren minimal. So hatte am Ende des 19. Jahrhunderts z.B. Russland die mit Abstand niedrigste Steuerlast in Europa (gefolgt von Ö-U und dem deutschen Reich).

Es geht darum aufzuzeigen wie groß dahingehend die Gemeinsamkeiten zwischen den alten, äußerst produktiven Monarchien und der jungen, äußerst produktiven BRD waren. Und wie vergleichsweise wenig beide mit irgendeiner Variante des Linksdralls zu tun haben.

5. "Voller Hoffnung das Prinzip des Privat-Familiären auf die Ökonomie übertragen".

Hoffen muß der Vertreter des gegenteiligen Prinzips (das es vielleicht doch einmal klappt). Das Privat-Familiäre funktioniert auch in der Ökonomie einwandfrei. Die Gründe dafür sind mannigfaltig.

6. Zu den Kompromissen:
Ich hatte das bereits vorher mal geschrieben. Es geht nicht darum zu wissen das Kompromisse zu fast jeder Entscheidungsfindung dazugehören. Es geht darum das wir in heutiger Zeit noch eindeutiger sein müssen als früher, weil hätte einfach alles verwässert ist. Es geht darum die Klinge zu schärfen.

7. "Zu allem Überfluß ist der Staat heutzutage und gerade hierzulande so raffgierig und böse wie nie…"

Ist Ihnen der Zusammenhang zwischen Familienbildung und Kapital nicht begreiflich oder was soll dieser polemische Einwurf?

Es ist ein Staat der diejenigen schamlos verrät und ausbeutet die am meisten für ihn tun könnten. Von den ganz einfachen Leuten bis zu den Ausnahmegestalten. Ein Teil davon ist die wirklich gigantöse ökonomische Ausbeutung.

Er ist genau das was Nietzsche einst beschrieb, "... ein böser Blick an Sitten und Rechten." Alles an ihm ist mir widerwärtig.

8. "So einfach kann die Welt für jemanden sein, der gegen alles poltert und zu allem etwas zu sagen hat, aber niemals sich selbst und sein Tun und Lassen infrage stellt."

Davon mal abgesehen dass Sie offensichtlich ebenso poltern können wie ich, seien Sie nicht enttäuscht wenn ich gegenüber anderen Ansichten nicht alles in Frage stelle.

9. Zu der Geschlechterfrage

Achtung, Verallgemeinerung:
Jede gewachsene, weitestgehend unpolitisiert gebliebene Gesellschaft wird nach außen von Männern und nach innen von Frauen geleitet. Das damit sehr viel mitschwingt das sich von der heutigen Zeit unterscheidet ist ganz klar, mit der Unterdrückung eines Geschlechts (so wie es heute in einer weiblich betütelnden Form mit beiden geschieht) hat das aber nichts zu tun. Beziehungsweise nur dann wenn jemand fundamental aus der Reihe schlägt.

Traumideal? Immer mit der Ruhe. Ich sprach von den Auswirkungen des Feminismus, und diese sind für mich sehr wohl ein Grund Abstand von solchen Frauen zu nehmen. Damit schwindet die Auswahl - jedenfalls in Deutschland - ganz gehörig. Und ich bleibe dabei, selbstredend gibt es nicht wenige deutsche Männer die in ihrer Beziehung/Ehe nichts zu melden haben. Ihre impulsive Antwort deutet für mich daraufhin das Sie besagtes auf sich bezogen haben.

Ansonsten sei bezüglich Ihres Hinweises auf die "ECHTE" Frau (womit ich schon gerechnet hatte) noch anzumerken das zwischen wollen und können ein Unterschied besteht.

@ b.c. Richter

"Indes, der Realitätsgehalt rechter Thesen und Weltanschauungen muß offenbar auch nicht bewiesen, sondern bloß bekräftigt werden, so als ob Fettdruck ein Mehr an Realität bedeute. Ein bezeichnendes Beispiel dafür liefert der Kommentar von Andreas Lehmann, wo es heißt:
Dabei könnte Böcker den Spieß einfach umdrehen — de facto hat er es ja auch getan, wenn er fragt, was der ganze vorgestrige Quark mit der politischen Wirklichkeit von heute zu tun hat."

Wahrscheinlich gehe nicht nur ich davon aus das der Realitätsgehalt rechter Thesen und Weltanschauungen durch Erfahrungswerte bewiesen wird. Klar gibt es dabei immer eine Annäherung, gibt es auch falsch Entscheidungen, aber grundsätzlich ist es von aller Nutzen wenn wir wissen was bereits Bismark und der alte Fritz wussten.

Der "vorgestrige Quark" soll dazu dienen uns Handlungsanleitungen für die politische Wirklichkeit von heute zu liefern. Nicht 1 zu 1 kopieren (was wohl auch früher nie die Maxime war), aber doch als Leitlinie. Ich gehe davon aus der Mensch sich zu keiner Zeit um 180 Grad drehen kann, und daher richtige Einsichten (gleichwann sie auch immer gewonnen wurden) auch grundsätzliche richtig bleiben.

Ausserdem ist Geschichtslosigkeit ein Signal an konkurrierende Einheiten (z.B. Völker oder Staaten). Wer sich verrät wird nicht nur mißträuisch beäugt (er kann leicht ins Gegenteil umschlagen), er ist auch ein leichtes Opfer.

"Wenn aber nicht? Wie, wenn er auch in zehn Jahren noch findet, daß der Vertrag von Versailles, die Vertreibung der Deutschen aus den sog. „Ostgebieten“, die in rechten Kreisen immer wieder auf’s Tapet gebrachte „Kriegsschuldfrage“, die angebliche „Re-Education“ (die für viele hier gleichbedeutend ist mit Gehirnwäsche), keine Relevanz für seine politische Meinungsbildung haben?"

Die angebrachten Punkte drehen sich ja um viele Themen. Unrecht, Verbrechen, Einflußverlust, Rechtschaffenheit in der Geschichtspolitik. Letzendlich wehrt sich die Rechte dagegen das Deutschland moralisch an die Wand gestellt wird bzw. das Verbrechen an Deutschen totgeschwiegen werden. Dabei geht es um Selbstbehauptung, um unsere Identität. Ich meine daher das diese Punkte sehr wohl Relevanz für die heutige Zeit haben (nicht umsonst werden sie deswegen umgedeutet oder totgeschwiegen), und das aus ihrem Nichtbeachten automatisch ein Mangel resultieren muß.

Zentralwerkstatt
18. Dezember 2009 13:11

>>
Dabei geht es um Selbstbehauptung, um unsere Identität. Ich meine daher das diese Punkte sehr wohl Relevanz für die heutige Zeit haben (nicht umsonst werden sie deswegen umgedeutet oder totgeschwiegen), und das aus ihrem Nichtbeachten automatisch ein Mangel resultieren muß.
<<

Das ist doch genau der Punkt. Ich selbst finde, daß man weniger mit den aktuellen Gegebenheiten (Symptom-Dokterei) kämpfen sollte. Die Aufklärung der Geschichte ist der Schlüssel, weil sie das Übel bei der Wurzel packt. Das Volk ist desinformiert und daher mitnichten frei. Daß Freiheit gerade im Kopf beginnt, ist mit den BRD-Zuständen doch bestens persifliert. Ich kenne das aus meiner Erfahrung, noch vor nicht allzu langer Zeit existierte auch für mich ein Täter-"Volk, das die Welt überfiel" [Spiegel-Titel aus dem August 2009].

Die Rechte sollte nicht den Fehler machen, ihren Standpunkt aufweichen zu lassen. Es gibt keine "andere Realität", es gibt nur Fakten, denen man sich - so objektiv es eben geht - nähern muß. Beliebigkeit, Verwässerung, Diffusivität sind Zeichen der Linken. Und auch Unterwanderung, Mimikry, Einsickern, das im Verborgenen blühen sind Kennzeichen des Linken.

Daher sehe ich Personen wie Böcker sehr skeptisch, wer sagt mir, daß "solche Rechten" nicht der Keil in einer eigentlich geschlossenen Grundsatzung sein sollen/wollen? Sie schwurbeln da eine Entzweiung im Grundsatz herbei, die es für eine Rechte nicht geben sollte: Heimat, Vaterland, Tradition, Kultur. Davon ist nichts nach Belieben und Zeitgeist reduzierbar. Zumindest habe ich die Rechte bisher so verstanden.

Löffelstiel
18. Dezember 2009 21:18

Fast alle Menschen, die heute in Ost und West leben und 'die Gnade der späten Geburt' erfahren durften, mussten automatisch die 'Strafe' hinnehmnen, dass sie keinen Konservatismus von Geburt, geschweige denn in der Erziehung durch die 'Gelehrtenrepublik' selbstverständlich mitbekommen haben. Familiäre Ansätze wurden durch die gnadenlose 'vaterlose Gesellschaft' im Westen, 'Vater Staat' im Sozialismus, was in beiden Fällen das Vaterland aufhob, denunziert. Es gilt: Wieder Konservativ-Werden. Ncht wenigen ist erst im Nachhinein bewusst, dass sie aus dem gängigen Diskurs der Mediengesellschaft ausgestiegen sind. Ich weiß nicht mehr, wann ich zum erstenmal dachte, dass Monarchie auch eine mögliche Staatsform sein könnte, Preußen mit seiner Staatsräson vorbildlich war, Frauen, wenn sie gut und schön sein sollen - Ausnahmen bestätigen die Regel - in übertragener Bedeutung, Hausherrinnen, Hütern des Herdes sein sollten, Männer innerlich das Potential des Kriegers in sich tragen (was immer daraus erwächst ) und - schaut man sich in der Welt um, mehr denn je, seit es, außer Sport, keine kollektiven Kriegs-Spiele mehr gibt, gilt. Ich glaube, dass Herrn Böcker diesen Wandel noch nicht erreicht hat. Seine Postition ist verständlich. Die Selbstpreisgabe der Vernunft, der Suche nach dem Sinn des Lebens, der Pflicht 'des Lebens ernstes Führen', der 'Haupt'-Sache zugunsten der Neigung zu den niederen Regionen des permanenten Vergnügens, Wohlfühlens so groß geworden, dass ich mich dabei ertappe, islamische Tradition als Korrektiv des (deutschen/europäischen)Verderbens und Darbens zu erblicken. Zum Beispiel habe ich schon viel früher gelesen, dass die Zur-Schau-Stellung, die Prostitution des Weiblichen den Eroberungswillen des Mannes hervorruft (Robert Musil "Mann ohne Eigenschaften' - Mosbrugger-Komplex), aber erst heutzutage erlebe ich dass uns die Literatur eingeholt hat, Alltag geworden ist, es üblich ist, dass Schülerinnen Lehrer, Klassenkameraden mit offenherzigen Dekolltés permanent hinreißen.
Ich mach mal einen Sprung - ins Ungewisse. Könnte man sich darauf verständigen, dass sich das Konservative in Traditionsfäden in die Geschichte zurück versichern muss, um Wirklichkeit zu interpretieren und zu gestalten, während diejenigen, die sich - vielleicht sogar jenseits von Links und Rechts - als Realisten positionieren, wozu ich Herrn Böcker rechnen würde, in einem Kreis agieren, indem sie Gegenwart 'eingekreisen, das Liberale, das Demokratische - die Politik. Kommt das Konservative nicht von weiter her? Die Traditionsfäden aufrnehmen, nicht abreißen lassen, weiterspinnen, anknüpfen. Knotenpunkte schaffen, dann könnte es auch passieren, dass das 'Netz' zum Netzwerk wird und - hält. Diese Haltung, diesen Kurs finde ich bisher eher in den Büchern als im Netz der Rechten.

Pat Bateman
20. Dezember 2009 14:52

Was hat denn die ständige Beschäftigung mit der Vergangenheit den Rechten bis jetzt gebracht? Außer den Ruf der Ewiggestrigen? Wo konnte man da politisch punkten? Seit Jahrzehnten wird versucht über die Geschichte aufzuklären, und das Volk damit zu befreien. Welche Erfolge hatte diese Strategie bis heute? Wir haben überhaupt nicht die Möglichkeiten und Ressourcen um gegen die staatliche Umerziehung an zu kommen. Letztendlich bleibt nur, die heutige und die kommenden jungen Generationen werden der "Tätervolkthese" sowieso nicht mehr huldigen, weil sie keinen Bezug mehr dazu haben. Ob und inwieweit die sich dann allerdings selbst noch überhaupt als Deutsche sehen werden, das wird die Zukunft zeigen.

Zentralwerkstatt
28. Dezember 2009 23:21

>>
Seit Jahrzehnten wird versucht über die Geschichte aufzuklären, und das Volk damit zu befreien.
<>
Welche Erfolge hatte diese Strategie bis heute? Wir haben überhaupt nicht die Möglichkeiten und Ressourcen um gegen die staatliche Umerziehung an zu kommen.
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Letztendlich bleibt nur, die heutige und die kommenden jungen Generationen werden der „Tätervolkthese“ sowieso nicht mehr huldigen, weil sie keinen Bezug mehr dazu haben. Ob und inwieweit die sich dann allerdings selbst noch überhaupt als Deutsche sehen werden, das wird die Zukunft zeigen.
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Oh, ja, hier liegt wohl die Gefahr. Die Idiotisierung des Volkes schreitet voran, die der Bevölkerung durch die Einwanderung sowieso. Die Deutschen müssen begreifen, daß ein nationaler Schutzraum der Grundgarant für Freiheit und Wohlstand ist. Israel macht es sehr medienpräsent vor, was es bedeutet, ein Land zu haben, das zu einem und zu dem man selbst gehört. Identität und Boden sind ein natürliches Menschenbedürfnis, es ist x-fach historisch nachvollziehbar, es kann doch eigentlich nicht so schwer sein, die Menschen auf dieser Grundlage zum Erhalt ihrer Nation zu bewegen.

Oder vielleicht ist gerade das so schwer, denn wahrscheinlich ist Geschichte eben doch das "Lehrstück ohne Lehre".

Aber das gilt es dann auch x-fach zu prüfen. Welche Wahl hat man denn? Resignation? Für mich noch nicht. Ich habe schon einige Menschen dazu bewegen können, daß auch sie im Parteienkartell den Deutschlandfeind Nr. 1 und damit ihren persönlichen Feind sehen. Es mag dramatisch klingen, aber es ist nicht weniger. Diese unsägliche Bande löst über unsere Köpfe hinweg das auf, was uns zu dem gemacht hat, was wir sind und (noch - aber immer weniger) auch das sein läßt, was wir sein wollen. Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich habe so meine Schwierigkeiten damit, die mich antreiben zu handeln - noch sehr bescheiden, aber durchaus mit Ambitionen, meine Möglichkeiten zu vergrößern.

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