Elon Musks Nachricht an die Briten markierte vielleicht den Anfang vom Ende des ungebrochenen Erfolgs der Brexit-Partei „Reform UK“.
Im Hintergrund wurden neue Kraftschlüsse verhandelt. Die Nummer 2 in der Führung von „Reform UK“, der steinreiche Finanzprofi und Parlamentarier Rupert Lowe, reagierte im Januar 2025 zunächst strategisch souverän. Mit der öffentlichen Aussage „Nigel is the leader“ stellte er sich anfangs hinter Farage, ergänzte aber, sich zukünftig ausschließlich um die Interessen der Bürger zu kümmern. Was zwischen den Zeilen bereits den Bruch andeutete.
Zwei Monate später folgte die Eskalation. Lowe und „Reform UK“ trennten sich unter turbulenten Vorwürfen, Gegenvorwürfen und einer Exit-Story für Rupert Lowe: Die Konstruktion einer neuen Bewegung zur Rettung Großbritanniens sei eine zwingende Notwehrmaßnahme gegen die jüngste Altpartei „Reform UK“, welche immerhin ein Drittel der britischen Wähler auf sich vereint. Am 30. Juni startete die Abspaltung „Restore Britain“ als Verein, um den verdeckten Aufbau stabiler Strukturen außerhalb des klassischen Politikbetriebs im Eiltempo voranzutreiben.
Die neue Organisation „Restore Britain“ nutzte das zweite Halbjahr 2025, um Tatkraft zu beweisen. Rund 600 000 Pfund wurden über Crowdfunding für Untersuchungen zu Vergewaltigungen durch überwiegend migrantische Täter eingesammelt. In klugen regionalen Vernetzungen wurden erste Mandate übernommen und Bündnisse mit gut verankerten lokalen Gruppen geschlossen.
Spätestens das Interview von Rupert Lowe mit dem weltweit reichweitenstärksten Journalisten Tucker Carlson am 7. Dezember 2025 machte deutlich, dass Großes bevorsteht. Ein privat abgesicherter und publikumswirksamer Mann wie Lowe zieht seine Befriedigung nicht aus halbgaren Drohungen, sondern aus der knallharten Umsetzung seiner Ideen. Keine acht Wochen später startete Englands neue rechte Partei „Restore Britain“ am Freitag, den 13. Februar. Was wir seitdem erleben, muss sich für das britische Establishment tatsächlich anfühlen wie der Horrorfilmklassiker mit dem spezifischen Datum.
„Restore Britain“ darf wohl als der erfolgreichste Parteistart der jüngeren europäischen Geschichte gelten. Umfragen schätzen ihr Wählerpotential bereits zweistellig. Innerhalb von nur einer Woche hat die Partei nach eigenen Angaben über 50.000 Mitglieder gewonnen. Das ist mehr, als die AfD in der ersten Dekade akquirieren konnte. Dabei hat das United Kingdom nur rund 70 Millionen Einwohner – also weniger als die Bundesrepublik.
Rupert Lowe gelang es, die 30%-Partei „Reform UK“ als unzuverlässige Systemlinge darzustellen. Gleichzeitig wurde die im rechten Lager typische Distanzeritis weitgehend aufgehoben, sodass mehr oder minder seriöse Organisationen und Kleinparteien mit der neuen Bewegung verschmelzen können. Ben Habib von „Advance UK“ hat seine Mitglieder dazu aufgerufen, darüber nachzudenken. Paul Golding von „Britain First“ flirtet ebenfalls mit dem Gedanken.
Im Ergebnis könnte sich unter Rupert Lowe eine neue Parteiplattform entwickeln, die innerhalb kürzester Zeit Relevanz im Rennen um regionale und nationale Macht gewinnt. Wenn gerüchteweise noch „Nationalheilige“ wie der massenwirksam un-woke Autojournalist, Emmy-Preisträger und Autor Jeremy Clarkson der Partei beitreten sollten, wäre die Schockstarre des Establishments komplett.
Was auf viele verzweifelte Kämpfer im europäischen rechten Lager wie ein kleines Wunder wirken mag, ist nicht nur durch kluge Vorbereitung und Fleiß hinter den Kulissen einer verästelten Demokratie entstanden, sondern auch Ergebnis präziser Markenführung. Besucht man die Partei im Web, wird die zentrale Botschaft in knappen sechs Zeilen erklärt:
Restore Britain ist eine politische Partei für all jene, die glauben, dass unser Land durch schwache Führung, dysfunktionale Institutionen und eine politische Klasse ausgehöhlt wurde, die den Menschen nicht länger dient. Wenn Sie an niedrige Steuern, einen schlanken Staat, sichere Grenzen, nationalen Stolz, traditionelle christliche Werte, Meinungsfreiheit und direkte Demokratie glauben, sind Sie hier genau richtig.
Das sitzt. Das motiviert (oder erschreckt – je nach Standpunkt). Das ist ausreichend höflich, lässt aber wenig Interpretationsspielraum. Es geht noch dramatischer: Die Partei feuert im Stundenrhythmus Botschaften in den sozialen Medien, die üblicherweise Anlass zu polizeilichen Maßnahmen gegen den Absender geben könnten.
Illegale Migranten? Tschüss. Alle. Keine Ausrede. Jeder Mann, jede Frau. Sie werden alle remigriert.
Jeder Lehrer, Mediziner, jede Autoritätsperson, die Kinder zur Selbstverstümmelung anstiftet, würde unter unserer Regierung strafrechtlich verfolgt. Sie würden ins Gefängnis kommen.
Wir beenden die schleichende Islamifizierung Großbritanniens.
Halal und koscheres Schlachten würde unter unserer Regierung verboten.
Es gibt Männer. Es gibt Frauen. Männer können nicht Frauen werden und Frauen nicht Männer. Das steht nicht zur Debatte.
Exakt so lauten öffentliche Botschaften der Partei. Mal als fröhliches Meme, mal staatstragend gestaltet und – in englischer Tradition – hübsch typografiert.
Was unglaublich klingt, basiert auf einer Strategie, die bislang in der politischen Geschichte vor allem von linker Seite erfolgreich genutzt wurde. Die aktuelle „Restore Britain“-Propaganda ist eine No-Compliance-Campaign: Der implizite Aufruf zu massenhaftem zivilen Ungehorsam. Vielleicht die radikalste, weil einfachste Antwort auf die Frage, was zu tun sei, um die Freilaufzone in einer gelenkten Demokratie zu verlassen und ein System in sinnvolle Schranken zurückzuführen?

Was soll die Exekutive jetzt tun? „Restore Britain“ alle Möglichkeiten zur Veröffentlichung entziehen? Rupert Lowe verhaften? Oder nichts tun und zusehen, wie Hunderttausende sich die selbe Meinungsfreiheit nehmen? Auswirkungen von massenhaftem zivilem Ungehorsam werden seit vielen Jahrzehnten in der Sozialforschung und in polizeilichen Studien diskutiert.
Eine Überlastungsstrategie, oder kurz „Dilemma Action“, bringt die Exekutive in eine „Lose-Lose-Situation“. Schon zu Zeiten der Anti-Vietnamkriegs-Demos, des Black-Power-Movement und der US-Bürgerrechtsbewegung versuchten Juristen und Kriminologen solche Szenarien des Widerstands zu bewerten. Nachzulesen unter anderem im Journal of Criminal Law and Criminology des Jahres 1968.
Noch läßt sich nicht sagen, wohin der Ansturm von „Restore Britain“ führt und welche Gefahren lauern. Was politische Leitfiguren in Deutschland aber jetzt schon lernen können, ist, dass dramatische, unübersichtliche, radikale Botschaften in der politischen Propaganda kein Zufall sein müssen und nicht immer ein schlingerndes Schiff zeigen.
Gerade die Inszenierung von vermeintlichen Extremsituationen kann das Ergebnis präzisen Marketings sein. Es erfordert paradoxerweise Ruhe, Vorbereitung und handwerkliche Disziplin. „Viva la libertad, carajo!“ und eine Kettensäge wirken wild und situativ. Tatsächlich hat Karina Milei, die Beraterin im Hintergrund, diese fröhlichen Komponenten für ihren Bruder Javier instrumentalisiert.
Man muss sich also nicht wundern, dass der zentrale Slogan von Rupert Lowe dicht an einem Running Gag des beliebten englischen Comedians Ricky Gervais liegt. Bei seinem legendären Eröffnungsmonolog zu den Golden Globes des Jahres 2020 beleidigte Gervais die komplette anwesende Hollywood-Prominenz und versicherte, ihre Reaktionen seien ihm egal. In leicht angepaßter Form bringt Rupert Lowe, der Vorsitzende von „Restore Britain“, diese Phrase heute nahezu täglich als Antwort auf Bedenkenträger und Angreifer: „I. Do. Not. Care.“
paterfamilias
Divide et impera. Demnächst dann analog in Germany. Würde mich nicht überraschen, wenn Systemsieger Musk (der mit der Starlink-Wunderwaffe für alle Kriegsparteien) bald twittert: "Weidel/Chrupalla don't have what it takes". Und das System gewinnt immer.