Citizen Vigilante – kein Kult!

Große Teile von Rechtstwitter sind momentan hellauf über einen neuen amerikanischen Film begeistert, dessen Kinoauswertung in Deutschland von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft durch Verweigerung einer Altersfreigabe blockiert wurde.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Vor allem über den Strea­ming-Markt hat Uwe Bolls Citi­zen Vigi­lan­te in den USA angeb­lich bereits über 67 Mil­lio­nen Dol­lar ein­ge­spielt. Sze­nen des Films wer­den nun flei­ßig geteilt, zitiert und zu Mems ver­wurs­tet, wäh­rend man abfei­ert, wie das de fac­to “Ver­bot” des Films in Deutsch­land den “Strei­sand-Effekt” unfrei­wil­li­ger Wer­bung aus­ge­löst hat.

Zu Uwe Boll, dem 1965 gebo­re­nen deut­schen Regis­seur die­ses “Meis­ter­werks”, gibt es eine Men­ge zu sagen, was ich mir bis zum Schluß die­ses Bei­trags auf­he­ben werde.

Boll, der vor­zugs­wei­se in Kana­da und den USA arbei­tet, und eine Jahr­zehn­te zurück­rei­chen­de Repu­ta­ti­on als einer der schlech­tes­ten Regis­seu­re aller Zei­ten hat, kos­tet die­se von ihm mit Sicher­heit ein­kal­ku­lier­te Kon­tro­ver­se um sei­nen Film nun reich­lich aus und fischt gezielt im MAGA-Pool nach Aufmerksamkeit.

Die rech­ten Mul­ti­pli­ka­to­ren bei­ßen rei­hen­wei­se an, denn offen­bar gilt es einen extrem poli­tisch unkor­rek­ten Film gegen “Zen­sur” und ähn­li­che Ver­hin­de­rer in Schutz zu nehmen.

Der Grund der all­ge­mei­nen Auf­re­gung ist schnell erzählt: Im Mit­tel­punkt des Films steht ein exor­bi­tant gut aus­se­hen­der selbst­er­nann­ter Rächer, in ele­gan­tes Schwarz geklei­det, mit mili­tä­ri­schem Haar­schnitt, der in einem fik­ti­ven euro­päi­schen Land kri­mi­nel­le Ein­wan­de­rer jagt und tötet, die auf­grund der herr­schen­den libe­ra­len Kuschel­jus­tiz ihrer Stra­fe ent­gan­gen sind.

Die ent­schei­den­de Pro­vo­ka­ti­on des Films ist, daß er sich ohne jeg­li­che kri­ti­sche Distanz auf die Sei­te der Sen­ti­ments, Ideen und sogar Taten sei­ner Haupt­fi­gur zu stel­len scheint: “This film is dedi­ca­ted to the thou­sands of rape and mur­der vic­tims who were betray­ed by our legal sys­tem”, ver­kün­det eine Tafel am Ende des Films.

Kurz zuvor hat­te man gese­hen, wie der “koole Kil­ler” eine Ban­de von jugend­li­chen ara­bi­schen und afri­ka­ni­schen Ver­ge­wal­ti­gern inklu­si­ve der gesam­ten Fami­lie eines der Täter kalt­blü­tig exe­ku­tiert hat (ins­ge­samt acht Men­schen, dar­un­ter zwei Frau­en). Die letz­te Ein­stel­lung des Films zeigt das geräch­te min­der­jäh­ri­ge Ver­ge­wal­ti­gungs­op­fer, den Trä­nen nahe, hoff­nungs­voll erbe­bend, als es auf einen Bild­schirm starrt und zu ele­gi­scher Streich­mu­sik die fro­he Bot­schaft des Vigi­lan­ten vernimmt:

“Ich bin hier, um euch zu hel­fen, wie­der die Kon­trol­le zu erlan­gen. Ich bin hier, um euch zu zei­gen, daß ihr kei­ne Opfer mehr seid. Ich bin hier, um euch zu zei­gen, daß es an der Zeit ist, die­sen F*ckern klar­zu­ma­chen, daß sie damit nicht mehr davon­kom­men. Denkt dar­an: Ich tue das für euch, damit ihr lernt, es selbst in die Hand zu nehmen.”

Maxi­ma­le Emo­tio­nen wer­den gleich in der ers­ten Sequenz von Citi­zen Vigi­lan­te auf­ge­la­den: Mit allen Details wird gezeigt, wie einer blon­den jun­gen Frau von einem Afri­ka­ner ohne irgend­ei­nen ersicht­li­chen Grund die Keh­le auf­ge­schnit­ten wird und sie vor den ent­setz­ten Augen ihres etwa acht­jäh­ri­gen Soh­nes verblutet.

Unmit­tel­bar dar­auf, gleich nach dem Vor­spann, ver­kün­det die gleich­falls blon­de Spre­che­rin eines TV-Sen­ders namens “World News”, daß Migran­ten­ge­walt am Anstei­gen sei, aber Hoff­nung erblü­he in Gestalt der “enig­ma­ti­schen Figur” eines “vigi­lan­ti­schen Bür­gers”, der gewalt­sam dort ein­greift, wo das Jus­tiz­sys­tem ver­sagt hat. Wer er ist, wird eben­falls sehr rasch ent­hüllt: Ein geheim­nis­vol­ler, rei­cher Ame­ri­ka­ner namens San­ders, der in Wahr­heit gar kein “Bür­ger” des Lan­des ist, in dem er sich auf­hält, dort aber meh­re­re Unter­neh­men und Immo­bi­li­en besitzt, mit denen er jähr­lich Mil­lio­nen Dol­lar verdient.

Gespielt von Armie Ham­mer (der teil­wei­se jüdi­scher Abstam­mung ist und ein gro­ßes hebräi­sches Aleph auf dem Bauch täto­wiert hat), ist San­ders eine Art Mischung aus “Bat­man” Bruce Way­ne (der Film soll­te ursprüng­lich The Dark Knight hei­ßen) und Paul Ker­sey aus Death Wish (dt. Ein Mann sieht rot), der Mut­ter aller Vigilantenfilme.

Er ist aber zugleich ein poli­ti­scher “Influen­cer” und Akti­vist, ein ehe­ma­li­ger Sol­dat und fana­tisch von sei­ner Mis­si­on über­zeug­ter Kreuz­rit­ter mit Zügen von Anders Brei­vik und Bren­ton Tar­rant. In der Tat ent­spricht er wohl ziem­lich genau dem heroi­schen, von Kino­hel­den inspi­rier­ten Phan­ta­sie­bild, das die­se bei­den Mas­sen­mör­der von sich selbst hatten.

Letz­te­re Zutat ist nun der durch­aus neue Aspekt, den Boll in die Tra­di­ti­on des Vigi­lan­ten­films ein­ge­führt hat. Nicht etwa, daß die Haupt­fi­gur, ein im wesent­li­chen doch recht gene­ri­scher Action-Held, “rechts­las­tig” oder “faschis­to­id” ist, son­dern daß die­se Tat­sa­che offen affir­ma­tiv, ja sogar glo­ri­fi­zie­rend gehand­habt wird.

In mei­nem Licht­spiel­füh­rer habe ich die­ses rechts­co­dier­te Sub­gen­re aus­führ­lich behan­delt: Da gibt es einer­seit den Strang der abge­brüh­ten Poli­zis­ten, die sich in ihrer not­wen­di­gen Schmutz­ar­beit gegen ein weich­ge­spül­tes Sys­tem aus libe­ra­len Geset­zen, Poli­ti­kern, Vor­ge­setz­ten, Jour­na­lis­ten und Anwäl­ten durch­set­zen müs­sen (etwa French Con­nec­tion, Dir­ty Har­ry, Tro­pa de Eli­te, Drag­ged Across Con­cre­te), ander­seits den der “Wut­bür­ger”, die meis­tens auf­grund von trau­ma­ti­schen Erfah­run­gen zur Selbst­jus­tiz grei­fen (etwa Death Wish, Mr. Majes­tik, Fal­ling Down, Har­ry Brown, Rohr­schach in Watch­men).

Scor­se­ses und Schr­a­d­ers Taxi Dri­ver (1976), eben­falls in mei­nem Buch behan­delt, hat das The­ma beson­ders ein­präg­sam auf­ge­grif­fen, gera­de weil er kein nai­ves Action­ki­no ist, son­dern die Fra­ge stellt, was die eigent­li­chen Impul­se hin­ter Gewalt­ta­ten sind, die sich eine mora­li­sche und poli­ti­sche Recht­fer­ti­gung geben.

“Hier ist ein Mann, der sich nicht mehr alles gefal­len läßt. Ein Mann, der sich gegen den Abschaum, die Nut­ten, die mie­sen Schwei­ne, den Dreck und die Schei­ße wehrt… hier ist jemand, der sich wehrt!”

Taxi Dri­ver ist aber auch ein Bei­spiel von Selbst­zen­sur auf­grund von poli­tisch kor­rek­ten Beden­ken: Der ursprüng­lich schwar­ze Zuhäl­ter “Sport” wur­de in einen Wei­ßen ver­wan­delt, der sich optisch zum India­ner sti­li­siert. Der “Ras­sis­mus” der Haupt­fi­gur Tra­vis Bick­le, wird in ein paar weni­gen Sze­nen nur “sub­li­mi­nal” angedeutet.

Auch das ist eine Neue­rung von Citi­zen Vigi­lan­te, daß der ras­si­sche oder “ras­sis­ti­sche” Sub­text sei­ner Vor­bil­der offen aus­buch­sta­biert wird, und hier expli­zit far­bi­ge Ver­bre­cher wei­ßen Opfern und einem wei­ßen Rächer gegen­über­ge­stellt wer­den. Aber auch hier kommt es zu selt­sa­men Ver­wi­schun­gen, wenn Boll etwa eine eher unrea­lis­ti­sche Gang auf­tre­ten läßt, die aus einem Schwar­zen, einem Ara­ber und einem sadis­tisch lächeln­den wei­ßen Mäd­chen zusam­men­ge­setzt ist, die in einer Sze­ne einen wei­ßen Jun­gen attackieren.

Eini­ge Selt­sam­kei­ten und Wider­sprü­che haben sich auch in die Figur des San­ders ein­ge­schli­chen, und ich bin mir nicht sicher, ob sie bewußt ins (wie immer bei Boll ziem­lich wir­re, ziem­lich schlecht struk­tu­rier­te) Dreh­buch geschrie­ben wur­den, um die Figur wenigs­tens ein biß­chen ambi­va­len­ter und drei­di­men­sio­na­ler zu machen. Ein Sinn für Iro­nie oder Dop­pel­bö­dig­keit macht sich in Bolls Insze­nie­rung jeden­falls kaum bemerk­bar. Das alles hat ent­fern­te Taran­ti­no-Vibes, aber es ist schier unmög­lich zu sagen, ob und wann der Regis­seur das alles nun “ernst” meint.

San­ders tritt einer­seits wie ein arro­gan­ter Her­ren­mensch auf, der jede Situa­ti­on sou­ve­rän unter Kon­trol­le hat, ande­rer­seits erscheint er auch als völ­lig humor­lo­ser, kalt zor­ni­ger Autist, der sei­nen Opfer lan­ge, aus­führ­li­che Moral­pre­dig­ten hält, ehe er sie exe­ku­tiert. Er sel­ber stellt sich nicht nur in Sachen Selbst­jus­tiz selbst­herr­lich über Moral und Gesetz, wie es ihm gera­de gutdünkt.

Wir erfah­ren nicht nur, daß er säu­mi­gen Mie­tern gedun­ge­ne Schlä­ger vor­bei­schickt, um sie zu pünkt­li­chen Zah­lun­gen zu “moti­vie­ren”, son­dern auch, daß er ein Bor­dell­be­sit­zer ist. In einer ziem­lich bizar­ren, über­flüs­sig aus­ge­dehn­ten Sex­sze­ne bricht San­ders sei­ne fleisch­li­che Inter­ak­ti­on mit einer (nicht-wei­ßen) “Ange­stell­ten” sei­nes Freu­den­hau­ses jäh ab, als er ent­deckt, daß sich an der Decke Schim­mel aus­ge­brei­tet hat. Nun hält er der Dame eine gestren­ge Stand­pau­ke, nach jeder war­men Dusche das Zim­mer zu lüf­ten, um sein Eigen­tum nicht zu beschädigen.

Einer­seits pflegt er eine popu­lis­ti­sche Rhe­to­rik, ande­rer­seits ist er eine Art Sozi­al­dar­wi­nist vol­ler “nietz­schea­ni­scher” Men­schen­ver­ach­tung. In einer Sze­ne ver­ur­sacht er absicht­lich den Tod eines ihm zufäl­lig ent­ge­gen­kom­men­den Auto­fah­rers, nur um einem gefan­ge­nen Rich­ter auf sei­nem Neben­sitz zu bewei­sen, daß Men­schen “Scha­fe” sei­en, die blind­lings das Gesetz befol­gen, auch wenn es ihr Leben gefähr­det. Inso­fern hat es eine gewis­se maka­bre Komik, wenn er am Ende des Films dem Vater einer mus­li­mi­schen Fami­lie vor­wirft, sein “archai­sches Wer­te­sys­tem und sei­ne Reli­gi­on über die Demo­kra­tie und alles ande­re” zu stel­len, “ein­schließ­lich der Rechtsstaatlichkeit.”

In der stärks­ten Sze­ne des Films schlach­tet San­ders die gesam­te Fami­lie die­ses Man­nes ab, ihn selbst, sei­ne Frau, sei­ne Toch­ter und sei­nen Sohn. Des letz­te­ren Schuld war es, sich an der Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gung einer 14jährigen betei­ligt zu haben; die sei­ner Fami­li­en­mit­glie­der, ihm Deckung gege­ben und kei­ne Reue gezeigt zu haben. Die Schwes­ter des Täters hat noch eins drauf­ge­setzt, indem sie in den sozia­len Medi­en die Mei­nung ver­tre­ten hat, daß Mäd­chen, die sich unzüch­tig-unis­la­misch klei­den, es ver­dient hät­ten, ver­ge­wal­tigt zu wer­den. Dafür ist aus­rei­chend für San­ders, auch an ihr eine Todes­stra­fe zu vollstrecken.

Die zwei­te Sze­ne, die im Gedächt­nis hän­gen­bleibt, ist die Ent­füh­rung und Ermor­dung eines libe­ra­len Rich­ters, der die migran­ti­schen Ver­ge­wal­ti­ger auf frei­en Fuß gesetzt hat, weil er sie für Opfer von Dis­kri­mie­rung und man­geln­der Inte­gra­ti­on hält. Abge­se­hen von die­sen bei­den Sze­nen gibt es im Film rela­tiv wenig “Vigi­lan­ten­tum” zu sehen. In einer Sequenz erweist sich San­ders als “wei­ßer Rit­ter”, der zwei (wei­ße) jun­ge Frau­en vor zwei zwie­lich­ti­gen (wei­ßen) Ver­füh­rern ret­tet, die sie mit einer “Date Rape”-Droge gefü­gig machen wol­len. Das ist hoch­i­ro­nisch ange­sichts der Tat­sa­che, daß sich Armie Ham­mer seit Jah­ren in einem Kar­rie­re-Nir­va­na befin­det, weil er von meh­re­ren Frau­en der Ver­ge­wal­ti­gung bezich­tigt wurde.

Einen erheb­li­chen Teil der Lauf­zeit des Films ver­geu­det Boll mit hirn­lo­sen han­dels­üb­li­chen Action­se­quen­zen, etwa einer, in der San­ders Dut­zen­de Poli­zis­ten umlegt, die sei­ne moder­nis­ti­sche Vil­la umstellt haben. Der schwer ver­wun­de­te Kom­mis­sar, der ihm auf der Spur ist, zeigt sich nichts­destrotz immer noch als Sym­pa­thi­sant (auch er “liebt Euro­pa und sei­ne tie­fe Geschich­te”), als San­ders ihn im Kran­ken­haus anruft, und davor warnt, daß das demo­kra­ti­sche Sys­tem, das er ver­tei­digt, von “isla­mis­ti­schen Extre­mis­ten und der ver­blen­de­ten woken Lin­ken” geka­pert und zer­stört wird.

Der Film spielt in einer ideo­lo­gisch abs­tra­hier­ten Phan­ta­sie­welt, die wenig Berüh­rung mit der kon­kre­ten Wirk­lich­keit hat. Ver­mut­lich aus Kos­ten­grün­den wur­de aus­ge­rech­net in Kroa­ti­en gedreht, ein Land, das iro­ni­scher­wei­se noch sehr wenig vom “gro­ßen Aus­tausch”, Isla­mis­mus und Migran­ten­kri­mi­na­li­tät bedroht ist. Der Schau­platz ist aber nicht das rea­le Kroa­ti­en, son­dern irgend­ein “euro­päi­sches” Land, stell­ver­tre­tend für alle, die es da geben mag.

In der Welt, in der der “Vigi­lant Citi­zen” ope­riert, sind nicht nur die Benut­zer der sozia­len Medi­en geschlos­sen auf sei­ner Sei­te, son­dern sur­real­er­wei­se auch der immer wie­der auf­tau­chen­de gro­ße TV-Sen­der “World News”, der ten­den­zi­ös zu sei­nen Guns­ten argu­men­tiert: Was sei denn nun eine grö­ße­re Bedro­hung für die Gesell­schaft, so die rhe­to­ri­sche Fra­ge der Nach­rich­ten­mo­de­ra­to­rin, die­je­ni­gen, die schreck­li­che Ver­bre­chen bege­hen, oder der Mann, der die­se Ver­bre­cher eliminiert?

Ich sehe nun Leu­te auf Rechtstwit­ter, die argu­men­tie­ren, daß die­ser Film end­lich “die Wirk­lich­keit” zei­ge, was Migran­ten­ver­bre­chen ange­he, und dar­um “ver­bo­ten” und “zen­siert” wer­de. Es ist ver­ständ­lich, daß man­che nun die pure Exis­tenz die­ses Films als “Mei­len­stein” und als “befrei­end” emp­fin­den, da er ein tat­säch­li­ches gra­vie­ren­des Pro­blem anspricht, das in allen euro­päi­schen Län­dern besteht, die sich der Mas­sen­ein­wan­de­rung geöff­net haben.

In der Tat scheint Boll gezielt nach einem Publi­kum zu hei­schen, das auf sei­nen Film ähn­lich reagiert wie sei­ne fik­ti­ven Social-Media-User auf sei­nen Vigi­lan­ten. Er tut es aber auf eine Art, wie es berüch­tig­te rechts­po­pu­lis­ti­sche Slop-Accounts à la “Radio Gen­oa” prak­ti­zie­ren, affek­tiv, sen­sa­ti­ons­hei­schend und ulti­ma­tiv gehirnverkleisternd.

Wo nun rechts­po­pu­lis­ti­sche Click­bait-Medi­en dazu nei­gen, eine “schwarz­ge­pill­te”, defai­tis­ti­sche Stim­mung zu ver­brei­ten (“Euro­pe has fal­len”), bemüht sich Boll ener­gisch um eine “posi­ti­ve”, “hoff­nungs­vol­le” Bot­schaft, die am Ende des Films ohne jeg­li­che Iro­nie und Distanz ser­viert wird, in Form eines Auf­rufs zu wehr­haf­ter zivi­ler Gegen­ge­walt, aus dem Mun­de eines als Mes­si­as auf­tre­ten­den, auto­ri­tä­ren star­ken Man­nes, der eben kalt­blü­tig eine gesam­te aus­län­di­sche Fami­lie auf­grund von rei­ner “Sip­pen­haf­tung” hin­ge­rich­tet hat.

Die­ser Mann, den man hier gese­hen hat, der attrak­ti­ve, über­le­ge­ne, küh­le Kino-Kil­ler, ist aller­dings ganz offen­sicht­lich ein Psy­cho­path. Kein nor­ma­ler, tat­säch­lich mora­lisch den­ken­der Mensch geht hin und exe­ku­tiert eigen­hän­dig Men­schen, die es sei­ner Ansicht nicht anders ver­dient haben, sys­te­ma­tisch und im von jedem Zwei­fel unbe­fleck­ten Voll­ge­fühl, der gerech­ten Sache zu die­nen. Wohin­ge­gen jener Typ von Sadist nicht sel­ten ist, der sei­ne Taten mit einem rigo­ro­sen Mora­lis­mus rechtfertigt.

Klar: Im Kino, in einem B‑Movie, in einem Action-Schlock-Film kann man eine sol­che Figur hin­neh­men oder unter­halt­sam fin­den oder gar genie­ßen, wenn einem der Sinn danach steht. Boll will das alles jedoch mit einer angeb­lich ernst gemein­ten poli­ti­schen Mes­sa­ge ver­knüp­fen. Man sieht sei­nem Film nicht an, daß es ihm wirk­lich um die Opfer geht. Er zele­briert viel­mehr genüß­lich, wie in unzäh­li­gen ande­ren sei­ner Fil­me, den Akt des Tötens und den Täter mit der Waf­fe in der Hand, der cool und mäch­tig aus­sieht, wenn er tötet.

Das kann man nun, wenn man will, als “sub­ver­siv” sehen oder es abfei­ern, weil es ach so kan­tig und gewagt und angeb­lich “basiert” ist. Ich tue das nicht, war­ne aber auch nicht davor, daß Citi­zen Vigi­lan­te “gefähr­lich” oder mora­lisch “frag­wür­dig” sei (was er auch – mit vol­ler Absicht – ist), aber ich sehe schon jetzt, wie die blin­de Begeis­te­rung für die­sen Film mal wie­der kräf­tig die Ver­dum­mung und Rea­li­täts­fer­ne (und den schlech­ten Geschmack) des rech­ten Spek­trums beschleunigt.

Als Bei­spiel sei die­ser Tweet des fran­zö­si­schen rech­ten Akti­vis­ten Dani­el Con­vers­a­no zitiert, den auch Boll (stets emp­fäng­lich für Schmei­che­lei­en) geteilt hat:

Eini­ge Men­schen, sogar in natio­na­lis­ti­schen Krei­sen, sind der Mei­nung, daß „Citi­zen Vigi­lan­te“ sub­ti­ler und klü­ger sein soll­te, weni­ger offen mili­tant. Haben Sie den Film „One Batt­le After Ano­ther“ mit Leo­nar­do Di Caprio gese­hen? Es ist ein Film, der einen weit links ste­hen­den Ter­ro­ris­mus ver­herr­licht. Eine anti­kon­ser­va­ti­ve Tira­de, die zu Gewalt gegen uns (Rech­te) aufruft.

Was Uwe Boll fehlt, ist nicht Sub­ti­li­tät: Es ist ein Bud­get von 100 Mil­lio­nen und gute Dreh­buch­au­to­ren. Eines Tages wird ein rechts­ge­rich­te­ter Regis­seur sicher­lich einen Film machen, der künst­le­risch gelun­ge­ner ist als „Citi­zen Vigi­lan­te“. Ok. Aber bis dato war nur Uwe mutig genug, den ers­ten Schritt zu tun, um mili­tan­te Wer­ke zu schaf­fen, die den Natio­na­lis­mus offen umarmen.

Oder auch die­ser, mit noch lau­ter auf­ge­dreh­ter Krafthuberei:

„Die Schön­heit wird die Welt ret­ten.“ Die­sen dum­men und fal­schen Satz kann man über­all lesen. Schön­heit ist kei­ne Nati­on; sie besitzt kei­ne Waf­fen, mit denen sie sich ver­tei­di­gen könn­te. Im Gegen­teil, Schön­heit muss vor dem Bösen und der Zer­stö­rung geschützt werden.

Uwe Boll ist kein sen­si­bler Fil­me­ma­cher. Er hat eine dio­ny­si­sche Per­sön­lich­keit. Er ist hier, um zu schrei­en. Er wur­de gebo­ren, um zu has­sen, was has­sens­wert ist. Wir brau­chen die­se Art von Europäer.

Was, denkt ihr, wer­den die deka­den­te Lin­ke und die Ein­dring­lin­ge mit der klas­si­schen Kunst anstel­len, die wir alle lie­ben, wenn wir sie gewin­nen las­sen? Was wird von Rim­baud, Berg­man, Leo­nar­do da Vin­ci oder Shake­speare übrig blei­ben, wenn wir uns nicht muti­ger und stär­ker erwei­sen, um alles zu ver­tei­di­gen, was es zu ver­tei­di­gen gilt?

Poli­ti­sche Rei­fe besteht dar­in zu ver­ste­hen, daß Auto­ri­tät (und manch­mal sogar ein Hauch von Gewalt) erfor­der­lich ist, um Schön­heit und Leich­tig­keit in unse­rer Welt exis­tie­ren zu las­sen. Wollt ihr ein ver­fei­ner­tes Euro­pa? Dann braucht ihr Gren­zen und Bar­ba­ren, die es vor der Außen­welt schüt­zen. Des­halb ist “Citi­zen Vigi­lan­te” ein groß­ar­ti­ger Film. Die Ener­gie in die­sem Film ist genau das, was wir jetzt brauchen.

Also die “Ener­gie” ist es, die “wir” brau­chen, auch wenn das Gan­ze, äh, eher eine “dio­ny­si­sche” Ange­le­gen­heit ist.

Natür­lich war dies alles zu erwar­ten, wenn man mit dem Œuvre von Uwe Boll ver­traut ist, der seit den frü­hen neun­zi­ger Jah­ren wie ein Beses­se­ner Inde­pen­dent-Fil­me am Fließ­band her­un­ter­rotzt, vor­zugs­wei­se im Action- und Hor­ror­gen­re, wovon etli­che den Ruf erlangt haben, zum übels­ten Müll zu zäh­len, der jemals gedreht wur­de. Wie vie­le Regis­seu­re die­ser Art hat er in den Augen man­cher, die es gern bra­chi­al, grell und stumpf mögen, eben dadurch “Kult­sta­tus” erlangt.

Das alles im Ver­bund mit sei­ner offen­sicht­li­chen Lie­be zu exzes­si­ven Gewalt­dar­stel­lun­gen macht Boll nun nicht gera­de zum ver­trau­ens­wür­digs­ten Kan­di­da­ten, wenn es um “seriö­se” The­men geht, an denen er sich hart­nä­ckig immer wie­der ver­sucht. Er erscheint viel­mehr als klas­si­scher “Exploitation”-Filmer, der kon­tro­ver­se und kras­se The­men auf sen­sa­tio­na­lis­ti­sche Wei­se benutzt, um damit Auf­merk­sam­keit zu erzeu­gen und Geld zu machen, dies aller­dings stets in mora­li­sche Recht­fer­ti­gun­gen und Beteue­run­gen ein­ge­wi­ckelt (nicht unähn­lich sei­nem “Citi­zen Vigilante”).

2011 dreh­te er einen etwa ein­stün­di­gen Film mit dem Titel Ausch­witz, was vie­le schon wegen Boll selbst als Sakri­leg und Pro­vo­ka­ti­on erfun­den haben: Aus­ge­rech­net der Schöp­fer von House of the Dead, Blood Ray­ne und Blub­be­r­el­la zeigt dar­in den Ersti­ckungs­tod von Men­schen in einer Nazi-Gas­kam­mer in Groß­auf­nah­me (den zu zei­gen ein Spiel­berg in Schind­lers Liste “takt­voll” ver­mie­den hat), natür­lich nur aus rein päd­ago­gi­schen Moti­ven: “Es ist wich­tig, daß wir nie­mals ver­ges­sen, was pas­siert ist”, erklär­te Boll im Abspann des Films, denn “nur so kön­nen wir sicher­stel­len, daß wir die­sel­ben Feh­ler nicht noch­mal machen”.

Ana­log zeigt er in Citi­zen Vigi­lan­te den qual­vol­len Tod einer jun­gen Mut­ter vor den Augen ihres Kin­des ver­mut­lich, um – was denn eigent­lich? “Wach­zu­rüt­teln”? An die Opfer von Migran­ten­ge­walt zu erin­nern? Die Zuschau­er so zor­nig und rach­süch­tig zu machen, wie “San­ders” im Film zor­nig und rach­süch­tig ist, damit sich das alles end­lich ändert? Oder gibt es nicht doch Moti­ve, die ein Stück­chen nied­ri­ger ange­sie­delt sind?

2022 dreh­te er einen sei­ner meist­ge­h­aß­ten Fil­me, Hanau (Unter­ti­tel “Deutsch­land im Win­ter”), eine gegen den Wil­len der betrof­fe­nen Stadt und der Opfer zusam­men­ge­schus­ter­te No-Bud­get-Rekon­struk­ti­on der Gedan­ken­welt und des Amok­lau­fes eines Psy­cho­ti­kers im Febru­ar 2019, der von den Medi­en zur “rechts­extre­men” Tat erklärt wor­den war.

Boll über­nahm die­ses Nar­ra­tiv voll­stän­dig, indem er am Schluß Bil­der von rech­ten Demons­tra­tio­nen, Trump, QAnon-Anhän­gern, Corona-”Schwurblern” usw. anhäng­te. Davor rück­te er den Täter Tobi­as Rath­jen und sei­ne psy­cho­ti­sche Welt­sicht unge­fil­tert und unkom­men­tiert ins Zen­trum. Wie­der­um bemän­gel­ten Kri­ti­ker die Unge­niert­heit, mit der er sein The­ma aus­beu­te­te, wäh­rend der Regis­seur selbst beteu­er­te, nichts ande­res als ein “Rea­list” zu sein.

Gegen­über dem Spie­gel erklär­te Boll, er wol­le vor “Rechts­extre­mis­mus” und “Ver­schwö­rungs­theo­rien” war­nen. Er insze­nier­te Rath­jen als in die­sem Fall wahn­haf­ten Möch­te­gern-Vigi­lan­ten, der ähn­lich wie San­ders im aktu­el­len Film dazu auf­ruft, den Main­stream-Medi­en kein Gehör zu schen­ken und zur Tat zu schrei­ten, in die­sem Fall gegen sata­ni­sche pädo­phi­le Eliten.

Ande­rer­seits publi­zier­te Boll im sel­ben Jahr ein Buch mit dem Titel War­um sich kei­ner mehr zu sagen traut, was wirk­lich ist, Unter­ti­tel: “Deutsch­land zwi­schen Can­cel Cul­tu­re, Poli­ti­cal Cor­rect­ness, und der neu­en Feig­heit, die Wahr­heit zu sagen”, und auch im Frei­lich-Maga­zin hat er sich mit einem Inter­view bli­cken lassen.

Dort zeig­te er sich als mode­ra­ter, Law & Order und kul­tu­rel­le Kom­pa­ti­bi­li­tät beto­nen­der Ein­wan­de­rungs­kri­ti­ker, und ver­wies auf sei­nen Film Run (2025), der als ers­ter Film über­haupt nicht nur die Stra­pa­zen der Boots­flücht­lin­ge auf dem Mit­tel­meer zei­ge, “son­dern auch, wie die­se Flücht­lin­ge Stress, Unru­he und Wohl­stands­ver­lust nach Euro­pa brin­gen.” Die­sen Film habe ich nicht gese­hen und kann dazu kein Urteil fällen.

Citi­zen Vigi­lan­te ist kein völ­lig schlech­ter Film. Im Gegen­satz zu ande­ren Boll-Wer­ken ist er gut pho­to­gra­phiert, flott geschnit­ten (von etli­chen über­lan­gen, red­un­dan­ten Sze­nen abge­se­hen), mit zwei, drei ein­präg­sa­men Sze­nen und einem ansehn­li­chen Haupt­dar­stel­ler, der aller­dings nicht all­zu viel zu tun bekommt.

In man­cher Hin­sicht han­delt es sich hier gewiß um einen “Mei­len­stein” und um einen kräf­ti­gen Tritt gegen das Over­ton­fens­ter. Auf man­che scheint er eine gera­de­zu opi­ati­sche Wir­kung aus­zu­üben, weil er trotz sei­ner man­gel­haf­ten Qua­li­tät gewis­sen unge­still­ten emo­tio­na­len Bedürf­nis­sen ent­ge­gen­kommt, als Rache­por­no oder juve­ni­le Erlösungsphantasie.

Es ist aber auch ein zwei­schnei­di­ges, sogar ein ein biß­chen ver­gif­te­tes Geschenk, das Uwe Boll, ein Mann der sei­nen Anti-Intel­lek­tua­lis­mus wie ein Ban­ner vor sich her­trägt, der ein­wan­de­rungs­kri­ti­schen Rech­ten mit die­sem Film gemacht hat.

Ich rate drin­gend davon ab, dar­aus einen “Kult­film” oder auch nur eine Mem-Mine machen zu wollen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (10)

Andreas J

25. Juni 2026 13:30

"Die rechten Multiplikatoren beißen reihenweise an, denn offenbar gilt es einen extrem politisch unkorrekten Film gegen “Zensur” und ähnliche Verhinderer in Schutz zu nehmen."Findet hier denn faktisch keine Zensur statt?

ML: Ein bißchen schon, aber jedermann kann den Film im Internet vie Streaming sehen, und so wird er ja auch von den allermeisten Zuschauern in den USA konsumiert.

RMH

25. Juni 2026 14:02

Mir fallen bei dem genannten Kontext der Vigilanten Filme auch die ersten Teile von "Mad Max" und die recht erfolgreiche Streaming-Serie "Dexter" ein.
Das "Recht in die eigene Hand" zu nehmen, kommt als "american way of life" natürlich auch in den Serien von Taylor Sheridan vor, dem ja auch eine gewisse Rolle am Erfolg der MAGA-Bewegung zugeschrieben wird.
Aber egal, soll ja kein Co-Referat werden, zumal ich den Film nicht gesehen habe. Boll scheint wohl ein Mensch zu sein, der gewissen Geschäftsfelder bedienen kann, bis vor 20 Jahren war er wohl am Steuerabschreibungsmarkt von sog. Filmfonds erfolgreich aktiv. Jetzt setzt er auf eine Exploitation-Welle. Und nachdem es bereits Blaxploitation, Sexploitation und Naziploitation und was weis ich für -ploitation Filme gab, macht er jetzt das Rightwingploitation Genre (oder, falls es das schon gibt, erschafft er besonders grelle Exemplare davon).
Man fragt sich nur: Was zur Hölle soll das Ganze mit "Rechts" zu tun haben? Warum feiern einige, die sich "Rechts" nenen, sowas ab? Für mich hat das so wenig mit Rechts zu tun, wie 150.000 in Nürnberg aufmarschierende Braunhemden.

Laurenz

25. Juni 2026 14:36

@ML ... danke erst mal für die Info überhaupt. Fand gleich 4 Filmkritiker (1er eher queer) auf YouTube, die alle keinen Zweifel daran lassen, wer Uwe Boll ist, aber den Film mehr oder weniger (2:2) gut finden. Unter dem I. Clip stand der Kommentar, daß es keine bessere PR für den Film gäbe, als "Haramstufe Rot" bei der FSK. Hier ist die 2. Film Besprechung. https://youtu.be/5VNRsGKZYBk Unter der queeren Filmkritik waren die Kommentatoren nicht wirklich nett zum Kritiker.

Paavo

25. Juni 2026 15:00

Wenn ein Film Kunst ist, und das ist ein Film, dann muß die Schwelle für Eingriffe besonders hoch sein. Denn die Kunstfreiheit genießt im GG einen höheren Stellenwert als die allgemeine Meinungsfreiheit, weil kein ausdrücklicher Gesetzesvorbehalt existiert.
Die eigentliche verfassungsrechtliche Frage lautet dann doch: Ist die Verweigerung einer Freigabe mit dem hohen Rang der Kunstfreiheit vereinbar, oder wurde hier übermäßig in die Freiheit künstlerischen Ausdrucks eingegriffen?

RWDS

25. Juni 2026 15:07

Kann an (Bolls) Anti-Intellektualismus nichts Verwerfliches entdecken. Gequatscht wurde lange genug. 

ML: Genau, jetzt müssen endlich dämliche Fantasy-Filme gedreht werden.

Mitleser2

25. Juni 2026 15:09

Sieht sich nicht die Antifa in einer ähnlichen Rolle, nur von der anderen Seite? Man muss nicht gleich die Weimarer Republik bemühen, aber irgendwann wird sich die Rechte der Frage stellen müssen, wie sie mit linker Gewalt umgeht. Und das ist völlig unabhängig von so einem Film. Beim Erfurter AfD-Parteitag wird man einiges sehen.

Andreas J

25. Juni 2026 15:24

Ohne das vermutlich erhebliche Risikopotenzial näher zu skizzieren, glaube ich, dass es kaum Kinobetreiber gäbe, die den Film zeigen würden. 
 

Ein gebuertiger Hesse

25. Juni 2026 15:32

Den letzten Satz des Artikels dreimal lesen everyone.

t.gygax

25. Juni 2026 16:50

Neuaufguss von "Ein Mann sieht rot,"1974 mit Charles Bronson.Nichts Neues unter der Sonne...aber: der erste Film, der die Migrantengewalt drastisch zeigt, und die nur in Amerika vorstellbare Antwort darauf.Antaios brachte vor genau 10 Jahren 2 Krimis zu diesem Thema heraus, die in Sachen Gewalt mehr als heftig waren( Chaos/ Der Aufstand). Aber eben nur fiktionale Wunschvorstellungen, wir sind in der BRD wehrlos. Und der Staat schützt uns nicht.Von daher ist der Film eigentlich Ablenkung....zur Gewalt: wenn im von meinen Steuern bezahlten Fernsehen um 20 15 Filme mit widerlich perversen Morden und Vergewaltigungen kommen, stört das niemand mehr.Ich habe vor 4 Jahren (leider!)einen  scheußlichen Magdeburger Polizeiruf 110 gesehen, der tat meiner Seele nicht gut.Die Bilder verfolgten mich noch lange  vor allem, weil es um Morde und Quälereien an Kindern ging....Und in der Szene, in der Bolls Filme angesagt sind, ist man etwas abgebrühter.....übrigens für den Schöngeist Lichtmesz und seine oft bekundete Bewunderung für eine Figur namens Werner Herzog: in der Woyzeck Verfilmung 1979, damals mit Kinski und Eva Matthes, zeigt Herzog das langsame Abstechen von Marie in Zeitlupe.....der hochgerühmte Werner Herzog hat genauso eine Affinität zum Zeigen von Grausamkeiten wie der offenbar etwas "kulturell niedriger" angelegte Boll..   

Fordring

25. Juni 2026 16:59

"Ich rate dringend davon ab, daraus einen “Kultfilm” oder auch nur eine Mem-Mine machen zu wollen."
 
Ich rate dringend dazu.