Im Grunde beginnt dieser Text schlecht oder verkehrt, denn es geht nicht um ich/mir/mich. Auf unserem Sommerfest in Schnellroda trat ein Mann auf mich zu, von dem ich nicht besonders viel weiß.
Nur, daß ich ihn mag & schätze und als wirklich „guten Altkunden“ kenne. (Seit Jahrzehnten.) Er ist ein echter Leser. Wir hatten nie Brief-/Mailkontakt, aber wenn wir uns sahen im Umkreis der Schnellroda-Veranstaltungen, hatte er immer sehr präzise Fragen zu Büchern und Texten. Sympathischer Typ, unaufdringlich, belesen.
Er hat auch einen einprägsamen und ungewöhnlichen Namen, ich nennen ihn hier mal Adalbert von Wackerbarth. Er schaut ein wenig aus wie der deutsche Schauspieler mit dem noch phantastischeren Namen Sky du Mont (nur eben auf ostdeutsch) und dürfte auch etwa dieser Altersklasse entsprechen. Ein gepflegter älterer Herr bei glasklarem Verstand also.
Von Wackerbarth fragte mich (rückblickend: warum mich? Hat mich erstaunt und grübeln gemacht), ob ich einige Minuten Zeit hätte für eine Frage, die ihn, von Wackerbarth, seit Monaten schwer umtreibe.
Ich hatte diese Minuten. Ob ich je von Oskar Brüsewitz gehört hätte? Klar. Es gab ja jüngst wieder einen ganz guten Beitrag im Staatsfunk zu Brüsewitz.
Gut, Frau Kositza. Diese Selbstverbrennung von Brüsewitz fungierte damals als Fanal. Das hat SO viele Menschen zum Nachdenken gebracht. Und, pardon, so mit der Tür ins Haus zu fallen: Ich wäre bereit. Ich BIN bereit! Ich bin alt, ich habe mein Leben hinter mir. Ich bin nicht depressiv, habe auch keine anderen Krankheiten, aber – Sie verstehen das doch? – ich möchte so gern die Leute aufs Äußerste wachrütteln. Ein Zeichen setzen. Das klingt vielleicht blöd, Sie das auf so einem Sommerfest zu fragen. Aber – also, hier ist meine Bereitschaft. Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr, daß dieses Volk sich noch mal aufrafft. AfD hin oder her. Es braucht doch etwas, das die Leute extrem erschüttert. Ich will einfach, daß sowas wie eine existenzielle Erschütterung geschieht. Jedenfalls, ich wäre bereit. Mich zu verbrennen. Raten Sie mir zu – oder ab? Ich stünde sofort bereit. Ich würde das einfach so geben. Am besten halt am 18. August. Ich möchte einfach ihre ganz ehrliche Meinung.
Ich muß nochmal betonen, daß Adalbert von Wackerbarth eine seriöse Figur abgibt. Das ist nicht logisch – ich kenne unseren lunatic fringe. Den gibt es. Er zählt nicht drunter. Er ist ein vernünftiger Mann.
Ich war, ja, im Fest-Streß, aber andererseits bin ich ganz gut eingelesen in Selbstmörder. (Ich weiß, diesen Begriff vermeidet man heute.) Das Thema ist mir nicht fern, ich hatte früher mit Sylvia Plath, Virginia Woolf und Kurt Cobain mitgefühlt und hatte auch Suizidanten unter meinen Jugendfreunden.
Die Stunde kommt da man dich braucht,
dann sei du ganz bereit.
Und in das Feuer das verraucht,
wirf dich als letztes Scheit.
So dichtete Friedrich Gundolf, sangen die Geschwister Scholl. Und ist doch auch klar: Wer für eine Sache brennt, der macht nicht kalkulierend halb/halb und wittert auf Spesenrückzahlung – der zieht einfach durch!
Zu Adalbert von Wackerbarths Ansinnen hatte ich im Festtaumel keine ambivalente, intellektuelle Antwort parat, sondern aus dem Stand eine sehr entschiedene: Tu es nicht. Niemals! Denk einfach keine einzige Sekunde mehr darüber nach! Keine einzige, nie. “Etwas Besseres als den Tod findest Du allemal.” (Bremer Stadtmusikanten.)
Und: Gott allein hat die Verfügungsgewalt über Leben oder Tod. Gottlob ist von Wackerbarth Christ. Daß ihn meine vehemente und impulsive Gegenrede abgehalten hätte – denke ich nicht. Man tut ja immer, was man kann; aber eigentlich kann man so wenig. Was Paulus sagt, ruft:
Tue dir kein Leid an! Denn wir sind alle noch hier!
ist ja doch gültig. Immer.
Mboko Lumumbe
Natürlich nicht. Er zeigt nur seine Hilflosigkeit angesichts seiner korrekten gesellschaftspolitischen Einschätzung zur Situation im Volk. Und auch richtig, die AfD wird das nicht mehr ändern können, nur verzögern und abmildern. Etwas neues und größeres ist im Entstehen - wir kennen es noch nicht.
Der Linksfaschismus und das Linksfaschovolk mit deren demokratiefeindlichem "Kampf gegen rechts" verschwindet nicht durch Wahlen. Der linke Faschismus zeigt immer deutlicher seine faschistische Fratze mit unverhohlenen Terrordrohungen, Anschlägen und Militanz. Wie damals.
Und genau das muss sehr viel stärker, klarer und deutlicher den Sozialisten und Linksfaschos im Land und Volk täglich unter die Nase gerieben werden. Gegen diese schlichten Wahrheiten ihres eigenen Faschismus haben sie nämlich kein Argument und sie fürchten das wie der Teufel das Weihwasser.
"Seid unversöhnlich" oder toleriert euch zu Tode. Aber verbrenn dich nicht, denn das rüttelt keinen Linksfascho wach, sondern das freut den noch: Ein Rechter weniger!