Nation! – Antwort auf Felix Menzels Positionierung

Felix Menzel hat eine Sarrazin-Lesung in Dresden beschrieben. Der Bericht ist gelungen, wichtig darin ist die Klarstellung,...

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

daß man nicht “Exper­te” sein muß, um bei­spiels­wei­se grund­sätz­lich eine Ent­schei­dung über den ESM-Ver­trag tref­fen zu kön­nen. Im Prin­zip ist das eine gute Beschrei­bung des intel­li­genz­ge­stütz­ten gesun­den Men­schen­ver­stands. Der Geg­ner ver­steckt sich hin­ter Ver­schach­te­lun­gen und Kom­ple­xi­tät, dabei ist das meis­te im Prin­zip ein­fach und nur im Detail kom­pli­ziert. So weit, so gut.

Was mich aller­dings wun­dert, ist, daß sich Men­zel wei­gert, die Vor­gän­ge als einen Ver­fas­sungs­putsch zu begrei­fen und daß in solch einem Moment das letz­te Rest­chen an Sou­ve­rä­ni­tät und finanz­po­li­ti­scher Ord­nung ver­tei­digt wer­den muß. “Ver­fas­sungs­putsch” ist schlicht ein grif­fi­ges Wort für die Aus­he­be­lung des staat­li­chen Königs­rechts: der Hoheit über Steu­er und Haushalt.

Wenn also bis­her der deut­sche Staat einen Beu­te­wert vor allem für unse­re eige­nen, ziem­lich ver­kom­me­nen Par­tei­po­li­ti­ker und deren Umver­tei­lungs­wahn hat­te, dann hat er jetzt einen Beu­te­wert für ganz Euro­pa. Gegen das, was nun finan­zi­ell auf uns zukommt, sind 130 Gen­der-Pro­fes­su­ren ein klei­ner Pau­sen-Snack. Mar­tin Licht­mesz hat das neu­lich aus­ge­führt, Man­fred Klei­ne-Hart­la­ge hat das als Putsch beschrie­ben – das sind genau jene Lage­fest­stel­ler und Publi­zis­ten, auf deren Erfah­rung und ana­ly­ti­sche Sicher­heit wir ver­trau­en können.

Wei­ter: Sar­ra­zin bekennt sich – hat Men­zel das über­le­sen? – natür­lich zu einer Visi­on des bes­se­ren Deutsch­lands und eines ande­ren Euro­pas. Erik Leh­nert und ande­re haben das ziem­lich genau beschrie­ben in unse­rem Sar­ra­zin-Son­der­heft: Sar­ra­zin macht weit­rei­chen­de Vor­schlä­ge zu einer “for­mie­ren­den Mas­sen­po­li­tik”, also zu einer Erzie­hung durch sanf­ten und weni­ger sanf­ten Zwang. Er nähert sich dabei bestimm­ten DDR-Kon­zep­ten an, vor allem dort, wo er den ein­zel­nen, von der gren­zen­lo­sen Frei­heit über­for­der­ten Men­schen NICHT sich selbst über­las­sen will, son­dern sei­ne For­mung, also Erzie­hung fordert.

Sar­ra­zin hält mehr Sou­ve­rä­ni­tät für zwin­gend, ist – vor­sich­tig for­mu­liert – ein unauf­ge­reg­ter, nicht aus­gren­zen­der, nicht aggres­si­ver, staats­gläu­bi­ger natio­na­ler Sozia­list. Das ist dann doch eine Visi­on, und für Euro­pa gibt es eine: Sar­ra­zins neu­es Buch ist voll von Abste­ckun­gen, er gönnt jedem Land das Sei­ne, will Viel­falt und Nach­bar­schaft, sieht his­to­risch Euro­pa immer dann stark, wenn jeder sei­ne Haus­auf­ga­ben mach­te und sich in Kon­kur­renz zu den Nach­barn sah.

Sar­ra­zin will kei­ne Nivel­lie­rung der Cha­rak­te­re, Men­ta­li­tä­ten, Wirt­schafts­for­men, Wäh­rungs­vor­lie­ben usf.. Er will kei­ne Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Euro­pa, son­dern Aus­tausch, Inspi­ra­ti­on – und einen gemein­sa­men Kampf gegen die Über­frem­dung Euro­pas. Viel­leicht stört es Men­zel, daß das alles ziem­lich banal ist, nicht pri­ckelnd. Das ist es in der Tat nicht: Es ist ein­fach his­to­risch gewach­sen, ist Lebens­selbst­ver­ständ­lich­keit, ist die Nor­ma­li­tät. – “Bloom”, der neus­te Begriff des fran­zö­si­schen Autoren­kol­lek­tiv Tig­gun: Was soll das sein? Ist das das neue Kunst­wort, das wir zur Lageb­schrei­bung brau­chen? Das ist Sozio­lo­gen-Gewäsch, mehr nicht.

Dann Moh­lers Natio­nal­ja­ko­bi­nis­mus: Das war Moh­lers Kampf gegen die Alt­rech­ten, die im Sche­ma Adel-Volk dach­ten. Neue Rech­te hal­ten indes sehr viel vom Volk, sei­nem Ver­stand, sei­nem Fleiß, sei­ner Gerad­li­nig­keit, sei­ner Unkom­pli­ziert­heit, sei­ner Lebens­er­fah­rung, sei­ner Wert­schöp­fung, sei­ner all­täg­li­chen Pflicht­er­fül­lung und Zuver­läs­sig­keit. Das hin­dert uns aber nicht dar­an, die all­ge­mei­ne Ver­rot­tung anzu­spre­chen und anzuprangern.

Ein Wort zum “Euro­pa der Regio­nen” – die­ser Begriffs­fal­le. Benoist und Eich­berg haben das irgend­wie iden­ti­tär ver­stan­den. Regio­nen sind aber macht­los, kein Ver­such, sie län­der­über­grei­fend aus­zu­stat­ten mit staats­ähn­li­cher Macht, hat auch nur im Ansatz funk­tio­niert – nicht im Elsaß, nicht in Schle­si­en, nicht in Pom­mern, nicht in Tirol. Auch die­ses “Regio­nen­kon­zept” ist wie­der ein Wort­ge­klin­gel für etwas, das seit jahr­hun­der­ten Selbst­ver­ständ­lich­keit ist: Ver­kehr, Aus­tausch, kul­tu­rel­le, wirt­schaft­li­che Befruch­tung, ein gewis­ses “Wir”-Gefühl, das aber im Moment des Kon­flikts sich sofort ent­lang der natio­na­len und der völ­ki­schen Linie wie­der auseinandersortierte.

Men­zel geht für sein Regio­nen-Kon­zept von einer Ver­schär­fung der Lage aus:

1. Über­all in (West-)Europa gibt es ähn­li­che eth­ni­sche Bruch­li­ni­en. Euro­pa muß die­ses Pro­blem des­halb gemein­sam bewältigen.
2. Ein „Euro­pa der Regio­nen“ ist eine denk­ba­re Kon­se­quenz aus der Her­aus­bil­dung ers­ter „gated com­mu­nities“ und Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten. Kubit­schek und Paul­witz spre­chen in Deut­sche Opfer, Frem­de Täter von einer dro­hen­den „Bra­si­lia­ni­sie­rung“. In die­sem Sze­na­rio wer­den die Deut­schen nur bestehen kön­nen, wenn sie in der Lage sind, eige­ne loka­le Gemein­schaf­ten zu bilden.

Das ist nicht schlecht argu­men­tiert und viel­leicht rich­tig pro­gnos­ti­ziert. Aber man darf eines nicht ver­ges­sen: Macht hat der­zeit immer noch und nur der Natio­nal­staat, nach außen gerich­te­te Iden­ti­tät gewährt nur er, alles Regio­na­le ist nett, aber nicht mehr: Es streift die Folk­lo­re. Mich erin­nern die­se Iden­ti­täts­bas­te­lei­en an die deutsch-fran­zö­si­sche Bri­ga­de, in der ich drei Mona­te dien­te: ein ideo­lo­gi­sches Pro­jekt, jeder Dienst­pos­ten dop­pelt besetzt, eine Befehls­struk­tur, die von Idio­ten erfun­den wor­den ist – kei­nen hal­ben Tag hät­te sie im Ernst­fall gehalten.

Nun hat es Men­zel also nicht dabei bewen­den las­sen, aus der Sar­ra­zin-Ver­an­stal­tung zu refe­rie­ren. Er hat außer­dem die “drei Pflich­ten der Macht­lo­sen” nach­ge­scho­ben und an Sar­ra­zin, an der “Lage”, an der Neu­en Rech­ten und an sich selbst abge­gli­chen. Die Pflich­ten der Macht­lo­sen lauten:

1. die Lage analysieren;
2. Alter­na­ti­ven zur Alter­na­tiv­lo­sig­keit aufzeigen;
3. mit gutem Bei­spiel vorangehen.

Das ist jener Drei­klang, den wir seit Jah­ren als roten Faden durch unse­re Tex­te weben: wahr­neh­men, wei­ter­den­ken, auf­bau­en. Was aber ist das “Kon­kre­te”, das jen­seits der Publi­zis­tik wie ein Brach­land auf Men­zel war­tet, wor­an wird er sei­ne Lebens­leis­tung der­einst mes­sen? Ist er nicht vor allem Publi­zist, vor allem Medi­en­wis­sen­schaft­ler, ver­bringt die meis­te Zeit als Ana­ly­ti­ker, Lage­be­schrei­ber, Redak­teur vor dem Rech­ner? Hat Fami­lie? Ist in Ver­ei­nen aktiv? Ist Sach­se, sitzt also in einer Regio­nen, die kei­nen schlech­ten Weg geht? Was solls denn noch sein? Doch die Poli­tik? Aktionen?

Wenn, dann rich­tig. Wenn, dann ist bereits der Titel des neu­en Blaue-Nar­zis­se-For­mats nur halb­gar: “The­sen-durch-Fak­ten-Anschlä­ge”, was soll das sein? Für eine Wand­zei­tung ists zu ver­wir­rend, für einen PR-Begriff zu sper­rig. FAKTENANSCHLAG, DENKBOMBE, KOPFNAGEL – ansons­ten ists wie­der bloß Publizistik …

 

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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Kommentare (19)

Marcus Junge

24. Juli 2012 14:46

"Mich erinnern diese Identitätsbasteleien an die deutsch-französische Brigade, in der ich drei Monate diente: ..."

Köstlich Herr Kubitschek. Mal ganz davon abgesehen, daß die BW auf Korps-Ebene in solch multinationale Gemische gepreßt ist und allein dadurch erheblich an Einsatzwert und Führungsfähigkeit einbüßt, läßt sich Ihre Beschreibung der D-F Brigade direkt auf EU/Euro übertragen.

" ... ein ideologisches Projekt, jeder Dienstposten doppelt besetzt, eine Befehlsstruktur, die von Idioten erfunden worden ist – keinen halben Tag hätte sie im Ernstfall gehalten." Jede einzelne Aussage paßt und der Ernstfall ist gerade da.

Lucius de Geer

24. Juli 2012 17:01

Ich will aus meinem Herzen keine Mördergrube machen: Ich bin in dieser Sache ganz auf der Seite von Menzel, weil im 21. Jahrhundert der Nationalstaat für einige Aufgaben zu groß, für andere zu klein ist.

Als gelerntem Saarländer, der jetzt in Bayern wohnt, waren mir Entscheidungen aus Berlin (oder Bonn) immer ähnlich suspekt, wie die aus Brüssel. Natürlich fehlt den Regionen die Macht, wenn sie nicht in einer größeren Einheit zusammengefasst werden - eben Europa. An dieser 'Nation Europa' (im Sinne von Mosley) oder am 'Reich' (im Sinne von Benoist) werden wir nicht vorbeikommen (ich persönlich will's auch überhaupt nicht, weil mir - man schelte mich Romantiker! - das Rom der fünf guten Kaiser und der Staufer näher stehen als der Nationalstaat).

Wenn jetzt einige hier (mehr oder weniger aggressiv) das Bekenntnis zum Nationalstaat zum 'essential' des Rechtsseins machen: Etam si omnes, ego non.

Azo

24. Juli 2012 17:18

Es wird ohnehin zu einer Re-Nationalisierung kommen. Das "Projekt Europa" kam aus der alten bonapartistischen Großfrankreich-Idee und Deutschland ist deutlich selbstbewusster geworden.

Die Stärke Europas ist ein Bündnis souveräner Nationalstaaten. Die vielen unterschiedlichen Nationalkulturen mit ihren geschliffenen Eigenheiten haben diesen Kontinent groß gemacht, während gerade die Riesenreiche der Osmanen und Chinesen vor sich hin dümpelten.

Inselbauer

24. Juli 2012 17:25

Herr Kubitschek, Ihre Kategorien sind doch genauso abstrakt, mit dem Unterschied, dass Sie der bessere Schriftsteller sind (...) seid nett zu einander draußen in Mitteldeutschland

Sebi

24. Juli 2012 20:13

Felix Menzel - Götz Kubitschek 1:0
23.31 uhr!

kubitschek:
schieben Sie mal eine begründung für diesen spielstand nach, sonst pfeife ich Ihren beitrag zur partie um 23.00 Uhr ab!

Martin Lichtmesz

24. Juli 2012 21:01

@ Lucius de Geer

Viele Rechte wollen lieber eine "Nation Europa" oder ein Reich mit einem guten Kaiser. Seit die Deutschen sich der Demokratie zugewandt haben, geht es mit ihnen bergab, so flüstern die Reichstheologen und schwarzen Reaktionäre. Aber den Quantensprung zu einem neuen Reich kann heute keiner hüpfen, es gibt momentan keine ernsthaft gangbare Brücke in Sicht, und auch der regionalistische Pfeifentraum wird keine Flügel ins ungewisse Morgen verleihen. Gerade den nun zum Gegensatz zur "politischen Romantik" des Nationalstaates zu stilisieren, ist originell. Sie geben wenigstens zu, daß Sie ein Romantiker sind.

Ein Fremder aus Elea

24. Juli 2012 21:48

Meine Position zu diesem Thema habe ich hier dargelegt:

https://bereitschaftsfront.blogspot.com/2012/07/einige-strategische-bemerkungen-zur.html

Martin

24. Juli 2012 21:58

Ein Wort zum „Europa der Regionen“ – dieser Begriffsfalle. ... . Regionen sind aber machtlos, kein Versuch, sie länderübergreifend auszustatten mit staatsähnlicher Macht, hat auch nur im Ansatz funktioniert – nicht im Elsaß, nicht in Schlesien, nicht in Pommern, nicht in Tirol.

Macht hat nur der Nationalstaat, nach außen gerichtete Identität gewährt nur er, alles Regionale ist nett, aber nicht mehr: Es streift die Folklore.

Voll Zustimmung!
Für mich hat der Rückgriff auf Regionalismen immer einen Hauch von Datschen-Nostalgie. Wenn´s draußen öde bis unerträglich wird, kann man in seiner gemütlichen Hütte immer noch mit seinen Kumpels ein Bier zischen und alle fünfe Grade sein lassen ... unter DDR- Maßstäben kein Vorwurf an die Datschisten, aber:

So abgewrackt ist der jetzige Kahn noch lange nicht, als dass man ihn nicht wieder halbwegs flott bekäme - und das setzt eben Einsatz statt Rückzug voraus, so schwer es auch fällt ...

Unter Einsatz verstehe ich nicht, dass man jetzt heroisch ins offene Messer rennt ... Im Leben und in der Gesellschaft stehen, seine Verbindungen haben, ein Stück weit mitspielen und an Stellen, die man gestalten kann, gestalten.

Die ganzen Reichsphantasien sind doch ein großes Stück intellektueller Eskapismus, eine Form von Kyffhäuser- Syndrom, um es einmal so auszudrücken. Im "Markt der Möglichkeiten" schön, um damit eine intellektuelle Nische zu besetzen, ein paar Leute zu beeindrucken, aber mehr nicht - interessant genug, damit man sich damit beschäftigen kann, aber kurz- und langfristig Ergebnis- und damit ein Stück weit sinnlos.

Inselbauer

24. Juli 2012 22:38

Herr Lichtmesz! Ein Reichsgebilde entsteht doch durch die EU, es ist halt ein Reich, das uns nicht passt. Deutsch ist es auch, sogar sehr deutsch, und den anderen Europäern stellt es dabei die Haare auf.
Ihr seits ein bisserl besessen von der Vorstellung, dass es irgendwelche "Reste" eines Nationalstaates geben könnte, die jetzt auch noch beseitigt würden. Der Nichtnationalstaat BRD ist eine Institution, die nach Auftrag GG eine Übergangslösung darstellt in Richtung Fremdbestimmung. Seien Sie mir nicht böse, auch Sie nicht, Herr Kubitschek, aber dieser BRD-Blödsinn ist naiv, realitätsfremd und romantisch, als ob man auf der ewigen Suche nach der blauen Waschmaschine hängen geblieben wäre.

Zadok Allen

24. Juli 2012 22:44

Lucius de Geer schrieb:

Ich bin in dieser Sache ganz auf der Seite von Menzel, weil im 21. Jahrhundert der Nationalstaat für einige Aufgaben zu groß, für andere zu klein ist.

An Sie und alle, die so denken, richte ich die Bitte, diese Überzeugung einmal zu konkretisieren: Wofür ist der Nationalstaat heute zu groß? Wofür zu klein? Die Frage ist nicht polemisch gemeint; es interessiert mich, wie Sie zu dieser Auffassung kommen.

Alles, was sich in den letzten Jahrhunderten abgespielt hat (Industrialisierung, Kriege, Friedensperioden, Regionalisierung, Globalisierung, Kommunismus, Hedonismus, Militarismus, Massenwahn, direkte bürgerliche Demokratie etc. pp) hat sich im Rahmen des Nationalstaates abgespielt. Für nichts war er "zu groß" oder "zu klein".

Die Welt, wie wir sie kennen - und alle mehr oder weniger wahrscheinlichen Zukunftsperspektiven - ist eine Welt der Nationalstaaten bzw. sind Zukunftsperspektiven der Nationalstaaten.

Der Bauer sagt: Mein Acker ist für viele heutigen Aufgaben zu groß, für viele zu klein. Je nun, er kann sich mit anderen zusammentun. Letzten Endes wird vielleicht im kontinentalen Maßstab eine Monokultur angebaut. Aber was nützt das noch? Wir brauchen verschiedene Feldfrüchte. Um die kluge Einteilung und Bewirtschaftung der natürlichermaßen endlichen Ackerfläche kommt selbst ein Agrarkonzern nicht herum. (Ich weiß, der Vergleich hinkt etwas.)

Ulfric

24. Juli 2012 23:02

Letztlich sind beide Konzepte richtig und wichtig.

"...Ein Wort zum „Europa der Regionen“ – dieser Begriffsfalle. Benoist und Eichberg haben das irgendwie identitär verstanden. Regionen sind aber machtlos, kein Versuch, sie länderübergreifend auszustatten mit staatsähnlicher Macht, hat auch nur im Ansatz funktioniert(...)Macht hat nur der Nationalstaat, nach außen gerichtete Identität gewährt nur er, alles Regionale ist nett, aber nicht mehr: Es streift die Folklore...", Kubitschek

Völlig richtig und deswegen müssen wir auch alles daran setzen die Nationalstaaten Europas zu retten.

ABER auch Herr Menzel hat recht, wenn er schreibt,

"...Dabei ist mir vollkommen klar, daß dies kein wünschenswertes Endstadium der Staatenentwicklung ist(...)
1.Überall in (West-)Europa gibt es ähnliche ethnische Bruchlinien. Europa muß dieses Problem deshalb gemeinsam bewältigen.
2. Ein „Europa der Regionen“ ist eine denkbare Konsequenz aus der Herausbildung erster „gated communities“ und Parallelgesellschaften. Kubitschek und Paulwitz sprechen in Deutsche Opfer, Fremde Täter von einer drohenden „Brasilianisierung“. In diesem Szenario werden die Deutschen nur bestehen können, wenn sie in der Lage sind, eigene lokale Gemeinschaften zu bilden..."

Ebenso richtig. Herr Kubitschek und Herr Lichtmesz favorisieren die Nation aus guten Gründen, aber sollte die Islamisierung immer weiter voran schreiten, dann nützt uns ein Nationalstaat überhaupt nichts mehr und ist auch erstmal in weite Ferne gerückt.

Herr Lichtmesz hat es ja schon selbst geschrieben, "Der Nationalstaat geht ja nicht unter. Er wechselt nur den Besitzer."

Sollten wir uns also in der Minderheit wieder finden, dann haben wir Deutschen überhaupt nichts mehr von unserem "Nationalstaat". Sobald die Mehrheitsverhältnisse kippen, dann ist der Kampf um den Nationalstaat schon verloren. Und dann sehe ich als Alternative nur ein Europa der Regionen.

Es ist also wichtig, dass die Menschen von heute den Nationalstaat noch nicht aufgeben und um ihn kämpfen, denn er garantiert die nötige Macht. Nicht weniger wichtig ist es aber, dass die Menschen anfangen auch die Alternativen, den Plan B, vorzubereiten. Denn ein Szenario, in dem die (west-)europäitschen Völker nur als regionale Gemeinschaft überleben können, ist nicht mehr weit weg. Die Zeit arbeitet gegen uns.

Philipp

25. Juli 2012 02:23

Ich persönlich vermute, dass einige, die das vereinte Europa propagieren, einfach Europas früherer imperialer Größe nachtrauern. Das soll nicht fies klingen, sondern ist einfach eine Art Bauchgefühl.

Sich, was die Staatsstruktur betrifft, stärker an Regionen und Kommunen zu orientieren, halte ich für sehr sinnvoll, schließlich wissen die Leute vor Ort wohl am besten, was gut für sie ist und vom Wettbewerb unter den staatlichen Entitäten könnten die Bürger durchaus profitieren.

Sixty

25. Juli 2012 09:48

"Sarrazin hält mehr Souveränität für zwingend, ist – vorsichtig formuliert – ein unaufgeregter, nicht ausgrenzender, nicht agressiver, staatsgläubiger nationaler Sozialist. Das ist dann doch eine Vision, und für Europa gibt es eine: Sarrazins neues Buch ist voll von Absteckungen, er gönnt jedem Land das Seine, will Vielfalt und Nachbarschaft, sieht historisch Europa immer dann stark, wenn jeder seine Hausaufgaben machte und sich in Konkurrenz zu den Nachbarn sah."

Naja, "staatsgläubig" ist wohl etwas übertrieben, aber ansonsten sehe ich das auch so. Leider ist eine solche "linksnationale" Position, die der eines Kurt Schumacher ja durchaus nahesteht, in der heutigen Sozialdemokratie absolut marginal und wird von der Multikulti- und PC-hörigen Parteiführung systematisch ausgegrenzt, bekanntlich bis hin zum seinerzeitigen versuchten Parteiausschluß.
Da die SPD-Führer aber ganz genau wissen, daß ein nicht unerheblicher Teil ihrer Parteibasis (ebenso übrigens auch ein großer Teil der Wählerschaft der "Linkspartei" im Osten) den Thesen von Sarrazin (aufgrund ihrer eigenen, "empirischen", nicht ideologisch "verdrängten" Erfahrungen) zustimmt, nehmen sie es zähneknirschend hin, ihn weiter in der SPD zu lassen.
Zu einer sachlichen Auseinandersetzung sind sie aber nicht fähig, siehe der peinlich-arrogante Auftritt des Bilderbergers Peer Steinbrück in seiner "Privat-Diskussion" mit Sarrazin bei Jauch.

Martin Lichtmesz

25. Juli 2012 10:11

@ Inselbauer

Zwischen einer Sowjet-Union und einem "Reich", wie man es auf deutschem Boden verstanden hat, besteht ja wohl ein beträchtlicher Unterschied.

Mops

25. Juli 2012 14:37

Dieser kleinkarierte, spießige-piefige Provinzialismus wurde schon immer von den äußeren Feinden Deutschland tatkräftig gefördert um Deutschland schwach zu halten und es gemäß divide et impera beherrschen zu können. Die ganzen antinationalen Provinztümler die bevorzugt in katholischen Gegenden Bayerns und des Rheinlandes beheimatet sind und von denen sich nicht wenige Italienern, Franzosen und US-Amerikanern näher fühlen als ihren norddeutschen Landsleuten waren dafür leider immer schon besonders anfällig.

Inselbauer

25. Juli 2012 15:48

Unterschiede gibt es auch zwischen Ihrer Sowjetmetapher und der Europäischen Union (...) das Deutsche Reich war doch nicht nur deutsch, es war auch eine "Schweinekrone" (Bismarck), weil es eben ein Reich und kein Nationalstaat war, ein Gebilde, in dem Leute wie der Papst ununterbrochen hineinregiert haben und das jahrhundertelang pleite war (...)

Hört endlich auf, dieser naiven Fiktion eines nationalstaatlichen Elements in der BRD nachzulaufen, die BRD ist eine Gründung gegen den Nationalstaat, und das ist das einzig deutsche daran.

Sixty

26. Juli 2012 01:25

"Die ganzen antinationalen Provinztümler die bevorzugt in katholischen Gegenden Bayerns und des Rheinlandes beheimatet sind und von denen sich nicht wenige Italienern, Franzosen und US-Amerikanern näher fühlen als ihren norddeutschen Landsleuten waren dafür leider immer schon besonders anfällig."

Genau so ist es ... auch Adenauer war so einer.
Die Eingliederung der BRD in den "atlantischen Westen" und speziell in die NATO war ihm bei weitem wichtiger als die Wiedervereinigung Deutschlands. Kurt Schumacher hat ihn vollkommen zu Recht als "Kanzler der Allierten" bezeichnet.
Adenauer, Kohl und Merkel sind überhaupt die drei "antinationalsten" Kanzler der BRD.

Dema Goge

3. August 2012 21:39

Inselbauer,
"...die BRD ist eine Gründung gegen den Nationalstaat, und das ist das einzig deutsche daran."

Das ist wirklich schön gesagt.
Aber anerkennen zu müssen, daß die jahrzehntelange Grundgesetztümelei aller 'Honoratioren' dieses (Anti)Staates bloße Scharade gewesen war, ist eben für den einen oder anderen - auch mich - ein persönlich durchaus schmerzhaftes geistiges Erlebnis; wobei ich auch nicht abstreiten möchte, daß ein Großteil des Schmerzes aus gekränkter intellektueller Eitelkeit rührt - wie konnte man sich nur solange für dumm verkaufen lassen !

Zadok Allen,
"Wofür ist der Nationalstaat heute zu groß? Wofür zu klein?"

Ersteres weiß ich auch nicht. Regionalisierung ist für mich nicht mehr als die Schaffung möglichst effektiver Verwaltungseinheiten und dient politisch der Marginalisierung des Nationalstaates.
Zu klein ist der europäische Nationalstaat (und nur um diesen geht es konkret, wenn immer ganz abstrakt vom ‚Ende des Nationalstaates’ die Rede ist) aber als Operationsbasis für Großkonzerne - bereits seit den 1920ziger Jahren.
Man will in diesen Kreisen den einen Markt von 500 Millionen Menschen um mit USA und China konkurrieren zu können – was doch auch unumwunden zugegeben und allenthalben ausposaunt wird.

Die wollen sich nicht mehr mit 30 verschiedenen vor allem Steuer–Rechtsordnungen herumärgern, 30 mal irgendwelche Genehmigungen einholen und Verbraucherschutzregeln beachten; die wollen das einmal machen und eine Regierung haben die ihnen europaweit ein Recht garantiert. Und deswegen gibt es auch so gut wie keinen Widerstand aus der Wirtschaft gegen die ‚Rettungs’politik.

Und um dieses Ziel zu erreichen ist den Großunternehmen eine Merkel genauso gut wie ein Hitler.

Übrigens

8. August 2012 19:44

Morgen ist EvS 40 Jahre tot:

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