20. September 2012

Etwas wird sichtbar – (Weitere Gedanken zum Mohammed-Film)

Martin Lichtmesz

Manfred Kleine-Hartlage und Erik Lehnert haben sich mit schlüssigen Argumenten für das provozierende Vorhaben der "Pro"-Partei ausgesprochen, das Propagandafilmchen "Innocence of Muslims" öffentlich aufzuführen.  Selbst wenn dieses nur ein Bluff sein sollte (denn mehr als die Youtube-Ausschnitte gibt es vermutlich gar nicht zu zeigen), hat er schon ausgereicht, heftige und aufschlußreiche Reaktionen zu pro-vozieren.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Der bundesdeutsche Kindergarten funktioniert dann etwa so: "Tante, Tante, der Fritz hat gesagt, daß er morgen in der großen Pause 'Mohammed ist doof' sagen will!!" - "Oh, da werden der Mehmet, der Özkan, der Hassan, der Abdullah, der Izmir, der Ali und der Jihad  aber böse, äh traurig sein! Die schlagen dann wieder alles kurz und klein, weil sie so traurig sind, daß sie diskriminiert werden! Da müssen wir jetzt aber mit dem Fritz schimpfen, wenn er so garstig ist!"

Axel B. C. Krauss schrieb auf eigentümlich frei, daß er "diese Suppe" nicht löffeln wolle: da das Video offensichtlich mit der vollen Absicht in Umlauf gebracht wurde, Ärger zu stiften, solle man sich dem Spiel verweigern.

Für alle Beteiligten gilt: Habt Mut, euch eures eigenen Verstandes zu bedienen. Fallt bitte nicht auf plumpe Provokationen herein, von wem sie auch stammen und aus welchen Motiven sie sich auch speisen mögen! Lasst euch nicht gegeneinander aufwiegeln, seid keine Marionetten im wohl ältesten Spiel der Menschheit: Teile und herrsche!

Sehr ähnlich war auch mein Fazit:

Ich sage, und vielleicht irre ich mich: in der momentanen Lage sind Zurückhaltung und Skepsis das Richtige. Wir sollten uns nicht zu gackernden Hühnern machen lassen; wir sollten überhaupt den Stall verlassen. Wir sollten alle Kabel ausfindig machen und entfernen, die uns noch mit roten Knöpfen verbinden. Sonst machen auch wir uns nur zu Spielbällen und Schachfiguren.

In der Tat ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß das Video eine kalkulierte, zionistisch gesteuerte Fabrikation ist: der ominöse, vorbestrafte Sam Bacile / Nakoula Basseley Nakoula wäre dann ein bezahlter "Frontman"; die von dem Kopten Joseph Nasralla geleitete Produktionsfirma des Meisterwerks, "Media for Christ" und der "Berater" Steve Klein haben enge Beziehungen zu prominenten "Counterjihad"-Aktivisten wie Robert Spencer und Pamela Geller, die stramm pro-zionistisch und pro-israelisch ausgerichtet sind. Spencer hat mit seiner 2003 gegründeten Seite jihadwatch.org die Blaupause für das geliefert, was heute unter "Islamkritik" läuft, so auch für den deutschen Ableger pi-news.

Was nun auch immer die Verbreitung des Films im Nahen Osten bezwecken sollte - in Europa wird er doch eine andere Wirkung entfalten als dort. Ein junger, germanophiler Zionist meinte einmal mir gegenüber, Israel und Deutschland stünden in einer Front, die von Neukölln bis Gaza reiche.  Dem mußte ich widersprechen. Der Moslem im Nahen Osten befindet sich nämlich in seinem Heimatland, der Moslem in Deutschland aber in meinem.

Die globalistische Strategie des "Invite them/Invade them" hat eine verzwickte, unüberschaubare Lage geschaffen. Jim Goad (unter seinem Alias "The Editors") kommentierte in dem "paläokonservativen" Netzmagazin Takimag:

Hillary Clinton nannte den Film "ekelhaft und verwerflich". Amerikanische Politiker aus dem gesamten ekelhaften wie verwerflichen Spektrum betonen beflissen, daß wir den Islam viel weniger hassen, als wir es anscheinend lieben, die moslemische Welt in die Steinzeit zu bomben. (...)

Amerika und Großbritannien sind viel stärker von der inneren demographischen Erosion bedroht, als von einem archaischen religiösen Unfug, der sich tausende Meilen entfernt abspielt. Wir müssen mit Irritierung und Bitterkeit dabei zusehen, wie die kriegsgeilen Handlanger in den Staaten und in England ihre Soldaten in den Tod schicken, und zur gleichen Zeit die Umma einladen, uns zu kolonisieren.

Dank unserer halbherzigen und selbstmörderischen Vorstellungen von "Toleranz" und "kultureller Sensibilität" hat sich die Anzahl der Moslems in den USA seit 9/11 mehr als verdoppelt.  Und wir zweifeln schwer daran, daß all diese, wahrscheinlich nicht einmal ihre Mehrzahl, von den edelsten Absichten und einem aufrichtigen Anpassungswillen an unsere Kultur beseelt sind. So funktioniert der Islam ganz einfach nicht. So hat der Islam niemals funktioniert. Es handelt sich um eine echte demographische Gefahr.  Statt unsere Wirtschaft weiterhin mit endlosen und totalen Imperialkriegen zu zerstören, fänden wir es viel praktischer, überhaupt jegliche Einwanderung in die USA zu stoppen, abgesehen von, sagen wir einmal, ein paar Wissenschaftlern, die herausgefunden haben, wie man Krebs heilen kann.

Worin sich nun der ehrenwerte Axel B. C. Krauss irrt, ist die Annahme, es gäbe überhaupt eine Einheit, die man erst auseinanderdividieren müßte. Daß politisch zwischen uns und den Sudanesen im Sudan und den Libyern in Libyen keinerlei Verbindung oder Gemeinsamkeit besteht, scheint auf der Hand zu liegen. Es wird aber auch nicht viel besser, wenn der Sudanese oder der Libyer einen deutschen Paß bekommen.

In Wirklichkeit sind die fortgeschritten multikulturalisierten Länder Europas wie England, Frankreich und Deutschland bereits jetzt voll von gefährlichen inneren Bruchlinien, über die tagaus tagein hinweggelogen wird. Allein die bloße massive Präsenz fremder Kulturen und Bevölkerungsgruppen in Europa ist bereits Folge des "Teile und Herrsche"-Prinzips.

Dabei braucht es nicht einmal wirkliche Ernstfälle, um zu zeigen, wie sich die Solidaritäten wirklich verteilen. Vor einigen Wochen etwa hat das Innenministerium eine Kampagne gegen islamische Radikalisierung lanciert, die sorgsam darauf achtgab, ihre Gutgemeintheit zu betonen und Moslems und den Islam nicht pauschal zu attackieren. "Gesucht" wurden per Plakataufruf fiktive Freunde, Verwandte und Bekannte, verirrte Schäfchen, die eigentlich zu "uns", zu "Deutschland" gehören, die aber von einem unerklärlichen religiösen Virus befallen seien, wie andere Sektenanhänger auch.

Der sofortige Widerstand moslemischer Vertreter, und zwar vor allem solcher aus dem liberalen und "integrierten" Spektrum, war massiv. Das ging so weit, daß die Türkische Gemeinde Deutschlands fast schon Blauhelminvasionen herbeiwünschte, um dieses Verbrechen an der Menschheit zu ahnden.

Wie schon zuvor, waren die moslemischen Interessensgruppen also nicht bereit, das Integrationsspiel "Wir reichen uns die Hände und distanzieren uns jetzt alle gemeinsam von Extremisten, dann wird es schon gutgehen" mitzumachen, von ein paar halbherzigen, diplomatisch formulierten Lippenbekenntnissen mal abgesehen. Es gibt hier deutlich Interessen, Solidaritäten und Identifkationen, die tiefer gehen als die üblichen Bekenntnisse zu "Demokratie", "Werten" und so weiter.

Ähnliches wurde nun auch sichtbar angesichts der Drohungen des kleinen Pro-Fritzen. Am stärksten ins Zeug gelegt hat sich dabei die Berliner Senatorin für "Arbeit, Frauen und Integration" Dilek Kolat (SPD), geboren 1967 in der Türkei. Berliner Boulevardblätter druckten in fetten Schlagzeilen ihren Aufruf an die "Zivilcouragierten" und sonstige Instanzen auf, die öffentliche Aufführung der 14 Minuten mit allen Mitteln zu boykottieren. Und schon begann das große Einknicken, selbst bei jenen, die den Film in anprangernder Absicht präsentieren wollten. Kolat:

Die demokratische Kultur in unserer Stadt braucht den gegenseitigen Respekt und das friedliche Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Religionen. Der Film ist eine plumpe Provokation, der alle Berlinerinnen und Berliner eine friedliche aber deutliche Absage erteilen sollten!

Kann man sich nun vorstellen, daß Kolat ähnlich engagierten Dampf gemacht hätte, wenn ein antichristlicher Film auf dem Programm gestanden wäre? Eher nicht, und das liegt wohl nicht nur an ethnischen und religiösen Solidaritäten, sondern wohl auch daran, daß sie genau weiß, daß Christen in der Regel nicht zur Gewalt greifen, wenn gegen sie "gehetzt" wird, was gerade in Berlin nicht selten vorkommt. Wer wundert sich indessen, wenn Leute wie Kolat zunehmends als Akteure der Fünften Kolonne wahrgenommen werden?

"Hetze" wird immer nur dann zum Problem für die meisten Leute, wenn Ärger bevorsteht. Keine Sau kümmert sich etwa um die weiße Kreuze tragenden christlichen Abtreibungsgegner, die auf Antifaseiten übelst beschimpft und diffamiert werden, und keine Sau kümmert sich, wenn diese dann von Antifas tätlich angegriffen werden. Niemand muckt gegen die "Hetze" gegen Wehrlose und Machtlose auf, so traurig es ist. Auch all diejenigen nicht, die nun lautstark gegen die "Hetze" des Mohammed-Filmchens protestieren, immer aus dem Augenwinkel schielend, ob man sie dabei ja gut sehen kann. Nicht selten steht hinter der moralischen Empörung bloß kaschierte Angst.

Das Verhalten vieler maßgeblicher Politiker auf die Vorführungsankündigung kommt einem Eingeständnis gleich: der Angst vor der Gefahr, die offenbar ganz real von moslemischer Seite erwartet wird. Anfang August gab Innenminister Friedrich (CSU) bekannt, daß Deutschland im "Visier von Islamisten" stünde, und terroristische Aktionen befürchtet würden. Derselbe Friedrich machte sich nun für ein Aufführungsverbot von "Innocence of Muslims" stark, und warf der Pro-Bewegung vor, "Öl ins Feuer" gießen zu wollen. Er muß es ja wissen, daß hier etwas glimmt oder gar schon brennt. Und nach den jüngsten Kurdenkrawallen in Mannheim, bei denen 80 Polizisten verletzt wurden, nicht nur er.

Mit seinen negativen Erwartungen steht Friedrich nicht allein da:  Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, "warnte" ebenfalls vor Ausschreitungen, wobei sich das in seinem Mund wieder einmal eher wie eine Drohung anhört. Nun, dieser Mann kennt offenbar seine Pappenheimer gut, aber er und seine Vertreter sprechen mit gespaltener Zunge von "Extremisten hüben wie drüben":

  „Es ist zu befürchten, daß Extremisten auf beiden Seiten vor Gewaltanwendung nicht zurückschrecken werden“, warnte Soykan. Damit aber hätten die Macher dieses Filmes ihr Ziel erreicht. Dies gelte es, zu verhindern.

"Beide" Seiten? Wen meint er? Weder die Pro-Bewegung noch eine andere "islamkritische" Gruppierung hat in Deutschland bisher Gewalt angewendet oder auch nur dazu aufgerufen.

Man kann es drehen und wenden wie man will: die Statements von Friedrich, Kolat und Mazyek sind allesamt Eingeständnisse, daß es in Deutschland ein beträchtliches Konfliktpotenzial gibt, das nur solange "friedlich" in der Kiste schlummert, solange die Dinge nach den Interessen der Moslems verlaufen. Ansonsten wird verkündet, hier gäbe es nichts zu sehen und nichts zu befürchten, alles sei in Butter (abgesehen von ein paar eingestandenen "Extremisten" mit komischen Bärten), der Islam "gehört zu Deutschland", und wer Gegenteiliges behauptet, ist islamophob, populistisch, rassistisch.

In meinem letzten Beitrag schrieb ich, noch zögerlich:

Man könnte aber auch sagen, daß sie versuchen, Feuer an die Lunten zu legen, um per Testsprengung zu demonstrieren, daß sich auch in Deutschland erste islamische Dynamitlager angesammelt haben, und daß es keine gute Idee ist, diese weiter wachsen zu lassen. Self-fulfilling prophecy oder Quod erat demonstrandum? Und das hätte freilich wieder einige Legitimität für sich. So oder so werden sich alle Beteiligten, „Appeaser“ wie Provokateure fragen müssen, wieviel Gewalt sie bereit sind, im Namen ihrer politischen Ziele in Kauf zu nehmen, wieviel Gewalt sie für unvermeidlich und „alternativlos“ halten, als Kollateralschaden oder als Erweckungsknall.

Was für einen sinistren Zweck "Innocence of Muslims" ursprünglich auch gehabt haben mag - wenn dieser zugeschupfte Ball all dies sichtbar werden lassen kann, dann ist es legitim, ihn auszuspielen.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


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