Sezession
8. Februar 2013

Französischer Blätterwald (2) – Livr’Arbitres oder CasaPound in Frankreich

Benedikt Kaiser

Caspar von Schrenck-Notzings längst eingestellte konservative Zeitschrift Criticón war ursprünglich als ein ausschließliches Rezensionsorgan angelegt: Autoren und ihren in Büchern dargestellten Ideen hatte man sich in extenso widmen wollen. Heute nun existiert ein Pendant, das sich exakt dieser Leitlinie verpflichtet weiß – indes à la française.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Die von Schriftstellern vom Formate Jean Raspails und Pal Vandrommes empfohlenen Livr’Arbitres (auf Bücher gemünztes Wortspiel mit libre arbitre, d. i. der freie Wille) bieten quartalsweise einen guten Überblick bezüglich des französischen und europäischen Literaturbetriebes. Stichpunktartige Vorstellungen neuster Publikationen befinden sich in der schwarz-weiß gehaltenen Buchzeitschrift im DIN-A5-Format ebenso wie ausführlichere Besprechungen und persönliche Stellungnahmen der Autoren, die sowohl aus verschiedenen Spektren der französischen Rechtsintelligenz als auch aus anderen Strömungen des frankophonen Geisteslebens stammen.

Die aktuelle Ausgabe (Nr. 10, Winter 2013), bei deren zahlreichen Rezensionen lediglich die konstant fehlenden Preisangaben der besprochenen Werke zu bemängeln wären, ist primär dem russisch-französischen Schriftsteller Vladimir Volkoff (1932–2005) gewidmet. Mit dem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter und in Frankreich vielgelesenen Romancier beschäftigen sich mehr als zehn Autoren in einem 30seitigen Dossier.

Zuvor plaziert der Chefredakteur Xavier Eman, der sich zudem für die nur sporadisch erscheinenden Orientations identitaires verantwortlich zeichnet, sein Gespräch mit Adriano Scianca. Letzterer ist Kulturbeauftragter der italienischen CasaPound und wird auch angesichts des jüngst in französischer Fassung erschienenen CP-Grundlagenwerkes CasaPound. Une terrible beauté est née ! (CasaPound. Eine schreckliche Schönheit ist geboren!; ital. Original: Riprendersi tutto, etwa: Alles zurückholen) interviewt. Scianca wird zu seinem Schaffen, dem Konzept der Häuserprojektbewegung, ihren geistigen Ahnen und der Wirkung befragt. Dies alles beantwortet der junge Philosoph, der augenblicklich an einem Buch über den Namenspatron der Gruppe – Ezra Pound – arbeitet, in knapper Darstellung. Er streift die Bedeutung seines, ihres Schlüsselwerkes, das für Aktivisten wie Interessierte gleichermaßen geschrieben sei, betont die dezidierte Erneuerung der politischen Landschaft in Italien durch die vielzitierten „Faschisten des dritten Jahrtausends“ und nennt wiederum wichtige Symbolfiguren ihrer famille spirituelle (von Bradbury, Tolkien und Orwell über Brasillach, Céline und Saint-Exupéry bis zu Hölderlin und Jünger).


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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