Sezession
31. Mai 2013

Frankreich und die Sorgen des Nils Minkmar

Martin Lichtmesz / 40 Kommentare

manif26Hundertausende Demonstranten gingen in Frankreich am 26. Mai auf die Straße, um der Einführung der "Ehe für Alle", der sogenannten "Homo-Ehe", eine "Manif pour tous", eine "Demonstration für Alle" entgegenzusetzen. Die Bilder aus Paris sind in der Tat erstaunlich - in Deutschland wäre dergleichen Mobilisierungspotenzial und Enthusiasmus für eine konservative Sache kaum vorstellbar.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Auffällig und erfreulich ist auch die offensichtlich hohe Anzahl an jungen Menschen unter den Demonstranten. Mit dabei waren auch Aktivisten des Bloc Identitaire, die die Terrasse der sozialistischen Parteizentrale stürmten und ein großes Banner entrollten:  "Hollande Démission!"  - "Hollande, tritt zurück!".

Der Parteivorsitzende Harlem Désir sprach daraufhin von einem "Angriff auf die Demokratie". Dem setzen die Identitären entgegen:

Für uns bedeutet der einzige wahre Angriff auf die Demokratie, wenn dem französischen Volk ein Gesetz aufgezwungen wird, das von einer winzigen Minderheit gewollt und befördert wurde! - Pour nous, la seule vraie atteinte à la démocratie, c’est d’imposer au peuple français une loi voulue et promue par une infime minorité !

Wie nicht anders zu erwarten, bereiteten nicht-linke Massenproteste in diesem Ausmaß der hiesigen Presse erhebliche Bauchschmerzen. Dementsprechend wurde aus allen Rohren gefeuert, um die Demonstrationen in ein ungünstiges Licht zu setzen.

Zu diesem Zweck wurden vereinzelte Randale am Rande der Demo überproportional aufgeblasen, um das Zerrbild von "Ausschreitungen", "Krawallen" und "Gewaltausbrüchen" aufkommen zu lassen, als wären vor allem diese repräsentativ gewesen - was natürlich, da ginge ich jede Wette ein, alles ganz paperlapapp oder ganz doll wie einst im "Mai 68" wäre, kämen die Proteste von linker Seite.

In diesem Falle würde sich mit Sicherheit wie von selbst die Frage nach einem etwaigen Fehlverhalten der Polizei aufwerfen. Was genau passiert ist, und wer randaliert hat, geht es aus den Berichten kaum hervor. Die FAZ schreibt dazu - und man darf wohl die Ohren spitzen - :

Nach der Großkundgebung in Paris gegen die Homoehe hat die Polizei am Abend unter Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken hunderte von Demonstranten von den Champs-Elysées vertrieben. Mehrere Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, dass die Polizei gegen die Demonstranten mit großer Härte vorging. Einige Demonstranten knieten nieder und schrien: „Demokratie!“

Wer von den Revoluzzern von 1968 hätte sich das wohl träumen lassen! Im Jahre 2013 geht eine sozialistische Regierung mit Tränengas und Schlagstöcken gegen Massen von "reaktionären", "bourgeoisen" Demonstranten los, die für den Schutz von Ehe und Familie eintreten!  Es ist wohl nicht allzu boshaft, anzunehmen, daß hier so manch feuchter Traum in Erfüllung gegangen ist. (Der jüngst verstorbene Otto Mühl hätte gewiß auch seine Freude daran gehabt).

Die FAZ zitiert auch offizielle Stellungnahmen aus dem französischen Wahrheitsministerium:

Innenminister Manuel Valls sagte, die Demonstration sei „aus dem Ruder gelaufen“. Die Veranstalter seien „überfordert“ gewesen, weil „extremistische Gruppen“ an den Protesten teilnahmen. Mehrere dutzend Demonstranten seien in Gewahrsam genommen worden. Valls sagte, zur Absicherung der Großkundgebung seien 2000 Polizisten im Einsatz gewesen.

Valls zeichnet, so nebenbei gesagt, persönlich verantwortlich für den Einsatz von Tränengas gegen die Demonstranten, was ihm den Spitznamen "Manuel Gaz" verschafft hat. Wenn nun ein sozialistischer Innenminister, der den "Manifs pour tous" alles andere als neutral gegenüber steht (und diese ihm), oppositionelle Gruppen als "Extremisten" klassifiziert, dann muß es wohl stimmen, n'est-ce pas?

Und während die Demonstrationen insgesamt offensichtlich keineswegs "aus dem Ruder gelaufen" sind,  nehme ich einmal in all meiner bescheidenen Ignoranz an, daß es für interessierte Seiten ein altbekannter Klacks ist, diverse "agents provocateurs" in Demonstrationen einzuschleusen, um ein paar Stromschnellen in Gang zu bringen.

Den Vogel in der deutschen Berichterstattung schoß wie gewohnt die "Aktuelle Kamera" (aka "Spiegel online") ab, wo etwa ein Videobericht über die Demos mit folgenden Worten eingeleitet wurde: "Frankreich ist in diesen Tagen ein geteiltes Land. Während Menschen landesweit gewaltsam gegen die Einführung der Homo-Ehe protestieren, und dabei gezielt Andersdenkende und Journalisten angreifen".... geben sich in Cannes die hübschen jungen Hauptdarstellerinnen eines Films über eine "lesbische Liebesgeschichte" Küßchenküßchen und ballen wacker die Mädchenfäuste, während sie unter dem Jubel der Showbiz-Schickeria ihren Gesinnungspreis entgegennehmen.

Mit solchen Mitteln wären mal wieder auch für den letzten Dummi die Guten und die Bösen auseinander sortiert.  Man kann indes die Stirn auch subtiler in die Falten legen, wie es Nils Minkmar in der (bei so manchem Nostalgiker immer noch als "konservativ" geltenden) FAZ tat.  Er macht sich große "Sorgen" und sieht die "Gefahr" einer Radikalisierung und bürgerkriegsartiger Spannungen heraufziehen.

Auch in der High-Brow-Fassung stehen wieder die Schönen, Zeitgemäßen und Fortschrittlichen den Häßlichen, Ewiggestrigen und Bornierten gegenüber, wenn auch leicht ironisch gebrochen:

Die politische Landkarte Frankreichs spottet nach wie vor allen postmodernen Theorien vom Ende der Ideologien und der geringeren Bindekraft der großen Erzählungen; sie sieht auch heute noch so aus wie vor über zwei Jahrhunderten. Historiker verwenden den Begriff der Deux Frances: Einmal gibt es in den Provinzen das ländlich-katholische Frankreich der Handwerker, kleinen Selbstständigen und Notablen mit seiner gemütlichen, aber tendenziell intoleranten bis bornierten Weltanschauung.

Ihnen gegenüber stehen in der Metropole die nervösen, urbanen Wissenschafts-und Fortschrittsgläubigen, die immer zu hochtourig durch Paris rasen, das sie für den Mittelpunkt der Welt halten. Dieser politisch-kulturelle Gegensatz, der zahllose Romane und Komödien inspirierte, ist in Frankreich so alt wie die Moderne, wie die Revolution: Die einen wollen zurück in die Beschaulichkeit, in eine Zeit ohne Hamburgerketten und bekennende Homosexuelle, den anderen geht der Fortschritt nie weit genug.

Man kann auch sagen, daß dieser neue-alte Spalt in der französischen Nation zwischen den Parteigängern der "Republik" als "Willensnation" und jenen des "Vaterlandes" verläuft. Wobei es heute klarer denn je zuvor ist, daß die erstere Ideologie aktiv die historische, kulturelle und institutionelle Substanz der Nation untergräbt und damit schnurstracks zu ihrer Fragmentierung und Auflösung führt, die bereits jetzt erheblich fortgeschritten ist.

Aber diese Politik, die auf einen historisch beispiellosen "Bevölkerungsaustausch" zusteuert (der Schriftsteller Renaud Camus spricht in einem vieldiskutierten Buch von einem "grand replacement"), ist natürlich nicht "extremistisch", genausowenig wie die Betreiber dieser im Wortsinne "radikalen" Politik wie Hollande, Valls, Désir oder Taubira "Extremisten" sind. "Extremist" ist nur, wer ihre Politik kritisiert und opponiert.

"Extremisten" sind offenbar auch die zahlreichen algerischen, marokkanischen, kamerunischen und anderen Nationalisten nicht, die auf dem Place de la Bastille, ihre nationalen Fahnen schwenkend, enthusiastisch Hollandes Wahlsieg feierten. Einige von diesen bereiten sich bereits jetzt in freudiger Erwartung auf ein in wenigen Jahrzehnten islamistisch regiertes Frankreich vor (eine Vorstellung, die angesichts der geschmackvollen Auftritte von "Femen" freilich auch ihre sonnigen Seiten hat.)

Minkmar blickt auf die Frage nach der "Homo-Ehe" durch die (wie immer seltsam harmlos-pink getönte) Brille des typischen Liberalen, der nichts weiter anerkennen will als "Individueen" und ihre "individuellen Rechte", weshalb ihm auch der Sinn und das Fundament der Gegenposition völlig verschlossen bleibt.

Soweit die politische Folklore, doch dieser Tage kommt noch etwas anderes hinzu. Das Recht auf Eheschließung ist ein persönliches und individuelles Recht. Wenn zwei Menschen sich entscheiden zu heiraten, dann mag das gerade noch jene betreffen, die auch gern einen der beiden geehelicht hätten, ansonsten aber bleiben alle anderen davon unberührt. Es wird niemandem etwas aufgezwungen oder weggenommen, schon gar keinem Kind.

Um den Protest emotional aufzuladen, bis hin zu diesen Auswüchsen von Gewalt, die man am Sonntag sehen konnte, reicht die bloße Ablehnung einer gleichgeschlechtlichen Ehe für sich selbst also nicht aus. Dazu braucht man den Hass, zuerst natürlich auf Schwule und Lesben, dann auf Freimaurer und auf Linke.

Natürlich! Grundloser, gräßlich-häßlicher "Haß" muß mal wieder an allem schuld sein, was denn sonst! Anders läßt sich das Bösmenschentum der Demonstranten ja gar nicht rational erklären. Wie kann man nur so gemein sein, "Schwulen und Lesben" die Eheschließung zu verweigern? Oder wie kann man bloß etwas gegen Linke haben, bekanntlich Menschen, die wie Monsieur Désir immer grundgute und liebevolle Absichten haben, keinerlei Ressentiments und Vorurteile kennnen und gar niemals häßlich hassen, schon gar nicht die Menschen des 26. Mai und die Ideen und die Milieus, für die sie stehen.

Im nächsten Absatz vergleicht Minkmar die Demonstranten mit den "Extremisten der amerikanischen Tea Party-Bewegung". Das ist wieder einer dieser absurden Prawdaismen, die von der deutschen Journaille filterlos geschluckt und in Umlauf gesetzt werden. Wenn nun schon sogar die biedere Tea-Party-Bewegung "extremistisch" ist, dann sind meine Oma und ihr Pudel mindestens so gefährlich wie die Al-Qaida. Aber damit enden die Parallelen nicht. Auch "die Argumente" der französischen Demonstranten seien, so Minkmar weiter, "ähnlich verworren" wie bei der Tea Party.

Leider ist aus dem Artikel nicht ganz ersichtlich, was genau Minkmar für "verworrene" Argumente hält. Die ulkige Idee, daß die Institution der Ehe dazu da sei, um irgendwelche "individuellen", also rein privaten Verträge abzuschließen und Wünsche zu erfüllen, und sonst nichts weiter, will ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen, zu entwirren.

Schauen wir lieber auf das Offensichtliche: selbstverständlich wird und soll hier etwas "weggenommen" werden, was nur diejenigen nicht merken, die in der Blase ihrer individuellen Individualexistenz individuell existieren und an dieser Stelle nichts mehr haben, was man ihnen wegnehmen könnte.

Worum geht es hier eigentlich? Homosexuelle stellen in der Bevölkerung nur einen sehr kleinen Prozentsatz; von diesen ist es wiederum nur eine Minderheit, die meines Wissens allen Ernstes ein Bedürfnis nach einer "Eheschließung" hat. Wobei ich den Eindruck habe, daß das eher aus Gründen der Eitelkeit, der Status- und Machtausweitung und des Ressentiments geschieht.

Und wenn schon unter den sogenannten "Heterosexuellen"die Scheidungsraten heute enorm hoch sind, dann frage ich mich, wie das dann unter den Homosexuellen aussehen wird, die im Durchschnitt für ihre Promiskuität und ihren häufigen Partnerwechsel berüchtigt sind, und bei denen langjährige, monogame Partnerschaften eher die Ausnahme stellen.

Vor allem fragt es sich, warum denn um alles in der Welt die homosexuelle Lebensweise nun plötzlich in das Imitat einer bürgerlichen Form und Institution gegossen werden soll, und welchem Zweck das dienen soll.  Homosexualität galt bei vielen Künstlern und Schriftstellern des letzten Jahrhunderts, von Hans Blüher, John Henry Mackay, Oscar Wilde, T. E. Lawrence bis zu William S. Burroughs, Yukio Mishima oder Pier Paolo Pasolini eher als Gegenentwurf zu bürgerlichen Daseinsformen, oft als mit Stolz getragenes Kainszeichen des Außenseitertums.

Beziehungen zwischen Männern haben eine andere erotische Dynamik als Beziehungen zwischen Mann und Frau. Der "Männerbund" ist qualitativ und atmosphärisch etwas ganz anderes als die Familie, und Bündnisse zwischen Männern, auch erotische, verlangen dementsprechend nach anderen ästhetischen Formen. Dies hat etwa der homosexuelle Schriftsteller Jack Donovan in seinem Buch "Blood Brotherhood" recht überzeugend dargelegt.

Dagegen wirkt der Auftritt von Frankreichs offiziell erstem homosexuellen "Brautpaar" Bruno und Vincent, der in der Weltpresse zelebriert wird wie die Mondlandung von Armstrong ("Ein großer Schritt für die Menschheit!"), eher wie eine Persiflage bürgerlicher Hochzeitszeremonien, wie ein subversiver Gag ganz im Stile der unter Schwulen so beliebten Ästhetik des "Camp".

Bruno und Vincent, die schwulen, befrackten, kurios identisch aussehenden Marzipanfiguren auf der Torte der liberalen Dauerparty, werden zu den Symbolgestalten eines Kultes stilisiert, dessen ikonoklastische Absicht nicht zu übersehen ist. Sie spielen zum Gaudium der Gesellschaft des Spektakels "Brautpaar", und später werden sie vielleicht wie die Groteskenkaiser Elton John und David Furnish, die mithilfe teuer eingekaufter Leihmütter "Eltern" geworden sind, "Familie" spielen.

Dieser mitunter skurrile Geschmack nach Parodie oder "Life Ball"-Event wird wohl auch bei der zigsten schwulen Hochzeit nicht vergehen. Gut möglich, daß mit der Zeit immer weniger Schwule Lust auf Hochzeits-Shows dieser Art haben werden, wenn erstmal der Rausch und die Novität der Emanzipationsfete verflogen sein werden.

Ich glaube indes kaum, daß die "Homo-Ehe" dazu führen wird, daß sich die einschlägig interessierten Schwulen nachher auf die Dauer "befreiter" oder glücklicher fühlen werden als zuvor. Das tägliche Gejammer über angebliche "Homophobie" ist schließlich für manche unter ihnen so lebensnotwendig wie Luft und Wasser. Nachdem die Konfettitüten geplatzt sind, wird wohl wieder die allgemeine Banalität einkehren, und darunter wird vor allem die ohnehin schon schwer angeschlagene Instititution der Ehe leiden.

Man kann leicht erkennen, daß es den Lobbyisten der Homo-Ehe vorrangig auf eben diesen Eingriff auf der symbolischen (also: sinn-, würde- und verantwortungsstiftenden) Ebene ankommt. Das hat nur wenig zu tun mit all den Geschichten über das Recht auf Krankenhausbesuche und familienrechtlichem Status und Erbrechtfragen und ähnlichen Dinge, die man ohne viel Aufwand zivilrechtlich regeln könnte. Dinge, die übrigens selbst von "Frigide Barjot", der angeblich so "extremistischen" Initiatorin der Demonstrationen befürwortet werden. Doch gerade das genügt den Lobbyisten nicht. Denn ihr Ziel ist ein anderes, viel tiefer gehendes.

Nun mag man fragen, wenn voraussichtlich ohnehin nur eine Minderheit unter einer Minderheit das neue Eheschließungs- und Adoptionsgesetz in Anspruch nehmen wird, warum dann all der Widerstand? Was kann denn dann schon Schlimmes passieren? Halten wir also fest: Die "Homo-Ehe" hat im Grunde weder mit Homosexuellen noch mit der Institution "Ehe" irgendetwas zu tun. Sie hat keinen anderen Zweck, als das symbolische Bild der Ehe zu relativieren, zu nivellieren und zu "dekonstruieren", ihren bisherigen Begriff ad absurdum zu führen.

Das bedeutet aber nichts weniger als einen Angriff auf ihre Substanz und damit ihren Sinn. Die "Homo-Ehe" ist nichts weiter als die vorgeschickte Schachfigur eines linken, radikal-egalitären Kulturkampfes, der darauf abzielt, der Gesellschaft einen weiteren "reaktionären" Ast endgültig abzusägen. Die eigentliche Zielscheibe dieser Agenda ist nicht auf den ersten Blick sichtbar. Wer sich ihr entgegengestellt, wird bequem mit dem Verdacht ausgeschaltet, er könne ein grundgarstiger Mensch sein, der grundlos gemein zu Schwulen und Lesben ist. Aber frei nach Clemenceau muß man hier sagen:  „Le mariage gay est un bloc.“

Es ist nicht daran zu zweifeln, daß sehr viele Demonstranten, die am 26. Mai auf die Straßen von Paris gingen, diesen Angriff vor allem auf einer emotionalen Ebene wahrnehmen, und hier freilich mit Angst und Abwehrreflexen reagieren. Aber ihre Ängste sind berechtigt. Es geht hier tatsächlich darum, das traditionelle Symbolbild der Ehe auch noch jenen zu entreißen, für die es eine fundamentale Bedeutung hat, für die es noch heute mehr ist, als ein bloßer individueller Privatvertrag zur Privatunterhaltung für Privatindividueen. (In der Tat: wenn diese Gesellschaft überleben will und ihren inneren Kern bewahren, sollte sie sich eben diese Haltung schleunigst wieder zu eigen machen.)

Minkmar schließt seinen Beitrag mit der kuriosen Behauptung, "der Angriff auf die Ausweitung des Rechts, die Ehe zu schließen", sei "unlogisch". "Logisch" ist "die Ausweitung des Rechts, die Ehe zu schließen" allerdings nur im Rahmen eines rein quantitativen, radikalegalitären Bezugssystems, das so viele Ebenen der Wirklichkeit ausblendet, daß es aufhört, in einem umfassenderen Sinne "rational" zu sein, ja unsinnig wird.

Vor allem müßte Mr. Spock hier zuerst beantworten, was denn überhaupt an der ursprünglich religiösen Idee der Ehe in seinem Sinne "logisch" ist, oder was für einen rein "logischen", nämlich ökonomisch-gesellschaftlichen Nutzen denn die "Homo-Ehe" haben soll, die bekanntlich keine Kinder hervorbringt. (Das Argument, daß Homosexuelle doch Kinder adoptieren könnten, wäre dann in etwa aus derselben Sparte wie der berühmte "Loretta"-Dialog der "Judäischen Volksfront" "Volksfront von Judäa" aus dem Kultfilm "Das Leben des Brian".)

Minkmar schließt seinen Text mit dem Satz:

Dies ist die neue Allianz: alte Reaktion und neuer rechter Nihilismus, vereint durch ihre Ablehnung der Moderne und der Rationalität. Es gibt Grund zur Sorge.

"Grund zur Sorge" gibt wohl eher der bedenkliche Geisteszustand der liberalen Intellektuellen, die das Eintreten für Ehe und Familie nicht nur für "reaktionär" (was für ein drollig antiquiertes Wort!), sondern inzwischen offenbar auch noch für "nihilistisch" halten. Das ist originell, paßt aber freilich in ihre auf den Kopf gestellte, im Wortsinn "pervertierte" Welt.

Für alle, die die Füße in der richtigen Position haben, sieht die Sache freilich ganz anders aus: gerade der maßlose Kult um die "Homo-Ehe" hat nicht das geringste mit "Rationalität" zu tun, sondern ist vielmehr nur ein weiteres pseudoreligiöses Versatzstück der herrschenden liberalistischen Heilsutopie.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (40)

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31. Mai 2013 08:22

Bruno und Vincent, die schwulen, befrackten, kurios identisch aussehenden Marzipanfiguren auf der Torte der liberalen Dauerparty, werden zu den Symbolgestalten eines Kultes stilisiert, dessen ikonoklastische Absicht nicht zu übersehen ist.

Das sind die Stilfiguren, deretwegen Deine Leser Dich lieben.

Aber noch kurz zum Inhalt:
Man hat wirklich zunehmend den Eindruck, dass mittlerweile alles pervertiert ist. Soweit sind wir schon, dass die Nihilisten den Substanzträgern zuunken Sie seien dem Nichts verfallen. Originell aber um 180 Grad verkehrt. Mir fallen für eine adäquate Erklärung mittlerweile nur noch Beschreibungen ein, die aus der religiösen Bilderwelt des Abendlandes stammen: Dämonen, magisches Denken (Konstitution der Wirklichkeit durch Worte), etc.. Aber ich weiß, dass ich da beim Autor auf offene Ohren stoße.

Weil wir beim Thema Ehe und Recht sind: Nach der griechischen Mythologie ist Dike, die Göttin des Rechts, zugleich die Herrscherin des Totenreichs. Die Implikationen, die das für das Leben von Völkern/Geschlechtern hat, sind schillernd und überschneiden sich trefflich mit dem christlichen Bild des dem Tode Verfallenseins bei Ablehnung der Heilsbotschaft Christi.
Die fehlende Bereitschaft zur Umkehr ist im Übrigen auch ein Urthema in diesem Zusammenhang. Aber es erschüttert schon, dem ganzen - daneben sitzend - zusehen zu müssen.

M.L.: Homo-Ehe ist Camp. Den Slogan bringe ich hiermit in den Umlauf.

Ein Fremder aus Elea
31. Mai 2013 08:44

Minkmar blickt auf die Frage nach der „Homo-Ehe“ durch die (wie immer seltsam harmlos-pink getönte) Brille des typischen Liberalen, der nichts weiter anerkennen will als „Individueen“ und ihre „individuellen Rechte“, weshalb ihm auch der Sinn und das Fundament der Gegenposition völlig verschlossen bleibt.

Nein, man kann durchaus, auch wenn man nur an individuelle Rechte denkt, verstehen, warum die Homoehe keine gute Idee ist.

M.L.: Sag ich doch, ein paar Absätze weiter.

Da ist einmal das Recht von Kindern nicht von Homosexuellen adoptiert zu werden.

Und dann ist da natürlich das Recht der Eltern, nichts mit dem Staat zu tun zu haben. 5% aller in Deutschland geborenen Kinder holt das Jugendamt ab.

Wäre eine solche Praxis in einem Staat, in welchem die Ehe und die Familie als heilig gelten, vorstellbar?

Wohl kaum. Man muß also nur 10 Meter weiter blicken als auf die Buchstaben auf dem Papier.

Ich bin ganz froh in einem Land zu leben, in dem die Erinnerung an die Stalinschen Deportationen noch frisch ist. Hier kommt niemand auf die Idee, daß das tolle Zustände sind. Und man kann hier auch rein kirchlich heiraten, ohne ein Standesamt besuchen zu müssen.

Das sind keine Kleinigkeiten. Nein, Diplompädagogen sind nicht besser für Kinder als ihre Eltern und Schwule schonmal gar nicht.

Benedikt Kaiser
31. Mai 2013 09:11

Martin:

Für uns bedeutet der einzige wahre Angriff auf die Demokratie, wenn dem französischen Volk ein Gesetz aufgezwungen wird, das von einer winzigen Minderheit gewollt und befördert wurde! - Pour nous, la seule vraie atteinte à la démocratie, c’est d’imposer au peuple français une loi voulue et promue par une infime minorité !

Hollande und seinen Sozialisten sind mit dem Vorsatz der "Ehe für alle" angetreten und sie wurden gewählt - und das beileibe nicht von einer "winzigen Minderheit". Der französische Wähler hätte wissen können oder müssen, was der PS für Gesetze planen wird.
In einer Republik, in der keine Volksabstimmungen für derartige Neuerungen vorgesehen sind, sondern die Abstimmungsmehrheit in der Nationalversammlung ausreicht, gilt die Wahl einer Partei eben auch als die Zustimmung zu ihrer Agenda. Und die wird nun durchgesetzt.

Am Rest - u. a. dem erstaunlichen Mobilisierungspotential des anderen, des konservativen, katholischen Frankreichs und der verzerrenden Berichterstattung - ändert dieser Sachverhalt natürlich herzlich wenig.

Nordländer
31. Mai 2013 09:19

Wenn sich ein Lloyd Blankfein (Goldman Sachs) für die "Ehe" von gleichgeschlechtlich Orientierten einsetzt, ist allein das schon Anlaß genug zu erkennen, wie unzureichend hier Zuweisungen zu "links" oder "rechts" sind.

Wenn ich auch alles andere als ein Libertärer bin, aus deren Position läßt sich zurecht sagen, hier wird mehr Staat geschaffen für absolut NICHTS.
Für die partielle Zwangsenteignung des Bürgers über die Steuer - denn Ehegattensplitting führt zum Transfer, Bürger A muß für Bürger B zusätzliche Almosen aufbringen - liegt kein Grund vor.

Meines Erachtens sind die positiven Menschen"rechte", die der Willkür jeden Raum eröffnen, DAS Instrument überhaupt zur Zerschlagung unserer westlichen Kultur.
Früher Vertragsfreiheit, Eigenverantwortung und Risiko des Eigentümers, des Privatunternehmers.
Heute die Verwandlung von Unternehmungen in Betreute Werkstätten, in denen soundsoviele Angehörige von minderwertigen Opfergruppen wie gleichgeschlechtlich Orientierten, Menschen mit Menstruationshintergrund, Türken, Araber, Maghrebianer usw. beschäftigt werden müssen, die nicht in der Lage sind, selber für das Gelingen ihres Lebens zu sorgen.

Früher war die Aufgabe des Staates, per Gewaltmonopol das negative Bürgerrecht durchzusetzen: "Du sollst nicht morden. Du sollst nicht stehlen."

Vielleicht ist es für die herrschenden Goldman Sachs und Co. gar nicht von Hauptinteresse, welche Regelung nun von den einzelnen Staaten getroffen wird. Welches Thema ist noch so gut geeignet, eine Politik des "divide et impera" zu verfolgen?
Unzählige Experten melden sich zu Wort, die ganz genau wissen, daß Gleichgeschlechtlichkeit z.B. eine schwere Sünde sei oder eine Krankheit oder aber ganz genauso ein beglückender Segen wie die Gegengeschlechtlichkeit.
Die Auflösung der Grenze zwischen Privatem und Öffentlichen ist schon zu weit fortgeschritten, als daß die Diskussion nicht zu einem hoffnungslosen Chaos führen muß, zur Spaltung, weil zu wenige in der Lage sind, diese nicht ad hominem zu bestreiten.

Der Zorn der ewigheutigen Fortschrittler verhält sich umgekehrt proportional zum bereits erzielten Erfolg, z.B. zur Selbstverständlichkeit, daß einige bekannte Politiker halt gleichgeschlechtlich orientiert sind.

Abstoßend, wie der anspruchsunverschämte Neue Mensch niemals auf die Idee kommt, daß es zu viel des Guten sein könnte, Lebensglück, Spass und pornographische Rundumsorglospakete vom Staat und damit von seinem steuerzahlenden Nachbarn einzuverlangen.

Man sollte aber nie den Fehler begehen, die von den Fortschrittlern instrumentalisierte Opfergruppe der gleichgeschlechtlich Orientierten mit den Fortschrittlern selber zu verwechseln, auch wenn es diese oder jene Überschneidungen beider Gruppen ja durchaus geben mag.

Ziel ist die Zerschlagung jeder Form der Zugehörigkeit, erst der von allen Bindungen befreite Mensch ist beliebig vernutzbar für die Neue Ordnung der Welt, verschiebbar von A nach B, hat es verlernt, sich innerhalb einer Gruppe zu organisieren, die womöglich Interessen teilen könnte, die der rationalen Optimierung weltweiter Produktion und weltweiten Konsumes entgegen stehen könnten.

eulenfurz
31. Mai 2013 09:39

Irgendwann sagte mal jemand:

Die Zersetzungsversuche derjenigen, die ihre Macht auszuweiten versuchen, richten sich gegen jede der traditionellen und für sie schwer korrumpierbaren bzw. kontrollierbaren Gemeinschaften, seien es Rasse-, Volks-, Religions-, Stammes- oder Familiengemeinschaften. Das haltlose Individuum ist am empfänglichsten für die Einflüsterungen der Propaganda der „Neuen Wahrheit“, es läßt sich am leichtesten in die gewünschte Form biegen.

S. Pella
31. Mai 2013 10:02

Danke für diesen erneut exzellenten Beitrag aus Ihrer Feder!

Das argumentative Vorführen von Minkmars Absurditäten und die Herausarbeitung des Problemkerns - die Homo-Ehe als weiterer Schritt zur egalitaristischen "EinenWelt" - bedarf keines weiteren Kommentars. Chapeau!

Eine Randnotiz möchte ich jedoch herausgreifen:

Mit dabei waren auch Aktivisten des Bloc Identitaire, die die Terasse der sozialistischen Parteizentrale stürmten und ein großes Banner entrollten: „Hollande Démission!“ – „Hollande, tritt zurück!“.

Dieser selbstlose Mut zum Aktionismus der französischen Identitären ist wahrlich nur mit höchster Anerkennung zu quittieren. Man wünschte sich diesen von den bundesdeutschen Identitären ebenso, doch muß ich gleichsam einräumen, eine derartige Aktion bedeutete in der BRD die rigorose Verfolgung der Strafbehörden.

M.L.: Seien Sie versichert, daß es den Franzosen nun auch nicht anders ergeht...

waldgänger aus Schwaben
31. Mai 2013 10:27

Drei Anmerkungen:
1) Der Protest in Frankreich richtet sich vor allem gegen die Adoption von Kindern durch schwule Paare.
Die sonstige rechtliche Gleichstellung ist nicht im Fokus der Proteste. Die Empörung der Linken, dass den Schwulen Rechte verweigert werden sollen geht deshalb fehl. Den Demonstranten geht es um den Schutz der Kinder.

2) Es ist nicht eine Minderheit in der Minderheit, sondern eine Minderheit in der Minderheit in der Minderheit. Denn nur eine Minderheit der schwulen "Ehe"-Paare will Kinder adoptieren. Frauen können sowieso durch künstliche Befruchtug schwanger werden und dabei kann und soll der Staat nicht drein reden.

3) Warum sich gerade jetzt an diesem Thema der Protest gegen die linke Gleichmacherei uund Vernichtung aller traditionellen Werte entzündet und warum es gerade in Frankreich ist, ist nicht zu verstehen. Die Psychologie der Masse ist unerklärlich. Wer anderer Meinung ist, versuche sein Glück an der Börse.
Diese Unklärbarkeit gibt Anlass zur Hoffnung für unser Vaterland.

M.L.: Ja, das ist eine wichtige Anmerkung. Aber das zeigt ja umso deutlicher, dass das Ziel die Dekonstruktion der Kernfamilie ist. Clemenceau würde wohl sagen, "Le mariage gay est un bloc."

Rumpelstilzchen
31. Mai 2013 10:46

Das ist mal wieder einer dieser Beiträge von Martin Lichtmesz, die genau so in der FAZ stehen könnten, wenn diese den wirklich und durchgängig konservativ wäre.
Aber das geistige oszillieren zwischen SEZESSION und FAZ hat auch seinen Reiz. Der Herrn Minkmar sicher nicht verborgen bleibt.

Natürlich stellt sich dem unbefangenen Beobachter als erstes die Frage:
Wieso gehen Hunderttausende Franzosen auf die Straße, nur weil ein paar Schwule heiraten wollen ? Die Franzosen sind doch libertär , oder ?
Was also bewegt die Massen im Innersten ?
Das ist doch die spannende Frage ?

Es sind nicht die Hässlichen, Ewiggestrigen, die da gegen den "Fortschritt" demonstrieren.
Denn, bei den Homosexuellen schreitet ja nichts fort. Ihre Ehen bringen keine Kinder hervor. Der Kult um die Homoehe ist zutiefst nihilistisch, Homosex unerotisch, sorry, nekrophil. Ja, das ist traurig.
Den Massenprotest der Franzosen, kann ich nur so verstehen, dieser Traurigkeit, dem Verlust des Eros etwas entgegenzusetzen.
Vive l'amour.
Die " Veilleurs", die Wächter, auch eine Gruppierung innerhalb des französischen Protests haben u.a. auch die Parole:
"Die Schönheit wird die Welt retten" ( Dostojewskij)
Das passt gefühlt zu den Liedern des Schweizer Sängers Dagobert, der in einem Lied unter Glockenklang schmachtet:
" Du bist viel zu schön, um auszusterben. Lass neue Kinder deine Schönheit erben."
Deshalb meinen die Franzosen vielleicht nur: Vive la difference !!!

Nordländer
31. Mai 2013 11:01

@ Biobrother

"Andererseits beschwören viele Konservative bürgerlich-christliche Idealwerte, die sie in aller Regel selber nicht kaum noch einhalten, was den Anspruch auf derart fundamentalistisch daherkommenden Protest m.E. deutlich schmälert."

Ideale glänzen generell nur als perfekte Lösungen, wenn solche am Reißbrett entworfen und dort bestaunt werden.
In der Wirklichkeit ist es aber ein gewaltiger Unterschied, ob z.B. das Ideal der Nüchternheit wegen des Genießens eines Glaserls vino rosso verfehlt wurde oder ein Vollrausch vorliegt.

Die Institution Familie bietet die höchste Wahrscheinlichkeit, daß einem Kind Fürsorglichkeit in einem langfristigen Rahmen geboten wird.
Nicht mehr, aber auch kein bißchen weniger.

Nordländer
31. Mai 2013 11:12

@ Rumpelstilzchen

"Es sind nicht die Hässlichen, Ewiggestrigen, die da gegen den „Fortschritt“ demonstrieren."

Ich bin als ein rechter Reaktionär einer dieser Ewiggestrigen. Wie soll ich den homo sapiens verstehen, wenn ich nur die Unterlagen studiere, wie diese hier und heute, 2013, normativ von der EU-Bürokratie entworfen werden?
Der rückwärtsgewandte Blick, sei es in die Literatur, in die Geschichte oder evolutionsbiologische Betrachtungen, scheint mir unverzichtbar.

"Denn, bei den Homosexuellen schreitet ja nichts fort."

Das verallgemeinerte ich so nicht. Warum sollten gleichgeschlechtlich Orientierte nicht etwas kreiieren, von dem die Welt in fünfhundert Jahren immer noch spricht?
Daß jede Frau und jeder Mann Nachkommen erzeugen, ist keineswegs erforderlich, um den Fortbestand eines Volkes oder der Menschheit insgesamt Ganzer abzusichern.

Zadok Allen
31. Mai 2013 11:24

Zu begrüßen ist jedenfalls die Polarisierung, welche die Massenproteste in Frankreich mittlerweile zu bewirken scheinen. Die zunehmend aggressiven Reaktionen des politisch-massenmedialen Establishments auf den von ihm nicht lizensierten Protest könnten eine positive Folge haben:

Ein guter Teil der Demonstranten wird vielleicht aus der Erfahrung, durch eine "demokratische" Massenartikulation organisierten Willens politisch nichts zu erreichen, die einzig richtige Konsequenz ziehen, den Herrschenden und dem von ihnen gekaperten Staat die innere Loyalität aufzukündigen.

Es könnte unabsehbare Folgen haben, wenn den pressure groups, die im Hintergrund die Agenden bestimmen, ihre perfide Normalitäts- und Legitimitätssimulation unter den Fingern zerrinnt, sie vielleicht gar mit Gewalt gegen Widerständler vorgehen müssen. Freilich bleibt das alles Spekulation. On verra.

Biobrother
31. Mai 2013 11:36

Der stilistisch zugegebener Maßen gut geschriebene Artikel hat offensichtlich den Zweck konservativer Selbstversicherung im Sinne einer Diskussion im geschlossenen Zirkel, auch recht.

M.L.: Um das zu vermeiden, halten wir uns ja auch schlaue Kommentatoren wie Sie, wobei ich den obigen Kommentar nicht gar so schlau finde.

Dennoch bleibt natürlich festzuhalten, dass das der Linken zu Recht vorgeworfene Sankt-Floriansprinzip (andere sollen solidarisch ihre Brieftaschen öffnen), bei der Rechten oft ebenso - nur unter anderen Vorzeichen - festzustellen ist. Andere sollen im Dienste einer stabilen Gesellschaft möglichst bürgerlich leben und christlichen Werten nacheifern, während man selber oftmals an nichts mehr ernsthaft glaubt und einen eher ungebundenen Lebensstil bevorzugt. Verzeihung, aber das kann nun mal nicht funktionieren.

Und was die nun beschlossene Eheöffnung anbelangt: Diese ist selbstredend nicht mit einer heterosexuellen Ehe identisch, da bestimmte Voraussetzungen einfach andere sind, das sollte jedem klar sein. In einer toleranten Gesellschaft, die unaufgeregt mit diesem Thema umgeht, hätte es dieser Maßnahme also vermutlich gar nicht bedurft. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass die härtesten Kritiker abweichender Lebensmodelle solche gesetzlichen Änderungen eher provozieren als verhindern. So wie es ja oft der Fall ist, dass man bei vertretenen Maximalforderungen am Ende gar nichts bekommt.

rosenzweig
31. Mai 2013 11:42

„Wieso gehen Hunderttausende Franzosen auf die Straße, nur weil ein paar Schwule heiraten wollen? Die Franzosen sind doch libertär , oder? Was also bewegt die Massen im Innersten?“

„Warum sich gerade jetzt an diesem Thema der Protest gegen die linke Gleichmacherei und Vernichtung aller traditionellen Werte entzündet und warum es gerade in Frankreich ist, ist nicht zu verstehen. Die Psychologie der Masse ist unerklärlich.“

Interessant, diese zwei Bemerkungen.

Ich glaube, das die Homoehe und das Adoptionsrecht für Schwule nur Aufhänger sind. Hier werden ältere Rechnungen aufgemacht. Hier steht das alte katholische Frankreich gegen das Frankreich der Revolution, der Säkularisation und des Laizismus.
Und dieses alte Frankreich, das, wie Herr Lichtmesz richtig bemerkt hat, inzwischen wieder ganz jung und frisch daherkommt, war nie tot und steht jetzt auf, nicht, weil die andere Seite zu weit gegangen ist (das ist sie von Anfang an), sondern weil es seine Kraft spürt.

M.L. Genau das "befürchtet" Minkmar auch.

So unerklärlich ist die Psychologie der Massen nun auch nicht. Denn im Rahmen der autochthonen Bevölkerung Frankreichs, ist es dieses katholische Frankreich, das noch Kinder bekommt. Deshalb die „offensichtlich hohe Anzahl an jungen Menschen unter den Demonstranten“. Die Anderen bekommen gerade noch einen Haufen offensichtlich verkorkster und verdrehter LGBTQII Aktivisten auf die Beine.
Das progressive Milieu, nicht nur in Frankreich, hat fertig. Der Reproduktionsfaktor ist bei 0,5 (das Statuskind mit Genderwechsel ab 14 und Klapse ab 20) und seine politischen Aktivitäten konzentrieren sich auf die Unterstützung von Milieus mit Reproduktionsfaktor 0,0.
Der Sieg ist unser. Wobei ich nicht Rechts meine, sondern ein kulturell katholisches Milieu, welches nicht auf die Kirche begrenzt ist.

Biobrother
31. Mai 2013 12:07

@ Rumpelstilzchen

Die Frage, warum die Proteste ausgerechnet im liberal-laizistischen Frankreich so heftig verlaufen, während vergleichbare Gesetze in erzkatholischen Ländern wie Spanien und Portugal vergleichsweise geräuschlos akzeptiert wurden, habe ich mir natürlich auch gestellt.

Ich halte Ihren Erklärungsversuch für reichlich tiefenpsychologisch, denke aber, dass hier diverse Gründe zusammenkommen. Während man in Spanien und Portugal das Gefühl hatte, mit diesem Gesetz ein beengendes konservatives Erbe teilweise abzustreifen, fürchtete man in Frankreich offenbar um die letzten Reste ebendieses konservativ-katholischen Erbes. Gleichzeitig machte man mit dieser Bewegung stellvertretend seinem gesamten Unmut über die wirtschaftlich hochgradig erfolglose Regierung Luft. Und zu guter Letzt kommt wohl noch die natürliche Neigung der Franzosen zum Sturm auf die Bastille hinzu. Wenn ich wetten müsste, würde ich darauf tippen, das das bis zur nächsten Wahl kein Thema mehr ist.

Unke
31. Mai 2013 12:16

Die Theoriebildung hinkt in diesem Artikel. Und zwar zurück. Zeitlich sozusagen.

M.L.: Ich kann ja nicht noch drei Seiten schreiben, ein bissel Vorbildung setze ich bei meinen Lesern schon voraus.

Die Zerstörung der Ehe und Familie wird durch die Zulassung der Homoehe weder initiiert noch besiegelt. Das war und ist vielmehr das Werk des Feminismus, eines Derivats des Szialismus (ohne [entsprechend wählende] Frauen kein Sozialismus). In Deutschland war spätestens mit der Aufgabe des Schuldprinzips 1977 das Ziel erreicht. Nunja, es gibt dutzende guter Blogs und Forenzum gesellschaftlichen Niedergang durch Feminismus und zur staatlichen Männerverachtung, da mag ich keine Eulen nach Athen tragen.

Mir scheint bei den Demonstrationen in Frankreich die Homoehe nur der Anlass zu sein. Es geht den Demonstranten um etwas ganz anderes als die verschissene Homoehe, nämlich: um die ganze neomarxistische („kulturbolschewistische“) Agenda. Und DAS macht mir Hoffnung.

Hesperiolus
31. Mai 2013 12:17

Was die FAZ den klugen Köpfen ihrer Leser mehr und mehr zumutet, ist doch erstaunlich. Diese argumentativ zusammengestümperte Tendenz-Schreibe vom Minkmar geht ans redaktionelle Ethos. Bin auf die Leserreaktionen in der Druckausgabe gespannt, denn zumindest intellektuell ist der taz-würdige Text eine Unverschämtheit. Vielleicht ist es auch diese abschätzige Tonlage zurechtweisender Arroganz gegenüber den "zurückgebliebenen" Volksteilen, den politischen Urzeitechsen und katholischen Fundamentalisten, ist es grade die Anmaßung mit der die Lohnschreiber der post-identitären Eliten ihr Bild vom Neuen Menschen verkünden, die Empörung und Widerstand säen könnte. Nicht gegen ein paar Homoeroten und Tunten gehen die Leute nämlich auf die Straße, sondern gegen die naturrechtsfeindlichen One World-Technokraten mit ihrer homosexualistischen Symbolpolitik., gegen die - wie Minkmar schreibt - Tyrannei urbaner Eliten.

Biobrother
31. Mai 2013 12:24

In diesen elektronischen Textfenstern ist es leider fast unmöglich, sich nicht gelegentlich zu vertippen ...

@ rosenzweig

"Das progressive Milieu, nicht nur in Frankreich, hat fertig. Der Reproduktionsfaktor ist bei 0,5."

Ich hab mir von einiger Zeit mal die Mühe gemacht, in meinem (heterosexuellen) Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis spaßeshalber die Reproduktionsquote zu berechnen und bin ebenfalls auf ca. 0,5 gekommen. Wobei das keine wilden Progressisten, sondern eher normale bürgerliche Mittelständler waren. Ohne das nun für eine allgemein verbindliche Aussage zu halten, kam da natürlich der Schluss auf, dass die statistischen 1,4 Kinder pro Paar irgendwo anders herkommen müssen.

Rumpelstilzchen
31. Mai 2013 12:30

@ Nordländer

Ich verallgemeinere manchmal, um zu provozieren und will mich dann auch nicht erklären müssen.
Natürlich haben Sie recht, dass es viele Homosexuelle gibt, die überdauernde Werke kreiert haben, siehe Michelangelo.
Im übrigen sprach ich von Schönheit und deren Zusammenhang mit dem Eros und nicht vom biologischen Aspekt der Fortpflanzung.
Den beherrschen auch die Karnickel.

Nordländer
31. Mai 2013 12:31

@ Biobrother

"Andere sollen im Dienste einer stabilen Gesellschaft möglichst bürgerlich leben und christlichen Werten nacheifern"

Nö. Andere sollen gar nichts und die Eins-zu-Eins-Gleichung Wertschätzung der Instituition Famile = christliche Werte geht nicht auf. Neben den Christen gibt es nämlich auch unzählige Agnostiker, Paganisten und andere Gruppen, denen an der Familie sehr viel gelegen ist. Ein bzw. sogar DAS Motiv dürfte die Sorge um das Wohl der Kinder sein.

"... während man selber oftmals an nichts mehr ernsthaft glaubt und einen eher ungebundenen Lebensstil bevorzugt. ..."

Wo bitte kann man, wenn nicht in unseren westlichen Ländern, diese Auffassung des Lebens mit einem Widerstand = 0 verwirklichen?
Wo bitte ist man besser versichert, falls dieser ungebundene Lebenstil nicht gelingt, es zu einem Absturz kommt?

"Und was die nun beschlossene Eheöffnung anbelangt"

Eine "heterosexuelle" Ehe ist ein weißer Schimmel. Wollen Sie den Begriff "Tisch" dafür öffnen, fürderhin auch "Stuhl" sein zu können?
Ein Stuhl mag freilich ein nützliches Möbelstück sein - wie der Tisch auch -, indes ist ein Stuhl nun einmal kein Tisch.

"In einer toleranten Gesellschaft"

Wie kann man so wenig Ehrgefühl und Würde besitzen, so wenig Selbstachtung aufbringen, daß man von seinen Nachbarn ertragen, geduldet (lat. "tolerare") werden will?
Wer begibt sich freiwillig in eine Gesellschaft, in der er geduldet wird?

Es gibt Ausnahmen, wenn jemand Macht besitzt, daß er etwas erduldet, was er nicht erdulden muß. Wenn man alles auf die Goldwaage legt, wird es zu ungemütlich.
Ein gesunder Organismus erduldet eine gewisse Menge Ungesundes, der gesunde Magen zeichnet sich aber gerade dadurch aus, daß er übermäßige Mengen von z.B. Billigsekt nicht erduldet.
Erduldet wird all das, was einem Organismus schadet. Schadete es dem Organismus nicht, dann hieße er den Besucher freudig willkommen, müßte ihn nicht erdulden.
Wer schon entmachtet ist und stolz darauf, daß er erduldet, macht sich lächerlich. ("Ich erdulde, daß es seit einer Woche regnet.")
Wer nicht die Männlichkeit besitzt, Dominus (Herr im Hause) zu sein, unmißverständlich seine Begabung zum Nichtdulden zeigt, wird sein Eigentum in kürzester Zeit verspielt haben.

Toleranz ist die letzte Tugend eines sterbenden Volkes.

Inselbauer
31. Mai 2013 13:23

Als alter Ehekrüppel kann ich sagen, dass eine Ehe selbst mit einer aufrichtig geliebten Frau im Jahre 2013 durchaus stramme Käfighaltung ist. Reiche 80 Prozent deiner sauer verdienten Kohle kommentarlos oder unter Vorwürfen durch, bezahle mit dem Rest Kita und Prada, koche und wasche selber, lebe enthaltsam wie ein vorkonziliarischer Pfarrer, ziehe dir den Hass der Alleinerziehenden zu, absolviere politische gewollte private Streitereien, verzichte im Ernstfall auf deine Kinder.
Auch unsere warmen Brüder werden es doch einsehen, dass das etwas anderes ist als eine Lebenspartnerschaft, die man sich nach Ermüden der Triebe zulegt wie zwei ähnlichfarbige Pullover.
Ich bin daher der Meinung, dass die so genannte Homo-Ehe gewaltig überbewertet wird. Es handelt sich um ein perverses Politprojekt, eine kleine, dumme Schweinerei, wie es tausend andere auch gibt, seit alles durchökonomisiert wird.
Stifter, der selber ein Ehekrüppel war vor dem Herrn, und mir insofern durchaus ähnlich, hat es in einem Brief an seinen Verleger in Ungarn so ausgedrückt: "So bitte ich Sie nochmals, mir aus der Klemme zu helfen, und zwar mit fl. 500. Eine Ehe ist kein Pappenstiel, und doch steht alles unter dem sanften Gesetz, was Gott nicht gewollt, es würde nicht von uns über so lange Zeit so Unmenschliches fordern."

ene
31. Mai 2013 13:40

Herr Lichtmesz, gestatten Sie bitte folgenden Hinweis.

Es geht um das Zitat von Harlem Désir (quel nom!) am Anfang Ihres Beitrags. Ich habe mir das auf der Originalseite mal angesehen und lese da folgendes:

Avec l' outrance qui le caracterise, Harlem Désir a parlé d'une "atteinte à la democratie". Pour nous, la seule vraie atteinte à la democratie, c'est imposer au peuple francais une loi voulue et promue par une infime minorité.
Mit einer für ihn typischen Übertreibung hat Harlem Désir von einem "Angriff auf die Demokratie" gesprochen. Für uns besteht der einzige wirkliche Angriff auf die Demokratie darin, daß hier ein Gesetz dem französichen Volk aufgezwungen wird, das (nur) von einer winzigen Minderheit gewollt udn befördert wurde.

Das Zitat beinhaltet also eine kommentierende Äußerung der Identitären. Es ist keine Äußerung von H. Désir, sondern bezieht sich auf ihn.

M.L.: Merci beaucoup, da habe ich geschlampert und einen Anführungsstrich überlesen. Habe das nun auch im Text geändert.

Meyer
31. Mai 2013 13:55

@ S.Pella
Das Problem ist nicht die Strafverfolgung selbst, sondern lediglich meine und Ihre Angst davor. "Man hat ja etwas zu verlieren! Geld, Sicherheit und gesellschaftliche Anerkennung."

Dann erstaunt Ihre passive Erwartungshaltung von der Risikoübernahme durch andere: Sie wünschten sich ...

Citizen Kane
31. Mai 2013 14:01

Rumpelstilzchen:

Natürlich stellt sich dem unbefangenen Beobachter als erstes die Frage:
Wieso gehen Hunderttausende Franzosen auf die Straße, nur weil ein paar Schwule heiraten wollen ? Die Franzosen sind doch libertär , oder ?
Was also bewegt die Massen im Innersten ?
Das ist doch die spannende Frage ?

Es geht nicht um die Homoehe.
Sie ist nur der Kristallisationskern des Aufstandes der eingeschüchterten Mehrheit gegen das Regime.
Einem Aufstand der Zivilisation gegen ein utopistisches, infantiles, verantwortungsloses Gesellschaftsexperiment in der Endzeit.

Die Parlamentarische Demokratie in ihrer jetzigen Form ist am Ende
Sie führt zwangsläufig zu eine mittelbaren Herrschaft des Pöbels und der Krakeeler, oder zur Diktatur einer Finanz- und Medien Oligarchie über ein verdummtes Volk, wie in den USA , zu "1984" und Brave New World.
Die Weitsichtigkeit von Orwell und Huxley und die Realisation ihrer Fiktionen erschüttert mich immer mehr.

Was sage ich, Lichtmesz sagt das alles ja schon - will nicht pathetisch werden, aber Lichtmesz ist für mich eine Befreiung.

Wir stehen an einer Zeitenwende und es ist spannend mitzuerleben, wir die 68er niederringen.
Noch sind wir keine Amerikanoiden, NOT YET! (Der "Alte" in "Das Boot")

Rainer Gebhardt
31. Mai 2013 14:27

ML: „Die „Homo-Ehe“ hat im Grunde weder mit Homosexuellen noch mit der Institution ’Ehe’ irgendetwas zu tun. Sie hat keinen anderen Zweck, als das symbolische Bild der Ehe zu relativieren, zu nivellieren und zu ’dekonstruieren’, ihren bisherigen Begriff ad absurdum zu führen.“

Exakt!

Der metaphysiche Hintergrund dieses symbolischen Aktes ist eine Anthropologie, in der die Frage’ Was ist der Mensch’ nicht nur nicht mehr gestellt wird, sondern längst jener Frage gewichen ist, ob wir überhaupt noch Menschen sein wollen. Sein Glück, (Konrad Liesmann in „Lob der Grenze“) finde der ’rezente Mensch’ in den immer aufdringlicher werdenden Bildern seines Nichtmenschseins, und auf die Frage, was der Mensch sei, lautet die Antwort der universalistischen Avantgarde: Das was er nicht sein soll. Hat man den Menschen erst mal betriebswirtschaftlich durchgerechnet, ist es eben unerheblich, welchen Passionen und Perversionen das Subjekt als Humankapital jenseits seiner ökonomischen Verwertbarkeit frönt, solange es sich dem Staat und der Ökonomie zur Verfügung hält. Mehr noch: Je besser es gelingt, dem Menschen die Biologie auszutreiben, um so anschlußfähiger wird es für Prozesse, die den Menschen von seinem (als defizitär empfundenen) Leib abkoppeln und sein Glück an die Ökonomie und damit letztlich an den Staat delegieren. Die Biologie des Menschen, seine geschlechtsspezifische Bipolarität, seine Produktion und Reproduktion wird zum Makel, den es abzuschaffen gilt. Transgression heißt das Zauberwort, Überschreitung jeglicher Grenzen. Nur: Was sich da toleranzbeflügelt als Humanität aufspielt, ist in Wirklichkeit die Verabschiedung von jeder Humanität, weil sie den Menschen auf soziale, auf kulturell willkürlich definierte Determinanten reduziert. Und das ist in der Tat eine Grenzüberschreitung, ein Abschied vom Menschen. Und dieser Abschied wird von jedem, der noch bei Verstand ist, instinktiv empfunden.

So absurd es ist, die Schwulenehe mit der Ehe zwischen Mann und Frau gleichzustellen, weil sie weder ein Produktions- noch Reproduktionsverhältnis ist, so folgerichtig ist diese Gleichstellung in einer Glücks-Ökonomie mit dem Credo „Anything goes“.

Und inzwischen beklagen ja noch ganz andere Befürworter der Toleranzgesellschaft die „willkürlich gesetzten moralischen Grenzen“. Die Sodomiten (die sich nun Zoophile nennen) fordern, daß Geschlechtsverkher mit Tieren nicht unter Strafe gestellt wird. Interessanter als die perversen Gelüste dieser Spezies ist deren Begründung: Gemäß der Gendertheorie sei nicht nur das Geschlecht sondern auch die Artengrenze ein soziales Konstrukt. Also wenn schon genderneutral, dann bitte total! Und zwar so total, daß das der Begriff „soziales Konstrukt“ auch Maschinen umfassen möge. Weshalb es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann der erste Mensch zusammen mit einer Gummipuppe das Standesamt verläßt.

John Haase
31. Mai 2013 14:35

Spiegel-Online ist das widerlichste, niederträchtigste, perverseste Propagandaorgan das ich kenne. Selbst ein Nebensatz über einen Kleingartenverein in Hintertupfingen bekommt bei denen noch einen ideologischen Spin. Es gibt nur eine einzige noch abartigere Plattform: das Spiegel-Online-Forum. Dort kotzt sich regelmäßig das geistige Proletariat der Republik aus, jeder einzelne sich für eine Gott-weiß-wie-große-Leuchte haltend, und erbricht seinen Auswurf über alles was dem bundesrepublikanistischen Geistespöbel verhaßt ist: Atomkraft, Bild-Leser, FDP, "Reiche", Fox-News, "Spießer" etc.

Immer wenn ich doch mal Zweifel habe ob wir hier nicht vielleicht doch daneben liegen und die Dinge zu schwarz sehen gehe ich zu Spiegel-Online und nach 5 Minuten ist mein Haß wieder aufgeladen. Meist reichen schon die herablassend-selbstgefälligen Visagen der Schreiberlinge dafür aus.

Citizen Kane
31. Mai 2013 14:53

Biobrother

Der stilistisch zugegebener Maßen gut geschriebene Artikel hat offensichtlich den Zweck konservativer Selbstversicherung im Sinne einer Diskussion im geschlossenen Zirkel, auch recht.

Was Sie als "konservative Selbstversicherung" bezeichnen ist ein Aufbruch!
Der von Ihnen abgewertete Inhalt des "Artikels" gibt dem, was Sie in allen Foren und Kommentarspalten, hin und wieder sogar im TAZ Forum nachlesen können, der Meinung der Mänschen (sic!), der Bürgerinnenundbürger, also der Dumpfbacken, Form und intellektuelle Substanz.

Das, was seit 68 nur in einer von wirklichen existentiellen Problemen entlasteten Gesellschaft an utopistischen, verantwortungslosen Gesellschaftsexperimenten laufen konnte, ist ein Blinddarm im Trail and Error System der Evolution, da kommt noch nicht mal was raus, der entzündet sich nur und platzt gerade.

waldgänger aus Schwaben
31. Mai 2013 16:59

@Biobrother
Aus tiefer schwäbischer Provinz kam ich vor Jahrzehnten in die große Stadt zum Studium. Es fanden sich Studenten gleicher Herkunft zusammen. Aus der schwäbischen und bairischen Provinz. Die Eltern alle (noch) mit einander in erster Ehe verheiratet, sie waren Bauern und Handwerker.
Vor einigen Jahren ein Treffen alter Studienkollegen. Fast alle verheiratet, alle Verheirateten in erster Ehe. Alle haben Kinder 1 bis 5. Reprodruktionsrate deutlich über 2,0.

Tradierte Werte halten sich über Generationen! Aller Propaganda zum Trotz.
Täuschen Sie sich nicht, es gibt in unserem Volk eine soliden stabilen Kern und so Gott will wird von diesem ein Neuanfang ausgehen.

Martin Lichtmesz
31. Mai 2013 17:02

Und wieder eine Intelligenzbestie in der Kommentarmüllhalde entsorgt, die der Meinung ist, mein Stil wäre "l'art pour l'art" (da haben wir aber gut in der Schule aufgepaßt!), weil ihr die Fähigkeit zum sinnentnehmenden Lesen nicht gegeben ist.

OJ
31. Mai 2013 18:00

Braut sich wirklich was zusammen? Ging es den 68ern um 1965 rum ähnlich wie uns heute? Das wäre mal interessant zu erfahren.

Luise Werner
31. Mai 2013 18:24

(Zur Situation in Frankreich kann ich gar nichts sagen, deshalb bezieht sich alles Folgende auf Deutschland.)
Der Fehler wurde m.E. viel früher gemacht. Das es heute gelingt, mitttels der sogenannten Homo-Ehe einen Angriff auf die staatsstützende Institution Ehe zu fahren, liegt nicht zuletzt daran, dass die Homosexuellen von der Rechten in die offenen Arme der Linken getrieben wurden. Dort wusste man mit dem Potential "etwas anzufangen". Ich verstehe den ganzen Text von Lichtmesz keineswegs miss, indem ich ihn als Angriff auf "den Homosexuellen" verstehe. Dennoch weisst er (der Text) allein durch seine Existenz in die falsche Richtung.
Mag sein, dass ich keinen repräsentativen Querschnitt kenne, aber alle Homosexuellen (Männer wie Frauen), die ich kenne, sind entweder "eher rechts", "Mitte" oder "konservativ"; keinen einzigen würde ich als links beschreiben. Zudem sind das, abgesehen von den üblichen Schrullen, oft wackere Menschen, die die alten deutschen Tugenden noch eher verinnerlichen, als es wohl beim Durchschnitt anzutreffen ist. Überdies werden sie als sexuelle Minderheit, bei aller heute herrschenden Laxness, dennoch im Alltag gestählt; wenn man es bei einer richtigen "Schwuchtel" auch manchmal nicht vermuten würde, aber dieses sofortige Klein-bei-geben ist rundherum weit ausgeprägter.
Und, die Bedeutung konnte vor Jahrzehnten noch nicht so gewürdigt werden wie heute, es handelt sich bei den bekennenden Homosexuellen fast ausschließlich um Abendländer. Voranschreitende Islamisierung macht sie eigentlich zu klassischen Verbündeten.
Ergo: Was auch immer durch Einführung der Homo-Ehe geschleift wird, ich halte es für die falsche Baustelle der Rechten, dagegen vehement anzurennen.

Inselbauer
31. Mai 2013 19:01

Herr Lichtmesz, nur nicht hoffährtig werden! Bei aller Liebe, aber manchmal sind Ihre Texte tatsächlich so talentiert und handwerklich reibungslos, dass man die Nähe des guten Feuilletons mit viel gutem Willen wegleugnen muss. Manchmal fragt man sich: Wenn er wirklich so recht hat und alles so gut geschrieben ist, warum lösen sich unsere Probleme dann nicht von selbst? Wohlgemerkt, das ist nur eine stilistische Anmerkung von einem, der den über hunderte Seiten sich erstreckenden, wundervoll duftigen und trotzdem pointierten Essayismus von Norbert Miller persönlich abgewöhnt bekommen hat. Ab und zu einmal ein paar Schnitzer und Unebenheiten sollen ja auch nicht so schlecht sein (...Müllhalde?).

ene
31. Mai 2013 19:24

Wer hier von "L' art pour art" spricht hat auch davon nur eine sehr, sehr vage und unzutreffende Vorstellung.

Stattdessen könnte man sagen, daß Sie eine spitze Feder führen, die Polemik und selbst das Pathos nicht scheuen. Vermutlich gedeiht dergleichen eher in Wien, wo ja auch ein gewisser Herr Kraus mal tätig war...

rosenzweig
31. Mai 2013 19:52

Bezüglich der Bemerkungen über Spiegel Online weiter oben finde ich folgendes Zitat aus Mario Pernolas Werk "Die Situationisten" bemerkenswert: "Eigentlich deuteten die Achtundsechziger die Ankunft eines neuen Regimes der Geschichte an, welches auf der massenmedialen Kommunikation fußt." Ich habe am Tag der Demonstration in Frankreich einen diesbezüglichen Twitterfeed verfolgt in dem so jede Minute dreißig neue Beiträge auftauchten. Pro und contra. Aber insgesamt gesehen manifestierte sich dort eine falsche, kaputte, eigentlich nur noch in psychopathologischen Kategorien faßbare Welt. Krank und mächtig. Was die Medizin betrifft, empfehle ich ein weiteres Buch von von Perniola:"Vom Katholischen Fühlen" Aus dem Klappentext: "Perniola konstatiert in dieser tiefgreifenden Studie, daß sich das Wesen des Katholizismus nicht in Lehre und Dogma ausdrückt, sondern in einer bestimmten Art zu fühlen. (Perniola) definiert einen autonomen kulturellen Katholizismus, der geprägt ist von einem objektiven, rituellen, in der antiken römischen Welt wurzelnden äußerlichen Fühlen. Perniola geht so weit, darin die Möglichkeit zur Rettung einer Welt zu sehen, die sich durch ihren sentimentalen Subjektivismus selbst zersetzt."

Übrigens vielen Dank Herr Lichtmesz für den Hinweis auf Mourre vor einigen Tagen. Habe mir sein "Gott ist tot?" antiquarisch besorgt. Grandiose Lektüre. Auch in Hinblick auf das besagte katholische Fühlen.
Domine, non sum dignus ...
Miserere mei, quoniam infirmus sum;
sana me, Domine, et sanabor.

M.L.: Zu Michel Mourre demnächst mehr auf diesem Blog.

Rainer Gebhardt
31. Mai 2013 20:05

M.L.: "Homo-Ehe ist Camp. Den Slogan bringe ich hiermit in den Umlauf.
"

Und da stellt sich die Frage, was passiert ist, dass eine so triviale Lifestyle Attitüde wie Camp nicht nur sämtliche Hierarchien des Geschmacks, sondern auch die Recht, Moral und Sitte auf den Kopf stellen konnte. Womöglich muß man den Begriff des Spektakels noch umfassender als bisher verstehen, nicht nur als Überbauphänomen sondern als Existenzform der Moderne. Die Gleichstellung der Homo-Ehe entbehrt übrigens nicht einer gewissen Ironie: Wenn die Devianz zur Norm wird, ist sie nur noch lächerlich.

M.L.: Klar, "Demokratie" z.B. ist heute auch nur mehr "Camp", das zeigt sich ja bei jedem Wahlkampf.

Julius
31. Mai 2013 23:21

Ja, großartig wieder einmal. Nur wer selbst völlig wirklichkeitsfremd ist kann hier von „l‘ art pour art“ sprechen.

Die Minkmars dieser Welt ahnen es, wollen es aber nicht so recht zugeben: Es geht überhaupt nicht um die Homo-"Ehe", sondern um viel mehr, eigentlich um ganz anderes. Dasselbe übrigens bei Venners Freitod. Daß die Medien dieses Fanal (nur) als Protest gegen die rosaroten Erscheinungen erklärt haben, hat mich maßlos geärgert.

Auch in diesem Zusammenhang wieder einmal: Was ist eigentlich Demokratie? Die Diktatur der Mehrheit, der Masse, der Allzuvielen, oder doch eher das Werkzeug, mit dem eine Minderheit die (schweigende) Mehrheit tyrannisiert und ihr ihren Willen aufzwingt?

Egal. Diese Frage wird sich in ein paar Jahrzehnten, im Kalifat Europa, ohenhin nicht mehr stellen.

M.L.: Wie gesagt: Always look on the bright side of life, dafür werden wenigstens "Femen" unter die Burka wandern...

Julius
31. Mai 2013 23:30

Nachtrag:

Der nächste Schritt wird übrigens nicht die Freigabe von Inzest (beruht auch auf der freien selbstbestimmten Entscheidung erwachsener Menschen https://de.wikipedia.org/wiki/Inzest#Aktuelle_Debatte ) sein, sondern die Polygamie. Weil ein Verbot bestimmte Einwanderergruppen ( siehe die Landkarte: https://de.wikipedia.org/wiki/Polygamie ) "diskriminiert".

Rumpelstilzchen
1. Juni 2013 09:45

@Rosenzweig

In dieser Diskussion darf Giorgio Agambens Artikel
"Que l'Empire latin contre - attaque" (Das lateinische Reich soll einen Gegenangriff starten ) nicht übersehen werden,
wonach ein neues Europa unter französischer Führung entstehen soll.
Frankreich, Italien, Spanien , von dort kommen vielleicht die neuen Ideen.

Ein Fremder aus Elea
1. Juni 2013 09:57

Ich habe die Dinge einmal beim Namen benannt.

https://bereitschaftsfront.blogspot.com/2013/06/was-ehe-ist.html

ene
1. Juni 2013 11:10

@ Inselbauer

Sie schreiben: "wenn er wirklich so recht hat, warum lösen sich unsere Probleme dann nicht?"
Eine "ewige Frage" , die jeden anständigen jungen Studenten umtreibt, der das "Richtige" liest und das "Falsche" sieht. Darf ich Ihnen eine Passage au dem "Wallenstein" zitieren, auch Schiller hatte dazu etwas anzubieten:

Eng ist die Welt, und leicht beieinander wohnen die Gedanken,
doch hart im Raume stoßen sich die Sachen,
wo eines Platz nimmt, muß das andere rücken,
wer nicht vertrieben sein will, muß vertreiben,
da herrscht der Streit und nur die Stärke siegt.

"Stärke" ...

Martin Lichtmesz
1. Juni 2013 11:11

Karawane zieht weiter, Dank an alle.

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