Sezession
25. August 2014

Die Fergusoniade, der Ernstfall und das »medial engineering«

Nils Wegner / 35 Kommentare

Kannten Sie Ferguson vor dem aktuellen, latenten Bürgerkrieg dort? Ich bezweifle es doch sehr. Den Statistiken des allwissenden Internets zufolge hat Ferguson zehntausend Einwohner weniger als meine Heimatstadt, und die ist schon mehr als beschaulich. Kein menschenverschlingender Moloch also, der die Menschen vertiert und auf ihre niedersten Instinkte zurückwirft.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Eher schon eine der ruhigen, leicht schnarchigen suburbs (obwohl ja gerade die für antibürgerliche Protagonisten die Hölle auf Erden zu sein scheinen), in denen man sich beim gelegentlichen Plausch über den Gartenzaun nicht über die weltpolitische Lage, sondern lieber über die neueren Beziehungskisten und Todesfälle austauscht.

Nun hat allerdings ein solcher Todesfall in den letzten knapp zwei Wochen überaus hohe Wellen geschlagen. Michael Brown ist tot; der derzeitigen Informationslage zufolge erschossen nach mutmaßlichem Verüben eines strong-arm robbery, also Raubes (in diesem Fall einiger Schachteln Zigaretten – der offizielle Polizeibericht findet sich hier). Seither ist das Städtchen nicht zur Ruhe gekommen: Randale und Krawall haben zwischenzeitlich derartige Ausmaße angenommen, daß man selbst bei Spiegel Online die Schere im Kopf vergessen und das böse R-Unwort aus dem Giftschrank geholt hat, und spätestens nach der vorübergehenden Inhaftierung deutscher Journalisten hätte man eigentlich etwas kantigere Berichterstattung erwartet als ein pikiertes Nachtarocken gegenüber der verantwortlichen Polizei, weil mal wieder am Unantastbarkeitsgefühl der journalistischen Selbstapotheose gekratzt wurde.

Auffällig ist insbesondere der enorm hohe Virtualisierungsgrad der "Unruhe". Nachdem es schon binnen Tagesfrist nach Bekanntwerden des Todesfalls zu ersten Plünderungen und Ausschreitungen gekommen war,  tauchte blitzartig die – unter PR-Gesichtspunkten geniale – »Don't Shoot!«-Geste auf und verbreitete sich viral über sämtliche sozialen Netzwerke: Die entsprechenden Multiplikationskanäle wurden ja bereits mit dem übrigens letztlich vollkommen folgenlosen und beinahe schon wieder vergessenen, polit-narzisstischen »Bring Back Our Girls«-Testballon der First Lady et al. ausgetestet; natürlich ist man im hiesigen Land der folgsamen Schüler auch sofort darauf angesprungen. Die etablierten Medien, wie immer frustriert darüber, der sich in Echtzeit entwickelnden Berichterstattung via Facebook, Twitter und Co. nur hinterherlaufen zu können, ergehen sich seitdem darin, jedes noch so kleine Informationskörnchen umfassend auszuwalzen. Hinzu kommt noch die eine Befähigung, in der der einfache Bürger mit Smartphone ihnen nicht den Schneid abkaufen kann, nämlich mithilfe des Presseausweises an exklusive Fotos heranzukommen. Solch eine mediale Goldgräbertour dürfte auch die Festnahme des Kollegen Ansgar Graw herbeigeführt haben, denke ich persönlich. Es entbehrt auch nicht einer gewissen dialektischen Komik, daß die quasi-Gegenseite der allfälligen Entrüstung – die Unterstützer des inkriminierten Polizisten – ihre eigene Kampagne ebenfalls online durchdrückt und dabei signifikanten Erfolg hat. So kann man der Spendensammlung für Anwaltskosten realiter beim Anwachsen zusehen, und medial ist man hierüber wiederum vollkommen aus dem Häuschen, sollte die erfolgreiche Instrumentalisierung des Internets doch eigentlich dem underground und jenen vorbehalten sein, die freedom und diversity zum Patent angemeldet haben...

Nun beinhaltet der Fall Ferguson aber insbesondere ein Schlüsselelement der weiteren Verwertbarkeit, und das ist die Geschlossenheit des betroffenen gesellschaftlichen Systems. Wie oben angemerkt, ist die Stadt klein und tendentiell sehr ruhig. Das macht sie zum idealen Ausgangspunkt für ein mediales Induktionsverfahren zum Abheben auf die "wirklichen", scheinbar zugrundeliegenden Probleme – und das soll in diesem Fall selbstverständlich die rassistische Grundtönung der US-amerikanischen Gesellschaft, präziser noch: der vielgerühmte "strukturelle Rassismus", sein. In Los Angeles etwa, wo derartige Tote Gewohnheitssache sind, würde eine ebensolche Skandalifizierung ganz schnell versanden und vom alltäglichen Gang der Dinge überspült. Und hier, wo wir wiederum ein anderes gesellschaftliches System haben und schon bei dem Verdacht auf herkunftsabhängige Verkehrskontrollen die Rächer der Diskriminierten auf ihren Zehenspitzen stehen, versuchen die bundesrepublikanischen Meinungspromotoren ihre transatlantischen Kollegen in Sachen Wellenschlag regelrecht zu übertrumpfen; verräterisch ist dabei insbesondere SpOns hochemotionale Reportage über die situativen Gefühle der Schwarzen in Washington, also ganz weitab vom Schuß (no pun intended) – nur, um alsbald auf den Fall Trayvon Martin abzuheben, den Martin Lichtmesz seinerzeit hier bereits formschön erledigt hatte. Und verblüffenderweise ähneln sich die beiden voneinander völlig unabhängigen Vorfälle ganz markant – allerdings nicht im jeweiligen Sachverhalt, sondern im systematischen Getrommel der Berufsbesorgten. Ich zitiere Lichtmesz' zugespitzte Zusammenfassung; diese bedarf tatsächlich nur zweier winziger Korrekturen, um topaktuell zu sein:

Diese tragische, aber keineswegs außergewöhnliche Geschichte wurde zur Staatsaffäre hochgespielt, und zwar durch die sich flächendeckend verbreitende Ente, es habe sich hier um einen dramatischen Fall von „Rassismus“ gehandelt, nach dem Strickmuster: waffennärrischer weißer Bürgerwehrler [streiche "Bürgerwehrler", setze "Polizist"; N.W.] erschießt grundlos, aus purem Rassenhaß, einen harmlosen kleinen schwarzen Jungen [setze "auf dem Weg zu seiner Großmutter"; N.W.]. Im ganzen Land schrillten die Alarmsirenen, bis hinauf zu Präsident Obama, [...]

Der hat sich im Hinblick auf Ferguson nun bislang sehr zurückgehalten und zaudert offenbar, in das multimediale Wolfsgeheul einzustimmen. Warum? Weil der Ursprung seiner Präsidentschaft im »Yes We Can« liegt, und dieses "Können" hat sich bislang eher im Zugrunderichten des US-Gesundheitssystems niedergeschlagen als im Zurückdrängen des überall ge(t)witterten Rassismus. Grund genug, sich nicht vorschnell in eine Angelegenheit einzumischen, die ohne mediales Hochpeitschen und die konzertierten Web 2.0-Aktionen wohl ein kommunaler Skandal geblieben wäre – wenn überhaupt. Da die Beglaubigung von ganz oben ausbleibt, müssen die Meinungsmacher ihre Insinuationen also selbst ausformulieren. Das kann mit dem Holzhammer geschehen, wie die stumpfsinnige Weiterleitung zu »White Supremacy« im entsprechenden wikipedia-Artikel nach dem Motto "Nur, damit Ihr wißt, was Euch eigentlich beschäftigen sollte...", oder aber Stück für Stück, wie insbesondere – oh Wunder! – bei Spiegel und Zeit.

Um den idealen Leser in seiner latenten Besorgtheit in gewünschter Weise zu triggern, bedarf es aber auch noch eines weiteren Elements, das die case-study Ferguson geradezu beispielhaft vorexerziert und welches ich hier als "Gewaltgefälle" bezeichnen möchte. Ein wie auch immer interessierter Agitator lockt die "Menschen da draußen" immer noch am ehesten hinter dem Ofen hervor, wenn er ihnen ein 1) möglichst diffuses und 2) möglichst übermächtiges Feindbild vor die Füße wirft. Was Verschwörungstheorien konstituiert, ist im kleinen auch das Grundgerüst jedweder "investigativen Berichterstattung", im konkreten Fall bezogen auf "die (weiße) Polizei" und/oder "den (weißen) Staat". Nicht umsonst springen dem Passanten aus jedem Zeitungskiosk seit Beginn der Fergusoniade Bilder von schwerbewaffneten Polizisten in Kampfanzügen entgegen, denen Kollegen von gepanzerten Fahrzeugen aus Deckung geben; spätestens seit Verhängung des Ausnahmezustands und Entsendung der Nationalgarde durch den Gouverneur Missouris (der übrigens der Democratic Party angehört, nur damit hier keine Unklarheiten aufkommen) ergänzt um tatsächliche Soldaten in den charakteristischen Pixeltarnuniformen. Durch ihr martialisches Auftreten sollen die Ordnungskräfte von Anfang an die Lage eskaliert haben; das wird erwartungsgemäß insbesondere hierzulande gebetsmühlenartig wiederholt, wo man Polizisten als ungeliebten Kindern der Innenministerien Namensschilder anpappt und sie bei jeder drittklassigen "Demonstration" aus Gründen der "Deeskalation" per Ukas oder "zivilen Widerstand" daran hindert, ihren konstitutiven Auftrag – nämlich die Verhinderung, Unterbindung und Verfolgung von Straftaten – zu erledigen.

Dahinter steht, unschwer zu erkennen, das Schreckgespenst des Ernstfalls, Ausnahmezustands, der Einbruch des Unkontrollierbaren in einen Staat und eine Gesellschaft, deren Hauptaugenmerk auf der Vermeidung eben jener fundamentalen Konfrontation liegt. Einer Vermeidung um jeden Preis, sei es eine völlig utopische finanzielle und materielle Sedierung potentieller Unruhestifter oder die demonstrative Selbstaufgabe zentraler Elemente des staatlichen Machtmonopols. Es liegt tatsächlich nicht ganz fern, von hier den Bogen zur – wie prognostiziert fortgeschrittenen – Seuchenlage zu spannen, auch wenn dies natürlich nicht so bitterböse wie bei Alternative Right geschehen muß. Just hat Liberia an der geschlossenen Grenze zu Sierra Leone einen Schießbefehl ausgegeben, und auch im Inneren des Landes wird die Einhaltung von Quarantänezonen nun mit Waffengewalt durchgesetzt. Es bleibt abzuwarten, ob die getroffenen Maßnahmen zu einer Eindämmung führen; angesichts der gravierenden Auflösungserscheinungen, die eine in derzeit sichtbarer Form rasant verlaufende Pandemie mit sich bringt, ist ansonsten ein völliger Zusammenbruch der nationalen Infrastruktur (und zwar nicht nur in Liberia) nicht auszuschließen. Derartiges ist in Europa für wohl die allermeisten Zeitgenossen schlicht unvorstellbar, und so zeugen die Medienberichte denn auch von nichts weiter als Fassungslosigkeit; selbst die spitzfindigsten Kommentatoren bleiben dem Desaster gegenüber weitgehend wortlos – ein Phänomen, das sich übrigens auch in Bezug auf die Situation im Irak langsam auszubreiten beginnt.

Die hierzulande tonangebenden Journalisten sind, ebenso wie die Politiker und auch wir als Bürger, alle miteinander Nutznießer und gepamperte Kinder der kollektiven Konfliktvermeidungsstrategie. Was hierzulande geschehen würde, wenn eine großangelegte "Rassenkrise" (Zitat von Spiegel Online, nichts weiter...) oder die Ausbreitung einer hochansteckenden Krankheit dem verhältnismäßig stabilen Alltagsleben von gleich auf jetzt die Stützen wegschlüge: Wer weiß es? Wer vermag sich das vorzustellen? Medial jedenfalls wurde und wird Planspielen sowie konkreten Lageanalysen durch unzulässige, moralisierende Verallgemeinerungen systematisch und besten Gewissens die Grundlage entzogen. Welche Perversion dem letztendlich zugrundeliegt, hat Nicholas James Pell im Takimag schön ausformuliert (allein für die Wendung "The Media Empire That Shall Not Be Named" hat der Mann einen Preis verdient). Es sind junge und ältere Menschen, Männlein wie Weiblein, die in jedem größeren tragischen Ereignis auf unserem Erdenrund eine Stufe hin zur Weltverbesserung sehen – und wenn der Anlaß nicht groß genug ist, wird er eben großgemacht. Was in den von Pell betrachteten Politikwissenschaften (an deutschen Universitäten: "Demokratiewissenschaften") völlig unverblümt social engineering heißt und absichtsvoll mit dem Bild der Funktionselite als Handwerkerinnung spielt, betreiben die Medien mal autonom, mal in Reihenschaltung mit Politik und Interessengruppen als medial engineering. Da ist die Welt schon ein Dorf, und wenn auf die Nachbarn ein Schlaglicht geworfen wird, dann hat man darin gefälligst seine eigene Schlechtigkeit zu erkennen und sich um Besserung zu bemühen – um des großen Ganzen willen.


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.


Kommentare (35)

Ein Fremder aus Elea
25. August 2014 10:19

Was Ferguson angeht, dürfte Alex Jones Recht haben: Gewöhnung der Gesellschaft an neue Methoden, schleichender Eintritt in den Ausnahmezustand, bezahlte Provokateure für's Divide et impera.

Außerdem werden auf diese Weise andere Ereignisse, etwa im Nahen Osten und der Ukraine, ausgeblendet. Gerade die heutige Situation im Irak sollte wohl nicht allzu konzentriert reflektiert werden.

Darüber kann man in Deutschland heute noch schmunzeln, aber die Grundlagen für diese Art der Beherrschung der Öffentlichkeit zu legen, ist das kaum verhohlene Programm unserer Eliten.

Andererseits, jeder echte Dissenz, egal zwischen welchen Parteien, führt zu einer Schärfung des Bewußtseins. Wo wirklich Porzellan zerschlagen wird, entsteht Aufmerksamkeit.

Unke
25. August 2014 10:22

„Struktureller Rassismus“ – nie gehört, klingt ein wenig wie „weißer Schimmel“.
Naja.
Und die Ähnlichkeiten mit Trayvon Martin liegen nun wahrlich nicht nur bei den medialen Trittbrettfahrern; bei Michael Brown handelte es sich um Trayvon Martin II* und -räusper- lädt zum Nachdenken über ethnisch-kulturelle Stereotype geradezu ein…

Eine kleine Geschichte zu den Namensschildchen für Polizisten: das hatten die GRÜNEN in Hessen in ihrer letzten Koalition (damals mit der SPD, also noch in den 90ern) schon einmal versucht und waren bei Polizeigewerkschaft und SPD abgeblitzt (von den Journos konnte sich niemand mehr daran erinnern).
Nun, bei der CDU, kommen sie damit offensichtlich durch. Was will man vom hessischen Boris Jelzin auch anderes erwarten…?

* sein Gangsta-Gehabe; aufgewachsen im Sozialtransfer-Haushalt; und –achja: wenn ich das richtig sehe hat der Polizist sich eine Fraktur der Augenhöhle zugezogen; hat er sich die selbst beigebracht…? Die Parallelen sind nicht nur unverkennbar, die Fälle gleichen sich wie ein Ei dem anderen!

Venator
25. August 2014 10:52

Ich meine, dass sich die beiden Fälle auch im Sachverhalt ähneln. Autoritätsperson macht jungen Schwarzen auf sich aufmerksam - der reagiert überaus gewalttätig - und wird in Notwehr erschossen.

Zwei Dinge, die noch auffallen: Es ist stets von einem Unbewaffneten die Rede, der erschossen wurde - als ob gegenüber Unbewaffneten Notwehr nicht gestattet sei. Auch war in beiden Fällen der Angreifer dem Notwehrübenden körperlich überlegen.

Und Obama schweigt zwar, doch sein Justizminister Holder nicht. Und der hatte nichts Besseres zu sagen, als seine Rassensolidarität mit Brown hervorzuheben. Nochmal: der Justizminister.

ijoma
25. August 2014 10:59

Die Großstadt wirft nicht auf die niedersten Instinkte zurück, sie beraubt den Menschen seiner Instinkte und macht aus ihm gefühls-, wert- und wurzellose Zombies. Übrig bleiben nicht die Instinkte, sondern die Triebe.

Marcus Junge
25. August 2014 12:00

Wikipedia, wer liest da freiwillig Texte zu politisch-, gesellschaftlich- oder historisch brisanten Themen ? Da kann man auch gleich die Antifa befragen.

Was gänzlich fehlt ist die Nennung der Rahmenfakten zur Kriminalität in den USA:
13% Schwarze im Land
50% aller Verurteilten sind Schwarze
Meist wegen Drogen und Gewaltdelikten
90% aller Schwarzen sterben durch die Hand eines anderen Schwarzen, bei Mordtaten
20000 Morde pro Jahr
500 Tötungen durch Beamte im Jahr
Jeden Tag sterben durchschnittlich fast 2 Beamte im Dienst
(wer war noch gleich die Haupttätergruppe bei Mord und Gewalt?).

Was auch nicht kommt, der Polizist soll eine gebrochene Augenhöhle haben, durch die liebliche Umarmung durch Brown. Das stammt aus dem Umfeld des Polizisten, wird von den Behörden weder bestritten, noch bestätigt und nachdem eine linke US-Zeitung es als Falschmeldung abqualifizierte, wurde es umgehend erneut als Tatsache an genehme Medien gegeben. Ich wünschte mir in dem Punkt wirklich Klarheit, weil damit alleine die ganze Geschichte gekippt werden könnte, wenn man es nur wüßte.

Venator hat es schon geschrieben, dieses elende Propagandistenpack und sein Mantra vom unbewaffneten Brown, welches immer nach unbewaffnet = ungefährlich klingt. 2m und 300 Pfund Gewicht, da soll so ein ungefährliches Stück Mensch, mal die 75kg Journalisten bearbeiten, dann sehen wir ja wie ungefährlich ein unbewaffneter Gegner ist, selbst ohne Nahkampftraining.

Und das allein schon die Verteilung der 6 Treffer in Brown reichlich Fragen aufwerfen müßte, das geht auch unter. Eine Hinrichtung aus wenigen Metern? Aber die Schüsse verteilen sich über die ganze rechte Körperseite und Kopf? Der Polizist muß der schlechteste Schütze aller Zeiten sein, oder hatte eine gebrochene Augenhöhle und in Panik/Notwehr sich gewehrt. Was ist wohl glaubhafter?

Martin
25. August 2014 12:21

Ich hege die Vermutung, dass wir in Deutschland gar nicht so weit weg sind, von derartigen Zuständen. Man lasse doch einmal einen deutschen Polizisten einen Türken, Araber, Muselmanen in irgendeiner Situation - sei sie grenzwertig, sei sie lupenreine Notwehr etc. spielt dabei keine Rolle - erschießen und das Ganze geschähe in einer deutschen Großstadt wie Berlin oder in einer der vielen mittleren, westdeutschen Städten, mit starker islamischer "Community", und dann hätte wir ganz schnell ähnliche Verhältnisse. Nur weil die deutsche Polizei, im Gegensatz zur amerikanischen, im Zweifel sich in solchen Situationen gegen die Rechtsdurchsetzung entscheidet, hatten wir so etwas noch nicht. Es sei nur an den Fall in Berlin Neukölln (ich glaube, es war 2012) erinnert, als sich ein deutscher Zivilist erdreistete, seiner Stiefelung mit dem Messer etwas entgegen zusetzen, was da damals los war ... der islamische Beerdigungszug ging durch alle Medien und es war ganz offensichtlich "kurz vor knapp".

Langer
25. August 2014 12:55

Ich begreife die amerikanische Besessenheit mit der Idee von Gleichheit nicht. Solange die Amerikaner sich nicht eingestehen, dass es die Rassen immerfort zueinander und von anderen wegzieht, kann die Lage dort weiterhin nur schlechter werden.

Die Weissen wollen nicht von einem Schwarzen regiert und staendig fuer deren Defizite verantwortlich gemacht werden. Und umgekehrt werden die Schwarzen erst dann zufrieden(er) sein, wenn sie sich gaenzlich selbst verwalten und auf der ihrer Art entsprechenden Weise leben koennen.

Solche Scharmuetzel sind allesamt nur der Ausdruck dieses grundlegenden Problems. Dabei unterstelle ich den Beteiligten, dass sie alle um das Spektakel herumstehen, insgeheim wissend, um was es wirklich geht, aber niemand traut es sich zu sagen.

Unke
25. August 2014 13:18

@Langer
Süß. Sie kleiner Idealist, Sie. Die Schwarzen wollen -wie jede Gruppe in der Demokratie ("the rent-seeking society", Mancur Olson als Begründer der NPÖ)- die Ressourcen der anderen.
Also: der Weißen.
Und ihre (überaus erfolgreichen) Komplizen dabei sind wer...?
Interessanterweise -um nur einen kleinen Aspekt auch mit deutscher Relevanz herauszugreifen- dürften die Schwarzen an die andauernde Drittwelt-Importflut sowenig Interesse haben wie die Weißen, da sie damit den Transferkuchen mit einer wachsenden Anzahl Anderer teilen müssen.

Langer
25. August 2014 13:46

Man hat den Schwarzen in den USA erfolgreich in eine Opferrolle geredet, die er mangels Verstaendnis gerne annimmt. Der Schwarze glaubt tatsaechlich, dass sein allgemeiner Stand in dieser Gesellschaft von der Unterdrueckung durch den Weissen herruehrt. Er hat mit diesem Erklaerungsmodell verlernt, einen kritischen Blick auf sich selbst zu werfen - und das darf mittlerweile auch sonst niemand mehr.

Deswegen glaube ich, dass dem Schwarzen die Idee der Selbstaendigkeit durchaus schmackhaft erscheint. Es gibt zwar einige unter ihnen, die vorausahnen koennen (nicht zuletzt Dank manigfaltiger Beispiele), was dann in einer solchen Gesellschaft tatsaechlich passieren wuerde, aber die Mehrheit von ihnen wird die Grundidee begruessen.

Im Grunde ist das ja auch schon passiert. Man schaue sich nur die durchschnittliche demografische Verteilung der Wohngebiete in den USA an. Die Schwarzen haben Recht: Warum sollte eine Stadt, in der sie die 70%ige Mehrheit stellen im Gegenzug von einer 95%ig weissen Polizei verwaltet werden? Warum sollte man sich eine Lebensweise samt Gesetzen vorschreiben lassen, die nicht den eigenen Beduerfnissen entspricht?
Und es sollten dann ruhig ordentlich Reparationen und Unterstuetzung fuer die ersten Jahre fliessen, langfristig bleibt das ein Gewinn fuer die meisten Beteiligten.

Und was den Bezug zu Deutschland angeht: Ich befuerchte, dass man sich hierzulande schon mal mit dem Gedanken anfreunden sollte, in der Zukunft einen Teil des Landes an die kulturfremden Eingewanderten und deren Nachkommen abzutreten. Ganz offiziell. Dieser Anspruch wurde sich zwar nicht so ehrlich verdient wie einstmals in den USA, aber nach Hause schicken wird man diese Massen mit der heutigen Mentalitaet nicht mehr.

Langer
25. August 2014 17:40

Ach, sich am Todestag von Nietzsche mit solchen Trivialitaeten herumzuplagen ist eigentlich ganz schoen schaendlich! :(

nino
25. August 2014 20:14

Warum sollte eine Stadt, in der sie die 70%ige Mehrheit stellen im Gegenzug von einer 95%ig weissen Polizei verwaltet werden?

Nun, der Polizeichef von Ferguson sagt, er probiere seit Jahren Schwarze zum Dienst zu überreden. Ganz offensichtlich mit mässigem Erfolg. Vielleicht sollte die Polizei dort tatsächlich tun, was von ihr offenbar verlangt wird. Sich zurückziehen und den Dingen ihren Lauf lassen. Warum sollte die Polizei die Schwarzen vor sich selbst schützen? In aller Regel zerstören sie ja ihre eigenen Viertel...

Obama schaltet sich wohl nicht ein, weil er schon in Martin/Zimmerman Fall nur knapp nicht mit heruntergelassenen Hosen da stand (oder besser, dabei gesehen wurde). Von wegen sein Sohn Trayvon...

20.000 Morde pro Jahr scheinen mir ein wenig hoch. Ich glaube es sind um die 14.000. Tatsache ist aber, dass für die Hälfte aller Morde offenbar Schwarze verantwortlich sind, obwohl nur 13% der Bevölkerung schwarz sind.

Der Institutionelle Rassismus scheint auch so eine Mär zu sein. Gemäss den Statistiken des FBI oder des Reports "The Color of Crime" (von American Renaissance) werden Schwarze ziemlich genau in den Prozentzahlen wegen eines Verbrechens verhaftet, wie die Opfer auch angeben, dass der Täter ein Schwarzer war. Es gibt also keinen Hinweis darauf, dass die Polizei rumfährt und sich beliebig Schwarze von der Strasse plückt und ins Gefängnis wirft.

Die Erklärung, Schwarze würden aus sozioökonomischen Gründen häufiger kriminell, scheint auch ein wenig zu kurz gegriffen. Zumindest korreliert (gemäss TCoC) der Anteil Schwarzer und Hispanics an der Bevölkerung (in einem Staat) mit den verübten Gewaltverbrechen mit 0.81 wesentlich höher als bspw. die Anzahl Gewaltverbrechen und Menschen in Armut (0.36).

Es gibt alles in allem keine Anzeichen dafür, dass Schwarze für die Polizei Freiwild wären. Viel eher scheint hier ein weiterer Versuch vorzuliegen, in die Köpfe der Weissen die "white guilt" zu implantieren.

Ich begreife die amerikanische Besessenheit mit der Idee von Gleichheit nicht.

Das klingt ja fast so, wie wenn es diese Besessenheit in Europa nicht gäbe. Wieso nochmal sind Türken in der deutschen Gesellschaft nicht so erfolgreich?

Letztlich ist Ferguson nur ein weiteres London oder Paris. Dort brennt es doch auch, wenn die Einwanderergemeinde das Gefühl hat, einer der ihren sei zu unrecht erschossen worden, oder wenn ein Verbrecher auf der Flucht vor der Polizei vor einen Zug rennt. Wir haben in Europa schon lange amerikanische Zustände.

Zadok Allen
25. August 2014 20:22

@ Langer:

Ich befuerchte, dass man sich hierzulande schon mal mit dem Gedanken anfreunden sollte, in der Zukunft einen Teil des Landes an die kulturfremden Eingewanderten und deren Nachkommen abzutreten. Ganz offiziell.

Auch das wurde schon einmal versucht. In Südafrika. Es nannte sich "Apartheid". Das Ergebnis kennen wir. (Die paar tausend Buschmänner, die dort vor der Besiedlung durch Europäer durch die Lande streiften, kann man vernachlässigen.)

Dem von Robert Michels formulierten "ehernen Gesetz der Oligarchisierung" zufolge wird eine aufstrebende soziale Gruppe niemals beim einmal erreichten Erfolg stehenbleiben. Auch die "farbige Weltrevolution" fordert kein Stück vom Kuchen. Sie fordert die ganze Küche.

Ein Fremder aus Elea
25. August 2014 22:51

Auch die „farbige Weltrevolution“ fordert kein Stück vom Kuchen. Sie fordert die ganze Küche.

Na, das will ich sehen, welcher Araber, Inder oder Chinese sich selbst als "Farbigen" sieht...

Sicarier
26. August 2014 11:20

Es gibt eine, wenn auch vergleichsweise kleine Schicht schwarzer Intellektueller in den Staaten. Mich würde mal interessieren, ob die sich als Amerikaner sehen und auch mal ethnische Selbstkritik üben, oder auch den Rasse-Nationalismus pflegen.

Der bequemere Weg ist letzterer, denn am meisten gehaßt von allen werden nämlich die "Verräter" aus den "diskriminierten Klassen", siehe z.B. Pirincci bei uns. Man reibt sich die Augen, wenn man die unverhohlen ethnisch-klischeehaft bezogene Verachtung progressiver Medien sieht gegenüber schlechten Schäflein.

Gold Eagle
26. August 2014 13:36

Das ganze wird sehr aufgebauscht. Das Problem mit dem Gegensatz von Schwarzen und Weißen haben die USA seit ihrer Gründung und hat insgesamt eine abnehmende Bedeutung. Man muss sich nur einmal an die Unruhen 1992 zurück erinnern, nach dem Tod von Rodney King. Da gingen die Schäden in die Milliarden Dollar, 53 Menschen starben und 2000 wurden verletzt. Das ganze vollzieht sich in Wellen, aber die Wellen werden kleiner. Präsident Clinton hat ziemlich drastisch in die Sozialleistungen eingegriffen und seit dem ist die demographische Dynamik aus diesem Prozess heraus. Das Haushaltsdefizit und die spanisch sprachige Einwanderung - das sind die eigentlichen Probleme der USA.

Gold Eagle
26. August 2014 13:41

Einen Fehler muss ich korrigieren: Ich hatte in Erinnerung, dass Rodney Kind damals ums Leben kam. Ich habe aber nachgesehen und festgestellt, dass er erst 2012 verstarb.

Hildesvin
26. August 2014 21:11

Vor mindestens zwölf Jahren las ich einmal etwas über einen schwarzen US-Journalisten, der einige Monate mehrere afrikanische Länder bereist hatte. Wieder zu Hause, hat er sich ein wenig unbeliebt gemacht, indem er sinngemäß äußerte, daß er gar nicht so unglücklich darüber wäre, daß seine Vorfahren als Sklaven nach Amerika verschleppt worden waren, denn was er so in Afrika so erlebt hätte, wäre, sagen wir... außerordentlich unerquicklich gewesen. Also scheint wenigstens der eine oder andere nicht allzu begierig auf schwarze Selbstverwaltung zu sein.

Stil-Blüte
26. August 2014 22:39

Heute zufällig im Deutschlandfunk ein Feature über die Chinesen in Ghana gehört. Ihr Pragmatismus und ihre ungetrübter Tätigkeitsdrang selbst Hand anzulegen, sich nicht als Missionare (es sei ihnen unbenommen, daß sie historisch sehr viel an Bildung und Medizin uneigennützig beigetragen haben), als Kolonialherren oder als sog. Entwicklungshelfer zu verhalten, hat ihnen Respekt und ein gedeihliches Nebeneinander beschert. Der Bericht ließ sehr viele ghanesische Händler zu Wort kommen, die durch das Vorbild der Chinesen, Tätigsein nicht zu scheuen, eine Einsicht gewinnen, dass es sich lohnt, für das eigene Wohlergehen zeitig aufzustehn und über den Tag hinaus zu handeln. Noch nie habe ich so viel aufrichtige, reflektierte Selbsterkenntnis von Afrikanern gehört eigene Defizite einzugestehen.

Die Chinesen erzeugen im Gastland offensichtlich nur ein Minimum an Konfliktpotential. Kennen wir das nicht auch in unserem Land? Über Japaner, Koreaner, Chinesen, weniger Vietnamesen, muß man sich, sozial gesehen, wahrlich keinen Kopf machen, obwohl sie keine Minderheit mehr sind, sich, hier wie dort gerne mit Speisen, Alltagsritualen in ihre 'Communities' lzurückziehen, ohne das Leben und Treiben rundherum zu scheuen.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf Andreas Vonderach 'Völkerpsychologie - was uns unterscheidet' Verlag Antaios. 1. Aufl. 2004 - hinweisen. Und - Frank Böckelmann ' Die Gelben, die Schwarzen, die Weißen, Eichborn Verlag . 1998 (!)

Tokapi
27. August 2014 08:28

Ich bin der Ansicht, dass man den Schusswaffengebrauch gegen Trayvon Martin nicht mit den Vorgängen in Ferguson vergleichen kann. Der Schusswaffengebrauch gegen Martin scheint legitim, die etablierte Presse hat hier wesentlich Fakten unerhörter Weise einfach unterschlagen um den Vorgang ihrem Weltbild entsprechend "passend" zu machen.

In Ferguson jedoch kann man von keiner Notwehrhandlung ausgehen, außerdem war den Polizisten zum Zeitpunkt der Schüsse nicht bekannt,
das ein Zigarettenraub mit dem Opfer in Zusammenhang stand. Und selbst wenn dieser Zusammenhang bekannt gewesen wäre, hätte das kaum einen Schusswaffengebrauch legitimiert. Viele Kommentare und auch der Artikel selbst stellen den "kriminellen Schwarzen" in den Vordergrund, und dies hat sicher seine Berechtigung. Allerdings sollte man den Umstand einer enorm hohen Rate an Gewaltverbrechen durch Schwarze nicht als generalisierte Entschuldigungmatrix für nicht berechtigte Polizeigewalt anführen. "Er mag zwar unschuldig gewesen sein, aber der Schwarze an sich ist nun mal kriminell". Ab hier wirds unanständig. Der nächste logsiche Schritt bestünde in prophylaktischer Gewalt gegen auffällig erscheinende Schwarze. Der Artikel von Lichtmesz ist insoweit wesentlich interessanter, als das er unterschlagende Fakten präsentiert hat, die mir vorher nicht bekannt waren, und zu recht zu einer Neueinschätzung der Ereignisse aufgefordert hat.

Einlassung Wegner:
Nein,"der Artikel selbst" stellt die mediale Berichterstattung darüber in den Mittelpunkt. Ich empfehle eine nochmalige, komplette Lektüre. Und wenn Sie im Gegensatz zur Fergusoner Polizei und dem FBI den genauen Hergang des Vorfalls jenseits von Hörensagen kennen, so teilen Sie ihn doch bitte mit uns.

nino
27. August 2014 09:57

@ Tokapi

Niemand hier ist der Meinung, jeder Kriminelle habe es grundsätzlich verdient über den Haufen geschossen zu werden. Schon gar nicht wegen einer Packung Zigarren.
Brown und Wilson sind aneinandergeraten, weil Wilson Brown aufgefordert hat, auf dem Gehsteig und nicht auf der Strasse zu gehen.
Gemäss Insider-Aussagen soll der Polizist sich eine Orbitabodenfraktur zugezogen haben, ergo ist eine Notwehrhandlung sehr wohl im Bereich des Möglichen. Und die Parallelen zu Martin sind dann sehr wohl gegeben: Ein Schwarzer, der als die Unschuld in Person dargestellt wird, stellt sich als Kleinkrimineller raus, der vom Schützen wohl nicht einfach wegen lustig erschossen wurde, sondern weil er diesen zuerst angriff (sollte das mit der Fraktur stimmen).

Was die Medienberichterstattung anbelangt: Dass wir den Namen Michael Brown kennen, aber der Name Dillon Taylor hier unbekannt ist, hat eben auch seine Gründe. Es geht gar nicht um Polizeigewalt in der Berichterstattung, es geht darum, dass der Schütze weiss und der Tote schwarz ist.

Ein Fremder aus Elea
27. August 2014 10:46

Also Notwehr wäre es aber strenggenommen nicht, wenn ich jemanden erschösse, weil der mir eins in die Fresse gegeben hätte, nachdem ich ihn aufgefordert hätte, doch nicht auf der Straße zu gehen, sondern auf dem Gehsteig.

Gut, wenn ich Polizist wär. Aber ob ich dann keine anderen Probleme hätte? Amerika halt. Order on the outside, chaos on the inside.

Martin
27. August 2014 11:49

Im Übrigen geht es doch gar nicht darum, ob jetzt der Polizeieinsatz rechtmäßig oder verhältnismäßig war, sondern einzig darum, dass wenn so ein Stereotyp wie "weißer Bulle gegen schwarzen Jugendlichen" sich auch nur andeutet, dies Anlass zu Randale, Plünderungen und Bambule ersten Ranges liefert, statt erst einmal abzuwarten, was bei den Ermittlungen heraus kommt.

Ich schreibe es noch einmal: Das hat mit schwarz oder weiß recht wenig zu tun, sondern eher etwas damit, dass man Subkulturen und "Communities" hat, die, sobald sie sich in ihren Vorurteilen bestätigt fühlen, sofort zu Mitteln des Aufstandes und zur Kriminalität greifen - Dies droht auch uns in Deutschland, da wir ähnliche, starke Communities haben (die nicht aus Schwarzafrikanern oder Abkömmlingen ehemaliger Negersklaven bestehen) und die Null Respekt vor diesem Staat und seinen Ordnungskräften haben.

nino
27. August 2014 13:01

@Martin

Das eine schliesst doch das andere nicht aus. Oder warum hat das nichts mit schwarz/weiss zu tun, nur weil in Deutschland die Bruchlinien wegen der Bevölkerungszusammensetzung zwischen deutsch/türkisch verlaufen? Die üblichen (weissen) Antifaschisten/rassisten laufen in den USA auch mit und die werden von der schwarzen "Community" kaum als ihresgleichen betrachtet.

Das nicht abwarten können ist bis zu einem bestimmten Grad vielleicht auch ethnisch bedingt. Ein US-Pflichtverteidiger der sich selbst politisch links verortet, sagte einmal über seine Klienten aus der schwarzen Unterschicht: "Blacks are unable to understand that I do not yet have answers to all of their questions, but that I will by a certain date. They live in the here and the now and are unable to wait for anything."
So betrachtet verwundern die Randale in Ferguson nicht.

Die Schiessfreudigkeit amerikanischer Polizisten könnte man ja in der Tat zu einem Medien-Thema machen (was viel mit deren Ausbildung zu tun hat). In den Medien wird aber (fast) nur über angeblichen Rassismus von Weissen diskutiert, der sich nun mal aus keiner Polizeistatistik herauslesen lässt. Ansonsten würde über Fälle wo schwarze Polizisten unbewaffnete weisse Kriminelle erschiessen auch so eingehend berichtet... Oder wie sonst soll man sich erklären, dass wenn man den Namen "Dillon Taylor" googelt, der gemäss Aussagen seiner Begleiter auch unbewaffnet war, kein einziges Suchergebnis deutschsprachiger Massenmedien erscheint?

Venator
27. August 2014 13:43

Die Notwehr wäre gegeben gewesen, wenn sich folgende Angaben von Augenzeugen und aus den Autopsien bestätigen: Brown hat erst dem Polizisten Wilson die Gesichtsfraktur beigebracht und versucht, an dessen Waffe zu gelangen. Danach ist er weggelaufen, Wilson hat ihn, wohl mit gezogener Waffe, zum Stehenbleiben aufgefordert, Brown hat dann die Hände erhoben, ist aber, anstatt stehenzubleiben und sich zu ergeben, auf Wilson zugelaufen, worauf der mehrmals geschossen hat.

Die ersten Schüsse, die den Körper an der Seite trafen, vermochten nicht, den Angriff zu beenden (zweifellos war ja Wilson sowohl durch die Verletzung am Auge als auch durch die Aufregung des vorhergehenden Kampfes behindert). Erst mit dem vorletzten Schuss fiel Brown zu Boden und der letzte der sicherlich in rascher Folge abgegebenen Schüsse traf dann den Fallenden von oben in den Kopf.

Hühnerbaron
27. August 2014 15:54

Oben wurde nach Antworten schwarzer Intellektueller gefragt. Dazu hier eine schwarze Konservative: https://www.americanthinker.com/2014/08/the_fairytale_of_the_victimhood.html

Carl Sand
27. August 2014 16:11

@Fremder aus Elea

Öhm...
Eine gegenwärtige Notwehrlage ist nach deutschem Recht gegeben, wenn ein rechtswidriger Angriff unmittelbar bevorsteht, noch andauert, oder gerade stattfindet. Ohne genaue Kentnis der Tatumstände halte ich es zumindest für möglich, dass der Täter unmittelbar vor dem Schuss weiter auf den Polizisten einprügelte.
Eine Notwehrlage ist somit nicht kategorisch, wie Sie es offenbar machen, allein daraus auszuschließen.

Nordlaender
27. August 2014 23:26

"Ich schreibe es noch einmal: Das hat mit schwarz oder weiß recht wenig zu tun, sondern eher etwas damit, dass man Subkulturen und „Communities“ hat, die, sobald sie sich in ihren Vorurteilen bestätigt fühlen, sofort zu Mitteln des Aufstandes und zur Kriminalität greifen –"

Meinen?

I) Ohne Vorurteile können wir alle nicht leben, denn kein Schwarzer lebt so lange, daß er alle Weißen kennen lernen kann (und umgekehrt).

II) Dieses Globalesisch (nachempfunden der Sprache unserer Besatzer) mal nicht in den Mund nehmend: Wo bitte soll es denn - in einer Form, die politisch besehen von Bedeutung ist - einen Aufstand weißer Gemeinschaften geben?

Frankstein
29. August 2014 08:43

Falsches Thema und falsche Aufregung, tatsächlich hat nicht ein Weißer einen Farbigen erschosssen. Sondern ein Latino. Mag in diesem Fall reiner Zufall sein, genauso wie der Zimmermann-Fall. Es muss aber zu denken geben, dass mit dem Rückgang der weißen Bevölkerungsmehrheit die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Ethnien zunehmen. Tatsächlich auch hat die US-Politik den Schwarzen in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Mitspracherechte eingeräumt, die jetzt ebenso von den Latinos beansprucht werden. Nicht nur Rechte, auch Privilegien und Unterstützungsmaßnahmen zuhauf haben die Position der schwarzen Minderheit gestärkt und gleichzeitig die Politik und das Finanzsystem schwer geschädigt. Wie in einem ARD-Beitrag schon 1975 erklärt wurde, ist die Klammer der US-Gesellschaft der Dollar, der natürlich jedem verfügbar sein muss. Da man einen Dollar auch nur einmal ausgeben kann, können die Latinos keinen mehr bekommen. Obwohl die Druckerpressen Tag und Nacht laufen, schafft die Politik nicht die Befriedigung der Nachfrage. Eine ähnliche Entwicklung durchläuft Europa. Sollten die Staaten am anderen Ufer des Atlantiks oder des Pazifiks keine oder weniger Dollar kaufen, wird Ferguson überall in den USA sein. Das hat überhaupt nichts mit Rassismus zu tun oder Krieg der Weißen gegen die Schwarzen, deshalb sind Attribute wie widerlich und menschenverachtend fehl am Platze. Es geht ureigentlich um die Teilhabe am Kuchen, was in offene Feindseligkeiten mündet. Die Nimm-Gesellschaften fordern gewaltsam die Gib-Gesellschaften heraus. In jeder Stadt und in jedem Dorf auch in Deutschland zu beobachten. Der Hinweis auf den demokratischen Gouverneur ist überflüssig. Die Nationalgarde untersteht seit der Änderung des Patriot pacts dem Präsidenten. Sie kann nur auf dessen Weisung eingesetzt werden. Auch die Kampfausrüstung der Garde ist von diesem angeordnet worden- wobei eine Meldung lautete, er wolle sie jetzt überprüfen-. Das ist Chupze als offizielle Politik. Obama erweist sich als Vollstrecker der schwarzen Minderheit, der er die Deutungshoheit über die USA verschaffen will. Die Latinos machen ihm einen Strich durch die Rechnung. Andererseits könnte genau das in sein Kalkül passen, schärfere Gesetze, Waffenkontrolle und Entmachung der regionalen Regierungen. Ähnliche Entwicklungen sind in Europa zu erwarten, die Inclusion von Migranten in Verwaltung, Polizei und Justiz fördert dort den Wettbewerb um Dienstposten und Karrieren. Die Folgen der Auseinandersetzungen werden der Gesellschaft zugeschrieben. Nicht überall, wo weiß draufsteht, ist weiß drin. Es gibt keinen Kampf der Kulturen, auch keinen Schwarz gegen Weiß, es gibt den Kampf zwischen GIB und NIMM. Und den gibt es seit Beginn der organisierten Menschheit. Und es gibt keine temporäre Lösung.

Heinrich Brück
29. August 2014 12:07

Wäre die USA komplett weiß, nur ein unkoscheres Beispiel, und
die Staatenwelt hätte keine Dollarambitionen mehr, würde dann
Ferguson auch überall in den USA sein?
Die Kampflinie verläuft zwischen den Kulturfähigen und
den Kulturunfähigen.
In diesem Kulturkampf werden die Trainingsmethoden, die ein
Überleben garantieren, nicht auf die moralische Schwäche
der Gib-Gesellschaften angewiesen sein.

Langer
29. August 2014 15:23

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Weissen (Polizisten) mittlerweile sehr aggressiv auf Schwarze reagieren. Das ist zum einen die alltaegliche Erfahrung und zum anderen das pervertierte oeffentliche Bild, was grundsaetzlich die Schuld bei den Weissen sucht und jede Hinterfragung tabuisiert. Die angestaute Aggression entlaedt sich dann eben auf eine solche Weise.

Es ist dabei belustigend zu hoeren, wie in den amerikanischen Medien immer und immer wieder eine nun endlich stattfinden sollende offene Diskussion zum Thema Rassen beschworen wird. Man denkt: Ja, wer sagt es den Amerikanern denn nun endlich mal?
Aber damit ist eben lediglich gemeint, das ewige Mantra von der weissen Ungerechtigkeit einmal mehr zu wiederholen.

Hildesvin
29. August 2014 19:46

Wenn einer von dieser Körperlänge und diesem Körperbau auf mich zugeht (aggredi = herangehen = näherkommen = angreifen ), dann ist Notwehr gegeben, mit und ohne Orbitafraktur. (Oder, mit und ohne Messer, wie seinerzeit bei dem entzückenden Herrn Schmökel, 1,93m.)
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Vor Jahren wurde einmal ein fast zwei Meter langer und nicht schmächtiger Herr aus dem sozialen Grenzbereich, trunken und auf Koks, mit einem Blattschuß erlegt, nachdem ein Schuß in die Keule nicht die geringste Wirkung gezeigt hatte. Zwei Kommentare sind mir in Erinnerung geblieben: "Haben denn die gar keine Nahkampfausbildung?" und "Die hätten doch Pfefferspray nehmen können." Der Prophet Sirach: "Was deines Amtes nicht ist, davon laß deinen Fürwitz..."
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Ich bin recht sicher, daß heutzutage und auch in den letzten mindestens zwanzig Jahren in den Staaten KEIN Weißer oder auch Ladino im Beamtenstatus aus purem Rassismus heraus / ohne Grund / aus Dudeldei einen Schwarzen erschossen hätte.

Trouver
29. August 2014 20:16

Lieber Frankenstein, fuer mich sind die Latinos, richtiger zu sagen - Hispanics, nicht minder white, als die reinstblutigen Angelsachsen. Warum? Weil sie halt keine Neger sind u. keine Asiaten.

Nordlaender
30. August 2014 21:10

@ Trouver

"Neger"

Kein Wunder, wenn die Gessenharters und Wolffsohns der verschiedenen Hochschulen der BUNTEN Wehr das Millieu der Neuen Rechten - Junge Freiheit, sezession - als ein Scharnier zwischen der CDU und der NPD entlarven.

Hier wird durchgehend ein vermeintliches Weißsein konstruiert, um über das othering Herrschaftsansprüche zu konservieren, von kritischem Weißsein sind jedoch nicht die geringsten Spurenelemente vorhanden.

Von jedem einzelnen Foristen in dieser "Grauzone" (Wolffsohn), wo man sich tummelt zwischen Biologisten, die den Möntschen je nach oberflächlicher Physiognomie in eine Schublade wegsortieren, und solchen, die man vielleicht noch zurückholen könnte in unsere westliche demokratische Wertegemeinschaft.

Dabei hat die neueste Wissenschaft doch längst gezeigt, daß die Anschlussfähigkeit rassifizierter Diskursformationen über die Einhaltung der vier Rassifizierungsebenen beschrieben werden kann. Wenn nun aber diskursive Inhalte oder Komplexe eine rassifizierte Markierungspraxis, eine rassifizierte Differenzierungspraxis, eine rassifizierte hierarchische Positionierungspraxis und eine rassifizierte Ausschluss- oder Ausgrenzungspraxis aufweisen, dann gehe ich davon aus, daß sie an den Komplex rassistisches Wissen anschlußfähig sind.

Zur Besserung - zur Sensibilisierung für interkulturelle Belange - empföhle ich:

a) die Lektüre der Publikation Maureen Maisha Eggers, 2005, Rassifizierte Machtdifferenz als Deutungsperspektive in der Kritischen Weißseinsforschung in Deutschland, Seite 64
oder zumindest das Anhören des Vortrages
b) https://www.youtube.com/watch?v=o4yvd0ATQ3U

Langer
31. August 2014 13:17

https://www.youtube.com/watch?v=o4yvd0ATQ3U

Das ist fast einen neuen Artikel wert.

Ich weiss gar nicht, was ich herausgreifen soll. Vielleicht zusammenfassend aus all dem Geschwurbel: Was will die Negerin? Naja, sie will zuallererst keine Negerin mehr sein. Und weil sie das aber bleiben muss (und auch noch eine Frau!), fordert sie, was die Weissen haben: Praesenz, Oeffentlichkeit, Einfluss, Vormachtstellung und Popularitaet. Dafuer verlangt sie Verzicht von den Weissen, eine Abaenderung ihrer Werke, um die Anspruchstellerin einzuschliessen. Warum soll die weisse Kultur aber geaendert und dadurch fremd werden, warum schafft die schwarze Kultur fuer sich nicht einfach ihre eigenen Werke?

Also eigentlich will sie von ihrer erlebten Andersartigkeit loskommen und erhofft sich das mit dieser Anspruchshaltung. Aber ich behaupte: Das wollen eben die Weissen nicht, sie sind ja nicht blind. Und die Negerin bleibt anders, egal welche Ansprueche sie stellt. Sie wird mit sich nur zufriedener werden, wenn sie nicht weiter versucht, die weisse Kultur auf den Kopf zu stellen, sondern schlichtweg ihre Andersartigkeit akzeptiert und daraus macht, was sich daraus machen laesst.

Einmal mehr muss ich denken, dass der Fehler schon darin besteht, sich auf diese Ebene ueberhaupt einzulassen. Begriffe wie "Weissein" und "Konstrukt" sind verstoerte Hausfrauenidiotie, die man zur Seite lachen sollte.

Nordlaender
2. September 2014 09:37

@ Langer

"Dafuer verlangt sie Verzicht von den Weissen, eine Abaenderung ihrer Werke, um die Anspruchstellerin einzuschliessen."

Der Einschluß (Inklusion) ist das ganz genaue Gegenteil des menschlichen Grundbedürfnisses nach Ausschließlichkeit - Exklusivität ("Ich gehöre zu meiner Familie, der da, der Fremde, aber nicht.").

"Begriffe wie „Weissein“ und „Konstrukt“ sind verstoerte Hausfrauenidiotie, die man zur Seite lachen sollte."

Selbstredend ist "Weiß" (oder Europider Rassenkreis) ein gesellschaftliches Konstrukt. Genau wie "Baum" ein gesellschaftliches Konstrukt ist. Der Signifikant "B_A_U_M" ist ja nun wirklich nicht das Gleiche, wie das "Ding an sich", gegen das ich mit dem Kopf stoße, wenn ich mit geschlossenen Augen durch den Obstgarten marschiere.

Das Mem, daß gesellschaftliche Konstrukte per se etwas Negatives seien, ist weit verbreitet. So eine Alfanzerei finde ich gar nicht so lustig. Vielleicht hilft es ja doch etwas, mal darüber aufzuklären, wie sich eine Gemeinschaft über ihre Kategorisierungen, ihre sprachliche Konstrukte überhaupt erst untereinander verständigen kann.

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