Rechter Dada

Mit der AltRight (Alternative Rechte) hat sich ein synergetisches Gesellschaftsphänomen des virtuellen Zeitalters entwickelt, das die Skurrilität der Weiten des Internets in die Realität überträgt. Dabei beherrschen ihre Vertreter das Trolling wie wenige andere und treiben ihre ideologischen Feinde wie Nutzvieh vor sich her, um ihre Deutungen in die Gesellschaft zu zwingen.

 Gastbeitrag

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Mit der Alt­Right (Alter­na­ti­ve Rech­te) hat sich ein syn­er­ge­ti­sches Gesell­schafts­phä­no­men des vir­tu­el­len Zeit­al­ters ent­wi­ckelt, das die Skur­ri­li­tät der Wei­ten des Inter­nets in die Rea­li­tät über­trägt. Dabei beherr­schen ihre Ver­tre­ter das Trol­ling wie weni­ge ande­re und trei­ben ihre ideo­lo­gi­schen Fein­de wie Nutz­vieh vor sich her, um ihre Deu­tun­gen in die Gesell­schaft zu zwingen.

Die fol­gen­de Betrach­tung soll sich weni­ger mit der Ent­ste­hungs­ge­schich­te und ihren Prot­ago­nis­ten aus­ein­an­der­set­zen, son­dern eini­ge Wirk­me­cha­nis­men fokus­sie­ren, die bis­her nicht im ana­ly­ti­schen Fokus stan­den. Nicht weni­ge Anhän­ger der Alt­Right wür­den womög­lich selbst über die Par­al­le­len ihres Aktio­nis­mus zu Gewe­se­nem staunen.

Meme magic und Cha­os: “I can’t belie­ve Trump’s gon­na be pre­si­dent and we did it with memes”, schrieb nach der Wahl Trumps ein Face­book­nut­zer in über­schweng­li­cher Eupho­rie auf der Face­book­sei­te “God Emperor Trump” – einer Sei­te von vie­len, die The Donald auf iro­ni­sche Wei­se in den Stand einer mytho­lo­gi­schen Gott­heit erhe­ben wol­len. Der Nut­zer nimmt mit sei­ner Aus­sa­ge Bezug auf die soge­nann­te Meme magic, an die vie­le Rechts­al­ter­na­ti­ve glau­ben – frei­lich nur hal­bernst: Die Über­zeu­gung, daß die poli­ti­schen Zie­le real wer­den durch das völ­lig infla­tio­nä­re, will­kür­li­che, “autis­ti­sche”, rück­sichts- und zusam­men­hang­lo­se Streu­en selbst- und frem­der­stell­ter Mems – humo­ris­ti­scher Bil­der mit eige­nen Bot­schaf­ten und Narrativen.

Was auf den ers­ten Blick wie blan­ker Unfug wirkt, fußt jedoch tat­säch­lich auf zwei phä­no­me­no­lo­gi­schen Kon­zep­ten: Vira­li­tät und selbst­er­fül­len­der Prophezeiung.

Je mehr ein Inhalt pro­vo­ziert, zum Nach­den­ken anregt oder unter­hält, des­to eher ver­brei­tet er sich, bin­nen kür­zes­ter Zeit womög­lich mil­lio­nen­fach, gera­de durch das Inter­net. Durch das eige­ne mas­sen­haf­te Ver­brei­ten von Mems tra­gen die Inter­net­ak­ti­vis­ten einer­seits von sich aus zu einer Infor­ma­ti­ons­flut bei und erhö­hen damit zugleich die Wahr­schein­lich­keit, daß ein gewis­ser Pro­zent­satz ihres Out­puts auf Reso­nanz stößt und von Drit­ten wei­ter­ver­brei­tet wird. Durch wie­der­keh­ren­de Mus­ter – etwa den grü­nen Frosch Pepe – prägt sich das Pro­dukt beim End­kun­den ein und schafft eine per­ma­nen­te Präsenz.

Indem sich die Akti­vis­ten gegen­sei­tig uner­bitt­lich zur Tat antrei­ben und gleich­zei­tig auch die Effek­te ihrer Hand­lun­gen beob­ach­ten kön­nen (näm­lich die Reak­ti­on der Mas­se, die unter ande­rem dar­in gip­fel­te, daß selbst Trump hims­elf einen Pepe auf Twit­ter pos­te­te und Hil­la­ry Clin­ton in einer bun­des­wei­ten Rede an die Nati­on auf die Alt­Right zu spre­chen kam), ver­stär­ken sich Selbst­be­wußt­sein, Hin­ga­be­be­reit­schaft und Enga­ge­ment noch viel­fach, was in der Kon­se­quenz zur Beherr­schung gan­zer Reso­nanz­räu­me füh­ren kann. Zeit­wei­lig waren etwa die Kom­men­tar­spal­ten von Hil­la­ry Clin­ton zig­tau­send­fach über­flu­tet von Pepe-Kom­men­ta­ren; Geg­ner ihrer Agen­da muß­ten nur noch bei einer ihrer spär­li­chen Reden auf­tau­chen und “Pepe” schrei­en – und die Deu­tungs­ho­heit war besetzt, zumin­dest aber die ideo­lo­gi­sche Hege­mo­nie des Geg­ners befleckt.

Durch die­se per­ma­nen­te media­le Befeue­rung gelingt es der Alt­Right, den Ein­druck der All­ge­gen­wär­tig­keit zu erwe­cken. Das führt zu einer schlei­chen­den Nor­ma­li­sie­rung der Prä­senz. Dies wie­der­um zu einer schlei­chen­den Akzep­tanz und der Dis­kursfä­hig­keit bis­her völ­lig abwe­gig gewe­se­ner Posi­tio­nen. Das Over­ton win­dow des Sag­ba­ren wird verschoben.

Agree, ampli­fy and trig­ger: In ihrer Eigen­dar­stel­lung gebär­det sich die Alt­Right mit­un­ter völ­lig über­zeich­net, über­trie­ben, exzes­siv und mega­lo­ma­nisch. Dahin­ter steckt nicht etwa blo­ßer Nar­ziß­mus, son­dern die alt­her­ge­brach­te Metho­de des Agree and ampli­fy, die von Kom­mu­ni­ka­tion­trai­nern und Per­sön­lich­keits­coa­ches emp­foh­len wird.

Zusam­men­ge­faßt bedeu­tet die­ses Kon­zept, auf her­aus­for­dern­de Fra­gen und Unter­stel­lun­gen des Gegen­übers nicht mit Recht­fer­ti­gun­gen, Wut oder Abwehr zu reagie­ren, son­dern die Vor­hal­tun­gen zu beja­hen – und sogar dar­über hin­aus als Kari­ka­tur zu über­stei­gern, um so dem Geg­ner den Wind aus den Segeln zu neh­men und sei­ne Posi­ti­on ins Lächer­li­che zu ziehen.

Die Alt­Right treibt die­se Art und Wei­se des Umgangs mit der poli­ti­schen Lin­ken bis zum Exzeß. Und die­se ist in ihrer eige­nen poli­ti­schen Echo­kam­mer viel zu iso­liert und auch bor­niert, um sich dar­über im kla­ren zu sein, daß sie sich durch ihre Panik­re­ak­tio­nen gleich zwei­fach zur Ver­lie­re­rin macht: Ers­tens ent­larvt sie damit die eige­ne Unfä­hig­keit, einen sou­ve­rä­nen Dis­kurs zu füh­ren, indem sie sich der Iro­nie der Rech­ten unterwirft.

Zwei­tens läßt sie sich durch ihre vor­her­seh­ba­re Reak­ti­on wie­der und wie­der zum Spiel­ball der Alt­Right machen, indem die­se nur die ent­spre­chen­den Knöp­fe – Trig­gers – der Lin­ken drü­cken muß und wie bestellt eine Auf­merk­sam­keit über Gebühr ern­ten kann.

Vor die­sem Hin­ter­grund erklärt sich auch, war­um ein Richard Spen­cer bei einer Rede “Hail vic­to­ry!” ins Mikro­phon rief. Er selbst erklär­te dazu bei “Red Ice”:

Whenever the­re is an authen­tic move­ment of iden­ti­ty, […] you’re liter­al­ly Hit­ler, you’re liter­al­ly the KKK […]. In some point we just wan­na throw it back in their face. And do it with a grin, as well. […] The­re is this lay­er of iro­ny to the fas­hy stuff.

Aus Spaß wird Ernst: Daß die Mei­nungs­kor­ri­do­re und die per­ma­nen­te Betrof­fen­heit diver­ser gesell­schaft­li­cher Moral­apos­tel längst zu einem Spiel­feld von soge­nann­ten Trol­len gewor­den sind, die sich dar­an ergöt­zen, die­se Vor­be­ter mög­lichst effek­tiv auf die Pal­me zu brin­gen, bewei­sen nicht nur die man­nig­fal­tig gesperr­ten Kom­men­tar­leis­ten vie­ler Nach­rich­ten­por­ta­le, son­dern auch Foren wie “4chan”. Das Trol­ling als pro­fes­sio­nell aus­ge­führ­tes Hob­by wirk­te für die Alt­Right wie ein Eis­bre­cher im kom­mu­ni­ka­ti­ven Umgang.

Schenkt man Prot­ago­nis­ten wie Richard Spen­cer Glau­ben, soll es nicht weni­ge geben, die sich einst pri­mär mit iden­ti­tä­ren und libe­ra­lis­mus­kri­ti­schen Inhal­ten befaß­ten, “nur um Leu­ten auf den Geist zu gehen”. Das heißt, die­se Men­schen poli­ti­sier­ten sich über­haupt nicht aus einem poli­ti­schen Impuls her­aus, son­dern aus Spaß – und je wei­ter sie es taten, des­to mehr muß­ten sie die Wahr­heit hin­ter den Inhal­ten erken­nen und wur­den eif­ri­ge Mit­strei­ter. Auf die­se Art erreich­te die Alt­Right bis­her völ­lig unzu­gäng­li­che Gesell­schafts­schich­ten, oder anders: wur­de zu dem, was sie ist, weil sie die­sem Trans­for­ma­ti­ons­pro­zeß entsprang.

Anti-Kunst und Dada­is­mus: Am 20. Janu­ar, der Amts­ein­füh­rung Donald Trumps, star­te­te der Schau­spie­ler Shia LaBe­ouf das Kunst­pro­jekt “He Will Not Divi­de Us”. Die­ses soll­te aus einer rund um die Uhr fil­men­den Web­cam auf einem frei­en Platz bestehen, wo Trump-Geg­ner man­tra­ar­tig die Losung des Pro­jekts wie­der­ho­len soll­ten. Geplant war das Gan­ze für die kom­men­den vier Jah­re. Mitt­ler­wei­le wur­de es abgebrochen.

Bereits ab dem ers­ten Tag such­ten Rechts­al­ter­na­ti­ve die Kame­ra auf, flüs­ter­ten rech­te Wort­fet­zen in die Kame­ra, posier­ten in pro­to­fa­schis­ti­schen Phan­ta­sie­uni­for­men, hiel­ten Schil­der mit Pepe in die Kame­ra. Shia LaBe­ouf erlitt wäh­rend die­ser Pro­vo­ka­tio­nen meh­re­re Ner­ven­zu­sam­men­brü­che und wur­de auf­grund einer gewalt­tä­ti­gen Eska­la­ti­on sei­ner­seits sogar vor lau­fen­der Kame­ra von der Poli­zei abgeführt.

Der Höhe­punkt des Trol­lings ereig­ne­te sich bereits weni­ge Tage nach Beginn des Pro­jekts, als sich Rech­te halb­nackt zu einem Flashmob vor der Kame­ra ver­sam­mel­ten, tanz­ten und dabei Milch in rau­hen Men­gen tran­ken. War­um Milch? Ein­fach so. Doch als Lin­ke kru­de Erklä­rungs­mus­ter zu ent­wer­fen began­nen, lan­cier­te die Alt­Right die Ente, Milch sei ein Sym­bol der wei­ßen Ras­se, weil ande­re Ras­sen lac­to­se­into­le­rant sei­en. Dar­auf­hin über­schlu­gen sich lin­ke Seiten.

Die­se Akti­ons­kunst weist gro­ße Par­al­le­len zur euro­päi­schen Dada-Bewe­gung vor dem Ers­ten Welt­krieg auf, nur unter ande­rem Vor­zei­chen. Wäh­rend es dem ursprüng­li­chen Dada­is­mus dar­um ging, tra­dier­te For­men der Kunst zu ver­ball­hor­nen und durch Sinn­lo­sig­keit der Dar­stel­lung und impul­si­ves Gebrüll ins Lächer­li­che zu abs­tra­hie­ren, greift die Alt­Right die­ses Kon­zept nun (wohl unbe­wußt) auf, um den lin­ken Main­stream durchzurütteln.

Der Dada­is­mus bie­tet mit sei­ner Geis­tes­hal­tung des tota­len Zwei­fels am Herr­schen­den, der will­kür­li­chen Form des Aus­drucks und dem Zer­stö­rungs­wil­len gegen­über herr­schen­den Erklä­rungs­mus­tern eine Mög­lich­keit, sich Gehör zu ver­schaf­fen, die gera­de dazu prä­de­sti­niert ist. Dada kommt ohne Begrün­dung aus. Dada braucht kei­ne Recht­fer­ti­gung. Und eben letz­te­res hebelt den mora­li­schen Ham­mer kom­plett aus, durch den sich der Rech­te jahr­zehn­te­lang mit Vor­wür­fen von Hit­le­rei und Ras­sis­mus mund­tot machen ließ und las­sen mußte.

Die Alt­Right kom­bi­niert ihren Neoda­da­is­mus mit den Werk­zeu­gen des 21. Jahr­hun­derts zu einer Form der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­gue­ril­la, die bis dato unbe­kannt war. Es bleibt abzu­war­ten, ob sich die­se Bewe­gung auch in Euro­pa aus­brei­ten und dort eben­so die Mei­nungs­kor­ri­do­re wei­ter auf­spren­gen wird – oder ob sie erwach­sen wird.

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Kommentare (20)

O. Boessmann

25. Februar 2017 09:46

Danke für diese hochinteressanten Einblicke!

RMH

25. Februar 2017 10:18

So eine Art von "Trolling" wird bei uns ja schon seit Jahren von Links aus gegen neue Rechte, Rechtskonservative etc. betrieben, Storch Heinar etc. lassen grüßen. Jetzt ganz aktuell kann man erkennen, dass die SPD bei der Kampagne von Trump abschaut - wir hatten das hier auf diesen Seiten ja bereits, als die "Gottkanzler Trump" Seite besprochen wurde (God Emperor Trump - ergo: wie einfallsreich, ihre lieben Jungsozialisten ...^^ ).

Was bislang das Trolling von linker Seite entlarvt oder uneffektiv gemacht hatte, war dann das Abfeiern dieser "wunderbaren Kreativität" in den als Establishment-Medien zu bezeichnenden Blättern, angegangen bei Spiegel und Konsorten. Man hat einfach, auf gut deutsch gesagt, den Braten 10 Meter gegen den Wind gerochen.

Trolling scheint - für mich als Laien, der ich diese Strategie jetzt hauptsächlich aus den Beiträgen auf dieser Seite kennen lernen durfte (vgl. den schon erwähnte Beitrag zum Gottkanzler) - daher den Aufreger der Gegenseite zum Wirkungsprinzip zu benötigen.

Könnte daher als Handlungsempfehlung lauten, linkes Trolling noch nicht einmal zu erwähnen, sprich, dem Mem keinen Weg zu geben, und dafür selber sorgen, dass die Gegenseite sich in immer neue Empörungswellen ergießt?

Was taugt als "Mem" für die rechte Seite bei uns?

"Na gut, dann bin ich eben ein Nazi"  oder, wie manche Quellen sagen "Okay, ich bin ein Nazi" wie damals Lars von Trier gesagt hatte, wird man nicht auf T-Shirts und Kaffee-Tassen drucken wollen ...

Der Gehenkte

25. Februar 2017 11:20

Danke für einen Einblick in eine Welt, die vielen Konservativen fremd und wohl auch suspekt ist. Geht mir auch so, aber als täglicher Leser u.a. der IB-Seiten, wird man zwangsläufig damit konfrontiert. Die Frage, ob es mehr als ein bißchen "fun" ist, eine Selbstinszenierung in der selbstverstärkenden Mutblase, ist für mich noch immer offen.

Es, das Mem, ist - wie beim Thymos - etwas, das man nicht machen kann. Thymos ist nämlich nicht ein bißchen Aufgeregtheit und Rumgebrülle und auch Pegida dürfte nur teilweise thymotisch erklärbar sein, sondern ist eine prinzipielle innere Aufrichtung aus einer Affirmation des Seins heraus und nicht etwa aus einer Ablehnung. Stolz ist wesentlicher als Wut, denn Wut hat viele Ursachen. Würde, Stil, Aufrichtigkeit, Glaube (an eine Sache) ... das sind die Eigenschaften im thymotischen Feld ...

Auch Meme setzen sich nach unplanbaren Umständen durch. Der Begriff stammt - lieber Jürgen, Sie wissen das - von Richard Dawkins und diente dazu, gewisse Dunkelfelder der engen Evolutionstheorie zu erhellen, etwa bestimmte vererbbare Lernprozesse, verselbständigte sich dann insbesondere nach Susan Blackmores Klassiker „The meme machine“. Sie unterliegen daher den noch dunklen Gesetzen der Auswahl und der Mutation. Was sich warum und wie durchsetzt bleibt meist im Dunkeln, kann daher nicht "gemacht" werden, maximal erzwungen - was der Memetik widerspricht.

Memetik wird zunehmend bedeutsam, keine Frage, aber die meme machine der Altright scheint eher ein zu krude verstandenes Meme-Konzept zugrunde zu liegen. „Die Zeit“ muß für ein Meme empfänglich sein aber sie selektiert selbst, weitgehend unabhängig vom Willen der Memeproduzenten.

Auch Pepe und Kek haben, soweit ich das sehe, die eigene Echokammer nicht verlassen. Es gab ein paar Randnotizen hier und da, vielleicht auch ein paar Bots gegen Hillary, ansonsten kümmert das niemanden außer die Teilnehmer des Hypes, die sich daran selbst berauschen. Daran ändert auch die mythische Herleitung des Phänomens - entweder "gemacht" oder Zufallsprodukt - nichts.

Auffallend die sofortige EntKEKung unmittelbar nach der Wahl Trumps. Der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan. Jetzt versucht man, ihn wiederzubeleben.

Der Bezug auf den DADA ist ganz aufschlußreich. Aufmerksamkeit erheischen, ja, aber das produktive, konstruktive Element wird ausgeblendet.

Das alles bedeutet freilich nicht, daß man die technisch-mediale Entwicklung ignorieren dürfe, im Gegenteil: dort werden die kommenden Schlachten geschagen.

Utz

25. Februar 2017 11:29

Genial! Danke!

Das ist doch das, was wir immer suchen: etwas, das eine gewisse Leichtigkeit reinbringt, etwas was dazu taugt, daß die Akteure auf unserer Seite nicht nur das Gefühl haben Pflicht abzuarbeiten, sondern ihnen auch die Gelegenheit gibt, Spaß zu haben. Wir brauchen kreative Ideen, die festgefahrene Strukturen aufbrechen, uns aus der langweiligen Naziecke rausholen.

Der_Jürgen

25. Februar 2017 12:18

Ein bemerkenswerter Artikel.

Ich lese ab und zu die amerikanische Alt-Right-Website "The Daily Stormer", weil sie wichtige Informationen liefert; auf Richard Spencer bin ich erst dank dieser Website aufmerksam geworden. Wer Sezession-Niveau gewohnt ist, den stösst die vulgäre und aggressive Sprache freilich ab, und er verschwendet keine Zeit daran, sich an den "Diskussionen" auf dem Forum zu beteiligen.

Mit Dada lässt sich zwar trefflich provozieren, aber keine seriöse Politik machen. Wenn die radikale Rechte in den USA wirklich einmal an die Macht kommt, wird sie zwangsläufig mit den nichtweissen Amerikanern verhandeln und Kompromisslösungen finden müssen (z. B. Gründung eines schwarzen Staates im Südosten, in den alle Afroamerikaner umsiedeln könnten, während die Weissen ihn verlassen müssten). Wozu soll es da gut sein, die Neger täglich zu reizen, indem man sie als Kannibalen aus dem Busch karikiert? Man kann über das Problem der schwarzen Kriminalität auch ohne solche Kollektivbeschimpfungen reden.

Man beachte, dass seriöse weiss-nationalistische Bewegungen und Websites ohne dergleichen Provokationen auskommen. Nun ist es aber so, dass Millionen von verbitterten amerikanischen Weissen nicht das intellektuelle Niveau haben, beispielsweise Kevin MacDonald oder Jared Taylor oder Patrick Buchanan zu lesen, während ihnen die intellektuelle Leichtkost des "Daily Stormer" trefflich mundet. Auch zu diesen Menschen, die beim kommenden Bürgerkrieg unentbehrlich sein werden (feine Intellektuelle sind auf dem Schlachtfeld wohl weniger wert als muskulöse Haudegen mit mitterem oder sogar unterdurchschnittlichem IQ), muss man den Zugang finden. Dies versucht die Alt Right zu tun, und sie hat offensichtlich Erfolg.

Eine grosse Schwäche der Alt Right ist die aller radikalen populistischen Bewegungen: Sie zieht zwangläufig abartige Menschen wie Satanisten an, die sich ihrer Aussenseiterposition bewusst sind und darum den Kontakt zu andere Aussenseitern suchen. Bei der Alt Right tut sich ja der widerliche schwule Poseur Milo, über dessen autobiographische Bekenntnisse man am besten pietätvoll den Mantel des Schweigens breitet, hervor (was allerings von vielen alternativen Rechten gar nicht goutiert wird). "Freaks are the plague of every radical movement", hielt Dr. William Pierce einmal fest. 

Die Vergötterung des "Great Leader" Trump durch die Alt Right ist schlicht dumm. Beim "Daily Stormer" tut man so, als sei man dank dem Heilsbringer im Weissen Haus bereits Bestandteil des neuen Mainstreams. Dass der Heilsbringer einen ehemaligen Goldmann-Sachs-Mitarbeiter nach dem anderen in seinen engsten Mitarbeiterkreis beruft, sieht man nicht - d. h. man sieht es sehr wohl, aber man WILL es nicht sehen, oder man erklärt es zum raffinierten Manäver des "Great Leader". Und wenn des Grossen Führers mosaischer Schwiegersohn von keinem anderen als Soros einen Kredit in Höhe von 270 Millionen Dollar bekommt, gehört das vermutlich auch zu des Grossen Führers genialem Plan. - Realitätsverweigerung ist, wie man sieht, nicht auf die Linke beschränkt.

Und wenn Trump vor dem System einknickt, weil er, von Feinden im eigenen Lager, die er unbegreiflicherweise teils selber ausgewählt hat, verraten, seine Pläne nicht durchsetzen kann, was dann? Die Entmutigung wird total sein. Warum keine kritische Unterstützung Trumps, eine Unterstützung auf Bewährung?

 Eine letzte Bemerkung: Man hüte sich bei der deutschen Rechten vor der Versuchung, es der amerikanischen Alt Right gleichzutun und mit oder ohne Meme zu provozieren. Erstens kennen Onkel Heiko und Tante Anetta da keinen Spass; die BRD hat kein First Amendment, dafür aber den Volksverhetzungsparagraphen. Zweitens würden 95 % der Bevölkerung ablehnend bis entsetzt reagieren, weil die Gehinrwäsche hier sehr viel stärker war und ist als in Amerika. "Von Amerika lernen heisst siegen lernen" würde da nicht aufgehen. Pepe tut weise daran,  auch weiterhin nur westlich des Grossen Teichs zu quaken.

Starhemberg

25. Februar 2017 13:19

Sehr interessant. Na dann - Heil Milch!

Stil-Blüte

25. Februar 2017 15:10

Daß wir uns auf den Schalk im Nacken, List und Tücke, karnevaleske Eskapaden, narr-itive Spielverderberei, höheren Blöd- und Unsinn, den 'Gassen-Hauer' als Waffe besinnen, freut mich sehr.

Doch ganz unbeleckt sind die Linken nicht, siehe 'Titanic'

Aber unbeachtet in diesem Aufsatz blieb: Die Partei 'DIE PARTEI' (hat immer recht) mit ihrem Spitzenkandidaten im Europaparlament mit dem vergnüglichen Namen Martin Sonneborn. Gerne verweise ich auch auf Harpe Kerkelings Zeiten   v o r dem Pilgern nach Santiago de Compostella und Helge Schneider, diese Komiker, die das Politische immer schon so lange gedreht und gewendet haben, bis es sich von ganz alleine als völlig verdreht entlarvt hat. Akif Pirinci steht ohnehin auf uns (und wir auf ihm). 

In der Identitären Bewegung mit  Martin Sellner liegen noch mehr Potenzen, flashmob, Überraschungseier, Kuckuckseier legen; gerade jetzt in der Karnevalszeit kann die Weiberfastnacht' - Erstürmung und Schlüsselübernahme eines jeden Rathauses in dieser verrotteten Republik - für die 'Wäscherinnen' einen neuen  eigenen Impuls bedeuten .  

 

Der Gehenkte

25. Februar 2017 17:06

@ Stil-Blüte

Sie sprechen hier ein ganz wichtiges Thema an! Allerdings sollte man unterscheiden: Pepe und Kek sind keine Humorformen sondern Ironie und in dieser Funktion signifikant – aber eben nur in einem sehr engen, sich selbst verstärkenden Feld. Bei allem Ernst der Lage, die ironische Selbstbetrachtung, die mit der Gelassenheit verwandt ist, ist wesentlich – wo sie abhanden kommt, dort setzt die Orthodoxie ein.

Unsere Gesellschaft ist auffällig humorarm geworden. Der gesamte professionelle Bereich versagt und stellt sich in politische Dienste. Das Niveau ist seit der Comedy-Welle ohnehin bis in die reine Verblödung gesunken. Bis Ende der 90er Jahre haben – da haben Sie recht – Helge Schneider und mit Abstrichen auch Hape Kerkeling – subversive Arbeit geleistet. Aber auch ihnen sind die Widerstände weggebrochen, so daß sie sich seither in Endlosschleifen nur noch wiederholen.

Dabei zieht sich das Denken über das Lachen und den Humor durch die gesamte Geistesgeschichte, von Diogenes bis Plessner, von Demokrit bis Carl Julius Weber, von Lukian bis Bergson von Aristoteles bis Freud oder Joachim Ritter etc. Das ist ein weites Feld, das auf Sezession höchste Beachtung verdiente. Immerhin hatte sich Frank Lisson vor ein paar Jahren mit seinem „Humor. Warum wir lachen“ Gedanken gemacht, meines Erachtens aber partiell das Thema verfehlt, weil er wohl eher auf der Suche nach potentiellen Verbündeten zu seinem Homo Absolutus war – ein Zug (eine Form von larmoyantem Narzißmus), den ich auch in seinem neuen Buch „Weltverlorenheit“ als Makel empfinde (obwohl er die Suche damit wohl aufgegeben hat).

Noch ist das Themenfeld neu zu bestellen.

Solution

25. Februar 2017 20:05

Ein informativer, mitreißender Artikel. Der Blick in die USA lohnt sich immer.

Maiordomus

25. Februar 2017 22:41

@Der Gehenkte. Ich hatte unter altem Namen mit Ihnen auch schon mal eine Debatte über Ihren noch aktuellen Zunamen. Was Lisson betrifft, schien er mir doch etwas unausgereift. Zum Humor kann ich Ihnen nur Henri Bergson empfehlen. Ausserdem Morgensterns Philosopie des Humors.

 Wieder sehr gut das neue Sezessionsheft. Empörend, wie es den Kubitscheks neulich im Kino ging, das geht wirklich auf keine Kuhhaut. Es ist aber gut, steht es nur im Heft. Ich lese es heute nacht noch zu Ende. Man sollte es unbedingt abonniert haben.

destijl

26. Februar 2017 03:20

Die Identitären täten gut daran sich vom destruktiven, angeblich post-modernen aber letztlich doch nur prä-pubertären Provokationsstil der amerikanischen Alt-Right fernzuhalten. Die paar Gamer, Anonymous-Anhänger und sonstige Trolle, die man dabei abfängt sind es nicht wert. "Let's party like it's 1933" und Sieg-Heil-Rufe ("Hail Victory") — ist das wirklich sezessionskompatibel? 

Eher bestärkt es die Ängste und Voruteile derer, die sich nach rechts hin öffnen, nämlich dass am Ende doch nur die gleiche, retardierte Fratze des Nazismus zurückglotzt: Bäh! Reingelegt!

Sylvie

26. Februar 2017 04:19

Die Alt Right Bewegung in den USA auf memes und trolling zu reduzieren zeugt von erstaunlicher Fehleinschätzung - auf sezession.de eher eine Seltenheit.

Ich weiß nicht, wer Patrick Behringer ist, aber Sätze wie "In ihrer Eigendarstellung gebärdet sich die AltRight mitunter völlig überzeichnet, übertrieben, exzessiv und megalomanisch." beweisen in ihrer Überheblichkeit, daß er weder Portale wie https://www.counter-currents.com noch https://www.theoccidentalobserver.net/ kennt, noch jemals Texte von führenden Vertretern der Alt Right wie Kevin McDonald oder Greg Johnson, usw. gelesen hat.

Wenn es in diesem Artikel um die Erkenntnis geht, daß memes/Pepe/trolling im Trump Wahlkampf eine Rolle spielten, dann kommt er ein paar Monate zu spät.

Wenn er die Alt Right als einen Haufen unpolitischer Provokateure sieht, liegt er hoffnungslos daneben.

tOm~!

26. Februar 2017 06:59

Zitat von Caroline Sommerfeld: "Triggern" (es gibt keinen guten deutschen Ausdruck dafür, "Auslösen" ist eher beim Backhendl und bei der Kamera passend)."

Der Google-Translator übersetzt "to trigger" mit "Auslösen". Es gibt aber sehr wohl eine nette deutsche Entsprechung, man nennt es "stippeln". Ist aber wahrscheinlich zu "uncool". Zumindest in meinem privaten und kollegialen Umfeld ist dies den Leuten eher ein Begriff als "Triggern". Dies nur nebenbei.

Im echten Leben, kenne ich niemanden, der mit "Pepe" etwas anfangen kann. Oder aber es spricht keiner darüber. Zumindest ist mir bisher kein Mensch aufgefallen, der ihn erwähnt oder zum Thema macht. 

Was den Gastbeitrag von Patrick Behringer angeht, wäre vielleicht noch anzufügen, daß sehr viele Pepe-Aktivisten sich zweifelsohne gegen die jüdische Vorherrschaft in den USA wenden, sei es im Bezug auf das Bankensystem, der Unterstützung Israels, oder dem Einfluss in Hollywood. Nicht umsonst hat man Pepe schnell mit "Antisemitismus" in Verbindung gebracht, was natürlich gerade für deutsche "Patrioten" fatal ist, da sie große Angst davor haben ( müssen ), als "Judenhasser" gebrandmarkt zu werden.

"https://www.dailystormer.com/its-official-adl-makes-pepe-a-symbol-of-hate/"

Den Vergleich mit dem Dadaismus finde ich persönlich deplatziert. Das klingt bei Behringer so, als hätte der etwas Gutes bewirkt. Tatsächlich aber ist die europäische Kunst im 19. Jahrhundert und schon in der Zeit davor, bis heute unübertroffen. Darüber kann es einfach keine zwei Meinungen geben, wenn man nicht gerade zum Kulturrelativismus neigt und darüber hinaus behauptet, Pop, Rap, Heavy Metal und Klassik hätten denselben Stellenwert.

Es gab also gar keinen vernünftigen, nur einen futuristischen Grund, zu Beginn des 20. Jahrhunderts tradierte Formen der Kunst und Gesellschaft ins Lächerliche zu ziehen. Egal ob in der Malerei, der Musik, oder der Literatur, die universal begabten Künstler und Philosophen des alten Europa, waren uns heutigen Europäern handwerklich und geistig vielfach überlegen. Ist einfach so, muss man neidlos anerkennen.

In Europa hatte man im 18. und 19. Jahrhundert durch die Aufklärung eine geistige Freiheit erreicht, die durch die Weltkriege und Demokratisierung Europas wieder beseitigt wurde. Dieses freie Denken mündete in der Belle Époque, die schließlich 1914 endete. Die führenden Köpfe des Dadaismus hatten jedoch später gute Gründe, vor den Nationalsozialisten zu fliehen.

Schon deshalb ist der Vergleich mit der "Alt-Right"-Bewegung ein wenig widersprüchlich, da die Neurechten traditionell und grundsätzlich nichts gegen Autorität einzuwenden haben, wohingegen Dadaisten jede Form davon verachteten.

Die Errungenschaften der Weltdemokratie in Sachen Kunstfertigkeit liegen vor allem in oberflächlicher Künstlichkeit begründet. Selbst ein Mann wie Gidon Kremer, hochdekorierter Freimaurer, beklagt, das Geld habe alles vergiftet.

Heutzutage muss ein "Star" nicht mehr den Nachweis erbringen, ein künstlerisches Handwerk zu beherrschen. Ein Popstar muss noch nicht einmal eine Gesangsausbildung genossen haben. Die Beherrschung eines Instruments ist zur Nebensache geworden.

Äußerlichkeiten bestimmen das Geschäft. Ganz besonders kann man das bei den sogenannten "Casting-Shows" beobachten. Ein Dieter Bohlen hatte niemals einen künstlerischen Anspruch, sondern vor allem Dollarzeichen in den Augen, somit die Bereitschaft, für die Massen weichgespülten "Pop" zu produzieren.

"Der Erfolg gibt ihm recht!"

Das ist der demokratische Fortschritt. Dies könnte man nun zum Beispiel mit der Entstehungsgeschichte von Beethovens großer Fuge vergleichen, um eine Ahnung davon zu bekommen, worauf ich hinauswill.

"https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Fuge"

Ein Josef Haydn, der den größten Teil seines virtuosen Musikschatzes am Hofe von Fürst Esterházy vertonte, musste sich ebenfalls kaum Gedanken um Verkaufszahlen, Werbeverträge, Promoter oder "A&R's" machen.

Seine kapriziöse Musikliteratur beweist es, ich wage sogar zu behaupten, daß einige seiner Sinfonien, wie die innovative 68., niemals möglich gewesen wären, hätte er einen solchen Ballast im Kopf mit sich herumgeschleppt.

"https://youtu.be/lGzrkBQgxIU?t=10m15s"

Interessanterweise gab es zu seiner Zeit höchstens ein paar Sparkassen in den deutschen Landen, es ist also davon auszugehen, daß Geld ganz allgemein eine sehr untergeordnete Rolle spielte. 

Jetzt werden demokratisch und kapitalistisch indoktrinierte Zeitgenossen aufschreien, daß damals aber das gemeine Volk litt, "Feudalherrschaft" herrschte, alle schrecklich arm waren.

Ich halte dem entgegen, daß die Menschen damals noch echteres Brot, köstlichere Biere, bessere Wurst verköstigt haben. Der Wein war vorzüglich, der Käse noch herzhaft, alles war echt.

Heute haben wir viele Volksgenossen, die sich soweit entwürdigen müssen, im Müll nach Pfandflaschen zu suchen, um in der kapitalistischen Gesellschaft noch mithalten zu können, um in den Discountern Dosenfutter oder Fertiggerichte für die Mikrowelle kaufen zu können. Vertiert sind wir Europäer, man kann es nicht anders sagen. Ein Wunder ist es nicht, schließlich behandelt man uns wie Vieh.

Eine weitere Errungenschaft der demokratischen Globalisierung. Die Industrialisierung begann natürlich schon früher, gut, aber was in der Welt des Handels, des "freien" Handels daraus geworden ist, haben die wirtschaftsliberalen Profitmaximierer der Weltdemokratie zu verantworten.

Die Wirkung des Dadaismus hat Europa auch weit gebracht, man kann das beispielsweise anhand der Operninszenierungen von Doris Dörrie oder Peter Sellars sehr gut bewerten, übersteigert wird es nur noch von einem Regisseur wie Calixto Bieito, der es für eine gute Idee hielt, die Werke von Mozart oder Mussorgski mit Oralsex, Kindermord und Leichenschändung in Szene zu setzen. Hauptsache die althergebrachten Traditionen werden provokativ überwunden.

So gesehen ergibt es wirklich Sinn, die demokratischen Vertreter der Globalisierung, die Kosmopoliten und Weltbürger ( ich vermeide es hier von "Linken" zu sprechen ) immer wieder zu stippeln, bzw. zu "triggern".  Es gilt dies jedoch mit Bedacht in vernünftige Bahnen zu lenken.

So wie ich die Sache sehe, scheuen viele Deutsche aber die Konsequenzen, sie sind letztlich viel zu konformistisch, um sich überhaupt mal bewusst zu werden, in welch einem geistigen Gefängnis sie hausen. Sie begreifen nicht, daß die Art wie sie leben, fühlen, denken, sich kleiden oder verhalten, nichts mehr mit Individualität und Eigenständigkeit zu tun hat. Was man dahingehend heutzutage erlebt, hat mit einer Mode auch nichts mehr am Hut.

Zitat von Dirk Müller:

Das ist die Aufgabe der Konzernkünstler: Kapitalmacht in Herrschaft umzusetzen. Sie setzen die Maßstäbe von „gut“ und „böse“, bestimmen, „was man trägt“, „was in ist“, beeinflussen das Fühlen, Denken und Urteilen der Menschen, sind eifrige Diener einer Oligarchie, an die sie sich verkaufen, um das Volk weiterhin zu „verarschen“

"https://www.nachrichtenspiegel.de/2012/05/12/urherberrecht-und-starkult-als-herrschaftsinstrument-eines-neuen-feudalismus/"

Utz

26. Februar 2017 08:02

@ destijl

Sie schrieben:

Die Identitären täten gut daran sich vom destruktiven, angeblich post-modernen aber letztlich doch nur prä-pubertären Provokationsstil der amerikanischen Alt-Right fernzuhalten. Die paar Gamer, Anonymous-Anhänger und sonstige Trolle, die man dabei abfängt sind es nicht wert. "Let's party like it's 1933" und Sieg-Heil-Rufe ("Hail Victory") — ist das wirklich sezessionskompatibel?

Eher bestärkt es die Ängste und Voruteile derer, die sich nach rechts hin öffnen, nämlich dass am Ende doch nur die gleiche, retardierte Fratze des Nazismus zurückglotzt: Bäh! Reingelegt!

Wir müssen nicht ALLES nachmachen, was andere vormachen. Etwas mehr Frische kann trotzdem nicht schaden.

Bezüglich des Abgrenzens: Wir sollten uns nicht von einer Angst terrorisieren lassen, die andere erzeugt haben. Es sind doch unsere Gegner, die uns ständig zu Abgrenzungen zwingen wollen, nach dem Motto: wenn ihr euch nicht von diesen und jenen distanziert, dann mögen wir euch nicht. Ich erinnere an den Vortrag von Thor v. Waldstein (kanal schnellroda; sehr hörenswert, sehr scharf analysiert und intelligent), der davor warnt über jedes Stöckchen zu springen, das einem die Gegner hinhalten.

RMH

26. Februar 2017 11:14

Ich habe den Beitrag von Herrn Behringer jetzt eher unter die Rubrik best practice eingeordnet, mit dem einige tools gezeigt werden, die in der aktuellen politischen Auseinandersetzung nützlich sein werden und nicht als Pro-Dada oder ähnlich Grundlegendes. Schön zu sehn, wie manche hier sich derart selbstkonditioniert haben, dass sie davon schon getriggert werden ;)

https://www.youtube.com/watch?v=-tbY4t18HIg

jack

26. Februar 2017 20:59

Der gute alte deutsche Duden bietet für "Trigger" an:

"auslösender Reiz". Ich liebe die Deutsche Sprache für ihre Genauigkeit.  Mich "triggern" Anglizismen...wozu sage ich besser nicht.

silberzunge

27. Februar 2017 00:23

Absolut wichtig, was Herr Behringer hier schreibt.

Ich verstehe die Kritik mancher hier, kann sie aber nicht wirklich teilen. Es zwingt die Rechte niemand, immer und überall mit Memes zu operieren udgl.

Wenn es Menschen gibt, die ein paar Stunden Zeit und Geist für so etwas übrig haben, sollen sie es machen. Es schadet unserer Sache mit Sicherheit nicht, im Gegenteil. Wer heute mitspielen will, der muss auch dieses Feld beackern. Mit lahmen Parlamentsdebatten und dicken Wälzern (die auch ihre Berechtigung haben) alleine, wird das auch nix. Die Mischung macht es.

Richard87

27. Februar 2017 01:13

Es ist letztlich schon tatsächlich so, daß man Politikformen eines anderen Landes wahrscheinlich nicht einfach übernehmen kann. So wenig, wie Putin nach Amerika und Trump nach Rußland passen würde, so wenig entspricht auch das, was ich bislang so an AltRight-Memes mitbekommen habe, "unserem" Humor bzw. unserem Verständnis. Die God Emperor Trump-Memes mögen ja witzig sein und Pepe genießt auch hier einen gewissen Kultstatus, aber spätestens die Memes mit Pepe in SS-Uniform oder die Stürmer-Juden-Karikaturen in Youtube-Videos über Nihilismus zeigen halt wieder, daß die dort offenbar alles zusammenrühren, was irgendwie "rechts" ist. Eingeschlossen alles, was einem aufstoßen muß, wenn man NS-Deutschland eben nicht nur aus Wolfenstein-Spielen und wegen der schneidigen Uniformen kennt.

Andererseits stimmt es schon auch, daß todesernste deutsche Untergangsrhetorik auch nicht gerade zum Mitmachen einlädt. Was man von drüben in jedem Falle lernen kann, ist, sich selbst nicht immer ganz ernst zu nehmen. Ein deutscher Meme-War wäre sogar zu begrüßen. Aber man wird dann nur selektiv AltRight-Inhalte übernehmen können. Die ersten und letzten fünf Minuten "Daily Stormer"-Lektüre haben dazu bereits ausgereicht. Andererseits: Wenn ein Hamburger JA-Mädel relativ deutlich ihre Brüste in den Mittelpunkt eines Beitrages stellt und das auf Zustimmung stößt bzw. provoziert, warum nicht?

In diesem Zusammenhang würde mich von den profunderen Kennern dieser Richtung auch einmal interessieren: Gibt es dort auch eine Richtung, die eher auf IB-Linie liegt, also auf diesen 14/88- und Juden überall-Mist komplett verzichtet? Und wie steht man dort eigentlich zu der Geschichte der Rassentrennung in den USA, inklusive KKK und Postkarten vom sonntäglichen "Nigger"-Abfackeln?

Hartwig aus LG8

27. Februar 2017 10:22

Wenn einer auf den Nazi-"Vorwurf" damit reagiert, dass er sagt "Ok, dann bin ich eben ein Nazi", dann klingt das defensiv. Die Antwort müsste sein: "Ich bin eine Nazi." Und diese Antwort funktioniert auch nur  in zwei Fällen:

a) wenn er alle Lacher auf seiner Seite hat, weil Charakter, Ausstrahlung und Erscheinung diese Selbstbezichtigung ad absurdum führen.

b) wenn Charakter, Ausstrahlung und Erscheinung dazu führen, dass man einen sich als Nazi Bezichtigenden als nichts Schlechtes bzw. etwas Vorbildhaftes wahrnimmt.

Es ist also so, dass es meistens bzw. bei den Allermeisten nicht funktioniert.

RMH

27. Februar 2017 10:45

"Andererseits stimmt es schon auch, daß todesernste deutsche Untergangsrhetorik auch nicht gerade zum Mitmachen einlädt. Was man von drüben in jedem Falle lernen kann, ist, sich selbst nicht immer ganz ernst zu nehmen. Ein deutscher Meme-War wäre sogar zu begrüßen. Aber man wird dann nur selektiv AltRight-Inhalte übernehmen können."

Genau richtig! Ein schlichtes Kopieren oder Konvertieren, wie es die Sozis mit ihrer Abkupferei bei der God Emperor Trump Sache zu Gottkanzler Schulz gemacht haben, wirkt ja eher peinlich als originell.

Man muss also schon eigene Ideen haben und bringen, die auch in Deutschland gut funktionieren. Alt-Right bietet daher eher Anregung und Lernmaterial im Hinblick auf Herangehensweise und Umsetzung.

Die zündenden Ideen müssen schon aus den eigenen Reihen kommen, gerade damit es originell und nicht copy paste wirkt.

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